Freitag der 12. Woche im Jahreskreis

Gen 17,1.9-10.15-22; Ps 128,1-2.3.4-5; Mt 8,1-4

Gen 17
1 Als Abram neunundneunzig Jahre alt war, erschien der HERR dem Abram und sprach zu ihm: Ich bin El-Schaddai. Geh vor mir und sei untadelig!
9 Und Gott sprach zu Abraham: Du aber sollst meinen Bund bewahren, du und deine Nachkommen nach dir, Generation um Generation.
10 Dies ist mein Bund zwischen mir und euch und deinen Nachkommen nach dir, den ihr bewahren sollt: Alles, was männlich ist, muss bei euch beschnitten werden.
15 Weiter sprach Gott zu Abraham: Du sollst deine Frau nicht mehr Sarai nennen: Sara, Herrin, soll ihr Name sein.
16 Ich will sie segnen und dir auch von ihr einen Sohn geben. Ich segne sie: Völker gehen von ihr aus; Könige von Völkern werden ihr entstammen.
17 Da fiel Abraham auf sein Angesicht nieder und lachte. Er sprach in seinem Herzen: Können einem Hundertjährigen noch Kinder geboren werden und kann Sara als Neunzigjährige noch gebären?
18 Dann sagte Abraham zu Gott: Wenn nur Ismael vor dir am Leben bleibt!
19 Gott entgegnete: Nein, deine Frau Sara wird dir einen Sohn gebären und du sollst ihm den Namen Isaak geben. Ich werde meinen Bund mit ihm aufrichten als einen ewigen Bund für seine Nachkommen nach ihm.

20 Auch was Ismael angeht, erhöre ich dich: Siehe, ich segne ihn, ich mache ihn fruchtbar und mehre ihn über alle Maßen. Zwölf Fürsten wird er zeugen und ich mache ihn zu einem großen Volk.
21 Meinen Bund aber richte ich mit Isaak auf, den dir Sara im nächsten Jahr um diese Zeit gebären wird.
22 Als er aufgehört hatte, mit ihm zu reden, fuhr Gott zur Höhe empor.

Heute hören wir aus der Genesis den Bundesschluss Gottes mit Abraham. Gott „erscheint“ ihm, auf welche Weise erfahren wir nicht. Wie so oft fällt der „Heimgesuchte“ auf sein Gesicht nieder. So ist es immer, wenn Menschen mit Gott, seinen Boten, mit Übernatürlichem in Kontakt kommen. Es ist deshalb auffällig, dass Maria nicht so reagiert, als der Engel Gabriel ihr die frohe Botschaft überbringt. Dies wird oft mit ihrer Sündenlosigkeit in Verbindung gebracht. Gott stellt sich vor, er offenbart sich Abraham als El-Schaddai, eine Bezeichnung, deren Bedeutung in der Forschung rege diskutiert wird. Zumeist wird sie übersetzt mit „Gott, der Allmächtige“. Es ist für den alten Mann wichtig, dass Gott sich ihm so vorstellt, denn was er an Abraham tun möchte, ist wirklich Ausdruck seiner Allmacht. Entgegen aller Vorstellungen kann Gott aus der Kinderlosigkeit Abrahams und Sarahs ein unzählbares Volk erstehen lassen. Entgegen aller Vorstellungen kann er dem entstandenen Volk das ganze Land Kanaan geben.
Gott verheißt Abram, der heute eine Namensänderung erhält – Abraham, Vater der Menge – noch einmal eine unzählbare Nachkommenschaft. Im Gegenzug erwartet er, dass Abraham und seine Nachkommen den Bund halten, den Gott mit ihm schließt.
Das alles geschieht, als Abraham neunundneunzig Jahre alt ist. Das beweist uns, dass Gott Menschen in jedem Lebensalter berufen kann und auch ältere Menschen noch eine bedeutsame Aufgabe erhalten. Sie sind auch in hochbetagtem Alter noch sehr wichtig in unserer Welt, bis heute!
Vor einigen Tagen hörten wir schon, wie Gott ein Opfer von Abraham gefordert hatte, das den Bundesschluss zwischen Gott und Abraham besiegeln sollte. Heute hören wir vom Zeichen, das den Bundesschluss begleitet – die Beschneidung. Jede männliche Geburt soll beschnitten werden als Zeichen dieses Bundesschlusses mit Gott. Sarai soll von nun an Sara heißen – Herrin. Das ist eine ganz große Verheißung, die die beiden zu jenem Zeitpunkt noch gar nicht erahnen können: Aus ihr werden Könige hervorgehen. Als „Mutter“ von Königen wird sie Herrin genannt werden.
Abraham lacht in sich hinein, weil es so irreal erscheint. Wie kann ein hundertjähriger Mann und eine neunzigjährige Frau ein Kind bekommen? Doch bei Gott ist nichts unmöglich. Das muss auch Abraham lernen. Er ist oft noch sehr menschlich in seinem Denken, deshalb wollte er Gott durch die Zeugung Ismaels ja auch unter die Arme greifen. Das war ein verhängnisvoller Fehler und Gott sprach viele Jahre nicht mehr mit ihm aufgrund dieses Gotteszweifels. Auch hier kommt Abrahams Denkweise wieder zum Vorschein, weshalb Gott ihm geduldig entgegnet: „Nein, deine Frau Sara wird dir einen Sohn gebären und du sollst ihm den Namen Isaak geben.“ Gott betont, dass der Bund, den er mit Abraham und seinen Nachkommen schließt, über die Linie Isaaks geschehen wird und nicht über die Linie Ismaels. Das ist ein selbstgemachter Stammbaum Abrahams, nicht der von Gott erdachte.
Und doch heißt das nicht, dass Ismael von Gott verworfen ist. Dieser wird gesegnet und fruchtbar gemacht. Aus ihm werden zwölf Fürsten hervorgehen. Und doch wird dieses erstehende Volk kein Bundesvolk sein wie Israel.
In einem Jahr wird Sara Abraham den verheißenen Sohn gebären. Das Warten hat bald ein Ende.
Zum Schluss heißt es, dass Gott wieder zur Höhe emporsteigt. Es ist hier also entweder so, dass Gott selbst sich irgendwie offenbart hat oder dass ein Engel die Botschaft Gottes Abraham überbracht hat.

Ps 128
1 Ein Wallfahrtslied. Selig jeder, der den HERRN fürchtet, der auf seinen Wegen geht!
2 Was deine Hände erarbeitet haben, wirst du genießen; selig bist du – es wird dir gut ergehn.
3 Deine Frau ist wie ein fruchtbarer Weinstock im Innern deines Hauses. Wie Schösslinge von Ölbäumen sind deine Kinder rings um deinen Tisch herum.
4 Siehe, so wird der Mann gesegnet, der den HERRN fürchtet.
5 Es segne dich der HERR vom Zion her. Du sollst schauen das Glück Jerusalems alle Tage deines Lebens.

Als Antwort auf die Lesung beten wir Ps 128, der zum psalmübergreifenden Wallfahrtslied 120-134 gehört. Er stellt einen Haussegen dar, passt also ideal auf die Lesung, in der es ebenfalls um eine Familie geht. Abraham und seine Nachkommen sollen ja zum Bundesvolk, das heißt zur Familie Gottes werden. Selig sind wir, wenn wir Gottes Gebote halten. Dieses Verhalten zeigt unsere Gottesfurcht und ein geordnetes Leben. Wir werden Segen haben, wenn wir „auf seinen Wegen“ gehen. Dieser Segen wird sich z.B. am Erntereichtum zeigen. Das ist ein gängiges Bild und Beispiel für Gottes Segen.
Das greift Gen 3 auf, wo als Folge des ersten Sündenfalls die mühevolle Arbeit angekündigt wird, um das tägliche Brot essen zu können. Erntereichtum ist umso mehr ein Zeichen der Gnade Gottes. Wir sehen also auch hier im Psalm die Diskrepanz zwischen Gottes inniger Gemeinschaft mit seinen Geschöpfen und der Korruption durch den Sündenfall.
Auch Vers 4 drückt aus, dass der gottesfürchtige Mann gesegnet sein wird. Wer Gott aber fürchtet, wird sein Leben nicht einfach schleifen lassen. Die Gottesfurcht meint die Angst, Gott zu beleidigen und dadurch die Beziehung zu ihm zu beeinträchtigen. Wer also an der Beziehung zum Herrn arbeitet, wird Segen haben.
Ein weiteres Zeichen des Segens wird hier mithilfe der Bilder „Weinstock“ und „Ölbaum“ gegeben. Wenn die Frau als fruchtbarer Weinstock bezeichnet wird, ist das ein Zeichen des Segens Gottes. Kinderreichtum wird immer zum Indikator vor allem für die Frau, dass sie den Segen Gottes auf sich hat. Die Kinder als Ölbäume deuten auf deren Langlebigkeit und Fruchtbarkeit hin. Der Ölbaum ist deshalb ein Bild, das häufig zusammen mit dem Weinstock genannt wird.
Wenn es dann zum Ende hin heißt „Es segne dich der HERR vom Zion her“, dann ist das ein besonderer Segen. Für die Israeliten war das die maximale Form von Segen, denn „vom Zion“ meint „vom Tempel“. Und dort wohnte die Herrlichkeit Gottes. Wir Christen sehen darin eine typologische Verbindung zum eucharistischen Segen. „Zion“ ist nun die Kirche, in der das Allerheiligste nicht mehr die Bundeslade, sondern der Tabernakel mit den konsekrierten Hostien ist – das fleischgewordene Wort Gottes.
Das ewige Schauen des Glücks Jerusalems ist dann auch mehr als nur wörtlich zu verstehen: Es bezieht sich auf die Glückseligkeit des himmlischen Jerusalems. Dann werden wir mit der himmlischen Familie, also in Gemeinschaft der Heiligsten Dreifaltigkeit leben. Dann kommen wir von der Abbildhaftigkeit zur Vollendung. Das dürfen wir sakramental schon jetzt erfahren in der Gemeinschaft der Gläubigen, der Kirche. Wir sind eine einzige Familie, bei der der Priester unser Vater ist. Er sorgt für die Sakramente und Sakramentalien. Die Kirche gebärt uns, zieht uns auf und nährt uns mit den Heilsmitteln seelisch. Alle Gläubigen sind Geschwister im Glauben und bilden so die geistliche Familie, von der Jesus gesprochen hat (Mt 12,50; Mk 3,35). Also hat er selbst die Analogie von Familie, Reich Gottes und Gottes Dreifaltigkeit grundgelegt. Und auch in der Familie Gottes als Kirche ist das verbindende und gliedernde Prinzip die Liebe, Hingabe und der Dienst. Nicht umsonst hat Jesus am selben Abend, als er das Weihesakrament stiftete – mit allen seinen Vollmachten! – den Aposteln die Füße gewaschen als Beispiel für sie. Er wollte verdeutlichen, dass wer in der Hierarchie ganz oben steht, der Diener aller sein soll. Deshalb ausgerechnet die Fußwaschung, denn sie ist der Sklavendienst schlechthin.

Mt 8
1 Als Jesus von dem Berg herabstieg, folgten ihm viele Menschen nach.
2 Und siehe, da kam ein Aussätziger, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, wenn du willst, kannst du mich rein machen.
3 Jesus streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will – werde rein! Im gleichen Augenblick wurde der Aussätzige rein.
4 Jesus aber sagte zu ihm: Nimm dich in Acht! Erzähl niemandem davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Opfer dar, das Mose angeordnet hat – ihnen zum Zeugnis!

Vor einigen Tagen schlossen wir die Bergpredigt ab. Nun steigt Jesus vom Berg wieder herab und sogleich folgen ihm viele Menschen nach. Das müssen wir uns ein wenig genauer durch den Kopf gehen lassen. Er hat eine sehr radikale Predigt gehalten. Kompromisslos und bis in die letzte Konsequenz hat er die Befolgung der Zehn Gebote gefordert. Dabei hat er nicht nur die Umsetzung, sondern auch die richtige Absicht betont. Das ist ein absolut hoher Anspruch, der aber nicht allein aus eigener Kraft, sondern mithilfe der Gnade Gottes umgesetzt werden soll. Und doch folgen ihm so viele Menschen nach! Er hat keine liberalen Floskeln von sich gegeben oder ein Wohlstandsevangelium gelehrt. Im Gegenteil. Es ging um die Seligkeit jener, die um dieser Botschaft willen verfolgt werden! Und genau dies hat die Menschen berührt. Vielleicht sollten wir uns als Kirche von heute diese Worte mal wieder richtig zu Herzen nehmen, damit die ganzen pastoralen Bemühungen sich wieder auf diese Worte hier konzentrieren. Dann werden auch wieder mehr Menschen Christus nachfolgen wie damals. Wir sehen dies ja an den „konservativen“ (dieser politische Begriff ist eigentlich voll unpassend) Geistlichen oder Orten, an denen gar kein Platz mehr frei ist, wenn eine Heilige Messe stattfindet. Das ist genau das, was auch in der Bergpredigt passiert!
Jesus ist nun also wieder unterwegs. Und da kommt ein aussätziger Mann, der voller Glauben zu Jesus sagt: „Herr, wenn du willst, kannst du mich rein machen.“ Wir müssen uns bewusst sein, dass es sich um einen hochansteckenden Menschen handelt. Er bringt den Mut auf, vor Christus zu erscheinen, obwohl er eigentlich abgeschirmt sein muss und von Weitem „Aussatz“ rufen soll. Doch er hat so ein großes Vertrauen in Gott, dass er das Unerlaubte wagt. Er sagt nicht zu Jesus: „Herr, wenn du kannst.“ Er sagt: „Wenn du willst.“ Und das zeugt von einem sehr reifen Glauben. Der Mann versteht, dass Gott kein Automat ist. Es ist nicht einfach so, dass wenn man betet, Gott automatisch die Bitte erfüllt, und wenn nicht, man sich von ihm abwenden muss. Viele verstehen das falsch und verlieren aufgrund eines solchen Missverständnisses ihren Glauben. Der Aussätzige dagegen bittet voller Glauben und doch unter der Bedingung, dass es Gottes Wille ist. Für das Leiden des Einzelnen kann es unterschiedliche Gründe geben. Manche müssen die Konsequenz von Sünde tragen, der eigenen oder der fremden (das ist unfair, aber so ist die Natur der Sünde). Manche werden aber auch zu Werkzeugen Gottes bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit. So ein Fall liegt uns hier vor. Durch die folgende Heilung sollen viele Menschen zum Glauben kommen.
Jesus erkennt den großen Glauben des Aussätzigen und sogleich sagt er deshalb zu ihm: „Ich will – werde rein!“ Sofort wird der Mann von seiner Krankheit geheilt. Jesus trägt ihm auf, sich dem Priester zu zeigen und ein entsprechendes Opfer darzubringen. Das zeugt von Jesu Gesetzestreue. Er hat in der Bergpredigt gesagt, dass er nicht gekommen ist, das Gesetz aufzuheben. Er sagt sogar, dass nicht einmal ein Iota verändert werden darf. Das ist der kleinste Buchstabe des griechischen Alphabets (Im Original wird es wohl um das Iod gegangen sein, der kleinste Buchstabe des hebräischen/aramäischen Alphabets). Es geht um das Procedere, das man bei Heilung vom Aussatz laut Lev 14 durchlaufen soll. Er tut das „ihnen zum Zeugnis“. Sie sollen sehen, dass Jesus nicht das mosaische Gesetz abschaffen will. Das unterstellen ihm die Gegner sehr oft. Dabei hat er dieses Gesetz ja sogar noch radikalisiert und auf die Ursprünge zurück verwiesen, von denen sich die Hüter der Torah seiner Zeit entfernt haben.
Was er in der Bergpredigt gelehrt hat, zeigt er sofort bei seiner ersten Handlung danach. Er tut, was er selbst gefordert hat: Nicht nur reden, sondern auch durch Taten beweisen. Er sagte von sich, dass der die Torah erfülle, nicht abschaffe. Nun beweist er es durch die Anordnung, sich einem Priester zu zeigen.
Der Geheilte soll niemandem von der Heilung erzählen. Auch hier möchte Jesus seine Messianität durch Taten nach und nach den Menschen klarmachen, nicht durch Proklamation. Er möchte auch vermeiden, direkt festgenommen zu werden. Seine Reich-Gottes-Verkündigung ist noch nicht abgeschlossen. Er kann noch nicht verhaftet werden. Der Gehorsam des Aussätzigen führt zu seiner Heilung. Ihm ist nicht einfach nur körperliche Gesundheit geschenkt worden. Er kann wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden. Er ist wieder kultfähig und kann somit wieder Opfer darbringen. Er kann wieder arbeiten und sich um seine Familie kümmern. Ihm ist ein neues Leben geschenkt worden, weil er Gott ganz geglaubt und sich zugleich dessen Willen unterstellt hat.

Heute hören wir in den Lesungen von einem neuen Leben entgegen aller menschlicher Denkweise und Hoffnung. Abraham soll Vater eine großen Menge werden, obwohl er schon fast hundert Jahre alt ist. Der Aussätzige im Evangelium wird von einer unheilbaren und zum Tod führenden Krankheit geheilt. Gott kann aus dem Nichts etwas Wunderbares machen. Bei ihm ist alles möglich. Christus bestätigt durch seine Heilstaten Gottes Offenbarung, die dieser vor Abraham vorgenommen hat: Er ist wirklich El-Schaddai, der Allmächtige, dem alles möglich ist. Lernen wir vom Aussätzigen, ebenfalls so zu beten: mit vollem Glauben, dass Gott alles vermag und doch nach dessen Willen fragen – „Herr, wenn du willst.“

Ihre Magstrauss

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