Dienstag der 15. Woche im Jahreskreis

Jes 7,1-9; Ps 48,2-3b.3c-4.5-6.7-8; Mt 11,20-24

Jes 7
1 In der Zeit, als Ahas, der Sohn Jotams, des Sohnes Usijas, König von Juda war, zogen Rezin, der König von Aram, und Pekach, der Sohn Remaljas, der König von Israel, gegen Jerusalem hinauf in den Krieg; aber man konnte den Krieg gegen es nicht führen.

2 Als dem Haus David gemeldet wurde: Aram hat sich auf Efraim niedergelassen!, da zitterte sein Herz und das Herz seines Volkes, wie die Bäume des Waldes im Wind zittern.
3 Der HERR aber sagte zu Jesaja: Geh hinaus, Ahas entgegen, du und dein Sohn Schear-Jaschub, zum Ende der Wasserleitung des oberen Teiches, zur Straße am Walkerfeld.
4 Sag zu ihm: Hüte dich und verhalte dich still! Fürchte dich nicht und dein Herz sei nicht verzagt wegen dieser beiden rauchenden Holzscheitstummel, wegen des glühenden Zorns Rezins, Arams und des Sohnes Remaljas!
5 Weil Aram gegen dich Böses plant, Efraim und der Sohn Remaljas, indem sie sagen:
6 Wir wollen gegen Juda hinaufziehen, ihm Furcht einjagen und es uns gefügig machen; dann wollen wir den Sohn Tabeals als König in seiner Mitte einsetzen.
7 So spricht GOTT, der Herr: Das kommt nicht zustande, das wird nicht geschehen.
8 Denn das Haupt von Aram ist Damaskus und das Haupt von Damaskus ist Rezin. Noch fünfundsechzig Jahre, dann wird Efraim zerschlagen, kein Volk mehr sein.
9 Das Haupt von Efraim ist Samaria und das Haupt von Samaria ist der Sohn Remaljas. Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.

Heute hören wir wieder einen Abschnitt aus dem Buch Jesaja. Es geht um den historischen bzw. politischen Kontext des Prophetenbuches. Zu jener Zeit rücken die Aramäer dem Südreich immer näher. Dem König Ahas wird gemeldet, dass „Efraim“ bereits eingenommen worden ist. Damit ist das Nordreich Israel gemeint. Oft wird es mit dem Begriff „Efraim“ zusammengefasst, obwohl er genau genommen nur einen bestimmten Stamm meint. Ahas hat Angst. Bald könnten die Aramäer auch das Südreich einnehmen. Gott möchte Juda trösten und beruhigen. Deshalb soll Jesaja Ahas die Botschaft übermitteln: „Hüte dich und verhalte dich still! Fürchte dich nicht und dein Herz sei nicht verzagt wegen dieser beiden rauchenden Holzscheitstummel, wegen des glühenden Zorns Rezins, Arams und des Sohnes Remaljas!“ Hier geht es also um zwei feindliche Kräfte: um die Aramäer und um Pekach, den Sohn Remaljas, den König der Israeliten (hier ist damit das Nordreich gemeint).
Das Bild verrät, was diese vermeintlich starken Feinde wirklich sind: Schall und Rauch. Sie sind qualmendes Holz, das aber nicht lichterloh brennt. Ahas muss also keine Angst haben, denn auch wenn sie Böses im Schilde führen, wird es ihnen nicht gelingen. Sie wollen zwar bis nach Juda vordringen und einnehmen, sogar einen anderen König auf den Thron Davids setzen, doch Gott wird das verhindern. Die Tage des Nordreichs sind gezählt. 65 Jahre später wird das Volk zerschlagen werden. Hier wird das Ende der syrisch-efraimitischen Koalition angekündigt, weil der Einfall der Assyrer sich zutragen wird. Sowohl die Hauptstadt Damaskus und ihr König Rezin als auch die Hauptstadt Samaria mit ihrem israelitischen König Pekach werden von den Assyrer erobert werden. Bei der Rede von Samaria wird noch als Bedingung gestellt: „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.“ Das wird hier gesagt, weil es sich um die Stämme des Nordreiches handelt, mit denen Gott seinen Bund geschlossen hat. Sie werden zerstört werden, wenn sie bis dahin nicht umkehren und wieder ganz an ihn glauben. Sie sollen ihren Götzendienst beenden und die Kultbilder und Pfähle aus ihrem Land vertreiben. Sonst wird es so kommen. Ahas als König Judas muss überhaupt keine Angst haben, das ist die Botschaft Jesajas an ihn. Wir wissen von der Fortsetzung dieses Kapitels. Er wird nicht an das Heil des Herrn glauben und selbst ein Zeichen als Beweis ablehnen. Doch Jesaja wird ihm stattdessen eine absolut messianische und adventliche Verheißung übermitteln, die wir in der Adventszeit hören. Die Jungfrau wird ein Kind empfangen. Es wird der Immanuel kommen.

Ps 48
2 Groß ist der HERR und hoch zu loben in der Stadt unseres Gottes.

3 Sein heiliger Berg ragt herrlich empor; er ist die Freude der ganzen Erde. Der Berg Zion liegt weit im Norden; er ist die Stadt des großen Königs.
4 Gott ist in ihren Palästen, als sichere Burg erwiesen.
5 Denn siehe: Könige traten zusammen, gemeinsam rückten sie näher.
6 Sie sahen auf, da erstarrten sie; sie waren bestürzt und flohen.
7 Dort packte sie Zittern wie Wehen eine Gebärende.
8 Mit Sturm aus dem Osten zerbrichst du die Schiffe von Tarschisch.

Als Antwort auf diese Heilsbotschaft Gottes an König Ahas beten wir Ps 48, das zu den Zionsliedern gehört. Dabei handelt es sich um Preislieder, die die Stadt Gottes loben und die Ohnmacht ihrer Feinde gegenüber Gottes Allmacht beschreiben.
So ist Vers 2 von dem Lobpreis Gottes geprägt. Er ist „hoch zu loben“ in Jerusalem. Die Stadt wird immer wieder als Stadt Gottes bezeichnet, was vor allem mit dem Tempel zusammenhängt. Dort wohnt seine Herrlichkeit auf besondere Weise.
Der heilige Berg in Vers 3 bezieht sich auf den Zion, auf dem die Stadt und der Tempel erbaut sind. Zion ist „die Freude der ganzen Erde“. Das müssen wir ebenfalls auf Gottes Gegenwart im Tempel zurückführen. Von hier aus geht nämlich das Heil aus, das sich auf die ganze Erde ausbreitet. Wir denken an die Aussage Jesu selbst: „Das Heil kommt von den Juden“. Es ist aber ein universales Heil, denn er hat uns erlöst von all unseren Sünden. Auf dem Zion ist er dargebracht worden als ultimatives Sühneopfer. Die erwirkte Gnade ist aber übergegangen auf die ganze Welt, bis zu den „Inseln“, bis an die „Enden der Erde“. Freude ist so nicht nur eine übernatürliche Gnade Gottes, sondern wird auch zum Zeichen der angebrochenen Endzeit.
Die Rede vom Gottesberg im hohen Norden stellt einen theologischen Code dar, keine reale geographische Aussage. Zion liegt ja eigentlich im Süden des Landes. In jener Zeit gibt es bei den umliegenden Völkern die Vorstellung eines mythischen Gottesberges, den man im Norden suchen muss. Hier wird diese Vorstellung auf Zion und den einzig wahren Gott übertragen. Der Code sagt also den Betern: Nicht irgendein mythischer Berg ist der Gottesberg, sondern der Zion, auf dem Gott so wunderbare Zeichen wirkt und real gegenwärtig ist. Man muss im Kontext der Lesung sogar noch hinzufügen: Nicht der Berg Garizim, der in Samarien liegt und zum Konkurrenten Zions geworden ist, der das Heiligtum des Nordreiches ist, ist in Wirklichkeit eine Attrappe. Der einzig wahre Gottesberg ist Zion, nicht der Garizim.
Gott wohnt hier und er ist die eigentliche sichere Burg. Kein menschlicher Palast kann das Volk so sicher beschützen wie er. Wir haben es heute in der Lesung gehört. Gott möchte Juda beschützen und sagt Ahas zu, dass er keine Angst haben muss.
„Denn siehe: Könige traten zusammen, gemeinsam rückten sie näher.“ Wir beziehen es heute auf die syrisch-efraimitische Koalition, die Böses gegen Juda schmiedet. Zur Zeit König Davids gab es auch genug feindliche Königtümer, gegen die er gekämpft hat. Und auch wie später dann die Aramäer und das Nordreich Israel wurden diese besiegt. Sie „erstarrten“ und „waren bestürzt und flohen.“
„Mit Sturm aus dem Osten zerbrichst du die Schiffe von Tarschisch.“ Diese Aussage scheint eine Andeutung von 2 Chr 20,36 darzustellen, wo die Verbündung Judas mit Israel erfolgte und sie gemeinsam Schiffe bauen ließen. Sie wollten damit nach Taschisch fahren, doch der Segen Gottes lag nicht darauf. Das Nordreich Israel war zutiefst in Götzendienst verstrickt und Gott wollte die Verbündung Judas mit diesem Reich nicht. Deshalb zerschellte er die Kriegsschiffe, bevor sie nach Tarschisch fahren konnten. So wird es an dieser Stelle im Psalm zum Sprichwort für böse Absichten, die von Gottes Macht zunichte gemacht werden.

Mt 11
20 Dann begann er den Städten, in denen er die meisten Machttaten getan hatte, Vorwürfe zu machen, weil sie nicht Buße getan hatten:
21 Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Denn wenn in Tyrus und Sidon die Machttaten geschehen wären, die bei euch geschehen sind – längst schon wären sie in Sack und Asche umgekehrt.
22 Das sage ich euch: Tyrus und Sidon wird es am Tag des Gerichts erträglicher ergehen als euch.
23 Und du, Kafarnaum, wirst du etwa bis zum Himmel erhoben werden? Bis zur Unterwelt wirst du hinabsteigen. Wenn in Sodom die Machttaten geschehen wären, die bei dir geschehen sind, dann stünde es noch heute.
24 Das sage ich euch: Dem Gebiet von Sodom wird es am Tag des Gerichts erträglicher ergehen als dir.

Jesus ist nun unterwegs in den Städten Galiläas. Heute hören wir von einer sehr strengen Gerichtsankündigung gegenüber dieser Städte, weil sie keine Buße getan haben. Er hat zuvor schon viele Wunder vollbracht und das Evangelium verkündet. Und doch haben diese Städte die Zeit der Gnade nicht erkannt. All dies hat Jesus ja getan, damit die Bewohner umkehren und ihr Leben ändern. Stattdessen haben sie ihr sündiges Verhalten fortgesetzt. Deshalb verfährt er nun so streng mit ihnen.
Statt der Seligpreisungen hören die Bewohner dieser Städte nun Weherufe: „Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida!“ Sie werden bedroht, weil sie nicht umkehrbereit sind wie zum Beispiel Tyrus und Sidon, zwei heidnische Städte. Wenn Jesus in solchen Momenten die Heiden als Glaubensbilder bezeichnet, ist das ein besonders hartes Urteil. Er sagt, dass Tyrus und Sidon umgekehrt wären, wenn dieselbe Gnade ihnen erwiesen worden wäre wie Chorazin und Betsaida.
Er kündigt deshalb an, dass es den beiden anderen Städten beim Gericht besser ergehen wird als ihnen.
Seine harten Worte richtet er auch an Kafarnaum, das ja gewissermaßen seine Basis dargestellt hat. Immer wieder ist er dorthin zurückgekehrt. Und ausgerechnet die Bewohner dieser Stadt tun so, als ob der Messias nie in sie eingekehrt worden wäre. Offensichtlich bestehen die Sünden weiterhin fort, auf deren Schlechtheit Jesus mehrfach hingewiesen hat. Jesus möchte mit seiner sehr drastischen Ausdrucksweise die Bewohner wachrütteln und mitten ins Herz treffen. Deshalb sagt er sogar, dass Kafarnaum „bis zur Unterwelt“ hinabsteigen wird. Das ist ein typisches Gerichtswort. Es wird die Hölle erfahren, wenn es nicht umkehrt. Jesus geht sogar noch weiter und vergleicht es mit dem Ort der Sünde schlechthin – Sodom. Er sagt, dass es nicht untergegangen wäre, wenn ihm dieselbe Gnade erwiesen worden wäre wie Kafarnaum. Sodom ist aber schon untergegangen, lange bevor Gott Mensch geworden ist und höchstpersönlich die Umkehr verkündigen konnte. Selbst Sodom ist umkehrbereiter als Kafarnaum. So hart ist das Urteil für diese Stadt! Und Sodom wird beim Gericht noch besser davonkommen als Kafarnaum. Jesus spricht hier die Städte direkt an bzw. werden diese zu Gesamtbegriffen für die Menschen, die in ihnen wohnen. Diese sind es eigentlich, die gemeint sind.
Jesu Worte gelten auch uns heute. Wir brauchen uns nicht einzubilden, dass unsere Taufe uns automatisch einen Vorteil verschafft gegenüber der Ungetauften in dem Sinne, dass wir automatisch in den Himmel kommen. Vielmehr richtet uns Gott noch strenger als jene, die seine Gebote nie gehört haben, die Jesus nie kennengelernt haben. Und von uns wird Gott Rechenschaft verlangen, die wir ihm durch den Bund der Taufe die Treue versprochen haben. Wenn wir aber genauso leben wie jene, die ihn und seine Gebote nie kennengelernt haben, wird er sehr streng mit uns verfahren. Dann wird er zu uns sagen: Wäre die Gnade den anderen zuteilgeworden, die ich dir geschenkt habe, wären sie zu brennenden Zeugen meiner Botschaft geworden. Doch was hast du daraus gemacht? Ihnen wird es nun besser ergehen als dir.
Und deshalb müssen wir so reagieren wie die Bewohner Chorazins, Betsaidas und Kafarnaums hoffentlich auch: umkehren, bevor es wirklich zu spät ist. Das soll von Jesu Seite keine Angstmacherei sein, sondern er möchte uns eindrücklich zur Umkehr bewegen. Wir sollen uns bewusst werden, welche große Gnade und welches Privileg wir haben. Wir sollen dankbar sein und dementsprechend leben. Dann müssen wir auch keine Angst vor dem kommenden Gericht haben.

Ihre Magstrauss

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