Freitag der 15. Woche im Jahreskreis

Jes 38,1-6.21-22.7-8; Jes 38,10-11.12abcd.16 u. 20; Mt 12,1-8

Jes 38
1 In jenen Tagen wurde Hiskija todkrank. Da kam der Prophet Jesaja, der Sohn des Amoz, zu ihm und sagte: So spricht der HERR: Bestell dein Haus, denn du wirst sterben und nicht am Leben bleiben!
2 Da drehte sich Hiskija mit dem Gesicht zur Wand und betete zum HERRN
3 und sagte: Ach HERR, denk daran, dass ich in Treue und mit ungeteiltem Herzen vor dir gegangen bin und dass ich getan habe, was gut ist in deinen Augen. Und Hiskija weinte laut.
4 Da erging das Wort des HERRN an Jesaja:
5 Geh und sprich zu Hiskija: So spricht der HERR, der Gott deines Vaters David: Ich habe dein Gebet gehört, ich habe deine Tränen gesehen. Siehe, ich füge deinen Tagen noch fünfzehn Jahre hinzu.
6 Aus der Faust des Königs von Assur werde ich dich und diese Stadt retten und ich werde diese Stadt beschützen.
21 Darauf sagte Jesaja: Man nehme einen Feigenbrei und streiche ihn auf das Geschwür, damit er am Leben bleibe.
22 Da sagte Hiskija: Was ist das Zeichen, dass ich zum Haus des HERRN hinaufgehen werde?
7 Dies ist für dich das Zeichen vom HERRN, dass der HERR dieses Wort, das er gesprochen hat, ausführen wird:
8 Siehe, ich lasse den Schatten, der auf den Stufen des Ahas mit der Sonne bereits hinabgestiegen ist, wieder zehn Stufen hinaufsteigen. Da kehrte die Sonne zehn Stufen zurück, auf den Stufen, die sie bereits hinabgestiegen war.

Im heutigen Jesajatext hören wir von einer Krankheit des Königs Hiskija von Juda. Er leidet unter einem Geschwür, was ihm den Tod bescheren kann. Und tatsächlich sagt Jesaja zu ihm, dass er sich schon auf den Tod einstellen und für den Nachfolger sorgen soll („Bestell dein Haus“). Dieser weint sehr laut und bittet Gott inständig um sein Erbarmen. Er war immer ein gottesfürchtiger König, der Gott treu geblieben ist. Er ist der König, der seinem kleingläubigen Vater König Ahas angekündigt worden war. Doch nun steht er dem Tod bevor. Doch Gott hat einen besonderen Plan. So lässt er Jesaja wieder sprechen: „Ich habe dein Gebet gehört, ich habe deine Tränen gesehen. Siehe, ich füge deinen Tagen noch fünfzehn Jahre hinzu.“ Warum hat Gott überhaupt eine bedrohliche Krankheit zugelassen und nicht gleich die weiteren fünfzehn gesunden Jahre geschenkt? Er wollte den König in seinem Glauben stärken. Deshalb war dieser vermeintliche „Umweg“ notwendig. Er sollte wirklich verstehen, dass Gott allmächtig und Herr über Leben und Tod, über Krankheit und Gesundheit ist. Ihm sollte noch stärker bewusst werden, dass alles von Gottes Segen abhängt und er als Mensch nichts ausrichten kann, selbst als König nicht.
Gott lässt ihm über Jesaja noch sagen, dass er Jerusalem retten und vor den Assyrern beschützen werde. Juda ist zum Vasallenstaat Assurs geworden und es war eine Frage der Zeit, bis ihn dasselbe Urteil ereilen würde wie dem Nordreich.
Jesaja ordnet an, einen Feigenbrei herzustelen und damit das Geschwür des Königs zu bestreichen. Das würde sein Leben retten.
Hiskija befragt den Propheten nach einem Zeichen für die Rettung des Tempels („dass ich zum Haus des HERRN hinaufgehen werde“). Daraufhin antwortet Jesaja mit einem Sonnenwunder: „Siehe, ich lasse den Schatten, der auf den Stufen des Ahas mit der Sonne bereits hinabgestiegen ist, wieder zehn Stufen hinaufsteigen.“ Das bedeutet, dass die Sonne „sich bewegen wird“. Und so kommt es tatsächlich. Die Schatten verändern sich in einem Umfang von zehn Stufen. Das ist viel und muss von vielen Menschen registriert worden sein. Gott möchte Juda beschützen. Hiskija wird dies in seinem Leben noch bezeugen, weil er ein gottesfürchtiger König ist.
Gott ist barmherzig. Er möchte wirklich das Heil für jeden Menschen und erteilt so überreiche Chancen. Der Mensch muss sie aber auch nutzen, sonst bleibt die fließende Gnade ohne Folgen. Hiskija hat die Barmherzigkeit Gottes in Anspruch genommen und konnte aufgrund des Stands der Gnade auch erhört werden. Seine Situation ist uns ein positives Beispiel. So kann es ausgehen, wenn man in allem Gottes Willen sucht.

Jes 38
10 Ich sprach: In der Mitte meiner Tage muss ich hinab zu den Pforten der Unterwelt, ich bin gefangen für den Rest meiner Jahre.
11 Ich sprach: Ich darf den HERRN nicht mehr schauen im Land der Lebenden, keinen Menschen mehr sehen bei den Bewohnern der Erde.
12 Meine Hütte bricht man ab, man deckt sie über mir ab wie das Zelt eines Hirten. Wie ein Weber das Tuch habe ich mein Leben zusammengerollt, vom Faden schneidet er mich ab; vom Tag bis in die Nacht gibst du mich preis.
16 Herr, dadurch lebt man und darin liegt das ganze Leben meines Geistes, dass du mich stärkst. Gib mir das Leben!
20 Der HERR ist da, um mich zu retten. Spielen wir mein Saitenspiel alle Tage unseres Lebens am Haus des HERRN!

Als Antwort auf den Gnadenakt Gottes beten wir ein Danklied Hiskijas, das er aufgrund seiner Heilung und der Verschonung Judas anstimmt. Auch dies zeigt uns ein vorbildhaftes Verhalten. Gott erweist uns solche Gnaden, dafür müssen wir immerzu dankbar sein.
Hiskija schildert seine lebensbedrohliche Situation „in der Mitte“ seiner „Tage“. Damit ist gemeint, dass die Todesgefahr in einem jungen und rüstigen Alter erfolgt ist. Er stellte sich schon auf den Tod ein („muss ich hinab zu den Pforten der Unterwelt, ich bin gefangen für den Rest meiner Jahre“). Gefangen sah er sich deshalb, weil die Unterwelt ihn festgehalten hätte.
Er stellte sich auch schon darauf ein, das „Land der Lebenden“ nicht mehr schauen zu dürfen. Das meint wörtlich hier das gelobte Land, das Gott seinem Volk gegeben hat. Mit dem Tod würde Hiskija nicht mehr in diesem Land wandeln können. Der Tod ist nach alttestamentlichem Verständnis unter anderem deshalb so bedrohlich, weil man absolut isoliert wird. Ein Leben in Fülle ist ein Leben in Gemeinschaft. Im Tod ist man aber ganz auf sich allein gestellt. Man sieht „keinen Menschen mehr“.
Hiskija hat schon mit allem abgeschlossen und ging von dem Schlimmsten aus. Sogar seine „Hütte“ sah er schon in Trümmern. Damit ist der Tempel von Jerusalem gemeint. Dieser ist zu jener Zeit ein prächtiger Bau, der salomonische Tempel, doch der Begriff „Hütte“ ist ein Überbleibsel aus der Zeit vor diesem festen Bau. Er bezeichnete das Offenbarungszelt, das das Volk Israel in der Zeit der Wüstenwanderung mit sich herumgetragen hat. Deshalb kann Hiskija auch sagen, dass die Hütte abgedeckt werde „wie das Zelt eines Hirten“.
Der König hat sein Leben schon zusammengerollt wie ein Weber ein Tuch. Er hat mit seinem Leben schon abgeschlossen und ging davon aus, dass Gott ihn von sich abgeschnitten hat.
Doch ganz hat Hiskija ja nicht aufgegeben. Sonst hätte er Gott nicht inständig um seine Gnade angefleht. Er hat zu ihm geschrien: „Gib mir das Leben!“ Und Gott hat ihn erhört. Weil Hiskija stets ein gottesfürchtiger König war, befand er sich ganz im Stand der Gnade. Gott konnte seine Bitten erhören und so gab er ihm weitere 15 Jahre. Er verschonte den Tempel und die Assyrer sollten Juda nicht einnehmen. Gott ist gnädig und barmherzig. Und so gebührt ihm auf ewig der Lobpreis („Spielen wir mein Saitenspiel alle Tage unseres Lebens am Haus des HERRN!“). Gott ist nicht egal, was mit seinen geliebten Kindern passiert. Das gilt für Hiskija und das Reich Juda damals, das gilt auch uns heute.

Mt 12
1 In jener Zeit ging Jesus am Sabbat durch die Kornfelder. Seine Jünger hatten Hunger; sie rissen Ähren ab und aßen davon.
2 Die Pharisäer sahen es und sagten zu ihm: Sieh her, deine Jünger tun etwas, das am Sabbat verboten ist.
3 Da sagte er zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David getan hat, als er und seine Begleiter hungrig waren –
4 wie er in das Haus Gottes ging und wie sie die Schaubrote aßen, die weder er noch seine Begleiter, sondern nur die Priester essen durften?
5 Oder habt ihr nicht im Gesetz gelesen, dass am Sabbat die Priester im Tempel den Sabbat entweihen, ohne sich schuldig zu machen?
6 Ich sage euch: Hier ist Größeres als der Tempel.
7 Wenn ihr begriffen hättet, was das heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer, dann hättet ihr nicht Unschuldige verurteilt;
8 denn der Menschensohn ist Herr über den Sabbat.

Im Evangelium hören wir von einer Begebenheit, die den Verlust des Wesentlichen bei den Pharisäern offenbart. Diese stören sich an Jesu Verhalten bzw. an dem seiner Jünger, die es wagen, am Sabbat Ähren vom Feld zu pflücken und zu essen. Warum tun sie das überhaupt? Jesus ist mit seinen Jüngern unterwegs und da bekommt man eben Hunger. Sie müssen etwas essen, deshalb bedienen sie sich an den Ähren. Das hat auch nichts mit Stehlen zu tun, wie man jetzt vielleicht daraus schließen könnte. Laut Dtn 23,26 ist es erlaubt, mit der Hand Ähren vom Feld eines anderen zu pflücken. Jesus und seine Jünger sind stets unterwegs. Sie haben keinen festen Wohnsitz und führen ein anderes Leben als die meisten. Sie müssen irgendwann essen und somit erlaubt Jesus ihnen auch das Essen von den Ähren.
Das Problem ist, dass sie damit gegen die Sabbatgebote verstoßen. Ich sage bewusst nicht „das Sabbatgebot“, das zum Dekalog gehört. Jenes ist nämlich ein göttliches Gebot, hier geht es aber um zahlreiche Zusatzerlasse, was alles am Sabbat verboten ist. Diese zusätzlichen Gebote sind menschengemacht und verkomplizieren das eigentliche Gebot. Man muss an dieser Stelle bedenken, warum die Sabbatruhe so streng gehandhabt wird: Was mit Juda letztendlich geschieht – das Babylonische Exil -, ist unter anderem die Konsequenz der Missachtung des Sabbatgebotes. Nie wieder soll so etwas Schreckliches passieren und so sind die nachexilischen Juden besonders streng in diesem Aspekt.
Als die Jünger Jesu kritisiert werden, verweist Jesus auf König David und seine Begleiter, die sogar die Schaubrote im Offenbarungszelt essen, die eigentlich nur für die Priester gedacht sind. Was Jesus durch diesen Verweis sagen möchte, ist: Es gibt Gebote nicht dafür, dass wir eingeschränkt werden. Sie sollen uns ja in die Freiheit führen. Wenn Jesus den Sinn von Geboten erklärt, hat das höchste Autorität. Er ist Gott und erklärt den Menschen höchstpersönlich, warum er die Gebote den Menschen überhaupt gegeben hat! Die Sabbatruhe ist nicht dafür da, dass man verhungert (auch nicht, dass jemand an einer Krankheit stirbt, wenn man ihn nicht heilt). Er ist dafür da, damit wir mehr Zeit für das Gebet und die Beziehung mit Gott haben. Die Kritik der Menschen geht also an dem Sinn der Sabbatruhe vorbei. Seine Jünger werden ihre Gottesbeziehung nicht weniger verinnerlichen können, nur weil sie eine Mahlzeit zu sich genommen haben. Im Gegenteil: Sie folgen Jesus nach, durch den sie eine ganz innige Beziehung zum Herrn lernen. Aber auch heute sehen wir, dass die Menschen Jesus als Messias und Gott nicht erkennen. Sie sehen nicht, dass er schon längst mitten unter ihnen ist. Sie verstehen dadurch auch nicht, wenn Jesus sagt: Der Menschensohn ist Herr über den Sabbat. Gott ist höher als seine gegebene Torah.
Auch hier lernen wir, worum es eigentlich gehen sollte: um die Beziehung zu Gott. So wie König David ganz nah an Gottes Herz hing, ebenso König Hiskija, sollen auch die Juden zur Zeit Jesu leben. Schließlich ist die Motivation für das Halten der Gebote Gottes die Liebe zu ihm. Den Kritikern Jesu geht es aber nicht um Beziehung, um Liebe oder sonst etwas. Ihnen geht es um das Halten der Gebote um der Gebote selbst willen. Sie sind so beschäftigt damit, in ihrer eigenen Selbstgerechtigkeit und der Buchstabentreue zu verbleiben, dass sie das Heil direkt vor ihren Augen nicht erkennen. Ja noch schlimmer – sie verwehren es auch noch jenen, die sie wie eine Torah-Polizei verurteilen. Sie lassen sich nicht belehren, auch nicht von Gott selbst. Aber Jesus sieht ihr Herz und gibt durch seine Erklärungen immer wieder die Chance, es zu verstehen. Er liebt auch die Pharisäer von ganzem Herzen und möchte ihnen helfen. Er sieht, dass die Pharisäer zwar kritisieren, aber selbst die absolut strikte Sabbatruhe nicht nutzen, um ihre Beziehung zum Herrn zu vertiefen.

Die Gebote Gottes sollen uns in die Freiheit führen, die wahre Freiheit(von der Sünde!) und nicht in die Anarchie. Und doch dürfen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht übersehen. Besinnen wir uns immer wieder darauf, warum und wofür die Gebote Gottes gegeben sind – ihn zu lieben und den Nächsten zu lieben wie sich selbst. Wo die Liebe nicht mehr Antrieb ist, wird unser Verhalten unfruchtbar und unser Herz entfernt sich von Gott. Weil das Volk Israel dies immer wieder vergessen hat, ließ Gott die vermeintlichen Krisen zu. Seine Braut sollte wieder ganz auf ihn schauen und ihm ihr Herz schenken. Damit die Braut überhaupt darauf aufmerksam wird, hat Gott immer wieder Propheten gesandt, die als sein Sprachrohr seine Braut wachrütteln. Das ist Ausdruck der absoluten Barmherzigkeit Gottes. Er könnte seine Braut auch einfach ins offene Messer laufen lassen. Er könnte auch uns unserem Schicksal überlassen, doch stattdessen tut er alles für unsere Rettung, bis hin zum Kreuz.

Ihre Magstrauss

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