Dienstag der 3. Woche im Jahreskreis

2 Sam 6,12b-15.17-19; Ps 24,7-8.9-10; Mk 3, 31-35

Liebe Freunde, heute ist der Gedenktag des Hl. Thomas von Aquin. Die Lesungen des Tages, die wir heute betrachten, sind absolut passend zu ihm: Er war ein großer eucharistischer Denker und ihm haben wir die großen eucharistischen Gesänge zu verdanken, die bei der Anbetung und während der Fronleichnamsprozession gesungen werden. Eine typologische Brücke zu Fronleichnam schlagen wir dabei zurück zu König David. Lesen Sie selbst:

2 Sam 6
12 Als man König David berichtete: Der HERR hat das Haus Obed-Edoms und alles, was ihm gehört, um der Lade Gottes willen gesegnet, da ging David hin und brachte die Lade Gottes voll Freude aus dem Haus Obed-Edoms in die Davidstadt hinauf. 
13 Sobald die Träger der Lade des HERRN sechs Schritte gegangen waren, opferte er einen Stier und ein Mastkalb. 
14 Und David tanzte mit ganzer Hingabe vor dem HERRN her und trug dabei das leinene Efod. 
15 So brachten David und das ganze Haus Israel die Lade des HERRN unter Jubelschall und unter dem Klang des Widderhorns hinauf. 
17 Man trug die Lade des HERRN in das Zelt, das David für sie aufgestellt hatte, und setzte sie an ihren Platz in der Mitte des Zeltes und David brachte dem HERRN Brandopfer und Heilsopfer dar. 
18 Als David mit dem Darbringen der Brandopfer und Heilsopfer fertig war, segnete er das Volk im Namen des HERRN der Heerscharen 
19 und ließ an das ganze Volk, an alle Israeliten, Männer und Frauen, je einen Laib Brot, einen Dattelkuchen und einen Traubenkuchen austeilen. Dann gingen alle wieder nach Hause.

Um die heutige Lesung verstehen zu können, muss man die Vorgeschichte ein wenig zusammenfassen: Die Bundeslade war zunächst noch bei Abinadab in Baala. Von dort aus möchte David die Bundeslade zu sich nach Jerusalem holen. Dann passiert es aber, dass die Rinder ausbrechen, die den Wagen mit der Bundeslade ziehen. Usa, einer der beiden Söhne Abinadabs, der den Wagen lenkt, berührt dabei die Bundeslade, um sie vor dem Umkippen zu bewahren. Dabei stirbt er aber. Es soll nämlich kein Mensch die Bundeslade berühren. David bekommt es mit der Angst zu tun und sagt: „Wie soll die Lade des HERRN jemals zu mir kommen?“ Er lässt sie deshalb für drei Monate bei Obed-Edom in Gat zurück, dessen Haus wegen der Gegenwart Gottes gesegnet wird.
Die heutige Lesung setzt dort nun an: David hört von dem Segen, den Gott dem Haus Obed-Edoms schenkt, und holt voller Freude die Bundeslade zu sich nach Jerusalem. Und bei diesem Ereignis sehen wir den Gottesfrommen in voller Aktion. Es gibt Opferdarbringungen und einen ausgiebigen Lobpreis. David tanzt. Das ist so wunderbar zu lesen. Er tanzt voller kindlicher Freude vor der Bundeslade und trägt dabei ein leinenes Efod. Wie muss man das verstehen, da er ja kein Levit ist und ein Efod normalerweise die Priesterkleidung der Leviten darstellt? Es ist ein anders beschaffenes priesterliches Gewand, nämlich ein einfaches weißes. Dieses wird von priesterähnlichen Personen getragen, die nicht zum Stamm Aarons gehören. Neben David trägt auch Samuel als Kind so ein Gewand. Ich las einmal, dass es das Priestertum des Melchisedek repräsentiere. Damit haben wir wiederum einen starken Bezug zu Jesus, der Hohepriester nach der Ordnung des Melchisedek, nicht des aaronitischen Priestertums ist. Wir haben auch einen Bezug zum heutigen Priestertum, das ja in persona Christi ist und deshalb ebenfalls auf Melchisedek zurückgeht.
David vollzieht heute einen liturgischen Akt. Es ist ein Gottesdienst, der uns ein wenig an Fronleichnam erinnert. Die Gegenwart Gottes wird in die Stadt hineingetragen, durch die Straßen hindurch wird allen Menschen die Bundeslade offen gezeigt. Das ist eigentlich etwas Unerhörtes, denn die Lade soll im Allerheiligsten der Stiftshütte stehen und keiner darf sie betreten außer der Hohepriester am Versöhnungstag. Was wir heute also hören, ist ein Gnadenakt Gottes, der sich ausnahmsweise für alle sichtbar macht. An Fronleichnam tragen wir ebenfalls die Gegenwart Gottes durch die Straßen. Auch wir loben und preisen ihn dabei, auch die Priester, die die Monstranz tragen, sind in weiße Gewänder gekleidet.
Was wir heute lesen, hat auch einen typologischen Bezug zum NT: Dort wird der ungeborene Jesus hinausgetragen durch seine Mutter Maria. Bei der Begegnung mit Elisabet hüpft Johannes der Täufer so wie David vor der Bundeslade. So wie David sagt „wie soll die Lade des HERRN jemals zu mir kommen“, spricht Elisabet „wer bin ich, dass die Mutter des Herrn zu mir kommt?“ In beiden Fällen kommt die Bundeslade für drei Monate in ein Haus im Bergland von Judäa – die Bundeslade des Alten Bundes mit der Torah Gottes sowie die neue Bundeslade Maria, die nun die fleischgewordene Torah in sich trägt. David ist priesterlich gekleidet, Elisabet ist Levitin.
Die Lade wird in das Zelt gebracht, also in den Tempel, der noch in Zeltform existiert. Von nun an ist sie vor den Menschen verborgen, so wie es Gott angeordnet hat. Sie ist in die Mitte des Zeltes abgestellt worden, denn der Tempel ist konzentrisch angeordnet. Von außen nach innen verläuft im Zwiebelprinzip eine Steigerung der Räume in ihrer Heiligkeit. Je innerer/mittiger ein Raum desto weniger Menschen haben Zugang zu ihm.
David bringt Opfer dar, wobei wir uns fragen, wie das gemeint ist. Er selbst hat ja keine Befugnis, die Opfer darzubringen. Also ist es eher so zu verstehen, dass David die Opfer „in Auftrag“ gibt und die Darbringung selbst von den zuständigen Priestern vorgenommen wird.
Was er aber darf und tut ist die Segnung des Volkes im Namen Gottes. Warum ist er befugt? Er ist ein Gesalbter. Gott hat ihn mit den Gnadengaben des Hl. Geistes ausgestattet, sodass er die Gnade Gottes auf besondere Weise auf die Menschen herabrufen kann.
Diese wunderbare Lesung wird noch spannender. Nachdem alle gesegnet worden sind, wird an die Anwesenden jeweils ein Laib Brot und zwei Kuchen ausgeteilt, bevor sie nach Hause gehen. Das ist ein richtiger Typos für die Eucharistie! Dabei spielt es keine Rolle, dass es kein geweihtes Brot im Sinne der Schaubrote ist. Dies wird zumindest nicht explizit gesagt. Die eucharistische Typologie ensteht auch dadurch, dass nach dem Austeilen der Nahrung die Menschen nach Hause gehen. In der Hl. Messe wird die Kommunion auch zum Ende hin empfangen und kurz danach werden die Menschen „hinaus gesandt“. Es heißt am Ende der Liturgie nämlich ite, missa est – „geht, es ist eine Sendung.“ (im Deutschen leider verdunkelt durch die Formulierung „gehet hin in Frieden – dank sei Gott dem Herrn“). Wir werden wie die Aposteln in die Welt hinausgesandt, um das Evangelium zu den anderen Menschen zu tragen. Die Gegenwart Christi, die Einzug in unsere Herzen gehalten hat, soll zu allen Menschen gebracht werden. Sie endet nicht an der Kirchentür. Es ist wie mit Maria, die den Leib Christi „in die Welt“ hinausträgt.

Ps 24
7 Ihr Tore, hebt eure Häupter, hebt euch, ihr uralten Pforten, denn es kommt der König der Herrlichkeit! 
8 Wer ist dieser König der Herrlichkeit? Der HERR, stark und gewaltig, der HERR, im Kampf gewaltig. 
9 Ihr Tore, hebt eure Häupter, hebt euch, ihr uralten Pforten, denn es kommt der König der Herrlichkeit! 
10 Wer ist er, dieser König der Herrlichkeit?/ Der HERR der Heerscharen: Er ist der König der Herrlichkeit.

Psalm 24 ist ein ganz liturgischer Psalm. Er passt wunderbar zu dem heute beschriebenen Ereignis im zweiten Samuelbuch. Gerade die heutigen Verse stellen die Grundlage dar für viele adventliche Gesänge, so z.B. das Lied „Macht hoch die Tür“. Er ist adventlich und deshalb auch aktuell für uns, die wir heute in einem zweiten Advent stehen.
Die Tore sollen sich heben, gemeint sind in Bezug auf das zweite Samuelbuch und auf den ursprünglichen Anlass des Psalms die Tore der Stadt Jerusalem. Durch die Tore hindurch kommt nämlich der „König der Herrlichkeit“. Damit ist NICHT David gemeint. Er ist der irdische König, den Gott sich ausersehen hat. Aber der wahre König – und das sieht David absolut genauso, deshalb formuliert er diesen Psalm so – ist Gott selbst. Deshalb gab es so lange ja keinen irdischen König. Wir hörten davon in der letzten Woche. ER ist der König der Herrlichkeit. David sagt es in Vers 8 noch einmal explizit: „Wer ist dieser König der Herrlichkeit? Der HERR, stark und gewaltig…“.
Er wiederholt es noch einmal „ihr Tore, hebt eure Häupter“. Die Wiederholung in den Versen 9 und 10 ist bewusst gesetzt. Wir sollen es uns einprägen. Denn dieser Psalm, diese Worte sind auch für uns heute! Als Kirche beten wir „König ist Christus.“ Er ist der Herrscher, er ist die Mitte. Die Tore, die wir heben, sind nicht nur die Kirchentüren, das heißt die Einladung zur Hl. Messe, sondern vor allem die Türen unseres Herzens. Wir werden aufgerufen, unsere Herzen zu öffnen für das Kommen des Herrn in unsere Seele hinein. Und dies gilt nicht nur für den Moment der Liturgie, dies soll für unser ganzes Leben gelten. Heben wir die Tore unserer gesamten Existenz, damit der Herr Einzug halten kann in jeden Bereich unseres Lebens. Öffnen wir uns dafür, dass der Herr unser Verhalten in jeder Lebenslage bestimmt, dass er ganz und gar gegenwärtig ist, in jeder Begegnung, in der Erfüllung unserer alltäglichen Pflichten, in unseren Familien und besonders in unseren Notlagen.

Mk 3
31 Da kamen seine Mutter und seine Brüder; sie blieben draußen stehen und ließen ihn herausrufen. 
32 Es saßen viele Leute um ihn herum und man sagte zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und suchen dich. 
33 Er erwiderte: Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder?
34 Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsaßen, und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. 
35 Wer den Willen Gottes tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.

Im Evangelium hören wir heute von der geistlichen Familie. Es ist so, dass Jesus sich wie so oft in einem Haus aufhält und lehrt. Dieser Ort muss mal wieder überfüllt sein, denn Jesu Mutter und „Geschwister“ stehen draußen und suchen Jesus. Die Suche ist entweder darauf zu beziehen, dass die Menschenmasse einen Überblick verunmöglicht, oder es ist ein Aufsuchen Jesu. Im griechischen Text steht das Wort ἀδελφός, das unter anderem den direkten Bruder meint. Wir befinden uns im orientalischen Kontext, wo mit „Bruder“ alle möglichen Personen bezeichnet werden, auch Cousins oder entferntere Verwandte. Die Perspektive von „Familie“ ist weitergefasst als unsere heutige. Im Hebräischen und auch im Griechischen gibt es zu jener Zeit auch nur einen Begriff für männliche Verwandte, ob Bruder oder Cousin. Diese „Brüder“, von denen wir hier lesen, werden an anderer Stelle namentlich erwähnt. An wiederum anderer Stelle werden aber auch deren Eltern genannt und die Mutter ist eben NICHT Maria, die Mutter Jesu, sondern die andere Maria, die Frau des Kleopas. Wahrscheinlich sind es Jesu Cousins (mindestens zweiten Grades!). Maria ist immerwährende Jungfrau, so glaubt es die Kirche. Sie hat nur diesen einen Sohn zur Welt gebracht und auf eine andere Art und Weise als sonst gewöhnlich. Ihre biologische Jungfräulichkeit ist auch durch die Geburt nicht genommen worden.
Es geht also um die Großfamilie Jesu hier im Evangelium. Sie sucht Jesus auf und er serviert sie nicht ab. Dies können wir aus der heutigen Schriftstelle nur dann schließen, wenn wir oberflächlich lesen. Es geht Jesus um mehr. Er nimmt ihre Anwesenheit zum Anlass, etwas zu erklären, nämlich die geistliche Familie, die die Kirche ist. Alle, die den Willen Gottes tun, sind Geschwister, nämlich im Glauben. Und darin sind sie viel mehr zusammengeschweißt als die biologische Zusammengehörigkeit. Das muss Jesus den anwesenden Juden ganz behutsam beibringen, denn es ist keineswegs selbstverständlich. Für die Juden ist die Biologie alles. Als Jude wird man geboren. Zum Judentum gehörig ist der Beschnittene am Körper. Für die Anwesenden ist es also eine ganz große Herausforderung über ihren „jüdischen Tellerrand“ hinauszuschauen.
Jesus kann es sich erlauben, diese Dinge zu sagen. Er weiß, dass seine Mutter ihn versteht. Er weiß, dass sie nicht beleidigt reagieren wird, wenn er die anwesenden Menschen, die gekommen sind, den Willen Gottes zu erfahren, als seine Familie, sogar als seine Mutter bezeichnet. Wer, wenn nicht Maria wird dies alles schon sehr früh gelernt haben! Sie ist durch ein Gelübde „unfruchtbar“ und ist doch Mutter geworden. Schon von Kindheit auf ist Jesus einerseits den Eltern gehorsam, andererseits lehrt er seine Eltern als Gott. Sie sind nicht nur seine Eltern, sie sind auch seine Schüler, seine Kinder im Glauben. Jesus ist Marias Rabbi und Maria ist eine erste und beste Jüngerin. Sie wird ihm im heutigen Evangelium also absolut Recht gegeben haben. Wir wissen nicht, wie es ausgegangen ist. Vielleicht ist er danach hinausgegangen oder hat seine biologische Familie hinzugeholt. Denn was Jesus im Laufe seiner Verkündigung immer wieder vorlebt, ist die perfekte Kombination von biologischer und geistlicher Familie: Er ehrt in allem seine Mutter und ist zugleich mit ihr als geistliche Familie vereint. In ihrer Beziehung sehen wir, wie es bei uns der Idealfall sein kann: Unsere Familien sollen nicht nur biologischen, sondern gleichzeitig einen geistlichen Zusammenhang bilden. Dann haben wir einen Vorgeschmack des Himmels auf Erden. Wie schön ist es, wenn Geschwister gut miteinander auskommen, zugleich aber auch im Glauben zusammen wachsen, sich über Gott unterhalten und zusammen bzw. füreinander beten! Leider sehen wir oft, dass Geschwister überhaupt nicht gut miteinander auskommen, biologisch zwar verwandt, doch innerlich Fremde sind. Gleichzeitig haben wir Freunde, die mit uns den Glauben teilen und denen wir deshalb viel näher stehen. Die geistliche Familie ist eine viel stärkere Bindung als die Blutsverbindung. In diesem Fall greift das Sprichwort nicht: „Blut ist dicker als Wasser.“ Denn in diesem Fall ist das Wasser dicker als das Blut, nämlich das lebendige Wasser, das der Hl. Geist ist, aus dem wir neugeboren sind in der Taufe!
Die ersten Christen haben diese geistliche Familie gelebt, indem sie einander als Brüder und Schwestern bezeichnet haben. Wir lesen dies immer wieder in den Briefen des Neuen Testaments. Dies verändert auch unser Verhalten heute, wenn wir uns immer bewusst sind, dass alle Getauften unsere Geschwister im Glauben sind. Dann werden wir die Verantwortung für sie spüren (vor allem für ihr Seelenheil). Wir werden sie dann nicht mehr schlecht behandeln, sondern werden ihnen mit einer geschwisterlichen Liebe begegnen, einer hingebenden und aufopfernden Liebe.

Während bei David die Einheit der Menschen durch das Königtum Gottes gekennzeichnet wird, geht es hier um die Einheit der Familie. Beide Bilder sind uns gestern begegnet, als Jesus über die Gespaltenheit des Teufels spricht, der deshalb keinen Bestand hat. Wenn ein Reich und eine Familie Einheit hat, so der Umkehrschluss, dann haben beide Bestand. Die Einheit wird durch Gott selbst garantiert, der uns die Frucht des Hl. Geistes schenkt. Durch seine Gnade bleiben wir eins und überwinden die temporären Spaltungen, die durch die Versuchung und die Nachstellungen des Teufels verursacht werden. Einheit kann nur Gott schaffen. Wo der Mensch es selbst probiert, entsteht nur noch mehr Spaltung.

Ihre Magstrauss

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s