Dienstag der 7. Woche im Jahreskreis

Jak 4,1-10; Ps 55,7-8.9-10.17 u. 23; Mk 9,30-37

Jak 4
1 Woher kommen Kriege bei euch, woher Streitigkeiten? Etwa nicht von den Leidenschaften, die in euren Gliedern streiten? 
2 Ihr begehrt und erhaltet doch nichts. Ihr mordet und seid eifersüchtig und könnt dennoch nichts erreichen. Ihr streitet und führt Krieg. Ihr erhaltet nichts, weil ihr nicht bittet. 
3 Ihr bittet und empfangt doch nichts, weil ihr in böser Absicht bittet, um es in euren Leidenschaften zu verschwenden. 
4 Ihr Ehebrecher, wisst ihr nicht, dass Freundschaft mit der Welt Feindschaft mit Gott ist? Wer also ein Freund der Welt sein will, der wird zum Feind Gottes. 
5 Oder meint ihr, die Schrift sage ohne Grund: Eifersüchtig verlangt er nach dem Geist, den er in uns wohnen ließ?  
6 Doch er gibt noch größere Gnade; darum heißt es auch: Gott tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er Gnade. 
7 Ordnet euch also Gott unter, leistet dem Teufel Widerstand und er wird vor euch fliehen. 
8 Naht euch Gott, dann wird er sich euch nahen! Reinigt die Hände, ihr Sünder, läutert eure Herzen, ihr Menschen mit zwei Seelen! 
9 Klagt, trauert und weint! Euer Lachen verwandle sich in Trauer und eure Freude in Betrübnis. 
10 Demütigt euch vor dem Herrn und er wird euch erhöhen!

Heute hören wir vor dem Beginn der österlichen Bußzeit noch einmal aus dem Jakobusbrief. In dem ausgelassenen dritten Kapitel ging es um die Macht der Zunge. Im Gegensatz zum Wort Gottes Christus, durch das die Welt erschaffen worden ist, können die Worte des Menschen vieles zerstören. In dem vorherigen Kapitel ist auch die göttliche Weisheit zur Sprache gekommen, über die Paulus im ersten Korintherbrief auch schreibt. Eifersucht und Streit sind dagegen Zeichen der weltlichen Weisheit, die mit Gottes Weisheit nichts zu tun haben. So geht es im heutigen Abschnitt aus dem vierten Kapitel um diese Missstände bei den Menschen, die aber das Gegenteil von göttlichem Segen erreichen.
Das Kapitel beginnt mit zwei rhetorischen Fragen. Jakobus fragt nach dem Ursprung der Streitigkeiten und gibt mit der zweiten Frage die Antwort vor: Der Mensch streitet mit anderen Menschen, weil er in sich selbst zerrissen ist (Streit zwischen Leidenschaften und eigenen Gliedern). Es ist letztendlich die Begierde, die den Menschen treibt und doch nichts erreicht („Ihr begehrt und erhaltet doch nichts“). Dieses Habenwollen führt ins Leere, denn nicht dies verleiht uns Gottes Segen. Wenn wir von Gott beschenkt werden wollen, können wir es nicht an uns reißen und damit über Leichen gehen/sündigen („Ihr mordet und seid eifersüchtig“). Wir müssen darum bitten.
Und die Art und Weise des Bittens, die richtige Absicht muss auch gegeben sein, weil Gott uns sonst nicht gibt. Wer mit böser Absicht von Gott etwas erbittet, um damit wiederum sündigen zu können, bekommt es nicht. Und weil Gott das Herz des Menschen durch und durch kennt, lässt er sich darin auch nicht täuschen.
Wenn Jakobus die Adressaten des Briefes „Ehebrecher“ nennt, kann es zweierlei heißen: Erstens benennt er den Ehebruch als eine Form ausgeführter Begierde, um die es die Verse zuvor ja schon ging. Zweitens meint er damit den Ehebruch gegen Gott, also das Liebäugeln mit der Welt, obwohl man Braut Gottes ist. Das lässt sich daraus schließen, dass von der Freundschaft mit der Welt die Rede ist. Im Vers darauf wird zudem Gottes Eifersucht angedeutet, von der schon im AT geschrieben wird. Er möchte unsere ganze Liebe und möchte nicht, dass wir gleichzeitig mit der Welt befreundet sind (auch hier heißt „Welt“ wieder die gefallene Schöpfung). Man kann nicht beides gleichzeitig haben oder mit beiden befreundet sein – Gott und Welt. Das hat auch Jesus in den Evangelien immer wieder gesagt (Man kann nicht zwei Herren dienen). Und weil die Adressaten des Briefes getaufte Christen sind, ruft Jakobus sie durch diese Worte auf, die Freundschaft mit Gott nicht zu verraten, die sie ja in der Taufe geschlossen haben.
Diese Freundschaft als Metapher wird auf das Herren-Dienen-Schema übertragen, das auch Jesus schon gebracht hat: Wem ordne ich mich unter – Gott oder dem Teufel? Jakobus sagt, dass der Gehorsam gegenüber Gott und der Widerstand gegen den Teufel vertreibt diesen. Warum Teufel? Weil er hinter der „Welt“ steckt, also der gefallenen Natur. Gott zu gehorchen hat etwas mit Demut zu tun und den Demütigen schenkt Gott die Gnade. Wenn man von sich aus Bereitschaft zeigt, dann kommt Gott einem entgegen.
Jakobus ruft erneut dazu auf, nicht mehr „zweiseelig“ zu sein, nicht mehr gespalten, sondern entschieden für einen Herren. Er ruft die Menschen dazu auf, eine Bußhaltung einzunehmen, um Gott zu verdeutlichen, dass man es mit der Umkehr ernst meint.
Diese Worte sind für uns absolut aktuell. Es ist, als ob Jakobus es uns zuruft, die wir ab morgen in die österliche Bußzeit gehen. Auch wir sollen uns prüfen, wo unsere Seele gespalten ist und sich einbildet, zwei Herren dienen zu können. Auf dass auch wir in eine Bußhaltung gehen und Gott unsere Bereitschaft zur Umkehr signalisieren. Er wird uns dann die nötige Gnade geben und wir werden gemeinsam mit Gott im Teamwork zu besseren Menschen.

Ps 55
7 Da dachte ich: Hätte ich doch Flügel wie eine Taube, dann flöge ich davon und käme zur Ruhe. 
8 Siehe, weit fort möchte ich fliehen, die Nacht verbringen in der Wüste.
9 An einen sicheren Ort möchte ich eilen vor dem Wetter, vor dem tobenden Sturm. 
10 Entzweie sie, Herr, verwirr ihre Sprache! Denn in der Stadt habe ich Gewalttat und Hader gesehen.
17 Ich aber, zu Gott will ich rufen und der HERR wird mich retten.
23 Wirf deine Sorge auf den HERRN, er wird dich erhalten! Niemals lässt er den Gerechten wanken. 

Der Psalm lässt uns eine bedrängte Seele erkennen. König David schrieb diesen Psalm offensichtlich in einer Lebensphase, in der er sich innerlich gedrängt und bedrängt gefühlt hat. Wir sehen es vor uns, wie dieser Mensch durch die ehebrecherische Verfehlung innerlich zerrissen ist. Sein Inneres ist nicht mehr ungespalten ganz bei Gott, sondern ist unruhig. Deshalb wünscht er sich Ruhe, möchte davonfliegen und in die Wüste – dem Ort der Einsamkeit. Er möchte an einen sicheren Ort als Zuflucht vor dem Unwetter, welches in seinem Inneren tobt. Der zweite Teil des Psalms lässt noch eine andere Stoßrichtung erkennen. Vielleicht betrifft es schon die Konsequenzen der Sünde Davids. Womöglich wird hier die politische Verfolgung durch Saul oder durch seinen eigenen Sohn Abschalom vorausgesetzt, dann sind die Stürme und das Unwetter politischer Art. So oder so erkennen wir, dass die Sünde und die Begierde viele Probleme nach sich zieht. Der Mensch erreicht nichts von dem, was er begehrt hat. Nun hat David den Ehebruch begangen und muss nun dafür so schrecklich büßen.
Er gibt sich aber nicht auf, was auch immer hier für ein Ereignis vorausgesetzt wird. Er ruft zum Herrn, er hält den Kontakt zu seinem Gott. Er bittet ihn um die Verwirrung der Sprache. Das ist eine Andeutung an den Turmbau zu Babel, bei dem die Verwirrung der Sprache die Menschheit gegenüber Gott geschwächt hat. Diese Schwächung eines vereinten Feindes hat König David im Sinn, wenn er Gott um so etwas bittet. Er vertraut darauf, dass Gott ihn nicht im Stich lassen wird („der HERR wird mich retten“).
Und so fordert er sich selbst/seine Seele sowie alle Beter des Psalms auf, die eigene Sorge auf den Herrn zu werfen. „Niemals lässt er den Gerechten wanken“. Gerecht vor Gott kann der Mensch aber nur sein, wenn er zuallererst seine eigene Armseligkeit vor Gott eingesteht, die Illusion ablegt, perfekt und ohne Schuld zu sein. Erst wer sich demütigt, kann von Gott begnadet werden. David hat es vorgelebt, wir können es ihm darin nur gleichtun. Denn keiner von uns ist ohne Sünde.

Mk 9
30 Sie gingen von dort weg und zogen durch Galiläa. Er wollte aber nicht, dass jemand davon erfuhr; 
31 denn er belehrte seine Jünger und sagte zu ihnen: Der Menschensohn wird in die Hände von Menschen ausgeliefert und sie werden ihn töten; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen. 
32 Aber sie verstanden das Wort nicht, fürchteten sich jedoch, ihn zu fragen.
33 Sie kamen nach Kafarnaum. Als er dann im Haus war, fragte er sie: Worüber habt ihr auf dem Weg gesprochen? 
34 Sie schwiegen, denn sie hatten auf dem Weg miteinander darüber gesprochen, wer der Größte sei. 
35 Da setzte er sich, rief die Zwölf und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein. 
36 Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen: 
37 Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.

Heute hören wir von einer weiteren Leidensankündigung Jesu. Im Kapitel zuvor hat Jesus im Anschluss an das Messiasbekenntnis des Petrus sein Leiden erstmals angekündigt und von Petrus Vorwürfe zu hören bekommen. Daraufhin wies Jesus ihn mit harschen Worten zurecht bzw. sprach er den eigentlichen Feind in dieser Episode an – den Satan, der durch den frisch berufenen Felsen (das lesen wir dann ausführlich in Mt 16) Jesus versucht.
In der heutigen Episode sind sie unterwegs durch Galiläa und Jesus belehrt sie beim Wandern.
Jesus ist Gott. Er weiß, dass die Jünger ihn nicht verstehen, als er von der Auferstehung etc. spricht. Und doch sagt er es ihnen, damit sie im Nachhinein verstehen, was er gemeint hat. Die Jünger trauen sich nicht, Jesus zu fragen. Sie werden gemerkt haben, dass er ihnen etwas zum wiederholten Mal erklärt. Ihnen wird es peinlich sein, dass sie es zum wiederholten Mal nicht verstehen. Es gehört alles zum Lernprozess und so lässt Jesus es stehen.
Sie kommen nach Kafarnaum, wo sie bereits früher waren. Es wirkt so, als ob Kafarnaum eine Art Basis bei der galiläischen Mission Jesu darstellt.
Jesus ist Gott. Er weiß genau, worüber seine Jünger unterwegs gesprochen haben und fragt sie dennoch, als sie im Haus sind, worüber sie geredet haben. Es ist wie mit Gott im Garten Eden, als er „Adam wo bist du?“ fragt. Er weiß genau, wo dieser sich versteckt hält. Gott fragt den Menschen und rührt so an seinem Gewissen. Er möchte dem Menschen Chance geben, für sich selbst zu sprechen – nicht um sich herauszureden, sondern um zu bekennen – dies zu tun, wovon wir in der Lesung gehört haben.
Jesus fängt nicht an, mit ihnen zu schimpfen, obwohl sie darüber diskutiert haben, wer unter ihnen der Größte sei. Er setzt sich, was immer eine Geste des Lehrens ist. Er erklärt ihnen, wie es stattdessen sein soll. Er erklärt den Aposteln, dass der Erste der Letzte sein soll, der Diener aller. Jesus teilt mit ihnen göttliche Weisheit, bei der ein Anführer kein despotischer Herrscher sein soll, sondern ein Versorger und Bediener. Dann lenkt er die Aufmerksamkeit auf ein Kind, denn dieses ist rechtlich gesehen ganz gering angesehen. Wer Kinder annimmt (das griechische Wort δέχομαι heißt nicht nur empfangen im Sinne von Kinder bekommen, sondern auch jemandem Gehör schenken und achten), nimmt Christus auf. Denn das Annehmen der Kinder ist ein Ausdruck von Demut. Es ist vergleichbar mit den Worten des Jakobusbriefes, als es um das Schauen auf die unterschiedliche Kleidung der Gemeindemitglieder und die Bevorzugung der Reichen ging. Wer die Geringsten mit Würde behandelt, d.h. sie bedient, der achtet Jesus und schließlich den Vater. Die Aposteln sind also die Größten, wenn sie Gott fürchten durch den Dienst an den Geringsten. Wer also demütig eingestellt ist – mit einem Blick und Ohr für die Geringsten, der ist von allen der Größte. Das gilt auch uns. Ist unser Denken von Schlichtheit geprägt? Sehen wir auf das Schön Anzusehende? Auf die reichen Gemeindemitglieder, auf die Beliebten der Gesellschaft? Dann übersehen wir, wem wir eigentlich dienen sollten – den Außenseitern, den sozial Schwachen und Unbeliebten. Dann gehen wir nämlich am tiefsten in die Knie. Von dort aus wird uns Gott aber am höchsten erhöhen.

Ihre Magstrauss

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