Freitag der 3. Woche im Jahreskreis

2 Sam 11,1-4a.c.5-10a.13-17; Ps 51,3-4.5-6b.6c.-7.10-11; Mk 4,26-34

2 Sam 11
1 Um die Jahreswende, zu der Zeit, in der die Könige in den Krieg ziehen, schickte David Joab mit seinen Knechten und ganz Israel aus und sie verwüsteten das Land der Ammoniter und belagerten Rabba. David selbst aber blieb in Jerusalem. 

2 Als David einmal zur Abendzeit von seinem Lager aufstand und auf dem Flachdach des Königspalastes hin- und herging, sah er von dort aus eine Frau, die badete. Die Frau war sehr schön anzusehen.
3 David schickte jemand hin, erkundigte sich nach ihr und sagte: Ist das nicht Batseba, die Tochter Ammiëls, die Frau des Hetiters Urija? 
4 Darauf schickte David Boten zu ihr und ließ sie holen. Dann kehrte sie in ihr Haus zurück.
5 Die Frau war aber schwanger geworden und schickte deshalb zu David und ließ ihm mitteilen: Ich bin schwanger. 
6 Darauf sandte David zu Joab und ließ ihm sagen: Schick den Hetiter Urija zu mir! Und Joab schickte Urija zu David. 
7 Als Urija zu ihm kam, fragte David, ob es Joab und dem Volk gut gehe und wie es mit dem Kampf stehe. 
8 Dann sagte er zu Urija: Geh in dein Haus hinab und wasch dir die Füße! Urija verließ das Haus des Königs und es wurde ihm ein Geschenk des Königs nachgetragen. 
9 Urija aber legte sich am Tor des Königshauses bei den Knechten seines Herrn nieder und ging nicht in sein Haus hinab. 
10 Man berichtete David: Urija ist nicht in sein Haus hinabgegangen.
13 David lud ihn ein, bei ihm zu essen und zu trinken, und machte ihn betrunken. Am Abend aber ging Urija weg, um sich wieder auf seinem Lager bei den Knechten seines Herrn niederzulegen; er ging nicht in sein Haus hinab. 
14 Am anderen Morgen schrieb David einen Brief an Joab und ließ ihn durch Urija überbringen. 
15 Er schrieb in dem Brief: Stellt Urija nach vorn, wo der Kampf am heftigsten ist, dann zieht euch von ihm zurück, sodass er getroffen wird und den Tod findet! 
16 Joab hatte die Stadt beobachtet und er stellte Urija an einen Platz, von dem er wusste, dass dort besonders tüchtige Krieger standen. 
17 Als dann die Leute aus der Stadt einen Ausfall machten und gegen Joab kämpften, fielen einige vom Volk, das heißt von den Kriegern Davids; auch der Hetiter Urija fand den Tod.

Heute lesen wir schließlich von dem, was ich die letzten Tage immer wieder angekündigt habe: von dem größten Fehltritt Davids in seinem Leben.
An seinem Beispiel sehen wir, wie eine Sünde gleich mehrere andere Sünden nach sich zieht. Wir lesen auch, wie Begierde funktioniert, wie sie den moralischen Tod bringt.
Alles beginnt mit einem Abendspaziergang auf dem Dach. König David läuft auf dem Flachdach seines Palastes auf und ab. Dabei sieht er, wie eine Frau sich badet. Er sieht sie. Die richtige Reaktion darauf wäre gewesen, direkt wieder wegzuschauen. Er konnte ja nicht ahnen, dass er so etwas zu Gesicht bekommen würde. Durch das Sehen der Augen wird sehr schnell die Begierde im Herzen entfacht. Deshalb ist das Wegschauen die gesunde schamhafte Reaktion. Im Garten Eden war es noch so, dass Adam und Eva sich voreinander nicht schämen mussten, obwohl sie nackt waren. Die Begierde war auch noch nicht in ihren Herzen, sodass die Scham als Schutzmechanismus noch nicht notwendig war. Nun ist es aber König David, ein Mensch, der mit der Erbsünde des ersten Menschenpaares belastet ist. Er schaut nicht weg. Er erkundigt sich sogar, wer diese Frau ist. Er lässt zu, dass die Begierde in seinem Herzen die Oberhand gewinnt. Die bösen Gedanken, die in ihm aufkeimen, werden zur Sprache gebracht. Er möchte ihre Identität wissen und lässt schließlich nach ihr rufen. Letztendlich setzt er seine bösen Absichten in die Tat um und begeht mit ihr Ehebruch. So funktioniert die Sünde in jedem Menschen. Zuerst wird der Mensch durch seine Sinne oder andere Faktoren getriggert. Dies nennen wir Versuchung. Das geschieht tagtäglich und ist noch nichts Verwerfliches. Dies wird sie erst dadurch, dass man sie nicht direkt ausmerzt oder ablehnt. David schaut nicht weg. Er starrt die Frau an, denn es heißt „die Frau war sehr schön anzusehen“. Er schaut zumindest so lange hin, dass er trotz der Tageszeit etwas Genaueres über ihr Aussehen sagen kann. Er lässt zu, dass die Versuchung ihn besiegt. Er lässt die bösen Gedanken zu. Wenn uns irgendetwas Sündiges in den Sinn kommt, sollen wir den Gedanken abstreifen. Das ist die richtige Reaktion auf die Versuchung. Denn nur so verhindern wir, dass die Gedanken zu Worten werden und die Worte dann schließlich zur Tat übergehen. David lässt es aber zu. Noch mehr. Er erkundigt sich nach ihr. Spätestens jetzt sollte er von alledem die Finger lassen, denn er weiß jetzt erstens, dass sie verheiratet ist, zweitens dass sie keine Israelitin ist. Zumindest ist Urija, ihr Mann, ein Hethiter. Die Hethiter wiederum glauben an tausende Götter und nehmen den Gott Israels nicht an. Spätestens jetzt hätte David einen Schlussstrich ziehen müssen. Aber nein, mit seinem erlangten Wissen setzt er dennoch die böse Tat um, er holt sie zu sich und schläft mit ihr. Was er begeht, ist eine der schwersten Todsünden. Er weiß genau, dass seine Tat eine Sünde gegen das sechste Gebot ist, er tut es in vollem Wissen, nicht spontan, sondern vorbereitet, er tut es freiwillig. Alle klassischen Kriterien für eine Todsünde sind in seinem Fall gegeben. Das Hinterhältige an der Tat ist noch, dass er die Situation ausnutzt, dass Urija gerade gegen die Ammoniter kämpft.
Nach dem Ehebruch entlässt er sie nach Hause, als wäre nichts gewesen.
Sünden haben immer Konsequenzen. Je schwerwiegender sie sind, desto mehr Sünden ziehen sie wiederum nach sich. Batseba wird schwanger. Davids unverantwortliche Tat kann nicht mehr verborgen bleiben. Spätestens jetzt hätte er sich entscheiden müssen, die Sünde zu gestehen und alles aufzuklären. Aber nein, er denkt sich eine Intrige aus, um seine Tat weiterhin zu verdecken. Als Urija von der Schlacht zurückkehrt, macht er ihn betrunken. Er erhofft sich, dass er nach Hause gehen und mit seiner Frau schlafen würde. So würde ihre Schwangerschaft auf ihn selbst zurückgeführt werden. Doch Urija ist zu gottesfürchtig. Das ist übrigens sehr bemerkenswert. Als Hetiter respektiert er die Bundeslade so sehr, dass er ihr zuliebe nicht nach Hause geht. Diese muss nämlich unter freiem Himmel stehen. Sehr ironisch und für uns Hörer noch schmerzhafter. Dieser arme Mann hat es nicht verdient, so einer Intrige anheim zu fallen!
Davids Plan scheitert an der Gottesfurcht eines Hetiters. Kurzerhand muss er umdisponieren und entschließt sich zu einer noch größeren Katastrophe. Er will es darauf anlegen lassen, dass Urija im Krieg ganz sicher fällt. Er verfasst sogar einen Brief an den Feldherrn Joab, indem er ihm aufträgt, Urija an die Spitze zu stellen und ihm im hitzigen Gefecht nicht zu helfen, sodass er stirbt. Das ist eine weitere sehr schwerwiegende Sünde. Man kann es sogar (Auftrags-)Mord nennen, weil es ein sorgfältig vorbereitetes Tötungsdelikt ist. Auch hier erfüllt David alle Kriterien für eine Todsünde. Er kennt die zehn Gebote und tut sie dennoch. Er tut es auch freiwillig, denn Batseba setzt ihm keine „Pistole auf die Brust“. Er zieht auch nicht die Möglichkeit in Betracht, seine Sünde einfach einzugestehen. Gott hat ihm ja die Chance gegeben, indem er die Schwangerschaft Batsebas zugelassen hat.
Urija stirbt und David nimmt dessen Frau offiziell zur Frau. Ich spoilere jetzt einfach mal: Das Kind wird leider sterben. David und Batseba werden aber noch ein weiteres Kind bekommen und dieses wird Gott zu seinem Werkzeug machen – Salomo. Wir sehen also, dass Gott selbst auf krummen Seiten gerade schreiben kann. Gott benutzt unsere armselige sündhafte Natur und kann alles zu Gold wandeln.
Was David heute gemacht hat, ist sehr schrecklich. Er hat nicht nur eine Todsünde begangen, sondern gleich mehrere. Er hat intrigant gehandelt und somit mehrfach gegen das achte Gebot verstoßen (du sollst nicht lügen). Der Ehebruch und der Mord haben ihn in einen tiefen Abgrund gezogen.
Gott wird sich das nicht gefallen lassen. Er wird ihn durch den Propheten Natan konfrontieren und David wird von Herzen bereuen, was er getan hat. Das ist das Entscheidende, weshalb Gott ihn als König nicht verwerfen wird. Gott ist treu und David, möge die Sünde noch so groß sein, liebt Gott. Er hat sich von seiner Begierde leiten lassen, aber im Nachhinein hat er es abgrundtief bereut. An dieser Geschichte sehen wir, dass Gott uns alles vergeben möchte, wenn wir wirklich aufrichtig bereuen, umkehren und uns vornehmen, die Sünden nicht mehr zu tun.

Ps 51
3 Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen! 
4 Wasch meine Schuld von mir ab und mach mich rein von meiner Sünde! 
5 Denn ich erkenne meine bösen Taten, meine Sünde steht mir immer vor Augen.
6 Gegen dich allein habe ich gesündigt, ich habe getan, was böse ist in deinen Augen. So behältst du recht mit deinem Urteilsspruch, lauter stehst du da als Richter.
7 Siehe, in Schuld bin ich geboren und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen.
10 Lass mich Entzücken und Freude hören! Jubeln sollen die Glieder, die du zerschlagen hast. 
11 Verbirg dein Angesicht vor meinen Sünden, tilge alle Schuld, mit der ich beladen bin! 

Der Psalm 51 eröffnet uns Davids Herz, das durch und durch von Reue erfüllt ist. Er betet „Gott, sei mir gnädig“. Er vertraut auf die Barmherzigkeit Gottes, obwohl er so schlimme Dinge getan hat. Er glaubt, dass Gottes Liebe größer ist als seine schlimmsten Sünden. Er bittet den Herrn, dass er in seiner Barmherzigkeit seine Sünden tilgt, dass er seine Schuld abwasche. Er bekennt seine Sünden und ist sich ihrer stets bewusst. Er vergisst zeitlebens nie, was er Gott und den Menschen angetan hat.
Er bekennt und das ist für uns genau die vorbildliche Haltung: Wenn wir gesündigt haben, möchte Gott uns mit seiner Barmherzigkeit umfangen. Wie der verlorene Sohn können wir jederzeit zum Vater zurückkehren. Mit welcher Haltung? Wir zeigen unsere tiefe Reue und bekennen, was wir Böses getan haben. Der Vater weiß es schon längst, aber wir sollen es mit eigenen Worten kundtun, uns und ihm eingestehen, was wir getan haben. Dies tun wir Katholiken im Beichtsakrament. Durch den Priester vergibt uns Jesus dann, er tilgt unsere Sünden, er wäscht uns rein in seiner Barmherzigkeit. Wir bekunden vor ihm, dass wir uns von Herzen vornehmen, von nun an anders zu leben und diese Sünden nicht mehr zu tun. Wir signalisieren ihm, dass wir die Sünden auch wieder gut machen.
David bekennt seine Sünden, er weiß, dass er vor Gott gesündigt hat. Er versteht sich mit diesem Gebet vor Gott dem gerechten Richter und klagt sich selbst an.
Dann kommt etwas Bemerkenswertes in Vers 7. „In Schuld bin ich geboren und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen.“ Als Worte Davids ist dies nicht zu erklären, denn von seiner Herkunft wissen wir nichts über sündhafte Beziehungen. Er ist kein uneheliches Kind. Man könnte diese Worte eher verstehen, wenn sie aus dem Mund des Salomo ertönen würden.
Wir müssen den geistigen Sinn mit einbeziehen: Es ist eine gesamtmenschliche Beobachtung, die er hier zum Ausdruck bringt: Menschen sündigen. Sie sind schon im Zustand der Sünde empfangen worden. Das heißt, nicht die Empfängnis selbst ist Sünde, so als ob der Akt sündhaft wäre, sondern gemeint ist „im Zustand der Sünde“. Und dies ist sowohl auf die Mutter Davids zu beziehen als auch auf das gezeugte Kind David. Was er hier ausdrückt, nennen wir theologisch die Erbsünde. Der Mensch wird schon als gefallene Natur gezeugt, ohne dass er etwas dafür kann. Er ist schon zerbrochen, bevor er geboren wird. Es ist wie ein Virus, das alle Menschen im Griff hat. Er möchte damit sagen: „Herr, du weißt, dass es wie eine weitverbreitete Epidemie ist, dass Menschen nicht tun, was sie wollen, und tun, was sie nicht wollen.“ David wird sich selbst im Nachhinein fremd vorkommen und nicht wiedererkennen. Das ist, was Paulus in Röm 7,19 beschreibt.
David sagt dies nicht, um eine Ausrede für seine Sünden zu haben, sondern er klagt Gott diese allmenschliche Sündhaftigkeit, weil sie ihn belastet. Er hält Gott immer alles hin, was ihn beschäftigt. So haben wir bis heute einen Einblick dessen, was dieser Mensch gedacht und geglaubt hat.
Er sehnt sich nach Versöhnung mit Gott. Er hat sich bei ihm entschuldigt und um Verzeihung gebeten. Er weiß, dass es nun an Gott ist, ihm die Schuld zu vergeben. Deshalb bittet er ihn um „Entzücken und Freude“. Er möchte sozusagen zurück in den Stand der Gnade. Anstatt an seiner Sünde zu zerbrechen, möchte er Gott loben und preisen, wie er ist („jubeln sollen die Glieder, die du zerschlagen hast“).
Der letzte Vers drückt aus, was im Buch der Sprichwörter steht und sowohl der erste Petrusbrief als auch der Jakobusbrief aufgreifen: „Die Liebe deckt viele Sünden zu.“ (Spr 10,12; Jk 5,20; 1 Petr 4,8). Er möchte nicht, dass Gott „ein Auge zudrückt“, um sich vor den Konsequenzen seiner Sünde zu drücken. Er hat sie klar bekannt und nichts beschönigt. Gott hat ihn auch dafür zur Rechenschaft gezogen. Er hat schon seine Strafe bekommen und würde seine Vergehen ein Leben lang nicht vergessen. Was er möchte, ist Gottes Vergebung. Er möchte zur früheren, innigen Beziehung zu Gott zurückkehren. So sollen wir beten: Ganz klar unsere Sünden erkennen und zugeben, sie bereuen und vornehmen, sie nie mehr zu tun. Und doch dürfen und sollen wir Gottes Barmherzigkeit annehmen. Wir dürfen glauben, dass Gott uns alles vergibt, was wir bereuen. Gott „löscht“ diese Vergehen auch aus seinem „Gedächtnis“, auch wenn wir den entstandenen Schaden noch begleichen müssen. Von Exorzismen wissen wir, dass Dämonen die Anwesenden gerne bloßstellen, indem sie ihnen ihre Sünden vor allen Leuten aufsagen. Sie können dabei aber nur das ansprechen, was noch nicht gebeichtet ist. Alles Gebeichtete ist weg. Auch Gott wird uns keine der Sünden vorhalten, die schon gebeichtet und gesühnt ist. So groß ist Gottes Barmherzigkeit, dass er das gar nicht einmal mehr thematisiert, was komplett versöhnt ist. Und doch müssen wir aus unseren Vergehen Konsequenzen ziehen. Ein Heiliger meinte einmal zum Thema „Wie bleibe ich auf dem Boden und werde nicht überheblich?“: Man soll immer wieder an die schlimmste Sünde denken, die man jemals begangen hat. Dann wird man immer demütig bleiben. Von Petrus wissen wir ja, dass er Jesus verleumdet hat, ausgerechnet er, dem Jesus so sehr vertraut hat! Und er hat alles bereut und sein Leben lang nicht vergessen, was er getan hat. Warum? Nicht weil er der Barmherzigkeit Gottes nicht glauben wollte. Nicht weil er sich selbst nicht vergeben konnte. Sondern weil er seine eigene Schuldhaftigkeit, seine wahre Identität vor Gott nie vergessen wollte. In der Kunst wird Petrus deshalb sehr oft mit zwei Linien im Gesicht dargestellt: Es sind die Einkerbungen der abertausend Tränen, die er zeitlebens über die Verleumdung Jesu geweint hat. In dieser Hinsicht ist er mit König David sehr gut vergleichbar. Und wenn man Saul und David mit Petrus und Judas vergleicht, wird auch klar, was bei Gott entscheidend ist: Jeder Mensch fällt, sogar der vermeintlich beste. Entscheidend ist aber, dass er wieder aufsteht. David und Petrus haben dies getan. Saul und Judas nicht.

Mk 4
26 Er sagte: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; 
27 dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst und der Mann weiß nicht, wie. 
28 Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. 
29 Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.
30 Er sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben? 
31 Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät. 
32 Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, sodass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.
33 Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen konnten. 
34 Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen Jüngern aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen allein war.

Im Evangelium hören wir heute weitere Gleichnisse, die das Reich Gottes umschreiben.
Zunächst hören wir vom Samen auf dem Acker. Es ist vergleichbar mit dem Gleichnis vom Sämann. Dieses landwirtschaftliche Bildfeld ist für die Zuhörer Jesu einfach sehr lebensnah und wird deshalb mehrfach verwendet.
Das Säen von Samen auf einen Acker ist das Säen des Wortes Gottes auf die Menschen. Der Mann ist in dieser Situation Jesus, der seine Verkündigung an die gekommenen Menschen richtet. Diese sind somit der Acker. Später werden Jesu Jünger zu den säenden Menschen und Jesu Testament wird der Same sein, den sie auf den Acker der ganzen Welt streuen. Wir können dieses Bild auch auf Gott übertragen. Er ist der säende Landwirt, der seinen Sohn, das fleischgewordene Wort Gottes auf die Erde sät, damit er Frucht bringe in der Welt, die der Acker ist. So bricht das Reich Gottes auf dem Acker an. Dabei muss das Korn sterben, damit es reiche Frucht bringt. Es könnte also schon als Passionsbild gedeutet werden: Gott hat seinen einzigen Sohn für uns, den Acker hingegeben, damit wir gerettet werden. Jesus ist ja das Reich Gottes in Person. Es ist auch moralisch deutbar: Wir alle werden so zu säenden Menschen. Was wir säen, wächst, entwickelt sich und trägt Früchte, ohne dass wir nach dem Säen den weiteren Verlauf beeinflussen können. Die Früchte, die wir ernten, können dabei gut oder schlecht sein. Nicht umsonst heißt es, „ernten, was wir säen“. Das Wort, das wir zu anderen sprechen, kann so vieles bewirken – sowohl Gutes als auch Schlechtes. Was wir Gutes säen und was sich vermehrt, ist der Aufbau des Reiches Gottes. Schließlich ist es anagogisch zu deuten: Gott sät uns in diese Welt, die der Acker ist. Am Ende wird er uns ernten und je nachdem, ob wir gute oder schlechte Früchte geworden sind, trägt er uns in die Scheune oder ins Feuer. Die Sammlung der guten Früchte und das Erntefest, das nun gefeiert werden kann mit diesen Früchten, ist das Reich Gottes, das Himmelreich. Das Bild der Ernte ist in der Bibel oft eine Metapher für die Endzeit.
In der Evangelisierung ist es oft so, dass wir den Anfang machen, aber den weiteren Verlauf nicht mehr mitbekommen. Vielleicht erfahren wir noch von den Früchten, vielleicht aber auch nicht. Ich habe viele solcher Fälle erlebt. Da hat man eine Bemerkung gemacht oder ein kurzes Wort mit jemandem gesprochen und nicht geahnt, wie viel es bei dem Anderen ins Rollen gebracht hat. Eine lange Zeit später hat man diese Person wieder getroffen und sie ist ein ganz anderer Mensch geworden – ein brennender Christ. Wie es sich in der Zwischenzeit entwickelt hat, hat man nicht mitbekommen.
Ab Vers 30 bringt Jesus dann ein weiteres Gleichnis aus dem landwirtschaftlichen Bereich. Das Reich Gottes ist wie ein Senfkorn. Sie werden ein solches vielleicht schon einmal in Händen gehalten haben. Es ist wirklich sehr klein und steht im Gegensatz zu der imposanten Größe der ausgewachsenen Staude, das anderen Lebewesen noch Schatten bietet. Mit diesem Bild möchte Jesus verdeutlichen, dass seine Verkündigung alles andere als imposant beginnt. Er ist zunächst allein, die ersten Jünger sind seine Eltern. Dann kommen nach und nach Menschen hinzu. Die Art und Weise, wie Jesus verkündet, ist schlicht und unkompliziert. Sein Kommen in diese Welt ist schon so unscheinbar gewesen, dass Herodes bei der Erwähnung seiner Geburt aus allen Wolken gefallen ist. Jesus wurde in einem armen Stall geboren. Der große Gott hat sich so klein gemacht, dass er als bedürftiges Baby den Menschen erschienen ist! Wenn das keine Senfkorn-Mentalität ist, was dann? Jesus ist nicht mit Pomp gekommen, er hat seine Verkündigung auch nicht spektakulär betrieben. Er kam einfach zum Jordan und stellte sich zu den anderen Menschen. Johannes sagte sogar: „Unter euch steht einer, den ihr nicht kennt.“ Er ging zu einzelnen Menschen und sagte „komm und folge mir nach“. Wer ihn ansprach, den nahm er kurzerhand mit nach Hause. Mit dieser Schlichtheit und Demut sollen auch seine Jünger evangelisieren. So ist auch das Christentum im ganzen Römischen Reich verbreitet worden. Es war ein Erzählen von Jesus Christus zwischen Tür und Angel, oft waren es Soldaten, Kaufmänner, Sklaven. Es war eine Weitergabe von Mensch zu Mensch, ganz unscheinbar. Und es ist so herangewachsen, dass es im 4. Jh. zur Staatsreligion im Römischen Reich geworden ist! Bis heute ist es die weltweit größte Religion der Welt mit den meisten Mitgliedern. Es ist wirklich zu einer riesigen Senfpflanze geworden. Was mit ein paar Jüngern begann, ist jetzt zur Weltreligion geworden. Das Evangelium von Jesus Christus ist wirklich bis an die Enden der Welt gekommen.

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 3. Woche im Jahreskreis

2 Sam 7,18-19.24-29; Ps 132,1-2.3 u. 5.11.12.13-14; Mk 4, 21-25

2 Sam 7
18 Da ging König David hin und setzte sich vor dem HERRN nieder und sagte: Wer bin ich, Herr und GOTT, und was ist mein Haus, dass du mich bis hierher geführt hast? 
19 Weil das in deinen Augen noch zu wenig war, Herr und GOTT, hast du dem Haus deines Knechtes sogar Zusagen für die ferne Zukunft gemacht. Ist das eine Weisung, wie sie einem Menschen zukommt, mein Herr und GOTT?
24 Du hast Israel auf ewig zu deinem Volk bestimmt und du, HERR, bist sein Gott geworden. 
25 Doch nun, HERR und Gott, verleih dem Wort, das du über deinen Knecht und über sein Haus gesprochen hast, für immer Geltung und tu, was du gesagt hast! 
26 Dann wird dein Name groß sein für ewige Zeiten und man wird sagen: Der HERR der Heerscharen ist Israels Gott! und das Haus deines Knechtes David wird vor deinen Augen Bestand haben. 
27 Denn du, HERR der Heerscharen, Gott Israels, hast deinem Knecht offenbart: Ich will dir ein Haus bauen. Darum fand dein Knecht den Mut, so zu dir zu beten: 
28 Ja, Herr und GOTT, du bist der einzige Gott und deine Worte sind wahr. Du hast deinem Knecht ein solches Glück zugesagt. 
29 So segne jetzt gnädig das Haus deines Knechtes, damit es ewig vor deinen Augen Bestand hat. Denn du, Herr und GOTT, hast es versprochen und mit deinem Segen wird das Haus deines Knechtes für immer gesegnet sein.

Heute hören wir in der Lesung ein wunderbares Herzensgebet Davids. Er schüttet Gott regelrecht sein Herz aus und wir erkennen darin eine ganz demütige Seele. David geht zum HERRN und setzt sich vor ihm nieder. Das heißt, er geht zum Tempel, dorthin, wo Gottes Herrlichkeit in der Bundeslade wohnt. Und er beginnt sein Gebet mit einer rhetorischen Frage: „Wer bin ich schon, dass du mich und meine Familie so weit gebracht hast?“ Das heißt nicht, dass er sich schlecht redet und sein Licht unter den Scheffel stellt, sondern dass er Gottes Wirken an ihm gewöhnlichen Menschen anerkennt. Wer ist er schon (für sich allein), dass Gott ausgerechnet ihn erwählt hat?
Wir Menschen müssen in unserem Leben erkennen, wie arm wir vor Gott sind. Nur dann können wir das Himmelreich erben (Mt 5,3). Alles Gute, das wir zustande bringen, haben wir Gott zu verdanken, der uns dazu befähigt. Wenn wir uns dessen immer bewusst sind, werden wir nie überheblich, auch nicht in unserem Erfolg. Dann werden wir selbst und die Menschen um uns herum immer die Gnade Gottes würdigen und erkennen, dass Gott in unserem Leben wirkt. Gewiss müssen wir selbst auch etwas tun, nämlich alles, was in unserer Macht steht. Dass wir dies aber tun können, ist wiederum seiner Gnade zu verdanken, die uns befähigt, mit Gott in Teamwork zu arbeiten. Auch gerade als Kirche dürfen wir nicht vergessen, dass wir ohne Gott sofort zerbrechen, nämlich wie eine Herde ohne Hirte, deren Tiere zerstreut werden. Dass wir eine Gemeinschaft von Gläubigen sind, haben wir Christus zu verdanken, der sie gestiftet hat. Unser ganzes kirchliches Leben muss aus Christus heraus vollzogen werden, damit es Bestand hat. Und nicht wir haben ihn erwählt, sondern er hat uns erwählt (Joh 15,6).
David dankt Gott für die ausführliche Verheißung, die ihm über Natan vermittelt worden ist. Er dankt ihm für die Zusagen auch in der Zukunft, die schon nicht mehr ihn selbst, sondern seinen Sohn betreffen. So ist Gottes Segen. Er geht immer über auf die nächsten Generationen. Das ist aber leider nicht nur mit Segen, sondern auch mit Fluch so. Wenn wir uns gegen Gott versündigt haben oder jemand uns Böses gewünscht hat, trifft es nicht nur uns, sondern auch unsere Nachkommen. Das heißt sie müssen wegen unserer Sünde leiden. Vergessen wir das nie, wenn wir meinen, unsere Sünden nicht bekennen zu müssen.
David bittet den HERRN daraufhin, sein Wort wirklich wahr zu machen. Das ist kein Ausdruck von Misstrauen. Wir wissen gerade von David, dass er ein ganz inniges Verhältnis zu Gott hatte und ihm immer ganz vertraut hat. David ist vielmehr davon überzeugt, dass er von Gott alles erbitten darf wie ein Kind auf dem Schoß des Vaters offen sprechen darf.
Der Name des HERRN wird dann groß sein, die Menschen werden so wie damals beim Auszug aus Ägypten den Gott Israels anerkennen, weil er so große Taten vollbracht hat.
David bekundet erneut, dass es für ihn nur den einen Gott gibt. Er bekundet seine Liebe einzig und allein dem Gott Israels und zeigt ihm, dass er ihm ganz glaubt.
Bemerkenswert ist der eine Satz, den man schnell überliest: „Deine Worte sind wahr.“ Er meint damit natürlich hier in diesem Kontext die Verheißungen, die er wahr werden lässt. Wir lesen dies aber noch viel tiefer. Die Worte Gottes sind zusammengefasst in einem einzigen Wort. Das erkennen wir, die wir das Johannesevangelium kennen, die wir vom Hl. Geist geleitet das gesamtbiblische Zeugnis lesen und verstehen. Jesus ist das WORT. Und er ist wirklich die Wahrheit (Joh 14,6). Wir verstehen schon christologisch, was König David noch gar nicht wissen konnte. Hier ist wieder mal der Hl. Geist im Spiel!
Zum Ende hin erbittet er den Segen Gottes auf sich und auf dem ganzen davidischen Haus. David versteht, dass sein ganzer Erfolg vom Segen Gottes abhängt. Das ist sehr vorbildlich. Auch wir können nur dann im Leben glücklich sein, wenn wir den Segen Gottes haben. Dann wird alles andere dazugegeben: ein guter Beruf, eine heile Familie, Frieden, Gesundheit etc. Das alles hängt davon ab, ob Gott seine „Hand über uns hält“. Das muss uns immer vor Augen stehen und deshalb sollen wir immer die Menschen um uns herum segnen, ihnen den Segen Gottes wünschen. Diesen haben wir aber nur dann, wenn unsere Beziehung zu ihm intakt ist, das heißt wenn wir seine Gebote halten und im Stand der Gnade sind (Dtn 11,26). Das bedeutet nicht, dass Gott Vorbehalte macht und seine Gnadenspendung an irgendwelche anspruchsvollen Bedingungen knüpft. Das heißt, dass wir Menschen die Gnadenmenge selbst entscheiden – je nachdem wie weit wir selbst uns von Gott entfernen. Gott ist immer derselbe. Er wartet geduldig Zuhause auf die Rückkehr seines rebellischen Sohnes/seiner rebellischen Tochter, die auszieht, um alles zu verprassen, nur um dann zu merken: „Ich bin ja gar nichts ohne meinen Vater. Nicht mal die Schoten für die Schweine darf ich essen.“ David ist ganz beim Vater und sagt ihm auch deutlich zu: Du bist der einzige für mich. Bitte segne mich.
Lernen wir von David, der so offen und vertrauensvoll mit Gott spricht. So muss Gebet sein. Es soll kein „Geplapper“ sein (das sagt übrigens nichts über die Quantität der Worte aus, sondern über die Qualität), bei dem das Herz und die Gedanken ganz weit weg sind. Es ist vielmehr ein Ausschütten des Herzens und ein Sitzen auf dem Schoß des Vaters. Gott zögert nicht, uns ganz mit seiner väterlichen – und mütterlichen! – Liebe zu umfangen, zu erfüllen, zu ermutigen. So werden wir verwandelt und gehen als neue Menschen aus dem Gebet heraus.
Das gilt nicht nur für Einzelmenschen, sondern für die gesamte Kirche. Wir werden Christus immer ähnlicher, wenn wir das Herz der Kirche immer mehr dem Herrn öffnen. Das Stichwort ist die Eucharistie. Wo sie nicht mehr gefeiert wird, stoppt auch der größte Gnadenstrom. Ohne diesen stirbt aber die Kirche. Deshalb beten wir auch so intensiv um geistliche Berufungen. Ohne Priester können wir keine Eucharistie mehr feiern.
Lassen wir uns heute von David motivieren, selbst so bei Gott zu sitzen, vor allem im ausgesetzten Allerheiligen. Da spüren wir am meisten, wie er uns direkt anschaut. Er hört uns zu und wir können ihm alles sagen. Erzählen wir ihm von unserem Tag, danken wir ihm für alles Gute und bitten wir ihn um seinen Segen für unser ganzes Leben. Und wenn wir dann still werden und ihm zuhören, antwortet er unserem Herzensgebet auch.

Ps 132
1 Ein Wallfahrtslied. Gedenke, HERR, zugunsten Davids all seiner Mühen,
2 wie er dem HERRN geschworen, gelobt hat dem Starken Jakobs: 
3 Nicht will ich das Zelt meines Hauses betreten noch zum Ruhen mein Lager besteigen,
5 bis ich für den HERRN eine Stätte finde, Wohnung für den Starken Jakobs.
11 Der HERR hat David Treue geschworen, nicht wird er von ihr lassen: Einen Spross deines Leibes will ich setzen auf deinen Thron. 
12 Wenn deine Söhne meinen Bund bewahren, mein Zeugnis, das ich sie lehre, dann sollen auch ihre Söhne auf deinem Thron sitzen für immer.
13 Denn der HERR hat den Zion erwählt, ihn begehrt zu seinem Wohnsitz:
14 Das ist für immer der Ort meiner Ruhe, hier will ich wohnen, ich hab ihn begehrt.

Wir beten heute ein Wallfahrtslied, weil es in der Lesung um das Gebet im Tempel geht. Die Gruppe der Wallfahrtspsalmen haben den gemeinsamen Kern, um Segen zu bitten. Deshalb passt er heute ganz besonders gut als Antwort auf die Lesung. Er hat wiederum viele Verse, deren geistlicher Sinn besonders christologisch ist.
Auch im Psalm geht es um die Bitte um den Segen Gottes. Gott wird daran erinnert, was er David versprochen hat. Der Beter – das sind die Wallfahrer nach Jerusalem zu den großen Wallfahrtsfesten – bekunden, dass sie alles daran setzen werden, Gott ein Haus zu bauen. Damit ist der Bau des Tempels in Jerusalem gemeint. Im Sinne Davids beten die Psalmisten, dass sie dadurch Gott die ihm gebührende Ehre geben wollen.
In Vers 11 wird daran erinnert, dass Gott David die Treue geschworen hat – dies ist uns gestern durch den Propheten Natan bekannt geworden. Mit dem „Spross deines Leibes“ ist Salomo gemeint, der leibliche Sohn Davids. Dieser soll den Königsthron besteigen, wenn sein Vater dahinscheidet. Die Metaphorik erinnert an Jesaja, dessen Verheißung 300 Jahre später kommt. Auch dort wird ein Spross dieser Familie vorausgesagt, der auf König Hiskija hindeutet. Wir lesen beide Stellen schon christologisch: Der „Spross des Leibes“ ist mehr als nur ein König. Es ist der Sohn Davids, Christus. Ebenso ist Jesajas Prophetie über König Hiskija hinauszugehen, denn der „Spross aus der Wurzel Isai“ ist der Sohn Davids, Christus. Darin wird die Verheißung und das Heil Gottes vervollkommnet. Dieser König ist nicht von dieser Welt und doch der König aller Könige. Hier geht es um mehr als nur ein irdisches „Glück“. Es geht um das Heil des Volkes in Ewigkeit.
Und in Vers 12 wird dieser Ewigkeitsgedanke besonders deutlich: Wenn die Söhne den Bund bewahren, werden auch sie, dann werden auch ihre Nachkommen auf dem Thron sitzen für immer. Das betrifft auch uns heute – denn das Sitzen auf dem Thron ist dann anagogisch zu verstehen als „Sein bei Gott“. Wenn wir den Bund mit Gott bewahren, also die Taufgnade nicht verspielen und im Stand der Gnade sterben, dann werden auch wir wie die 24 Ältesten und wie die Mutter Gottes im Himmel „thronen“.
Der HERR hat den Zion erwählt – natürlich nicht den Berg, sondern das meint sinnbildlich Jerusalem und das dortige Heiligtum. Denn der Tempel ist der Wohnsitz Gottes auf Erden. Wenn wir den nächsten Vers hinzuziehen, merken wir aber, dass es über die wörtlich-historische Bedeutung hinausgeht. „Für immer“ könnte im Kontext eines Liedes natürlich auch einfach ein rhetorisches Stilmittel sein. Der tiefere Sinn dahinter ist aber, dass „Zion“ und „Wohnsitz“ noch weitere Bedeutungen hat: Gott hat sich nämlich auf Erden als Wohnsitz eine Frau erwählt, durch die er in die Welt hineingeboren würde, Maria. Sie ist der Zion, der Berg, von dem die Weisung ausgeht, wie wir im Advent gehört haben. Sie wird zum Wohnsitz Christi, der neun Monate in ihrem Leib heranwächst. Maria ist Archetyp der Kirche. Diese ist der Wohnsitz Gottes auf Erden seit dem Neuen Bundesschluss. Diese hat Gott sich wirklich ausgesucht. Christus hat sich die Jünger ausgesucht, er hat ihnen aufgetragen, wie SEINE Kirche sein soll. Petrus soll der Fels sein, auf dem sie errichtet ist. Kirche ist von Christus gestiftet, nicht von Menschen selbstgemacht. Und deshalb sagt Jesus ihr auch zu: „Das ist für immer der Ort meiner Ruhe.“ Seine reale Gegenwart ist für immer gegeben. Er ist in seiner Kirche gegenwärtig, wie er als Mensch auf Erden gewandelt ist. Er besitzt jetzt nur eine andere Gestalt.
Wir müssen es auch auf jeden einzelnen Menschen beziehen. Gott hat jeden Menschen als sein Abbild geschaffen, er hat jeden Menschen erwählt, sein Kind zu sein. Jene, die dem Ruf folgen und zum Glauben an ihm kommen, lassen sich taufen und nehmen somit den Neuen Bund an. Gott nimmt von da an Wohnung in ihrem Herzen, der der Tempel des Hl. Geistes ist. Dieser Bund ist ewig und Gott ist treu. Er verlässt den Menschen niemals. Jesus hat uns vor seiner Himmelfahrt versprochen: „Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20).
Das Ganze ist vor allem anagogisch zu verstehen, was wir an den Stichworten „für immer“ und „Ruhe“ erkennen können. „Zion“ ist das Himmelreich. Es ist der „Wohnsitz“ Gottes und der Ort der Ruhe. Diese ist eine Frucht des Hl. Geistes. Nicht umsonst wird die Ewigkeit als ein ewiger Sabbat umschrieben. Und deshalb beten wir auch für unsere Verstorbenen: „Herr, gib ihm/ihr die ewige Ruhe.“

Mk 4
21 Er sagte zu ihnen: Zündet man etwa eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel oder unter das Bett? Stellt man sie nicht auf den Leuchter?

22 Denn es gibt nichts Verborgenes, das nicht bekannt werden soll, und nichts Geheimes, das nicht an den Tag kommen soll. 
23 Wenn einer Ohren hat zum Hören, so höre er! 
24 Weiter sagte er: Achtet auf das, was ihr hört! Nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden, ja, es wird euch noch mehr gegeben. 
25 Denn wer hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.

Gestern hörten wir im Evangelium von dem Gleichnis vom Sämann. Heute setzt sich die Gleichnisserie fort. Jesus geht es bei dem Gleichnis vom Sämann ja um die richtige Herzenshaltung der Menschen, um ihre Empfängnisbereitschaft des Samens Gottes, den er in seinem Wort ausstreut. Heute erklärt er anhand eines weiteren Bildes, wie das Hören funktioniert, von dem gestern auch die Rede war.
Jetzt kommt genau das Bild, das wir vorhin bei David ganz klar ausgeschlossen haben: Das Licht stellt man nicht unter den Scheffel oder unter das Bett. Es gehört auf den Leuchter. Ganz logisch. Wie ist das zum Gleichnis vom Sämann in Beziehung zu setzen? Das Licht, das entzündet wird, ist ein anderes Bild für den Samen. Es ist das Wort Gottes, das dem Menschen verkündet wird. Der Vorgang des Entzündens ist diese Verkündigung. Was nun mit diesem Licht gemacht wird, sind die verschiedenen Böden, auf die der Same fällt. Der Scheffel, von dem hier die Rede ist, ist eigentlich ein Hohlmaß jener Zeit. Man benutzt es auch für Gefäße, die dieses Maß besitzen. Hier ist also ein Gefäß gemeint, das man über das Licht stülpt. Wenn man dies tut, wird das Licht ja gelöscht. Dieses Bild ist also vergleichbar mit dem Dornengestrüpp oder der sengenden Hitze der Sonne aus dem ersten Gleichnis. Stellt man es dagegen auf den Leuchter, leuchtet es allen im Haus. Mit diesem Gleichnis wird das rechte Hören noch weitergeführt. Es stellt eine Weiterentwicklung dar. Es geht nicht mehr nur darum, dass man das Wort Gottes in sich aufnimmt und es in sein eigenes Denken, Sprechen und Handeln übernimmt, sondern dass man es auch weitergibt an andere! Das Licht soll auch anderen leuchten, sie wärmen, ihnen Hoffnung schenken. Gott entzündet uns nicht für uns selbst, sondern dass wir weitergeben. An anderer Stelle sagt Jesus „umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ (Mt 10,8). Das Fließen der Gnade gerät ins Stocken, wo wir sie für uns behalten. Nur wenn wir weitergeben, wird uns noch mehr und noch mehr gegeben ohne Ende.
Das wird uns am Ende des Evangeliums noch beschäftigen. Doch zunächst zu diesem Vers: Jesus begründet auch damit, dass nichts Geheimes geheim bleibe, dass alles ans Licht komme. Das ist in diesem Kontext weniger als Drohung gemeint, vielmehr als positive Konsequenz des Lichtes (natürlich sagt die Bibel auch, dass alle Geheimnisse offenbar werden, auch gerade die bösen Dinge. Hier in diesem Kontext geht es aber nicht darum). Es ist zu vergleichen mit dem Bild der Stadt auf dem Berg. Sie kann nicht verborgen bleiben (Mt 5,14). Wer durch die Gnade Gottes glänzt, die ins Herz eingepflanzt ist, kann nur auffallen. Je dunkler es um einen herum ist, desto heller erscheint das Licht auf dem Leuchter. Wir sollen dieses Licht auf dem Leuchter sein, das anderen Menschen strahlt. Wir sollen also zum Wort Gottes stehen, das heißt wir sollen zu Christus stehen. Nicht nur im Kämmerlein, sondern offen. Wir sollen nicht so feige sein, in einer Gruppe zu schweigen, wenn Jesus gelästert wird. Dann sollen wir mutig sein und für ihn einstehen. Wenn wir sehen, dass alle um uns herum gegen die Gebote verstoßen, die Liebe nicht leben, dann sollen wir nicht mitziehen, sondern dennoch zu Christus stehen. Das wird auffallen und zwar nicht immer nur positiv. Es wird viel gesellschaftlichen Druck geben, Druck von Freunden, von Familie. Aber es wird auch Menschen geben, die es berührt und die dadurch wiederum zum Glauben kommen. Wir entzünden Menschen also nicht nur durchs Predigen – und es gibt wirklich viele, die alle Menschen durch langes Einreden und mit hundert Bibelstellen bekehren wollen, am besten noch heute. Es ist wichtig, das Evangelium zu verkünden, aber das Entscheidende, das Menschen zum Glauben bringt, ist das gelebte Evangelium. Wir sehen es an Christus. Aus ganz Israel reisen die Menschen zu ihm wegen der Dinge, die er GETAN hat. Durch unser Verhalten geben wir das stärkste Zeugnis, das die anderen Menschen „entzündet“ und den „Samen Gottes ausstreut“. Wenn sie dann nachfragen, ist es an der Zeit, darüber zu sprechen.
Dann erfolgt wieder das oft formulierte Wort „Wer Ohren hat, der höre.“ Was damit gemeint ist, erklärte ich in meinem gestrigen Post, schauen Sie dort gerne vorbei! Es ist ein Hinhören und ein auf ihn Hören, das das gehorsame Befolgen des Willens Gottes mit einschließt.
„Achtet auf das, was ihr hört“ ist etwas unglücklich übersetzt. Wörtlich steht da eigentlich „seht, was ihr hört“. Es bekräftigt den vorherigen Vers. Wir sollen das Gehörte wirklich beachten im Sinne von befolgen. Wir sollen es vor Augen haben. Je nachdem, wie wir das Gehörte annehmen, werden wir gerichtet. Das Maß, mit dem wir messen, wird an uns angelegt. Wir verstehen das in dem Kontext richtig, wenn wir das zweite Verb beachten, das hier steht. Es geht nicht nur ums Messen, sondern auch ums Dazugeben (das griechische Verb ist προστίθημι prostithemi „dazugeben, hinzufügen“). Das ist so zu verstehen, wie ich es vorhin mit dem Fließen des Gnadenstroms umschrieben habe. Je nachdem, wie viel ich in mich aufnehme von der Gnade Gottes (Same/Licht) und an andere weitergebe (Licht auf dem Leuchter, dass es allen leuchte im Haus!), so viel wird mir wiederum dazugegeben. Es kommt immer nach wie ein nie endender Strom einer unversiegbaren Quelle. So ist der Hl. Geist, das lebendige Wasser. Was wir bekommen, geben wir weiter. Und so bekommen wir immer mehr, um es noch mehr weiterzugeben.
Wenn wir das erstmal richtig verstanden haben, wird uns auch der letzte Vers aufgehen: „Wer hat“ meint in diesem Kontext dann „wer den Samen/das Licht hat“. Wer sich entzünden ließ und das Licht auf den Leuchter stellte, wer den Samen in sich aufgenommen hat, wachsen ließ und Früchte trug, bekommt noch mehr. „Wer aber nicht hat“, das heißt kein Licht und keinen Samen, also den Scheffel darüberstülpte, den Samen verdorren/absterben ließ, dem wird auch noch weggenommen was er hat. Was kann er denn noch haben, wenn er beides verstreichen ließ? Den Zugang zum Gnadenstrom. Dieser stoppt, wo man einen Damm baut. Die Seele ist kein reißender Fluss mehr, sondern wird zu einem Stausee, dessen Wasser verfault und stinkt, weil es abgestanden ist. Es fließt keine Gnade mehr – und ich wiederhole, was ich oben gesagt habe: nicht wegen Gottes Begrenztheit, sondern weil MAN SELBST den Staudamm errichtet hat.

Wir können Lesung und Evangelium absolut zusammen lesen. David versteht, dass er ohne die Gnade Gottes überhaupt nicht weit kommt. Er erbittet Gottes Segen und bekundet ihm ganz deutlich, dass er sich ganz zur Verfügung stellt. Er betont Gott gegenüber auch, dass er der Einzige für ihn ist. Somit räumt David alle „Äste, jeden Dreck, Stein, Schlamm etc.“ aus dem Weg, dass der Gnadenstrom ganz und gar unverhindert fließen kann. Und David weiß, dass alles Gute, was er bisher erreicht hat, diesem Gnadenstrom Gottes zu verdanken ist. Es ist gleich der erste Satz, den er betet.
Und Jesus lädt seine Jünger damals und uns heute dazu ein, es David gleichzutun. Hüten wir uns davor, Staudämme zu errichten und die Gnade Gottes schön für uns selbst auszukosten. Hüten wir uns davor, den Hl. Geist in uns auszulöschen. Dies kommt einem seelischen Selbstmord gleich. Das wird Jesus an anderer Stelle noch mit dem Gleichnis der Talente verdeutlichen. Was Gott uns geschenkt hat, darüber haben nicht wir zu verfügen, sondern er. Wir haben gar kein Recht, die Begabungen, die er uns geschenkt hat, zu vergraben, absterben zu lassen. Diese sind da, um ANDEREN zu dienen. Wir sollen uns auch nicht anmaßen, diese Begabungen als unser eigenes Verdienst anzusehen. Bevor wir uns versehen, werden sie uns weggenommen. Ich habe selbst so etwas in meinem Umfeld gesehen. Da war z.B. eine Frau, die eine wunderschöne Stimme von Gott bekommen hat. Diese gab er ihr natürlich, damit sie ihn lobt und preist und die Menschen im Herzen berührt, dass auch sie Gott loben und preisen. Sie hat sich aber mit der Stimme selbst gerühmt. Was ist passiert? Sie wurde sehr krank und verlor ihre Stimme. Sie selbst hat erkannt, warum das passiert ist, und sagte mit eigenen Worten zu mir: „Das hat Gott zugelassen, weil ich mich mit Gottes Federn geschmückt habe. Ich habe nicht richtig verwendet, was er mir ausgeliehen hat.“ Sie bereute alles, kehrte um und siehe da, ihre Stimme kehrte mit den Jahren teilweise zurück. Von da an sang sie nur noch für Jesus.
Was Gott uns an Gnade schenkt, ist in sein Werk zu investieren, nicht für unsere Selbstbeweihräucherung. Und wenn wir zurückschauen auf unser Leben, dann sehen wir, wie viel Gott durch uns bewirkt hat. Dann können auch wir nur sagen: „Wer bin ich, dass du mich und mein Haus so weit hast kommen lassen?“

Hören, aufnehmen, fruchtbar sein, abfärben auf unseren Nächsten. Das ist die Art und Weise, wie wir evangelisieren sollen. Der Gnadenstrom wird dann nie enden. Wenn wir die Reihenfolge umdrehen, funktioniert es aber nicht mehr. Zuerst auf Gott hören und sich selbst verwandeln lassen. Dann kann man auch die anderen verwandeln. Aktivismus ohne eigenes Brennen führt ins Nirgendwo. Das sollten wir in der Pastoral immer wieder beherzigen.

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 3. Woche im Jahreskreis

2 Sam 7,4-17; Ps 89,4-5.27-28.29-30; Mk 4, 1-20

Liebe Freunde, die heutigen Textabschnitte sind etwas umfassend. Dies kommt einem aber nicht so vor, denn die Lesungen haben es in sich.

2 Sam 7
4 Aber in jener Nacht erging das Wort des HERRN an Natan: 
5 Geh zu meinem Knecht David und sag zu ihm: So spricht der HERR: Du willst mir ein Haus bauen, damit ich darin wohne?
6 Seit dem Tag, als ich die Israeliten aus Ägypten heraufgeführt habe, habe ich bis heute nie in einem Haus gewohnt, sondern bin in einer Zeltwohnung umhergezogen. 
7 Habe ich in der Zeit, als ich bei den Israeliten von Ort zu Ort zog, jemals zu einem der Stämme Israels, die ich als Hirten über mein Volk Israel eingesetzt hatte, ein Wort gesagt und sie gefragt: Warum habt ihr mir kein Haus aus Zedernholz gebaut? 
8 Sag also jetzt meinem Knecht David: So spricht der HERR der Heerscharen: Ich habe dich von der Weide und von der Herde weggeholt, damit du Fürst über mein Volk Israel wirst,
9 und ich bin überall mit dir gewesen, wohin du auch gegangen bist. Ich habe alle deine Feinde vor deinen Augen vernichtet und ich werde dir einen großen Namen machen, der dem Namen der Großen auf der Erde gleich ist.
10 Ich werde meinem Volk Israel einen Platz zuweisen und es einpflanzen, damit es an seinem Ort wohnen kann und sich nicht mehr ängstigen muss und schlechte Menschen es nicht mehr unterdrücken wie früher 
11 und auch von dem Tag an, an dem ich Richter in meinem Volk Israel eingesetzt habe. Ich verschaffe dir Ruhe vor allen deinen Feinden. Nun verkündet dir der HERR, dass der HERR dir ein Haus bauen wird. 
12 Wenn deine Tage erfüllt sind und du dich zu deinen Vätern legst, werde ich deinen leiblichen Sohn als deinen Nachfolger einsetzen und seinem Königtum Bestand verleihen. 
13 Er wird für meinen Namen ein Haus bauen und ich werde seinem Königsthron ewigen Bestand verleihen. 
14 Ich werde für ihn Vater sein und er wird für mich Sohn sein. Wenn er sich verfehlt, werde ich ihn nach Menschenart mit Ruten und mit Schlägen züchtigen. 
15 Nie wird sich meine Huld von ihm entfernen, wie ich sie von Saul entfernt habe, den ich vor dir entfernt habe.
16 Dein Haus und dein Königtum werden vor dir auf ewig bestehen bleiben; dein Thron wird auf ewig Bestand haben. 
17 Natan sprach zu David genauso, wie es gesagt und offenbart worden war.

Der Anlass für die Eingebung Natans des Propheten hier in der Lesung ist Davids schlechtes Gewissen. Er lebt in einem festen Palast aus Zedernholz, einem Material, das in Israel eher seltener anzutreffen ist. Generell wird wenig mit Holz gearbeitet. Die Bundeslade dagegen befindet sich immer noch im Offenbarungszelt, also keinem festen Tempel. David liebt Gott sehr und erkennt deshalb selbst dieses Unverhältnis. Natan erhält im Anschluss an diese Gedanken Davids, die er ihm eröffnet hat, die heutige Eingebung durch Gott. Es ist eine Verheißung für die Zukunft. Zunächst spricht Gott etwas, das sich mit den Worten des Menschensohnes wiederholen wird: Gott hat keinen festen Wohnsitz in dieser Welt. Auch Jesus Christus wird nichts Eigenes besitzen. Vom Moment seiner Geburt an ist für ihn alles nur geliehen. Er kommt in einem Stall zur Welt, der seiner Familie nicht gehört. Er muss nach Ägypten fliehen, wo er vorübergehend einen Wohnsitz hat. Er zieht als Erwachsener umher und kommt bei Freunden unter. Nach seinem Tod bekommt er nicht einmal ein eigenes Grab, sondern es wird ihm geliehen durch Josef von Arimathäa. Jesus sagt selbst: „Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“ (Mt 8,20). Und wir Christen leben auch mit einer Mentalität, dass dieses Dasein hier nur vorübergehend ist. Wir singen gerade bei Beerdigungen das Kirchenlied „Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh‘ mit mancherlei Beschwerde der ewigen Heimat zu.“ Und ein Lied der Emmanuel-Gemeinschaft heißt „Unsere wahre Heimat ist im Himmel“. Dort werden wir uns wirklich etablieren, weshalb wir uns nicht so sehr an die irdischen Güter binden sollen. Mit dem Tod müssen wir sie ohnehin zurücklassen. Meine Oma pflegte immer zu sagen: „Das Totenhemd hat keine Taschen.“
Dann stellt Gott sinngemäß die Frage: „Habe ich jemals von den Israeliten verlangt, dass sie mir einen Tempel bauen?“ So ist Gott. Er gibt im Übermaß und verlangt von uns nichts außer die Gegenliebe. Seine Liebe ist nie berechnend so nach dem Motto: „Ich gebe ihnen nun dies und das. Dann werden sie so dankbar sein und in meiner Schuld stehen, dass ich jenes dafür verlangen kann.“ Die Gottesliebe ist eine maximal selbstlose Liebe.
Gott gibt David zu verstehen, dass er ihn deshalb von der Herde weggeholt hat und ihn zum König berufen hat, um Israel anhaltende Ruhe vor den Feinden zu verschaffen und ISRAEL einen festen Wohnsitz zu schaffen, nicht Gott. Die Berufung zum Tempelbau wird an seinen Sohn ergehen, dessen Namen Gott hier noch nicht preisgibt (es wird Salomo sein, wir kennen den weiteren Verlauf).
Wenn wir die Verheißung Gottes für das auserwählte Volk so lesen, kommen wir nicht umhin, über den wörtlich-historischen Sinn hinauszugehen. Dann handelt es sich beim festen Wohnsitz nicht nur um das verheißene Land für das Volk Israel, das endlich frei ist von Fremdherrschaft – denn genau diese geht ja noch weiter. Es wird sogar noch schlimmer, sodass die Assyrer und die Babylonier den Israeliten das Leben zur Hölle machen werden. Es handelt sich um den festen Wohnsitz in der Ewigkeit, und zwar für das Volk des Neuen Bundes, gleichermaßen Juden und Heiden. Sie werden frei sein von allen Angriffen, Fremdherrschaften und Leiden. Dies betrifft die neue Schöpfung am Ende der Zeiten, aber auch schon die Ewigkeit für jeden Menschen nach dem Tod. Sakramental wird dies schon mit der Kirche vorweggenommen. Sie ist auf Felsen gebaut, den man nicht einfach wegwälzen kann. Jesus verheißt im NT, dass die Mächte der Finsternis sie nicht überwältigen werden. Ihr Sitz kann nicht einfach ausgelöscht werden. Die Rede von der Errichtung eines Wohnsitzes für Israel wird im Hebräischen mit Zukunftsformen ausgedrückt. Sie steht also noch aus. Umso deutlicher werden hier die Errichtung der Kirche durch Christus und das Reich Gottes angekündigt. Dieser feste Wohnsitz ist auch moralisch zu verstehen: Gott errichtet ein Haus aus Stein im Herzen jedes Menschen durch die biologische Schöpfung. Wir nennen dieses Haus die ewige Seele, die den Menschen zum Abbild Gottes macht. Bei der Taufe bezieht Gott selbst Wohnung im Herzen und stattet es aus mit seinem Geist. Er errichtet das Reich Gottes schon in der Seele des Getauften, der von da an zum Erben dieses Reiches eingesetzt wird.
Das Königtum Salomos wird Bestand haben. Diese göttliche Verheißung ist die Zusage, dass Gott Salomo segnen wird. Dieser wird einen festen Tempel für Gott errichten.
Dann sagt Gott etwas, das wir wiederum absolut typologisch lesen müssen. „Ich werde für ihn Vater sein und er wird für mich Sohn sein.“ Zunächst meint es wörtlich-historisch gelesen die innige Beziehung zwischen Gott und Salomo, der Davids Frömmigkeit ähnelt. Zugleich müssen wir es schon weiterlesen. Salomo ist ein Typos Christi, das heißt ein Vor-Bild dessen, was Jesus dann erfüllen und sogar überbieten wird. Jesus ist nämlich nicht nur sinnbildlich „wie ein Sohn“, sondern wortwörtlich. Er ist der Einziggeborene Gottes. Alle Geschöpfe sind geschaffen, er ist aber vor aller Zeit gezeugt worden. Er ist eines Wesens mit dem Vater. Er ist dann wirklich in einer Vater-Sohn-Beziehung mit Gott Vater. Wir können es mit der Kirche weiterführen: Durch die Taufe sind wir alle „von Knechten zu Freunden“ geworden (vgl. Joh 15,15). Wir sind Kinder Gottes durch die Neuschöpfung im Hl. Geist, die die Taufe ist. Wir sind aber von der Natur her trotzdem Geschöpfe und bleiben es. Wir werden nie göttlich. Wir sind durch die Gnade zu geistigen Kindern Gottes geworden, als wir getauft wurden. So wie der Vater bei der Taufe Jesu vom Himmel spricht „dies ist mein Geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe (d.h. den ich offiziell als meinen Sohn und Erben annehme)“, so sagt er auch jedem Täufling zu „dies ist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter“. Und wie Salomo sind die Getauften Königskinder. Bei der Taufe wird der Täufling mit Chrisam gesalbt, dem Öl, das früher Königen und Propheten vorbehalten war. Wir gehören zur Royal Family Gottes.
Wenn in Vers 13 angekündigt wird, dass Salomo Gott einen Tempel bauen wird, müssen wir das auch typologisch weiterlesen: Denn der neue Salomo Christus wird sagen: „Reißt diesen Tempel nieder und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten“ (Joh 2,19). Er meint damit zunächst sich selbst, den „Tempel seines Leibes“ (Joh 2,21), aber auch die gesamte Tempelpraxis. Denn wie der Hebräerbrief ausführlich erklärt, ist Jesus für uns einmalig gestorben zur Sühne der Sünden aller Menschen damals, heute und in Zukunft. Die gesamte Tempelpraxis entfällt somit. Die Hohepriester sind dann überflüssig. Er besiegelt den neuen Bund zwischen Gott und allen Menschen, sodass der neue Tempel die Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen ist. Sie ist der „Tempel seines Leibes“. Nicht umsonst wird die Kirche immer wieder bei Paulus als sein Leib beschrieben, dessen Haupt Christus ist. Und moralisch weitergelesen sind wir alle mit dem Tempel des Hl. Geistes ausgestattet, mit unserer ewigen Seele. Mit der Neuschöpfung der Taufe baut Christus diesen inneren Tempel neu auf, sodass der Geist Gottes Einzug halten kann. Und wie Christus in den Evangelien die Händler aus dem Tempel gejagt hat, eine regelrechte Tempelreinigung vorgenommen hat, so reinigt er im Sakrament der Beichte unseren inneren Tempel von allen „Händlern“ etc. die sie zu einer „Räuberhöhle“ haben verkommen lassen.
Gott wird Salomo nie seine Gnade versagen, er wird ihn nie verwerfen. Gottes ewige Treue sagt er auch Jesus Christus zu, den er am Ende von den Toten auferweckt hat. Er hat seinen Sohn wirklich nicht verlassen, sondern „ihn über alle erhöht“ (Phil 2,9). Seine ewige Treue verspricht Gott jedem Menschen. Er ruft ihn immer und immer wieder bis zum Ende seines Lebens, damit er die Chance der Umkehr nutzen kann. Er wird ihn immer wieder an sich ziehen und ihn auch züchtigen, wie es hier heißt. Er wird zulassen, dass der Mensch die Konsequenzen seiner Verfehlungen tragen muss, dass er dadurch nachdenklich und reumütig wird, dass er sich endlich Gott zuwendet und ihn zurückliebt. Gottes ewige Treue wird auf besondere Weise jedem Getauften zugesagt, der zum Erben im Reich Gottes wird. Das Versprechen, am Ende des Lebens bei Gott wohnen zu dürfen, meint Gott ernst. Er züchtigt gerade seine eingesetzten Erben, damit sie bereit gemacht werden, im Reich Gottes bestehen zu können.
Der ewige Thron, der Bestand haben wird, ist zunächst auf Salomos Herrschaft zu beziehen, aber es wird nicht ewig sein. Die oben schon erwähnten Assyrer und Babylonier, die Perser und die Römer, sie werden abwechselnd auf dem Thron sitzen und die Israeliten unterdrücken. Der Thron ist über Salomo hinaus auf den neuen Salomo zu beziehen: Christus, der zur Rechten Gottes auf dem Thron Platz genommen hat. So glauben und beten wir im Glaubensbekenntnis. Ein Thron im Himmel steht aber nicht nur für Christus bereit, sondern auch für uns Menschen. Allen voran ist Maria ein Ehrensitz bereitet worden – parallel zur Typologie Salomo-Christus wird sie zum Antitypos der salomonischen Königsmutter, für die neben ihrem Sohn ein Thron aufgestellt worden ist (1 Kön 2,19). In der Offb lesen wir auch, dass die Aposteln und die Heilsgestalten des AT bei Gottes Thron auf eigenen Thronen sitzen. Jedem von uns wird ein „Thron“ bereitet, die wir seine königlichen Kinder sind. Das ist natürlich metaphorisch zu verstehen und wir dürfen uns auf keinen Fall einbilden, im Himmel vergöttlicht zu werden.
Die heutige Verheißung Gottes an David ist sehr dicht. In jedem Vers steckt so viel drin, dass man zu jedem einzelnen Vers ein eigenes Buch schreiben könnte.

Ps 89
4 Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten und David, meinem Knecht, geschworen: 
5 Auf ewig gebe ich deinem Haus festen Bestand und von Geschlecht zu Geschlecht gründe ich deinen Thron.
27 Er wird zu mir rufen: Mein Vater bist du, mein Gott, der Fels meiner Rettung. 
28 Ja, zum Erstgeborenen mache ich ihn, zum Höchsten unter den Königen der Erde. 
29 Auf ewig werde ich ihm meine Huld bewahren, mein Bund mit ihm ist verlässlich. 
30 Sein Haus lasse ich dauern für immer und seinen Thron wie die Tage des Himmels.

Wir beten aus gegebenem Anlass wieder den sogenannten Königspsalm 89. Die Psalmen reflektieren ja immer die Lesung aus dem AT. Gott ist es, aus dessen Sicht hier beschrieben wird: „Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten und David“. Wörtlich steht hier „Ich schnitt einen Bund (im Hebräischen schneidet man, כָּרַ֣תִּֽי karati „ich schnitt“) mit meinem Erwählten, ich schwor meinem Knecht David.“ Es handelt sich also nicht um zwei Personen, sondern bezieht sich beides auf ein und dieselbe Person. Gott hat einen Bund mit diesem besonderen König geschlossen. Es handelt sich um die Bekräftigung und Ausweitung des Alten Bundes zu einer gesamtstämmischen Einheit. Das ganze ist aber auch typologisch zu betrachten – der Erwählte (hier ist wieder das Wort בָּחִיר bachir enthalten, der Jüngling im heiratsfähigen Alter) ist nun auf Jesus zu beziehen, der sich freiwillig zum bachir macht um des Himmelreiches willen. Er bezeichnet sich sogar als Eunuchen, meint dies aber natürlich nicht wörtlich, sondern sinnbildlich. Dieser Bund, den Gott geschlossen hat durch Christus, ist der Neue Bund mit allen Menschen. Im griechischen AT wird sogar mit Plural übersetzt, was linguistisch gesehen auch möglich ist. Dadurch wird nicht Christus in den Blick genommen, DURCH den der Neue Bund besiegelt worden ist, sondern die „Erwählten“, wir Menschen, MIT denen er ja den Bund geschlossen hat. Der griechische Begriff an dieser Stelle ist ἐκλεκτοῖς eklektois und wird auch im NT sowohl für Christus als auch für die Getauften verwendet (Lk 23,35; 1 Petr 1,1).
Auch hier wird die Zusage Gottes aufgegriffen, dem davidischen Königshaus Bestand zu verleihen. Dies wird der Fall sein, aber anders als die Menschen denken: Es wird ewig bestehen durch Christus, den Sohn Davids, der tatsächlich leiblicher „Sohn“ Davids ist. Wir lesen dies ja im Stammbaum nach Matthäus. Er trägt Davids Gene in sich. Und doch ist dies ein anderes Königtum als das des David. Es geht hier um den König des Reiches Gottes. Sein Reich ist nicht von dieser Welt, wie er selbst vor Pilatus erklärt hat (vgl. Joh 18,36). „Von Geschlecht zu Geschlecht“, d.h. in diesem Fall dann zu allen Zeiten, wird Christus der König derer sein, die an ihn glauben und sich auf seinen Namen taufen lassen. Das „Haus“, das hier erwähnt wird, ist wörtlich gesehen zunächst das Königshaus. Wir müssen es aber tiefer verstehen als Kirche. Sie ist als Gemeinschaft der Gläubigen das Königreich Christi auf Erden, die sakramentale Antizipation der Ewigkeit. Sie wird auf ewig nicht untergehen – solange die Welt besteht, wird der Satan sie nicht überwältigen, das hat der treue Christus uns versprochen – und am Ende der Zeiten wird sie sich durchsetzen und ihren Wohnsitz einnehmen in der neuen Schöpfung Gottes.

Mk 4
1 Und wieder begann er, am Ufer des Sees zu lehren, und sehr viele Menschen versammelten sich um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot auf dem See und setzte sich; die Leute aber standen am Ufer. 
2 Und er sprach lange zu ihnen und lehrte sie in Gleichnissen. Bei dieser Belehrung sagte er zu ihnen: 
3 Hört! Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen. 
4 Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es. 
5 Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; 
6 als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. 
7 Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat und sie brachte keine Frucht. 
8 Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht; die Saat ging auf und wuchs empor und trug dreißigfach, sechzigfach und hundertfach. 
9 Und Jesus sprach: Wer Ohren hat zum Hören, der höre!

10 Als er mit seinen Begleitern und den Zwölf allein war, fragten sie ihn nach dem Sinn seiner Gleichnisse. 
11 Da sagte er zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben; für die aber, die draußen sind, geschieht alles in Gleichnissen; 
12 denn sehen sollen sie, sehen, aber nicht erkennen; hören sollen sie, hören, aber nicht verstehen, damit sie sich nicht bekehren und ihnen nicht vergeben wird.
13 Und er sagte zu ihnen: Wenn ihr schon dieses Gleichnis nicht versteht, wie wollt ihr dann all die anderen Gleichnisse verstehen? 
14 Der Sämann sät das Wort. 
15 Auf den Weg fällt das Wort bei denen, die es zwar hören, aber sofort kommt der Satan und nimmt das Wort weg, das in sie gesät wurde. 
16 Ähnlich ist es bei den Menschen, bei denen das Wort auf felsigen Boden fällt: Sobald sie es hören, nehmen sie es freudig auf; 
17 aber sie haben keine Wurzeln, sondern sind unbeständig, und wenn sie dann um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt werden, kommen sie sofort zu Fall. 
18 Bei anderen fällt das Wort in die Dornen: Sie hören es zwar, 
19 aber die Sorgen der Welt, der trügerische Reichtum und die Gier nach all den anderen Dingen machen sich breit und ersticken es und es bleibt ohne Frucht. 
20 Auf guten Boden ist das Wort bei denen gesät, die es hören und aufnehmen und Frucht bringen, dreißigfach, sechzigfach und hundertfach.

Auch das Evangelium ist sehr dicht. Wir hören heute ein Gleichnis Jesu. Es beginnt mit Mk 4 eine Reihe von Gleichnissen, die Jesus für das Reich Gottes anbringt, dem Reich, das Gott David durch Natan schon verheißen hat und das „Bestand haben wird“.
Die Umstände der Lehre Jesu stellen ein Déjà vu dar. Er muss wieder in ein Boot steigen, um von dort aus die Menschenmassen zu lehren. Es ist einerseits voll, andererseits lehrt er dadurch seine Jünger. Eigentlich hätte er auch auf einen Felsen oder ein Podest steigen können, aber er möchte seinen berufenen Menschenfischern noch einmal demonstrieren, wie das geht. Der Köder, durch den die Fische anbeißen sollen, ist das Wort Gottes. Das Bild muss dabei richtig verstanden werden. Im Gegensatz zu den Fischen, die durch das erfolgreiche Fangen sterben, erhalten die Menschenfische durch das Gefangenwerden das ewige Leben, die Freiheit des Reiches Gottes. Und doch ist dieses Bild das Geeignetste für die „Fischer-Jünger“. Jesus wirft vor ihren Augen die Netze aus. Er beginnt zu lehren. Er erklärt dabei das Reich Gottes. Seine Worte sind der köstlichste Köder, denn die Menschenmassen nehmen dafür lange Reisen auf sich (naja, vor allem natürlich wegen der darauffolgenden Heilungen, aber dennoch…). Was Jesus heute erklärt, ist ein anderes Bild für das Menschenfischen – das Säen von Samen.
So ist der Hl. Geist. Wenn Gott uns Menschen etwas Entscheidendes eingeben möchte, wenn er uns seinen Willen kundtun will, dann tut er das nicht einmalig. Er möchte, dass wir das ja auch sicher begreifen, deshalb wiederholt er Eingebungen. Der Hl. Geist wiederholt sich. Er macht sich sogar noch mehr Mühe und gibt es einem mit unterschiedlichen Worten, auf unterschiedlichen Wegen, mit unterschiedlichen Bildern ein. Gott geht immer auf Nummer sicher, dass wir seinen Willen wirklich begreifen. Deshalb erklärt Jesus den Menschen das Reich Gottes mit vielen unterschiedlichen Metaphern und Gleichnissen. Deshalb erklärt er seinen Jüngern auch das Menschenfischen mit unterschiedlichen Bildern.
Das Gleichnis selbst deutet er nicht vor den Menschenmassen, sondern nur für den Zwölferkreis. Der Säman ist Christus, der Same das Wort Gottes. Jesus hat mit dem Gleichnis das umschrieben, was er in dem Moment auch tat: vom Boot aus den Menschenmassen, die die unterschiedliche Böden darstellen, das Wort Gottes predigen, also aussäen. Die Jünger haben seine Pointe nicht verstanden, obwohl es Jesus immer darum geht, Dinge nicht zu sagen, sondern zu zeigen. Er konfrontiert sie, um sie wach zu rütteln: „Wenn ihr das schon nicht verstanden habt, wie wollt ihr dann die künftigen Gleichnisse verstehen?“ Er möchte sie dadurch nicht niedermachen, sondern tut, was Gott David verheißen hat – züchtigen, tadeln, kritisieren, mit anderen Worten schleifen, dass sie zu schönen Diamanten werden. Sie sollen lernen, alles so zu sehen wie er selbst.
Jesus erklärt auch die verschiedenen Beschaffenheiten des Bodens, auf den das Wort Gottes fällt. Es sind die unterschiedlichen Herzenshaltungen der Menschen, mit denen sie Jesu Predigt in sich aufnehmen: Der Same auf dem Weg wird vom Satan direkt geraubt, bevor es Wurzeln schlagen kann. Warum ausgerechnet auf dem Weg? Es sind die Menschen, die im Prozess der Umkehr sind, die noch auf dem Weg zu Gott sind. Der Satan gerät in Panik und tut alles, damit die Seele nicht für Christus gewonnen wird. Er will die Seele für sich behalten. Deshalb müssen wir sehr viel für jene beten, die Gott suchen und vielleicht sogar schon auf dem Weg zur Taufe sind. Sie erleiden starke Anfechtungen und Versuchungen, denn Satan will unsere Königskindschaft mit allen Mitteln verhindern.
Der felsige Boden ist die Haltung der Menschen, die einen oberflächlichen Glauben haben, ohne Wurzeln und unbeständig. Beim ersten Widerstand geben sie auf, weil es zu unangenehm wird und es ihnen aufgrund der fehlenden Wurzeln den Boden unter den Füßen wegzieht. Solche „christlichen Sanguiniker“ sind diejenigen, die sich das Angenehme gern herauspicken und das Unangenehme ausblenden. Sie sind felsig, das heißt, sie wollen sich nicht ganz formen lassen von Gott, der auch mal züchtigen muss, der uns nicht immer nur Feierlaune, sondern auch mal den grauen Alltag bereithält. Die Felsen der eigenen Voreingenommenheit, die Patchwork-Mentalität zerstören aber die Samen des Wortes Gottes. So wächst es nicht in jenen Menschen, so werden jene Menschen also nicht zum Leib Christi, dem fleischgewordenen Wort Gottes.
Die Herzenshaltung des dornigen Gestrüpps ist besonders tödlich. Gottes ewiges Wort, seine Weisheit, die nicht von dieser Welt ist, gerade auch vom Denken her, ist ganz anders als die Sichtweise der Welt mit ihren Verlockungen und ihrer Sünde. Doch in Menschen, die so weltlich eingestellt sind, auch gerade Menschen, die sich übertriebene Sorgen machen, also zu wenig Gottvertrauen besitzen, kann das Wort Gottes nicht keimen, Wurzeln schlagen, wachsen, Früchte tragen. Es stirbt sofort ab, weil das Herz voll von anderem ist. Jesus, das Wort Gottes, findet keinen Platz im Herzen solcher Menschen. Und er ist ein Gentleman. Wer ihn nicht hineinlässt, den lässt er auch in Ruhe. Dieses Dornengestrüpp breitet sich in unserer Kirche heutzutage rasant aus. Immer weniger Geistliche sind noch geistlich eingestellt. Wie viele unserer deutschen Bischöfe bestimmen ihr gesamtes Wirken noch von Christus her, dessen Reich nicht von dieser Welt ist? Es dominiert immer mehr die menschliche und weltliche Denkweise. Das Humanistische erfüllt die ganzen kirchlichen Grundvollzüge – so stark, dass für den Hl. Geist kein Platz mehr übrig bleibt.
Schließlich beschreibt Jesus die Fruchtbaren – die, die hören, aufnehmen und Frucht tragen. „Hören“ meint mehr als nur das physische Hören. Es meint den Ge-hor-sam, das Hören mit dem Glauben, das „auf ihn Hören“. In sich aufnehmen tun jene das Wort Gottes, die es an sich heranlassen. Die es akzeptieren und be-herzigen im wortwörtlichen Sinn: die es in sich verarbeiten, es betrachten, darüber nachdenken, es immer tiefer zu verstehen versuchen, die es nicht nur oberflächlich und rein informativ registrieren. Maria ist ein perfektes Beispiel für das „in sich Aufnehmen“. Sie bewahrt alle Geschehnisse in ihrem Herzen und denkt darüber nach. Das macht sie zur perfekten Jüngerin und dem fruchtbarsten Boden – auf dem das Wort Gottes deshalb auch Fleisch geworden ist! Früchte trägt das Wort Gottes dann, wenn die Menschen es in ihr eigenes Denken aufgenommen haben, wenn es von da an ihre eigenen Gedanken, Worte und Taten bestimmt, wenn es konkrete Auswirkungen hat im Verhalten.

Am Ende wird Jesus noch einen drauflegen. Er wird nicht nur das Wort Gottes säen in Form von gesprochenem Wort und Heilsdienst. Er wird sich selbst hingeben für die vielen Menschen am Kreuz. Er wird sein Fleisch und Blut austeilen und auch dann wird es auf unterschiedlichen Boden fallen. Der neue Bund wird allen Menschen angeboten, doch annehmen werden ihn nicht alle. Viele wird es kalt lassen, was Jesus für sie getan hat. Viele werden es zunächst annehmen und dann beim ersten Problem von ihm weglaufen. Nicht alle werden fruchtbar. Einige werden nicht glauben, dass Jesu Tat sie wirklich gerettet hat. Sie werden an ihrem fehlenden Vertrauen an Gott ersticken.
Jesus sät seinen „Samen“, d.h. sein Fleisch und Blut, in jeder Hl. Messe in das Herz der Kirche. Er sät sein Fleisch in unsere Herzen, die wir ihn in der Kommunion empfangen! Wird sein Same dort auf fruchtbaren Boden fallen? „Du bist, was du isst.“ Das ist nicht nur der Slogan von Wasa, das ist zuerst das Motto der Eucharistie. Wir werden immer mehr zum Leib Christi, indem wir ihn empfangen. Dies wird sich in unseren Gedanken, Worten und Werken immer mehr zeigen. Auch gerade im Alltag, da wo uns keiner sieht, da wo wir dann umsetzen sollen, was wir gelernt haben.
Das alles drückt Jesus heute im Evangelium aus.
Noch eine Sache ist hier zu erklären: Was meint Jesus mit diesen drastischen Versen 11 und 12? Will Jesus nicht, dass alle Menschen gerettet werden? Warum sagt er dann so etwas? Jesus zitiert hier Jesaja 6,9-10. Bei Jesaja wird dieses rätselhafte Wort im Anschluss an dessen Berufung genannt. Seine Berufung besteht darin, die Menschen vor die Wahl zu stellen: Er soll nicht so auftreten, dass weniger Menschen zu Gott umkehren, sondern damit sie sich die Mühe machen, seine Botschaft zu verstehen. Sie sollen „gezüchtigt“ werden, wie es Gott König David prophezeit hat. Diese „Hürde“ ist ein wichtiger Reifeprozess, damit jene, die ihn vollständig durchlaufen, sich wirklich ganz für Gott entscheiden können. Gott ist also kein Sadist, sondern er tut es, damit unsere Herzen für den Empfang des ewigen Heils bereitgemacht werden. So tut es auch Jesus mit den Gleichnissen. Er „verschleiert“ seine Verkündigung, damit die Menschen nicht einfach nur alles registrieren und fertig, sondern sich wirklich die Mühe machen, darüber nachzudenken. So kann er indessen ihre Herzen formen. Das Wort Gottes ist ein zweischneidiges Schwert. An ihm scheiden sich die Geister. Jene, die nur aus Sensationsgier da sind, die an dem Inhalt der Verkündigung Jesu kein Interesse haben, kehren sich davon ab, weil es zu viel Mühe bereitet, es zu verstehen. Jene, die wirklich mit offenem Herzen gekommen sind, werden sich diese Mühe aber machen und so wird die Verschleierung Jesu zu einer großen Chance für alle Anwesenden. Es hängt also nicht von Gott ab, der irgendwelche Vorbehalte macht, sondern vom Menschen selbst, ob er sich bekehrt. Und die, die noch nicht umgekehrt sind, sind jene, die „draußen sind“.
Jesus zitiert Jesaja noch wegen einer weiteren Sache, die wir heute weniger verstehen, weil wir mit dem AT nicht so vertraut sind wie seine Jünger: Liest man Jesaja 6 weiter, aus dem Jesus ja zitiert, heißt es am Ende des Kapitels: „12 Der HERR wird die Menschen entfernen, sodass die Verlassenheit groß ist inmitten des Landes. 13 Bleibt darin noch ein Zehntel, so soll es erneut abgeweidet werden, wie bei einer Eiche oder Terebinthe, von denen beim Fällen nur ein Stumpf bleibt. Heiliger Same ist sein Stumpf.“ Bei Jesaja wird die Samen-Metapher schon gebraucht! Das ist hier zwar noch genealogisch gemeint – es bleibt ein Stumpf übrig. Jesus deutet sich aber auch selbst an mit dem Jesajazitat und so verbinden die Jünger es dann auch mit Jesu Gleichnisrede.

Heute streut Jesus durch die Tageslesungen sehr viel Samen auf unseren Boden. Wir haben wirklich viel Arbeit damit, es zu hören, es in uns aufzunehmen und in uns wachsen zu lassen.
Schon im zweiten Samuelbuch wird sehr vieles verheißen, das Jesus dann erfüllt. Anhand der Gleichnisrede heute können wir dies beobachten: Er baut den Tempel Gottes auf – in den Herzen der Menschen, indem er ihnen die Tüftel-Aufgabe gibt. Er baut den Tempel durch die Sammlung der Jünger um sich, die Gemeinschaft der Gläubigen. Er sät den Samen, den „heiligen Samen des Stumpfes“, der auf ewig nicht verdorrt, sobald er wirklich gekeimt hat, Wurzeln getrieben hat, gewachsen ist und Früchte trägt.

Durch die ganzen zahlreichen Bilder hindurch zeigt uns heute der Hl. Geist, was all dies für unser Leben bedeutet: Nehmen wir das Wort Gottes in Wort und Sakrament in uns auf. Verdauen wir es im wahrsten Sinne des Wortes, betrachten wir es, verinnerlichen wir es, damit es in unser Denken, in unser Sprechen, in unser Handeln übergeht. So wachsen wir heran zu Menschen, die das Erbe Gottes antreten können in seinem Reich.

Ihre Magstrauss

Dienstag der 3. Woche im Jahreskreis

2 Sam 6,12b-15.17-19; Ps 24,7-8.9-10; Mk 3, 31-35

Liebe Freunde, heute ist der Gedenktag des Hl. Thomas von Aquin. Die Lesungen des Tages, die wir heute betrachten, sind absolut passend zu ihm: Er war ein großer eucharistischer Denker und ihm haben wir die großen eucharistischen Gesänge zu verdanken, die bei der Anbetung und während der Fronleichnamsprozession gesungen werden. Eine typologische Brücke zu Fronleichnam schlagen wir dabei zurück zu König David. Lesen Sie selbst:

2 Sam 6
12 Als man König David berichtete: Der HERR hat das Haus Obed-Edoms und alles, was ihm gehört, um der Lade Gottes willen gesegnet, da ging David hin und brachte die Lade Gottes voll Freude aus dem Haus Obed-Edoms in die Davidstadt hinauf. 
13 Sobald die Träger der Lade des HERRN sechs Schritte gegangen waren, opferte er einen Stier und ein Mastkalb. 
14 Und David tanzte mit ganzer Hingabe vor dem HERRN her und trug dabei das leinene Efod. 
15 So brachten David und das ganze Haus Israel die Lade des HERRN unter Jubelschall und unter dem Klang des Widderhorns hinauf. 
17 Man trug die Lade des HERRN in das Zelt, das David für sie aufgestellt hatte, und setzte sie an ihren Platz in der Mitte des Zeltes und David brachte dem HERRN Brandopfer und Heilsopfer dar. 
18 Als David mit dem Darbringen der Brandopfer und Heilsopfer fertig war, segnete er das Volk im Namen des HERRN der Heerscharen 
19 und ließ an das ganze Volk, an alle Israeliten, Männer und Frauen, je einen Laib Brot, einen Dattelkuchen und einen Traubenkuchen austeilen. Dann gingen alle wieder nach Hause.

Um die heutige Lesung verstehen zu können, muss man die Vorgeschichte ein wenig zusammenfassen: Die Bundeslade war zunächst noch bei Abinadab in Baala. Von dort aus möchte David die Bundeslade zu sich nach Jerusalem holen. Dann passiert es aber, dass die Rinder ausbrechen, die den Wagen mit der Bundeslade ziehen. Usa, einer der beiden Söhne Abinadabs, der den Wagen lenkt, berührt dabei die Bundeslade, um sie vor dem Umkippen zu bewahren. Dabei stirbt er aber. Es soll nämlich kein Mensch die Bundeslade berühren. David bekommt es mit der Angst zu tun und sagt: „Wie soll die Lade des HERRN jemals zu mir kommen?“ Er lässt sie deshalb für drei Monate bei Obed-Edom in Gat zurück, dessen Haus wegen der Gegenwart Gottes gesegnet wird.
Die heutige Lesung setzt dort nun an: David hört von dem Segen, den Gott dem Haus Obed-Edoms schenkt, und holt voller Freude die Bundeslade zu sich nach Jerusalem. Und bei diesem Ereignis sehen wir den Gottesfrommen in voller Aktion. Es gibt Opferdarbringungen und einen ausgiebigen Lobpreis. David tanzt. Das ist so wunderbar zu lesen. Er tanzt voller kindlicher Freude vor der Bundeslade und trägt dabei ein leinenes Efod. Wie muss man das verstehen, da er ja kein Levit ist und ein Efod normalerweise die Priesterkleidung der Leviten darstellt? Es ist ein anders beschaffenes priesterliches Gewand, nämlich ein einfaches weißes. Dieses wird von priesterähnlichen Personen getragen, die nicht zum Stamm Aarons gehören. Neben David trägt auch Samuel als Kind so ein Gewand. Ich las einmal, dass es das Priestertum des Melchisedek repräsentiere. Damit haben wir wiederum einen starken Bezug zu Jesus, der Hohepriester nach der Ordnung des Melchisedek, nicht des aaronitischen Priestertums ist. Wir haben auch einen Bezug zum heutigen Priestertum, das ja in persona Christi ist und deshalb ebenfalls auf Melchisedek zurückgeht.
David vollzieht heute einen liturgischen Akt. Es ist ein Gottesdienst, der uns ein wenig an Fronleichnam erinnert. Die Gegenwart Gottes wird in die Stadt hineingetragen, durch die Straßen hindurch wird allen Menschen die Bundeslade offen gezeigt. Das ist eigentlich etwas Unerhörtes, denn die Lade soll im Allerheiligsten der Stiftshütte stehen und keiner darf sie betreten außer der Hohepriester am Versöhnungstag. Was wir heute also hören, ist ein Gnadenakt Gottes, der sich ausnahmsweise für alle sichtbar macht. An Fronleichnam tragen wir ebenfalls die Gegenwart Gottes durch die Straßen. Auch wir loben und preisen ihn dabei, auch die Priester, die die Monstranz tragen, sind in weiße Gewänder gekleidet.
Was wir heute lesen, hat auch einen typologischen Bezug zum NT: Dort wird der ungeborene Jesus hinausgetragen durch seine Mutter Maria. Bei der Begegnung mit Elisabet hüpft Johannes der Täufer so wie David vor der Bundeslade. So wie David sagt „wie soll die Lade des HERRN jemals zu mir kommen“, spricht Elisabet „wer bin ich, dass die Mutter des Herrn zu mir kommt?“ In beiden Fällen kommt die Bundeslade für drei Monate in ein Haus im Bergland von Judäa – die Bundeslade des Alten Bundes mit der Torah Gottes sowie die neue Bundeslade Maria, die nun die fleischgewordene Torah in sich trägt. David ist priesterlich gekleidet, Elisabet ist Levitin.
Die Lade wird in das Zelt gebracht, also in den Tempel, der noch in Zeltform existiert. Von nun an ist sie vor den Menschen verborgen, so wie es Gott angeordnet hat. Sie ist in die Mitte des Zeltes abgestellt worden, denn der Tempel ist konzentrisch angeordnet. Von außen nach innen verläuft im Zwiebelprinzip eine Steigerung der Räume in ihrer Heiligkeit. Je innerer/mittiger ein Raum desto weniger Menschen haben Zugang zu ihm.
David bringt Opfer dar, wobei wir uns fragen, wie das gemeint ist. Er selbst hat ja keine Befugnis, die Opfer darzubringen. Also ist es eher so zu verstehen, dass David die Opfer „in Auftrag“ gibt und die Darbringung selbst von den zuständigen Priestern vorgenommen wird.
Was er aber darf und tut ist die Segnung des Volkes im Namen Gottes. Warum ist er befugt? Er ist ein Gesalbter. Gott hat ihn mit den Gnadengaben des Hl. Geistes ausgestattet, sodass er die Gnade Gottes auf besondere Weise auf die Menschen herabrufen kann.
Diese wunderbare Lesung wird noch spannender. Nachdem alle gesegnet worden sind, wird an die Anwesenden jeweils ein Laib Brot und zwei Kuchen ausgeteilt, bevor sie nach Hause gehen. Das ist ein richtiger Typos für die Eucharistie! Dabei spielt es keine Rolle, dass es kein geweihtes Brot im Sinne der Schaubrote ist. Dies wird zumindest nicht explizit gesagt. Die eucharistische Typologie ensteht auch dadurch, dass nach dem Austeilen der Nahrung die Menschen nach Hause gehen. In der Hl. Messe wird die Kommunion auch zum Ende hin empfangen und kurz danach werden die Menschen „hinaus gesandt“. Es heißt am Ende der Liturgie nämlich ite, missa est – „geht, es ist eine Sendung.“ (im Deutschen leider verdunkelt durch die Formulierung „gehet hin in Frieden – dank sei Gott dem Herrn“). Wir werden wie die Aposteln in die Welt hinausgesandt, um das Evangelium zu den anderen Menschen zu tragen. Die Gegenwart Christi, die Einzug in unsere Herzen gehalten hat, soll zu allen Menschen gebracht werden. Sie endet nicht an der Kirchentür. Es ist wie mit Maria, die den Leib Christi „in die Welt“ hinausträgt.

Ps 24
7 Ihr Tore, hebt eure Häupter, hebt euch, ihr uralten Pforten, denn es kommt der König der Herrlichkeit! 
8 Wer ist dieser König der Herrlichkeit? Der HERR, stark und gewaltig, der HERR, im Kampf gewaltig. 
9 Ihr Tore, hebt eure Häupter, hebt euch, ihr uralten Pforten, denn es kommt der König der Herrlichkeit! 
10 Wer ist er, dieser König der Herrlichkeit?/ Der HERR der Heerscharen: Er ist der König der Herrlichkeit.

Psalm 24 ist ein ganz liturgischer Psalm. Er passt wunderbar zu dem heute beschriebenen Ereignis im zweiten Samuelbuch. Gerade die heutigen Verse stellen die Grundlage dar für viele adventliche Gesänge, so z.B. das Lied „Macht hoch die Tür“. Er ist adventlich und deshalb auch aktuell für uns, die wir heute in einem zweiten Advent stehen.
Die Tore sollen sich heben, gemeint sind in Bezug auf das zweite Samuelbuch und auf den ursprünglichen Anlass des Psalms die Tore der Stadt Jerusalem. Durch die Tore hindurch kommt nämlich der „König der Herrlichkeit“. Damit ist NICHT David gemeint. Er ist der irdische König, den Gott sich ausersehen hat. Aber der wahre König – und das sieht David absolut genauso, deshalb formuliert er diesen Psalm so – ist Gott selbst. Deshalb gab es so lange ja keinen irdischen König. Wir hörten davon in der letzten Woche. ER ist der König der Herrlichkeit. David sagt es in Vers 8 noch einmal explizit: „Wer ist dieser König der Herrlichkeit? Der HERR, stark und gewaltig…“.
Er wiederholt es noch einmal „ihr Tore, hebt eure Häupter“. Die Wiederholung in den Versen 9 und 10 ist bewusst gesetzt. Wir sollen es uns einprägen. Denn dieser Psalm, diese Worte sind auch für uns heute! Als Kirche beten wir „König ist Christus.“ Er ist der Herrscher, er ist die Mitte. Die Tore, die wir heben, sind nicht nur die Kirchentüren, das heißt die Einladung zur Hl. Messe, sondern vor allem die Türen unseres Herzens. Wir werden aufgerufen, unsere Herzen zu öffnen für das Kommen des Herrn in unsere Seele hinein. Und dies gilt nicht nur für den Moment der Liturgie, dies soll für unser ganzes Leben gelten. Heben wir die Tore unserer gesamten Existenz, damit der Herr Einzug halten kann in jeden Bereich unseres Lebens. Öffnen wir uns dafür, dass der Herr unser Verhalten in jeder Lebenslage bestimmt, dass er ganz und gar gegenwärtig ist, in jeder Begegnung, in der Erfüllung unserer alltäglichen Pflichten, in unseren Familien und besonders in unseren Notlagen.

Mk 3
31 Da kamen seine Mutter und seine Brüder; sie blieben draußen stehen und ließen ihn herausrufen. 
32 Es saßen viele Leute um ihn herum und man sagte zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und suchen dich. 
33 Er erwiderte: Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder?
34 Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsaßen, und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. 
35 Wer den Willen Gottes tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.

Im Evangelium hören wir heute von der geistlichen Familie. Es ist so, dass Jesus sich wie so oft in einem Haus aufhält und lehrt. Dieser Ort muss mal wieder überfüllt sein, denn Jesu Mutter und „Geschwister“ stehen draußen und suchen Jesus. Die Suche ist entweder darauf zu beziehen, dass die Menschenmasse einen Überblick verunmöglicht, oder es ist ein Aufsuchen Jesu. Im griechischen Text steht das Wort ἀδελφός, das unter anderem den direkten Bruder meint. Wir befinden uns im orientalischen Kontext, wo mit „Bruder“ alle möglichen Personen bezeichnet werden, auch Cousins oder entferntere Verwandte. Die Perspektive von „Familie“ ist weitergefasst als unsere heutige. Im Hebräischen und auch im Griechischen gibt es zu jener Zeit auch nur einen Begriff für männliche Verwandte, ob Bruder oder Cousin. Diese „Brüder“, von denen wir hier lesen, werden an anderer Stelle namentlich erwähnt. An wiederum anderer Stelle werden aber auch deren Eltern genannt und die Mutter ist eben NICHT Maria, die Mutter Jesu, sondern die andere Maria, die Frau des Kleopas. Wahrscheinlich sind es Jesu Cousins (mindestens zweiten Grades!). Maria ist immerwährende Jungfrau, so glaubt es die Kirche. Sie hat nur diesen einen Sohn zur Welt gebracht und auf eine andere Art und Weise als sonst gewöhnlich. Ihre biologische Jungfräulichkeit ist auch durch die Geburt nicht genommen worden.
Es geht also um die Großfamilie Jesu hier im Evangelium. Sie sucht Jesus auf und er serviert sie nicht ab. Dies können wir aus der heutigen Schriftstelle nur dann schließen, wenn wir oberflächlich lesen. Es geht Jesus um mehr. Er nimmt ihre Anwesenheit zum Anlass, etwas zu erklären, nämlich die geistliche Familie, die die Kirche ist. Alle, die den Willen Gottes tun, sind Geschwister, nämlich im Glauben. Und darin sind sie viel mehr zusammengeschweißt als die biologische Zusammengehörigkeit. Das muss Jesus den anwesenden Juden ganz behutsam beibringen, denn es ist keineswegs selbstverständlich. Für die Juden ist die Biologie alles. Als Jude wird man geboren. Zum Judentum gehörig ist der Beschnittene am Körper. Für die Anwesenden ist es also eine ganz große Herausforderung über ihren „jüdischen Tellerrand“ hinauszuschauen.
Jesus kann es sich erlauben, diese Dinge zu sagen. Er weiß, dass seine Mutter ihn versteht. Er weiß, dass sie nicht beleidigt reagieren wird, wenn er die anwesenden Menschen, die gekommen sind, den Willen Gottes zu erfahren, als seine Familie, sogar als seine Mutter bezeichnet. Wer, wenn nicht Maria wird dies alles schon sehr früh gelernt haben! Sie ist durch ein Gelübde „unfruchtbar“ und ist doch Mutter geworden. Schon von Kindheit auf ist Jesus einerseits den Eltern gehorsam, andererseits lehrt er seine Eltern als Gott. Sie sind nicht nur seine Eltern, sie sind auch seine Schüler, seine Kinder im Glauben. Jesus ist Marias Rabbi und Maria ist eine erste und beste Jüngerin. Sie wird ihm im heutigen Evangelium also absolut Recht gegeben haben. Wir wissen nicht, wie es ausgegangen ist. Vielleicht ist er danach hinausgegangen oder hat seine biologische Familie hinzugeholt. Denn was Jesus im Laufe seiner Verkündigung immer wieder vorlebt, ist die perfekte Kombination von biologischer und geistlicher Familie: Er ehrt in allem seine Mutter und ist zugleich mit ihr als geistliche Familie vereint. In ihrer Beziehung sehen wir, wie es bei uns der Idealfall sein kann: Unsere Familien sollen nicht nur biologischen, sondern gleichzeitig einen geistlichen Zusammenhang bilden. Dann haben wir einen Vorgeschmack des Himmels auf Erden. Wie schön ist es, wenn Geschwister gut miteinander auskommen, zugleich aber auch im Glauben zusammen wachsen, sich über Gott unterhalten und zusammen bzw. füreinander beten! Leider sehen wir oft, dass Geschwister überhaupt nicht gut miteinander auskommen, biologisch zwar verwandt, doch innerlich Fremde sind. Gleichzeitig haben wir Freunde, die mit uns den Glauben teilen und denen wir deshalb viel näher stehen. Die geistliche Familie ist eine viel stärkere Bindung als die Blutsverbindung. In diesem Fall greift das Sprichwort nicht: „Blut ist dicker als Wasser.“ Denn in diesem Fall ist das Wasser dicker als das Blut, nämlich das lebendige Wasser, das der Hl. Geist ist, aus dem wir neugeboren sind in der Taufe!
Die ersten Christen haben diese geistliche Familie gelebt, indem sie einander als Brüder und Schwestern bezeichnet haben. Wir lesen dies immer wieder in den Briefen des Neuen Testaments. Dies verändert auch unser Verhalten heute, wenn wir uns immer bewusst sind, dass alle Getauften unsere Geschwister im Glauben sind. Dann werden wir die Verantwortung für sie spüren (vor allem für ihr Seelenheil). Wir werden sie dann nicht mehr schlecht behandeln, sondern werden ihnen mit einer geschwisterlichen Liebe begegnen, einer hingebenden und aufopfernden Liebe.

Während bei David die Einheit der Menschen durch das Königtum Gottes gekennzeichnet wird, geht es hier um die Einheit der Familie. Beide Bilder sind uns gestern begegnet, als Jesus über die Gespaltenheit des Teufels spricht, der deshalb keinen Bestand hat. Wenn ein Reich und eine Familie Einheit hat, so der Umkehrschluss, dann haben beide Bestand. Die Einheit wird durch Gott selbst garantiert, der uns die Frucht des Hl. Geistes schenkt. Durch seine Gnade bleiben wir eins und überwinden die temporären Spaltungen, die durch die Versuchung und die Nachstellungen des Teufels verursacht werden. Einheit kann nur Gott schaffen. Wo der Mensch es selbst probiert, entsteht nur noch mehr Spaltung.

Ihre Magstrauss

Montag der 3. Woche im Jahreskreis

2 Sam 5,1-7.10; Ps 89,20-21.22 u. 25.26 u. 29; Mk 3,22-30

2 Sam 5
1 Alle Stämme Israels kamen zu David nach Hebron und sagten: Wir sind doch dein Fleisch und Bein. 
2 Schon früher, als noch Saul unser König war, bist du es gewesen, der Israel hinaus und wieder nach Hause geführt hat. Der HERR hat zu dir gesagt: Du sollst der Hirt meines Volkes Israel sein, du sollst Israels Fürst werden. 
3 Alle Ältesten Israels kamen zum König nach Hebron; der König David schloss mit ihnen in Hebron einen Vertrag vor dem HERRN und sie salbten David zum König von Israel. 
4 David war dreißig Jahre alt, als er König wurde, und er regierte vierzig Jahre lang. 
5 In Hebron war er sieben Jahre und sechs Monate König von Juda und in Jerusalem war er dreiunddreißig Jahre König von ganz Israel und Juda.
6 Der König zog mit seinen Männern nach Jerusalem gegen die Jebusiter, die in dieser Gegend wohnten. Die Jebusiter aber sagten zu David: Du kommst hier nicht herein; vielmehr werden dich die Lahmen und die Blinden vertreiben. Das sollte besagen: David wird hier nicht eindringen. 
7 Dennoch eroberte David die Burg Zion; sie wurde die Stadt Davids.
10 David wurde immer mächtiger und der HERR, der Gott der Heerscharen, war mit ihm. 

Wir befinden uns nun im zweiten Samuelbuch und hören weiterhin aus dem Markusevangelium. Nachdem David so einiges hat über sich ergehen lassen durch den eifersüchtigen König Saul, wird er erneut zum König gesalbt und schließt mit den Ältesten der gesamten zwölf Stämme Israels einen Vertrag. Dieses wichtige Ereignis geschieht in Hebron, was kein Zufall ist. Dort sind die Väter begraben, wir denken besonders an die Patriarchen, die Israel begründen – Abraham der Stammvater mit seiner Frau Sarah, Jakob, den Vater der zwölf Söhne, die die zwölf Stämme begründen, Isaak, dessen Vater, der ihm den Erstgeburtssegen verliehen hat. David wird nun zum König über alle Stämme und seine Herrschaft gründet auf dem, was diese großen Gestalten grundgelegt haben.
Es ist auch kein Zufall, dass die Gesamtzeit seiner Königsherrschaft 40 Tage beträgt, dass er mit 30 das Königtum antritt und dass die Herrschaft in Juda 33 Jahre beträgt. Er ist Typos Christi. Jesus ist 30, als er seine öffentliche Verkündigung vom Reich Gottes beginnt. Er ist 33 Jahre alt, als er in Juda aufgrund der Gotteslästerung „König der Juden“ hingerichtet wird. Diese Zahlensymbolik ist nicht ausgedacht, wie gerne behauptet wird (so als ob man die 40 Jahre Gesamtherrschaft den 40 Jahren der Wüstenwanderung angleichen wolle). Gott lässt das alles zu, damit die Juden sein Wirken und seine Salbung erkennen. David ist der rechtmäßige, von Gott eingesetzte König. Zu Beginn seiner Herrschaft regiert er von Hebron aus, weil in Jerusalem die Jebusiter wohnen. Nach mehr als sieben Jahren erobert er Zion und herrscht von da an 33 Jahre von Jerusalem aus. Im Nachhinein wird die besondere Bedeutung der Stadt Jerusalem als Regierungssitz offenbar – der Messias als Sohn Davids wird „König sein“ in Jerusalem. Davids Macht wächst. Gott steht ihm bei, das heißt Davids Erfolg geht auf Gott zurück. Er ist es, der einen segnet, wenn man ihm gehorcht.
David ist gehorsam und ist deshalb in allem erfolgreich. Moralisch würden wir sagen, er ist im Stand der Gnade, weil er den Willen Gottes befolgt. An ihm sehen wir, wie es laufen sollte. Darin ist er Josef, dem Sohn Jakobs ähnlich. Auch er hat nicht nur alles gut gemeistert, was er begonnen hat, er hat sogar immer geglänzt. Dieser Erfolg ist auf Gott zurückzuführen, der ihn mit seinem Geist ausgestattet hat. Was Gott anrührt, kann nur exzellent sein, zu Gold werden. Das müssen wir auch für unser Leben beherzigen: Wenn wir aus der Gnade Gottes leben, wird uns alles gelingen, was wir zu tun haben. Das heißt nicht, dass wir Gottes Gnade beanspruchen können, um zu sündigen (ich kenne Menschen, die ihre esoterischen Gegenstände von einem Priester gesegnet haben und meinen, die esoterische Tat ist nun geheiligt). Natürlich geht das nicht. Wir sprechen hier von den Aufgaben, die wir erfüllen müssen, unsere täglichen Pflichten, unseren Beruf, unsere Begegnungen. Wenn wir mit Gottes Hilfe alles angehen, wird unser ganzes Leben zu Gold. Dann werden auch wir glänzen, denn eine Stadt, die auf dem Berg liegt, bleibt nicht verborgen. Alle Menschen werden an uns sehen, dass auf uns ein besonderer Segen liegt. Davon ausgehend werden sie fragen, wie wir das machen. Dann ist der Moment gekommen, von Jesus zu erzählen, von seiner Liebe, die uns immer die Kraft gibt, alles zu meistern. Immer, wenn wir versuchen, die Aufgaben unseres Lebens nur aus eigener Kraft zu meistern, geraten wir in eine Sackgasse. Das ganze Unternehmen ist der Versuch, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen. Das Leben ist oft so unkontrollierbar, dass wir schnell an unsere Grenzen geraten.
Wir müssen uns diese Gedanken auch als Kirche machen: Alles, was wir als Kirche angehen, wird zu Gold mit der Gnade Gottes. Wo die kirchlichen Grundvollzüge nicht mehr umgesetzt werden, verkommt alles Tun zu einem menschlichen Aktivismus, der geistlos ist. Wo der Sauerstoff ausgeht, stirbt der Organismus. Wir brauchen den Atem Gottes, der die Kirche an Pfingsten erst zum Leben erweckt hat – analog zur Erschaffung des ersten Menschen in Genesis, analog zur Auferstehung Jesu Christi. Hand in Hand mit Gottes Geist wird alles Tun zu einer exzellenten Tat, nicht damit wir uns als Kirche oder als Einzelpersonen dessen rühmen, sondern ganz und gar Gott die Ehre geben.

Ps 89
20 Einst hast du in einer Vision zu deinen Frommen gesprochen: Einem Helden habe ich Hilfe gewährt, einen jungen Mann aus dem Volk erhöht. 
21 Ich habe David, meinen Knecht, gefunden und ihn mit meinem heiligen Öl gesalbt. 
22 Fest wird meine Hand ihn halten und mein Arm ihn stärken.
25 Meine Treue und meine Huld sind mit ihm und in meinem Namen erhebt er sein Haupt. 
26 Ich lege seine Hand auf das Meer und auf die Ströme seine Rechte.
29 Auf ewig werde ich ihm meine Huld bewahren, mein Bund mit ihm ist verlässlich. 

Heute beten wir erneut Psalm 89, den sogenannten Königspsalm. Er reflektiert die heutige Lesung, also das Königtum Davids. Die Frommen, von denen hier in Vers 20 die Rede ist, können wir auf Propheten wie Samuel beziehen, aber heute auch auf die Ältesten der zwölf Stämme Israels. Diese erkennen ja, dass David der rechtmäßige König sein muss. Er war bisher so erfolgreich bei den geführten Kriegen, dass Gott an seiner Seite sein muss. David bezeichnet sich selbst hier als „Held“, was aber kein Hochmutzeichen ist. Vielmehr bezieht er es zurück auf Gott, der ihn zum Helden gemacht hat. Er tut genau dies, womit wir bei der Betrachtung der Lesung geschlossen haben: Gott verhilft uns dazu, zu glänzen, nicht dass wir uns selbst rühmen, sondern ihm die Ehre geben – vor allem auch die Menschen um uns herum! David ist noch jung, wie er sich selbst hier nennt. Als er sein Königtum antritt, ist er 30 Jahre alt. Er hat schon in jungen Jahren Kriege geführt und stand viele Jahre im Dienst Sauls. Somit ist er mit seinen 30 Jahren schon ein gestandener Mann. Das hebräische Wort בָח֣וּר bachur bezeichnet dabei einen unverheirateten jungen Mann im heiratsfähigen Alter. Davids Berufung erfolgte, als er noch unverheiratet war. Wir betrachteten letzte Woche, dass der unverheiratete Stand bei seiner Berufung eine wichtige pädagogische Maßnahme bzw. ein zeichenhaftes Bild für die Israeliten damals und für uns heute ist. Mittlerweile ist David verheiratet und bekommt schon mehrere Kinder in Hebron, bevor er in Jerusalem weitere Kinder zeugt. Zuerst hat er eine Bindung mit Gott, zuerst kommt die Befolgung des Willens Gottes, dann kommt die Familiengründung. Das ist nicht nur chronologisch zu betrachten, sondern gerade auch als Prioritätensetzung.
David wurde „gefunden“ und mit Öl gesalbt. Das war vor allem bei der ersten Salbung durch Samuel der Fall, aber auch heute hören wir von einer Salbung – der endgültigen in Hebron. Durch die Salbung ist David gestärkt und wird getragen von der Hand Gottes, wie es Vers 22 voraussagt (hier stehen Zukunftsformen).
Gottes Treue und Huld sind mit ihm. Im Hebräischen werden diese Aspekte als Nominalsatz und als Partizipialkonstruktion formuliert. Was kompliziert klingt, hat einen einfachen Grund: Es wird immer gebraucht, wenn man einen anhaltenden Zustand und eine gewisse Zeitlosigkeit (zeitliche Ungebundenheit) ausdrücken möchte. Gottes Treue und Huld sind also jederzeit mit David. Diese Aussage hat weitreichende Folgen: Bald wird David nämlich einen ganz großen Fehler begehen, einen Ehebruch, eine fahrlässige Tötung, Lügereien, doch selbst dann wird Gott treu bleiben und sein Königtum nicht verwerfen. Warum? Weil David es bereuen wird, weil er Gott um Verzeihung bitten wird. Saul dagegen begeht die sogenannte Sünde „gegen den Hl. Geist“. Er vertraut nicht auf die wunderbare Vorsehung Gottes und bereut zuerst nicht, was er getan hat. Er nutzt die Kraft der Vergebung nicht, die Gott ihm anbietet. Deshalb wird er als König verworfen. Kurzzeitig berührt ihn die Barmherzigkeit Gottes zwar schon (z.B. wenn David ihn mehrfach verschont), doch er fällt immer wieder zurück in diesen verstockten Zustand. Dieser nimmt letztendlich auch die Überhand.
David erhebt wirklich sein Haupt in Gottes Namen. Er tut alles „in Gottes Namen“ und glänzt aus diesem Grund.
Das ist für uns ein gutes Beispiel: Wenn wir morgens aufwachen, sollten wir zuerst eine „gute Meinung“ machen, das heißt alles, was wir im Laufe des Tages tun, in Jesu Namen tun wollen und dies ihm auch bekunden. Dann wird unser ganzes Tun geheiligt, unsere Bemühungen nicht umsonst sein. Dann wird alles geistgewirkt sein und die Menschen werden den Unterschied merken, wir selbst übrigens auch. Es wird uns alles einfacher von der Hand gehen, weil wir die Rückendeckung Gottes spüren. Er verleiht uns das nötige Selbstbewusstsein, den Mut und auch die Gelassenheit. Auch als Kirche tun wir alles in Gottes Namen. Jegliche Gebete, jegliche liturgische Formen beginnen mit dem Kreuzzeichen „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes“.
„Auf ewig“ bleibt der Bund, den Gott mit David schließt. Auch wenn er Gott enttäuschen wird, bleibt Gott treu. Der Bund mit Gott ist verlässlich. Wenn es jemanden gibt, auf den sich David verlassen kann, dann ist es der Herr. Und er ist wirklich ein König, der ganz und gar auf Gott vertraut. Er hat eine so innige Gottesbeziehung, dass wir dies erstens mit Jesus vergleichen können, der wie David und noch viel mehr, nämlich wörtlich, Gott seinen Vater nennt. Zweitens können wir dies zum Vorbild für unser eigenes Gottesverhältnis nehmen.
Es gibt keinen Menschen, auf den wir uns zu 100 Prozent verlassen können. Irgendwann enttäuscht uns jeder Mensch, besonders jene, von denen wir am meisten erwarten. Nur einer enttäuscht uns nicht, Gott, der die Liebe ist. Er ist der vollkommen Verlässliche. Und doch vertrauen wir ihm oft zu wenig.

Mk 3
22 Die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: Er ist von Beelzebul besessen; mit Hilfe des Herrschers der Dämonen treibt er die Dämonen aus. 
23 Da rief er sie zu sich und belehrte sie in Gleichnissen: Wie kann der Satan den Satan austreiben? 
24 Wenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben. 
25 Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben. 
26 Und wenn sich der Satan gegen sich selbst erhebt und gespalten ist, kann er keinen Bestand haben, sondern es ist um ihn geschehen. 
27 Es kann aber auch keiner in das Haus des Starken eindringen und ihm den Hausrat rauben, wenn er nicht zuerst den Starken fesselt; erst dann kann er sein Haus plündern. 
28 Amen, ich sage euch: Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen; 

29 wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften. 
30 Sie hatten nämlich gesagt: Er hat einen unreinen Geist.

Heute hören wir etwas sehr Wichtiges im Evangelium. Bisher lasen wir in den Ausschnitten aus Mk ja, dass Jesus viele Heilstaten tut, dass aus dem ganzen Land die Menschen zu ihm reisen. Durch seine Taten wird er überall als Messias erkannt/erahnt. Doch das gilt nicht für alle Menschen. Ausgerechnet die Schriftgelehrten aus Jerusalem, diejenigen, die die Hl. Schrift am besten kennen sollten, die die ganzen Anspielungen Jesu an die Verheißungen des AT am ehesten erkennen sollten, verstehen ihn nicht. Es ist noch schlimmer – sie unterstellen Jesus okkulte Kräfte. Sie, die die Geistbegabung beispielsweise eines König David am detailliertesten erklären können, sehen die offensichtliche antitypische Entsprechung zu Christus nicht. Stattdessen begehen sie die Sünde gegen den Hl. Geist. Sie verteufeln die Macht Gottes. Jesus treibe mithilfe okkulter Kräfte Dämonen aus. Warum sagen sie so etwas Unlogisches, das sie doch selbst nicht glauben können? Vielleicht aus Missgunst, denn Jesus treibt auch stumme Dämonen aus (davon lesen wir vor allem in anderen Evangelien) und diese kann laut jüdischer Tradition nur der Messias austreiben. Alle anderen Dämonen werden ansonsten auch von den Pharisäern exorziert. Die Stummheit eines Dämons ist insofern ein Hinderungsgrund für den jüdischen Exorzismus, weil die Erfahrung des dämonischen Namens ihn erst binden kann. Spricht der Dämon nicht, kann dies also nicht gelingen.
Wir kennen diese Situation leider auch heute. Ganz besonders die katholische Kirche muss sich immer wieder anhören, dass die Sakramente, die Sakramentalien, die Charismen, also alles, was der Hl. Geist bewirkt, okkult sei. Das wird vor allem von freikirchlichen Kreisen behauptet, die Analogien zu den Freimaurern entdecken, die viele okkulte Manifestationen kennen. Analogien liegen durchaus vor, aber die Schlussfolgerung ist falsch: Die Freimaurer sowie jegliche esoterische/okkulte Gruppen greifen urchristliche Symbolik, die Lehre der Kirche, selbst den Ablauf der Liturgie auf und pervertieren diese Dinge ins Dämonische. Die Manifestationen des Hl. Geistes werden teuflisch nachgeahmt. Aber zuerst ist Gott da. Die Freimaurer sind erst später entstanden. Zuerst ist das Pentagramm da, zuerst das Dreieck mit dem Auge, dann ist dies alles erst zweckentfremdet worden. Zuerst ist die Zungenrede, dann das dämonische Geplapper. Die Kraft des Hl. Geistes ist immer zuerst da.
Es ist sehr schmerzhaft, wenn man einerseits die wunderbaren Heilstaten Gottes in der Kirche erfährt – und gerade in der charismatischen Erneuerung wird man Zeuge von vielen vielen Krankenheilungen, von Exorzismen, von Charismen – andererseits diese Dinge dann von außen verteufelt werden. Die Verurteiler haben die Zeit der Gnade nicht erkannt. Wie kann etwas vom Teufel sein, wenn der Glaube wieder neu auflebt, wenn die Menschen nach vielen Jahrzehnten wieder beichten gehen und zu brennenden Christen werden? Der Satan kann Menschen in die Irre führen, indem er körperliche Heilungen imitieren kann. Aber die Seele kann kein Dämon heilen. Das ist das ausschlaggebende Indiz.
Jesus nimmt sich der Schriftgelehrten an. Er könnte sie öffentlich bloßstellen und sagen: „Also ernsthaft, IHR solltet meine ganzen Anspielungen doch am besten verstehen. Wo habt ihr denn die Hl. Schriften studiert?“ Aber er tut es nicht. Stattdessen legt er ihnen die unlogische Schlussfolgerung dar: Ein in sich gespaltenes Reich hat keinen Bestand. Nur die Einheit ist beständig. Wir sehen es bei König David. Sein Königreich hat deshalb Bestand, weil er erstens in Einheit mit Gott ist und sein „Haupt im Namen Gottes erhebt“, aus dieser Einheit heraus auch die Einheit der zwölf Stämme gewährleisten kann.
Jesus nennt einige Beispiele, bei denen Gespaltenheit den Untergang vorprogrammiert: Das Reich, von dem wir in der Lesung und im Psalm schon gehört haben, und die Familie, die die Zelle der Gesellschaft darstellt. In beiden Fällen ist Gott der Stifter von Einheit.
Analog dazu ist das Reich der Dämonen zu betrachten: Sind die Dämonen unter sich gespalten, haben sie keine Macht. Diese Spaltung setzen die Schriftgelehrten ja voraus, wenn Jesus unter dem Einfluss des einen Dämons die Dämonen in den anderen Menschen hinausjagt. Dann aber hätte Jesus nicht die Kraft, die anderen Dämonen auszutreiben. Es ist ein einziger Denkfehler.
Exorzismen sind Kämpfe, geistliche Schlachten innerhalb eines Hauses. Deshalb bringt Jesus den Vergleich mit einem Kampf eines Einbrechers mit dem Hausherrn. Das Haus ist die menschliche Seele, der Hausherr sind wir. Der Satan dringt wie ein Dieb in unser Haus ein, nicht gepflegt durch die Tür so wie Jesus, der höflich anklopft (Offb 3,20). Er muss zuerst uns selbst überwältigen. Was er besiegen muss, ist unseren freien Willen. Dann kann er mit uns treiben, was er will. Jesus bringt diesen Vergleich, um die Absurdität der Behauptung der Schriftgelehrten herauszustellen. Wie kann ein durch die Gespaltenheit geschwächter Dämon den Hausherrn überwältigen?
Jesus erklärt daraufhin die Sünde gegen den Hl. Geist, über den wir vorhin schon gesprochen haben. Sie verkennen Gottes Geist. In den Auferstehungserzählungen lesen wir davon, dass der auferstandene Jesus den Aposteln erscheint, sie anhaucht, ihnen sagt: „Empfangt den Heiligen Geist!“ und ihnen daraufhin die Vollmacht der Sündenvergebung überträgt („Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben, wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert“). Wer den Geist Gottes leugnet, der leugnet die Vergebung Gottes. Nicht Gott selbst verweigert den Schriftgelehrten an dieser Stelle also die Vergebung, sondern sie selbst stellen sich quer. Deshalb formuliert Jesus diese drastischen Worte. Sie haben ihm eine Besessenheit unterstellt. Hüten wir uns davor, ebenfalls in dieses Missverständnis zu fallen. Gott ist es, auf den alles Gute zurückgeht. Er ist es aber nicht, ich betone NICHT, der das Böse in der Welt tut, der für unser Leiden verantwortlich ist. Er ist gut, nur gut. Wenn wir übernatürliche Dinge sehen, müssen wir unterscheiden, ob es von Gott oder vom Bösen kommt. Das ist auch berechtigt und sogar notwendig, heute mehr als je zuvor! Doch seien wir nicht von Eifersucht getrieben wie die Schriftgelehrten und unterstellen eindeutig geistbegabten Menschen okkulte Kräfte, um sie zu verunglimpfen. Damit beleidigen wir nämlich nicht nur sie, sondern noch vielmehr Gott selbst. Wo die Menschen näher zu Gott kommen, kann der Böse seine Finger nicht im Spiel haben.

Glauben wir an die Vergebung Gottes. Nehmen wir seine Barmherzigkeit an, so wie David es bald tun wird, wenn er so richtig einen Fehltritt begeht. Es ist nie zu spät, ihn um Verzeihung zu bitten, zumindest nicht bis zum Ende der Zeiten.

Ihre Magstrauss

3. Sonntag im Jahreskreis

Jes 8,23b-9,3; Ps 27,1.4.13-14; 1 Kor 1,10-13.17; Mt 4,12-23

Jes 8-9
23 Doch das Dunkel bleibt nicht dort, wo Bedrängnis ist. Wie er in früherer Zeit das Land Sebulon und das Land Naftali verachtet hat, so hat er später den Weg am Meer zu Ehren gebracht, das Land jenseits des Jordan, das Gebiet der Nationen.
1 Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht; über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, strahlte ein Licht auf. 
2 Du mehrtest die Nation, schenktest ihr große Freude. Man freute sich vor deinem Angesicht, wie man sich freut bei der Ernte, wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird.
3 Denn sein drückendes Joch und den Stab auf seiner Schulter, den Stock seines Antreibers zerbrachst du wie am Tag von Midian.

Die heutige Lesung aus dem Buch Jesaja ist uns aus der Christmette an Heiligabend bekannt. Jesus wird dort als Licht bezeichnet. Diese Metapher für den Messias ist im Judentum weit verbreitet – schon allein durch die messianischen Textstellen im Jesajabuch. Aber auch sonst wird der Messias als „Licht für die Völker“ erwartet. Wir hörten gestern von der Bekehrung des Paulus und dass Jesus dort als ein helles Licht vom Himmel erscheint. Paulus ist danach ganze drei Tage blind, so stark ist das Licht der Gnade und Herrlichkeit Gottes.
In der alten Einheitsübersetzung lesen wir „das Volk, das im Dunkeln lebt“. Dies bezieht sich zunächst auf das Volk Israel, das im Dunkeln ist aufgrund der Fremdvölker. Es hatte die Aussicht auf Frieden und Freiheit verloren und sah aus diesem Grund keinen Funken Hoffnung. Zu stark wurde die Bedrängnis durch die Assyrer. Doch es wird ihnen ein Licht in ihrer Dunkelheit verheißen: Die Juden haben dieses Licht zunächst mit einer politischen Figur in Verbindung gebracht: König Hiskija, den Sohn des Ahas. Dieser ist der Sohn, der den Juden geschenkt worden ist. Mit seiner Geburt ist eine große Freude verbunden worden, die mit der Freude über eine reiche Ernte oder Kriegsbeute verglichen wird (zwei lebensnahe Bilder der Israeliten jener Zeit). Gott greift ein, deshalb wird die Kriegsmacht der Assyrer zunichte gemacht. So bricht Gott den Stock des Antreibers bzw. das drückende Joch der Assyrer, die Israel belastet haben. Wir dürfen über diese historisch-wörtliche Lesart hinausgehen und denken an Jesus Christus, der das Volk aus der Knechtschaft der Sünde befreien möchte, der dem auserwählten Volk Hoffnung bringt, das bisher in der Dunkelheit, also in der Hoffnungslosigkeit gelebt hat. Wir müssen das heilsgeschichtlich verstehen: Der Mensch ist ohne Perspektive geworden aufgrund der verschlossenen Tür zum Paradies. Man konnte noch so gerecht vor Gott sein, das Himmelreich wurde keinem mehr zugänglich seit dem Sündenfall des ersten Menschenpaares. Und nun kommt der Sohn Gottes auf die Erde und tut das Unglaubliche: Durch seine stellvertretende Sühne für die ganze gefallene Schöpfung ÖFFNET ER DIE TÜR! Er sagt nicht umsonst im Johannesevangelium: „Ich bin die Tür. Wer durch mich hindurchgeht, wird gerettet werden“ (Joh 10,9). Wenn das nicht ein Grund zur Hoffnung ist, was dann! Gestern haben wir eine konkrete Bekehrungsgeschichte gehört, in der diese Hoffnung ganz wortwörtlich so spürbar wurde: Paulus sah wirklich dieses helle Licht, ein Pharisäer, ein klassisches Mitglied des erwählten Volkes. Er wird so zur Personifikation dessen, was wir heute aus Jesaja hören. Er sieht ein helles Licht, Jesus Christus, der ihm Perspektive schenkt, die Berufung seines Lebens und die Aussicht auf das Himmelreich. Würde er sich nicht bekehren und sich taufen lassen, würde er weiterhin im Dunkeln sitzen. Denn er wäre nicht durch die Tür hindurchgegangen.
Jesus hat bei seiner öffentlichen Verkündigung die „Nation gemehrt“, nämlich das Volk Gottes, die Bündnispartner des Neuen Bundes, nicht mehr nur das Volk Israel (hier steht deshalb extra das Wort הַגֹּוי hagoj, also eben NICHT das übliche Israel-Volk-Wort). Über sein Angesicht freuten sich so viele Scharen, wie wir in den letzten Tagen immer wieder gelesen haben. Aus ganz Israel reisten die Menschen zu ihm, um sein Angesicht zu sehen, um seine Heilstaten mit eigenen Augen zu bezeugen. Er hat so viel Licht in das Leben der Menschen gebracht, die unheilbar krank waren, schwach und resigniert, die ganz und gar in der Gewalt des Teufels waren.
Er hat durch die vielen Exorzismen die Macht des Teufels in der Seele so vieler Menschen gebrochen, sozusagen ihr drückendes Joch und den Stock des Antreibers Satans. Er hat sie befreit und zu Bürgern seines Reiches berufen. Dies tut Jesus auch mit uns heute, wenn wir getauft werden. Die Taufe ist sündenvergebend, und zwar so, dass sogar die Folgen der Sünde getilgt werden. Wir werden ganz und gar bereitgemacht für das Reich Gottes. Er wäscht uns rein und nimmt das drückende Joch der Erbsünde von uns. Er zerbricht den Stock des Antreibers Satan, der unser bisheriges Leben im Griff hatte. Gewiss sündigen wir auch nach der Taufe weiter, doch Gott ist so barmherzig, dass er uns mit dem Sakrament der Versöhnung auch dann eine Chance gibt. Er nimmt auch dann das drückende Joch unserer Sünde, damit wir in den Stand der Gnade zurückkehren können. Er wird uns am Ende unseres Lebens vom drückenden Joch des irdischen Daseins voller Leiden und Krankheit befreien, wenn wir hoffentlich das Angesicht Gottes schauen dürfen. Am Ende der Zeiten wird er die Menschen vom drückenden Joch dieser gefallenen Schöpfung befreien, indem er einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird, in der es keinen Tod, keine Traurigkeit, kein Leiden, keine Tränen mehr geben wird.

Ps 27
1 Von David. Der HERR ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen?
4 Eines habe ich vom HERRN erfragt, dieses erbitte ich: im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen und nachzusinnen in seinem Tempel.
13 Ich aber bin gewiss, zu schauen die Güte des HERRN im Land der Lebenden. 
14 Hoffe auf den HERRN, sei stark und fest sei dein Herz! Und hoffe auf den HERRN!

Wir beten heute einen ganz bekannten Psalm, der erneut das Vertrauensverhältnis Davids zu Gott offenbart. Auch der Psalm verarbeitet den Gedanken, dass Gott Licht ist. Es gibt auch hier messianische Hinweise bzw. erkennen wir Christus im Psalm: Der HERR, Jahwe, ist mein Heil. Das hebräische Wort weist denselben Stamm auf wie der Name Jesu. Das ist kein Zufall. Der Psalm ist ganz und gar von Vertrauen geprägt („vor wem sollte mir bangen“, „Zuflucht“, „Hoffe auf den HERRN“). Zugleich wird die Sehnsucht nach dem ewigen Leben deutlich: „im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens“; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen“. Das entspricht unseren anagogischen Gedanken zum Jesajatext, in denen wir damit geschlossen haben, dass das Leben bei Gott im Himmelreich die ultimative Befreiung vom drückenden Joch ist.
Auch der Gedanke des Übergangs von der Dunkelheit ins Licht wird hier im Psalm aufgegriffen, denn er beinhaltet die Einladung zur Hoffnung auf den HERRN. Diese Auslegung vom Licht Gottes haben wir ja auch im Jesajatext bedacht. Jesus ist die Hoffnung der Menschen. Er schenkt dem Menschen eine Perspektive, einen Sinn im Leben, eine Berufung – nämlich die Berufung zur Heiligkeit.
„Das Land der Lebenden“ ist durch und durch ein Zeugnis für die Auferstehungshoffnung von Christen. Dies zeigt, dass David mal wieder geisterfüllt diesen Psalm formuliert. Wie kann ein israelitischer König 1000 Jahre vor Christi Geburt so etwas Österliches sonst sagen? Lob sei Gott, dass er schon damals diesen König mit seinen wunderbaren Verheißungen erfüllt hat! Das Land der Lebenden ist das Himmelreich. Wir werden leben, auch wenn wir sterben. Das wird Jesus immer wieder erklären. Denn Gott ist ein Gott der Lebenden, nicht der Toten.

1 Kor 1
10 Ich ermahne euch aber, Brüder und Schwestern, im Namen unseres Herrn Jesus Christus: Seid alle einmütig und duldet keine Spaltungen unter euch; seid vielmehr eines Sinnes und einer Meinung! 
11 Es wurde mir nämlich, meine Brüder und Schwestern, von den Leuten der Chloë berichtet, dass es Streitigkeiten unter euch gibt. 
12 Ich meine damit, dass jeder von euch etwas anderes sagt: Ich halte zu Paulus – ich zu Apollos – ich zu Kephas – ich zu Christus. 
13 Ist denn Christus zerteilt? Wurde etwa Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden?
17 Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkünden, aber nicht mit gewandten und klugen Worten, damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft gebracht wird.

Als zweite Lesung hören wir diese Wochen aus dem ersten Korintherbrief. Er bezeugt verschiedenste Probleme, mit denen sich die ersten Christen herumschlagen mussten. Vieles, was wir da hören, ist hochaktuell, denn es betrifft die Christenheit zu allen Zeiten. Wir müssen bei allem, was wir dabei hören, bedenken, dass Paulus Gemeindebrief eine Antwort auf zuvor gestellte Fragen eines Briefes gibt. Sein Brief ist also ein Antwortschreiben und bezeugt uns, was die Korinther ihm selbst erzählt haben: Heute wird dabei etwas ganz Typisches geschildert – ein Personenkult innerhalb der einen Gemeinde. Wir sollen eins sein, wie Jesus und der Vater eins sind. So hat Jesus damals schon gebetet. Die Korinther sollen „eines Sinnes und einer Meinung“ sein. Die griechischen Begriffe sind an dieser Stelle νοῒ noi und γνώμῃ gnome. Mit dem ersten Begriff, von dem auch der philosophische Begriff des Nous stammt, ist gemeint, dass die Gemeindemitglieder biblisch gesprochen eine gemeinsame „Weisheit“ haben sollen. Sie sollen vom selben Geist her denken und handeln, nämlich dem Geist Gottes. Sie sollen denselben Sinn im Leben verfolgen, sozusagen „eines Herzens“ sein, das nämlich die Quelle ihrer Entscheidungen sein soll. Mit dem zweiten Begriff ist weniger die persönliche Meinung gemeint als vielmehr das Urteilsvermögen allgemein. Die Gemeindemitglieder sollen dieselbe Urteilsgrundlage haben, was wiederum der Heilige Geist ist. Von ihm aus sollen sie Entscheidungen treffen und die Unterscheidung zwischen Wahrheit und Lüge vornehmen.
Aber die Realität sieht anders aus. Paulus ist durch die „Leute der Chloe“ zu Ohren gekommen, dass es Spaltungen gibt. Das betreffende Wort σχίσματα schismata ist hier natürlich nicht im modernen Sinne zu verstehen, also dass die Gemeinde tatsächlich in einem vollendeten Schisma lebt, es also mehrere korinthische Gemeinden gibt, die verfeindet sind und zuvor eine einzige Gemeinde darstellten. Hier ist das Wort im wörtlichen Sinn zu verstehen: Es gibt Spaltungen unter ihnen, also Uneinigkeit in einer einzigen großen Gemeinde. Die „Leute der Chloe“ könnte Diener oder Mitglieder einer Hausgemeinde einer Frau namens Chloe meinen. Dabei bleibt offen, ob sie zu den Korinthern gehört oder eine Außenstehende ist. Zumindest haben diese Menschen Kontakt zu Paulus, sodass er durch sie von den Missständen in der riesigen korinther Gemeinde erfährt.
Und dann sagt Paulus konkret, welche Schismata er meint: Die einen knüpfen ihren christlichen Glauben an Paulus an, die anderen an Apollos, einem Missionar, der nach der Gemeindegründung Pauli in Korinth dort ebenfalls gewirkt hat. Wiederum andere hängen an Petrus (, dessen Beiname Petrus auf hebräisch Kephas ist), andere sagen „ich glaube nicht an Menschen, sondern nur an Christus.“ Vielleicht sagen sie allerdings auch „ich lass mir von keinem Menschen etwas sagen, nur von Christus“ und vergessen dabei dessen Bevollmächtigung seiner Apostel. All diese Haltungen sind ungesund und nicht, wie Jesus eine christliche Gemeinde gewollt hat. Deshalb stellt er die rhetorischen Fragen: „Ist denn Christus zerteilt?“ Und „Wurde etwa Paulus für euch gekreuzigt?“ Der Kern der Gemeinde, so stellt er klar, ist Jesus Christus und seine Erlösung. Er ist der gemeinsame Grund, dass es die korinther Gemeinde gibt und der sie vereint. Er kritisiert einerseits, dass die Korinther diese Einheit eigenmächtig zerstören, andererseits dass sie einen nicht gottgewollten Personenkult etablieren. Nicht Paulus, Kephas oder Apollos sind heilsnotwendig. Der Glaube an Gott ist nicht von diesen menschlichen Personen abhängig. Auf diese Weise machen die Korinther sie zu neuen Messiassen. Durch dieses Verhalten tun sie noch etwas Anderes: Sie unterstellen ihnen Rivalitäten, die eigentlich nicht gegeben sind. Paulus und Apollos z.B. arbeiten doch gemeinsam an der Evangelisierung in Korinth, nicht gegeneinander.
Dann werden einige Verse des Briefes übersprungen, in denen Paulus vereinzelte Leute aufzählt, die er getauft hat. Er sagt mit Erleichterung, dass er nur wenige getauft hat, damit das Missverständnis der Korinther – dieser aufkommende Personenkult – nicht im Nachhinein darauf projiziert werden kann (so als ob die Personen auf den Namen des Paulus getauft würden). Das ist hier natürlich ironisch-humorvoll gemeint. Er ist natürlich glücklich über jeden getauften Menschen, über jeden, den er oder andere für Christus gewinnen kann!
Er erklärt dann auch nebenbei, dass die Tauftätigkeit nicht seine Berufung sei, sondern die Verkündigung des Evangeliums. Er sagt dann auch noch, dass er die Verkündigung mit einfachen Worten vornimmt, „damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft gebracht wird.“ Das heißt nicht, dass man in der Verkündigung seine rhetorischen Fähigkeiten bewusst unterschlagen soll, die Gott einem geschenkt hat. Er spricht hier von einer bestimmten Absicht, die auch mit dem aufkommenden Personenkult in Korinth zusammenhängt: Es gibt offensichtlich Prediger, die nicht um des Himmelreiches willen sprechen, sondern um sich selbst zu profilieren, um einen Kreis um sich zu bilden. Es gibt Menschen, die das alles auf sich nehmen, um Anerkennung zu bekommen und andere an sich zu binden statt an Christus. Sie nutzen also eine gute Rhetorik für niederträchtige Absichten. Insofern lenken sie vom Kreuz Christi auf sich. Das kritisiert Paulus. Die Rhetorik soll aber ganz auf die Menschen abgestimmt sein und die gesamte Verkündigung soll einfach und schlicht sein – so wie Jesus selbst. Es soll um das Wesentliche gehen und ganz wichtig: von Demut getragen sein. Das ist das Stichwort. Die Demut leitet den Verkünder und prägt seine Sprache. Er lenkt dann von sich weg auf Christus. Er bindet die Menschen nicht an sich, sondern führt sie zum Kreuz. Was Paulus uns heute erklärt, ist eine Lektion für alle Geistlichen, also Bischöfe, Priester, Diakone, aber auch Leiter geistlicher Gemeinschaften und Vereine, Ordensobere und alle anderen Menschen, die Andere irgendwie anführen. Es soll nie um Selbstdarstellung gehen, sondern um Jesus. Es ist auch eine Lektion für alle Gemeindemitglieder, damals und heute: Wir sollen uns nie an einen Geistlichen binden und schon gar nicht unseren Glauben von ihnen abhängig machen. Sonst werden wir sehr schnell enttäuscht, resigniert und verlieren unseren Glauben. Denn kein einziger Mensch ist perfekt, auch kein Geistlicher. Jeder sündigt und ist erlösungsbedürftig. Der einzige, an den wir uns ganz und gar binden sollen, ist Jesus Christus. Er wird uns nie enttäuschen. Er ist immer treu, auch wo wir ihm untreu werden. Er hält sein Versprechen und kann uns glücklich machen. Er ist unser Licht, die Sonne der Gerechtigkeit. Das Licht, das von Geistlichen ausgeht durch ihre Weihe und damit verbundene Gnade ist immer nur Reflektion des Lichtes Gottes. Aus sich selbst heraus können sie nicht leuchten, genauso wenig wie wir.

Mt 4
12 Als Jesus hörte, dass Johannes ausgeliefert worden war, kehrte er nach Galiläa zurück. 
13 Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. 
14 Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: 
15 Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: 
16 Das Volk, das im Dunkel saß, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.
17 Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. 
18 Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer. 
19 Da sagte er zu ihnen: Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. 
20 Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm nach. 
21 Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie 
22 und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus nach.
23 Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.

Heute hören wir von dem öffentlichen Wirken Jesu. Nachdem Johannes ins Gefängnis geworfen wurde, geht Jesus zurück in seine Heimat. Man könnte es menschlich erklären als klugen Schachzug, da Jesus der akuten Gefahr entgeht- er hat schließlich noch einen Verkündigungsauftrag und kann nicht direkt ins Gefängnis gehen. Aber es geht um etwas Anderes: Er macht sich auf in die Gebiete, die vorwiegend heidnisch besetzt sind. Er tut dabei nichts, was er selbst will, sondern ganz, was der Vater ihm aufträgt. Sein Aufenthalt im Land Sebulon und Naftali ist wiederum nicht nur für die Heiden wichtig, sondern auch für die Juden. Er erfüllt nämlich wiederum eine Verheißung des Alten Testaments, das die Juden erkennen mussten. Er tut es also wiederum für die Juden, damit sie zum Glauben an ihn kommen! Es geht um die Verheißung in Jesaja 8-9, die wir heute in der ersten Lesung gehört haben. Er ist das Licht, das zu dem Volk geht, das im Dunkeln lebt. Er bringt jenen Hoffnung, die keine haben. Er lehrt dabei in den Synagogen, was wiederum eine Verkündigung für die Juden kennzeichnet.
Jesu Verkündigung ist von Anfang an eine Kombination von Predigt und Heilsdienst. Er erklärt das Reich Gottes und heilt viele Menschen von verschiedenen Leiden.
Die Menschen kommen vor allem wegen der Heilungsaussichten, aber zugleich hören sie vom Reich Gottes. Dadurch, dass aus dem ganzen Hl. Land Menschen zu seinen Jüngern werden, erkennen wir, warum Jesus die Menschen heilt: damit sie zum Glauben an ihn kommen. Sie sollen die Herrlichkeit Gottes erkennen. So ist Gott. Er zeigt den Menschen konkret am Beispiel der Heilung, was er mit seiner frohen Botschaft meint. Das ist göttliche Pädagogik.
Jesus erbittet die Heilung für all jene Menschen, die zu ihm kommen. Er betet laut mit ihnen und sie sehen, dass die Gebete erhört werden. Das ist wichtig für die Juden. Sie erkennen die Salbung Gottes in Jesus, wie der Psalm 2 es ausdrückt. Was auch immer Jesus beabsichtigt, der Geist Gottes wirkt durch ihn und heilt Scharen von Menschen. In Jesus ist die Fülle der Charismen Gottes.
Wir hören heute auch, dass Jesus zu Beginn seines Wirkens Jünger in seine Nachfolge ruft. Die ersten, die zu seinen Jüngern werden, sind ausgerechnet Fischer. Das ist wie immer kein Zufall. Das ist Gottes Art, uns die geistliche Berufung zu erklären. Es ist wie das Fangen von Fischen, nur sollen diese Männer von nun an Menschenseelen „fangen“, also für Christus gewinnen.
Die Gerufenen verstehen, welche große Berufung sie erhalten, denn sie lassen sofort alles stehen und liegen (sogar den eigenen Vater Zebedäus), um Jesus nachzufolgen. Es heißt hier im Griechischen εὐθύς euthys, was „sofort“ heißt. Sie zögern nicht. Jesus ruft sie und sagt „kommt und folgt mir nach“. Bis heute beruft er Menschen mit diesen Worten. Er möchte bis heute Menschenfischer für sein Reich haben, denn die „Arbeit“ ist nie abgeschlossen. Das meint zu allererst besondere Einzelpersonen wie Petrus usw. Wir sprechen hier von geistlicher Berufung, in besonderer Weise das übliche Leben zurückzulassen, sogar die biologische Familie zu verlassen, um einer größeren Berufung nachzugehen. Es meint in erster Linie diejenigen, die sich für das Weltpriestertum oder für ein Ordensleben entscheiden.
Darüber hinaus ruft Gott jeden einzelnen Menschen bei seinem Namen. Er ruft nach uns, damit wir zu ihm kommen und ihn zurücklieben, ihn, der uns zuerst geliebt hat. Jeder Mensch, ob er will oder nicht, wird von Gott angezogen und ersehnt ihn in der Tiefe seines Herzens, weil er Abbild Gottes ist. Diese Sehnsucht treibt ihn so lange, bis er das ewige Heil in Christus gefunden hat und sich taufen lässt. Der Geist, das lebendige Wasser, führt die Menschen zu Jesus. Und auch uns ruft der Herr mitten ins Leben hinein, damit wir uns im Hier und Jetzt ändern.

Werden wir zu Werkzeugen Gottes, zu Leuchtern, die das Licht Gottes tragen, denn wir sind gesalbt – durch die Taufe und durch die Firmung! Nicht nur die Geweihten haben die Aufgabe, Menschenfischer zu sein, sondern jeder Getaufte. Tun wir alles, was in unserer Macht steht, um die Gemeinschaft mit Gott zu haben. Dann werden auch wir Früchte bringen für Gott. Es wird immer nur unvollkommen sein, weil wir Menschen Sünder sind. Aber mit der helfenden Gnade Gottes können auch wir Frucht bringen. Halten wir uns ganz an Christus, der das Licht ist, und helfen wir anderen Menschen, die in der Finsternis wohnen. Jeder hat das Licht verdient und ist dazu berufen, im Licht zu wohnen. Führen wir alle weiter, was Jesus begonnen hat, die Verkündigung seines Evangeliums! Ob wir geweihte Priester sind oder ungebildete Laien – jeder kann auf seine Weise zum Reich Gottes beitragen. Wichtig ist, dass Christus dabei die Mitte bleibt. Es soll immer nur um ihn gehen und nie um die eigene Person. So bleibt die Kraft des Kreuzes immer bestehen.

Ihre Magstrauss

Bekehrung des Apostels Paulus

Apg 9,1-22; Ps 117,1.2; Mk 16, 15-18

Heute ist das Fest der Bekehrung des Paulus. Jesus sagte einmal: „So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.“ (Lk 15,7). Das gilt heute besonders für den eifrigen Pharisäer aus Tarsus, der meinte, sich nicht bekehren zu müssen. Gott tut aber immer alles, damit wir Menschen unser Herz ihm zuwenden. Und so wird aus einem selbstgerechten Juden ein reumütiger Christ.

Apg 9
1 Saulus wütete noch immer mit Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn. Er ging zum Hohepriester 
2 und erbat sich von ihm Briefe an die Synagogen in Damaskus, um die Anhänger des Weges Jesu, Männer und Frauen, die er dort finde, zu fesseln und nach Jerusalem zu bringen.
3 Unterwegs aber, als er sich bereits Damaskus näherte, geschah es, dass ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte. 
4 Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? 
5 Er antwortete: Wer bist du, Herr? Dieser sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst.
6 Steh auf und geh in die Stadt; dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst! 
7 Die Männer aber, die mit ihm unterwegs waren, standen sprachlos da; sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemanden. 
8 Saulus erhob sich vom Boden. Obwohl seine Augen offen waren, sah er nichts. Sie nahmen ihn bei der Hand und führten ihn nach Damaskus hinein. 
9 Und er war drei Tage blind und er aß nicht und trank nicht. 
10 In Damaskus lebte ein Jünger namens Hananias. Zu ihm sagte der Herr in einer Vision: Hananias! Er antwortete: Siehe, hier bin ich, Herr. 
11 Der Herr sagte zu ihm: Steh auf und geh zu der Straße, die man Die Gerade nennt, und frag im Haus des Judas nach einem Mann namens Saulus aus Tarsus! Denn siehe, er betet 
12 und hat in einer Vision gesehen, wie ein Mann namens Hananias hereinkommt und ihm die Hände auflegt, damit er wieder sieht. 
13 Hananias antwortete: Herr, ich habe von vielen gehört, wie viel Böses dieser Mann deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat. 
14 Auch hier hat er Vollmacht von den Hohepriestern, alle zu fesseln, die deinen Namen anrufen. 
15 Der Herr aber sprach zu ihm: Geh nur! Denn dieser Mann ist mir ein auserwähltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels tragen. 
16 Denn ich werde ihm zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muss. 
17 Da ging Hananias hin und trat in das Haus ein; er legte ihm die Hände auf und sagte: Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Weg, den du gekommen bist, erschienen ist; du sollst wieder sehen und mit dem Heiligen Geist erfüllt werden. 
18 Sofort fiel es wie Schuppen von seinen Augen und er sah wieder; er stand auf und ließ sich taufen. 
19 Und nachdem er etwas gegessen hatte, kam er wieder zu Kräften. Einige Tage blieb er bei den Jüngern in Damaskus; 
20 und sogleich verkündete er Jesus in den Synagogen: Dieser ist der Sohn Gottes. 
21 Alle, die es hörten, waren fassungslos und sagten: Ist das nicht der Mann, der in Jerusalem alle vernichten wollte, die diesen Namen anrufen? Und ist er nicht auch hierhergekommen, um sie gefesselt vor die Hohepriester zu führen? 
22 Saulus aber trat umso kraftvoller auf und brachte die Juden in Damaskus in Verwirrung, weil er ihnen darlegte, dass Jesus der Christus ist.

Saulus verfolgt die Christen im Hl. Land und rings umher, weil er meint, Gott damit einen heiligen Dienst zu leisten (vgl. Joh 16,2). Er versucht sogar, mehr Systematik in die Tötung der Christen zu erlangen, indem er beim Hohepriester um Briefe für die Synagogen in Damaskus erbittet, damit auch dort die Christen festgenommen und in Jerusalem verurteilt würden.
Dann passiert etwas, das sein ganzes Leben ändern wird: „Ein Licht vom Himmel umstrahlte“ ihn. Alles, was himmlisch ist, wird von Visionären und Mystikern voller Licht beschrieben. Es ist die Gnade und Herrlichkeit Gottes, die heller ist als jegliches irdische Licht. Deshalb ist die Lichtmetapher auch so verbreitet für den Messias und in den vielen Himmelsvisionen des Alten und Neuen Testaments.
Er stürzt zu Boden, was ebenfalls eine typische Manifestation der Gegenwart Gottes ist. Wir kennen das aus charismatischen Kreisen. Dort fallen auch Menschen zu Boden, weil sie keine Kontrolle mehr über ihren Körper haben. Sie werden nicht ohnmächtig, sondern für einen kurzen Moment gelähmt. Das ist weder etwas Gutes noch etwas Schlechtes, sondern einfach die Reaktion eines schwachen Menschen auf die überwältigende Kraft des Hl. Geistes. Und dann spricht Jesus zu ihm. Er fragt ihn gerade heraus: „Warum verfolgst du mich?“ So ist der Herr. Er konfrontiert uns mit einer Frage, damit wir uns selbst hinterfragen. Er hat dies vor dem Hohen Rat getan, als der Diener des Hohepriesters ihm ins Gesicht geschlagen hat („Warum schlägst du mich?“). Dabei ruft er Saulus auch beim Namen. Dadurch fühlt er sich nicht nur persönlich angesprochen, sondern weiß auch, dass Jesus ihn kennt. Er wird sich in dem Moment ganz und gar durchschaut gefühlt haben.
Auf die Frage hin, wer er sei, antwortet Jesus ihm: „Ich bin Jesus, den du verfolgst.“ Er sagt nicht: „Ich bin Jesus, dessen Jünger du verfolgst.“ Das ist wichtig. Jesus hat einmal erklärt, dass was wir den geringsten Brüdern getan haben, haben wir ihm getan und umgekehrt. Derjenige, den Saulus also am meisten verletzt, ist Jesus selbst.
Jesus fordert den Christenverfolger auf, nach Damaskus zu gehen, wo ihm alles Weitere aufgetragen werde. Die Begleiter des Saulus müssen total irritiert sein, weil sie Jesu Stimme hören, jedoch nichts sehen.
Sie merken aber, dass etwas passiert sein muss, denn Saulus ist blind. Das Licht der Herrlichkeit Gottes hat ihn so geblendet, dass er nichts sehen kann. Er muss nach Damaskus geführt werden. Insgesamt hat die Begegnung mit Jesus ihre Folgen. Er kann drei Tage weder etwas sehen noch etwas zu sich nehmen. Auch dies ist eine Manifestation des Hl. Geistes. Viele Menschen berichten, dass sie bei Exerzitien oder anderen geistlichen Veranstaltungen kaum etwas essen, weil sie kein Hungergefühl oder keinen Appetit verspüren.
Gott führt daraufhin Saulus mit einem Christen namens Hananias zusammen so wie an anderer Stelle Petrus und Kornelius. Gott bereitet den Jünger darauf vor, dem großen Christenverfolger die Hände aufzulegen, damit er wieder sieht. Er hakt beim Herrn nach, weil er nur Schlimmes von Saulus gehört hat, doch Gott ermutigt ihn. Er kündigt Hananias an, dass Saulus noch ein großes Werkzeug Gottes werden würde. Er wird dabei den Christus nicht nur den „Söhnen Israels“ bringen, sondern gerade den „Völkern“.
Hananias gehorcht dem Herrn und geht zur Unterkunft des Saulus. Er legt ihm die Hände auf, was eventuell schon auf einen sakramentalen Akt hinweist (Hananias ist wahrscheinlich geweiht, also Diakon, Priester oder Bischof). Denn bei der Gabe des Hl. Geistes kann er wieder sehen, steht auf und lässt sich taufen. Dieses „wie Schuppen von den Augen“ können wir mehrfach verstehen. Der Geist Gottes hat ihm die biologischen Augen geöffnet, aber dadurch, dass er sich sofort taufen lässt, müssen auch die Augen seines Glaubens geöffnet worden sein. Er wird erkannt haben, dass er sein bisheriges Leben falsch gelebt hat. Nun kann er auch wieder essen und zu Kräften kommen. Er verbringt noch einige Tage bei der Gemeinde in Damaskus und begann sehr schnell mit der Verkündigung Jesu Christi in den Synagogen. Man muss sich vorstellen, wie verwirrt die dort Ansässigen gewesen sein mussten, dass der eifrige Christenverfolger, der ein richtiger Prominenter war, plötzlich FÜR Christus gesprochen hat.
So groß ist Gottes Gnade. Er kann in einem kurzen Moment unser ganzes Leben auf den Kopf stellen und aus dem größten Sünder den begeistertsten Jünger machen. Das Problem ist, dass Menschen das oft nicht anerkennen und immer noch den alten Menschen sehen. Sie haben einen schon längst in eine bestimmte Schublade gesteckt und einen Stempel aufgedrückt. Sie werden einen unter Umständen ewig als diesen alten Menschen betrachten, so als ob man sich nicht ändern könne. Gott ist aber anders. Er sieht immer das Potenzial und möchte dieses immer aus uns herauskitzeln, uns zu echten Diamanten schleifen, zu wunderbaren Werkzeugen seines Heils. Freuen wir uns heute darüber, dass Saulus alias Paulus sich bekehrt hat! Ohne ihn wären wir womöglich gar keine Christen geworden. Die Heidenmission ist größtenteils ja ihm zu verdanken.


Ps 117
1 Lobt den HERRN, alle Völker, rühmt ihn, alle Nationen! 
2 Denn mächtig waltet über uns seine Huld, die Treue des HERRN währt in Ewigkeit. Halleluja!

Der heutige Psalm ist sehr kurz. Er besteht aus nur zwei Versen. Er ist betitelt mit „Aufruf an alle Völker zum Lob Gottes“. Genau darin knüpft er an die Bekehrung des Paulus an. Wir, die wir im Grunde zu den sogenannten „Heidenchristen“ gehören, die also nicht zuvor Juden waren, haben allen Grund, Gott zu loben. Er hat Paulus zum Werkzeug der Heidenmission eingesetzt, sodass der Glaube in unseren Breitengraden überhaupt ankommen konnte. Auch wenn er nicht direkt hier gewirkt hat, hat Paulus die Weichenstellungen gesetzt. Hier lesen wir die Aufforderung zum Lob an die heidnischen Völker, das hebräische Wort גֹּויִם gojim wird verwendet.
Gott ist treu. Er hat schon damals mit Paulus an unsere Gotteskindschaft gedacht und alles schon so geplant, dass das Evangelium wirklich allen Geschöpfen verkündet werden konnte. Das ist immer und überall den Hallelujaruf wert!

Mk 16
15 Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung! 
16 Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden. 
17 Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; 
18 wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.

Heute lesen wir genau diesen Auftrag, zu dem Paulus heute direkt im Anschluss an seine Bekehrung berufen wird. Jesus trägt seinen Jüngern vor seiner Heimkehr zum Vater auf, weltweit das Evangelium allen Menschen zu verkünden. Paulus ist so viel herumgereist wie kein anderer Apostel. Durch die Briefliteratur und die Apostelgeschichte sind uns einige dieser Reisen bekannt, doch längst nicht alle! Wer weiß, wo er noch alles war und wie viele Gefängnisaufenthalte, Misshandlungen und Katastrophen er tatsächlich erleiden musste…Dass er viel erleiden würde, kündete Jesus Hananias heute in der Lesung ja bereits an. Das Leiden ist nicht zu unterschätzen. Wir können noch so viel für den anderen beten – eine Tiefe erreicht unser Fürbittgebet vor allem durch Opfer, Unannehmlichkeiten, größere und kleinere Leiden.
„Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet“. Das hat auch Paulus getan. Er hat verstanden und den Glauben an Jesus Christus gewonnen. Zum Zeichen dafür hat er sich direkt taufen gelassen. Er hat die Chance angenommen, die Gott ihm geschenkt hat. Es hätte auch anders kommen können. Er hätte auch in dieser offensichtlichen Situation sein Herz verhärten können und Jesus nicht annehmen können. Das hätte aber auch Konsequenzen gehabt: Er wäre verurteilt worden.
Jesus kündigt seinen Aposteln mehrere Zeichen an, zuerst die Exorzismen (wir sind im Markusevangelium, wo die Dämonenaustreibungen besonders betont werden), sodann die Zungenrede, den Schutz vor tödlichen Gefahren, die Krankenheilung. Von diesen hier angekündigten Dingen haben wir so einiges in der Lesung gelesen. Hananias legt Paulus die Hände auf und er kann wieder sehen. Das ist wie eine Krankenheilung zu werten. Es handelt sich dabei aber nicht um das Sakrament der Krankensalbung, denn zum Zeitpunkt der Handauflegung ist Paulus nicht getauft. Wir können uns diese Geste also so denken, dass sie entweder eine charismatische ist (also ein Akt einer getauften Person, die mit dem Charisma der Krankenheilung beschenkt worden ist) oder eine sakramentale (ein Geweihter tauft Paulus hier, wobei die Handauflegung auch Teil der Taufe ist).
Dadurch dass der Missionsauftrag Jesu und das Leben des Paulus sich so decken, verstehen wir umso besser, dass Paulus wirklich ein Apostel ist, auch wenn er nicht zum Zwölferkreis gehört. Wir sehen heute auch erneut, dass Gott nicht perfekte Menschen beruft, sondern potenzielle Heilige. Paulus hat so viele Menschen auf dem Gewissen und doch hat Gott für ihn so eine große Aufgabe. Das gibt uns Mut. Wir erkennen, dass Gott auch uns zu großen Dingen berufen möchte, obwohl wir unsere Schwächen und Fehler haben. Wichtig ist unsere Reaktion auf Gottes Intervention (auch wenn er uns nicht vom Pferd wirft und blind macht…). Nehmen wir Gott an und kommen wir zum Glauben. Ändern wir von Grund auf unser Leben und widmen wir VON NUN AN unsere ganze Lebenszeit für das Reich Gottes. Darauf kommt es an.

Ihre Magstrauss

Freitag der 2. Woche im Jahreskreis

1 Sam 24,3-21; Ps 57,2.3-4.6 u. 11; Mk 3, 13-19

1 Sam 24
3 Da nahm Saul dreitausend Mann, ausgesuchte Leute aus ganz Israel, und zog aus, um David und seine Männer bei den Steinbock-Felsen zu suchen. 
4 Auf seinem Weg kam er zu einigen Schafhürden. Dort war eine Höhle. Saul ging hinein, um seine Notdurft zu verrichten. David aber und seine Männer saßen hinten in der Höhle. 
5 Da sagten die Männer zu David: Das ist der Tag, von dem der HERR zu dir gesagt hat: Sieh her, ich gebe deinen Feind in deine Hand und du kannst mit ihm machen, was dir richtig erscheint. Da stand David auf und schnitt heimlich einen Zipfel von Sauls Mantel ab. 
6 Hinterher aber schlug David das Gewissen, weil er einen Zipfel vom Mantel Sauls abgeschnitten hatte. 

7 Er sagte zu seinen Männern: Der HERR bewahre mich davor, meinem Gebieter, dem Gesalbten des HERRN, so etwas anzutun und Hand an ihn zu legen; denn er ist der Gesalbte des HERRN. 
8 Und David fuhr seine Leute mit scharfen Worten an und ließ nicht zu, dass sie sich an Saul vergriffen. Als Saul die Höhle verlassen hatte und seinen Weg fortsetzte, 
9 stand auch David auf, verließ die Höhle und rief Saul nach: Mein Herr und König! Als Saul sich umblickte, verneigte sich David bis zur Erde und warf sich nieder. 
10 Dann sagte David zu Saul: Warum hörst du auf die Worte von Leuten, die sagen: Gib Acht, David will dein Verderben.
11 Doch heute kannst du mit eigenen Augen sehen, dass der HERR dich heute in der Höhle in meine Hand gegeben hat. Man hat mir gesagt, ich solle dich töten; aber ich habe dich geschont. Ich sagte: Ich will nicht die Hand an meinen Herrn legen; denn er ist der Gesalbte des HERRN. 
12 Sieh her, mein Vater! Hier, der Zipfel deines Mantels ist in meiner Hand. Wenn ich einen Zipfel deines Mantels abgeschnitten und dich nicht getötet habe, dann kannst du erkennen und einsehen, dass ich weder Bosheit noch Aufruhr im Sinn habe und dass ich mich nicht gegen dich versündigt habe; du aber stellst mir nach, um mir das Leben zu nehmen. 
13 Der HERR soll zwischen mir und dir entscheiden. Der HERR soll mich an dir rächen; aber meine Hand wird dich nicht anrühren, 
14 wie das alte Sprichwort sagt: Von den Frevlern geht Frevel aus; aber meine Hand soll dich nicht anrühren. 

15 Hinter wem zieht der König von Israel her? Wem jagst du nach? Einem toten Hund, einem einzigen Floh! 
16 Der HERR soll unser Richter sein und zwischen mir und dir entscheiden. Er blicke her, er soll meinen Rechtsstreit führen und mir dir gegenüber Recht verschaffen. 
17 Als David das zu Saul gesagt hatte, antwortete Saul: Ist das nicht deine Stimme, mein Sohn David? Und Saul begann laut zu weinen 
18 und sagte zu David: Du bist gerechter als ich; denn du hast mir Gutes erwiesen, während ich böse an dir gehandelt habe. 
19 Du hast heute bewiesen, dass du gut an mir gehandelt hast; obwohl der HERR mich in deine Hand gegeben hatte, hast du mich nicht getötet. 
20 Wenn jemand auf seinen Feind trifft, lässt er ihn dann im Guten seinen Weg weiterziehen? Der HERR möge dir mit Gutem vergelten, was du mir heute getan hast! 
21 Jetzt weiß ich, dass du König werden wirst und dass das Königtum in deiner Hand Bestand haben wird.

Gestern hörten wir bereits von der Eifersucht Sauls, der Gottes Hand auf David immer mehr erahnt. Er möchte sogar so weit gehen, David grundlos umbringen zu lassen, doch sein Sohn kann ihn noch davon abbringen. Jonatan ist ein richtiger Freund, wie man ihn sich wünscht. Er bewahrt David vor einer ungerechten Ermordung. Es ist deshalb so ungerecht, weil David sich erstens nichts hat zu Schulden kommen lassen, zweitens Saul sogar einen großen Dienst erwiesen hat. Die Beziehung zwischen Saul und David wird auch heute noch einmal eskalieren und erinnert umso mehr an ein „Königsduell“ aus dem NT, über das wir gleich noch nachdenken werden – bleiben Sie dran!
Der Ausschnitt aus dem heutigen Kapitel erfolgt nach einigen weiteren Ereignissen, in denen z.B. von mehrfachen dämonischen Angriffen oder sogar von einer Besessenheit Sauls berichtet wird. Immer, wenn der Dämon Überhand gewinnt, versucht Saul David zu töten (z.B. mit Speeren oder indem er jemanden zum Mord beauftragt). Davids Frau Michal, die zugleich die Tochter Sauls ist, hilft ihm, zu entkommen. David versteckt sich dann z.B. bei Samuel im Prophetenhaus und gerät zusammen mit den Propheten in Ekstase. Der Geist Gottes kommt auch über die Boten, die Saul hinschickt und sogar über Saul selbst. Dann muss David sich tagelang auf einem Feld verstecken, dann flüchtet er ganz aus der Gegend. Insgesamt verliert er aber kein böses Wort über Saul und stellt diesen niemals bloß. Das spricht sehr für Davids Barmherzigkeit. Saul wird immer paranoider und lässt diejenigen töten, die in Davids Flucht involviert sind, so auch Priester und Propheten. David sammelt um sich mehrere hundert Männer und schafft es immer wieder, Saul zu entkommen. Und dann passiert etwas Skurriles. Es kommt so, dass Saul sich in eine ungeschützte Situation begibt, in der David ihn theoretisch umbringen kann: Er verrichtet seine Notdurft in einer Höhle, in der David sich versteckt hält. Doch er tut dies nicht, sondern schneidet nur einen Zipfel von Sauls Mantel ab. Warum beendet er die Misere nicht einfach? David weiß, dass Saul ein schlechter König ist und dass er für ihn eine große Bedrohung ist. Zugleich ist ihm aber auch bewusst, dass Saul ein von Gott gesalbter Mensch ist, also Gott geweiht. Er versteht, dass unabhängig davon, wie Saul lebt, er Gottes besonderes Eigentum ist, das David nicht antasten darf.
Das ist für uns ein ganz großes Zeugnis. Wie oft reden wir schlecht über Priester, Bischöfe oder den Papst und verhalten uns ihnen gegenüber respektlos. Dabei sind sie Gottes Augapfel, sein Eigentum. Sie sind geweiht, sie sind gesalbt mit dem Hl. Geist. Man muss dringend unterscheiden zwischen der unvergleichlichen Würde, die einem Geistlichen durch die Weihe zukommt, und seinen charakterlichen Schwächen, seinen Sünden und seinem unmoralischen Lebenswandel. Diese darf man und muss man gewiss kritisieren, darf davon ausgehend aber nicht auf seine Würde schließen, darf auch nicht das Verhalten gegenüber dem Geweihten davon abhängig machen. So oder so artet es in einen Klerikalismus aus, wenn wir beide Ebenen nicht sauber voneinander trennen – in einen negativen („Er ist ein Sünder, also sind die Sakramente bei ihm nicht gültig“) oder positiven Klerikalismus („Ich darf ihn nicht kritisieren und alles, was er sagt, ist unfehlbar“).
David ist der Inbegriff der Barmherzigkeit und Demut im Alten Testament. Er selbst ist ein Gesalbter Gottes und doch wirft er sich vor so einem großen Sünder wie Saul nieder. Er zeigt ihm den Zipfel des Mantels, um ihm zu beweisen, dass er keine Meuterei plant, dass er Saul nichts Böses möchte und ihn verschont, obwohl die Männer Davids ihn zum Töten auffordern. Ich habe die letzten Tage immer wieder erwähnt, dass David sehr „fortschrittlich“ ist in seiner Gottesbeziehung und in seiner Gotteserkenntnis. Heute sehen wir absolut typologisch zu Jesus, was Feindesliebe ist und wie sie die Spirale der Gewalt durchbricht. David verschont den, der ihn umbringen will, obwohl er selbst als absolut Unschuldiger verfolgt worden ist. Er wirft sich in den Staub vor seinem Erzfeind und nennt sich selbst einen Floh und einen toten Hund. Das berührt Saul. Das beendet die Fehde. Nur Liebe kann den Hass überwinden. Zorn gegen Zorn ist aber Öl ins Feuer.
In dieser Situation geht Saul sein eigenes Fehlverhalten auf und Davids Barmherzigkeit berührt ihn zutiefst. Er weint, weil er endlich bereut, was er getan hat. Er erkennt auch endlich, dass David im Gegensatz zu ihm ein würdiger Thronanwärter für das gesamtisraelitische Königtum ist.
Jesus wird zu uns sagen: Liebet eure Feinde, betet für die, die euch hassen. Er wird uns sogar auffordern, die andere Wange hinzuhalten usw. Nur so können wir den Hass in unserem Leben vertreiben. Das kostet viel Demut und Überwindung, denn wir sehen bei Jesus selbst, wie sich die Menschen in seinem Leiden und Tod über ihn lustig machen. Aber am Ende hat er die Welt verändert und etliche Herzen für sich gewonnen. Er hat seine Würde auf das himmlische Königtum absolut bewiesen so wie David seine Kompetenz für das irdische Königtum.
Wie geht es weiter? Saul vergisst die barmherzige Tat, die David ihm erwiesen hat, und verfolgt ihn weiterhin. David erhält erneut die Chance, Saul umzubringen, und verschont ihn wieder. Am Ende wird Saul sich in einer Schlacht gegen die Philister selbst umbringen, bevor er von seinen Gegnern besiegt werden kann. Sie schänden seinen Leichnam und treiben schlimmsten Götzendienst. Er findet leider ein schändliches Ende.
Die ganze tragische Geschichte Sauls und seiner Eifersucht gegenüber David erinnert sehr stark an Jesus und Herodes. Auch dort ist ein König an der Macht, der eigentlich „illegal“ ist. Er ist von Haus aus Idumäer und seine Vorfahren zum Judentum zwangsbekehrt worden. Er gehört also weder einem der zwölf Stämme Israels an noch ist er Judäer. Der rechtmäßige König soll aus dem Stamm Juda kommen. Zu seiner Zeit läuft so einiges gehörig schief. Auch das Priestertum ist nicht mehr das traditionelle, gottgewollte aaronitische Priestertum, sondern seit der Makkabäerzeit ein politisches, das in Gottes Augen eigentlich keine Berechtigung hat. Das verstehen so auch die Essener, die deshalb der Tempellobby kritisch gegenüberstehen und für das traditionelle Priestertum plädieren. Nun kommen die Weisen aus dem Morgenland und berichten dem paranoid angehauchten König Herodes von einem aufgehenden Stern und einem neugeborenen König. Dies lässt ihn in seiner ganzen Existenz erzittern. Wenn jetzt ein judäischer König auftaucht, sind seine Tage gezählt. Er tut dann ebenfalls wie Saul alles dafür, diesen Anwärter zu töten. Doch Gottes Hand ist auf seinem geliebten Sohn, sodass Herodes Jesus nicht töten kann.
Der Mensch verkommt zu einer Bestie, wenn er seiner Eifersucht nachgibt. Wir denken an die vielen Familientragödien, in denen Eifersucht ganze Ehen zerstört, Menschenleben gekostet und glückliche Seelen erschüttert hat. Sie ist Antrieb in jeder mittelmäßigen Seifenoper und kein Roman kommt ohne sie aus. Ganze Kriege sind aufgrund von Eifersucht geführt worden.
Lassen wir uns auf diese Versuchung nicht ein. Geben wir jede schlechte Emotion Gott ab und bitten wir ihn, die Wurzel zu heilen – unsere eigene Unsicherheit. Geben wir ihr keinen Raum, unsere eigene Seele zu verderben. Dann retten wir nicht nur uns, sondern auch unser gesamtes Umfeld.

Ps 57
2 Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig, denn ich habe mich bei dir geborgen, im Schatten deiner Flügel will ich mich bergen, bis das Unheil vorübergeht. 
3 Ich rufe zu Gott, dem Höchsten, zu Gott, der mir beisteht. 
4 Er sende vom Himmel und rette mich, es höhnte, der mir nachstellt. Gott sende seine Huld und seine Treue.
6 Erhebe dich über den Himmel, Gott! Deine Herrlichkeit sei über der ganzen Erde! 
11 Denn deine Liebe reicht, so weit der Himmel ist, deine Treue, so weit die Wolken ziehn.

Heute beten wir als Psalm eine Reflexion Davids gegenüber seinem Leben in ständiger Verfolgung. „Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig“ muss unser tägliches und immerwährendes Gebet sein. Egal in welcher Lage wir uns befinden. Es ist das Stoßgebet, das immer auf unseren Lippen sein muss. Vergessen wir nie, dass in jeder Lebenslage wir auf Gottes Gnade angewiesen sind und er uns seine unendliche Barmherzigkeit immer schenken möchte.
„Ich habe mich bei dir geborgen“ kann David immer wieder sagen. Gott hat seinen Gesalbten „im Schatten [s]einer Flügel“ geborgen, sodass Saul ihm nichts anhaben kann. David hat Gott stets sein Vertrauen bekundet. Er tröstet noch die Menschen um ihn herum, die wegen ihm in Lebensgefahr schweben wie der eine Priester, der Sauls Tötungsauftrag entkommt und zu David flieht. Er weiß, dass Gott ihn beschützt, weil er noch einen Plan mit ihm hat.
Er ist stets im Gebet mit Gott verbunden, der ihm beisteht.
Wenn David betet: „Er sende vom Himmel und rette mich“, klingt dies schon sehr messianisch. Vom Himmel sendet Gott nämlich seinen eingeborenen Sohn Jesus Christus, den Retter, dessen Name „Gott rettet“ bedeutet.
Mit dem Nachsteller ist König Saul gemeint, vor dem David immer wieder flüchten muss. Er betet um Gottes Treue, das heißt darum, dass Gott sein Versprechen hält, ihn zu beschützen.
Gottes Herrlichkeit auf der ganzen Erde ist eine Sehnsucht nach universaler Offenbarung. Diese ist uns mit Jesus schon geschenkt worden, dessen Evangelium sich in der ganzen Welt ausgebreitet hat. Dies wird sich aber vollenden am Ende der Zeiten, wenn Jesus in seiner Herrlichkeit wiederkommt. Dann wird ihn jedes Auge sehen.
Gott ist wirklich treu und seine Liebe ist grenzenlos. Dass David dies betet, bekundet seinen Glauben und seine innige Gottesliebe. Er ist auch in seiner Notsituation ein großes Vorbild für uns, weil er nicht hadert, nicht murrt, sondern innig und vertrauensvoll bittet.
Der gesamte Psalm ist für uns ein wertvoller Schatz. Auch wir dürfen von Herzen glauben, dass Gott uns beisteht bei allem, was wir tun und erleiden. Er lässt uns nicht zugrunde gehen, auch wenn uns so manches ab und zu in die Knie zwingt. Das muss auch manchmal sein, damit wir nicht vergessen, dass wir Gottes Barmherzigkeit bedürfen. Wie wir dann in Notsituationen reagieren, ist unsere Bewährungsprobe. Vertrauen wir ganz auf Gottes Rettung und darauf, dass er treu ist. Wenn er uns verspricht, uns zu segnen und durch alles hindurch zu tragen, wird er das auch in der aktuellen Situation tun.
Darauf können wir auch als Kirche vertrauen. Die heutigen Entwicklungen, Versuchungen und vor allem Verfolgungen sind sehr drastisch und doch dürfen wir nicht das Handtuch werfen. Gott trägt uns auch durch diese Epoche und dann wird es eine Erneuerung der Kirche geben. Sie wird neu aufblühen und von neuem wird es einen brennenden Glauben geben. Wir müssen nur darauf vertrauen, dass Jesus es ernst meinte, als er sagte: „Und die Mächte der Finsternis werden sie nicht überwältigen.“
Wir dürfen darauf vertrauen, dass am Ende der Zeiten Gottes Herrlichkeit alles überbieten wird, was wir jetzt an Dunkelheit erleben. Gott wird mit dem Bösen abrechnen und es wird dann keine Not und kein Leiden mehr geben. Glauben wir ihm das, auch gerade dann, wenn es angesichts so vieler Missstände irreal erscheint.

Mk 3
13 Jesus stieg auf einen Berg und rief die zu sich, die er selbst wollte, und sie kamen zu ihm. 
14 Und er setzte zwölf ein, damit sie mit ihm seien und damit er sie aussende, zu verkünden 
15 und mit Vollmacht Dämonen auszutreiben.
16 Die Zwölf, die er einsetzte, waren: Petrus – diesen Beinamen gab er dem Simon – , 
17 Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und Johannes, der Bruder des Jakobus – ihnen gab er den Beinamen Boanerges, das heißt Donnersöhne – ,
18 dazu Andreas, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Jakobus, der Sohn des Alphäus, Thaddäus, Simon Kananäus 
19 und Judas Iskariot, der ihn dann ausgeliefert hat.

Heute lesen wir im Evangelium von der Erwählung des Zwölferkreises, dem innersten Kreis um Jesus herum, deren Mitglieder wir Apostel nennen. Diese Männer, die namentlich aufgezählt werden, erhalten Vollmachten von Jesus, hier explizit genannt wird der Exorzismus. Das Markusevangelium betont Jesu Dämonenaustreibungen ganz besonders. Die Apostel bekommen so eine große Vollmacht, die den Sieg Gottes über die Mächte des Bösen ganz konkretisiert. Es ist die Zeit gekommen, dass der Satan in die Knie gezwungen wird, der so viel auf Erden angerichtet hat. Dass Jesus gekommen ist, um die Tür zum Paradies wieder freizugeben, ist dem Satan nämlich ein riesiger Strich durch die Rechnung. Dieser wollte den Menschen das Heil nehmen, das er selbst verloren hat (nach dem Motto „wenn ich es schon nicht haben kann, sollen sie es auch nicht haben“). Die Exorzismen sind ein ganz großes Zeichen dieser Erlösung, bevor sie am Kreuz besiegelt wird.
Am Ende der Aufzählung wird auch Judas Iskariot genannt, der Jesus später verraten wird. Uns wird heute ganz bewusst, dass Gott jedem Menschen eine Chance gibt. Er beruft unterschiedliche Charaktere, auch solche, von denen er genau weiß, dass sie „anfälliger“ sind: Er beruft Saul, der zur Eifersucht neigt und er beruft Judas Iskariot, obwohl er habgierig und illoyal ist. Er versucht alles, um ihre positiven Eigenschaften zu fördern, doch sie verspielen die Gnade Gottes selbst durch ihre Ablehnung. Judas sowie Saul versuchen, Gott unter die Arme zu greifen und bilden sich ein, sie wüssten es besser.
Bei Judas wird der größte Fehler nicht der Verrat sein, sondern die Ablehnung der Barmherzigkeit Gottes. Er wird nicht glauben können, dass Gott ihm vergibt. Darin ist Saul ihm überlegen, wenn auch nur temporär. Wir lesen davon heute, wie Saul von der Barmherzigkeit Gottes berührt wird, die er durch Davids Gnadenakt erhält. Er nimmt sie an im Gegensatz zu Judas.
Was ist mit uns? Können wir uns selbst vergeben, wenn wir uns vor Gott und den Menschen schwer versündigt haben? Glauben wir daran, dass Gottes „Liebe reicht, so weit der Himmel ist“, wie David im Psalm heute betet? Dass seine Liebe größer ist als unsere schlimmste Sünde? Es gibt nichts, was Gott uns nicht vergeben möchte, solange wir von Herzen bereuen. Wenn wir seine Barmherzigkeit leugnen, nennen wir das die Sünde gegen den Hl. Geist.

Wir lernen heute davon, dass Gott jedem Menschen eine Chance gibt – und zwar Tag für Tag aufs Neue. Immer wieder meldet er sich mit seiner Barmherzigkeit, weil er uns für sich gewinnen möchte. Besonders die Gesalbten, die Geweihten möchte Gott heiligen. Dafür müssen sie sich aber auch heiligen lassen. Saul bekommt immer wieder neue Chancen und nutzt sie kurzweilig, bevor er wieder „rückfällig“ wird. Judas gehört zu den Aposteln, ist also ein besonders Berufener. Und doch ist er ein Sünder. Gott beruft keine perfekten Menschen. Die gibt es nicht. Auch heutzutage sind Priester, Diakone, Bischöfe, selbst der Papst Sünder. Gott versucht Tag für Tag, sie heiliger zu machen und ihnen Lektionen zu erteilen. Er ist dabei besonders streng, weil sie sein Augapfel sind, seine ganz besonderen Kinder. Von ihnen erwartet er am meisten.

Beten wir für alle Gesalbten unserer heutigen Zeit, besonders für die vielen Geistlichen, die charakterliche Schwächen haben, die in schwerer Sünde leben und vor allem für die Geistlichen, die die Barmherzigkeit Gottes nicht annehmen, die sich nicht bekehren wollen und die selbstgerecht sind. Beten wir vor allem für alle Priesterseelen im Fegefeuer, denn viele Menschen meinen fälschlicherweise, dass verstorbene Priester direkt in den Himmel kommen. Sie haben es noch schwerer, dorthin zu kommen, weil Gott von ihnen besonders viel Rechenschaft fordert. Beten wir für sie!

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 2. Woche im Jahreskreis

1 Sam 18,6-9; 19, 1-7; Ps 56,2-3.9-10a.10b-11.12-13; Mk 3,7-12

1 Sam 18
6 Als sie nach Davids Sieg über den Philister heimkehrten, zogen die Frauen aus allen Städten Israels König Saul singend und tanzend mit Handpauken, Freudenrufen und Zimbeln entgegen.
7 Die Frauen spielten und riefen voll Freude: Saul hat Tausend erschlagen, David aber Zehntausend. 
8 Saul wurde darüber sehr zornig. Das Lied missfiel ihm und er sagte: David geben sie Zehntausend, mir aber geben sie nur Tausend. Jetzt fehlt ihm nur noch die Königswürde. 
9 Von diesem Tag an war Saul gegen David voll Argwohn.

Heute hören wir von der Nachgeschichte des Siegs Davids über Goliat. Dabei wird langsam deutlich, in welche Richtung die Ereignisse sich entwickeln. Die Passage, die wir weder gestern noch heute hören, ist die Schilderung des weiterführenden Kriegsdienstes Davids. Er wird aufgrund seines Erfolgs in allen möglichen anderen Schlachten eingesetzt und kehrt nicht mehr ins Haus seines Vaters zurück. Zudem wird erwähnt, dass Sauls Sohn Jonathan David in sein Herz schließt und ihm alles Mögliche schenkt. Sie werden nicht nur beste Freunde, sondern Seelenverwandte.
Wir lesen heute nun über die Rückkehr von der Schlacht gegen die Philister. Der Sieg bereitet den Israeliten besonders große Freude, weil sie den Erzfeind Israels dargestellt haben. Bis zum Sieg sind viele Israeliten gefallen und beängstigende Dinge wie der Raub der Bundeslade passiert.
Wie die Philister letztendlich besiegt worden sind, hat sich schon herumgesprochen. Nicht der von den Israeliten bei Samuel erbetene König Saul, dessen Hauptfunktion das Anführen von Kriegen ist, hat den Erzfeind entmachtet, sondern der junge Hirte aus Bethlehem. Das trifft den König sehr, der offensichtlich in seinem Stolz verletzt ist.
Warum berührt es ihn denn so, dass die Frauen als Freudengesang die Zahl der erschlagenen Feinde Davids mit seinen vergleicht? Wie oben erwähnt war das Hauptanliegen der Israeliten bei dem Wunsch nach einem König der Kriegsdienst. Sie wollten einen gemeinsamen Feldherrn, der erfolgreiche Schlachten anführt. Nun merken die Israeliten, dass David genau das erfüllt. Saul ist zwar auch erfolgreich (Tausend), aber nicht so erfolgreich wie David (Zehntausend). Gott hat beide Männer gesalbt, sodass sie mit den königlichen Gaben ausgestattet worden sind. Doch Saul hat den Segen Gottes einige Kapitel zuvor verspielt, David dagegen ist voll des Segens. Das fällt auch dem Volk Israel auf. Saul scheint also nicht nur in seinem Stolz verletzt, sondern scheint eine aufsteigende Beunruhigung zu verspüren. Ihm ist mehrfach von Samuel angekündigt worden, dass seine Tage als König gezählt seien.
Das wird auch der Grund sein, warum er bei sich denkt: „Jetzt fehlt ihm nur noch die Königswürde.“ Denn damit trifft er den Nagel auf den Kopf. Tief in seinem Innern ahnt er schon längst, was passiert.
Die hebräische Verbform וָהָֽלְאָה wahale’ah, die hier mit „voll Argwohn sein“ übersetzt wird, heißt wörtlich eigentlich „müde sein, nachlassen, sich vergeblich bemühen“ und kann in dieser grammatikalischen Form mit „belästigen, ermüden“ übersetzt werden. Wenn wir die Erzählung fortsetzen, verstehen wir, was das heißt: Saul wird alles tun, um David zu erschöpfen, damit er nicht mehr so siegreich ist. Er wird es darauf ankommen lassen, ihn in die gefährlichsten Schlachten zu schicken, damit dieser stirbt, doch er wird dennoch erfolgreich zurückkehren.
Was wir heute alles hören, ist allzu menschlich. Wie oft vernachlässigen wir unseren Blick auf uns selbst vor Gott, indem wir dem Herrn für alles Gute danken, das er durch uns gewirkt hat. Stattdessen sehen wir, was er durch andere tut. Wir vergleichen uns mit anderen, was irreführend ist. Jeder bekommt den Auftrag und die dazu notwendigen Gaben, die perfekt auf einen abgestimmt sind. Warum sollte man das können und unternehmen, wozu man nicht geeignet ist? Saul hat zudem seine Chance verspielt, den Segen Gottes verloren. Das ist an sich drastisch, aber nicht endgültig. Wir Menschen können IMMER zu Gott zurückkehren. Das bedeutet aber, dass wir von dem umkehren müssen, das zum Verlust des Segens Gottes geführt hat. Wir wollen aber oft unsere eigenen Sünden nicht eingestehen, sondern einen Umweg einschlagen, um Segen ohne Umkehr zu erhalten. Das ist aber unmöglich, eine Illusion. Saul macht den Fehler, seine Sünden nicht zu bereuen. Stattdessen begeht er neue Sünden (Eifersucht und Neid sind Sünden gegen das neunte und zehnte Gebot; jemanden in eine Schlacht schicken, damit er stirbt, also versuchter Mord ist gegen das fünfte Gebot). Er verspielt sein ewiges Heil noch mehr. Tun wir es ihm nicht gleich. Bereuen wir unsere Sünden und lassen wir die negativen Gefühle wie Eifersucht und Neid nicht zu. Bitten wir dem Herrn um einen dankbaren Blick auf unser Leben. Bitten wir ihn um Verzeihung und nehmen wir uns vor, von jetzt an ein neues Leben zu führen. Wenn wir dem Herrn auch unsere negativen Gefühle übergeben und ihn bitten, die Wurzel dieser Gefühle (die Minderwertigkeitskomplexe) zu heilen, dann können wir von Grund auf erneuert Gottes Gnade in unser Leben lassen.

Ps 56
2 Sei mir gnädig, Gott, denn Menschen stellten mir nach, Tag für Tag bedrängen mich meine Feinde. 
3 Den ganzen Tag stellten meine Gegner mir nach, ja, es sind viele, die mich voll Hochmut bekämpften.
9 Die Wege meines Elends hast du gezählt. In deinem Schlauch sammle meine Tränen! Steht nicht alles in deinem Buche? 
10 Dann weichen die Feinde zurück, am Tag, da ich rufe. Ich habe erkannt: Mir steht Gott zur Seite. 
11 Auf Gott, dessen Wort ich lobe, auf den HERRN, dessen Wort ich lobe, 
12 auf Gott setzte ich mein Vertrauen, ich fürchte mich nicht. Was kann ein Mensch mir antun? 
13 Ich schulde dir, Gott, was ich gelobte, Dankopfer will ich dir weihen. 

Heute beten wir einen Bittpsalm, der in Notlage gebetet wird. David greift dabei seine eigene Notlage auf, in die er wegen König Saul gerät.
David bittet um Gottes Beistand, „denn Menschen stellten mir nach, Tag für Tag bedrängen mich meine Feinde“. Dies ist wörtlich-historisch zunächst auf die Kriegsfeinde zu beziehen, gegen die er kämpfen muss. Es meint auch König Saul, der zum Feind Davids wird, weil er ihn loswerden möchte. Er ist es vor allem, den David mit „die mich voll Hochmut bekämpften“ meint. Saul rächt sich an David aufgrund seines verletzten Stolzes. Wir müssen es noch darüber hinaus weiterlesen, denn „es sind viele, die mich voll Hochmut bekämpften“. Von allen Seiten muss man mit Neidern rechnen, sobald man positiv auffällt. So ist die Menschheit. Was wir oben schon bedacht haben, gilt auch hier im Psalm: Der Mensch vergleicht sich ständig mit anderen und wird sofort eifersüchtig und neidisch. Das liegt an einer allen Menschen gemeinsamen Wurzel – dem Minderwertigkeitskomplex. Er ist ein Giftstachel, aus dem alles Leid der Welt entspringt. Wie viele endlose Kriege sind aufgrund dieses Komplexes überhaupt geführt worden! Ich denke da z.B. an die Millionen Opfer aufgrund von Stalins Problemen mit sich selbst, ich denke an Hitlers Taten, der so innerlich verletzt war. Wenn wir diesem Giftstachel eine Chance geben, sein Gift in uns auszubreiten, wird es alles um uns herum vergiften. Wir dürfen ihm aber keine Chance geben! Bitten wir den Herrn darum, uns von unseren Komplexen zu befreien und unsere Wunden zu heilen! Dann werden wir selbst gesund sein und unser Umfeld auch.
Gott zählt die Wege des Elends Davids. Er weiß genau um das Leiden seines Auserwählten und dieses ist streng begrenzt. David zeigt durch sein Gebet hier, dass sein Leiden notwendig ist, aber dass Gott ihn nicht unnötig mehr zappeln lässt. Er vertraut auf Gottes Willen. Er versteht auch, dass Gott jedes Leiden, jede Träne sieht. Er gebraucht dafür das poetische Bild des Tränenschlauchs. In Schläuchen wird z.B. Wein aufbewahrt, das Zeichen der Freude. Hier wird das Freudenbild ins Negative gewendet, um auszudrücken, dass Gott nichts verschwenden lässt. Keine Träne ist umsonst geweint und Gott bewahrt sie sorgsam auf, um sie später in Freude zu verwandeln. Gott entgeht nichts, denn er schreibt alles ins Buch des Lebens. David vertraut Gott sein ganzes Leben an. Anstatt sich in Selbstmitleid zu suhlen und sich resigniert von Gott abzuwenden, geht er mit seinen Sorgen gerade jetzt zu Gott und breitet alles vor ihm aus. Er versteht, dass nur Gott ihn versteht.
„Dann weichen meine Feinde zurück, am Tag, da ich rufe“ zeigt, dass David die Leiden als vorübergehend versteht. Er glaubt fest daran, dass Gott seine Gebete erhört („mir steht Gott zur Seite“). Er hat keine Angst, sondern Vertrauen. Weil Gott bei ihm ist, braucht er keinen Menschen mehr zu fürchten. Darin ist David uns wieder mal ein großes Vorbild. In schwierigen Zeiten hadert er nicht mit Gott, sondern klammert sich mit ganzer Kraft an ihn. Er zeigt ihm alles, er sagt ihm alles, er vertraut ihm alles an. Gott gibt ihm dann die Sicherheit und den Trost ins Herz, damit er versteht, dass er nie allein ist. So sollen auch wir beten. Fangen wir erst gar nicht an, Gott gegenüber unzufriedene Gefühle zu entwickeln, sondern laufen wir sofort zum Herrn mit all unseren Sorgen. Setzen wir uns regelrecht auf den Schoß des Vaters und erzählen wir ihm einfach alles. Er wird uns den väterlichen Trost ins Herz schenken und uns Ruhe verleihen, er wird uns innerlich aufrichten und neue Kraft geben. Dann werden wir mit neuem Mut und mit neuer Perspektive auf die Probleme schauen. Dann werden wir alles meistern, weil Gott mit uns ist.
Und letztendlich können wir Gott nur danken, selbst in Notsituationen gilt ihm unser Lob. Wir können nicht irriger Weise annehmen, dass er unser Lob und Dank erstens irgendwie verdienen muss, zweitens dieses davon abhängt, wie gut es uns geht (Lobpreis hat doch nichts mit uns zu tun, sondern wir schauen ganz auf IHN). Es gibt IMMER Dinge, für die wir danken können, schon allein, dass wir leben. Wer sind wir, dass wir ihm das Lob versagen, wenn es uns schlecht geht?
Vor allem gilt ihm unser Lob, wenn er unsere Bitte erfüllt hat, wenn er uns mit Kraft und Trost gestärkt hat, sodass wir unser Problem überwinden konnten. Seien wir dann nicht wie die neun geheilten Aussätzigen, die direkt weggehen, ohne Gott zu danken. Seien wir der eine Aussätzige, der zurückkommt, um Jesus zu danken! Setzen wir uns auch auf Gottes Schoß, wenn es uns wieder gut geht. Lassen wir in unserem inbrünstigen Gebet nicht nach, wo jetzt alles wieder gut ist.

Mk 3
7 Jesus zog sich mit seinen Jüngern an den See zurück. Viele Menschen aus Galiläa aber folgten ihm nach. Auch aus Judäa, 

8 aus Jerusalem und Idumäa, aus dem Gebiet jenseits des Jordan und aus der Gegend von Tyrus und Sidon kamen Scharen von Menschen zu ihm, als sie hörten, was er tat. 
9 Da sagte er zu seinen Jüngern, sie sollten ein Boot für ihn bereithalten, damit er von der Menge nicht erdrückt werde. 
10 Denn er heilte viele, sodass alle, die ein Leiden hatten, sich an ihn herandrängten, um ihn zu berühren. 
11 Wenn die von unreinen Geistern Besessenen ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder und schrien: Du bist der Sohn Gottes! 
12 Er aber gebot ihnen, dass sie ihn nicht bekannt machen sollten.

Bisher hörten wir davon, dass sich Jesu Heilstaten in ganz Galiläa herumgesprochen haben. Nun weitet sich seine Reichweite auf das gesamte Heilige Land aus. Dabei werden mehrheitlich jüdische Gebiete wie Judäa aufgezählt sowie mehrheitlich heidnische wie Tyros und Sidon oder die Dekapolis.
Bemerkenswert ist dabei, dass die meisten nicht von seinen Worten angezogen werden und sich auf die Reise zu ihm begeben, sondern weil sie „hörten, was er TAT.“ So ist der Mensch. Was wirklich ausschlaggebend ist, ist das Verhalten, nicht die vielen Worte. Das heißt nicht, dass seine Verkündigung umsonst ist, sondern dass seine Heilstaten das Gesagte überzeugend untermauern. So soll es auch in der Verkündigung der Kirche sein. Einerseits sind die Predigten sehr wichtig, damit die Menschen überhaupt noch einen Input über die kirchliche Lehre erhalten. Andererseits muss das Gepredigte aber auch vorgelebt werden, damit die Menschen verstehen, dass der Prediger wirklich hinter dem Gesagten steht. Da dies oft nicht mehr gegeben ist, hören die Menschen auch nicht mehr hin. Erstens ist die Predigt oft keine Predigt mehr, sondern eher wie eine politische Ansprache, in der das Wort Jesus oder Glaube nicht mehr vorkommt (neulich sagte eine Religionslehrerin in einer Sakristei zum Priester vor dem Schulgottesdienst „bitte nichts Frommes sagen“…). Zweitens merkt man als Gläubiger einfach total, wenn ein Priester irgendetwas predigt, von dem er selbst nicht überzeugt ist. Diese fehlende Authentizität vertreibt Scharen von Menschen, ganz im Gegensatz zum heutigen Evangelium, wo die Scharen Jesus schon zu erdrücken scheinen.
Es ist natürlich kein Zufall, dass Jesus ausgerechnet in ein Boot steigt, um von den Massen nicht erdrückt zu werden. Man hätte ihn auch auf einen Felsen stellen können oder auf ein selbstgebasteltes Podest. Es ist wieder mal eine geniale pädagogische Maßnahme Gottes. Jesus hat zu Beginn des Evangeliums die ersten vier Jünger berufen, die allesamt von Beruf Fischer sind. Er sagte zu ihnen „ich werde euch zu Menschenfischern machen“. Heute bringt er es ihnen bei: das Menschenfischen. Er ist im Boot und richtet seine Verkündigung auf die Menschenmassen, er wirft gleichsam seine Angel oder sein Fischernetz aus, um nach und nach die Menschen für Gott zu gewinnen. Aber es wird nicht wirklich von seinen Worten berichtet – das Ausschlaggebende sind auch hier wieder seine Heilstaten. Besonders fällt auch hier wieder der Exorzismus auf. Die Dämonen werfen die Menschen, die sie besetzen, zu Boden und bekennen die Identität Christi. Auch die Dämonen gehorchen Gott, denn sie sind seine Geschöpfe, wenn auch gefallene. Auch heute gebietet er ihnen, seine messianische Identität nicht zu verraten. Dies hat wie immer zunächst einen pragmatischen Grund. Er wird im Heiligen Land immer bekannter, sodass das Risiko, von der religiösen Elite festgenommen zu werden, immer höher wird. Davor fürchtet er sich aber nicht. Dann würde er nämlich gar nicht erst öffentlich verkünden und heilen. Er möchte, dass die Menschen seine Identität nicht durch Bekenntnisformeln realisieren, sondern durch seine Taten. Es ist ein einziger Lernprozess, da Jesus alles Messianische tut, was die Heilige Schrift angekündigt hat. Dass die Menschen von dem ausgehend lernen, sehen wir ja an ihrem Kommen aufgrund seiner Wunder.
Jesus „fängt“ Scharen von Menschen, was wir analog zu Davids kriegerischem Erfolg heute betrachten können. Beide sind in ihrer Tätigkeit „fruchtbar“, weil sie mit den Gaben Gottes ausgestattet sind. Sie sind voll der Gnade Gottes, da sie beide gesalbt worden sind. Beide tun ganz und gar, was der Vater von ihnen möchte. Aus dieser ganz intimen Beziehung zum Herrn wird ihr ganzes Leben so effektiv wie nur möglich.
Bei beiden geht es heute zudem darum, dass Außenstehende den Segen Gottes an ihnen aufgrund ihres fruchtbaren Handelns erkennen: Während Saul den Erfolg Davids und dadurch den Beistand Gottes mit „Argwohn“ beäugt, legen die Menschen zur Zeit Jesu lange Strecken zurück, um dessen Heilstaten mit eigenen Augen sehen zu können. Sie werden nicht neidisch, sondern möchten selbst das Heil in ihrem Leben erfahren. Darin tun sie das, was David im Psalm betet: Ganz und gar zum Herrn kommen mit ihrem Leiden. Voller Vertrauen suchen sie Jesus auf, damit er ihr Leben heile. Und er heilt etliche vor allem seelisch. Er befreit viele Menschen von Dämonen, die sie von der Gottesbeziehung abgehalten haben. Jesus möchte, dass alle Menschen die Möglichkeit erhalten, dieselbe innige Beziehung zum Vater aufbauen zu können – wie er selbst, aber auch David. Dann kann auch ihr Leben voller Segen gelingen. DAS ist immer das Hauptanliegen Jesu, nicht ein bequemes leidloses Leben ohne Krankheiten oder anderen Unannehmlichkeiten zu erzielen. Schließlich geht es um das ewige Leben und die Gemeinschaft mit Gott in der Ewigkeit. Damals und heute.

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 2. Woche im Jahreskreis

1 Sam 17,32-33.37.40-51; Ps 144,1-2c.9-10; Mk 3,1-6

1 Sam 17
32 David sagte zu Saul: Niemand soll wegen des Philisters den Mut sinken lassen. Dein Knecht wird hingehen und mit diesem Philister kämpfen. 

33 Saul erwiderte ihm: Du kannst nicht zu diesem Philister hingehen, um mit ihm zu kämpfen; du bist zu jung, er aber ist ein Krieger seit seiner Jugend.
37 Und David sagte weiter: Der HERR, der mich aus der Gewalt des Löwen und des Bären gerettet hat, wird mich auch aus der Gewalt dieses Philisters retten. Da antwortete Saul David: Geh, der HERR sei mit dir.
40 nahm seinen Stock in die Hand, suchte sich fünf glatte Steine aus dem Bach und legte sie in die Hirtentasche, die er bei sich hatte, in den Vorratsbeutel. Die Schleuder in der Hand, ging er auf den Philister zu.
41 Der Philister kam immer näher an David heran; sein Schildträger schritt vor ihm her. 
42 Als der Philister aufblickte und David sah, verachtete er ihn, denn er war jung, rötlich und von schöner Gestalt. 
43 Der Philister sagte zu David: Bin ich denn ein Hund, dass du mit einem Stock zu mir kommst? Und er verfluchte David bei seinen Göttern. 
44 Er rief David zu: Komm nur her zu mir, ich werde dein Fleisch den Vögeln des Himmels und den wilden Tieren geben. 
45 David antwortete dem Philister: Du kommst zu mir mit Schwert, Speer und Sichelschwert, ich aber komme zu dir im Namen des HERRN der Heerscharen, des Gottes der Schlachtreihen Israels, den du verhöhnt hast.
46 Heute wird dich der HERR mir ausliefern. Ich werde dich erschlagen und dir den Kopf abhauen. Die Leichen des Heeres der Philister werde ich noch heute den Vögeln des Himmels und den wilden Tieren geben. Alle Welt soll erkennen, dass Israel einen Gott hat. 
47 Auch alle, die hier versammelt sind, sollen erkennen, dass der HERR nicht durch Schwert und Speer Rettung verschafft; denn es ist ein Krieg des HERRN und er wird euch in unsere Hand geben. 
48 Als der Philister weiter vorrückte und immer näher an David herankam, lief auch David schnell auf die Schlachtreihe zu, dem Philister entgegen. 
49 Er griff in seine Hirtentasche, nahm einen Stein heraus, schleuderte ihn ab und traf den Philister an der Stirn. Der Stein drang in die Stirn ein und der Philister fiel mit dem Gesicht zu Boden. 
50 So besiegte David den Philister mit einer Schleuder und einem Stein; er traf den Philister und tötete ihn, ohne ein Schwert in der Hand zu haben. 
51 Dann lief David hin und trat neben den Philister. Er ergriff sein Schwert, zog es aus der Scheide, tötete ihn und schlug ihm den Kopf ab. Als die Philister sahen, dass ihr starker Mann tot war, flohen sie. 

Die letzten Tage hörten wir von einigen militärischen Siegen unter König Saul und vom ausstehenden Sieg über die Philister. Heute spitzt sich die Lage zu, weil die Erzfeinde Israels einen regelrechten Riesen ins Rennen schicken, Goliat aus Gat. Die Israeliten fürchten sich vor diesem starken Kämpfer, der einen „Einsatz“ macht: Bei einer Niederlage der Philister dürfe Israel über die Philister herrschen, bei einer Niederlage der Israeliten dürften die Philister über Israel herrschen.
Wir lesen zu Anfang des Kapitels 17, dass David wie immer die Schafe seines Vaters hütet und eines Tages zu seinen drei ältesten Brüdern an den Ort der Schlacht mit Proviant hingeschickt wird. Dort wird er Zeuge der aussichtslosen Situation, die sich ganze vierzig Tage hingezogen hat.
Was David vor allem empört, ist die Gotteslästerung des Philisters, mit der er das heilige auserwählte Volk, die Soldaten Gottes, beleidigt und auch Gott selbst. Deshalb beschließt der Junge, sich mit dem Riesen in den Kampf zu begeben. Saul wehrt Davids Vorschlag ab, da er mit menschlicher Logik argumentiert: „Du bist zu jung, er aber ist ein Krieger seit seiner Jugend.“
David bewertet die Situation aber aus einem ganz anderen Blickwinkel, was ihn ja so besonders macht: Die Israeliten sind auf der Seite Gottes, der ihnen die Kraft gibt. Zudem hat er Erfahrung darin, Angriffe von wilden Tieren gegenüber den von ihm gehüteten Schafen abzuwehren. Gott hat sich bewusst diesen Menschen als König ausgesucht, der im Beschützen absolut erfahren ist.
An diesen beiden Aspekten sehen wir, wie es beim Menschen grundsätzlich sein sollte: Einerseits soll der Beistand Gottes vollkommen zugelassen werden, andererseits soll der Mensch selbst alles ihm Mögliche mit einbringen. Dieses vollkommene Teamwork macht den Menschen „fruchtbar“ für alles, was er tut. In dieser Einheit erhält er den Mut, alles zu meistern. Dann muss er keine Angst haben wie die Israeliten, die heute vor Goliat zurückschrecken.
Gestern haben wir vom Casting Samuels gelesen, zu dem Gott sprach: „Sieh nicht auf sein Aussehen“ und „der HERR aber sieht das Herz.“ Goliat, der sich David im Kampf nun nähert, hat schon verloren, weil er genau dies falsch macht. Er sieht auf das Aussehen Davids, auf seine zarte und jugendliche Gestalt, die alles Andere als typisch für einen Kämpfer ist. Aber wie wir es auch aus dem Sport kennen, ist der größte Fehler die Unterschätzung des Gegners. David dagegen scheut nicht den Kampf, weil er die Situation „mit Gottes Augen“ sieht: Die Körpergröße und physische Stärke des Philisters mögen die meisten einschüchtern, aber der Beistand Gottes, der auf Seiten der Israeliten liegt, ist ungleich stärker. Der Philister hat in Wirklichkeit seine absolute Schwachheit dadurch offenbart, dass er Gott gelästert hat. Deshalb entgegnet David Goliat auch in Vers 45: „Du kommst zu mir mit Schwert, Speer und Sichelschwert, ich aber komme zu dir im Namen des HERRN der Heerscharen, des Gottes der Schlachtreihen Israels, den du verhöhnt hast.“ Dann geschieht, was allgemein bekannt ist. David erschlägt Goliat mit einem Stein, den er ihm direkt an die Stirn schleudert. Nicht die physische Stärke hat den Philister besiegt, sondern erstens der Beistand Gottes, zweitens die Geschicktheit des Hirten. Die Philister fliehen, als ihr stärkster Mann gefallen ist. Somit hat ein Junge das ganze Volk gerettet – nicht nur der Junge, sondern Gott mit ihm.
Was wir heute lesen, hat eine typologische Entsprechung im Neuen Testament. Auch dort wird ein Kampf geschildert, der vierzig Tage dauert und bei dem der Gotteslästerer verliert: Die Versuchung Jesu in der Wüste. Über die typologische Verbindung von David und Jesus, dem Sohn Davids haben wir die letzten Tage bereits gesprochen. Heute wird sie noch deutlicher: Wie im ersten Samuelbuch befindet sich Jesus in einem vierzigtägigen Kampf gegen den Teufel, der alle möglichen Methoden versucht, Jesus zu Fall zu bringen. Er versucht ihn mit den drei Hauptversuchungen. Er möchte unter anderem, dass Jesus ihn anbetet. Das ist die größte Gotteslästerung, die es geben kann. Deshalb hat der Teufel schon verloren, weil er sich einbildet, er als Geschöpf könne Gott dem Schöpfer auch nur annähernd das Wasser reichen. Jesus kämpft mit geistigen Waffen, nämlich mit dem Wort Gottes. Er zitiert aus der Hl. Schrift, um den Versucher zu entmachten. So wie David betrachtet er die Situation aus der Sicht Gottes und erkennt dadurch die wirklichen Erfolgschancen. Würde er menschlich denken, könnte er einknicken: Er hat z.B. Hunger vom Fasten, weshalb Steine zu Brot zu machen, sehr verlockend wirkt. So wie David, um nicht zu sagen noch viel mehr als David, besiegt Jesus seinen Versucher haushoch mit geistigen Waffen. Zur Zeit Davids ist das noch nicht so ausschließlich. Er ist immer noch Kind seiner Zeit und die brutale Geste des Enthauptens ist von diesem kulturell-zeitlichen Kontext her zu bewerten. Von beiden lernen wir aber: Der größte Kampf ist ein geistiger. Es geht darum, für den HERRN einzustehen und ihn nicht zu verraten. Dann wird er einem den Rücken stärken und unbesiegbar machen.
Das können wir auf die Kirche übertragen sowie auf uns selbst. Die Mächte der Finsternis werden die Kirche nicht überwältigen, so hat Jesus es uns versprochen, als er in Mt 16 Petrus zum Felsen seiner Kirche ernennt. Das heißt aber nicht, dass wir uns als Kirche bequem zurücklehnen können und nichts tun müssen. Es ist auch heute ein vollkommenes Teamwork. Wir sollen unsere Fähigkeiten und Erfahrungen einbringen, um den geistigen Angriffen zu widerstehen, den Bösen zurückzudrängen und den Versuchungen unserer heutigen Zeit nicht zu erliegen. Dann wird Gott, für den wir jederzeit einstehen, auch heute der Kirche den Rücken stärken und sie unbesiegbar machen. Wo wir aber die Mentalität Goliats übernehmen und menschlich bewerten, wo wir aufs Äußere schauen und vor allem unseren Feind unterschätzen, machen wir uns sofort angreifbar. Die heutigen Gefahren müssen stets klar benannt und bekämpft werden, auch wenn die Kirche dafür noch mehr Verachtung erntet.
Wir selbst müssen unser ganzes Leben, das ein einziges Schlachtfeld ist, immer aus der Sicht Gottes betrachten. Wir sollen nichts und niemanden aus rein menschlicher Logik bewerten, sondern immer nach dem Willen Gottes fragen, seine Logik (von Logos!), seinen Sohn als Schablone auf alles anlegen, um alle Herausforderungen zu bestehen. Wie sehr werden wir versucht, Tag für Tag. Da müssen wir die eigentlichen Gefahren hinter allem erkennen und mit geistigen Waffen dagegen ankämpfen. Stehen wir für Gott ein, wird er auch uns den Rücken stärken und unbesiegbar machen. Manchmal scheinen die Probleme riesig wie Goliat, dann müssen wir genau hinschauen und den eigentlichen Schwachpunkt hinter dem Problem erkennen. Mit einem „Steinwurf“ fällt es in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Gott ist immer stärker. Deshalb wird er auch am Ende der Zeiten eingreifen und das die Erde verderbende Kartenhaus des Bösen fällt in sich zusammen. Dann wird selbst der Tod vernichtet und Gott wird ewig mitten unter den Menschen im himmlischen Jerusalem wohnen.

Ps 144
1 Von David. Gepriesen sei der HERR, mein Fels, der meine Hände den Kampf lehrt, meine Finger den Krieg! 
2 Er, meine Huld und meine Festung, meine Burg und mein Retter, mein Schild, dem ich vertraue, der mir mein Volk unterwirft. 
9 Gott, ein neues Lied will ich dir singen, auf der zehnsaitigen Harfe will ich dir spielen, 
10 dir, der den Königen Sieg verleiht, der David, seinen Knecht, vom Schwert des Unheils befreit.

Auch heute lesen wir eine Reflexion dessen, was Gott David Gutes getan hat. Es ist ein Dankespsalm an Gott den „Felsen“. Ich habe bereits die Typologie zwischen David und Jesus angesprochen sowie die Ernennung Simon bar Jonas zu Petrus, dem Felsen. Jesus ist eigentlich der Felsen, auf den wir bauen sollen, doch Jesus bevollmächtigt einen Menschen als seinen irdischen Stellvertreter. Deshalb ist es kein Zufall, dass er das Bild des Felsens in den Evangelien mehrfach aufgreift. In den Psalmen lesen wir Gott als Felsen regelmäßig. Gott ist es, „der meine Hände den Kampf lehrt, meine Finger den Krieg“. Zur Zeit Davids ist es noch nicht so eindeutig, aber wir verstehen spätestens seit der Versuchung Jesu, dass es um einen geistigen Kampf, um geistige Waffen geht. David kämpft noch wörtlich. Gott ist es, der rettet und der ein wirklich vertrauensvolles Schild ist. Wir lesen im ersten Samuelbuch, dass der Riese Goliat einen Waffenträger vor sich herlaufen lässt. Dieser ist nichts im Gegensatz zu Gottes Assistenz im Kampf.
Wir können diese Worte Davids genauso dankbar beten wie David selbst. Auch uns rettet Gott immer wieder aus geistigen Kämpfen und Versuchungen, sodass ihm stets unser Dank gebührt. So bleiben wir übrigens auch bescheiden und demütig: Wenn wir den Fall Anderer sehen und schadenfroh mit dem Finger drauf zeigen, weil wir nicht dieselbe Sünde getan haben, fallen wir in Null Komma nichts wegen derselben Sünde. Wenn wir aber dankbar auf uns selbst schauen und sagen: „Danke HERR, dass du mich davor bewahrt hast, dass du mir die Kraft gegeben hast, derselben Versuchung zu widerstehen“, erkennen wir an, dass unser Gutsein durch Gottes Gnade ermöglicht wird. Wir rühmen ihn statt uns selbst.
David, so werden wir noch hören, ist ein begnadeter „Harfenspieler“ (es ist keine richtige Harfe wie unser heutiges Instrument, sondern ein antikes Saiteninstrument). Er wird für Saul spielen und sein musikalisches Talent gepaart mit seiner Frömmigkeit sowie seiner Kreativität haben uns den Psalter geschenkt, das Psalmenbuch, das heute einen festen Ort in der katholischen Liturgie hat.
Lernen wir von David und beten wir ihm nach, der Gottes Werk anerkennt, „der den Königen Sieg verleiht“ und der „vom Schwert des Unheils befreit“. Dieses Unheil ist in erster Linie geistiger Art. Es bringt von Gott weg. Wir beten dies im Vaterunser, wenn wir sagen „und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen“.

Mk 3
1 Als er wieder in die Synagoge ging, war dort ein Mann mit einer verdorrten Hand. 

2 Und sie gaben Acht, ob Jesus ihn am Sabbat heilen werde; sie suchten nämlich einen Grund zur Anklage gegen ihn. 
3 Da sagte er zu dem Mann mit der verdorrten Hand: Steh auf und stell dich in die Mitte! 
4 Und zu den anderen sagte er: Was ist am Sabbat erlaubt – Gutes zu tun oder Böses, ein Leben zu retten oder es zu vernichten? Sie aber schwiegen. 
5 Und er sah sie der Reihe nach an, voll Zorn und Trauer über ihr verstocktes Herz, und sagte zu dem Mann: Streck deine Hand aus! Er streckte sie aus und seine Hand wurde wiederhergestellt. 
6 Da gingen die Pharisäer hinaus und fassten zusammen mit den Anhängern des Herodes den Beschluss, Jesus umzubringen.

Im heutigen Evangelium lesen wir von einem weiteren messianischen Heilszeichen und der Provokation der Pharisäer.
Es ist wieder Sabbat, denn Jesus geht in die Synagoge. Dort ist ein Mann mit einer verdorrten Hand. Die Gegner Jesu warten schon darauf, dass Jesus wieder gegen die Torah verstößt, indem er am Sabbat Verbotenes tut. Was heißt es denn, eine verdorrte Hand zu haben? Das bedeutet in erster Linie, keiner Arbeit mehr nachgehen zu können, wahrscheinlich sind dem Mann auch schwere Sünden unterstellt worden, sodass die verdorrte Hand ihm als Strafe Gottes zugeschrieben worden ist.
Umso bemerkenswerter ist es, dass er sich in die Synagoge traut, wo viele Menschen mit dem Finger auf ihn zeigen könnten. Seine Hand ist vielleicht vertrocknet, aber sein Herz dürstet nach dem Wort Gottes. Er kommt, um zu lernen.
Dagegen haben die anwesenden Pharisäer intakte Hände, doch ein verstocktes Herz.
Jesus scheut die Konfrontation nicht, obwohl diese die Pharisäer noch mehr provozieren wird. Er stellt den Mann mit der verdorrten Hand in die Mitte. Diese geographische Zuordnung ist wichtig. In der Mitte befindet sich nämlich das Lesepult, an dem die Torah verlesen wird. Wenn Jesus den Geplagten nun in die Mitte stellt, wird er zum Mittelpunkt und zum konkreten Beispiel dessen, was die Torah beschreibt. Jesus tut dies also zur Veranschaulichung und aus pädagogischen Gründen. Alle Anwesenden können aus dem Folgenden also lernen, wenn sie wollen. Die Pharisäer bleiben jedoch verstockt und lernen deshalb nicht aus der Situation. Was möchte Jesus denn erklären? Am Sabbat geht es darum, mehr Zeit zu haben, um Gott die Ehre zu geben, zu ruhen wie er und dem Vieh sowie den Arbeitern eine Erholung zu gönnen. Wie geben wir Gott die Ehre? Indem wir ihn von ganzem Herzen lieben und deshalb seine Gebote halten. Gleichzeitig sollen wir unseren Nächsten lieben wie uns selbst und deshalb die Gebote Gottes, die den Nächsten betreffen, ebenso halten.
Jesus tut einen Akt der Nächstenliebe an dem Mann mit der verdorrten Hand. Er tut dies an der Stelle der Torah, um herauszustellen, dass ihr Kern die Liebe ist. Er heilt den Mann nicht nur körperlich und rettet sein Leben, wie er es hier sagt. Er gibt ihm wieder die Möglichkeit, Geld zu verdienen und seine Familie zu versorgen, die er vielleicht hat. Er bringt ihn zurück in die Gesellschaft. So wie wir gestern gelesen haben, geht es am Sabbat nicht darum, unter allen Umständen tatenlos zu sein um der Tatenlosigkeit willen. Man soll die Arbeit ruhen lassen, um diese Zeit und Kraft Gott zu schenken. Durch die Heilung des Mannes tut Jesus genau dies. Die Pharisäer haben den ursprünglichen Sinn des Gebotes längst vergessen und echauffieren sich deshalb über Jesu „Verstoß“. Auch hier sehen sie die Gebote, aber nicht den Geber der Gebote. Auch hier erkennen sie Jesus als Messias nicht.
Jesus sieht uns an. Er schaut jeden Menschen und dabei in das Herz hinein. Er sieht, was wir gar nicht mal selbst sehen. Es stimmt nicht, dass Gott unser Leben egal ist. Er sieht alles und weiß alles. Wir sind es nur, die vor dem Blick flüchten so wie Adam und Eva nach dem Sündenfall. Wir wollen nicht angesehen werden und schauen selber weg. Das macht den Herrn traurig. Er will, dass wir wie David heute im ersten Samuelbuch mit ihm zusammen im Teamwork unser Leben bestehen. Er möchte, dass wir den Versuchungen widerstehen und uns nicht über Gott erheben, der uns den Sinn seiner Gebote erklärt.
Heute haben die Pharisäer erneut die Zeit der Gnade nicht erkannt. Im Gegenteil. Sie beschließen sogar das „Teamwork“ mit den Anhängern des Herodes und planen die Ermordung Jesu.
Ist uns bewusst, dass wenn wir verstockt sind und uns von Gott nicht belehren lassen, so werden wie die Pharisäer? Wir versuchen dann, den Herrn mundtot zu machen, damit er uns nicht mehr belästigt, damit wir unser Leben weiterleben können, ohne uns ändern zu müssen. Verhärten wir nicht unser Herz wie sie, sondern lassen wir uns belehren. Nehmen wir die Lektionen Gottes ernst, der der perfekte Pädagoge ist. Gehen wir die Partnerschaft mit Gott in den Kämpfen unseres Lebens ein und sehen wir alles mit Gottes Augen. Dann werden wir seine Gebote aus Liebe halten, nicht um der Gebote selbst willen.

Ihre Magstrauss