Montag der 17. Woche im Jahreskreis

Jer 13,1-11; Dtn 32,18-19.20.21; Mt 13,31-35

Jer 13
1 So hat der HERR zu mir gesagt: Geh, kauf dir einen Schurz aus Leinen und leg ihn dir um die Hüften, aber tauch ihn nicht ins Wasser!

2 Da kaufte ich den Schurz nach dem Wort des HERRN und legte ihn mir um die Hüften.
3 Nun erging das Wort des HERRN zum zweiten Mal an mich; er sagte:
4 Nimm den gekauften Schurz, den du um die Hüften trägst! Mach dich auf, geh an den Eufrat und verbirg ihn dort in einer Felsspalte!
5 Ich ging hin und verbarg ihn am Eufrat, wie mir der HERR befohlen hatte.
6 Nach längerer Zeit sprach der HERR zu mir: Mach dich auf, geh an den Eufrat und hol von dort den Schurz, den ich dir dort zu verbergen aufgetragen habe!
7 Da ging ich zum Eufrat, grub und nahm den Schurz von der Stelle, wo ich ihn verborgen hatte. Und siehe: Der Schurz war verdorben, zu nichts mehr zu gebrauchen.
8 Nun erging das Wort des HERRN an mich:
9 So spricht der HERR: Ebenso verderbe ich den Hochmut Judas und den großen Hochmut Jerusalems.
10 Dieses böse Volk weigert sich, auf meine Worte zu hören, es folgt der Verstocktheit seines Herzens und läuft anderen Göttern nach, um ihnen zu dienen und sich vor ihnen niederzuwerfen; es soll daher wie dieser Schurz werden, der zu nichts mehr zu gebrauchen ist.
11 Denn wie sich der Schurz den Hüften des Mannes anschmiegt, so wollte ich, dass sich das ganze Haus Israel und das ganze Haus Juda mir anschmiegen – Spruch des HERRN – , damit sie mir Volk zum Ruhm, zum Preis und zum Schmuck seien. Sie aber haben nicht gehört.

In der Lesung hören wir heute von einer prophetischen Zeichenhandlung, die Gott Jeremia aufträgt. Oft ist es so, dass Gott von Propheten ein bestimmtes Verhalten verlangt, das an sich unsinnig ist oder die Menschen provoziert. Dadurch sollen sie die Botschaft, die Gott ihnen durch den Propheten übermitteln möchte, auch anhand des Verhaltens des Propheten sehen. So muss Hosea z.B. eine Ehebrecherin heiraten, damit Israel sieht, wie Gottes Ehe mit dem untreuen und götzendienerischen Israel ist.
Heute geht es um Jeremia, der einen Leinenschurz um die Hüften tragen soll, ohne ihn zu waschen. Er soll ihn dann in einer Felsspalte faulen lassen, bis er unbrauchbar ist. An sich scheint das eine total sinnlose Tat zu sein und als Außenstehender würde man so einen Menschen für verrückt erklären. Gott lässt ihn das tun, um Juda eine wichtige Botschaft zu übermitteln: „Ebenso verderbe ich den Hochmut Judas und den großen Hochmut Jerusalems. Dieses böse Volk weigert sich, auf meine Worte zu hören, es folgt der Verstocktheit seines Herzens und läuft anderen Göttern nach, um ihnen zu dienen und sich vor ihnen niederzuwerden; es soll daher wie dieser Schurz enden, der zu nichts mehr zu gebrauchen ist.“ Ein hartes Gerichtswort, das Gott hier an das Südreich richtet. Das kommt ja nicht von ungefähr. Immer wieder hat Gott es zur Umkehr aufgerufen, doch es hat seine Worte ignoriert. Er muss immer härtere Worte finden, damit es überhaupt wach wird vom Rausch des Götzendienstes.
Jerusalem ist hochmütig, weil es sich über Gott erhebt. Doch Hochmut kommt vor dem Fall. Es wird aus einer großen Höhe in die Tiefe hinabstürzen. Das auserwählte Volk, der auserwählte Stamm. Es war ganz nahe am Herzen Gottes und wird umso schmerzlicher die Konsequenz des Hochverrats zu spüren bekommen.
„Denn wie sich der Schurz den Hüften des Mannes anschmiegt, so wollte ich, dass sich das ganze Haus Israel und das ganze Haus Juda mir anschmiegen“. Er hat sein Volk ganz in sein Herz eingeschrieben. Er hat einen Bund mit den zwölf Stämmen geschlossen, sich ihnen ganz verschrieben und sie sich ihm. Sie waren ganz eng zusammengebunden wie es auch die Ehepaare sind. Und in dieser Intimität mit Gott haben sie ihm einen Dolch mitten ins Herz gestoßen. Das wird noch große Konsequenzen haben – wir wissen, was kommt. Das Exil. Die Zerstörung Jerusalems und des Tempels. Das große Trauma.
Und auch diese Worte soll Jeremia noch sprechen, damit Juda wenigstens jetzt noch umkehrt und den Schaden eindämmt. Es ist wie der Appell an den Verbrecher, sich selbst zu stellen, um die Strafe zu mildern.
Gott gibt uns immer und immer wieder Chancen zur Umkehr. Bis zur letzten Sekunde möchte er uns noch vor der großen Katastrophe bewahren. Das ist ein Zeichen seiner großen Barmherzigkeit.

Dtn 32
18 An den Fels, der dich gezeugt hat, dachtest du nicht mehr, du vergaßest den Gott, der dich geboren hat.
19 Der HERR sah es und verwarf im Zorn seine Söhne und Töchter.
20 Und er sagte: Ich will mein Gesicht vor ihnen verbergen und dann sehen, was in Zukunft mit ihnen geschieht. Denn sie sind eine Generation des Aufruhrs, Söhne, in denen die Untreue sitzt.
21 Sie haben meine Eifersucht geweckt durch einen Gott, der kein Gott ist, mich zum Zorn gereizt durch ihre Götter aus Luft – so wecke ich ihre Eifersucht durch ein Volk, das kein Volk ist, durch ein dummes Volk reize ich sie zum Zorn.

Als Antwort beten wir keine Psalmwort, sondern einen Ausschnitt aus der Abschiedsrede des Mose. Diese wiederholt die Weisung Gottes (deshalb „Deuteronomium“, zweites Gesetz) und stellt einen Rückblick der Ereignisse zwischen Gott und seinem Volk dar.
Mose erinnert das Volk an die große Sünde der Undankbarkeit, der Amnesie bzgl. der Heilstaten Gottes: „An den Fels, der dich gezeugt hat, dachtest du nicht mehr, du vergaßest den Gott, der dich geboren hat.“ Die Menschen sind lau geworden und begannen, sich zu beschweren über das, was sie nicht haben, statt dankbar zu sein für die Dinge, die Gott ihnen geschenkt hat.
„Der HERR sah es und verwarf im Zorn seine Söhne und Töchter.“ Sofort haben sie diese Undankbarkeit zu spüren bekommen. Gott hat Dinge zugelassen, damit sie wieder zur Besinnung kommen und umkehren konnten. Dabei spielt es keine Rolle, in welcher Zeit sich das abspielt. Hier geht es um die Israeliten, die kurz vor dem Eintritt ins verheißene Land stehen. Bei Jeremia geht es um das Südreich kurz vor der babylonischen Katastrophe. Gott erzieht seine geliebten Kinder auch zur Zeit Jesu und auch in unserer heutigen Zeit. Er lässt auch im Leben des einzelnen Menschen Dinge zu, damit er zum Nachdenken kommt und zu ihm zurückkehrt.
Wenn Mose hier sagt, dass Gott im Zorn seine Kinder verwarf, dann ist das natürlich nicht endgültig gemeint und auch die Zeichnung eines launischen Gottes ist ein Spiegelbild dessen, wie Mose Gott sah. Der Zorn Gottes ist aber nicht launisch, sondern absolut gewollt und kontrolliert, absolut gerecht und nicht übertrieben. Gott verwarf seine Kinder ja auch nicht endgültig, sonst würden sie hier nicht versammelt sein und den Worten des Mose lauschen.
Gott hat seine Kinder aber die Konsequenzen ihrer Undankbarkeit spüren lassen. Von jenen, die damals aus Ägypten auszogen, sind keine mehr übriggeblieben. Jene, die wirklich ins verheißene Land ziehen können, sind schon eine neue Generation, also ihre Nachkommen. Es kam deshalb so, weil die Generation davor ein goldenes Kalb angebetet hat. Auch dass feindliche Völker Israel in Zukunft immer wieder bedrängen, ist Konsequenz ihrer eigenen Sünde. Gott lässt das zu, damit Israel zu ihm umkehrt. Deshalb lässt er das große Trauma des Babylonischen Exils zu, von dem wir in der Lesung gehört haben.

Mt 13
31 Er legte ihnen ein weiteres Gleichnis vor und sagte: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. 32 Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, sodass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten.
33 Er sagte ihnen ein weiteres Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Sea Mehl verbarg, bis das Ganze durchsäuert war.
34 Dies alles sagte Jesus der Menschenmenge in Gleichnissen und ohne Gleichnisse redete er nicht zu ihnen,
35 damit sich erfülle, was durch den Propheten gesagt worden ist: Ich öffne meinen Mund in Gleichnissen, ich spreche aus, was seit der Schöpfung der Welt verborgen war.

Im Evangelium hören wir heute von einigen Reich-Gottes-Gleichnissen. Ab Vers 31 geht es um das Gleichnis vom Senfkorn, das das Wachsen des Reiches Gottes umschreibt. Es scheint ganz unscheinbar und beginnt mit einer Hand voll Menschen. Doch es wächst rasant, indem immer mehr Menschen sich taufen lassen. Und am Ende ist es viel größer als alle anderen Pflanzen. Wir können dies auf die Kirchengeschichte beziehen – innerhalb von drei Jahrhunderten ist das Christentum zur Staatsreligion im Römischen Reich geworden! Das Senfkorngleichnis ist für uns heute sehr relevant. Wir sehen mit Bedauern, dass immer weniger Menschen wirklich noch praktizierende Katholiken sind, die Lehre ernst nehmen und sich wirklich um die Zehn Gebote bemühen. Und wenn auch nur eine Hand voll echter Katholiken übrigbleibt, ist das nicht zu unterschätzen! Aus einer Handvoll kann eine Masse brennender Christen werden!
Auch das Gleichnis vom Sauerteig ist sehr anschaulich, diesmal hebt Jesus damit hervor, wie das Reich Gottes in die Welt kommt: Der Sauerteig wird unter das Mehl gemischt, bis alles durchsäuert ist. Gott ist Mensch geworden und das Reich Gottes, das mit der Person Jesu Christi zuinnigst verbunden ist, mitten unter die Menschen gekommen. Er hat seinen Sauerteig in Form von Verkündigung und Heilstaten sowie gutem Beispiel in der Welt verteilt und nach seiner Heimkehr zum Vater durch seine Jünger weiter verteilen lassen, bis alles durchsäuert worden ist. Und dieser Prozess ist immerwährend, bis er wiederkommt am Ende der Zeiten.
Wie so oft im Matthäusevangelium wird die Gleichnisrede Jesu vor dem Hintergrund alttestamentlicher Verheißungen als Erfüllung gedeutet. Hier wird Ps 78,2 zitiert: „Ich öffne meinen Mund in Gleichnissen, ich spreche aus, was seit der Schöpfung der Welt verborgen war.“ Jesus offenbart den Menschen durch Gleichnisse, was bis dahin verborgen war. Gott ist ein perfekter Pädagoge. Er weiß, wann er was zu seinem Volk sagen kann, sodass es das Geoffenbarte verstehen kann. Warum Jesus es ausgerechnet in Gleichnisform tut, hat er zuvor schon erklärt: Er möchte das Wort Gottes nicht zum Konsumgut verkommen lassen. Vielmehr soll es zum Indikator werden, zum Entscheidungsfaktor: Will ich mich mit dieser Botschaft eingehender beschäftigen und dafür etwas tun oder ist mir das zu anstrengend und ich lasse mich erst gar nicht darauf ein? Jesus stellt den Menschen vor die Entscheidung, das Reich Gottes anzunehmen oder nicht.

Wer sich aber gegen Gott entscheidet, muss auch mit den Konsequenzen leben können. Welche das damals waren, davon hören wir in Lesung und Antwortgesang. Wir haben die Entscheidungsfreiheit erhalten, damit wir uns für das Heil entscheiden. Gebe Gott, dass wir uns in Liebe stets für ihn entscheiden können und auch in Todesgefahr den Mut dafür haben!

Ihre Magstrauss

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