7. Sonntag der Osterzeit

Apg 1,12-14; Ps 27,1.4.7-8; 1 Petr 4,13-16; Joh 17,1-11a

Apg 1
12 Dann kehrten sie von dem Berg, der Ölberg genannt wird und nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück.
13 Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelot, sowie Judas, der Sohn des Jakobus.
14 Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.

In der ersten Lesung wird von dem berichtet, was die Apostel zwischen der Himmelfahrt Christi und dem Pfingstereignis tun.
Gemäß dem Auftrag Jesu, in Jerusalem zu warten, verharren sie in Jerusalem in einem Obergemach. Dabei handelt es sich zunächst um die elf verbliebenen Apostel, die hier mit Namen aufgezählt werden. Petrus wird als erstes genannt, weil er unter ihnen eine Vorrangstellung hat. Auch die Frauen sind dort, die Jesus begleitet haben. Ganz entscheidend ist, dass die Mutter Maria anwesend ist. Sie ist der Leib, in dem sich der Geist Gottes ganz entfalten konnte – so sehr, dass Gott in ihr Mensch werden konnte. Wenn nicht sie also im Gebet verharrt und um den Geist Gottes bittet, wer sonst! Sie kann den Aposteln helfen, diese notwendige Haltung einzunehmen, die Pforten des Herzens ganz weit aufzureißen, damit die Fülle des Geistes dort einziehen kann. Sie hält alles zusammen und ist als erste „Pfingstliche“ der Archetyp der Kirche.
Auch die Brüder Jesu sind dort, das bedeutet die Verwandtschaft mütterlicherseits. Der berühmteste von diesen „Brüdern“ ist Jakobus (ich habe über das griechische Wort ἀδελφός adelphos schon oft gesprochen. Es meint im altorientalischen Kulturkreis längst nicht nur den leiblichen Bruder und die Brüder Jesu haben andere Eltern. Es sind Verwandte Jesu.). Er war Nasiräer und lebte besonders asketisch. Er leitete die Jerusalemer Urgemeinde, nachdem Petrus von Jerusalem abgereist ist.
Die Apostel und der weitere Jüngerkreis bereiten sich auf das Geburtsfest der Kirche vor, tun auch wir das?

Ps 27
1 Von David. Der HERR ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen?
4 Eines habe ich vom HERRN erfragt, dieses erbitte ich: im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen und nachzusinnen in seinem Tempel.
7 Höre, HERR, meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und gib mir Antwort!

8 Mein Herz denkt an dich: Suchet mein Angesicht! Dein Angesicht, HERR, will ich suchen.

Wir beten heute einen ganz bekannten Psalm, der das Vertrauensverhältnis Davids zu Gott offenbart. Es gibt hier messianische Hinweise bzw. erkennen wir Christus im Psalm: Der HERR, Jahwe, ist mein Heil. Das hebräische Wort weist denselben Stamm auf wie der Name Jesu. Das ist kein Zufall. Der Psalm ist ganz und gar von Vertrauen geprägt („vor wem sollte mir bangen“, „Zuflucht“, „Hoffe auf den HERRN“). Es ist eben jenes unerschütterliche Vertrauen, das auch die Apostel Gott gegenüber besitzen und weshalb sie Jesu Einladung folgen, den Vater um den Geist zu bitten.
Zugleich wird die Sehnsucht nach dem ewigen Leben deutlich: „im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens“; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen“. Das entspricht unseren anagogischen Gedanken zum Beispiel bei den vielen Jesajatexten, in denen das Leben bei Gott im Himmelreich die ultimative Befreiung vom drückenden Joch ist. Es ist auch auf die Apostel zu beziehen, die mit einer brennenden Sehnsucht nach der Wiederkunft Christi und in einer absoluten Naherwartung leben.
Dann wird eine Bitte formuliert: „Höre, HERR, meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und gib mir Antwort!“ Das ist es ja, was Jesus seinen Aposteln in den Abschiedsreden besonders eindringlich erklärt hat: Bittet den Vater. Ich werde für euch einstehen und wenn ihr dann im Heiligen Geist neugeboren seid, werdet ihr eine solche Intimität zum Vater als seine geliebten Kinder haben, dass er euch alles geben wird in meinem Namen. Wie der Psalmist schreibt, suchen die Apostel im Pfingstsaal verharrend das Angesicht Gottes. Sie sehnen sich nach seiner umfassenden Manifestation. Sie dürsten nach dem Heiligen Geist, der sie beleben kann. Auch wir dürsten nach dem Wasser des ewigen Lebens, das uns so umfassend tränkt, dass wir keinen Durst mehr haben müssen. Der Mensch ist auf der Suche nach dem Heiligen Geist, manchmal ohne es zu merken. So hält er instinktiv die Gebote Gottes, um im Liebesradius Gottes zu bleiben. Durch die Sünde entfernt sich der Mensch davon. Der Geist Gottes wird in den Heilsmitteln der Kirche ausgegossen, besonders aber in Taufe und Firmung. Diese Sakramente sind einmalig zu spenden und so muss auch die Eucharistie als besondere Zeit der Geistgabe genannt werden. In Vorbereitung darauf wird der Geist auch in der Beichte in unsere Herzen ausgegossen. Ein sakramentales Leben bringt Freude. Und wenn wir sterben, werden wir mir dem Geist Gottes unverhüllt und in vollem Maße durchdrungen, dass es ein einziges Pfingstereignis sein wird.

1 Petr 4
13 Stattdessen freut euch, dass ihr Anteil an den Leiden Christi habt; denn so könnt ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit voll Freude jubeln.

14 Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr seligzupreisen; denn der Geist der Herrlichkeit, der Geist Gottes, ruht auf euch.
15 Wenn einer von euch leiden muss, soll es nicht deswegen sein, weil er ein Mörder oder ein Dieb ist, weil er Böses tut oder sich in fremde Angelegenheiten einmischt.
16 Wenn er aber leidet, weil er Christ ist, dann soll er sich nicht schämen, sondern Gott darin verherrlichen.

Es geht in der zweiten Lesung weiter mit dem Petrusbrief. Im vierten Kapitel behandelt Petrus weiterhin das Thema Leiden für Christus. Dies tut er wieder in einem paränetischen Rahmen, also in Form von ethischen Unterweisungen. In den vorherigen Versen, die nicht zum heutigen Abschnitt gehören, sagt er, dass die Getauften vor ihrer Taufe genug Zeit mit irdischen Begierden zugebracht haben und nun die Zeit gekommen ist, sich nach dem Willen Gottes zu richten. Nun ein anderes Leben zu führen als früher wird jene erzürnen, mit denen man so ein Leben geführt hat. Ganz konkret heißt das für die Adressaten des Briefes primär ihre Familienmitglieder, die nicht mit ihnen zusammen Christen geworden sind. Da ist Konflikt und Leiden vorprogrammiert.
Und doch ermutigt Petrus die Adressaten und heute auch uns, die wir diese Lesung hören: Wir sollen uns freuen, dass wir auf diese Weise an dem Leiden Christi teilhaben. Er ist verspottet und von seinen engsten Freunden verraten worden. So können wir unsere eigene Situation mit seiner sehr gut identifizieren. Wie oft leiden auch heutige Christen darunter, dass sie die einzigen Gläubigen in ihrer Familie sind. Der Zustand selbst ist nicht gut und Gott leidet mit uns zusammen darunter, dass die Kinder trotz christlicher Erziehung einen anderen Weg gehen wollen. Doch in Situationen, die man nicht ändern kann, weil Glaube nicht erzwungen werden kann, ist es ein Trost, zu wissen, dass dieses Leiden nicht sinnlos ist. Denn wer für Christus leidet, wird auch mit Christus am Ende der Zeiten jubeln. Ein gemeinsamer Karfreitag bedeutet auch ein gemeinsames Ostern.
Petrus formuliert sogar eine Selipreisung, die an die Bergpredigt Jesu erinnert: „Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr seligzupreisen.“ Das hat nichts Pathologisches an sich, so als ob man das Leiden aktiv suchen und sich daran ergötzen soll. Vielmehr meint es, dass es für uns ein Zeichen ist, dass wir auf dem richtigen Weg sind. In den vergangenen Kapiteln des ersten Petrusbriefes hat Petrus die Fremdheit und Andersartigkeit der Getauften im Gegensatz zur gefallenen Welt herausgestellt. Die Heimat ist ins Himmelreich verlegt worden und so leben die Christen nun in der Fremde. Konflikte wegen des Glaubens signalisieren den Getauften, dass sie vom weltlichen Standpunkt aus gesehen wirklich ein Leben in der Fremde, vom göttlichen Standpunkt aus nach Gottes Willen leben.
Der entscheidende Aspekt für das Anderssein ist der „Geist der Herrlichkeit“. Dieser ruht auf den Getauften, denn in ihm sind sie eine neue Schöpfung geworden. Er belebt sie ganz und richtet sie auf die Ewigkeit aus. In Fülle empfangen bleibt er in ihnen.
Petrus sprach schon im Abschnitt von letzter Woche davon, dass es unterschiedliche Ursachen für das Leid gibt. Und so spricht er auch hier an, dass die Seligpreisung nur für das Leiden um des Himmelreiches willen gilt, nicht „weil er ein Mörder oder ein Dieb ist, weil er Böses tut oder sich in fremde Angelegenheiten einmischt.“ Dann handelt es sich um die natürliche Konsequenz der Sünde. Sie zieht von ihrem Wesen her weite Kreise. So muss der Sünder selbst sowie Unschuldige um ihn herum unter ihren Folgen leiden. Das ist dann aber keine Teilhabe am Leiden Christi, das ein Sühneleiden stellvertretend für andere ist.
Als Christ zu leiden soll dagegen kein Grund zur Scham sein, sondern Anlass, im Leiden Gott zu verherrlichen. Das haben in verdichteter Weise die Märtyrer der Kirche vorbildlich umgesetzt. Doch auch die vielen Bekenner, die zeitlebens für das Evangelium gelitten haben, doch eines natürlichen Todes gestorben sind, haben Gott dadurch verherrlicht. Es ist eine große Herausforderung, das Leiden zu umarmen und bereitwillig anzunehmen. Doch dies ist keine Aufgabe, die allein aus eigener menschlicher Kraft umgesetzt werden muss. Gott gibt dazu die Kraft, denn nicht umsonst ist bei Taufe und Firmung der Mensch mit der Fülle des Heiligen Geistes ausgestattet worden.

Joh 17
1 Dies sprach Jesus. Und er erhob seine Augen zum Himmel und sagte: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht!
2 Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.
3 Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus.
4 Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast.
5 Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war!
6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt.
7 Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist.
8 Denn die Worte, die du mir gabst, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen. Sie haben wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast.
9 Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir.
10 Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht.
11 Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir.

Das heutige Evangelium ist ein Ausschnitt aus dem hohepriesterlichen Gebet Jesu. Dieses Gebet vervollständigt die „Liturgie“ Jesu am Abend vor seinem Tod. Er hat die Eucharistie eingesetzt und dabei das Pessachfest typologisch erfüllt. Mit seinem Kreuzestod wird die Versöhnung der Welt mit Gott erwirkt und so verbindet sich die Pessachtypologie des letzten Abendmahls mit der des Jom Kippur, des Versöhnungstages. Bei diesem Fest, das das höchste Fest der Juden darstellt, ist es zur Zeit Jesu so, dass der Hohepriester ausnahmsweise zum Allerheiligsten vordringen darf und mit dem Blut von zwei Opfertieren den Deckel der Bundeslade besprengt. Er tut dies stellvertretend für die ganze Gemeinde und bittet um Vergebung der Sünden des Volkes Israel. Unter anderem wird auch ein Sündenbockritual vorgenommen, bei dem die Sünden des Hohepriesters öffentlich bekannt werden, auf das Tier „übertragen“ und dieses dann in die Wildnis geschickt wird. An diesem Festtag wurde auch ein Opfer zur Reinigung des Tempels dargebracht.
Dies alles müssen wir bedenken, wenn wir Jesu Gebet betrachten. Dann geht uns auf, was den Aposteln in dem Moment vielleicht aufgegangen ist, mindestens dem Mystiker Johannes: Dass Jesus nicht nur Pessach in den Neuen Bund integriert, sondern auch Jom Kippur.
Bevor er zum Gebet ansetzt, hören wir als erstes: „Dies sprach Jesus“. Es signalisiert uns, dass die Reihe der Abschiedsreden nun abgeschlossen ist.
Jesus erhebt die Augen zum Himmel, weil er nun zum Vater sprechen wird. „Die Stunde ist gekommen.“ Im Johannesevangelium hat die Rede von der „Stunde“ eine heilsgeschichtliche Bedeutung. Als Maria ihren Sohn bei der Hochzeit zu Kana auf den ausgegangenen Wein hinweist, entgegnet er ihr: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Es ist nicht wörtlich zu verstehen, denn Jesus meint nie eine bestimmte Stunde des Tages, sondern einen Zeitpunkt im Heilsplan Gottes. Im heutigen Evangelium ist die Stunde des Leidens gekommen, das sehr bald beginnen würde. Und der ganze Vorgang bis zum letzten Atemzug am Kreuz ist ein Prozess der Verherrlichung. Jesus wird über alle anderen erhöht. Der Erhöhung durch den Vater bei der Himmelfahrt geht die Erhöhung am Kreuzesholz voraus. Die „Stunde“ meint zugleich das Hinübergehen zum Vater, zu dem er im Gebet spricht. Und Jesus verherrlicht im Gegenzug den Vater dadurch, dass an ihm Gottes große Taten offenbar werden. Dadurch werden wiederum viele Menschen Gott die Ehre geben.
Jesus spricht über sich in der dritten Person, wenn er als Grund für seine Verherrlichung die Bevollmächtigung durch den Vater nennt. Dieser vertraut ihm alle Menschen an, damit er ihnen das ewige Leben schenke.
Jesus erklärt, worin das ewige Leben besteht – in der Erkenntnis Gottes und seines Gesalbten. Die Erkenntnis eröffnet das ewige Leben, denn wer Gott erkannt hat, kommt zum Glauben an ihn und lässt sich taufen. Wer getauft ist, nimmt die Erlösung Christi an und wird zum Erben des Reiches Gottes eingesetzt.
Dieses Erkennen hat im gesamtbiblischen Zeugnis eine tiefe Bedeutung: Adam und Eva erkennen einander und so wird Eva schwanger. Es ist die liebende Vereinigung zwischen Mann und Frau. Erkennen ist aber auch eine Liebe auf seelischer Ebene. So erkennen z.B. die Emmausjünger beim Brechen des Brotes und Maria Magdalena Jesus am Grab. Es ist eine liebende Vereinigung der Seelen. Und wenn wir nach unserem Tod vor Gott stehen, werden wir ihn erkennen, sodass wir ihn sehen, wie er ist. So werden wir in der ewigen Erkenntnis leben – der ewigen Liebesgemeinschaft mit Gott. Diese ultimative Erkenntnis erfahren wir auf Erden stückhaft schon sakramental, wenn wir Eucharistie feiern. Dann erkennen wir in den eucharistischen Gestalten Jesus Christus. Wir erkennen ihn auch in der Liebe, die uns andere Menschen erweisen.
Jesus hat den Vater auf der Erde verherrlicht, weil er seinen Willen ganz erfüllt hat, der ein Heilswille ist. Er hat alles bis zum letzten Atemzug nach dem Willen des Vaters getan und dann zuletzt gesagt: „Es ist vollbracht.“
Und nun bittet er den Vater darum, dass auch dieser treu alles bis zum Ende vollbringt, sodass der Sohn dann wieder verherrlicht an seiner Seite sitzen wird. Hier spricht Jesus auch seine eigene Präexistenz aus („die ich bei dir hatte, bevor die Welt war“). Jesus ist das fleischgewordene Wort und dieses Wort war im Anfang bei Gott, wie es der Johannesprolog feierlich erklärt.
„Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart.“ Jesus hat den Vater wirklich authentisch ausgelegt. Er hat die Jünger „aus der Welt“ berufen zur Nachfolge (Welt ist hier wieder Ausdruck der gefallenen Schöpfung), damit sie das Herz des Vaters durch die Offenbarung Jesu Christi immer mehr kennenlernen. Mit „Name Gottes“ ist dessen innerstes Wesen gemeint. Auch am brennenden Dornbusch hat sich Gott dem Mose mit einer Eigenschaft oder Tätigkeit als Namensbezeichnung vorgestellt: Jahwe, „ich bin/ich werde sein“. Er ist ein Gott, der für die Menschen da ist und sie nie verlässt. Die Apostel haben das Wort bewahrt, das heißt das Evangelium Jesu Christi in ihre Herzen geschrieben. Nun brauchen sie nur noch den Heiligen Geist, der zur gegebenen Zeit alles wieder hervorholt.
„Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist.“ Der Vater hat den Sohn gesandt, er hat ihn mit allen Vollmachten ausgestattet. Und die Apostel haben einen langen Prozess durchlaufen, bis sie soweit sind, Jesu Herkunft ansatzweise zu begreifen. Selbst in den Abschiedsreden ist ihre Schwerbegrifflichkeit noch durchgesickert.
Konkret nennt Jesus dann das Wort, das Jesus vom Vater empfangen und den Aposteln weitergegeben hat. Man spürt förmlich, dass Jesus beim Vater ein gutes Wort für die Apostel einlegen möchte. Es ist wie eine Apologie oder ein Plädoyer vor Gericht. Nachdem er sie mehrfach gelobt hat, kommt er nun zur Fürbitte: Jesus bittet für seine Apostel, denn sie gehören nun dem Vater.
Der Vater und der Sohn teilen alles miteinander. Alles gehört auch jeweils dem Anderen. Das macht die innige Liebe des dreifaltigen Gottes aus. Und das gemeinsame Werk des Vaters und des Sohnes wird im Glauben der Gläubigen fortgesetzt und deshalb wird Christus in ihnen verherrlicht.
Sie werden weiterführen, was er getan hat, weil sie in der Welt sind (als neue Schöpfung inmitten der gefallenen Schöpfung). Jesus aber geht zurück zum Vater.

Betrachten wir all das vor dem Hintergrund des Jom Kippur, erkennen wir in Christus den Hohepriester, der Gott um Vergebung der Sünden des Volkes bittet – zu diesem neuen Volk Gottes zählt zunächst sein Kern, der Apostelkreis. Jesus bittet im Voraus schon um Vergebung für den Verrat, den seine eigenen Freunde an ihm begehen werden. Er bittet auch für uns alle als Hohepriester, der aber seine eigenen Sünden nicht bekennt. Jesus ist ohne Sünde und kann gar kein Sündenbekenntnis ablegen. Das unterscheidet ihn von den Hohepriestern des Alten Bundes. Und wenn wir dann weiterschauen, was passieren wird, gibt es noch einen entscheidenden Unterschied. Nicht mehr das Blut von Opfertieren wird auf den Deckel der Bundeslade gesprengt, sondern Jesus selbst wird zum Opfer, das seine Gläubigen mit dem kostbaren Blut besprengt. Dies berichtet Johannes im Passionsbericht sehr anschaulich, als durch den Lanzenstoß eines Soldaten ins Herz Jesu Blut und Wasser hervorfließen – sein kostbares Blut der Versöhnung und das Wasser des Heiligen Geistes, auf den wir uns vorbereiten! Jesus ist Hohepriester und Opfer zugleich. Als Makelloser hat er ein ultimatives Jom Kippur erwirkt, den Versöhnungstag, der keinen weiteren mehr notwendig machen wird. Jom Kippur wird lediglich erneuert und in die jeweilige Gegenwart geholt, wenn wir die Eucharistie begehen. Jom Kippur wird auch immer dort Gegenwart, wo wir das Sakrament der Versöhnung empfangen und wo uns die Sünde vergeben wird. Der Tag der Versöhnung wird vor allem dann offenbar, wenn wir in die Ewigkeit eingehen, wo wir Gott unverhüllt erkennen werden, wie er uns erkannt hat.

Jesus betet für seine Apostel, die nach seinem Tod und der Spendung des Heiligen Geistes als Gott ganz Geweihte Christi Werk fortsetzen werden. Bis dahin wird noch sehr viel passieren und die Apostel sind noch längst nicht so weit, dass man sie als brennende Zeugen für Christus bezeichnen kann. Der eine verrät seinen Rabbi, der andere leugnet, ihn zu kennen. Nur einer von zwölf Aposteln steht Jesus bis zum Schluss bei. Und doch schreibt Gott auf krummen Seiten gerade. Sein Werk ist es, in der Schwachheit des Menschen seine Gnade walten zu lassen, damit jeder erkennt, dass er es ist, der durch die Menschen wirkt.
Auf die Fülle dieser Gnade warten die Apostel zusammen mit dem erweiterten Jüngerkreis nach der Himmelfahrt Christi. Es ist im wahrsten Sinne die Ruhe vor dem Sturm. Aber wenn sie den Geist erst einmal empfangen haben, werden sie die Worte Davids im Psalm wirklich beherzigen: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil. Vor wem sollte ich mich fürchten?“

Ihre Magstrauss

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