Mittwoch der 17. Woche im Jahreskreis

Jer 15,10.16-21; Ps 59,2-3.4-5a.10-11.17; Joh 11,19-27

Jer 15
10 Weh mir, meine Mutter, dass du mich geboren hast, einen Mann, der mit aller Welt in Zank und Streit liegt. Ich bin niemands Gläubiger und niemands Schuldner und doch fluchen mir alle.
16 Fanden sich Worte von dir, so verschlang ich sie; dein Wort wurde mir zum Glück und zur Freude meines Herzens; denn dein Name ist über mir ausgerufen, HERR, Gott der Heerscharen.
17 Nie saß ich im Kreis der Lustigen und nicht war ich fröhlich; unter der Macht deiner Hand sitze ich einsam; denn du hast mich mit Groll angefüllt.
18 Warum dauert mein Leiden ewig und ist meine Wunde so bösartig, dass sie nicht heilen will? Wahrlich, wie ein versiegender Bach bist du mir geworden, ein unzuverlässiges Wasser.
19 Darum – so spricht der HERR: Wenn du umkehrst, lasse ich dich umkehren und wieder vor mir stehen. Wenn du Edles hervorbringst und nicht Gemeines, darfst du wieder mein Mund sein. Jene werden umkehren zu dir, du aber kehre dich ihnen nicht zu!
20 Dann mache ich dich für dieses Volk zur bronzenen, festen Mauer. Mögen sie dich bekämpfen, sie werden dich nicht bezwingen; denn ich bin mit dir, um dir zu helfen und dich zu retten – Spruch des HERRN.
21 Ja, ich rette dich aus der Hand der Bösen, ich befreie dich aus der Faust der Tyrannen.

Heute ist der Gedenktag der Hl. Marta von Betanien. Sie ist die Schwester der Maria und des Lazarus und von ihr können wir viel lernen. Im Evangelium hören wir von ihrem starken Glauben. Doch zuerst hören wir in der ersten Lesung aus der zweiten Konfession Jeremias. Dabei handelt es sich um Texte des Propheten, in denen er seine Berufung als Unheilsprophet beklagt. Er hat eine ganz schön undankbare Aufgabe und wird dafür stets angefeindet. Jeremia neigt insgesamt zum Pessimismus. Wenn er auf Widerstände trifft, klagt er sehr drastisch und hat auch große Selbstzweifel Gott gegenüber geäußert, als dieser ihn berufen hat.
Jeremia ist sehr dramatisch, wenn er bereut, von seiner Mutter geboren worden zu sein. Denn wäre er nicht in die Welt gekommen, hätte die Welt einen Feind weniger, den unbeliebten Propheten, der stets das Gericht Gottes ankündigt. Den will keiner hören. Obwohl er kein Gläubiger oder Schuldner von Beruf ist, fluchen alle über ihn. Und doch tröstet und erfreut es den Propheten, wenn Gott mit ihm kommuniziert. Er ist sein einziger Halt in seinem Leben. Freude erfährt er nämlich nicht bei den Menschen. Er ist ein Außenseiter, weil er an der Feierlaune der Welt keinen Anteil hat. Er ist isoliert und voller Groll.
Er klagt über das Leiden, das er stets ertragen muss – allein wegen seiner unbeliebten Rolle als Unheilsprophet. Er beklagt sich bei Gott darüber, dass dieser ihm nie zuverlässig Heilung schenkt – gemeint ist, dass Gott ihn nicht „in Ruhe lässt“, sondern immer wieder in Konfrontationen mit der Welt schickt, sodass Jeremia mindestens beschimpft und verspottet wird. In dieser Hinsicht ist Gott „ein unzuverlässiges Wasser“. Jeremia weiß nie, wann Gott ihn wieder losschickt.
Gott hat Geduld mit seinem Propheten und an Jeremia erkennen wir, dass Gott nicht die Perfekten beruft. Der Pessimismus ist seine Schwäche und doch möchte Gott ihn weiterhin als sein Sprachrohr gebrauchen. Gott antwortet ihm auf seine Klagen und versichert ihm, dass er weiterhin seine Berufung leben darf, wenn er zu Gott umkehrt. Er soll von den Zweifeln und Klagen zu Gott umkehren und ihm wieder ganz vertrauen. Wenn Jeremia seinen Pessimismus und die zynische Haltung ablegt, darf er wieder Sprachrohr sein. Dann wird seine Verkündigung bei den Menschen eine Wirkung zeigen, er aber soll sich nicht der Welt zuwenden. Er soll nicht weltlich werden und dieser Versuchung erliegen.
Gott spricht dem Propheten seinen Beistand zu. Er wird ihn zur „bronzenen, festen Mauer“ machen, die auch durch die Angriffe der Mitmenschen nicht einstürzen wird. Auch wenn er ab und zu getroffen werden sollte, wird Gott nicht zulassen, dass sie ihn zerstören. Er steht ihm bei. So ist es mit Gott: Wenn wir eine schwere Aufgabe von ihm bekommen und unter der Ablehnung der Welt zu leiden haben, nimmt er uns das Leiden nicht, sondern verleiht uns Kraft, es zu ertragen. Er trägt uns hindurch und beschenkt uns zugleich mit seinen reichen Gnaden.
Und Jeremia muss keine Angst haben. Gott rettet ihn aus der Hand des Bösen. Gott redet dem Propheten gut zu, damit er nicht verzweifelt und an seinem Pessimismus zugrunde geht. Es ist wirklich deutlich, dass in der gesamten Hl. Schrift Gott auf die ganz unterschiedlichen Menschen eingeht und sie ihren Schwächen nicht überlässt. Ich denke z.B. an den barmherzigen Vater, der nicht nur für seinen verlorenen Sohn ein Fest veranstaltet, sondern auch herauskommt und sich seines älteren Sohnes annimmt. Ich denke an Jesus, der auf den zweifelnden Thomas eingeht und ihm die Wunden zeigt. Gott möchte alle Menschen in sein Herz schließen und geht dabei mit ganz viel Fingerspitzengefühl vor.

Ps 59
2 Entreiß mich meinen Feinden, mein Gott, beschütze mich vor meinen Gegnern!
3 Entreiß mich denen, die Unrecht tun, vor blutgierigen Männern rette mich!
4 Denn siehe: Sie lauerten mir auf, Mächtige greifen mich an. An mir, HERR, ist kein Frevel und keine Sünde.
5 Ich bin ohne Schuld.
10 Meine Stärke, an dich will ich mich halten, denn Gott ist meine schützende Burg.
11 Mein huldreicher Gott kommt mir entgegen; Gott lässt mich herabsehen auf meine Gegner.
17 Ich aber will deine Stärke besingen, über deine Huld jubeln am Morgen, denn du wurdest mir zur schützenden Burg, eine Zuflucht am Tag meiner Bedrängnis.

Als Antwort auf die Konfession Jeremias beten wir einen Klagepsalm Davids. Er ist durchzogen von Bitten und Klagen gegen den Feind. In dieser Hinsicht ist es zu vergleichen mit Jeremias Beschwerden.
„Entreiß mich meinen Feinden, mein Gott, beschütze mich vor meinen Gegnern!“ David hat viele Kriege geführt und musste von jeder Himmelsrichtung her gegen die Feinde ankommen. Er hat immer wieder Anlass zu dieser Bitte gehabt. Und auch in der Klagesituation hält er an Gott fest und nennt ihn „mein Gott“. Er sucht seine Nähe und klammert sich ganz an ihn.
Das ist aber auch, was Jesus gebetet hat, als er ständig vom Teufel versucht worden ist, damit er die Welt nicht erlöse. Und so wie er vertrauensvoll gebetet hat, so hat er auch uns gelehrt: „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“ Und immer wieder ergeht an uns der Ruf: „Bete, wenn du in Versuchung geführt wirst!“ Jesus hat die Hl. Schrift zitiert. Das ist ein guter Weg, gegen die Versuchungen des Bösen anzukommen. Diese Kriege stellen den eigentlichen Kampf des Menschen dar. Und als Jesus die größte Versuchung erfährt – nämlich die Gottverlassenheit am Kreuz -, da ruft auch er „mein Gott, mein Gott“. So wie David hält er in der Situation absoluter Dunkelheit an seinem Vater fest und sucht seine Nähe. Er bleibt mit ihm im „Gespräch“, anstatt die Beziehung zu ihm aufzugeben.
„Entreiß mich denen, die Unrecht tun, vor blutgierigen Männern rette mich!“ Das ist eine deutliche Bitte des Königs und Feldherrn David gegen den Blutrausch seiner Feinde. Gott soll diese abwehren, denn sie wollen Gottes auserwähltes Volk angreifen. Es ist aber auch an die Momente aus dem Leben Davids zu denken, in denen König Saul ihm nach dem Leben trachtete oder sein eigener Sohn Abschalom ihn umbringen wollte.
„Denn siehe: Sie lauerten mir auf, Mächtige greifen mich an.“ Auch dies deutet auf die hinterhältigen Tötungsabsichten Sauls und Abschaloms hin. David stellt Gott gegenüber aber klar, dass ihn keine Schuld trifft und sie ihn trotz seiner Unschuld umbringen wollen.
Gott ist seine Stärke, die er trotz eigener Notsituation besingen möchte. Ab Vers 17 bemerken wir den für Klagepsalmen typischen Stimmungsumschwung. David kann „jubeln am Morgen“, denn Gott wurde ihm „zur schützenden Burg, eine Zuflucht“. Gott lässt seinen geliebten König nicht im Stich, sondern hilft ihm in jeder Schlacht, den Krieg zu gewinnen. Er lässt ihn auch am Leben, als er von Saul und Abschalom verfolgt wird. Am Ende überlebt er alles und kommt davon. Gott hat mit ihm noch einiges vor und darin ist David Jeremia sehr ähnlich. So wie dieser muss David Verfolgung und Bedrängnis erleiden, doch Gott lässt nicht zu, dass beide getötet werden. Sie sind seine wunderbaren Werkzeuge und Gott möchte durch sie das Heil in der Welt bewirken.

Joh 11
19 Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten.
20 Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus sitzen.
21 Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.
22 Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.
23 Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.
24 Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Jüngsten Tag.
25 Jesus sagte zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,
26 und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?
27 Marta sagte zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

Weil heute der Gedenktag der Hl. Marta ist, hören wir einen Ausschnitt aus der Episode der Auferweckung des Lazarus. Als Jesus mit seinen Jüngern unterwegs nach Betanien ist, kommt Marta ihm entgegen, während Maria im Haus bleibt. Die beiden Frauen trauern sehr um ihren Bruder, der an einer Krankheit verstorben ist. Sie sind zunächst beide im Haus, wo viele Menschen zu ihnen kommen und sie trösten. Als Marta von Jesu Kommen hört, ist sie sofort unterwegs zu ihm. Das ist bezeichnend, denn Marta ist der aktive Part der Familie. Sie ist voller Tatendrang und führt viele Liebestaten aus. Aus dem Lukasevangelium ist uns ja die Episode überliefert, in der Marta Jesus bewirtet und Maria seinen Worten lauscht. Marta ist wirklich eine Frau der Tat! Maria dagegen ist der kontemplative Part der Familie, die Ruhende und Hörende, die sich auf Jesus einlässt und gut in sich gehen kann. Deshalb verwundert es auch nicht, dass Maria im Haus zurückbleibt. Und auch wenn Jesus den beiden Schwestern im Lukasevangelium erklärt, dass Maria den besseren Teil ausgewählt hat, als sie ihrer Schwester nicht geholfen hat, können die Schwestern ihren Charakter bzw. ihr Charisma nicht einfach verändern. Es wird ein wenig immer so bleiben, auch wenn Marta sich mehr um Kontemplation bemüht haben wird.
Warum aber geht Marta Jesus entgegen? Sie tut es nicht nur, weil sie ihn so ersehnt und so schnell wie möglich bei ihm sein möchte. Womöglich tut sie es, um Jesus nicht bis zum Haus kommen zu lassen, in dem Lazarus gestorben ist und wo deshalb für sieben Tage kultische Unreinheit herrscht. Vielleicht möchte sie nicht, dass Jesus danach isoliert sein muss. Andererseits: Sie selbst ist ja auch kultisch verunreinigt und dürfte somit gar nicht auf ihn zugehen. Also bezeugt sie durch dieses Verhalten vielmehr ihren starken Glauben, der stärker als die Furcht vor kultischer Unreinheit ist.
Sie ist voller Trauer und doch glaubt sie, dass Jesus vom Vater alles erbitten kann. Sie hadert nicht mit Jesus, auch wenn sie ihm sagt: „Wärst du hier gewesen, wäre er nicht gestorben.“ Ihr Gottvertrauen ist größer als ihre Trauer. Deshalb sagt sie: „Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.“
Jesus erklärt ihr, dass der Bruder nicht sterben wird. Sie versteht es so, dass Jesus die Auferstehung am letzten Tag meint. Jesus möchte aber sagen, dass es eine Auferstehung von den Toten auch schon vor dem Ende der Zeiten geben wird, nämlich eine Auferstehung der Seele, selbst beim Sterben des Leibes. Damit nimmt er vorweg, was uns allen geschenkt wird, wenn Jesus die ganze Welt erlöst. Er selbst ist die Auferstehung, weil mit seiner Person das ewige Leben dem Menschen ermöglicht wird, der an ihn glaubt.
In diesem Sinne verstehen wir es, wenn Jesus sagt, dass der Mensch leben wird, auch wenn er stirbt, ja sogar auf ewig nicht sterben wird. Dies bezieht sich dann auf das ewige Leben bei Gott, das wir zunächst seelisch haben bis zum Weltende, wo wir mit unseren Leibern wieder vereint werden.
Marta hat ihren geliebten Bruder verloren und doch vertraut sie auf den Herrn. Sie bekennt, dass Jesus der Messias ist. Das ist sehr erstaunlich, denn so ein Messiasbekenntnis ist sonst sehr selten überliefert. Wir wissen z.B. von Petrus, dass er Jesus als Messias offen bekennt. An diesem Gespräch zeigt sich uns, was für ein glaubensstarker Mensch Marta ist.

Marta, Jeremia, David. Alle drei befinden sich an der Schwelle des Todes und in einer akuten Leidenssituation. Wichtig ist, in ihren jeweiligen Lagen ganz auf Gott zu vertrauen und sich mit ganzer Kraft an ihn zu klammern. Jeremia hat sehr laut geklagt, doch trotzdem weiter gemacht. David hat kunstvoll geklagt und zugleich sehr vertrauensvoll gebetet. Marta nimmt kein Blatt vor den Mund und sagt: „Wärst du hier gewesen“ und zugleich vertraut sie Jesus, indem sie sagt: „Aber auch jetzt weiß ich“. Bitten wir die Hl. Marta um ihre Fürsprache, damit auch wir in unserem Leiden den Glauben an Gott nicht verlieren, sondern ganz auf sein Heil vertrauen.

Ihre Magstrauss

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