Apostel Matthias (Fest)

Apg 1,15-17.20ac-26; Ps 113,1-2.3-4.5au. 6-7; Joh 15,9-17

Heute feiern wir ein Fest wie jedesmal, wenn der Gedenktag eines Apostels ist. Heute feiern wir dabei einen Nachzügler, den Plan B Gottes, als einer der zwölf Apostel sich gegen Gott entschieden hat. Es ist Matthias, auf den das Los fiel. Wie es dazu kam, lesen wir heute in der ersten Lesung:

Apg 1
15 In diesen Tagen erhob sich Petrus im Kreis der Brüder – etwa hundertzwanzig waren zusammengekommen – und sagte: 

16 Brüder! Es musste sich das Schriftwort erfüllen, das der Heilige Geist durch den Mund Davids im Voraus über Judas gesprochen hat. Judas wurde zum Anführer derer, die Jesus gefangen nahmen. 
17 Er wurde zu uns gezählt und hatte Anteil am gleichen Dienst. 
20 Denn es steht im Buch der Psalmen: Sein Amt soll ein anderer erhalten!
21 Es ist also nötig, dass einer von den Männern, die mit uns die ganze Zeit zusammen waren, als Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging, 
22 angefangen von der Taufe durch Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns ging und in den Himmel aufgenommen wurde – einer von diesen muss nun zusammen mit uns Zeuge seiner Auferstehung sein. 
23 Und sie stellten zwei Männer auf: Josef, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias. 
24 Dann beteten sie: Du, Herr, kennst die Herzen aller; zeige, wen von diesen beiden du erwählt hast, 
25 diesen Dienst und dieses Apostelamt zu übernehmen! Denn Judas hat es verlassen und ist an den Ort gegangen, der ihm bestimmt war. 
26 Sie warfen das Los über sie; das Los fiel auf Matthias und er wurde den elf Aposteln zugezählt.

Petrus spricht vor dem ganzen „Kreis der Brüder“, es ist die Versammlung der Jünger, also nicht nur der Zwölferkreis. Wir lesen in den Versen vor unserem Ausschnitt auch davon, dass Maria, die Mutter Jesu, und die anderen Frauen anwesend sind. Petrus ist der Apostel, den Jesus auf besondere Weise berufen hat – wir hörten davon am Samstag. Und deshalb ist er es, der die ganze Prozedur nun in die Hand nimmt:
Er beginnt seine Worte mit dem Hinweis auf ein erfülltes Schriftwort, man muss genauer sagen, zweier Psalmworte: Ps 69,26 „Ihr Lagerplatz soll veröden, in ihren Zelten soll niemand mehr wohnen“ (Dieses Schriftwort wird in der heutigen Lesung jedoch ausgelassen). Zudem erfüllt sich Ps 109,8 „Nur gering noch sei die Zahl seiner Tage, sein Amt erhalte ein anderer.“ Das ist ganz typisch und ein Spiegel des Verständnisses auch der neutestamentlichen Autoren. Sie haben ebenso das ganze Leben Jesu und ihre kirchliche Situation von den Verheißungen der Hl. Schrift (damals war es noch das AT!) her betrachtet. Sie haben immer wieder Erfüllungen dieser Verheißungen erkannt. Petrus tut es deshalb an der Stelle mit den beiden Psalmworten. Es ist auch typisch und absolut im Sinne Jesu, unterschiedliche Schriftstellen des AT miteinander zu kombinieren. So tat es Jesus bei dem Doppelgebot der Liebe (er verband Levitikus und Deuteronomium) und so ist es auch bei den Lobgesängen wie dem Magnificat Mariens (eine Zusammenstellung verschiedenster Schriftstellen, v.a. aus den Psalmen).
Der Zwölferkreis ist der innerste Kreis um Jesus. Er bestand aus Männern, die ununterbrochen und von Anfang an mit Jesus zusammen waren. Da durch den Verrat und Selbstmord des Judas Iskariot nun ein Platz frei geworden ist, aber belegt sein soll, erklärt Petrus die Bedingungen für den Nachfolger: Die Person muss aus dem Jüngerkreis Jesu kommen und von Anfang an mit dabei, immer bei Jesus gewesen sein. Das hat auch einen ganz bestimmten Grund: Die Aposteln sind in erster Linie Augenzeugen. Sie werden nach dem Pfingstereignis in die ganze Welt hinausziehen, um alle Worte und Taten Jesu mit ihrem eigenen Augen- und Ohrenzeugnis zu verbreiten. Dabei muss der Nachfolger alles bezeugt haben, auch die Auferstehung und die Himmelfahrt Jesu. Gerade das Osterereignis ist ja entscheidend für den christlichen Glauben und somit absolut existenziell für die Evangelisierung.
Dass auch der dreizehnte Apostel ein Mann sein soll, ist selbstverständlich und kein Ausdruck von Diskriminierung. Die Aposteln sind nämlich nicht nur Augenzeugen, sondern die umfassenden Nachfolger Christi, die so wie er mit ihrem Leben und ihrer ganzen Natur die Bräutigamhaftigkeit Christi nachahmen sollen, um so den Partner der Braut abzubilden.
Wir erfahren nichts davon, warum ausgerechnet Josef Barsabbas und Matthias in die engere Auswahl kommen. Was wir aber sagen können: Gottes Finger sind im Spiel. Er wird diese Versammlung schon wie ein erstes Konklave mit seinem Geist erfüllt haben, sodass die Anwesenden von seinem Geist geleitet eine Entscheidung getroffen haben.
Dass sie sich für diesen Geist auch schon geöffnet haben, sehen wir an ihrem Gebet: „Du, Herr, kennst die Herzen aller; zeige, wen von diesen beiden du erwählt hast, diesen Dienst und dieses Apostelamt zu übernehmen!“ Die Versammlung überlässt die Entscheidung also Gott. So sollte es sein. Es ist seine Kirche, seine Braut. Er soll sie gestalten und nach seinem Willen formen. Das gilt auch bis heute. Wer welche Aufgabe in der Kirche erfüllt, sollte Gott entscheiden, der den Menschen seinen Willen durch den Hl. Geist kundtut. Für diesen muss die Kirche sich aber öffnen, sonst hat er keinen Raum. Auch hier gilt wie für die Seele des Menschen der freie Wille und die Entscheidung für Gott. Der Geist Gottes erfüllt den Menschen, wo dieser ihn einlädt. Umgekehrt sehen wir aber auch, dass Gottes Geist nicht automatisch dort hinkommt, wo wir ihn einladen: Der Stiftungswille Christi ist entscheidend. Wenn wir jetzt z.B. den Geist Gottes bei einer Frauenweihe herabrufen würden (also unseren freien Willen damit kundtun), dann kommt er nicht. Frauenweihen sind nicht Christi Stiftungswille für seine Braut, die Kirche.
Sie werfen das Los, denn bei dieser Methode kann man als Mensch nichts beeinflussen. So soll Gott das Los dem zuteilen, der für ihn als der geeignete Kandidat angesehen wird. Matthias wird auserwählt und so zum Nachfolger des Judas.
Wenn die Aposteln vor der Wahl beten und in einem Nebensatz das weitere Geschick des Judas erwähnen, müssen wir das richtig verstehen: „Er ist jetzt an dem Ort, der ihm bestimmt war.“ Diese Übersetzung ist ganz irreführend, denn kein Mensch ist für einen Ort schon bestimmt im Sinne einer Prädestination. Diese widerspricht dem freien Willen des Menschen. Protestanten vertreten eine Prädestination, sogar im doppelten Sinne (so die Calvinisten). Der Mensch kann also nicht nur für den Himmel vorherbestimmt sein, sondern sogar für die Hölle bzw. von Anfang an von Gott verworfen sein!
Das soll hier aber nicht ausgesagt werden und geht sprachlich aus dem Text auch nicht hervor: Es meint, dass Judas „an den eigenen Ort“ gegangen ist (εἰς τὸν τόπον τὸν ἴδιον eis ton topon ton idion). Es wird an dieser Stelle in der Apostelgeschichte also offen gelassen. Er ist an den Ort gekommen, zu dem er gehört.
Gottes Vorsehung ist es, die einen Nachfolger für Judas Iskariot ausgewählt hat. Und dieser Mensch hat in seinem Leben so viel Gutes bewirkt. Auch unser eigenes Leben wird maximal fruchtbar da, wo wir nicht selbst alles mit unserem engstirnigen, begrenzten Blick entscheiden. Wenn wir auf Gottes Vorsehung vertrauen und nach dieser in unserem Alltag Ausschau halten, werden wir immer wieder geleitet und bei Fehltritten eines Besseren belehrt. Mit Gottes Geist im Teamwork werden wir ein glückliches und erfülltes Leben haben. Und am Sonntag wurden wir ja daran erinnert, dass unsere Seelen die Tempel des Hl. Geistes sind. Es ist also kein weiter Weg, den wir zum Geist Gottes zurücklegen. Wir müssen nur in uns gehen und auf ihn hören. Er wird uns alles eingeben, was wir zu den richtigen Entscheidungen brauchen.

Ps 113
1 Halleluja! Lobt, ihr Knechte des HERRN, lobt den Namen des HERRN! 

2 Der Name des HERRN sei gepriesen von nun an bis in Ewigkeit. 
3 Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang sei gelobt der Name des HERRN. 
4 Erhaben ist der HERR über alle Völker, über den Himmeln ist seine Herrlichkeit. 
5 Wer ist wie der HERR, unser Gott, der wohnt in der Höhe, 
6 der hinabschaut in die Tiefe, auf Himmel und Erde? 
7 Den Geringen richtet er auf aus dem Staub, aus dem Schmutz erhebt er den Armen,

Wir beten heute wieder aus dem Psalm 113, einem Lobpreispsalm. Er ist eine wunderbare Antwort auf das Ereignis der Lesung. Wir können uns wunderbar vorstellen, wie die versammelten Jünger zusammen Gott mit diesem Psalm lobpreisen, nachdem sie Matthias zum Nachfolger eingesetzt haben.
„Halleluja“ ist dabei die kürzeste Aufforderung zum Lobpreis („Preist Jahwe“). Und direkt im Anschluss erfolgt eine weitere Lobpreisaufforderung („Lobt, ihr Knechte des HERRN, lobt den Namen des HERRN!“). Denken wir an die Lesung, können wir uns richtig gut vorstellen, dass mit „Knechte des HERRN“ die versammelte Jüngerschar gemeint ist. Es klingt sehr liturgisch und passt in den Kontext des heutigen Festes. Das heißt auch wir haben Grund zum Lobpreis und werden als „Knechte des HERRN“ aufgefordert als Dank für die wunderbare Vorsehung Gottes. Hätte Gott uns nicht den Apostel Matthias geschenkt, wären wir um einen gnadenhaften Ort weniger beschenkt – Trier. Wie viele Pilgerströme sind schon damals im Mittelalter zu seinem Grab nach Trier geströmt, auch heute reißen die Ströme nicht ab. Mit ihm haben wir einen großen Heiligen und Fürsprecher in vielen Lebenslagen.
„Der Name des HERRN sei gepriesen von nun an bis in Ewigkeit“ ist eine Wendung, die die Kirche übernommen hat, nämlich als Teil des sogenannten apostolischen Segens (der Herr sei mit euch…der Name des Herrn sei gepriesen….unsere Hilfe ist im Namen des Herrn….). Diesen dürfen die Nachfolger der Apostel beten und auf besondere Weise der Papst als Nachfolger Petri. Mit diesem apostolischen Segen sind unter anderem Ablässe verbunden. Es ist ein schönes Zeichen, dass wir ausgerechnet heute, wo der Zwölferkreis der Apostel sich wieder schließt, diesen Vers beten.
„Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang“ bezieht sich einerseits auf die Zeit: Vom Morgen bis zum Abend, also den ganzen Tag, soll der Lobpreis Gottes erfolgen. Vor Tagen reflektierten wir die Haltung im gesamten Leben, alles als Gebet/Lobpreis zu sehen, damit man die guten Taten Gottes nie vergisst. Dies wird auch durch diese Wendung herausgestellt. Sie kann aber auch geographisch verstanden werden, denn mit Aufgang und Untergang werden die Himmelsrichtungen des Ostens und Westens umschrieben. So soll also der ganze Erdkreis Gott loben und preisen. Dadurch, dass man „sei gelobt“ als Partizip übersetzen kann, ist es zeitlos. Gottes Name soll dauerhaft gepriesen werden und zu allen Zeiten. Das sehen wir konkret jetzt an unserer Situation. Es wurde zu Davids Zeiten schon gebetet, es wurde von den Aposteln und Jüngern Jesu gebetet, von Jesus selbst! Und nun ist es Teil unserer heutigen Liturgie 2000 Jahre später! Und auch die zukünftigen Generationen werden den Namen Gottes loben und preisen. Es ist, als ob die grammatikalische Zeitlosigkeit des Verbs und des Verses so zur Andeutung der Ewigkeit wird. Denn dann wird es einen ewigen und umfassenden Lobpreis ohne Ende geben.
Gott ist erhaben über alle Völker, dies sehen wir an Jesus, der der König der Könige ist. Gott ist stärker als alle weltlichen Herrscher zusammen. Er muss nur einmal „schnipsen“ und die Herrschaft aller fällt wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Gott ist auch höher als wir, die wir die Herrscher über unser eigenes Leben sind. Er ist der eigentliche Herr über unser Leben und weiß, was wir brauchen. Er bestimmt den Anfang und das Ende. Er beschenkt uns und begnadet uns. Er sieht das ganze Leben im Überblick, was wir nicht können. Und er sieht unsere Potenziale, die wir nicht einmal erahnen.
„Über den Himmeln ist seine Herrlichkeit“ bezieht sich auf die Himmel, die wir sehen können. Gottes Reich ist noch „über den Himmeln“ und somit ganz anders. Er ist der Transzendente. Gott ist Geist. Sein Reich ist nicht von dieser Welt. Er ist nicht greifbar.
Er steht über der gesamten Schöpfung, zu der Himmel und Erde zugleich gehören (Gen 1,1). Deshalb schaut er sogar auf den Himmel herab, der für uns so hoch oben ist. Gott ist so unvergleichlich, dass hier im Psalm die rhetorische Frage gestellt wird „wer ist wie der Herr?“ Keiner ist wie er. Er ist als Schöpfer ganz anders als alles, was wir in dieser Welt erfahren. Und doch erahnen wir ihn, wenn wir den Menschen ansehen – in seinen guten Eigenschaften. Denn schon die Genesis mit ihrem ersten Schöpfungsbericht bezeugt uns den Menschen als Abbild Gottes.
Und doch ist er kein weit entfernter Gott, der sich nicht um seine Schöpfung kümmert. Das ist das Missverständnis eines deistischen Gottesbildes, das die Aufklärer vertreten haben und bis heute freimaurerisches Gedankengut ist. Gott, der am höchsten von allen steht, schaut auf die, die am tiefsten Boden liegen. Er richtet sie auf und erhebt sie aus dem Staub. So groß ist Gottes Liebe und Barmherzigkeit. Seine Allmacht schließt nicht das Interesse für den Kleinsten der Kleinen aus. Im Gegenteil. Gottes Option ist immer eine Option für die Armen jeglicher Form – arm im Geiste, finanziell arm, sozial arm.

Joh 15
9 Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! 

10 Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. 
11 Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. 
12 Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe. 
13 Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. 
14 Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. 
15 Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. 
16 Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. 
17 Dies trage ich euch auf, dass ihr einander liebt. 

Den heutigen Abschnitt aus dem Johannesevangelium entnehmen wir der langen Abschiedsrede Jesu. Diese ist insofern heute passend, als Jesus seinen Jüngern wichtige Gedanken als Testament mitgibt.
„Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt.“ Es geht immer um das zuerst Geliebtsein. Jesus ist zuerst vom Vater geliebt und liebt aus dieser Liebe heraus seine Apostel. Diese sollen aus dem zuerst Geliebtsein durch Christus wiederum lieben, einander und die Menschen, zu denen sie dann später gesandt werden. Jesus hat ihnen gezeigt, wie Liebe funktioniert – wie das maßlose Maß an Hingabe konkret aussieht. Jesus weiß, dass er bald von ihnen gehen muss. Deshalb ruft er sie dazu auf, in seiner Liebe zu bleiben.
Dann erklärt er, was das konkret heißt: Es geht darum, den Willen Gottes zu tun. So wie Jesus den Aposteln seinen Gehorsam gegenüber den Vater vorgelebt hat, so sollen die Aposteln im Gehorsam gegenüber Jesus Christus leben. Die Gebote Gottes zu halten ist dabei der Ausdruck ihrer Liebe. Und wenn man die Gebote Gottes hält, bleibt man in seiner Liebe. Wir denken an die moralische Bedeutung dieser Worte: In Gottes Liebe bleiben ist dann das Bleiben im Stand der Gnade.
Das Bleiben in Gottes Liebe/im Stand der Gnade ist es, was den Menschen mit Freude erfüllt. Freude wiederum ist eine Frucht des Hl. Geistes. Wer also in seinem Leben froh sein möchte, muss alles tun, um in der Liebe Gottes zu bleiben. Sie ist wie Licht und Wasser für die Pflanze. Ohne beides geht sie ein.
Jesus gebietet seinen Jüngern, einander zu lieben. So bleiben sie in Gottes Liebe. Das Doppelgebot der Liebe ist der rote Faden aller Gebote Gottes, die sie zu halten haben.
Jesus erklärt auch genauer, wie die gegenseitige Liebe konkret aussieht: Es geht um die gegenseitige Hingabe bis hin zum eigenen Leben. Wir sollen füreinander sterben, so wie die Jünger damals. Wenn wir den anderen retten können durch unseren eigenen Tod, sterben wir füreinander, aber auch wenn wir immer mehr ein Stück selbst absterben, das heißt unser Ego, unsere Lebenszeit, unsere Kraft und unser eigener Wille. Wenn wir all diese Güter für den anderen hingeben, dann ist das unser Ausdruck von Liebe. Es geht um das Verschenken des eigenen Lebens.
Auch dies hat Jesus absolut vorgelebt, indem er für uns alle Menschen, die er zu seinen Freunden machen möchte, am Kreuz gestorben ist. Er hat unser aller Leben gerettet, denn durch seine Erlösung haben wir wieder eine Chance auf den Himmel.
Freunde Gottes werden wir dadurch, dass wir Gottes Gebote halten. Mit der Taufe sind wir zu seiner Familie geworden, aber dies zieht auch ein Leben nach den Geboten Gottes nach sich.
Freunde haben es an sich, dass sie keine Geheimnisse voreinander haben. Jesus hat seine Jünger nicht im Dunkeln gelassen, sondern alles offenbart, auch wenn sie noch nicht alles verstanden haben. Für den Rest kündigte Jesus ihnen den Hl. Geist an, der sie in alle Wahrheit einführen würde – nichts Neues, sondern das bessere Verständnis seiner vollständigen Offenbarung.
Wir sind Erwählte durch die Taufe. Erwählt heißt aber nicht vorherbestimmt im Sinne einer Prädestination, die man von der Lesung her missverstehen könnte (die Übersetzung ist einfach ungünstig). Wir sind zur Liebe berufen, weil wir zuerst geliebt sind. Dies drückt Jesus nun mit dem Begriff der Erwählung aus. Das sagt er auch uns heute: Nicht wir haben uns für ihn entschieden (doch, aber nicht zuerst). Er hat sich zuerst für uns entschieden und alles, was wir tun und lassen, ist eine Reaktion darauf.
Gott hat uns dazu berufen, fruchtbar zu sein. So wie er bei der ersten Schöpfung einen Bund mit Adam und Eva geschlossen und sie zur Fruchtbarkeit berufen hat, so werden auch wir, die wir Teil der neuen Schöpfung sind und mit Gott den neuen Bund schließen, zur Fruchtbarkeit berufen. Diese ist nun nicht mehr nur biologisch zu verstehen, sondern vom neuen Bund her geistig. Die Aposteln haben sich biologisch freiwillig zur Unfruchtbarkeit entschieden, als sie Jesus nachgefolgt sind. Sie haben ihre Familien zurückgelassen und keine Kinder mehr gezeugt, weil sie ihre Fruchtbarkeit auf die geistige Ebene verlagert haben. Dies meint Jesus hier. Die Fruchtbarkeit ist mit der Mission zu verbinden, die die Aposteln weltweit vorgenommen haben. Auch der Apostel Matthias hat missionarisch gewirkt und viele Kinder für Gott „gezeugt“, Kinder des neuen Bundes, der neuen geistigen Schöpfung!
Fruchtbar sein ist auch auf die moralische Ebene zu beziehen: Wir sollen fruchtbar sein durch das Halten der Gebote. So können wir verbunden mit Gott wie die Rebe am Weinstock alles vollbringen. Wenn wir die Gebote halten, dann sind wir im Stand der Gnade und können in diesem Zustand alles von Gott erbitten. Wenn es sein Wille ist, wird er unsere Bitten erfüllen.
Jesus schließt das heutige Evangelium mit der wiederholten Aufforderung zur Nächstenliebe. Diese werden sie nicht nur untereinander ausüben, sondern auch an all den Menschen, denen sie ihre Lebenszeit, Kraft und jegliche andere Ressourcen schenken werden bei all den Missionsreisen. Sie haben sich wahrhaft verschenkt – außer Johannes der Evangelist haben alle den Märtyrertod erlitten und so ihr Leben ganz verschenkt. Deshalb preisen wir sie heute selig, die sie bei Gott am Thron sein dürfen. Dies schaut der Seher Johannes in der großen Thronsaalvision in der Johannesoffenbarung (Offb 4-5).

Bleiben auch wir in Gottes Liebe und haben wir keine Angst, unser Leben an andere zu verschenken. Wie die Apostel schenken wir damit nämlich unser Leben Gott. Wir werden es in unendlich großem Maße zurückbekommen, wenn Gott uns am Ende unseres Lebens mit dem Siegeskranz ausstatten wird.
Heiliger Matthias, bitte für uns!

Ihre Magstrauss

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