Mittwoch der 2. Osterwoche

Apg 5,17-26; Ps 34,2-3.4-5.6-7.8-9; Joh 3,16-21

Apg 5
17 Da erhoben sich voll Eifersucht der Hohepriester und alle, die auf seiner Seite standen, nämlich die Partei der Sadduzäer.
18 Und sie legten Hand an die Apostel und nahmen sie in öffentlichen Gewahrsam.
19 Ein Engel des Herrn aber öffnete nachts die Gefängnistore, führte sie hinaus und sagte:
20 Geht, tretet im Tempel auf und verkündet dem Volk alle Worte dieses Lebens!
21 Sie gehorchten und gingen bei Tagesanbruch in den Tempel und lehrten. Währenddessen kam der Hohepriester mit seinen Begleitern. Sie riefen den Hohen Rat und alle Ältesten der Söhne Israels zusammen; man schickte Boten zum Gefängnis, um die Apostel vorführen zu lassen.

22 Die Diener gingen, fanden sie aber nicht im Gefängnis. Sie kehrten zurück und meldeten:
23 Wir fanden das Gefängnis sorgfältig verschlossen und die Wachen vor den Toren stehen; als wir aber öffneten, fanden wir niemanden darin.
24 Der Tempelhauptmann und die Hohepriester waren ratlos, als sie das hörten, und wussten nicht, was nun werden sollte.
25 Da kam jemand und meldete ihnen: Siehe, die Männer, die ihr ins Gefängnis geworfen habt, stehen im Tempel und lehren das Volk.
26 Da ging der Tempelhauptmann mit seinen Leuten hin und holte sie, allerdings nicht mit Gewalt; denn sie fürchteten, vom Volk gesteinigt zu werden.

Durch die Apostel geschehen viele Zeichen und Wunder. Es kommt immer mehr zu einer Volksbewegung um sie herum. Die Menschen kommen zum Glauben an Christus und strömen dorthin, wo die Apostel sich aufhalten, um selbst von ihren Schatten geheilt zu werden. Dies stellt die Vorgeschichte der heutigen Lesung dar. So verstehen wir nun, warum der Hohepriester und die gesamte Tempellobby eifersüchtig reagieren.
Sie haben sich bis zum öffentlichen Auftreten der Apostel endlich in Sicherheit gewähnt, als sie Jesus Christus ans Kreuz gebracht haben. Sie dachten, dass sie nun endlich wieder das alleinige Sagen und den religiösen Einfluss auf die Bevölkerung hätten. Doch sie haben die Rechnung ohne die Apostel und vor allem den Hl. Geist gemacht. Ganze Volksscharen hören nun wieder nicht auf sie, sondern auf die Anhänger dieses Jesus, den sie beseitigt haben! Diese sind furchtlos und treten weiterhin öffentlich auf, obwohl sie ihnen unter Drohungen eingeschärft haben, es nicht zu tun.
So nehmen sie sie fest.
Doch Gott steht ihnen bei und befreit sie durch einen Engel aus dem Gefängnis. Dieser entsendet sie zum Tempel, das Wort Gottes zu predigen. Wenn der Engel sagt: „Verkündet dem Volk alle Worte dieses Lebens“, dann meint er damit das ewige Leben, auf das hin die Apostel leben.
Die Apostel hören darauf, was der Engel ihnen gebietet, und stehen schon bei Tagesanbruch wieder im Tempel, um das Wort Gottes zu verkünden. Man könnte aus menschlicher Logik heraus denken: „Ganz schön leichtsinnig!“ Aber so ist es nicht, wenn es um die Sache Gottes geht! Wenn er einem vorschreibt, etwas vermeintlich Riskantes zu tun, dann ist es das einzig Richtige! Und wenn man sein eigenes Leben dabei riskiert, sichert man sich dafür das ewige Leben, was doch so viel mehr wert ist!
Während sie also im Tempel lehren, trifft der Hohepriester und der Sanhedrin ein, um die verhafteten Apostel zu vernehmen. Als man die Apostel holen lässt, findet man sie in ihren Zellen nicht, obwohl diese verschlossen sind und Wächter sie bewachen.
Es ist also unmöglich, dass die Apostel den Ort hätten verlassen können. Deshalb lässt es den ganzen Hohen Rat sowie den Tempelhauptmann ratlos.
Und dann kommt die Pointe – ihnen wird gemeldet, dass eben jene vermissten Gefängnisinsassen im Tempel das Wort Gottes verkünden! Da das ganze Volk versammelt ist, werden die Gesuchten gewaltlos abgeführt, um vom Volk nicht gesteinigt zu werden. Dieses ist nämlich begeistert von dem, was sie verkünden.
Die Episode ist bemerkenswert, weil sie zeigt, dass der Geist Gottes in den Aposteln alle möglichen Wunder vollbringt, sogar die Befreiung aus einem geschlossenen Raum! Es erinnert an den auferstandenen Christus, der durch verschlossene Türen einen Raum betreten kann. Bei Gott ist nichts unmöglich und er sorgt wirklich für den Menschen, wenn es ihm ganz und gar um sein Reich geht.

Ps 34
2 Ich will den HERRN allezeit preisen; immer sei sein Lob in meinem Mund. 

3 Meine Seele rühme sich des HERRN; die Armen sollen es hören und sich freuen. 
4 Preist mit mir die Größe des HERRN, lasst uns gemeinsam seinen Namen erheben! 
5 Ich suchte den HERRN und er gab mir Antwort, er hat mich all meinen Ängsten entrissen. 
6 Die auf ihn blickten, werden strahlen, nie soll ihr Angesicht vor Scham erröten. 
7 Da rief ein Armer und der HERR erhörte ihn und half ihm aus all seinen Nöten.
8 Der Engel des HERRN umschirmt, die ihn fürchten, und er befreit sie.
9 Kostet und seht, wie gut der HERR ist! Selig der Mensch, der zu ihm sich flüchtet!

Heute beten wir einen wunderbaren Lobpreispsalm, mit dem wir Gottes große Taten rühmen.
„Ich will preisen“ ist ein typischer Psalmenbeginn – die Selbstaufforderung zum Lob. David bekundet sein „Jawort“ gegenüber Gott durch einen andauernden Lobpreis.
Mit „meine Seele“ wird das hebräische Wort נַפְשִׁ֑י nafschi übersetzt, was eigentlich viel mehr als nur die Seele meint. Das biblische Menschenbild ist nicht geteilt, sodass man sagen kann, er hat einen Körper und eine Seele. Vielmehr ist der Mensch ein Körper und eine Seele. Das hebräische Wort ist also umfassender zu übersetzen im Sinne von „mein Leben“. Es meint die gesamte Existenz des Menschen, die sich des HERRN rühmen soll. David möchte Gott in allen Lebenslagen, mit seinem ganzen Sein preisen. Er möchte das tun, was wir Menschen in der Ewigkeit dauerhaft vornehmen werden – den Lobpreis Gottes.
„Die Armen sollen es hören und sich freuen“ – warum haben die Armen einen Grund zur Freude? Wenn ein Mensch Gott mit allem preist, was er ist und hat, dann tut er dies auch durch die gelebte Nächstenliebe. Und deshalb können die Armen aufatmen, das heißt die Randständigen, Rechtlosen, die Witwen und Waisen, die Fremden und Kranken. Hier geht es um das Doppelgebot der Liebe. Je mehr jemand in Gott lebt, desto mehr gibt er sich auch für den Nächsten hin.
Auch die Lobaufforderung in Vers 4 ist typischer Psalmenstil. Oft ist diese auch so formuliert, dass der Psalmist die ganze Schöpfung oder Bereiche der Schöpfung zum Lob auffordert.
„Ich suchte den HERRN und er gab mir Antwort“ ist, was Jesus in seiner Verkündigung aufgreift, wenn er sagt: „Wer sucht, der findet. Wer anklopft, dem wird aufgetan.“ Hier könnte man die Verbform דָּרַ֣שְׁתִּי daraschti mit „ich habe aufgesucht“ übersetzen, denn Gott antwortet dem Suchenden. Gott ist es, der auch unsere Ängste von uns nimmt. Angst ist nicht vom Hl. Geist und deshalb ist der Mut/die Tapferkeit auch eine Frucht des Hl. Geistes.
Vers 6 ist eine wunderbare Reflektion dessen, wen man eigentlich anschauen soll – nämlich Gott. Wenn man auf ihn schaut und von ihm aus dann auf die Menschen, dann ist es die richtige Haltung. Dann wird man nicht auf das Ansehen der Person achten und sich vom Strahlen des Reichen beeinflussen lassen. Denn Gottes Licht übertönt alles Andere. Es wird auch auf das eigene Gesicht zurückfallen, sodass das einzige Ansehen der Person, auf die wir bei unseren Mitmenschen beachten sollen, die Reflektion des Lichtes Gottes ist. Und da ist es dann egal, ob es das Gesicht eines Armen oder Reichen ist. Und wenn sie die Ärmsten sind, so werden sie keinen Grund zur Scham haben. Gottes Gnade zeichnet sich in ihrem Gesicht ab, was gibt es Höheres?
So lesen wir in Vers 7, dass Gott die Gebete eines Armen erhört und ihn aus seinen Nöten erlöst.
Bei Gott gibt es kein „Nein“, nur ein „Ja“, „Anders“ oder „Später“.
Vers 8 greift einen wichtigen Gedanken auf, der uns an die Lesung erinnert: „Der Engel des HERRN umschirmt, die ihn fürchten, und er befreit sie.“ Er hat die Apostel wortwörtlich befreit und beschützt. Weil die Apostel Gott fürchten und sich ganz seinem Willen unterstellen, ist ihnen eine so spektakuläre Befreiung geschenkt worden.
„Kostet und seht, wie gut der HERR ist! Selig der Mensch, der zu ihm sich flüchtet!“ Dieses Schriftwort wird vom Priester sehr oft direkt vor dem Kommunionempfang gebetet, also eucharistisch ausgelegt. Ja, wir können kosten, wie gut der HERR ist, wenn wir ihn in uns aufnehmen und uns mit ihm vereinen. Er ist wie Balsam für unsere Seele und umhüllt uns ganz mit seiner Liebe und Barmherzigkeit. Dann ist es wirklich ein Zufluchtnehmen im Meer seiner Barmherzigkeit, ein Eintauchen in den tiefsten Grund seines für uns durchbohrten Herzens. Das sehen wir bei den Aposteln, die von dort ausgehend in die Freiheit geführt worden sind – im wahrsten Sinne des Wortes!

Joh 3
16 Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.

17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.
18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat.
19 Denn darin besteht das Gericht: Das Licht kam in die Welt, doch die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse.
20 Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden.
21 Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind.

Heute hören wir den Abschluss des Gesprächs Jesu mit Nikodemus. Dort werden mehrere wichtige Themen angeschnitten:
Zunächst geht es um die Liebe Gottes zu uns Menschen, aufgrund derer er sein Allerliebstes abgegeben hat – seinen einzigen Sohn. Gott möchte für uns alle, dass wir das ewige Leben haben, von dem wir schon in der Lesung gehört haben. Er möchte, dass wir alle gerettet werden, denn zu einem ewigen Leben bei ihm hat er uns alle ja berufen. Dafür sind wir geschaffen worden. Und für dieses Ziel ist ihm kein Mittel zu schade, auch wenn er das Kostbarste für den Menschen opfern muss. Das ist der Ausdruck der größten Liebe!
Jesus ist nicht in die Welt gekommen, um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten. Hier muss man genau lesen. Das Verb κρίνω krino heißt tatsächlich „richten“, muss in diesem Kontext aber richtig verstanden werden. Jesus wird die ganze Welt richten, was wir ja auch im Glaubensbekenntnis beten. Doch es ist zu unterscheiden, wann er was tut. Mit seinem ersten Kommen soll das Erlösungswerk vollbracht werden. Das meint sein Wort „damit die Welt gerettet werde.“ Wenn er als verherrlichter Menschensohn wiederkommen wird, dann wird er als Weltenrichter wirken. Im Johannesevangelium sagt Jesus aber jetzt schon immer wieder, dass die Menschen durch die Ablehnung des Evangeliums und seiner Person schon gerichtet sind – weil sie sich selbst gerichtet haben. Aber die Chancen zur Umkehr sind jetzt noch gegeben, solange Jesus noch nicht wiedergekommen ist. Solange wird auch keiner endgültig verurteilt – bis zum letzten Atemzug. Wir wissen nicht, was ein sterbender Mensch bis zu seinem Tod im Herzen bedacht hat, ob er seine Sünden bereut und sich der Barmherzigkeit Gottes anvertraut hat.
Jesus erklärt daraufhin Nikodemus, worin das Gericht besteht. Dafür gebraucht er Metaphern, die diesem etwas sagen: „Das Licht kam in die Welt (er meint damit sich selbst!), doch die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse.“ Wer ins Licht kommt, der zeigt, wie dreckig er wirklich ist. Deshalb bevorzugt er die Finsternis, weil man den Dreck dann nicht sieht. Wer zu Jesus kommt, sieht sich in erster Linie selbst mit seinem Dreck. Das hält der Mensch aber nicht aus, weil er dann dazu gedrängt wird, sich zu säubern. Das heißt, wer Christus zulässt, wird zur Umkehr berufen. Man wird vor die Entscheidung gestellt, sein Leben zu ändern. Das ist anstrengend und kostet Überwindung. Dabei ist es viel einfacher, weiterzumachen wie bisher. Was Jesus hier sagt, betrifft vor allem die religiöse Elite Israels. Diese Menschen genießen vor dem Volk hohe Achtung, doch wenn Jesus mit seinem Licht sie anstrahlt, sieht man plötzlich, wie dreckig sie eigentlich sind – wie korrupt und unwahrhaftig, wie heuchlerisch und ungläubig.
Das wollen sie aber vermeiden und tun alles daran, das Licht auszulöschen, um nicht entlarvt zu werden. Dies geschieht auch nach dem Tod Jesu, als nämlich die Apostel das Licht weitertragen in die ganze Welt. Licht und Wahrheit sind dabei dasselbe. Die Apostel verkünden die Wahrheit, die Jesus Christus ist, und sind dadurch selbst das Licht der Welt. Jesus hat es ihnen schon angekündigt. Die Menschen nehmen es bereitwillig auf und so werden ihnen die Augen aufgetan. Mit diesem erhellten Blick schauen die Menschen aber auch anders auf die religiöse Elite, die ihre gesellschaftliche Stellung gefährdet sieht. Deshalb muss auch bei den Aposteln das Licht ausgelöscht werden, bevor sie entlarvt werden.
Jesus spricht zum Schluss davon, dass wer die Wahrheit tut, kein Problem mit dem Licht hat. Wer wahrhaftig lebt, bei dem wird nichts entlarvt, sondern höchstens anerkannt. Und das ist ja sogar etwas Erstrebenswertes.
Deshalb ist es auch für uns Menschen heute so wichtig, dass wir wahrhaftig leben, in erster Linie uns selbst gegenüber. Petrus musste das besonders intensiv lernen, indem er sein wahres Ich kennen lernen musste (seine feige Natur, die ängstlich um sich selbst kreist). Erst als er diese Ehrlichkeit zu sich selbst gelernt hat, wurde er zu einem Menschen, den Gott als sein Werkzeug des Heils in dieser Welt einsetzen konnte.
Es gibt nichts, was nicht ans Licht kommt. Deshalb ist es entscheidend, ehrlich zu leben, auch in den kleinsten Dingen. Was dann ans Licht kommt, ist unser reines Herz, dem ein aufrichtiges Verhalten entspringt. Dann werden wir keine Angst haben, entlarvt zu werden, da es nichts gibt, was entlarvt werden muss.

Jesus spricht vor Nikodemus sehr viel über Licht und Dunkel im Kontext eines Nachtgesprächs. Es sind Anregungen und Appelle an den Pharisäer, auf dass er von der Dunkelheit ins Licht komme. Nach Jesu Tod wird dieser Mensch immer mehr zum Licht kommen und sich bekehren.
So führt Jesus uns alle vom Dunkel ins Licht, das heißt zur Erkenntnis. Jesus lehrt uns alle, damit wir ihn immer besser begreifen und ausgehend davon immer mehr in Liebe zu ihm wachsen.

Er möchte, dass alle gerettet werden, dass ich gerettet werde. Dafür hat er sein ganzes Blut bis auf den letzten Tropfen für mich ausgeblutet.

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 3. Woche im Jahreskreis

2 Sam 7,18-19.24-29; Ps 132,1-2.3 u. 5.11.12.13-14; Mk 4, 21-25

2 Sam 7
18 Da ging König David hin und setzte sich vor dem HERRN nieder und sagte: Wer bin ich, Herr und GOTT, und was ist mein Haus, dass du mich bis hierher geführt hast? 
19 Weil das in deinen Augen noch zu wenig war, Herr und GOTT, hast du dem Haus deines Knechtes sogar Zusagen für die ferne Zukunft gemacht. Ist das eine Weisung, wie sie einem Menschen zukommt, mein Herr und GOTT?
24 Du hast Israel auf ewig zu deinem Volk bestimmt und du, HERR, bist sein Gott geworden. 
25 Doch nun, HERR und Gott, verleih dem Wort, das du über deinen Knecht und über sein Haus gesprochen hast, für immer Geltung und tu, was du gesagt hast! 
26 Dann wird dein Name groß sein für ewige Zeiten und man wird sagen: Der HERR der Heerscharen ist Israels Gott! und das Haus deines Knechtes David wird vor deinen Augen Bestand haben. 
27 Denn du, HERR der Heerscharen, Gott Israels, hast deinem Knecht offenbart: Ich will dir ein Haus bauen. Darum fand dein Knecht den Mut, so zu dir zu beten: 
28 Ja, Herr und GOTT, du bist der einzige Gott und deine Worte sind wahr. Du hast deinem Knecht ein solches Glück zugesagt. 
29 So segne jetzt gnädig das Haus deines Knechtes, damit es ewig vor deinen Augen Bestand hat. Denn du, Herr und GOTT, hast es versprochen und mit deinem Segen wird das Haus deines Knechtes für immer gesegnet sein.

Heute hören wir in der Lesung ein wunderbares Herzensgebet Davids. Er schüttet Gott regelrecht sein Herz aus und wir erkennen darin eine ganz demütige Seele. David geht zum HERRN und setzt sich vor ihm nieder. Das heißt, er geht zum Tempel, dorthin, wo Gottes Herrlichkeit in der Bundeslade wohnt. Und er beginnt sein Gebet mit einer rhetorischen Frage: „Wer bin ich schon, dass du mich und meine Familie so weit gebracht hast?“ Das heißt nicht, dass er sich schlecht redet und sein Licht unter den Scheffel stellt, sondern dass er Gottes Wirken an ihm gewöhnlichen Menschen anerkennt. Wer ist er schon (für sich allein), dass Gott ausgerechnet ihn erwählt hat?
Wir Menschen müssen in unserem Leben erkennen, wie arm wir vor Gott sind. Nur dann können wir das Himmelreich erben (Mt 5,3). Alles Gute, das wir zustande bringen, haben wir Gott zu verdanken, der uns dazu befähigt. Wenn wir uns dessen immer bewusst sind, werden wir nie überheblich, auch nicht in unserem Erfolg. Dann werden wir selbst und die Menschen um uns herum immer die Gnade Gottes würdigen und erkennen, dass Gott in unserem Leben wirkt. Gewiss müssen wir selbst auch etwas tun, nämlich alles, was in unserer Macht steht. Dass wir dies aber tun können, ist wiederum seiner Gnade zu verdanken, die uns befähigt, mit Gott in Teamwork zu arbeiten. Auch gerade als Kirche dürfen wir nicht vergessen, dass wir ohne Gott sofort zerbrechen, nämlich wie eine Herde ohne Hirte, deren Tiere zerstreut werden. Dass wir eine Gemeinschaft von Gläubigen sind, haben wir Christus zu verdanken, der sie gestiftet hat. Unser ganzes kirchliches Leben muss aus Christus heraus vollzogen werden, damit es Bestand hat. Und nicht wir haben ihn erwählt, sondern er hat uns erwählt (Joh 15,6).
David dankt Gott für die ausführliche Verheißung, die ihm über Natan vermittelt worden ist. Er dankt ihm für die Zusagen auch in der Zukunft, die schon nicht mehr ihn selbst, sondern seinen Sohn betreffen. So ist Gottes Segen. Er geht immer über auf die nächsten Generationen. Das ist aber leider nicht nur mit Segen, sondern auch mit Fluch so. Wenn wir uns gegen Gott versündigt haben oder jemand uns Böses gewünscht hat, trifft es nicht nur uns, sondern auch unsere Nachkommen. Das heißt sie müssen wegen unserer Sünde leiden. Vergessen wir das nie, wenn wir meinen, unsere Sünden nicht bekennen zu müssen.
David bittet den HERRN daraufhin, sein Wort wirklich wahr zu machen. Das ist kein Ausdruck von Misstrauen. Wir wissen gerade von David, dass er ein ganz inniges Verhältnis zu Gott hatte und ihm immer ganz vertraut hat. David ist vielmehr davon überzeugt, dass er von Gott alles erbitten darf wie ein Kind auf dem Schoß des Vaters offen sprechen darf.
Der Name des HERRN wird dann groß sein, die Menschen werden so wie damals beim Auszug aus Ägypten den Gott Israels anerkennen, weil er so große Taten vollbracht hat.
David bekundet erneut, dass es für ihn nur den einen Gott gibt. Er bekundet seine Liebe einzig und allein dem Gott Israels und zeigt ihm, dass er ihm ganz glaubt.
Bemerkenswert ist der eine Satz, den man schnell überliest: „Deine Worte sind wahr.“ Er meint damit natürlich hier in diesem Kontext die Verheißungen, die er wahr werden lässt. Wir lesen dies aber noch viel tiefer. Die Worte Gottes sind zusammengefasst in einem einzigen Wort. Das erkennen wir, die wir das Johannesevangelium kennen, die wir vom Hl. Geist geleitet das gesamtbiblische Zeugnis lesen und verstehen. Jesus ist das WORT. Und er ist wirklich die Wahrheit (Joh 14,6). Wir verstehen schon christologisch, was König David noch gar nicht wissen konnte. Hier ist wieder mal der Hl. Geist im Spiel!
Zum Ende hin erbittet er den Segen Gottes auf sich und auf dem ganzen davidischen Haus. David versteht, dass sein ganzer Erfolg vom Segen Gottes abhängt. Das ist sehr vorbildlich. Auch wir können nur dann im Leben glücklich sein, wenn wir den Segen Gottes haben. Dann wird alles andere dazugegeben: ein guter Beruf, eine heile Familie, Frieden, Gesundheit etc. Das alles hängt davon ab, ob Gott seine „Hand über uns hält“. Das muss uns immer vor Augen stehen und deshalb sollen wir immer die Menschen um uns herum segnen, ihnen den Segen Gottes wünschen. Diesen haben wir aber nur dann, wenn unsere Beziehung zu ihm intakt ist, das heißt wenn wir seine Gebote halten und im Stand der Gnade sind (Dtn 11,26). Das bedeutet nicht, dass Gott Vorbehalte macht und seine Gnadenspendung an irgendwelche anspruchsvollen Bedingungen knüpft. Das heißt, dass wir Menschen die Gnadenmenge selbst entscheiden – je nachdem wie weit wir selbst uns von Gott entfernen. Gott ist immer derselbe. Er wartet geduldig Zuhause auf die Rückkehr seines rebellischen Sohnes/seiner rebellischen Tochter, die auszieht, um alles zu verprassen, nur um dann zu merken: „Ich bin ja gar nichts ohne meinen Vater. Nicht mal die Schoten für die Schweine darf ich essen.“ David ist ganz beim Vater und sagt ihm auch deutlich zu: Du bist der einzige für mich. Bitte segne mich.
Lernen wir von David, der so offen und vertrauensvoll mit Gott spricht. So muss Gebet sein. Es soll kein „Geplapper“ sein (das sagt übrigens nichts über die Quantität der Worte aus, sondern über die Qualität), bei dem das Herz und die Gedanken ganz weit weg sind. Es ist vielmehr ein Ausschütten des Herzens und ein Sitzen auf dem Schoß des Vaters. Gott zögert nicht, uns ganz mit seiner väterlichen – und mütterlichen! – Liebe zu umfangen, zu erfüllen, zu ermutigen. So werden wir verwandelt und gehen als neue Menschen aus dem Gebet heraus.
Das gilt nicht nur für Einzelmenschen, sondern für die gesamte Kirche. Wir werden Christus immer ähnlicher, wenn wir das Herz der Kirche immer mehr dem Herrn öffnen. Das Stichwort ist die Eucharistie. Wo sie nicht mehr gefeiert wird, stoppt auch der größte Gnadenstrom. Ohne diesen stirbt aber die Kirche. Deshalb beten wir auch so intensiv um geistliche Berufungen. Ohne Priester können wir keine Eucharistie mehr feiern.
Lassen wir uns heute von David motivieren, selbst so bei Gott zu sitzen, vor allem im ausgesetzten Allerheiligen. Da spüren wir am meisten, wie er uns direkt anschaut. Er hört uns zu und wir können ihm alles sagen. Erzählen wir ihm von unserem Tag, danken wir ihm für alles Gute und bitten wir ihn um seinen Segen für unser ganzes Leben. Und wenn wir dann still werden und ihm zuhören, antwortet er unserem Herzensgebet auch.

Ps 132
1 Ein Wallfahrtslied. Gedenke, HERR, zugunsten Davids all seiner Mühen,
2 wie er dem HERRN geschworen, gelobt hat dem Starken Jakobs: 
3 Nicht will ich das Zelt meines Hauses betreten noch zum Ruhen mein Lager besteigen,
5 bis ich für den HERRN eine Stätte finde, Wohnung für den Starken Jakobs.
11 Der HERR hat David Treue geschworen, nicht wird er von ihr lassen: Einen Spross deines Leibes will ich setzen auf deinen Thron. 
12 Wenn deine Söhne meinen Bund bewahren, mein Zeugnis, das ich sie lehre, dann sollen auch ihre Söhne auf deinem Thron sitzen für immer.
13 Denn der HERR hat den Zion erwählt, ihn begehrt zu seinem Wohnsitz:
14 Das ist für immer der Ort meiner Ruhe, hier will ich wohnen, ich hab ihn begehrt.

Wir beten heute ein Wallfahrtslied, weil es in der Lesung um das Gebet im Tempel geht. Die Gruppe der Wallfahrtspsalmen haben den gemeinsamen Kern, um Segen zu bitten. Deshalb passt er heute ganz besonders gut als Antwort auf die Lesung. Er hat wiederum viele Verse, deren geistlicher Sinn besonders christologisch ist.
Auch im Psalm geht es um die Bitte um den Segen Gottes. Gott wird daran erinnert, was er David versprochen hat. Der Beter – das sind die Wallfahrer nach Jerusalem zu den großen Wallfahrtsfesten – bekunden, dass sie alles daran setzen werden, Gott ein Haus zu bauen. Damit ist der Bau des Tempels in Jerusalem gemeint. Im Sinne Davids beten die Psalmisten, dass sie dadurch Gott die ihm gebührende Ehre geben wollen.
In Vers 11 wird daran erinnert, dass Gott David die Treue geschworen hat – dies ist uns gestern durch den Propheten Natan bekannt geworden. Mit dem „Spross deines Leibes“ ist Salomo gemeint, der leibliche Sohn Davids. Dieser soll den Königsthron besteigen, wenn sein Vater dahinscheidet. Die Metaphorik erinnert an Jesaja, dessen Verheißung 300 Jahre später kommt. Auch dort wird ein Spross dieser Familie vorausgesagt, der auf König Hiskija hindeutet. Wir lesen beide Stellen schon christologisch: Der „Spross des Leibes“ ist mehr als nur ein König. Es ist der Sohn Davids, Christus. Ebenso ist Jesajas Prophetie über König Hiskija hinauszugehen, denn der „Spross aus der Wurzel Isai“ ist der Sohn Davids, Christus. Darin wird die Verheißung und das Heil Gottes vervollkommnet. Dieser König ist nicht von dieser Welt und doch der König aller Könige. Hier geht es um mehr als nur ein irdisches „Glück“. Es geht um das Heil des Volkes in Ewigkeit.
Und in Vers 12 wird dieser Ewigkeitsgedanke besonders deutlich: Wenn die Söhne den Bund bewahren, werden auch sie, dann werden auch ihre Nachkommen auf dem Thron sitzen für immer. Das betrifft auch uns heute – denn das Sitzen auf dem Thron ist dann anagogisch zu verstehen als „Sein bei Gott“. Wenn wir den Bund mit Gott bewahren, also die Taufgnade nicht verspielen und im Stand der Gnade sterben, dann werden auch wir wie die 24 Ältesten und wie die Mutter Gottes im Himmel „thronen“.
Der HERR hat den Zion erwählt – natürlich nicht den Berg, sondern das meint sinnbildlich Jerusalem und das dortige Heiligtum. Denn der Tempel ist der Wohnsitz Gottes auf Erden. Wenn wir den nächsten Vers hinzuziehen, merken wir aber, dass es über die wörtlich-historische Bedeutung hinausgeht. „Für immer“ könnte im Kontext eines Liedes natürlich auch einfach ein rhetorisches Stilmittel sein. Der tiefere Sinn dahinter ist aber, dass „Zion“ und „Wohnsitz“ noch weitere Bedeutungen hat: Gott hat sich nämlich auf Erden als Wohnsitz eine Frau erwählt, durch die er in die Welt hineingeboren würde, Maria. Sie ist der Zion, der Berg, von dem die Weisung ausgeht, wie wir im Advent gehört haben. Sie wird zum Wohnsitz Christi, der neun Monate in ihrem Leib heranwächst. Maria ist Archetyp der Kirche. Diese ist der Wohnsitz Gottes auf Erden seit dem Neuen Bundesschluss. Diese hat Gott sich wirklich ausgesucht. Christus hat sich die Jünger ausgesucht, er hat ihnen aufgetragen, wie SEINE Kirche sein soll. Petrus soll der Fels sein, auf dem sie errichtet ist. Kirche ist von Christus gestiftet, nicht von Menschen selbstgemacht. Und deshalb sagt Jesus ihr auch zu: „Das ist für immer der Ort meiner Ruhe.“ Seine reale Gegenwart ist für immer gegeben. Er ist in seiner Kirche gegenwärtig, wie er als Mensch auf Erden gewandelt ist. Er besitzt jetzt nur eine andere Gestalt.
Wir müssen es auch auf jeden einzelnen Menschen beziehen. Gott hat jeden Menschen als sein Abbild geschaffen, er hat jeden Menschen erwählt, sein Kind zu sein. Jene, die dem Ruf folgen und zum Glauben an ihm kommen, lassen sich taufen und nehmen somit den Neuen Bund an. Gott nimmt von da an Wohnung in ihrem Herzen, der der Tempel des Hl. Geistes ist. Dieser Bund ist ewig und Gott ist treu. Er verlässt den Menschen niemals. Jesus hat uns vor seiner Himmelfahrt versprochen: „Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20).
Das Ganze ist vor allem anagogisch zu verstehen, was wir an den Stichworten „für immer“ und „Ruhe“ erkennen können. „Zion“ ist das Himmelreich. Es ist der „Wohnsitz“ Gottes und der Ort der Ruhe. Diese ist eine Frucht des Hl. Geistes. Nicht umsonst wird die Ewigkeit als ein ewiger Sabbat umschrieben. Und deshalb beten wir auch für unsere Verstorbenen: „Herr, gib ihm/ihr die ewige Ruhe.“

Mk 4
21 Er sagte zu ihnen: Zündet man etwa eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel oder unter das Bett? Stellt man sie nicht auf den Leuchter?

22 Denn es gibt nichts Verborgenes, das nicht bekannt werden soll, und nichts Geheimes, das nicht an den Tag kommen soll. 
23 Wenn einer Ohren hat zum Hören, so höre er! 
24 Weiter sagte er: Achtet auf das, was ihr hört! Nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden, ja, es wird euch noch mehr gegeben. 
25 Denn wer hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.

Gestern hörten wir im Evangelium von dem Gleichnis vom Sämann. Heute setzt sich die Gleichnisserie fort. Jesus geht es bei dem Gleichnis vom Sämann ja um die richtige Herzenshaltung der Menschen, um ihre Empfängnisbereitschaft des Samens Gottes, den er in seinem Wort ausstreut. Heute erklärt er anhand eines weiteren Bildes, wie das Hören funktioniert, von dem gestern auch die Rede war.
Jetzt kommt genau das Bild, das wir vorhin bei David ganz klar ausgeschlossen haben: Das Licht stellt man nicht unter den Scheffel oder unter das Bett. Es gehört auf den Leuchter. Ganz logisch. Wie ist das zum Gleichnis vom Sämann in Beziehung zu setzen? Das Licht, das entzündet wird, ist ein anderes Bild für den Samen. Es ist das Wort Gottes, das dem Menschen verkündet wird. Der Vorgang des Entzündens ist diese Verkündigung. Was nun mit diesem Licht gemacht wird, sind die verschiedenen Böden, auf die der Same fällt. Der Scheffel, von dem hier die Rede ist, ist eigentlich ein Hohlmaß jener Zeit. Man benutzt es auch für Gefäße, die dieses Maß besitzen. Hier ist also ein Gefäß gemeint, das man über das Licht stülpt. Wenn man dies tut, wird das Licht ja gelöscht. Dieses Bild ist also vergleichbar mit dem Dornengestrüpp oder der sengenden Hitze der Sonne aus dem ersten Gleichnis. Stellt man es dagegen auf den Leuchter, leuchtet es allen im Haus. Mit diesem Gleichnis wird das rechte Hören noch weitergeführt. Es stellt eine Weiterentwicklung dar. Es geht nicht mehr nur darum, dass man das Wort Gottes in sich aufnimmt und es in sein eigenes Denken, Sprechen und Handeln übernimmt, sondern dass man es auch weitergibt an andere! Das Licht soll auch anderen leuchten, sie wärmen, ihnen Hoffnung schenken. Gott entzündet uns nicht für uns selbst, sondern dass wir weitergeben. An anderer Stelle sagt Jesus „umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ (Mt 10,8). Das Fließen der Gnade gerät ins Stocken, wo wir sie für uns behalten. Nur wenn wir weitergeben, wird uns noch mehr und noch mehr gegeben ohne Ende.
Das wird uns am Ende des Evangeliums noch beschäftigen. Doch zunächst zu diesem Vers: Jesus begründet auch damit, dass nichts Geheimes geheim bleibe, dass alles ans Licht komme. Das ist in diesem Kontext weniger als Drohung gemeint, vielmehr als positive Konsequenz des Lichtes (natürlich sagt die Bibel auch, dass alle Geheimnisse offenbar werden, auch gerade die bösen Dinge. Hier in diesem Kontext geht es aber nicht darum). Es ist zu vergleichen mit dem Bild der Stadt auf dem Berg. Sie kann nicht verborgen bleiben (Mt 5,14). Wer durch die Gnade Gottes glänzt, die ins Herz eingepflanzt ist, kann nur auffallen. Je dunkler es um einen herum ist, desto heller erscheint das Licht auf dem Leuchter. Wir sollen dieses Licht auf dem Leuchter sein, das anderen Menschen strahlt. Wir sollen also zum Wort Gottes stehen, das heißt wir sollen zu Christus stehen. Nicht nur im Kämmerlein, sondern offen. Wir sollen nicht so feige sein, in einer Gruppe zu schweigen, wenn Jesus gelästert wird. Dann sollen wir mutig sein und für ihn einstehen. Wenn wir sehen, dass alle um uns herum gegen die Gebote verstoßen, die Liebe nicht leben, dann sollen wir nicht mitziehen, sondern dennoch zu Christus stehen. Das wird auffallen und zwar nicht immer nur positiv. Es wird viel gesellschaftlichen Druck geben, Druck von Freunden, von Familie. Aber es wird auch Menschen geben, die es berührt und die dadurch wiederum zum Glauben kommen. Wir entzünden Menschen also nicht nur durchs Predigen – und es gibt wirklich viele, die alle Menschen durch langes Einreden und mit hundert Bibelstellen bekehren wollen, am besten noch heute. Es ist wichtig, das Evangelium zu verkünden, aber das Entscheidende, das Menschen zum Glauben bringt, ist das gelebte Evangelium. Wir sehen es an Christus. Aus ganz Israel reisen die Menschen zu ihm wegen der Dinge, die er GETAN hat. Durch unser Verhalten geben wir das stärkste Zeugnis, das die anderen Menschen „entzündet“ und den „Samen Gottes ausstreut“. Wenn sie dann nachfragen, ist es an der Zeit, darüber zu sprechen.
Dann erfolgt wieder das oft formulierte Wort „Wer Ohren hat, der höre.“ Was damit gemeint ist, erklärte ich in meinem gestrigen Post, schauen Sie dort gerne vorbei! Es ist ein Hinhören und ein auf ihn Hören, das das gehorsame Befolgen des Willens Gottes mit einschließt.
„Achtet auf das, was ihr hört“ ist etwas unglücklich übersetzt. Wörtlich steht da eigentlich „seht, was ihr hört“. Es bekräftigt den vorherigen Vers. Wir sollen das Gehörte wirklich beachten im Sinne von befolgen. Wir sollen es vor Augen haben. Je nachdem, wie wir das Gehörte annehmen, werden wir gerichtet. Das Maß, mit dem wir messen, wird an uns angelegt. Wir verstehen das in dem Kontext richtig, wenn wir das zweite Verb beachten, das hier steht. Es geht nicht nur ums Messen, sondern auch ums Dazugeben (das griechische Verb ist προστίθημι prostithemi „dazugeben, hinzufügen“). Das ist so zu verstehen, wie ich es vorhin mit dem Fließen des Gnadenstroms umschrieben habe. Je nachdem, wie viel ich in mich aufnehme von der Gnade Gottes (Same/Licht) und an andere weitergebe (Licht auf dem Leuchter, dass es allen leuchte im Haus!), so viel wird mir wiederum dazugegeben. Es kommt immer nach wie ein nie endender Strom einer unversiegbaren Quelle. So ist der Hl. Geist, das lebendige Wasser. Was wir bekommen, geben wir weiter. Und so bekommen wir immer mehr, um es noch mehr weiterzugeben.
Wenn wir das erstmal richtig verstanden haben, wird uns auch der letzte Vers aufgehen: „Wer hat“ meint in diesem Kontext dann „wer den Samen/das Licht hat“. Wer sich entzünden ließ und das Licht auf den Leuchter stellte, wer den Samen in sich aufgenommen hat, wachsen ließ und Früchte trug, bekommt noch mehr. „Wer aber nicht hat“, das heißt kein Licht und keinen Samen, also den Scheffel darüberstülpte, den Samen verdorren/absterben ließ, dem wird auch noch weggenommen was er hat. Was kann er denn noch haben, wenn er beides verstreichen ließ? Den Zugang zum Gnadenstrom. Dieser stoppt, wo man einen Damm baut. Die Seele ist kein reißender Fluss mehr, sondern wird zu einem Stausee, dessen Wasser verfault und stinkt, weil es abgestanden ist. Es fließt keine Gnade mehr – und ich wiederhole, was ich oben gesagt habe: nicht wegen Gottes Begrenztheit, sondern weil MAN SELBST den Staudamm errichtet hat.

Wir können Lesung und Evangelium absolut zusammen lesen. David versteht, dass er ohne die Gnade Gottes überhaupt nicht weit kommt. Er erbittet Gottes Segen und bekundet ihm ganz deutlich, dass er sich ganz zur Verfügung stellt. Er betont Gott gegenüber auch, dass er der Einzige für ihn ist. Somit räumt David alle „Äste, jeden Dreck, Stein, Schlamm etc.“ aus dem Weg, dass der Gnadenstrom ganz und gar unverhindert fließen kann. Und David weiß, dass alles Gute, was er bisher erreicht hat, diesem Gnadenstrom Gottes zu verdanken ist. Es ist gleich der erste Satz, den er betet.
Und Jesus lädt seine Jünger damals und uns heute dazu ein, es David gleichzutun. Hüten wir uns davor, Staudämme zu errichten und die Gnade Gottes schön für uns selbst auszukosten. Hüten wir uns davor, den Hl. Geist in uns auszulöschen. Dies kommt einem seelischen Selbstmord gleich. Das wird Jesus an anderer Stelle noch mit dem Gleichnis der Talente verdeutlichen. Was Gott uns geschenkt hat, darüber haben nicht wir zu verfügen, sondern er. Wir haben gar kein Recht, die Begabungen, die er uns geschenkt hat, zu vergraben, absterben zu lassen. Diese sind da, um ANDEREN zu dienen. Wir sollen uns auch nicht anmaßen, diese Begabungen als unser eigenes Verdienst anzusehen. Bevor wir uns versehen, werden sie uns weggenommen. Ich habe selbst so etwas in meinem Umfeld gesehen. Da war z.B. eine Frau, die eine wunderschöne Stimme von Gott bekommen hat. Diese gab er ihr natürlich, damit sie ihn lobt und preist und die Menschen im Herzen berührt, dass auch sie Gott loben und preisen. Sie hat sich aber mit der Stimme selbst gerühmt. Was ist passiert? Sie wurde sehr krank und verlor ihre Stimme. Sie selbst hat erkannt, warum das passiert ist, und sagte mit eigenen Worten zu mir: „Das hat Gott zugelassen, weil ich mich mit Gottes Federn geschmückt habe. Ich habe nicht richtig verwendet, was er mir ausgeliehen hat.“ Sie bereute alles, kehrte um und siehe da, ihre Stimme kehrte mit den Jahren teilweise zurück. Von da an sang sie nur noch für Jesus.
Was Gott uns an Gnade schenkt, ist in sein Werk zu investieren, nicht für unsere Selbstbeweihräucherung. Und wenn wir zurückschauen auf unser Leben, dann sehen wir, wie viel Gott durch uns bewirkt hat. Dann können auch wir nur sagen: „Wer bin ich, dass du mich und mein Haus so weit hast kommen lassen?“

Hören, aufnehmen, fruchtbar sein, abfärben auf unseren Nächsten. Das ist die Art und Weise, wie wir evangelisieren sollen. Der Gnadenstrom wird dann nie enden. Wenn wir die Reihenfolge umdrehen, funktioniert es aber nicht mehr. Zuerst auf Gott hören und sich selbst verwandeln lassen. Dann kann man auch die anderen verwandeln. Aktivismus ohne eigenes Brennen führt ins Nirgendwo. Das sollten wir in der Pastoral immer wieder beherzigen.

Ihre Magstrauss