Dienstag der 2. Woche im Jahreskreis

Hebr 6,10-20; Ps 111,1-2.4-5.9 u. 10c; Mk 2,23-28

Hebr 6
10 Denn Gott ist nicht so ungerecht, euer Tun zu vergessen und die Liebe, die ihr seinem Namen bewiesen habt, indem ihr den Heiligen gedient habt und noch dient.

11 Wir wünschen aber, dass jeder von euch im Blick auf den Reichtum unserer Hoffnung bis zum Ende den gleichen Eifer zeigt,
12 damit ihr nicht träge werdet, sondern Nachahmer derer seid, die durch Glauben und Geduld Erben der Verheißungen sind.
13 Denn als Gott dem Abraham die Verheißung gab, schwor er bei sich selbst, da er bei keinem Höheren schwören konnte,

14 und sprach: Fürwahr, ich will dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen überaus zahlreich machen.
15 So erlangte Abraham durch seine Ausdauer die Verheißung.
16 Menschen nämlich schwören bei dem Höheren; der Eid dient ihnen zur Bekräftigung und schließt jeden weiteren Einwand aus;
17 deshalb hat Gott, weil er den Erben der Verheißung ausdrücklich zeigen wollte, dass sein Entschluss unabänderlich ist, sich mit einem Eid verbürgt.
18 So sollten wir durch zwei unwiderrufliche Taten, bei denen Gott unmöglich täuschen konnte, einen kräftigen Ansporn haben, wir, die wir unsere Zuflucht dazu genommen haben, die dargebotene Hoffnung zu ergreifen.
19 In ihr haben wir einen sicheren und festen Anker der Seele, der hineinreicht in das Innere hinter dem Vorhang;
20 dorthin ist Jesus für uns als Vorläufer hineingegangen, er, der nach der Ordnung Melchisedeks Hohepriester geworden ist auf ewig.

In der heutigen Lesung geht es zunächst um die träge gewordenen Heiligen, das heißt um die Christen, die lau geworden sind und die anfängliche Euphorie verloren haben. Gott ist aber so barmherzig, dass er die anfängliche Euphorie und den Glaubenseifer der Christen nicht vergisst. Das ist eine Entwicklung, der wir alle anheimfallen können, weshalb die Worte im Hebräerbrief sehr aktuell sind.
Unser Ziel sollte es sein, nicht nur am Anfang voller Eifer für den Herrn zu brennen und dann wie ein Feuerwerk innerhalb kurzer Zeit ausgebrannt zu sein. Vielmehr soll ein stetes Feuer brennen und alles, was im Namen Gottes geschieht, vom gleichen Eifer geprägt sein. Schließlich geht es nicht nur um den Dienst an den Heiligen (gemeint ist der Dienst in der Gemeinde), sondern auch darum, missionarisch zu wirken. An ihnen soll man erkennen, dass sie „durch Glauben und Geduld Erben der Verheißungen sind“. So ziehen sie andere Menschen an, die Jesus Christus kennenlernen und sich ebenfalls auf seinen Namen taufen lassen.
Der springende Punkt ist die Ausdauer. Wir sollen nicht zu christlichen Sanguinikern werden, die alles Mögliche beginnen, aber nichts zuende führen. Wir sollen an einer Sache treu festhalten, nicht nur an einer Sache, sondern an Jesus Christus und seinem Evangelium. Als Beispiel wird hier Abraham genannt, der als jüdische Autorität und Vorbild schlechthin gilt. Ihm wurde etwas Großartiges verheißen, aber erst dadurch ist dies inkraft getreten, dass er an der Verheißung geduldig festgehalten hat. Bis es nämlich soweit war, dass Isaak geboren werden sollte, verging einige Zeit.
Zur Bekräftigung legt man einen Eid ab, der „jeden weiteren Einwand“ ausschließt. So ist Gott bereit, seine Verheißung stets mit einem Bund zu verbürgen. Dies wird hier angedeutet „durch zwei unwiderrufliche Taten, bei denen Gott unmöglich täuschen konnte“. Er ist den Alten Bund eingegangen, der durch die Heilsgeschichte hindurch immer wieder erneuert und auf eine größere Menschenmenge ausgeweitet worden ist. Er ist auf der Höhe dieser Heilsgeschichte den Neuen Bund mit allen Menschen eingegangen. Diesen Bund gehen wir ein, wenn wir uns taufen lassen. Gott ist treu und hält seine Versprechen. Was er mit dem Bundesschluss verheißt, hält er auch. Deshalb kann er unmöglich täuschen. Das soll auch uns Christen heute einen „kräftigen Ansporn“ darstellen, durch den wir unser Leben hindurch mit demselben Eifer für Gott einstehen sollen. Wenn wir geduldig ausharren und standhaft im Glauben sind, wird die Verheißung, die Christus erwirkt hat, eintreffen: das ewige Leben bei Gott. Die Auferstehung Jesu Christi ist uns ein Anker der Hoffnung, denn wir sind durch die Taufe auf Tod und Auferstehung Jesu Christi getauft worden. Wir sind zu österlichen Menschen geworden.
Unsere Seele hat darin einen festen Anker. Was aber hat es mit dem Vorhang auf sich? Das ist Tempelsprache: Im Jerusalemer Tempel ist das Allerheiligste der innerste und heiligste Kern, wo Gottes Herrlichkeit wohnt. Dort ist die Bundeslade mit den Bundestafeln (zum Ende hin ist diese Bundeslade verschollen, aber der Ort wird dennoch als das Allerheiligste verehrt). Dieser Bereich darf nur einmal im Jahr vom Hohepriester betreten werden, wenn er für das ganze Volk Sühne leistet am Versöhnungstag. Das Allerheiligste ist abgetrennt durch einen Vorhang, das ist derselbe Vorhang, der beim Tod Jesu zerrissen ist. Was das Bild des Tempelvorhangs uns hier sagen möchte, ist: So wie es diesen Vorhang zwischen dem Allerheiligsten und dem Rest des Tempels gibt, so ist ein Vorhang zwischen dem irdischen Dasein und der himmlischen Wirklichkeit vorhanden, dem eigentlichen Allerheiligsten. Die Verbindung zwischen beiden ist hergestellt durch Jesus Christus, der uns einen kleinen Blick hindurchsehen lässt. Er ist der Vorläufer, der bereits in dieses himmlische Heiligtum eingegangen ist und wohin wir ihm folgen dürfen. Er, der ewige Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks – wir haben darüber bereits nachgedacht – ist analog zum Hohepriester des Alten Bundes zu verstehen, der am Versöhnungstag diese Sühne erwirkt. Der Unterschied: Er opfert sich selbst, er muss sich selbst nicht sühnen, er geht auf ewig in das Heiligtum ein und Versöhnungstag ist ein dauerhafter Zustand geworden.

Ps 111
1 Halleluja! Dem HERRN will ich danken mit ganzem Herzen im Kreis der Redlichen, in der Gemeinde.
2 Groß sind die Werke des HERRN, erforschenswert für alle, die sich an ihnen freuen.
4 Ein Gedächtnis seiner Wunder hat er gestiftet, der HERR ist gnädig und barmherzig.
5 Speise gab er denen, die ihn fürchten, seines Bundes gedenkt er auf ewig.
9 Erlösung hat er seinem Volk gesandt, seinen Bund bestimmt für ewige Zeiten. Heilig und Furcht gebietend ist sein Name.
10 Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Weisheit. Gute Einsicht ist sie allen, die danach handeln. Sein Lob hat Bestand für immer.

Heute beten wir Psalm 111, einen Lobpreispsalm mit weisheitlichen Anteilen. Er beginnt mit dem Hallelujaruf, der genau genommen ja einen Lobpreisaufruf darstellt, wie er als Einleitung in Psalmen oft ergeht. Denn Halleluja heißt „preist Jahwe“.
„Dem HERRN will ich danken mit ganzem Herzen im Kreis der Redlichen, in der Gemeinde“ ist eine liturgische Aussage. Es handelt sich also um einen Lobpreis in der Gruppe, im Gottesdienst. Man kann sich vorstellen, dass dieser Psalm bei Wallfahrtsfesten gebetet worden ist, denn er besingt die Heilstaten Gottes. Es ist eine angemessene Antwort auf die Sühne, die der ewige und wahre Hohepriester Christus erwirkt hat.
„Groß sind die Werke des HERRN“ und deshalb sind sie „erforschenswert“. Wenn man sie bedenkt, wird man sich freuen und über Gott staunen, der so gut zu den Menschen ist.
Das Entscheidende ist: Gott ist deshalb so verlässlich, weil er seine Offenbarung nicht einfach so ändert. Seine Gebote und sein Bund stehen fest „auf ewig“. Er gibt „ein Gedächtnis seiner Wunder“. Wir müssen an die gestifteten Feste denken wie das Pessachfest, das an den Auszug aus Ägypten erinnert. Die Speise, die er den Gottesfürchtigen gegeben hat, erinnert an das Manna, das vom Himmel herabkam. Die Väter in der Wüste sind so am Leben geblieben. Auch die Tauben, die er vom Himmel regnen ließ, nährten das Volk. Das betrifft das leibliche Wohl, doch auch seelisch nährte der Herr sein Volk durch die Zusagen, Heilstaten, prophetischen Worte, die er durch Mose sagen ließ. Das sind für uns Vorausbilder, die schon über sich selbst hinaus auf den verweisen, der uns so sehr nährt, dass wir das ewige Leben haben – Jesus Christus, der das wahre Himmelsbrot ist und uns zum ewigen Leben beim Vater befähigt.
Seine ewige Treue zeigt Gott auch daran, dass er den Bund für immer aufrecht erhält, den er mit den Israeliten geschlossen hat – und wir Christen dürfen auch sagen, dass Gott ebenso den neuen Bund ewig hält. Wenn es zum Bundesbruch kommt, dann aufgrund des Menschen, der ihn bricht. Gott aber bleibt treu und hält auch dann am Menschen fest, versucht ihn zur Umkehr zu bewegen und gibt ihm immer wieder eine neue Chance.
Wenn wir von der Erlösung hier hören, dann denken wir nicht an politische Erlösung im Sinne der Befreiung aus Fremdherrschaft, wie die Israeliten es vor allem verstanden haben, sondern wir denken an die umfassende Erlösung und das ewige Leben, das Jesus uns geschenkt hat. Es ist eine Erlösung von der Sünde und des Exils außerhalb des Paradieses.
Schließlich kommt am Ende des Psalmenabschnitts ein wichtiges Wort, das wichtig ist beim Verständnis der Geistesgaben: Der Beginn ist durch die Gottesfurcht gekennzeichnet. Wer Gott fürchtet, wird nicht so leben, dass er Gottes Willen übertritt. Und wer die Gebote Gottes hält, der ist im Stand der Gnade. In diesem Zustand kann er die Gaben des Hl. Geistes empfangen, angefangen bei der Weisheit.
„Sein Lob hat Bestand für immer“ bezieht sich auf das Lob, das von den Israeliten ausgeht, nicht von Gott. Es ist eher zu verstehen, dass der Lobpreis, der an Gott ergeht, ein ewiger ist. Das schauen schon die Propheten in den Himmelsvisionen. Dort erfolgt ein ewiger Lobpreis Gottes, dessen Abbild die irdische Liturgie darstellt. Der Kult der Israeliten ist Schatten dieser himmlischen Liturgie.

Mk 2
23 An einem Sabbat ging er durch die Kornfelder und unterwegs rissen seine Jünger Ähren ab. 
24 Da sagten die Pharisäer zu ihm: Sieh dir an, was sie tun! Das ist doch am Sabbat nicht erlaubt. 
25 Er antwortete: Habt ihr nie gelesen, was David getan hat, als er und seine Begleiter hungrig waren und nichts zu essen hatten, 
26 wie er zur Zeit des Hohepriesters Abjatar in das Haus Gottes ging und die Schaubrote aß, die außer den Priestern niemand essen darf, und auch seinen Begleitern davon gab? 
27 Und Jesus sagte zu ihnen: Der Sabbat wurde für den Menschen gemacht, nicht der Mensch für den Sabbat.
28 Deshalb ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.

Im Evangelium zeigt der wahre Hohepriester auf, wie eine innige Beziehung zum Vater sein sollte und worauf es wirklich ankommt. Die Pharisäer stören sich erneut an Jesu Verhalten bzw. an dem seiner Jünger: Sie wagen es, am Sabbat Ähren vom Feld zu pflücken und zu essen.
Warum tun sie das überhaupt? Jesus ist mit seinen Jüngern unterwegs und da bekommt man eben Hunger. Sie müssen etwas essen, deshalb bedienen sie sich an den Ähren. Das hat auch nichts mit Stehlen zu tun, wie man jetzt vielleicht daraus schließen könnte. Laut Dtn 23,26 ist es erlaubt, mit der Hand Ähren vom Feld eines anderen zu pflücken. Jesus und seine Jünger sind stets unterwegs. Sie haben keinen festen Wohnsitz und führen ein anderes Leben als die anderen. Sie müssen irgendwann essen und somit erlaubt Jesus ihnen auch das Essen von den Ähren.
Als sie dafür von anderen kritisiert werden, verweist Jesus auf König David und seine Begleiter, die sogar die Schaubrote im Offenbarungszelt essen, die eigentlich nur für die Priester gedacht sind. Was Jesus durch diesen Verweis sagen möchte, ist: Es gibt Gebote nicht dafür, dass wir eingeschränkt werden. Sie sollen uns ja in die Freiheit führen. Wenn Jesus den Sinn von Geboten erklärt, hat das höchste Autorität. Er ist Gott und erklärt den Menschen höchstpersönlich, warum er die Gebote den Menschen überhaupt gegeben hat! Die Sabbatruhe ist nicht dafür da, dass man verhungert (auch nicht, dass jemand an einer Krankheit stirbt, wenn man ihn nicht heilt). Er ist dafür da, damit wir mehr Zeit für das Gebet und die Beziehung mit Gott haben. Die Kritik der Menschen geht also an dem Sinn der Sabbatruhe vorbei. Seine Jünger werden ihre Gottesbeziehung nicht weniger verinnerlichen können, nur weil sie eine Mahlzeit zu sich genommen haben. Im Gegenteil: Sie folgen Jesus nach, durch den sie eine ganz innige Beziehung zum Herrn lernen. Aber auch heute sehen wir, dass die Menschen Jesus als Messias und Gott nicht erkennen. Sie sehen nicht, dass er schon längst mitten unter ihnen ist. Sie verstehen dadurch auch nicht, wenn Jesus sagt: Der Menschensohn ist Herr über den Sabbat. Gott ist höher als seine gegebene Torah.
Auch hier lernen wir, worum es eigentlich gehen sollte: um die Beziehung zu Gott. So wie König David ganz nah an Gottes Herz hing, was uns die wunderbaren Psalmen offenbaren, sollen auch die Juden zur Zeit Jesu leben. Schließlich ist die Motivation für das Halten der Gebote Gottes die Liebe zu ihm, eine Liebe, die beständig sein soll und nicht nach einiger Zeit erkaltet. Davor warnt ja der Hebräerbrief. Den Kritikern Jesu geht es aber nicht um Beziehung, um Liebe oder sonst etwas. Ihnen geht es um das Halten der Gebote um der Gebote selbst willen. Sie sind so beschäftigt damit, in ihrer eigenen Selbstgerechtigkeit und der Buchstabentreue zu verbleiben, dass sie das Heil direkt vor ihren Augen nicht erkennen. Ja noch schlimmer – sie verwehren es auch noch jenen, die sie wie eine Torah-Polizei verurteilen. Sie lassen sich nicht belehren, auch nicht von Gott selbst. Aber Jesus sieht ihr Herz und gibt durch seine Erklärungen immer wieder die Chance, es zu verstehen. Er liebt auch die Pharisäer von ganzem Herzen und möchte ihnen helfen. Er sieht, dass die Pharisäer zwar kritisieren, aber selbst die absolut strikte Sabbatruhe nicht nutzen, um ihre Beziehung zum Herrn zu vertiefen.

Die Gebote Gottes sollen uns in die Freiheit führen, in die wahre Freiheit von der Sünde und nicht in die Anarchie. Und doch dürfen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht übersehen. Besinnen wir uns immer wieder darauf, warum und wofür die Gebote Gottes gegeben sind – ihn zu lieben und den Nächsten zu lieben wie sich selbst. Wo die Liebe nicht mehr Antrieb ist, wird unser Verhalten unfruchtbar und unser Herz entfernt sich von Gott. Orientieren wir uns am Hohepriester Jesus Christus. Er ist nicht einfach ein liturgischer Beamter, sondern zuinnigst mit dem Vater vereint. Diese Liebe und Hingabe zum Vater soll uns Vorbild sein. Sein Schreiten durch den Vorhang der Ewigkeit hindurch soll uns Ansporn sein, alles daran zu setzen, ebenfalls durch diesen Vorhang hindurch ganz zum Vater zu kommen, um auf ewig mit ihm vereint zu sein.

Ihre Magstrauss

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