7. Sonntag der Osterzeit

Apg 1,12-14; Ps 27,1.4.7-8; 1 Petr 4,13-16; Joh 17,1-11a

Apg 1
12 Dann kehrten sie von dem Berg, der Ölberg genannt wird und nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück.
13 Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelot, sowie Judas, der Sohn des Jakobus.
14 Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.

In der ersten Lesung wird von dem berichtet, was die Apostel zwischen der Himmelfahrt Christi und dem Pfingstereignis tun.
Gemäß dem Auftrag Jesu, in Jerusalem zu warten, verharren sie in Jerusalem in einem Obergemach. Dabei handelt es sich zunächst um die elf verbliebenen Apostel, die hier mit Namen aufgezählt werden. Petrus wird als erstes genannt, weil er unter ihnen eine Vorrangstellung hat. Auch die Frauen sind dort, die Jesus begleitet haben. Ganz entscheidend ist, dass die Mutter Maria anwesend ist. Sie ist der Leib, in dem sich der Geist Gottes ganz entfalten konnte – so sehr, dass Gott in ihr Mensch werden konnte. Wenn nicht sie also im Gebet verharrt und um den Geist Gottes bittet, wer sonst! Sie kann den Aposteln helfen, diese notwendige Haltung einzunehmen, die Pforten des Herzens ganz weit aufzureißen, damit die Fülle des Geistes dort einziehen kann. Sie hält alles zusammen und ist als erste „Pfingstliche“ der Archetyp der Kirche.
Auch die Brüder Jesu sind dort, das bedeutet die Verwandtschaft mütterlicherseits. Der berühmteste von diesen „Brüdern“ ist Jakobus (ich habe über das griechische Wort ἀδελφός adelphos schon oft gesprochen. Es meint im altorientalischen Kulturkreis längst nicht nur den leiblichen Bruder und die Brüder Jesu haben andere Eltern. Es sind Verwandte Jesu.). Er war Nasiräer und lebte besonders asketisch. Er leitete die Jerusalemer Urgemeinde, nachdem Petrus von Jerusalem abgereist ist.
Die Apostel und der weitere Jüngerkreis bereiten sich auf das Geburtsfest der Kirche vor, tun auch wir das?

Ps 27
1 Von David. Der HERR ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen?
4 Eines habe ich vom HERRN erfragt, dieses erbitte ich: im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen und nachzusinnen in seinem Tempel.
7 Höre, HERR, meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und gib mir Antwort!

8 Mein Herz denkt an dich: Suchet mein Angesicht! Dein Angesicht, HERR, will ich suchen.

Wir beten heute einen ganz bekannten Psalm, der das Vertrauensverhältnis Davids zu Gott offenbart. Es gibt hier messianische Hinweise bzw. erkennen wir Christus im Psalm: Der HERR, Jahwe, ist mein Heil. Das hebräische Wort weist denselben Stamm auf wie der Name Jesu. Das ist kein Zufall. Der Psalm ist ganz und gar von Vertrauen geprägt („vor wem sollte mir bangen“, „Zuflucht“, „Hoffe auf den HERRN“). Es ist eben jenes unerschütterliche Vertrauen, das auch die Apostel Gott gegenüber besitzen und weshalb sie Jesu Einladung folgen, den Vater um den Geist zu bitten.
Zugleich wird die Sehnsucht nach dem ewigen Leben deutlich: „im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens“; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen“. Das entspricht unseren anagogischen Gedanken zum Beispiel bei den vielen Jesajatexten, in denen das Leben bei Gott im Himmelreich die ultimative Befreiung vom drückenden Joch ist. Es ist auch auf die Apostel zu beziehen, die mit einer brennenden Sehnsucht nach der Wiederkunft Christi und in einer absoluten Naherwartung leben.
Dann wird eine Bitte formuliert: „Höre, HERR, meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und gib mir Antwort!“ Das ist es ja, was Jesus seinen Aposteln in den Abschiedsreden besonders eindringlich erklärt hat: Bittet den Vater. Ich werde für euch einstehen und wenn ihr dann im Heiligen Geist neugeboren seid, werdet ihr eine solche Intimität zum Vater als seine geliebten Kinder haben, dass er euch alles geben wird in meinem Namen. Wie der Psalmist schreibt, suchen die Apostel im Pfingstsaal verharrend das Angesicht Gottes. Sie sehnen sich nach seiner umfassenden Manifestation. Sie dürsten nach dem Heiligen Geist, der sie beleben kann. Auch wir dürsten nach dem Wasser des ewigen Lebens, das uns so umfassend tränkt, dass wir keinen Durst mehr haben müssen. Der Mensch ist auf der Suche nach dem Heiligen Geist, manchmal ohne es zu merken. So hält er instinktiv die Gebote Gottes, um im Liebesradius Gottes zu bleiben. Durch die Sünde entfernt sich der Mensch davon. Der Geist Gottes wird in den Heilsmitteln der Kirche ausgegossen, besonders aber in Taufe und Firmung. Diese Sakramente sind einmalig zu spenden und so muss auch die Eucharistie als besondere Zeit der Geistgabe genannt werden. In Vorbereitung darauf wird der Geist auch in der Beichte in unsere Herzen ausgegossen. Ein sakramentales Leben bringt Freude. Und wenn wir sterben, werden wir mir dem Geist Gottes unverhüllt und in vollem Maße durchdrungen, dass es ein einziges Pfingstereignis sein wird.

1 Petr 4
13 Stattdessen freut euch, dass ihr Anteil an den Leiden Christi habt; denn so könnt ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit voll Freude jubeln.

14 Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr seligzupreisen; denn der Geist der Herrlichkeit, der Geist Gottes, ruht auf euch.
15 Wenn einer von euch leiden muss, soll es nicht deswegen sein, weil er ein Mörder oder ein Dieb ist, weil er Böses tut oder sich in fremde Angelegenheiten einmischt.
16 Wenn er aber leidet, weil er Christ ist, dann soll er sich nicht schämen, sondern Gott darin verherrlichen.

Es geht in der zweiten Lesung weiter mit dem Petrusbrief. Im vierten Kapitel behandelt Petrus weiterhin das Thema Leiden für Christus. Dies tut er wieder in einem paränetischen Rahmen, also in Form von ethischen Unterweisungen. In den vorherigen Versen, die nicht zum heutigen Abschnitt gehören, sagt er, dass die Getauften vor ihrer Taufe genug Zeit mit irdischen Begierden zugebracht haben und nun die Zeit gekommen ist, sich nach dem Willen Gottes zu richten. Nun ein anderes Leben zu führen als früher wird jene erzürnen, mit denen man so ein Leben geführt hat. Ganz konkret heißt das für die Adressaten des Briefes primär ihre Familienmitglieder, die nicht mit ihnen zusammen Christen geworden sind. Da ist Konflikt und Leiden vorprogrammiert.
Und doch ermutigt Petrus die Adressaten und heute auch uns, die wir diese Lesung hören: Wir sollen uns freuen, dass wir auf diese Weise an dem Leiden Christi teilhaben. Er ist verspottet und von seinen engsten Freunden verraten worden. So können wir unsere eigene Situation mit seiner sehr gut identifizieren. Wie oft leiden auch heutige Christen darunter, dass sie die einzigen Gläubigen in ihrer Familie sind. Der Zustand selbst ist nicht gut und Gott leidet mit uns zusammen darunter, dass die Kinder trotz christlicher Erziehung einen anderen Weg gehen wollen. Doch in Situationen, die man nicht ändern kann, weil Glaube nicht erzwungen werden kann, ist es ein Trost, zu wissen, dass dieses Leiden nicht sinnlos ist. Denn wer für Christus leidet, wird auch mit Christus am Ende der Zeiten jubeln. Ein gemeinsamer Karfreitag bedeutet auch ein gemeinsames Ostern.
Petrus formuliert sogar eine Selipreisung, die an die Bergpredigt Jesu erinnert: „Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr seligzupreisen.“ Das hat nichts Pathologisches an sich, so als ob man das Leiden aktiv suchen und sich daran ergötzen soll. Vielmehr meint es, dass es für uns ein Zeichen ist, dass wir auf dem richtigen Weg sind. In den vergangenen Kapiteln des ersten Petrusbriefes hat Petrus die Fremdheit und Andersartigkeit der Getauften im Gegensatz zur gefallenen Welt herausgestellt. Die Heimat ist ins Himmelreich verlegt worden und so leben die Christen nun in der Fremde. Konflikte wegen des Glaubens signalisieren den Getauften, dass sie vom weltlichen Standpunkt aus gesehen wirklich ein Leben in der Fremde, vom göttlichen Standpunkt aus nach Gottes Willen leben.
Der entscheidende Aspekt für das Anderssein ist der „Geist der Herrlichkeit“. Dieser ruht auf den Getauften, denn in ihm sind sie eine neue Schöpfung geworden. Er belebt sie ganz und richtet sie auf die Ewigkeit aus. In Fülle empfangen bleibt er in ihnen.
Petrus sprach schon im Abschnitt von letzter Woche davon, dass es unterschiedliche Ursachen für das Leid gibt. Und so spricht er auch hier an, dass die Seligpreisung nur für das Leiden um des Himmelreiches willen gilt, nicht „weil er ein Mörder oder ein Dieb ist, weil er Böses tut oder sich in fremde Angelegenheiten einmischt.“ Dann handelt es sich um die natürliche Konsequenz der Sünde. Sie zieht von ihrem Wesen her weite Kreise. So muss der Sünder selbst sowie Unschuldige um ihn herum unter ihren Folgen leiden. Das ist dann aber keine Teilhabe am Leiden Christi, das ein Sühneleiden stellvertretend für andere ist.
Als Christ zu leiden soll dagegen kein Grund zur Scham sein, sondern Anlass, im Leiden Gott zu verherrlichen. Das haben in verdichteter Weise die Märtyrer der Kirche vorbildlich umgesetzt. Doch auch die vielen Bekenner, die zeitlebens für das Evangelium gelitten haben, doch eines natürlichen Todes gestorben sind, haben Gott dadurch verherrlicht. Es ist eine große Herausforderung, das Leiden zu umarmen und bereitwillig anzunehmen. Doch dies ist keine Aufgabe, die allein aus eigener menschlicher Kraft umgesetzt werden muss. Gott gibt dazu die Kraft, denn nicht umsonst ist bei Taufe und Firmung der Mensch mit der Fülle des Heiligen Geistes ausgestattet worden.

Joh 17
1 Dies sprach Jesus. Und er erhob seine Augen zum Himmel und sagte: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht!
2 Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.
3 Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus.
4 Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast.
5 Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war!
6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt.
7 Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist.
8 Denn die Worte, die du mir gabst, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen. Sie haben wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast.
9 Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir.
10 Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht.
11 Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir.

Das heutige Evangelium ist ein Ausschnitt aus dem hohepriesterlichen Gebet Jesu. Dieses Gebet vervollständigt die „Liturgie“ Jesu am Abend vor seinem Tod. Er hat die Eucharistie eingesetzt und dabei das Pessachfest typologisch erfüllt. Mit seinem Kreuzestod wird die Versöhnung der Welt mit Gott erwirkt und so verbindet sich die Pessachtypologie des letzten Abendmahls mit der des Jom Kippur, des Versöhnungstages. Bei diesem Fest, das das höchste Fest der Juden darstellt, ist es zur Zeit Jesu so, dass der Hohepriester ausnahmsweise zum Allerheiligsten vordringen darf und mit dem Blut von zwei Opfertieren den Deckel der Bundeslade besprengt. Er tut dies stellvertretend für die ganze Gemeinde und bittet um Vergebung der Sünden des Volkes Israel. Unter anderem wird auch ein Sündenbockritual vorgenommen, bei dem die Sünden des Hohepriesters öffentlich bekannt werden, auf das Tier „übertragen“ und dieses dann in die Wildnis geschickt wird. An diesem Festtag wurde auch ein Opfer zur Reinigung des Tempels dargebracht.
Dies alles müssen wir bedenken, wenn wir Jesu Gebet betrachten. Dann geht uns auf, was den Aposteln in dem Moment vielleicht aufgegangen ist, mindestens dem Mystiker Johannes: Dass Jesus nicht nur Pessach in den Neuen Bund integriert, sondern auch Jom Kippur.
Bevor er zum Gebet ansetzt, hören wir als erstes: „Dies sprach Jesus“. Es signalisiert uns, dass die Reihe der Abschiedsreden nun abgeschlossen ist.
Jesus erhebt die Augen zum Himmel, weil er nun zum Vater sprechen wird. „Die Stunde ist gekommen.“ Im Johannesevangelium hat die Rede von der „Stunde“ eine heilsgeschichtliche Bedeutung. Als Maria ihren Sohn bei der Hochzeit zu Kana auf den ausgegangenen Wein hinweist, entgegnet er ihr: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Es ist nicht wörtlich zu verstehen, denn Jesus meint nie eine bestimmte Stunde des Tages, sondern einen Zeitpunkt im Heilsplan Gottes. Im heutigen Evangelium ist die Stunde des Leidens gekommen, das sehr bald beginnen würde. Und der ganze Vorgang bis zum letzten Atemzug am Kreuz ist ein Prozess der Verherrlichung. Jesus wird über alle anderen erhöht. Der Erhöhung durch den Vater bei der Himmelfahrt geht die Erhöhung am Kreuzesholz voraus. Die „Stunde“ meint zugleich das Hinübergehen zum Vater, zu dem er im Gebet spricht. Und Jesus verherrlicht im Gegenzug den Vater dadurch, dass an ihm Gottes große Taten offenbar werden. Dadurch werden wiederum viele Menschen Gott die Ehre geben.
Jesus spricht über sich in der dritten Person, wenn er als Grund für seine Verherrlichung die Bevollmächtigung durch den Vater nennt. Dieser vertraut ihm alle Menschen an, damit er ihnen das ewige Leben schenke.
Jesus erklärt, worin das ewige Leben besteht – in der Erkenntnis Gottes und seines Gesalbten. Die Erkenntnis eröffnet das ewige Leben, denn wer Gott erkannt hat, kommt zum Glauben an ihn und lässt sich taufen. Wer getauft ist, nimmt die Erlösung Christi an und wird zum Erben des Reiches Gottes eingesetzt.
Dieses Erkennen hat im gesamtbiblischen Zeugnis eine tiefe Bedeutung: Adam und Eva erkennen einander und so wird Eva schwanger. Es ist die liebende Vereinigung zwischen Mann und Frau. Erkennen ist aber auch eine Liebe auf seelischer Ebene. So erkennen z.B. die Emmausjünger beim Brechen des Brotes und Maria Magdalena Jesus am Grab. Es ist eine liebende Vereinigung der Seelen. Und wenn wir nach unserem Tod vor Gott stehen, werden wir ihn erkennen, sodass wir ihn sehen, wie er ist. So werden wir in der ewigen Erkenntnis leben – der ewigen Liebesgemeinschaft mit Gott. Diese ultimative Erkenntnis erfahren wir auf Erden stückhaft schon sakramental, wenn wir Eucharistie feiern. Dann erkennen wir in den eucharistischen Gestalten Jesus Christus. Wir erkennen ihn auch in der Liebe, die uns andere Menschen erweisen.
Jesus hat den Vater auf der Erde verherrlicht, weil er seinen Willen ganz erfüllt hat, der ein Heilswille ist. Er hat alles bis zum letzten Atemzug nach dem Willen des Vaters getan und dann zuletzt gesagt: „Es ist vollbracht.“
Und nun bittet er den Vater darum, dass auch dieser treu alles bis zum Ende vollbringt, sodass der Sohn dann wieder verherrlicht an seiner Seite sitzen wird. Hier spricht Jesus auch seine eigene Präexistenz aus („die ich bei dir hatte, bevor die Welt war“). Jesus ist das fleischgewordene Wort und dieses Wort war im Anfang bei Gott, wie es der Johannesprolog feierlich erklärt.
„Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart.“ Jesus hat den Vater wirklich authentisch ausgelegt. Er hat die Jünger „aus der Welt“ berufen zur Nachfolge (Welt ist hier wieder Ausdruck der gefallenen Schöpfung), damit sie das Herz des Vaters durch die Offenbarung Jesu Christi immer mehr kennenlernen. Mit „Name Gottes“ ist dessen innerstes Wesen gemeint. Auch am brennenden Dornbusch hat sich Gott dem Mose mit einer Eigenschaft oder Tätigkeit als Namensbezeichnung vorgestellt: Jahwe, „ich bin/ich werde sein“. Er ist ein Gott, der für die Menschen da ist und sie nie verlässt. Die Apostel haben das Wort bewahrt, das heißt das Evangelium Jesu Christi in ihre Herzen geschrieben. Nun brauchen sie nur noch den Heiligen Geist, der zur gegebenen Zeit alles wieder hervorholt.
„Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist.“ Der Vater hat den Sohn gesandt, er hat ihn mit allen Vollmachten ausgestattet. Und die Apostel haben einen langen Prozess durchlaufen, bis sie soweit sind, Jesu Herkunft ansatzweise zu begreifen. Selbst in den Abschiedsreden ist ihre Schwerbegrifflichkeit noch durchgesickert.
Konkret nennt Jesus dann das Wort, das Jesus vom Vater empfangen und den Aposteln weitergegeben hat. Man spürt förmlich, dass Jesus beim Vater ein gutes Wort für die Apostel einlegen möchte. Es ist wie eine Apologie oder ein Plädoyer vor Gericht. Nachdem er sie mehrfach gelobt hat, kommt er nun zur Fürbitte: Jesus bittet für seine Apostel, denn sie gehören nun dem Vater.
Der Vater und der Sohn teilen alles miteinander. Alles gehört auch jeweils dem Anderen. Das macht die innige Liebe des dreifaltigen Gottes aus. Und das gemeinsame Werk des Vaters und des Sohnes wird im Glauben der Gläubigen fortgesetzt und deshalb wird Christus in ihnen verherrlicht.
Sie werden weiterführen, was er getan hat, weil sie in der Welt sind (als neue Schöpfung inmitten der gefallenen Schöpfung). Jesus aber geht zurück zum Vater.

Betrachten wir all das vor dem Hintergrund des Jom Kippur, erkennen wir in Christus den Hohepriester, der Gott um Vergebung der Sünden des Volkes bittet – zu diesem neuen Volk Gottes zählt zunächst sein Kern, der Apostelkreis. Jesus bittet im Voraus schon um Vergebung für den Verrat, den seine eigenen Freunde an ihm begehen werden. Er bittet auch für uns alle als Hohepriester, der aber seine eigenen Sünden nicht bekennt. Jesus ist ohne Sünde und kann gar kein Sündenbekenntnis ablegen. Das unterscheidet ihn von den Hohepriestern des Alten Bundes. Und wenn wir dann weiterschauen, was passieren wird, gibt es noch einen entscheidenden Unterschied. Nicht mehr das Blut von Opfertieren wird auf den Deckel der Bundeslade gesprengt, sondern Jesus selbst wird zum Opfer, das seine Gläubigen mit dem kostbaren Blut besprengt. Dies berichtet Johannes im Passionsbericht sehr anschaulich, als durch den Lanzenstoß eines Soldaten ins Herz Jesu Blut und Wasser hervorfließen – sein kostbares Blut der Versöhnung und das Wasser des Heiligen Geistes, auf den wir uns vorbereiten! Jesus ist Hohepriester und Opfer zugleich. Als Makelloser hat er ein ultimatives Jom Kippur erwirkt, den Versöhnungstag, der keinen weiteren mehr notwendig machen wird. Jom Kippur wird lediglich erneuert und in die jeweilige Gegenwart geholt, wenn wir die Eucharistie begehen. Jom Kippur wird auch immer dort Gegenwart, wo wir das Sakrament der Versöhnung empfangen und wo uns die Sünde vergeben wird. Der Tag der Versöhnung wird vor allem dann offenbar, wenn wir in die Ewigkeit eingehen, wo wir Gott unverhüllt erkennen werden, wie er uns erkannt hat.

Jesus betet für seine Apostel, die nach seinem Tod und der Spendung des Heiligen Geistes als Gott ganz Geweihte Christi Werk fortsetzen werden. Bis dahin wird noch sehr viel passieren und die Apostel sind noch längst nicht so weit, dass man sie als brennende Zeugen für Christus bezeichnen kann. Der eine verrät seinen Rabbi, der andere leugnet, ihn zu kennen. Nur einer von zwölf Aposteln steht Jesus bis zum Schluss bei. Und doch schreibt Gott auf krummen Seiten gerade. Sein Werk ist es, in der Schwachheit des Menschen seine Gnade walten zu lassen, damit jeder erkennt, dass er es ist, der durch die Menschen wirkt.
Auf die Fülle dieser Gnade warten die Apostel zusammen mit dem erweiterten Jüngerkreis nach der Himmelfahrt Christi. Es ist im wahrsten Sinne die Ruhe vor dem Sturm. Aber wenn sie den Geist erst einmal empfangen haben, werden sie die Worte Davids im Psalm wirklich beherzigen: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil. Vor wem sollte ich mich fürchten?“

Ihre Magstrauss

5. Sonntag der Osterzeit

Apg 6,1-7; Ps 33,1-2.4-5.18-19; 1 Petr 2,4-9; Joh 14,1-12

Apg 6
1 In diesen Tagen, als die Zahl der Jünger zunahm, begehrten die Hellenisten gegen die Hebräer auf,
weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen wurden.
2 Da riefen die Zwölf die ganze Schar der Jünger zusammen und erklärten: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen.
3 Brüder, wählt aus eurer Mitte sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit; ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen.
4 Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben.
5 Der Vorschlag fand den Beifall der ganzen Gemeinde und sie wählten Stephanus, einen Mann, erfüllt vom Glauben und vom Heiligen Geist, ferner Philippus und Prochorus, Nikanor und Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia.
6 Sie ließen sie vor die Apostel hintreten und diese legten ihnen unter Gebet die Hände auf.
7 Und das Wort Gottes breitete sich aus und die Zahl der Jünger in Jerusalem wurde immer größer; auch eine große Anzahl von den Priestern nahm gehorsam den Glauben an.

Heute am fünften Ostersonntag hören wir in der ersten Lesung wieder aus der Apostelgeschichte, in der zweiten Lesung dann aus dem ersten Petrusbrief. Der obige Abschnitt behandelt die Wahl eines Diakonenkreises für die griechischsprachigen Juden. Es ist so, dass sich im Laufe des Gemeindelebens ein Missstand herauskristallisiert, den es zu beheben gilt. Die Witwen der Hellenisten (damit sind die griechischsprachigen Juden Jerusalems gemeint) werden bei der täglichen Versorgung übersehen. Das heißt es gibt eine caritative Arbeit der Jerusalemer Urgemeinde, bei der die Bedürftigen im Mittelpunkt stehen. Diese Aufgabe wird von Diakonen übernommen. Nun ist es aber so, dass eine spezifische Gruppe von Witwen ausgelassen wird, was wohl nicht aus Boswillen, sondern aus Versehen passiert. Wir müssen bedenken, dass die Gemeinde von Jerusalem sehr schnell anwächst und der Überblick bei solch rasantem Anstieg schnell verlorengeht. So kommt die Gemeinde um die Apostel herum zusammen, um das Problem anzugehen. Die Apostel haben die Berufung, dem Wort Gottes zu dienen. Sie sollen verkündigen. Damit sie diese Aufgabe nicht vernachlässigen, weil sie sich dem „Dienst an den Tischen“ widmen müssen, schlagen sie vor, einen Kreis von sieben Männern zu wählen, der sich mit diesem Dienst beschäftigen soll. Damit ist nicht der Dienst am Altar, also dem Tisch der Eucharistie, gemeint. Es meint den Tisch der bedürftigen Menschen, um die sie sich kümmern, also die Aufgaben des Diakons. Die Wähler des Diakonenkreises sind nicht die Apostel, sondern die „Jünger“. Damit sind die anderen Gemeindemitglieder gemeint, die nicht zum Zwölferkreis gehören.
Diese Männer sollen geeignete Kandidaten sein, von gutem Ruf sowie voll Geist und Weisheit. Die Aufgabe ist also nicht einfach nur ein caritativer Dienst, den jeder ausführen kann, der Hände hat. Es geht um einen Dienst, der noch viel tiefgründiger ist. Die Kandidaten sind Vorbilder in ihrer Tätigkeit, denn so sollen ja alle Getauften einander dienen. Deshalb müssen sie von gutem Ruf sein, sonst ist ihr Dienst ein heuchlerisches Schauspiel. Sie müssen zudem ausgestattet sein mit allen Gaben des Heiligen Geistes (voll Geist), gleichsam charismatisch. Und sie müssen erfüllt sein von der Weisheit Gottes, um sich nicht nur um das leibliche Wohl der Bedürftigen zu kümmern, sondern auch seelische Nahrung zu bringen. Gewiss müssen sie imstande sein, den zu Dienenden Rede und Antwort zu stehen, wann immer sie Fragen zum Glauben haben und nach den Erzählungen Jesu verlangen.
Das muss uns selbst zu denken geben, die wir heutzutage Gefahr laufen, die Diakonia als Selbstvollzug der Kirche aufs Äußere und Irdische zu verengen. Selbst das Dienen am leiblichen Wohl der Menschen ist auf das Seelenheil der Menschen ausgerichtet.
Mit der Aussage „ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen“ ist nicht einfach nur eine Ernennung gemeint. Im weiteren Verlauf erkennen wir, dass es eine sakramentale Bevollmächtigung ist. Die sakramentale Weihe wird von den Aposteln durch Handauflegung gespendet (Vers 6).
Die Apostel wollen sich währenddessen ihrer eigentlichen Berufung widmen („beim Gebet und beim Dienst am Wort“).
Dies gefällt der Gemeinde und so werden als erste Diakone Stephanus und Philippus gewählt, von denen wir in den letzten Wochen schon gehört haben, sodann Prochorus, Nikanor, Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia. Proselyten sind Juden, die zuvor Heiden waren. Wie schon öfter erwähnt gibt es im synagogalen Kontext häufig sogenannte Gottesfürchtige, Heiden, die dem Judentum nahe stehen, aber den letzten Schritt der Beschneidung nicht wagen. Proselyten sind solche, die diesen Schritt unternommen haben, sich beschneiden ließen und die Torah halten. Solch ein Proselyt ist nun Christ geworden und soeben von der Jerusalemer Urgemeinde als Diakon für griechischsprachige Witwen ausgewählt worden.
Das Wort Gottes verbreitet sich und die Gemeinde wächst immer weiter. Interessant ist, dass auch eine große Anzahl von den Priestern zum Glauben kommt. Hier ist die Frage, wer mit πολύς τε ὄχλος τῶν ἱερέων polys te ochlos ton hiereon gemeint ist. „Priester“ als sakramentaler Weihegrad würde keinen Sinn ergeben, denn wieso sollte jemand geweiht worden sein und der Gemeinde angehören, der nicht einmal gläubig ist? Der Glaube ist ja schon Voraussetzung für die Taufe. Diese Bedeutung ergibt auch deshalb keinen Sinn, weil der sakramentale Weihegrad im Neuen Testament mit dem Wort presbyteros, nicht mit hiereus wiedergegeben wird. Hiereis sind dagegen Priester der paganen Religionen oder die Priester des Judentums. Im griechischen Alten Testament lesen wir für das hebräische Wort כהן kohen dieses griechische Wort ἱερεύς hiereus. Es bezeichnet also jene, die zum aaronitischen Priestertum gehören und ihren Dienst im Tempel ausübten. Hier wird also gesagt, dass mehrere solcher Priester Christen geworden sind!

Ps 33
1 Jubelt im HERRN, ihr Gerechten, den Redlichen ziemt der Lobgesang.
2 Preist den HERRN auf der Leier, auf der zehnsaitigen Harfe spielt ihm!
4 Denn das Wort des HERRN ist redlich, all sein Tun ist verlässlich.
5 Er liebt Gerechtigkeit und Recht, erfüllt von der Huld des HERRN ist die Erde.
18 Siehe, das Auge des HERRN ruht auf denen, die ihn fürchten, die seine Huld erwarten,
19 dass er ihre Seele dem Tod entreiße und, wenn sie hungern, sie am Leben erhalte.

Der Psalm, den wir als Antwort auf die Apostelgeschichte beten, reflektiert Gottes Heilsplan.
Wie so oft erfolgt zu Anfang eine Aufforderung zum Lob („Jubelt im HERRN“). Die Aufforderung umfasst sogar die Begleitung des Lobgesangs mit Instrumenten („auf der Leier, auf der zehnsaitigen Harfe“).
Das Wort und die Tat Gottes sind verlässlich. Gott ist treu und hält sich an seine Versprechen, auch wenn wir ihm untreu werden. Jesus hat seinen Aposteln angekündigt, dass sein Heil die ganze Welt erreichen wird. Es beginnt in Jerusalem und das Wachsen der Gemeinde bestätigt ihnen, dass Gott wirklich treu an ihnen handelt.
Gott liebt die Gerechtigkeit und das Recht. Das ist für uns keine Drohbotschaft im Sinne eines strengen Richterbildes. Gott sorgt schon für Gerechtigkeit, wo wir Unrecht erleiden. Sein Recht setzt sich durch, auch wenn es in unserem Leben aktuell nicht so erscheinen mag. Das ist eine totale Trostbotschaft.
Auch die Rede vom „Auge des HERRN“ muss als Geborgenheitsausdruck verstanden werden. Gott sieht auf die Gottesfürchtigen, die sich um den Stand der Gnade bemühen. Die anderen verstecken sich wie Adam und Eva im Garten Eden oder meinen, Gott sehe sie nicht. Er sieht alles und jeden. Gemeint ist aber, dass die Gottesfürchtigen eine Beziehung zu Gott haben und er in ihrem Leben Gutes wirkt, denn sie heißen ihn willkommen. Gott entreißt ihre Seele dem Tod (נַפְשָׁ֑ם nafscham, also eigentlich „ihr Leben“, denn nefesch meint immer das gesamte Leben, nicht nur einen Teil). Gott entreißt auch unser Leben dem Tod – sowohl dem moralischen Tod durch die regelmäßige Sündenvergebung im Beichtsakrament als auch vom ewigen Tod am Ende des Lebens. Wenn wir uns nämlich voller Glauben immer um den Stand der Gnade, um eine gute Beziehung zu Gott bemühen und mit einem umkehrbereiten Herzen durchs Leben gehen, dann wird seine Barmherzigkeit uns auffangen, sodass wir den ewigen Tod nicht schauen müssen.
Gott erhält die Gottesfürchtigen am Leben, wenn sie hungern. Dies ist wörtlich zu verstehen im Sinne von Segen im Leben. Gott sorgt dafür, dass man genug zu essen hat, wenn man seinen Willen tut. Jesus wird es später aufgreifen, wenn er sagt: „Zuerst muss es euch um das Reich Gottes gehen. Alles Andere wird euch dazugegeben.“ Auch die griechischsprachigen Witwen in der Apostelgeschichte machen die Erfahrung, dass Gott sich um sie kümmert durch die Diakone, die zu ihrem Dienst bestellt werden. Und auch wir Christen heute werden am Leben erhalten, denn Gott nährt uns nicht nur leiblich, sondern auch mit seinem Wort Gottes in Schrift und Sakrament, in der Eucharistie! Beides nährt uns auf unserem Lebensweg seelisch, sodass die Seele nicht stirbt, ebenso wenig die Hoffnung!
Und diese Hoffnung ist eine Hoffnung auf Gott, der „Hilfe und Schild“ ist. Gott leitet nicht nur den Weg, er beschützt auch auf diesem Weg, er unterstützt uns mit seiner helfenden Gnade, damit wir trotz unserer Schwächen den Willen Gottes in unserem Leben umsetzen können.

1 Petr 2
4 Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist!

5 Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen!
6 Denn es heißt in der Schrift: Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde.
7 Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden,
8 zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt. Sie stoßen sich an ihm, weil sie dem Wort nicht gehorchen; doch dazu sind sie bestimmt.
9 Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.

In der zweiten Lesung hören wir heute wieder aus dem ersten Petrusbrief. Der heutige Abschnitt ist voll von wichtigen theologischen Begriffen. Er ist sehr dicht und somit sehr sorgfältig zu lesen/hören.
Petrus fordert die Adressaten auf, zum lebendigen Stein zu kommen, der von Menschen verworfen, von Gott aber auserwählt worden ist. Er greift die Steinmetapher auf, weil er hier sehr ekklesiologische Worte findet. Es geht also um die Kirche und diese ist errichtet auf dem Felsen, der Christus ist. Es ist aber keine tote Materie, sondern Jesus ist ein lebendiger Stein. Er lebt, er ist auferstanden und er ist Person. Kirche ist also mehr als nur ein Gebäude aus totem Material. Es ist ein lebendiger Leib, in dem ein Herz schlägt, das Herz Jesu!
Hier deutet Petrus auch das häufig zu lesende Schriftwort vom Eckstein an, den die Bauleute verworfen haben. Dies ist uns in den letzten Wochen schon einmal begegnet. Im Folgenden faltet er dieses Schriftwort, das ursprünglich aus Psalm 118 kommt, weiter aus.
Es gibt bei einem Bau viele Steine, nicht nur den entscheidenden Eckstein. So sind alle Gläubigen lebendige Steine dieses Hauses, das die Kirche ist. Die Gläubigen sind nicht nur deshalb lebendige Steine, weil sie biologisch existieren und Personen sind. Es geht viel mehr um das ewige Leben, zu dem sie durch die Taufe neugeboren sind und somit die Ewigkeit der Kirche erklärt werden kann! Die Kirche ist ein geistiges Haus, keines aus echten Steinen. Sie ist ein Mysterium, das unter anderem eine sichtbare Seite hat – die Kirche, die wir hier auf Erden wahrnehmen, die aber nicht die ganze Kirche ist!
Petrus sagt uns hier auch ganz klar, dass der Bau dieses Hauses nicht durch die Steine selbst geschieht. Der Baumeister ist Gott selbst. Er macht die Kirche. Die Menschen können sich nicht selbst die Kirche schenken. Sie sind Teil von ihr, doch der Leib Christi ist gestiftet von Christus selbst, der ihr Fundament gegossen hat durch den Tod und die Auferstehung. So sollen die Getauften sich zu einem Haus und zu einer heiligen Priesterschaft aufbauen lassen. Hier müssen wir genau hinschauen, um ideologischen Einflüssen standzuhalten. Diese Bibelstelle wird nämlich gerne herangezogen, um eine sakramentale Priesterweihe durch die Taufe zu erklären. Diese wird im Neuen Testament aber wie gesagt mit dem Presbyterbegriff ausgedrückt. Hier steht im Griechischen aber: εἰς ἱεράτευμα ἅγιον eis hierateuma hagion. Hierateuma meint die priesterliche Würde, die jedem Getauften zusammen mit der königlichen Würde geschenkt wird. Diese Würde hat aber nichts mit der sakramentalen Weihe zu tun. Es sind zwei verschiedene Begriffe für zwei verschiedene Dinge, die sich aus zwei verschiedenen Sakramenten speisen. Im Deutschen gibt es nur leider ein einziges Wort, das für beides verwendet wird.
Als Getaufte sind wir alle befähigt, geistige Opfer darzubringen. Alles, was uns im Alltag widerfährt sowie die gläubige Teilnahme an der Eucharistie können solche geistigen Opfer sein. Es sind Ausdrücke unserer Gegenliebe und somit Liebesopfer.
Dann zitiert Petrus Jes 28,16: „Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde.“ Diese Verheißung, die in der Geschichte Israels typologische Vorläufer erfahren hat, ist mit Christus zur Vollendung gekommen. Er ist dieser Eckstein, der in Ehren gehalten zum entscheidenden Stein des Gebäudes wird, doch zum Verhängnis den Ungläubigen. Jesus stellt den Menschen immer vor die Entscheidung. Es gibt kein Dazwischen und keiner kann in einer Grauzone dahinwandeln. Sie ist eine Illusion, die einem ebenfalls zum Verhängnis wird. Christus wird wirklich in Ehren gehalten. Der Vater hat ihn über allen anderen erhöht. Doch auch über die Gemeindemitglieder sagt Petrus dies aus, die ja ebenfalls Steine sind durch die Taufe. Deshalb sagt er: „Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden,
zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt.“ Sie sind nicht nur nicht zugrunde gegangen, da sie gläubig die Taufe empfangen haben, sondern sie erfahren ebenfalls die Ehre Gottes. Sie sind ja zu einem heiligen Priestertum getauft worden. Gott hat sie bereits mit einer unvergleichlichen Würde ausgestattet, der sie durch einen rechten Lebenswandel nun gerecht werden müssen. Dies hat er in dem Kapitel zuvor schon beschrieben.
Er sagt am Ende von Vers 8 über die Ungläubigen, denen der Stein zum Verhängnis wird: „Doch dazu sind sie bestimmt.“ Wir müssen auch hier wieder genau lesen. Hier steht im Griechischen das Wort ἐτέθησαν etethesan. Die Grammatik des Wortes, was hier mit „bestimmt“ übersetzt wird, ist einerseits etwas Einmaliges, andererseits ein tatsächlich passives Wort. Wir müssen es also wirklich so übersetzen, wie es hier auch steht. Doch wer ist gemeint? Der Kontext zeigt, dass es ganz bestimmte Menschen sind, die den Eckstein nicht angenommen haben. Es sind jene, die Christus abgelehnt haben und ihn den Römern ausgeliefert haben. Und dazu sind sie bestimmt gewesen. Gottes Erlösungsplan stand schon vor aller Zeit fest und so war auch schon klar, dass der Messias abgelehnt werden würde durch jene, die ihn dann umbringen würden. In dieser Hinsicht waren sie dazu bestimmt. Ein nachdenkenswerter Aspekt, der uns Demut lehrt. Gott bleibt ein Geheimnis und ebenso die Gleichzeitigkeit von Heilsplan und freiem Willen des Menschen.
Warum die Menschen ebenfalls an der Ehre teilhaben, wird nun im letzten Vers noch einmal explizit erklärt: Die Getauften sind ein „auserwähltes Geschlecht“, ein γένος ἐκλεκτόν genos eklekton. Es meint kein irdisches Geschlecht im Sinne einer Volksgruppe oder Familienzugehörigkeit. Es ist nun geistig zu verstehen als Familie Gottes. Die Getauften sind die neue Schöpfung aus dem Heiligen Geist, deren Anfang Jesus und Maria markieren als das erste neue Menschenpaar. Das heißt nicht, dass sie auserwählt sind im Gegensatz zu den anderen. Es heißt, dass sie jene sind, die zu diesem auserwählten Geschlecht dazugehören wollten durch die Annahme des Glaubens und den Empfang der Taufe. Auserwählt sind sie durch den Ruf Gottes. Der springende Punkt ist nur: Gott ruft alle Menschen und deshalb hat Jesus seinen Jüngern vor dem Heimgang zum Vater aufgetragen, ALLEN Menschen das Evangelium zu verkünden und die Menschen zu taufen.
 Die Getauften sind „eine königliche Priesterschaft“, βασίλειον ἱεράτευμα basileion hierateuma. Auch hier kommt wieder das Wort hierateuma und nicht der presbyteros-Begriff. Man kann aus dem Petrusbrief kein allgemeines sakramentales Priestertum herauslesen, das alle Getauften zur Priesterweihe befähigt. Hier wird diese besondere Würde durch die Taufe thematisiert. Sie ist königlich und priesterlich, weshalb bis heute bei der Taufe das Chrisamöl verwendet wird.
Die Getauften sind „ein heiliger Stamm“, ἔθνος ἅγιον ethnos hagion. Der Stammbegriff wird mit dem typischen Begriff ausgedrückt, der für nichtjüdische Völker verwendet wird. Das macht Petrus vielleicht deshalb, weil er sich vor allem an heidenchristliche Diasporagemeinden wendet. Heilig ist dieser geistige Stamm durch die Heiligung, das heißt durch die Herauslösung aus dem Rest der Welt. Die Getauften sind anders, weil sie schon für die Ewigkeit leben. Ihr Lebensstil zeigt dieses Anderssein, das Petrus in seinem Brief oft mit dem Begriff des Fremden ausdrückt.
Die Getauften sind auch „ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde“, λαὸς εἰς περιποίησιν laos eis peripoiesin. Hier beruft sich Petrus auf Jes 43,21. Das Verb περιποιέω peripoieo ist wörtlich zu übersetzen mit „sich verschaffen, erwerben“. Gott hat es erworben durch das kostbare Blut Jesu Christi. Hier spielt Petrus mit alttestamentlichem Vokabular, denn laos ist der Terminus technicus für das Volk Israel. Dieser Begriff für das Volk Gottes wird nun auf die Kirche angewandt, die das Volk des Neuen Bundes ist. Die überwältigende Gnade, die Gott den Getauften geschenkt hat, soll Anlass sein, von seinen großen Taten zu verkünden. Die Erlösung Jesu Christi ist Grund für den missionarischen Kern der Kirche!
Petrus gebraucht für die Erlösung – wie sehr oft auch Johannes – das Bild des Kommens von der Finsternis ins Licht.
Die heutige zweite Lesung ist sehr dicht und theologisch auch sehr anspruchsvoll. Wenn wir sie richtig verstehen, geht uns aber sehr viel über unsere eigene Identität als Getaufte auf. Diese Würde widerspricht aber nicht der besonderen Berufung einzelner zu einer Weihe in den verschiedenen Graden. Die Diakone in der ersten Lesung haben diese Weihe empfangen. Beides ist getrennt zu betrachten und doch sagt uns die zweite Lesung aus dem Petrusbrief heute, dass wir uns nicht einfach auf die Geweihten verlassen sollen und selbst keine Berufung haben. Auch wir sind mit einer Würde ausgestattet und auch mit einer Berufung, nämlich Christi Heilstaten zu verkünden, die er an uns erwirkt hat.

Joh 14
1 Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!

2 Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?
3 Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.
4 Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr.
5 Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen?
6 Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.
7 Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.
8 Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.
9 Jesus sagte zu ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater?
10 Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke.
11 Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke!
12 Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater.
13 Alles, um was ihr in meinem Namen bitten werdet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird.
14 Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bitten werdet, werde ich es tun.

Im Evangelium hören wir heute einen Abschnitt aus der ersten Abschiedsrede Jesu. Das Schriftwort ist sehr bekannt und stets sehr aktuell:
„Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ Jesus sagt dies zu seinen Aposteln im Abendmahlssaal, weil er die vielen Verwirrungen und Angriffe schon vorhersieht, mit denen der Zwölferkreis konfrontiert werden wird. Und dann sollen sie an dem festhalten, was Jesus sie gelehrt hat und was die Heiligen Schriften erfüllt hat. Er spricht dies über die Apostel hinaus auch zu uns. In Zeiten zunehmender Verwirrung sollen auch wir uns nicht ablenken lassen, sondern weiterhin unbeirrt am Glauben festhalten. Antichristliche Lehren werden immer salonfähiger und das besonders Heimtückische – unter dem katholischen Deckmantel wird sehr viel Häretisches verbreitet. Man kann sich auf das Deckblatt „katholisch“ längst nicht mehr verlassen, sondern muss alles auf die Goldwaage legen, wachsam sein, die Gabe der Unterscheidung der Geister haben. Und je tiefer die Wurzeln des Glaubens sind, desto schwieriger wird es für den Widersacher, uns von Gott zu entfernen. Dies ist nicht einfach nur die Aufgabe der Geweihten, die ein geistliches Leben führen. Dies ist die Aufgabe von uns allen, die wir getauft sind!
Jesus motiviert seine Apostel und darüber hinaus auch uns damit, dass er zum Vater vorausgeht. Wir werden ihm also folgen dürfen, wenn wir schon hier auf Erden seinen Spuren nachgegangen sind! Beim Vater bereitet er uns schon eine Wohnung. Damit ist ein Platz im Himmelreich gemeint. Und zu gegebener Zeit wird Christus wiederkommen, um die Apostel und alle Erben des Reiches zu sich zu holen. Das alles werden die Apostel noch nicht richtig verstanden haben. Erst mit seiner Auferstehung und Himmelfahrt, spätestens nach der Geistgabe, wird es ihnen aufgegangen sein. Christus ist heimgekehrt zum Vater ins Himmelreich, um am Ende der Tage wiederzukommen. Deshalb haben die ersten Christen bereits in einer Naherwartung gelebt.
Jesus sagt, dass sie den Weg kennen. Doch sie verstehen ihn nicht. Deshalb fragt Thomas nach: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen?“ Was meint Jesus damit? Zu jenem Zeitpunkt hat Jesus seinen Jüngern immer wieder Leidensankündigungen gemacht. Er hat ihnen gesagt, wie leidvoll er sterben, aber am dritten Tage auferstehen würde. Zudem ist all dies in den Heiligen Schriften angekündigt worden. Nicht nur die Apostel, sondern jeder fromme Jude müsste diesen Weg also kennen. Was ihn am Ende widerfahren würde, hat sich sein ganzes Leben hindurch schon gezeigt. Vom Moment seiner Geburt an war er von den Mächtigen dieser Welt unerwünscht und sein Leben wurde bedroht. Nicht nur das Ende, schon sein ganzes Leben zuvor ist ein einziger Sühneweg und Prozess der Erlösung. Er ist der leidende Gerechte aus den jesajanischen Gottesknechtsliedern sein ganzes Leben hindurch!
Doch die Apostel sind wie mit Blindheit geschlagen und so spricht Jesus das entscheidende Wort: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Der Weg zum Vater ist die Person Jesu Christi mit seinem ganzen Leben, seinen Worten und Taten. Wenn wir ihn in unserem Leben nachahmen, gehen wir diesen Weg zum Vater. Es ist aber nicht nur eine ethische Frage, sondern eine Sache der gläubigen Annahme. Wenn wir Christus als den Messias gläubig annehmen und die Wahrheit, die er ist, erkannt haben, sind wir auch bereit, ihm auf unserem Lebensweg ganz zu gehorchen. Dann erwartet uns das Leben – das ewige Leben bei Gott!
Jesus ist nicht nur eine Option unter vielen auf dem Weg ins Himmelreich – er ist DER Weg. Es gibt keinen anderen. Nur durch die Christustür hindurch können wir in die Ewigkeit eingehen. Dies hat er schon bei seiner Rede über den guten Hirten verdeutlicht. Wenn wir in diesem Leben durch die sakramentale Christustür schreiten und so den Christusweg beginnen, dann sind wir schon eingesetzt als Kinder der Familie Gottes, von der Petrus so ausführlich geschrieben hat. Den Weg nun zu beschreiten ist zugleich eine Sendung. Sendung heißt zugleich Mission.
„Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.“ Jesus zu begegnen ist schon ein Laufen auf dem Weg zum Vater. Die Apostel haben so viele Jahre Zeit mit Jesus verbracht, sein Wesen ganz kennengelernt, seine Worte verinnerlicht und so viele Heilstaten bezeugt. In all diesen Aspekten haben sie den Vater kennengelernt! Er und der Sohn sind eins. Das ist der springende Punkt, den Jesus immer wieder herausstellt. Deshalb sagt Jesus auch, dass die Apostel den Vater „schon jetzt“ kennen. Sie sind jene Menschen, denen der Vater durch den Sohn am meisten offenbart worden ist und die sich mitten auf dem Weg befinden.
Doch die Apostel begreifen Jesu Worte noch nicht ganz und wie so oft entsteht ein Missverständnis. Philippus sagt nämlich: „Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.“ Er hat nicht verstanden, dass Jesus durch sein ganzes Sein den Vater kontinuierlich zeigt und mit ihm eins ist.
Wir müssen uns klar werden, wann das alles passiert: Sie befinden sich beim letzten Abendmahl, kurz vor dem Leiden, Tod und der Auferstehung Jesu Christi. Es ist also alles am Ende der langen dreijährigen Phase des Umherziehens mit Jesus. Bis dahin müssten die Apostel also schon sehr viel verstanden haben, denn Jesus hat ihnen so viel erklärt und auch wiederholt. Wenn jemand Jesus erkannt haben müsste, dann also die Apostel. Doch Philippus offenbart, dass er den Kern von allem nicht begriffen hat. Deshalb sagt Jesus die folgenden Worte: „Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater?“ Es gilt natürlich nicht nur Philippus, sondern auch den anderen Aposteln, die so ähnlich denken. Ebenfalls richtet Jesus diese Worte auch an uns, die wir schon so lange auf seinem Weg gehen und die Basics noch nicht einmal begriffen haben – wir als einzelne Christen sowie die ganze Kirche als Leib Christi. Mit einem Seitenblick auf die erste Lesung könnte man als wichtiges Beispiel das Dienen nennen statt das Herrschen…
Jesus erklärt geduldig noch einmal, wie sein Verhältnis zum Vater ist und konfrontiert Philippus mit der Frage des Glaubens: „Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist?“ Er sieht das Problem des Philippus also nicht auf der Ebene des Verstehens, sondern des gläubigen Annehmens. Jesu Erklärung zeigt uns, dass er nicht nur Philippus anspricht, sondern alle seine Apostel, wenn er sagt: „Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke!“ Die Art und Weise, wie Jesus die Apostel adressiert, ist vergleichbar mit der Rede vor den vielen Menschenmassen, die er wenigstens von seinen Werken zu überzeugen versuchte. Wir merken hier, dass die Apostel nicht irgendwie besser sind als der Rest der Menschen. Sie sind nicht aus solchem Grund zum Zwölferkreis auserwählt worden. Es hängt nicht mit einer gewissen Leistung zusammen, sondern mit der Gnade Gottes, die unverdientes Geschenk ist. So müssen wir auch verstehen, dass Geweihte unserer heutigen Zeit nicht automatisch bessere Menschen sind, nur weil sie Priester sind. Die Würde ist eine sehr hohe und deshalb müssen wir ihnen mit ganz großer Achtung begegnen. Doch ihre Priesterweihe ist kein Ergebnis einer vorausgegangenen Leistung. Sie ist die Weihe eines Menschen, der sein ganzes Leben Gott schenken möchte und dafür auf eine Familie verzichtet.
Jesus sagt weiter, dass wenn sie ihm Glauben schenken werden, in seinem Namen dieselben Heilstaten und darüber hinaus vollbringen. Zweiteres begründet er mit seinem Heimgang zum Vater. Wie müssen wir das verstehen? Warum werden die Apostel aufgrund der Himmelfahrt Jesu noch größere Zeichen wirken? Das hängt mit dem Pfingstereignis zusammen. An anderer Stelle erklärt Jesus, dass er gehen muss, damit der Vater den Geist senden kann, der der Beistand ist (Joh 16,7ff.). Wenn der Geist erst einmal auf die Apostel kommen wird, dann werden sie mit der Fülle der Gnade ausgestattet, wodurch sie erst so richtig reiche Frucht bringen werden.
Und dieser Geist wird sie befähigen, alles im Namen Jesu zu erbitten, der zur Rechten des Vaters sitzen wird.

Heute hören wir sehr viel von Würde, von Berufung, Taufe und Weihe. Diese Dinge sind wichtig und müssen gut auseinandergehalten werden. Besonders wichtig ist für uns heute der Gedanke, dass wir als Getaufte eine so große Würde erhalten haben, die uns keiner nehmen kann. Zudem lernen wir heute vor allem, dass wir uns als Getaufte nicht einfach zurücklehnen und ausruhen können, weil wir ja nicht Priester sind. Nein, auch wir haben eine Berufung und dieser müssen wir gerecht werden, so gut wir können. Denn wenn wir am Ende unseres Lebens vor Gott stehen, wird er uns fragen, was wir aus der großen Verantwortung gemacht haben.

Ihre Magstrauss