Bekehrung des Apostels Paulus

Apg 9,1-22; Ps 117,1.2; Mk 16, 15-18

Heute ist das Fest der Bekehrung des Paulus. Jesus sagte einmal: „So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.“ (Lk 15,7). Das gilt heute besonders für den eifrigen Pharisäer aus Tarsus, der meinte, sich nicht bekehren zu müssen. Gott tut aber immer alles, damit wir Menschen unser Herz ihm zuwenden. Und so wird aus einem selbstgerechten Juden ein reumütiger Christ.

Apg 9
1 Saulus wütete noch immer mit Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn. Er ging zum Hohepriester 
2 und erbat sich von ihm Briefe an die Synagogen in Damaskus, um die Anhänger des Weges Jesu, Männer und Frauen, die er dort finde, zu fesseln und nach Jerusalem zu bringen.
3 Unterwegs aber, als er sich bereits Damaskus näherte, geschah es, dass ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte. 
4 Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? 
5 Er antwortete: Wer bist du, Herr? Dieser sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst.
6 Steh auf und geh in die Stadt; dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst! 
7 Die Männer aber, die mit ihm unterwegs waren, standen sprachlos da; sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemanden. 
8 Saulus erhob sich vom Boden. Obwohl seine Augen offen waren, sah er nichts. Sie nahmen ihn bei der Hand und führten ihn nach Damaskus hinein. 
9 Und er war drei Tage blind und er aß nicht und trank nicht. 
10 In Damaskus lebte ein Jünger namens Hananias. Zu ihm sagte der Herr in einer Vision: Hananias! Er antwortete: Siehe, hier bin ich, Herr. 
11 Der Herr sagte zu ihm: Steh auf und geh zu der Straße, die man Die Gerade nennt, und frag im Haus des Judas nach einem Mann namens Saulus aus Tarsus! Denn siehe, er betet 
12 und hat in einer Vision gesehen, wie ein Mann namens Hananias hereinkommt und ihm die Hände auflegt, damit er wieder sieht. 
13 Hananias antwortete: Herr, ich habe von vielen gehört, wie viel Böses dieser Mann deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat. 
14 Auch hier hat er Vollmacht von den Hohepriestern, alle zu fesseln, die deinen Namen anrufen. 
15 Der Herr aber sprach zu ihm: Geh nur! Denn dieser Mann ist mir ein auserwähltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels tragen. 
16 Denn ich werde ihm zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muss. 
17 Da ging Hananias hin und trat in das Haus ein; er legte ihm die Hände auf und sagte: Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Weg, den du gekommen bist, erschienen ist; du sollst wieder sehen und mit dem Heiligen Geist erfüllt werden. 
18 Sofort fiel es wie Schuppen von seinen Augen und er sah wieder; er stand auf und ließ sich taufen. 
19 Und nachdem er etwas gegessen hatte, kam er wieder zu Kräften. Einige Tage blieb er bei den Jüngern in Damaskus; 
20 und sogleich verkündete er Jesus in den Synagogen: Dieser ist der Sohn Gottes. 
21 Alle, die es hörten, waren fassungslos und sagten: Ist das nicht der Mann, der in Jerusalem alle vernichten wollte, die diesen Namen anrufen? Und ist er nicht auch hierhergekommen, um sie gefesselt vor die Hohepriester zu führen? 
22 Saulus aber trat umso kraftvoller auf und brachte die Juden in Damaskus in Verwirrung, weil er ihnen darlegte, dass Jesus der Christus ist.

Saulus verfolgt die Christen im Hl. Land und rings umher, weil er meint, Gott damit einen heiligen Dienst zu leisten (vgl. Joh 16,2). Er versucht sogar, mehr Systematik in die Tötung der Christen zu erlangen, indem er beim Hohepriester um Briefe für die Synagogen in Damaskus erbittet, damit auch dort die Christen festgenommen und in Jerusalem verurteilt würden.
Dann passiert etwas, das sein ganzes Leben ändern wird: „Ein Licht vom Himmel umstrahlte“ ihn. Alles, was himmlisch ist, wird von Visionären und Mystikern voller Licht beschrieben. Es ist die Gnade und Herrlichkeit Gottes, die heller ist als jegliches irdische Licht. Deshalb ist die Lichtmetapher auch so verbreitet für den Messias und in den vielen Himmelsvisionen des Alten und Neuen Testaments.
Er stürzt zu Boden, was ebenfalls eine typische Manifestation der Gegenwart Gottes ist. Wir kennen das aus charismatischen Kreisen. Dort fallen auch Menschen zu Boden, weil sie keine Kontrolle mehr über ihren Körper haben. Sie werden nicht ohnmächtig, sondern für einen kurzen Moment gelähmt. Das ist weder etwas Gutes noch etwas Schlechtes, sondern einfach die Reaktion eines schwachen Menschen auf die überwältigende Kraft des Hl. Geistes. Und dann spricht Jesus zu ihm. Er fragt ihn gerade heraus: „Warum verfolgst du mich?“ So ist der Herr. Er konfrontiert uns mit einer Frage, damit wir uns selbst hinterfragen. Er hat dies vor dem Hohen Rat getan, als der Diener des Hohepriesters ihm ins Gesicht geschlagen hat („Warum schlägst du mich?“). Dabei ruft er Saulus auch beim Namen. Dadurch fühlt er sich nicht nur persönlich angesprochen, sondern weiß auch, dass Jesus ihn kennt. Er wird sich in dem Moment ganz und gar durchschaut gefühlt haben.
Auf die Frage hin, wer er sei, antwortet Jesus ihm: „Ich bin Jesus, den du verfolgst.“ Er sagt nicht: „Ich bin Jesus, dessen Jünger du verfolgst.“ Das ist wichtig. Jesus hat einmal erklärt, dass was wir den geringsten Brüdern getan haben, haben wir ihm getan und umgekehrt. Derjenige, den Saulus also am meisten verletzt, ist Jesus selbst.
Jesus fordert den Christenverfolger auf, nach Damaskus zu gehen, wo ihm alles Weitere aufgetragen werde. Die Begleiter des Saulus müssen total irritiert sein, weil sie Jesu Stimme hören, jedoch nichts sehen.
Sie merken aber, dass etwas passiert sein muss, denn Saulus ist blind. Das Licht der Herrlichkeit Gottes hat ihn so geblendet, dass er nichts sehen kann. Er muss nach Damaskus geführt werden. Insgesamt hat die Begegnung mit Jesus ihre Folgen. Er kann drei Tage weder etwas sehen noch etwas zu sich nehmen. Auch dies ist eine Manifestation des Hl. Geistes. Viele Menschen berichten, dass sie bei Exerzitien oder anderen geistlichen Veranstaltungen kaum etwas essen, weil sie kein Hungergefühl oder keinen Appetit verspüren.
Gott führt daraufhin Saulus mit einem Christen namens Hananias zusammen so wie an anderer Stelle Petrus und Kornelius. Gott bereitet den Jünger darauf vor, dem großen Christenverfolger die Hände aufzulegen, damit er wieder sieht. Er hakt beim Herrn nach, weil er nur Schlimmes von Saulus gehört hat, doch Gott ermutigt ihn. Er kündigt Hananias an, dass Saulus noch ein großes Werkzeug Gottes werden würde. Er wird dabei den Christus nicht nur den „Söhnen Israels“ bringen, sondern gerade den „Völkern“.
Hananias gehorcht dem Herrn und geht zur Unterkunft des Saulus. Er legt ihm die Hände auf, was eventuell schon auf einen sakramentalen Akt hinweist (Hananias ist wahrscheinlich geweiht, also Diakon, Priester oder Bischof). Denn bei der Gabe des Hl. Geistes kann er wieder sehen, steht auf und lässt sich taufen. Dieses „wie Schuppen von den Augen“ können wir mehrfach verstehen. Der Geist Gottes hat ihm die biologischen Augen geöffnet, aber dadurch, dass er sich sofort taufen lässt, müssen auch die Augen seines Glaubens geöffnet worden sein. Er wird erkannt haben, dass er sein bisheriges Leben falsch gelebt hat. Nun kann er auch wieder essen und zu Kräften kommen. Er verbringt noch einige Tage bei der Gemeinde in Damaskus und begann sehr schnell mit der Verkündigung Jesu Christi in den Synagogen. Man muss sich vorstellen, wie verwirrt die dort Ansässigen gewesen sein mussten, dass der eifrige Christenverfolger, der ein richtiger Prominenter war, plötzlich FÜR Christus gesprochen hat.
So groß ist Gottes Gnade. Er kann in einem kurzen Moment unser ganzes Leben auf den Kopf stellen und aus dem größten Sünder den begeistertsten Jünger machen. Das Problem ist, dass Menschen das oft nicht anerkennen und immer noch den alten Menschen sehen. Sie haben einen schon längst in eine bestimmte Schublade gesteckt und einen Stempel aufgedrückt. Sie werden einen unter Umständen ewig als diesen alten Menschen betrachten, so als ob man sich nicht ändern könne. Gott ist aber anders. Er sieht immer das Potenzial und möchte dieses immer aus uns herauskitzeln, uns zu echten Diamanten schleifen, zu wunderbaren Werkzeugen seines Heils. Freuen wir uns heute darüber, dass Saulus alias Paulus sich bekehrt hat! Ohne ihn wären wir womöglich gar keine Christen geworden. Die Heidenmission ist größtenteils ja ihm zu verdanken.


Ps 117
1 Lobt den HERRN, alle Völker, rühmt ihn, alle Nationen! 
2 Denn mächtig waltet über uns seine Huld, die Treue des HERRN währt in Ewigkeit. Halleluja!

Der heutige Psalm ist sehr kurz. Er besteht aus nur zwei Versen. Er ist betitelt mit „Aufruf an alle Völker zum Lob Gottes“. Genau darin knüpft er an die Bekehrung des Paulus an. Wir, die wir im Grunde zu den sogenannten „Heidenchristen“ gehören, die also nicht zuvor Juden waren, haben allen Grund, Gott zu loben. Er hat Paulus zum Werkzeug der Heidenmission eingesetzt, sodass der Glaube in unseren Breitengraden überhaupt ankommen konnte. Auch wenn er nicht direkt hier gewirkt hat, hat Paulus die Weichenstellungen gesetzt. Hier lesen wir die Aufforderung zum Lob an die heidnischen Völker, das hebräische Wort גֹּויִם gojim wird verwendet.
Gott ist treu. Er hat schon damals mit Paulus an unsere Gotteskindschaft gedacht und alles schon so geplant, dass das Evangelium wirklich allen Geschöpfen verkündet werden konnte. Das ist immer und überall den Hallelujaruf wert!

Mk 16
15 Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung! 
16 Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden. 
17 Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; 
18 wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.

Heute lesen wir genau diesen Auftrag, zu dem Paulus heute direkt im Anschluss an seine Bekehrung berufen wird. Jesus trägt seinen Jüngern vor seiner Heimkehr zum Vater auf, weltweit das Evangelium allen Menschen zu verkünden. Paulus ist so viel herumgereist wie kein anderer Apostel. Durch die Briefliteratur und die Apostelgeschichte sind uns einige dieser Reisen bekannt, doch längst nicht alle! Wer weiß, wo er noch alles war und wie viele Gefängnisaufenthalte, Misshandlungen und Katastrophen er tatsächlich erleiden musste…Dass er viel erleiden würde, kündete Jesus Hananias heute in der Lesung ja bereits an. Das Leiden ist nicht zu unterschätzen. Wir können noch so viel für den anderen beten – eine Tiefe erreicht unser Fürbittgebet vor allem durch Opfer, Unannehmlichkeiten, größere und kleinere Leiden.
„Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet“. Das hat auch Paulus getan. Er hat verstanden und den Glauben an Jesus Christus gewonnen. Zum Zeichen dafür hat er sich direkt taufen gelassen. Er hat die Chance angenommen, die Gott ihm geschenkt hat. Es hätte auch anders kommen können. Er hätte auch in dieser offensichtlichen Situation sein Herz verhärten können und Jesus nicht annehmen können. Das hätte aber auch Konsequenzen gehabt: Er wäre verurteilt worden.
Jesus kündigt seinen Aposteln mehrere Zeichen an, zuerst die Exorzismen (wir sind im Markusevangelium, wo die Dämonenaustreibungen besonders betont werden), sodann die Zungenrede, den Schutz vor tödlichen Gefahren, die Krankenheilung. Von diesen hier angekündigten Dingen haben wir so einiges in der Lesung gelesen. Hananias legt Paulus die Hände auf und er kann wieder sehen. Das ist wie eine Krankenheilung zu werten. Es handelt sich dabei aber nicht um das Sakrament der Krankensalbung, denn zum Zeitpunkt der Handauflegung ist Paulus nicht getauft. Wir können uns diese Geste also so denken, dass sie entweder eine charismatische ist (also ein Akt einer getauften Person, die mit dem Charisma der Krankenheilung beschenkt worden ist) oder eine sakramentale (ein Geweihter tauft Paulus hier, wobei die Handauflegung auch Teil der Taufe ist).
Dadurch dass der Missionsauftrag Jesu und das Leben des Paulus sich so decken, verstehen wir umso besser, dass Paulus wirklich ein Apostel ist, auch wenn er nicht zum Zwölferkreis gehört. Wir sehen heute auch erneut, dass Gott nicht perfekte Menschen beruft, sondern potenzielle Heilige. Paulus hat so viele Menschen auf dem Gewissen und doch hat Gott für ihn so eine große Aufgabe. Das gibt uns Mut. Wir erkennen, dass Gott auch uns zu großen Dingen berufen möchte, obwohl wir unsere Schwächen und Fehler haben. Wichtig ist unsere Reaktion auf Gottes Intervention (auch wenn er uns nicht vom Pferd wirft und blind macht…). Nehmen wir Gott an und kommen wir zum Glauben. Ändern wir von Grund auf unser Leben und widmen wir VON NUN AN unsere ganze Lebenszeit für das Reich Gottes. Darauf kommt es an.

Ihre Magstrauss

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