Samstag der 1. Woche im Jahreskreis

Hebr 4,12-16; Ps 19,8.9.10.11 u. 15; Mk 2,13-17

Hebr 4
12 Denn lebendig ist das Wort Gottes, wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert; es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenken und Mark; es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens;

13 vor ihm bleibt kein Geschöpf verborgen, sondern alles liegt nackt und bloß vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft schulden.
14 Da wir nun einen erhabenen Hohepriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, lasst uns an dem Bekenntnis festhalten.
15 Wir haben ja nicht einen Hohepriester, der nicht mitfühlen könnte mit unseren Schwächen, sondern einen, der in allem wie wir versucht worden ist, aber nicht gesündigt hat.
16 Lasst uns also voll Zuversicht hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit!

In der Lesung hören wir aus dem Hebräerbrief zunächst einmal von der Wirksamkeit des Wortes Gottes, das wie ein zweischneidiges Schwert die Geister scheidet, alles aufdeckt und zur Entscheidung drängt: für oder gegen Gott. Das Wort deckt die innersten Regungen des Herzens auf, die geheimsten Gedanken, lässt erkennen, was in uns noch nicht gut ist. Das kann eine geschriebene Botschaft tun, aber vor allem geht es hier um das fleischgewordene Wort Gottes. Wenn wir uns darunter Jesus Christus vorstellen, begreifen wir diese Worte in ihrer Tiefe: An seiner ganzen Person, nicht nur an seiner Verkündigung, scheiden sich die Geister. Die einen entscheiden sich für ihn, die anderen lehnen ihn ab. An ihm werden die bösen Gedanken derer offenbar, die nach außen hin so fromm tun – die Pharisäer und Schriftgelehrten, die Sadduzäer, kurzum: die gesamte religiöse Elite seiner Zeit. Und all diese Dinge sind uns nicht neu, wenn wir den Worten Simeons im Tempel aufmerksam gelauscht haben: Maria ist bei der Aufopferung des Sohnes im Tempel bereits angekündigt worden, dass dieses Kind all dies bewirken wird. In visionärer Schau wird all dies bestätigt durch die Johannesoffenbarung: Der Menschensohn wird beschrieben mit einem zweischneidigen Schwert, das aus seinem Mund kommt. Und wenn die Endschlacht beschrieben wird, wird Christus als Feldheer der himmlischen Armee ebenfalls als Wort Gottes bezeichnet. Das ist seine Waffe – das Wort Gottes, das schärfer ist als jede irdische Waffe, wirksamer und gründlicher in der Ausmerzung des Bösen. Mit dieser Waffe erfolgt nicht nur die Bekämpfung des Bösen in der Versuchung, weshalb wir den Namen des Herrn anrufen sollen und beten sollen insbesondere in Versuchungssituationen. Dieses fleischgewordene Wort Gottes richtet auch: Christus wird wiederkommen als verherrlichter Menschensohn am Ende der Zeiten, um das Weltgericht einzuberufen. Es wird wahrlich jedes Geschöpf nackt und bloß vor seinen Augen stehen, denn keiner kann dem Gericht entrinnen. Alles wird aufgedeckt werden und es wird so einige Überraschungen geben. Leben wir so, dass wir uns vor diesem Moment nicht zu fürchten brauchen! Wenn wir vor Gott nichts zu verbergen haben, können wir gelassen darauf zugehen.
Sodann geht es um die hohepriesterliche Identität Christi, der Ausschnitt, den wir auch an Karfreitag hören. Das Besondere an unserem einen wahren Hohepriester ist, dass er nicht ein fremdes Opfer darbringt, irgendein Tier, sondern sich selbst opfert. Darüber hinaus ist dieser Hohepriester schuldlos im Gegensatz zu den Hohepriestern des israelitischen Opferkults. Sie mussten die Opfer auch für sich selbst darbringen, dieser aber nicht. Zugleich ist dieser sündlose Hohepriester nicht distanziert und weltfremd, sondern wirklich mitfühlend. Christus hat in seiner Selbstentäußerung die Erfahrung menschlicher Zerbrechlichkeit gemacht. Er war uns in allem gleich außer der Sünde. So weiß er ganz genau, was wir durchmachen. Er fühlt mit bei jedem Leiden, das der Mensch erfährt. Das macht ihn wahrlich zum Mittler zwischen Gott und uns Menschen. Er ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Voller Zuversicht können wir uns ihm ganz anvertrauen und zum „Thron der Gnade“ treten. Er steht für uns ein beim Vater. Wenn wir die Hl. Messe feiern, ist das kein Widerspruch zum einen wahren Hohepriester. Dieser ist es, dessen Opfer in jeder Hl. Messe vergegenwärtigt wird – in die jeweilige Gegenwart geholt wird. Das heißt nicht, dass die Priester selbst etwas tun aus ihrer eigenen Kraft. Christus tut dies durch sie hindurch bzw. sie bewirken es in persona Christi. Er ist der eine wahre Hohepriester, während die Geistlichen seine Instrumente sind, gleichsam seine Hände und sein Mund, der die Wandlungsworte spricht wie im Abendmahlssaal in der Nacht vor seinem Tod.

Ps 19
8 Die Weisung des HERRN ist vollkommen, sie erquickt den Menschen. Das Zeugnis des HERRN ist verlässlich, den Unwissenden macht es weise.
9 Die Befehle des HERRN sind gerade, sie erfüllen das Herz mit Freude. Das Gebot des HERRN ist rein, es erleuchtet die Augen.
10 Die Furcht des HERRN ist lauter, sie besteht für immer. Die Urteile des HERRN sind wahrhaftig, gerecht sind sie alle.
11 Sie sind kostbarer als Gold, als Feingold in Menge. Sie sind süßer als Honig, als Honig aus Waben.
15 Die Worte meines Munds mögen dir gefallen; was ich im Herzen erwäge, stehe dir vor Augen, HERR, mein Fels und mein Erlöser.

Wir beten heute einen Lobpsalm auf die Schöpfung Gottes und auf seine Weisung – wenn wir an die Lesung zurückdenken, begreifen wir diese Weisung bereits als menschgewordene Weisung, Jesus Christus! In Vers 8 wird die Vollkommenheit der Weisung gepriesen, das heißt der Torah. Sie „erquickt den Menschen“. Gott gibt keine Gebote auf, die den Menschen einschränken, belasten und unglücklich machen sollen. Es geht immer darum, dass er nur das Beste für den Menschen bereithält und genau weiß, was er braucht. Die Torah macht vielmehr frei und bringt dem Menschen Heil. Betrachten wir diese Worte von der menschgewordenen Torah aus, erinnern wir uns an die Worte Christi: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken (Mt 11,28).
„Das Zeugnis des HERRN ist verlässlich“ bezieht sich ebenfalls auf die Torah, denn das hebräische Wort עֵד֥וּת edut, das hier mit „Zeugnis“ übersetzt wird, kann auch mit „Gebot“ übersetzt werden. Es macht den Unwissenden weise, denn es ist die Schule Gottes.
Gottes Befehle sind „gerade“ und „erfüllen das Herz mit Freude“. Gott erwartet nichts Unmögliches, bei dem man ganz überfordert ist und bei dem man keinen Überblick hat. Die Geradlinigkeit steht für die Nachvollziehbarkeit und Machbarkeit. Die Gebote erfüllen mit Freude, weil Gott den Menschen glücklich machen möchte.
Gottes Weisung ist rein und erleuchtet die Augen. Sie ist ganz frei von bösen Absichten und Hinterhältigkeit. Sie ist so, dass sie den Weg vor dem Menschen erkennbar macht und er erkennt, wie er sich verhalten soll. Auch in Vers 10 wird mit ähnlichen Ausdrücken wiederholt, dass Gottes Weisung wahr und gerecht ist. Dort ist aber auch die Rede von der Gottesfurcht, die lauter ist. Dieses uns kaum noch geläufige Wort ist ein Synonym für „rein“ und soll verdeutlichen, dass die Gottesfurcht bei der Befolgung der Torah essenziell ist. Es geht bei der Gottesfurcht um ein Wort der Beziehung, das die rechte Absicht der Befolgung der Gebote ausdrückt: Sie sollen nicht aus Pflichtgefühl gehalten werden, sondern aus der Befürchtung, Gott sonst zu verletzen. Man möchte keinen Streit, sondern eine gute Beziehung zu dem, mit dem man in einem Bund vereint ist.
Gottes Torah ist wertvoller als Gold, weil sie uns zum ewigen Leben verhilft. Sie ist köstlicher als Honig, was als der Süßstoff schlechthin galt. Sie schmeckt süß, weil sie den Menschen erquickt (siehe oben). Und das ewige Leben gibt Christus. Er sagt dies immer wieder, so z.B. zu Marta von Betanien (Joh 11,25-26).
„Die Worte meines Munds mögen dir gefallen“ bezieht sich auf den Lobpreis, den König David hier für Gottes Torah und seine Schöpfung formuliert. Er hofft, dass sein Preislied Gott gefalle.
Dass es aber nicht nur um schöne Worte geht, sondern auch um die Erwägung seines Herzens, wird durch den zweiten Teilsatz deutlich: „was ich im Herzen erwäge, stehe dir vor Augen“. Er bringt singend also zum Ausdruck, was sein Herz erwägt. So soll auch unser Lobpreis sein, damit Gott uns nicht vorwerfen kann: „Sie preisen mit mit ihren Lippen, doch ihr Herz ist weit weg von mir“ (Jes 29,13).
David nennt Gott zum Schluss seinen Felsen und seinen Erlöser. Beides sind Bilder, die Jesus aufgreifen wird bzw. die auf ihn angewandt werden.
Die Weisung Gottes ist dafür da, den Menschen glücklich zu machen und der Kern aller Gebote und Gesetze ist die Liebe. Das geht schon aus dem AT selbst hervor. Wenn Jesus dies noch einmal betonen wird, ist es im Grunde nichts Neues, sondern eine Erinnerung daran, wie es ursprünglich gedacht war. Die Juden werden sich mit der Zeit so sehr an die vielen Bäume gewöhnen, dass sie den Wald nicht mehr erkennen. Wenn wir Levitikus hören, sehen wir konkret, was König David mit „Erquickung der Seele“, „Erfüllung des Herzens mit Freude“ oder „kostbarer als Gold“ meint. Alles, was Gott den Israeliten vorschreibt, kommt ihnen zugute. Es fördert ein gutes Zusammenleben. Gott erwartet nichts Unrealistisches, wenn er z.B. vorschreibt, dem Tagelöhner den Tageslohn noch am selben Tag zu übergeben oder die Witwe nicht auszunehmen.
Danken auch wir dem Herrn für seine Gebote, denn sie machen auch uns heute glücklich!

Mk 2
13 Jesus ging wieder hinaus an den See. Da kamen Scharen von Menschen zu ihm und er lehrte sie.

14 Als er weiterging, sah er Levi, den Sohn des Alphäus, am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Levi auf und folgte ihm nach.
15 Und als Jesus in dessen Haus zu Tisch war, da waren viele Zöllner und Sünder zusammen mit ihm und seinen Jüngern zu Tisch; es waren nämlich viele, die ihm nachfolgten.
16 Als die Schriftgelehrten der Pharisäer sahen, dass er mit Zöllnern und Sündern aß, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann er zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?
17 Jesus hörte es und sagte zu ihnen: Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder.

Heute lesen wir von einer weiteren Jüngerberufung und von weiteren Heilstaten Jesu. Es geht um Levi, der im Matthäusevangelium Matthäus genannt wird. Es handelt sich um einen Zöllner, dessen Berufsgruppe nicht gut angesehen ist. Das liegt daran, dass Zöllner immer mehr als nötig eintreiben müssen, um das Risiko von Missernten etc. zu berücksichtigen. Sie gelten deshalb als unehrlich, erhalten keine bürgerlichen Ehrenrechte und werden vor Gericht nie als zuverlässige Zeugen einbezogen. Jesus hat im heutigen Evangelium aber einen wunderbaren Plan mit diesem Menschen. Er sieht mehr als nur den unehrlichen Zöllner. Er sieht das Potenzial eines von Gott geliebten Kindes. So ist es auch bei uns Menschen. Wir drücken anderen schnell einen Stempel auf. Wir schreiben andere ab, obwohl wir sie erstens gar nicht richtig kennen können (also nicht in ihr Herz schauen können), zweitens noch so schlimme Menschen jederzeit eine Umkehr erleben, ein besserer Mensch werden können. Jeder hat jederzeit eine neue Chance verdient. Und wie Levi in Wirklichkeit ist, sieht nur Gott. Der sehr bekannte Billy Graham sagte es einmal sinngemäß: Es gibt drei Arten des Ichs – das Ich, das ich selbst kenne, das Ich, das die Menschen kennen und das Ich, das Gott kennt. Jesus sieht in Levi, was sonst keiner bisher gesehen hat – nicht mal er selbst.
Warum eigentlich hat dieser Zöllner, der dann Jesu Jünger wird, zwei verschiedene Namen? Das hängt wohl damit zusammen, dass er beide Namen besaß. Die moderne Exegese bestreitet dies, weil im Gegensatz zu Paulus kein jüdischer und römischer Name vorlag, sondern zwei jüdische. Dem ist entgegen zu halten, dass es auch eine latinisierte Form gibt (nämlich eben Matthäus) und eine doppelte Namensgebung auch mit seiner römischen Bürgerschaft zusammenhängen kann wie bei Paulus. Eine andere Erklärung ist, dass er später von Jesus den Namen Matthäus erhalten hat. Das alles spielt für uns eine untergeordnete Rolle. Für uns ist es lehrreich, dass Jesus so einen Menschen überhaupt beruft.
Wie schon bei den anderen Aposteln steht der Berufene direkt auf und folgt Jesus nach, ohne zu zögern.
Wie auch bei Zachäus hält Jesus gemeinsames Mahl mit Levi und seinen Freunden. Da er bei den meisten Juden nicht beliebt ist, hat er in seinem Umfeld Menschen seines Berufsstandes.
Jesus isst mit Sündern, weil er Gott ist. Dieser ist so allmächtig, dass er höchstpersönlich tief in das sündige Leben von uns Menschen eintauchen kann, ohne dass es ihm irgendwie schadet. Er tut es, um uns Menschen aus der Sünde herauszuholen, nicht weil er die Sünde an sich gutheißt. Sein Verhalten ist also kein Anlass, Sünder zur Kommunion zuzulassen, wie heutzutage gerne instrumentalisiert wird. Jesus hält Mahl als „Rettungsaktion“ für die echten Sünder (die vor Gott Sünder sind, nicht die von den Menschen abgestempelt werden) und als prophetische Zeichenhandlung für die Selbstgerechten (Gott hält Mahl mit allen Menschen guten Willens, beim letzten Abendmahl mit seinem berufenen Zwölferkreis, in der eucharistischen Gemeinschaft mit allen Getauften und zur Eucharistie Gekommenen, am Ende des Lebens beim himmlischen Hochzeitsmahl). Wer daran teilnimmt, wird nicht automatisch nach den Maßstäben der Pharisäer und Schriftgelehrten entschieden, sondern allein nach Gottes Maßstab – mit so einigen Überraschungen. Warum Überraschungen? Weil nur Gott das Herz der Menschen sieht und genau weiß, wer wirklich gerecht ist (nicht nur nach außen so tut).
Sie sind es auch, die auf Jesu Mahlgemeinschaft mit den von ihnen bezeichneten „Sündern“ unzufrieden reagieren. Sie zeigen durch ihre Reaktion, dass sie Jesus als Messias und Gott nicht erkannt haben. Sie sehen Jesus als üblichen Rabbi, der sich an die jüdischen Gesetze halten soll. Sie sehen nicht, dass der Messias Herr über die Torah ist und sie mit seiner Person erfüllt.
Jesus bekommt ihre Reaktion mit und weil er alle Menschen retten will, geht er auch auf diese Menschen zu mit den Worten: „Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken“. Gott ist der Arzt unserer Seelen. Er macht uns wieder heil, wo wir uns von ihm behandeln lassen. Jesu Mahlgemeinschaft ist also nicht nur „Rettungsaktion“ und prophetische Zeichenhandlung, sondern vor allem eine „Therapiesitzung“. Wir könnten uns jetzt fragen: „Heißt das, dass die Zöllner und Sünder bei Jesu Mahlgemeinschaft die Kranken sind und die Pharisäer und Schriftgelehrten nicht?“ Wir können uns getrost selbst beantworten: Natürlich ist jeder Mensch krank, nämlich durch die Erbsünde. Es gibt niemanden, der ganz gesund ist. Jeder ist nur unterschiedlich „krank“. Das ist eine Sache. Die andere ist aber hier entscheidend: Wer erkennt die eigene Krankheit und lässt sich auf die Therapie Gottes ein? Wer meint, keine Umkehr nötig zu haben, weil er schon gerecht genug ist, wird die eigene Krankheit nicht sehen und deshalb nie therapiert. Jesus verrät uns durch seine Antwort jedoch wirklich, dass er die Sünde der Zöllner nicht bagatellisiert. Es ist Stehlen und Lügen. Das sind ernstzunehmende Sünden. Jesus redet uns unsere Sünden auch nicht weg. Er hält sie uns in Liebe vor, damit wir unser eigenes sündiges Spiegelbild sehen, betroffen sind und uns ändern. Die Zöllner sind in dieser Hinsicht wirklich krank, aber sie lassen sich wenigstens behandeln. Wie ist es mit uns? Reagieren wir auch unwirsch, wenn Gott anderen seine Barmherzigkeit zeigt? Sollten wir nicht froh sein und uns mit diesen Menschen mitfreuen, dass sie zu Gott umkehren? Uns erinnert diese ganze Situation an das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Auch dort geht es nicht nur um einen einzigen Sohn, sondern um zwei, die je auf ihre Weise versöhnt werden müssen. Wollen wir zum unbarmherzigen großen Bruder werden, der dem jüngeren die Umkehr nicht gönnt?
Wenn Jesus dann am Ende noch sagt: „Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder“, müssen wir genau überlegen, was Jesus damit meint. Im griechischen Original steht es genauso: Gerechte und Sünder. Jesus beruft dabei Menschen, nicht ihre Sünde. Wen Jesus ruft, der wird dabei immer verändert. Wir denken z.B. an Zachäus, der am Ende alles, was er zuviel eingenommen hat, sogar noch vierfach zurückgezahlt hat. Wir denken auch an Maria Magdalena, die durch die Begegnung mit Jesus von sieben Dämonen befreit worden ist und von da an Jesu Verkündigung u.a. finanziell unterstützt hat. Die Sünder waren keine Sünder mehr, aber befreit wurden sie erst davon, als sie es einsahen und umkehrten. Deshalb sagt Jesus, dass er Sünder beruft, nicht Gerechte – Sünder ist jeder Mensch, aber nicht jeder erkennt sich als Sünder. Ihm nachfolgen kann nur, wer die Demut besitzt, sich zu sehen, wie man wirklich ist, arm und erlösungsbedürftig. Wer sich selbst aber als Gerechter bezeichnet, der keiner Umkehr bedarf, kann Jesus nicht nachfolgen. Es geht also bei der Aussage Jesu weniger darum, wie viel, wie arg, welche Art von Sünde man auf dem Konto hat, sondern vielmehr darum, wie viel man von den Sünden tatsächlich bereut. Gleichzeitig verharmlost er keine einzige Sünde. Sonst würde er nicht zu den großen Sündern sagen: „Geh und sündige von nun an nicht mehr.“

Christus ist wirklich das Wort Gottes, die Torah in Person. An ihm scheiden sich wirklich die Geister und in dieser Situation werden die bösen Gedanken der Missgönner aufgedeckt. Sie sind gar nicht so heilig, wie sie vorgeben. Sie brauchen auch Heilung und Umkehr, aber sie wollen dies noch nicht so richtig einsehen. Christus möchte alle Menschen retten und zur Umkehr bewegen. An ihm wird jeder Mensch vor die Entscheidung gestellt, bis heute: Sind wir bereit, uns im Lichte Gottes so zu sehen, wie wir sind? Können wir uns überwinden, uns demütig einzugestehen, dass auch bei uns nicht alles Gold ist, was glänzt? Nur so beginnt der Prozess der Heiligung, zu der wir durch die Taufe berufen sind. Nur durch die Umkehr können wir ganz und gar dem Herrn gleichgestaltet werden. Wenn wir auf König David schauen und auch auf Levi, sehen wir diese demütige Haltung, die wir benötigen. Diese Personen erkannten, dass alles Gute, was sie taten, nicht von ihnen selbst kam, sondern von Gott. Sie erkannten zugleich, was sie Schlechtes getan haben. Gottes Herrlichkeit ist es, die durch die guten Taten offenbart wird, nicht unser eigenes Ego. Wenn man sich allerdings für selbstgerecht hält, verwechselt man genau dies. Man denkt, dass das Gute vollkommen eigenes Verdienst ist (gewiss tun wir unser Bestes, aber es ist immer ein Teamwork und nicht unser eigenes Gutsein).

Gott beruft nicht die Selbstgerechten, sondern jene Menschen, die ihr echtes, unvollkommenes Ich sehen. Sie wissen, dass alles Gute von Gott kommt. Seien wir bekennende Sünder – erkennen wir unsere eigene Erlösungsbedürftigkeit. Das heißt nicht, dass wir schön weiter sündigen dürfen, sondern gerade damit aufhören sollen. Wenn wir anfangen, echt zu sein, ehrlich zu uns selbst und vor Gott, dann werden wir zu brauchbarem Material, aus dem Gott schöne Gefäße für sein Werk formen kann.

Ihre Magstrauss

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