Heiliger Josef, Bräutigam der Gottesmutter Maria

2 Sam 7,4-5a.12-14a.16; Ps 89,2-3.4-5.27 u. 29; Röm 4,13.16-18.22; Mt 1,16.18-21.24a

Heute feiern wir ein ganz besonderes Hochfest, nämlich zu Ehren des Pflegevaters und Bräutigams Josef. Er ist unter anderem der Schutzpatron der Kirche und somit ein besonders großer Fürsprecher in der momentanen Coronakrise. Heiliger Josef, bitte für uns!

2 Sam 7
4 Aber in jener Nacht erging das Wort des HERRN an Natan:
5 Geh zu meinem Knecht David und sag zu ihm: So spricht der HERR:
12 Wenn deine Tage erfüllt sind und du dich zu deinen Vätern legst, werde ich deinen leiblichen Sohn als deinen Nachfolger einsetzen und seinem Königtum Bestand verleihen.
13 Er wird für meinen Namen ein Haus bauen und ich werde seinem Königsthron ewigen Bestand verleihen.
14 Ich werde für ihn Vater sein und er wird für mich Sohn sein.
16 Dein Haus und dein Königtum werden vor dir auf ewig bestehen bleiben; dein Thron wird auf ewig Bestand haben.

In der ersten Lesung hören wir die Worte des Propheten Natan, die ihm im Anschluss an Davids Unterredung mit Gott eingegeben werden. Zuvor hat dieser nämlich Gott zu verstehen gegeben, dass er ihm ein festes Heiligtum bauen möchte, da bis dato der Tempel aus dem Offenbarungszelt bestand. Natan erhält nun die Antwort Gottes auf Davids Vorhaben. Dieser gibt ihm ein:
Nicht er selbst wird der Tempel errichten, sondern sein Sohn. Später werden wir erfahren, dass es sein Sohn Salomo sein wird. In den Chronikbüchern erfahren wir zudem noch weitere Details, warum nicht David selbst den Tempel errichten soll: An seinen Händen klebt zu viel Blut. Er hat so viele Schlachten geführt, zu viel Blut vergossen. Gottes Tempel ist heilig und deshalb muss der König von der Blutschuld verschont sein. Salomo wird zeitlebens keine Kriege führen müssen, weil Gottes wunderbare Vorsehung für eine friedliche Zeit sorgen wird. So wird er sich ganz auf den Tempelbau konzentrieren können.
Natan vermittelt David, dass wenn er sich zu den Vätern legt, das heißt wenn er stirbt, wird Salomo zum König eingesetzt werden und das Königtum Bestand haben. Er wird den Tempel errichten und er wird für Gott Sohn, Gott für ihn Vater sein. Dieser Königsthron wird auf ewig bestehen.
Diese Worte sind zunächst wörtlich zu nehmen und gelten unter der Voraussetzung, dass dieser König im Stand der Gnade ist, also sich an den Bund hält und sich nicht schwer versündigt. Wir wissen allerdings, dass Salomo sich einen riesigen Harem anlegen wird, wobei viele Frauen anderer Religionen angehören, zu denen er dann verführt wird. Er wird Götzen Altäre und Heiligtümer errichten und so die Gnade Gottes verspielen.
Wir lesen diese Botschaft Gottes an David heute noch weiter, nämlich allegorisch. So erkennen wir einen Typos Christi in Salomo! In dieser Leserichtung ist das Sterben Davids mit dem frühen Tod Josefs in Analogie zu setzen, der als Sohn Davids den König des Reiches Gottes als Sohn haben wird. Erst nach seinem Tod wird Jesus sein öffentliches Wirken antreten. Er wird das Reich Gottes verkünden und am Ende als „König der Juden“ hingerichtet werden. Er wird zur Tempellobby sagen: Reißt diesen Tempel nieder und ich werde ihn in drei Tagen wieder aufbauen. Es wird der Tempel seines Leibes sein und mit der Auferstehung wahr werden. Der Tempel, den er begründen wird, ist die Kirche. Er wird den neuen Bund besiegeln, den alle Christen mit Gott in der Taufe eingehen. So wird Gott auch in uns Wohnung nehmen in dem Tempel unserer Seele. Diese ist ewig, sie hat Bestand, wie Natan Salomo angekündigt hat. Auch die Kirche hat Bestand, denn Jesus verheißt an anderer Stelle, dass die Mächte der Finsternis sie nicht überwältigen werden.
Was Natan hier von Gott eingegeben bekommt, ist also mehr als nur die Antwort auf Davids Vorhaben. Es ist eine heilsgeschichtlich weitreichende Verheißung!

Ps 89
2 Von der Huld des HERRN will ich ewig singen, von Geschlecht zu Geschlecht mit meinem Mund deine Treue verkünden.

3 Denn ich bekenne: Auf ewig ist Huld gegründet, im Himmel deine Treue gefestigt.
4 Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten und David, meinem Knecht, geschworen:
5 Auf ewig gebe ich deinem Haus festen Bestand und von Geschlecht zu Geschlecht gründe ich deinen Thron.
27 Er wird zu mir rufen: Mein Vater bist du, mein Gott, der Fels meiner Rettung.
29 Auf ewig werde ich ihm meine Huld bewahren, mein Bund mit ihm ist verlässlich.

Wir beten aus gegebenem Anlass wieder den sogenannten Königspsalm 89. Die Psalmen reflektieren ja immer die Lesung aus dem AT. So beginnt der Abschnitt heute mit einer für Psalmen typischen Lobaufforderung an sich selbst (will ich ewig singen). Gottes Treue ist ewig, sie ist „im Himmel…gefestigt“. Gott hält seine Versprechen. Er ist es, aus dessen Sicht ab Vers 4 beschrieben wird: „Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten und David“. Wörtlich steht hier „Ich schnitt einen Bund (im Hebräischen schneidet man, כָּרַ֣תִּֽי karati „ich schnitt“) mit meinem Erwählten, ich schwor meinem Knecht David.“ Es handelt sich also nicht um zwei Personen, sondern bezieht sich beides auf ein und dieselbe Person. Gott hat einen Bund mit diesem besonderen König geschlossen. Es handelt sich um die Bekräftigung und Ausweitung des Alten Bundes zu einer gesamtstämmischen Einheit. Das ganze ist aber auch typologisch zu betrachten – der Erwählte (hier ist wieder das Wort בָּחִיר bachir enthalten, der Jüngling im heiratsfähigen Alter) ist nun auf Jesus zu beziehen, der sich freiwillig zum bachir macht um des Himmelreiches willen. Er bezeichnet sich sogar als Eunuchen, meint dies aber natürlich nicht wörtlich, sondern sinnbildlich. Dieser Bund, den Gott geschlossen hat durch Christus, ist der Neue Bund mit allen Menschen. Im griechischen AT wird sogar mit Plural übersetzt, was linguistisch gesehen auch möglich ist. Dadurch wird nicht Christus in den Blick genommen, DURCH den der Neue Bund besiegelt worden ist, sondern die „Erwählten“, wir Menschen, MIT denen er ja den Bund geschlossen hat. Der griechische Begriff an dieser Stelle ist ἐκλεκτοῖς eklektois und wird auch im NT sowohl für Christus als auch für die Getauften verwendet (Lk 23,35; 1 Petr 1,1).
Auch hier wird die Zusage Gottes aufgegriffen, dem davidischen Königshaus Bestand zu verleihen. Dies wird der Fall sein, aber anders als die Menschen denken: Es wird ewig bestehen durch Christus, den Sohn Davids, der tatsächlich leiblicher „Sohn“ Davids ist. Wir lesen dies ja im Stammbaum nach Matthäus. Er trägt Davids Gene in sich. Und doch ist dies ein anderes Königtum als das des David. Es geht hier um den König des Reiches Gottes. Sein Reich ist nicht von dieser Welt, wie er selbst vor Pilatus erklärt hat (vgl. Joh 18,36). „Von Geschlecht zu Geschlecht“, d.h. in diesem Fall dann zu allen Zeiten, wird Christus der König derer sein, die an ihn glauben und sich auf seinen Namen taufen lassen. Das „Haus“, das hier erwähnt wird, ist wörtlich gesehen zunächst das Königshaus. Wir müssen es aber tiefer verstehen als Kirche. Sie ist als Gemeinschaft der Gläubigen das Königreich Christi auf Erden, die sakramentale Antizipation der Ewigkeit. Sie wird auf ewig nicht untergehen – solange die Welt besteht, wird der Satan sie nicht überwältigen, das hat der treue Christus uns versprochen – und am Ende der Zeiten wird sie sich durchsetzen und ihren Wohnsitz einnehmen in der neuen Schöpfung Gottes.

Röm 4
13 Denn Abraham und seine Nachkommen erhielten nicht aufgrund des Gesetzes die Verheißung, Erben der Welt zu sein, sondern aufgrund der Glaubensgerechtigkeit.
16 Deshalb gilt: aus Glauben, damit auch gilt: aus Gnade. Nur so bleibt die Verheißung für die ganze Nachkommenschaft gültig, nicht nur für die, welche aus dem Gesetz, sondern auch für die, welche aus dem Glauben Abrahams leben. Er ist unser aller Vater,
17 wie geschrieben steht: Ich habe dich zum Vater vieler Völker bestimmt – im Angesicht des Gottes, dem er geglaubt hat, des Gottes, der die Toten lebendig macht und das, was nicht ist, ins Dasein ruft.
18 Gegen alle Hoffnung hat er voll Hoffnung geglaubt, dass er der Vater vieler Völker werde, nach dem Wort: So zahlreich werden deine Nachkommen sein.
22 Darum wurde es ihm auch als Gerechtigkeit angerechnet.

In der zweiten Lesung des heutigen Hochfestes reflektiert Paulus die Gunst, die uns Menschen durch den alten Bund erwiesen worden ist: Abraham und seinen Nachkommen, mit denen Gott den Bund immer wieder erneuert hat, ist diese besondere Ehre nicht deshalb zuteil geworden, weil sie es sich zuvor verdient hätten. Ebenso können wir Christen sagen, dass wir nicht deshalb durch das Kreuzesopfer Jesu Christi erlöst worden sind, weil wir das zunächst irgendwie verdient hätten. Das wird durch die Wendung „aufgrund des Gesetzes“ ausgedrückt, was meint, dass die Torah gehalten wird. Abraham und seinen Nachkommen wurde die Gnade aufgrund der Glaubensgerechtigkeit verliehen. Zu Abrahams Zeiten gab es die Torah noch gar nicht. Er hat Gott ganz geglaubt und ihm vertraut, deshalb hat Gott mit ihm den Bund geschlossen.
Paulus erklärt, dass Glaube und Gnade zusammenspielen. Abraham erhielt die Gnade wegen seines bedingungslosen Vertrauens auf Gott. So ist es auch mit allen anderen Menschen, die die Gnade Gottes dadurch erhalten, dass sie ihm bedingungslos vertrauen. Dabei müssen sie nicht notwendigerweise beschnitten sein und die Torah halten. Das ist zumindest nicht die Voraussetzung für die Gnade Gottes. Das wäre Werksgerechtigkeit. Auch wir als Christen sagen, dass die Taufe als sichtbares Zeichen unseres inneren Glaubens heilsnotwendig ist. Dass wir erlöst sind, kommt zuerst und der Glaube an Jesus Christus ist die Antwort auf die Erlösung. Diese ist uns geschenkt und deshalb unverdiente Gnade. Das bedeutet aber nicht, dass Paulus das Halten der Gebote für überflüssig erklärt. Es geht darum, was zuerst ist. Und die Gnade Gottes ist immer zuerst – sowohl bei Abraham als auch bei uns.
Es geht in diesem Ausschnitt aus dem Römerbrief um den Glauben Abrahams, der entgegen aller biologischen Voraussetzungen eine unglaubliche Verheißung erhält und dennoch daran glaubt. Trotz ausbleibender Nachkommen wurde ihm nämlich eine unzählbare Nachkommenschaft verheißen. Er ist Vater vieler Völker geworden und wir müssen seinen Glauben heute in Analogie zu Josef setzen, der ebenfalls Gott geglaubt hat in einer unglaublichen Situation. So ist auch er zum Vater vieler Völker geworden, wenn auch nur geistig – nämlich zum Patron des neuen Volkes, zum Schutzpatron der Kirche. Gott hat ihn auserwählt, nicht weil er es sich zuvor verdient hat, sondern weil es die Vorsehung so wollte. Es ist ein absolutes Geschenk Gottes. Auch Josef nennen wir einen gerechten Mann, nicht weil er sich die Gerechtigkeit durch das Halten der Torah verdient hat (die Torah hat er gewissenhaft gehalten!), sondern weil er Gott ganz geglaubt hat. Dies hören wir nun im Evangelium:

Mt 1
16 Jakob zeugte den Josef, den Mann Marias; von ihr wurde Jesus geboren, der der Christus genannt wird.
18 Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes.
19 Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen.
20 Während er noch darüber nachdachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.
21 Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.
24 Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.

Zu Beginn des Evangeliums hören wir den Abschluss des Stammbaums Jesu Christi. Dieser Stammbaum ist jüdisch und patrilinear orientiert. Das heißt wir hören immer wieder von einem Vater, der einen Sohn zeugt. Dies wird dreimal in vierzehn Generationen strukturiert, sodass für uns deutlich wird – Jesus ist der Sohn Davids. Am Ende des Stammbaums stutzen wir allerdings. Denn da heißt es ausgerechnet an der wichtigsten Stelle nicht mehr „Josef zeugte den Jesus“, sondern es wird gesagt, dass dieser der Mann Mariens ist und von ihr Jesus geboren wurde! Das fällt in einem typisch jüdischen Stammbaum auf. Hier ist also etwas Besonderes geschehen.
Dann hören wir von der Geburt des Messias. Das Matthäusevangelium berichtet sie vor allem aus der Sicht Josefs. Dies macht absolut Sinn, wenn wir an den patrilinearen, also väterorientierten Stammbaum denken. Wenn es also um die Geburt eines Kindes geht, macht es Sinn, dass das Matthäusevangelium die Vaterperspektive betont. Wir lesen heute auch wieder solche Formulierungen, die die biologische Vaterschaft Josefs ausschließen: „Maria, seine Mutter“ ist eine Andeutung solcher Art, die im Stammbaum durch das Auslassen des Satzes „Josef zeugte den Jesus“ und den Verweis auf seine Frau Maria ausgedrückt worden ist. Dies wird noch viel eindeutiger im weiteren Verlauf des Evangeliums, wo immer wieder „das Kind und seine Mutter“ gesagt wird, nicht „Josefs Sohn“ (z.B. in Mt 2,13-14) – in einem Evangelium, das eigentlich sehr patrilinear orientiert ist! Das fällt auf.
Josef ist ein gerechter Mann und somit ist die Verbindung zu Abraham geschaffen. Gott hat sich etwas dabei gedacht, ausgerechnet diesen Menschen als Ziehvater seines Sohnes vorzubereiten. Josef wollte seine Frau nicht bloßstellen – denn erstens war Maria vor der Ehe schwanger geworden und zweitens als geweihte Jungfrau! Um ihre Ehre zu bewahren, möchte er sich von ihr trennen. Wir verstehen seine noble Tat erst, wenn wir die jüdischen Gesetze kennen:
Wenn ein unberührtes Mädchen, das einem Mann versprochen ist, von einem anderen Mann schwanger wird, sollen der andere Mann sowie die Frau gesteinigt werden (Dtn 22,23f.). Dem Betrogenen wird keine Schuld zugeschrieben. Warum will sich Josef dann von ihr trennen? Josefs Gerechtigkeit ist eine größere als die der buchstabentreuen Juden seiner Zeit, die auch Paulus im Römerbrief kritisiert. Er denkt keinen Moment daran, das mosaische Gesetz auszuführen, sondern er überlegt, die ganze Schuld auf sich zu nehmen. Indem er sich nämlich in aller Stille von Maria getrennt hätte, hätte es nach außen hin so ausgesehen, als hätte er sie verlassen, nachdem er mit ihr ein Kind gezeugt hatte. So hätte sie als „Verführte“ und „Verlassene“ keine Schuld getroffen. Er wäre bestraft, Marias Leben und das des Kindes aber gerettet worden. DAS meine Lieben, ist ein würdiger Ziehvater, den sich Gott auserwählt hat. Er hat seine Gerechtigkeit schon vor der Geburt des Gotteskindes unter Beweis gestellt und das alles, noch bevor er von Gottes Plan gehört hat! Josef hat wirklich ein reines Herz.
Er führt seine Überlegungen nicht aus, weil ihm im Traum ein Engel des Herrn den Heilsplan Gottes offenbart hat. Bei den Worten des Engels ist sehr auffällig, dass er Josef „Sohn Davids“ nennt. Die jüdischen Hörer dieses Evangeliums werden eins und eins zusammengezählt haben. Das Kind, das in die Welt kommen soll, erhält auf Erden einen davidischen Vater. Somit erfüllen sich die messianischen Verheißungen der Hl. Schriften. Dieser Messias wird von einem davidischen Vater erzogen werden, der selbst ein gerechter Mann ist. Josef wird zum Antitypos des alternden David aus der Lesung. So wird der Messias selbst gerecht sein, als Gott durch die göttliche Eigenschaft der Gerechtigkeit, als Mensch dank Josef und seiner Tugend der Gerechtigkeit. Diese Zweidimensionalität reflektiert Paulus am Anfang seines Römerbriefs. Josef handelt nach Gottes Willen ohne Widerrede und Skepsis. Er hat diesen Glaubensgehorsam, von dem Paulus spricht. Dieser macht ihn gerecht. Die Steinigung seiner schwangeren Verlobten als Ausführung des mosaischen Gesetzes hätte ihn nicht gerecht gemacht.
Das Kind ist vom Hl. Geist, aber Josef soll es benennen. Damit wird deutlich, dass er es als sein Kind adoptieren soll.
Der Engel gibt ihm auch den Namen vor und erklärt dessen Bedeutung: Dieses Kind wird das Volk von seinen Sünden erlösen. Das ist eine Verheißung, die immer und immer wieder im AT genannt wird. Damit wird dem frommen Juden Josef klar: Das Kind ist der Messias und muss deshalb Jesus heißen.

Lassen wir uns heute berühren von Gottes großen Heilstaten. Er hat das lange jahrhundertelange Schreien seines auserwählten Volkes erhört und ist wie verheißen als davidisches Kind in dieser Welt Mensch geworden. Er hat für die Umsetzung seines Heilsplans sowohl die Jungfrau bereitet als auch den gerechten Mann, der sie mit allen Mitteln beschützt. Diese Familie ist besonders. Sie ist eine geistige Familie, da alles Biologische, was im Judentum sonst üblich ist, hier komplett entfällt. Das Kind hat keinen menschlichen Vater, es wird nicht auf natürliche Weise gezeugt, es wird nicht auf natürliche Weise geboren. Die Eltern führen keine natürliche, sondern übernatürliche Ehe.
Danken wir heute besonders dem Hl. Josef, der so wunderbar gehandelt hat. Sonst wäre Jesus nicht in diese Welt gekommen, dessen Leben schon von Anfang an bedroht gewesen ist. Wir können wirklich viel von ihm lernen, besonders für unsere eigenen Familien. Sein Glaubensgehorsam, der Taten sprechen lässt, hat uns die Erlösung ermöglicht. Bitten auch wir um diesen Glaubensgehorsam, durch den auch wir zu Werkzeugen des Heils Gottes werden. Danke du heiliger Ziehvater und treuer Bräutigam, beschütze auch uns, die Braut Christi, die Kirche, wie du Maria, deine Braut beschützt hast. Versorge du uns geistig, wie du deine Familie mit allen Mitteln versorgt hast.

Ihre Magstrauss

Dienstag der 3. Woche im Jahreskreis

2 Sam 6,12b-15.17-19; Ps 24,7-8.9-10; Mk 3, 31-35

Liebe Freunde, heute ist der Gedenktag des Hl. Thomas von Aquin. Die Lesungen des Tages, die wir heute betrachten, sind absolut passend zu ihm: Er war ein großer eucharistischer Denker und ihm haben wir die großen eucharistischen Gesänge zu verdanken, die bei der Anbetung und während der Fronleichnamsprozession gesungen werden. Eine typologische Brücke zu Fronleichnam schlagen wir dabei zurück zu König David. Lesen Sie selbst:

2 Sam 6
12 Als man König David berichtete: Der HERR hat das Haus Obed-Edoms und alles, was ihm gehört, um der Lade Gottes willen gesegnet, da ging David hin und brachte die Lade Gottes voll Freude aus dem Haus Obed-Edoms in die Davidstadt hinauf. 
13 Sobald die Träger der Lade des HERRN sechs Schritte gegangen waren, opferte er einen Stier und ein Mastkalb. 
14 Und David tanzte mit ganzer Hingabe vor dem HERRN her und trug dabei das leinene Efod. 
15 So brachten David und das ganze Haus Israel die Lade des HERRN unter Jubelschall und unter dem Klang des Widderhorns hinauf. 
17 Man trug die Lade des HERRN in das Zelt, das David für sie aufgestellt hatte, und setzte sie an ihren Platz in der Mitte des Zeltes und David brachte dem HERRN Brandopfer und Heilsopfer dar. 
18 Als David mit dem Darbringen der Brandopfer und Heilsopfer fertig war, segnete er das Volk im Namen des HERRN der Heerscharen 
19 und ließ an das ganze Volk, an alle Israeliten, Männer und Frauen, je einen Laib Brot, einen Dattelkuchen und einen Traubenkuchen austeilen. Dann gingen alle wieder nach Hause.

Um die heutige Lesung verstehen zu können, muss man die Vorgeschichte ein wenig zusammenfassen: Die Bundeslade war zunächst noch bei Abinadab in Baala. Von dort aus möchte David die Bundeslade zu sich nach Jerusalem holen. Dann passiert es aber, dass die Rinder ausbrechen, die den Wagen mit der Bundeslade ziehen. Usa, einer der beiden Söhne Abinadabs, der den Wagen lenkt, berührt dabei die Bundeslade, um sie vor dem Umkippen zu bewahren. Dabei stirbt er aber. Es soll nämlich kein Mensch die Bundeslade berühren. David bekommt es mit der Angst zu tun und sagt: „Wie soll die Lade des HERRN jemals zu mir kommen?“ Er lässt sie deshalb für drei Monate bei Obed-Edom in Gat zurück, dessen Haus wegen der Gegenwart Gottes gesegnet wird.
Die heutige Lesung setzt dort nun an: David hört von dem Segen, den Gott dem Haus Obed-Edoms schenkt, und holt voller Freude die Bundeslade zu sich nach Jerusalem. Und bei diesem Ereignis sehen wir den Gottesfrommen in voller Aktion. Es gibt Opferdarbringungen und einen ausgiebigen Lobpreis. David tanzt. Das ist so wunderbar zu lesen. Er tanzt voller kindlicher Freude vor der Bundeslade und trägt dabei ein leinenes Efod. Wie muss man das verstehen, da er ja kein Levit ist und ein Efod normalerweise die Priesterkleidung der Leviten darstellt? Es ist ein anders beschaffenes priesterliches Gewand, nämlich ein einfaches weißes. Dieses wird von priesterähnlichen Personen getragen, die nicht zum Stamm Aarons gehören. Neben David trägt auch Samuel als Kind so ein Gewand. Ich las einmal, dass es das Priestertum des Melchisedek repräsentiere. Damit haben wir wiederum einen starken Bezug zu Jesus, der Hohepriester nach der Ordnung des Melchisedek, nicht des aaronitischen Priestertums ist. Wir haben auch einen Bezug zum heutigen Priestertum, das ja in persona Christi ist und deshalb ebenfalls auf Melchisedek zurückgeht.
David vollzieht heute einen liturgischen Akt. Es ist ein Gottesdienst, der uns ein wenig an Fronleichnam erinnert. Die Gegenwart Gottes wird in die Stadt hineingetragen, durch die Straßen hindurch wird allen Menschen die Bundeslade offen gezeigt. Das ist eigentlich etwas Unerhörtes, denn die Lade soll im Allerheiligsten der Stiftshütte stehen und keiner darf sie betreten außer der Hohepriester am Versöhnungstag. Was wir heute also hören, ist ein Gnadenakt Gottes, der sich ausnahmsweise für alle sichtbar macht. An Fronleichnam tragen wir ebenfalls die Gegenwart Gottes durch die Straßen. Auch wir loben und preisen ihn dabei, auch die Priester, die die Monstranz tragen, sind in weiße Gewänder gekleidet.
Was wir heute lesen, hat auch einen typologischen Bezug zum NT: Dort wird der ungeborene Jesus hinausgetragen durch seine Mutter Maria. Bei der Begegnung mit Elisabet hüpft Johannes der Täufer so wie David vor der Bundeslade. So wie David sagt „wie soll die Lade des HERRN jemals zu mir kommen“, spricht Elisabet „wer bin ich, dass die Mutter des Herrn zu mir kommt?“ In beiden Fällen kommt die Bundeslade für drei Monate in ein Haus im Bergland von Judäa – die Bundeslade des Alten Bundes mit der Torah Gottes sowie die neue Bundeslade Maria, die nun die fleischgewordene Torah in sich trägt. David ist priesterlich gekleidet, Elisabet ist Levitin.
Die Lade wird in das Zelt gebracht, also in den Tempel, der noch in Zeltform existiert. Von nun an ist sie vor den Menschen verborgen, so wie es Gott angeordnet hat. Sie ist in die Mitte des Zeltes abgestellt worden, denn der Tempel ist konzentrisch angeordnet. Von außen nach innen verläuft im Zwiebelprinzip eine Steigerung der Räume in ihrer Heiligkeit. Je innerer/mittiger ein Raum desto weniger Menschen haben Zugang zu ihm.
David bringt Opfer dar, wobei wir uns fragen, wie das gemeint ist. Er selbst hat ja keine Befugnis, die Opfer darzubringen. Also ist es eher so zu verstehen, dass David die Opfer „in Auftrag“ gibt und die Darbringung selbst von den zuständigen Priestern vorgenommen wird.
Was er aber darf und tut ist die Segnung des Volkes im Namen Gottes. Warum ist er befugt? Er ist ein Gesalbter. Gott hat ihn mit den Gnadengaben des Hl. Geistes ausgestattet, sodass er die Gnade Gottes auf besondere Weise auf die Menschen herabrufen kann.
Diese wunderbare Lesung wird noch spannender. Nachdem alle gesegnet worden sind, wird an die Anwesenden jeweils ein Laib Brot und zwei Kuchen ausgeteilt, bevor sie nach Hause gehen. Das ist ein richtiger Typos für die Eucharistie! Dabei spielt es keine Rolle, dass es kein geweihtes Brot im Sinne der Schaubrote ist. Dies wird zumindest nicht explizit gesagt. Die eucharistische Typologie ensteht auch dadurch, dass nach dem Austeilen der Nahrung die Menschen nach Hause gehen. In der Hl. Messe wird die Kommunion auch zum Ende hin empfangen und kurz danach werden die Menschen „hinaus gesandt“. Es heißt am Ende der Liturgie nämlich ite, missa est – „geht, es ist eine Sendung.“ (im Deutschen leider verdunkelt durch die Formulierung „gehet hin in Frieden – dank sei Gott dem Herrn“). Wir werden wie die Aposteln in die Welt hinausgesandt, um das Evangelium zu den anderen Menschen zu tragen. Die Gegenwart Christi, die Einzug in unsere Herzen gehalten hat, soll zu allen Menschen gebracht werden. Sie endet nicht an der Kirchentür. Es ist wie mit Maria, die den Leib Christi „in die Welt“ hinausträgt.

Ps 24
7 Ihr Tore, hebt eure Häupter, hebt euch, ihr uralten Pforten, denn es kommt der König der Herrlichkeit! 
8 Wer ist dieser König der Herrlichkeit? Der HERR, stark und gewaltig, der HERR, im Kampf gewaltig. 
9 Ihr Tore, hebt eure Häupter, hebt euch, ihr uralten Pforten, denn es kommt der König der Herrlichkeit! 
10 Wer ist er, dieser König der Herrlichkeit?/ Der HERR der Heerscharen: Er ist der König der Herrlichkeit.

Psalm 24 ist ein ganz liturgischer Psalm. Er passt wunderbar zu dem heute beschriebenen Ereignis im zweiten Samuelbuch. Gerade die heutigen Verse stellen die Grundlage dar für viele adventliche Gesänge, so z.B. das Lied „Macht hoch die Tür“. Er ist adventlich und deshalb auch aktuell für uns, die wir heute in einem zweiten Advent stehen.
Die Tore sollen sich heben, gemeint sind in Bezug auf das zweite Samuelbuch und auf den ursprünglichen Anlass des Psalms die Tore der Stadt Jerusalem. Durch die Tore hindurch kommt nämlich der „König der Herrlichkeit“. Damit ist NICHT David gemeint. Er ist der irdische König, den Gott sich ausersehen hat. Aber der wahre König – und das sieht David absolut genauso, deshalb formuliert er diesen Psalm so – ist Gott selbst. Deshalb gab es so lange ja keinen irdischen König. Wir hörten davon in der letzten Woche. ER ist der König der Herrlichkeit. David sagt es in Vers 8 noch einmal explizit: „Wer ist dieser König der Herrlichkeit? Der HERR, stark und gewaltig…“.
Er wiederholt es noch einmal „ihr Tore, hebt eure Häupter“. Die Wiederholung in den Versen 9 und 10 ist bewusst gesetzt. Wir sollen es uns einprägen. Denn dieser Psalm, diese Worte sind auch für uns heute! Als Kirche beten wir „König ist Christus.“ Er ist der Herrscher, er ist die Mitte. Die Tore, die wir heben, sind nicht nur die Kirchentüren, das heißt die Einladung zur Hl. Messe, sondern vor allem die Türen unseres Herzens. Wir werden aufgerufen, unsere Herzen zu öffnen für das Kommen des Herrn in unsere Seele hinein. Und dies gilt nicht nur für den Moment der Liturgie, dies soll für unser ganzes Leben gelten. Heben wir die Tore unserer gesamten Existenz, damit der Herr Einzug halten kann in jeden Bereich unseres Lebens. Öffnen wir uns dafür, dass der Herr unser Verhalten in jeder Lebenslage bestimmt, dass er ganz und gar gegenwärtig ist, in jeder Begegnung, in der Erfüllung unserer alltäglichen Pflichten, in unseren Familien und besonders in unseren Notlagen.

Mk 3
31 Da kamen seine Mutter und seine Brüder; sie blieben draußen stehen und ließen ihn herausrufen. 
32 Es saßen viele Leute um ihn herum und man sagte zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und suchen dich. 
33 Er erwiderte: Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder?
34 Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsaßen, und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. 
35 Wer den Willen Gottes tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.

Im Evangelium hören wir heute von der geistlichen Familie. Es ist so, dass Jesus sich wie so oft in einem Haus aufhält und lehrt. Dieser Ort muss mal wieder überfüllt sein, denn Jesu Mutter und „Geschwister“ stehen draußen und suchen Jesus. Die Suche ist entweder darauf zu beziehen, dass die Menschenmasse einen Überblick verunmöglicht, oder es ist ein Aufsuchen Jesu. Im griechischen Text steht das Wort ἀδελφός, das unter anderem den direkten Bruder meint. Wir befinden uns im orientalischen Kontext, wo mit „Bruder“ alle möglichen Personen bezeichnet werden, auch Cousins oder entferntere Verwandte. Die Perspektive von „Familie“ ist weitergefasst als unsere heutige. Im Hebräischen und auch im Griechischen gibt es zu jener Zeit auch nur einen Begriff für männliche Verwandte, ob Bruder oder Cousin. Diese „Brüder“, von denen wir hier lesen, werden an anderer Stelle namentlich erwähnt. An wiederum anderer Stelle werden aber auch deren Eltern genannt und die Mutter ist eben NICHT Maria, die Mutter Jesu, sondern die andere Maria, die Frau des Kleopas. Wahrscheinlich sind es Jesu Cousins (mindestens zweiten Grades!). Maria ist immerwährende Jungfrau, so glaubt es die Kirche. Sie hat nur diesen einen Sohn zur Welt gebracht und auf eine andere Art und Weise als sonst gewöhnlich. Ihre biologische Jungfräulichkeit ist auch durch die Geburt nicht genommen worden.
Es geht also um die Großfamilie Jesu hier im Evangelium. Sie sucht Jesus auf und er serviert sie nicht ab. Dies können wir aus der heutigen Schriftstelle nur dann schließen, wenn wir oberflächlich lesen. Es geht Jesus um mehr. Er nimmt ihre Anwesenheit zum Anlass, etwas zu erklären, nämlich die geistliche Familie, die die Kirche ist. Alle, die den Willen Gottes tun, sind Geschwister, nämlich im Glauben. Und darin sind sie viel mehr zusammengeschweißt als die biologische Zusammengehörigkeit. Das muss Jesus den anwesenden Juden ganz behutsam beibringen, denn es ist keineswegs selbstverständlich. Für die Juden ist die Biologie alles. Als Jude wird man geboren. Zum Judentum gehörig ist der Beschnittene am Körper. Für die Anwesenden ist es also eine ganz große Herausforderung über ihren „jüdischen Tellerrand“ hinauszuschauen.
Jesus kann es sich erlauben, diese Dinge zu sagen. Er weiß, dass seine Mutter ihn versteht. Er weiß, dass sie nicht beleidigt reagieren wird, wenn er die anwesenden Menschen, die gekommen sind, den Willen Gottes zu erfahren, als seine Familie, sogar als seine Mutter bezeichnet. Wer, wenn nicht Maria wird dies alles schon sehr früh gelernt haben! Sie ist durch ein Gelübde „unfruchtbar“ und ist doch Mutter geworden. Schon von Kindheit auf ist Jesus einerseits den Eltern gehorsam, andererseits lehrt er seine Eltern als Gott. Sie sind nicht nur seine Eltern, sie sind auch seine Schüler, seine Kinder im Glauben. Jesus ist Marias Rabbi und Maria ist eine erste und beste Jüngerin. Sie wird ihm im heutigen Evangelium also absolut Recht gegeben haben. Wir wissen nicht, wie es ausgegangen ist. Vielleicht ist er danach hinausgegangen oder hat seine biologische Familie hinzugeholt. Denn was Jesus im Laufe seiner Verkündigung immer wieder vorlebt, ist die perfekte Kombination von biologischer und geistlicher Familie: Er ehrt in allem seine Mutter und ist zugleich mit ihr als geistliche Familie vereint. In ihrer Beziehung sehen wir, wie es bei uns der Idealfall sein kann: Unsere Familien sollen nicht nur biologischen, sondern gleichzeitig einen geistlichen Zusammenhang bilden. Dann haben wir einen Vorgeschmack des Himmels auf Erden. Wie schön ist es, wenn Geschwister gut miteinander auskommen, zugleich aber auch im Glauben zusammen wachsen, sich über Gott unterhalten und zusammen bzw. füreinander beten! Leider sehen wir oft, dass Geschwister überhaupt nicht gut miteinander auskommen, biologisch zwar verwandt, doch innerlich Fremde sind. Gleichzeitig haben wir Freunde, die mit uns den Glauben teilen und denen wir deshalb viel näher stehen. Die geistliche Familie ist eine viel stärkere Bindung als die Blutsverbindung. In diesem Fall greift das Sprichwort nicht: „Blut ist dicker als Wasser.“ Denn in diesem Fall ist das Wasser dicker als das Blut, nämlich das lebendige Wasser, das der Hl. Geist ist, aus dem wir neugeboren sind in der Taufe!
Die ersten Christen haben diese geistliche Familie gelebt, indem sie einander als Brüder und Schwestern bezeichnet haben. Wir lesen dies immer wieder in den Briefen des Neuen Testaments. Dies verändert auch unser Verhalten heute, wenn wir uns immer bewusst sind, dass alle Getauften unsere Geschwister im Glauben sind. Dann werden wir die Verantwortung für sie spüren (vor allem für ihr Seelenheil). Wir werden sie dann nicht mehr schlecht behandeln, sondern werden ihnen mit einer geschwisterlichen Liebe begegnen, einer hingebenden und aufopfernden Liebe.

Während bei David die Einheit der Menschen durch das Königtum Gottes gekennzeichnet wird, geht es hier um die Einheit der Familie. Beide Bilder sind uns gestern begegnet, als Jesus über die Gespaltenheit des Teufels spricht, der deshalb keinen Bestand hat. Wenn ein Reich und eine Familie Einheit hat, so der Umkehrschluss, dann haben beide Bestand. Die Einheit wird durch Gott selbst garantiert, der uns die Frucht des Hl. Geistes schenkt. Durch seine Gnade bleiben wir eins und überwinden die temporären Spaltungen, die durch die Versuchung und die Nachstellungen des Teufels verursacht werden. Einheit kann nur Gott schaffen. Wo der Mensch es selbst probiert, entsteht nur noch mehr Spaltung.

Ihre Magstrauss

Fest der Heiligen Familie

Sir 3,2-6.12-14 (oder 3,3-7.14-17a); Ps 128,1-5; Kol 3,12-21; Mt 2,13-15.19-23

Liebe Freunde,
heute ist das Fest der Heiligen Familie. Das bezieht sich auf Josef, Maria und Jesus. Dieses Fest feiern wir immer am Sonntag nach Weihnachten (früher am Sonntag nach Erscheinung des Herrn). Wir betrachten diese Familie als unser Vorbild. Alles, was schon im AT über das ideale Familienleben geschrieben steht, können wir auf besonders eindrückliche Weise an der Heiligen Familie erfüllt sehen. Dabei ist sie wiederum nur Abbild der göttlichen Familie: der heiligsten Dreifaltigkeit. Zwar glauben wir, dass Jesus und Maria ohne Sünde sind, Josef aber von der Erbsünde nicht bewahrt ist. Die Eltern Jesu sind zudem nicht allwissend und müssen deshalb so einiges mit einem Fragezeichen hinnehmen. Und dennoch kann uns diese Familie gerade darin ein Vorbild sein: Wie halten wir in Krisen zusammen?

Sir 3
2 Denn der Herr hat dem Vater Ehre verliehen bei den Kindern und das Recht der Mutter bei den Söhnen bestätigt. 
3 Wer den Vater ehrt, sühnt Sünden,
4 und wer seine Mutter ehrt, sammelt Schätze. 
5 Wer den Vater ehrt, wird Freude haben an den Kindern und am Tag seines Gebets wird er erhört. 
6 Wer den Vater ehrt, wird lange leben, und seiner Mutter verschafft Ruhe, wer auf den Herrn hört. 
7 Wer den Herrn fürchtet, ehrt den Vater. So wie Herren dient er seinen Eltern.
12 Kind, nimm dich deines Vaters im Alter an und kränke ihn nicht, solange er lebt! 
13 Wenn er an Verstand nachlässt, übe Nachsicht und verachte ihn nicht in deiner ganzen Kraft! 
14 Denn die dem Vater erwiesene Liebestat wird nicht vergessen; und statt der Sünden wird sie dir zur Erbauung dienen. 
15 Am Tag deiner Bedrängnis wird man sich deiner erinnern; wie heiteres Wetter auf Frost folgt, so werden sich deine Sünden auflösen. 
16 Wie ein Gotteslästerer ist, wer den Vater im Stich lässt, und ein vom Herrn Verfluchter ist, wer seine Mutter erzürnt.
17 Kind, bei all deinem Tun bleibe bescheiden und du wirst geliebt werden von anerkannten Menschen!

Das Buch Jesus Sirach ist eine weisheitliche Schrift und liefert uns sehr sehr wichtige Aspekte, die zum vierten Gebot auch im Katechismus zusammengefasst werden: Wir sollen Vater und Mutter ehren. Das ist nicht einfach nur eine Floskel, sondern führt uns zum Heil!
Es ist sogar so, dass wir unsere eigenen Sünden sühnen, wenn wir gehorsam sind! Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Wer den Eltern gehorsam ist, sammelt sich zudem Schätze – himmlische Schätze, gemeint ist die Gnade. Warum eigentlich? Unsere Eltern haben uns das Leben geschenkt. Dass wir da sind, haben wir ihnen zu verdanken. Ganz unabhängig davon, wie sie uns behandeln, was sie uns geben und was nicht, sie verdienen unsere Ehre einfach schon dadurch, dass wir dank ihnen existieren.
Wenn wir unsere Eltern behandeln, wie es Gott gefällt, werden wir Segen haben und im Stand der Gnade sein: Dann wird Gott unsere Gebete erhören und wir werden selbst Kinderreichtum genießen. Viele Kinder sind im AT immer ein Zeichen des Segens Gottes. Wenn es im AT zudem heißt, dass man lange leben wird, meint es zu Beginn noch das irdische Leben oder das Weiterleben in den Nachfahren. Mit der Zeit werden die Juden es aber als ein Weiterleben nach dem Tod verstehen, wenn sie nach und nach die Auferstehung begreifen. Hier im Buch Jesus Sirach darf man Jenseitsvorstellungen schon voraussetzen! Wir gewinnen das Himmelreich, wenn wir unseren Eltern gehorsam sind und ihnen die Ehre geben, die ihnen zusteht. Das hat Jesus getan, wie wir nachher noch lesen werden. Er als Gott (!) hat sich seinen irdischen Eltern unterworfen und den Beruf seines Ziehvaters Josef erlernt. Er wird sich nach dem Tod Josefs um seine Mutter kümmern und noch am Kreuz dafür sorgen, dass nach seinem eigenen Tod der Apostel Johannes Maria zu sich nehmen wird. Für uns sind das ganz wichtige Aussagen in einer Zeit, in der Kinder immer weniger Respekt vor ihren Eltern haben. In einer Zeit, in der Eltern sogar Angst vor ihren Kindern haben müssen. In einer Zeit, in der die Kinder die „Herren“ (Vers 7) sind und nicht die Eltern. Am Ende der Zeiten ist es unser Ziel, dem himmlischen Vater, dem Herrn, auf ewig die Ehre zu geben, in dem wir mit allen Engeln und Heiligen ihn loben und preisen. Dann werden wir das nicht mehr abbildhaft tun wie bei unseren irdischen Eltern, sondern vollkommen.
Es schließen sich an die bisher grundsätzlichen Überlegungen ganz konkrete Anweisungen an: Wir sollen uns um unsere Eltern im Alter kümmern. Warum? Als wir klein und hilflos waren, waren sie es, die sich um uns gekümmert haben. Sie haben auf so vieles verzichtet, um uns großzuziehen: auf Schlaf, auf eigenen Luxus, auf eigene Pläne, auf Selbstverwirklichung, auf den eigenen Willen. Wenn sie mit dem Alter nun immer hilfloser werden, wendet sich das Blatt. Nun liegt es an uns, ganz für sie da zu sein, bis sie aus diesem Leben scheiden. Das ist der Lauf der Dinge.
Als wir kleine Kinder waren und herumgenörgelt haben, als wir noch nicht sprechen konnten und unseren eigenen Kopf durchs laute Schreien und Weinen kundgetan haben, nahmen unsere Eltern alles geduldig hin. Sie gaben uns zu essen, wechselten unsere Windeln und sangen uns stundenlang in den Schlaf. Haben unsere Eltern es nicht verdient, dass wir nachsichtig und geduldig mit ihnen umgehen, wenn ihr Verstand nachlässt und sie uns immer schlechter hören? Haben sie es nicht verdient, dass wir ihre mit dem Alter wachsende Sturheit ertragen? Unsere Eltern verachteten uns doch auch nicht, als wir kleine schwache Babys waren. So steht es uns auch nicht zu, in der Fülle unseres Lebens verachtend auf unsere alternden Eltern zu schauen.
Unser respektvoller Umgang als erwachsene Kinder wird nicht unerkannt bleiben. Gott wird sich dies merken und uns dafür reich beschenken.
Wer die Eltern im Stich lässt, wird als Gotteslästerer angesehen. Das ist wichtig: Die Gottesfurcht wird nämlich durch die Elternfurcht umgesetzt, die Abbild Gottes in unserer Familie sind. Furcht meint in diesem Fall nicht Angst, also etwas Pathologisches, sondern den Respekt und das Bemühen, den Anderen nicht zu verletzen. Gott hat uns unsere Eltern geschenkt. Dieses sollen wir dankbar annehmen und gut damit umgehen, sonst beleidigen wir den, der uns das Geschenk gemacht hat. Unsere Eltern sind Gottes Hände und Füße in unserer Familie. Sie sind sein Ausführungsorgan. Er liebt uns durch unsere Eltern. Und wir lieben ihn durch unsere Eltern. Das ist der Wille Gottes für die Familien.
Diese Elternliebe soll schlicht sein und kein Grund zur Angeberei. Das ist nicht etwas, womit man angeben kann, sondern das Mindeste, das wir unseren Eltern schulden. Wie können wir da Lob erwarten?

Ps 128
1 Ein Wallfahrtslied. Selig jeder, der den HERRN fürchtet, der auf seinen Wegen geht! 
2 Was deine Hände erarbeitet haben, wirst du genießen; selig bist du – es wird dir gut ergehn. 
3 Deine Frau ist wie ein fruchtbarer Weinstock im Innern deines Hauses. Wie Schösslinge von Ölbäumen sind deine Kinder rings um deinen Tisch herum. 
4 Siehe, so wird der Mann gesegnet, der den HERRN fürchtet. 
5 Es segne dich der HERR vom Zion her. Du sollst schauen das Glück Jerusalems alle Tage deines Lebens.

Der Psalm betont das, was den Kern der Elternliebe aus dem Buch Jesus Sirach darstellt: Es geht letztendlich um Gottesfurcht. Selig sind wir, wenn wir Gottes Gebote halten. Das ist die konkrete Umsetzung der Gottesfurcht. Wir werden Segen haben, wenn wir „auf seinen Wegen“ gehen. Dieser Segen wird sich z.B. am Erntereichtum zeigen. Vielleicht erinnern Sie sich an die Worte Gottes in Gen 3 nach dem Sündenfall? Eine Folge der Erbsünde ist die mühevolle Arbeit, um das tägliche Brot essen zu können. Erntereichtum ist dagegen ein Zeichen der Gnade Gottes.
Wenn die Frau als fruchtbarer Weinstock bezeichnet wird, ist das ebenfalls ein Zeichen des Segens Gottes. Kinderreichtum wird immer zum Indikator vor allem für die Frau, dass sie den Segen Gottes auf sich hat. Die Kinder als Ölbäume deuten auf deren Langlebigkeit und Fruchtbarkeit hin. Der Ölbaum ist deshalb ein Bild, das häufig zusammen mit dem Weinstock genannt wird.
Was nach jüdischem Verständnis Ausdruck des Segens Gottes war, ist christologisch erfüllt worden, jedoch auf eine neue und unerwartete Weise: Maria und Josef, zwei gottesfürchtige Menschen, erlangen eine Fruchtbarkeit, die ungleich größer ist als die biologische. Ein Ehepaar, das lebenslange Enthaltsamkeit lebt, zieht Gott selbst auf, Jesus Christus. Maria, die gottgeweiht ist und von allen Menschen die größte Gottesfurcht gehabt hat, ist zur Mutter aller und zum Urbild der Kirche geworden, die Menschen durch die Taufe zum neuen Leben gebiert. Diese geistige Fruchtbarkeit, wie man das Führen von Menschen zu Jesus nennen kann, übertrifft die biologische Fruchtbarkeit als Segen, wie er in diesem Psalm zum Ausdruck kommt.
Wenn es dann zum Ende hin heißt „Es segne dich der HERR vom Zion her“, dann ist das ein besonderer Segen. Für die Israeliten war das die maximale Form von Segen, denn „vom Zion“ meint „vom Tempel“. Und dort wohnte die Herrlichkeit Gottes. Wir Christen sehen darin eine typologische Verbindung zum eucharistischen Segen. „Zion“ ist nun die Kirche, in der das Allerheiligste nicht mehr die Bundeslade, sondern der Tabernakel mit den konsekrierten Hostien ist – das fleischgewordene Wort Gottes. Und zuvor müssen wir auf eine entscheidende Typologie hinweisen, die das ganze heutige Fest erklärt! Nämlich die Muttergottes selbst als Zion! Sie trägt den Sohn Gottes, das fleischgewordene Wort Gottes. Gottes Segen geht von ihrem Leib aus! Sie ist die neue Bundeslade, in der nicht mehr die Torah in Steintafelform, sondern als Mensch geborgen ist, nicht mehr die Schaubrote, sondern das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Von diesem Zion geht Segen aus, weil der HERR selbst mit ihr ist. Schauen wir auf dieses Vorbild, verstehen wir die besondere Bedeutung des mütterlichen Segens, auch den Segen unserer irdischen Mutter. Sie hat uns geboren, die wir Abbild Gottes sind, wenn auch nicht Gottes Sohn wie Jesus. Wenn wir Gottes Willen tun, in diesem Fall das Ehren der Eltern, dann geht von diesen Eltern der Segen Gottes auf uns über!
Das ewige Schauen des Glücks Jerusalems ist dann auch mehr als nur wörtlich zu verstehen: Es bezieht sich auf die Glückseligkeit des himmlischen Jerusalems. Dann werden wir mit der himmlischen Familie, also in Gemeinschaft der Heiligsten Dreifaltigkeit leben. Dann kommen wir von der Abbildhaftigkeit zur Vollendung. Das dürfen wir sakramental schon jetzt erfahren in der Gemeinschaft der Gläubigen, der Kirche. Wir sind eine einzige Familie, bei der der Priester unser Vater ist. Er sorgt für die Sakramente und Sakramentalien. Die Kirche gebärt uns, zieht uns auf und nährt uns mit den Heilsmitteln seelisch. Alle Gläubigen sind Geschwister im Glauben und bilden so die geistliche Familie, von der Jesus gesprochen hat (Mt 12,50; Mk 3,35).

Kol 3
12 Bekleidet euch also, als Erwählte Gottes, Heilige und Geliebte, mit innigem Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld! 
13 Ertragt einander und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat! Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! 
14 Vor allem bekleidet euch mit der Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist! 
15 Und der Friede Christi triumphiere in euren Herzen. Dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes. Seid dankbar! 
16 Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch. In aller Weisheit belehrt und ermahnt einander! Singt Gott Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder in Dankbarkeit in euren Herzen! 
17 Alles, was ihr in Wort oder Werk tut, geschehe im Namen Jesu, des Herrn. Dankt Gott, dem Vater, durch ihn!
18 Ihr Frauen, ordnet euch den Männern unter, wie es sich im Herrn geziemt!
19 Ihr Männer, liebt die Frauen und seid nicht erbittert gegen sie! 
20 Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern in allem, denn das ist dem Herrn wohlgefällig!
21 Ihr Väter, schüchtert eure Kinder nicht ein, damit sie nicht mutlos werden!

Auch der Paulusbrief gibt uns heute konkrete Anweisungen, wie wir als Familie zusammenleben sollen. Er sagt auch aus, warum wir wie beschrieben leben sollen: „als Erwählte Gottes, Heilige“. Durch die Taufe sind wir zur Heiligkeit berufen und dies soll sich an unserem Lebensstil bemerkbar machen.
Wir sollen einander ertragen. Wir können uns die Familienmitglieder nicht aussuchen und es kommt manchmal zu Spannungen. Charaktere treffen aufeinander, die nicht immer kompatibel sind. Wir sollen das aber aushalten.
Ein entscheidender Aspekt ist die Vergebung. Wir sollen einander immer verzeihen, jeden Tag aufs Neue. Wir sollen das bedingungslos tun, weil wir in der Nachfolge Christi stehen. Er hat immer und überall vergeben. Er hat noch seinen Henkern am Kreuz vergeben und für sie gebetet. Das soll unser Vorbild auch im Familienleben sein.
Zu dieser Voraussetzung tritt das Band, das alles zusammenhält – die Liebe. Diese ist nicht immer nur ein schönes Gefühl. Spätestens da, wo wir einander vergeben müssen, obwohl wir uns gegenseitig am liebsten auf den Mond schießen würden. Liebe ist manchmal harte Arbeit, und stets die Entscheidung füreinander, auch wo unsere momentanen Gefühle dagegen sprechen.
Der Wunsch einer friedlichen Familie kann nur in Erfüllung gehen, wo Gott Einzug in sie hält. Wo Gott das Zentrum der Familie ist, kann auch sein Frieden, der vollkommen ist, in ihr wirken.
Wir sollen dankbar sein. Das ist nicht zu unterschätzen. Das hat nämlich zur Folge, dass wir nichts, ich wiederhole, NICHTS für selbstverständlich nehmen sollen. Das zeigen wir im Alltag dadurch, dass wir uns für die Dinge bedanken, die uns der andere gibt und tut.
„Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch“ heißt, dass das Evangelium ganz und gar Realität in unseren Familien sein soll. Es soll davon geredet werden, aber vor allem soll es gelebt werden.
Wir sollen uns gegenseitig belehren (natürlich mit Liebe) und Gott loben mit Liedern und Gebeten. Das alles klingt, als ob hier nicht die Rede von Familie, sondern Kirche ist. Beides stimmt. Die Familie ist nämlich eine Hauskirche, eine Zelle des Leibes Christi. Diese geistige Dimension von Familie dürfen wir nicht vergessen. Deshalb ist das gemeinsame Gebet analog zur Leiturgia zu betrachten, die gegenseitige Ermahnung analog zur Martyria und das gegenseitige Lieben und Verzeihen analog zur Diakonia. Diese drei wiederum sind die kirchlichen Grundvollzüge. Und so wie alles in der Kirche im Namen Jesu geschehen soll, gilt es für das Familienleben.
Es schließt sich dann eine „Haustafel“ an, das heißt eine Erklärung, wie die Mitglieder des Hauses zueinander stehen sollen. Auch dies ist analog zur Hierarchie der Kirche zu verstehen: Frauen sollen sich ihren Männern unterordnen, die Männer sollen das aber nicht missbrauchen, sondern ihre Frauen lieben. Sie sollen auch die Kinder nicht einschüchtern, obwohl die Kinder den Eltern gehorchen sollen. Das ist die christliche Ordnung der Familie. Leben wir so, haben wir Segen und den Frieden Christi. Das Haupt der Kirche ist Christus, der vor seinem Heimgehen zum Vater Apostel bevollmächtigt hat, an seiner Statt die Rolle des Hauptes einzunehmen. Die Frau ist die Kirche, die Kinder gebärt, sie erzieht und nährt. Der Priester soll seine Frau, die Kirche lieben und nicht über sie herrschen. Die Kirche soll sich dem Mann, dem Priester in persona Christi unterordnen. Die Kinder, die geboren werden, die Täuflinge, diejenigen, die noch im Begriff sind, in die volle Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen zu werden, sollen der Kirche gehorchen, das heißt die Gebote Gottes und Voraussetzungen für den sakramentalen Empfang erfüllen. Sie sollen auch dem Priester gehorsam sein und auf ihn hören. Das hat aber nichts mit Machtgefüge zu tun, weil diese Art von Unterordnung und Hauptsein Christus zum Zentrum hat. Wo dieser aus der Mitte entfernt wird – sowohl in der Kirche als auch in der Familie – gerät diese Hierarchie aus den Fugen. Dann kommt Missbrauch, Hass und Gewalt hinein. Und diejenigen, die am meisten darunter leiden, sind die Kinder – sowohl in der Familie als auch in der Kirche.

Mt 2
13 Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, siehe, da erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. 
14 Da stand Josef auf und floh in der Nacht mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. 
15 Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.
19 Als Herodes gestorben war, siehe, da erschien dem Josef in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum 
20 und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben, sind tot. 
21 Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel. 
22 Als er aber hörte, dass in Judäa Archelaus anstelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte, zog er in das Gebiet von Galiläa 
23 und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder. Denn es sollte sich erfüllen, was durch die Propheten gesagt worden ist: Er wird Nazoräer genannt werden.

Im Evangelium hören wir heute davon, dass die Hl. Familie von Anfang an bedroht wird. Herodes sieht mit der Geburt Jesu Christi sein Königtum in Gefahr und trachtet deshalb nach dem Leben des Kindes. Gott lässt die Familie aber auch in dieser schweren Stunde nicht im Stich, sondern gibt dem Gerechten erneut einen Traum. Er wird gewarnt und flieht deshalb mit dem Kind und „dessen Mutter“ nach Ägypten. Hier haben wir übrigens wieder eine Formulierung, die zeigt, dass er nicht der Vater des Kindes ist. Erst nach dem Tod des Königs ist die Lage wieder sicher, sodass er mit seiner Familie nach Nazaret zurückkehren kann. Hier heißt es sogar, dass die Familie anscheinend darüber nachgedacht hatte, nach Judäa zu gehen. Das verwundert vielleicht, weil wir bisher gehört haben, dass Josef und Maria in Nazaret gelebt hatten. Verstehen können wir dies erst, wenn wir die messianischen Verheißungen wieder berücksichtigen. Die Eltern Jesu wussten, dass ihr Sohn der Messias ist, von dem es heißt, dass er als Sohn Davids nach Jerusalem gehört. Dies wird sich erst im Erwachsenenalter realisieren, wenn er auf einer Eselin nach Jerusalem hinein geritten kommen wird und die Menschen ihn mit Hosannarufen begrüßen werden. Bis dahin wird er als Spross (nezer) in Nazaret aufwachsen. Deshalb wird man ihn auch Jesus von Nazaret oder den Nazoräer nennen – Jesus, den Spross!
Die ganzen Umstände werden hier im Matthäusevangelium aus heilsgeschichtlicher Sicht betrachtet und gedeutet. Die Schrift erfüllt sich auch hier.
Wie wir in den letzten Wochen schon öfter gehört haben, betont das Matthäusevangelium die Ereignisse aus der Sicht Josefs und aus der Sicht der alttestamentlichen Verheißungen. Wir sehen hier, wie ein Vater sein soll. Er soll beschützen. Insofern soll er das Haupt der Familie sein. Ein Vater soll zudem gehorsam sein – nämlich Gott. So wie Josef ohne Zögern den Willen Gottes direkt umsetzt, so soll der Vater sein eigenes „Herrschen“ der Herrschaft Gottes unterstellen. So wird er seine „Macht“ nie missbrauchen, sondern mit seinem ganzen Sein dienen. Dann wird sich die Frau ihrem Mann auch gerne unterordnen. Maria hat nie Einwände gezeigt (so wird es jedenfalls nie berichtet). Sie macht alles mit, weil sie weiß, dass ihr Mann nach dem Willen Gottes Entscheidungen trifft.
Was Paulus im Kolosserbrief schildert, sehen wir anhand der Hl. Familie vorgelebt. Sie ist uns wirklich ein Vorbild, dem wir nacheifern können. Gewiss werden wir das Ideal nie ganz erfüllen, weil wir sündige Menschen sind. Väter missbrauchen ihre Macht leider doch manchmal und schüchtern ihre Kinder ein. Mütter ordnen sich alles andere als unter, sondern tragen einen regelrechten Konkurrenzkampf mit dem Vater aus. Kinder gehorchen ihren Eltern nicht und haben auch keinen Respekt vor ihnen. Die Ordnung der Familie, die Frieden bringen würde, ist oft nicht gegeben. Und doch ist die Hl. Familie unser Maßstab, unser Ziel, unser Wunsch. Wir dürfen trotz der Missstände unser Ideal nicht aufgeben, sonst sind wir verloren! So wie Josef, Maria und Jesus müssen wir wieder lernen, Gott in unsere Mitte zu stellen, dann wird er nach und nach die Ordnung in unser Familienleben bringen, die uns Frieden bringt.

Ihre Magstrauss

Die Ironie des Regenbogens

Liebe Freunde,

gestern Abend sah ich einen wunderschönen Regenbogen. Heute Morgen habe ich Gen 7-9 betrachtet, dabei bekam ich folgende Gedanken geschenkt:

In Gen 7-9 schließt Gott einen Bund mit Noah und seiner Familie. Dieser Bund ist kein gänzlich neuer, sondern die Erneuerung des Bundes, den Gott mit Adam und Eva geschlossen hat. Während es sich bei Adam und Eva um einen Ehebund handelt, betrifft die Erneuerung in Gen 7-9 eine ganze Familie. Als Zeichen des Bundes setzt Gott den Regenbogen in die Wolken.

Ist das nicht höchst brisant angesichts der heutigen Symbolik des Regenbogens? Ausgerechnet jetzt, in diesem Monat, in dem man überall auf die Regenbogensymbolik trifft!

Bekanntlich pervertiert der Böse alles Schöne, das Gott geschaffen hat. Das Ausmaß dieser Pervertierung ist mir heute Morgen so richtig aufgegangen: Während Gott den Regenbogen ursprünglich als Symbol für den Bund zwischen ihm und Noahs ganzer Familie (!) wählt, zweckentfremdet die New-Age-Bewegung mit der Agenda einer neuen Weltordnung den Regenbogen, um genau diese Familie zu zerstören!


Wenn man Gen 7-9 aufmerksam liest, stellt man fest, dass Gott nicht nur mit der Familie Noahs einen Bund schließt, sondern auch mit allen Tieren! Und was lesen wir da explizit? Auf die Arche kamen jeweils ein MÄNNCHEN und ein WEIBCHEN! Und was sagt Gott zu den Menschen und Tieren?

Seid fruchtbar und vermehret euch!

Was will die neue Weltordnung dagegen? Die Familien sollen zerstört werden – unter dem Vorwand der Erweiterung althergebrachter Familien um eine Vielfalt neuer Konstellationen. Damit hängt zusammen, dass die sexuelle Identität zerstört werden soll – unter dem Vorwand der Erweiterung der Zweigeschlechtlichkeit um eine Vielfalt neuer sexueller Orientierungen.

Nur: Wenn man alles sein kann, verliert man sich selbst.

Und zu guter Letzt: Die „Vielfalt“ (wie ich dieses Wort liebe) der sexuellen Orientierungen führt zu einem Abbruch der Weitergabe des Lebens. Wir sehen jetzt schon die verheerenden Folgen, die die künstlichen Verhütungsmittel herbeigeführt haben! Die Tendenz steigt mit dem Gender Mainstreaming und dem prinzipiellen Ausschluss von Fruchtbarkeit.

Jesus sagt uns: Euer Herz lasse sich nicht verwirren (Joh 14,1).

Wir müssen keine Angst haben, aber diese Dinge deutlich sehen und im Lichte des Heilsplanes Gottes bewerten. Der Regenbogen ist das Symbol der Familie. Wer ihn missbraucht, der entlarvt sich selbst.

Beten wir in diesem Monat besonders für die blinde Gesellschaft und für alle, die den Gay Pride feiern. Legen wir sie alle in das göttliche Herz Jesu, das wir im Monat Juni besonders verehren, auf dass der Herr sie verwandle!

Ihre Magstrauss