Montag der 14. Woche im Jahreskreis

Hos 2,16.17b-18.21-22; Ps 145,2-3.4-5.6-7.8-9; Mt 9,18-26

Hos 2
16 Darum will ich selbst sie verlocken. Ich werde sie in die Wüste gehen lassen und ihr zu Herzen reden.
17Das Achor-Tal werde ich für sie zum Tor der Hoffnung machen. Dort wird sie mir antworten wie in den Tagen ihrer Jugend, wie am Tag, als sie aus dem Land Ägypten heraufzog.
18 An jenem Tag – Spruch des HERRN – wirst du zu mir sagen: Mein Mann! Und du wirst nicht mehr zu mir sagen: Mein Baal.
21 Ich verlobe dich mir auf ewig; ich verlobe dich mir um den Brautpreis von Gerechtigkeit und Recht, von Liebe und Erbarmen,
22 ich verlobe dich mir um den Brautpreis der Treue: Dann wirst du den HERRN erkennen.

Heute hören wir aus dem Buch Hosea. Es handelt sich dabei um die Worte eines Propheten im 8. Jh., der im Nordreich gewirkt hat. Bei ihm finden wir sehr viele beeindruckende Worte bezüglich der Beziehung zwischen Gott und Israel in der Metapher der Brautschaft. In dem Kapitel, dem unser heutiger Abschnitt entnommen ist, geht es darum, dass Gott seiner Braut eine Lektion erteilt, ihr alles nimmt und sie zurechtweist. Zu sehr ist sie dem Ehebruch mit den Baalen verfallen. Und wenn ihr alles genommen ist, wenn sie am Boden liegt und zur Besinnung kommt, wird sie nicht mehr Augen für die Götzen haben, sondern ihre Aufmerksamkeit auf den einzig wahren Gott richten. Das Schema, nach dem alles passiert, ist uns schon in der vergangenen Woche verdeutlicht worden: Dem ewigen und umfassenden Heil geht zunächst ein schmerzhaftes Gericht voraus. Denn Gott wird seine Braut zurückholen und ihr erneut die ewige Treue versprechen.
„Darum will ich selbst sie verlocken. Ich werde sie in die Wüste gehen lassen und ihr zu Herzen reden.“ Gott lässt das Volk in die Wüste gehen. Das erinnert sehr stark an den Exodus und an die vierzigjährige Odyssee des Volkes, bevor es endlich in das verheißene Land ziehen darf. Gott muss seine Braut isolieren, damit sie ganz auf sich allein gestellt ist, fern von den Götzen endlich klar denkt und in der Einsamkeit richtig kommunizieren kann. So kann sie zum Läuterungsort und zum Wendepunkt für das Volk werden. Das hebräische Wort מִדְבָּר midbar heißt zugleich „Wüste“ und „Mund, Rede“. Gott kommuniziert am besten dort mit dem Menschen, wo er sich in der Wüste befindet. Dies ist mehrfach zu verstehen. Man muss nicht landschaftlich gesehen unbedingt einen Wüstenort aufsuchen. Vielmehr geht es um die Isolierung vom Alltag und um die Stille, das auf sich allein Gestelltsein. In diesem Zustand kann Gott in den Menschen seinen Willen hineingeben, sodass er ihn überhaupt hören kann. Orte der Wüste müssen also vor allem die innere Wüste ermöglichen. Der Mensch muss innerlich still und ruhig werden, damit er Gottes Stimme hört. Das Bemerkenswerte ist, dass in der Septuaginta (dem griechischen AT) der weitere Aspekt belegt ist: Das Wort ἐρῆμος eremos heißt zugleich „Wüste“ und „Einsamkeit“. Gott führt Menschen in die Einsamkeit, damit sie das sehen, was sie zuvor nicht gesehen haben, damit sie hören, wozu sie im alltäglichen Treiben nicht gehört haben, damit sie erkennen, was sein Wille ist.
Gott tut das alles also, um seinem Volk „zu Herzen zu reden“. Er ist wirklich ein Bräutigam, der mit seiner untreuen Braut ein Krisengespräch führen möchte.
Das Achor-Tal, zu Deutsch „Kummer-Tal“ ist der Wendepunkt. An diesem Ort zwischen Jericho und Ai beginnt das Gericht, doch auch der Segen Gottes. An diesem Ort wird Israel zur Besinnung kommen und zu ihrer ersten Liebe zurückkehren, die sie in ihrer Jugend erlebt hat (das heißt zur Zeit des Exodus).
Und dann wird Israel wieder Augen für Gott haben. Es wird nicht mehr „mein Baal“, sondern „mein Gott“ sagen.
Dann wird Gott den Bund erneuern, den er mit Israel eingegangen ist. Erneut verlobt er sich mit seiner Braut „um den Brautpreis von Gerechtigkeit und Recht, von Liebe und Erbarmen, (…) um den Brautpreis der Treue.“ All dies wird ganz konkret und noch viel intensiver, wenn Gott Mensch wird und seine Liebe wirklich bis zur Vollendung seiner geliebten Braut erwiesen hat – am Kreuz. So treu ist Gott, dass er seinen Bund wirklich auf ewig hält.
Und am Ende der Zeiten wird dann das ganze Volk Gottes, nun aber des Neuen Bundes, Gott erkennen. Alle werden vom Glauben zum Schauen kommen. Der Anblick Gottes wird für die einen reine Erquickung sein, für die anderen ein großer Schmerz aufgrund der erfolgenden Läuterung. Die anderen werden diesen Anblick auf ewig ablehnen. Am Ende der Zeiten werden wir alles verstehen, vor allem auch unsere eigene Schuld.

Ps 145
2 Jeden Tag will ich dich preisen und deinen Namen loben auf immer und ewig.
3 Groß ist der HERR und hoch zu loben, unerforschlich ist seine Größe.
4 Geschlecht um Geschlecht rühme deine Werke, deine machtvollen Taten sollen sie künden.
5 Den herrlichen Glanz deiner Hoheit und deine Wundertaten will ich besingen.
6 Von der Macht deiner Furcht erregenden Taten sollen sie reden, von deinen Großtaten will ich erzählen.
7 Sie sollen die Erinnerung an deine große Güte wecken und über deine Gerechtigkeit jubeln.
8 Der HERR ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Huld.
9 Der HERR ist gut zu allen, sein Erbarmen waltet über all seinen Werken.

Als Antwort beten wir Ps 145. Wir haben diesen erst neulich gebetet. Er stellt den Abschluss des fünften Psalmenbuches dar. Er beginnt wie so oft mit einer Selbstaufforderung zum Lob, das täglich erfolgen soll „auf immer und ewig.“ Es ist ein Gelübde, das ewig anhalten soll, denn Gottes Güte, Huld und Treue sind es ja auch.
„Groß ist der HERR und hoch zu loben, unerforschlich ist seine Größe.“ Gott ist wirklich groß. Er hat die Macht, alles mit seinem Volk anzustellen. Er ist zugleich der absolut Gute. Deshalb dient alles, was er tatsächlich mit seinem Volk tut, dessen Heil. Deshalb kann es auch nicht anders, als zu jeder Zeit, in jeder Generation („Geschlecht um Geschlecht“) diese Taten zu rühmen, statt sie zu beklagen. Sie sollen auch immer darüber sprechen, was ein missionarischer Aufruf ist. Was hier bereits beginnt, schließt sich mit Christi letzten Worten vor seiner Himmelfahrt. Gottes große Heilstaten sind so überwältigend, dass jeder davon erfahren muss.
Die Wundertaten Gottes sind gleichsam umhüllt von dem „herrlichen Glanz“ seiner „Hoheit“. Das ist eine sehr poetische Ausdrucksweise für die Herrlichkeit und Gnade Gottes. Sie ist so wunderbar, dass König David als Beter des Psalms sie besingen möchte.
Das beständige Erinnern an die Heilstaten Gottes wird das Volk immerzu dankbar sein lassen. Wer das Gute vergisst, ist auch nicht mehr dankbar dafür. Wer Gott aber nicht mehr dankbar ist, wird von seinen Wegen abrücken und sich den Götzen zuwenden.
Gott ist „gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Huld.“ Was wir von Hosea gehört haben, steht keineswegs dazu in Widerspruch. Dass Gott die Wüstenerfahrung Israels zulässt, überhaupt das Gespräch mit seiner untreuen Braut sucht, alles Mögliche unternimmt, damit sie zur Besinnung kommt, zeigt ja seine unendliche Geduld. Er hätte sie auch einfach verstoßen können, statt seine Zeit und Kraft an ihr zu verschwenden. Er hätte sie zerstören können, statt sie wieder zu sich zu nehmen. Doch er vergibt ihr den Ehebruch und erneuert die Verlobung mit ihr! Das ist wirklich ein Ausdruck der unendlichen Barmherzigkeit Gottes.
Gott ist auch wirklich gut zu allen. Wäre dem nicht so, hätte er nicht auf der Höhe der Zeit beschlossen, einen neuen Bund mit der ganzen Welt zu schließen. Seine geliebte Braut besteht somit nicht mehr nur aus den zwölf Stämmen Israels, sondern aus Menschen aller Stämme, Sprachen, Nationen und Völkern. Jeder Mensch, der die Erlösung annimmt, wird gleichsam hineingenommen in diese Brautschaft. Und Gott wirbt um jeden Menschen auf so unterschiedliche Weise, dass er ihn kennenlernt und auch zu seiner Kirche gehören möchte. Gott ruft sein Volk zusammen.

Mt 9
18 Während Jesus so mit ihnen redete, siehe, da kam ein Synagogenvorsteher, fiel vor ihm nieder und sagte: Meine Tochter ist eben gestorben; komm doch, leg ihr deine Hand auf und sie wird leben!
19 Jesus stand auf und folgte ihm mit seinen Jüngern.
20 Und siehe, eine Frau, die schon zwölf Jahre an Blutfluss litt, trat von hinten heran und berührte den Saum seines Gewandes;
21 denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt.
22 Jesus wandte sich um, und als er sie sah, sagte er: Hab keine Angst, meine Tochter, dein Glaube hat dich gerettet! Und von dieser Stunde an war die Frau geheilt.
23 Als Jesus in das Haus des Synagogenvorstehers kam und die Flötenspieler und die Menge der klagenden Leute sah,
24 sagte er: Geht hinaus! Das Mädchen ist nicht gestorben, es schläft nur. Da lachten sie ihn aus.
25 Als man die Leute hinausgeworfen hatte, trat er ein und fasste das Mädchen an der Hand; da stand es auf.
26 Und die Kunde davon verbreitete sich in der ganzen Gegend.

Heute hören wir ein Evangelium, das uns in der Markusversion bereits begegnet ist.
Jesus spricht zu der Volksmenge, gerade eben sprach er mit den Johannesjüngern über das Fasten und die Zeit des Bräutigams (wir hörten davon in den letzten Tagen). Da kommt Jairus, ein Synagogenvorsteher zu ihm und wirft sich vor ihm nieder. In der Matthäusfassung wird sein Name allerdings nicht erwähnt. Er fleht Jesus von Herzen an, dass er seine verstorbene Tochter zum Leben erwecke. In der Markusfassung liegt sie im Sterben und es geht darum, sie zu heilen.
So machen sie sich auf den Weg zu ihm nach Hause.
Während sie unterwegs sind, kommt eine Frau, die seit zwölf Jahren an Blutfluss litt, von hinten an ihn heran und berührt sein Gewand. Jesus wendet sich um und spricht die Frau direkt an. Es ist eine unscheinbare Frau voller Glauben. Keiner hat sie beachtet und doch hat sie mit ihrer Aktion sehr viel Mut bewiesen. Denn ihre Blutungen machen sie kultisch dauerhaft unrein und sie kann weder am Gottesdienst teilnehmen, noch irgendwelche sozialen Kontakte pflegen. Andere Juden werden durch den Kontakt zu ihr ja auch kultisch unrein und meiden sie deshalb. Sie ist eine seit Jahren isolierte Frau, die es dennoch gewagt hat, sich in eine Menschenmenge zu begeben. Noch mehr: Ihr Glaube ist so stark, dass er die Furcht vor den kultischen Reinheitsgeboten übertrumpft. Sie vertraut so sehr, dass ihre Berührung Jesus kultisch nichts anhaben kann, weil er der Sohn Gottes ist. Hier sehen wir eine Parallele zur Braut Israel in der Wüste. Auch hier ist eine Frau, die in Isolation lebt, die ihre ganz persönliche Wüste durchlebt. Im Gegensatz zur verstockten und untreuen Braut Israel ist diese Frau voller Glauben und so verwandelt Jesus sie in eine Oase. Er heilt sie und sagt ganz deutlich: „Dein Glaube hat dich gerettet.“
Eigentlich ist Jesus unterwegs zu Jairus‘ Tochter und doch widmet er sich der blutflüssigen Frau. Erstens möchte er ihr mit der Aufmerksamkeit zeigen, wie die Liebe des Vaters ist: Er liebt jeden Einzelnen so, als wäre er der Einzige auf der Welt. Zweitens möchte Jesus den Glauben der Frau den Umstehenden als Glaubensbeispiel heranziehen und sie zugleich in die Gesellschaft wieder eingliedern. Ihr Glaube ist so stark, dass sie die kultischen Reinheitsgebote aufs Spiel setzt. Sie glaubt sogar so stark, dass sie nicht mal Jesus selbst, sondern nur sein Gewand berühren muss. Sie hat Angst, weil sie genau weiß, dass sie gegen die jüdischen Gesetze gehandelt hat. Sie hat Angst, dass die Menschen um sie herum sie bestrafen werden. Deshalb sagt Jesus ihr auch zu: „Hab keine Angst, meine Tochter.“
Die Trauer über das verstorbene Kind ist groß, als Jesus mit dem Vater der Verstorbenen in dessen Haus einkehrt. Die Fälle des verstorbenen Mädchens und der blutflüssigen Frau hängen miteinander zusammen. Es geht um kultische Verunreinigung. Im ersten Fall ist es der blutige Ausfluss der Frau, im zweiten Fall ist es der Tod des Mädchens, der alle verunreinigt, die zu ihr ins Haus gehen. Doch Jesus ist Gott. Er steht über den Reinheitsgeboten und kann sich nicht kultisch verunreinigen. Das ist ein starkes Zeichen für alle Zeugen. Doch diese lachen ihn aus, als er zu ihnen sagt, dass das Mädchen nur schlafe. Was auch immer mit dem Kind passiert ist, die Menschen sind sehr ungläubig. Jesus wird verspottet, obwohl er Gott ist. Wir in seiner Nachfolge erfahren bis heute genau dasselbe. Wo wir mutig zur Wahrheit stehen, werden wir ausgelacht, insbesondere wo das gesellschaftliche Umfeld besonders atheistisch ist. Dann wird das Gesagte nicht einmal als eine Alternative unter vielen angesehen. Das Wort Gottes wird einfach als Ganzes abgelehnt.
Wer ungläubig ist und somit zum Gegenbild der blutflüssigen Frau wird, soll das Haus verlassen. Dann geht Jesus zum Mädchen, fasst es bei der Hand, wie er immer wieder die zu Heilenden bei der Hand fasst, und es steht auf. Jesus richtet die Menschen immer auf, nicht nur körperlich, sondern seelisch, psychisch, gesellschaftlich, einfach umfassend. Er richtet den Glauben vieler Menschen auf, wo diese Heilungen geschehen. Er heilt also nie einfach nur offensichtlich den körperlich Kranken, sondern immer die ganzen Anwesenden gleich seelisch mit. Dabei hat Jesus keine Mühe. Er fasst die Tochter des Jairus einfach und sie steht direkt auf. Jesus ist Gott und muss deshalb keine Anstrengung aufwenden wie z.B. der Prophet Elija beim verstorbenen Jungen in 1 Kön 17. In beiden Fällen lässt Gott den tödlichen Krankheitsverlauf zu, damit er an den Leidenden seine Herrlichkeit offenbaren kann und die Familien zum Glauben an ihn kommen. Bei Gott gibt es nie ein „zu spät“. Wenn er unserem Empfinden nach erst spät eingreift, ist es seiner wunderbaren Vorsehung nach genau der richtige Zeitpunkt. Wir sehen als Menschen nur unsere derzeitige Situation und im Leiden ist unser Blick noch eingeschränkter. Gott sieht aber stets das Gesamtbild und so dürfen wir ihm bei seinem Timing und in der Art und Weise seiner Gebetserfüllung vertrauen. Gott ist so sensibel, dass er Jairus durch die Heilung der blutflüssigen Frau auf die richtige Glaubenshaltung vorbereitet. Hätte Jesus seine Tochter schon geheilt, bevor sie „gestorben“ wäre, wäre sein Glaube und jener seiner Familie vielleicht gar nicht so gestärkt worden. Was passiert ist, verbreitet sich in der ganzen Gegend. Schließlich ist es ein so spektakuläres Wunder, das es sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Das erinnert uns an den Psalm. Gottes große Taten sollen stets verkündet werden, an seine Güte soll man sich immer erinnern. Die Menschen werden sich an diese Totenerweckung zurückerinnern, wenn sie von Jesu eigener Auferstehung erfahren werden. Dann werden sie die Verbindung erkennen und Christus als Gottes Sohn gläubig annehmen. Er ist Herr über Leben und Tod.

Ihre Magstrauss

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