Freitag der 3. Woche im Jahreskreis

2 Sam 11,1-4a.c.5-10a.13-17; Ps 51,3-4.5-6b.6c.-7.10-11; Mk 4,26-34

2 Sam 11
1 Um die Jahreswende, zu der Zeit, in der die Könige in den Krieg ziehen, schickte David Joab mit seinen Knechten und ganz Israel aus und sie verwüsteten das Land der Ammoniter und belagerten Rabba. David selbst aber blieb in Jerusalem. 

2 Als David einmal zur Abendzeit von seinem Lager aufstand und auf dem Flachdach des Königspalastes hin- und herging, sah er von dort aus eine Frau, die badete. Die Frau war sehr schön anzusehen.
3 David schickte jemand hin, erkundigte sich nach ihr und sagte: Ist das nicht Batseba, die Tochter Ammiëls, die Frau des Hetiters Urija? 
4 Darauf schickte David Boten zu ihr und ließ sie holen. Dann kehrte sie in ihr Haus zurück.
5 Die Frau war aber schwanger geworden und schickte deshalb zu David und ließ ihm mitteilen: Ich bin schwanger. 
6 Darauf sandte David zu Joab und ließ ihm sagen: Schick den Hetiter Urija zu mir! Und Joab schickte Urija zu David. 
7 Als Urija zu ihm kam, fragte David, ob es Joab und dem Volk gut gehe und wie es mit dem Kampf stehe. 
8 Dann sagte er zu Urija: Geh in dein Haus hinab und wasch dir die Füße! Urija verließ das Haus des Königs und es wurde ihm ein Geschenk des Königs nachgetragen. 
9 Urija aber legte sich am Tor des Königshauses bei den Knechten seines Herrn nieder und ging nicht in sein Haus hinab. 
10 Man berichtete David: Urija ist nicht in sein Haus hinabgegangen.
13 David lud ihn ein, bei ihm zu essen und zu trinken, und machte ihn betrunken. Am Abend aber ging Urija weg, um sich wieder auf seinem Lager bei den Knechten seines Herrn niederzulegen; er ging nicht in sein Haus hinab. 
14 Am anderen Morgen schrieb David einen Brief an Joab und ließ ihn durch Urija überbringen. 
15 Er schrieb in dem Brief: Stellt Urija nach vorn, wo der Kampf am heftigsten ist, dann zieht euch von ihm zurück, sodass er getroffen wird und den Tod findet! 
16 Joab hatte die Stadt beobachtet und er stellte Urija an einen Platz, von dem er wusste, dass dort besonders tüchtige Krieger standen. 
17 Als dann die Leute aus der Stadt einen Ausfall machten und gegen Joab kämpften, fielen einige vom Volk, das heißt von den Kriegern Davids; auch der Hetiter Urija fand den Tod.

Heute lesen wir schließlich von dem, was ich die letzten Tage immer wieder angekündigt habe: von dem größten Fehltritt Davids in seinem Leben.
An seinem Beispiel sehen wir, wie eine Sünde gleich mehrere andere Sünden nach sich zieht. Wir lesen auch, wie Begierde funktioniert, wie sie den moralischen Tod bringt.
Alles beginnt mit einem Abendspaziergang auf dem Dach. König David läuft auf dem Flachdach seines Palastes auf und ab. Dabei sieht er, wie eine Frau sich badet. Er sieht sie. Die richtige Reaktion darauf wäre gewesen, direkt wieder wegzuschauen. Er konnte ja nicht ahnen, dass er so etwas zu Gesicht bekommen würde. Durch das Sehen der Augen wird sehr schnell die Begierde im Herzen entfacht. Deshalb ist das Wegschauen die gesunde schamhafte Reaktion. Im Garten Eden war es noch so, dass Adam und Eva sich voreinander nicht schämen mussten, obwohl sie nackt waren. Die Begierde war auch noch nicht in ihren Herzen, sodass die Scham als Schutzmechanismus noch nicht notwendig war. Nun ist es aber König David, ein Mensch, der mit der Erbsünde des ersten Menschenpaares belastet ist. Er schaut nicht weg. Er erkundigt sich sogar, wer diese Frau ist. Er lässt zu, dass die Begierde in seinem Herzen die Oberhand gewinnt. Die bösen Gedanken, die in ihm aufkeimen, werden zur Sprache gebracht. Er möchte ihre Identität wissen und lässt schließlich nach ihr rufen. Letztendlich setzt er seine bösen Absichten in die Tat um und begeht mit ihr Ehebruch. So funktioniert die Sünde in jedem Menschen. Zuerst wird der Mensch durch seine Sinne oder andere Faktoren getriggert. Dies nennen wir Versuchung. Das geschieht tagtäglich und ist noch nichts Verwerfliches. Dies wird sie erst dadurch, dass man sie nicht direkt ausmerzt oder ablehnt. David schaut nicht weg. Er starrt die Frau an, denn es heißt „die Frau war sehr schön anzusehen“. Er schaut zumindest so lange hin, dass er trotz der Tageszeit etwas Genaueres über ihr Aussehen sagen kann. Er lässt zu, dass die Versuchung ihn besiegt. Er lässt die bösen Gedanken zu. Wenn uns irgendetwas Sündiges in den Sinn kommt, sollen wir den Gedanken abstreifen. Das ist die richtige Reaktion auf die Versuchung. Denn nur so verhindern wir, dass die Gedanken zu Worten werden und die Worte dann schließlich zur Tat übergehen. David lässt es aber zu. Noch mehr. Er erkundigt sich nach ihr. Spätestens jetzt sollte er von alledem die Finger lassen, denn er weiß jetzt erstens, dass sie verheiratet ist, zweitens dass sie keine Israelitin ist. Zumindest ist Urija, ihr Mann, ein Hethiter. Die Hethiter wiederum glauben an tausende Götter und nehmen den Gott Israels nicht an. Spätestens jetzt hätte David einen Schlussstrich ziehen müssen. Aber nein, mit seinem erlangten Wissen setzt er dennoch die böse Tat um, er holt sie zu sich und schläft mit ihr. Was er begeht, ist eine der schwersten Todsünden. Er weiß genau, dass seine Tat eine Sünde gegen das sechste Gebot ist, er tut es in vollem Wissen, nicht spontan, sondern vorbereitet, er tut es freiwillig. Alle klassischen Kriterien für eine Todsünde sind in seinem Fall gegeben. Das Hinterhältige an der Tat ist noch, dass er die Situation ausnutzt, dass Urija gerade gegen die Ammoniter kämpft.
Nach dem Ehebruch entlässt er sie nach Hause, als wäre nichts gewesen.
Sünden haben immer Konsequenzen. Je schwerwiegender sie sind, desto mehr Sünden ziehen sie wiederum nach sich. Batseba wird schwanger. Davids unverantwortliche Tat kann nicht mehr verborgen bleiben. Spätestens jetzt hätte er sich entscheiden müssen, die Sünde zu gestehen und alles aufzuklären. Aber nein, er denkt sich eine Intrige aus, um seine Tat weiterhin zu verdecken. Als Urija von der Schlacht zurückkehrt, macht er ihn betrunken. Er erhofft sich, dass er nach Hause gehen und mit seiner Frau schlafen würde. So würde ihre Schwangerschaft auf ihn selbst zurückgeführt werden. Doch Urija ist zu gottesfürchtig. Das ist übrigens sehr bemerkenswert. Als Hetiter respektiert er die Bundeslade so sehr, dass er ihr zuliebe nicht nach Hause geht. Diese muss nämlich unter freiem Himmel stehen. Sehr ironisch und für uns Hörer noch schmerzhafter. Dieser arme Mann hat es nicht verdient, so einer Intrige anheim zu fallen!
Davids Plan scheitert an der Gottesfurcht eines Hetiters. Kurzerhand muss er umdisponieren und entschließt sich zu einer noch größeren Katastrophe. Er will es darauf anlegen lassen, dass Urija im Krieg ganz sicher fällt. Er verfasst sogar einen Brief an den Feldherrn Joab, indem er ihm aufträgt, Urija an die Spitze zu stellen und ihm im hitzigen Gefecht nicht zu helfen, sodass er stirbt. Das ist eine weitere sehr schwerwiegende Sünde. Man kann es sogar (Auftrags-)Mord nennen, weil es ein sorgfältig vorbereitetes Tötungsdelikt ist. Auch hier erfüllt David alle Kriterien für eine Todsünde. Er kennt die zehn Gebote und tut sie dennoch. Er tut es auch freiwillig, denn Batseba setzt ihm keine „Pistole auf die Brust“. Er zieht auch nicht die Möglichkeit in Betracht, seine Sünde einfach einzugestehen. Gott hat ihm ja die Chance gegeben, indem er die Schwangerschaft Batsebas zugelassen hat.
Urija stirbt und David nimmt dessen Frau offiziell zur Frau. Ich spoilere jetzt einfach mal: Das Kind wird leider sterben. David und Batseba werden aber noch ein weiteres Kind bekommen und dieses wird Gott zu seinem Werkzeug machen – Salomo. Wir sehen also, dass Gott selbst auf krummen Seiten gerade schreiben kann. Gott benutzt unsere armselige sündhafte Natur und kann alles zu Gold wandeln.
Was David heute gemacht hat, ist sehr schrecklich. Er hat nicht nur eine Todsünde begangen, sondern gleich mehrere. Er hat intrigant gehandelt und somit mehrfach gegen das achte Gebot verstoßen (du sollst nicht lügen). Der Ehebruch und der Mord haben ihn in einen tiefen Abgrund gezogen.
Gott wird sich das nicht gefallen lassen. Er wird ihn durch den Propheten Natan konfrontieren und David wird von Herzen bereuen, was er getan hat. Das ist das Entscheidende, weshalb Gott ihn als König nicht verwerfen wird. Gott ist treu und David, möge die Sünde noch so groß sein, liebt Gott. Er hat sich von seiner Begierde leiten lassen, aber im Nachhinein hat er es abgrundtief bereut. An dieser Geschichte sehen wir, dass Gott uns alles vergeben möchte, wenn wir wirklich aufrichtig bereuen, umkehren und uns vornehmen, die Sünden nicht mehr zu tun.

Ps 51
3 Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen! 
4 Wasch meine Schuld von mir ab und mach mich rein von meiner Sünde! 
5 Denn ich erkenne meine bösen Taten, meine Sünde steht mir immer vor Augen.
6 Gegen dich allein habe ich gesündigt, ich habe getan, was böse ist in deinen Augen. So behältst du recht mit deinem Urteilsspruch, lauter stehst du da als Richter.
7 Siehe, in Schuld bin ich geboren und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen.
10 Lass mich Entzücken und Freude hören! Jubeln sollen die Glieder, die du zerschlagen hast. 
11 Verbirg dein Angesicht vor meinen Sünden, tilge alle Schuld, mit der ich beladen bin! 

Der Psalm 51 eröffnet uns Davids Herz, das durch und durch von Reue erfüllt ist. Er betet „Gott, sei mir gnädig“. Er vertraut auf die Barmherzigkeit Gottes, obwohl er so schlimme Dinge getan hat. Er glaubt, dass Gottes Liebe größer ist als seine schlimmsten Sünden. Er bittet den Herrn, dass er in seiner Barmherzigkeit seine Sünden tilgt, dass er seine Schuld abwasche. Er bekennt seine Sünden und ist sich ihrer stets bewusst. Er vergisst zeitlebens nie, was er Gott und den Menschen angetan hat.
Er bekennt und das ist für uns genau die vorbildliche Haltung: Wenn wir gesündigt haben, möchte Gott uns mit seiner Barmherzigkeit umfangen. Wie der verlorene Sohn können wir jederzeit zum Vater zurückkehren. Mit welcher Haltung? Wir zeigen unsere tiefe Reue und bekennen, was wir Böses getan haben. Der Vater weiß es schon längst, aber wir sollen es mit eigenen Worten kundtun, uns und ihm eingestehen, was wir getan haben. Dies tun wir Katholiken im Beichtsakrament. Durch den Priester vergibt uns Jesus dann, er tilgt unsere Sünden, er wäscht uns rein in seiner Barmherzigkeit. Wir bekunden vor ihm, dass wir uns von Herzen vornehmen, von nun an anders zu leben und diese Sünden nicht mehr zu tun. Wir signalisieren ihm, dass wir die Sünden auch wieder gut machen.
David bekennt seine Sünden, er weiß, dass er vor Gott gesündigt hat. Er versteht sich mit diesem Gebet vor Gott dem gerechten Richter und klagt sich selbst an.
Dann kommt etwas Bemerkenswertes in Vers 7. „In Schuld bin ich geboren und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen.“ Als Worte Davids ist dies nicht zu erklären, denn von seiner Herkunft wissen wir nichts über sündhafte Beziehungen. Er ist kein uneheliches Kind. Man könnte diese Worte eher verstehen, wenn sie aus dem Mund des Salomo ertönen würden.
Wir müssen den geistigen Sinn mit einbeziehen: Es ist eine gesamtmenschliche Beobachtung, die er hier zum Ausdruck bringt: Menschen sündigen. Sie sind schon im Zustand der Sünde empfangen worden. Das heißt, nicht die Empfängnis selbst ist Sünde, so als ob der Akt sündhaft wäre, sondern gemeint ist „im Zustand der Sünde“. Und dies ist sowohl auf die Mutter Davids zu beziehen als auch auf das gezeugte Kind David. Was er hier ausdrückt, nennen wir theologisch die Erbsünde. Der Mensch wird schon als gefallene Natur gezeugt, ohne dass er etwas dafür kann. Er ist schon zerbrochen, bevor er geboren wird. Es ist wie ein Virus, das alle Menschen im Griff hat. Er möchte damit sagen: „Herr, du weißt, dass es wie eine weitverbreitete Epidemie ist, dass Menschen nicht tun, was sie wollen, und tun, was sie nicht wollen.“ David wird sich selbst im Nachhinein fremd vorkommen und nicht wiedererkennen. Das ist, was Paulus in Röm 7,19 beschreibt.
David sagt dies nicht, um eine Ausrede für seine Sünden zu haben, sondern er klagt Gott diese allmenschliche Sündhaftigkeit, weil sie ihn belastet. Er hält Gott immer alles hin, was ihn beschäftigt. So haben wir bis heute einen Einblick dessen, was dieser Mensch gedacht und geglaubt hat.
Er sehnt sich nach Versöhnung mit Gott. Er hat sich bei ihm entschuldigt und um Verzeihung gebeten. Er weiß, dass es nun an Gott ist, ihm die Schuld zu vergeben. Deshalb bittet er ihn um „Entzücken und Freude“. Er möchte sozusagen zurück in den Stand der Gnade. Anstatt an seiner Sünde zu zerbrechen, möchte er Gott loben und preisen, wie er ist („jubeln sollen die Glieder, die du zerschlagen hast“).
Der letzte Vers drückt aus, was im Buch der Sprichwörter steht und sowohl der erste Petrusbrief als auch der Jakobusbrief aufgreifen: „Die Liebe deckt viele Sünden zu.“ (Spr 10,12; Jk 5,20; 1 Petr 4,8). Er möchte nicht, dass Gott „ein Auge zudrückt“, um sich vor den Konsequenzen seiner Sünde zu drücken. Er hat sie klar bekannt und nichts beschönigt. Gott hat ihn auch dafür zur Rechenschaft gezogen. Er hat schon seine Strafe bekommen und würde seine Vergehen ein Leben lang nicht vergessen. Was er möchte, ist Gottes Vergebung. Er möchte zur früheren, innigen Beziehung zu Gott zurückkehren. So sollen wir beten: Ganz klar unsere Sünden erkennen und zugeben, sie bereuen und vornehmen, sie nie mehr zu tun. Und doch dürfen und sollen wir Gottes Barmherzigkeit annehmen. Wir dürfen glauben, dass Gott uns alles vergibt, was wir bereuen. Gott „löscht“ diese Vergehen auch aus seinem „Gedächtnis“, auch wenn wir den entstandenen Schaden noch begleichen müssen. Von Exorzismen wissen wir, dass Dämonen die Anwesenden gerne bloßstellen, indem sie ihnen ihre Sünden vor allen Leuten aufsagen. Sie können dabei aber nur das ansprechen, was noch nicht gebeichtet ist. Alles Gebeichtete ist weg. Auch Gott wird uns keine der Sünden vorhalten, die schon gebeichtet und gesühnt ist. So groß ist Gottes Barmherzigkeit, dass er das gar nicht einmal mehr thematisiert, was komplett versöhnt ist. Und doch müssen wir aus unseren Vergehen Konsequenzen ziehen. Ein Heiliger meinte einmal zum Thema „Wie bleibe ich auf dem Boden und werde nicht überheblich?“: Man soll immer wieder an die schlimmste Sünde denken, die man jemals begangen hat. Dann wird man immer demütig bleiben. Von Petrus wissen wir ja, dass er Jesus verleumdet hat, ausgerechnet er, dem Jesus so sehr vertraut hat! Und er hat alles bereut und sein Leben lang nicht vergessen, was er getan hat. Warum? Nicht weil er der Barmherzigkeit Gottes nicht glauben wollte. Nicht weil er sich selbst nicht vergeben konnte. Sondern weil er seine eigene Schuldhaftigkeit, seine wahre Identität vor Gott nie vergessen wollte. In der Kunst wird Petrus deshalb sehr oft mit zwei Linien im Gesicht dargestellt: Es sind die Einkerbungen der abertausend Tränen, die er zeitlebens über die Verleumdung Jesu geweint hat. In dieser Hinsicht ist er mit König David sehr gut vergleichbar. Und wenn man Saul und David mit Petrus und Judas vergleicht, wird auch klar, was bei Gott entscheidend ist: Jeder Mensch fällt, sogar der vermeintlich beste. Entscheidend ist aber, dass er wieder aufsteht. David und Petrus haben dies getan. Saul und Judas nicht.

Mk 4
26 Er sagte: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; 
27 dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst und der Mann weiß nicht, wie. 
28 Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. 
29 Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.
30 Er sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben? 
31 Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät. 
32 Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, sodass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.
33 Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen konnten. 
34 Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen Jüngern aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen allein war.

Im Evangelium hören wir heute weitere Gleichnisse, die das Reich Gottes umschreiben.
Zunächst hören wir vom Samen auf dem Acker. Es ist vergleichbar mit dem Gleichnis vom Sämann. Dieses landwirtschaftliche Bildfeld ist für die Zuhörer Jesu einfach sehr lebensnah und wird deshalb mehrfach verwendet.
Das Säen von Samen auf einen Acker ist das Säen des Wortes Gottes auf die Menschen. Der Mann ist in dieser Situation Jesus, der seine Verkündigung an die gekommenen Menschen richtet. Diese sind somit der Acker. Später werden Jesu Jünger zu den säenden Menschen und Jesu Testament wird der Same sein, den sie auf den Acker der ganzen Welt streuen. Wir können dieses Bild auch auf Gott übertragen. Er ist der säende Landwirt, der seinen Sohn, das fleischgewordene Wort Gottes auf die Erde sät, damit er Frucht bringe in der Welt, die der Acker ist. So bricht das Reich Gottes auf dem Acker an. Dabei muss das Korn sterben, damit es reiche Frucht bringt. Es könnte also schon als Passionsbild gedeutet werden: Gott hat seinen einzigen Sohn für uns, den Acker hingegeben, damit wir gerettet werden. Jesus ist ja das Reich Gottes in Person. Es ist auch moralisch deutbar: Wir alle werden so zu säenden Menschen. Was wir säen, wächst, entwickelt sich und trägt Früchte, ohne dass wir nach dem Säen den weiteren Verlauf beeinflussen können. Die Früchte, die wir ernten, können dabei gut oder schlecht sein. Nicht umsonst heißt es, „ernten, was wir säen“. Das Wort, das wir zu anderen sprechen, kann so vieles bewirken – sowohl Gutes als auch Schlechtes. Was wir Gutes säen und was sich vermehrt, ist der Aufbau des Reiches Gottes. Schließlich ist es anagogisch zu deuten: Gott sät uns in diese Welt, die der Acker ist. Am Ende wird er uns ernten und je nachdem, ob wir gute oder schlechte Früchte geworden sind, trägt er uns in die Scheune oder ins Feuer. Die Sammlung der guten Früchte und das Erntefest, das nun gefeiert werden kann mit diesen Früchten, ist das Reich Gottes, das Himmelreich. Das Bild der Ernte ist in der Bibel oft eine Metapher für die Endzeit.
In der Evangelisierung ist es oft so, dass wir den Anfang machen, aber den weiteren Verlauf nicht mehr mitbekommen. Vielleicht erfahren wir noch von den Früchten, vielleicht aber auch nicht. Ich habe viele solcher Fälle erlebt. Da hat man eine Bemerkung gemacht oder ein kurzes Wort mit jemandem gesprochen und nicht geahnt, wie viel es bei dem Anderen ins Rollen gebracht hat. Eine lange Zeit später hat man diese Person wieder getroffen und sie ist ein ganz anderer Mensch geworden – ein brennender Christ. Wie es sich in der Zwischenzeit entwickelt hat, hat man nicht mitbekommen.
Ab Vers 30 bringt Jesus dann ein weiteres Gleichnis aus dem landwirtschaftlichen Bereich. Das Reich Gottes ist wie ein Senfkorn. Sie werden ein solches vielleicht schon einmal in Händen gehalten haben. Es ist wirklich sehr klein und steht im Gegensatz zu der imposanten Größe der ausgewachsenen Staude, das anderen Lebewesen noch Schatten bietet. Mit diesem Bild möchte Jesus verdeutlichen, dass seine Verkündigung alles andere als imposant beginnt. Er ist zunächst allein, die ersten Jünger sind seine Eltern. Dann kommen nach und nach Menschen hinzu. Die Art und Weise, wie Jesus verkündet, ist schlicht und unkompliziert. Sein Kommen in diese Welt ist schon so unscheinbar gewesen, dass Herodes bei der Erwähnung seiner Geburt aus allen Wolken gefallen ist. Jesus wurde in einem armen Stall geboren. Der große Gott hat sich so klein gemacht, dass er als bedürftiges Baby den Menschen erschienen ist! Wenn das keine Senfkorn-Mentalität ist, was dann? Jesus ist nicht mit Pomp gekommen, er hat seine Verkündigung auch nicht spektakulär betrieben. Er kam einfach zum Jordan und stellte sich zu den anderen Menschen. Johannes sagte sogar: „Unter euch steht einer, den ihr nicht kennt.“ Er ging zu einzelnen Menschen und sagte „komm und folge mir nach“. Wer ihn ansprach, den nahm er kurzerhand mit nach Hause. Mit dieser Schlichtheit und Demut sollen auch seine Jünger evangelisieren. So ist auch das Christentum im ganzen Römischen Reich verbreitet worden. Es war ein Erzählen von Jesus Christus zwischen Tür und Angel, oft waren es Soldaten, Kaufmänner, Sklaven. Es war eine Weitergabe von Mensch zu Mensch, ganz unscheinbar. Und es ist so herangewachsen, dass es im 4. Jh. zur Staatsreligion im Römischen Reich geworden ist! Bis heute ist es die weltweit größte Religion der Welt mit den meisten Mitgliedern. Es ist wirklich zu einer riesigen Senfpflanze geworden. Was mit ein paar Jüngern begann, ist jetzt zur Weltreligion geworden. Das Evangelium von Jesus Christus ist wirklich bis an die Enden der Welt gekommen.

Ihre Magstrauss

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