Freitag der 17. Woche im Jahreskreis

Jer 26,1-9; Ps 69,5.8-9.10 u. 13.14; Mt 13,54-58

Jer 26
1 Im Anfang der Regierung Jojakims, des Sohnes Joschijas, des Königs von Juda, erging vom HERRN dieses Wort:

2 So spricht der HERR: Stell dich in den Vorhof des Hauses des HERRN und sag zu den Leuten, die aus allen Städten Judas kommen, um sich im Haus des HERRN niederzuwerfen, alles, was ich dir ihnen zu verkünden aufgetragen habe; kein Wort sollst du weglassen.
3 Vielleicht hören sie und kehren um, jeder von seinem bösen Weg, sodass mich das Unheil reut, das ich ihnen wegen der Bosheit ihrer Taten zugedacht habe.
4 Sag also zu ihnen: So spricht der HERR: Wenn ihr nicht auf mein Wort hört und meiner Weisung nicht folgt, die ich euch gegeben habe,
5 wenn ihr nicht auf die Worte meiner Knechte, der Propheten, hört, die ich zu euch sende, unermüdlich sende, obwohl ihr nicht hört,
6 dann verfahre ich mit diesem Haus wie mit Schilo und mache diese Stadt zu einem Fluch bei allen Völkern der Erde.
7 Die Priester, die Propheten und das ganze Volk hörten, wie Jeremia diese Worte vor dem Haus des HERRN vortrug.
8 Als Jeremia alles gesagt hatte, was er im Auftrag des HERRN vor dem ganzen Volk zu verkünden hatte, ergriffen ihn die Priester, die Propheten und alles Volk und schrien: Du musst sterben!
9 Warum prophezeist du im Namen des HERRN: Wie Schilo wird es diesem Haus gehen und diese Stadt wird verwüstet und entvölkert werden? Das ganze Volk rottete sich beim Haus des HERRN um Jeremia zusammen.

In der Lesung hören wir wieder einen Ausschnitt aus dem Propheten Jeremia. Mittlerweile geht es um ein Gotteswort, das zur Zeit des Königs Jojakim an den Propheten ergeht. Dieser König, der Propheten hinrichten ließ und grundsätzlich wenig auf die Worte des Herrn hörte, wird am Ende seines Lebens den Einfall der Babylonier mit eigenen Augen sehen. Das wird einen großen Schock vor seinem Tod darstellen.
Jeremia soll die folgenden Worte Gottes vollständig den Pilgern wiedergeben, die zum Tempel kommen. Er soll sich dabei in den Vorhof stellen. Es ist eine der letzten Umkehrchancen, bevor die Babylonier Juda belagern werden.
Er soll verkünden: „Wenn ihr nicht auf mein Wort hört und meiner Weisung nicht folgt, die ich euch gegeben habe“ – mit der Weisung ist die Torah gemeint. Wenn die Israeliten, die ja in einer Bundesbeziehung mit Gott stehen, ihre Aufgabe nicht erfüllen, ihr Versprechen nicht halten, wird etwas Schlimmes passieren.
„Wenn ihr nicht auf die Worte meiner Knechte, der Propheten, hört, die ich zu euch sende, unermüdlich sende, obwohl ihr nicht hört“ – Gott hat seinen Willen klar und deutlich benannt und seine auserwählten Werkzeuge sind stets auf Widerstand gestoßen. Ja, sie wurden sogar umgebracht dafür, dass sie den heiligen Willen Gottes den Menschen vermittelt haben.
Wenn sie auch jetzt kurz vor zwölf nicht auf ihn hören, wird Gott verfahren „wie mit Schilo“ und Jerusalem „zu einem Fluch bei allen Völkern der Erde“ machen. Das heißt, dass die anderen Völker nicht mehr gut und voller Bewunderung über Juda sprechen werden. Es wird zur Schande, weil sich ihr Gott als scheinbar ohnmächtig gegenüber den feindlichen Mächten erwiesen hat. Was aber ist mit Schilo passiert? Die Stadt ist 1050 v. Chr. von den Philistern zerstört worden. Auch dies war die Konsequenz des Ungehorsams gegenüber Gott.
Jeremia sprach diese Worte laut und deutlich, vollständig und mit Nachdruck. Alle Anwesenden konnten es hören. Doch anstatt sich die Worte zu Herzen zu nehmen, betroffen zu sein, das Bußgewand anzulegen und zu sühnen wie die Bewohner von Ninive, ergreifen die Menschen den Propheten, um ihn umzubringen. Sie hören überhaupt nicht auf ihn, sondern wollen ihn mundtot machen. Was sie eigentlich möchten, ist ihr Gewissen zum Schweigen zu bringen. Das meldet sich bei Jeremias Worten. Doch sie möchten sich nicht ändern und so muss er beseitigt werden.
Sie empören sich vor allem darüber, dass er sagte, dass Gott mit der Stadt so verfahren werde wie mit Schilo. Wir hören heute nicht, wie es ausgeht, aber liest man das 26. Kapitel weiter, erfährt man, dass er zunächst vor dem Tod bewahrt wird. Es ist so, wie Gott es ihm immer wieder verheißt: Sie zwingen dich in die Knie, aber sie werden dich nicht beseitigen. Denn ich bin mit dir, um dir zu helfen.

Ps 69
5 Zahlreicher als auf meinem Kopf die Haare sind die, die mich grundlos hassen. Mächtig sind, die mich verderben, meine verlogenen Feinde. Was ich nicht geraubt, das soll ich erstatten.
8 Denn deinetwegen erleide ich Hohn und Schande bedeckt mein Angesicht.
9 Entfremdet bin ich meinen Brüdern, den Söhnen meiner Mutter wurde ich fremd.
10 Denn der Eifer für dein Haus hat mich verzehrt, die Verhöhnungen derer, die dich verhöhnen, sind auf mich gefallen.
13 Es reden über mich, die am Stadttor sitzen, Spottlieder singen die Zecher beim Wein.

14 Ich aber komme zu dir mit meinem Bittgebet, HERR, zur Zeit der Gnade. Gott, in deiner großen Huld erhöre mich, mit deiner rettenden Treue!

Als Psalm wird heute ein Klagepsalm gebetet, in dem zunächst das Leiden detailliert geklagt wird. Dann kommen mehrere Bittrufe, die in unserem heutigen Abschnitt nicht zu lesen sind außer ganz am Ende.
„Zahlreicher als auf meinem Kopf die Haare sind die, die mich grundlos hassen.“ Der einzige Grund, den wir für das Hassen der Knechte Gottes nennen können – der gerechten Könige wie König David hier im Klagepsalm sowie der Propheten, die Gottes Willen verkünden – ist die Weigerung der Menschen, Gottes Wort anzunehmen. Jeremia hat den Menschen in Jerusalem ja z.B. gar nichts Unrechtes getan und doch hassen sie ihn – weil sie Gott hassen. Das ist ein wichtiger Gedanke, den wir auch heute beherzigen müssen. Wenn uns die Welt hasst, liegt es nicht an uns, sondern daran, dass sie zuerst Gott gehasst hat. Jesus wird genau dies zu seinen Jüngern sagen. Die Welt hat zuerst ihn gehasst, deshalb werden alle, die in seinem Namen auftreten, auch gehasst werden. Es geht ja um denselben Geist, um dieselbe Sache, für die man einsteht. Der eigentliche Kampf ist ein geistiger Kampf zwischen Gott und seinem Widersacher. Was zwischen Jeremia und seinen Mitmenschen geschieht, was zwischen Saul und David geschieht, das sind alles nur die Spitzen des Eisbergs.
Die Feinde sind mächtig – aber nur so mächtig, wie Gott es zulässt. Er gewährt ihnen einen gewissen Spielraum, aber wo dieser an seine Grenzen gerät, ist es ganz schnell vorbei mit diesen feindlichen Mächten.
„Denn deinetwegen erleide ich Hohn und Schande bedeckt mein Angesicht.“ Jesus ist dafür ausgeliefert und elendig getötet worden, dass er den Menschen gezeigt hat, wie der Vater ist. Er hat das Reich Gottes verkündigt mit göttlicher Vollmacht. Dafür ist er so schandvoll wie nur möglich gestorben. Schon die Propheten zuvor mussten dafür in den Tod gehen. Wie gesagt – der Mensch, der Gott ablehnt, lehnt auch dessen Knechte ab.
„Entfremdet bin ich meinen Brüdern, den Söhnen meiner Mutter wurde ich fremd.“ Wir wissen von den Evangelien her, dass Jesu Großfamilie ihn von der Verkündigung abhalten wollte und sogar sagte: „Er ist von Sinnen.“ Seine biologischen Verwandten haben ihn nicht verstanden. Vielmehr hat Jesus gesagt, dass jene, die den Willen seines Vaters tun, seine wahre Familie sind. Maria, seine biologische Mutter, war die allererste Jüngerin und so lag der Idealfall vor: Biologie und geistige Gesinnung waren eins! Doch wie sehr muss Jesus gelitten haben wegen derer, die so eine große Gnade erhalten haben, mit dem Fleisch gewordenen Wort Gottes verwandt zu sein! Sie haben die Zeit Gnade nicht erkannt.
„Denn der Eifer für dein Haus hat mich verzehrt, die Verhöhnungen derer, die dich verhöhnen, sind auf mich gefallen.“ Das ist ein besonderer Vers, denn dies zitiert Johannes für Jesu Tempelreinigung. Es hat sich mit Jesus erfüllt. Aus Eifer für das Haus Gottes hat er die Händler aus dem Tempel vertrieben, die es zur Räuberhöhle gemacht haben. Dieser Eifer ist uns schon durch die Episode verdeutlicht worden, in der Jesus als Zwölfjähriger im Tempel zurückbleibt und mit den Ältesten und Schriftgelehrten debattiert. Als seine Eltern ihn voller Sorge im Tempel wiederfinden und ihn auf diese Aktion ansprechen, antwortet er ihnen: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ Der Eifer für das Haus Gottes ist nicht nur auf einen irdischen Bau beschränkt. Vielmehr geht es ihm schließlich um das Reich Gottes, um das Himmelreich, dass des Vaters eigentliches Haus ist! Und für eben jene Botschaft vom Reich Gottes ist er verhöhnt worden. Damit haben die Spötter auch den Vater im Himmel verspottet, denn Jesus und der Vater sind eins.
„Es reden über mich, die am Stadttor sitzen, Spottlieder singen die Zecher beim Wein.“ Spott und Mangel an Respekt sind typische Verhaltensweisen derer, die sich über Gott erheben. Deshalb achten sie auch jene nicht, die für Gott einstehen. Jesus selbst ist so sehr verspottet worden, selbst noch am Kreuz. Sogar einer der Mitgekreuzigten macht sich über Jesus lustig, obwohl ihn dasselbe Schicksal ereilt.
König David kommt vertrauensvoll mit seinem Bittgebet zu Gott und formuliert deshalb in Vers 14: „Gott, in deiner großen Huld erhöre mich, mit deiner rettenden Treue!“ Gott ist treu. Das ist entscheidend. Er hat König David den Beistand zugesagt, er hat auch Jeremia seine Hilfe versprochen. Er lässt auch seinen einzigen Sohn nicht im Tod. Er ist auch uns gegenüber treu, die wir den Taufbund mit ihm schließen. Er rettet auch uns aus aller Not und am Ende unseres Lebens vor dem Verderben. Gott ist der Retter und der Treue. Das müssen wir uns immer vor Augen halten, vor allem in schweren Zeiten.

Mt 13
54 Jesus kam in seine Heimatstadt und lehrte die Menschen in ihrer Synagoge, sodass sie außer sich gerieten vor Staunen und sagten: Woher hat er diese Weisheit und die Machttaten?
55 Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria und sind nicht Jakobus, Josef, Simon und Judas seine Brüder? 56 Leben nicht auch alle seine Schwestern unter uns? Woher also hat er das alles?
57 Und sie nahmen Anstoß an ihm. Da sagte Jesus zu ihnen: Nirgends ist ein Prophet ohne Ansehen außer in seiner Heimat und in seiner Familie. 58 Und er wirkte dort nicht viele Machttaten wegen ihres Unglaubens.

Heute hören wir im Evangelium einen Grundsatz, den wir selbst gut nachvollziehen können: „Ein Prophet wird in seiner Heimat nicht anerkannt.“
Jesus und seine Jünger kommen nach Nazaret, das Jesu Heimatstadt darstellt. Am Sabbat lehrt er in der Synagoge und die Anwesenden wundern sich sehr über seine Weisheit und die Wunder („Machttaten“). Dieses Staunen ist aber kein positives oder konstruktives, das eine Dankbarkeit über Gott nach sich zieht. Es ist vielmehr ein sich Wundern, das die Weigerung nach sich zieht, Gottes Gnade in einem ihnen von früher bekannten Menschen anzuerkennen. Menschen haben die Eigenart, andere abzustempeln und nicht für möglich zu halten, dass diese Abgestempelten sich ändern können. Jesus hat längst den Stempel „Sohn des Zimmermanns“ aufgedrückt bekommen. Dass er Rabbi und Wundertäter, ja sogar Sohn Gottes sein könnte, lassen sie nicht zu. Sie öffnen sich nicht für das Wirken des Hl. Geistes. Dieser wirkt nur dort, wo Menschen ihn zulassen. Diese Menschen nehmen aber Anstoß an Jesus, da sie ihn von klein auf kennen. Seine ganze Verwandtschaft wohnt in Nazaret. Die gesamte Großfamilie hat ein festes Image vor den Bewohnern Nazarets, aus dem sie nicht herausbrechen kann. Die hier namentlich aufgeführten „Brüder“ Jesu, sind nicht seine direkten Brüder, also weitere Kinder der Maria. Sie sind vielmehr seine Cousins, mindestens zweiten Grades, da an anderer Stelle als Eltern eine andere Maria und Kleopas genannt werden (Mk 15,47 die Mutter, Joh 19,25 wird sie als Frau des Kleopas bezeichnet). Maria wird keine Schwester mit demselben Namen gehabt haben. Keiner benennt seine beiden Töchter gleich.
Jesus kann kaum Heilungen vollbringen, weil die Menschen sich ihm verschließen. Gott zwingt niemandem eine Heilung auf. Wo wir ihm das Herz öffnen, da verwandelt er es, als Bonus auch mal den Körper. Aber wenn das Herz verhärtet ist (Herz ist hier natürlich sinnbildlich gemeint, eigentlich ist es die Seele), dann hält er sich zurück.
Jesus wundert sich über ihren Unglauben. Er kann nicht verstehen, warum sie sich ihm verschließen. Gerade sie sehen am besten den „Vorher-Nachher-Effekt“. Sie sollten die Gnade Gottes am besten anerkennen, da sie Jesus ja gesamtbiographisch bezeugen können. Aber so ist der Mensch, der sich von einem anderen ein festes Bild macht. Dieses Bild will er von Gott nicht übermalen lassen. Er hat ein anderes Menschenbild als Gott. Im Gegensatz zu Gott, der uns Menschen als weiche Tonmasse sieht, die er nach seinem Bild formt, sieht der Mensch den Menschen als Siegelmasse, die mit einem Stempeldruck ihre endgültige Prägung erhält. Oder der Mensch sieht den Menschen als Stein, der ein Relief eingemeißelt bekommt und dieses lässt sich nicht mehr verändern. Und so werden die Nazarener selbst zu Felsen, die sich weigern, von Gott umgemeißelt zu werden.

Der Kreis schließt sich. Der Mensch weigert sich, Gottes Gnade anzuerkennen oder sich von ihm verändern zu lassen. Wer aber so versteinert ist, mit dem kann Gott nicht arbeiten und wenn es zu spät ist, wird diese steinerne Masse weggeworfen. Dann verfährt Gott mit solchen Menschen wie in Schilo. Dann lässt er zu, dass die Babylonier in Juda einfallen und den Tempel zerstören. Dann lässt er zu, dass viele Jahrhunderte später sich das Ganze wiederholen wird, aber noch viel schlimmer, als die Römer Jerusalem und den Tempel für immer zerstören. Kehren wir also um und beherzigen die Worte, die Jeremia auch an uns Menschen von heute richtet. Gott möchte, dass wir ihm unser Herz wirklich ganz schenken, weil wir das im Bund der Taufe versprochen haben.

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 17. Woche im Jahreskreis

Jer 18,1-6; Ps 146,2-3.4-5-6 u. 10; Mt 13,47-52

Jer 18
1 Das Wort, das vom HERRN an Jeremia erging:

2 Mach dich auf und geh zum Haus des Töpfers hinab! Dort will ich dir meine Worte mitteilen.
3 So ging ich zum Haus des Töpfers hinab und siehe, er arbeitete gerade mit der Töpferscheibe.
4 Missriet das Gefäß, das er aus Ton machte, in der Hand des Töpfers, so machte der Töpfer daraus wieder ein anderes Gefäß, ganz wie es ihm gefiel.
5 Da erging an mich das Wort des HERRN:
6 Kann ich nicht mit euch verfahren wie dieser Töpfer, Haus Israel? – Spruch des HERRN. Siehe, wie der Ton in der Hand des Töpfers, so seid ihr in meiner Hand, Haus Israel.

Heute hören wir ein Gotteswort an Jeremia, das wieder mit einer prophetischen Zeichenhandlung gekoppelt ist. Jeremia soll zum örtlichen Töpfer gehen. Dort beobachtet der Prophet die Arbeit des Töpfers. Er formt ein Gefäß auf der Töpferscheibe. Wenn das Gefäß ihm misslingt, formt er es einfach um, bis es ihm gefällt. Nachdem Jeremia genau diese Situation beobachtet hat, gibt Gott ihm ein: „Kann ich nicht mit euch verfahren wie dieser Töpfer, Haus Israel?“ Gott ist wirklich der Töpfer, der seine geliebten Kinder formt. Sie sind sein Ton: „Siehe, wie der Ton in der Hand des Töpfers, so seid ihr in meiner Hand, Haus Israel.“ Gott ist der Schöpfer und er überlässt seine Schöpfung nicht der Willkür. Er erhält sie und leitet sie. Er führt sie nach seinem Willen und seiner Vorsehung. Gott stellt die Frage „Kann ich nicht mit euch verfahren?“ deshalb, weil Israel hart ist, verstockt und stur. Er möchte es formen, doch das Volk macht sich zu steinharter Masse, die sich nicht formen lässt. Und was mit so einem Ton passiert, kann man sich denken. Der Töpfer kann es nicht mehr gebrauchen und wirft es weg. Gott ist aber ein so barmherziger Töpfer, der die Masse auf verschiedenste Weise wieder formbar zu machen versucht. Er gießt Wasser nach, versucht sie zu verdünnen, knetet und knetet immer fester. Doch irgendwann wird es zu spät sein.
Dabei gibt es keinen Grund, sich zu verhärten. Gott ist der beste Töpfer, den es gibt. Keiner kann so wunderbare Gefäße formen wie er. Warum also sollte die Masse sich davor sträuben, von ihm geformt zu werden? Doch so ist Israel. Jeremia wird dieses Bild gezeigt, um die Absurdität des Widerstands Israels aufzuzeigen.
Es ist auch ein Bild für uns heute. Warum sträuben wir uns vor dem Willen Gottes? Seine wunderbare Vorsehung hält nur das beste für uns bereit. Lassen wir uns formen und staunen wir, was Gott aus uns machen kann, wenn wir ihn nur lassen! Und je geschmeidiger wir sind, desto weniger tut es weh, wenn er mit Kraft zu formen beginnt. Denn dann muss er weniger Druck ausüben. Lassen wir den Töpfer an uns arbeiten, damit am Ende ein wunderbares Gefäß herauskommt!

Ps 146
2 Ich will den HERRN loben in meinem Leben, meinem Gott singen und spielen, solange ich da bin.

3 Vertraut nicht auf Fürsten, nicht auf den Menschen, durch den es keine Rettung gibt!
4 Schwindet sein Lebensgeist, kehrt er zurück zur Erde, an jenem Tag sind seine Pläne zunichte.
5 Selig, wer den Gott Jakobs als Hilfe hat, wer seine Hoffnung auf den HERRN, seinen Gott, setzt.
6 Er ist es, der Himmel und Erde erschafft, das Meer und alles, was in ihm ist. Er hält die Treue auf ewig.
10 Der HERR ist König auf ewig, dein Gott, Zion, durch alle Geschlechter. Halleluja!

Mit Psalm 146 beginnt im Psalter das kleine Hallel bzw. das Schluss-Hallel. Es handelt sich dabei um eine Gruppe von Psalmen, die einen lobpreisenden Abschluss des ganzen Buches darstellen. Sie sind durchzogen vom Hallelujaruf, was uns auch hier in Ps 146 auffällt.
„Ich will den HERRN loben in meinem Leben“ ist ein klassischer Psalmenbeginn. Die Selbstaufforderung zum Lob begegnet uns in etlichen Psalmen. Es ist wie ein Gelübde und Versprechen, Gott das ganze Leben hindurch zu loben, ihm zu singen und zu spielen. Das ist ein Leben in eschatologischer Gesinnung, denn dieser stete Lobpreis ist ja, was der Mensch im Himmelreich ewig tun wird. Dies möchte der Psalmenbeter bereits in diesem irdischen Dasein tun.
„Vertraut nicht auf Fürsten, nicht auf den Menschen, durch den es keine Rettung gibt!“ Gott ist der Fels, auf dem wir unser Haus bauen dürfen, damit es den Stürmen des Lebens standhält. Jesus greift nicht umsonst dieses Gleichnis auf, wenn er vom Hören auf das Wort Gottes spricht. Wenn man dagegen auf Menschen die ganze Hoffnung setzt, wird man früher oder später enttäuscht werden. Menschen sind nicht perfekt und so kann man von ihnen nichts erwarten, was nur Gott erfüllen kann. Auf Fürsten zu vertrauen, bedeutet also, aus Sand zu bauen. Sobald ein Sturm oder Regenguss kommt, bricht das Haus in sich zusammen.
Schon allein deshalb kann man auf Menschen nicht die ganze Hoffnung setzen, weil sie nicht ewig leben. Im Falle von Fürsten geht es z.B. um die die politische Lage eines Reiches. Ewige Sicherheit und Frieden sind schon allein deshalb nicht gewährleistet, weil der Fürst irgendwann stirbt und ein anderer an die Macht kommt, von dem man nicht weiß, ob er das Volk beschützen wird.
Besser ist es, nicht auf politische Figuren zu setzen, sondern auf „den Gott Jakobs“. Er ist die Hilfe, weil er der Schöpfer des Himmels und der Erde ist, er hat alles gemacht und kennt seine Schöpfung bis in den letzten und hintersten Winkel. Er ist vor allem ewig und hält seine Versprechen. Gott ist treu und so wird man von ihm nicht enttäuscht. Er ist die wahre Zuflucht, denn er steht über politischen Verhältnissen, über den Menschen, über den Mächtigsten der Welt. Und er ist König, der wahre Herrscher. Auch ihn kann man sich wirklich ewig verlassen, „durch alle Geschlechter.“
Auch im Psalm geht es heute um Gottvertrauen, das den Menschen nie enttäuschen wird. Während der Jeremiatext vor allem auf Gottes Schöpfertätigkeit hinweist, wird hier im Psalm seine Königsherrschaft betont. In beiden Fällen geht es darum, ganz auf Gott zu setzen. Er schenkt Heil.

Mt 13
47 Wiederum ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Netz, das ins Meer ausgeworfen wurde und in dem sich Fische aller Art fingen.
48 Als es voll war, zogen es die Fischer ans Ufer; sie setzten sich, sammelten die guten Fische in Körbe, die schlechten aber warfen sie weg.
49 So wird es auch bei dem Ende der Welt sein: Die Engel werden kommen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern
50 und sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.
51 Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten ihm: Ja.

52 Da sagte er zu ihnen: Deswegen gleicht jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt.

Heute hören wir im Evangelium einen Ausschnitt, den wir bereits am Sonntag gehört haben. Direkt davor greift Jesus zwei Gleichnisse auf, die die Kostbarkeit des Reiches Gottes thematisieren. Nach diesen beiden Gleichnissen bringt Jesus ein endzeitliches Bild an, das für seine Apostel von besonderer Wichtigkeit ist: Wenn Fischer Netze ins Meer werfen und damit Fische fangen, ziehen sie die Beute ans Ufer und sortieren aus. Das greift Jesus ja bereits auf, als er aus den Berufsfischern Menschenfischer machen möchte. Sie sollen keine Fische mehr, sondern Menschen fangen – für das Reich Gottes. Nun wird das Bild eschatologisch ausgelegt, also auf die Endzeit bezogen, wie Jesus selbst deutet: Die Engel, die schon letzte Woche als eschatologische Helfer herangezogen werden (sie helfen dem Menschensohn bei der Sammlung aller Menschen zum Weltgericht), werden hier zu den Fischern, die die gefangenen Menschen aussortieren. Die guten Menschen, also jene, die die Gebote Gottes gehalten haben, werden in die Körbe getan, das heißt ins Himmelreich. Die schlechten Menschen, die also in der Sünde verharrten trotz unzähliger Umkehrchancen, werden weggeworfen, „in den Feuerofen (…) Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.“ Das ist deutliche Höllensprache. Der Mensch, der sich diese Ewigkeit ausgesucht hat, wird von Gott für immer abgeschnitten sein.
Jesus fragt, ob sie es alle verstanden haben. Die Jünger bejahen es. Jesus möchte wirklich, dass seine Jünger das gut begreifen, damit sie diesen Vorgang in der Zwischenzeit gut vorbereiten. Sie sollen so viele Menschen wie möglich zunächst einmal fangen, ihre Netze auswerfen und das Wort Gottes verbreiten, den steten Appell zur Umkehr in die Welt hinausrufen, bis die Endzeit kommt und dann die Ausbeute begutachtet wird.
Jesus greift zum Ende hin noch ein wichtiges Wort auf: Der Schriftgelehrte, der das Alte Testament also sehr gut kennt, der dann zum „Jünger des Himmelreiches“ geworden ist, gleicht einem Hausherrn, der alte und neue Schätze hervorholt. Beides sind Schätze und gehen zusammen. Es ist sogar etwas Fruchtbares, sowohl im Alten Testament studiert zu sein, was die Juden ihre Heilige Schrift nennen, und zugleich die neuen Schätze des Evangeliums Christi als kostbaren Schatz zu pflegen. Gerade das Matthäusevangelium ist so geschrieben, dass Altes und Neues miteinander verknüpft wird in einem Verheißung-Erfüllung-Schema. Beide Bünde werden in ihrem Zusammenhang betrachtet und die Heilsgeschichte Israels mit der des neuen Bundes in eine gemeinsame Heilsgeschichte gebracht. Juden und Heiden sitzen nun in einem gemeinsamen Boot. Sie verfolgen ein und denselben Schatz – das Reich Gottes.

Das endzeitliche Evangelium bestätigt die anderen Texte des heutigen Tages: Gott ist nicht nur der Schöpfer, der einen zu einem edlen Gefäß formen möchte, und König, der dem Menschen ewiges Heil und Frieden schenken möchte, sondern auch der absolut gerechte Richter, der den Willen des Menschen ernst nimmt und bis zum Moment des Gerichts alles daran setzt, den Menschen zur Umkehr zu bringen. Sein Gericht ist nie willkürlich, sondern absolut angemessen. Auf ihn können wir auch in seiner Richtertätigkeit vertrauen. Er wird ganz tief ins Herz schauen und niemanden zu streng oder zu lasch richten. Jeder wird das angemessen Urteil erhalten. Und auch dann wird Gott uns in seiner Liebe anschauen. Heute haben wir drei wichtige Wesenseigenschaften Gottes kennengelernt. Allen gemeinsam ist, dass Gott absolut verlässlich ist. Lassen wir uns fallen! Wir werden es nicht bereuen!

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 17. Woche im Jahreskreis

Jer 15,10.16-21; Ps 59,2-3.4-5a.10-11.17; Joh 11,19-27

Jer 15
10 Weh mir, meine Mutter, dass du mich geboren hast, einen Mann, der mit aller Welt in Zank und Streit liegt. Ich bin niemands Gläubiger und niemands Schuldner und doch fluchen mir alle.
16 Fanden sich Worte von dir, so verschlang ich sie; dein Wort wurde mir zum Glück und zur Freude meines Herzens; denn dein Name ist über mir ausgerufen, HERR, Gott der Heerscharen.
17 Nie saß ich im Kreis der Lustigen und nicht war ich fröhlich; unter der Macht deiner Hand sitze ich einsam; denn du hast mich mit Groll angefüllt.
18 Warum dauert mein Leiden ewig und ist meine Wunde so bösartig, dass sie nicht heilen will? Wahrlich, wie ein versiegender Bach bist du mir geworden, ein unzuverlässiges Wasser.
19 Darum – so spricht der HERR: Wenn du umkehrst, lasse ich dich umkehren und wieder vor mir stehen. Wenn du Edles hervorbringst und nicht Gemeines, darfst du wieder mein Mund sein. Jene werden umkehren zu dir, du aber kehre dich ihnen nicht zu!
20 Dann mache ich dich für dieses Volk zur bronzenen, festen Mauer. Mögen sie dich bekämpfen, sie werden dich nicht bezwingen; denn ich bin mit dir, um dir zu helfen und dich zu retten – Spruch des HERRN.
21 Ja, ich rette dich aus der Hand der Bösen, ich befreie dich aus der Faust der Tyrannen.

Heute ist der Gedenktag der Hl. Marta von Betanien. Sie ist die Schwester der Maria und des Lazarus und von ihr können wir viel lernen. Im Evangelium hören wir von ihrem starken Glauben. Doch zuerst hören wir in der ersten Lesung aus der zweiten Konfession Jeremias. Dabei handelt es sich um Texte des Propheten, in denen er seine Berufung als Unheilsprophet beklagt. Er hat eine ganz schön undankbare Aufgabe und wird dafür stets angefeindet. Jeremia neigt insgesamt zum Pessimismus. Wenn er auf Widerstände trifft, klagt er sehr drastisch und hat auch große Selbstzweifel Gott gegenüber geäußert, als dieser ihn berufen hat.
Jeremia ist sehr dramatisch, wenn er bereut, von seiner Mutter geboren worden zu sein. Denn wäre er nicht in die Welt gekommen, hätte die Welt einen Feind weniger, den unbeliebten Propheten, der stets das Gericht Gottes ankündigt. Den will keiner hören. Obwohl er kein Gläubiger oder Schuldner von Beruf ist, fluchen alle über ihn. Und doch tröstet und erfreut es den Propheten, wenn Gott mit ihm kommuniziert. Er ist sein einziger Halt in seinem Leben. Freude erfährt er nämlich nicht bei den Menschen. Er ist ein Außenseiter, weil er an der Feierlaune der Welt keinen Anteil hat. Er ist isoliert und voller Groll.
Er klagt über das Leiden, das er stets ertragen muss – allein wegen seiner unbeliebten Rolle als Unheilsprophet. Er beklagt sich bei Gott darüber, dass dieser ihm nie zuverlässig Heilung schenkt – gemeint ist, dass Gott ihn nicht „in Ruhe lässt“, sondern immer wieder in Konfrontationen mit der Welt schickt, sodass Jeremia mindestens beschimpft und verspottet wird. In dieser Hinsicht ist Gott „ein unzuverlässiges Wasser“. Jeremia weiß nie, wann Gott ihn wieder losschickt.
Gott hat Geduld mit seinem Propheten und an Jeremia erkennen wir, dass Gott nicht die Perfekten beruft. Der Pessimismus ist seine Schwäche und doch möchte Gott ihn weiterhin als sein Sprachrohr gebrauchen. Gott antwortet ihm auf seine Klagen und versichert ihm, dass er weiterhin seine Berufung leben darf, wenn er zu Gott umkehrt. Er soll von den Zweifeln und Klagen zu Gott umkehren und ihm wieder ganz vertrauen. Wenn Jeremia seinen Pessimismus und die zynische Haltung ablegt, darf er wieder Sprachrohr sein. Dann wird seine Verkündigung bei den Menschen eine Wirkung zeigen, er aber soll sich nicht der Welt zuwenden. Er soll nicht weltlich werden und dieser Versuchung erliegen.
Gott spricht dem Propheten seinen Beistand zu. Er wird ihn zur „bronzenen, festen Mauer“ machen, die auch durch die Angriffe der Mitmenschen nicht einstürzen wird. Auch wenn er ab und zu getroffen werden sollte, wird Gott nicht zulassen, dass sie ihn zerstören. Er steht ihm bei. So ist es mit Gott: Wenn wir eine schwere Aufgabe von ihm bekommen und unter der Ablehnung der Welt zu leiden haben, nimmt er uns das Leiden nicht, sondern verleiht uns Kraft, es zu ertragen. Er trägt uns hindurch und beschenkt uns zugleich mit seinen reichen Gnaden.
Und Jeremia muss keine Angst haben. Gott rettet ihn aus der Hand des Bösen. Gott redet dem Propheten gut zu, damit er nicht verzweifelt und an seinem Pessimismus zugrunde geht. Es ist wirklich deutlich, dass in der gesamten Hl. Schrift Gott auf die ganz unterschiedlichen Menschen eingeht und sie ihren Schwächen nicht überlässt. Ich denke z.B. an den barmherzigen Vater, der nicht nur für seinen verlorenen Sohn ein Fest veranstaltet, sondern auch herauskommt und sich seines älteren Sohnes annimmt. Ich denke an Jesus, der auf den zweifelnden Thomas eingeht und ihm die Wunden zeigt. Gott möchte alle Menschen in sein Herz schließen und geht dabei mit ganz viel Fingerspitzengefühl vor.

Ps 59
2 Entreiß mich meinen Feinden, mein Gott, beschütze mich vor meinen Gegnern!
3 Entreiß mich denen, die Unrecht tun, vor blutgierigen Männern rette mich!
4 Denn siehe: Sie lauerten mir auf, Mächtige greifen mich an. An mir, HERR, ist kein Frevel und keine Sünde.
5 Ich bin ohne Schuld.
10 Meine Stärke, an dich will ich mich halten, denn Gott ist meine schützende Burg.
11 Mein huldreicher Gott kommt mir entgegen; Gott lässt mich herabsehen auf meine Gegner.
17 Ich aber will deine Stärke besingen, über deine Huld jubeln am Morgen, denn du wurdest mir zur schützenden Burg, eine Zuflucht am Tag meiner Bedrängnis.

Als Antwort auf die Konfession Jeremias beten wir einen Klagepsalm Davids. Er ist durchzogen von Bitten und Klagen gegen den Feind. In dieser Hinsicht ist es zu vergleichen mit Jeremias Beschwerden.
„Entreiß mich meinen Feinden, mein Gott, beschütze mich vor meinen Gegnern!“ David hat viele Kriege geführt und musste von jeder Himmelsrichtung her gegen die Feinde ankommen. Er hat immer wieder Anlass zu dieser Bitte gehabt. Und auch in der Klagesituation hält er an Gott fest und nennt ihn „mein Gott“. Er sucht seine Nähe und klammert sich ganz an ihn.
Das ist aber auch, was Jesus gebetet hat, als er ständig vom Teufel versucht worden ist, damit er die Welt nicht erlöse. Und so wie er vertrauensvoll gebetet hat, so hat er auch uns gelehrt: „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“ Und immer wieder ergeht an uns der Ruf: „Bete, wenn du in Versuchung geführt wirst!“ Jesus hat die Hl. Schrift zitiert. Das ist ein guter Weg, gegen die Versuchungen des Bösen anzukommen. Diese Kriege stellen den eigentlichen Kampf des Menschen dar. Und als Jesus die größte Versuchung erfährt – nämlich die Gottverlassenheit am Kreuz -, da ruft auch er „mein Gott, mein Gott“. So wie David hält er in der Situation absoluter Dunkelheit an seinem Vater fest und sucht seine Nähe. Er bleibt mit ihm im „Gespräch“, anstatt die Beziehung zu ihm aufzugeben.
„Entreiß mich denen, die Unrecht tun, vor blutgierigen Männern rette mich!“ Das ist eine deutliche Bitte des Königs und Feldherrn David gegen den Blutrausch seiner Feinde. Gott soll diese abwehren, denn sie wollen Gottes auserwähltes Volk angreifen. Es ist aber auch an die Momente aus dem Leben Davids zu denken, in denen König Saul ihm nach dem Leben trachtete oder sein eigener Sohn Abschalom ihn umbringen wollte.
„Denn siehe: Sie lauerten mir auf, Mächtige greifen mich an.“ Auch dies deutet auf die hinterhältigen Tötungsabsichten Sauls und Abschaloms hin. David stellt Gott gegenüber aber klar, dass ihn keine Schuld trifft und sie ihn trotz seiner Unschuld umbringen wollen.
Gott ist seine Stärke, die er trotz eigener Notsituation besingen möchte. Ab Vers 17 bemerken wir den für Klagepsalmen typischen Stimmungsumschwung. David kann „jubeln am Morgen“, denn Gott wurde ihm „zur schützenden Burg, eine Zuflucht“. Gott lässt seinen geliebten König nicht im Stich, sondern hilft ihm in jeder Schlacht, den Krieg zu gewinnen. Er lässt ihn auch am Leben, als er von Saul und Abschalom verfolgt wird. Am Ende überlebt er alles und kommt davon. Gott hat mit ihm noch einiges vor und darin ist David Jeremia sehr ähnlich. So wie dieser muss David Verfolgung und Bedrängnis erleiden, doch Gott lässt nicht zu, dass beide getötet werden. Sie sind seine wunderbaren Werkzeuge und Gott möchte durch sie das Heil in der Welt bewirken.

Joh 11
19 Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten.
20 Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus sitzen.
21 Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.
22 Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.
23 Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.
24 Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Jüngsten Tag.
25 Jesus sagte zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,
26 und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?
27 Marta sagte zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

Weil heute der Gedenktag der Hl. Marta ist, hören wir einen Ausschnitt aus der Episode der Auferweckung des Lazarus. Als Jesus mit seinen Jüngern unterwegs nach Betanien ist, kommt Marta ihm entgegen, während Maria im Haus bleibt. Die beiden Frauen trauern sehr um ihren Bruder, der an einer Krankheit verstorben ist. Sie sind zunächst beide im Haus, wo viele Menschen zu ihnen kommen und sie trösten. Als Marta von Jesu Kommen hört, ist sie sofort unterwegs zu ihm. Das ist bezeichnend, denn Marta ist der aktive Part der Familie. Sie ist voller Tatendrang und führt viele Liebestaten aus. Aus dem Lukasevangelium ist uns ja die Episode überliefert, in der Marta Jesus bewirtet und Maria seinen Worten lauscht. Marta ist wirklich eine Frau der Tat! Maria dagegen ist der kontemplative Part der Familie, die Ruhende und Hörende, die sich auf Jesus einlässt und gut in sich gehen kann. Deshalb verwundert es auch nicht, dass Maria im Haus zurückbleibt. Und auch wenn Jesus den beiden Schwestern im Lukasevangelium erklärt, dass Maria den besseren Teil ausgewählt hat, als sie ihrer Schwester nicht geholfen hat, können die Schwestern ihren Charakter bzw. ihr Charisma nicht einfach verändern. Es wird ein wenig immer so bleiben, auch wenn Marta sich mehr um Kontemplation bemüht haben wird.
Warum aber geht Marta Jesus entgegen? Sie tut es nicht nur, weil sie ihn so ersehnt und so schnell wie möglich bei ihm sein möchte. Womöglich tut sie es, um Jesus nicht bis zum Haus kommen zu lassen, in dem Lazarus gestorben ist und wo deshalb für sieben Tage kultische Unreinheit herrscht. Vielleicht möchte sie nicht, dass Jesus danach isoliert sein muss. Andererseits: Sie selbst ist ja auch kultisch verunreinigt und dürfte somit gar nicht auf ihn zugehen. Also bezeugt sie durch dieses Verhalten vielmehr ihren starken Glauben, der stärker als die Furcht vor kultischer Unreinheit ist.
Sie ist voller Trauer und doch glaubt sie, dass Jesus vom Vater alles erbitten kann. Sie hadert nicht mit Jesus, auch wenn sie ihm sagt: „Wärst du hier gewesen, wäre er nicht gestorben.“ Ihr Gottvertrauen ist größer als ihre Trauer. Deshalb sagt sie: „Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.“
Jesus erklärt ihr, dass der Bruder nicht sterben wird. Sie versteht es so, dass Jesus die Auferstehung am letzten Tag meint. Jesus möchte aber sagen, dass es eine Auferstehung von den Toten auch schon vor dem Ende der Zeiten geben wird, nämlich eine Auferstehung der Seele, selbst beim Sterben des Leibes. Damit nimmt er vorweg, was uns allen geschenkt wird, wenn Jesus die ganze Welt erlöst. Er selbst ist die Auferstehung, weil mit seiner Person das ewige Leben dem Menschen ermöglicht wird, der an ihn glaubt.
In diesem Sinne verstehen wir es, wenn Jesus sagt, dass der Mensch leben wird, auch wenn er stirbt, ja sogar auf ewig nicht sterben wird. Dies bezieht sich dann auf das ewige Leben bei Gott, das wir zunächst seelisch haben bis zum Weltende, wo wir mit unseren Leibern wieder vereint werden.
Marta hat ihren geliebten Bruder verloren und doch vertraut sie auf den Herrn. Sie bekennt, dass Jesus der Messias ist. Das ist sehr erstaunlich, denn so ein Messiasbekenntnis ist sonst sehr selten überliefert. Wir wissen z.B. von Petrus, dass er Jesus als Messias offen bekennt. An diesem Gespräch zeigt sich uns, was für ein glaubensstarker Mensch Marta ist.

Marta, Jeremia, David. Alle drei befinden sich an der Schwelle des Todes und in einer akuten Leidenssituation. Wichtig ist, in ihren jeweiligen Lagen ganz auf Gott zu vertrauen und sich mit ganzer Kraft an ihn zu klammern. Jeremia hat sehr laut geklagt, doch trotzdem weiter gemacht. David hat kunstvoll geklagt und zugleich sehr vertrauensvoll gebetet. Marta nimmt kein Blatt vor den Mund und sagt: „Wärst du hier gewesen“ und zugleich vertraut sie Jesus, indem sie sagt: „Aber auch jetzt weiß ich“. Bitten wir die Hl. Marta um ihre Fürsprache, damit auch wir in unserem Leiden den Glauben an Gott nicht verlieren, sondern ganz auf sein Heil vertrauen.

Ihre Magstrauss

Dienstag der 17. Woche im Jahreskreis

Jer 14,17b-22; Ps 79,5 u. 8.9.11 u. 13; Mt 13,36-43

Jer 14
17 Meine Augen fließen über von Tränen bei Nacht und bei Tag und finden keine Ruhe. Denn einen großen Zusammenbruch erlitt die Jungfrau, die Tochter, mein Volk, eine unheilbare Wunde.
18 Gehe ich aufs Feld hinaus – siehe: vom Schwert Durchbohrte! Komme ich in die Stadt – siehe: vom Hunger Gequälte! Ja, auch Prophet und Priester ziehen in ein Land, das sie nicht kennen.

19 Hast du denn Juda ganz verworfen, wurde dir Zion zum Abscheu? Warum hast du uns so geschlagen, dass es für uns keine Heilung mehr gibt? Wir hofften auf Heil, doch kommt nichts Gutes, auf die Zeit der Heilung, doch siehe: nur Schrecken!
20 Wir erkennen, HERR, unser Unrecht, die Schuld unsrer Väter: Ja, wir haben gegen dich gesündigt.
21 Um deines Namens willen verschmäh nicht, verstoß nicht den Thron deiner Herrlichkeit! Gedenke! Brich nicht deinen Bund mit uns!
22 Gibt es etwa Regenspender unter den Götzen der Völker? Oder ist es der Himmel, der von selbst regnen lässt? Bist nicht du es, HERR, unser Gott? Wir setzen unsre Hoffnung auf dich; denn du hast dies alles gemacht.

Die Drastik der prophetischen Worte Jeremias nehmen von Tag zu Tag zu. So lesen wir heute eine Botschaft Gottes an Juda, die seine Reaktion auf die Klage des Volkes darstellt. Er lässt sich von ihren unaufrichtigen Worten nicht mehr beeindrucken. Auf die Nachfrage Jeremias nach den tröstlichen Worten der anderen Propheten hin stellt Gott klar: Sie reden den Menschen nach dem Mund, aber ich habe sie nicht beauftragt. Sie werden ihre Strafe für die falschen Prophetien erhalten. Vielmehr soll Jeremia dem Volk die Worte sagen, die wir heute hören:
„Meine Augen fließen über von Tränen“ sowie „keine Ruhe“ sind deutliche Zustände fern von Gottes Segen. Wo Gott ist, da ist Freude und da kommt das Herz des Menschen zur Ruhe. Doch hier ist das Gegenteil der Fall, „denn einen großen Zusammenbruch erlitt die Jungfrau, die Tochter, mein Volk, eine unheilbare Wunde.“ Jeremia soll also die traumatische Erfahrung Judas ankündigen, wenn Nebukadnezzar Jerusalem und den Tempel zerstören lässt und die Bewohner deportiert. Das ist eine so tiefe Wunde, dass nur noch Tränen fließen. Die Jungfrau und Tochter ist ein Bild für Israel bzw. in diesem Fall Juda.
Der Zeuge des Unheils wird auf dem Feld Erstochene sehen, die durch das Schwert umgekommen sind, und in der Stadt die Hungersnot bezeugen. Priester und Propheten, die den Übriggebliebenen Trost spenden könnten, sind deportiert worden.
Wer hier spricht? Es ist wie aus der Sicht des Jeremia oder eines anderen Propheten formuliert. Gott selbst wird eher nicht gemeint sein, denn dieser wird in Vers 19 direkt angesprochen: „Hast du denn Juda ganz verworfen, wurde die Zion zum Abscheu?“ Die Klage wird groß sein und wie bis heute die Frage nach dem Warum gestellt: „Warum hast du uns so geschlagen, dass es für uns keine Heilung mehr gibt? Wir hofften auf Heil, doch kommt nichts Gutes, auf die Zeit der Heilung, doch siehe: nur Schrecken!“ Die Frage ist rhetorisch gemeint, weil im nächsten Vers die eigene Sündenschuld klar benannt wird. Die Frage dient der Reflexion, insbesonderer durch uns, die wir diese Episode hören und lesen: Warum ist das passiert? Wir haben die letzten Tage und Wochen immer wieder davon gehört, dass Gott Propheten mit Warnungen und Umkehrrufen zu seinem Volk geschickt hat. Er hat immer wieder Gerichtsankündigungen übermittelt, eine Strafe, die sehr drastisch und schmerzhaft sein wird, wenn sie nicht sofort umkehren. Doch irgendwann ist es zu spät und wer nicht hören will, muss fühlen. Gott ist kein Sadist, sonst hätte er sein Volk einfach ins offene Messer laufen lassen. Er wollte nicht, dass das passiert, aber das Herz Judas war so weit weg von ihm, verstrickt in tiefsten Götzendienst, dass ihm nichts anderes übrig blieb.
Und wenn das alles dann so gekommen ist und die Klage laut ist, werden die Bewohner Judas sagen: „Wir erkennen, HERR, unser Unrecht, die Schuld unsrer Väter: Ja, wir haben gegen dich gesündigt.“ Dann werden sie ihre Sünden laut bekennen und Gott um Vergebung bitten. Wie sehr werden sie sich gewünscht haben, die Zeit zurückdrehen zu können, um damals schon auf die Warnrufe der Propheten zu hören! Doch der Schaden ist dann entstanden. So werden sie dann inmitten ihrer Trümmer Gott um Verzeihung bitten und rufen: „Um deines Namens willen verschmäh nicht, verstoß nicht den Thron deiner Herrlichkeit! Gedenke! Brich nicht deinen Bund mit uns!“ Sie werden an seine unendliche Treue appellieren und Gott anflehen, seine Gegenwart auf Erden nicht hinwegzunehmen. Mit der Zerstörung des Tempels wohnt Gottes Herrlichkeit ja nicht mehr auf Erden. Das ist ein ganz großes Trauma für die Hinterbliebenen, denn daran erkennen sie, dass Gottes Warnrufe nun wirklich wahr geworden sind und er es wirklich ernst meint. Er hat sogar sein Zelt abgebaut und Zion „verlassen“.
Sie werden ihn zu überzeugen versuchen, indem sie die Götzen als Götzen anerkennen. Diese sind nicht Gott und können deshalb keinen Regen spenden. Selbst der Himmel ist es nicht, der entscheidet, Regen auf die Erde herabregnen zu lassen. Es ist Gott allein, der das alles steuert. Sie werden dann mit aller Deutlichkeit bekennen, dass Gott der Schöpfer ist und alles beherrscht. Dann werden sie aufhören, auf ihre Götzen zu setzen.
All das soll Jeremia Juda verkünden, damit sie verstehen, dass sie JETZT umkehren und die Götzen aus ihrer Mitte entfernen sollen. Sonst werden sie es sein, die so heulen und bereuen werden. Auch Christus hat in seiner Verkündigung ganz drastische Gerichtsworte gesprochen, und das nicht selten. Er hat dies nicht getan, um Angst einzujagen, sondern um die Menschen zur Umkehr zu bewegen. Wenn auch wir die Rede von der Hölle hören, sollen wir nicht einfach sagen: „Ach, das hat man früher gelehrt, damit die Menschen kontrollierbar sind, aber die Hölle gibt es nicht. Gott ist die Liebe, da passt das mit der Hölle doch gar nicht zusammen.“ Denn nicht daran zu glauben, schützt uns nicht vor ihr. An Gott festzuhalten und sich stets um die Gebote Gottes zu bemühen, das rettet uns davor. Selbst wenn wir scheitern, aber dann bereuen und von vorne beginnen, müssen wir keine Angst vor der Hölle haben. Dort kommt nur der hin, der bis zum Schluss aus freien Stücken Nein zu Gott sagt.

Ps 79
5 Wie lange noch, HERR? Willst du für immer zürnen, wird brennen wie Feuer dein Eifer?
8 Rechne uns die Schuld der Vorfahren nicht an! Mit deinem Erbarmen komm uns eilends entgegen! Denn wir sind sehr erniedrigt.
9 Hilf uns, Gott unsres Heils, um der Herrlichkeit deines Namens willen! Reiß uns heraus und vergib uns die Sünden um deines Namens willen!
11 Das Stöhnen des Gefangenen komme vor dein Angesicht! Durch deinen mächtigen Arm erhalte die Kinder des Todes am Leben.
13 Wir aber, dein Volk und die Herde deiner Weide, wir wollen dir danken auf ewig, von Geschlecht zu Geschlecht dein Lob verkünden.

Der heutige Psalm ist ein Bittgebet und ein Flehen, das ganz in die Situation des Volkes im babylonischen Exil passt.
„Wie lange noch, HERR?“ Ist ein typischer Ausdruck, den wir vor allem in Klagepsalmen lesen.
„Willst du für immer zürnen, wird brennen wie Feuer dein Eifer?“ Diese Frage können wir als rhetorische Frage bewerten, denn anhand von prophetischen Schriften wie denen des Jeremia ist klar, dass auch die schweren Schicksalsschläge nicht ewig andauern.
Dann wird etwas gesagt, das die Haltung der Bewohner Judas erklärt, wie sie schon bei Jeremia angekündigt wird: „Rechne uns die Schuld der Vorfahren nicht an!“ Das ist eine tiefe Wahrheit, die auch heutzutage gerne ignoriert wird. Wir müssen die Konsequenzen der Sünde unserer Vorfahren mittragen. Das hat nichts mit Reinkarnation zu tun, sondern hängt mit der Natur der Sünde zusammen. Diese hat Generationen übergreifende Auswirkungen. Aber so wie wir unter den Vergehen unserer Eltern, Großeltern etc. zu leiden haben, können wir auch als ihre Nachkommen stellvertretend für sie Gott um Verzeihung bitten! Das ist sogar ganz wichtig und notwendig! Wir wissen nicht, ob sie immer noch dafür im Fegefeuer büßen müssen, und können so ihre Zeit im Fegefeuer verkürzen. Ein wenig Ahnenforschung ist dann absolut nützlich, weil wir so ihrer offensichtlichsten und größten Sünden gewahr werden (wenn es zum Beispiel einen Mord gab oder einen großen Streit, der öffentlich bekannt wurde, den man sogar in der Zeitung lesen konnte, der vielleicht bekannt wurde, weil die Personen berühmt sind). So können wir zumindest für diese bewusst um Vergebung bitten.
„Hilf uns, Gott unsres Heils“ – ja, Gott ist ein Gott, der nur das Heil für uns bereithält! Er ist es nicht, der uns dieses Unheil schickt, in dem wir uns befinden. Er ist allein der Gute. Alles Böse kommt vom Bösen und was uns Schlimmes widerfährt, haben wir sehr oft uns selbst zuzuschreiben. Dann sind es die Konsequenzen unserer falschen Entscheidungen. Gott ist aber so groß und barmherzig, dass er uns noch aus diesen selbstgemachten Katastrophen herausholt, obwohl wir sie eigentlich rein rechnerisch gesehen verdient haben. „Reiß uns heraus“ dürfen dann auch wir zu Gott rufen. Aber dann sollen wir ihm zugleich unsere Aufrichtigkeit zeigen, indem wir gleichzeitig sagen: „vergib uns die Sünden“.
Gott ist nicht gleichgültig gegenüber unserem Leiden. Es ist nicht sein Wille, dass wir leiden müssen. Er hat das Schreien seines Volkes in Ägypten gehört und er hört es auch im babylonischen Exil. Er hört auch unser Schreien, unser Stöhnen, die wir gefangen sind – im Gefängnis unserer eigenen Sünden. Er lässt zu, dass wir die schmerzhaften Konsequenzen unserer Sünden tragen müssen, aber danach neu anfangen können.
Gott erhört unser Gebet, vor allem wenn es durch und durch reumütig und aufrichtig ist. So können wir am Ende Gott für seine Rettung danken, wie es hier in Vers 13 geschieht: „Wir wollen dir danken auf ewig.“ Und wenn es dann heißt „von Geschlecht zu Geschlecht dein Lob verkünden“, hat das in diesem Kontext eine besondere Wirkung: Durch die Vergebung unserer Vorfahren können auch diese dann ganz bei Gott sein und ihn auf ewig preisen. Gott ist groß. Er möchte unser Heil und tut alles dafür, dass wir zu ihm umkehren. Denn wir können nur dann glücklich sein, wenn wir bei ihm sind, wenn wir auf seinen Wegen gehen und nach unserem Tod dann ewig bei ihm im Himmel sind. Damit er uns das Heil schenken kann, muss er zuvor das Gericht bringen. Denn bei ihm hat nichts Böses Platz.

Mt 13
36 Dann verließ er die Menge und ging in das Haus. Und seine Jünger kamen zu ihm und sagten: Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker!
37 Er antwortete: Der den guten Samen sät, ist der Menschensohn;
38 der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Kinder des Reiches; das Unkraut sind die Kinder des Bösen;
39 der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Schnitter sind die Engel.
40 Wie nun das Unkraut aufgesammelt und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch bei dem Ende der Welt sein:
41 Der Menschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gesetzloses getan haben,
42 und werden sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.
43 Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre!

Im Evangelium hören wir, wie Jesus seinen Jüngern ein wichtiges Gleichnis deutet – das Gleichnis vom Weizen und Unkraut. Zuvor hat er eine längere Gleichnisrede gehalten, in der er das Reich Gottes mit verschiedenen Bildern erklärt hat. Als Jesus und seine Jünger allein sind, fragen sie nach der Deutung des Gleichnisses vom Weizen und Unkraut. Dabei geht es um folgende Episode: Ein Bauer streut guten Samen auf seinen Acker, doch in der Nacht kommt sein Feind und sät ein Unkraut darauf. Das fällt aber erst auf, als die Saat zu wachsen beginnt. Das Problem ist, dass man das Unkraut nicht ausreißen kann, ohne den Weizen mit auszureißen. So trägt der Bauer seinen Knechten auf, bis zur Ernte zu warten und dann beides abzuernten und voneinander zu trennen. Der Weizen soll in die Scheune gebracht, das Unkraut aber im Feuer verbrannt werden.
Jesus deutet das Gleichnis christologisch: Er selbst ist der Gutsherr des Ackers, der den Samen ausstreut, also das Wort Gottes. Er ist mit diesem so innigst verbunden, dass man schon sagen kann: Er streut sich selbst aus, weil er ja das fleischgewordene Wort Gottes ist. Weizen und Unkraut meint die Kinder des Reiches und die Kinder des Bösen. Am Ende der Zeiten wird Jesus wiederkommen, das heißt zur Ernte. Und seine Schnitter, die die Ernte vornehmen werden, sind die Engel, die er aussenden wird. Das ist eine eschatologische Vorstellung aus dem Judentum, die wir in den apokalyptischen Texten des Alten Testaments sowie des Neuen Testaments nachlesen können. Der Teufel ist der Unkraut säende Feind und das Feuer die Hölle.
Dieses Gleichnis könnte man nach dem vierfachen Schriftsinn auch noch vertiefen, was Jesus seinen Jüngern nicht zumutet. Der Gutsherr ist Gott selbst, der die Welt erschafft. Der Acker ist die Welt. Der Same sind die Geschöpfe. Der Feind ist der Satan und das Unkraut ist die Sünde. Er möchte Gottes gute Schöpfung sabotieren, damit das ganze Getreide am Ende nicht in die Scheune kommt, die das Himmelreich ist, sondern verbrannt wird, was die Hölle meint. Gott könnte nun alles ausreißen, das heißt alles zunichte machen, damit die Sünde nicht mehr in der Welt ist. Doch stattdessen zeigt er seine unendliche Barmherzigkeit. Und nun realisieren wir die Beschränktheit von Bildern: Gott ist so langmütig und geduldig, dass er uns bis zur Ernte, das heißt bis zur Endzeit noch wachsen lässt und auch wenn das mit echtem Getreide und Unkraut nicht möglich ist: Wir können von Unkraut zu Getreide werden. Oder anders gesagt: Wir können unser Unkraut selbst herausreißen mit der Gnade Gottes. Dieses Ausreißen vor der Ernte ist ein Bild für die persönliche Umkehr. Gott möchte uns bis zum Schluss noch die Chance geben, zu ihm zurückzukehren und die Sünden abzulegen. Gott ist unendlich barmherzig und möchte kein Geschöpf verlieren. Wir könnten das gesamte Gleichnis auch auf moralischer Ebene deuten, dann ist es unsere eigene Seele, die weder ganz gut noch ganz böse ist. Es ist eben eine Mischung aus Weizen und Unkraut, die Gott in seiner Langmut an uns aushält und die auch wir bei unserem Mitmenschen geduldig aushalten sollen.
Jesus sagt zum Ende seiner Deutung: „Wer Ohren hat, der höre“. Das ist immer ein Aufruf zum Hinhören, statt verstockt zu sein.
Auch wenn es hier eine drastische Gerichtsrede ist, zeugt sie von Gottes unendlicher Barmherzigkeit. Jesus spricht diese Worte ja nicht, um Angst einzujagen, sondern um die Menschen zur Umkehr zu bewegen, bevor es zu spät ist. Wäre Gott herzlos, könnte er die Menschen einfach ins offene Messer laufen lassen, ohne sie vorzuwarnen. Aber das möchte er ja nicht, denn alle seine Kinder hat er liebevoll gesät, sie sind seine Früchte. Er möchte sie alle am Ende in seiner Scheune haben.

Und hier schließt sich der Kreis. Gott warnt wie eine Mutter das Kind warnt, das auf die Straße rennt. Gott rennt hinterher, um es vor dem herannahenden Auto weg zu ziehen. Das ist Ausdruck seiner Liebe zu uns. Hören wir auf ihn, denn er möchte unser Heil, nicht unsere Zerstörung. Und je früher wir auf ihn hören und uns ändern, desto besser ist es für unser ewiges Leben.

Ihre Magstrauss

Montag der 17. Woche im Jahreskreis

Jer 13,1-11; Dtn 32,18-19.20.21; Mt 13,31-35

Jer 13
1 So hat der HERR zu mir gesagt: Geh, kauf dir einen Schurz aus Leinen und leg ihn dir um die Hüften, aber tauch ihn nicht ins Wasser!

2 Da kaufte ich den Schurz nach dem Wort des HERRN und legte ihn mir um die Hüften.
3 Nun erging das Wort des HERRN zum zweiten Mal an mich; er sagte:
4 Nimm den gekauften Schurz, den du um die Hüften trägst! Mach dich auf, geh an den Eufrat und verbirg ihn dort in einer Felsspalte!
5 Ich ging hin und verbarg ihn am Eufrat, wie mir der HERR befohlen hatte.
6 Nach längerer Zeit sprach der HERR zu mir: Mach dich auf, geh an den Eufrat und hol von dort den Schurz, den ich dir dort zu verbergen aufgetragen habe!
7 Da ging ich zum Eufrat, grub und nahm den Schurz von der Stelle, wo ich ihn verborgen hatte. Und siehe: Der Schurz war verdorben, zu nichts mehr zu gebrauchen.
8 Nun erging das Wort des HERRN an mich:
9 So spricht der HERR: Ebenso verderbe ich den Hochmut Judas und den großen Hochmut Jerusalems.
10 Dieses böse Volk weigert sich, auf meine Worte zu hören, es folgt der Verstocktheit seines Herzens und läuft anderen Göttern nach, um ihnen zu dienen und sich vor ihnen niederzuwerfen; es soll daher wie dieser Schurz werden, der zu nichts mehr zu gebrauchen ist.
11 Denn wie sich der Schurz den Hüften des Mannes anschmiegt, so wollte ich, dass sich das ganze Haus Israel und das ganze Haus Juda mir anschmiegen – Spruch des HERRN – , damit sie mir Volk zum Ruhm, zum Preis und zum Schmuck seien. Sie aber haben nicht gehört.

In der Lesung hören wir heute von einer prophetischen Zeichenhandlung, die Gott Jeremia aufträgt. Oft ist es so, dass Gott von Propheten ein bestimmtes Verhalten verlangt, das an sich unsinnig ist oder die Menschen provoziert. Dadurch sollen sie die Botschaft, die Gott ihnen durch den Propheten übermitteln möchte, auch anhand des Verhaltens des Propheten sehen. So muss Hosea z.B. eine Ehebrecherin heiraten, damit Israel sieht, wie Gottes Ehe mit dem untreuen und götzendienerischen Israel ist.
Heute geht es um Jeremia, der einen Leinenschurz um die Hüften tragen soll, ohne ihn zu waschen. Er soll ihn dann in einer Felsspalte faulen lassen, bis er unbrauchbar ist. An sich scheint das eine total sinnlose Tat zu sein und als Außenstehender würde man so einen Menschen für verrückt erklären. Gott lässt ihn das tun, um Juda eine wichtige Botschaft zu übermitteln: „Ebenso verderbe ich den Hochmut Judas und den großen Hochmut Jerusalems. Dieses böse Volk weigert sich, auf meine Worte zu hören, es folgt der Verstocktheit seines Herzens und läuft anderen Göttern nach, um ihnen zu dienen und sich vor ihnen niederzuwerden; es soll daher wie dieser Schurz enden, der zu nichts mehr zu gebrauchen ist.“ Ein hartes Gerichtswort, das Gott hier an das Südreich richtet. Das kommt ja nicht von ungefähr. Immer wieder hat Gott es zur Umkehr aufgerufen, doch es hat seine Worte ignoriert. Er muss immer härtere Worte finden, damit es überhaupt wach wird vom Rausch des Götzendienstes.
Jerusalem ist hochmütig, weil es sich über Gott erhebt. Doch Hochmut kommt vor dem Fall. Es wird aus einer großen Höhe in die Tiefe hinabstürzen. Das auserwählte Volk, der auserwählte Stamm. Es war ganz nahe am Herzen Gottes und wird umso schmerzlicher die Konsequenz des Hochverrats zu spüren bekommen.
„Denn wie sich der Schurz den Hüften des Mannes anschmiegt, so wollte ich, dass sich das ganze Haus Israel und das ganze Haus Juda mir anschmiegen“. Er hat sein Volk ganz in sein Herz eingeschrieben. Er hat einen Bund mit den zwölf Stämmen geschlossen, sich ihnen ganz verschrieben und sie sich ihm. Sie waren ganz eng zusammengebunden wie es auch die Ehepaare sind. Und in dieser Intimität mit Gott haben sie ihm einen Dolch mitten ins Herz gestoßen. Das wird noch große Konsequenzen haben – wir wissen, was kommt. Das Exil. Die Zerstörung Jerusalems und des Tempels. Das große Trauma.
Und auch diese Worte soll Jeremia noch sprechen, damit Juda wenigstens jetzt noch umkehrt und den Schaden eindämmt. Es ist wie der Appell an den Verbrecher, sich selbst zu stellen, um die Strafe zu mildern.
Gott gibt uns immer und immer wieder Chancen zur Umkehr. Bis zur letzten Sekunde möchte er uns noch vor der großen Katastrophe bewahren. Das ist ein Zeichen seiner großen Barmherzigkeit.

Dtn 32
18 An den Fels, der dich gezeugt hat, dachtest du nicht mehr, du vergaßest den Gott, der dich geboren hat.
19 Der HERR sah es und verwarf im Zorn seine Söhne und Töchter.
20 Und er sagte: Ich will mein Gesicht vor ihnen verbergen und dann sehen, was in Zukunft mit ihnen geschieht. Denn sie sind eine Generation des Aufruhrs, Söhne, in denen die Untreue sitzt.
21 Sie haben meine Eifersucht geweckt durch einen Gott, der kein Gott ist, mich zum Zorn gereizt durch ihre Götter aus Luft – so wecke ich ihre Eifersucht durch ein Volk, das kein Volk ist, durch ein dummes Volk reize ich sie zum Zorn.

Als Antwort beten wir keine Psalmwort, sondern einen Ausschnitt aus der Abschiedsrede des Mose. Diese wiederholt die Weisung Gottes (deshalb „Deuteronomium“, zweites Gesetz) und stellt einen Rückblick der Ereignisse zwischen Gott und seinem Volk dar.
Mose erinnert das Volk an die große Sünde der Undankbarkeit, der Amnesie bzgl. der Heilstaten Gottes: „An den Fels, der dich gezeugt hat, dachtest du nicht mehr, du vergaßest den Gott, der dich geboren hat.“ Die Menschen sind lau geworden und begannen, sich zu beschweren über das, was sie nicht haben, statt dankbar zu sein für die Dinge, die Gott ihnen geschenkt hat.
„Der HERR sah es und verwarf im Zorn seine Söhne und Töchter.“ Sofort haben sie diese Undankbarkeit zu spüren bekommen. Gott hat Dinge zugelassen, damit sie wieder zur Besinnung kommen und umkehren konnten. Dabei spielt es keine Rolle, in welcher Zeit sich das abspielt. Hier geht es um die Israeliten, die kurz vor dem Eintritt ins verheißene Land stehen. Bei Jeremia geht es um das Südreich kurz vor der babylonischen Katastrophe. Gott erzieht seine geliebten Kinder auch zur Zeit Jesu und auch in unserer heutigen Zeit. Er lässt auch im Leben des einzelnen Menschen Dinge zu, damit er zum Nachdenken kommt und zu ihm zurückkehrt.
Wenn Mose hier sagt, dass Gott im Zorn seine Kinder verwarf, dann ist das natürlich nicht endgültig gemeint und auch die Zeichnung eines launischen Gottes ist ein Spiegelbild dessen, wie Mose Gott sah. Der Zorn Gottes ist aber nicht launisch, sondern absolut gewollt und kontrolliert, absolut gerecht und nicht übertrieben. Gott verwarf seine Kinder ja auch nicht endgültig, sonst würden sie hier nicht versammelt sein und den Worten des Mose lauschen.
Gott hat seine Kinder aber die Konsequenzen ihrer Undankbarkeit spüren lassen. Von jenen, die damals aus Ägypten auszogen, sind keine mehr übriggeblieben. Jene, die wirklich ins verheißene Land ziehen können, sind schon eine neue Generation, also ihre Nachkommen. Es kam deshalb so, weil die Generation davor ein goldenes Kalb angebetet hat. Auch dass feindliche Völker Israel in Zukunft immer wieder bedrängen, ist Konsequenz ihrer eigenen Sünde. Gott lässt das zu, damit Israel zu ihm umkehrt. Deshalb lässt er das große Trauma des Babylonischen Exils zu, von dem wir in der Lesung gehört haben.

Mt 13
31 Er legte ihnen ein weiteres Gleichnis vor und sagte: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. 32 Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, sodass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten.
33 Er sagte ihnen ein weiteres Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Sea Mehl verbarg, bis das Ganze durchsäuert war.
34 Dies alles sagte Jesus der Menschenmenge in Gleichnissen und ohne Gleichnisse redete er nicht zu ihnen,
35 damit sich erfülle, was durch den Propheten gesagt worden ist: Ich öffne meinen Mund in Gleichnissen, ich spreche aus, was seit der Schöpfung der Welt verborgen war.

Im Evangelium hören wir heute von einigen Reich-Gottes-Gleichnissen. Ab Vers 31 geht es um das Gleichnis vom Senfkorn, das das Wachsen des Reiches Gottes umschreibt. Es scheint ganz unscheinbar und beginnt mit einer Hand voll Menschen. Doch es wächst rasant, indem immer mehr Menschen sich taufen lassen. Und am Ende ist es viel größer als alle anderen Pflanzen. Wir können dies auf die Kirchengeschichte beziehen – innerhalb von drei Jahrhunderten ist das Christentum zur Staatsreligion im Römischen Reich geworden! Das Senfkorngleichnis ist für uns heute sehr relevant. Wir sehen mit Bedauern, dass immer weniger Menschen wirklich noch praktizierende Katholiken sind, die Lehre ernst nehmen und sich wirklich um die Zehn Gebote bemühen. Und wenn auch nur eine Hand voll echter Katholiken übrigbleibt, ist das nicht zu unterschätzen! Aus einer Handvoll kann eine Masse brennender Christen werden!
Auch das Gleichnis vom Sauerteig ist sehr anschaulich, diesmal hebt Jesus damit hervor, wie das Reich Gottes in die Welt kommt: Der Sauerteig wird unter das Mehl gemischt, bis alles durchsäuert ist. Gott ist Mensch geworden und das Reich Gottes, das mit der Person Jesu Christi zuinnigst verbunden ist, mitten unter die Menschen gekommen. Er hat seinen Sauerteig in Form von Verkündigung und Heilstaten sowie gutem Beispiel in der Welt verteilt und nach seiner Heimkehr zum Vater durch seine Jünger weiter verteilen lassen, bis alles durchsäuert worden ist. Und dieser Prozess ist immerwährend, bis er wiederkommt am Ende der Zeiten.
Wie so oft im Matthäusevangelium wird die Gleichnisrede Jesu vor dem Hintergrund alttestamentlicher Verheißungen als Erfüllung gedeutet. Hier wird Ps 78,2 zitiert: „Ich öffne meinen Mund in Gleichnissen, ich spreche aus, was seit der Schöpfung der Welt verborgen war.“ Jesus offenbart den Menschen durch Gleichnisse, was bis dahin verborgen war. Gott ist ein perfekter Pädagoge. Er weiß, wann er was zu seinem Volk sagen kann, sodass es das Geoffenbarte verstehen kann. Warum Jesus es ausgerechnet in Gleichnisform tut, hat er zuvor schon erklärt: Er möchte das Wort Gottes nicht zum Konsumgut verkommen lassen. Vielmehr soll es zum Indikator werden, zum Entscheidungsfaktor: Will ich mich mit dieser Botschaft eingehender beschäftigen und dafür etwas tun oder ist mir das zu anstrengend und ich lasse mich erst gar nicht darauf ein? Jesus stellt den Menschen vor die Entscheidung, das Reich Gottes anzunehmen oder nicht.

Wer sich aber gegen Gott entscheidet, muss auch mit den Konsequenzen leben können. Welche das damals waren, davon hören wir in Lesung und Antwortgesang. Wir haben die Entscheidungsfreiheit erhalten, damit wir uns für das Heil entscheiden. Gebe Gott, dass wir uns in Liebe stets für ihn entscheiden können und auch in Todesgefahr den Mut dafür haben!

Ihre Magstrauss

17. Sonntag im Jahreskreis

1 Kön 3,5.7-12; Ps 119,57 u. 72.76-77.127-128.129-130; Röm 8,28-30; Mt 13,44-52

1 Kön 3
5 In Gibeon erschien der HERR dem Salomo nachts im Traum und forderte ihn auf: Sprich eine Bitte aus, die ich dir gewähren soll!
7 So hast du jetzt, HERR, mein Gott, deinen Knecht anstelle meines Vaters David zum König gemacht. Doch ich bin noch sehr jung und weiß nicht aus noch ein.
8 Dein Knecht steht aber mitten in deinem Volk, das du erwählt hast: einem großen Volk, das man wegen seiner Menge nicht zählen und nicht schätzen kann.
9 Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht! Wer könnte sonst dieses mächtige Volk regieren?
10 Es gefiel dem Herrn, dass Salomo diese Bitte aussprach.
11 Daher antwortete ihm Gott: Weil du gerade diese Bitte ausgesprochen hast und nicht um langes Leben, Reichtum oder um den Tod deiner Feinde, sondern um Einsicht gebeten hast, um auf das Recht zu hören,
12 werde ich deine Bitte erfüllen. Sieh, ich gebe dir ein so weises und verständiges Herz, dass keiner vor dir war und keiner nach dir kommen wird, der dir gleicht.

Die erste Lesung dieses Sonntags ist aus dem ersten Buch der Könige. Es wird uns berichtet, wie Salomo Gott um die Gabe der Weisheit bittet. Er ist zu jener Zeit in Gibeon, wo die größte Kulthöhe besteht. Weil noch kein fester Tempel existiert, opfern Menschen auf solchen Höhen. Dort bringt Salomo nun 1000 Brandopfer dar.
In der Nacht spricht Gott zum König im Traum und gewährt ihm einen Wunsch. Statt sich aber Reichtum, Sieg über seine Feinde etc. zu wünschen, erbittet er von Gott ein weises Herz, da er in seinen jungen Jahren ein so großes Volk leiten muss. Er bittet um Gottes Gaben und erkennt an, was Gott für große Taten durch seinen Vater vollbracht hat. Er versteht, dass all der Erfolg König Davids durch die Beziehung mit Gott geschenkt worden ist.
Gott gefällt es, dass Salomo „diese Bitte aussprach“. Er sieht, dass Salomo frei von Habgier und Machtstreben ist. Das ist die beste Voraussetzung, ihn mit Charismen auszustatten.
An Salomo sehen wir, was passiert, wenn man mit reinem Herzen etwas erbittet: Es wird uns gegeben. Salomo ist solch aufrichtigen Herzens, als er um Gottes Gaben bittet. Deshalb schenkt ihm Gott ein so weises Herz, wie es vor und nach ihm keiner hat/haben wird. Wir lernen heute noch etwas anderes: Salomo geht es zuerst um den Willen Gottes, den er als König Israels erfüllen möchte. Und deshalb gibt Gott ihm alles andere noch dazu, was Salomo gar nicht erbeten hat: Reichtum und Ehre.
Wenn wir uns als Kirche so, wie Jesus es dann auch erklärt hat, zuerst um das Reich Gottes bemühen, wird Gott uns alles andere dazu geben, was wir brauchen. Wenn also Christus die Mitte von Liturgie, Verkündigung und tätiger Liebe ist, wird dieser die Kirche versorgen mit allen materiellen und geistigen Gütern, derer sie bedarf – ob finanzielle Mittel, Kirchengebäude etc. oder geistliche Berufungen. Ein gutes Beispiel stellen Klöster dar, die aufgrund von knappen Finanzen anfangen, Yogakurse oder andere fernöstliche Praktiken anzubieten. Sie haben schon von vornherein verloren. Die Gnade ist verloren, ob es zu einem finanziellen Aufschwung kommt, ist auch die Frage. Neue Berufungen wird es jedenfalls davon nicht geben.
Es muss für jeden einzelnen Christen so wie für Salomo oberste Priorität sein, ein hörendes Herz von Gott zu erhalten. Wo der Einzelne Gott in die Mitte seines Lebens stellt und sich immer bemüht, seinen Willen zu tun, also seine Gebote zu halten, da wird dieser einem alles andere dazugeben. Wo es einem aber darum geht, möglichst viel Reichtum und Ansehen zu erhalten, verliert man die Gnade Gottes. Das Herz ist auch nicht aufrichtig, sondern voller Begierde. Aus so einem Herzen entspringt aber nichts Gutes, vor allem kein gutes moralisches Verhalten. Jesus fasst es dann so zusammen: Wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es finden (Mt 16,25). „Retten wollen“ ist dann eben dieses an sich Reißen von Gütern, die man sich selbst nimmt. Wir Menschen sind aber dazu gemacht, beschenkt zu werden. Was Jesus mit „verlieren“ meint, ist in diesem Fall der Verzicht auf oder die Freiheit von diesem selbst Ergreifen. Wenn der einzige Eifer der Eifer nach Gottes Liebe ist, dann wird dieser einem alles schenken. Er weiß nämlich, dass der Beschenkte die Güter nicht begehrt und deshalb missbraucht. Und so werden wir am Ende unseres Lebens entweder alles verlieren, weil wir schon zu Lebzeiten alles an uns gerissen haben, oder wir werden alles und noch viel mehr geschenkt bekommen, weil wir in unserem Leben nur eines begehrt haben – Gottes Liebe.

Ps 119
57 Mein Anteil ist es, HERR, das habe ich versprochen, deine Worte zu beachten.
72 Gut ist für mich die Weisung deines Munds, mehr als große Mengen von Gold und Silber.
76 Tröste mich in deiner Liebe, nach dem Spruch für deinen Knecht!
77 Dein Erbarmen komme über mich, sodass ich lebe, denn deine Weisung ist mein Ergötzen.
127 Darum liebe ich deine Gebote mehr als Rotgold und Weißgold.
128 Darum halte ich alle deine Befehle für richtig, alle Pfade der Lüge hasse ich.
129 Wunderwerke sind deine Zeugnisse, darum bewahrt sie meine Seele.
130 Das Aufschließen deiner Worte erleuchtet, den Unerfahrenen schenkt es Einsicht.

Als Antwort auf den Psalm beten wir einige Verse aus dem längsten Psalm des Psalters. Er thematisiert den lebenslangen Wandel nach den Geboten Gottes.
„Mein Anteil ist es, HERR, das habe ich versprochen, deine Worte zu beachten.“ Das hebräische Wort חֶלְקִ֖י chelqi meint eigentlich Anteil im Sinne eines Erbteils oder Beuteanteils. Hier ist es aber der Teil, den der Psalmenbeter übernimmt, also die Aufgabe. Durch die Bundesbeziehung verschenken sich die Partner einander ganz und übernehmen füreinander die Verantwortung. Das bedeutet also, dass jeder seinen „Anteil“ hat. Gott verleiht Segen, Israel hält seine Gebote. Dabei sind die Gebote, zusammengefasst die Torah oder Weisung, gut für den Menschen. Wer sie hält, hat ein heilsames Leben, was mehr wert ist als „große Mengen von Gold und Silber.“
Gott ist es auch, der den Menschen in seiner Liebe trösten kann. Dies tut er vor allem durch sein heiliges Wort. Wie oft machen wir die Erfahrung, dass wir eine gewisse Not erleiden und dann „zufällig“ die Bibel aufschlagen oder eine Bibelstelle hören, die uns mitten ins Herz trifft und tröstet. Jesus Christus selbst hat unter uns Menschen gelebt und Trost verliehen. Er ist den Leidenden und Ausgegrenzten ganz nahe gewesen. So ist die Weisung als Mensch aus Fleisch und Blut den Menschen zum Trost geworden!
Gott soll barmherzig mit dem Beter sein, weil dieser seine Torah ganz beherzigt. Sie ist seine Freude und sein Wohlgefallen. Die Einheitsübersetzung schreibt an dieser Stelle „mein Ergötzen“. Das ist eine sehr ungünstige Übersetzung, da die Torah das Gegenteil von Götzen ist, was in der Ergötzung enthalten ist. Das hebräische Wort שַׁעְשׁוּעִים scha’aschu’im ist die Freude im Sinne des Wohlgefallens. Manchmal wird es auch mit „Unterhaltung“ im Sinne von Entertainment übersetzt.
Dem Beter ist diese Torah mehr wert als „Rotgold und Weißgold“, zwei sehr kostbare Edelmetalle jener Zeit. Das impliziert auch, dass die Torah wertvoller ist als die Götzenbilder aus Gold.
Der Psalmenbeter betont, dass alle Befehle Gottes richtig sind. Die Gebote Gottes zu halten, setzt immer Vollständigkeit voraus. Der Mensch kann sich nicht angenehme Gebote herauspicken und die anderen ausblenden. Bundesbeziehung und Gebotehalten baut auf Liebe, die immer aufs Ganze geht. Ich kann nicht nur ein bisschen Gott lieben. Entweder liebe ich alles an ihm oder es ist keine Liebe.
Genauso konsequent lehnt der Beter „alle Pfade der Lüge“ ab. Ein bisschen mit dem Widersacher Gottes zu liebäugeln, stürzt den Beter in eine Katastrophe. Der kleine Götzendienst hier und da hat Israel schon das verheißene Land gekostet.
Die Wundertaten Gottes sind der Beweis seiner großen Macht. Das hebräische Wort עֵדְוֹתֶ֑יךָ edotecha kann mit „deine Zeugnisse“, aber auch mit „deine Beweise“ übersetzt werden. Gott tut Wunder, damit die Menschen zum Glauben an ihn kommen. Dies setzt sich auch mit Christus fort, der so viele Heilungswunder und andere Machttaten vollbracht hat. All dies dient dem Glauben der Menschen.
Die Worte Gottes zu erschließen, das heißt sie zu verstehen erleuchtet den Menschen. Er sammelt Erfahrungen auf dem Lebensweg mit den Geboten Gottes.
Dieser lange Psalm ist ein einziger Lebensbericht in Beziehung mit Gott. Mit ihm ist es nie langweilig, denn wir wachsen mit und durch ihn in Heiligkeit. Wir können uns nie auf „Erfolg“ ausruhen, sollen aber auch nicht liegen bleiben, wenn wir auf dem Weg gefallen sind. Es ist eine ständige Arbeit an der Beziehung zu Gott, eine ständige Versöhnung nach Streit (wenn der Mensch sich gegen ihn versündigt), eine dynamische Geschichte.

Röm 8
28 Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht, denen, die gemäß seinem Ratschluss berufen sind;
29 denn diejenigen, die er im Voraus erkannt hat, hat er auch im Voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben, damit dieser der Erstgeborene unter vielen Brüdern sei.
30 Die er aber vorausbestimmt hat, die hat er auch berufen, und die er berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.

In der zweiten Lesung aus dem Römerbrief geht es wie letzte Woche um ein Kapitel, in dem die schmerzhaften Zeichen der Endzeit als Hoffnungszeichen betrachtet werden.
Gott wird bei denen, die an ihn Glauben und aus Liebe zu ihm alles aushalten, am Ende alles gut machen. Auch wenn die Gegenwart so drastisch, so dunkel, so hoffnungslos erscheint, wird Gott für ein gutes Ende sorgen. Das ist dieselbe Botschaft, wie wir sie in der Johannesoffenbarung erhalten. Die apokalyptische Katastrophe ist da und wird nicht beschönigt. Was noch geschehen wird, wird in ganz brutalen Bildern geschildert. Doch zugleich wird der Triumph und der Jubel genannt, die der Himmel mit sich bringt. Und das ist jetzt schon Realität.
Gott hat einen Heilsplan und deshalb wird alles ein gutes Ende finden. Gott hat die Menschen im Voraus schon dazu bestimmt, Abbilder Gottes zu sein. Er ist Mensch geworden, damit die gefallene Natur ganz konkret zu Gesicht bekommt, wie sie eigentlich gedacht war. Jesus hat ihnen wieder gezeigt, wie der Mensch sein soll. Und das Ziel des Menschen ist, diesen Zustand mithilfe der Gnade Gottes wieder zu erlangen. Der Mensch ist also dazu bestimmt, zur Familie Gottes zu gehören, damit Jesus „kein Einzelkind“ bleibt. Er möchte „der Ersteborene unter vielen Brüdern“ sein. Jesus ist der Anfang der neuen Schöpfung, zu der wir alle neugeboren werden, wenn wir getauft werden.
Gott hat die Menschen im Voraus dazu bestimmt, zur Familie Gottes zu gehören. Diese beruft er auch dazu, das heißt sie spüren seinen Ruf und machen sich auf den Weg zur Taufe. Und wer getauft wird, wird gerecht gemacht. Und wenn sie diese Gerechtigkeit aufrecht erhalten, das heißt ihre Taufgnade nicht verlieren, werden sie am Ende verherrlicht im Himmelreich.

Mt 13
44 Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn und grub ihn wieder ein. Und in seiner Freude ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte den Acker.
45 Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte.
46 Als er eine besonders wertvolle Perle fand, ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte sie.
47 Wiederum ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Netz, das ins Meer ausgeworfen wurde und in dem sich Fische aller Art fingen.
48 Als es voll war, zogen es die Fischer ans Ufer; sie setzten sich, sammelten die guten Fische in Körbe, die schlechten aber warfen sie weg.
49 So wird es auch bei dem Ende der Welt sein: Die Engel werden kommen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern
50 und sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.
51 Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten ihm: Ja.
52 Da sagte er zu ihnen: Deswegen gleicht jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt.
53 Und es geschah, als Jesus diese Gleichnisse beendet hatte, zog er weiter.

Als Evangelium hören wir heute mehrere Gleichnisse, die die Kostbarkeit des Reiches Gottes umschreiben. Diese Episode aus dem Matthäusevangelium findet sich nur dort, es gibt keine Parallele bei Mk oder Lk, die sonst viele Übereinstimmungen nachweisen.
Das Reich Gottes ist wie ein Schatz, der in einem Acker vergraben ist. Das sagt uns erstens, dass es verborgen ist. Zweitens muss es entdeckt werden. Wenn es entdeckt wird, erfüllt es den Finder mit Freude. Er verkauft alles, um sich den Acker mit dem vergrabenen Schatz leisten zu können. Auf das Reich Gottes angewandt bedeutet es, dass der Mensch, der es gefunden hat, den ganzen Besitz, alles Irdische, alles Vorübergehende abgibt, nur um dieses höhere Gut zu erhalten. Jesus erklärt es den Menschen immer wieder: Wer reich ist, hat es schwer, in das Reich Gottes zu gelangen. Das Problem ist nicht der Reichtum an sich, sondern die Bindung daran. Wer aber alles verkauft oder verschenkt, wird frei für den himmlischen Reichtum. Uns sagt dieses erste Gleichnis bereits, dass wer das Reich Gottes gefunden hat, eine Lebenswende durchmacht. Für den kehren sich die Prioritäten komplett um. Die irdischen Güter verlieren mit einem Mal an Bedeutung.
Wenn Jesus etwas Wichtiges erklärt, greift er immer mehrere Bilder auf, damit es die Menschen wirklich begreifen. So greift er nun das Bild von einem Kaufmann auf, der eine wertvolle Perle findet. Er verkauft alles, um sich diese eine wertvolle Perle leisten zu können. Dieses Gleichnis sagt dasselbe aus wie das erste: Der Mensch findet das Reich Gottes und verkauft dafür alles. So kostbar ist es. Jesus vergleicht das Reich Gottes öfter mit einer Perle, auch wenn er von den Perlen spricht, die nicht vor die Säue geworfen werden sollen.
Nach diesen beiden Gleichnissen für die Kostbarkeit des Reiches Gottes greift Jesus ein endzeitliches Bild auf, das für seine Apostel von besonderer Wichtigkeit ist: Wenn Fischer Netze ins Meer werfen und damit Fische fangen, ziehen sie die Beute ans Ufer und sortieren aus. Das greift Jesus ja bereits auf, als er aus den Berufsfischern Menschenfischer machen möchte. Sie sollen keine Fischer mehr, sondern Menschen fangen – für das Reich Gottes. Nun wird das Bild eschatologisch ausgelegt, also auf die Endzeit bezogen, wie Jesus selbst deutet: Die Engel, die schon letzte Woche als eschatologische Helfer herangezogen werden (sie helfen dem Menschensohn bei der Sammlung aller Menschen zum Weltgericht), werden hier zu den Fischern, die die gefangenen Menschen aussortieren. Die guten Menschen, also jene, die die Gebote Gottes gehalten haben, werden in die Körbe getan, das heißt ins Himmelreich. Die schlechten Menschen, die also in der Sünde verharrten trotz unzähliger Umkehrchancen, werden weggeworfen, „in den Feuerofen (…) Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.“ Das ist deutliche Höllensprache. Der Mensch, der sich diese Ewigkeit ausgesucht hat, wird von Gott für immer abgeschnitten sein.
Jesus fragt, ob sie es alle verstanden haben. Die Jünger bejahen es. Jesus möchte wirklich, dass seine Jünger das gut begreifen, damit sie diesen Vorgang in der Zwischenzeit gut vorbereiten. Sie sollen so viele Menschen wie möglich zunächst einmal fangen, ihre Netze auswerfen und das Wort Gottes verbreiten, den steten Appell zur Umkehr in die Welt hinausrufen, bis die Endzeit kommt und dann die Ausbeute begutachtet wird.
Jesus greift zum Ende hin noch ein wichtiges Wort auf: Der Schriftgelehrte, der das Alte Testament also sehr gut kennt, der dann zum „Jünger des Himmelreiches“ geworden ist, gleicht einem Hausherrn, der alte und neue Schätze hervorholt. Beides sind Schätze und gehen zusammen. Es ist sogar etwas Fruchtbares, sowohl im Alten Testament studiert zu sein, was die Juden ihre Heilige Schrift nennen, und zugleich die neuen Schätze des Evangeliums Christi als kostbaren Schatz zu pflegen. Gerade das Matthäusevangelium ist so geschrieben, dass Altes und Neues miteinander verknüpft wird in einem Verheißung-Erfüllung-Schema. Beide Bünde werden in ihrem Zusammenhang betrachtet und die Heilsgeschichte Israels mit der des neuen Bundes in eine gemeinsame Heilsgeschichte gebracht. Juden und Heiden sitzen nun in einem gemeinsamen Boot. Sie verfolgen ein und denselben Schatz – das Reich Gottes.

Heute hören wir von dem kostbarsten Gut, das wir Menschen erstreben können – Gottes überirdische Güter, seine unermessliche Gnade. Streben wir diese an, nicht die Güter, die nur vorübergehend sind. Nur die Gnade Gottes kann uns glücklich machen und das Gefühl geben, dass wir nicht nach kurzer Zeit schon wieder mehr begehren. Bei Gott kommt unser Herz zum Ziel. Bei Gott kommen wir zuhause an.

Ihre Magstrauss

Apostel Jakobus (Fest)

2 Kor 4,7-15; Ps 126,1-2b.2c-3.4-5.6; Mt 20,20-28

Heute gedenken wir des Apostels Jakobus. Es gibt im Zwölferkreis ja zwei mit diesem Namen. Heute feiern wir den Älteren, den Zebedäussohn und Bruder des Apostels Johannes. Er ist bereits 41 n.Chr. durch Herodes Agrippa hingerichtet worden und somit der erste Märtyrer unter den zwölf Aposteln.

2 Kor 4
7 Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt.

8 Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; 9 wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet.
10 Immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird.
11 Denn immer werden wir, obgleich wir leben, um Jesu willen dem Tod ausgeliefert, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleisch offenbar wird.
12 So erweist an uns der Tod, an euch aber das Leben seine Macht.
13 Doch haben wir den gleichen Geist des Glaubens, von dem es in der Schrift heißt: Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet. Auch wir glauben und darum reden wir.
14 Denn wir wissen, dass der, welcher Jesus, den Herrn, auferweckt hat, auch uns mit Jesus auferwecken und uns zusammen mit euch vor sich stellen wird.
15 Alles tun wir euretwegen, damit immer mehr Menschen aufgrund der überreich gewordenen Gnade den Dank vervielfachen zur Verherrlichung Gottes.

In der Lesung hören wir heute einen Ausschnitt aus dem zweiten Korintherbrief. Dort wird die Leidensgemeinschaft Pauli mit Christus thematisiert. Was er dazu schreibt, passt aber auch sehr gut zu den anderen Aposteln. Auch sie sind in ihrem Leiden mit Christus verbunden.
Das Evangelium Jesu Christi und die Gnade Gottes, die damit einhergeht, ist ein einziger Schatz. Diesen sollen die Apostel verkünden und in die ganze Welt hinaustragen, damit das Licht in jeder Finsternis aufleuchte. Diese große Aufgabe ist aber auch eine Bürde. Die Apostel sind selbst nur schwache Menschen. Sie sind wie zerbrechliche Gefäße, wie es Paulus selbst hier sagt. Auch er ist gesandt, diese Aufgabe zu tun, nämlich bei den Heiden.
Aber die Zerbrechlichkeit und Schwäche der Apostel ist es ja, die sie nie vergessen lässt, „dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht“ von den Aposteln selbst kommt. So werden sie sich nie selbst rühmen.
Es ist eine wirklich schwierige Berufung, Apostel Jesu Christi zu sein: „Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben“. Auch die Nachfolger der Apostel ereilt dasselbe schwere Leben. Von vielen Heiligen wissen wir, dass sie sich vor der Berufung zum Bischof versteckt haben, ganz berühmt ist das Verstecken des Hl. Martin im Gänsestall. Es ist wirklich eine undankbare Aufgabe bis heute, Bischof zu sein. Die Apostel werden vielleicht von überall her bedrängt, aber doch finden sie noch Raum. Auch wenn sie oft in Situationen der Ratlosigkeit geraten, verzweifeln sie nicht. Auch wenn sie in die Knie gezwungen werden, schlägt man sie nicht k.o. Paulus selbst kann so viele Beispiele nennen: Er hat mehrfach Schiffbruch erlitten und ist doch nicht ertrunken. Er wurde sogar gesteinigt und hat es überlebt.
Er betrachtet sein leidvolles Leben dabei mystisch, was die richtige Haltung auch für den Apostel Jakobus darstellt, aber auch für jeden Christen auf der Welt: Alle Getauften, aber besonders die Geweihten, tragen das „Todesleiden Jesu“ am eigenen Leib. Jesus hat es mit folgenden Worten formuliert: „Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach (Mt 16,25).“ Jüngerschaft bedeutet, Jesus auf seinem Kreuzweg nachzugehen und mit ihm gemeinsam in die Finsternis des Karfreitags zu steigen. Nur so können seine Jünger auch mit ihm gemeinsam auferstehen nach dem Tod.
Deshalb erleiden besonders die Apostel vieles um des Himmelreiches willen.
Und doch sind sie nicht auf sich allein gestellt, sondern der Geist des Glaubens erfüllt sie. Sie haben dadurch die Kraft, zu verkünden. Die österliche Hoffnung lässt sie weitermachen, auch wenn es schwer wird. Sie haben nicht ihre eigene Bequemlichkeit im Blick, sondern das Heil der Menschen, denen sie das Evangelium verkünden. Sie haben auch Gott selbst im Blick, dessen Heilstaten das Ruhm und den Lobpreis aller Menschen verdienen.
Der Hl. Jakobus ist der erste Märtyrer des Zwölferkreises und hat dieses Todesleiden Jesu Christi an sich selbst als erster erfahren dürfen. Er ist in die Nacht des Karfreitags hinabgestiegen, um in der Herrlichkeit Gottes aufzuerstehen. Am Ende der Zeiten wird diese Auferstehung auch eine leibliche sein.

Ps 126
1 Ein Wallfahrtslied. Als der HERR das Geschick Zions wendete, da waren wir wie Träumende.
2 Da füllte sich unser Mund mit Lachen und unsere Zunge mit Jubel. Da sagte man unter den Völkern: Groß hat der HERR an ihnen gehandelt!
3 Ja, groß hat der HERR an uns gehandelt. Da waren wir voll Freude.
4 Wende doch, HERR, unser Geschick wie die Bäche im Südland!
5 Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten.
6 Sie gehen, ja gehen und weinen und tragen zur Aussaat den Samen. Sie kommen, ja kommen mit Jubel und bringen ihre Garben.

Als Antwort auf die Lesung beten wir einen Wallfahrtspsalm. Er thematisiert u.a. den Beistand und die Rettung Gottes aus der Not.
Das „Geschick Zions“, das sich gewendet hat, ist die Not Israels, aus der Gott sein Volk geführt hat. Dies ist besonders eindrücklich mit dem Auszug aus Ägypten deutlich geworden sowie mit der Rückführung der Deportierten aus dem Babylonischen Exil zurück in die Heimat.
Die Leidenden, die endlich das Ende ihrer langen Leidensgeschichte schauen dürfen, sind wie Träumende, weil es kaum zu fassen ist. Kann diese unglaubliche Wende wirklich wahr sein?
Gottes Heilstaten erfüllen das Volk mit Lachen und Jubel. Gott ist es, der den Menschen wirklich glücklich machen kann. Freude ist eine Frucht des Hl. Geistes. Sogar die umliegenden Völker müssen zugeben, dass JHWH allmächtig ist. Aus heutigem Anlass dürfen wir diese Worte auf alle Getauften beziehen, die durch das Sakrament der Taufe aus dem Exil ihres Lebens die Chance auf die Rückkehr ins Paradies erhalten haben. Nach so langer Zeit ist der Menschheit wieder die Hoffnung geschenkt worden, nach dem Tod bei Gott sein zu dürfen. Auf besondere Weise sind die Apostel wie Träumende, als sie Jesus den Auferstandenen in ihrer Mitte erkennen. Wie sehr muss es sie mit Freude und Jubel erfüllt haben, dass Jesus, dessen Tod sie so schmerzlich betrauert haben, lebt! Und auch wir, die wir Jesus in der Eucharistie schauen dürfen, sind wie Träumende. Ist das wirklich wahr, dass Gott sich so klein macht, dass wir ihn in einer Hostie sehen und ihn in uns aufnehmen dürfen? Das muss doch ein Traum sein, so schön ist das!
Doch es ist noch nicht der Himmel. Das Leiden geht weiter. Wir waren voll Freude, doch dann kommt der Alltag mit den Sorgen und Problemen, vor allem mit den Anfechtungen. Die Anfangseuphorie der Taufe verschwindet sehr schnell, wenn es um das nackte Überleben der Seele geht. Und dann ruft der Mensch nach Gottes Gnade und Beistand. Möge er doch wie damals das Geschick des Menschen wenden, denn dieses Leben bringt auch weiterhin Tränen. Das betrifft Israel, das ins verheißene Land kommt und allerlei Schwierigkeiten hat, sich zu etablieren. Das betrifft Israel auch nach der Rückkehr aus dem Exil. Wie schwer war es doch für die Israeliten, den Tempel wieder aufzubauen, die Städte wieder bewohnbar zu machen und wieder Erträge auf den Feldern zu erzielen! Der Weg dorthin war sehr steinig und das betrifft auch die Jünger Jesu. Nicht lange nach dem freudigen Pfingstereignis kamen die ersten Widerstände, als Petrus und Johannes im Tempel einen Mann geheilt haben. Sofort mussten die Apostel mit Verfolgungen und Angriffen, Feindseligkeiten und Verleumdungen umgehen. Für sie war das ganze restliche Leben ein steiniger Weg. Wie viele Tränen haben sie vergossen! Und auch für jeden Getauften bis heute ist es ein einziger Kreuzweg. Niemand hat gesagt, dass mit der Taufe alles himmlisch auf Erden ist. Dann beginnt der steinige und steile Anstieg zum Himmelreich erst so richtig! Wie sehr wird der Christ versucht, angegriffen, angefeindet von anderen Menschen, verleumdet sogar von den eigenen Familienmitgliedern und Freunden. Dieses Leben ist ein einziges Tal der Tränen, solange Gottlosigkeit herrscht. Doch wir leben in der Sehnsucht nach dem Ende der Zeiten, bei dem Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird. Wir leben auch auf die Ewigkeit hin, die uns nach unserem irdischen Tod erwartet. Dann wird Gott die Tränen abwischen und ewige Freude schenken. Der Hl. Jakobus durfte dies von den Aposteln als erstes erfahren. Seine Tränen wurden als erstes abgewischt, als er für seine Treue zu Christus umgebracht worden und in die Gegenwart Gottes gekommen ist. Weil er unter Tränen ausgesät hat, kommt er in der Ewigkeit mit vielen Garben vor den Thron Gottes. Er ist ein treuer Arbeiter im Weinberg bzw. auf dem Acker des Herrn.

Mt 20
20 Damals kam die Frau des Zebedäus mit ihren Söhnen zu Jesus, fiel vor ihm nieder und bat ihn um etwas.

21 Er fragte sie: Was willst du? Sie antwortete: Versprich, dass meine beiden Söhne in deinem Reich rechts und links neben dir sitzen dürfen!
22 Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? Sie sagten zu ihm: Wir können es.
23 Da antwortete er ihnen: Meinen Kelch werdet ihr trinken; doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die es mein Vater bestimmt hat.
24 Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über die beiden Brüder.
25 Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker unterdrücken und die Großen ihre Vollmacht gegen sie gebrauchen.
26 Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein,
27 und wer bei euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein.
28 Wie der Menschensohn nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.

Im Evangelium hören wir von einer Begebenheit, bei der die Mutter der Zebedäussöhne Jesus um einen Gefallen bittet: Sie sagt zu Jesus: „Versprich, dass meine beiden Söhne in deinem Reich rechts und links neben dir sitzen dürfen!“ Das ist schon eine sehr mutige Bitte, denn der Anspruch ist wirklich sehr hoch. Sie sollen nicht nur in sein Reich kommen, sie sollen sogar direkt neben ihm sitzen! An ihrer Bitte erkennen wir ihre große Mutterliebe. Ihr ist es wichtig, dass ihre Söhne in der Ewigkeit ein heilvolles Leben erhalten.
Jesus entgegnet ihr sowie den beiden, dass sie das Ausmaß dieser Bitte einmal richtig erfassen müssen. Denn auf dem Platz neben Jesus zu sitzen bedeutet zugleich, ihm auf dem Kreuzweg zu folgen. Das ist mit dem Trinken des Kelchs gemeint. Jesus fragt sie direkt, ob sie das können und sie bejahen es. Jesus weiß schon um ihr Lebensende und kann deshalb bestätigen, dass sie es tun werden. Heute gedenken wir ja dieses Todes des älteren Bruders. Er wird den Kelch trinken, indem er durch das Schwert hingerichtet wird. Johannes wird im wahrsten Sinne des Wortes den Kelch trinken – den Giftbecher, dessen Wirkung er aber auf wundersame Weise überlebt. Er wird eines natürlichen Todes sterben.
Jesus geht es darum, die Kompetenz der Platzzuweisung dem Vater zu überlassen. Wir wissen von der Johannesoffenbarung, dass die Apostel auf Thronen um den göttlichen Thron herum sitzen werden. Sie weilen alle in der direkten Nähe Gottes.
Deshalb ist es auch überflüssig, über die himmlische Sitzordnung zu streiten. Die übrigen zehn Apostel werden nämlich wütend über die Zebedäussöhne. Was sie aufregt, ist eine falsche Haltung bezüglich des Aufenthalts bei Gott. Sie ranken sich um Ehrenplätze, statt um das größte Maß an Dienst wettzueifern. Sie sollten sich darum bemühen, als Apostel der beste Sklave zu sein. Jesus hat seinen Aposteln im Abendmahlssaal dann die Füße gewaschen und zu ihnen gesagt, dass sie es ihm gleich tun sollen.
Es geht also nicht darum, im Himmelreich wie ein König behandelt zu werden, sondern sich im irdischen Leben wie ein Sklave für die anderen ganz hinzugeben. Wer sich aus Liebe zu Gott ganz erniedrigt hat, wird am Ende die Königskrone aufgesetzt bekommen – als Preis für die größte Demut. Wer aber zu Lebzeiten die Krone an sich reißen will, wird gar nicht erst ins Himmelreich gelangen. Keine Hochmütigen haben dort Platz.

Die Apostel werden die Worte Jesu der heutigen Episode beherzigt haben. Denn sie haben sich alle ganz verschenkt um des Himmelreiches willen. Sie haben ihr Leben verschenkt als Zeichen ihrer Liebe und Treue und mit dem eigenen Blut bezahlt. So ist dem Hl. Jakobus die Krone des Himmelreiches als erstes zuteilgeworden.

Hl. Jakobus, bitte für uns!

Ihre Magstrauss

Freitag der 16. Woche im Jahreskreis (Hl. Christophorus)

Jer 3,14-17; Jer 31,10.11-12b.13; Mt 13,18-23

Jer 3
14 Kehrt um, ihr abtrünnigen Söhne – Spruch des HERRN; denn ich bin euer Gebieter. Ich hole euch, einen aus jeder Stadt und zwei aus jeder Sippe, und bringe euch nach Zion.

15 Ich gebe euch Hirten nach meinem Herzen; mit Einsicht und Klugheit werden sie euch weiden.
16 Und wenn ihr euch im Land vermehrt und fruchtbar seid in jenen Tagen – Spruch des HERRN – , wird man nicht mehr rufen: die Bundeslade des HERRN! Sie wird niemand in den Sinn kommen; man denkt nicht mehr an sie, vermisst sie nicht und sie wird nicht wiederhergestellt.
17 In jener Zeit wird man Jerusalem Thron des HERRN nennen; dort, beim Namen des HERRN in Jerusalem, werden sich alle Völker versammeln und sie werden nicht mehr der Verstocktheit ihres bösen Herzens folgen.

In der Lesung hören wir an diesem heutigen Gedenktag mehrerer großer Heiliger – dem Hl. Christophorus und des Hl. Charbel – aus dem Buch Jeremia. Das gesamte Kapitel ist ein einziges Streitgespräch Gottes mit Israel und Juda, dem Nord- und dem Südreich. Gott stellt beiden die große Schuld vor Augen und erhebt schwere Vorwürfe. Er tut dies, um die Drastik der ganzen Situation aufzuzeigen und beide aufzurütteln. Er möchte, dass sie von Herzen umkehren. Deshalb stellt er beiden auch ganz großes Heil in Aussicht. Was wir heute hören, ist der Umkehraufruf an die beiden sowie dieses Heilsaussichten.
„Kehrt um, ihr abtrünnigen Söhne“ meint die Stämme der beiden Reiche, die zu den zwölf Stämmen gehören. Gott ist ihr Gebieter und sammelt aus jeder Stadt und jeder Sippe Menschen in Zion. Das allein ist schon ein Heilscode. Von mehreren Propheten ist die Sammlung auf dem Zion ein Bild für das eschatologische Heil, das von Gott kommt. Das erfüllt sich mit Jesus Christus, dessen Kreuzesopfer genau zum Passahfest vollzogen wird, als viele Menschen aus umliegenden Orten und Ländern nach Jerusalem kommen. Es betrifft auch die Kirche, deren Geburtstag ausgerechnet mit dem Wochenfest zusammenfällt, an dem Menschen aus umliegenden Orten und Ländern nach Jerusalem pilgern. Am Ende der Zeiten wird es sich vollenden, wenn dann nicht mehr der gekreuzigte Christus als personifiziertes Zion und nicht mehr die Kirche mit der Eucharistie als sakramentales Zion der Sammlungsort sein werden, sondern der unverhüllte Gott in ihrer Mitte – im himmlischen Zion.
„Ich gebe euch Hirten nach meinem Herzen; mit Einsicht und Klugheit werden sie euch weiden.“ Das Buch Jeremia kündigt an, was sich mit Jesus erfüllen wird: Gott sucht sich höchstpersönlich Hirten für die Herde aus. Jesus hat einen Oberhirten, zu dem er sagt: „Und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ Zugleich sagt er zu Petrus, „Weide meine Schafe“. Jesus wählt zwölf Männer als seinen engsten Jüngerkreis aus und verleiht ihnen seine Vollmacht. Sie werden am Pfingsttag mit der hier angekündigten „Einsicht und Klugheit“ ausgestattet, die wichtige Geistesgaben darstellen.
„Und wenn ihr euch im Land vermehrt und fruchtbar seid in jenen Tagen“ ist wörtlich-historisch zunächst auf das Nord- und Südreich zu beziehen, das sich normal ausbreiten kann. Das ist nicht selbstverständlich, betrachtet man die vielen Unterdrückungen durch Fremdherrscher. In einer fruchtbaren Zeit, also in einer Phase des Segens, kann auch tiefer betrachtet werden: Wenn das Reich Gottes sich verbreitet, indem Jesus es verkündet und die messianischen Heilstaten vollbringt. Es ist auch auf die Kirche zu beziehen, die sich rasant verbreitet, sobald der Hl. Geist sie belebt hat. Diese Leserichtungen sind deshalb so wichtig, weil im zweiten Teil des Verses der Verlust der Bundeslade gar nicht bedauert wird. Man wird sogar nicht mehr an sie denken! Wie ist das zu verstehen? Für das Alte Israel ist das schon dahingehend ein Heilszeichen, weil schon damals die apokalyptische Vorstellung bestand, dass Gott am Ende der Zeiten in der Mitte seines Volkes leben werde. Auch in der Johannesoffenbarung sieht der Visionär das Wohnen Gottes unter den Menschen, weshalb ein Tempel wie auf Erden überflüssig wird.
Wir verstehen diesen Teilvers aber auch christologisch sowie ekklesiologisch: Jesus Christus ist zum Ort der Anbetung geworden. Die Bundeslade mit den steinernden Tafeln ist nun abgelöst worden von Gottes eigenem Sohn, der die Personifizierung der Torah ist. Wo Christus ist, da ist Gottes Gegenwart, nicht mehr dort, wo die Bundeslade ist. Seine eucharistische Gegenwart ist in jeder katholischen Kirche zu finden, weshalb der Ort der Anbetung Christi überall dort ist. In der Zeit Jesu als Mensch auf Erden sowie in der Zeit der Kirche wird man die Bundeslade also gar nicht mehr brauchen oder vermissen. Gott selbst ist auf die Erde gekommen!
Was Jeremia hier verheißt, steht noch aus. Es wird zukünftig geschehen, dass Jerusalem der Thron Gottes wird. Das steht in vollendeter Form auch heute noch aus, denn es wird sich wie gesagt am Ende der Zeiten zutragen. Doch wir dürfen es jetzt schon sakramental erahnen. „Jerusalem“ ist überall da, wo die eucharistische Gegenwart Christi vorhanden ist und die Gläubigen sich zum Gebet versammeln.

Jer 31
10 Hört, ihr Völker, das Wort des HERRN, verkündet es auf den Inseln in der Ferne und sagt: Der Israel zerstreut hat, wird es sammeln und hüten wie ein Hirt seine Herde!
11 Denn der HERR hat Jakob losgekauft und ihn erlöst aus der Hand des Stärkeren.
12 Sie kommen und jubeln auf Zions Höhe, sie strahlen vor Freude über die Wohltaten des HERRN, über Korn, Wein und Öl, über Lämmer und Rinder. Sie werden wie ein bewässerter Garten sein und nie mehr verschmachten.
13 Dann freut sich die Jungfrau beim Reigentanz, ebenso Junge und Alte zusammen. Ich verwandle ihre Trauer in Jubel, tröste sie und mache sie froh nach ihrem Kummer.

Als Antwort auf die Heilsaussichten der Lesung beten wir einen Ausschnitt aus dem Buch Jeremia.
„Hört, ihr Völker, das Wort des HERRN, verkündet es auf den Inseln in der Ferne“ ist ein Appell an die nichtjüdischen Völker, denn wir lesen das hebräische Wort גֹּויִם gojim. Sie sollen das Folgende auf den Inseln verkünden. Damit sind immer die weit entfernten Orte gemeint und das Gesagte wird somit zu einer universalen Botschaft. Die Völker sollen anerkennen, dass Israels Gott der Wahre ist. Er hat die Macht, es zu zerstreuen. Das haben die Völker ja mit eigenen Augen gesehen, als Juda ins Babylonische Exil verbannt worden ist. Sie werden bezeugen, wie derselbe Gott die Zerstreuung wieder aufheben wird, indem er sein Volk wie ein Hirt seine Herde sammeln wird. Das bezieht sich auf die Heilsaussichten nach dem Babylonischen Exil, das ist aber auch geistig zu verstehen. Die nichtjüdischen Zeugen sehen, wie Jesus Menschen um sich versammelt und sie zu seinen Jüngern macht. Er sammelt seine Herde, die zum Reich Gottes gehören möchte. Doch diese Sammlung betrifft nicht mehr nur Israel als Zwölf-Stämme-Bund, sondern nun einen universalen Bund mit Menschen aller Völker, Stämme, Sprachen und Nationen.
Auf wörtlich-historischer Ebene bezieht sich dieser Jeremiatext dennoch auf das Alte Israel, das Gott loskauft aus der Hand des Feindes. Diese Sprache ist den Juden bekannt. Gott hat den zwölf Stämmen das Verheißene Land geschenkt. Jedem steht ein Stück davon zu. Wenn man sich jedoch verschuldet hat und das Land an einen anderen ging, konnte ein Verwandter, also ein Angehöriger derselben Sippe, dieses Land für den Verschuldeten wieder zurückkaufen. Dieser Loskauf wurde „Auslösung“ oder „Erlösung“ genannt. Was hier also ausgesagt wird, ist Gottes Loskauf des Landes für sein auserwähltes Volk, das durch die eigenen Sünden das Verheißene Land an den Fremdvölkern verloren hat. Es beweist also Gottes unendliche Barmherzigkeit. Eigentlich hätte er Israel die Folgen der Sünde unendlich spüren lassen. Stattdessen möchte er ihm das Land zurückgeben!
Mit dem Bild der Auslösung wird auch die Erlösung Jesu Christi umschrieben. Was er durch Kreuz und Auferstehung erwirkt hat, ist ein Loskauf aus der Verschuldung des „Verheißenen Landes“, des Paradieses. Die Menschen lebten in einem Exil fernab von Gottes Ewigkeit. Nun hat er ihnen dieses „Land“ zurückgegeben. Der Mensch kann die Herrlichkeit Gottes wieder schauen. Die Verschuldung durch die Sünde ist beglichen, weil Christus für die gesamte Sünde der Welt gesühnt hat.
„Sie kommen und jubeln auf Zions Höhe, sie strahlen vor Freude über die Wohltaten des HERRN“ greift nun auf, was wir bereits in der Lesung gehört haben. Betrachtet man dieses universale Kommen aus allen Himmelsrichtungen eschatologisch, ist es das Endziel des Menschen und damit verbunden die Freude und der Jubel Indikatoren der himmlischen Wirklichkeit. Auch die Rede vom bewässerten Garten, der nie mehr verschmachtet, ist schon in alttestamentlicher Zeit eschatologisch interpretiert, also auf das Himmelreich bezogen worden. Auch der Wandel der Trauer in Freude ist ein typisches Motiv der Endzeit. Der Trost Gottes ist ebenfalls als solche Verheißung für das Ende der Zeiten zu verstehen. Diese hier aufgezählten Motive sind typisch für apokalyptische Texte.

Mt 13
18 Ihr also, hört, was das Gleichnis vom Sämann bedeutet.

19 Zu jedem Menschen, der das Wort vom Reich hört und es nicht versteht, kommt der Böse und nimmt weg, was diesem Menschen ins Herz gesät wurde; bei diesem ist der Samen auf den Weg gefallen.
20 Auf felsigen Boden ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt;
21 er hat aber keine Wurzeln, sondern ist unbeständig; sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, kommt er sofort zu Fall.
22 In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört, und die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum ersticken es und es bleibt ohne Frucht.
23 Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt Frucht – hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.

Im Evangelium hören wir von dem Gleichnis des Sämanns, das vor einiger Zeit das Sonntagsevangelium darstellte. Wir hören dabei die Deutung: Der Sämann ist Christus, der Same das Wort Gottes. Es geht um die verschiedenen Beschaffenheiten des Bodens, auf den das Wort Gottes fällt. Es sind die unterschiedlichen Herzenshaltungen der Menschen, mit denen sie Jesu Predigt in sich aufnehmen: Der Same auf dem Weg wird vom Satan direkt geraubt, bevor es Wurzeln schlagen kann. Warum ausgerechnet auf dem Weg? Es sind die Menschen, die im Prozess der Umkehr sind, die noch auf dem Weg zu Gott sind. Der Satan gerät in Panik und tut alles, damit die Seele nicht für Christus gewonnen wird. Er will die Seele für sich behalten. Deshalb müssen wir sehr viel für jene beten, die Gott suchen und vielleicht sogar schon auf dem Weg zur Taufe sind. Sie erleiden starke Anfechtungen und Versuchungen, denn Satan will unsere Königskindschaft mit allen Mitteln verhindern.
Der felsige Boden ist die Haltung der Menschen, die einen oberflächlichen Glauben haben, ohne Wurzeln und unbeständig. Beim ersten Widerstand geben sie auf, weil es zu unangenehm wird und es ihnen aufgrund der fehlenden Wurzeln den Boden unter den Füßen wegzieht. Solche „christlichen Sanguiniker“ sind diejenigen, die sich das Angenehme gern herauspicken und das Unangenehme ausblenden. Sie sind felsig, das heißt, sie wollen sich nicht ganz formen lassen von Gott, der auch mal züchtigen muss, der für uns nicht immer nur Feierlaune, sondern auch mal den grauen Alltag bereithält. Die Felsen der eigenen Voreingenommenheit, die Patchwork-Mentalität zerstören aber die Samen des Wortes Gottes. So wächst es nicht in jenen Menschen, so werden jene Menschen also nicht zum Leib Christi, dem fleischgewordenen Wort Gottes.
Die Herzenshaltung des dornigen Gestrüpps ist besonders tödlich. Gottes ewiges Wort, seine Weisheit, die nicht von dieser Welt ist, gerade auch vom Denken her, ist ganz anders als die Sichtweise der Welt mit ihren Verlockungen und ihrer Sünde. Doch in Menschen, die so weltlich eingestellt sind, auch gerade Menschen, die sich übertriebene Sorgen machen, also zu wenig Gottvertrauen besitzen, kann das Wort Gottes nicht keimen, Wurzeln schlagen, wachsen, Früchte tragen. Es stirbt sofort ab, weil das Herz voll von anderem ist. Jesus, das Wort Gottes, findet keinen Platz im Herzen solcher Menschen. Und er ist ein Gentleman. Wer ihn nicht hineinlässt, den lässt er auch in Ruhe. Dieses Dornengestrüpp breitet sich in unserer Kirche heutzutage rasant aus. Immer weniger Geistliche sind noch geistlich eingestellt. Wie viele unserer deutschen Bischöfe bestimmen ihr gesamtes Wirken noch von Christus her, dessen Reich nicht von dieser Welt ist? Es dominiert immer mehr die menschliche und weltliche Denkweise. Das Humanistische erfüllt die ganzen kirchlichen Grundvollzüge – so stark, dass für den Hl. Geist kein Platz mehr übrig bleibt.
Schließlich beschreibt Jesus die Fruchtbaren – die, die hören, aufnehmen und Frucht tragen. „Hören“ meint mehr als nur das physische Hören. Es meint den Ge-hor-sam, das Hören mit dem Glauben, das „auf ihn Hören“. In sich aufnehmen tun jene das Wort Gottes, die es an sich heranlassen. Die es akzeptieren und be-herzigen im wortwörtlichen Sinn: die es in sich verarbeiten, es betrachten, darüber nachdenken, es immer tiefer zu verstehen versuchen, die es nicht nur oberflächlich und rein informativ registrieren. Maria ist ein perfektes Beispiel für das „in sich Aufnehmen“. Sie bewahrt alle Geschehnisse in ihrem Herzen und denkt darüber nach. Das macht sie zur perfekten Jüngerin und dem fruchtbarsten Boden – auf dem das Wort Gottes deshalb auch Fleisch geworden ist! Früchte trägt das Wort Gottes dann, wenn die Menschen es in ihr eigenes Denken aufgenommen haben, wenn es von da an ihre eigenen Gedanken, Worte und Taten bestimmt, wenn es konkrete Auswirkungen hat im Verhalten.
Am Ende wird Jesus noch einen drauflegen. Er wird nicht nur das Wort Gottes säen in Form von gesprochenem Wort und Heilsdienst. Er wird sich selbst hingeben für die vielen Menschen am Kreuz. Er wird sein Fleisch und Blut austeilen und auch dann wird es auf unterschiedlichen Boden fallen. Der neue Bund wird allen Menschen angeboten, doch annehmen werden ihn nicht alle. Viele wird es kalt lassen, was Jesus für sie getan hat. Viele werden es zunächst annehmen und dann beim ersten Problem von ihm weglaufen. Nicht alle werden fruchtbar. Einige werden nicht glauben, dass Jesu Tat sie wirklich gerettet hat. Sie werden an ihrem fehlenden Vertrauen an Gott ersticken.
Jesus sät seinen „Samen“, d.h. sein Fleisch und Blut, in jeder Hl. Messe in das Herz der Kirche. Er sät sein Fleisch in unsere Herzen, die wir ihn in der Kommunion empfangen! Wird sein Same dort auf fruchtbaren Boden fallen? „Du bist, was du isst.“ Das ist nicht nur der Slogan von Wasa, das ist zuerst das Motto der Eucharistie. Wir werden immer mehr zum Leib Christi, indem wir ihn empfangen. Dies wird sich in unseren Gedanken, Worten und Werken immer mehr zeigen. Auch gerade im Alltag, da wo uns keiner sieht, da wo wir dann umsetzen sollen, was wir gelernt haben.
Das alles drückt Jesus heute im Evangelium aus.

Bitten wir heute den Hl. Christophorus und den Hl. Charbel um ihre Fürsprache, ein fruchtbarer Boden zu werden für das Wort Gottes, auf dass sein Same in uns Frucht trage.

Ihre Magstrauss

Birgitta von Schweden (Fest)

Gal 2,19-20; Ps 34,2-3.4-5.6-7.8-9.10-11; Joh 15,1-8

Heute ist das Fest der Hl. Birgitta von Schweden. Sie ist Schutzpatronin Europas und somit eine bedeutende Heilige unseres Kontinents. Sie ist zudem als Ordensgründerin bekannt. Der Orden wurde zunächst „Orden des Allerheiligsten Erlösers“ genannt, bevor er ihren Namen erhielt – Birgittenorden.

Gal 2
19 Denn ich bin durch das Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich für Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt worden.

20 Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. Was ich nun im Fleische lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat.

In der heutigen kurzen Lesung hören wir zwei Verse aus dem Galaterbrief, in dem Paulus das Verhältnis von Jesus und Torah herausstellt. Diese wird hier mit „Gesetz“ wiedergegeben. Paulus ist in diesem Brief sehr polemisch, weil im Hintergrund eine Auseinandersetzung mit Judenchristen steht, die seine Apostolizität infrage stellen. Sie kritisieren auch, dass Heidenchristen sich nicht zusätzlich beschneiden lassen und die Torah halten. Für sie muss auch dies noch weitergeführt werden. Dagegen argumentiert Paulus im Galater- sowie im Römerbrief.
Der direkte Kontext dieser Verse ist ein Streitgespräch mit Petrus, das Paulus führt, als dieser inkonsequent mal mit den Heiden zusammen isst, mal nicht.
„Denn ich bin durch das Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich für Gott lebe.“ Wir müssen eines klarstellen: Christus hat die Torah nicht abgeschafft, sondern erklärt, wie die Torah wirklich zu verstehen ist. Er hat die Verkomplizierungen, die die Menschen selbst herbeigeführt haben, ausgeblendet, auf das Wesentliche zurückgeführt, nämlich auf die göttlichen Gebote, und ihre Auslegung radikalisiert. Aber darum geht es hier nicht. Wenn Paulus über die Torah spricht, geht es um ihre Heilsnotwendigkeit: Muss der Mensch die Torah halten als BEDINGUNG für die Erlösung zusätzlich zum Erlösungswirken Christi, das der Mensch in der Taufe annimmt? Paulus sagt ganz klar NEIN. Der Mensch konnte von sich aus nicht gerecht werden aufgrund der gefallenen Natur. Christus hat dies erwirkt durch sein eigenes Blut. „Durch das Gesetz“ ist der Mensch „dem Gesetz gestorben“, das heißt durch die menschgewordene Torah. Das geschriebene Wort, das Gesetz und die Propheten, bezeugen den Messias, der nun gekommen ist und die Welt gerettet hat. Er hat die Torah radikalisiert und aufgerichtet, um ihre vernichtende Funktion als Anklägerin des Sünders zu entkräften, der gegen die Gebote verstößt. Die Torah ist nun nicht mehr Anklägerin in dem Sinne, dass wer sie nicht hält, nicht erlöst wird. Jesus ist gekommen, um jene zu retten, die aus eigener Kraft vor Gott nicht gerecht werden können – nämlich uns alle. Keiner von uns kann aus eigener Kraft erlöst werden, denn wir alle neigen zur Sünde. Wir alle sind von Natur aus eine gefallene Schöpfung. Nur wenn wir neugeboren werden im Hl. Geist können wir gerecht vor Gott werden. Das geschieht in der Taufe. Durch das fleischgewordene Gesetz ist nun also das Buchstabengesetz abgelöst worden bei der Frage der Rechtfertigung. Doch das heißt nicht, dass der Mensch die Gebote Gottes nicht mehr halten muss. Er ist durch die Taufgnade ja nun dazu befähigt, Gottes Gebote zu halten. Deshalb wird er am Ende seines Lebens auch dafür Rechenschaft ablegen müssen.
Dem Gesetz gestorben ist der Mensch also in dem Sinne, dass die Einhaltung der Torah ihm nicht die Erlösung schenkt, sondern Gott. Und für diesen lebt man nun, der dem Menschen das ewige Leben ermöglicht hat.
Durch die Taufe wird der Mensch zusammen mit Christus gekreuzigt, gemeint ist der alte, sündige Mensch. Er lebt nun, gemeint ist der neue Mensch, der zur neuen Schöpfung gehört. Weil der Mensch Christus bei der Taufe gleichsam anzieht und dieser in seiner Seele Wohnung nimmt, lebt Christus in dem Getauften.
„Im Fleische leben“ meint in diesem Kontext nun das irdische Leben, nicht den Körper des Getauften getrennt von seiner Seele. Was der Mensch nun im irdischen Leben lebt, ist ein Leben mit Blick auf die Ewigkeit. Da er diese noch nicht sehen kann, ist es ein Leben in Glauben. Wenn der Mensch dann gestorben ist und vor Gott tritt, kommt er vom Glauben zum Schauen. Das Leben des Getauften ist nun ein anderes als zuvor, weil er ja an den Glauben an Christus lebt, der sein Leben für ihn gegeben hat. Es ist ein neues Bewusstsein in absoluter Dankbarkeit und Vertrauen, ja in Vorfreude.

Ps 34
2 Ich will den HERRN allezeit preisen; immer sei sein Lob in meinem Mund.

3 Meine Seele rühme sich des HERRN; die Armen sollen es hören und sich freuen.
4 Preist mit mir die Größe des HERRN, lasst uns gemeinsam seinen Namen erheben!
5 Ich suchte den HERRN und er gab mir Antwort, er hat mich all meinen Ängsten entrissen.
6 Die auf ihn blickten, werden strahlen, nie soll ihr Angesicht vor Scham erröten.
7 Da rief ein Armer und der HERR erhörte ihn und half ihm aus all seinen Nöten.
8 Der Engel des HERRN umschirmt, die ihn fürchten, und er befreit sie.
9 Kostet und seht, wie gut der HERR ist! Selig der Mensch, der zu ihm sich flüchtet!
10 Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen; denn die ihn fürchten, leiden keinen Mangel.
11 Junglöwen darbten und hungerten; aber die den HERRN suchen, leiden keinen Mangel an allem Guten.

Heute beten wir einen wunderbaren Lobpreispsalm, mit dem wir Gottes große Taten rühmen.
„Ich will preisen“ ist ein typischer Psalmenbeginn – die Selbstaufforderung zum Lob. David bekundet sein „Jawort“ gegenüber Gott durch einen andauernden Lobpreis.
Mit „meine Seele“ wird das hebräische Wort נַפְשִׁ֑י nafschi übersetzt, was eigentlich viel mehr als nur die Seele meint. Der Mensch ist laut biblischen Verständnis eine Leib-Seele-Einheit. Das hebräische Wort ist also umfassender zu übersetzen im Sinne von „mein Leben“. Es meint die gesamte Existenz des Menschen, die sich des HERRN rühmen soll. David möchte Gott in allen Lebenslagen, mit seinem ganzen Sein preisen. Er möchte das tun, was wir Menschen in der Ewigkeit dauerhaft vornehmen werden – den Lobpreis Gottes.
„Die Armen sollen es hören und sich freuen“ – warum haben die Armen einen Grund zur Freude? Wenn ein Mensch Gott mit allem preist, was er ist und hat, dann tut er dies auch durch die gelebte Nächstenliebe. Und deshalb können die Armen aufatmen, das heißt die Randständigen, Rechtlosen, die Witwen und Waisen, die Fremden und Kranken. Hier geht es um das Doppelgebot der Liebe. Je mehr jemand in Gott lebt, desto mehr gibt er sich auch für den Nächsten hin. Die Hl. Birgitta von Schweden, derer wir heute gedenken, hat das in vorbildlicher Weise gelebt.
Auch die Lobaufforderung in Vers 4 ist typischer Psalmenstil. Oft ist diese auch so formuliert, dass der Psalmist die ganze Schöpfung oder Bereiche der Schöpfung zum Lob auffordert.
„Ich suchte den HERRN und er gab mir Antwort“ ist, was Jesus in seiner Verkündigung aufgreift, wenn er sagt: „Wer sucht, der findet. Wer anklopft, dem wird aufgetan.“ Hier könnte man die Verbform דָּרַ֣שְׁתִּי daraschti mit „ich habe aufgesucht“ übersetzen, denn Gott antwortet dem Suchenden. Gott ist es, der auch unsere Ängste von uns nimmt. Angst ist nicht vom Hl. Geist und deshalb ist der Mut/die Tapferkeit auch eine Frucht des Hl. Geistes.
Vers 6 ist eine wunderbare Reflektion dessen, wen man eigentlich anschauen soll – nämlich Gott. Wenn man auf ihn schaut und von ihm aus dann auf die Menschen, dann ist es die richtige Haltung. Dann wird man nicht auf das Ansehen der Person achten und sich vom Strahlen des Reichen beeinflussen lassen. Denn Gottes Licht übertönt alles Andere. Es wird auch auf das eigene Gesicht zurückfallen, sodass das einzige Ansehen der Person, auf die wir bei unseren Mitmenschen beachten sollen, die Reflektion des Lichtes Gottes ist. Und da ist es dann egal, ob es das Gesicht eines Armen oder Reichen ist. Und wenn sie die Ärmsten sind, so werden sie keinen Grund zur Scham haben. Gottes Gnade zeichnet sich in ihrem Gesicht ab, was gibt es Höheres? Diese Gnade wird dem Menschen bei der Taufe geschenkt. Und die Getauften sind alle gleich vor Gott in ihrer Würde. Da spielen der Reichtum, die gesellschaftliche Stellung etc. keine Rolle.
So lesen wir in Vers 7, dass Gott die Gebete eines Armen erhört und ihn aus seinen Nöten erlöst.
Bei Gott gibt es kein „Nein“, nur ein „Ja“, „Anders“ oder „Später“.
„Der Engel des HERRN umschirmt, die ihn fürchten, und er befreit sie.“ Er hat die Apostel befreit und beschützt, davon lesen wir sehr oft in der Apostelgeschichte. Er tut dies mit allen Getauften und er hat dies auch mit seiner heiligen Tochter Birgitta getan. Weil die Apostel, die Heiligen, alle gottesfürchtigen Christen Gott fürchten und sich ganz seinem Willen unterstellen, stehen sie unter dem besonderen Schutz Gottes.
„Kostet und seht, wie gut der HERR ist! Selig der Mensch, der zu ihm sich flüchtet!“ Dieses Schriftwort wird vom Priester sehr oft direkt vor dem Kommunionempfang gebetet, also eucharistisch ausgelegt. Ja, wir können kosten, wie gut der HERR ist, wenn wir ihn in uns aufnehmen und uns mit ihm vereinen. Er ist wie Balsam für unsere Seele und umhüllt uns ganz mit seiner Liebe und Barmherzigkeit. Dann ist es wirklich ein Zufluchtnehmen im Meer seiner Barmherzigkeit, ein Eintauchen in den tiefsten Grund seines für uns durchbohrten Herzens.
Wer Gott fürchtet, erleidet keinen Mangel. Das ist im Grunde, was Jesus den Menschen durch das Wort erklärt: Suchet zuerst das Reich Gottes, alles andere wird euch dazugegeben. Das Reich Gottes, Gott selbst, zu suchen, ist genau so eine gottesfürchtige Haltung. Wer Gott zu seiner Nummer eins macht, dem wird Gott alles in Überfülle schenken.
Gott gibt dem Menschen dann alles Gute, was er braucht. Das nennen wir auch Segen.

Joh 15
1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer.

2 Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt.
3 Ihr seid schon rein kraft des Wortes, das ich zu euch gesagt habe.
4 Bleibt in mir und ich bleibe in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so auch ihr, wenn ihr nicht in mir bleibt.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.
6 Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer und sie verbrennen.
7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten.
8 Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.

Im Evangelium wird uns heute der Anfang der zweiten Abschiedsrede vorgelesen.
Dort spricht Jesus eines der zahlreichen „Ich-bin-Worte“ des Johannesevangeliums. Er sagt, dass er der Weinstock ist und der Vater der Winzer. An diesem Weinstock hängen Reben und der Vater schaut sie durch. Er pflegt den Weinstock und schneidet faule Reben ab. Die guten Reben werden gereinigt, um noch besser zu wachsen. Dieses Bildwort bringt Jesus an, um zu verdeutlichen, dass die Apostel solche Reben sind. Der Vater reinigt auch sie, damit sie wachsen. Er schneidet sie ab, wenn sie verfault sind oder keine Frucht bringen. Wir denken an Judas Iskariot, wobei Gott ihm bis zum Schluss noch die Chance zur Umkehr gegeben hat.
Die Apostel sind schon rein kraft des Wortes Jesu. Er hat sie berufen zu seinem engsten Jüngerkreis und sie sind mitgegangen. Sie haben sich für ihn entschieden und sind zum Glauben gekommen. So ist ihre Reinigung durch sein göttliches Wort erwirkt worden. Nun liegt es an ihnen, in diesem Zustand zu bleiben, indem sie in ihm bleiben und er in ihnen. Das ist eine typisch johanneische Wendung, die den Stand der Gnade umschreibt. Das sind Inhalte, die jeden Getauften gleichermaßen betreffen. Auch wir sind durch die Gnade Gottes rein geworden in der Taufe. An uns liegt es nun, diesen Zustand zu behalten, indem wir in seiner Liebe bleiben, konkret: seine Gebote halten.
Jesus wird nun expliziter und sagt direkt, dass er der Weinstock und die Apostel die Reben sind. Wenn sie in ihm bleiben und er in ihnen, sind sie fruchtbare Reben am Weinstock. Fruchtbar können sie jedoch nur in Verbindung mit dem Weinstock sein, sonst faulen und verdorren sie. Das ist ein kraftvolles Bild, das das Leben der Kirche und das des einzelnen Christen zusammenfasst: Wenn wir als Kirche nicht die Gemeinschaft von Reben am Weinstock Jesu Christi sind, hören wir auf, Kirche zu sein. Dann geht es ganz schnell bergab. Diese innige Verbundenheit mit Christus hält die Kirche dadurch am Laufen, dass sie die Eucharistie feiert. So ist Christus inmitten seiner Kirche, die seine Braut ist.
Und auch in unserem ganz persönlichen Lebenswandel versuchen wir, mit dem Kopf durch die Wand zu rennen, wenn wir getrennt von Gott etwas zustande bringen wollen. Ohne seinen Segen wird uns gar nichts gelingen oder nur für kurze Zeit bis zum Burnout. Ohne seinen Segen haben wir weder Kraft, noch Gesundheit, noch Erfolg noch finanzielle Mittel, irgendetwas zu erreichen, das Bestand hat. Gottes Gnade befähigt uns da, wo unsere menschliche Schwäche an ihre Grenzen gerät. Jesus sagt nicht, dass wir nur ein wenig erreichen, er sagt, dass wir gar nichts tun können ohne ihn. Das sind deutliche Worte und wir, die wir zur Familie Gottes gehören, der in unserer Seele Wohnung genommen hat, müssen dies auch nicht. Im Gegenteil: Hand in Hand mit Gottes Gnade werden wir überwältigende Dinge sehen, die wir nie für möglich gehalten hätten! Dann werden wir über uns selbst hinaus wachsen. Versuchen wir aber, aus eigener Kraft etwas zu tun, nehmen wir die Haltung ein, die Paulus in der Lesung kritisiert: Wir greifen Gott unter die Arme und tun so, als ob seine Gnade nicht stark genug wäre. Das ist eine ganz schlimme Form von menschlicher Hochmut.
Jesus sagt, dass wer nicht in ihm bleibt, abgeschnitten wird, verdorrt und ins Feuer geworfen wird. Das ist ein deutlich eschatologisches Bild – ein Gerichtswort. Wenn wir nach unserem Tod vor Gott stehen und nicht im Stand der Gnade sind, wird er unseren Entschluss gegen ihn ernst nehmen. Wir selbst haben uns nämlich freiwillig vom Weinstock abgetrennt. Da bleibt dem Winzer dann nichts anderes übrig, als uns in das ewige Feuer der Hölle zu werfen, so leid es ihm für die Rebe auch tut. Zu Lebzeiten ist es aber noch nicht zu spät, von der Abgetrenntheit zurückzukehren. Im Gegensatz zum echten Weinstock können wir beim Weinstock Christi umkehren und Gott kann uns wieder mit dem Weinstock verbinden, sodass wir wieder neue Nährstoffe erhalten und wieder Frucht bringen können. Wie barmherzig ist Gott! Wir müssen das mit aller Nachdrücklichkeit sagen: Wir selbst können uns nicht wieder an den Weinstock anknüpfen. Was abgeschnitten ist, ist abgeschnitten. Die Gegner des Paulus in der Lesung haben aber genau diese Illusion, weshalb sie die Torah für heilsnotwendig halten. Sie meinen, dass der Mensch sich durch die eigene Tugend vor Gott gerecht machen kann. Aber es ist Gott selbst, der dem Menschen diese Einheit ermöglicht.
Wenn wir immerzu verbunden sind mit dem Weinstock, werden auch unsere Gebete Frucht bringen, Wirkung haben. Jesus spricht diese Worte zwar zu seinen Aposteln, doch sie gelten im selben Maße auch uns. Der Zugang zum Weinstock ist ja nicht abgeschnitten, so kann Gott unsere Gebete erhören.
Wenn wir Gott die Ehre geben möchten, dann tun wir das durch unsere Nachfolge. Der Vater wird dadurch verherrlicht, so Jesus, wenn die Apostel seine Jünger werden. Dies bedeutet zugleich, seine Gebote zu halten und ihm treu nachzufolgen, wenn es sein muss bis in den Tod.
Dass Jesus im Kontext des letzten Abendmahls ausgerechnet den Weinstock als Bild nimmt, der durch und durch eucharistisch ist, ist natürlich kein Zufall. Die Apostel verstehen es in der Tiefe noch nicht so ganz, doch es wird ihnen bald aufgehen, wenn der Geist Gottes am Pfingstfest ihnen die Augen öffnen wird.

Heute geht es sehr viel um Gerechtigkeit vor Gott. Bitten wir die Hl. Birgitta von Schweden um die Demut und Einsicht, dass wir uns selbst nicht gerecht machen können. Wir brauchen Gott nicht unter die Arme zu greifen, damit er uns erlöst. Unser aktives Zutun ist die Annahme dieser Erlösung. Und wenn wir dann Erlöste sind, müssen wir diese Demut beibehalten: Die helfende Gnade sei unser ständiger Begleiter auf dem Weg in die Ewigkeit. Aus uns selbst heraus können wir nicht heilig werden.

Ihre Magstrauss

Maria Magdalena (Fest)

Hld 3,1-4a; Ps 63,2.3-4.5-6.7-8; Joh 20,1-2.11-18

Heute feiern wir das Fest der Hl. Maria Magdalena. Ihr Gedenktag ist vor einigen Jahren zum Festtag erhoben worden. Von ihr lernen wir die brennende Liebe zu Christus. Auf sie trifft das Wort Jesu so perfekt zu: Wem viel vergeben wird, der liebt viel. Jesus hat aus dieser Witwe der Fischpökelstadt Magdala sieben Dämonen ausgetrieben. Entweder heißt das, dass sie wirklich von sieben Dämonen besessen war oder in alle Todsünden verstrickt war. Seitdem ist sie jedenfalls Jesus als Jüngerin überall nachgefolgt und wird ihn mit ihrem beachtlichen Vermögen finanziell unterstützt haben.

Hld 3
1 Des Nachts auf meinem Lager suchte ich ihn, den meine Seele liebt. Ich suchte ihn und fand ihn nicht.
2 Aufstehen will ich, die Stadt durchstreifen, die Gassen und Plätze, ihn suchen, den meine Seele liebt. Ich suchte ihn und fand ihn nicht.
3 Mich fanden die Wächter bei ihrer Runde durch die Stadt. Habt ihr ihn gesehen, den meine Seele liebt?
4 Kaum war ich an ihnen vorüber, fand ich ihn, den meine Seele liebt.

In der Lesung hören wir einen Ausschnitt aus dem sehr mystischen Hohelied. Darin wird in sehr romantischen und teilweise erotischen Bildern die Liebe zwischen Gott und seiner Braut Israel umschrieben. Dies passt sehr gut zu Maria Magdalena, weil sie den Herrn mit der innigen Liebe geliebt hat, die Gott sich von seiner Braut Israel bereits im Alten Testament gewünscht hat.
„Des Nachts auf meinem Lager suchte ich ihn, den meine Seele liebt.“ Es stellt gleichsam die Antwort Israels auf Dtn 6,4ff. dar. Das Schema Israel soll von Israel täglich gebetet und betrachtet werden. Es geht um die Liebe Gottes „mit ganzen Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“ Israel soll über Gott stets nachdenken, auch auf nächtlichem Lager. Und hier im Hohelied setzt die Braut das nun um. Sie sucht ihn und findet ihn nicht. Das ist die Sehnsucht des Menschen, der Gott in seinem Leben sucht, der noch im Prozess der Umkehr ist oder dessen Sehnsucht einfach noch nicht gestillt ist. Die Seele kann Gott dabei schon lieben, auch wenn der Mensch Gott intellektuell noch nicht erkannt hat. Als Abbild Gottes sehnt sich der Mensch stets nach seinem Schöpfer, auch wenn es ihm noch nicht bewusst ist. Er sucht in seinem ganzen Leben nach ihm, ohne es zu wissen. Er wird getrieben und streift durch „die Gassen und Plätze“. Er sucht Gott vielleicht in der Esoterik, in anderen Religionen, in der zwischenmenschlichen Liebe, versucht die innere Sehnsucht mit Drogen oder andere Süchte zu stillen, und kommt doch nicht zum Ziel. Letztendlich ist das, was der Mensch sucht, die Liebe Gottes, von der er ganz angenommen werden kann. Der Hl. Augustinus schreibt zu Beginn seiner Bekenntnisse: „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir, oh Gott.“ Das fasst es zusammen. Der Mensch ist auf der Suche nach Gott und findet erst zum Ziel in ihm.
Die Braut Gottes hier im Hohelied, Israel selbst, ist auf der Suche nach Gott und findet ihn nicht. Schauen wir zurück auf das Verhalten des Volkes Gottes, erkennen wir auch den Grund: Es sucht an ganz falscher Stelle, nämlich bei den Göttern der umliegenden Völker. Die Baale und Kultpfähle, die Kultbilder und vielen Opfer ziehen Israel meilenweit von Gott weg. Dort wird es ihn nicht finden. Erst wenn es umkehrt, den Götzendienst bereut und das Herz ganz allein Gott schenkt, wird es ihn wieder finden. Denn dann ist es wieder ganz in seiner Liebe. Und damit dies geschieht, sendet Gott seine Wächter aus, dass sie der Braut bei der Suche des Geliebten helfen. In dieser Leserichtung handelt es sich um die vielen Propheten, die als Sprachrohr Gottes zur Umkehr aufrufen.
Maria Magdalena ist es, die in ihrem sehr bewegten Leben nach der Liebe Gottes gesucht hat, ohne es zu merken. Sie hat sich in alle möglichen sündhaften Dinge gestürzt, um geliebt zu werden. Sie hat an der falschen Stelle gesucht, doch dann hat sie den gefunden, den ihre Seele liebt. Als Jesus gestorben ist, ist die Nacht für sie angebrochen. Wie tief muss für eine so brennende Jüngerin wie sie der Schmerz gesessen haben! Und dann wird sie keine Ruhe gefunden haben, bis sie nicht zu seinem Grab gegangen ist. Sie fand ihn dort aber nicht, weil er von den Toten auferstanden ist! Und dann suchte sie ihn überall und fragte die Wächter am Grab. Und dann fand sie ihn. Davon werden wir im Evangelium hören.
Sie ist als Sinnbild für alle liebenden Christen zu verstehen, die mit brennender Liebe nach ihrem Rabbi suchen, auch gerade in Situationen, in denen für sie die Nacht eingekehrt ist. Wenn es schwer wird und Gott nicht zu finden ist, wissen auch wir, dass er dennoch da ist. Und in dieser Zeit der Kirche nach der Heimkehr Christi zum Vater suchen wir ihn stets in unserer Zeit und warten darauf, dass wir ihn finden – wenn er wiederkommt am Ende der Zeiten. Dann werden wir ihn „finden“, den unsere Seele liebt.

Ps 63
2 Gott, mein Gott bist du, dich suche ich, es dürstet nach dir meine Seele. Nach dir schmachtet mein Fleisch wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser.
3 Darum halte ich Ausschau nach dir im Heiligtum, zu sehen deine Macht und Herrlichkeit.
4 Denn deine Huld ist besser als das Leben. Meine Lippen werden dich rühmen.
5 So preise ich dich in meinem Leben, in deinem Namen erhebe ich meine Hände.
6 Wie an Fett und Mark wird satt meine Seele, mein Mund lobt dich mit jubelnden Lippen.
7 Ich gedenke deiner auf meinem Lager und sinne über dich nach, wenn ich wache.
8 Ja, du wurdest meine Hilfe, ich juble im Schatten deiner Flügel.

Auch im Psalm betrachten wir die Sehnsucht des Menschen nach Gott. Es ist ein Vertrauenspsalm Davids, der sich stets nach Gottes Gegenwart gesehnt hat.
In Vers 2 wird diese Sehnsucht als seelisches Durstgefühl umschrieben. Wie ein Lebewesen und eine Landschaft ohne Wasser verschmachten, so verdorrt der Mensch ohne Gott. Hier ist das Wasser mehr als nur ein irdisches Element. Es wird hier das lebendige Wasser geschildert, das der Heilige Geist ist. Er ist es, der uns belebt.
König David versteht, dass die Gegenwart Gottes in seiner Zeit im Tempel zu finden ist: „Darum halte ich Ausschau nach dir im Heiligtum, zu sehen deine Macht und Herrlichkeit.“
Die Macht und Herrlichkeit Gottes durfte die Heilige Maria Magdalena mit eigenen Augen sehen, wenn Jesus die vielen Heilstaten vollbracht und dann von den Toten wieder auferstanden ist. Das ist das größte Zeichen aller Zeiten. Sie stand unter dem Kreuz und sah mit eigenen Augen den Lanzenstich mitten in sein Herz. Sie sah mit eigenen Augen das herausfließende Blut und Wasser, deren Getrenntsein seinen Tod bezeugte. Sie sah mit eigenen Augen die Grablegung und den später zurückgerollten Grabstein. Sie sah mit eigenen Augen und hörte mit eigenen Ohren, wie der Auferstandene sie anschaute und ihren Namen nannte.
Wir alle dürfen die Gegenwart Gottes in der Eucharistie schauen. Dort erahnen wir seine Macht und Herrlichkeit. Und wenn wir am Ende der Zeiten vor ihn treten, werden wir sie ganz unverhüllt schauen. Auf ewig.
„Denn deine Huld ist besser als das Leben“ kann König David wirklich mit Überzeugung sagen. Was ist das irdische Leben denn auch wert, wenn es nicht von Gott gesegnet ist! Wie sehr musste er leiden, weil er sich schwer gegen Gott versündigt hat! Ein Leben in Fülle ist das ewige Leben bei Gott. Besser für ihn sterben, aber dafür ewig bei ihm sein im Himmelreich. Dann werden die Lippen eines jeden Gerechten ihn ewig preisen. Das wird die ewige Tätigkeit im Himmel sein.
Es ist wichtig, damit schon in diesem Leben zu beginnen, ja das ganze Leben selbst zum Lobpreis zu machen. David hat dies wirklich umgesetzt, indem er Gottes Willen stets befolgt und ihm ganz vertraut hat. Er hat mit seiner gesamten Tätigkeit als König, zuvor schon als Hirte Gott ganz gepriesen.
„Wie an Fett und Mark wird satt meine Seele“ – mit Gott in Beziehung zu treten, ihn zu loben und zu preisen, erfüllt die schmachtende Seele. Das stillt ihre Sehnsucht, denn sie ernährt sich von der Liebesbeziehung zu Gott. Auch unsere Seele wird „satt“, wenn sie in Kontakt mit Gott ist. Wir sind dazu geschaffen, mit Gott in Beziehung zu stehen und ihm mit unserer Gegenliebe zu antworten. Die ewige Gemeinschaft mit Gott macht uns zu Menschen, wie er sie gedacht hat.
Auch König David hat Gott innig geliebt und ist mit Maria Magdalena in diesem Punkt zu vergleichen. Auch er nimmt das Schema Israel ernst, das vom frommen Juden das stete Nachsinnen über Gott gebietet. Auch er denkt über Gott nach auf nächtlichem Lager. Somit wird er zum Vorbild für das ganze Volk Israel.
Gott hat ihm stets geholfen und David konnte sich im Schatten der Flügel Gottes bergen. Er war in Gottes Liebe und Gottes Liebe war in ihm. Wer im Stand der Gnade ist, entscheidet sich für Gottes Schutz und Beistand.

Joh 20
1 Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.
2 Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben.
11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein.
12 Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten.
13 Diese sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben.
14 Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war.
15 Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen.
16 Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister.
17 Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.
18 Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.

Im Evangelium hören wir nun das, was im Hohelied mystisch-romantisch vorweggenommen worden ist: Das Suchen und Finden Christi am Ostertag. Es ist noch dunkel, als Maria am ersten Tag der Woche zum Grab kommt. Die Sonne ist wie im Ausschnitt des Hoheliedes noch nicht aufgegangen, die Stimmung Mariens noch voller Kummer und Trennungsschmerz. Die Hoffnung der Osterbotschaft kommt aber rasant auf sie zu. Denn sie sieht dort angekommen, dass der Grabstein weggerollt und der Leichnam Jesu weg ist. So rennt sie zu den Aposteln und meldet ihnen die Abwesenheit Jesu, kommt aber noch nicht dahinter, dass er auferstanden ist.
Sie geht irgendwann zurück zum Grab. Sie hat Jesus sehr geliebt und so weint sie an der Graböffnung. Noch hat sie die Auferstehung nicht begriffen. Als sie irgendwann hineinsieht, erblickt sie zwei Engel, die sie nach ihren Tränen fragen. Sie erklärt daraufhin, dass sie ratlos ist, weil der Leichnam Jesu irgendwo hingebracht worden ist.
Nun tritt Jesus selbst an sie heran. Sie hat die Ehre, ihm zuerst zu begegnen. Ihr wird diese große Gnade zuteil, weil sie ihn mit so inniger Liebe geliebt hat. Nun erfüllt sich das Schriftwort aus Hld 3,4. Nun findet sie, den ihre Seele liebt. Ja, noch viel mehr muss man sagen: Sie wird von ihm gefunden!
Auch er fragt sie, warum sie weint. Sie erkennt den Auferstandenen zunächst nicht, denn sein Auferstehungsleib ist anders als vor seinem Tod. Sie denkt, es sei der Gärtner. Deshalb fragt sie ihn, wohin er den Leichnam Jesu gelegt habe. Erst als Jesus sie beim Namen nennt (ein unbekannter Gärtner wird schwerlich ihren Namen gekannt haben!), erkennt sie den auferstandenen Jesus.
Wir lesen zwar nicht davon, aber offensichtlich möchte sie Jesus voller Freude festhalten. Er ist noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Das heißt, dass sie Jesus ganz festhalten darf und soll, wenn er zum Vater in den Himmel aufgefahren ist. Dann ist Jesus nämlich verherrlicht und nicht mehr entäußert.
Jesus hat eine wichtige Aufgabe für sie. Sie soll seinen Aposteln, dem engsten Jüngerkreis die Osterbotschaft bringen, dass er lebt und vor allem, dass er heimgehen muss „zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott“. Das ist ein wichtiger Hinweis. Als Jesus vor den Aposteln das Mahl des Neuen Bundes etabliert hat, hat er schon angedeutet, dass dadurch ein neuer Bund geschlossen werde. Sie sind nun Erlöste, sie sind zu Kindern Gottes geworden. Jesus hat ihnen das Vaterunser beigebracht und somit schon sensibilisiert, was durch seine Erlösungstat nun Realität geworden ist: Sie sind Kinder Gottes und dürfen Gott ihren Vater nennen! Sie gehören nun zur Familie Gottes, sodass nicht mehr nur Jesus Gott seinen Vater nennt, sondern auch die Apostel es tun dürfen. Das betrifft alle, die den Glauben an Jesus Christus angenommen haben und sich haben taufen lassen. Wir sind nun Teil der Familie Gottes und wir dürfen Gott unseren Vater nennen. Jesus ist nicht nur unser Herr und König, er ist auch unser Bruder.
Maria von Magdala eilt nun zu den Jüngern und berichtet, dass sie den Herrn gesehen habe. Sie übergibt den Aposteln die Botschaft und wird so zur Apostolin der Apostel.

Bitten wir den Herrn auf die Fürsprache Maria Magdalenas um dieselbe innige und brennende Liebe. Mögen auch wir uns mit dem Bewusstsein unserer Fehlbarkeit ganz vertrauensvoll an Gott festklammern und seine Barmherzigkeit annehmen, wenn wir gesündigt haben. Lassen auch wir uns von ihm so verwandeln wie sie, damit auch wir von Sündern zu Heiligen werden.

Ihre Magstrauss