Montag der 22. Woche im Jahreskreis

1 Kor 2,1-5; Ps 119,97-98.99-100.101-102; Lk 4,16-30

1 Kor 2
1 Auch ich kam nicht zu euch, Brüder und Schwestern, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen, sondern um euch das Geheimnis Gottes zu verkünden.

2 Denn ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten.
3 Zudem kam ich in Schwäche und in Furcht, zitternd und bebend zu euch.
4 Meine Botschaft und Verkündigung war nicht Überredung durch gewandte und kluge Worte, sondern war mit dem Erweis von Geist und Kraft verbunden,
5 damit sich euer Glaube nicht auf Menschenweisheit stützte, sondern auf die Kraft Gottes.

In der heutigen Lesung aus dem ersten Korintherbrief setzen sich die Themen der Weisheit Gottes und Kraft des Kreuzes fort. Jesus hat in seinem ganzen Wirken die Schlichtheit gewählt, um das Hochmütige der Welt ganz zu entlarven.
Diesen Gedanken führt er heute noch etwas weiter aus: Er kam nicht nach Korinth, „um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit“ zu bringen. Die Rhetorik sowie die Weisheitslehre entstammen der Griechen. Das kennen die Korinther zur Genüge von ihren großen Rhetorikern und Philosophen. Das „Geheimnis Gottes“, das Paulus dagegen bringen will, ist die Entäußerung des Allmächtigen, der freiwillige Verzicht auf die Demonstration göttlicher Allmacht.
Paulus hätte glänzende Reden und hohe Philosophie lehren können, da er darin ausgebildet worden ist. Er hätte selbst damit glänzen können, aber er tut es Jesus gleich, indem er auf seine „Macht“ verzichtet (das heißt, seine Bildung und Kompetenz zur Schau zu stellen).
Warum aber kam Paulus in Schwäche, Furcht, zittern und bebend? Er hat mehrfache Misshandlungen hinter sich. Gerade die Juden an anderen Orten, zu denen er immer zuerst ging, nahmen seine Botschaft nicht an. Dass er in Schwäche nach Korinth kam, ist einerseits auf die Strapazen der langen Reisen zu beziehen, andererseits ist an anderer Stelle die Rede davon, dass Paulus ein chronisches Problem hatte. Womöglich hat dieses ihn geschwächt. Das Zittern ist ebenfalls mehrfach deutbar: Entweder ist es im Kontext der Schwäche und der Furcht als Angstzittern zu verstehen (weniger um sich selbst als um diejenigen, denen er das Evangelium bringen will) oder sogar als Kältezittern, was wiederum auf die Strapazen der Reise zu beziehen wäre.
Paulus sagt selbst, dass er nicht Überredungskunst aufwenden wollte, sondern seine Botschaft ist mit Geist und Kraft ausgestattet. Er rühmt dadurch nicht sich selbst, sondern bekennt, dass seine Botschaft eigentlich Gottes Botschaft ist. „Geist und Kraft“ sind dabei die Stichworte, die schon Elija zugeschrieben worden sind und Johannes den Täufer mit ihm in Verbindung gebracht haben.
Und weil Gottes Geist so eine Kraft hat, ist eine menschlich geschmückte Rhetorik auch nicht vonnöten. Damit möchte Paulus auch nicht punkten, sondern er möchte, dass der Geist Gottes in der Schlichtheit seiner Verkündigung die Menschen berührt.
So soll auch die kirchliche Verkündigung sein. Die Menschen sollen zu Werkzeugen Gottes werden, die sich für den Geist Gottes öffnen und denen es um diesen Geist geht. Wo Menschen aber um sich selbst kreisen und sich selbst feiern, verkünden und leben, ist kein Platz mehr für den Geist Gottes. Wie kann der Gekreuzigte Inhalt der Verkündigung sein, wo Menschen nicht zu derselben Entäußerung bereit sind wie er? Diese soll im Auftreten beginnen, in den gesprochenen Worten durchklingen und im Verhalten sichtbar sein. Die schlichte Liebe in Wort und Tat ist es, die den Gekreuzigten reflektiert. Dann bricht die Weisheit Gottes durch beides hindurch bis ins Herz jedes Einzelnen. Dann verblasst jede Menschenweisheit.

Ps 119
97 Wie sehr liebe ich deine Weisung, den ganzen Tag bestimmt sie mein Sinnen.

98 Dein Gebot macht mich weiser als meine Feinde, denn es ist mein auf ewig.
99 Ich wurde klüger als alle meine Lehrer, denn deine Zeugnisse bestimmen mein Sinnen.
100 Mehr Einsicht habe ich gewonnen als die Alten, denn deine Befehle bewahrte ich.
101 Von jedem bösen Pfad hielt ich meine Füße zurück, damit ich dein Wort beachte.
102 Ich wich nicht ab von deinen Entscheiden, du selbst hast mich unterwiesen.

Als Antwort beten wir einige Verse aus dem längsten Psalm des Psalters. Sein Thema ist der Lebensweg mit Gott und die Befolgung seiner Gebote. Der Beter macht zu Beginn des heutigen Abschnitts der Torah eine „Liebeserklärung“, indem er sagt: „Wie sehr liebe ich deine Weisung, den ganzen Tag bestimmt sie mein Sinnen.“ Mit „Weisung“ ist die Torah gemeint, die das Denken des Beters bestimmt, ganz wie Dtn 6,4-9 es vorschreibt. Er ist regelrecht „verliebt“, so sehr bestimmt Gott sein ganzes Leben. Mit dieser Leidenschaft sollen wir alle Gott lieben und ihn immer an die erste Stelle setzen. Dann wird unser ganzes Leben geordnet. Und so hat der Mensch auch Segen. Wenn Gott den Psalmenbeter, und zusammen mit ihm auch uns, so erfüllt, dann erfüllen seine Gebote uns mit göttlicher Weisheit. Diese ist ewig und übernatürlich, deshalb ist man damit den Feinden stets überlegen.
Die „Alten“, die hier genannt werden und die weniger Einsicht als der Beter erhielten, sind wohl jene, die noch vor der Gabe der Torah gemeint sind. Vielleicht sind damit aber auch jene gemeint, die sündig gelebt und die Gebote Gottes abgelehnt haben. Denn die Erzväter stehen der Generation Davids ja in nichts nach, wenn es um das Wohlgefallen Gottes geht. Paulus wird das vor allem im Römerbrief reflektieren, wenn es um die Gerechtigkeit Abrahams geht. Auch ohne Torah stand er in der Gunst Gottes. Somit können wir davon ausgehen, dass hier die frevelhaften „Alten“ gemeint sind. Eine letzte Interpretationsmöglichkeit besteht in der rhetorischen Lesart. Womöglich soll poetisch ausgesagt werden, dass die Heilige Schrift ganz unerschöpflich ist und man immer tiefer aus ihr schöpfen kann. So begreift man sie immer mehr und kann sogar die Vorfahren übertreffen. Das Sinnen bestimmen nicht die „Zeugnisse“, sondern die „Gebote“, was eine bessere Übersetzung für עֵ֝דְוֹתֶ֗יךָ edotejcha darstellt. Die Einheitsübersetzung entscheidet sich oft für die Übersetzung „Zeugnis“, wobei der Sinn des Verses dadurch verdunkelt wird.
Dass die Interpretation der Alten als Frevler nicht ganz falsch sein kann, erkennen wir am nächsten Vers: Dort heißt es, dass der Psalmist mehr Einsicht gewonnen hat, weil er die Gebote hält. Das lässt uns erkennen, dass die Alten das nicht immer getan haben.
Der Beter hat das Böse immer gemieden, um Gottes Gebote nicht zu übertreten. Kein Fuß hat ihn auf den bösen Weg geführt. Er ist nie abgewichen und Gott selbst war sein Lehrer.
Diese Worte müssen wir auf Paulus zurückbeziehen. Er selbst ist so erfüllt von Gottes Wort, dass er stets darüber nachsinnt. Seine Leidenschaft für Gott brennt so stark, dass er bereit ist, alles dafür zu opfern. Er kommt mit Zittern zu den Menschen ganz in der Hoffnung, dass sie das Evangelium Jesu Christi annehmen. So sehr liegt es ihm am Herzen. Und alles, was er wirklich braucht, um die Menschen mit dem Evangelium zu berühren, hat ihm Gott selbst beigebracht, der wirklich sein Lehrer ist. Seine hohe Bildung bringt ihm hier weniger, denn sie ist menschengemacht. Sicher hilft es ihm in manchen Situationen, Menschen mit seiner Rhetorik und Bildung „dort abzuholen, wo sie sind“, doch die entscheidende Wirkung erzielt nicht dies, sondern der Geist Gottes. Alles Menschliche dient lediglich als Rahmenwerk.
Wenn wir das einmal verstanden haben, wird unsere Verkündigung heutzutage wieder an Kraft gewinnen und wir werden die Menschen wieder zum Glauben führen. Die Kirche wird wieder authentischer werden, weil brennende Geistliche, die in Gott „verliebt“ sind, anstecken.

Lk 4
16 So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um vorzulesen,

17 reichte man ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja. Er öffnete sie und fand die Stelle, wo geschrieben steht:
18 Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze
19 und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.
20 Dann schloss er die Buchrolle, gab sie dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.
21 Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.
22 Alle stimmten ihm zu; sie staunten über die Worte der Gnade, die aus seinem Mund hervorgingen, und sagten: Ist das nicht Josefs Sohn?
23 Da entgegnete er ihnen: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat!
24 Und er setzte hinzu: Amen, ich sage euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.
25 Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam.
26 Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon.
27 Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman.
28 Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut.
29 Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen.
30 Er aber schritt mitten durch sie hindurch und ging weg.


Jesus ist ganz erfüllt vom Hl. Geist. Er lehrt die Juden heute mit göttlicher Vollmacht und erklärt, dass die Verheißungen der Hl. Schriften sich in ihm erfüllen. In der heutigen Episode soll er aus der Hl. Schrift vorlesen und diese auslegen. Ihm wird ausgerechnet Jesaja gereicht, der die prägnanteste Messiaserwartung beinhaltet. Jesus liest Worte vor, die eins zu eins auf ihn zutreffen. Ihm ist klar, dass er sich selbst in Gefahr bringt, wenn er die folgenden Worte spricht, und doch sagt er sie: „Heute hat sich das Schriftwort (…) erfüllt.“ Das ist für jüdische Ohren, die Jesus als Gott nicht erkennen, absolut blasphemisch. Jesus bezeichnet sich als Gesalbten, was auf hebräisch Messias heißt. Am Ende des heutigen Abschnitts lesen wir zwar noch, dass die Anwesenden erstaunt sind und ihm zustimmen. Sie werden von den vielen Wundertaten und der brennenden Verkündigung Jesu gehört haben. Sie werden von Blindenheilungen und von der frohen Botschaft Jesu Christi erfahren haben. Ihnen wird aufgefallen sein, welch Segen von diesem Menschen ausgeht. Und doch hält diese Anerkennung nicht lange an. Sie sind erstaunt, wie jemand, den sie als einfachen Sohn eines Zimmermanns ihrer Stadt kannten, plötzlich so redet. Jesus sagt daraufhin, weil er ihre Herzen kennt, dass ein Prophet in seiner Heimatstadt nicht anerkannt wird, eben aus jenem Grund: Die Leute haben ihn von klein auf aufwachsen gesehen und respektieren ihn deswegen nicht.
Auch wir werden vor die Entscheidung gestellt: Nehmen wir Jesus als den Messias an und beweisen dabei unsere Liebe zu Gott? Dieser Zusammenhang ist uns heute ja im Paulusbrief sowie im Psalm erklärt worden. Nehmen wir den Christus an oder wollen auch wir ihn ablehnen? Wann tun wir das denn konkret? Jedesmal, wenn wir Gottes Gebote eben nicht halten, dann lehnen wir auch Christus ab, der für unsere Sünden gestorben ist.
Wo Ablehnung herrscht, kann Gott nicht wirken. Das betrifft auch die Kirche heute. Wo die Menschen selbst und aus eigener Kraft etwas bewirken wollen, lassen sie dem Geist Gottes keinen Raum. Wenn sie ihn ablehnen, zieht er sich auch zurück, denn der freie Wille ist Gott heilig. So ist es auch bis zum Schluss. Wer den Hl. Geist ablehnt und so auch die vergebende Barmherzigkeit Gottes, richtet sich selbst für die Hölle. Denn der Geist Gottes ist es, durch den uns vergeben wird. Jesus sagt zu seinen Jüngern als Auferstandener: „Empfang den Hl. Geist. Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben und wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.“
Diese allzu menschliche Haltung, die Jesus hier anspricht, gilt zu jeder Zeit. So verweist er auf den Syrer Naaman. Er nimmt es auch zuerst nicht an, lässt sich dann aber eines besseren belehren und so wird er doch geheilt. Zur Zeit der Propheten Elija und Elischa bleiben viele Heilungen aus, weil die Menschen nicht mit Glauben zu ihnen kamen und diese nicht anerkannten. Heilungen Gottes sind keine Automatismen. Wer innerlich gar nicht glaubt, dass Gott sie heilen kann, wird auch nicht geheilt. Wer nicht wenigstens ein wenig sein Herz dafür öffnet, an dem wird Gott auch nicht handeln können. Keiner wird gegen seinen eigenen Willen geheilt. Das gilt bis heute.
Jesus hat diese ganzen Worte nicht gesprochen, um irgendwen zu provozieren, sondern es stellt eine Lektion für die Menschen dar. Er sagt es, um sie wachzurütteln, damit sie ihn annehmen. Stattdessen werden sie wütend und wollen ihn umbringen. Jesus hat keine Angst und geht ganz gelassen durch die Menge hindurch weg von den Nazarenern. Sie haben die Zeit der Gnade nicht erkannt. Gott kritisiert die Menschen nicht, um sie fertig zu machen oder weil ihm das gefällt. Er tut es, um die Menschen zur Besinnung zu führen. Er weiß, was ihnen wirklich fehlt, er kann ihnen das lebendige Wasser aber nur zu trinken geben, wenn sie den Mund aufmachen und zu trinken beginnen.

Liebe hat mit Entscheidung zu tun. Wenn wir Gott ablehnen, verpassen wir ihm einen Korb. Wenn wir uns für ihn entscheiden, gehen wir mit ihm eine Liebesbeziehung ein und erfahren dann das, was Paulus und David uns in den Lesungen heute gelehrt haben, die Verliebtheit in Gott.

Ihre Magstrauss

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