6. Sonntag der Osterzeit

Apg 8,5-8.14-17; Ps 66,1-3.4-5.6-7.16 u. 20; 1 Petr 3,15-18; Joh 14,15-21

Apg 8
5 Philippus aber kam in die Hauptstadt Samariens hinab und verkündete dort Christus.

6 Und die Menge achtete einmütig auf die Worte des Philippus; sie hörten zu und sahen die Zeichen, die er tat.
7 Denn aus vielen Besessenen fuhren unter lautem Geschrei die unreinen Geister aus; auch viele Lahme und Verkrüppelte wurden geheilt.
8 So herrschte große Freude in jener Stadt.
14 Als die Apostel in Jerusalem hörten, dass Samarien das Wort Gottes angenommen hatte, schickten sie Petrus und Johannes dorthin.
15 Diese zogen hinab und beteten für sie, dass sie den Heiligen Geist empfingen.
16 Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur getauft auf den Namen Jesu, des Herrn.
17 Dann legten sie ihnen die Hände auf und sie empfingen den Heiligen Geist.

In der ersten Lesung hören wir einen Abschnitt, auf den die Lesungen der letzten Wochen ab und zu verwiesen haben – die Samariamission des Philippus.
Es handelt sich bei diesem Missionar um einen der sieben Diakone der Jerusalemer Urgemeinde. Es ist derselbe Philippus, der den äthiopischen Kämmerer zu Christus führen wird und der dann nach Aschdod entrückt wird.
Er missioniert Samaria, die Gegend, die quasijüdisch ist, im Grunde aber synkretistisch (die Samaritaner mischen jüdische und heidnische Elemente zusammen und haben auch ein gewisses Maß an Aberglauben), wurde schon von Christus selbst zum Glauben geführt, zumindest die Bewohner Sychars nach der Begegnung Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen. Das Evangelium Jesu Christi ist also schon in das Gebiet hineingekommen und die Menschen so auf die Mission des Philippus vorbereitet worden. Er wirkt in der Hauptstadt Samariens, die zuvor Samaria hieß, seit dem Wiederaufbau durch Herodes d. Gr. aber Sebaste genannt wird.
Wie zu Jesu Zeiten sind die Bewohner Samarias sehr offen für die Botschaft (mit Samaria ist zu jener Zeit das Gebiet, nicht die Stadt Samaria gemeint). Sie werden Zeugen von Zeichen, die Philippus im Namen Jesu vollbringt. In Vers 7 werden solche Zeichen konkret aufgezählt: Exorzismen, Heilungen von Lahmen und Verkrüppelten. Durch den Diakon heilt Christus die Samaritaner seelisch und körperlich. Dies sorgt für große Freude in der ganzen Stadt.
Philippus ist ein Diakon. Er kann einiges bewirken, hat aber nicht die sakramentale Vollmacht wie die eines Bischofs. Als die Nachricht über die Bekehrungen Samariens die Apostel der Jerusalemer Urgemeinde erreicht, reisen Petrus und Johannes dorthin. Dort beten sie mit den Bekehrten um die Gabe des Heiligen Geistes. Als Diakon konnte Philippus sie schon auf den Namen Jesu Christi taufen, die Firmung aber nicht spenden. Dies können nur jene, die den höchsten Weihegrad innehaben, die Bischöfe und die Apostel. So legen Johannes und Petrus den Anwärtern die Hände auf, damit diese den Heiligen Geist empfangen.

Ps 66
1 Für den Chormeister. Ein Lied. Ein Psalm. Jauchzt Gott zu, alle Länder der Erde!
2 Spielt zur Ehre seines Namens! Verherrlicht ihn mit Lobpreis!
3 Sagt zu Gott: Wie Ehrfurcht gebietend sind deine Taten; vor deiner gewaltigen Macht müssen die Feinde sich beugen.
4 Alle Welt bete dich an und singe dein Lob, sie lobsinge deinem Namen!
5 Kommt und seht die Taten Gottes! Ehrfurcht gebietend ist sein Tun an den Menschen:
6 Er verwandelte das Meer in trockenes Land, sie schreiten zu Fuß durch den Strom; dort wollen wir uns über ihn freuen.
7 In seiner Kraft ist er Herrscher auf ewig; seine Augen prüfen die Völker. Die Aufsässigen können sich gegen ihn nicht erheben.
16 Alle, die ihr Gott fürchtet, kommt und hört; ich will euch erzählen, was er mir Gutes getan hat.
20 Gepriesen sei Gott; denn er hat mein Bittgebet nicht unterbunden und mir seine Huld nicht entzogen.

Die Bekehrung der Samaritaner ist ein Grund zur Freude und zum Lobpreis. Wie viele Jahrhunderte gab es Spannungen zwischen ihnen und den Juden! Der Glaube an Jesus Christus vereint sie nun wieder!
Der Psalm beginnt mit einer Lobaufforderung an alle Länder der Erde mit instrumentaler Begleitung („Spielt zur Ehre seines Namens!“). Die Wendung כָּל־הָאָֽרֶץ kol-ha’arez muss wörtlich eigentlich mit „das ganze Land“ oder „die ganze Erde“ übersetzt werden. Es umfasst also entweder einen weltweiten Lobpreis oder den Lobpreis des ganzen Volkes Israel mit allen seinen Stämmen – auch jenen, aus denen das Nordreich entstand, das nach dem babylonischen Exil zum minderwertigen Samarien wurde. Es freue sich nun das ganze Volk Israel vor dem Hintergrund der erfolgreichen Mission, wie in der Apostelgeschichte berichtet!
Gottes Taten sind wahrhaft „Ehrfurcht gebietend“, denn er hat durch den Diakon Philippus große Heilszeichen erwirkt wie den Exorzismus und die Krankenheilung. Gott hat bereits im Volk Israel viele Heilszeichen erwirkt, er hat das ganze Volk aus Ägypten herausgeführt und die Ägypter mit zehn Plagen geschlagen. Er hat das Meer geteilt und das Volk ganze vierzig Jahre in der Wüste am Leben erhalten, schließlich ins verheißene Land geführt und zur Entstehungszeit des Psalms König David mit militärischen Siegen beschenkt. Das größte Heilszeichen hat Gott dann auf der Höhe der Zeit erwirkt, die eigene Menschwerdung! Er hat sich ans Kreuz schlagen lassen, um die Erlösung der gesamten Menschheit aller Zeiten zu erwirken. Vor diesem Heilszeichen kann der Feind sich wirklich nur beugen! So hat der Tod kapituliert, als Christus am dritten Tage von den Toten auferstanden ist.
Die ganze Welt soll ihn anbeten, denn die ganze Welt ist erlöst. Aus dem Grund hat Jesus vor seiner Himmelfahrt seinen Jüngern die weltweite Mission aufgetragen. Dieses Heil soll jedem Menschen zugänglich gemacht werden.
Ein erster Moment dieser weltweiten Anbetung trägt sich im Stall von Betlehem zu. Dort sind es die Magoi aus dem Osten als Stellvertreter der Heiden und der „Enden der Erde“, die Gott anbeten in dem kleinen hilflosen Kind.
„Kommt und seht die Taten Gottes!“ Ist ein Aufruf, der heute besonders den Samaritanern gilt. Sie sehen mit eigenen Augen die überwältigenden Heilszeichen, durch die sie nicht anders können, als in Ehrfurcht zu ihm zu leben.
Der wörtliche Sinn dieser Verse ist zunächst auf die Heilszeichen Gottes am Volk Israel zu beziehen. So wird das Teilen des Roten Meeres angedeutet. Die Rettung des Volkes durch das Wasser hindurch ist zugleich Typos für die Taufe. Petrus greift diese typologische Verbindung in seinen Briefen auf und erklärt, dass das Volk des Neuen Bundes auch durch das Wasser hindurch gerettet wird, nämlich durch das Wasser der Taufe. So wird nicht mehr die Rettung des irdischen, sondern des ewigen Lebens erwirkt. Und auch am Wasser der Taufe wollen wir uns freuen mit denen, die gerettet worden sind! Heute freuen sich die Apostel und Philippus zusammen mit den Samaritanern, die im Heiligen Geist wiedergeborenen sind zum ewigen Leben.
Gott ist Herrscher des Himmels und der Erde. Ihm entgeht nichts und er prüft die Völker. Er prüft aber auch das Herz jedes einzelnen Menschen und wenn wir dann vor ihm stehen, wird er von uns Rechenschaft verlangen. Dass Gott alles sieht, soll uns nicht als Bedrohung gelten, sondern als Zuspruch und Einladung zur absoluten Geborgenheit in Gott. Er weiß um alles und kennt unser Leben. Er weiß, was wir durchmachen und was uns im Innersten umtreibt. Er kennt uns besser, als wir uns selbst kennen. Deshalb kann er uns auch helfen, selbst wenn wir seine Maßnahmen in den jeweiligen Momenten nicht verstehen.
Die Aufsässigen, seine Feinde können gegen ihn nichts ausrichten, weil er der Allmächtige ist. Der Tod kann Christus nicht festhalten, der der Auferstandene ist. Der Tod kann auch uns nichts anhaben, die wir vielleicht noch biologisch sterben müssen, seelisch aber auf ewig weiterleben.
Vers 16 klingt sehr liturgisch, denn die Schar von Gläubigen wird aufgefordert, dem Glaubenszeugnis des Psalmisten zu lauschen. Es ist wie die Verkündigung des Evangeliums durch Philippus. Dieser Vers hätte auch aus seinem Mund kommen können, als er in Sebaste die Aufmerksamkeit der Bewohner auf sich zog.
Gott sei gepriesen, weil er die Bittgebete nicht unterbindet. Wir dürfen ihn um alles bitten. Jesus sagt ganz explizit: „Wer bittet, dem wird gegeben, wer anklopft, dem wird aufgetan.“ Er möchte, dass die Menschen den Vater voller Vertrauen bitten und ihm danken, als ob er es ihnen schon gewährt hat. In diesem Sinne lehrte er den Jüngern das Vaterunser, das wir bis heute als den Kern unseres Gebetslebens betrachten. Er erweist allen Menschen seine Huld – egal, ob Juden, Samaritanern oder Heiden.

1 Petr 3
15 heiligt vielmehr in eurem Herzen Christus, den Herrn! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt;
16 antwortet aber bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen, damit jene, die euren rechtschaffenen Lebenswandel in Christus in schlechten Ruf bringen, wegen ihrer Verleumdungen beschämt werden.
17 Denn es ist besser, für gute Taten zu leiden, wenn es Gottes Wille ist, als für böse.
18 Denn auch Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben, ein Gerechter für Ungerechte, damit er euch zu Gott hinführe, nachdem er dem Fleisch nach zwar getötet, aber dem Geist nach lebendig gemacht wurde.

In der zweiten Lesung hören wir wieder einen Ausschnitt aus dem ersten Petrusbrief. Die heutigen Verse schließen sich an eine sogenannte Haustafel und an eine ethische Unterweisung aller Christen an. Mit „Haustafel“ ist die Richtschnur einer bestimmten Gemeinschaft oder eines Standes gemeint, die die in ihr Lebenden ethisch unterweist. Die hier vorliegende Haustafel beginnt schon in Kapitel 2 und zieht sich weiter in das dritte Kapitel. Es geht um das rechte Verhalten von Sklaven im Haushalt und dann um das rechte Verhalten in einer Ehe.
So ist der heutige Abschnitt der zweiten Lesung paränetisch geprägt, also auch voller ethischer Anweisungen.
Wir alle, die wir getauft sind, sollen Christus in unserem Herzen heiligen. Petrus sagt dies vor allem zu jenen, die um des Himmelreiches willen leiden müssen. Die spricht er unmittelbar vor unserem heutigen Abschnitt an. Auch wenn diese äußerlich leiden müssen und ihnen sogar das irdische Leben genommen wird, sollen sie ihr Herz als „heiligen Boden“ bewahren, dem Ort der Gegenwart Gottes, den Nichts verunreinigen darf. Darin sagt er das, was Paulus im ersten Korintherbrief anspricht – den Tempel des Heiligen Geistes.
Wenn Menschen uns nach Gott fragen, sollen wir ihnen stets Rede und Antwort stehen. Dann ist es unsere Chance, den Missionsauftrag Jesu umzusetzen. Wer Offenheit zeigt, dem sollen wir mit dem Evangelium Jesu Christi entgegenkommen. Philippus hat in der ersten Lesung diese Offenheit zu spüren bekommen, als er in Samaria das Wort Gottes verkündete. So hat er den Auftrag Jesu umgesetzt und die Samaritaner zu Jüngern Jesu Christi gemacht.
Wichtig ist dabei aber auch, wie man das Wort Gottes verkündet. Dieses Wie ist ausschlaggebend für den Missionserfolg. Die Bescheidenheit und Ehrfurcht vor dem Verkündeten zeigt den Zuhörern, dass die Botschaft selbst wahr ist. Wer überheblich daherkommt und meint, das Wort Gottes zu besitzen, wird keine Herzen mit dem Evangelium berühren. Die Bescheidenheit ist eine Weseneigenschaft, die der Demut und Einfachheit Gottes gleichkommt. Der Schüler ist nicht höher als sein Meister. Wenn Jesus die Fußwaschung an seinen Aposteln vornimmt, was ein Sklavendienst ist, können seine Jünger nicht plötzlich eine Stellung anstreben, die dem Sklaven höhergestellt ist. Jesus ist in einer einfachen Höhle inmitten von Stalltieren geboren worden. Er hat ein einfaches Leben gelebt. Er ist die Personifikation von Bescheidenheit. Dabei geht es nicht nur einfach um äußere Umstände, sondern um eine innere Haltung der Einfachheit, eine Freiheit von irdischen Gütern, die man vielleicht besitzt.
Die Ehrfurcht als angestrebte Haltung von Missionaren soll den Menschen verdeutlichen, dass der Verkünder des Evangeliums selbst von dieser Botschaft berührt ist und Gott dafür von Herzen dankt, der zugleich Respekt hat vor diesem allmächtigen Herrscher des Himmels und der Erde, der ein schwaches Geschöpf wie ihn als Werkzeug des Heils gebraucht.
Mit so einer Haltung hat man ein reines Gewissen vor den Gegnern und kann nicht beschämt werden durch deren Vorwürfe. Solche entpuppen sich dann nämlich als Verleumdungen, die auf die Gegner selbst zurückfallen werden. Wenn man das Wort Gottes verkündet, muss das Gewissen eine reine weiße Wand darstellen, auf dem kein Fleck vorhanden ist. Dann ist man immun gegen die Angriffe der Gegner. Es ist nur so, dass kein Mensch ganz reinen Gewissens ist. Jeder lässt sich etwas zuschulden kommen und wird dadurch angreifbar. Und dennoch muss die Bemühung dasein, das Gewissen so rein wie möglich zu halten.
Und dann sagt uns Petrus etwas sehr Wichtiges: Leiden hat unterschiedliche Ursachen und das Annehmen dieser Leiden hat unterschiedliche Qualitäten. Wenn man trotz eines reinen Gewissens leiden muss (wie im Falle eines Missionars und seiner Gegner), dessen Akzeptanz des Leidens hat einen hohen Stellenwert. Sie bringt reiche Frucht, um es mit Jesu Worten zu sagen. Wer leidet aufgrund eigenen Verschuldens, der leidet verdient und es ist die Sühne des eigenen Vergehens. Das ist kein Leiden, das Gott dem Menschen auferlegt hat, sondern ein selbstgemachtes Kreuz.
Das Leiden um des Himmelreiches willen (also für gute Taten) leitet sich vom Leiden Jesu Christi ab, der als der Gerechte schlechthin für die Ungerechten gestorben ist, auf dass diese gerettet werden können.
„Dem Fleisch nach getötet“ heißt in dem Kontext nicht, dass sein irdisches Leben durch Gewalt beendet worden ist, also sein Körper. „Fleisch“ und „Geist“ bezieht sich nicht auf Körper und Seele, sondern auf die gefallene Schöpfung (Fleisch) und die Gnade Gottes/die neue Schöpfung (Geist). So ist auch mit „dem Geist nach“ nicht seine Seele gemeint. Diese Formulierung würde ja auch implizieren, dass seine Seele tot war und dann lebendig gemacht worden ist.
Vielmehr bedeutet der Satz, dass Jesus von der gefallenen Schöpfung umgebracht worden, durch die Gnade Gottes aber auferstanden ist. Er ist der Anfang der neuen Schöpfung und ist deshalb nicht im Tod geblieben. Er ist sogar mit Leib und Seele in den Himmel eingegangen.
In dieser heutigen Konstellation der Lesungen erscheint der erste Petrusbrief als Handbuch des Philippus, der mit diesen ethischen Unterweisungen die Missionsreise nach Samaria unternimmt und im Anschluss an den Missionserfolg mit den Bekehrten den Psalm betet.

Joh 14
15 Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.
16 Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll,
17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.
18 Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch.
19 Nur noch kurze Zeit und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und auch ihr leben werdet.
20 An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. 21 Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

Im Evangelium hören wir heute einen Abschnitt aus der ersten Abschiedsrede, die uns unter der Woche schon begegnet ist. Der heutige Abschnitt ist aber bisher nicht verlesen worden, aber ein wunderbarer Text, der den Bogen der bisherigen Lesungen schließt.
Die Gottes- und Nächstenliebe der vergangenen Woche aus der zweiten Abschiedsrede wird nun auch hier in Vers 15 angeschnitten: Aus Gottesliebe werden die Jünger seine Gebote halten. Sie sollen dies nicht, sie werden dies. Das ergibt sich aus der Liebe von selbst. Wer einen Menschen liebt, möchte alles für ihn tun, auch wenn es über die eigene Komfortgrenze hinausgeht. Man möchte den geliebten Menschen nicht verletzen, was die Sünde/die Übertretung der Gebote aber mit Gott macht – ihn beleidigen. Wer Gott liebt, möchte keinen Streit mit ihm. Und Gott verlangt nichts, was dem Menschen schadet. Im Gegenteil: Was Gott in den Geboten verlangt, garantiert das glückliche Leben des Menschen.
Jesus verabschiedet sich in den Reden von seinen Jüngern. Er gibt ihnen sein Testament mit auf den Weg und weil er bald von ihnen gehen wird, verspricht er ihnen den Beistand, den Heiligen Geist. Dieser wird immer bei ihnen sein. Vor dem Hintergrund der beiden Lesungen können wir das absolut unterstreichen. Der Geist Gottes wirkt durch die Apostel im Sakrament der Firmung und zuvor schon durch den Diakon Philippus. Es ist dieser Geist, der ihm beisteht bei der Mission, bei den Heilungen und Exorzismen.
Dieser Geist ist nicht nur ihr Beistand, sondern auch ihr Lehrer. Er wird sie nichts Neues lehren, sondern sie immer tiefer verstehen lassen, was Jesus seinen Jüngern in den drei Jahren ihres gemeinsamen Lebens gelehrt hat. Wie oft lesen wir in den Evangelien davon, dass die Jünger Jesus gar nicht verstehen, selbst sein engster Jüngerkreis nicht. Der Geist Gottes hilft ihnen, im Nachhinein diese Dinge zu begreifen und in den größeren Zusammenhang zu setzen.
Weil der Geist sie in alle Wahrheit einführen wird, ist er der Geist der Wahrheit. Jesus erklärt ihnen, dass auch wenn dieser Geist sie erfüllen und bei ihnen wohnen wird, die Welt (das heißt die gefallene Schöpfung) ihn nicht kennt. Diese ist ja nicht umfassend von ihm erfüllt. Durch diese Bemerkung möchte Jesus seine Apostel darauf vorbereiten, dass sie sich in der Welt fremd fühlen werden und Verständigungsprobleme ein Hindernis bei der Mission sein würden.
Und dann spricht Jesus sehr eucharistisch. Er sagt, dass er seine Apostel nicht als Waisen zurücklässt. Er muss gehen, wird aber zu ihnen kommen. Das kann man einerseits auf den Tod und die Auferstehung beziehen und so werden es seine Jünger vielleicht auch aufgegriffen haben, während sie sich nach seinem Tod in einem Raum verschanzten. Zugleich müssen wir den Kontext der Abschiedsrede berücksichtigen. Jesus hält sie im Anschluss an das letzte Abendmahl, in dem er die Eucharistie eingesetzt hat. So verstehen wir seine Worte als eucharistische Zusage. In jede Heilige Messe ist Jesus bereit, zu den Feiernden zu kommen in den eucharistischen Gestalten von Brot und Wein. Er ist auch bereit, zu den Gläubigen ins Herz zu kommen im Leib Christi, bei ihnen zu bleiben und sie von innen her ganz zu erfüllen. So bestimmt er auch hier gesamtes Handeln in ihrem Leben. Und am Ende der Zeiten kommt Jesus zu seinen Jüngern zurück, dann nicht mehr mit verborgener Göttlichkeit, sondern als verherrlichter Menschensohn.
Jesus sagt, dass die Welt Jesus nach kurzer Zeit nicht mehr sehen wird, die Jünger aber schon. Dies bezieht sich nicht auf seinen Tod, denn auch die Jünger werden ihn dann nicht mehr sehen. Man könnte es höchstens auf das Osterereignis insofern beziehen, als der Auferstandene seinen Aposteln und weiteren Jüngern erscheinen wird, der Rest der Welt ihn in dieser Gestalt aber nicht mehr sehen wird. Das ist aber nicht alles. Jesus meint es auch bezogen auf die Eucharistie. Jesus wird leben und in den eucharistischen Gaben den Menschen sichtbar werden. Jene, die der Eucharistie beiwohnen, werden ihn sehen – seine Jünger. Es bezieht sich aber auch auf das ewige Leben nach dem Tod und am Ende der Zeiten. Sehen werden ihn unverhüllt und in seiner ganzen Herrlichkeit zwar alle Menschen bei seiner Wiederkunft, doch mit ihm in Gemeinschaft leben werden nur jene, die in das Himmelreich eingehen dürfen – seine Jünger. Dann ist mit der Aussage Jesu an dieser Stelle das ewige Leben gemeint, das nicht nur ihm vorbehalten ist, sondern allen, die zur neuen Schöpfung gehören werden durch den Heiligen Geist.
In dieser Hinsicht verstehen wir dann auch den nächsten Vers, wo von „jenem Tag“ die Rede ist. Dann werden die Apostel ganz erkennen, was Jesus die ganze Zeit damit meinte, als er von der Einheit mit dem Vater gesprochen hat und von der Gemeinschaft zwischen den Jüngern und ihm selbst. Sie werden dann den Zustand erleben, zu dem sie überhaupt geschaffen worden sind: Zur Liebeseinheit, die Gott in sich ist, einbezogen zu werden. Die Apostel werden nie eins mit Gott werden in der Hinsicht, dass sie vergöttlicht werden. Sie werden Menschen bleiben, aber in ewiger Gemeinschaft mit Gott.
„Wer die Gebote hat und sie hält“ ist auf jene zu beziehen, denen die Gebote Gottes offenbart worden sind. Ihnen sind sie gegeben worden, also haben sie sie nun. Die Gebote Gottes sind in der Person Jesu Christi offenbart worden. Dieser kehrt in seiner Rede zum Zusammenhang von Gottesliebe und Halten der Gebote. Der Vater und der Sohn werden jene lieben und sich jenen offenbaren, die die Gebote Gottes halten. Das können wir in dem Zusammenhang des heutigen Evangeliums nun eschatologisch verstehen, das heißt auf die Ewigkeit hin: Gott liebt den Menschen ja, bevor dieser ihn zurücklieben kann. Er liebt zudem alle Menschen und stellt dazu nicht die Bedingung, dass nur die Gehorsamen von ihm geliebt werden. Er ist ja gerade für die Ungehorsamen gestorben, damit diese erlöst würden. Jesus sagte: „Nicht die Gesunden brauchen einen Arzt, sondern die Kranken.“ Wenn es hier also zukünftig formuliert ist, muss es etwas Neues andeuten: Es geht um die Liebesgemeinschaft im Himmelreich. Da wird eine neue Dimension von Liebe erreicht – die ewige Hochzeit des Lammes! Da wird sich Christus auch als der Verherrlichte offenbaren, ganz unverhüllt, nicht mehr in den Gestalten von Brot und Wein.

Heute hören wir sehr viel von einem Weg des Kennenlernens und Liebens Gottes. Wir hören vom ersten Kennenlernen bei der Mission des Philippus, von der Geistgabe bei der Firmung und dem dadurch vertieften Verständnis der Wahrheit, von der Nachfolge und Standhaftigkeit bei der Weitergabe dieser Wahrheit, von der innigen Verbundenheit der Apostel mit dem irdischen Jesus, der sie für kurze Zeit verlassen muss, als Auferstandener aber wiederkommt und sie auch nach der Himmelfahrt nicht verlässt. Im Gegenteil: Er lässt sich dadurch noch viel intimer erleben in der Eucharistie, bei der die Jünger ihn mit Leib und Seele aufnehmen, gleichsam absorbieren dürfen. Und schließlich wird schon der Endpunkt thematisiert, bei dem die ewige Gemeinschaft der Gläubigen mit der Liebeseinheit von Vater und Sohn im Himmelreich angekündigt wird, die ewige Hochzeit des Lammes. Es ist ein Weg bis zur absoluten Vereinigung (ohne Vergöttlichung). Gott zieht die Menschen an sich. Diese Linie erkennen wir in den gesamten Texten des heutigen Sonntags.

Ihre Magstrauss

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s