Donnerstag der 3. Woche im Jahreskreis

2 Sam 7,18-19.24-29; Ps 132,1-2.3 u. 5.11.12.13-14; Mk 4, 21-25

2 Sam 7
18 Da ging König David hin und setzte sich vor dem HERRN nieder und sagte: Wer bin ich, Herr und GOTT, und was ist mein Haus, dass du mich bis hierher geführt hast? 
19 Weil das in deinen Augen noch zu wenig war, Herr und GOTT, hast du dem Haus deines Knechtes sogar Zusagen für die ferne Zukunft gemacht. Ist das eine Weisung, wie sie einem Menschen zukommt, mein Herr und GOTT?
24 Du hast Israel auf ewig zu deinem Volk bestimmt und du, HERR, bist sein Gott geworden. 
25 Doch nun, HERR und Gott, verleih dem Wort, das du über deinen Knecht und über sein Haus gesprochen hast, für immer Geltung und tu, was du gesagt hast! 
26 Dann wird dein Name groß sein für ewige Zeiten und man wird sagen: Der HERR der Heerscharen ist Israels Gott! und das Haus deines Knechtes David wird vor deinen Augen Bestand haben. 
27 Denn du, HERR der Heerscharen, Gott Israels, hast deinem Knecht offenbart: Ich will dir ein Haus bauen. Darum fand dein Knecht den Mut, so zu dir zu beten: 
28 Ja, Herr und GOTT, du bist der einzige Gott und deine Worte sind wahr. Du hast deinem Knecht ein solches Glück zugesagt. 
29 So segne jetzt gnädig das Haus deines Knechtes, damit es ewig vor deinen Augen Bestand hat. Denn du, Herr und GOTT, hast es versprochen und mit deinem Segen wird das Haus deines Knechtes für immer gesegnet sein.

Heute hören wir in der Lesung ein wunderbares Herzensgebet Davids. Er schüttet Gott regelrecht sein Herz aus und wir erkennen darin eine ganz demütige Seele. David geht zum HERRN und setzt sich vor ihm nieder. Das heißt, er geht zum Tempel, dorthin, wo Gottes Herrlichkeit in der Bundeslade wohnt. Und er beginnt sein Gebet mit einer rhetorischen Frage: „Wer bin ich schon, dass du mich und meine Familie so weit gebracht hast?“ Das heißt nicht, dass er sich schlecht redet und sein Licht unter den Scheffel stellt, sondern dass er Gottes Wirken an ihm gewöhnlichen Menschen anerkennt. Wer ist er schon (für sich allein), dass Gott ausgerechnet ihn erwählt hat?
Wir Menschen müssen in unserem Leben erkennen, wie arm wir vor Gott sind. Nur dann können wir das Himmelreich erben (Mt 5,3). Alles Gute, das wir zustande bringen, haben wir Gott zu verdanken, der uns dazu befähigt. Wenn wir uns dessen immer bewusst sind, werden wir nie überheblich, auch nicht in unserem Erfolg. Dann werden wir selbst und die Menschen um uns herum immer die Gnade Gottes würdigen und erkennen, dass Gott in unserem Leben wirkt. Gewiss müssen wir selbst auch etwas tun, nämlich alles, was in unserer Macht steht. Dass wir dies aber tun können, ist wiederum seiner Gnade zu verdanken, die uns befähigt, mit Gott in Teamwork zu arbeiten. Auch gerade als Kirche dürfen wir nicht vergessen, dass wir ohne Gott sofort zerbrechen, nämlich wie eine Herde ohne Hirte, deren Tiere zerstreut werden. Dass wir eine Gemeinschaft von Gläubigen sind, haben wir Christus zu verdanken, der sie gestiftet hat. Unser ganzes kirchliches Leben muss aus Christus heraus vollzogen werden, damit es Bestand hat. Und nicht wir haben ihn erwählt, sondern er hat uns erwählt (Joh 15,6).
David dankt Gott für die ausführliche Verheißung, die ihm über Natan vermittelt worden ist. Er dankt ihm für die Zusagen auch in der Zukunft, die schon nicht mehr ihn selbst, sondern seinen Sohn betreffen. So ist Gottes Segen. Er geht immer über auf die nächsten Generationen. Das ist aber leider nicht nur mit Segen, sondern auch mit Fluch so. Wenn wir uns gegen Gott versündigt haben oder jemand uns Böses gewünscht hat, trifft es nicht nur uns, sondern auch unsere Nachkommen. Das heißt sie müssen wegen unserer Sünde leiden. Vergessen wir das nie, wenn wir meinen, unsere Sünden nicht bekennen zu müssen.
David bittet den HERRN daraufhin, sein Wort wirklich wahr zu machen. Das ist kein Ausdruck von Misstrauen. Wir wissen gerade von David, dass er ein ganz inniges Verhältnis zu Gott hatte und ihm immer ganz vertraut hat. David ist vielmehr davon überzeugt, dass er von Gott alles erbitten darf wie ein Kind auf dem Schoß des Vaters offen sprechen darf.
Der Name des HERRN wird dann groß sein, die Menschen werden so wie damals beim Auszug aus Ägypten den Gott Israels anerkennen, weil er so große Taten vollbracht hat.
David bekundet erneut, dass es für ihn nur den einen Gott gibt. Er bekundet seine Liebe einzig und allein dem Gott Israels und zeigt ihm, dass er ihm ganz glaubt.
Bemerkenswert ist der eine Satz, den man schnell überliest: „Deine Worte sind wahr.“ Er meint damit natürlich hier in diesem Kontext die Verheißungen, die er wahr werden lässt. Wir lesen dies aber noch viel tiefer. Die Worte Gottes sind zusammengefasst in einem einzigen Wort. Das erkennen wir, die wir das Johannesevangelium kennen, die wir vom Hl. Geist geleitet das gesamtbiblische Zeugnis lesen und verstehen. Jesus ist das WORT. Und er ist wirklich die Wahrheit (Joh 14,6). Wir verstehen schon christologisch, was König David noch gar nicht wissen konnte. Hier ist wieder mal der Hl. Geist im Spiel!
Zum Ende hin erbittet er den Segen Gottes auf sich und auf dem ganzen davidischen Haus. David versteht, dass sein ganzer Erfolg vom Segen Gottes abhängt. Das ist sehr vorbildlich. Auch wir können nur dann im Leben glücklich sein, wenn wir den Segen Gottes haben. Dann wird alles andere dazugegeben: ein guter Beruf, eine heile Familie, Frieden, Gesundheit etc. Das alles hängt davon ab, ob Gott seine „Hand über uns hält“. Das muss uns immer vor Augen stehen und deshalb sollen wir immer die Menschen um uns herum segnen, ihnen den Segen Gottes wünschen. Diesen haben wir aber nur dann, wenn unsere Beziehung zu ihm intakt ist, das heißt wenn wir seine Gebote halten und im Stand der Gnade sind (Dtn 11,26). Das bedeutet nicht, dass Gott Vorbehalte macht und seine Gnadenspendung an irgendwelche anspruchsvollen Bedingungen knüpft. Das heißt, dass wir Menschen die Gnadenmenge selbst entscheiden – je nachdem wie weit wir selbst uns von Gott entfernen. Gott ist immer derselbe. Er wartet geduldig Zuhause auf die Rückkehr seines rebellischen Sohnes/seiner rebellischen Tochter, die auszieht, um alles zu verprassen, nur um dann zu merken: „Ich bin ja gar nichts ohne meinen Vater. Nicht mal die Schoten für die Schweine darf ich essen.“ David ist ganz beim Vater und sagt ihm auch deutlich zu: Du bist der einzige für mich. Bitte segne mich.
Lernen wir von David, der so offen und vertrauensvoll mit Gott spricht. So muss Gebet sein. Es soll kein „Geplapper“ sein (das sagt übrigens nichts über die Quantität der Worte aus, sondern über die Qualität), bei dem das Herz und die Gedanken ganz weit weg sind. Es ist vielmehr ein Ausschütten des Herzens und ein Sitzen auf dem Schoß des Vaters. Gott zögert nicht, uns ganz mit seiner väterlichen – und mütterlichen! – Liebe zu umfangen, zu erfüllen, zu ermutigen. So werden wir verwandelt und gehen als neue Menschen aus dem Gebet heraus.
Das gilt nicht nur für Einzelmenschen, sondern für die gesamte Kirche. Wir werden Christus immer ähnlicher, wenn wir das Herz der Kirche immer mehr dem Herrn öffnen. Das Stichwort ist die Eucharistie. Wo sie nicht mehr gefeiert wird, stoppt auch der größte Gnadenstrom. Ohne diesen stirbt aber die Kirche. Deshalb beten wir auch so intensiv um geistliche Berufungen. Ohne Priester können wir keine Eucharistie mehr feiern.
Lassen wir uns heute von David motivieren, selbst so bei Gott zu sitzen, vor allem im ausgesetzten Allerheiligen. Da spüren wir am meisten, wie er uns direkt anschaut. Er hört uns zu und wir können ihm alles sagen. Erzählen wir ihm von unserem Tag, danken wir ihm für alles Gute und bitten wir ihn um seinen Segen für unser ganzes Leben. Und wenn wir dann still werden und ihm zuhören, antwortet er unserem Herzensgebet auch.

Ps 132
1 Ein Wallfahrtslied. Gedenke, HERR, zugunsten Davids all seiner Mühen,
2 wie er dem HERRN geschworen, gelobt hat dem Starken Jakobs: 
3 Nicht will ich das Zelt meines Hauses betreten noch zum Ruhen mein Lager besteigen,
5 bis ich für den HERRN eine Stätte finde, Wohnung für den Starken Jakobs.
11 Der HERR hat David Treue geschworen, nicht wird er von ihr lassen: Einen Spross deines Leibes will ich setzen auf deinen Thron. 
12 Wenn deine Söhne meinen Bund bewahren, mein Zeugnis, das ich sie lehre, dann sollen auch ihre Söhne auf deinem Thron sitzen für immer.
13 Denn der HERR hat den Zion erwählt, ihn begehrt zu seinem Wohnsitz:
14 Das ist für immer der Ort meiner Ruhe, hier will ich wohnen, ich hab ihn begehrt.

Wir beten heute ein Wallfahrtslied, weil es in der Lesung um das Gebet im Tempel geht. Die Gruppe der Wallfahrtspsalmen haben den gemeinsamen Kern, um Segen zu bitten. Deshalb passt er heute ganz besonders gut als Antwort auf die Lesung. Er hat wiederum viele Verse, deren geistlicher Sinn besonders christologisch ist.
Auch im Psalm geht es um die Bitte um den Segen Gottes. Gott wird daran erinnert, was er David versprochen hat. Der Beter – das sind die Wallfahrer nach Jerusalem zu den großen Wallfahrtsfesten – bekunden, dass sie alles daran setzen werden, Gott ein Haus zu bauen. Damit ist der Bau des Tempels in Jerusalem gemeint. Im Sinne Davids beten die Psalmisten, dass sie dadurch Gott die ihm gebührende Ehre geben wollen.
In Vers 11 wird daran erinnert, dass Gott David die Treue geschworen hat – dies ist uns gestern durch den Propheten Natan bekannt geworden. Mit dem „Spross deines Leibes“ ist Salomo gemeint, der leibliche Sohn Davids. Dieser soll den Königsthron besteigen, wenn sein Vater dahinscheidet. Die Metaphorik erinnert an Jesaja, dessen Verheißung 300 Jahre später kommt. Auch dort wird ein Spross dieser Familie vorausgesagt, der auf König Hiskija hindeutet. Wir lesen beide Stellen schon christologisch: Der „Spross des Leibes“ ist mehr als nur ein König. Es ist der Sohn Davids, Christus. Ebenso ist Jesajas Prophetie über König Hiskija hinauszugehen, denn der „Spross aus der Wurzel Isai“ ist der Sohn Davids, Christus. Darin wird die Verheißung und das Heil Gottes vervollkommnet. Dieser König ist nicht von dieser Welt und doch der König aller Könige. Hier geht es um mehr als nur ein irdisches „Glück“. Es geht um das Heil des Volkes in Ewigkeit.
Und in Vers 12 wird dieser Ewigkeitsgedanke besonders deutlich: Wenn die Söhne den Bund bewahren, werden auch sie, dann werden auch ihre Nachkommen auf dem Thron sitzen für immer. Das betrifft auch uns heute – denn das Sitzen auf dem Thron ist dann anagogisch zu verstehen als „Sein bei Gott“. Wenn wir den Bund mit Gott bewahren, also die Taufgnade nicht verspielen und im Stand der Gnade sterben, dann werden auch wir wie die 24 Ältesten und wie die Mutter Gottes im Himmel „thronen“.
Der HERR hat den Zion erwählt – natürlich nicht den Berg, sondern das meint sinnbildlich Jerusalem und das dortige Heiligtum. Denn der Tempel ist der Wohnsitz Gottes auf Erden. Wenn wir den nächsten Vers hinzuziehen, merken wir aber, dass es über die wörtlich-historische Bedeutung hinausgeht. „Für immer“ könnte im Kontext eines Liedes natürlich auch einfach ein rhetorisches Stilmittel sein. Der tiefere Sinn dahinter ist aber, dass „Zion“ und „Wohnsitz“ noch weitere Bedeutungen hat: Gott hat sich nämlich auf Erden als Wohnsitz eine Frau erwählt, durch die er in die Welt hineingeboren würde, Maria. Sie ist der Zion, der Berg, von dem die Weisung ausgeht, wie wir im Advent gehört haben. Sie wird zum Wohnsitz Christi, der neun Monate in ihrem Leib heranwächst. Maria ist Archetyp der Kirche. Diese ist der Wohnsitz Gottes auf Erden seit dem Neuen Bundesschluss. Diese hat Gott sich wirklich ausgesucht. Christus hat sich die Jünger ausgesucht, er hat ihnen aufgetragen, wie SEINE Kirche sein soll. Petrus soll der Fels sein, auf dem sie errichtet ist. Kirche ist von Christus gestiftet, nicht von Menschen selbstgemacht. Und deshalb sagt Jesus ihr auch zu: „Das ist für immer der Ort meiner Ruhe.“ Seine reale Gegenwart ist für immer gegeben. Er ist in seiner Kirche gegenwärtig, wie er als Mensch auf Erden gewandelt ist. Er besitzt jetzt nur eine andere Gestalt.
Wir müssen es auch auf jeden einzelnen Menschen beziehen. Gott hat jeden Menschen als sein Abbild geschaffen, er hat jeden Menschen erwählt, sein Kind zu sein. Jene, die dem Ruf folgen und zum Glauben an ihm kommen, lassen sich taufen und nehmen somit den Neuen Bund an. Gott nimmt von da an Wohnung in ihrem Herzen, der der Tempel des Hl. Geistes ist. Dieser Bund ist ewig und Gott ist treu. Er verlässt den Menschen niemals. Jesus hat uns vor seiner Himmelfahrt versprochen: „Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20).
Das Ganze ist vor allem anagogisch zu verstehen, was wir an den Stichworten „für immer“ und „Ruhe“ erkennen können. „Zion“ ist das Himmelreich. Es ist der „Wohnsitz“ Gottes und der Ort der Ruhe. Diese ist eine Frucht des Hl. Geistes. Nicht umsonst wird die Ewigkeit als ein ewiger Sabbat umschrieben. Und deshalb beten wir auch für unsere Verstorbenen: „Herr, gib ihm/ihr die ewige Ruhe.“

Mk 4
21 Er sagte zu ihnen: Zündet man etwa eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel oder unter das Bett? Stellt man sie nicht auf den Leuchter?

22 Denn es gibt nichts Verborgenes, das nicht bekannt werden soll, und nichts Geheimes, das nicht an den Tag kommen soll. 
23 Wenn einer Ohren hat zum Hören, so höre er! 
24 Weiter sagte er: Achtet auf das, was ihr hört! Nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden, ja, es wird euch noch mehr gegeben. 
25 Denn wer hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.

Gestern hörten wir im Evangelium von dem Gleichnis vom Sämann. Heute setzt sich die Gleichnisserie fort. Jesus geht es bei dem Gleichnis vom Sämann ja um die richtige Herzenshaltung der Menschen, um ihre Empfängnisbereitschaft des Samens Gottes, den er in seinem Wort ausstreut. Heute erklärt er anhand eines weiteren Bildes, wie das Hören funktioniert, von dem gestern auch die Rede war.
Jetzt kommt genau das Bild, das wir vorhin bei David ganz klar ausgeschlossen haben: Das Licht stellt man nicht unter den Scheffel oder unter das Bett. Es gehört auf den Leuchter. Ganz logisch. Wie ist das zum Gleichnis vom Sämann in Beziehung zu setzen? Das Licht, das entzündet wird, ist ein anderes Bild für den Samen. Es ist das Wort Gottes, das dem Menschen verkündet wird. Der Vorgang des Entzündens ist diese Verkündigung. Was nun mit diesem Licht gemacht wird, sind die verschiedenen Böden, auf die der Same fällt. Der Scheffel, von dem hier die Rede ist, ist eigentlich ein Hohlmaß jener Zeit. Man benutzt es auch für Gefäße, die dieses Maß besitzen. Hier ist also ein Gefäß gemeint, das man über das Licht stülpt. Wenn man dies tut, wird das Licht ja gelöscht. Dieses Bild ist also vergleichbar mit dem Dornengestrüpp oder der sengenden Hitze der Sonne aus dem ersten Gleichnis. Stellt man es dagegen auf den Leuchter, leuchtet es allen im Haus. Mit diesem Gleichnis wird das rechte Hören noch weitergeführt. Es stellt eine Weiterentwicklung dar. Es geht nicht mehr nur darum, dass man das Wort Gottes in sich aufnimmt und es in sein eigenes Denken, Sprechen und Handeln übernimmt, sondern dass man es auch weitergibt an andere! Das Licht soll auch anderen leuchten, sie wärmen, ihnen Hoffnung schenken. Gott entzündet uns nicht für uns selbst, sondern dass wir weitergeben. An anderer Stelle sagt Jesus „umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ (Mt 10,8). Das Fließen der Gnade gerät ins Stocken, wo wir sie für uns behalten. Nur wenn wir weitergeben, wird uns noch mehr und noch mehr gegeben ohne Ende.
Das wird uns am Ende des Evangeliums noch beschäftigen. Doch zunächst zu diesem Vers: Jesus begründet auch damit, dass nichts Geheimes geheim bleibe, dass alles ans Licht komme. Das ist in diesem Kontext weniger als Drohung gemeint, vielmehr als positive Konsequenz des Lichtes (natürlich sagt die Bibel auch, dass alle Geheimnisse offenbar werden, auch gerade die bösen Dinge. Hier in diesem Kontext geht es aber nicht darum). Es ist zu vergleichen mit dem Bild der Stadt auf dem Berg. Sie kann nicht verborgen bleiben (Mt 5,14). Wer durch die Gnade Gottes glänzt, die ins Herz eingepflanzt ist, kann nur auffallen. Je dunkler es um einen herum ist, desto heller erscheint das Licht auf dem Leuchter. Wir sollen dieses Licht auf dem Leuchter sein, das anderen Menschen strahlt. Wir sollen also zum Wort Gottes stehen, das heißt wir sollen zu Christus stehen. Nicht nur im Kämmerlein, sondern offen. Wir sollen nicht so feige sein, in einer Gruppe zu schweigen, wenn Jesus gelästert wird. Dann sollen wir mutig sein und für ihn einstehen. Wenn wir sehen, dass alle um uns herum gegen die Gebote verstoßen, die Liebe nicht leben, dann sollen wir nicht mitziehen, sondern dennoch zu Christus stehen. Das wird auffallen und zwar nicht immer nur positiv. Es wird viel gesellschaftlichen Druck geben, Druck von Freunden, von Familie. Aber es wird auch Menschen geben, die es berührt und die dadurch wiederum zum Glauben kommen. Wir entzünden Menschen also nicht nur durchs Predigen – und es gibt wirklich viele, die alle Menschen durch langes Einreden und mit hundert Bibelstellen bekehren wollen, am besten noch heute. Es ist wichtig, das Evangelium zu verkünden, aber das Entscheidende, das Menschen zum Glauben bringt, ist das gelebte Evangelium. Wir sehen es an Christus. Aus ganz Israel reisen die Menschen zu ihm wegen der Dinge, die er GETAN hat. Durch unser Verhalten geben wir das stärkste Zeugnis, das die anderen Menschen „entzündet“ und den „Samen Gottes ausstreut“. Wenn sie dann nachfragen, ist es an der Zeit, darüber zu sprechen.
Dann erfolgt wieder das oft formulierte Wort „Wer Ohren hat, der höre.“ Was damit gemeint ist, erklärte ich in meinem gestrigen Post, schauen Sie dort gerne vorbei! Es ist ein Hinhören und ein auf ihn Hören, das das gehorsame Befolgen des Willens Gottes mit einschließt.
„Achtet auf das, was ihr hört“ ist etwas unglücklich übersetzt. Wörtlich steht da eigentlich „seht, was ihr hört“. Es bekräftigt den vorherigen Vers. Wir sollen das Gehörte wirklich beachten im Sinne von befolgen. Wir sollen es vor Augen haben. Je nachdem, wie wir das Gehörte annehmen, werden wir gerichtet. Das Maß, mit dem wir messen, wird an uns angelegt. Wir verstehen das in dem Kontext richtig, wenn wir das zweite Verb beachten, das hier steht. Es geht nicht nur ums Messen, sondern auch ums Dazugeben (das griechische Verb ist προστίθημι prostithemi „dazugeben, hinzufügen“). Das ist so zu verstehen, wie ich es vorhin mit dem Fließen des Gnadenstroms umschrieben habe. Je nachdem, wie viel ich in mich aufnehme von der Gnade Gottes (Same/Licht) und an andere weitergebe (Licht auf dem Leuchter, dass es allen leuchte im Haus!), so viel wird mir wiederum dazugegeben. Es kommt immer nach wie ein nie endender Strom einer unversiegbaren Quelle. So ist der Hl. Geist, das lebendige Wasser. Was wir bekommen, geben wir weiter. Und so bekommen wir immer mehr, um es noch mehr weiterzugeben.
Wenn wir das erstmal richtig verstanden haben, wird uns auch der letzte Vers aufgehen: „Wer hat“ meint in diesem Kontext dann „wer den Samen/das Licht hat“. Wer sich entzünden ließ und das Licht auf den Leuchter stellte, wer den Samen in sich aufgenommen hat, wachsen ließ und Früchte trug, bekommt noch mehr. „Wer aber nicht hat“, das heißt kein Licht und keinen Samen, also den Scheffel darüberstülpte, den Samen verdorren/absterben ließ, dem wird auch noch weggenommen was er hat. Was kann er denn noch haben, wenn er beides verstreichen ließ? Den Zugang zum Gnadenstrom. Dieser stoppt, wo man einen Damm baut. Die Seele ist kein reißender Fluss mehr, sondern wird zu einem Stausee, dessen Wasser verfault und stinkt, weil es abgestanden ist. Es fließt keine Gnade mehr – und ich wiederhole, was ich oben gesagt habe: nicht wegen Gottes Begrenztheit, sondern weil MAN SELBST den Staudamm errichtet hat.

Wir können Lesung und Evangelium absolut zusammen lesen. David versteht, dass er ohne die Gnade Gottes überhaupt nicht weit kommt. Er erbittet Gottes Segen und bekundet ihm ganz deutlich, dass er sich ganz zur Verfügung stellt. Er betont Gott gegenüber auch, dass er der Einzige für ihn ist. Somit räumt David alle „Äste, jeden Dreck, Stein, Schlamm etc.“ aus dem Weg, dass der Gnadenstrom ganz und gar unverhindert fließen kann. Und David weiß, dass alles Gute, was er bisher erreicht hat, diesem Gnadenstrom Gottes zu verdanken ist. Es ist gleich der erste Satz, den er betet.
Und Jesus lädt seine Jünger damals und uns heute dazu ein, es David gleichzutun. Hüten wir uns davor, Staudämme zu errichten und die Gnade Gottes schön für uns selbst auszukosten. Hüten wir uns davor, den Hl. Geist in uns auszulöschen. Dies kommt einem seelischen Selbstmord gleich. Das wird Jesus an anderer Stelle noch mit dem Gleichnis der Talente verdeutlichen. Was Gott uns geschenkt hat, darüber haben nicht wir zu verfügen, sondern er. Wir haben gar kein Recht, die Begabungen, die er uns geschenkt hat, zu vergraben, absterben zu lassen. Diese sind da, um ANDEREN zu dienen. Wir sollen uns auch nicht anmaßen, diese Begabungen als unser eigenes Verdienst anzusehen. Bevor wir uns versehen, werden sie uns weggenommen. Ich habe selbst so etwas in meinem Umfeld gesehen. Da war z.B. eine Frau, die eine wunderschöne Stimme von Gott bekommen hat. Diese gab er ihr natürlich, damit sie ihn lobt und preist und die Menschen im Herzen berührt, dass auch sie Gott loben und preisen. Sie hat sich aber mit der Stimme selbst gerühmt. Was ist passiert? Sie wurde sehr krank und verlor ihre Stimme. Sie selbst hat erkannt, warum das passiert ist, und sagte mit eigenen Worten zu mir: „Das hat Gott zugelassen, weil ich mich mit Gottes Federn geschmückt habe. Ich habe nicht richtig verwendet, was er mir ausgeliehen hat.“ Sie bereute alles, kehrte um und siehe da, ihre Stimme kehrte mit den Jahren teilweise zurück. Von da an sang sie nur noch für Jesus.
Was Gott uns an Gnade schenkt, ist in sein Werk zu investieren, nicht für unsere Selbstbeweihräucherung. Und wenn wir zurückschauen auf unser Leben, dann sehen wir, wie viel Gott durch uns bewirkt hat. Dann können auch wir nur sagen: „Wer bin ich, dass du mich und mein Haus so weit hast kommen lassen?“

Hören, aufnehmen, fruchtbar sein, abfärben auf unseren Nächsten. Das ist die Art und Weise, wie wir evangelisieren sollen. Der Gnadenstrom wird dann nie enden. Wenn wir die Reihenfolge umdrehen, funktioniert es aber nicht mehr. Zuerst auf Gott hören und sich selbst verwandeln lassen. Dann kann man auch die anderen verwandeln. Aktivismus ohne eigenes Brennen führt ins Nirgendwo. Das sollten wir in der Pastoral immer wieder beherzigen.

Ihre Magstrauss

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