Aschermittwoch

Joel 2,12-18; Ps 51,3-4.5-6b.l2-13.14 u. 17; 2 Kor 5,20 – 6,2; Mt 6,1-6.16-18

Joel 2
12 Auch jetzt noch – Spruch des HERRN: Kehrt um zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, Weinen und Klagen! 

13 Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider, und kehrt um zum HERRN, eurem Gott! Denn er ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Huld und es reut ihn das Unheil. 
14 Wer weiß, vielleicht kehrt er um und es reut ihn und er lässt Segen zurück, sodass ihr Speise- und Trankopfer darbringen könnt für den HERRN, euren Gott. 
15 Auf dem Zion stoßt in das Horn, ordnet ein heiliges Fasten an, ruft einen Gottesdienst aus! 
16 Versammelt das Volk, heiligt die Gemeinde! Versammelt die Alten, holt die Kinder zusammen, auch die Säuglinge! Der Bräutigam verlasse seine Kammer und die Braut ihr Gemach. 
17 Zwischen Vorhalle und Altar sollen die Priester klagen, die Diener des HERRN sollen sprechen: Hab Mitleid, HERR, mit deinem Volk und überlass dein Erbe nicht der Schande, damit die Völker nicht über uns spotten! Warum soll man bei den Völkern sagen: Wo ist denn ihr Gott?
18 Da erwachte im HERRN die Leidenschaft für sein Land und er hatte Erbarmen mit seinem Volk.

Der Prophet Joel sieht im zweiten Kapitel zunächst eine erschreckende Vision mit den Ereignissen, die sich am Tag des Herrn zutragen werden. Es ist ein Tag der Rache und Vergeltung und seine Worte dazu schließen mit der rhetorischen Frage: „Wer kann ihn ertragen?“
Und auch jetzt ist es noch nicht zu spät, so Joel. Er ruft zur Umkehr auf „von ganzem Herzen“. Das ist der springende Punkt. Was umgedreht werden muss, ist das Herz, der Kern des ganzen Menschen. Er beschreibt auch, wie man umkehren soll – „mit Fasten, Weinen und Klagen!“ Weinen und Klagen soll man dabei über sich selbst, über die eigene Sündhaftigkeit.
„Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider“ betont die innere Umkehr. Als Zeichen der Buße haben die Juden ihre Gewänder zerrissen. Joel möchte hier herausstellen, dass dieses äußere Zeichen keinen Ersatz für eine echte innere Bußhaltung sein soll.
Gott „ist gnädig und barmherzig“ und das heißt, dass er bei echter Reue (zerrissenen Herzen) dem Menschen gerne vergibt. Wenn es hier gesagt wird, dass Gott „das Unheil reut“, ist das eine sehr menschliche Aussage. Gott sündigt nicht und muss deshalb auch nichts bereuen. Das ist die Interpretation damaliger Menschen, wenn sie sehen, dass Gott ein Gerichtsurteil nicht wahrmacht.
Ebenso ist der darauffolgende Vers zu verstehen, denn Gott muss nicht umkehren. Es bezieht sich aber auf ihn, wenn es heißt: „Vielleicht kehrt er um und es reut ihn und er lässt Segen zurück.“ Gemeint ist, dass Gott seine Barmherzigkeit walten lässt und die Bestrafung nicht ausführt, weil er echte Reue beim Menschen gesehen hat. Reue ist nämlich ein Zeichen von Liebe und „die Liebe deckt viele Sünden zu (Spr 10,12; 1 Petr 4,8).“
Joel fordert zu einem Fasten und Bußgottesdienst auf. Dass es dabei auf dem Zion ausgerufen werden soll, verdeutlicht, dass es vom religiösen Zentrum her geschehen soll. Wir als Christen lesen das schon weiter und verstehen es allegorisch als Ausruf zum Fasten für die ganze katholische Kirche. „Vom Zion her“ ist dann sinnbildlich zu verstehen und meint nun das religiöse Zentrum Rom.
Wir verstehen es aber auch auf den einzelnen Menschen bezogen, der von seinem Herzen, dem inneren Zion her, ein Fasten für sein Leben ausruft – das tun wir heute wieder, wenn wir mit dem Aschermittwoch die österliche Bußzeit beginnen. Und die ausgerufene moralische Buße hat ein bestimmtes Verhalten zur Folge, das man in der Vorbereitung auf Ostern übernimmt. Schließlich verstehen wir es anagogisch, auf die Ewigkeit hin: Jesus hat vom Zion her – zeitlich gesehen auf der Höhe der Zeit, zur Umkehr aufgerufen, damit wir am Ende der Zeiten gerettet werden, ebenso am Ende unseres persönlichen Lebens, wenn wir dann vor Gott stehen. Wenn wir eine bußfertige Haltung in unserem Leben eingenommen haben, indem wir immer darauf geachtet haben, wo wir Gott beleidigt haben, wo wir ihn also geliebt haben, da wird er unsere Liebe auch sehen und dementsprechend barmherzig sein.
„Versammelt das Volk, heiligt die Gemeinde“ – das tut die Kirche heute, wenn sie alle Gläubigen zur Liturgie ruft und den Beginn der Fastenzeit feiert. Dabei sollen alle Menschen zu dieser Liturgie kommen, von jung bis alt. Auch jene, die in Flitterwochenstimmung sind, sollen aus ihrer rosaroten Welt heraustreten und Buße tun („Der Bräutigam verlasse seine Kammer und die Braut ihr Gemacht“).
Die Geistlichen sollen voll Bußhaltung für das Volk einstehen und Gott um Vergebung bitten. So soll es auch heute mit den Geistlichen der Kirche sein. Diese sollen auf Knien stehen und für ihre Gemeinden beten.
„Damit die Völker nicht spotten“ bezieht sich auf die heidnischen Völker um Israel herum. Diese sollen keinen Grund haben, um zu fragen „wo ist denn ihr Gott?“ Bisher haben die Völker die großen Heilstaten Gottes, vor allem den Exodus, anerkannt und die besondere Erwählung Israels gewürdigt.
Weil Gott diese aufrichtige Bußhaltung gesehen hat, setzte er sein Gerichtsurteil am Volk nicht um.
Gottes Gericht hängt von unseren Entscheidungen und Herzensregungen ab. Wo wir bis zum Schluss ein hartes Herz behalten und uns nicht bekehren, wo wir bis zum Schluss stur Gott ablehnen, da muss er diese Entscheidung akzeptieren und ein entsprechende Urteil fällen/vornehmen. Wo wir aber auch nur ein Fünkchen Reue haben, wo wir uns bekehren, wo wir uns doch für ihn entscheiden, lässt er seine Barmherzigkeit walten. So groß ist seine Liebe zu uns.

Ps 51
3 Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen! 
4 Wasch meine Schuld von mir ab und mach mich rein von meiner Sünde! 
5 Denn ich erkenne meine bösen Taten, meine Sünde steht mir immer vor Augen. 
6 Gegen dich allein habe ich gesündigt, ich habe getan, was böse ist in deinen Augen. 
12 Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz und einen festen Geist erneuere in meinem Innern! 
13 Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, deinen heiligen Geist nimm nicht von mir! 
14 Gib mir wieder die Freude deines Heils, rüste mich aus mit dem Geist der Großmut!
17 Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund dein Lob verkünde! 

Im heutigen Psalm bittet König David um Gottes Barmherzigkeit. Wir können uns richtig gut vorstellen, wie die Gemeinde im Buch Joel diesen Psalm voller Reue im Tempel gebetet hat.
Es ist auch ein passender Psalm für uns heute, die wir in die österliche Bußzeit starten. Es ist perfekt für jeden Einzelnen von uns, die wir uns vornehmen, in den kommenden 40 Tagen in Vorbereitung auf Ostern anders zu leben.
„Wasch meine Schuld von mir ab und mach mich rein von meiner Sünde“, ist ein Vers, den die Priester bei der Gabenbereitung zum Schluss beten, während der Messdiener ihnen Wasser über die Hände gießt. Er ist derjenige, der der Messe vorsteht und in persona Christi das Kreuzesopfer vergegenwärtigen soll. Deshalb ist er derjenige, der am tiefsten herabsinken muss, der am lautesten Gott um Vergebung bitten muss. Wenn wir ein Aschekreuz aufgezeichnet bekommen, muss er eigentlich den ganzen Kopf eingeäschert kriegen. Er muss noch viel mehr Buße tun als alle anderen.
Aber auch wir beten diesen Vers, jedesmal wenn wir das kostbare Blut Jesu auf uns herabrufen, mehrfach in der Hl. Messe, ganz besonders intensiv in der Beichte und jedesmal, wenn wir uns mit Weihwasser bekreuzigen.
König David bittet Gott um sein Erbarmen und um die Vergebung der Schuld, wobei er gleichzeitig seine Sünden bekennt. So tut es auch der verlorene Sohn im Gleichnis vom barmherzigen Vater, so möchte Jesus auch, dass wir tun. Gott kennt unsere Sünden schon längst, aber er möchte uns sprechen lassen, er gibt uns Gelegenheit, die eigene Schuld laut auszusprechen und somit einzugestehen.
So wie David sich nach einem reinen Herzen und einem festen Geist sehnt, so sehnen sich die Israeliten zur Zeit des Propheten Joel eine Erneuerung ihrer Selbst durch Gott. Auch wir sehnen uns nach einem Neuanfang und dürfen beten: Herr, schenke mir ein neues Herz, ein neues Leben in deinem Segen. Und wenn wir mit derselben Haltung zu ihm kommen wie König David hier im Psalm durchblicken lässt, dann wird Gott auch nicht zögern, unser Leben zu erneuern.
David bittet Gott darum, die Freundschaft mit ihm nicht zu kündigen („verwirf mich nicht von deinem Angesicht“). Er bittet ihn darum, die Salbung nicht zurückzunehmen, seinen gesamten Heilsplan mit David („nimm deinen Hl. Geist nicht von mir“, denn Salbung bedeutet Geistgabe). Er bittet Gott insgesamt darum, den Bund mit ihm nicht zu kündigen wegen dem, was er ihm angetan hat. Gott hat ihm aber zugesagt, dass er treu ist und einen Bund nicht zurücknimmt. Und so bitten auch wir Gott darum, dass er den Bund mit uns nicht kündigt, aber nun den neuen Bund. Gott ist treu. Er bleibt bei uns, aber es hängt von uns ab, ob wir uns selbst durch die Ablehnung Gottes aus dem Stand der Gnade verabschieden oder nicht. Mit diesem Stand der Gnade ist der Hl. Geist verbunden. Dieser kann in einem nur dann wirken, wenn die Leitung nicht verstopft oder sogar abgeschnitten ist.
Davids Sünde hat ihn unglücklich gemacht. Das wird uns deutlich aufgrund der Bitte hier im Psalm „mach mich wieder froh mit deinem Heil“. Die Sünde macht uns immer unglücklich, weil sie uns in einen Streit mit Gott bringt. Wenn wir uns aber von Gott entfernen, entfernen wir uns von der Lebensquelle. Dann kann es uns seelisch nur schlecht gehen. Wir werden innerlich einsam und unzufrieden. Wir werden traurig, weil Freude eine Frucht des Hl. Geistes ist. Diese verlieren wir aber durch die Sünde. David möchte wieder zur glücklichen Beziehung zu Gott, zu seiner ersten Liebe zurückkehren. Er bittet Gott um die Frucht der Freude, die nur der Hl. Geist wieder verleihen kann. Er kann sich nicht selbst glücklich machen. Es ist ein Geschenk, das von Gott kommt. Das hat David verstanden. Und auch wir müssen einsehen, dass nur Gott uns wirklich glücklich machen kann, kein Mensch, auch nicht wir selbst uns, ebenso keine materiellen Dinge oder Ruhm und Ansehen.
Gott möge ihm die Lippen öffnen, damit er wieder Lobpreis machen kann. Dies kann er zurzeit nicht, denn sein Herz ist nicht bereit dafür. Dieses muss Gott erst verwandeln. Für David kommt kein oberflächliches Loben in Frage. Schließlich möchte er mit dem Herzen immer dabei sein und es ist für David ein Ausdruck der innigen Beziehung zu Gott. Diese ist jetzt aber gestört. Auch wir Menschen können Gott wieder loben und preisen, wenn alles Störende ausgeräumt ist. Wenn wir wieder im Stand der Gnade sind, können wir wieder feiern. Dann ist die Gemeinschaft mit Gott wiederhergestellt. Wir denken da besonders an die Eucharistie. Bei dieser antizipierten Hochzeit des Lammes können wir den Leib Christi erst empfangen, wenn die Gemeinschaft intakt ist. Wie traurig man sich fühlt, wenn man nicht nach vorne gehen kann, weil man sich schwer versündigt hat! Dann beten auch wir „verschaffe mir Gott ein reines Herz! Mach mich wieder froh mit deinem Heil, mit deinem Jesus!“ Auch uns möchte Gott die Schuld vergeben und hat deshalb das Sakrament der Versöhnung gestiftet. Wie wohltuend ist es für die Seele, dieses Heilmittel in Anspruch zu nehmen! Umso trauriger ist es, dass so wenige Menschen diese Chance in Anspruch nehmen möchten. So werden sie aber auch zeitlebens unglücklich sein. Dabei ist gerade die Fastenzeit eine gute Gelegenheit, diese besonderen Heilmittel zu nutzen!

2 Kor 5
20 Wir sind also Gesandte an Christi statt und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen! 

21 Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.
1 Als Mitarbeiter Gottes ermahnen wir euch, dass ihr seine Gnade nicht vergebens empfangt. 
2 Denn es heißt: Zur Zeit der Gnade habe ich dich erhört, am Tag der Rettung habe ich dir geholfen. Siehe, jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; siehe, jetzt ist er da, der Tag der Rettung.

In der heutigen zweiten Lesung aus dem zweiten Korintherbuch erfahren wir etwas über den Dienst der Versöhnung.
„Wir sind also Gesandte an Christi statt“ – er hat seine Jünger vor der Himmelfahrt ausgesandt, deren Nachfolger auch wir heute sind. Die kirchliche Mission ist nichts Anderes als die Mahnung Gottes durch andere Menschen. Dies erklärt Paulus, um seine eigene Mission auf Christus zurückzuführen und um mit den Worten Christi den Adressaten zu sagen: „Lass euch mit Gott versöhnen!“ Es ist nicht Paulus Wille, wenn er das sagt, sondern Christi Wille.
Gott hat für diese Versöhnung schon alles getan, was er tun konnte. Nun hängt es vom Einzelnen ab, seinen Part zu tun. Gott hat „den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht“ ist dabei die Umschreibung, dass Gott seinen einzigen Sohn für uns hingegeben hat und dieser auf schändlichste Weise gestorben ist, um die Versöhnung zu erwirken. Und in ihm, der zur Sünde geworden ist am Kreuz (denn so wurde er von allen angesehen, Deuteronomium sagt, ein Gehenkter sei ein von Gott Verfluchter), sind wir Gerechtigkeit geworden, also vor Gott gerecht gemacht worden.
Paulus uns seine Begleiter sind die „Mitarbeiter Gottes“, von denen er hier spricht. Sie ermahnen die Korinther, dass sie nicht umsonst die Gnade empfangen haben, das heißt getauft worden sind und Christus für sie gestorben ist. Das bedeutet, sie sollen als Befähigte nun auch ein bestimmtes Leben führen aus Dank für die Erlösung.
Und nun ist die Zeit der Gnade da, in der sie gut sind, nach Gottes Geboten leben und mit Gottes Gnade ein heiliges Leben führen sollen. Auch für uns hat heute eine Zeit der Gnade begonnen, die österliche Bußzeit. Nun können auch wir Gott zeigen, was wir aus seine Gnade machen. Wo wir noch fehlen, können wir unsere Sünden bekennen und wieder zurück in den Stand der Gnade. Durch das Fasten auf bestimmte Dinge werden wir wieder hellhöriger für die Stimme Gottes in unserem Leben.

Mt 6
1 Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zu tun, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten. 

2 Wenn du Almosen gibst, posaune es nicht vor dir her, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden! Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. 
3 Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut, 
4 damit dein Almosen im Verborgenen bleibt; und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
5 Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler! Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. 
6 Du aber, wenn du betest, geh in deine Kammer, schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
16 Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler! Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. 
17 Du aber, wenn du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, 
18 damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

Im heutigen Evangelium hören wir einen Ausschnitt aus der Bergpredigt, in der Jesus erklärt, wie man fasten und beten soll – mit dem offenen Herzen und nicht mit der Offensichtlichkeit gegenüber anderen Menschen. Es geht auch hier um die rechte Absicht. Viel zu fasten und zu beten ist nicht alles. Es muss auch mit der richtigen Herzenshaltung geschehen, denn Gott entgeht nichts.
Zunächst geht es um gute Taten wie das Spenden von Geld. Wenn man wohltätig ist, muss man sich selbst hinterfragen, warum man das eigentlich tut. Jesus sagt, die linke Hand soll nicht wissen, was die rechte tut. Hände können nichts wissen. Das ist ein Bild dafür, dass man in Stille spenden soll, ohne es vor den anderen herumzuposaunen. Das heißt wiederum nicht, dass man es unter allen Umständen geheimhalten soll und sobald es jemand mitbekommen hat, die gesamte Gnade verloren ist! Es geht um die Absicht – spende ich um des Empfängers willen oder damit andere mich loben? Es gibt Formen von Wohltätigkeit, die man nicht geheimhalten kann. Erhält man von Gott deshalb keine Gnade mehr? Wie gesagt, so ist es nicht gemeint.
Das Entscheidende ist nämlich – Gott sieht das Verborgene. Er sieht unser Herz und danach wird er uns beurteilen.
Auch beim Beten soll man sich auf den konzentrieren, mit dem man beim Beten spricht. Wer schon darauf achtet, dass er dabei gesehen wird, der kommuniziert beim Beten schon gar nicht mehr mit Gott. Mit dem Herzen ist er schon gar nicht dabei.
Man soll „in die Kammer“ gehen beim Beten, wo man ganz allein mit Gott ist. Die Kammer ist auch über den Wortsinn hinaus auf die Kammer des Herzens zu beziehen, denn was Jesus sagt, bedeutet nicht, dass man nicht mehr in der Öffentlichkeit beten darf. Auch hier spitzt Jesus etwas bewusst zu und benutzt Bilder, um den Menschen seinen Punkt zu verdeutlichen: Es kommt auf die Absicht an, warum man sich ausgerechnet in die Straßenecken stellt, an menschenvolle Orte geht. Manchmal geht es nicht anders und man betet vor allen Leuten, dass alle es sehen! Und ist das jetzt verwerflich und ein Verlust jeglicher Gnade? Im Gegenteil: Wer in der Öffentlichkeit vor dem Essen ein Kreuzzeichen macht, tut es aus Treue zu Gott, nicht um von irgendwem gelobt zu werden. Und zur Zeit Jesu gab es auch schon Situationen, in denen die Menschen nicht anders konnten, als öffentlich zu beten – Jesus selbst hatte selten eine Kammer, in die er sich zurückziehen konnte. Er suchte dann einen Berg oder eine andere verlassene Gegend auf, aber mitten in der Stadt Jerusalem war das natürlich nicht möglich…Wenn man sich in die Kammer des Herzens zurückzieht, achtet man gar nicht auf die Menschen um einen herum. Wenn man in der Kammer des Herzens durch und durch mit Gott verbunden ist, dann bleibt man unberührt von Lob und Tadel zugleich – nicht im Sinne einer Gleichgültigkeit, sondern einer Unabhängigkeit gegenüber der Meinung anderer.
Und dann geht es um das Fasten. Man soll sich selbst kein „trübseliges Aussehen“ geben, es also offensichtlich machen, dass man fastet.
Jesus sagt sogar, man soll das Haupt salben und das Gesicht waschen, damit es keiner merkt. Auch hier geht es nicht um die eigentliche äußere Tat, denn man sieht einem das Fasten unterschiedlich stark an (liegt am Menschen). Wenn es dann jemand merkt, weil man selbst blass ist oder sonstige Anzeichen zeigt, dann ist nicht die ganze Gnade verschwunden. Für das Salben des Haars und das Waschen des Gesichtes sind allerlei Pflegeroutinen einzufügen, die wir so ausüben. Das heißt aber nicht, dass Jesus wirklich will, dass wir uns während des Fastens immer dick schminken und auftakeln, damit ja keiner auf die Idee kommt, wir üben uns zurzeit in Askese. Das ist nicht der Punkt, sondern es geht wieder um die Absicht. Faste ich nicht aus Liebe zu Gott? Warum sollte ich mich dann extra ungepflegt unter die Menschen begeben, damit es für sie offensichtlich ist und sie mich dann loben? Es geht auch hier darum, dass es eine Sache zwischen mir/meinem Herzen und Gott ist. Ob ich gepflegt oder ungepflegt aussehe, ist dabei Nebensache. Was Jesus mit diesen zugespitzten Worten erreichen möchte, ist der Aufruf zu einem aufrichtigen Leben vor Gott und einer Besserung der Beziehung zu ihm. Darum soll es gehen. Dabei soll man nicht nach links oder rechts schauen. Es geht um einen selbst vor Gott. Was interessiert einen dann der Spendenbetrag des Nachbarn? Ich pflege doch meine Beziehung zu Gott, indem ich mit ihm spreche. Was interessiert mich dann, wer mich beim Beten sieht oder nicht? Es geht doch um eine Sensibilisierung für Gott und um einen Hunger nach ihm durch das Fasten. Was interessiert uns dann, ob jemand mein Fasten sieht oder nicht? Wir sollen also nicht extra gepflegt herumlaufen, uns vor dem Beten immer Zuhause einschließen oder die Geheimhaltung unserer Spende immer mit dem eigenen Leben beschützen. Es geht um die Haltung bei allem, was wir tun. Und das Stichwort ist dabei die Demut. David hat es vorgelebt und mit dem Psalm in Gebetsform verdeutlicht. Die Israeliten zur Zeit des Propheten Joel haben waren von Herzen erschüttert und haben wie David und auch wie Paulus mit seinen Begleitern erkannt, warum man das alles macht – es geht um die Versöhnung mit Gott. Was interessiert uns dann der Andere? Auch er oder sie wird diesen Prozess selbst durchmachen müssen. Aber wenn wir eines Tages vor Gott stehen, wird dieser uns nach unserem Leben fragen, nicht nach dem des Anderen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine gesegnete Fastenzeit! Auf das wir alle die Zeit der Gnade nutzen, um unsere Beziehung mit Gott zu verbessern und mit reinem und bereitem Herzen dem Erlösungsgeschehen unseres Herrn Jesus Christus entgegen gehen zu können!

Ihre Magstrauss

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