3. Sonntag im Jahreskreis

Jes 8,23b-9,3; Ps 27,1.4.13-14; 1 Kor 1,10-13.17; Mt 4,12-23

Jes 8-9
23 Doch das Dunkel bleibt nicht dort, wo Bedrängnis ist. Wie er in früherer Zeit das Land Sebulon und das Land Naftali verachtet hat, so hat er später den Weg am Meer zu Ehren gebracht, das Land jenseits des Jordan, das Gebiet der Nationen.
1 Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht; über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, strahlte ein Licht auf. 
2 Du mehrtest die Nation, schenktest ihr große Freude. Man freute sich vor deinem Angesicht, wie man sich freut bei der Ernte, wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird.
3 Denn sein drückendes Joch und den Stab auf seiner Schulter, den Stock seines Antreibers zerbrachst du wie am Tag von Midian.

Die heutige Lesung aus dem Buch Jesaja ist uns aus der Christmette an Heiligabend bekannt. Jesus wird dort als Licht bezeichnet. Diese Metapher für den Messias ist im Judentum weit verbreitet – schon allein durch die messianischen Textstellen im Jesajabuch. Aber auch sonst wird der Messias als „Licht für die Völker“ erwartet. Wir hörten gestern von der Bekehrung des Paulus und dass Jesus dort als ein helles Licht vom Himmel erscheint. Paulus ist danach ganze drei Tage blind, so stark ist das Licht der Gnade und Herrlichkeit Gottes.
In der alten Einheitsübersetzung lesen wir „das Volk, das im Dunkeln lebt“. Dies bezieht sich zunächst auf das Volk Israel, das im Dunkeln ist aufgrund der Fremdvölker. Es hatte die Aussicht auf Frieden und Freiheit verloren und sah aus diesem Grund keinen Funken Hoffnung. Zu stark wurde die Bedrängnis durch die Assyrer. Doch es wird ihnen ein Licht in ihrer Dunkelheit verheißen: Die Juden haben dieses Licht zunächst mit einer politischen Figur in Verbindung gebracht: König Hiskija, den Sohn des Ahas. Dieser ist der Sohn, der den Juden geschenkt worden ist. Mit seiner Geburt ist eine große Freude verbunden worden, die mit der Freude über eine reiche Ernte oder Kriegsbeute verglichen wird (zwei lebensnahe Bilder der Israeliten jener Zeit). Gott greift ein, deshalb wird die Kriegsmacht der Assyrer zunichte gemacht. So bricht Gott den Stock des Antreibers bzw. das drückende Joch der Assyrer, die Israel belastet haben. Wir dürfen über diese historisch-wörtliche Lesart hinausgehen und denken an Jesus Christus, der das Volk aus der Knechtschaft der Sünde befreien möchte, der dem auserwählten Volk Hoffnung bringt, das bisher in der Dunkelheit, also in der Hoffnungslosigkeit gelebt hat. Wir müssen das heilsgeschichtlich verstehen: Der Mensch ist ohne Perspektive geworden aufgrund der verschlossenen Tür zum Paradies. Man konnte noch so gerecht vor Gott sein, das Himmelreich wurde keinem mehr zugänglich seit dem Sündenfall des ersten Menschenpaares. Und nun kommt der Sohn Gottes auf die Erde und tut das Unglaubliche: Durch seine stellvertretende Sühne für die ganze gefallene Schöpfung ÖFFNET ER DIE TÜR! Er sagt nicht umsonst im Johannesevangelium: „Ich bin die Tür. Wer durch mich hindurchgeht, wird gerettet werden“ (Joh 10,9). Wenn das nicht ein Grund zur Hoffnung ist, was dann! Gestern haben wir eine konkrete Bekehrungsgeschichte gehört, in der diese Hoffnung ganz wortwörtlich so spürbar wurde: Paulus sah wirklich dieses helle Licht, ein Pharisäer, ein klassisches Mitglied des erwählten Volkes. Er wird so zur Personifikation dessen, was wir heute aus Jesaja hören. Er sieht ein helles Licht, Jesus Christus, der ihm Perspektive schenkt, die Berufung seines Lebens und die Aussicht auf das Himmelreich. Würde er sich nicht bekehren und sich taufen lassen, würde er weiterhin im Dunkeln sitzen. Denn er wäre nicht durch die Tür hindurchgegangen.
Jesus hat bei seiner öffentlichen Verkündigung die „Nation gemehrt“, nämlich das Volk Gottes, die Bündnispartner des Neuen Bundes, nicht mehr nur das Volk Israel (hier steht deshalb extra das Wort הַגֹּוי hagoj, also eben NICHT das übliche Israel-Volk-Wort). Über sein Angesicht freuten sich so viele Scharen, wie wir in den letzten Tagen immer wieder gelesen haben. Aus ganz Israel reisten die Menschen zu ihm, um sein Angesicht zu sehen, um seine Heilstaten mit eigenen Augen zu bezeugen. Er hat so viel Licht in das Leben der Menschen gebracht, die unheilbar krank waren, schwach und resigniert, die ganz und gar in der Gewalt des Teufels waren.
Er hat durch die vielen Exorzismen die Macht des Teufels in der Seele so vieler Menschen gebrochen, sozusagen ihr drückendes Joch und den Stock des Antreibers Satans. Er hat sie befreit und zu Bürgern seines Reiches berufen. Dies tut Jesus auch mit uns heute, wenn wir getauft werden. Die Taufe ist sündenvergebend, und zwar so, dass sogar die Folgen der Sünde getilgt werden. Wir werden ganz und gar bereitgemacht für das Reich Gottes. Er wäscht uns rein und nimmt das drückende Joch der Erbsünde von uns. Er zerbricht den Stock des Antreibers Satan, der unser bisheriges Leben im Griff hatte. Gewiss sündigen wir auch nach der Taufe weiter, doch Gott ist so barmherzig, dass er uns mit dem Sakrament der Versöhnung auch dann eine Chance gibt. Er nimmt auch dann das drückende Joch unserer Sünde, damit wir in den Stand der Gnade zurückkehren können. Er wird uns am Ende unseres Lebens vom drückenden Joch des irdischen Daseins voller Leiden und Krankheit befreien, wenn wir hoffentlich das Angesicht Gottes schauen dürfen. Am Ende der Zeiten wird er die Menschen vom drückenden Joch dieser gefallenen Schöpfung befreien, indem er einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird, in der es keinen Tod, keine Traurigkeit, kein Leiden, keine Tränen mehr geben wird.

Ps 27
1 Von David. Der HERR ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen?
4 Eines habe ich vom HERRN erfragt, dieses erbitte ich: im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen und nachzusinnen in seinem Tempel.
13 Ich aber bin gewiss, zu schauen die Güte des HERRN im Land der Lebenden. 
14 Hoffe auf den HERRN, sei stark und fest sei dein Herz! Und hoffe auf den HERRN!

Wir beten heute einen ganz bekannten Psalm, der erneut das Vertrauensverhältnis Davids zu Gott offenbart. Auch der Psalm verarbeitet den Gedanken, dass Gott Licht ist. Es gibt auch hier messianische Hinweise bzw. erkennen wir Christus im Psalm: Der HERR, Jahwe, ist mein Heil. Das hebräische Wort weist denselben Stamm auf wie der Name Jesu. Das ist kein Zufall. Der Psalm ist ganz und gar von Vertrauen geprägt („vor wem sollte mir bangen“, „Zuflucht“, „Hoffe auf den HERRN“). Zugleich wird die Sehnsucht nach dem ewigen Leben deutlich: „im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens“; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen“. Das entspricht unseren anagogischen Gedanken zum Jesajatext, in denen wir damit geschlossen haben, dass das Leben bei Gott im Himmelreich die ultimative Befreiung vom drückenden Joch ist.
Auch der Gedanke des Übergangs von der Dunkelheit ins Licht wird hier im Psalm aufgegriffen, denn er beinhaltet die Einladung zur Hoffnung auf den HERRN. Diese Auslegung vom Licht Gottes haben wir ja auch im Jesajatext bedacht. Jesus ist die Hoffnung der Menschen. Er schenkt dem Menschen eine Perspektive, einen Sinn im Leben, eine Berufung – nämlich die Berufung zur Heiligkeit.
„Das Land der Lebenden“ ist durch und durch ein Zeugnis für die Auferstehungshoffnung von Christen. Dies zeigt, dass David mal wieder geisterfüllt diesen Psalm formuliert. Wie kann ein israelitischer König 1000 Jahre vor Christi Geburt so etwas Österliches sonst sagen? Lob sei Gott, dass er schon damals diesen König mit seinen wunderbaren Verheißungen erfüllt hat! Das Land der Lebenden ist das Himmelreich. Wir werden leben, auch wenn wir sterben. Das wird Jesus immer wieder erklären. Denn Gott ist ein Gott der Lebenden, nicht der Toten.

1 Kor 1
10 Ich ermahne euch aber, Brüder und Schwestern, im Namen unseres Herrn Jesus Christus: Seid alle einmütig und duldet keine Spaltungen unter euch; seid vielmehr eines Sinnes und einer Meinung! 
11 Es wurde mir nämlich, meine Brüder und Schwestern, von den Leuten der Chloë berichtet, dass es Streitigkeiten unter euch gibt. 
12 Ich meine damit, dass jeder von euch etwas anderes sagt: Ich halte zu Paulus – ich zu Apollos – ich zu Kephas – ich zu Christus. 
13 Ist denn Christus zerteilt? Wurde etwa Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden?
17 Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkünden, aber nicht mit gewandten und klugen Worten, damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft gebracht wird.

Als zweite Lesung hören wir diese Wochen aus dem ersten Korintherbrief. Er bezeugt verschiedenste Probleme, mit denen sich die ersten Christen herumschlagen mussten. Vieles, was wir da hören, ist hochaktuell, denn es betrifft die Christenheit zu allen Zeiten. Wir müssen bei allem, was wir dabei hören, bedenken, dass Paulus Gemeindebrief eine Antwort auf zuvor gestellte Fragen eines Briefes gibt. Sein Brief ist also ein Antwortschreiben und bezeugt uns, was die Korinther ihm selbst erzählt haben: Heute wird dabei etwas ganz Typisches geschildert – ein Personenkult innerhalb der einen Gemeinde. Wir sollen eins sein, wie Jesus und der Vater eins sind. So hat Jesus damals schon gebetet. Die Korinther sollen „eines Sinnes und einer Meinung“ sein. Die griechischen Begriffe sind an dieser Stelle νοῒ noi und γνώμῃ gnome. Mit dem ersten Begriff, von dem auch der philosophische Begriff des Nous stammt, ist gemeint, dass die Gemeindemitglieder biblisch gesprochen eine gemeinsame „Weisheit“ haben sollen. Sie sollen vom selben Geist her denken und handeln, nämlich dem Geist Gottes. Sie sollen denselben Sinn im Leben verfolgen, sozusagen „eines Herzens“ sein, das nämlich die Quelle ihrer Entscheidungen sein soll. Mit dem zweiten Begriff ist weniger die persönliche Meinung gemeint als vielmehr das Urteilsvermögen allgemein. Die Gemeindemitglieder sollen dieselbe Urteilsgrundlage haben, was wiederum der Heilige Geist ist. Von ihm aus sollen sie Entscheidungen treffen und die Unterscheidung zwischen Wahrheit und Lüge vornehmen.
Aber die Realität sieht anders aus. Paulus ist durch die „Leute der Chloe“ zu Ohren gekommen, dass es Spaltungen gibt. Das betreffende Wort σχίσματα schismata ist hier natürlich nicht im modernen Sinne zu verstehen, also dass die Gemeinde tatsächlich in einem vollendeten Schisma lebt, es also mehrere korinthische Gemeinden gibt, die verfeindet sind und zuvor eine einzige Gemeinde darstellten. Hier ist das Wort im wörtlichen Sinn zu verstehen: Es gibt Spaltungen unter ihnen, also Uneinigkeit in einer einzigen großen Gemeinde. Die „Leute der Chloe“ könnte Diener oder Mitglieder einer Hausgemeinde einer Frau namens Chloe meinen. Dabei bleibt offen, ob sie zu den Korinthern gehört oder eine Außenstehende ist. Zumindest haben diese Menschen Kontakt zu Paulus, sodass er durch sie von den Missständen in der riesigen korinther Gemeinde erfährt.
Und dann sagt Paulus konkret, welche Schismata er meint: Die einen knüpfen ihren christlichen Glauben an Paulus an, die anderen an Apollos, einem Missionar, der nach der Gemeindegründung Pauli in Korinth dort ebenfalls gewirkt hat. Wiederum andere hängen an Petrus (, dessen Beiname Petrus auf hebräisch Kephas ist), andere sagen „ich glaube nicht an Menschen, sondern nur an Christus.“ Vielleicht sagen sie allerdings auch „ich lass mir von keinem Menschen etwas sagen, nur von Christus“ und vergessen dabei dessen Bevollmächtigung seiner Apostel. All diese Haltungen sind ungesund und nicht, wie Jesus eine christliche Gemeinde gewollt hat. Deshalb stellt er die rhetorischen Fragen: „Ist denn Christus zerteilt?“ Und „Wurde etwa Paulus für euch gekreuzigt?“ Der Kern der Gemeinde, so stellt er klar, ist Jesus Christus und seine Erlösung. Er ist der gemeinsame Grund, dass es die korinther Gemeinde gibt und der sie vereint. Er kritisiert einerseits, dass die Korinther diese Einheit eigenmächtig zerstören, andererseits dass sie einen nicht gottgewollten Personenkult etablieren. Nicht Paulus, Kephas oder Apollos sind heilsnotwendig. Der Glaube an Gott ist nicht von diesen menschlichen Personen abhängig. Auf diese Weise machen die Korinther sie zu neuen Messiassen. Durch dieses Verhalten tun sie noch etwas Anderes: Sie unterstellen ihnen Rivalitäten, die eigentlich nicht gegeben sind. Paulus und Apollos z.B. arbeiten doch gemeinsam an der Evangelisierung in Korinth, nicht gegeneinander.
Dann werden einige Verse des Briefes übersprungen, in denen Paulus vereinzelte Leute aufzählt, die er getauft hat. Er sagt mit Erleichterung, dass er nur wenige getauft hat, damit das Missverständnis der Korinther – dieser aufkommende Personenkult – nicht im Nachhinein darauf projiziert werden kann (so als ob die Personen auf den Namen des Paulus getauft würden). Das ist hier natürlich ironisch-humorvoll gemeint. Er ist natürlich glücklich über jeden getauften Menschen, über jeden, den er oder andere für Christus gewinnen kann!
Er erklärt dann auch nebenbei, dass die Tauftätigkeit nicht seine Berufung sei, sondern die Verkündigung des Evangeliums. Er sagt dann auch noch, dass er die Verkündigung mit einfachen Worten vornimmt, „damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft gebracht wird.“ Das heißt nicht, dass man in der Verkündigung seine rhetorischen Fähigkeiten bewusst unterschlagen soll, die Gott einem geschenkt hat. Er spricht hier von einer bestimmten Absicht, die auch mit dem aufkommenden Personenkult in Korinth zusammenhängt: Es gibt offensichtlich Prediger, die nicht um des Himmelreiches willen sprechen, sondern um sich selbst zu profilieren, um einen Kreis um sich zu bilden. Es gibt Menschen, die das alles auf sich nehmen, um Anerkennung zu bekommen und andere an sich zu binden statt an Christus. Sie nutzen also eine gute Rhetorik für niederträchtige Absichten. Insofern lenken sie vom Kreuz Christi auf sich. Das kritisiert Paulus. Die Rhetorik soll aber ganz auf die Menschen abgestimmt sein und die gesamte Verkündigung soll einfach und schlicht sein – so wie Jesus selbst. Es soll um das Wesentliche gehen und ganz wichtig: von Demut getragen sein. Das ist das Stichwort. Die Demut leitet den Verkünder und prägt seine Sprache. Er lenkt dann von sich weg auf Christus. Er bindet die Menschen nicht an sich, sondern führt sie zum Kreuz. Was Paulus uns heute erklärt, ist eine Lektion für alle Geistlichen, also Bischöfe, Priester, Diakone, aber auch Leiter geistlicher Gemeinschaften und Vereine, Ordensobere und alle anderen Menschen, die Andere irgendwie anführen. Es soll nie um Selbstdarstellung gehen, sondern um Jesus. Es ist auch eine Lektion für alle Gemeindemitglieder, damals und heute: Wir sollen uns nie an einen Geistlichen binden und schon gar nicht unseren Glauben von ihnen abhängig machen. Sonst werden wir sehr schnell enttäuscht, resigniert und verlieren unseren Glauben. Denn kein einziger Mensch ist perfekt, auch kein Geistlicher. Jeder sündigt und ist erlösungsbedürftig. Der einzige, an den wir uns ganz und gar binden sollen, ist Jesus Christus. Er wird uns nie enttäuschen. Er ist immer treu, auch wo wir ihm untreu werden. Er hält sein Versprechen und kann uns glücklich machen. Er ist unser Licht, die Sonne der Gerechtigkeit. Das Licht, das von Geistlichen ausgeht durch ihre Weihe und damit verbundene Gnade ist immer nur Reflektion des Lichtes Gottes. Aus sich selbst heraus können sie nicht leuchten, genauso wenig wie wir.

Mt 4
12 Als Jesus hörte, dass Johannes ausgeliefert worden war, kehrte er nach Galiläa zurück. 
13 Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. 
14 Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: 
15 Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: 
16 Das Volk, das im Dunkel saß, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.
17 Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. 
18 Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer. 
19 Da sagte er zu ihnen: Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. 
20 Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm nach. 
21 Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie 
22 und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus nach.
23 Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.

Heute hören wir von dem öffentlichen Wirken Jesu. Nachdem Johannes ins Gefängnis geworfen wurde, geht Jesus zurück in seine Heimat. Man könnte es menschlich erklären als klugen Schachzug, da Jesus der akuten Gefahr entgeht- er hat schließlich noch einen Verkündigungsauftrag und kann nicht direkt ins Gefängnis gehen. Aber es geht um etwas Anderes: Er macht sich auf in die Gebiete, die vorwiegend heidnisch besetzt sind. Er tut dabei nichts, was er selbst will, sondern ganz, was der Vater ihm aufträgt. Sein Aufenthalt im Land Sebulon und Naftali ist wiederum nicht nur für die Heiden wichtig, sondern auch für die Juden. Er erfüllt nämlich wiederum eine Verheißung des Alten Testaments, das die Juden erkennen mussten. Er tut es also wiederum für die Juden, damit sie zum Glauben an ihn kommen! Es geht um die Verheißung in Jesaja 8-9, die wir heute in der ersten Lesung gehört haben. Er ist das Licht, das zu dem Volk geht, das im Dunkeln lebt. Er bringt jenen Hoffnung, die keine haben. Er lehrt dabei in den Synagogen, was wiederum eine Verkündigung für die Juden kennzeichnet.
Jesu Verkündigung ist von Anfang an eine Kombination von Predigt und Heilsdienst. Er erklärt das Reich Gottes und heilt viele Menschen von verschiedenen Leiden.
Die Menschen kommen vor allem wegen der Heilungsaussichten, aber zugleich hören sie vom Reich Gottes. Dadurch, dass aus dem ganzen Hl. Land Menschen zu seinen Jüngern werden, erkennen wir, warum Jesus die Menschen heilt: damit sie zum Glauben an ihn kommen. Sie sollen die Herrlichkeit Gottes erkennen. So ist Gott. Er zeigt den Menschen konkret am Beispiel der Heilung, was er mit seiner frohen Botschaft meint. Das ist göttliche Pädagogik.
Jesus erbittet die Heilung für all jene Menschen, die zu ihm kommen. Er betet laut mit ihnen und sie sehen, dass die Gebete erhört werden. Das ist wichtig für die Juden. Sie erkennen die Salbung Gottes in Jesus, wie der Psalm 2 es ausdrückt. Was auch immer Jesus beabsichtigt, der Geist Gottes wirkt durch ihn und heilt Scharen von Menschen. In Jesus ist die Fülle der Charismen Gottes.
Wir hören heute auch, dass Jesus zu Beginn seines Wirkens Jünger in seine Nachfolge ruft. Die ersten, die zu seinen Jüngern werden, sind ausgerechnet Fischer. Das ist wie immer kein Zufall. Das ist Gottes Art, uns die geistliche Berufung zu erklären. Es ist wie das Fangen von Fischen, nur sollen diese Männer von nun an Menschenseelen „fangen“, also für Christus gewinnen.
Die Gerufenen verstehen, welche große Berufung sie erhalten, denn sie lassen sofort alles stehen und liegen (sogar den eigenen Vater Zebedäus), um Jesus nachzufolgen. Es heißt hier im Griechischen εὐθύς euthys, was „sofort“ heißt. Sie zögern nicht. Jesus ruft sie und sagt „kommt und folgt mir nach“. Bis heute beruft er Menschen mit diesen Worten. Er möchte bis heute Menschenfischer für sein Reich haben, denn die „Arbeit“ ist nie abgeschlossen. Das meint zu allererst besondere Einzelpersonen wie Petrus usw. Wir sprechen hier von geistlicher Berufung, in besonderer Weise das übliche Leben zurückzulassen, sogar die biologische Familie zu verlassen, um einer größeren Berufung nachzugehen. Es meint in erster Linie diejenigen, die sich für das Weltpriestertum oder für ein Ordensleben entscheiden.
Darüber hinaus ruft Gott jeden einzelnen Menschen bei seinem Namen. Er ruft nach uns, damit wir zu ihm kommen und ihn zurücklieben, ihn, der uns zuerst geliebt hat. Jeder Mensch, ob er will oder nicht, wird von Gott angezogen und ersehnt ihn in der Tiefe seines Herzens, weil er Abbild Gottes ist. Diese Sehnsucht treibt ihn so lange, bis er das ewige Heil in Christus gefunden hat und sich taufen lässt. Der Geist, das lebendige Wasser, führt die Menschen zu Jesus. Und auch uns ruft der Herr mitten ins Leben hinein, damit wir uns im Hier und Jetzt ändern.

Werden wir zu Werkzeugen Gottes, zu Leuchtern, die das Licht Gottes tragen, denn wir sind gesalbt – durch die Taufe und durch die Firmung! Nicht nur die Geweihten haben die Aufgabe, Menschenfischer zu sein, sondern jeder Getaufte. Tun wir alles, was in unserer Macht steht, um die Gemeinschaft mit Gott zu haben. Dann werden auch wir Früchte bringen für Gott. Es wird immer nur unvollkommen sein, weil wir Menschen Sünder sind. Aber mit der helfenden Gnade Gottes können auch wir Frucht bringen. Halten wir uns ganz an Christus, der das Licht ist, und helfen wir anderen Menschen, die in der Finsternis wohnen. Jeder hat das Licht verdient und ist dazu berufen, im Licht zu wohnen. Führen wir alle weiter, was Jesus begonnen hat, die Verkündigung seines Evangeliums! Ob wir geweihte Priester sind oder ungebildete Laien – jeder kann auf seine Weise zum Reich Gottes beitragen. Wichtig ist, dass Christus dabei die Mitte bleibt. Es soll immer nur um ihn gehen und nie um die eigene Person. So bleibt die Kraft des Kreuzes immer bestehen.

Ihre Magstrauss

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