Siebter Tag der Weihnachtsoktav

1 Joh 2,18-21; Ps 96,1-2.11-13; Joh 1,1-18

1 Joh 2
18 Meine Kinder, die letzte Stunde ist da. Ihr habt gehört, dass der Antichrist kommt, und jetzt sind viele Antichriste aufgetreten. Daran erkennen wir, dass die letzte Stunde da ist. 

19 Sie sind aus unserer Mitte gekommen, aber sie haben nicht zu uns gehört; denn wenn sie zu uns gehörten, wären sie bei uns geblieben. Es sollte aber offenbar werden, dass sie alle nicht zu uns gehören. 
20 Ihr habt die Salbung von dem, der heilig ist, und ihr alle wisst es. 
21 Ich schreibe euch nicht, weil ihr die Wahrheit nicht kennt, sondern weil ihr sie kennt und weil keine Lüge von der Wahrheit stammt.

In der heutigen Lesung hören wir die Fortsetzung der gestrigen. Die „letzte Stunde“ macht uns deutlich, dass wir in der Endzeit leben. Diese hat mit der Menschwerdung Gottes begonnen und die ganze Zeitspanne, in der es die Kirche gibt, gehört zur Endzeit. Bald kommt das Ende der Welt, auch wenn wir nicht genau wissen, wann. Ein „Symptom“ dieser Phase ist das Aufbäumen des Antichristen. Ja, es sind viele Personen in unserer heutigen Zeit aufgetreten, die man als Antichristen bezeichnen kann. Sie sind gegen Christus. Sie bringen seine geliebten Kinder um, sie töten generell viele Menschen und rotten die ganze gute Schöpfung aus. Sie sorgen dafür, dass die Ordnung der Naturgesetze übergangen und pervertiert werden. Sie spielen Gott, in dem sie Menschen schaffen wollen, ein Paradies auf Erden schaffen und entscheiden wollen, wer lebenswert ist und wer nicht. Ein weiteres Kennzeichen dieser Antichristen ist die Verwirrung von Identität und Geschichte und die Lügerei.
Wenn Johannes sagt, dass sie „aus unserer Mitte kommen“, spricht er etwas sehr Tiefgründiges aus. Einerseits meint das historisch-wörtlich, dass die Häretiker zunächst Teil der Großkirche waren. Er spricht hier vor allem gnostische Sektierer an, die zuvor Christen waren und sich dann abgespaltet haben. Deshalb sagt er, dass sie nicht „zu uns“ gehört hätten. Wären sie mit Überzeugung Christen geworden, hätten sie sich nicht gegen Christus entschieden. In Jesu Gegenwart scheiden sich aber die Geister und deshalb sollte sich auch ihre Irrlehre offenbaren. Als die Eltern Jesu mit dem Kind im Tempel waren und der greise Simeon den Messias endlich schauen durfte, kündigte er ihnen dies an, indem er sagte: „So sollen die Gedanken vieler Herzen offenbar werden.“
Die Salbung, von der Johannes spricht, meint die Firmung. Diese war zunächst mit der Taufe kombiniert. Johannes will damit sagen, dass die Getauften den Hl. Geist empfangen haben und dies ganz bewusst („und ihr alle wisst es“).
Die Getauften kennen die Wahrheit, also Jesus und seine Lehre. Sie haben im Vorfeld der Taufe alles erklärt bekommen im Katechumenat. Weil sie in der Wahrheit leben und den Hl. Geist empfangen haben, können sie Wahrheit und Lüge voneinander unterscheiden. Die Lüge kommt nicht von Gott, sondern vom Widersacher.

Ps 96
1 Singt dem HERRN ein neues Lied, singt dem HERRN, alle Lande, 
2 singt dem HERRN, preist seinen Namen! Verkündet sein Heil von Tag zu Tag!
3 Erzählt bei den Nationen von seiner Herrlichkeit, bei allen Völkern von seinen Wundern!  
11 Der Himmel freue sich, die Erde frohlocke, es brause das Meer und seine Fülle. 
12 Es jauchze die Flur und was auf ihr wächst. Jubeln sollen alle Bäume des Waldes 
13 vor dem HERRN, denn er kommt, denn er kommt, um die Erde zu richten. Er richtet den Erdkreis in Gerechtigkeit und die Völker nach seiner Treue.

Der heutige Psalm ist „ein neues Lied“, was heute wieder einen messianischen Psalm kennzeichnet. Es handelt sich um einen Lobespsalm, der das Heil Gottes thematisiert. Es handelt sich um den Psalm aus der Christmette. Es wird also noch einmal weihnachtlich heute. Die Heilstaten Gottes sollen verkündet und verbreitet werden, damit auch andere zum Glauben an ihn kommen. Die Aufforderung in Vers 3 erinnert an Jesu Missionsauftrag von Mt 28. Gott soll verkündet werden in der ganzen Welt („die Nationen“ meint immer die Heiden im AT und NT). Das größte Wunder, das Gott getan hat, ist seine eigene Menschwerdung in einer Jungfrau und seine Auferstehung von den Toten. Es ist so groß, weil dadurch Gott das universale Heil für die ganze Welt ermöglicht hat. Die ganze Schöpfung hat deshalb Grund zum Lobpreis, denn auch sie litt unter der Erbsünde der Menschen. 
Schon mit dem ersten Kommen hat Gott Gericht gebracht. Jesus hat sehr oft Gerichtsreden gehalten und bestimmten Personen Gerichtsworte gewidmet. Ganz prominent sind seine Weherufe im Anschluss an die Seligpreisungen und jene gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten. An Jesus haben sich schon von Anfang an die Geister geschieden und viele haben sich schon zu seinen Lebzeiten gegen ihn entschieden. Sie haben sich selbst gerichtet in seinem Angesicht. Hier haben wir eine deutliche Verbindung zur Lesung, die ebenfalls diese simeonische Ankündigung aufgreift: An Jesus scheiden sich die Geister – die einen werden durch ihn zu Fall kommen, die anderen aufgerichtet werden.
Gericht ist nie als Drohung zu verstehen. Gericht ist immer Erlösung und Barmherzigkeit für jene, die Gott lieben und seine Gebote halten. Gericht ist Erlösung von der Ungerechtigkeit jener, die die Gerechten unterdrücken und die Unschuldigen leiden lassen.

Joh 1
1 Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.
2 Dieses war im Anfang bei Gott. 
3 Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist. 
4 In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. 
5 Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.
6 Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt; sein Name war Johannes. 
7 Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. 
8 Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. 
9 Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. 
10 Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. 
11 Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. 
12 Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, 
13 die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
14 Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. 
15 Johannes legt Zeugnis für ihn ab und ruft: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. 
16 Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. 
17 Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. 
18 Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.

Heute hören wir als Evangelium den einleitenden hymnenartigen Gesang des Johannesevangeliums.
Dabei hören wir von der „Vorgeschichte“ des menschgewordenen Gottes, nämlich seine Präexistenz bei Gott.
Nicht umsonst beginnt das Evangelium auf dieselbe Weise wie der Schöpfungsbericht in Genesis. Jesus, das ewige Wort des Vaters, war „im Anfang“, das heißt in Gott, der der Anfang ist.
Es wird auch gesagt, dass Jesus als Schöpfungsmittler an der Schöpfung mitgewirkt hat („alles ist durch das Wort geworden“).
Wenn über das Wort ausgesagt wird, dass in ihm Leben ist, dann bestätigt sich, dass Jesus Gott ist. Dieser ist nämlich ein Gott des Lebens. Als dieser ist er den Menschen Licht, nämlich Hoffnung.
Auf dieses Hoffnung spendende Licht bezieht sich auch Jesaja, wenn er prophezeit: „Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein helles Licht.“ Gottes wunderbare Vorsehung hat Jesus zu einer ganz bestimmten Zeit Mensch werden lassen, in der die Menschen in besonders großer Dunkelheit waren. Er schien ihnen sein Leben hindurch, doch die Menschen nahmen es nicht an. Jesus ist gekreuzigt worden. Sein Leiden wird an diesem heutigen ersten Weihnachtstag schon mitgesagt. Das ist der Grund, weshalb er Mensch geworden ist. Und doch konnte die Finsternis das Licht nicht auslöschen. Jesus ist von den Toten auferstanden und hat somit den Tod überwunden! Auch Ostern wird heute schon mitgesagt.
Wir, die wir Jesu Erlösung angenommen haben und getauft worden sind, sind zu Kindern Gottes geworden, zu Erben in seinem Reich. Diese Taufe ist eine Geburt aus dem Geist, nicht aus dem Fleisch, wie Johannes es hier formuliert.
Und das Wort ist Fleisch geworden – das ist heute. Es hat unter uns gewohnt – 33 Jahre lang in Gestalt des Menschen und bis heute in Gestalt der eucharistischen Gaben. Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, insbesondere die drei Apostel, die mit ihm auf dem Berg Tabor waren. Seine Herrlichkeit ist auch all denen offenbart worden, die Zeugen seiner Auferstehung geworden sind. Wir alle sehen seine Herrlichkeit in jeder Hl. Messe, in jeder guten Tat und am Ende der Zeiten die Fülle des verherrlichten Menschensohnes.
Johannes der Täufer ist der größte Zeuge seiner Herrlichkeit geworden, sogar noch vor seiner Geburt im Mutterleib Elisabets. Johannes der Evangelist schreibt hier, dass auch wenn Johannes der Täufer irdisch gesehen vor Jesus „war“, also geboren wurde, ist Jesus ihm Voraus. Dieser hat nämlich keinen Anfang, sondern war im Anfang, der Gott ist. Jesus wird seine Präexistenz immer wieder aussagen. Z.B. sagt er einmal: „Ehe Abraham war, bin ich“ (Joh 8,58). Jesus IST, gestern, heute und in Ewigkeit.
Jesus bringt uns Gnade über Gnade. Alles haben wir dem Herrn zu verdanken. Er steht auch höher als Mose, der zwar das Gesetz gebracht hat, Jesus aber dieses mit Leben gefüllt hat, mit Gnade und Wahrheit, die er selbst ist.
Jesus ist aus dem Himmel zu uns gekommen. Deshalb ist er auch der einzige Mensch, der Gott je gesehen hat. Gott ist Geist und wir alle werden ihn erst sehen, wie er ist, wenn wir sterben. Der Kern der ganzen Verkündigung Jesu ist, uns den Vater zu zeigen. Dafür wird er heute Mensch. Gott liebt uns so sehr und will uns sein „Herz“ zeigen, seinen „Augapfel“, sein ein und alles, seinen Sohn.
Gott sandte seinen eigenen Sohn und unsereins hat ihn nicht überall angenommen. Im Gegenteil. Er ist gekreuzigt worden, obwohl er wirklich unschuldig war.

Auch wir sind gefragt, uns zu entscheiden: Wollen wir ihn annehmen oder ablehnen? Wir sind getauft, wir kennen im besten Fall die Grundlagen unseres Glaubens. Nutzen wir eigentlich das Potenzial unserer Firmung? Auch wir müssen tagtäglich um die Gabe der Unterscheidung der Geister beten, dass wir erkennen, was vom Hl. Geist ist und was Irrlehre ist. In heutiger Zeit ist die Verwirrung und Lüge so schlimm wie noch nie. Tendenz steigend. Und doch hoffen wir. Je schlimmer es wird, desto näher kommen wir dem Reiche Gottes.

Ich wünsche Ihnen zum Ende des Kalenderjahres alles Gute, Gottes reichen Segen und für das neue Jahr seinen überreichen Segen und Schutz. Möge die Jungfrau Maria auch im nächsten Jahr zusammen mit allen Engeln und Heiligen für Sie einstehen!

Ihre Magstrauss

Ein Kommentar zu „Siebter Tag der Weihnachtsoktav

  1. Grüss Gott Magie,
    Ich lese und höre ihre Beiträge regelmässig.
    Ich bin nicht katholisch, aber ich habe mein Leben durch die Bekehrung dem Herrn Jesus übergeben.
    Nun meine Frage:
    Machen Sie einen Unterschied zwischen Kindstaufe (Säugling) und Erwachsenentaufe?
    Gottes Segen wünsche ich Ihnen und ihrem Gatte für das Jahr 2020.
    P.-A. Musy
    (Muttersprache französisch)

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