Dienstag der 16. Woche im Jahreskreis

Mi 7,14-15.18-20; Ps 85,2-3.5-6.7-8; Mt 12,46-50

Mi 7
14 Weide dein Volk mit deinem Stab, die Herde, die dein Erbbesitz ist, die einsam im Wald wohnt mitten im fruchtbaren Land! Sie sollen wieder im Baschan und in Gilead weiden wie in den Tagen der Vorzeit.

15 Wie in den Tagen, als du aus dem Land Ägypten auszogst, lass uns deine Wunder schauen!
18 Wer ist Gott wie du, der Schuld verzeiht und an der Verfehlung vorübergeht für den Rest seines Erbteils! Nicht hält er auf ewig fest an seinem Zorn, denn er hat Wohlgefallen daran, gütig zu sein.

19 Er wird sich unser wieder erbarmen, er wird niedertreten unsere Schuld. Ja, du wirst in die Tiefen des Meeres werfen alle ihre Sünden.
20 Du wirst Jakob Treue und Abraham Liebe erweisen, wie du unseren Vätern geschworen hast in den Tagen der Vorzeit.

Der heutige Ausschnitt aus dem Prophetenbuch Micha ist mit dem Titel „Jerusalems Gebet“ betitelt. Der Kontext der Worte ist ein Gebet Jerusalems, das Gott um seinen Segen bittet, der ihr aufgrund ihrer Vergehen verwehrt geblieben ist und wofür es büßen musste.
„Weide mein Volk mit deinem Stab, die Herde, die dein Erbbesitz ist“ – es ist wie ein Gebet der Herde, die ohne Hirte und bedroht ist, die sich ihren Hirten zurückwünscht. Wir bemerken in diesen Worten auch die starke Sehnsucht nach dem Messias, die immer deutlicher formuliert wird. Zur Zeit des Micha ist es noch ein politischer Befreier, ein Hirte, der irdisch weidet und die Katastrophe einer assyrischen Fremdherrschaft abwenden soll. Und doch lesen wir darüber hinaus schon mehr, nämlich die Erwartung einer Heilsgestalt, die umfassendes, über den Tod hinausgehendes Heil bringt. Und er wird wirklich kommen wie ein Hirte, er wird selbst sagen „ich bin der gute Hirte“. Er weidet seine Schafe und kennt sie durch und durch. Er ist pastoral im wahrsten Sinne des Wortes, so wie es auch Jesaja mit seinen messianischen Verheißungen angekündigt hat.
Dieses Gebet ist uns ein Vorbild, weil auch wir die Sehnsucht verspüren, zu den guten Zeiten zurückkehren zu wollen. Gehen wir dieser Sehnsucht nach und kehren wir zurück zur ersten Liebe!
„Lass uns deine Wunder schauen!“ – das Volk Israel hat Gottes große Taten bezeugt, weil es innig mit ihm verbunden war. Weil es von ihm abgekehrt ist, hat es diese Zeichen nicht mehr gesehen. So war es auch mit Abraham, als er selbst für einen Nachkommen über eine Nebenfrau sorgt, statt Gott zu vertrauen. Im Nachgang schweigt Gott ganze 13 Jahre Abraham an.
Auch Jesus musste Gottes Schweigen aushalten, nämlich am Kreuz. Es war eine große Glaubensprobe und Sühne, denn so hat Jesus das Schweigen Gottes im Leben aller Sünder gesühnt. Auch wir haben oft den Eindruck, dass Gott in unserem Leben schweigt. Zu einem großen Teil geschieht das aus demselben Grund wie bei Abraham oder wie hier im Buch Micha, auch wenn es nicht automatisch ist. Selbstverständlich kann es auch so sein wie bei Jesus – Gott erprobt unseren Glauben. So kann auch eine seelische Trockenheit große Früchte bringen – wir sehen es bei vielen Heiligen, zum Beispiel bei der Hl. Theresa von Kalkutta.
„Wer ist Gott wie du!“ – aus anderen Religionen kennen wir zwar auch den Begriff der Barmherzigkeit, aber eben in der Situation der Schuldlosigkeit (Islam). Wir kennen aus dem Hinduismus und Buddhismus (sowie in anderen Religionen) die Karmalehre, die einen vollkommenen Tun-Ergehen-Zusammenhang herausstellt. Da ist kein Platz für Barmherzigkeit. So können wir wirklich sagen: Unser Gott, unser Glaube ist etwas Besonderes. Kein Gott hat sich von seinen geliebten Geschöpfen umbringen lassen, um ihre Sünden zu sühnen. Das ist die absolute Barmherzigkeit, wie man sie nirgendwo sonst finden wird. Er verzeiht uns unsere Schuld, aber das kann er nur, wenn wir darum bitten und wirklich bereuen.
Gott ist gütig, auch im Alten Testament. Vertrauen auch wir heutzutage auf seine Vergebung. Er kann auch heute aus einem Sünder einen Heiligen machen, wenn dieser dazu bereit ist und von sich aus alles Nötige dafür tut – in erster Linie umkehrt.
Dieses Gebet lässt den Glauben durchblicken, dass Gott der Treue ist und seine Versprechen hält, obwohl sein Volk ihm untreu geworden ist. Gott ändert auch an uns nicht seine Meinung, die wir von ihm abkehren mit jeder Sünde. Er hält sein Versprechen, das er uns durch den Neuen Bund in der Taufe gemacht hat. Wenn wir von Herzen umkehren und gemäß unserer Berufung als Erben seines Reiches leben, dann wird er uns das Erbe nicht vorenthalten. Gott möchte uns die Schuld vergeben.

Ps 85
2 Du hast wieder Gefallen gefunden, HERR, an deinem Land, du hast Jakobs Unglück gewendet.

3 Du hast deinem Volk die Schuld vergeben, all seine Sünden zugedeckt.
5 Wende dich uns zu, du Gott unsres Heils, lass von deinem Unmut gegen uns ab!
6 Willst du uns ewig zürnen, soll dein Zorn dauern von Geschlecht zu Geschlecht?
7 Willst du uns nicht wieder beleben, dass dein Volk an dir sich freue?
8 Lass uns schauen, HERR, deine Huld und schenk uns dein Heil!

Als Antwort auf die Lesung beten wir einen liturgischen Psalm, der als Volksklagelied bezeichnet werden kann. Das Volk klagt die Missstände an und bittet Gott um Gerechtigkeit und Frieden.
„Du hast wieder Gefallen gefunden (…) du hast Jakobs Unglück gewendet.“ Diese Aussage ist eine Erinnerung Gottes an seine bereits in der Vergangenheit ergangenen Vergebungsbereitschaft. Wir könnten hier viele Ereignisse als Beispiel heranziehen, die das beweisen. So ist ganz prominent die Anbetung des goldenen Kalbs direkt am Gottesberg Sinai zu nennen. Nachdem Gott das Volk aus Ägypten herausgeführt hatte und bereit war, einen Ehebund mit ihm zu schließen, verfiel dieses direkt dem Götzendienst und wurde ihm bei nächster Gelegenheit untreu. Ein Schlag ins „Gesicht“ Gottes! Und doch war Gott bereit, seinem Volk zu verzeihen, das Unheil von ihm abzuwenden. Er hat seinem „Volk die Schuld vergeben, all seine Sünden zugedeckt.“ Das entspricht seinem Wesen als Liebe. Denn es heißt schon in Spr 10,12 „die Liebe deckt viele Sünden zu.“ Gott offenbart schon im Alten Testament im Verhältnis zu seinem Volk, dass er die Liebe ist. Das geschieht nicht erst mit Jesus Christus. Er knüpft vielmehr daran an. Die Erinnerung an Gottes vergangene Vergebungsbereitschaft und Barmherzigkeit dient der Vorbereitung der sich nun anschließenden Bitte: „Wende dich uns zu, du Gott unsres Heils, lass von deinem Unmut gegen uns ab!“ Das Volk bittet Gott, auch jetzt in der gegenwärtigen Situation zu vergeben und den Zustand der Gnade wiederherzustellen. Gott soll nicht nachtragend sein, deshalb schließt das Volk die rhetorische Frage an: „Willst du uns ewig zürnen, soll dein Zorn dauern von Geschlecht zu Geschlecht?“ Gottes Zorn ist seine Reaktion auf ergangenes Unrecht. Es ist nie eine affektive und überzogene Reaktion, die Gott die Kontrolle verlieren lässt, sondern eine ganz kontrollierte, willentlich gesteuerte und angemessene Reaktion. Gottes Zorn hält also so lange an, wie es der Sünde des Volkes angemessen ist. Eigentlich können sich die Beter diese Frage also sparen, aber sie drückt den Wunsch aus, dass Gottes angemessene Reaktion möglichst bald ein Ende findet, vor allem wegen der aufrichtigen Reue der Sünder. Gott soll seine Barmherzigkeit walten lassen und die Spanne des Zorns verkürzen. Um Gott gleichsam zu „überzeugen“, stellt das Volk noch eine rhetorische Frage: „Willst du uns nicht wieder beleben, dass dein Volk an dir sich freue?“ Die Beter versprechen indirekt, dass sie mit einer erneuerten Beziehung zu ihm leben werden, in der sie sich an Gottes Gegenwart erfreuen. Dies geht aber nur, wenn er den Stand der Gnade wiederherstellt.
Um der Bitte der Vergebung Nachdruck zu verleihen, wiederholen die Beter die Vergebungsbitte: „Lass uns schauen, HERR, deine Huld und schenke uns dein Heil!“ Sie möchten seine Huld wieder schauen, in erster Linie durch seine Heilstaten. Diese werden vor allem auf politischer Ebene ersehnt, denn die Bedrängnisse vonseiten der israelitischen Feinde sind groß. Heil und Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit sind Güter, die zu jener Zeit diesseitig und politisch verstanden werden. Die aufkommende Messiaserwartung bezieht sich auf eine menschliche Gestalt, die sich politisch gegen die Feinde durchsetzen wird. Es wird deshalb eine königliche Gestalt erwartet.

Mt 12
46 Als Jesus noch mit den Leuten redete, siehe, da standen seine Mutter und seine Brüder draußen und wollten mit ihm sprechen.

47 Da sagte jemand zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir sprechen.
48 Dem, der ihm das gesagt hatte, erwiderte er: Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder?
49 Und er streckte die Hand über seine Jünger aus und sagte: Siehe, meine Mutter und meine Brüder.
50 Denn wer den Willen meines himmlischen Vaters tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.

Im Evangelium hören wir heute eine Episode, die sehr oft missverstanden und instrumentalisiert wird. Jesus verleugnet seine Mutter und Familie nicht, wie gerne von Nichtkatholiken zur Beweisführung gegen die innige Beziehung zwischen Jesus und Maria behauptet wird, sondern er möchte die Priorität der geistlichen Familie herausstellen:
Es ist so, dass Jesus noch mit den Menschen redet, denen er direkt zuvor Rückfälle in die Sünde und Besessenheit erklärt hat. Dieser Ort muss mal wieder überfüllt sein, denn Jesu Mutter und „Geschwister“ stehen draußen und suchen Jesus. Die Suche ist entweder darauf zu beziehen, dass die Menschenmasse einen Überblick verunmöglicht, oder es ist ein Aufsuchen Jesu. Im griechischen Text steht das Wort ἀδελφός, das unter anderem den direkten Bruder meint. Wir befinden uns im orientalischen Kontext, wo mit „Bruder“ alle möglichen Personen bezeichnet werden, auch Cousins oder entferntere Verwandte. Die Perspektive von „Familie“ ist weitergefasst als unsere heutige. Im Hebräischen und auch im Griechischen gibt es zu jener Zeit auch nur einen Begriff für männliche Verwandte, ob Bruder oder Cousin. Diese „Brüder“, von denen wir hier lesen, werden an anderer Stelle namentlich erwähnt. An wiederum anderer Stelle werden aber auch deren Eltern genannt und die Mutter ist eben NICHT Maria, die Mutter Jesu, sondern die andere Maria, die Frau des Kleopas. Wahrscheinlich sind es Jesu Cousins (mindestens zweiten Grades!). Maria ist immerwährende Jungfrau, so glaubt es die Kirche. Sie hat nur diesen einen Sohn zur Welt gebracht und auf eine andere Art und Weise als sonst gewöhnlich. Ihre biologische Jungfräulichkeit ist auch durch die Geburt nicht genommen worden.
Es geht also um die Großfamilie Jesu hier im Evangelium. Sie sucht Jesus auf und er serviert sie nicht ab. Dies können wir aus der heutigen Schriftstelle nur dann schließen, wenn wir oberflächlich lesen. Es geht Jesus um mehr. Er nimmt ihre Anwesenheit zum Anlass, etwas zu erklären, nämlich die geistliche Familie, die die Kirche ist. Alle, die den Willen Gottes tun, sind Geschwister, nämlich im Glauben. Und darin sind sie viel mehr zusammengeschweißt als die biologische Zusammengehörigkeit. Das muss Jesus den anwesenden Juden ganz behutsam beibringen, denn es ist keineswegs selbstverständlich. Für die Juden ist die Biologie alles. Als Jude wird man geboren. Zum Judentum gehörig ist der Beschnittene am Körper. Für die Anwesenden ist es also eine ganz große Herausforderung über ihren „jüdischen Tellerrand“ hinauszuschauen.
Jesus kann es sich erlauben, diese Dinge zu sagen. Er weiß, dass seine Mutter ihn versteht. Er weiß, dass sie nicht beleidigt reagieren wird, wenn er die anwesenden Menschen, die gekommen sind, den Willen Gottes zu erfahren, als seine Familie, sogar als seine Mutter bezeichnet. Wer, wenn nicht Maria wird dies alles schon sehr früh gelernt haben! Sie ist durch ein Gelübde „unfruchtbar“ und ist doch Mutter geworden. Schon von Kindheit auf ist Jesus einerseits den Eltern gehorsam, andererseits lehrt er seine Eltern als Gott. Sie sind nicht nur seine Eltern, sie sind auch seine Schüler, seine Kinder im Glauben. Jesus ist Marias Rabbi und Maria ist eine erste und beste Jüngerin. Sie wird ihm im heutigen Evangelium also absolut Recht gegeben haben. Wir wissen nicht, wie es ausgegangen ist. Vielleicht ist er danach hinausgegangen oder hat seine biologische Familie hinzugeholt. Denn was Jesus im Laufe seiner Verkündigung immer wieder vorlebt, ist die perfekte Kombination von biologischer und geistlicher Familie: Er ehrt in allem seine Mutter und ist zugleich mit ihr als geistliche Familie vereint. In ihrer Beziehung sehen wir, wie es bei uns der Idealfall sein kann: Unsere Familien sollen nicht nur biologischen, sondern gleichzeitig einen geistlichen Zusammenhang bilden. Dann haben wir einen Vorgeschmack des Himmels auf Erden. Wie schön ist es, wenn Geschwister gut miteinander auskommen, zugleich aber auch im Glauben zusammen wachsen, sich über Gott unterhalten und zusammen bzw. füreinander beten! Leider sehen wir oft, dass Geschwister überhaupt nicht gut miteinander auskommen, biologisch zwar verwandt, doch innerlich Fremde sind. Gleichzeitig haben wir Freunde, die mit uns den Glauben teilen und denen wir deshalb viel näher stehen. Die geistliche Familie ist eine viel stärkere Bindung als die Blutsverbindung. In diesem Fall greift das Sprichwort nicht: „Blut ist dicker als Wasser.“ Denn in diesem Fall ist das Wasser dicker als das Blut, nämlich das lebendige Wasser, das der Hl. Geist ist, aus dem wir neugeboren sind in der Taufe!
Die ersten Christen haben diese geistliche Familie gelebt, indem sie einander als Brüder und Schwestern bezeichnet haben. Wir lesen dies immer wieder in den Briefen des Neuen Testaments. Dies verändert auch unser Verhalten heute, wenn wir uns immer bewusst sind, dass alle Getauften unsere Geschwister im Glauben sind. Dann werden wir die Verantwortung für sie spüren (vor allem für ihr Seelenheil). Wir werden sie dann nicht mehr schlecht behandeln, sondern werden ihnen mit einer geschwisterlichen Liebe begegnen, einer hingebenden und aufopfernden Liebe.

Und wenn wir uns so unseren Nächsten gegenüber verhalten, dann sieht Gott auch, dass wir es aufrichtig meinen, wenn wir ihn um Vergebung unserer Sünden bitten. Er möchte Barmherzigkeit im zwischenmenschlichen Bereich, statt unaufrichtige Opfer.

Ihre Magstrauss

Montag der 16. Woche im Jahreskreis

Mi 6,1-4.6-8; Ps 50,5-6.8-9.16b-17.21 u. 23; Mt 12,38-42

Mi 6
1 Hört doch, was der HERR sagt: Auf, tritt an zum Rechtsstreit mit den Bergen, die Hügel sollen deine Stimme hören!

2 Hört, ihr Berge, den Rechtsstreit des HERRN und ihr beständigen Fundamente der Erde! Denn der HERR hat einen Rechtsstreit mit seinem Volk, er geht mit Israel ins Gericht:
3 Mein Volk, was habe ich dir getan und womit habe ich dich ermüdet? Antworte mir!
4 Fürwahr, ich habe dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt und dich freigekauft aus dem Sklavenhaus. Ich habe Mose vor dir hergesandt und Aaron und Mirjam.
6 Womit soll ich vor den HERRN treten, mich beugen vor dem Gott der Höhe? Soll ich mit Brandopfern vor ihn treten, mit einjährigen Kälbern?

7 Hat der HERR Gefallen an Tausenden von Widdern, an zehntausend Bächen von Öl? Soll ich meinen Erstgeborenen hingeben für meine Vergehen, die Frucht meines Leibes für meine Sünde?
8 Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir erwartet: Nichts anderes als dies: Recht tun, Güte lieben und achtsam mitgehen mit deinem Gott.

Heute hören wir wieder einen Ausschnitt aus dem Michabuch, das zu den zwölf kleinen Propheten gehört. Auch heute geht es dabei um ein Krisengespräch Gottes mit seiner untreuen Braut. Micha stellt dabei das Sprachrohr Gottes dar, indem er dessen Worte übermittelt und dabei mehrfach „Hört doch, was der HERR sagt“ zum Volk Gottes spricht.
Die Worte, die er hier kommuniziert, sind Gerichtsrede. Israel soll die Berge und Hügel als Zeugen zum Gerichtsprozess einladen. Und die Berge und Hügel sowie die „beständigen Fundamente der Erde“ sollen zuhören, weil Gott mit Israel ins Gericht geht.
Warum sollen ausgerechnet solche Teile der Schöpfung zuhören? Bei mehreren Propheten lesen wir, dass Berge und Hügel sich senken und Täler aufgefüllt werden sollen in Vorbereitung auf das Gericht Gottes. Auch Johannes der Täufer greift dies in seiner Bußpredigt auf, der ja unmittelbar vor dem Kommen des Messias predigt. Und nun spricht Gott Gerichtsworte zu seinem Volk, sodass diese Berge, Hügel und Täler es bezeugen.
„Mein Volk, was habe ich dir getan und womit habe ich dich ermüdet? Antworte mir!“ Gott konfrontiert seine Braut ganz direkt. Er möchte nicht um den heißen Brei herumreden. Er weiß genau, was das Volk denkt, wie seine Einstellung ist, was passiert ist. Und doch möchte er ihm Raum geben, für sich selbst zu sprechen.
Gott erinnert es an die Heilstaten, die er an ihm erwirkt hat, vor allem den Auszug aus Ägypten. Er hat bestimmte Menschen auserwählt, um das Volk ins gelobte Land zu führen. Doch das Volk ist offensichtlich undankbar, denn es hat diese Taten vergessen. Wäre dem nicht so, wäre es nicht von Gottes Wegen abgekommen.
Das Volk versucht dennoch, Gott zu gefallen. Es möchte vor ihn treten mit Opfern. Doch all das bringt nichts, denn Gott hat durch die Propheten immer wieder verdeutlicht: „Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.“ Gott möchte, dass sein Volk die Gebote hält. Das macht es vor Gott gerecht. Was bringen die Opfer, wenn sie nicht aufrichtig sind? „Recht lieben“ bezieht sich auf das Halten der Gebote und vor allem das Einstehen für die Rechtlosen. Gott möchte, dass die Witwen und Waisen aufgefangen werden. Diese Art von Solidarität entspricht der Option Gottes für die Armen. „Güte lieben“ bezieht sich auf die Barmherzigkeit, in der sein Volk Gott nachahmen soll. Sie sollen nicht unverhältnismäßig strafen und rächen. Er hat nicht umsonst das Gebot „Auge für Auge und Zahn für Zahn“ gegeben. Es soll nur so viel zurückverlangt werden, wie geschädigt worden ist. Das ist in jener Zeit „Güte“. Erst mit Christus wird es weiter radikalisiert und zu einer Feindesliebe und absolutem Racheverzicht. Jesus möchte, dass sein Volk mit ihm gemeinsam mitgeht. Sie stehen ja in einem gemeinsamen Bundesverhältnis. Doch das Volk hat sich ganz weit von ihm entfernt. Gott konfrontiert auch uns heute so direkt mit den Worten: „Was habe ich dir getan? Warum behandelst du mich so, obwohl ich dir alles geschenkt habe? Ich bin sogar für dich gestorben und was tust du?“ Er rührt immer wieder an unserem Gewissen, damit wir bereuen und umkehren. Dies dient letztendlich wieder unserem eigenen Seelenheil. Er möchte nicht, dass wir verloren gehen.

Ps 50
5 Versammelt mir all meine Frommen, die den Bund mit mir schließen beim Opfer!
6 Da taten die Himmel seine Gerechtigkeit kund; weil Gott selbst der Richter ist.
8 Nicht wegen deiner Opfer rüge ich dich, deine Brandopfer sind mir immer vor Augen.
9 Aus deinem Haus nehme ich keinen Stier an, keine Böcke aus deinen Hürden.
16 Was zählst du meine Gebote auf und führst meinen Bund in deinem Mund?
17 Dabei war Zucht dir verhasst, meine Worte warfst du hinter dich.
21 Das hast du getan und ich soll schweigen? Meinst du, ich bin wie du? Ich halte es dir vor Augen und rüge dich.
23 Wer Opfer des Dankes bringt, ehrt mich; wer den rechten Weg beachtet, den lasse ich das Heil Gottes schauen.

Der Psalm knüpft an die Gerichtsworte und Konfrontation Gottes gegen sein Volk an. Auch hier wird das Volk zum Gerichtsprozess versammelt. Es sollen jene herzutreten, „die den Bund mit“ Gott „schließen beim Opfer“, also seine Bündnispartner.
Auch im Psalm fungiert die Schöpfung als Zeugin des Gerichts, hier sind es die Himmel als Lebensraum Gottes.
„Nicht wegen deiner Opfer rüge ich dich, deine Brandopfer sind mir immer vor Augen.“ Wie bereits oben erwähnt Gott den Opferkult. Hier wird präzisiert, dass die Opfer an sich nicht abgeschafft werden sollen. Vielmehr möchte Gott, dass die Opfer wieder rein und aufrichtig sind.
Auch hier macht Gott Vorwürfe. Er tut das nie, um den Menschen fertig zu machen, sondern um ihn wachzurütteln. Er möchte, dass auch wir zu ihm zurückkehren, bevor es zu spät ist.
Deshalb sagt er ganz drastisch: „Aus deinem Haus nehme ich keinen Stier an, keine Böcke aus deinen Hürden.“ Opfer ist nicht gleich Opfer. Was er kritisiert, kritisiert auch die Äußerlichkeit esoterischer Angebote von heute, in denen ein wenig Meditation, Möbel umstellen oder Diät den „Stand der Gnade“ wiederherstellt ohne persönliche Umkehr. Das Volk Israel bringt Opfer dar, ohne gleichzeitig eine korrekte innere Haltung einzunehmen und einen bestimmten moralischen Lebenswandel aufzuweisen. Es versündigt sich gegen Gottes Gebote.
Es ist absolut aktuell, wenn wir es auf uns heute beziehen: Wie viele Menschen kommen zur Messe und empfangen sogar die Kommunion, obwohl sie die Gebote überhaupt gar nicht halten und seit über vierzig Jahren nicht mehr gebeichtet haben. Wir sind heute sogar schlimmer als die Israeliten damals, denn diese trugen die Worte und Gebote Gottes noch in ihrem Mund. Sie haben sie noch aufgezählt und thematisiert, aber nicht gehalten. In unserer heutigen Zeit werden die Gebote nicht einmal mehr thematisiert. Sie werden einfach ganz fallen gelassen.
„Das hast du getan und ich soll schweigen?“ Gott kann es nicht ignorieren, weil er seine Kinder auf einen riesigen Abgrund zulaufen sieht. Er möchte nicht, dass seine Kinder verloren gehen. Er hält es ihnen vor Augen, damit sie es selbst erkennen und umkehren. So ist es auch heute: Gott kritisiert auch unsere Vergehen und unsere Gottlosigkeit, unseren Unglauben selbst innerhalb der Kirche. Er tut das nicht, weil ihm langweilig ist, sondern er möchte uns vor dem Verderben bewahren! Wir steuern mit hoher Geschwindigkeit dem ewigen Tod zu. Das möchte Gott verhindern.
„Wer Opfer des Dankes bringt, ehrt mich“ ist die richtige Haltung bei der Opferung. So sollen die Israeliten opfern, so sollen auch wir opfern! Nichts Anderes ist ja die Eucharistie, die „Danksagung“ heißt. Wenn wir ein Opfer des Dankes bringen – und damit ist nicht nur die äußerlich korrekte Form gemeint, sondern vor allem unsere Haltung, mit der wir der Hl. Messe beiwohnen! – dann ist es ein gottgefälliges Opfer, das er auch annimmt.
Zugleich können wir nicht einfach nur zur Messe gehen und dann zuhause machen, was wir wollen. Auch unser alltägliches Leben soll nach seinem Willen ausgerichtet sein. Dann werden wir am Ende unseres Lebens das Heil schauen, wenn wir nämlich Gott von Angesicht zu Angesicht schauen werden. Zucht darf uns nicht verhasst sein, wenn wir ein gutes Verhältnis zu Gott haben wollen.

Mt 12
38 Darauf wandten sich einige Schriftgelehrte und Pharisäer an ihn: Meister, wir möchten von dir ein Zeichen sehen.

39 Er antwortete ihnen: Diese böse und treulose Generation fordert ein Zeichen, aber es wird ihr kein Zeichen gegeben werden außer das Zeichen des Propheten Jona.
40 Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein.
41 Die Männer von Ninive werden beim Gericht mit dieser Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie sind auf die Botschaft des Jona hin umgekehrt. Und siehe, hier ist mehr als Jona.
42 Die Königin des Südens wird beim Gericht gegen diese Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie kam vom Ende der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören. Und siehe, hier ist mehr als Salomo.

Im Evangelium fordern heute die Pharisäer und Schriftgelehrten ein Zeichen von Jesus. Sie tun das, weil sie ihm nicht glauben. Jesus sieht ihren Unglauben und ihre Provokation. Er erkennt, dass hinter ihnen eigentlich der Satan steht, der wie damals in der Wüste seine Göttlichkeit aus ihm herauskitzeln will. Gott ist Mensch geworden in Jesus Christus und nimmt seine Göttlichkeit nicht in Anspruch, um das Erlösungswerk zu vollbringen. Wenn Jesus nun gegen den Willen des Vaters diese Göttlichkeit zur Schau stellt, ist alles vorbei. Es ist also ein Stellen Gottes auf die Probe.
Die Pharisäer und Schriftgelehrten behaupten, nur dann zu glauben, wenn Jesus sich als Gott offenbart. Das wird immer wieder passieren, auch noch am Kreuz, wenn die Hohepriester zu Jesus höhnisch sagen werden: „Wenn du der Messias bist, steig herab vom Kreuz und hilf dir selbst!“ So ist die Generation wahrlich böse, denn sie entscheidet sich eher dafür, sich vom Bösen leiten zu lassen, als ihr Herz für das Heil Gottes zu öffnen.
Das Zeichen des Jona, dass Jesus hier andeutet, ist das Zeichen der Gerichtsankündigung. Die Menschen werden es erkannt haben, denn sie kannten den Propheten Jona. Das Zeichen des Jona heißt also Ankündigung von Unheil, aber es bedeutet auch zugleich – „kehrt um! Noch ist die Zeit dazu da!“ Das ist ja der Kern der gesamten Verkündigung Jesu. Die Umkehr und der Glaube an das Evangelium.
Jesus erklärt es noch genauer: Er selbst, seine Person wird zum Zeichen für seine Generation, so wie Jona Zeichen für die Bewohner Ninives war.
Er kündigt sein Ruhen im Schoß der Erde an, wenn er drei Tage tot ist. Zugleich sagt er von sich selbst, dass er mehr als der Prophet Jona ist.
Bemerkenswert ist auch, dass Jesus sich als Antitypos und Steigerung Salomos betrachtet, wenn er nun über die Umsetzung des Gerichts spricht. Als Zeugin sagt die Königin von Saba aus, die von weit hergekommen ist, die Weisheit Salomos zu sehen. Die zu verurteilende Generation ist Nachfolgerin der Stämme Israels zur Zeit des Salomo und Jesus kritisiert nun, was aus dieser Weisheit geworden ist, ja noch viel mehr: Er selbst ist mehr als Salomo, denn er hat die göttliche Weisheit in Fülle! Er hat den Menschen wie ein Sämann diese Weisheit ausgestreut, doch was ist von dieser Weisheit fruchtbar geworden? Die Königin von Saba wird mit ihrem Finger auf die fehlenden Früchte zeigen!
Auch die Männer von Ninive werden als Zeugen gegen die Generation Jesu aussagen, denn sie haben sich bei den Worten eines Menschen und Propheten namens Jona ganz bekehrt, die zu verurteilende Generation hatte mehr als nur einen Propheten – Gott selbst ist Mensch geworden, um die Menschen zur Umkehr aufzurufen, doch sie haben sich nicht bekehrt. Die Generation hat die Zeit der Gnade nicht erkannt.
Und wie könnte unser Gerichtsprozess aussehen? Welche Zeugen werden gegen uns aussagen? Werden es unsere Eltern sein, die uns immer und immer wieder davor gewarnt haben, bestimmte Sünden zu begehen? Werden es Geistliche sein, die deutlich gepredigt, die bei der Katechese nichts ausgelassen, die uns alles genauestens erklärt und die wir ignoriert haben? Freunde, die uns gewarnt haben? Dann werden auch wir uns nicht verstecken können, denn Gott hat uns durch so viele Menschen, Ereignisse etc. zur Umkehr aufgerufen. All das sagt Jesus auch uns heute. Er möchte, dass wir noch heute umkehren, dass wir mit derselben Haltung Buße tun wie die Bewohner Ninives und wie König David. Die Entscheidung liegt bei uns: Wollen wir wie die Bewohner von Ninive sein oder wie die böse Generation Jesu?

Eines ist sicher: Keiner kann von sich aus sagen, er oder sie habe Umkehr nicht nötig habe. Bitten wir tagtäglich den Herrn um Vergebung für unsere Unzulänglichkeit. Er möchte uns seine Barmherzigkeit schenken, nehmen wir sie in Anspruch.

Ihre Magstrauss

16. Sonntag im Jahreskreis

Weish 12,13.16-19; Ps 86,5-6.9-10.15-16; Röm 8,26-27; Mt 13,24-43

Weish 12
13 Denn es gibt keinen Gott außer dir, der für alles Sorge trägt; daher brauchst du nicht zu beweisen, dass du gerecht geurteilt hast.
16 Deine Stärke ist die Grundlage deiner Gerechtigkeit und deine Herrschaft über alles lässt dich alles schonen.
17 Stärke beweist du, wenn man an deine unbeschränkte Macht nicht glaubt, und bei denen, die sie kennen, strafst du die anmaßende Auflehnung.
18 Weil du über Stärke verfügst, richtest du in Milde und behandelst uns mit großer Schonung; denn die Macht steht dir zur Verfügung, wann immer du willst.
19 Durch solches Handeln hast du dein Volk gelehrt, dass der Gerechte menschenfreundlich sein muss, und hast deinen Söhnen und Töchtern die Hoffnung geschenkt, dass du den Sündern die Umkehr gewährst.

Die erste Lesung ist heute aus dem Buch der Weisheit. In dem Kapitel, aus dem wir einen Abschnitt hören, geht es um Gottes Art der Bestrafung.
Gott ist Schöpfer über das ganze Universum und ist auch der einzige Gott, der zugleich über seine gesamte Schöpfung Sorge trägt. Weil das so ist, untersteht er auch keinem Rechtfertigungsdruck bei der Frage nach gerechter Bestrafung. Er ist ein absolut gerechter Richter über seine Geschöpfe. Gerade diese Gerechtigkeit ist seine Stärke. Er ist streng mit jenen, die ihm nicht gehorchen („strafst du die anmaßende Auflehnung“). Gott offenbart seine Stärke jenem, der seine „unbeschränkte Macht nicht glaubt“. Er tut das aber nicht, weil er sich unbedingt jedem beweisen muss. Seine Allmacht besteht unabhängig davon, ob jedes Geschöpf sie anerkennt oder nicht. Vielmehr geht es um den Menschen selbst, dem Gott die Chance geben möchte, die Allmacht des Schöpfers anzuerkennen und dankbar zu preisen. Er möchte nicht, dass seine Geschöpfe in ihrer Undankbarkeit und fehlenden Ehrfurcht verloren gehen.
Gott ist so allmächtig, dass er diese Macht nicht gezwungenermaßen zur Schau stellen muss. Er hat die Freiheit zu entscheiden, ob er streng oder mild mit dem Menschen umgehen möchte, ob er Gerechtigkeit oder Barmherzigkeit walten lassen möchte. Er kann in seiner Freiheit den Menschen auch „mit großer Schonung“ behandeln.
Dies dient dem Menschen wiederum als Vorbild, denn als Gottes Abbild hat er Mensch ebenfalls die Gabe, menschenfreundlich zu sein. Die Milde, mit der Gott den Menschen behandelt, soll auch unter den Menschen herrschen. Die Menschen leben in der Hoffnung, dass Gott Chancen zur Umkehr gewährt. Das heißt, schon das Alte Testament kennt einen barmherzigen Gott, der dem Menschen einen Neuanfang schenkt. Es gibt keinen Dualismus von einem strengen Richtergott im AT und einem barmherzigen Vatergott im NT. Gott ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit und es ist ein und derselbe Gott in der Hl. Schrift.

Ps 86
5 Denn du, mein Herr, bist gut und bereit zu vergeben, reich an Liebe für alle, die zu dir rufen.
6 Vernimm, HERR, mein Bittgebet, achte auf mein lautes Flehen!
9 Alle Völker, die du gemacht hast, werden kommen und sich niederwerfen, mein Herr, vor deinem Angesicht, sie werden deinen Namen ehren. 10 Denn du bist groß und tust Wunder, nur du bist Gott, du allein.
15 Du aber, Herr, bist ein barmherziger und gnädiger Gott, langsam zum Zorn und reich an Huld und Treue.
16 Wende dich mir zu und sei mir gnädig, gib deinem Knecht deine Stärke und rette den Sohn deiner Magd!

Auch der Psalm thematisiert die Vergebungsbereitschaft Gottes. Es handelt sich um einen Klagepsalm Davids, der mit der Überschrift „Hilferuf eines Armen zum barmherzigen Gott“ betitelt ist.
„Denn du, mein Herr, bist gut und bereit zu vergeben, reich an Liebe für alle, die zu dir rufen“ – das Volk hat Gottes Vergebung immer wieder erfahren und kann mit Vertrauen diese Worte beten. König David selbst hat Gottes vergebende Barmherzigkeit erfahren, weil er von Herzen seine schweren Sünden bereut hat. Jesus war bereit, für all unsere Sünden zu sterben. Er bietet uns alles auf einem Silbertablett an. Nur können wir davon erst dann „profitieren“, wenn wir seine Erlösung auch annehmen. Dies geschieht in der Taufe. Und auch dann ist das nicht die Endstation, denn dass wir es wirklich ernst mit ihm meinen, beweisen wir mit unserem Lebenswandel nach der Taufe so wie David nach seiner Umkehr. Es ist wichtig, Taten sprechen zu lassen, denn hier geht es um die Liebe. „Ich liebe dich“ zu sagen, aber kein liebendes Verhalten an den Tag zu legen, entkräftet die Worte. Gott ist so vergebungsbereit, dass er unsere Vergehen nach der Taufe ebenfalls vergeben möchte. Und so dürfen wir zur Beichte kommen. Dann umarmt Gott uns bereitwillig mit seiner vergebenden Liebe und verändert das Leben jedes Reumütigen.
„Vernimm, HERR, mein Bittgebet, achte auf mein lautes Flehen!“ Gott hört unser Flehen und wenn wir im Stand der Gnade sind, müssen wir auch nicht lange auf die Erhörung warten.
„Alle Völker, die du gemacht hast, werden kommen und sich niederwerfen“ ist eine prophetische Verheißung, die sich schon mehrfach erfüllt hat und am Ende der Zeiten vollkommen erfüllen wird: Zur Geburt Christi kamen die drei Magoi aus dem Osten als Vertreter der „Völker“. Sie haben sich vor dem kleinen Kind in der Krippe niedergeworfen und seinen Namen geehrt. Es hat sich christologisch bereits erfüllt. Und aus allen Völkern kommen Menschen zur Braut Christi, um ein Teil von ihr zu werden. Die Menschen, die getauft werden, rufen seinen Namen an und nehmen ihn als ihren Herrn und Erlöser an. Sie schließen den Bund fürs ewige Leben mit Gott und versprechen, ihn in ihrem ganzen Leben zu verherrlichen. Die Kirche ist eine Sammlung von Menschen aus allen Völkern, die durch die Taufe geeint sind. Und regelmäßig kommen diese Menschen zusammen, um den Herrn in der Eucharistie anzubeten. Auch ekklesiologisch hat sich dieses Schriftwort erfüllt. Am Ende der Zeiten werden alle Völker kommen und den Herrn auf dem himmlischen Zion anbeten. Es wird die himmlische und ewige Anbetung sein, die nun unverhüllt ist. Wir werden vom Glauben zum Schauen kommen und den Herrn sehen, wie er ist, nicht mehr in den eucharistischen Gestalten.
Gott ist groß und wunderbar. Dies wird in der Johannesoffenbarung im Lied des 15. Kapitels aufgegriffen. Er allein ist Gott, alles Andere ist Götze.
Gott ist so groß und erhaben, allmächtig und überragend. Und zugleich ist er ein barmherziger Gott, „langsam zum Zorn und reich an Huld und Treue.“ Deshalb bittet König David und mit ihm das ganze Volk den Herrn um sein Erbarmen, seine Rettung und seine Zuwendung. Was haben wir doch einen unvergleichlichen Gott! Er ist der Herr des ganzen Universums und doch behandelt er jeden Menschen so, als wäre dieser das ganze Universum! So ist die unendliche Liebe Gottes.

Röm 8
26 So nimmt sich auch der Geist unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, was wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern.
27 Der die Herzen erforscht, weiß, was die Absicht des Geistes ist. Denn er tritt so, wie Gott es will, für die Heiligen ein.

Die kurze Passage aus Röm 8 ist dem Kapitel über das Seufzen der ganzen Schöpfung als Hoffnungszeichen entnommen. Letzte Woche hörten wir bereits davon, dass die ganze Schöpfung in Wehen liegt und auch wenn diese schmerzhaft sind, eigentlich ein gutes Zeichen darstellen – nämlich für die unmittelbar bevorstehende Geburt.
Die vorausgehenden Verse hindurch betrachtet Paulus den Aspekt von Hoffnung. Und in Vers 26 geht es um die Stütze, die der Heilige Geist für den geschwächten Menschen ist. Er greift ihm in der „Geburtssituation“ unter die Arme. Wo es dem Menschen schwerfällt, das Gebet aufrecht zu erhalten und damit den Kontakt zu Gott, hilft der Geist Gottes ihm „mit unaussprechlichen Seufzern.“ Allein dieser Ausdruck könnte uns nun zu einer ausführlichen Betrachtung der Glossolalie führen, doch das würde diesen Rahmen sprengen. Konkret ist hier gemeint, dass der Geist Gottes durch den Menschen betet in Lauten, die er nicht versteht. Es ist die Sprache des Himmels. Und der Hl. Geist hat die rechte Absicht in diesem himmlischen Gebet, weshalb es so kraftvoll ist. Gott ist es, „der die Herzen erforscht“ und deshalb auf die Absicht eines Gebets schaut. Wenn wir nicht wissen, wie wir in unserer Leidenssituation noch beten sollen, lassen wir den Geist Gottes durch uns sprechen. Sein Gebet durch uns hindurch wird uns aufrichten und wir werden inneren Frieden erhalten.

Mt 13
24 Jesus legte ihnen ein anderes Gleichnis vor: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte.
25 Während nun die Menschen schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging weg.
26 Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein.
27 Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut?
28 Er antwortete: Das hat ein Feind getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen?

29 Er entgegnete: Nein, damit ihr nicht zusammen mit dem Unkraut den Weizen ausreißt.
30 Lasst beides wachsen bis zur Ernte und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune!
31 Er legte ihnen ein weiteres Gleichnis vor und sagte: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte.
32 Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, sodass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten.
33 Er sagte ihnen ein weiteres Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Sea Mehl verbarg, bis das Ganze durchsäuert war.
34 Dies alles sagte Jesus der Menschenmenge in Gleichnissen und ohne Gleichnisse redete er nicht zu ihnen,
35 damit sich erfülle, was durch den Propheten gesagt worden ist: Ich öffne meinen Mund in Gleichnissen, ich spreche aus, was seit der Schöpfung der Welt verborgen war.
36 Dann verließ er die Menge und ging in das Haus. Und seine Jünger kamen zu ihm und sagten: Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker!
37 Er antwortete: Der den guten Samen sät, ist der Menschensohn;
38 der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Kinder des Reiches; das Unkraut sind die Kinder des Bösen;
39 der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Schnitter sind die Engel.
40 Wie nun das Unkraut aufgesammelt und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch bei dem Ende der Welt sein:
41 Der Menschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gesetzloses getan haben,
42 und werden sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.
43 Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre!

Im Evangelium hören wir heute eine Kompilation mehrerer Gleichnisse, die das Reich Gottes umschreiben. Als erstes wird es mit einem landwirtschaftlichen Bild verglichen, was an den letzten Sonntag mit dem Gleichnis vom Sämann anschließt. Wir hören hier von einem Mann, dessen Aussaat von einem Feind sabotiert wird. Dieser streut Unkraut darunter, um die Ernte zu verderben. Doch anstatt das Unkraut sofort herauszureißen, soll beides bis zur Ernte stehen bleiben. Das Getreide soll dann in die Scheune gebracht, das Unkraut aber verbrannt werden. Dieses Gleichnis könnte man nach dem vierfachen Schriftsinn deuten. Der Gutsherr ist Gott selbst, der die Welt erschafft. Der Acker ist die Welt. Der Same sind die Geschöpfe. Der Feind ist der Satan und das Unkraut ist die Sünde. Er möchte Gottes gute Schöpfung sabotieren, damit das ganze Getreide am Ende nicht in die Scheune kommt, die das Himmelreich ist, sondern verbrannt wird, was die Hölle meint. Gott könnte nun alles ausreißen, das heißt alles zunichte machen, damit die Sünde nicht mehr in der Welt ist. Doch stattdessen zeigt er seine unendliche Barmherzigkeit. Und nun realisieren wir die Beschränktheit von Bildern: Gott ist so langmütig und geduldig, dass er uns bis zur Ernte, das heißt bis zur Endzeit noch wachsen lässt und auch wenn das mit echtem Getreide und Unkraut nicht möglich ist: Wir können von Unkraut zu Getreide werden. Oder anders gesagt: Wir können unser Unkraut selbst herausreißen mit der Gnade Gottes. Dieses Ausreißen vor der Ernte ist ein Bild für die persönliche Umkehr. Gott möchte uns bis zum Schluss noch die Chance geben, zu ihm zurückzukehren und die Sünden abzulegen. Mit diesem Gleichnis erklärt Jesus im Grunde das, was wir schon in der ersten Lesung und im Psalm gehört haben: Gott ist unendlich barmherzig und möchte kein Geschöpf verlieren. Man könnte all das auch christologisch deuten, dann ist der Gutsherr Christus, der das Wort Gottes als Same auf den Acker streut. Wir könnten das gesamte Gleichnis auch auf moralischer Ebene deuten, dann ist es unsere eigene Seele, die weder ganz gut noch ganz böse ist. Es ist eben eine Mischung aus Weizen und Unkraut, die Gott in seiner Langmut an uns aushält. Gerade die christologische Deutung wird uns Jesus nachher noch erklären.
Ab Vers 31 geht es um das Gleichnis vom Senfkorn, das das Wachsen des Reiches Gottes umschreibt. Es scheint ganz unscheinbar und beginnt mit einer Hand voll Menschen. Doch es wächst rasant, indem immer mehr Menschen sich taufen lassen. Und am Ende ist es viel größer als alle anderen Pflanzen. Wir können dies auf die Kirchengeschichte beziehen – innerhalb von drei Jahrhunderten ist das Christentum zur Staatsreligion im Römischen Reich geworden! Das Senfkorngleichnis ist für uns heute sehr relevant. Wir sehen mit Bedauern, dass immer weniger Menschen wirklich noch praktizierende Katholiken sind, die Lehre ernst nehmen und sich wirklich um die Zehn Gebote bemühen. Und wenn auch nur eine Hand voll echter Katholiken übrigbleibt, ist das nicht zu unterschätzen! Aus einer Handvoll kann eine Masse brennender Christen werden!
Auch das Gleichnis vom Sauerteig ist sehr anschaulich, diesmal hebt Jesus damit hervor, wie das Reich Gottes in die Welt kommt: Der Sauerteig wird unter das Mehl gemischt, bis alles durchsäuert ist. Gott ist Mensch geworden und das Reich Gottes, das mit der Person Jesu Christi zuinnigst verbunden ist, mitten unter die Menschen gekommen. Er hat seinen Sauerteig in Form von Verkündigung und Heilstaten sowie gutem Beispiel in der Welt verteilt und nach seiner Heimkehr zum Vater durch seine Jünger weiter verteilen lassen, bis alles durchsäuert worden ist. Und dieser Prozess ist immerwährend, bis er wiederkommt am Ende der Zeiten.
Wie so oft im Matthäusevangelium wird die Gleichnisrede Jesu vor dem Hintergrund alttestamentlicher Verheißungen als Erfüllung gedeutet. Hier wird Ps 78,2 zitiert.
Als Jesus und seine Jünger allein sind, fragen sie nach der Deutung des ersten heute gehörten Gleichnisses vom Weizen und Unkraut. Jesus erklärt es ihnen daraufhin christologisch: Er selbst ist der Gutsherr des Ackers, der den Samen ausstreut, also das Wort Gottes. Er ist mit diesem so innigst verbunden, dass man schon sagen kann: Er streut sich selbst aus, weil er ja das fleischgewordene Wort Gottes ist. Weizen und Unkraut meint die Kinder des Reiches und die Kinder des Bösen. Am Ende der Zeiten wird Jesus wiederkommen, das heißt zur Ernte. Und seine Schnitter, die die Ernte vornehmen werden, sind die Engel, die er aussenden wird. Das ist eine eschatologische Vorstellung aus dem Judentum, die wir in den apokalyptischen Texten des Alten Testaments sowie des Neuen Testaments nachlesen können. Der Teufel ist der Unkraut säende Feind und das Feuer die Hölle.
Jesus sagt zum Ende seiner Deutung: „Wer Ohren hat, der höre“. Das ist immer ein Aufruf zum Hinhören, statt verstockt zu sein.
Auch wenn es hier eine drastische Gerichtsrede ist, zeugt sie von Gottes unendlicher Barmherzigkeit. Jesus spricht diese Worte ja nicht, um Angst einzujagen, sondern um die Menschen zur Umkehr zu bewegen, bevor es zu spät ist. Wäre Gott herzlos, könnte er die Menschen einfach ins offene Messer laufen lassen, ohne sie vorzuwarnen. Aber das möchte er ja nicht, denn alle seine Kinder hat er liebevoll gesät, sie sind seine Früchte. Er möchte sie alle am Ende in seiner Scheune haben.

Gott ist bereit, zu vergeben. Bitten wir ihn aber auch aktiv um Vergebung, sonst kann er ja nicht vergeben.

Ihre Magstrauss

Samstag der 15. Woche im Jahreskreis

Mi 2,1-5; Ps 10,1-2.3-4.7-8.14; Mt 12,14-21

Mi 2
1 Weh denen, die Unheil planen und böse Taten auf ihren Lagern! Wenn es Tag wird, führen sie es aus; denn sie haben die Macht dazu.

2 Sie wollen Felder haben und reißen sie an sich, sie wollen Häuser haben und bringen sie in ihren Besitz. Sie wenden Gewalt an gegen den Mann und sein Haus, gegen den Besitzer und sein Eigentum.
3 Darum – so spricht der HERR: Seht, ich plane Unheil gegen diese Sippe, aus dem ihr nicht mehr herausziehen könnt eure Hälse; und ihr werdet den Kopf nicht mehr so hoch tragen; denn es wird eine böse Zeit sein.
4 An jenem Tag macht man über euch ein Sprichwort und man wird eine bittere Klage klagen. Man sagt: Vernichtet sind wir, vernichtet! Der Anteil meines Volkes wird veräußert. Ach, wie entzieht man ihn mir! Treulosen teilt man unsere Felder zu.
5 Darum wird es keinen mehr für dich geben, der die Messschnur auf den Losanteil wirft in der Versammlung des HERRN.

Die heutige Lesung ist dem Prophetenbuch Micha entnommen. Dabei stellt es einen Weheruf gegen die Habsucht dar. Der Prophet warnt jene, die Unheil und böse Taten planen. Sie haben die Macht, jene Taten auszuführen, die sie in der Nacht geplant haben. Es geht um böse Taten, die aus Habgier begangen werden: Felder und Häuser werden an sich gerissen und dabei Gewalt gegen die eigentlichen Besitzer ausgeübt. Ein besonders eindrückliches Beispiel stellt König Ahab dar, der unbedingt einen Weinberg haben möchte und dem seine Frau durch eine Intrige dieses Stück Land beschafft. Der eigentliche Besitzer Nabot wird umgebracht. Micha ist kein Zeitgenosse dieses bösen Königspaares, aber seine Worte treffen Menschen wie sie: „Seht, ich plane Unheil gegen diese Sippe, aus dem ihr nicht mehr herausziehen könnt eure Hälse“. Wer so böse Taten vollbringt, muss nicht meinen, damit ungeschoren davon zu kommen. Gott sieht alles, er durchschaut das gierige Herz. Und wer sich nimmt, statt sich von Gott beschenken zu lassen, muss die Konsequenzen tragen. Das war schon beim ersten Menschenpaar so, dem alle von Gott geschenkten Früchte des Paradieses nicht genug waren und es sich so das einzig Verbotene genommen hat. Die Beziehung zu Gott ist zerbrochen und konnte aus eigener Kraft nicht mehr wiederhergestellt werden. Adam und Eva konnten ihren Kopf nicht mehr aus der Schlinge ziehen. Das konnte erst Jesus Christus am Kreuz für sie und alle anderen Menschen tun.
Gott hat das letzte Wort und er lässt das Unrecht nicht ungesühnt. Dann wird er „eine böse Zeit“ zulassen, damit die Sünder zur Besinnung kommen. Dann wird es einen Klageschrei wegen der Vernichtung geben. Dann werden die gewaltsam an sich gerissenen Ländereien anderen gegeben. Wie gewonnen, so zerronnen. Wer alles haben will, wird am Ende mit nichts dastehen. Und das, was man schon geschenkt bekommen hat, wird einem auch noch weggenommen. Hier werden die Fremdherrschaften inklusive die Enteignungen angekündigt, die sich zutragen werden wegen der Sünde der Einzelnen. Dann wird keine gerechte Aufteilung von Ländereien und Besitz mehr vorgenommen, denn keiner Steht in der Versammlung des HERRN noch mit einer Messschnur ein. Alles wird genommen.
Für uns ist das ein wichtiger aktueller Warnspruch Michas: Der Mensch verliert alles, wenn er versucht, alles an sich zu reißen. Jesus sagt später: Wer hat, dem wird gegeben und wer nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Auch auf Besitz und Habgier sind diese Worte zu beziehen. Der Habgierige verliert auch das, was er schon besitzt, weil er mit den von Gott geschenkten Gaben nicht gut umgeht. Wer aber frei von Habgier, mit Ehrfurcht und Respekt die gottgeschenkten Güter in dieser Welt zur Erbauung des Gottesreiches verwendet, dem wird immer mehr geschenkt, weil er es nicht begehrt. Das Stichwort, das Jesus in den Seligpreisungen nennt, ist die Armut im Geiste, die innere Freiheit und Unabhängigkeit vom Besitz, das Fehlen von Begierde und Habgier. Und Gott, der die Herzen erforscht, handelt gemäß des Herzenszustands.
Dem Nord- und Südreich Israels ergeht es deshalb so schlecht aufgrund von Habgier und Götzendienst, weil die Untaten von jenen vollzogen werden, die Macht haben. Sie nutzen ihre Stellung als König und Königin, als Reiche und Einflussreiche aus, um noch reicher und einflussreicher zu werden.

Ps 10
1 HERR, warum bleibst du so fern, verbirgst dich in Zeiten der Not?

2 Voller Hochmut verfolgt der Frevler den Elenden. Sie sollen sich fangen in den Ränken, die sie selbst ersonnen.
3 Denn der Frevler hat sich gerühmt nach Herzenslust, der Gierige hat gelästert und den HERRN verachtet.
4 Überheblich sagt der Frevler: Gott ahndet nicht. Es gibt keinen Gott. So ist sein ganzes Denken.
7 Sein Mund ist voll Fluch und Trug und Gewalttat, auf seiner Zunge sind Verderben und Unheil.

8 Er liegt auf der Lauer in den Gehöften und will den Schuldlosen heimlich ermorden; seine Augen spähen aus nach dem Schwachen.
14 Du, ja du, hast Mühsal und Kummer gesehen! Schau hin und nimm es in deine Hand! Dir überlässt es der Schwache, der Waise bist du ein Helfer geworden.

Psalm 10 ist ein Klagelied, das die Gottlosigkeit der Frevler im Volk beklagt. Es passt somit sehr gut als Reaktion auf den Weheruf Michas.
Wie sehr häufig in Klagepsalmen wird eine klagende Frage an Gott gerichtet, in der seine vermeintliche Ferne und sein fehlendes Eingreifen beklagt werden. Es ist die Zeit der Not, die durch das böse Verhalten von Einzelnen entsteht. Der Beter schildert vor Gott die Situation: „Voller Hochmut verfolgt der Frevler den Elenden.“ Der Reiche ist hinter dem Besitz des Armen her, der Starke unterdrückt den Schwachen. Der Gottlose hindert den Gottesfürchtigen an einem Leben nach Gottes Geboten.
„Denn der Frevler hat sich gerühmt nach Herzenslust, der Gierige hat gelästert und den HERRN verachtet.“ Wer keine Gottesfurcht hat, vergöttert sich selbst, was durch Selbstruhm im Grunde geschieht. Wer keine Gottesfurcht hat, verhält sich blasphemisch. Er unterliegt der Illusion, dass Gott ihn für sein Verhalten nicht bestrafen wird und ihm nichts anhaben kann. Er denkt „Gott ahndet nicht.“ Ja, er leugnet sogar dessen Existenz: „Es gibt keinen Gott.“ Mit so einer Einstellung schaufelt er aber sein eigenes Grab, denn er schadet sich nur selbst. All diese Untaten werden auf ihn zurückfallen, seine Flüche, Gewalttaten und schlechten Reden voller „Verderben und Unheil“ werden vielfach auf ihn zurückkommen, weil Gott das Unrecht nicht ungesühnt lässt. Er möchte, dass auch dieser verdorbene Mensch sich bekehrt und gerettet wird. Deshalb wird er ihn das alles selbst spüren lassen.
Der Beter beklagt auch ganz konkret, dass die Habgierigen die Gehöfte an sich reißen und dafür Intrigen spinnen. Sie warten den Moment ab, dem Schwachen auch noch das letzte Bisschen zu entreißen. Auch hier denken wir wieder an König Ahab, der mit so einer Einstellung Nabots Weinberg an sich gerissen hat.
Es bleibt aber nicht bei der Klage. Der Psalmist ist sich zugleich bewusst, dass Gott alles sieht. Er weiß um das Unrecht seiner geliebten Kinder und bleibt nicht tatenlos, auch wenn das der Psalmist zu Anfang des Psalms beklagt hat. Mithilfe von solchen Fragen wird indirekt ein Appell an Gott gerichtet, sein Schweigen zu brechen. Gott hat „mühsal und Kummer gesehen“ und soll die Situation nun in die Hand nehmen. Gottes Option ist immer für die Armen – in diesem Fall sind es die Opfer von Enteignung und Unterdrückung durch Stärkere und Reiche. Gott hat jedem einzelnen Israeliten ein Stück des verheißenen Landes zuerteilt. Er wird dafür sorgen, dass die Enteignung durch Habgierige ein Ende findet und gesühnt wird. Der Schwache und Waise kann es Gott überlassen, der wirklich für Gerechtigkeit sorgt.
Auch dies lehrt uns heute etwas Wichtiges: Wenn wir Opfer von Ungerechtigkeit werden, dann dürfen wir nicht in die Hamsterradfalle tappen, aus der wir nicht mehr herauskommen, die Falle, selbst für Gerechtigkeit zu sorgen. Wir sind keine kompetenten Richter in solchen Situationen. Überlassen wir es Gott und vergeben wir unseren Missetätern. Gott wird die Ungerechtigkeit auf solch eine Weise sühnen, die Sie nie für möglich gehalten haben. Vertrauen Sie auf ihn!

Mt 12
14 Die Pharisäer aber gingen hinaus und fassten den Beschluss, Jesus umzubringen.
15 Als Jesus das erfuhr, ging er von dort weg. Viele folgten ihm nach und er heilte sie alle.
16 Er gebot ihnen, dass sie ihn nicht bekannt machen sollten,
17 damit erfüllt werde, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist:
18 Siehe, mein Knecht, den ich erwählt habe, mein Geliebter, an dem ich Gefallen gefunden habe. Ich werde meinen Geist auf ihn legen und er wird den Völkern das Recht verkünden.
19 Er wird nicht streiten und nicht schreien und man wird seine Stimme nicht auf den Straßen hören.
20 Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen, bis er dem Recht zum Sieg verholfen hat.
21 Und auf seinen Namen werden die Völker ihre Hoffnung setzen.

Die Pharisäer sind sehr wütend über die mehrfachen Übertretungen des Sabbatgebotes durch Jesus. Zuerst pflücken Jesu Jünger Ähren von einem Kornfeld ab, dann heilt Jesus einen Mann in der Synagoge. Das ist zuviel für sie. Zu sehr fürchten sie die Strafe Gottes wie damals beim Babylonischen Exil. Sie verstehen gar nicht, dass Gott selbst ihnen hier gebietet, dass er es besser weiß als sie. So fassen die Pharisäer den Beschluss, Jesus zu töten.
Er kann jedoch noch nicht umgebracht werden, denn er hat das Werk des Vaters noch nicht vollbracht. Seine Zeit ist noch nicht gekommen und so handelt er klug – indem er von dort weggeht. Doch egal, wo Jesus hinkommt, die Menschen folgen ihm. Er heilt alle, die zu ihm kommen. Er offenbart mit seinem ganzen Wesen wirklich die Barmherzigkeit Gottes.
Er tut es auch, damit die Menschen vor dem Hintergrund der Hl. Schriften begreifen, wer er ist. Was er tut, ist die Erfüllung des Jesajawortes aus Jes 42,1. Er verkündet nicht nur den Juden, sondern auch den Nichtjuden. Gerade jene in den heidnischen Städten hören das Evangelium mit offenem Herzen. Vor einigen Tagen nahm der solche Städte als Glaubensvorbild für die jüdischen Städte Betsaida, Chorazin und Kafarnaum. Er ist wirklich der geliebte Knecht bzw. Sohn, der allen das Recht verkündet, denn Gott möchte einen Bund mit allen Völkern schließen.
Jesus streitet und schreit nicht. Seine Art, das Reich Gottes zu verkündigen, ist ganz und gar unpolitisch. Sein Reich ist nicht von dieser Welt, so können die Waffen, mit denen er dafür kämpft, auch nur spirituelle Waffen sein. Jesu Worte sind so kraftvoll, dass er auf den Straßen nicht schreien muss wie ein Revolutionär, ein Zelot, ein Aufrührer.
Er schaut beim Sünder auf das Bisschen Glut, das noch übrig ist, und auf das Stück des Rohrs, das noch nicht ganz abgerissen ist. Er tritt bei dem, der auf dem Boden liegt, nicht nach. Vielmehr gibt er mit höchster Sensibilität jedem Menschen eine Chance zur Umkehr. Er ist gekommen, um zu retten. Er tut alles und vergießt sein eigenes Blut, damit das Rohr nicht ganz abknickt, der Docht nicht ganz ausgeht und der Mensch zum Glauben an Gott kommt.
Weil sein Name Rettung bedeutet – „Jahre ist Heil“ -, setzen alle Völker ihre Hoffnung auf ihn zu allen Zeiten. Alle Menschen kommen zu ihm und erhoffen sich von ihm das Heil für ihr Leben, auch wenn sie noch nicht ganz begriffen haben, wer er ist.

Setzen auch wir unsere ganze Hoffnung auf ihn, der der Herrscher des Gottesreiches ist. Bei ihm ist Heil und Gerechtigkeit.

Ihre Magstrauss

Freitag der 15. Woche im Jahreskreis

Jes 38,1-6.21-22.7-8; Jes 38,10-11.12abcd.16 u. 20; Mt 12,1-8

Jes 38
1 In jenen Tagen wurde Hiskija todkrank. Da kam der Prophet Jesaja, der Sohn des Amoz, zu ihm und sagte: So spricht der HERR: Bestell dein Haus, denn du wirst sterben und nicht am Leben bleiben!
2 Da drehte sich Hiskija mit dem Gesicht zur Wand und betete zum HERRN
3 und sagte: Ach HERR, denk daran, dass ich in Treue und mit ungeteiltem Herzen vor dir gegangen bin und dass ich getan habe, was gut ist in deinen Augen. Und Hiskija weinte laut.
4 Da erging das Wort des HERRN an Jesaja:
5 Geh und sprich zu Hiskija: So spricht der HERR, der Gott deines Vaters David: Ich habe dein Gebet gehört, ich habe deine Tränen gesehen. Siehe, ich füge deinen Tagen noch fünfzehn Jahre hinzu.
6 Aus der Faust des Königs von Assur werde ich dich und diese Stadt retten und ich werde diese Stadt beschützen.
21 Darauf sagte Jesaja: Man nehme einen Feigenbrei und streiche ihn auf das Geschwür, damit er am Leben bleibe.
22 Da sagte Hiskija: Was ist das Zeichen, dass ich zum Haus des HERRN hinaufgehen werde?
7 Dies ist für dich das Zeichen vom HERRN, dass der HERR dieses Wort, das er gesprochen hat, ausführen wird:
8 Siehe, ich lasse den Schatten, der auf den Stufen des Ahas mit der Sonne bereits hinabgestiegen ist, wieder zehn Stufen hinaufsteigen. Da kehrte die Sonne zehn Stufen zurück, auf den Stufen, die sie bereits hinabgestiegen war.

Im heutigen Jesajatext hören wir von einer Krankheit des Königs Hiskija von Juda. Er leidet unter einem Geschwür, was ihm den Tod bescheren kann. Und tatsächlich sagt Jesaja zu ihm, dass er sich schon auf den Tod einstellen und für den Nachfolger sorgen soll („Bestell dein Haus“). Dieser weint sehr laut und bittet Gott inständig um sein Erbarmen. Er war immer ein gottesfürchtiger König, der Gott treu geblieben ist. Er ist der König, der seinem kleingläubigen Vater König Ahas angekündigt worden war. Doch nun steht er dem Tod bevor. Doch Gott hat einen besonderen Plan. So lässt er Jesaja wieder sprechen: „Ich habe dein Gebet gehört, ich habe deine Tränen gesehen. Siehe, ich füge deinen Tagen noch fünfzehn Jahre hinzu.“ Warum hat Gott überhaupt eine bedrohliche Krankheit zugelassen und nicht gleich die weiteren fünfzehn gesunden Jahre geschenkt? Er wollte den König in seinem Glauben stärken. Deshalb war dieser vermeintliche „Umweg“ notwendig. Er sollte wirklich verstehen, dass Gott allmächtig und Herr über Leben und Tod, über Krankheit und Gesundheit ist. Ihm sollte noch stärker bewusst werden, dass alles von Gottes Segen abhängt und er als Mensch nichts ausrichten kann, selbst als König nicht.
Gott lässt ihm über Jesaja noch sagen, dass er Jerusalem retten und vor den Assyrern beschützen werde. Juda ist zum Vasallenstaat Assurs geworden und es war eine Frage der Zeit, bis ihn dasselbe Urteil ereilen würde wie dem Nordreich.
Jesaja ordnet an, einen Feigenbrei herzustelen und damit das Geschwür des Königs zu bestreichen. Das würde sein Leben retten.
Hiskija befragt den Propheten nach einem Zeichen für die Rettung des Tempels („dass ich zum Haus des HERRN hinaufgehen werde“). Daraufhin antwortet Jesaja mit einem Sonnenwunder: „Siehe, ich lasse den Schatten, der auf den Stufen des Ahas mit der Sonne bereits hinabgestiegen ist, wieder zehn Stufen hinaufsteigen.“ Das bedeutet, dass die Sonne „sich bewegen wird“. Und so kommt es tatsächlich. Die Schatten verändern sich in einem Umfang von zehn Stufen. Das ist viel und muss von vielen Menschen registriert worden sein. Gott möchte Juda beschützen. Hiskija wird dies in seinem Leben noch bezeugen, weil er ein gottesfürchtiger König ist.
Gott ist barmherzig. Er möchte wirklich das Heil für jeden Menschen und erteilt so überreiche Chancen. Der Mensch muss sie aber auch nutzen, sonst bleibt die fließende Gnade ohne Folgen. Hiskija hat die Barmherzigkeit Gottes in Anspruch genommen und konnte aufgrund des Stands der Gnade auch erhört werden. Seine Situation ist uns ein positives Beispiel. So kann es ausgehen, wenn man in allem Gottes Willen sucht.

Jes 38
10 Ich sprach: In der Mitte meiner Tage muss ich hinab zu den Pforten der Unterwelt, ich bin gefangen für den Rest meiner Jahre.
11 Ich sprach: Ich darf den HERRN nicht mehr schauen im Land der Lebenden, keinen Menschen mehr sehen bei den Bewohnern der Erde.
12 Meine Hütte bricht man ab, man deckt sie über mir ab wie das Zelt eines Hirten. Wie ein Weber das Tuch habe ich mein Leben zusammengerollt, vom Faden schneidet er mich ab; vom Tag bis in die Nacht gibst du mich preis.
16 Herr, dadurch lebt man und darin liegt das ganze Leben meines Geistes, dass du mich stärkst. Gib mir das Leben!
20 Der HERR ist da, um mich zu retten. Spielen wir mein Saitenspiel alle Tage unseres Lebens am Haus des HERRN!

Als Antwort auf den Gnadenakt Gottes beten wir ein Danklied Hiskijas, das er aufgrund seiner Heilung und der Verschonung Judas anstimmt. Auch dies zeigt uns ein vorbildhaftes Verhalten. Gott erweist uns solche Gnaden, dafür müssen wir immerzu dankbar sein.
Hiskija schildert seine lebensbedrohliche Situation „in der Mitte“ seiner „Tage“. Damit ist gemeint, dass die Todesgefahr in einem jungen und rüstigen Alter erfolgt ist. Er stellte sich schon auf den Tod ein („muss ich hinab zu den Pforten der Unterwelt, ich bin gefangen für den Rest meiner Jahre“). Gefangen sah er sich deshalb, weil die Unterwelt ihn festgehalten hätte.
Er stellte sich auch schon darauf ein, das „Land der Lebenden“ nicht mehr schauen zu dürfen. Das meint wörtlich hier das gelobte Land, das Gott seinem Volk gegeben hat. Mit dem Tod würde Hiskija nicht mehr in diesem Land wandeln können. Der Tod ist nach alttestamentlichem Verständnis unter anderem deshalb so bedrohlich, weil man absolut isoliert wird. Ein Leben in Fülle ist ein Leben in Gemeinschaft. Im Tod ist man aber ganz auf sich allein gestellt. Man sieht „keinen Menschen mehr“.
Hiskija hat schon mit allem abgeschlossen und ging von dem Schlimmsten aus. Sogar seine „Hütte“ sah er schon in Trümmern. Damit ist der Tempel von Jerusalem gemeint. Dieser ist zu jener Zeit ein prächtiger Bau, der salomonische Tempel, doch der Begriff „Hütte“ ist ein Überbleibsel aus der Zeit vor diesem festen Bau. Er bezeichnete das Offenbarungszelt, das das Volk Israel in der Zeit der Wüstenwanderung mit sich herumgetragen hat. Deshalb kann Hiskija auch sagen, dass die Hütte abgedeckt werde „wie das Zelt eines Hirten“.
Der König hat sein Leben schon zusammengerollt wie ein Weber ein Tuch. Er hat mit seinem Leben schon abgeschlossen und ging davon aus, dass Gott ihn von sich abgeschnitten hat.
Doch ganz hat Hiskija ja nicht aufgegeben. Sonst hätte er Gott nicht inständig um seine Gnade angefleht. Er hat zu ihm geschrien: „Gib mir das Leben!“ Und Gott hat ihn erhört. Weil Hiskija stets ein gottesfürchtiger König war, befand er sich ganz im Stand der Gnade. Gott konnte seine Bitten erhören und so gab er ihm weitere 15 Jahre. Er verschonte den Tempel und die Assyrer sollten Juda nicht einnehmen. Gott ist gnädig und barmherzig. Und so gebührt ihm auf ewig der Lobpreis („Spielen wir mein Saitenspiel alle Tage unseres Lebens am Haus des HERRN!“). Gott ist nicht egal, was mit seinen geliebten Kindern passiert. Das gilt für Hiskija und das Reich Juda damals, das gilt auch uns heute.

Mt 12
1 In jener Zeit ging Jesus am Sabbat durch die Kornfelder. Seine Jünger hatten Hunger; sie rissen Ähren ab und aßen davon.
2 Die Pharisäer sahen es und sagten zu ihm: Sieh her, deine Jünger tun etwas, das am Sabbat verboten ist.
3 Da sagte er zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David getan hat, als er und seine Begleiter hungrig waren –
4 wie er in das Haus Gottes ging und wie sie die Schaubrote aßen, die weder er noch seine Begleiter, sondern nur die Priester essen durften?
5 Oder habt ihr nicht im Gesetz gelesen, dass am Sabbat die Priester im Tempel den Sabbat entweihen, ohne sich schuldig zu machen?
6 Ich sage euch: Hier ist Größeres als der Tempel.
7 Wenn ihr begriffen hättet, was das heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer, dann hättet ihr nicht Unschuldige verurteilt;
8 denn der Menschensohn ist Herr über den Sabbat.

Im Evangelium hören wir von einer Begebenheit, die den Verlust des Wesentlichen bei den Pharisäern offenbart. Diese stören sich an Jesu Verhalten bzw. an dem seiner Jünger, die es wagen, am Sabbat Ähren vom Feld zu pflücken und zu essen. Warum tun sie das überhaupt? Jesus ist mit seinen Jüngern unterwegs und da bekommt man eben Hunger. Sie müssen etwas essen, deshalb bedienen sie sich an den Ähren. Das hat auch nichts mit Stehlen zu tun, wie man jetzt vielleicht daraus schließen könnte. Laut Dtn 23,26 ist es erlaubt, mit der Hand Ähren vom Feld eines anderen zu pflücken. Jesus und seine Jünger sind stets unterwegs. Sie haben keinen festen Wohnsitz und führen ein anderes Leben als die meisten. Sie müssen irgendwann essen und somit erlaubt Jesus ihnen auch das Essen von den Ähren.
Das Problem ist, dass sie damit gegen die Sabbatgebote verstoßen. Ich sage bewusst nicht „das Sabbatgebot“, das zum Dekalog gehört. Jenes ist nämlich ein göttliches Gebot, hier geht es aber um zahlreiche Zusatzerlasse, was alles am Sabbat verboten ist. Diese zusätzlichen Gebote sind menschengemacht und verkomplizieren das eigentliche Gebot. Man muss an dieser Stelle bedenken, warum die Sabbatruhe so streng gehandhabt wird: Was mit Juda letztendlich geschieht – das Babylonische Exil -, ist unter anderem die Konsequenz der Missachtung des Sabbatgebotes. Nie wieder soll so etwas Schreckliches passieren und so sind die nachexilischen Juden besonders streng in diesem Aspekt.
Als die Jünger Jesu kritisiert werden, verweist Jesus auf König David und seine Begleiter, die sogar die Schaubrote im Offenbarungszelt essen, die eigentlich nur für die Priester gedacht sind. Was Jesus durch diesen Verweis sagen möchte, ist: Es gibt Gebote nicht dafür, dass wir eingeschränkt werden. Sie sollen uns ja in die Freiheit führen. Wenn Jesus den Sinn von Geboten erklärt, hat das höchste Autorität. Er ist Gott und erklärt den Menschen höchstpersönlich, warum er die Gebote den Menschen überhaupt gegeben hat! Die Sabbatruhe ist nicht dafür da, dass man verhungert (auch nicht, dass jemand an einer Krankheit stirbt, wenn man ihn nicht heilt). Er ist dafür da, damit wir mehr Zeit für das Gebet und die Beziehung mit Gott haben. Die Kritik der Menschen geht also an dem Sinn der Sabbatruhe vorbei. Seine Jünger werden ihre Gottesbeziehung nicht weniger verinnerlichen können, nur weil sie eine Mahlzeit zu sich genommen haben. Im Gegenteil: Sie folgen Jesus nach, durch den sie eine ganz innige Beziehung zum Herrn lernen. Aber auch heute sehen wir, dass die Menschen Jesus als Messias und Gott nicht erkennen. Sie sehen nicht, dass er schon längst mitten unter ihnen ist. Sie verstehen dadurch auch nicht, wenn Jesus sagt: Der Menschensohn ist Herr über den Sabbat. Gott ist höher als seine gegebene Torah.
Auch hier lernen wir, worum es eigentlich gehen sollte: um die Beziehung zu Gott. So wie König David ganz nah an Gottes Herz hing, ebenso König Hiskija, sollen auch die Juden zur Zeit Jesu leben. Schließlich ist die Motivation für das Halten der Gebote Gottes die Liebe zu ihm. Den Kritikern Jesu geht es aber nicht um Beziehung, um Liebe oder sonst etwas. Ihnen geht es um das Halten der Gebote um der Gebote selbst willen. Sie sind so beschäftigt damit, in ihrer eigenen Selbstgerechtigkeit und der Buchstabentreue zu verbleiben, dass sie das Heil direkt vor ihren Augen nicht erkennen. Ja noch schlimmer – sie verwehren es auch noch jenen, die sie wie eine Torah-Polizei verurteilen. Sie lassen sich nicht belehren, auch nicht von Gott selbst. Aber Jesus sieht ihr Herz und gibt durch seine Erklärungen immer wieder die Chance, es zu verstehen. Er liebt auch die Pharisäer von ganzem Herzen und möchte ihnen helfen. Er sieht, dass die Pharisäer zwar kritisieren, aber selbst die absolut strikte Sabbatruhe nicht nutzen, um ihre Beziehung zum Herrn zu vertiefen.

Die Gebote Gottes sollen uns in die Freiheit führen, die wahre Freiheit(von der Sünde!) und nicht in die Anarchie. Und doch dürfen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht übersehen. Besinnen wir uns immer wieder darauf, warum und wofür die Gebote Gottes gegeben sind – ihn zu lieben und den Nächsten zu lieben wie sich selbst. Wo die Liebe nicht mehr Antrieb ist, wird unser Verhalten unfruchtbar und unser Herz entfernt sich von Gott. Weil das Volk Israel dies immer wieder vergessen hat, ließ Gott die vermeintlichen Krisen zu. Seine Braut sollte wieder ganz auf ihn schauen und ihm ihr Herz schenken. Damit die Braut überhaupt darauf aufmerksam wird, hat Gott immer wieder Propheten gesandt, die als sein Sprachrohr seine Braut wachrütteln. Das ist Ausdruck der absoluten Barmherzigkeit Gottes. Er könnte seine Braut auch einfach ins offene Messer laufen lassen. Er könnte auch uns unserem Schicksal überlassen, doch stattdessen tut er alles für unsere Rettung, bis hin zum Kreuz.

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 15. Woche im Jahreskreis (UlF auf dem Berge Karmel)

Jes 26,7-9.12.16-19; Ps 102,13-14.15-16.17-18.19-20.21-22; Mt 11,28-30

Jes 26
7 Der Pfad des Gerechten ist Geradheit, gerade ist die Bahn des Gerechten, die du ebnest.
8 Fürwahr, auf dem Pfad deiner Gerichte, HERR, haben wir auf dich gehofft. Deinen Namen anzurufen und deiner zu gedenken, ist der Seele Verlangen.
9 Meine Seele verlangt nach dir in der Nacht, auch mein Geist in meinem Innern ist voll Sehnsucht nach dir. Denn wann immer deine Gerichte die Erde treffen, lernten die Bewohner des Erdkreises Gerechtigkeit.
12 HERR, du wirst uns Frieden schaffen; denn auch all unsere Taten hast du für uns gemacht.
16 HERR, in der Not haben sie nach dir Ausschau gehalten; sie schrien in der Bedrängnis, als deine Züchtigung sie traf.
17 Wie eine Schwangere, die kurz davor ist, zu gebären, sich windet und schreit in ihren Wehen, so waren wir, HERR, vor deinem Angesicht.
18 Wir waren schwanger und lagen in Wehen, doch als wir gebaren, war es Wind. Heil verschaffen wir nicht dem Land und Erdenbewohner sind keine geboren.
19 Deine Toten werden leben, meine Leichen stehen auf. Wacht auf und jubelt, ihr Bewohner des Staubes! Denn ein Tau von Lichtern ist dein Tau und die Erde gebiert die Schatten.

Heute hören wir wieder aus dem Buch Jesaja. Diesmal geht es um einen Abschnitt aus einem Bittgebet der Gerechten. Wir haben die Tage ja immer wieder Warnrufe Jesajas bzw. Gottes an das Nordreich Israel gehört, damit es nicht zu einer assyrischen Katastrophe kommt. Nun kommen die Gerechten zu Wort, die an Gott festgehalten haben. Das Lied beinhaltet weisheitliche Betrachtungen über jene, die die Wege der Gerechtigkeit Gottes nicht verlassen.
„Der Pfad des Gerechten ist Geradheit.“ Wer die Gebote Gottes hält und somit auf seinem Pfad geht, geht geradeaus. Den Weg der Sünde zu gehen, bedeutet dagegen ein verwinkeltes Labyrinth. Es ist ein Weg des Versteckens vor Gott, den man durch die Sünde beleidigt. Und letztendlich ist es nie ein Weg mit einem Ziel, sondern mit einer Sackgasse. Wer den Pfad Gottes geht, hat das Ziel immer schon vor Augen und es ist ein offener und nachvollziehbarer Weg. Gott selbst sorgt dafür, dass der Weg eben und begehbar ist.
Der ebene Pfad Gottes bedeutet aber nicht, dass er komfortabel und einfach zu beschreiten ist. Es ist oft auch ein Pfad der Gerichte Gottes. Und doch ist am Ende des Weges stets das Heil Gottes sichtbar. Und je steiniger ein Gerichts-Abschnitt aussieht, desto lauter soll die Anrufung des Namens Gottes sein.
Es ist eine „Nacht“, eine dunkle Zeit, in der wir Gottes Gegenwart vielleicht nicht mehr spüren. Doch auch dies gehört zur Reifung des Menschen auf dem Weg zu Gott dazu. Voller Sehnsucht nach Gott sollen wir dennoch weitergehen. Der Gerechte soll sich immer bewusst bleiben, dass die Gerichte Gottes ein Weg zur Gerechtigkeit der Menschen ist. Diese Gerechtigkeit ist aber notwendig für den Frieden, den Gott schaffen will. Das ist eine wichtige Aussage: Gott schafft Frieden, nicht der Mensch. Es ist eine übernatürliche Gabe, die umfassend ist. Das hebräische Wort ist שלום schalom. Es bedeutet zugleich „Frieden“ und „Heil“. Heil kann die ganze Welt nur werden, wenn sie von allem Bösen gereinigt wird. Und deshalb geht dem ewigen Heil Gottes das Gericht notwendigerweise voraus.
Es ist wie mit einer Schwangeren, die kurz vor der Geburt steht und in Wehen schreit. Die Schmerzen sind schlimm, aber sie sind notwendig. Umso mehr kann sie sich über das geborene Kind freuen, wenn es dann in ihren Armen liegt. Dieses Bild für die Endzeit greift später auch Paulus auf. Wir hörten es neulich in der zweiten Sonntagslesung.
Noch ist die Endzeit nicht angelangt. Deshalb kann es bei Jesaja noch nicht heißen, dass das Kind in den Armen liegt. Israel liegt in Wehen, aber es kommt kein Kind. Die Zeit des Gerichtes hält noch an.
Doch die Toten werden leben. Zukünftig werden die Leichen nicht liegen bleiben, sondern aufstehen. Und dann wird die Zeit des Jubelns kommen. Es ist sogar die Rede von Tau, der auf die Erde kommt. Wir lesen diesen letzten Vers messianisch. Gott wird Mensch und als Messias die Welt erlösen. Nach seinem ersten Kommen wird er ein zweites Mal kommen, um Gericht zu halten. Danach wird das ewige Freudenmahl, das eschatologische Heil kommen und alles Leiden ein Ende finden. Mit dem ersten Kommen Christi wird der Mensch wieder das ewige Leben haben, allerdings als Folge der Erbsünde biologisch weiterhin sterben. Mit dem zweiten Kommen am Ende der Zeiten wird sich dann erfüllen, was Jesaja hier schon niedergeschrieben hat: Die Leichen werden aufstehen. Es wird zu einer leiblichen Auferstehung kommen.

Ps 102
13 Du aber, HERR, du thronst für immer und ewig und das Gedenken an dich dauert von Geschlecht zu Geschlecht.
14 Du wirst dich erheben, dich über Zion erbarmen, denn es ist Zeit, ihm gnädig zu sein, die Stunde ist da.
15 An seinen Steinen hängt das Herz deiner Knechte, ob seiner Trümmer tragen sie Leid.
16 Dann fürchten die Völker den Namen des HERRN und alle Könige der Erde deine Herrlichkeit.
17 Denn der HERR hat Zion dann wieder aufgebaut, er ist erschienen in seiner Herrlichkeit.
18 Er hat sich dem Bittgebet der verlassenen Stadt zugewandt, ihre Bittgebete hat er nicht verschmäht.
19 Dies sei aufgeschrieben für das kommende Geschlecht, damit den HERRN lobe das Volk, das noch erschaffen wird.
20 Denn herabgeschaut hat der HERR aus heiliger Höhe, vom Himmel hat er auf die Erde geblickt,
21 um das Seufzen der Gefangenen zu hören, zu befreien, die dem Tod geweiht sind,
22 damit sie den Namen des HERRN auf dem Zion verkünden und sein Lob in Jerusalem
.

Wir beten heute aus dem Psalm 102 als Antwort auf die Lesung. Es handelt sich um ein Bittgebet in Notlage. Er passt sehr gut zu den Betrachtungen bei Jesaja. Es ist wie das Bittgebet jener, die auf dem Weg Gottes wandeln und vor lauter Gericht und Nacht die Hand vor Augen nicht erkennen kann.
Trotz der lauten Hilferufe nach Gott ist sich der Beter bewusst: „Du aber, HERR, du thronst für immer und ewig und das Gedenken an dich dauert von Geschlecht zu Geschlecht.“ Gott ist Herr über alle Mächte und Gewalten. Und wenn diese nun auch einen gewissen Spielraum besitzen, hat Gott am Ende das letzte Wort. Er hat alles unter Kontrolle und er verlässt den Wanderer auf seinem Weg niemals.
Er wird sich zu seiner Zeit erheben – gemeint ist von seinem Thron – und dem Leiden ein Ende setzen. Dies wird ein einziger Gnadenakt Gottes über Zion sein. Historisch gesehen erahnen wir hier schon die nächste Katastrophe, die nun das Südreich Juda trifft, das Babylonische Exil. Gott wird sich über Zion erbarmen und er wird auf das Leiden seiner Knechte reagieren.
„Dann fürchten die Volker den Namen des HERRN und alle Könige der Erde deine Herrlichkeit.“ Durch die spektakulären Heilstaten Gottes zum Beispiel bei dem Auszug aus Ägypten haben die  גֹ֭ויִם gojim, die heidnischen Völker, die Macht des Gottes der Israeliten anerkannt. Sie werden an der Rückkehr des Volkes nach Juda und am Wiederaufbau des Tempels erkennen, dass Gott wirklich der wahre Gott ist. Sie werden seine Allmacht erkennen. Spätestens mit der Geburt Jesu Christi wird sich dieses Schriftwort noch einmal deutlicher erfüllen, wenn die Repräsentanten der östlichen Könige vor dem neugeborenen Messias niederknien werden.
„Denn der HERR hat Zion wieder aufgebaut, er ist erschienen in seiner Herrlichkeit.“ Dies ist zunächst wörtlich auf die Situation der Israeliten zu beziehen. Es geht um den Wiederaufbau der Stadt Jerusalem nach dem babylonischen Exil. Gottes Herrlichkeit wurde durch seine Gegenwart im Tempel wieder geschaut. Wir lesen es noch weiter, denn bei der Tempelreinigung sagt Jesus zu den Menschen: Reißt den Tempel nieder. Ich werde ihn in drei Tagen wieder aufbauen. Es geht nicht mehr um ein Gebäude, sondern um den Tempel seines Leibes. Er ist es. Mit diesem Leib, der dann sakramental weitergeführt die Kirche wird, ist das Reich Gottes ganz eng verbunden, der das neue Zion ist. Die sakramentale Antizipation dieses Reiches ist mit der Gemeinschaft der Gläubigen gegeben, die die Kirche ist. In ihr sehen die Gläubigen die Herrlichkeit Gottes verborgen in der Eucharistie. Die Kirche nimmt die endzeitliche Durchsetzung des Gottesreiches vorweg, die mit der Rückkehr des verherrlichten Menschensohnes einsetzen wird. Dann werden es alle sehen, dass Gott die Herrlichkeit ist.
„Er hat sich dem Bittgebet der verlassenen Stadt zugewandt, ihre Bittgebete hat er nicht verschmäht.“ Auch hier bezieht es sich wörtlich-historisch auf Jerusalem, das durch die Babylonier zerstört worden ist, aber auch dieser Vers ist in seinem geistigen Sinn weiterzudenken: Wir müssen es vor allem auf Jesus Christus zu beziehen, der durch sein Erlösungswirken das Paradies wieder ermöglicht hat. Es war wie eine verlassene Stadt, aus der die Menschheit verbannt wurde. Sie lebte bis zur Erlösung im Exil, doch nun können die Menschen die Stadt wieder beziehen. Es gilt für jeden von uns auf moralischer Ebene: In jedem getauften Christen hat Gott Wohnung bezogen. Unsere Seele wird zum inneren Zion, in dem die Herrlichkeit Gottes wohnt. Das nennen wir moralisch auch den Stand der Gnade. Mit jeder Sünde verbannen wir uns selbst aus diesem Zustand und so wird die Seele zu einer verlassenen Stadt. Dies geschieht nicht sofort mit jeder lässlichen Sünde, sondern erst mit der Todsünde, doch auch die kleinen Beleidigungen und Lieblosigkeiten gegenüber Gott und dem Nächsten lassen die Stadtmauer immer mehr zerfallen und angreifbar werden. Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis alles in sich zusammenfällt und der Feind uns aus der Stadt hinausjagt.
Am Ende der Zeiten werden wir voller Dankbarkeit in der Anschauung Gottes sagen: „Er hat sich unserem Bittgebet zugewandt und uns aus dem Exil des sündhaften und untergehenden irdischen Daseins herausgeholt und in die verlassene Stadt gebracht, die wir nun beziehen dürfen – das himmlische Jerusalem, das der Himmel ist!
„Dies sei aufgeschrieben für das kommende Geschlecht“ – der Psalm gibt selbst preis, dass die Worte nicht nur historisch-wörtlich zu verstehen sind und nur für eine bestimmte Generation gelten. Es bestätigt, was wir zum vorherigen Vers bedacht haben.
„Das Volk, das noch erschaffen wird“, wird Gott loben. Das sind wir, die wir im Neuen Bund mit Gott leben! Wir gehören schon zu der neuen Schöpfung, die Jesus begründet hat! Wir werden am Ende der Zeiten aber noch vollendet, wenn wir mit Leib und Seele bei Gott sein werden.
Gott hat aus der Höhe herabgeschaut – so hat er die Israeliten von den Giftschlangen gerettet, er hat das Volk Israel aus dem babylonischen Exil gerettet, er hat die ganze Menschheit vor der Verderbnis der Erbsünde gerettet, indem er seinen Sohn dahingegeben hat! Er rettet uns aus der Verderbnis durch die Taufe, aber auch immer wieder durch das Sakrament der Buße. Er wird uns am Ende aus den Wirren dieser Welt retten, wenn wir sterben und vor ihm stehen, aber auch am Ende der Zeiten, wenn er in die Weltgeschichte eingreifen wird, um einen neuen Himmel und eine neue Erde zu schaffen.
Die Gefangenen, die dem Tod geweiht sind, betrifft die ganze Menschheit, die nicht mehr ins Paradies durfte wegen der Sünde des ersten Menschenpaares, es betrifft die Gerechten des Alten Testaments, die bis zur Erlösung Jesu Christi auf die Anschauung Gottes warten mussten, was wir die „Vorhölle“ nennen. Es betrifft auch uns, die wir gefangen sind in unserer eigenen Sünde, die uns dem Tod weiht (nämlich dem seelischen Tod ganz von Gott abgeschnitten!). Gott möchte uns nicht als Todgeweihte sehen und hat deshalb alles getan, damit wir als Lebendige auf dem Zion des Himmelreiches ihn ewig loben und preisen können. Er möchte, dass alle Menschen mit ihm ewig Gemeinschaft haben. Und deshalb hat er die ganze Welt erlöst. Nun liegt es an jedem einzelnen Menschen, diese Erlösung anzunehmen und dementsprechend zu leben.

Mt 11
28 Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.
29 Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.
30 Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.

Heute hören wir den zweiten Teil aus dem Gebet Jesu an seinen Vater. Jesus will Ruhe verschaffen. Wenn wir zu leiden haben, müssen wir es nicht alleine tragen, sondern er lädt uns ein, damit zu ihm zu kommen. Wir müssen nicht resignieren wie die Israeliten im babylonischen Exil oder die Juden zurzeit der Römerherrschaft. Wir müssen es gar nicht so weit kommen lassen, dass wir zu hadern beginnen und verbittern. Auch diese Einladung Jesu ist Zeichen der großen Barmherzigkeit Gottes. Sind wir auf dem geraden Weg Richtung Himmelreich und es wird dunkel, dann möchte Gott uns hindurchtragen. Er lädt uns ein. Lassen wir uns tragen.
Von ihm lernen wir heute noch etwas Anderes: Eine Last zu tragen, ist notwendig. Wir alle müssen ein Joch tragen, aber es kommt darauf an, welches! Gottes Kreuz, das er uns auferlegt, ist auf uns abgestimmt. Gott kennt uns durch und durch. Er hat uns schließlich geschaffen und kennt so auch unsere Grenzen. Sein auferlegtes Kreuz, das „Joch“, ist leicht und drückt nicht. An anderer Stelle sagt Jesus, dass wer sein Jünger sein will, sein Kreuz auf sich nehmen und tragen muss. Wenn wir Gottes Kreuz tragen, werden wir inneren Frieden haben und vor allem gibt er uns Kraft. Wir werden über uns hinauswachsen. Dies betrifft einerseits den einzelnen Christen, der die Gebote Gottes auf sich nimmt. Gottes Willen zu leben, ist nicht schwer und gibt uns inneren Frieden. Wir erhalten die Kraft und die Gnade, seinen Willen zu tun. Wo wir an unsere Grenzen stoßen, wachsen wir über uns hinaus durch seine helfende Gnade. Auch als ganze Kirche dürfen wir und müssen wir zu ihm kommen. Wir leben in einer Glaubenskrise. Immer mehr Menschen sind dem Namen nach Mitglied der Katholischen Kirche, leben aber nicht mehr nach den Geboten und nehmen die Heilsmittel nicht in Anspruch. Immer weniger Menschen glauben an Christus und daran, dass er in der Kirche lebt und wirkt. Auch diese Last müssen wir zum Herrn bringen und um Bekehrung und Erneuerung der Kirche beten! Wie oft werden stattdessen Sitzungen und Gespräche abgehalten, menschliche Krisenbewältigung und Anstrengungen unternommen, als ob diese Dinge das eigentliche Problem lösen könnten! Dabei müssen wir zuerst zu Christus zurückkehren und die Liebesbeziehung mit ihm wieder aufnehmen. In erster Linie muss der Klerus wieder geistlich werden und auf Knien um Vergebung bitten. Und auch wir, jedes einzelne Glied des Leibes, muss bei sich anfangen und umkehren. Eine im Glauben erneuerte Kirche wird wieder authentisch und missionarisch sein. Auch als Kirche das Joch Christi auf sich zu nehmen, wird fruchtbar sein, nicht das Ablegen des Jochs durch die Angleichung an den Zeitgeist.

Gott liebt uns so sehr, dass er uns nicht nur einfach den Weg vorgibt, den wir gehen müssen, sondern er geht mit uns auf diesem Weg. Er stützt uns noch, wenn uns das Kreuz zu schwer wird. Er redet uns gut zu, wenn wir aufgeben möchten. Er motiviert uns, damit wir unsere Grenzen überwinden. Und wenn wir Hand in Hand mit Gott seinen Weg gegangen sind, gibt es am Ende eine ewige Feier in seinem Reich. Wir können schon die Jubelrufe der Ewigkeit hören, wenn wir unsere Ohren spitzen. Diese Heilsverheißungen ermutigen uns, auch im zwischenzeitlich dunklen Abschnitt des Weges weiterzugehen.

Ihre Magstrauss

Dienstag der 15. Woche im Jahreskreis

Jes 7,1-9; Ps 48,2-3b.3c-4.5-6.7-8; Mt 11,20-24

Jes 7
1 In der Zeit, als Ahas, der Sohn Jotams, des Sohnes Usijas, König von Juda war, zogen Rezin, der König von Aram, und Pekach, der Sohn Remaljas, der König von Israel, gegen Jerusalem hinauf in den Krieg; aber man konnte den Krieg gegen es nicht führen.

2 Als dem Haus David gemeldet wurde: Aram hat sich auf Efraim niedergelassen!, da zitterte sein Herz und das Herz seines Volkes, wie die Bäume des Waldes im Wind zittern.
3 Der HERR aber sagte zu Jesaja: Geh hinaus, Ahas entgegen, du und dein Sohn Schear-Jaschub, zum Ende der Wasserleitung des oberen Teiches, zur Straße am Walkerfeld.
4 Sag zu ihm: Hüte dich und verhalte dich still! Fürchte dich nicht und dein Herz sei nicht verzagt wegen dieser beiden rauchenden Holzscheitstummel, wegen des glühenden Zorns Rezins, Arams und des Sohnes Remaljas!
5 Weil Aram gegen dich Böses plant, Efraim und der Sohn Remaljas, indem sie sagen:
6 Wir wollen gegen Juda hinaufziehen, ihm Furcht einjagen und es uns gefügig machen; dann wollen wir den Sohn Tabeals als König in seiner Mitte einsetzen.
7 So spricht GOTT, der Herr: Das kommt nicht zustande, das wird nicht geschehen.
8 Denn das Haupt von Aram ist Damaskus und das Haupt von Damaskus ist Rezin. Noch fünfundsechzig Jahre, dann wird Efraim zerschlagen, kein Volk mehr sein.
9 Das Haupt von Efraim ist Samaria und das Haupt von Samaria ist der Sohn Remaljas. Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.

Heute hören wir wieder einen Abschnitt aus dem Buch Jesaja. Es geht um den historischen bzw. politischen Kontext des Prophetenbuches. Zu jener Zeit rücken die Aramäer dem Südreich immer näher. Dem König Ahas wird gemeldet, dass „Efraim“ bereits eingenommen worden ist. Damit ist das Nordreich Israel gemeint. Oft wird es mit dem Begriff „Efraim“ zusammengefasst, obwohl er genau genommen nur einen bestimmten Stamm meint. Ahas hat Angst. Bald könnten die Aramäer auch das Südreich einnehmen. Gott möchte Juda trösten und beruhigen. Deshalb soll Jesaja Ahas die Botschaft übermitteln: „Hüte dich und verhalte dich still! Fürchte dich nicht und dein Herz sei nicht verzagt wegen dieser beiden rauchenden Holzscheitstummel, wegen des glühenden Zorns Rezins, Arams und des Sohnes Remaljas!“ Hier geht es also um zwei feindliche Kräfte: um die Aramäer und um Pekach, den Sohn Remaljas, den König der Israeliten (hier ist damit das Nordreich gemeint).
Das Bild verrät, was diese vermeintlich starken Feinde wirklich sind: Schall und Rauch. Sie sind qualmendes Holz, das aber nicht lichterloh brennt. Ahas muss also keine Angst haben, denn auch wenn sie Böses im Schilde führen, wird es ihnen nicht gelingen. Sie wollen zwar bis nach Juda vordringen und einnehmen, sogar einen anderen König auf den Thron Davids setzen, doch Gott wird das verhindern. Die Tage des Nordreichs sind gezählt. 65 Jahre später wird das Volk zerschlagen werden. Hier wird das Ende der syrisch-efraimitischen Koalition angekündigt, weil der Einfall der Assyrer sich zutragen wird. Sowohl die Hauptstadt Damaskus und ihr König Rezin als auch die Hauptstadt Samaria mit ihrem israelitischen König Pekach werden von den Assyrer erobert werden. Bei der Rede von Samaria wird noch als Bedingung gestellt: „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.“ Das wird hier gesagt, weil es sich um die Stämme des Nordreiches handelt, mit denen Gott seinen Bund geschlossen hat. Sie werden zerstört werden, wenn sie bis dahin nicht umkehren und wieder ganz an ihn glauben. Sie sollen ihren Götzendienst beenden und die Kultbilder und Pfähle aus ihrem Land vertreiben. Sonst wird es so kommen. Ahas als König Judas muss überhaupt keine Angst haben, das ist die Botschaft Jesajas an ihn. Wir wissen von der Fortsetzung dieses Kapitels. Er wird nicht an das Heil des Herrn glauben und selbst ein Zeichen als Beweis ablehnen. Doch Jesaja wird ihm stattdessen eine absolut messianische und adventliche Verheißung übermitteln, die wir in der Adventszeit hören. Die Jungfrau wird ein Kind empfangen. Es wird der Immanuel kommen.

Ps 48
2 Groß ist der HERR und hoch zu loben in der Stadt unseres Gottes.

3 Sein heiliger Berg ragt herrlich empor; er ist die Freude der ganzen Erde. Der Berg Zion liegt weit im Norden; er ist die Stadt des großen Königs.
4 Gott ist in ihren Palästen, als sichere Burg erwiesen.
5 Denn siehe: Könige traten zusammen, gemeinsam rückten sie näher.
6 Sie sahen auf, da erstarrten sie; sie waren bestürzt und flohen.
7 Dort packte sie Zittern wie Wehen eine Gebärende.
8 Mit Sturm aus dem Osten zerbrichst du die Schiffe von Tarschisch.

Als Antwort auf diese Heilsbotschaft Gottes an König Ahas beten wir Ps 48, das zu den Zionsliedern gehört. Dabei handelt es sich um Preislieder, die die Stadt Gottes loben und die Ohnmacht ihrer Feinde gegenüber Gottes Allmacht beschreiben.
So ist Vers 2 von dem Lobpreis Gottes geprägt. Er ist „hoch zu loben“ in Jerusalem. Die Stadt wird immer wieder als Stadt Gottes bezeichnet, was vor allem mit dem Tempel zusammenhängt. Dort wohnt seine Herrlichkeit auf besondere Weise.
Der heilige Berg in Vers 3 bezieht sich auf den Zion, auf dem die Stadt und der Tempel erbaut sind. Zion ist „die Freude der ganzen Erde“. Das müssen wir ebenfalls auf Gottes Gegenwart im Tempel zurückführen. Von hier aus geht nämlich das Heil aus, das sich auf die ganze Erde ausbreitet. Wir denken an die Aussage Jesu selbst: „Das Heil kommt von den Juden“. Es ist aber ein universales Heil, denn er hat uns erlöst von all unseren Sünden. Auf dem Zion ist er dargebracht worden als ultimatives Sühneopfer. Die erwirkte Gnade ist aber übergegangen auf die ganze Welt, bis zu den „Inseln“, bis an die „Enden der Erde“. Freude ist so nicht nur eine übernatürliche Gnade Gottes, sondern wird auch zum Zeichen der angebrochenen Endzeit.
Die Rede vom Gottesberg im hohen Norden stellt einen theologischen Code dar, keine reale geographische Aussage. Zion liegt ja eigentlich im Süden des Landes. In jener Zeit gibt es bei den umliegenden Völkern die Vorstellung eines mythischen Gottesberges, den man im Norden suchen muss. Hier wird diese Vorstellung auf Zion und den einzig wahren Gott übertragen. Der Code sagt also den Betern: Nicht irgendein mythischer Berg ist der Gottesberg, sondern der Zion, auf dem Gott so wunderbare Zeichen wirkt und real gegenwärtig ist. Man muss im Kontext der Lesung sogar noch hinzufügen: Nicht der Berg Garizim, der in Samarien liegt und zum Konkurrenten Zions geworden ist, der das Heiligtum des Nordreiches ist, ist in Wirklichkeit eine Attrappe. Der einzig wahre Gottesberg ist Zion, nicht der Garizim.
Gott wohnt hier und er ist die eigentliche sichere Burg. Kein menschlicher Palast kann das Volk so sicher beschützen wie er. Wir haben es heute in der Lesung gehört. Gott möchte Juda beschützen und sagt Ahas zu, dass er keine Angst haben muss.
„Denn siehe: Könige traten zusammen, gemeinsam rückten sie näher.“ Wir beziehen es heute auf die syrisch-efraimitische Koalition, die Böses gegen Juda schmiedet. Zur Zeit König Davids gab es auch genug feindliche Königtümer, gegen die er gekämpft hat. Und auch wie später dann die Aramäer und das Nordreich Israel wurden diese besiegt. Sie „erstarrten“ und „waren bestürzt und flohen.“
„Mit Sturm aus dem Osten zerbrichst du die Schiffe von Tarschisch.“ Diese Aussage scheint eine Andeutung von 2 Chr 20,36 darzustellen, wo die Verbündung Judas mit Israel erfolgte und sie gemeinsam Schiffe bauen ließen. Sie wollten damit nach Taschisch fahren, doch der Segen Gottes lag nicht darauf. Das Nordreich Israel war zutiefst in Götzendienst verstrickt und Gott wollte die Verbündung Judas mit diesem Reich nicht. Deshalb zerschellte er die Kriegsschiffe, bevor sie nach Tarschisch fahren konnten. So wird es an dieser Stelle im Psalm zum Sprichwort für böse Absichten, die von Gottes Macht zunichte gemacht werden.

Mt 11
20 Dann begann er den Städten, in denen er die meisten Machttaten getan hatte, Vorwürfe zu machen, weil sie nicht Buße getan hatten:
21 Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Denn wenn in Tyrus und Sidon die Machttaten geschehen wären, die bei euch geschehen sind – längst schon wären sie in Sack und Asche umgekehrt.
22 Das sage ich euch: Tyrus und Sidon wird es am Tag des Gerichts erträglicher ergehen als euch.
23 Und du, Kafarnaum, wirst du etwa bis zum Himmel erhoben werden? Bis zur Unterwelt wirst du hinabsteigen. Wenn in Sodom die Machttaten geschehen wären, die bei dir geschehen sind, dann stünde es noch heute.
24 Das sage ich euch: Dem Gebiet von Sodom wird es am Tag des Gerichts erträglicher ergehen als dir.

Jesus ist nun unterwegs in den Städten Galiläas. Heute hören wir von einer sehr strengen Gerichtsankündigung gegenüber dieser Städte, weil sie keine Buße getan haben. Er hat zuvor schon viele Wunder vollbracht und das Evangelium verkündet. Und doch haben diese Städte die Zeit der Gnade nicht erkannt. All dies hat Jesus ja getan, damit die Bewohner umkehren und ihr Leben ändern. Stattdessen haben sie ihr sündiges Verhalten fortgesetzt. Deshalb verfährt er nun so streng mit ihnen.
Statt der Seligpreisungen hören die Bewohner dieser Städte nun Weherufe: „Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida!“ Sie werden bedroht, weil sie nicht umkehrbereit sind wie zum Beispiel Tyrus und Sidon, zwei heidnische Städte. Wenn Jesus in solchen Momenten die Heiden als Glaubensbilder bezeichnet, ist das ein besonders hartes Urteil. Er sagt, dass Tyrus und Sidon umgekehrt wären, wenn dieselbe Gnade ihnen erwiesen worden wäre wie Chorazin und Betsaida.
Er kündigt deshalb an, dass es den beiden anderen Städten beim Gericht besser ergehen wird als ihnen.
Seine harten Worte richtet er auch an Kafarnaum, das ja gewissermaßen seine Basis dargestellt hat. Immer wieder ist er dorthin zurückgekehrt. Und ausgerechnet die Bewohner dieser Stadt tun so, als ob der Messias nie in sie eingekehrt worden wäre. Offensichtlich bestehen die Sünden weiterhin fort, auf deren Schlechtheit Jesus mehrfach hingewiesen hat. Jesus möchte mit seiner sehr drastischen Ausdrucksweise die Bewohner wachrütteln und mitten ins Herz treffen. Deshalb sagt er sogar, dass Kafarnaum „bis zur Unterwelt“ hinabsteigen wird. Das ist ein typisches Gerichtswort. Es wird die Hölle erfahren, wenn es nicht umkehrt. Jesus geht sogar noch weiter und vergleicht es mit dem Ort der Sünde schlechthin – Sodom. Er sagt, dass es nicht untergegangen wäre, wenn ihm dieselbe Gnade erwiesen worden wäre wie Kafarnaum. Sodom ist aber schon untergegangen, lange bevor Gott Mensch geworden ist und höchstpersönlich die Umkehr verkündigen konnte. Selbst Sodom ist umkehrbereiter als Kafarnaum. So hart ist das Urteil für diese Stadt! Und Sodom wird beim Gericht noch besser davonkommen als Kafarnaum. Jesus spricht hier die Städte direkt an bzw. werden diese zu Gesamtbegriffen für die Menschen, die in ihnen wohnen. Diese sind es eigentlich, die gemeint sind.
Jesu Worte gelten auch uns heute. Wir brauchen uns nicht einzubilden, dass unsere Taufe uns automatisch einen Vorteil verschafft gegenüber der Ungetauften in dem Sinne, dass wir automatisch in den Himmel kommen. Vielmehr richtet uns Gott noch strenger als jene, die seine Gebote nie gehört haben, die Jesus nie kennengelernt haben. Und von uns wird Gott Rechenschaft verlangen, die wir ihm durch den Bund der Taufe die Treue versprochen haben. Wenn wir aber genauso leben wie jene, die ihn und seine Gebote nie kennengelernt haben, wird er sehr streng mit uns verfahren. Dann wird er zu uns sagen: Wäre die Gnade den anderen zuteilgeworden, die ich dir geschenkt habe, wären sie zu brennenden Zeugen meiner Botschaft geworden. Doch was hast du daraus gemacht? Ihnen wird es nun besser ergehen als dir.
Und deshalb müssen wir so reagieren wie die Bewohner Chorazins, Betsaidas und Kafarnaums hoffentlich auch: umkehren, bevor es wirklich zu spät ist. Das soll von Jesu Seite keine Angstmacherei sein, sondern er möchte uns eindrücklich zur Umkehr bewegen. Wir sollen uns bewusst werden, welche große Gnade und welches Privileg wir haben. Wir sollen dankbar sein und dementsprechend leben. Dann müssen wir auch keine Angst vor dem kommenden Gericht haben.

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 15. Woche im Jahreskreis

Jes 10,5-7.13-16; Ps 94,5-6.7-8.9-10.14-15; Mt 11,25-27

Jes 10
5 Wehe Assur, dem Stock meines Zorns! Der Knüppel in ihrer Hand, das ist meine Wut.
6 Gegen eine gottlose Nation sende ich ihn und gegen das Volk meines Grimms entbiete ich ihn, um Beute zu erbeuten und Raub zu rauben, um es zu zertreten wie Lehm in den Gassen.
7 Doch Assur stellt es sich nicht so vor, sein Herz plant es anders, es hat nur Vernichtung im Sinn, die Ausrottung nicht weniger Nationen.
13 Denn er hat gesagt: Das habe ich mit der Kraft meiner Hand und mit meiner Weisheit getan, denn ich bin klug. Und ich beseitige die Grenzen zwischen den Völkern, ihre Schätze plündere ich und stoße wie ein Held die Bewohner hinab.
14 Gleich einem Vogelnest hat meine Hand nach dem Reichtum der Völker gelangt und wie man verlassene Eier sammelt, so habe ich die ganze Welt eingesammelt. Da war keiner, der mit den Flügeln schlug, keiner, der den Schnabel aufriss und piepste.
15 Prahlt denn die Axt gegenüber dem, der mit ihr hackt, oder brüstet die Säge sich vor dem, der mit ihr sägt? Das wäre, wie wenn der Stock den Mann schwingt, der ihn hochhebt, oder wie wenn der Knüppel den hochhebt, der nicht aus Holz ist.
16 Darum schickt Gott, der HERR der Heerscharen, gegen seine Fetten die Schwindsucht und statt seiner Pracht wird ein Brand brennen wie der Brand eines Feuers.

Jesaja hat viele Warnrufe gegen das Nordreich ausgesprochen. Er hat es immer wieder zur Umkehr aufgerufen, damit die große Katastrophe von „Efraim“ abgewendet werde. Heute hören wir einen Weheruf gegen die feindliche Macht Assurs. Sie ist Gottes Stock des Zorns. Er verdeutlicht, dass Assur das Werkzeug ist, mit dem Gott seinen heiligen Zorn an Israel ausführt. Gott schickt den Knüppel seines Zorns „gegen eine gottlose Nation“ und meint damit das götzendienerische Nordreich.
Assur selbst ist aber eigenständig und gedenkt gar nicht, nach Gottes Willen zu handeln. „Sein Herz plant es anders, es hat nur Vernichtung im Sinn, die Ausrottung nicht weniger Nationen.“ So kommt eine unverhältnismäßige Strafe auf Israel zu. Assur denkt, es sei aus eigener Kraft so stark. Es versteht nicht, dass der allmächtige Gott seine große politische Macht zugelassen hat. Es hat gleichsam größenwahnsinnige Pläne, denn es möchte den „Reichtum der Völker“ an sich reißen „die ganze Welt“ einsammeln.
Und doch lebt Assur eine Illusion, denn „prahlt denn die Axt gegenüber dem, der mit ihr hackt, oder brüstet die Säge sich vor dem, der mit ihr sägt?“ Assur ist nur so lange und so mächtig, wie Gott ihm gewährt. Es ist sein Werkzeug und kann sich nicht einbilden, als solches sich selbst zu bedienen. Letztendlich ist es dieselbe Illusion, mit der der Satan auf Erden wütet. Er bildet sich ein, große Macht zu haben. Doch was ihm geblieben ist, ist ein Spielraum, der ihm auf streng begrenzte Zeit noch gewährt wird. Letztendlich kann er als Geschöpf Gottes nicht gegen den Schöpfer ankommen. Dieser kann nur haushoch siegen.
Und deshalb heißt es bezüglich Assur auch in Vers 16: „Darum schickt Gott, der HERR der Heerscharen, gegen seine Fetten die Schwindsucht und statt seiner Pracht wird ein Brand brennen wie der Brand eines Feuers.“ Das Feuermotiv ist ganz typisch für Gerichtsrede. Assur wird also selbst brennen und untergehen. Auch der Widersacher Gottes wird eines Tages zerstört werden und keine Macht mehr über die Menschheit haben. Das ist eine tröstliche Botschaft.
Die wiederholten Weherufe gegen Israel sind Warnrufe, bevor es zu spät ist. Und doch prallen diese Rufe offensichtlich ab, denn bald wird Assur es erobern. Es wird sogar noch schlimmer kommen.

Ps 94
5 HERR, sie zertreten dein Volk, sie unterdrücken dein Erbteil.
6 Sie bringen die Witwen und Fremden um und morden die Waisen.
7 Sie sagten: Der HERR sieht es nicht, der Gott Jakobs merkt es nicht.
8 Begreift doch, ihr Toren im Volk! Ihr Unvernünftigen, wann werdet ihr klug?
9 Sollte der nicht hören, der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht sehen, der das Auge geformt hat?
10 Sollte der nicht zurechtweisen, der die Nationen erzieht, er, der die Menschen Erkenntnis lehrt?
14 Denn der HERR lässt sein Volk nicht im Stich und wird sein Erbe nicht verlassen.
15 Nun spricht man wieder Recht nach Gerechtigkeit; ihr folgen alle Menschen mit redlichem Herzen.

Die Weherufe gegen Israel und Assur aus der Lesung leiten über in ein Klagelied. Der Beter beklagt den Einfall der Feinde in das gelobte Land, das Gott seinem Volk eigentlich als Erbteil überlassen hat. Auch die Situation der Lesung bezogen kann man sich gut vorstellen, dass es das Klagelied der Israeliten ist, die Gott die nun tatsächlich eintreffende Katastrophe klagen. Es kommt zum Morden der Rechtlosen und Randständigen. Gott greift nicht ein und man sagt: „Der HERR sieht es nicht, der Gott Jakobs merkt es nicht.“ Das ist die falsche Reaktion, denn wie kann man dem Allmächtigen unterstellen, er würde die Hilfeschreie nicht hören?
Gott ist es doch, „der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht sehen, der das Auge geformt hat?“ Gott ist allmächtig und er ist der Schöpfer. Natürlich hört er. Doch würden sich die Menschen nun an die vielen Warnrufe erinnern, an die vielen Ankündigungen und Vorwarnungen, müssten sie eigentlich zu der Erkenntnis kommen: Er hat mich vor die Wahl gestellt und ich habe mir genau dies ausgewählt. Was kann Gott da noch machen?
Und weil Gott auch derjenige ist, der den Menschen erzieht – inklusive Züchtigung -, hat er ein Recht, seine Kinder zu erziehen und Erkenntnis zu lehren. Und was nun passiert, ist eine Erziehungsmaßnahme getreu dem Motto: Wer nicht hören will, muss fühlen.
Gott verlässt sein Volk aber zu keinem Zeitpunkt nicht. „Denn der HERR lässt sein Volk nicht im Stich und wird sein Erbe nicht verlassen.“ Gott nimmt seine untreue Braut wieder zurück, nachdem sie ihre Lektion gelernt hat. Dann heißt es wahrlich: „Nun spricht man wieder Recht nach Gerechtigkeit, ihr folgen alle Menschen mit redlichem Herzen.“ Auch wenn Israel zwischenzeitlich diese schlimmen Dinge erleben muss, wird auch dies wieder zu einer Chance, zur Erkenntnis zu kommen. Dann soll das Herz Gott wieder zugewandt werden. Auch hier steht es Israel dann frei, die Dinge einzusehen und zu Gott zurückzukehren oder eben nicht. Nutzt es diese Chance, wird es aus der Krise gereift herauskommen und Gott mit wieder entfachter Flamme zurücklieben.
Der Psalm lehrt auch uns heute eine wichtige Lektion: Leiden heißt nicht, dass Gott taub und blind ist, dass wir ihm gleichgültig sind oder er nicht allmächtig ist. Er könnte eingreifen, tut es aber in vielen Situationen nicht. Denn vieles geschieht aufgrund von einer freien Willensentscheidung, die wir selbst vornehmen oder andere Menschen. Und falsche Entscheidungen schaden sehr oft auch Unschuldigen. Das ist die Ungerechtigkeit von Sünde. Aber Gott hat dem Menschen diese Freiheit geschenkt. Und wenn es zu Katastrophen kommt, dürfen wir gewiss sein: Gott verlässt uns in keinem Augenblick.

Mt 11
25 In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast.
26 Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
27 Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.

Im Evangelium hören wir heute einen Ausschnitt aus einem Gebet Jesu an seinen Vater. Es ist ein Beispiel, wie wir selbst beten sollen, die wir als Getaufte Gott ebenfalls unseren Vater nennen dürfen.
Gott ist wirklich „Herr des Himmels und der Erde“. Er hat sie nicht nur geschaffen und erhält sie, sondern er hat auch die Macht über alles. Das ist eine tröstliche Erkenntnis, denn auch wenn wir jetzt sehen, dass die Mächtigen dieser Welt böse sind, steht über ihnen dennoch der eine und wahre Gott. Sie haben jetzt vielleicht noch einen Handlungsspielraum, aber wenn Gott kommt, wird er sie alle in einem Moment entmachten – sie, die eigentlich nur Marionetten des Bösen sind.
Die „Unmündigen“ dieser Welt sind die Empfänger der entscheidenden Botschaft. An sie ist die Offenbarung ergangen, nicht an die Reichen, Weisen und Klugen, die ganz in der Weisheit der Welt wandeln. Paulus nennt eben diese Menschen töricht, die der weltlichen Weisheit verhaftet sind. Die „Unmündigen“ sind dagegen die eigentlichen Weisen, denn sie wandeln in der göttlichen Weisheit. Von den Hirten auf den Feldern von Betlehem bis zu den Fischern am See von Tiberias sind es immer die einfachen Menschen, die eine große Aufgabe im Reich Gottes erhalten.
Alles ist vom Vater dem Sohn übergeben worden. Nicht nur der Sohn hat sich durch sein Leiden und seinen Tod ganz dem Vater hingegeben, sondern auch der Vater ganz dem Sohn. Dieser vollbringt das Werk des Vaters ganz in dessen Willen. Ihre ganz innige Beziehung ist es, die uns den Vater sehen lässt, wenn wir Jesus sehen. Wenn wir die Offenbarung des Vaters erhalten möchten, müssen wir uns ganz an den Sohn Jesus Christus halten. Niemand kennt den Vater nämlich besser als er. Gott ist Geist und er ist Geheimnis. Wenn wir ihn kennenlernen möchten, muss er sich uns offenbaren. Dies hat er ganz in Christus getan. Er hat uns wahrlich sein Innerstes gezeigt, sein Herz.

An Jesus Christus sehen wir, dass wir Menschen Gott nicht egal sind, schon gar nicht im Leiden. Denn er war bereit, selbst Mensch zu werden und zu leiden, damit unser Leiden in Ewigkeit aufhöre. So sehr setzt er sich für uns ein, die wir seine Kinder sind.

Ihre Magstrauss

Montag der 15. Woche im Jahreskreis

Jes 1,10-17; Ps 50,8-9.16b-17.21 u. 23; Mt 10,34 – 11,1

Jes 1
10 Hört das Wort des HERRN, ihr Wortführer von Sodom! Horcht auf die Weisung unseres Gottes, Volk von Gomorra!

11 Was soll ich mit euren vielen Schlachtopfern?, spricht der HERR. Die Brandopfer von Widdern und das Fett von Mastkälbern habe ich satt und am Blut der Stiere, Lämmer und Böcke habe ich kein Gefallen.
12 Wenn ihr kommt, um vor meinem Angesicht zu erscheinen – wer hat von euch verlangt, dass ihr meine Vorhöfe zertrampelt?
13 Bringt mir nicht länger nutzlose Gaben, Räucheropfer, die mir ein Gräuel sind! Neumond und Sabbat, das Ausrufen von Festversammlungen, ich ertrage nicht Frevel und Feier.
14 Eure Neumonde und Feste sind mir in der Seele verhasst, sie sind mir zur Last geworden, ich bin es müde, sie zu ertragen.
15 Wenn ihr eure Hände ausbreitet, verhülle ich meine Augen vor euch. Wenn ihr auch noch so viel betet, ich höre es nicht. Eure Hände sind voller Blut.
16 Wascht euch, reinigt euch! Schafft mir eure bösen Taten aus den Augen! Hört auf, Böses zu tun!
17 Lernt, Gutes zu tun! Sucht das Recht! Schreitet ein gegen den Unterdrücker! Verschafft den Waisen Recht, streitet für die Witwen!

Heute beginnt eine Serie von Ausschnitten aus dem Buch Jesaja. Es ist der meistzitierte Prophet Jesu, weil er die intensivste Messiasankündigung belegt.
Im heutigen Abschnitt hat der Prophet, der zwischen 740 und 700 v.Chr. im Südreich wirkt, einen Gottesspruch für die „Wortführer von Sodom.“ Mit diesem Ausdruck sowie dem sich anschließenden „Volk von Gomorra“ sind keine realen Personen aus Sodom und Gomorra gemeint, sondern es ist ein Ausdruck für Sündhaftigkeit und Verdorbenheit. Es betrifft Israels Verhalten in der Kultpraxis. Gott selbst stellt seinem Volk die rhetorische Frage: „Was soll ich mit euren vielen Schlachtopfern?“ Gott hat es satt, die Brandopfer und das Blut der Opfertiere zu empfangen. Er nennt sie sogar „nutzlose Gaben“ und „Gräuel“. Für ihn sind sie also sogar etwas Böses. Die Vorhöfe des Tempelareals sind eigentlich die angemessenen Orte für das Volk, Gottes Gegenwart aufzusuchen. Doch Gott spricht in drastischen Worten von der Zertramplung seiner Vorhöfe. Ja, er erträgt den liturgischen Festkalender seines Volkes nicht mehr. Warum sagt er all diese drastischen und ablehnenden Worte? Gott ist wahrhaftig. Deshalb kann er Heuchelei nicht ausstehen. Ein Volk, das ihn mit Lippen preist und ganz viel Tierblut vergießt, dies alles aber nicht von Herzen tut, ist ihm zuwider. Es ist eine große Lüge, doch bei Gott gibt es keinen Raum dafür. Was Jesaja hier also vermittelt, ist Gottes Appell zu einer Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit. Die Israeliten sollen mit dem Schauspiel aufhören, bevor Gottes Geduld am Ende ist.
Konkret bedeutet es, dass sie sich von ihren bösen Taten abwenden sollen. Sie sollen sich erst einmal wieder reinigen – und zwar moralisch gesehen. Das ist die eigentliche Ursache für Unreinheit, nicht die Übetretung von Reinheitsgeboten. Böses zu tun, macht sie eigentlich unwürdig, Opfer darzubringen. Weil sie es dennoch tun, missfallen diese Opfer dem Herrn. Wenn sie zu einem reinen Opfer zurückkehren möchten, sollen sie zuerst lernen, das Gute zu tun, also seine Gebote halten, gegen die Unterdrücker vorzugehen und für die Rechtlosen einzustehen. Das sind im Alten Israel vor allem die Witwen und Waisen. Wenn die Israeliten zu einem richtigen Verhalten zurückgekehrt sind, können sie auch wieder opfern, den jüdischen Festkalender begehen und Gottes Vorhöfe betreten. Dann sind es wieder aufrichtige Opfer, dann sind es wieder ehrliche Lobgesänge und Gebete. Dann ist ihr Herz wieder bei der Sache. Gott kritisiert also nicht im Nachhinein die Opfer, die er selbst angeordnet hat, sondern die heuchlerische Art und Weise des Opferkults. Bis zum Kommen des Messias wird diese auch noch bestehen.

Ps 50
8 Nicht wegen deiner Opfer rüge ich dich, deine Brandopfer sind mir immer vor Augen.
9 Aus deinem Haus nehme ich keinen Stier an, keine Böcke aus deinen Hürden.
16 Was zählst du meine Gebote auf und führst meinen Bund in deinem Mund?
17 Dabei war Zucht dir verhasst, meine Worte warfst du hinter dich.
21 Das hast du getan und ich soll schweigen? Meinst du, ich bin wie du? Ich halte es dir vor Augen und rüge dich.
23 Wer Opfer des Dankes bringt, ehrt mich; wer den rechten Weg beachtet, den lasse ich das Heil Gottes schauen.

Auch der Psalm kritisiert ein falsches Verhalten im Opferkult und einen Aufruf zur Umkehr der Herzen.
„Nicht wegen deiner Opfer rüge ich dich, deine Brandopfer sind mir immer vor Augen.“ Wie bereits oben erwähnt möchte Gott nicht den Opferkult an sich abschaffen. Vielmehr möchte er, dass die Opfer wieder rein sind.
Auch hier hören wir heute Gottes Vorwürfe. Er tut das nie, um den Menschen fertig zu machen, sondern um ihn wachzurütteln. Er möchte, dass auch wir zu ihm zurückkehren, bevor es zu spät ist.
Deshalb sagt er ganz drastisch: „Aus deinem Haus nehme ich keinen Stier an, keine Böcke aus deinen Hürden.“ Opfer ist nicht gleich Opfer. Was er kritisiert, kritisiert auch die Äußerlichkeit esoterischer Angebote von heute, in denen ein wenig Meditation, Möbel umstellen oder Diät den „Stand der Gnade“ wiederherstellt ohne persönliche Umkehr. Das Volk Israel bringt Opfer dar, ohne gleichzeitig eine korrekte innere Haltung einzunehmen und einen bestimmten moralischen Lebenswandel aufzuweisen. Es ist absolut aktuell, wenn wir es auf uns heute beziehen: Wie viele Menschen kommen zur Messe und empfangen sogar die Kommunion, obwohl sie die Gebote überhaupt gar nicht halten und seit über vierzig Jahren nicht mehr gebeichtet haben. Wir sind heute sogar schlimmer als die Israeliten damals, denn diese trugen die Worte und Gebote Gottes noch in ihrem Mund. Sie haben sie noch aufgezählt und thematisiert, aber nicht gehalten. In unserer heutigen Zeit werden die Gebote nicht einmal mehr thematisiert. Sie werden einfach ganz fallen gelassen.
„Das hast du getan und ich soll schweigen?“ Gott kann es nicht ignorieren, weil er seine Kinder auf einen riesigen Abgrund zulaufen sieht. Er möchte nicht, dass seine Kinder verloren gehen. Er hält es ihnen vor Augen, damit sie es selbst erkennen und umkehren. So ist es auch heute: Gott kritisiert auch unsere Vergehen und unsere Gottlosigkeit, unseren Unglauben selbst innerhalb der Kirche. Er tut das nicht, weil ihm langweilig ist, sondern er möchte uns vor dem Verderben bewahren! Wir steuern mit hoher Geschwindigkeit dem ewigen Tod zu. Das möchte Gott verhindern.
„Wer Opfer des Dankes bringt, ehrt mich“ ist die richtige Haltung bei der Opferung. So sollen die Israeliten opfern, so sollen auch wir opfern! Nichts Anderes ist ja die Eucharistie, die „Danksagung“ heißt. Wenn wir ein Opfer des Dankes bringen – und damit ist nicht nur die äußerlich korrekte Form gemeint, sondern vor allem unsere Haltung, mit der wir der Hl. Messe beiwohnen! – dann ist es ein gottgefälliges Opfer, das er auch annimmt.
Zugleich können wir nicht einfach nur zur Messe gehen und dann zuhause machen, was wir wollen. Auch unser alltägliches Leben soll nach seinem Willen ausgerichtet sein. Dann werden wir am Ende unseres Lebens das Heil schauen, wenn wir nämlich Gott von Angesicht zu Angesicht schauen werden.

Mt 10-11
34 Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen! Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert.
35 Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter;
36 und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein.
37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.
38 Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.
39 Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.
40 Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.
41 Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten.
42 Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist – Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.
1 Und es geschah, als Jesus die Unterweisung der zwölf Jünger beendet hatte, zog er weiter, um in den Städten zu lehren und zu predigen.

Auch im Evangelium hören wir heute eine sehr drastische Passage. Jesus sagt ganz unverblümt, dass er gekommen ist, um das Schwert zu bringen, nicht Frieden. Das muss man richtig verstehen, denn natürlich ist es im Gesamt doch so, dass Jesus Frieden bringt, nämlich als übernatürliche Gabe des Hl. Geistes. Hier muss man aber den genauen Kontext erkennen, um es richtig zu begreifen. Jesus spricht hier immer noch zu seinen Jüngern, die er in die umliegenden Städte aussenden will. Sie sollen das Evangelium Jesu Christi verkünden und dieses stellt den Mensch vor die Entscheidung. Deshalb wird das Wort Gottes oft als Schwert umschrieben. Es scheidet die Geister. Die Hörer des Evangeliums nehmen es entweder an oder nicht. Und deshalb kommt es zu Uneinigkeiten in den Familien. Jesus kündigt an, was dann von der ersten Christengeneration an passiert ist: Einzelne Familienmitglieder bekehrten sich zum Christentum, einige aber nicht. Dadurch kam es zu Spaltungen in den Familien. Es ist wirklich ein Kreuz, das man mit dem Glauben an Christus auf sich nimmt. Aber die Bereitschaft zu diesem Opfer macht den wahren Jünger Jesu Christi aus.
Jesus sagt, dass wer sein irdisches Leben krampfhaft festhält, das ewige Leben verlieren wird. Und wer um seinetwillen das irdische Leben verliert, dafür das ewige Leben gewinnen wird. Dazu zählen auch die Abstriche trotz Behalten des irdischen Lebens. Wer also Uneinigkeit in der Familie in Kauf nimmt und dadurch bereit zu vielen Leiden ist, wird mit dem ewigen Leben belohnt werden.
Gott muss an allererster Stelle stehen. Wer nämlich die Eltern oder Kinder über Gott stellt, kann nicht Jünger Jesu sein. Das würde nämlich bedeuten, dass Eltern oder Kinder zum Götzen werden. Vielmehr besteht die richtige Priorisierung in der Ableitung der Eltern- und Kinderliebe aus der Gottesliebe. So ist es ein Liebesdienst, der sich aus der ersten Liebe speist und übernatürlich ist. Das Doppelgebot der Liebe ist aber der Kern des Evangeliums, die Zusammenfassung des Gesetzes und der Propheten sowie das Gütesiegel der Jüngerschaft. Das heißt nicht, dass man seine Eltern als Christ nicht mehr lieben darf, ebenso wenig, dass man die Kinder lieben darf. Es geht darum, dass Gott trotz dieser Liebe immer wichtiger sein soll. Erstens soll es uns immer zuerst um das Reich Gottes gehen und in erster Linie sind wir als Christen Kinder Gottes. Er ist unser erster und eigentlicher Vater und unsere erste Mutter. Im zweiten Schritt sind wir Menschen in einer irdischen Familie, die physisch zusammenhängt. Nicht umsonst bestehen die ersten drei Gebote des Dekalogs aus Gottesliebe-Geboten. Das vierte bis zehnte Gebot fußt sodann auf der Nächstenliebe. Zweitens können wir nur aus der Gottesliebe heraus so richtig unsere Eltern und Kinder lieben. Alles andere ist auf menschliche Kapazitäten beschränkt. Wir sollen aber so weit gehen, sogar für sie zu sterben. Können wir das aus rein menschlicher Kraft? Würden Sie für Ihren Vater Ihr Leben hingeben, wenn er die Familie verlassen hat? Würden Sie für ihren Ehepartner sterben, wenn er fremdgegangen ist? Da merken wir dann, wie schnell wir mit unseren menschlichen Kapazitäten an unsere Grenzen kommen. Deshalb muss zuerst die Gottesliebe gegeben sein. Alles andere wird dann den richtigen Platz und das richtige Maß erhalten.
Auch im nächsten Vers geht es um die richtige Prioritätensetzung: Es soll um das ewige Leben gehen, nicht um das irdische. Wer um jeden Preis, auch um den Preis des Verrats an Christus, sein irdisches Leben retten will, wird das ewige Leben bei Gott im Himmelreich verlieren.
Ab Vers 41 kommt Jesus zur Ausgangssituation zurück, dass die Jünger in die umliegenden Städte auf Verkündigungsreise gehen.
Dabei sagt er den Grundsatz, dass wer einen Propheten um seines Prophetendaseins willen aufnimmt, den Lohn eines Propheten erhalten wird. Bei diesem Grundsatz schaut Gott auf die Absicht. Er schaut nicht nur auf die Handlung, sondern auf die Motivation dahinter. Wer also gastfreundlich ist nicht aus egoistischen Gründen (um sich selbst zu rühmen), sondern um der Person willen, vor allem wenn sie ein besonderes Werkzeug Gottes ist, wird für diesen Dienst reich belohnt. Warum aber ausgerechnet geht es um den Propheten? Für Israel war der Prophet höher als der König anzusehen, weil er das Sprachrohr Gottes war. Zugleich waren Propheten auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen, indem sie bei ihnen ein Obdach oder Nahrung empfingen. Wer ihn also in sein Haus aufnahm, unterstützte dadurch den höchsten Dienst, den der Mensch vollbringen konnte. Deshalb gebührt jenen laut Jesus auch der höchste Lohn. So ist es auch mit der Gastfreundschaft gegenüber Gerechten. Sie sind vielleicht nicht die höchsten Werkzeuge Gottes, leben dennoch in seiner Gnade. Wer sie aufgrund ihrer Gerechtigkeit aufnimmt, erhält auch den Lohn eines Gerechten.
Und wer dem Kleinsten auch nur ein wenig Wasser anbietet, wird dafür von Gott belohnt werden. „Diesen Kleinsten“ bezieht sich auf die Jünger, die im Begriff sind, in die umliegenden Orte zu gehen und das Wort Gottes zu verkünden. Was Jesus also tut, ist die Ermutigung jener, die die Jünger in ihre Häuser aufnehmen werden.
Die Jünger ziehen nun hinaus und predigen im Namen Jesu das Evangelium. Er selbst zieht ebenfalls weiter und verkündet das Reich Gottes.

Heute geht es sehr viel um Absicht und Motivation. Gott möchte nicht einfach äußere Handlungen, sondern in liebender Absicht erfolgende Taten des Menschen. Dies gilt für die Opferpraxis des Alten Israel, dies gilt aber auch für die Gastfreundschaft und Annahme des Evangeliums zur Zeit Jesu. Auch heute noch möchte er, dass wir ihm in allem sein Herz schenken. Er möchte unsere ganze Liebe. Schauen wir, wo und wie wir heute seine Worte konkret umsetzen können.

Ihre Magstrauss

15. Sonntag im Jahreskreis

Jes 55,10-11; Ps 65,10.11-12.13-14; Röm 8,18-23; Mt 13,1-23

Jes 55
10 Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, ohne die Erde zu tränken und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen, dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen,
11 so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, ohne zu bewirken, was ich will, und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.

Wir hören heute aus dem Buch Jesaja. Das Kapitel, dem die hier vorliegenden Verse zugrunde liegen, handelt von der Wirksamkeit des göttlichen Wortes, das an diesem heutigen Sonntag das zentrale Thema darstellt.
Die Wirksamkeit wird mit einem meteorologischen Bild verglichen: So wie Regen und Schnee auf die Erde kommen, diese tränken und die Früchte zum Keimen und Wachsen bringen und erst dann wieder in den Himmel zurückkehren, so ist das Wort Gottes ebenso fruchtbar, bringt die gesamte Schöpfung zum Keimen und Wachsen. Durch das gesprochene Wort Gottes geht in der Genesis überhaupt erst alles hervor. Und als das Wort dann Fleisch geworden ist, hat es so viel Frucht gebracht, dass es unzählige Seelen zum Keimen und Wachsen gebracht hat. Erst nachdem er endgültig Frucht gebracht hat am Kreuz und bei der Auferstehung, ist er zum Vater zurückgekehrt. Auch die Kirche ist wie dieses fruchtbringende Wasser, denn sie ist durchtränkt vom Hl. Geist. Sie sendet ihr lebendiges Wasser in alle Himmelsrichtungen hinaus und durchtränkt die ganze Erde. Bis sie zum Vater zurückkehrt am Ende der Zeiten wird sie viele viele Seelen für ihn gewinnen. Und am Ende der Zeiten wird das lebendige Wasser, der Hl. Geist die ganze zertrümmerte Schöpfung so durchtränken, dass er einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird!
Jesus, das fleischgewordene Wort Gottes, hat wahrlich dem Sämann Brot zu essen gegeben. Er hat die Eucharistie gestiftet und nährt seine Sämänner, jeden einzelnen Getauften, dadurch dauerhaft. Gott ist so groß, danken wir ihm für sein Wort!

Ps 65
10 Du hast für das Land gesorgt, es getränkt, es überschüttet mit Reichtum. Der Bach Gottes ist voller Wasser, gedeihen lässt du ihnen das Korn, so lässt du das Land gedeihen.

11 Du hast seine Furchen getränkt, seine Schollen geebnet, du machst es weich durch Regen, segnest seine Gewächse.
12 Du hast das Jahr mit deiner Güte gekrönt, von Fett triefen deine Spuren.
13 In der Steppe prangen Auen, es gürten sich die Höhen mit Jubel.
14 Die Weiden bekleiden sich mit Herden, es hüllen sich die Täler in Korn. Sie jauchzen, ja, sie singen.

Als Antwort auf Gottes Heilswille beten wir Psalm 65, einen Lobpreispsalm Davids. In dem hier vorliegenden Abschnitt geht es um die Fruchtbarkeit der Natur, die Gott der Schöpfer so wunderbar erhält.
Gott ist kein Schöpfer, der nach der Hervorbringung alles sich selbst überlässt. Das ist die deistische Lüge. Gott ist vielmehr jemand, der auch „für das Land gesorgt“ hat. Er tränkt es und bringt ihm Reichtum. Damit ist vor allem eine reiche Ernte gemeint und der gute Ertrag ist Zeichen des Segens Gottes.
„Der Bach Gottes ist voller Wasser, gedeihen lässt du ihnen das Korn, so lässt du das Land gedeihen.“ Auch mit diesen wunderbar poetischen Ausdrücken wird dieser reiche Ernteertrag ausgedrückt. Gott verhindert das Austrocknen des Landes. Das Korn braucht Wasser, wie wir schon in Jes 55 gehört haben. Sonst bleibt es ein totes Korn. Das kann man wunderbar betrachten. Wir wissen von Jesus, dass er dieses Bild aufgreift und sagt: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht (Joh 12,24). Es stirbt durch das Aufbrechen im Keimprozess. Dafür entsteht neues Leben. Das Keimen funktioniert aber nur, wenn auch ausreichend Wasser vorhanden ist. Jesus Christus ist selbst dieses Korn, das durch den Kreuzestod, das ewige Leben wieder zum Keimen gebracht hat. Und das Wasser, das dafür benötigt worden ist, ist der Heilige Geist, den er ausgehaucht hat auf die ganze Menschheit. Es ist der Geist, der das Weizenkorn der Kirche zum Keimen gebracht hat beim Pfingstereignis und der das ewige Leben jedes Menschen bei der Taufe zum Keimen bringt. Dieser Vorgang ist typologisch zur ersten Schöpfung zu betrachten, bei der der erste Mensch aus Ackerboden geschaffen eine ewige Seele durch denselben Geist Gottes erhält.
Gottes Geist belebt die ganze Welt, „die Furchen“, „seine Gewächse“. Der Geist Gottes ebnet und macht weich durch den Regen. Das können wir auch wunderbar auf uns Menschen beziehen, die mit dem Heiligen Geist getränkt den Alltag begehen. Durch den Geist geführt und durchwirkt werden wir immer mehr zu Abbildern Gottes, wir werden weich im Sinne zunehmender Tugendhaftigkeit. Wir überwinden unsere Laster nach und nach. Und wenn sich tiefe Furchen gebildet haben im moralischen Sinn, dann gibt uns Gott die Möglichkeit der Versöhnung im Sakrament der Beichte. Dann fließt der Geist Gottes als lebendiges Wasser in uns hinein und durchtränkt uns erneut.
Gott krönt das Jahr mit seiner Güte. Das bezieht sich in diesem hier vorliegenden Bildfeld der Landwirtschaft und Schöpfung vor allem auf das Erntejahr. Das Triefen von Fett ist im Psalmenkontext immer ein Zeichen von Segen und Wohlstand.
Gott sorgt für die Auen, auf die er seine geliebten Kinder als guter Hirte führen möchte. Gott lässt alles blühen und die ganze Schöpfung jubelt in ihrer Pracht und Schönheit. Auch die Tierwelt ist zahlreich und preist Gott mit ihrem ganzen Dasein. Das triefende Fett ist mit gesunden Tieren und reichen Opfern in Verbindung zu bringen.
Gott sorgt für einen großen Reichtum, wenn der Mensch ganz innig in seinem Liebesradius bleibt.

Röm 8
18 Ich bin nämlich überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll.
19 Denn die Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes.
20 Gewiss, die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung hin:
21 Denn auch sie, die Schöpfung, soll von der Knechtschaft der Vergänglichkeit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.
22 Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.
23 Aber nicht nur das, sondern auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, auch wir seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden.

In der zweiten Lesung hören wir ebenfalls Schöpfungs- und Erntemotive, nun im Kontext eines Lebens nach der Taufe. Es ist ein ganz neues Dasein, wie uns Paulus in den letzten Wochen durch die Passagen des Römerbriefes immer wieder verdeutlicht hat. Und wenn es um uns herum immer schwieriger wird, ist das positiv anzusehen.
Paulus ist nämlich davon überzeugt, dass die jetzigen Leiden aus der Sicht der Ewigkeit verschwindend gering sind. Die ganze Schöpfung ist ja in Erwartung auf diese heilvolle Ewigkeit, in der die „Söhne Gottes“ offenbar werden. Durch die Taufe sind wir Kinder Gottes geworden, zu Erben in seinem Reich. Die Taufe ist dabei ein unauslöschliches Siegel, das der Seele aufgedrückt worden ist. Es ist allerdings unsichtbar. Dass wir dieses Siegel an uns tragen, wird erst am Ende der Zeiten offenbar. Dann werden es alle erkennen und bereuen, dieses königliche Geschlecht angetastet zu haben. Dann wird Gott seine Kinder zu sich holen und diese werden in ewiger Seligkeit leben. Darauf wartet die ganze Schöpfung voller Sehnsucht, weil die Anfeindungen gegenüber Christen immer größer wird. Wir können das vollkommen unterschreiben. In unserer heutigen Zeit ist die Christenverfolgung so stark wie noch nie. Je gottloser die Welt wird, desto stärker wird unser Schreien nach dem erlösenden Ende der Welt.
Die ganze Schöpfung ist gefallen durch die Sünde des ersten Menschenpaares. Aber nicht das erste Menschenpaar ist es, das die Welt unterworfen hat. Vielmehr ist es der Satan, der Widersacher Gottes, der die Herrschaft der Welt an sich gerissen und die Menschen zur Sünde verführt hat. Christus hat ihm durch seine Erlösung die Weltherrschaft entrissen, doch ein gewisser Spielraum ist geblieben. Er versucht auch uns heute noch zur Sünde. Und das, was er zerstört hat, bleibt zerstört. Die erste Schöpfung wird am Ende der Zeiten ein Ende finden („ist der Nichtigkeit unterworfen“) und Gott wird eine neue Schöpfung hervorbringen. Und den Anfang bildet das zweite Menschenpaar – Jesus und Maria. Wir alle, die wir getauft sind, gehören dieser neuen Schöpfung bereits an. Das stellt den Grund für eine unerschütterliche Hoffnung dar, denn auch wenn die erste und zerbrochene Schöpfung ein Ende findet, gibt es einen Ausweg aus der Nichtigkeit. Und dieser lautet die „Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes“, kurzum: die Taufe. Das ist die sakramentale Auslegung des Verses, doch Paulus sagt ja deutlich, dass auch die gesamte Schöpfung von der alten zur neuen Schöpfung gebracht werden soll. Dies wird am Ende der Zeiten geschehen. Es ist auch bei der Schöpfung so wie bei der Taufe eine Neugeburt im Heiligen Geist. Und wie es bei einer Geburt üblich ist, gehen ihr schmerzhafte Wehen voraus. Diese Schmerzen erleidet die Welt nun in der Endzeit.
Paulus argumentiert also zwei analoge Dinge hier: der einzelne Mensch beim Übergang vom alten zum neuen Leben sowie die ganze Schöpfung beim Übergang vom alten zum neuen Leben. Die Sehnsucht nach dem zweiten Kommen verbindet beide Perspektiven: Christus wird wiederkommen in Herrlichkeit, als verherrlichter Menschensohn, als Weltenrichter. Und dann wird der Schmerz dieser Tage hinweggenommen, die Tränen von den Augen abgewischt werden. Schon jetzt haben wir Erstlingsgaben dieser neuen Schöpfung. Das ist der Heilige Geist, der sich vielfältig manifestiert. Hier haben wir eine Metapher aus dem Bildfeld der Landwirtschaft.
Das Bild von Schöpfung und Ernte wird in dieser Lesung in einem erweiterten Kontext gebraucht. Es geht vor allem um die Erlösung von der alten Schöpfung, weniger um die Erhaltung der ersten wie im Psalm. Es geht auch zwar auch um das erste Kommen Christi, bei dem er die Welt erlöst hat, insofern es den Grund für die Taufe gelegt hat, aber Paulus reflektiert hier schon die Konsequenzen davon.
Das zeigt uns, dass alles bisher Gehörte sich gegenseitig ergänzt und auf das hinausläuft, was wir nun im Evangelium hören.

Mt 13
1 An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees.

2 Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich. Und alle Menschen standen am Ufer.
3 Und er sprach lange zu ihnen in Gleichnissen. Er sagte: Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen.
4 Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es.
5 Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war;
6 als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte.
7 Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat.
8 Ein anderer Teil aber fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.
9 Wer Ohren hat, der höre!
10 Da traten die Jünger zu ihm und sagten: Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen?

11 Er antwortete ihnen: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu verstehen; ihnen aber ist es nicht gegeben.
12 Denn wer hat, dem wird gegeben und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.
13 Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen und doch nicht sehen und hören und doch nicht hören und nicht verstehen.
14 An ihnen erfüllt sich das Prophetenwort Jesajas: Hören sollt ihr, hören und doch nicht verstehen; sehen sollt ihr, sehen und doch nicht einsehen.
15 Denn das Herz dieses Volkes ist hart geworden. Mit ihren Ohren hören sie schwer und ihre Augen verschließen sie, damit sie mit ihren Augen nicht sehen und mit ihren Ohren nicht hören und mit ihrem Herzen nicht zur Einsicht kommen und sich bekehren und ich sie heile.
16 Eure Augen aber sind selig, weil sie sehen, und eure Ohren, weil sie hören.
17 Denn, amen, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.
18 Ihr also, hört, was das Gleichnis vom Sämann bedeutet.
19 Zu jedem Menschen, der das Wort vom Reich hört und es nicht versteht, kommt der Böse und nimmt weg, was diesem Menschen ins Herz gesät wurde; bei diesem ist der Samen auf den Weg gefallen.
20 Auf felsigen Boden ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt;
21 er hat aber keine Wurzeln, sondern ist unbeständig; sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, kommt er sofort zu Fall.
22 In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört, und die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum ersticken es und es bleibt ohne Frucht.
23 Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt Frucht – hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.

Das Evangelium greift das Bildfeld der Landwirtschaft auf, um das Wort Gottes zu verbildlichen wie in Jes 55. Dies geschieht durch ein komplexes Gleichnis, das er später seinen Jüngern deutet.
Die Umstände der Lehre Jesu stellen ein Déjà vu dar. Er muss wieder in ein Boot steigen, um von dort aus die Menschenmassen zu lehren. Es ist einerseits voll, andererseits lehrt er dadurch seine Jünger. Eigentlich hätte er auch auf einen Felsen oder ein Podest steigen können, aber er möchte seinen berufenen Menschenfischern noch einmal demonstrieren, wie das geht. Der Köder, durch den die Fische anbeißen sollen, ist das Wort Gottes. Das Bild muss dabei richtig verstanden werden. Im Gegensatz zu den Fischen, die durch das erfolgreiche Fangen sterben, erhalten die Menschenfische durch das Gefangenwerden das ewige Leben, die Freiheit des Reiches Gottes. Und doch ist dieses Bild das Geeignetste für die „Fischer-Jünger“. Jesus wirft vor ihren Augen die Netze aus. Er beginnt zu lehren. Er erklärt dabei das Reich Gottes. Seine Worte sind der köstlichste Köder, denn die Menschenmassen nehmen dafür lange Reisen auf sich (naja, vor allem natürlich wegen der darauffolgenden Heilungen, aber dennoch…). Was Jesus heute erklärt, ist ein anderes Bild für das Menschenfischen – das Säen von Samen.
Kommen wir gleich zur Deutung, weil Jesus ja das der Masse Vorgetragene noch einmal aufgreift. Der Sämann ist Christus, der Same das Wort Gottes. Jesus hat mit dem Gleichnis das umschrieben, was er in dem Moment auch tat: vom Boot aus den Menschenmassen, die die unterschiedlichen Böden darstellen, das Wort Gottes predigen, also aussäen. Die Jünger haben seine Pointe nicht verstanden, obwohl es Jesus immer darum geht, Dinge nicht zu sagen, sondern zu zeigen. Sie fragen ihn, warum Jesus in Gleichnissen gesprochen hat. Er erklärt, dass diese Weise einen Indikator darstellt. Daran scheiden sich die Geister. Wer bei diesen Worten zum Nachdenken kommt und sie zu verstehen sucht, ist wirklich bereit, Jünger Christi zu sein. Wer sich desinteressiert abwendet, weil die Worte keine leichte Kost sind, die sofort ersichtlich sind, die bleiben „draußen“. Es geht also um die Haltung beim Hören. Wer hat, dem wird gegeben – wer einen Willen zum Kennenlernen Jesu hat, dem wird die Gnade gegeben, dies auch tun zu können. Wer nicht mal den Willen hat, dem wird auch noch die vorausgehende Gnade genommen, mit der es überhaupt zur Anwesenheit bei Jesus und zum Hören seiner Gleichnisse gekommen ist. Gleichnisse sind also Jesu Methode, die Verstocktheit oder die Bereitschaft für das Evangelium offenzulegen.
Jesus greift daraufhin ein wichtiges Schriftwort aus dem Propheten Jesaja auf: „Hören sollt ihr, hören, aber nicht verstehen. Sehen sollt ihr, sehen, aber nicht erkennen.“ (Jes 6,9). Das ist eine sehr drastische Stelle. Bei Jesaja geht es um seine Berufung und diese besteht darin, die Menschen vor die Wahl zu stellen: Er soll nicht so auftreten, dass weniger Menschen zu Gott umkehren, sondern damit sie sich die Mühe machen, seine Botschaft zu verstehen. Sie sollen „gezüchtigt“ werden. Diese „Hürde“ ist ein wichtiger Reifeprozess, damit jene, die ihn vollständig durchlaufen, sich wirklich ganz für Gott entscheiden können. Gott ist also kein Sadist, der Bedingungen stellt, sondern er tut es, damit unsere Herzen für den Empfang des ewigen Heils bereitgemacht werden. So tut es auch Jesus mit den Gleichnissen. Er „verschleiert“ seine Verkündigung, damit die Menschen nicht einfach nur alles registrieren und fertig, sondern sich wirklich die Mühe machen, darüber nachzudenken. So kann er indessen ihre Herzen formen. Das Wort Gottes ist ein zweischneidiges Schwert. An ihm scheiden sich die Geister. Jene, die nur aus Sensationsgier da sind, die an dem Inhalt der Verkündigung Jesu kein Interesse haben, kehren sich davon ab, weil es zu viel Mühe bereitet, es zu verstehen. Jene, die wirklich mit offenem Herzen gekommen sind, werden sich diese Mühe aber machen und so wird die Verschleierung Jesu zu einer großen Chance für alle Anwesenden. Es hängt also nicht von Gott ab, der irgendwelche Vorbehalte macht, sondern vom Menschen selbst, ob er sich bekehrt. Und die, die noch nicht umgekehrt sind, sind jene, die „draußen sind“.
Die Apostel aber sind nicht verstockt. Sie sehen HIN und hören HIN. Sie verstehen auch das Privileg, das sie im Gegensatz zu den Gerechten und Propheten genießen dürfen, die den Messias mit eigenen Augen schauen wollten. Auch wir, die wir nun spätere Generationen darstellen, genießen dieses Privileg nicht gleichermaßen. Wir schauen Christus verborgen in den Gestalten von Brot und Wein, in denen er natürlich genauso real präsent ist. Aber das erfordert große Glaubenskraft.
Daraufhin erklärt Jesus das Gleichnis. Es geht um die verschiedenen Beschaffenheiten des Bodens, auf den das Wort Gottes fällt. Es sind die unterschiedlichen Herzenshaltungen der Menschen, mit denen sie Jesu Predigt in sich aufnehmen: Der Same auf dem Weg wird vom Satan direkt geraubt, bevor es Wurzeln schlagen kann. Warum ausgerechnet auf dem Weg? Es sind die Menschen, die im Prozess der Umkehr sind, die noch auf dem Weg zu Gott sind. Der Satan gerät in Panik und tut alles, damit die Seele nicht für Christus gewonnen wird. Er will die Seele für sich behalten. Deshalb müssen wir sehr viel für jene beten, die Gott suchen und vielleicht sogar schon auf dem Weg zur Taufe sind. Sie erleiden starke Anfechtungen und Versuchungen, denn Satan will unsere Königskindschaft mit allen Mitteln verhindern. Wir denken hier an Paulus, der die Geburtswehen sowohl bei der Schöpfung als auch im Herzen des Einzelnen beschreibt. Das sind jetzt solche Geburtswehen vor der Taufe.
Der felsige Boden ist die Haltung der Menschen, die einen oberflächlichen Glauben haben, ohne Wurzeln und unbeständig. Beim ersten Widerstand geben sie auf, weil es zu unangenehm wird und es ihnen aufgrund der fehlenden Wurzeln den Boden unter den Füßen wegzieht. Solche „christlichen Sanguiniker“ sind diejenigen, die sich das Angenehme gern herauspicken und das Unangenehme ausblenden. Sie sind felsig, das heißt, sie wollen sich nicht ganz formen lassen von Gott, der auch mal züchtigen muss, der für uns nicht immer nur Feierlaune, sondern auch mal den grauen Alltag bereithält. Die Felsen der eigenen Voreingenommenheit, die Patchwork-Mentalität zerstören aber die Samen des Wortes Gottes. So wächst es nicht in jenen Menschen, so werden jene Menschen also nicht zum Leib Christi, dem fleischgewordenen Wort Gottes.
Die Herzenshaltung des dornigen Gestrüpps ist besonders tödlich. Gottes ewiges Wort, seine Weisheit, die nicht von dieser Welt ist, gerade auch vom Denken her, ist ganz anders als die Sichtweise der Welt mit ihren Verlockungen und ihrer Sünde. Doch in Menschen, die so weltlich eingestellt sind, auch gerade Menschen, die sich übertriebene Sorgen machen, also zu wenig Gottvertrauen besitzen, kann das Wort Gottes nicht keimen, Wurzeln schlagen, wachsen, Früchte tragen. Es stirbt sofort ab, weil das Herz voll von anderem ist. Jesus, das Wort Gottes, findet keinen Platz im Herzen solcher Menschen. Und er ist ein Gentleman. Wer ihn nicht hineinlässt, den lässt er auch in Ruhe. Dieses Dornengestrüpp breitet sich in unserer Kirche heutzutage rasant aus. Immer weniger Geistliche sind noch geistlich eingestellt. Wie viele unserer deutschen Bischöfe bestimmen ihr gesamtes Wirken noch von Christus her, dessen Reich nicht von dieser Welt ist? Es dominiert immer mehr die menschliche und weltliche Denkweise. Das Humanistische erfüllt die ganzen kirchlichen Grundvollzüge – so stark, dass für den Hl. Geist kein Platz mehr übrig bleibt.
Schließlich beschreibt Jesus die Fruchtbaren – die, die hören, aufnehmen und Frucht tragen. „Hören“ meint mehr als nur das physische Hören. Es meint den Ge-hor-sam, das Hören mit dem Glauben, das „auf ihn Hören“. In sich aufnehmen tun jene das Wort Gottes, die es an sich heranlassen. Die es akzeptieren und be-herzigen im wortwörtlichen Sinn: die es in sich verarbeiten, es betrachten, darüber nachdenken, es immer tiefer zu verstehen versuchen, die es nicht nur oberflächlich und rein informativ registrieren. Maria ist ein perfektes Beispiel für das „in sich Aufnehmen“. Sie bewahrt alle Geschehnisse in ihrem Herzen und denkt darüber nach. Das macht sie zur perfekten Jüngerin und dem fruchtbarsten Boden – auf dem das Wort Gottes deshalb auch Fleisch geworden ist! Früchte trägt das Wort Gottes dann, wenn die Menschen es in ihr eigenes Denken aufgenommen haben, wenn es von da an ihre eigenen Gedanken, Worte und Taten bestimmt, wenn es konkrete Auswirkungen hat im Verhalten.

Am Ende wird Jesus noch einen drauflegen. Er wird nicht nur das Wort Gottes säen in Form von gesprochenem Wort und Heilsdienst. Er wird sich selbst hingeben für die vielen Menschen am Kreuz. Er wird sein Fleisch und Blut austeilen und auch dann wird es auf unterschiedlichen Boden fallen. Der neue Bund wird allen Menschen angeboten, doch annehmen werden ihn nicht alle. Viele wird es kalt lassen, was Jesus für sie getan hat. Viele werden es zunächst annehmen und dann beim ersten Problem von ihm weglaufen. Nicht alle werden fruchtbar. Einige werden nicht glauben, dass Jesu Tat sie wirklich gerettet hat. Sie werden an ihrem fehlenden Vertrauen an Gott ersticken.
Jesus sät seinen „Samen“, d.h. sein Fleisch und Blut, in jeder Hl. Messe in das Herz der Kirche. Er sät sein Fleisch in unsere Herzen, die wir ihn in der Kommunion empfangen! Wird sein Same dort auf fruchtbaren Boden fallen? „Du bist, was du isst.“ Das ist nicht nur der Slogan von Wasa, das ist zuerst das Motto der Eucharistie. Wir werden immer mehr zum Leib Christi, indem wir ihn empfangen. Dies wird sich in unseren Gedanken, Worten und Werken immer mehr zeigen. Auch gerade im Alltag, da wo uns keiner sieht, da wo wir dann umsetzen sollen, was wir gelernt haben.
Das alles drückt Jesus heute im Evangelium aus.

Heute streut Jesus durch die Tageslesungen sehr viel Samen auf unseren Boden. Wir haben wirklich viel Arbeit damit, es zu hören, es in uns aufzunehmen und in uns wachsen zu lassen. Aber wenn wir ihm einen fruchtbaren Boden bereiten und ihn darauf fallen lassen, wird er seine Spuren in uns hinterlassen. Das werden wir selbst immer mehr seinem Wesen gleichgestaltet. Das ist der Weg der Heiligkeit.

Ihre Magstrauss