Montag der 15. Woche im Jahreskreis

Jes 1,10-17; Ps 50,8-9.16b-17.21 u. 23; Mt 10,34 – 11,1

Jes 1
10 Hört das Wort des HERRN, ihr Wortführer von Sodom! Horcht auf die Weisung unseres Gottes, Volk von Gomorra!

11 Was soll ich mit euren vielen Schlachtopfern?, spricht der HERR. Die Brandopfer von Widdern und das Fett von Mastkälbern habe ich satt und am Blut der Stiere, Lämmer und Böcke habe ich kein Gefallen.
12 Wenn ihr kommt, um vor meinem Angesicht zu erscheinen – wer hat von euch verlangt, dass ihr meine Vorhöfe zertrampelt?
13 Bringt mir nicht länger nutzlose Gaben, Räucheropfer, die mir ein Gräuel sind! Neumond und Sabbat, das Ausrufen von Festversammlungen, ich ertrage nicht Frevel und Feier.
14 Eure Neumonde und Feste sind mir in der Seele verhasst, sie sind mir zur Last geworden, ich bin es müde, sie zu ertragen.
15 Wenn ihr eure Hände ausbreitet, verhülle ich meine Augen vor euch. Wenn ihr auch noch so viel betet, ich höre es nicht. Eure Hände sind voller Blut.
16 Wascht euch, reinigt euch! Schafft mir eure bösen Taten aus den Augen! Hört auf, Böses zu tun!
17 Lernt, Gutes zu tun! Sucht das Recht! Schreitet ein gegen den Unterdrücker! Verschafft den Waisen Recht, streitet für die Witwen!

Heute beginnt eine Serie von Ausschnitten aus dem Buch Jesaja. Es ist der meistzitierte Prophet Jesu, weil er die intensivste Messiasankündigung belegt.
Im heutigen Abschnitt hat der Prophet, der zwischen 740 und 700 v.Chr. im Südreich wirkt, einen Gottesspruch für die „Wortführer von Sodom.“ Mit diesem Ausdruck sowie dem sich anschließenden „Volk von Gomorra“ sind keine realen Personen aus Sodom und Gomorra gemeint, sondern es ist ein Ausdruck für Sündhaftigkeit und Verdorbenheit. Es betrifft Israels Verhalten in der Kultpraxis. Gott selbst stellt seinem Volk die rhetorische Frage: „Was soll ich mit euren vielen Schlachtopfern?“ Gott hat es satt, die Brandopfer und das Blut der Opfertiere zu empfangen. Er nennt sie sogar „nutzlose Gaben“ und „Gräuel“. Für ihn sind sie also sogar etwas Böses. Die Vorhöfe des Tempelareals sind eigentlich die angemessenen Orte für das Volk, Gottes Gegenwart aufzusuchen. Doch Gott spricht in drastischen Worten von der Zertramplung seiner Vorhöfe. Ja, er erträgt den liturgischen Festkalender seines Volkes nicht mehr. Warum sagt er all diese drastischen und ablehnenden Worte? Gott ist wahrhaftig. Deshalb kann er Heuchelei nicht ausstehen. Ein Volk, das ihn mit Lippen preist und ganz viel Tierblut vergießt, dies alles aber nicht von Herzen tut, ist ihm zuwider. Es ist eine große Lüge, doch bei Gott gibt es keinen Raum dafür. Was Jesaja hier also vermittelt, ist Gottes Appell zu einer Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit. Die Israeliten sollen mit dem Schauspiel aufhören, bevor Gottes Geduld am Ende ist.
Konkret bedeutet es, dass sie sich von ihren bösen Taten abwenden sollen. Sie sollen sich erst einmal wieder reinigen – und zwar moralisch gesehen. Das ist die eigentliche Ursache für Unreinheit, nicht die Übetretung von Reinheitsgeboten. Böses zu tun, macht sie eigentlich unwürdig, Opfer darzubringen. Weil sie es dennoch tun, missfallen diese Opfer dem Herrn. Wenn sie zu einem reinen Opfer zurückkehren möchten, sollen sie zuerst lernen, das Gute zu tun, also seine Gebote halten, gegen die Unterdrücker vorzugehen und für die Rechtlosen einzustehen. Das sind im Alten Israel vor allem die Witwen und Waisen. Wenn die Israeliten zu einem richtigen Verhalten zurückgekehrt sind, können sie auch wieder opfern, den jüdischen Festkalender begehen und Gottes Vorhöfe betreten. Dann sind es wieder aufrichtige Opfer, dann sind es wieder ehrliche Lobgesänge und Gebete. Dann ist ihr Herz wieder bei der Sache. Gott kritisiert also nicht im Nachhinein die Opfer, die er selbst angeordnet hat, sondern die heuchlerische Art und Weise des Opferkults. Bis zum Kommen des Messias wird diese auch noch bestehen.

Ps 50
8 Nicht wegen deiner Opfer rüge ich dich, deine Brandopfer sind mir immer vor Augen.
9 Aus deinem Haus nehme ich keinen Stier an, keine Böcke aus deinen Hürden.
16 Was zählst du meine Gebote auf und führst meinen Bund in deinem Mund?
17 Dabei war Zucht dir verhasst, meine Worte warfst du hinter dich.
21 Das hast du getan und ich soll schweigen? Meinst du, ich bin wie du? Ich halte es dir vor Augen und rüge dich.
23 Wer Opfer des Dankes bringt, ehrt mich; wer den rechten Weg beachtet, den lasse ich das Heil Gottes schauen.

Auch der Psalm kritisiert ein falsches Verhalten im Opferkult und einen Aufruf zur Umkehr der Herzen.
„Nicht wegen deiner Opfer rüge ich dich, deine Brandopfer sind mir immer vor Augen.“ Wie bereits oben erwähnt möchte Gott nicht den Opferkult an sich abschaffen. Vielmehr möchte er, dass die Opfer wieder rein sind.
Auch hier hören wir heute Gottes Vorwürfe. Er tut das nie, um den Menschen fertig zu machen, sondern um ihn wachzurütteln. Er möchte, dass auch wir zu ihm zurückkehren, bevor es zu spät ist.
Deshalb sagt er ganz drastisch: „Aus deinem Haus nehme ich keinen Stier an, keine Böcke aus deinen Hürden.“ Opfer ist nicht gleich Opfer. Was er kritisiert, kritisiert auch die Äußerlichkeit esoterischer Angebote von heute, in denen ein wenig Meditation, Möbel umstellen oder Diät den „Stand der Gnade“ wiederherstellt ohne persönliche Umkehr. Das Volk Israel bringt Opfer dar, ohne gleichzeitig eine korrekte innere Haltung einzunehmen und einen bestimmten moralischen Lebenswandel aufzuweisen. Es ist absolut aktuell, wenn wir es auf uns heute beziehen: Wie viele Menschen kommen zur Messe und empfangen sogar die Kommunion, obwohl sie die Gebote überhaupt gar nicht halten und seit über vierzig Jahren nicht mehr gebeichtet haben. Wir sind heute sogar schlimmer als die Israeliten damals, denn diese trugen die Worte und Gebote Gottes noch in ihrem Mund. Sie haben sie noch aufgezählt und thematisiert, aber nicht gehalten. In unserer heutigen Zeit werden die Gebote nicht einmal mehr thematisiert. Sie werden einfach ganz fallen gelassen.
„Das hast du getan und ich soll schweigen?“ Gott kann es nicht ignorieren, weil er seine Kinder auf einen riesigen Abgrund zulaufen sieht. Er möchte nicht, dass seine Kinder verloren gehen. Er hält es ihnen vor Augen, damit sie es selbst erkennen und umkehren. So ist es auch heute: Gott kritisiert auch unsere Vergehen und unsere Gottlosigkeit, unseren Unglauben selbst innerhalb der Kirche. Er tut das nicht, weil ihm langweilig ist, sondern er möchte uns vor dem Verderben bewahren! Wir steuern mit hoher Geschwindigkeit dem ewigen Tod zu. Das möchte Gott verhindern.
„Wer Opfer des Dankes bringt, ehrt mich“ ist die richtige Haltung bei der Opferung. So sollen die Israeliten opfern, so sollen auch wir opfern! Nichts Anderes ist ja die Eucharistie, die „Danksagung“ heißt. Wenn wir ein Opfer des Dankes bringen – und damit ist nicht nur die äußerlich korrekte Form gemeint, sondern vor allem unsere Haltung, mit der wir der Hl. Messe beiwohnen! – dann ist es ein gottgefälliges Opfer, das er auch annimmt.
Zugleich können wir nicht einfach nur zur Messe gehen und dann zuhause machen, was wir wollen. Auch unser alltägliches Leben soll nach seinem Willen ausgerichtet sein. Dann werden wir am Ende unseres Lebens das Heil schauen, wenn wir nämlich Gott von Angesicht zu Angesicht schauen werden.

Mt 10-11
34 Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen! Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert.
35 Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter;
36 und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein.
37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.
38 Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.
39 Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.
40 Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.
41 Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten.
42 Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist – Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.
1 Und es geschah, als Jesus die Unterweisung der zwölf Jünger beendet hatte, zog er weiter, um in den Städten zu lehren und zu predigen.

Auch im Evangelium hören wir heute eine sehr drastische Passage. Jesus sagt ganz unverblümt, dass er gekommen ist, um das Schwert zu bringen, nicht Frieden. Das muss man richtig verstehen, denn natürlich ist es im Gesamt doch so, dass Jesus Frieden bringt, nämlich als übernatürliche Gabe des Hl. Geistes. Hier muss man aber den genauen Kontext erkennen, um es richtig zu begreifen. Jesus spricht hier immer noch zu seinen Jüngern, die er in die umliegenden Städte aussenden will. Sie sollen das Evangelium Jesu Christi verkünden und dieses stellt den Mensch vor die Entscheidung. Deshalb wird das Wort Gottes oft als Schwert umschrieben. Es scheidet die Geister. Die Hörer des Evangeliums nehmen es entweder an oder nicht. Und deshalb kommt es zu Uneinigkeiten in den Familien. Jesus kündigt an, was dann von der ersten Christengeneration an passiert ist: Einzelne Familienmitglieder bekehrten sich zum Christentum, einige aber nicht. Dadurch kam es zu Spaltungen in den Familien. Es ist wirklich ein Kreuz, das man mit dem Glauben an Christus auf sich nimmt. Aber die Bereitschaft zu diesem Opfer macht den wahren Jünger Jesu Christi aus.
Jesus sagt, dass wer sein irdisches Leben krampfhaft festhält, das ewige Leben verlieren wird. Und wer um seinetwillen das irdische Leben verliert, dafür das ewige Leben gewinnen wird. Dazu zählen auch die Abstriche trotz Behalten des irdischen Lebens. Wer also Uneinigkeit in der Familie in Kauf nimmt und dadurch bereit zu vielen Leiden ist, wird mit dem ewigen Leben belohnt werden.
Gott muss an allererster Stelle stehen. Wer nämlich die Eltern oder Kinder über Gott stellt, kann nicht Jünger Jesu sein. Das würde nämlich bedeuten, dass Eltern oder Kinder zum Götzen werden. Vielmehr besteht die richtige Priorisierung in der Ableitung der Eltern- und Kinderliebe aus der Gottesliebe. So ist es ein Liebesdienst, der sich aus der ersten Liebe speist und übernatürlich ist. Das Doppelgebot der Liebe ist aber der Kern des Evangeliums, die Zusammenfassung des Gesetzes und der Propheten sowie das Gütesiegel der Jüngerschaft. Das heißt nicht, dass man seine Eltern als Christ nicht mehr lieben darf, ebenso wenig, dass man die Kinder lieben darf. Es geht darum, dass Gott trotz dieser Liebe immer wichtiger sein soll. Erstens soll es uns immer zuerst um das Reich Gottes gehen und in erster Linie sind wir als Christen Kinder Gottes. Er ist unser erster und eigentlicher Vater und unsere erste Mutter. Im zweiten Schritt sind wir Menschen in einer irdischen Familie, die physisch zusammenhängt. Nicht umsonst bestehen die ersten drei Gebote des Dekalogs aus Gottesliebe-Geboten. Das vierte bis zehnte Gebot fußt sodann auf der Nächstenliebe. Zweitens können wir nur aus der Gottesliebe heraus so richtig unsere Eltern und Kinder lieben. Alles andere ist auf menschliche Kapazitäten beschränkt. Wir sollen aber so weit gehen, sogar für sie zu sterben. Können wir das aus rein menschlicher Kraft? Würden Sie für Ihren Vater Ihr Leben hingeben, wenn er die Familie verlassen hat? Würden Sie für ihren Ehepartner sterben, wenn er fremdgegangen ist? Da merken wir dann, wie schnell wir mit unseren menschlichen Kapazitäten an unsere Grenzen kommen. Deshalb muss zuerst die Gottesliebe gegeben sein. Alles andere wird dann den richtigen Platz und das richtige Maß erhalten.
Auch im nächsten Vers geht es um die richtige Prioritätensetzung: Es soll um das ewige Leben gehen, nicht um das irdische. Wer um jeden Preis, auch um den Preis des Verrats an Christus, sein irdisches Leben retten will, wird das ewige Leben bei Gott im Himmelreich verlieren.
Ab Vers 41 kommt Jesus zur Ausgangssituation zurück, dass die Jünger in die umliegenden Städte auf Verkündigungsreise gehen.
Dabei sagt er den Grundsatz, dass wer einen Propheten um seines Prophetendaseins willen aufnimmt, den Lohn eines Propheten erhalten wird. Bei diesem Grundsatz schaut Gott auf die Absicht. Er schaut nicht nur auf die Handlung, sondern auf die Motivation dahinter. Wer also gastfreundlich ist nicht aus egoistischen Gründen (um sich selbst zu rühmen), sondern um der Person willen, vor allem wenn sie ein besonderes Werkzeug Gottes ist, wird für diesen Dienst reich belohnt. Warum aber ausgerechnet geht es um den Propheten? Für Israel war der Prophet höher als der König anzusehen, weil er das Sprachrohr Gottes war. Zugleich waren Propheten auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen, indem sie bei ihnen ein Obdach oder Nahrung empfingen. Wer ihn also in sein Haus aufnahm, unterstützte dadurch den höchsten Dienst, den der Mensch vollbringen konnte. Deshalb gebührt jenen laut Jesus auch der höchste Lohn. So ist es auch mit der Gastfreundschaft gegenüber Gerechten. Sie sind vielleicht nicht die höchsten Werkzeuge Gottes, leben dennoch in seiner Gnade. Wer sie aufgrund ihrer Gerechtigkeit aufnimmt, erhält auch den Lohn eines Gerechten.
Und wer dem Kleinsten auch nur ein wenig Wasser anbietet, wird dafür von Gott belohnt werden. „Diesen Kleinsten“ bezieht sich auf die Jünger, die im Begriff sind, in die umliegenden Orte zu gehen und das Wort Gottes zu verkünden. Was Jesus also tut, ist die Ermutigung jener, die die Jünger in ihre Häuser aufnehmen werden.
Die Jünger ziehen nun hinaus und predigen im Namen Jesu das Evangelium. Er selbst zieht ebenfalls weiter und verkündet das Reich Gottes.

Heute geht es sehr viel um Absicht und Motivation. Gott möchte nicht einfach äußere Handlungen, sondern in liebender Absicht erfolgende Taten des Menschen. Dies gilt für die Opferpraxis des Alten Israel, dies gilt aber auch für die Gastfreundschaft und Annahme des Evangeliums zur Zeit Jesu. Auch heute noch möchte er, dass wir ihm in allem sein Herz schenken. Er möchte unsere ganze Liebe. Schauen wir, wo und wie wir heute seine Worte konkret umsetzen können.

Ihre Magstrauss

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