Freitag der 3. Woche im Jahreskreis

2 Sam 11,1-4a.c.5-10a.13-17; Ps 51,3-4.5-6b.6c.-7.10-11; Mk 4,26-34

2 Sam 11
1 Um die Jahreswende, zu der Zeit, in der die Könige in den Krieg ziehen, schickte David Joab mit seinen Knechten und ganz Israel aus und sie verwüsteten das Land der Ammoniter und belagerten Rabba. David selbst aber blieb in Jerusalem. 

2 Als David einmal zur Abendzeit von seinem Lager aufstand und auf dem Flachdach des Königspalastes hin- und herging, sah er von dort aus eine Frau, die badete. Die Frau war sehr schön anzusehen.
3 David schickte jemand hin, erkundigte sich nach ihr und sagte: Ist das nicht Batseba, die Tochter Ammiëls, die Frau des Hetiters Urija? 
4 Darauf schickte David Boten zu ihr und ließ sie holen. Dann kehrte sie in ihr Haus zurück.
5 Die Frau war aber schwanger geworden und schickte deshalb zu David und ließ ihm mitteilen: Ich bin schwanger. 
6 Darauf sandte David zu Joab und ließ ihm sagen: Schick den Hetiter Urija zu mir! Und Joab schickte Urija zu David. 
7 Als Urija zu ihm kam, fragte David, ob es Joab und dem Volk gut gehe und wie es mit dem Kampf stehe. 
8 Dann sagte er zu Urija: Geh in dein Haus hinab und wasch dir die Füße! Urija verließ das Haus des Königs und es wurde ihm ein Geschenk des Königs nachgetragen. 
9 Urija aber legte sich am Tor des Königshauses bei den Knechten seines Herrn nieder und ging nicht in sein Haus hinab. 
10 Man berichtete David: Urija ist nicht in sein Haus hinabgegangen.
13 David lud ihn ein, bei ihm zu essen und zu trinken, und machte ihn betrunken. Am Abend aber ging Urija weg, um sich wieder auf seinem Lager bei den Knechten seines Herrn niederzulegen; er ging nicht in sein Haus hinab. 
14 Am anderen Morgen schrieb David einen Brief an Joab und ließ ihn durch Urija überbringen. 
15 Er schrieb in dem Brief: Stellt Urija nach vorn, wo der Kampf am heftigsten ist, dann zieht euch von ihm zurück, sodass er getroffen wird und den Tod findet! 
16 Joab hatte die Stadt beobachtet und er stellte Urija an einen Platz, von dem er wusste, dass dort besonders tüchtige Krieger standen. 
17 Als dann die Leute aus der Stadt einen Ausfall machten und gegen Joab kämpften, fielen einige vom Volk, das heißt von den Kriegern Davids; auch der Hetiter Urija fand den Tod.

Heute lesen wir schließlich von dem, was ich die letzten Tage immer wieder angekündigt habe: von dem größten Fehltritt Davids in seinem Leben.
An seinem Beispiel sehen wir, wie eine Sünde gleich mehrere andere Sünden nach sich zieht. Wir lesen auch, wie Begierde funktioniert, wie sie den moralischen Tod bringt.
Alles beginnt mit einem Abendspaziergang auf dem Dach. König David läuft auf dem Flachdach seines Palastes auf und ab. Dabei sieht er, wie eine Frau sich badet. Er sieht sie. Die richtige Reaktion darauf wäre gewesen, direkt wieder wegzuschauen. Er konnte ja nicht ahnen, dass er so etwas zu Gesicht bekommen würde. Durch das Sehen der Augen wird sehr schnell die Begierde im Herzen entfacht. Deshalb ist das Wegschauen die gesunde schamhafte Reaktion. Im Garten Eden war es noch so, dass Adam und Eva sich voreinander nicht schämen mussten, obwohl sie nackt waren. Die Begierde war auch noch nicht in ihren Herzen, sodass die Scham als Schutzmechanismus noch nicht notwendig war. Nun ist es aber König David, ein Mensch, der mit der Erbsünde des ersten Menschenpaares belastet ist. Er schaut nicht weg. Er erkundigt sich sogar, wer diese Frau ist. Er lässt zu, dass die Begierde in seinem Herzen die Oberhand gewinnt. Die bösen Gedanken, die in ihm aufkeimen, werden zur Sprache gebracht. Er möchte ihre Identität wissen und lässt schließlich nach ihr rufen. Letztendlich setzt er seine bösen Absichten in die Tat um und begeht mit ihr Ehebruch. So funktioniert die Sünde in jedem Menschen. Zuerst wird der Mensch durch seine Sinne oder andere Faktoren getriggert. Dies nennen wir Versuchung. Das geschieht tagtäglich und ist noch nichts Verwerfliches. Dies wird sie erst dadurch, dass man sie nicht direkt ausmerzt oder ablehnt. David schaut nicht weg. Er starrt die Frau an, denn es heißt „die Frau war sehr schön anzusehen“. Er schaut zumindest so lange hin, dass er trotz der Tageszeit etwas Genaueres über ihr Aussehen sagen kann. Er lässt zu, dass die Versuchung ihn besiegt. Er lässt die bösen Gedanken zu. Wenn uns irgendetwas Sündiges in den Sinn kommt, sollen wir den Gedanken abstreifen. Das ist die richtige Reaktion auf die Versuchung. Denn nur so verhindern wir, dass die Gedanken zu Worten werden und die Worte dann schließlich zur Tat übergehen. David lässt es aber zu. Noch mehr. Er erkundigt sich nach ihr. Spätestens jetzt sollte er von alledem die Finger lassen, denn er weiß jetzt erstens, dass sie verheiratet ist, zweitens dass sie keine Israelitin ist. Zumindest ist Urija, ihr Mann, ein Hethiter. Die Hethiter wiederum glauben an tausende Götter und nehmen den Gott Israels nicht an. Spätestens jetzt hätte David einen Schlussstrich ziehen müssen. Aber nein, mit seinem erlangten Wissen setzt er dennoch die böse Tat um, er holt sie zu sich und schläft mit ihr. Was er begeht, ist eine der schwersten Todsünden. Er weiß genau, dass seine Tat eine Sünde gegen das sechste Gebot ist, er tut es in vollem Wissen, nicht spontan, sondern vorbereitet, er tut es freiwillig. Alle klassischen Kriterien für eine Todsünde sind in seinem Fall gegeben. Das Hinterhältige an der Tat ist noch, dass er die Situation ausnutzt, dass Urija gerade gegen die Ammoniter kämpft.
Nach dem Ehebruch entlässt er sie nach Hause, als wäre nichts gewesen.
Sünden haben immer Konsequenzen. Je schwerwiegender sie sind, desto mehr Sünden ziehen sie wiederum nach sich. Batseba wird schwanger. Davids unverantwortliche Tat kann nicht mehr verborgen bleiben. Spätestens jetzt hätte er sich entscheiden müssen, die Sünde zu gestehen und alles aufzuklären. Aber nein, er denkt sich eine Intrige aus, um seine Tat weiterhin zu verdecken. Als Urija von der Schlacht zurückkehrt, macht er ihn betrunken. Er erhofft sich, dass er nach Hause gehen und mit seiner Frau schlafen würde. So würde ihre Schwangerschaft auf ihn selbst zurückgeführt werden. Doch Urija ist zu gottesfürchtig. Das ist übrigens sehr bemerkenswert. Als Hetiter respektiert er die Bundeslade so sehr, dass er ihr zuliebe nicht nach Hause geht. Diese muss nämlich unter freiem Himmel stehen. Sehr ironisch und für uns Hörer noch schmerzhafter. Dieser arme Mann hat es nicht verdient, so einer Intrige anheim zu fallen!
Davids Plan scheitert an der Gottesfurcht eines Hetiters. Kurzerhand muss er umdisponieren und entschließt sich zu einer noch größeren Katastrophe. Er will es darauf anlegen lassen, dass Urija im Krieg ganz sicher fällt. Er verfasst sogar einen Brief an den Feldherrn Joab, indem er ihm aufträgt, Urija an die Spitze zu stellen und ihm im hitzigen Gefecht nicht zu helfen, sodass er stirbt. Das ist eine weitere sehr schwerwiegende Sünde. Man kann es sogar (Auftrags-)Mord nennen, weil es ein sorgfältig vorbereitetes Tötungsdelikt ist. Auch hier erfüllt David alle Kriterien für eine Todsünde. Er kennt die zehn Gebote und tut sie dennoch. Er tut es auch freiwillig, denn Batseba setzt ihm keine „Pistole auf die Brust“. Er zieht auch nicht die Möglichkeit in Betracht, seine Sünde einfach einzugestehen. Gott hat ihm ja die Chance gegeben, indem er die Schwangerschaft Batsebas zugelassen hat.
Urija stirbt und David nimmt dessen Frau offiziell zur Frau. Ich spoilere jetzt einfach mal: Das Kind wird leider sterben. David und Batseba werden aber noch ein weiteres Kind bekommen und dieses wird Gott zu seinem Werkzeug machen – Salomo. Wir sehen also, dass Gott selbst auf krummen Seiten gerade schreiben kann. Gott benutzt unsere armselige sündhafte Natur und kann alles zu Gold wandeln.
Was David heute gemacht hat, ist sehr schrecklich. Er hat nicht nur eine Todsünde begangen, sondern gleich mehrere. Er hat intrigant gehandelt und somit mehrfach gegen das achte Gebot verstoßen (du sollst nicht lügen). Der Ehebruch und der Mord haben ihn in einen tiefen Abgrund gezogen.
Gott wird sich das nicht gefallen lassen. Er wird ihn durch den Propheten Natan konfrontieren und David wird von Herzen bereuen, was er getan hat. Das ist das Entscheidende, weshalb Gott ihn als König nicht verwerfen wird. Gott ist treu und David, möge die Sünde noch so groß sein, liebt Gott. Er hat sich von seiner Begierde leiten lassen, aber im Nachhinein hat er es abgrundtief bereut. An dieser Geschichte sehen wir, dass Gott uns alles vergeben möchte, wenn wir wirklich aufrichtig bereuen, umkehren und uns vornehmen, die Sünden nicht mehr zu tun.

Ps 51
3 Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen! 
4 Wasch meine Schuld von mir ab und mach mich rein von meiner Sünde! 
5 Denn ich erkenne meine bösen Taten, meine Sünde steht mir immer vor Augen.
6 Gegen dich allein habe ich gesündigt, ich habe getan, was böse ist in deinen Augen. So behältst du recht mit deinem Urteilsspruch, lauter stehst du da als Richter.
7 Siehe, in Schuld bin ich geboren und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen.
10 Lass mich Entzücken und Freude hören! Jubeln sollen die Glieder, die du zerschlagen hast. 
11 Verbirg dein Angesicht vor meinen Sünden, tilge alle Schuld, mit der ich beladen bin! 

Der Psalm 51 eröffnet uns Davids Herz, das durch und durch von Reue erfüllt ist. Er betet „Gott, sei mir gnädig“. Er vertraut auf die Barmherzigkeit Gottes, obwohl er so schlimme Dinge getan hat. Er glaubt, dass Gottes Liebe größer ist als seine schlimmsten Sünden. Er bittet den Herrn, dass er in seiner Barmherzigkeit seine Sünden tilgt, dass er seine Schuld abwasche. Er bekennt seine Sünden und ist sich ihrer stets bewusst. Er vergisst zeitlebens nie, was er Gott und den Menschen angetan hat.
Er bekennt und das ist für uns genau die vorbildliche Haltung: Wenn wir gesündigt haben, möchte Gott uns mit seiner Barmherzigkeit umfangen. Wie der verlorene Sohn können wir jederzeit zum Vater zurückkehren. Mit welcher Haltung? Wir zeigen unsere tiefe Reue und bekennen, was wir Böses getan haben. Der Vater weiß es schon längst, aber wir sollen es mit eigenen Worten kundtun, uns und ihm eingestehen, was wir getan haben. Dies tun wir Katholiken im Beichtsakrament. Durch den Priester vergibt uns Jesus dann, er tilgt unsere Sünden, er wäscht uns rein in seiner Barmherzigkeit. Wir bekunden vor ihm, dass wir uns von Herzen vornehmen, von nun an anders zu leben und diese Sünden nicht mehr zu tun. Wir signalisieren ihm, dass wir die Sünden auch wieder gut machen.
David bekennt seine Sünden, er weiß, dass er vor Gott gesündigt hat. Er versteht sich mit diesem Gebet vor Gott dem gerechten Richter und klagt sich selbst an.
Dann kommt etwas Bemerkenswertes in Vers 7. „In Schuld bin ich geboren und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen.“ Als Worte Davids ist dies nicht zu erklären, denn von seiner Herkunft wissen wir nichts über sündhafte Beziehungen. Er ist kein uneheliches Kind. Man könnte diese Worte eher verstehen, wenn sie aus dem Mund des Salomo ertönen würden.
Wir müssen den geistigen Sinn mit einbeziehen: Es ist eine gesamtmenschliche Beobachtung, die er hier zum Ausdruck bringt: Menschen sündigen. Sie sind schon im Zustand der Sünde empfangen worden. Das heißt, nicht die Empfängnis selbst ist Sünde, so als ob der Akt sündhaft wäre, sondern gemeint ist „im Zustand der Sünde“. Und dies ist sowohl auf die Mutter Davids zu beziehen als auch auf das gezeugte Kind David. Was er hier ausdrückt, nennen wir theologisch die Erbsünde. Der Mensch wird schon als gefallene Natur gezeugt, ohne dass er etwas dafür kann. Er ist schon zerbrochen, bevor er geboren wird. Es ist wie ein Virus, das alle Menschen im Griff hat. Er möchte damit sagen: „Herr, du weißt, dass es wie eine weitverbreitete Epidemie ist, dass Menschen nicht tun, was sie wollen, und tun, was sie nicht wollen.“ David wird sich selbst im Nachhinein fremd vorkommen und nicht wiedererkennen. Das ist, was Paulus in Röm 7,19 beschreibt.
David sagt dies nicht, um eine Ausrede für seine Sünden zu haben, sondern er klagt Gott diese allmenschliche Sündhaftigkeit, weil sie ihn belastet. Er hält Gott immer alles hin, was ihn beschäftigt. So haben wir bis heute einen Einblick dessen, was dieser Mensch gedacht und geglaubt hat.
Er sehnt sich nach Versöhnung mit Gott. Er hat sich bei ihm entschuldigt und um Verzeihung gebeten. Er weiß, dass es nun an Gott ist, ihm die Schuld zu vergeben. Deshalb bittet er ihn um „Entzücken und Freude“. Er möchte sozusagen zurück in den Stand der Gnade. Anstatt an seiner Sünde zu zerbrechen, möchte er Gott loben und preisen, wie er ist („jubeln sollen die Glieder, die du zerschlagen hast“).
Der letzte Vers drückt aus, was im Buch der Sprichwörter steht und sowohl der erste Petrusbrief als auch der Jakobusbrief aufgreifen: „Die Liebe deckt viele Sünden zu.“ (Spr 10,12; Jk 5,20; 1 Petr 4,8). Er möchte nicht, dass Gott „ein Auge zudrückt“, um sich vor den Konsequenzen seiner Sünde zu drücken. Er hat sie klar bekannt und nichts beschönigt. Gott hat ihn auch dafür zur Rechenschaft gezogen. Er hat schon seine Strafe bekommen und würde seine Vergehen ein Leben lang nicht vergessen. Was er möchte, ist Gottes Vergebung. Er möchte zur früheren, innigen Beziehung zu Gott zurückkehren. So sollen wir beten: Ganz klar unsere Sünden erkennen und zugeben, sie bereuen und vornehmen, sie nie mehr zu tun. Und doch dürfen und sollen wir Gottes Barmherzigkeit annehmen. Wir dürfen glauben, dass Gott uns alles vergibt, was wir bereuen. Gott „löscht“ diese Vergehen auch aus seinem „Gedächtnis“, auch wenn wir den entstandenen Schaden noch begleichen müssen. Von Exorzismen wissen wir, dass Dämonen die Anwesenden gerne bloßstellen, indem sie ihnen ihre Sünden vor allen Leuten aufsagen. Sie können dabei aber nur das ansprechen, was noch nicht gebeichtet ist. Alles Gebeichtete ist weg. Auch Gott wird uns keine der Sünden vorhalten, die schon gebeichtet und gesühnt ist. So groß ist Gottes Barmherzigkeit, dass er das gar nicht einmal mehr thematisiert, was komplett versöhnt ist. Und doch müssen wir aus unseren Vergehen Konsequenzen ziehen. Ein Heiliger meinte einmal zum Thema „Wie bleibe ich auf dem Boden und werde nicht überheblich?“: Man soll immer wieder an die schlimmste Sünde denken, die man jemals begangen hat. Dann wird man immer demütig bleiben. Von Petrus wissen wir ja, dass er Jesus verleumdet hat, ausgerechnet er, dem Jesus so sehr vertraut hat! Und er hat alles bereut und sein Leben lang nicht vergessen, was er getan hat. Warum? Nicht weil er der Barmherzigkeit Gottes nicht glauben wollte. Nicht weil er sich selbst nicht vergeben konnte. Sondern weil er seine eigene Schuldhaftigkeit, seine wahre Identität vor Gott nie vergessen wollte. In der Kunst wird Petrus deshalb sehr oft mit zwei Linien im Gesicht dargestellt: Es sind die Einkerbungen der abertausend Tränen, die er zeitlebens über die Verleumdung Jesu geweint hat. In dieser Hinsicht ist er mit König David sehr gut vergleichbar. Und wenn man Saul und David mit Petrus und Judas vergleicht, wird auch klar, was bei Gott entscheidend ist: Jeder Mensch fällt, sogar der vermeintlich beste. Entscheidend ist aber, dass er wieder aufsteht. David und Petrus haben dies getan. Saul und Judas nicht.

Mk 4
26 Er sagte: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; 
27 dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst und der Mann weiß nicht, wie. 
28 Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. 
29 Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.
30 Er sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben? 
31 Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät. 
32 Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, sodass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.
33 Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen konnten. 
34 Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen Jüngern aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen allein war.

Im Evangelium hören wir heute weitere Gleichnisse, die das Reich Gottes umschreiben.
Zunächst hören wir vom Samen auf dem Acker. Es ist vergleichbar mit dem Gleichnis vom Sämann. Dieses landwirtschaftliche Bildfeld ist für die Zuhörer Jesu einfach sehr lebensnah und wird deshalb mehrfach verwendet.
Das Säen von Samen auf einen Acker ist das Säen des Wortes Gottes auf die Menschen. Der Mann ist in dieser Situation Jesus, der seine Verkündigung an die gekommenen Menschen richtet. Diese sind somit der Acker. Später werden Jesu Jünger zu den säenden Menschen und Jesu Testament wird der Same sein, den sie auf den Acker der ganzen Welt streuen. Wir können dieses Bild auch auf Gott übertragen. Er ist der säende Landwirt, der seinen Sohn, das fleischgewordene Wort Gottes auf die Erde sät, damit er Frucht bringe in der Welt, die der Acker ist. So bricht das Reich Gottes auf dem Acker an. Dabei muss das Korn sterben, damit es reiche Frucht bringt. Es könnte also schon als Passionsbild gedeutet werden: Gott hat seinen einzigen Sohn für uns, den Acker hingegeben, damit wir gerettet werden. Jesus ist ja das Reich Gottes in Person. Es ist auch moralisch deutbar: Wir alle werden so zu säenden Menschen. Was wir säen, wächst, entwickelt sich und trägt Früchte, ohne dass wir nach dem Säen den weiteren Verlauf beeinflussen können. Die Früchte, die wir ernten, können dabei gut oder schlecht sein. Nicht umsonst heißt es, „ernten, was wir säen“. Das Wort, das wir zu anderen sprechen, kann so vieles bewirken – sowohl Gutes als auch Schlechtes. Was wir Gutes säen und was sich vermehrt, ist der Aufbau des Reiches Gottes. Schließlich ist es anagogisch zu deuten: Gott sät uns in diese Welt, die der Acker ist. Am Ende wird er uns ernten und je nachdem, ob wir gute oder schlechte Früchte geworden sind, trägt er uns in die Scheune oder ins Feuer. Die Sammlung der guten Früchte und das Erntefest, das nun gefeiert werden kann mit diesen Früchten, ist das Reich Gottes, das Himmelreich. Das Bild der Ernte ist in der Bibel oft eine Metapher für die Endzeit.
In der Evangelisierung ist es oft so, dass wir den Anfang machen, aber den weiteren Verlauf nicht mehr mitbekommen. Vielleicht erfahren wir noch von den Früchten, vielleicht aber auch nicht. Ich habe viele solcher Fälle erlebt. Da hat man eine Bemerkung gemacht oder ein kurzes Wort mit jemandem gesprochen und nicht geahnt, wie viel es bei dem Anderen ins Rollen gebracht hat. Eine lange Zeit später hat man diese Person wieder getroffen und sie ist ein ganz anderer Mensch geworden – ein brennender Christ. Wie es sich in der Zwischenzeit entwickelt hat, hat man nicht mitbekommen.
Ab Vers 30 bringt Jesus dann ein weiteres Gleichnis aus dem landwirtschaftlichen Bereich. Das Reich Gottes ist wie ein Senfkorn. Sie werden ein solches vielleicht schon einmal in Händen gehalten haben. Es ist wirklich sehr klein und steht im Gegensatz zu der imposanten Größe der ausgewachsenen Staude, das anderen Lebewesen noch Schatten bietet. Mit diesem Bild möchte Jesus verdeutlichen, dass seine Verkündigung alles andere als imposant beginnt. Er ist zunächst allein, die ersten Jünger sind seine Eltern. Dann kommen nach und nach Menschen hinzu. Die Art und Weise, wie Jesus verkündet, ist schlicht und unkompliziert. Sein Kommen in diese Welt ist schon so unscheinbar gewesen, dass Herodes bei der Erwähnung seiner Geburt aus allen Wolken gefallen ist. Jesus wurde in einem armen Stall geboren. Der große Gott hat sich so klein gemacht, dass er als bedürftiges Baby den Menschen erschienen ist! Wenn das keine Senfkorn-Mentalität ist, was dann? Jesus ist nicht mit Pomp gekommen, er hat seine Verkündigung auch nicht spektakulär betrieben. Er kam einfach zum Jordan und stellte sich zu den anderen Menschen. Johannes sagte sogar: „Unter euch steht einer, den ihr nicht kennt.“ Er ging zu einzelnen Menschen und sagte „komm und folge mir nach“. Wer ihn ansprach, den nahm er kurzerhand mit nach Hause. Mit dieser Schlichtheit und Demut sollen auch seine Jünger evangelisieren. So ist auch das Christentum im ganzen Römischen Reich verbreitet worden. Es war ein Erzählen von Jesus Christus zwischen Tür und Angel, oft waren es Soldaten, Kaufmänner, Sklaven. Es war eine Weitergabe von Mensch zu Mensch, ganz unscheinbar. Und es ist so herangewachsen, dass es im 4. Jh. zur Staatsreligion im Römischen Reich geworden ist! Bis heute ist es die weltweit größte Religion der Welt mit den meisten Mitgliedern. Es ist wirklich zu einer riesigen Senfpflanze geworden. Was mit ein paar Jüngern begann, ist jetzt zur Weltreligion geworden. Das Evangelium von Jesus Christus ist wirklich bis an die Enden der Welt gekommen.

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 3. Woche im Jahreskreis

2 Sam 7,18-19.24-29; Ps 132,1-2.3 u. 5.11.12.13-14; Mk 4, 21-25

2 Sam 7
18 Da ging König David hin und setzte sich vor dem HERRN nieder und sagte: Wer bin ich, Herr und GOTT, und was ist mein Haus, dass du mich bis hierher geführt hast? 
19 Weil das in deinen Augen noch zu wenig war, Herr und GOTT, hast du dem Haus deines Knechtes sogar Zusagen für die ferne Zukunft gemacht. Ist das eine Weisung, wie sie einem Menschen zukommt, mein Herr und GOTT?
24 Du hast Israel auf ewig zu deinem Volk bestimmt und du, HERR, bist sein Gott geworden. 
25 Doch nun, HERR und Gott, verleih dem Wort, das du über deinen Knecht und über sein Haus gesprochen hast, für immer Geltung und tu, was du gesagt hast! 
26 Dann wird dein Name groß sein für ewige Zeiten und man wird sagen: Der HERR der Heerscharen ist Israels Gott! und das Haus deines Knechtes David wird vor deinen Augen Bestand haben. 
27 Denn du, HERR der Heerscharen, Gott Israels, hast deinem Knecht offenbart: Ich will dir ein Haus bauen. Darum fand dein Knecht den Mut, so zu dir zu beten: 
28 Ja, Herr und GOTT, du bist der einzige Gott und deine Worte sind wahr. Du hast deinem Knecht ein solches Glück zugesagt. 
29 So segne jetzt gnädig das Haus deines Knechtes, damit es ewig vor deinen Augen Bestand hat. Denn du, Herr und GOTT, hast es versprochen und mit deinem Segen wird das Haus deines Knechtes für immer gesegnet sein.

Heute hören wir in der Lesung ein wunderbares Herzensgebet Davids. Er schüttet Gott regelrecht sein Herz aus und wir erkennen darin eine ganz demütige Seele. David geht zum HERRN und setzt sich vor ihm nieder. Das heißt, er geht zum Tempel, dorthin, wo Gottes Herrlichkeit in der Bundeslade wohnt. Und er beginnt sein Gebet mit einer rhetorischen Frage: „Wer bin ich schon, dass du mich und meine Familie so weit gebracht hast?“ Das heißt nicht, dass er sich schlecht redet und sein Licht unter den Scheffel stellt, sondern dass er Gottes Wirken an ihm gewöhnlichen Menschen anerkennt. Wer ist er schon (für sich allein), dass Gott ausgerechnet ihn erwählt hat?
Wir Menschen müssen in unserem Leben erkennen, wie arm wir vor Gott sind. Nur dann können wir das Himmelreich erben (Mt 5,3). Alles Gute, das wir zustande bringen, haben wir Gott zu verdanken, der uns dazu befähigt. Wenn wir uns dessen immer bewusst sind, werden wir nie überheblich, auch nicht in unserem Erfolg. Dann werden wir selbst und die Menschen um uns herum immer die Gnade Gottes würdigen und erkennen, dass Gott in unserem Leben wirkt. Gewiss müssen wir selbst auch etwas tun, nämlich alles, was in unserer Macht steht. Dass wir dies aber tun können, ist wiederum seiner Gnade zu verdanken, die uns befähigt, mit Gott in Teamwork zu arbeiten. Auch gerade als Kirche dürfen wir nicht vergessen, dass wir ohne Gott sofort zerbrechen, nämlich wie eine Herde ohne Hirte, deren Tiere zerstreut werden. Dass wir eine Gemeinschaft von Gläubigen sind, haben wir Christus zu verdanken, der sie gestiftet hat. Unser ganzes kirchliches Leben muss aus Christus heraus vollzogen werden, damit es Bestand hat. Und nicht wir haben ihn erwählt, sondern er hat uns erwählt (Joh 15,6).
David dankt Gott für die ausführliche Verheißung, die ihm über Natan vermittelt worden ist. Er dankt ihm für die Zusagen auch in der Zukunft, die schon nicht mehr ihn selbst, sondern seinen Sohn betreffen. So ist Gottes Segen. Er geht immer über auf die nächsten Generationen. Das ist aber leider nicht nur mit Segen, sondern auch mit Fluch so. Wenn wir uns gegen Gott versündigt haben oder jemand uns Böses gewünscht hat, trifft es nicht nur uns, sondern auch unsere Nachkommen. Das heißt sie müssen wegen unserer Sünde leiden. Vergessen wir das nie, wenn wir meinen, unsere Sünden nicht bekennen zu müssen.
David bittet den HERRN daraufhin, sein Wort wirklich wahr zu machen. Das ist kein Ausdruck von Misstrauen. Wir wissen gerade von David, dass er ein ganz inniges Verhältnis zu Gott hatte und ihm immer ganz vertraut hat. David ist vielmehr davon überzeugt, dass er von Gott alles erbitten darf wie ein Kind auf dem Schoß des Vaters offen sprechen darf.
Der Name des HERRN wird dann groß sein, die Menschen werden so wie damals beim Auszug aus Ägypten den Gott Israels anerkennen, weil er so große Taten vollbracht hat.
David bekundet erneut, dass es für ihn nur den einen Gott gibt. Er bekundet seine Liebe einzig und allein dem Gott Israels und zeigt ihm, dass er ihm ganz glaubt.
Bemerkenswert ist der eine Satz, den man schnell überliest: „Deine Worte sind wahr.“ Er meint damit natürlich hier in diesem Kontext die Verheißungen, die er wahr werden lässt. Wir lesen dies aber noch viel tiefer. Die Worte Gottes sind zusammengefasst in einem einzigen Wort. Das erkennen wir, die wir das Johannesevangelium kennen, die wir vom Hl. Geist geleitet das gesamtbiblische Zeugnis lesen und verstehen. Jesus ist das WORT. Und er ist wirklich die Wahrheit (Joh 14,6). Wir verstehen schon christologisch, was König David noch gar nicht wissen konnte. Hier ist wieder mal der Hl. Geist im Spiel!
Zum Ende hin erbittet er den Segen Gottes auf sich und auf dem ganzen davidischen Haus. David versteht, dass sein ganzer Erfolg vom Segen Gottes abhängt. Das ist sehr vorbildlich. Auch wir können nur dann im Leben glücklich sein, wenn wir den Segen Gottes haben. Dann wird alles andere dazugegeben: ein guter Beruf, eine heile Familie, Frieden, Gesundheit etc. Das alles hängt davon ab, ob Gott seine „Hand über uns hält“. Das muss uns immer vor Augen stehen und deshalb sollen wir immer die Menschen um uns herum segnen, ihnen den Segen Gottes wünschen. Diesen haben wir aber nur dann, wenn unsere Beziehung zu ihm intakt ist, das heißt wenn wir seine Gebote halten und im Stand der Gnade sind (Dtn 11,26). Das bedeutet nicht, dass Gott Vorbehalte macht und seine Gnadenspendung an irgendwelche anspruchsvollen Bedingungen knüpft. Das heißt, dass wir Menschen die Gnadenmenge selbst entscheiden – je nachdem wie weit wir selbst uns von Gott entfernen. Gott ist immer derselbe. Er wartet geduldig Zuhause auf die Rückkehr seines rebellischen Sohnes/seiner rebellischen Tochter, die auszieht, um alles zu verprassen, nur um dann zu merken: „Ich bin ja gar nichts ohne meinen Vater. Nicht mal die Schoten für die Schweine darf ich essen.“ David ist ganz beim Vater und sagt ihm auch deutlich zu: Du bist der einzige für mich. Bitte segne mich.
Lernen wir von David, der so offen und vertrauensvoll mit Gott spricht. So muss Gebet sein. Es soll kein „Geplapper“ sein (das sagt übrigens nichts über die Quantität der Worte aus, sondern über die Qualität), bei dem das Herz und die Gedanken ganz weit weg sind. Es ist vielmehr ein Ausschütten des Herzens und ein Sitzen auf dem Schoß des Vaters. Gott zögert nicht, uns ganz mit seiner väterlichen – und mütterlichen! – Liebe zu umfangen, zu erfüllen, zu ermutigen. So werden wir verwandelt und gehen als neue Menschen aus dem Gebet heraus.
Das gilt nicht nur für Einzelmenschen, sondern für die gesamte Kirche. Wir werden Christus immer ähnlicher, wenn wir das Herz der Kirche immer mehr dem Herrn öffnen. Das Stichwort ist die Eucharistie. Wo sie nicht mehr gefeiert wird, stoppt auch der größte Gnadenstrom. Ohne diesen stirbt aber die Kirche. Deshalb beten wir auch so intensiv um geistliche Berufungen. Ohne Priester können wir keine Eucharistie mehr feiern.
Lassen wir uns heute von David motivieren, selbst so bei Gott zu sitzen, vor allem im ausgesetzten Allerheiligen. Da spüren wir am meisten, wie er uns direkt anschaut. Er hört uns zu und wir können ihm alles sagen. Erzählen wir ihm von unserem Tag, danken wir ihm für alles Gute und bitten wir ihn um seinen Segen für unser ganzes Leben. Und wenn wir dann still werden und ihm zuhören, antwortet er unserem Herzensgebet auch.

Ps 132
1 Ein Wallfahrtslied. Gedenke, HERR, zugunsten Davids all seiner Mühen,
2 wie er dem HERRN geschworen, gelobt hat dem Starken Jakobs: 
3 Nicht will ich das Zelt meines Hauses betreten noch zum Ruhen mein Lager besteigen,
5 bis ich für den HERRN eine Stätte finde, Wohnung für den Starken Jakobs.
11 Der HERR hat David Treue geschworen, nicht wird er von ihr lassen: Einen Spross deines Leibes will ich setzen auf deinen Thron. 
12 Wenn deine Söhne meinen Bund bewahren, mein Zeugnis, das ich sie lehre, dann sollen auch ihre Söhne auf deinem Thron sitzen für immer.
13 Denn der HERR hat den Zion erwählt, ihn begehrt zu seinem Wohnsitz:
14 Das ist für immer der Ort meiner Ruhe, hier will ich wohnen, ich hab ihn begehrt.

Wir beten heute ein Wallfahrtslied, weil es in der Lesung um das Gebet im Tempel geht. Die Gruppe der Wallfahrtspsalmen haben den gemeinsamen Kern, um Segen zu bitten. Deshalb passt er heute ganz besonders gut als Antwort auf die Lesung. Er hat wiederum viele Verse, deren geistlicher Sinn besonders christologisch ist.
Auch im Psalm geht es um die Bitte um den Segen Gottes. Gott wird daran erinnert, was er David versprochen hat. Der Beter – das sind die Wallfahrer nach Jerusalem zu den großen Wallfahrtsfesten – bekunden, dass sie alles daran setzen werden, Gott ein Haus zu bauen. Damit ist der Bau des Tempels in Jerusalem gemeint. Im Sinne Davids beten die Psalmisten, dass sie dadurch Gott die ihm gebührende Ehre geben wollen.
In Vers 11 wird daran erinnert, dass Gott David die Treue geschworen hat – dies ist uns gestern durch den Propheten Natan bekannt geworden. Mit dem „Spross deines Leibes“ ist Salomo gemeint, der leibliche Sohn Davids. Dieser soll den Königsthron besteigen, wenn sein Vater dahinscheidet. Die Metaphorik erinnert an Jesaja, dessen Verheißung 300 Jahre später kommt. Auch dort wird ein Spross dieser Familie vorausgesagt, der auf König Hiskija hindeutet. Wir lesen beide Stellen schon christologisch: Der „Spross des Leibes“ ist mehr als nur ein König. Es ist der Sohn Davids, Christus. Ebenso ist Jesajas Prophetie über König Hiskija hinauszugehen, denn der „Spross aus der Wurzel Isai“ ist der Sohn Davids, Christus. Darin wird die Verheißung und das Heil Gottes vervollkommnet. Dieser König ist nicht von dieser Welt und doch der König aller Könige. Hier geht es um mehr als nur ein irdisches „Glück“. Es geht um das Heil des Volkes in Ewigkeit.
Und in Vers 12 wird dieser Ewigkeitsgedanke besonders deutlich: Wenn die Söhne den Bund bewahren, werden auch sie, dann werden auch ihre Nachkommen auf dem Thron sitzen für immer. Das betrifft auch uns heute – denn das Sitzen auf dem Thron ist dann anagogisch zu verstehen als „Sein bei Gott“. Wenn wir den Bund mit Gott bewahren, also die Taufgnade nicht verspielen und im Stand der Gnade sterben, dann werden auch wir wie die 24 Ältesten und wie die Mutter Gottes im Himmel „thronen“.
Der HERR hat den Zion erwählt – natürlich nicht den Berg, sondern das meint sinnbildlich Jerusalem und das dortige Heiligtum. Denn der Tempel ist der Wohnsitz Gottes auf Erden. Wenn wir den nächsten Vers hinzuziehen, merken wir aber, dass es über die wörtlich-historische Bedeutung hinausgeht. „Für immer“ könnte im Kontext eines Liedes natürlich auch einfach ein rhetorisches Stilmittel sein. Der tiefere Sinn dahinter ist aber, dass „Zion“ und „Wohnsitz“ noch weitere Bedeutungen hat: Gott hat sich nämlich auf Erden als Wohnsitz eine Frau erwählt, durch die er in die Welt hineingeboren würde, Maria. Sie ist der Zion, der Berg, von dem die Weisung ausgeht, wie wir im Advent gehört haben. Sie wird zum Wohnsitz Christi, der neun Monate in ihrem Leib heranwächst. Maria ist Archetyp der Kirche. Diese ist der Wohnsitz Gottes auf Erden seit dem Neuen Bundesschluss. Diese hat Gott sich wirklich ausgesucht. Christus hat sich die Jünger ausgesucht, er hat ihnen aufgetragen, wie SEINE Kirche sein soll. Petrus soll der Fels sein, auf dem sie errichtet ist. Kirche ist von Christus gestiftet, nicht von Menschen selbstgemacht. Und deshalb sagt Jesus ihr auch zu: „Das ist für immer der Ort meiner Ruhe.“ Seine reale Gegenwart ist für immer gegeben. Er ist in seiner Kirche gegenwärtig, wie er als Mensch auf Erden gewandelt ist. Er besitzt jetzt nur eine andere Gestalt.
Wir müssen es auch auf jeden einzelnen Menschen beziehen. Gott hat jeden Menschen als sein Abbild geschaffen, er hat jeden Menschen erwählt, sein Kind zu sein. Jene, die dem Ruf folgen und zum Glauben an ihm kommen, lassen sich taufen und nehmen somit den Neuen Bund an. Gott nimmt von da an Wohnung in ihrem Herzen, der der Tempel des Hl. Geistes ist. Dieser Bund ist ewig und Gott ist treu. Er verlässt den Menschen niemals. Jesus hat uns vor seiner Himmelfahrt versprochen: „Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20).
Das Ganze ist vor allem anagogisch zu verstehen, was wir an den Stichworten „für immer“ und „Ruhe“ erkennen können. „Zion“ ist das Himmelreich. Es ist der „Wohnsitz“ Gottes und der Ort der Ruhe. Diese ist eine Frucht des Hl. Geistes. Nicht umsonst wird die Ewigkeit als ein ewiger Sabbat umschrieben. Und deshalb beten wir auch für unsere Verstorbenen: „Herr, gib ihm/ihr die ewige Ruhe.“

Mk 4
21 Er sagte zu ihnen: Zündet man etwa eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel oder unter das Bett? Stellt man sie nicht auf den Leuchter?

22 Denn es gibt nichts Verborgenes, das nicht bekannt werden soll, und nichts Geheimes, das nicht an den Tag kommen soll. 
23 Wenn einer Ohren hat zum Hören, so höre er! 
24 Weiter sagte er: Achtet auf das, was ihr hört! Nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden, ja, es wird euch noch mehr gegeben. 
25 Denn wer hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.

Gestern hörten wir im Evangelium von dem Gleichnis vom Sämann. Heute setzt sich die Gleichnisserie fort. Jesus geht es bei dem Gleichnis vom Sämann ja um die richtige Herzenshaltung der Menschen, um ihre Empfängnisbereitschaft des Samens Gottes, den er in seinem Wort ausstreut. Heute erklärt er anhand eines weiteren Bildes, wie das Hören funktioniert, von dem gestern auch die Rede war.
Jetzt kommt genau das Bild, das wir vorhin bei David ganz klar ausgeschlossen haben: Das Licht stellt man nicht unter den Scheffel oder unter das Bett. Es gehört auf den Leuchter. Ganz logisch. Wie ist das zum Gleichnis vom Sämann in Beziehung zu setzen? Das Licht, das entzündet wird, ist ein anderes Bild für den Samen. Es ist das Wort Gottes, das dem Menschen verkündet wird. Der Vorgang des Entzündens ist diese Verkündigung. Was nun mit diesem Licht gemacht wird, sind die verschiedenen Böden, auf die der Same fällt. Der Scheffel, von dem hier die Rede ist, ist eigentlich ein Hohlmaß jener Zeit. Man benutzt es auch für Gefäße, die dieses Maß besitzen. Hier ist also ein Gefäß gemeint, das man über das Licht stülpt. Wenn man dies tut, wird das Licht ja gelöscht. Dieses Bild ist also vergleichbar mit dem Dornengestrüpp oder der sengenden Hitze der Sonne aus dem ersten Gleichnis. Stellt man es dagegen auf den Leuchter, leuchtet es allen im Haus. Mit diesem Gleichnis wird das rechte Hören noch weitergeführt. Es stellt eine Weiterentwicklung dar. Es geht nicht mehr nur darum, dass man das Wort Gottes in sich aufnimmt und es in sein eigenes Denken, Sprechen und Handeln übernimmt, sondern dass man es auch weitergibt an andere! Das Licht soll auch anderen leuchten, sie wärmen, ihnen Hoffnung schenken. Gott entzündet uns nicht für uns selbst, sondern dass wir weitergeben. An anderer Stelle sagt Jesus „umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ (Mt 10,8). Das Fließen der Gnade gerät ins Stocken, wo wir sie für uns behalten. Nur wenn wir weitergeben, wird uns noch mehr und noch mehr gegeben ohne Ende.
Das wird uns am Ende des Evangeliums noch beschäftigen. Doch zunächst zu diesem Vers: Jesus begründet auch damit, dass nichts Geheimes geheim bleibe, dass alles ans Licht komme. Das ist in diesem Kontext weniger als Drohung gemeint, vielmehr als positive Konsequenz des Lichtes (natürlich sagt die Bibel auch, dass alle Geheimnisse offenbar werden, auch gerade die bösen Dinge. Hier in diesem Kontext geht es aber nicht darum). Es ist zu vergleichen mit dem Bild der Stadt auf dem Berg. Sie kann nicht verborgen bleiben (Mt 5,14). Wer durch die Gnade Gottes glänzt, die ins Herz eingepflanzt ist, kann nur auffallen. Je dunkler es um einen herum ist, desto heller erscheint das Licht auf dem Leuchter. Wir sollen dieses Licht auf dem Leuchter sein, das anderen Menschen strahlt. Wir sollen also zum Wort Gottes stehen, das heißt wir sollen zu Christus stehen. Nicht nur im Kämmerlein, sondern offen. Wir sollen nicht so feige sein, in einer Gruppe zu schweigen, wenn Jesus gelästert wird. Dann sollen wir mutig sein und für ihn einstehen. Wenn wir sehen, dass alle um uns herum gegen die Gebote verstoßen, die Liebe nicht leben, dann sollen wir nicht mitziehen, sondern dennoch zu Christus stehen. Das wird auffallen und zwar nicht immer nur positiv. Es wird viel gesellschaftlichen Druck geben, Druck von Freunden, von Familie. Aber es wird auch Menschen geben, die es berührt und die dadurch wiederum zum Glauben kommen. Wir entzünden Menschen also nicht nur durchs Predigen – und es gibt wirklich viele, die alle Menschen durch langes Einreden und mit hundert Bibelstellen bekehren wollen, am besten noch heute. Es ist wichtig, das Evangelium zu verkünden, aber das Entscheidende, das Menschen zum Glauben bringt, ist das gelebte Evangelium. Wir sehen es an Christus. Aus ganz Israel reisen die Menschen zu ihm wegen der Dinge, die er GETAN hat. Durch unser Verhalten geben wir das stärkste Zeugnis, das die anderen Menschen „entzündet“ und den „Samen Gottes ausstreut“. Wenn sie dann nachfragen, ist es an der Zeit, darüber zu sprechen.
Dann erfolgt wieder das oft formulierte Wort „Wer Ohren hat, der höre.“ Was damit gemeint ist, erklärte ich in meinem gestrigen Post, schauen Sie dort gerne vorbei! Es ist ein Hinhören und ein auf ihn Hören, das das gehorsame Befolgen des Willens Gottes mit einschließt.
„Achtet auf das, was ihr hört“ ist etwas unglücklich übersetzt. Wörtlich steht da eigentlich „seht, was ihr hört“. Es bekräftigt den vorherigen Vers. Wir sollen das Gehörte wirklich beachten im Sinne von befolgen. Wir sollen es vor Augen haben. Je nachdem, wie wir das Gehörte annehmen, werden wir gerichtet. Das Maß, mit dem wir messen, wird an uns angelegt. Wir verstehen das in dem Kontext richtig, wenn wir das zweite Verb beachten, das hier steht. Es geht nicht nur ums Messen, sondern auch ums Dazugeben (das griechische Verb ist προστίθημι prostithemi „dazugeben, hinzufügen“). Das ist so zu verstehen, wie ich es vorhin mit dem Fließen des Gnadenstroms umschrieben habe. Je nachdem, wie viel ich in mich aufnehme von der Gnade Gottes (Same/Licht) und an andere weitergebe (Licht auf dem Leuchter, dass es allen leuchte im Haus!), so viel wird mir wiederum dazugegeben. Es kommt immer nach wie ein nie endender Strom einer unversiegbaren Quelle. So ist der Hl. Geist, das lebendige Wasser. Was wir bekommen, geben wir weiter. Und so bekommen wir immer mehr, um es noch mehr weiterzugeben.
Wenn wir das erstmal richtig verstanden haben, wird uns auch der letzte Vers aufgehen: „Wer hat“ meint in diesem Kontext dann „wer den Samen/das Licht hat“. Wer sich entzünden ließ und das Licht auf den Leuchter stellte, wer den Samen in sich aufgenommen hat, wachsen ließ und Früchte trug, bekommt noch mehr. „Wer aber nicht hat“, das heißt kein Licht und keinen Samen, also den Scheffel darüberstülpte, den Samen verdorren/absterben ließ, dem wird auch noch weggenommen was er hat. Was kann er denn noch haben, wenn er beides verstreichen ließ? Den Zugang zum Gnadenstrom. Dieser stoppt, wo man einen Damm baut. Die Seele ist kein reißender Fluss mehr, sondern wird zu einem Stausee, dessen Wasser verfault und stinkt, weil es abgestanden ist. Es fließt keine Gnade mehr – und ich wiederhole, was ich oben gesagt habe: nicht wegen Gottes Begrenztheit, sondern weil MAN SELBST den Staudamm errichtet hat.

Wir können Lesung und Evangelium absolut zusammen lesen. David versteht, dass er ohne die Gnade Gottes überhaupt nicht weit kommt. Er erbittet Gottes Segen und bekundet ihm ganz deutlich, dass er sich ganz zur Verfügung stellt. Er betont Gott gegenüber auch, dass er der Einzige für ihn ist. Somit räumt David alle „Äste, jeden Dreck, Stein, Schlamm etc.“ aus dem Weg, dass der Gnadenstrom ganz und gar unverhindert fließen kann. Und David weiß, dass alles Gute, was er bisher erreicht hat, diesem Gnadenstrom Gottes zu verdanken ist. Es ist gleich der erste Satz, den er betet.
Und Jesus lädt seine Jünger damals und uns heute dazu ein, es David gleichzutun. Hüten wir uns davor, Staudämme zu errichten und die Gnade Gottes schön für uns selbst auszukosten. Hüten wir uns davor, den Hl. Geist in uns auszulöschen. Dies kommt einem seelischen Selbstmord gleich. Das wird Jesus an anderer Stelle noch mit dem Gleichnis der Talente verdeutlichen. Was Gott uns geschenkt hat, darüber haben nicht wir zu verfügen, sondern er. Wir haben gar kein Recht, die Begabungen, die er uns geschenkt hat, zu vergraben, absterben zu lassen. Diese sind da, um ANDEREN zu dienen. Wir sollen uns auch nicht anmaßen, diese Begabungen als unser eigenes Verdienst anzusehen. Bevor wir uns versehen, werden sie uns weggenommen. Ich habe selbst so etwas in meinem Umfeld gesehen. Da war z.B. eine Frau, die eine wunderschöne Stimme von Gott bekommen hat. Diese gab er ihr natürlich, damit sie ihn lobt und preist und die Menschen im Herzen berührt, dass auch sie Gott loben und preisen. Sie hat sich aber mit der Stimme selbst gerühmt. Was ist passiert? Sie wurde sehr krank und verlor ihre Stimme. Sie selbst hat erkannt, warum das passiert ist, und sagte mit eigenen Worten zu mir: „Das hat Gott zugelassen, weil ich mich mit Gottes Federn geschmückt habe. Ich habe nicht richtig verwendet, was er mir ausgeliehen hat.“ Sie bereute alles, kehrte um und siehe da, ihre Stimme kehrte mit den Jahren teilweise zurück. Von da an sang sie nur noch für Jesus.
Was Gott uns an Gnade schenkt, ist in sein Werk zu investieren, nicht für unsere Selbstbeweihräucherung. Und wenn wir zurückschauen auf unser Leben, dann sehen wir, wie viel Gott durch uns bewirkt hat. Dann können auch wir nur sagen: „Wer bin ich, dass du mich und mein Haus so weit hast kommen lassen?“

Hören, aufnehmen, fruchtbar sein, abfärben auf unseren Nächsten. Das ist die Art und Weise, wie wir evangelisieren sollen. Der Gnadenstrom wird dann nie enden. Wenn wir die Reihenfolge umdrehen, funktioniert es aber nicht mehr. Zuerst auf Gott hören und sich selbst verwandeln lassen. Dann kann man auch die anderen verwandeln. Aktivismus ohne eigenes Brennen führt ins Nirgendwo. Das sollten wir in der Pastoral immer wieder beherzigen.

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 3. Woche im Jahreskreis

2 Sam 7,4-17; Ps 89,4-5.27-28.29-30; Mk 4, 1-20

Liebe Freunde, die heutigen Textabschnitte sind etwas umfassend. Dies kommt einem aber nicht so vor, denn die Lesungen haben es in sich.

2 Sam 7
4 Aber in jener Nacht erging das Wort des HERRN an Natan: 
5 Geh zu meinem Knecht David und sag zu ihm: So spricht der HERR: Du willst mir ein Haus bauen, damit ich darin wohne?
6 Seit dem Tag, als ich die Israeliten aus Ägypten heraufgeführt habe, habe ich bis heute nie in einem Haus gewohnt, sondern bin in einer Zeltwohnung umhergezogen. 
7 Habe ich in der Zeit, als ich bei den Israeliten von Ort zu Ort zog, jemals zu einem der Stämme Israels, die ich als Hirten über mein Volk Israel eingesetzt hatte, ein Wort gesagt und sie gefragt: Warum habt ihr mir kein Haus aus Zedernholz gebaut? 
8 Sag also jetzt meinem Knecht David: So spricht der HERR der Heerscharen: Ich habe dich von der Weide und von der Herde weggeholt, damit du Fürst über mein Volk Israel wirst,
9 und ich bin überall mit dir gewesen, wohin du auch gegangen bist. Ich habe alle deine Feinde vor deinen Augen vernichtet und ich werde dir einen großen Namen machen, der dem Namen der Großen auf der Erde gleich ist.
10 Ich werde meinem Volk Israel einen Platz zuweisen und es einpflanzen, damit es an seinem Ort wohnen kann und sich nicht mehr ängstigen muss und schlechte Menschen es nicht mehr unterdrücken wie früher 
11 und auch von dem Tag an, an dem ich Richter in meinem Volk Israel eingesetzt habe. Ich verschaffe dir Ruhe vor allen deinen Feinden. Nun verkündet dir der HERR, dass der HERR dir ein Haus bauen wird. 
12 Wenn deine Tage erfüllt sind und du dich zu deinen Vätern legst, werde ich deinen leiblichen Sohn als deinen Nachfolger einsetzen und seinem Königtum Bestand verleihen. 
13 Er wird für meinen Namen ein Haus bauen und ich werde seinem Königsthron ewigen Bestand verleihen. 
14 Ich werde für ihn Vater sein und er wird für mich Sohn sein. Wenn er sich verfehlt, werde ich ihn nach Menschenart mit Ruten und mit Schlägen züchtigen. 
15 Nie wird sich meine Huld von ihm entfernen, wie ich sie von Saul entfernt habe, den ich vor dir entfernt habe.
16 Dein Haus und dein Königtum werden vor dir auf ewig bestehen bleiben; dein Thron wird auf ewig Bestand haben. 
17 Natan sprach zu David genauso, wie es gesagt und offenbart worden war.

Der Anlass für die Eingebung Natans des Propheten hier in der Lesung ist Davids schlechtes Gewissen. Er lebt in einem festen Palast aus Zedernholz, einem Material, das in Israel eher seltener anzutreffen ist. Generell wird wenig mit Holz gearbeitet. Die Bundeslade dagegen befindet sich immer noch im Offenbarungszelt, also keinem festen Tempel. David liebt Gott sehr und erkennt deshalb selbst dieses Unverhältnis. Natan erhält im Anschluss an diese Gedanken Davids, die er ihm eröffnet hat, die heutige Eingebung durch Gott. Es ist eine Verheißung für die Zukunft. Zunächst spricht Gott etwas, das sich mit den Worten des Menschensohnes wiederholen wird: Gott hat keinen festen Wohnsitz in dieser Welt. Auch Jesus Christus wird nichts Eigenes besitzen. Vom Moment seiner Geburt an ist für ihn alles nur geliehen. Er kommt in einem Stall zur Welt, der seiner Familie nicht gehört. Er muss nach Ägypten fliehen, wo er vorübergehend einen Wohnsitz hat. Er zieht als Erwachsener umher und kommt bei Freunden unter. Nach seinem Tod bekommt er nicht einmal ein eigenes Grab, sondern es wird ihm geliehen durch Josef von Arimathäa. Jesus sagt selbst: „Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“ (Mt 8,20). Und wir Christen leben auch mit einer Mentalität, dass dieses Dasein hier nur vorübergehend ist. Wir singen gerade bei Beerdigungen das Kirchenlied „Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh‘ mit mancherlei Beschwerde der ewigen Heimat zu.“ Und ein Lied der Emmanuel-Gemeinschaft heißt „Unsere wahre Heimat ist im Himmel“. Dort werden wir uns wirklich etablieren, weshalb wir uns nicht so sehr an die irdischen Güter binden sollen. Mit dem Tod müssen wir sie ohnehin zurücklassen. Meine Oma pflegte immer zu sagen: „Das Totenhemd hat keine Taschen.“
Dann stellt Gott sinngemäß die Frage: „Habe ich jemals von den Israeliten verlangt, dass sie mir einen Tempel bauen?“ So ist Gott. Er gibt im Übermaß und verlangt von uns nichts außer die Gegenliebe. Seine Liebe ist nie berechnend so nach dem Motto: „Ich gebe ihnen nun dies und das. Dann werden sie so dankbar sein und in meiner Schuld stehen, dass ich jenes dafür verlangen kann.“ Die Gottesliebe ist eine maximal selbstlose Liebe.
Gott gibt David zu verstehen, dass er ihn deshalb von der Herde weggeholt hat und ihn zum König berufen hat, um Israel anhaltende Ruhe vor den Feinden zu verschaffen und ISRAEL einen festen Wohnsitz zu schaffen, nicht Gott. Die Berufung zum Tempelbau wird an seinen Sohn ergehen, dessen Namen Gott hier noch nicht preisgibt (es wird Salomo sein, wir kennen den weiteren Verlauf).
Wenn wir die Verheißung Gottes für das auserwählte Volk so lesen, kommen wir nicht umhin, über den wörtlich-historischen Sinn hinauszugehen. Dann handelt es sich beim festen Wohnsitz nicht nur um das verheißene Land für das Volk Israel, das endlich frei ist von Fremdherrschaft – denn genau diese geht ja noch weiter. Es wird sogar noch schlimmer, sodass die Assyrer und die Babylonier den Israeliten das Leben zur Hölle machen werden. Es handelt sich um den festen Wohnsitz in der Ewigkeit, und zwar für das Volk des Neuen Bundes, gleichermaßen Juden und Heiden. Sie werden frei sein von allen Angriffen, Fremdherrschaften und Leiden. Dies betrifft die neue Schöpfung am Ende der Zeiten, aber auch schon die Ewigkeit für jeden Menschen nach dem Tod. Sakramental wird dies schon mit der Kirche vorweggenommen. Sie ist auf Felsen gebaut, den man nicht einfach wegwälzen kann. Jesus verheißt im NT, dass die Mächte der Finsternis sie nicht überwältigen werden. Ihr Sitz kann nicht einfach ausgelöscht werden. Die Rede von der Errichtung eines Wohnsitzes für Israel wird im Hebräischen mit Zukunftsformen ausgedrückt. Sie steht also noch aus. Umso deutlicher werden hier die Errichtung der Kirche durch Christus und das Reich Gottes angekündigt. Dieser feste Wohnsitz ist auch moralisch zu verstehen: Gott errichtet ein Haus aus Stein im Herzen jedes Menschen durch die biologische Schöpfung. Wir nennen dieses Haus die ewige Seele, die den Menschen zum Abbild Gottes macht. Bei der Taufe bezieht Gott selbst Wohnung im Herzen und stattet es aus mit seinem Geist. Er errichtet das Reich Gottes schon in der Seele des Getauften, der von da an zum Erben dieses Reiches eingesetzt wird.
Das Königtum Salomos wird Bestand haben. Diese göttliche Verheißung ist die Zusage, dass Gott Salomo segnen wird. Dieser wird einen festen Tempel für Gott errichten.
Dann sagt Gott etwas, das wir wiederum absolut typologisch lesen müssen. „Ich werde für ihn Vater sein und er wird für mich Sohn sein.“ Zunächst meint es wörtlich-historisch gelesen die innige Beziehung zwischen Gott und Salomo, der Davids Frömmigkeit ähnelt. Zugleich müssen wir es schon weiterlesen. Salomo ist ein Typos Christi, das heißt ein Vor-Bild dessen, was Jesus dann erfüllen und sogar überbieten wird. Jesus ist nämlich nicht nur sinnbildlich „wie ein Sohn“, sondern wortwörtlich. Er ist der Einziggeborene Gottes. Alle Geschöpfe sind geschaffen, er ist aber vor aller Zeit gezeugt worden. Er ist eines Wesens mit dem Vater. Er ist dann wirklich in einer Vater-Sohn-Beziehung mit Gott Vater. Wir können es mit der Kirche weiterführen: Durch die Taufe sind wir alle „von Knechten zu Freunden“ geworden (vgl. Joh 15,15). Wir sind Kinder Gottes durch die Neuschöpfung im Hl. Geist, die die Taufe ist. Wir sind aber von der Natur her trotzdem Geschöpfe und bleiben es. Wir werden nie göttlich. Wir sind durch die Gnade zu geistigen Kindern Gottes geworden, als wir getauft wurden. So wie der Vater bei der Taufe Jesu vom Himmel spricht „dies ist mein Geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe (d.h. den ich offiziell als meinen Sohn und Erben annehme)“, so sagt er auch jedem Täufling zu „dies ist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter“. Und wie Salomo sind die Getauften Königskinder. Bei der Taufe wird der Täufling mit Chrisam gesalbt, dem Öl, das früher Königen und Propheten vorbehalten war. Wir gehören zur Royal Family Gottes.
Wenn in Vers 13 angekündigt wird, dass Salomo Gott einen Tempel bauen wird, müssen wir das auch typologisch weiterlesen: Denn der neue Salomo Christus wird sagen: „Reißt diesen Tempel nieder und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten“ (Joh 2,19). Er meint damit zunächst sich selbst, den „Tempel seines Leibes“ (Joh 2,21), aber auch die gesamte Tempelpraxis. Denn wie der Hebräerbrief ausführlich erklärt, ist Jesus für uns einmalig gestorben zur Sühne der Sünden aller Menschen damals, heute und in Zukunft. Die gesamte Tempelpraxis entfällt somit. Die Hohepriester sind dann überflüssig. Er besiegelt den neuen Bund zwischen Gott und allen Menschen, sodass der neue Tempel die Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen ist. Sie ist der „Tempel seines Leibes“. Nicht umsonst wird die Kirche immer wieder bei Paulus als sein Leib beschrieben, dessen Haupt Christus ist. Und moralisch weitergelesen sind wir alle mit dem Tempel des Hl. Geistes ausgestattet, mit unserer ewigen Seele. Mit der Neuschöpfung der Taufe baut Christus diesen inneren Tempel neu auf, sodass der Geist Gottes Einzug halten kann. Und wie Christus in den Evangelien die Händler aus dem Tempel gejagt hat, eine regelrechte Tempelreinigung vorgenommen hat, so reinigt er im Sakrament der Beichte unseren inneren Tempel von allen „Händlern“ etc. die sie zu einer „Räuberhöhle“ haben verkommen lassen.
Gott wird Salomo nie seine Gnade versagen, er wird ihn nie verwerfen. Gottes ewige Treue sagt er auch Jesus Christus zu, den er am Ende von den Toten auferweckt hat. Er hat seinen Sohn wirklich nicht verlassen, sondern „ihn über alle erhöht“ (Phil 2,9). Seine ewige Treue verspricht Gott jedem Menschen. Er ruft ihn immer und immer wieder bis zum Ende seines Lebens, damit er die Chance der Umkehr nutzen kann. Er wird ihn immer wieder an sich ziehen und ihn auch züchtigen, wie es hier heißt. Er wird zulassen, dass der Mensch die Konsequenzen seiner Verfehlungen tragen muss, dass er dadurch nachdenklich und reumütig wird, dass er sich endlich Gott zuwendet und ihn zurückliebt. Gottes ewige Treue wird auf besondere Weise jedem Getauften zugesagt, der zum Erben im Reich Gottes wird. Das Versprechen, am Ende des Lebens bei Gott wohnen zu dürfen, meint Gott ernst. Er züchtigt gerade seine eingesetzten Erben, damit sie bereit gemacht werden, im Reich Gottes bestehen zu können.
Der ewige Thron, der Bestand haben wird, ist zunächst auf Salomos Herrschaft zu beziehen, aber es wird nicht ewig sein. Die oben schon erwähnten Assyrer und Babylonier, die Perser und die Römer, sie werden abwechselnd auf dem Thron sitzen und die Israeliten unterdrücken. Der Thron ist über Salomo hinaus auf den neuen Salomo zu beziehen: Christus, der zur Rechten Gottes auf dem Thron Platz genommen hat. So glauben und beten wir im Glaubensbekenntnis. Ein Thron im Himmel steht aber nicht nur für Christus bereit, sondern auch für uns Menschen. Allen voran ist Maria ein Ehrensitz bereitet worden – parallel zur Typologie Salomo-Christus wird sie zum Antitypos der salomonischen Königsmutter, für die neben ihrem Sohn ein Thron aufgestellt worden ist (1 Kön 2,19). In der Offb lesen wir auch, dass die Aposteln und die Heilsgestalten des AT bei Gottes Thron auf eigenen Thronen sitzen. Jedem von uns wird ein „Thron“ bereitet, die wir seine königlichen Kinder sind. Das ist natürlich metaphorisch zu verstehen und wir dürfen uns auf keinen Fall einbilden, im Himmel vergöttlicht zu werden.
Die heutige Verheißung Gottes an David ist sehr dicht. In jedem Vers steckt so viel drin, dass man zu jedem einzelnen Vers ein eigenes Buch schreiben könnte.

Ps 89
4 Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten und David, meinem Knecht, geschworen: 
5 Auf ewig gebe ich deinem Haus festen Bestand und von Geschlecht zu Geschlecht gründe ich deinen Thron.
27 Er wird zu mir rufen: Mein Vater bist du, mein Gott, der Fels meiner Rettung. 
28 Ja, zum Erstgeborenen mache ich ihn, zum Höchsten unter den Königen der Erde. 
29 Auf ewig werde ich ihm meine Huld bewahren, mein Bund mit ihm ist verlässlich. 
30 Sein Haus lasse ich dauern für immer und seinen Thron wie die Tage des Himmels.

Wir beten aus gegebenem Anlass wieder den sogenannten Königspsalm 89. Die Psalmen reflektieren ja immer die Lesung aus dem AT. Gott ist es, aus dessen Sicht hier beschrieben wird: „Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten und David“. Wörtlich steht hier „Ich schnitt einen Bund (im Hebräischen schneidet man, כָּרַ֣תִּֽי karati „ich schnitt“) mit meinem Erwählten, ich schwor meinem Knecht David.“ Es handelt sich also nicht um zwei Personen, sondern bezieht sich beides auf ein und dieselbe Person. Gott hat einen Bund mit diesem besonderen König geschlossen. Es handelt sich um die Bekräftigung und Ausweitung des Alten Bundes zu einer gesamtstämmischen Einheit. Das ganze ist aber auch typologisch zu betrachten – der Erwählte (hier ist wieder das Wort בָּחִיר bachir enthalten, der Jüngling im heiratsfähigen Alter) ist nun auf Jesus zu beziehen, der sich freiwillig zum bachir macht um des Himmelreiches willen. Er bezeichnet sich sogar als Eunuchen, meint dies aber natürlich nicht wörtlich, sondern sinnbildlich. Dieser Bund, den Gott geschlossen hat durch Christus, ist der Neue Bund mit allen Menschen. Im griechischen AT wird sogar mit Plural übersetzt, was linguistisch gesehen auch möglich ist. Dadurch wird nicht Christus in den Blick genommen, DURCH den der Neue Bund besiegelt worden ist, sondern die „Erwählten“, wir Menschen, MIT denen er ja den Bund geschlossen hat. Der griechische Begriff an dieser Stelle ist ἐκλεκτοῖς eklektois und wird auch im NT sowohl für Christus als auch für die Getauften verwendet (Lk 23,35; 1 Petr 1,1).
Auch hier wird die Zusage Gottes aufgegriffen, dem davidischen Königshaus Bestand zu verleihen. Dies wird der Fall sein, aber anders als die Menschen denken: Es wird ewig bestehen durch Christus, den Sohn Davids, der tatsächlich leiblicher „Sohn“ Davids ist. Wir lesen dies ja im Stammbaum nach Matthäus. Er trägt Davids Gene in sich. Und doch ist dies ein anderes Königtum als das des David. Es geht hier um den König des Reiches Gottes. Sein Reich ist nicht von dieser Welt, wie er selbst vor Pilatus erklärt hat (vgl. Joh 18,36). „Von Geschlecht zu Geschlecht“, d.h. in diesem Fall dann zu allen Zeiten, wird Christus der König derer sein, die an ihn glauben und sich auf seinen Namen taufen lassen. Das „Haus“, das hier erwähnt wird, ist wörtlich gesehen zunächst das Königshaus. Wir müssen es aber tiefer verstehen als Kirche. Sie ist als Gemeinschaft der Gläubigen das Königreich Christi auf Erden, die sakramentale Antizipation der Ewigkeit. Sie wird auf ewig nicht untergehen – solange die Welt besteht, wird der Satan sie nicht überwältigen, das hat der treue Christus uns versprochen – und am Ende der Zeiten wird sie sich durchsetzen und ihren Wohnsitz einnehmen in der neuen Schöpfung Gottes.

Mk 4
1 Und wieder begann er, am Ufer des Sees zu lehren, und sehr viele Menschen versammelten sich um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot auf dem See und setzte sich; die Leute aber standen am Ufer. 
2 Und er sprach lange zu ihnen und lehrte sie in Gleichnissen. Bei dieser Belehrung sagte er zu ihnen: 
3 Hört! Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen. 
4 Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es. 
5 Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; 
6 als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. 
7 Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat und sie brachte keine Frucht. 
8 Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht; die Saat ging auf und wuchs empor und trug dreißigfach, sechzigfach und hundertfach. 
9 Und Jesus sprach: Wer Ohren hat zum Hören, der höre!

10 Als er mit seinen Begleitern und den Zwölf allein war, fragten sie ihn nach dem Sinn seiner Gleichnisse. 
11 Da sagte er zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben; für die aber, die draußen sind, geschieht alles in Gleichnissen; 
12 denn sehen sollen sie, sehen, aber nicht erkennen; hören sollen sie, hören, aber nicht verstehen, damit sie sich nicht bekehren und ihnen nicht vergeben wird.
13 Und er sagte zu ihnen: Wenn ihr schon dieses Gleichnis nicht versteht, wie wollt ihr dann all die anderen Gleichnisse verstehen? 
14 Der Sämann sät das Wort. 
15 Auf den Weg fällt das Wort bei denen, die es zwar hören, aber sofort kommt der Satan und nimmt das Wort weg, das in sie gesät wurde. 
16 Ähnlich ist es bei den Menschen, bei denen das Wort auf felsigen Boden fällt: Sobald sie es hören, nehmen sie es freudig auf; 
17 aber sie haben keine Wurzeln, sondern sind unbeständig, und wenn sie dann um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt werden, kommen sie sofort zu Fall. 
18 Bei anderen fällt das Wort in die Dornen: Sie hören es zwar, 
19 aber die Sorgen der Welt, der trügerische Reichtum und die Gier nach all den anderen Dingen machen sich breit und ersticken es und es bleibt ohne Frucht. 
20 Auf guten Boden ist das Wort bei denen gesät, die es hören und aufnehmen und Frucht bringen, dreißigfach, sechzigfach und hundertfach.

Auch das Evangelium ist sehr dicht. Wir hören heute ein Gleichnis Jesu. Es beginnt mit Mk 4 eine Reihe von Gleichnissen, die Jesus für das Reich Gottes anbringt, dem Reich, das Gott David durch Natan schon verheißen hat und das „Bestand haben wird“.
Die Umstände der Lehre Jesu stellen ein Déjà vu dar. Er muss wieder in ein Boot steigen, um von dort aus die Menschenmassen zu lehren. Es ist einerseits voll, andererseits lehrt er dadurch seine Jünger. Eigentlich hätte er auch auf einen Felsen oder ein Podest steigen können, aber er möchte seinen berufenen Menschenfischern noch einmal demonstrieren, wie das geht. Der Köder, durch den die Fische anbeißen sollen, ist das Wort Gottes. Das Bild muss dabei richtig verstanden werden. Im Gegensatz zu den Fischen, die durch das erfolgreiche Fangen sterben, erhalten die Menschenfische durch das Gefangenwerden das ewige Leben, die Freiheit des Reiches Gottes. Und doch ist dieses Bild das Geeignetste für die „Fischer-Jünger“. Jesus wirft vor ihren Augen die Netze aus. Er beginnt zu lehren. Er erklärt dabei das Reich Gottes. Seine Worte sind der köstlichste Köder, denn die Menschenmassen nehmen dafür lange Reisen auf sich (naja, vor allem natürlich wegen der darauffolgenden Heilungen, aber dennoch…). Was Jesus heute erklärt, ist ein anderes Bild für das Menschenfischen – das Säen von Samen.
So ist der Hl. Geist. Wenn Gott uns Menschen etwas Entscheidendes eingeben möchte, wenn er uns seinen Willen kundtun will, dann tut er das nicht einmalig. Er möchte, dass wir das ja auch sicher begreifen, deshalb wiederholt er Eingebungen. Der Hl. Geist wiederholt sich. Er macht sich sogar noch mehr Mühe und gibt es einem mit unterschiedlichen Worten, auf unterschiedlichen Wegen, mit unterschiedlichen Bildern ein. Gott geht immer auf Nummer sicher, dass wir seinen Willen wirklich begreifen. Deshalb erklärt Jesus den Menschen das Reich Gottes mit vielen unterschiedlichen Metaphern und Gleichnissen. Deshalb erklärt er seinen Jüngern auch das Menschenfischen mit unterschiedlichen Bildern.
Das Gleichnis selbst deutet er nicht vor den Menschenmassen, sondern nur für den Zwölferkreis. Der Säman ist Christus, der Same das Wort Gottes. Jesus hat mit dem Gleichnis das umschrieben, was er in dem Moment auch tat: vom Boot aus den Menschenmassen, die die unterschiedliche Böden darstellen, das Wort Gottes predigen, also aussäen. Die Jünger haben seine Pointe nicht verstanden, obwohl es Jesus immer darum geht, Dinge nicht zu sagen, sondern zu zeigen. Er konfrontiert sie, um sie wach zu rütteln: „Wenn ihr das schon nicht verstanden habt, wie wollt ihr dann die künftigen Gleichnisse verstehen?“ Er möchte sie dadurch nicht niedermachen, sondern tut, was Gott David verheißen hat – züchtigen, tadeln, kritisieren, mit anderen Worten schleifen, dass sie zu schönen Diamanten werden. Sie sollen lernen, alles so zu sehen wie er selbst.
Jesus erklärt auch die verschiedenen Beschaffenheiten des Bodens, auf den das Wort Gottes fällt. Es sind die unterschiedlichen Herzenshaltungen der Menschen, mit denen sie Jesu Predigt in sich aufnehmen: Der Same auf dem Weg wird vom Satan direkt geraubt, bevor es Wurzeln schlagen kann. Warum ausgerechnet auf dem Weg? Es sind die Menschen, die im Prozess der Umkehr sind, die noch auf dem Weg zu Gott sind. Der Satan gerät in Panik und tut alles, damit die Seele nicht für Christus gewonnen wird. Er will die Seele für sich behalten. Deshalb müssen wir sehr viel für jene beten, die Gott suchen und vielleicht sogar schon auf dem Weg zur Taufe sind. Sie erleiden starke Anfechtungen und Versuchungen, denn Satan will unsere Königskindschaft mit allen Mitteln verhindern.
Der felsige Boden ist die Haltung der Menschen, die einen oberflächlichen Glauben haben, ohne Wurzeln und unbeständig. Beim ersten Widerstand geben sie auf, weil es zu unangenehm wird und es ihnen aufgrund der fehlenden Wurzeln den Boden unter den Füßen wegzieht. Solche „christlichen Sanguiniker“ sind diejenigen, die sich das Angenehme gern herauspicken und das Unangenehme ausblenden. Sie sind felsig, das heißt, sie wollen sich nicht ganz formen lassen von Gott, der auch mal züchtigen muss, der uns nicht immer nur Feierlaune, sondern auch mal den grauen Alltag bereithält. Die Felsen der eigenen Voreingenommenheit, die Patchwork-Mentalität zerstören aber die Samen des Wortes Gottes. So wächst es nicht in jenen Menschen, so werden jene Menschen also nicht zum Leib Christi, dem fleischgewordenen Wort Gottes.
Die Herzenshaltung des dornigen Gestrüpps ist besonders tödlich. Gottes ewiges Wort, seine Weisheit, die nicht von dieser Welt ist, gerade auch vom Denken her, ist ganz anders als die Sichtweise der Welt mit ihren Verlockungen und ihrer Sünde. Doch in Menschen, die so weltlich eingestellt sind, auch gerade Menschen, die sich übertriebene Sorgen machen, also zu wenig Gottvertrauen besitzen, kann das Wort Gottes nicht keimen, Wurzeln schlagen, wachsen, Früchte tragen. Es stirbt sofort ab, weil das Herz voll von anderem ist. Jesus, das Wort Gottes, findet keinen Platz im Herzen solcher Menschen. Und er ist ein Gentleman. Wer ihn nicht hineinlässt, den lässt er auch in Ruhe. Dieses Dornengestrüpp breitet sich in unserer Kirche heutzutage rasant aus. Immer weniger Geistliche sind noch geistlich eingestellt. Wie viele unserer deutschen Bischöfe bestimmen ihr gesamtes Wirken noch von Christus her, dessen Reich nicht von dieser Welt ist? Es dominiert immer mehr die menschliche und weltliche Denkweise. Das Humanistische erfüllt die ganzen kirchlichen Grundvollzüge – so stark, dass für den Hl. Geist kein Platz mehr übrig bleibt.
Schließlich beschreibt Jesus die Fruchtbaren – die, die hören, aufnehmen und Frucht tragen. „Hören“ meint mehr als nur das physische Hören. Es meint den Ge-hor-sam, das Hören mit dem Glauben, das „auf ihn Hören“. In sich aufnehmen tun jene das Wort Gottes, die es an sich heranlassen. Die es akzeptieren und be-herzigen im wortwörtlichen Sinn: die es in sich verarbeiten, es betrachten, darüber nachdenken, es immer tiefer zu verstehen versuchen, die es nicht nur oberflächlich und rein informativ registrieren. Maria ist ein perfektes Beispiel für das „in sich Aufnehmen“. Sie bewahrt alle Geschehnisse in ihrem Herzen und denkt darüber nach. Das macht sie zur perfekten Jüngerin und dem fruchtbarsten Boden – auf dem das Wort Gottes deshalb auch Fleisch geworden ist! Früchte trägt das Wort Gottes dann, wenn die Menschen es in ihr eigenes Denken aufgenommen haben, wenn es von da an ihre eigenen Gedanken, Worte und Taten bestimmt, wenn es konkrete Auswirkungen hat im Verhalten.

Am Ende wird Jesus noch einen drauflegen. Er wird nicht nur das Wort Gottes säen in Form von gesprochenem Wort und Heilsdienst. Er wird sich selbst hingeben für die vielen Menschen am Kreuz. Er wird sein Fleisch und Blut austeilen und auch dann wird es auf unterschiedlichen Boden fallen. Der neue Bund wird allen Menschen angeboten, doch annehmen werden ihn nicht alle. Viele wird es kalt lassen, was Jesus für sie getan hat. Viele werden es zunächst annehmen und dann beim ersten Problem von ihm weglaufen. Nicht alle werden fruchtbar. Einige werden nicht glauben, dass Jesu Tat sie wirklich gerettet hat. Sie werden an ihrem fehlenden Vertrauen an Gott ersticken.
Jesus sät seinen „Samen“, d.h. sein Fleisch und Blut, in jeder Hl. Messe in das Herz der Kirche. Er sät sein Fleisch in unsere Herzen, die wir ihn in der Kommunion empfangen! Wird sein Same dort auf fruchtbaren Boden fallen? „Du bist, was du isst.“ Das ist nicht nur der Slogan von Wasa, das ist zuerst das Motto der Eucharistie. Wir werden immer mehr zum Leib Christi, indem wir ihn empfangen. Dies wird sich in unseren Gedanken, Worten und Werken immer mehr zeigen. Auch gerade im Alltag, da wo uns keiner sieht, da wo wir dann umsetzen sollen, was wir gelernt haben.
Das alles drückt Jesus heute im Evangelium aus.
Noch eine Sache ist hier zu erklären: Was meint Jesus mit diesen drastischen Versen 11 und 12? Will Jesus nicht, dass alle Menschen gerettet werden? Warum sagt er dann so etwas? Jesus zitiert hier Jesaja 6,9-10. Bei Jesaja wird dieses rätselhafte Wort im Anschluss an dessen Berufung genannt. Seine Berufung besteht darin, die Menschen vor die Wahl zu stellen: Er soll nicht so auftreten, dass weniger Menschen zu Gott umkehren, sondern damit sie sich die Mühe machen, seine Botschaft zu verstehen. Sie sollen „gezüchtigt“ werden, wie es Gott König David prophezeit hat. Diese „Hürde“ ist ein wichtiger Reifeprozess, damit jene, die ihn vollständig durchlaufen, sich wirklich ganz für Gott entscheiden können. Gott ist also kein Sadist, sondern er tut es, damit unsere Herzen für den Empfang des ewigen Heils bereitgemacht werden. So tut es auch Jesus mit den Gleichnissen. Er „verschleiert“ seine Verkündigung, damit die Menschen nicht einfach nur alles registrieren und fertig, sondern sich wirklich die Mühe machen, darüber nachzudenken. So kann er indessen ihre Herzen formen. Das Wort Gottes ist ein zweischneidiges Schwert. An ihm scheiden sich die Geister. Jene, die nur aus Sensationsgier da sind, die an dem Inhalt der Verkündigung Jesu kein Interesse haben, kehren sich davon ab, weil es zu viel Mühe bereitet, es zu verstehen. Jene, die wirklich mit offenem Herzen gekommen sind, werden sich diese Mühe aber machen und so wird die Verschleierung Jesu zu einer großen Chance für alle Anwesenden. Es hängt also nicht von Gott ab, der irgendwelche Vorbehalte macht, sondern vom Menschen selbst, ob er sich bekehrt. Und die, die noch nicht umgekehrt sind, sind jene, die „draußen sind“.
Jesus zitiert Jesaja noch wegen einer weiteren Sache, die wir heute weniger verstehen, weil wir mit dem AT nicht so vertraut sind wie seine Jünger: Liest man Jesaja 6 weiter, aus dem Jesus ja zitiert, heißt es am Ende des Kapitels: „12 Der HERR wird die Menschen entfernen, sodass die Verlassenheit groß ist inmitten des Landes. 13 Bleibt darin noch ein Zehntel, so soll es erneut abgeweidet werden, wie bei einer Eiche oder Terebinthe, von denen beim Fällen nur ein Stumpf bleibt. Heiliger Same ist sein Stumpf.“ Bei Jesaja wird die Samen-Metapher schon gebraucht! Das ist hier zwar noch genealogisch gemeint – es bleibt ein Stumpf übrig. Jesus deutet sich aber auch selbst an mit dem Jesajazitat und so verbinden die Jünger es dann auch mit Jesu Gleichnisrede.

Heute streut Jesus durch die Tageslesungen sehr viel Samen auf unseren Boden. Wir haben wirklich viel Arbeit damit, es zu hören, es in uns aufzunehmen und in uns wachsen zu lassen.
Schon im zweiten Samuelbuch wird sehr vieles verheißen, das Jesus dann erfüllt. Anhand der Gleichnisrede heute können wir dies beobachten: Er baut den Tempel Gottes auf – in den Herzen der Menschen, indem er ihnen die Tüftel-Aufgabe gibt. Er baut den Tempel durch die Sammlung der Jünger um sich, die Gemeinschaft der Gläubigen. Er sät den Samen, den „heiligen Samen des Stumpfes“, der auf ewig nicht verdorrt, sobald er wirklich gekeimt hat, Wurzeln getrieben hat, gewachsen ist und Früchte trägt.

Durch die ganzen zahlreichen Bilder hindurch zeigt uns heute der Hl. Geist, was all dies für unser Leben bedeutet: Nehmen wir das Wort Gottes in Wort und Sakrament in uns auf. Verdauen wir es im wahrsten Sinne des Wortes, betrachten wir es, verinnerlichen wir es, damit es in unser Denken, in unser Sprechen, in unser Handeln übergeht. So wachsen wir heran zu Menschen, die das Erbe Gottes antreten können in seinem Reich.

Ihre Magstrauss