Donnerstag nach Aschermittwoch

Dtn 30,15-20; Ps 1,1-2.3.4 u. 6; Lk 9,22-25

Dtn 30
15 Siehe, hiermit lege ich dir heute das Leben und das Glück, den Tod und das Unglück vor, nämlich so: 

16 Ich selbst verpflichte dich heute, den HERRN, deinen Gott, zu lieben, auf seinen Wegen zu gehen und seine Gebote, Satzungen und Rechtsentscheide zu bewahren, du aber lebst und wirst zahlreich und der HERR, dein Gott, segnet dich in dem Land, in das du hineinziehst, um es in Besitz zu nehmen. 
17 Wenn sich aber dein Herz abwendet und nicht hört, wenn du dich verführen lässt, dich vor anderen Göttern niederwirfst und ihnen dienst – 
18 heute erkläre ich euch: Dann werdet ihr ausgetilgt werden; ihr werdet nicht lange in dem Land leben, in das du jetzt über den Jordan hinüberziehst, um hineinzuziehen und es in Besitz zu nehmen. 
19 Den Himmel und die Erde rufe ich heute als Zeugen gegen euch an. Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch. Wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen. 
20 Liebe den HERRN, deinen Gott, hör auf seine Stimme und halte dich an ihm fest; denn er ist dein Leben. Er ist die Länge deines Lebens, das du in dem Land verbringen darfst, von dem du weißt: Der HERR hat deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen, es ihnen zu geben.

Heute ist der erste Donnerstag der Fastenzeit. Die Bahnlesung aus dem Jakobusbrief wird nun nicht mehr weitergeführt, sondern wir hören ganz andere Texte in dieser besonderen Gnadenzeit. Heute hören wir einen Text, dessen Thema vor ein paar Tagen bereits thematisiert worden ist. Es handelte sich um einen Ausschnitt aus dem Buch Jesus Sirach. In beiden Texten geht es darum, dass Gott uns vor die Wahl stellt und für eine richtige Entscheidung die Gnade verleiht. Deuteronomium nennt die beiden Dinge, zwischen denen man wählen kann, Segen und Fluch, aber auch Leben und Tod wie im Buch Jesus Sirach.
Es wird ferner erklärt, was mit Leben und Glück (hebr. הַטֹּ֑וב hatov „das Gute“), Tod und Unglück gemeint ist: In Vers 16 heißt es, dass man das Leben und das Glück wählt, wenn man Gott von ganzem Herzen liebt und „auf seinen Wegen“ geht, das heißt seine Gebote hält. Dies wird auch im Folgenden näher ausgedrückt, wenn es heißt: „und seine Gebote, Satzungen und Rechtsentscheide zu bewahren.“ Wenn wir Gottes Willen tun, wird es uns gut gehen und wir werden den Segen Gottes in allem haben. Gott wird die Israeliten in dem Land segnen, das er ihnen verheißen hat. Dieses „Land“ bezieht sich aber nicht nur auf die Israeliten damals, sondern auch auf den Hl. Boden der Kirche, die das neue Volk Gottes ist. Es bezieht sich vor allem aber auf das verheißene Land der Ewigkeit, auf das Himmelreich! Dies erwartet uns, wenn wir Gottes Willen in diesem Leben gelebt haben. In dieser Richtung verstehen wir die Verheißung des Lebens und der Fruchtbarkeit ebenfalls nicht nur wörtlich (für die Juden ist Nachkommenschaft und Weiterleben in den Nachkommen ein Zeichen des göttlichen Segens), sondern eben auch eschatologisch: Wenn wir Gottes Willen tun, werden wir auf geistiger Ebene fruchtbar, denn unsere Frucht, die wir bringen und die bleibt, sind Seelen, die wir für Christus gewinnen. Und das Leben bezieht sich dann auf das ewige Leben bei Gott.
In Vers 17 beginnt dann die Kehrseite mit Erklärungen dessen, was der Tod und das Unglück sind: Das Herz wendet sich von Gott ab und hört nicht – hier ist es, was Jesus immer wieder meint! Ohren zum Hören haben, aber nicht hören (mit dem Herzen!). Wenn das Herz nicht an Gott hängt, verliert man es an anderen Göttern und lässt sich zur Sünde verführen. Dies führt dazu, dass man ausgetilgt wird und aus dem verheißenen Land vertrieben wird. Das klingt für uns nach einem Déjà vu! So kam es schon mit dem ersten Menschenpaar, das aus dem Paradies vertrieben wurde aufgrund des Sündenfalls. Und so ist es nun mit dem ganzen Volk Israel, das in Sünde verfällt. Das betrifft auch uns heute: Wenn wir uns als Kirche von Gott absagen, werden wir ganz schnell den Bach hinuntergehen, denn wir entfernen uns dann aus dem verheißenen Land, aus dem Segensradius Gottes, aus der Gnade und dem Geist Gottes. Dies sehen wir an den vielen Schismatikern unserer heutigen Zeit. Sie haben ihre eigene Lehre entwickelt und so nicht mehr den Felsen Christi zur Grundlage. Mit einem einzigen Sturm bricht das ganze menschlich konstruierte Haus in sich zusammen oder erfährt weitere Spaltung. Dies ist auch auf den moralischen Zustand des Menschen zu beziehen: Wenn wir Gottes Willen nicht tun, werden wir ausgetilgt, nämlich verlieren wir den Stand der Gnade. Das Reich Gottes, zu dem wir eigentlich schon hier auf Erden gehören, kann also abhanden kommen. Und schließlich ist es anagogisch auszulegen: Wir verlieren das Himmelreich, wenn wir in unserer Lebenszeit den Stand der Gnade verlassen.
Beides steht einem offen und es liegt nun am Volk Israel, heute an uns, die richtige Entscheidung zu treffen. Gott hat uns dabei einen freien Willen geschenkt, damit wird uns für ihn entscheiden, nämlich aus Liebe, die nicht ohne freien Willen geht.
Wir müssen an dieser Stelle betonen, dass nicht Gott Bedingungen setzt im Sinne einer Erpressung: „Du hast zwar die freie Wahl, aber ich gebe dir nur dann Gutes, wenn du dich für mich entscheidest. Also hast du doch keine freie Wahl.“ Es ist vielmehr so, dass jede Entscheidung ihre Konsequenz hat und wenn wir uns gegen Gott entscheiden, uns von ihm entfernen. Wir selbst schneiden uns vom Segen ab, den Gott bereitwillig schenken würde, aber er schätzt unseren freien Willen und muss die Ablehnung akzeptieren. Er macht also keine Bedingungen, sondern wir selbst schneiden uns vom Segen ab.
Nochmals fordert Mose das Volk in dieser letzten Ansprache vor seinem Tod auf (dies ist nämlich das Buch Deuteronomium), das Leben zu wählen, denn Gott ist die Länge des Lebens. Von ihm hängt ab, ob und wie lange man im verheißenen Land leben darf. Wir beziehen dies absolut auf das Himmelreich, denn Gott ist die Länge unseres ewigen Lebens, also die Ewigkeit!
Entscheiden wir uns für Gott, damit wir auf ewig sein Heil schauen dürfen!

Ps 1
1 Selig der Mann, der nicht nach dem Rat der Frevler geht, nicht auf dem Weg der Sünder steht, nicht im Kreis der Spötter sitzt, 

2 sondern sein Gefallen hat an der Weisung des HERRN, bei Tag und bei Nacht über seine Weisung nachsinnt. 
3 Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Bächen voll Wasser, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen Blätter nicht welken. Alles, was er tut, es wird ihm gelingen. 
4 Nicht so die Frevler: Sie sind wie Spreu, die der Wind verweht. 
6 Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten, der Weg der Frevler aber verliert sich.

Heute beten wir den allerersten Psalm des Psalters. David schreibt hier eine Seligpreisung an den, der sich für Gott entschieden hat. Da hören wir eine wunderbare Betrachtung dessen, wie gut es einem geht, wenn man Gott gewählt hat. Wer „Gefallen an der Weisung des HERRN“ hat und Gottes Gebote nicht nur hält, sondern darüber auch nachdenkt, dann ist dieser Mensch wie ein Baum am Wasser. Er wächst und gedeiht direkt an der Quelle und ist absolut fruchtbar. Diese Fruchtbarkeit wird biologisch gesehen von den Juden als Zeichen des Segens betrachtet, aber wir gehen über das Wörtliche hinaus und denken an Jesu Worte: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt (Joh 15,16).“ Es ist eine geistige Fruchtbarkeit, die andere Menschen zu Kindern Gottes macht und so das Volk Gottes immer größer werden lässt. Jesus sagt sogar, dass die Entscheidung für Gott nicht der erste Schritt ist, sondern die Reaktion auf die Erwählung Gottes.
Gottes Segen zeigt sich bei dem, der Gott gewählt hat, daran, dass ihm alles gelingt und die Gebete erhört werden. Die nie verwelkenden Blätter werden zum eschatologischen Zeichen, zum Symbol für das ewige Leben für Gott, das auch beim nie verwelkenden Siegeskranz aufgegriffen wird, einer Metapher des NT.
Dagegen sind die Frevler, die Gott ablehnen, wie vom Wind verwehte Spreu. Sie sind nicht unvergänglich, sondern absolut kurzlebig. Kommt ein Windstoß, sind sie dahin. Versucht man einen Weg ohne Gott, verläuft man sich in eine ganz böse Sackgasse. Es ist ein Holzweg, der ins Nirgendwo führt – beziehungsweise in die ewige Gottesferne, in die Hölle!
Dies stellt dann den ewigen Tod dar, nicht mehr das ewige Leben.

Lk 9
22 Und er sagte: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er muss getötet und am dritten Tage auferweckt werden.

23 Zu allen sagte er: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
24 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten. 
25 Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt?

Heute macht Jesus eine Leidensankündigung, die uns schon auf das Ende der Fastenzeit hinweist – auf die Passion Christi, die sich vom Donnerstagabend bis zum Freitagmittag hinziehen wird: „Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden.“ Was Jesus dadurch den Aposteln erklärt, ist die Notwendigkeit der Ereignisse. Es muss so passieren, weil sonst die ganze Menschheit nicht erlöst werden kann. Er kündigt aber auch gleichzeitig an, dass er von den Toten auferstehen wird.
Dies alles bezieht er aber nicht nur auf sein eigenes Lebensende, sondern auch auf die, die ihm nachfolgen. Auch sie müssen leiden, wenn sie seine Jünger sein wollen. Auch sie werden ihr Leben gering achten oder sogar verlieren, aber dafür ihr ewiges Leben retten. Was hier durch die Leidensankündigung Jesu deutlich wird, ist noch etwas Anderes: Der Mensch, der durch die Sünde Gott ablehnt, zieht auch Unschuldige mit in seinen Sumpf. Jesus kann wirklich von sich behaupten, dass er ohne Sünde war. Und doch musste er sterben aufgrund der Ablehnung Gottes durch die Hohenpriester, Ältesten und Schriftgelehrten. Wenn wir als seine Jünger in dieser Welt leben, werden auch wir leiden müssen, weil die Menschen Gott nicht nur annehmen, sondern auch ablehnen. Durch die Sünde des Anderen werden auch wir in das Leiden hineingezogen. Davor bleibt auch der Unschuldige nicht bewahrt.
Und wenn wir versuchen, uns vor dem Leiden zu drücken, verlieren wir dafür das ewige Leben. Das ist ja unvernünftig, denn was ist dieses zeitlich begrenzte Leben im Gegensatz zum ewigen Leben?

Jesu Jünger zu werden entspricht der Entscheidung für Gott laut Deuteronomium und Psalm 1. Es zeigt uns zugleich, dass wir nicht nur ein schönes Leben haben werden, nur weil wir uns für Gott entschieden haben. Im Gegenteil. Uns wird sogar sehr viel Leiden erwarten, obwohl wir im Stand der Gnade sind! Jesus rüttelt sehr stark an dem Tun-Ergehen-Zusammenhang, aber nicht deshalb, weil Gott ein Sadist ist, der seine Kinder leiden lassen will. Es liegt an der Ablehnung der Anderen, die hohe Wellen bis zu uns schlägt. Auch wir müssen deshalb unschuldig leiden. Das ist die Ungerechtigkeit der Sünde und der gefallenen Schöpfung. Und doch muss es so kommen, weil nur so diese Menschen gerettet werden können. Wir sühnen für sie mit, die in Sünde sind. Wir sind wie Simon von Cyrene, der das Kreuz Jesu mitgetragen hat. Wir tragen die anderen mit, auf dass sie sich bekehren und gerettet werden. Warum aber werden wir im Namen Jesu so viel leiden müssen? Weil Jesus ein zweischneidiges Schwert ist, an dem sich die Geister scheiden. Bei Jesus wird jeder vor eine Entscheidung gestellt. Und so entscheiden sich bei ihm sehr viele dagegen.

Was wir in dieser Fastenzeit nun tun müssen, ist wieder neu eine Entscheidung zu treffen. Für Gott. Erneuern wir unser Liebesbündnis mit ihm, der uns das Leben geschenkt hat (das irdische Leben, aber vielmehr auch das ewige Leben!). Sagen wir ihm aufs Neue unser Ja und kehren wir neu um, ändern wir unser Leben, sodass wir mit einem neuen Herzen auf Ostern zugehen können. Die Beichte ist deshalb ein ganz wichtiger Schritt dahin.

Ihre Magstrauss

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