Montag der 3. Woche der Fastenzeit

2 Kön 5,1-15a; Ps 42,2-3; Ps 43,3.4; Lk 4,24-30

2 Kön 5
1 Naaman, der Feldherr des Königs von Aram, galt viel bei seinem Herrn und war angesehen; denn durch ihn hatte der HERR den Aramäern den Sieg verliehen. Der Mann war tapfer, aber an Aussatz erkrankt.

2 Nun hatten die Aramäer bei einem Streifzug ein junges Mädchen aus dem Land Israel verschleppt. Es war in den Dienst der Frau Naamans gekommen.
3 Es sagte zu seiner Herrin: Wäre mein Herr doch bei dem Propheten in Samaria! Er würde seinen Aussatz heilen.
4 Naaman ging zu seinem Herrn und meldete ihm: Das und das hat das Mädchen aus Israel gesagt.
5 Der König von Aram antwortete: So geh doch hin; ich werde dir ein Schreiben an den König von Israel mitgeben. Naaman machte sich auf den Weg. Er nahm zehn Talente Silber, sechstausend Schekel Gold und zehn Festkleider mit
6 und überbrachte dem König von Israel das Schreiben. Es hatte folgenden Inhalt: Wenn jetzt dieser Brief zu dir gelangt, so wisse: Ich habe meinen Knecht Naaman zu dir geschickt, damit du seinen Aussatz heilst.
7 Als der König von Israel den Brief gelesen hatte, zerriss er seine Kleider und rief: Bin ich denn ein Gott, der töten und zum Leben erwecken kann? Er schickt einen Mann zu mir, damit ich ihn von seinem Aussatz heile. Merkt doch und seht, dass er nur Streit mit mir sucht!
8 Als der Gottesmann Elischa hörte, der König von Israel habe seine Kleider zerrissen, ließ er ihm sagen: Warum hast du deine Kleider zerrissen? Naaman soll zu mir kommen; dann wird er erfahren, dass es in Israel einen Propheten gibt.
9 So kam Naaman mit seinen Pferden und Wagen und hielt vor dem Haus Elischas.
10 Dieser schickte einen Boten zu ihm hinaus und ließ ihm sagen: Geh und wasch dich siebenmal im Jordan! Dann wird dein Leib wieder gesund und du wirst rein.
11 Doch Naaman wurde zornig. Er ging weg und sagte: Ich dachte, er würde herauskommen, vor mich hintreten, den Namen des HERRN, seines Gottes, anrufen, seine Hand über die kranke Stelle bewegen und so den Aussatz heilen.
12 Sind nicht der Abana und der Parpar, die Flüsse von Damaskus, besser als alle Gewässer Israels? Kann ich nicht dort mich waschen, um rein zu werden? Voll Zorn wandte er sich ab und ging weg.
13 Doch seine Diener traten an ihn heran und redeten ihm zu: Wenn der Prophet etwas Schweres von dir verlangt hätte, würdest du es tun; wie viel mehr jetzt, da er zu dir nur gesagt hat: Wasch dich und du wirst rein.
14 So ging er also zum Jordan hinab und tauchte siebenmal unter, wie ihm der Gottesmann befohlen hatte. Da wurde sein Leib gesund wie der Leib eines Kindes und er war rein.
15 Nun kehrte er mit seinem ganzen Gefolge zum Gottesmann zurück, trat vor ihn hin und sagte: Jetzt weiß ich, dass es nirgends auf der Erde einen Gott gibt außer in Israel.

Wir hören heute von einem syrischen Feldherrn namens Naaman in der Lesung. Er leidet an Aussatz und hört durch eine israelitische Sklavin von Elischa, dem Propheten Israels. So erbittet er bei seinem König die Reise nach Israel, um von Elischa geheilt zu werden. Er nimmt viel Geld, Gaben, Pferde und Wagen mit und kommt wie ein König nach Israel. Er wird beim König Israels vorstellig mit einem Schreiben seines aramäischen Königs. Doch der König Israels reagiert mit Abwehr, da es für ihn wie eine Provokation wirkt. Elischa bekommt die Situation mit und bittet seinen König, Naaman zu ihm zu schicken, weil er ihn heilen will. Der syrische Feldherr kommt zum Propheten mit bestimmten Erwartungen. Er hat eine genaue Vorstellung davon, wie der gesamte Heilungsvorgang aussehen soll. Umso verärgerter reagiert er, als er zu Elischa kommt und dieser ihm ein ganz anderes Procedere vorschreibt: Statt dass Elischa zu ihm nach draußen tritt, seinen Gott anruft, die Hand über die kranke Stelle bewegt und ihn sol heilt, gibt er ihm Anweisungen aus der Ferne und dann nur eine einzige einfache Sache: Er soll siebenmal im Jordan abtauchen, damit sein Körper wieder rein wird.
Seine Reaktion ist typisch und wir bezeugen sie immer wieder bis heute: Gott ist überraschend einfach. Er ist die Demut schlechthin. Bei ihm ist alles schlicht, einfach und entlarvend unkompliziert. Deshalb reagieren viele Menschen mit Unmut, Ablehnung und vor allem Spott. Wie oft hören wir bis heute: „So ein Gott kann nicht allmächtig sein. Er lässt sich von seinen eigenen Geschöpfen ans Kreuz schlagen und auch heute schaut er tatenlos zu, wie wir Menschen leiden müssen.“ Und wie sehr ist Jesus am Kreuz verspottet worden. Wir wissen auch von Heiligen, denen der christliche Glaube zuerst viel zu einfach vorkam und sie deshalb die Bibel nicht lesen wollten. Diese Reaktionen kommen von Menschen, die hochmütig sind. Hochmut ist das Gegenteil von Demut, die Gott ist. Bei ihm ist alles ganz schlicht, deshalb auch ganz unattraktiv nach irdischen Maßstäben. Bei ihm muss man keinen teuren Preis bezahlen, sondern sein Ja geben. Naaman ist enttäuscht, weil er eine spektakuläre Prozedur und eine sensationelle Heilung erwartet.
Elischa kommt ihm nicht zu nahe, weil er sich als Jude kultisch verunreinigt und zugleich anstecken kann. Aussatz ist hoch ansteckend. Naaman regt sich vor allem darüber auf, dass er in den Hl. Fluss der Israeliten steigen soll, obwohl er als Syrer die Flüsse des eigenen Landes Abana und Parpar bevorzugt.
Er möchte aufgeben, doch seine Bediensteten reden ihm gut zu. Interessant ist dabei, dass sie sagen: „Wenn der Prophet etwas Schweres von dir verlangt hätte, würdest du es tun.“ Das fasst seine Einstellung gut zusammen. Wäre es etwas Kompliziertes, wäre er dem nachgekommen. Jetzt wo es so einfach erscheint, hat er die typische hochmütige Einstellung, dass es nicht gut sein kann, so nach dem Motto „Qualität hat seinen Preis“. Was umsonst ist oder zu leicht umsetzbar, kann qualitativ nicht hoch sein. Bei Gott ist das aber nicht so. Und seine Diener sagen deshalb mit Nachdruck: „wie viel mehr jetzt, da er zu dir nur gesagt hat: Wasch dich und du wirst rein?“
Er lässt sich belehren und steigt in den Fluss. So wird er geheilt und eines besseren belehrt. Nun versteht und glaubt er, dass Elischa ein unvergleichbarer Prophet ist. Gott ist nicht nur einfach, sondern so mächtig, dass er mit Leichtigkeit einen Menschen heilen kann.
Viele Menschen heute und auch wir selbst haben in manchen Situationen dieselbe Einstellung wie Naaman. Lassen auch wir uns dann eines besseren belehren und nehmen wir die Lektion Gottes an. Nur so können auch wir Heilung erfahren. Das ist vor allem eine Lektion für die Kirche: Wie oft sehen wir in unseren Gemeinden die Bestrebung, alles noch komplizierter und hochwertiger zu machen, obwohl es der Schlichtheit und Demut Gottes widerspricht? Dann müssen auch wir zur Einfachheit zurückkehren, damit Gottes Geist wieder mehr Raum hat. Der heilige Fluss Jordan ist für uns ein wichtiges Signal, wenn wir z.B. an gestern denken. Da ging es in den Lesungen um das lebendige Wasser, das der Hl. Geist ist. Und als Christen erkennen wir hinter der Rede vom Jordan das Wasser der Taufe. Gott lässt solche Heilungserzählungen wie die der heutigen Lesung zu, damit wir erkennen, wie er die Menschen nach und nach an die Taufe herangeführt hat. So wie der Syrer Naaman äußerlich rein wurde – aber auch schon innerlich, da er seine Einstellung geändert hat! – so wird der Mensch in der Taufe rein von all seinen Sünden und auch von allen Folgen seiner Sünden. Würde er in dem Moment tot umfallen, würde er direkt in den Himmel kommen. So reinigend ist das Wasser der Taufe! Sie ist zutiefst mit dem Glauben des Täuflings verbunden, so sehen wir schon bei Naaman, dass sein Untertauchen in den Jordan mit erwirkter Heilung ihn zum Glauben daran gebracht hat, dass es keinen Propheten gibt wie in Israel.

Ps 42-43
2 Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, nach dir, Gott.
3 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht?
3 Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen mich leiten; sie sollen mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen.
4 So will ich kommen zu Gottes Altar, zum Gott meiner Freude und meines Jubels. Ich will dir danken zur Leier, Gott, du mein Gott.

Auch der Psalm reflektiert das lebendige Wasser des Hl. Geistes, der die Liebesglut Gottes ist. Er ist es, den unsere Seele so sehnlichst erwartet und der sie tränkt. Wie ein Hirsch nach frischem Wasser lechzt, so dürstet die Seele des Menschen nach Gott. Wir sind Abbild Gottes und sehnen uns immer nach unserem Schöpfer. Wir sind dazu geschaffen, ganz mit ihm in einer Liebesgemeinschaft zu sein. Und deshalb sucht der Mensch Gott immer bewusst oder unbewusst in seinem Leben. Und auch Gott wirbt lebenslänglich nach dem Menschen, er ruft und er zieht ihn.
„Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“ Das ist eine absolute Entsprechung zum lebendigen Wasser, das wir trinken sollen. „Wann darf ich kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht?“ – das ist besonders schmerzhaft zu beten bzw. sehr aktuell, da wir zwar in die Kirchen hineindürfen, auch zum Allerheiligsten, zum Tabernakel gehen dürfen, aber doch nicht die Vereinigung in der Eucharistie haben dürfen. Es ist eine Sehnsucht, die der Mensch immer hat, auch wenn er es nicht merkt. Das schauen des Angesichts Gottes kann moralisch auf den Stand der Gnade bezogen werden. Vor einigen Tagen beteten wir in einem anderen Psalm, dass Gott die Wege des Gerechten sieht. Das ist bildhaft gemeint und auch hier ist es dieses Gesehenwerden von Gott. Auf vollkommene und erfüllte Weise wird dies aber sein, wenn wir sterben und dann vor ihm stehen. Dann sieht nicht nur er uns, sondern auch wir ihn, wie er ist.
„Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen mich leiten“ – das Licht und die Wahrheit ist Jesus Christus. Dieser Vers ist absolut messianisch. Gott ist selbst zu uns gekommen, um uns zu leiten auf dem Weg, den er für uns bereitet hat. Er hat vorgelebt, wie wir die Gebote Gottes richtig umsetzen sollen, damit wir die Chance auf den heiligen Berg haben, das Himmelreich. Auch das Bild der Wohnungen ist darauf zu beziehen. Jesus sagt in seiner Abschiedsrede in Joh 14,1-2: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?“ Was der Herr für uns getan hat bis hin zum Kreuz, ist für uns ein lebenslanges Lob wert. Und so ist es elementar für uns Christen, zum Altar zu kommen, um dem Herrn zu danken – die Eucharistie, „Danksagung“ ist deshalb der Herzschlag der Kirche. Wenn sie ausbleibt, bleibt das Herz stehen und die Kirche stirbt. So lange sie aber gefeiert wird, werden die Mächte der Finsternis sie nicht überwältigen. Auch durch unseren Lebenswandel sollen wir immerzu dankbar sein. Gott schenkt uns so viel Gutes, doch oft sind wir versucht, nur den Mangel zu sehen, den wir dabei so oft selbst verschulden. Er lässt uns nicht im Stich und lässt uns auch nicht verdursten. Haben wir Vertrauen!

Lk 4
24 Und er setzte hinzu: Amen, ich sage euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.

25 Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam.
26 Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon.
27 Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman.
28 Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut.
29 Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen.
30 Er aber schritt mitten durch sie hindurch und ging weg.

Das Evangelium stellt Jesu Antwort auf die Rede der Nazarener dar, denen er am Sabbat in der Synagoge aus dem Buch Jesaja vorgelesen und die Worte auf sich bezogen hat. Sie wundern sich über seine Weisheit und Vollmacht, mit der er die Schrift auslegt, und zeigen durch ihre Frage „Ist das nicht Josefs Sohn?“, dass sie es ihm nicht zutrauen. Sie kennen ihn noch von früher und haben ihn aufwachsen sehen. Für sie scheint es nicht möglich, dass er mindestens ein Prophet ist, geschweige denn Gottes Sohn. So setzt Jesus zum Reden an:
„Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.“ Damit sagt Jesus etwas Wichtiges, was wir in unserer Welt beobachten: Menschen werden in Schubladen gesteckt und die Meinung über einen Menschen einzementiert. Es ist kaum möglich, aus diesen festgelegten Kategorien zu entfliehen, weil Menschen anderen Menschen keine Änderung zutrauen. So kann kein Mensch, der zuvor schlecht war, von allen Menschen in seinem bekehrten Zustand ernst genommen werden. So kann auch kein Mensch, der unscheinbar aufgewachsen ist und gespielt hat wie jedes andere Kind, als großer Prophet ernst genommen werden. So ist es für Jesus schwer, Heilstaten zu vollbringen. Diese hängen von den Herzen der Menschen ab. Wo Ablehnung herrscht, kann Gott nicht wirken. Das betrifft auch die Kirche heute. Wo die Menschen selbst und aus eigener Kraft etwas bewirken wollen, lassen sie dem Geist Gottes keinen Raum. Wenn sie ihn ablehnen, zieht er sich auch zurück, denn der freie Wille ist Gott heilig. So ist es auch bis zum Schluss. Wer den Hl. Geist ablehnt und so auch die vergebende Barmherzigkeit Gottes, richtet sich selbst für die Hölle. Denn der Geist Gottes ist es, durch den uns vergeben wird. Jesus sagt zu seinen Jüngern als Auferstandener: „Empfang den Hl. Geist. Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben und wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.“
Diese allzu menschliche Haltung, die Jesus hier anspricht, gilt zu jeder Zeit. So verweist er auf den Syrer Naaman, von dem wir in der Lesung gehört haben. Er nimmt es auch zuerst nicht an, lässt sich dann aber eines besseren belehren und so wird er doch geheilt. Zur Zeit der Propheten Elija und Elischa bleiben viele Heilungen aus, weil die Menschen nicht mit Glauben zu ihnen kamen und diese nicht anerkannten. Heilungen Gottes sind keine Automatismen. Wer innerlich gar nicht glaubt, dass Gott sie heilen kann, wird auch nicht geheilt. Wer nicht wenigstens ein wenig sein Herz dafür öffnet, an dem wird Gott auch nicht handeln können. Keiner wird gegen seinen eigenen Willen geheilt. Das gilt bis heute.
Jesus hat diese ganzen Worte nicht gesprochen, um irgendwen zu provozieren, sondern es stellt eine Lektion für die Menschen dar. Er sagt es, um sie wachzurütteln, damit sie ihn annehmen. Stattdessen werden sie wütend und wollen ihn umbringen. Jesus hat keine Angst und geht ganz gelassen durch die Menge hindurch weg von den Nazarenern. Sie haben die Zeit der Gnade nicht erkannt. Gott kritisiert die Menschen nicht, um sie fertig zu machen oder weil ihm das gefällt. Er tut es, um die Menschen zur Besinnung zu führen. Er weiß, was ihnen wirklich fehlt, er kann ihnen das lebendige Wasser aber nur zu trinken geben, wenn sie den Mund aufmachen und zu trinken beginnen. Man kann einen Ochsen oder Esel zwar ans Wasser zerren, trinken muss er aber selbst. Dieses Sprichwort betrifft auch unser Verhältnis zu Gott. Er kann uns an die Quellen lebendigen Wassers führen, doch trinken müssen wir selbst.

Angesichts der derzeitigen Coronakrise bleibt uns nur zu sagen: Wir Menschen saßen die ganze Zeit an der Quelle, doch tranken nicht daraus. Das Wasser sprudelte so vor sich hin, auch die himmlische Speise vereinsamte im Tabernakel, doch so wenige besuchten sie. Deshalb lässt Gott zu, dass wir für eine gewisse Zeit nicht mehr an der Quelle sitzen, damit wir sie wieder zu schätzen lernen. Herr, hab Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt. Schenke in dieser Krisenzeit, die für uns eine Chance darstellt, die Gnade einer tiefen Umkehr zu dir. Erneuere durch dein lebendiges Wasser, den Hl. Geist, das Antlitz der Erde, dass der Glaube in den Menschen neu zu sprudeln beginnt wie eine reine Quelle. Alle Engel und Heiligen, bittet für uns!

Ihre Magstrauss

Donnerstag nach Aschermittwoch

Dtn 30,15-20; Ps 1,1-2.3.4 u. 6; Lk 9,22-25

Dtn 30
15 Siehe, hiermit lege ich dir heute das Leben und das Glück, den Tod und das Unglück vor, nämlich so: 

16 Ich selbst verpflichte dich heute, den HERRN, deinen Gott, zu lieben, auf seinen Wegen zu gehen und seine Gebote, Satzungen und Rechtsentscheide zu bewahren, du aber lebst und wirst zahlreich und der HERR, dein Gott, segnet dich in dem Land, in das du hineinziehst, um es in Besitz zu nehmen. 
17 Wenn sich aber dein Herz abwendet und nicht hört, wenn du dich verführen lässt, dich vor anderen Göttern niederwirfst und ihnen dienst – 
18 heute erkläre ich euch: Dann werdet ihr ausgetilgt werden; ihr werdet nicht lange in dem Land leben, in das du jetzt über den Jordan hinüberziehst, um hineinzuziehen und es in Besitz zu nehmen. 
19 Den Himmel und die Erde rufe ich heute als Zeugen gegen euch an. Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch. Wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen. 
20 Liebe den HERRN, deinen Gott, hör auf seine Stimme und halte dich an ihm fest; denn er ist dein Leben. Er ist die Länge deines Lebens, das du in dem Land verbringen darfst, von dem du weißt: Der HERR hat deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen, es ihnen zu geben.

Heute ist der erste Donnerstag der Fastenzeit. Die Bahnlesung aus dem Jakobusbrief wird nun nicht mehr weitergeführt, sondern wir hören ganz andere Texte in dieser besonderen Gnadenzeit. Heute hören wir einen Text, dessen Thema vor ein paar Tagen bereits thematisiert worden ist. Es handelte sich um einen Ausschnitt aus dem Buch Jesus Sirach. In beiden Texten geht es darum, dass Gott uns vor die Wahl stellt und für eine richtige Entscheidung die Gnade verleiht. Deuteronomium nennt die beiden Dinge, zwischen denen man wählen kann, Segen und Fluch, aber auch Leben und Tod wie im Buch Jesus Sirach.
Es wird ferner erklärt, was mit Leben und Glück (hebr. הַטֹּ֑וב hatov „das Gute“), Tod und Unglück gemeint ist: In Vers 16 heißt es, dass man das Leben und das Glück wählt, wenn man Gott von ganzem Herzen liebt und „auf seinen Wegen“ geht, das heißt seine Gebote hält. Dies wird auch im Folgenden näher ausgedrückt, wenn es heißt: „und seine Gebote, Satzungen und Rechtsentscheide zu bewahren.“ Wenn wir Gottes Willen tun, wird es uns gut gehen und wir werden den Segen Gottes in allem haben. Gott wird die Israeliten in dem Land segnen, das er ihnen verheißen hat. Dieses „Land“ bezieht sich aber nicht nur auf die Israeliten damals, sondern auch auf den Hl. Boden der Kirche, die das neue Volk Gottes ist. Es bezieht sich vor allem aber auf das verheißene Land der Ewigkeit, auf das Himmelreich! Dies erwartet uns, wenn wir Gottes Willen in diesem Leben gelebt haben. In dieser Richtung verstehen wir die Verheißung des Lebens und der Fruchtbarkeit ebenfalls nicht nur wörtlich (für die Juden ist Nachkommenschaft und Weiterleben in den Nachkommen ein Zeichen des göttlichen Segens), sondern eben auch eschatologisch: Wenn wir Gottes Willen tun, werden wir auf geistiger Ebene fruchtbar, denn unsere Frucht, die wir bringen und die bleibt, sind Seelen, die wir für Christus gewinnen. Und das Leben bezieht sich dann auf das ewige Leben bei Gott.
In Vers 17 beginnt dann die Kehrseite mit Erklärungen dessen, was der Tod und das Unglück sind: Das Herz wendet sich von Gott ab und hört nicht – hier ist es, was Jesus immer wieder meint! Ohren zum Hören haben, aber nicht hören (mit dem Herzen!). Wenn das Herz nicht an Gott hängt, verliert man es an anderen Göttern und lässt sich zur Sünde verführen. Dies führt dazu, dass man ausgetilgt wird und aus dem verheißenen Land vertrieben wird. Das klingt für uns nach einem Déjà vu! So kam es schon mit dem ersten Menschenpaar, das aus dem Paradies vertrieben wurde aufgrund des Sündenfalls. Und so ist es nun mit dem ganzen Volk Israel, das in Sünde verfällt. Das betrifft auch uns heute: Wenn wir uns als Kirche von Gott absagen, werden wir ganz schnell den Bach hinuntergehen, denn wir entfernen uns dann aus dem verheißenen Land, aus dem Segensradius Gottes, aus der Gnade und dem Geist Gottes. Dies sehen wir an den vielen Schismatikern unserer heutigen Zeit. Sie haben ihre eigene Lehre entwickelt und so nicht mehr den Felsen Christi zur Grundlage. Mit einem einzigen Sturm bricht das ganze menschlich konstruierte Haus in sich zusammen oder erfährt weitere Spaltung. Dies ist auch auf den moralischen Zustand des Menschen zu beziehen: Wenn wir Gottes Willen nicht tun, werden wir ausgetilgt, nämlich verlieren wir den Stand der Gnade. Das Reich Gottes, zu dem wir eigentlich schon hier auf Erden gehören, kann also abhanden kommen. Und schließlich ist es anagogisch auszulegen: Wir verlieren das Himmelreich, wenn wir in unserer Lebenszeit den Stand der Gnade verlassen.
Beides steht einem offen und es liegt nun am Volk Israel, heute an uns, die richtige Entscheidung zu treffen. Gott hat uns dabei einen freien Willen geschenkt, damit wird uns für ihn entscheiden, nämlich aus Liebe, die nicht ohne freien Willen geht.
Wir müssen an dieser Stelle betonen, dass nicht Gott Bedingungen setzt im Sinne einer Erpressung: „Du hast zwar die freie Wahl, aber ich gebe dir nur dann Gutes, wenn du dich für mich entscheidest. Also hast du doch keine freie Wahl.“ Es ist vielmehr so, dass jede Entscheidung ihre Konsequenz hat und wenn wir uns gegen Gott entscheiden, uns von ihm entfernen. Wir selbst schneiden uns vom Segen ab, den Gott bereitwillig schenken würde, aber er schätzt unseren freien Willen und muss die Ablehnung akzeptieren. Er macht also keine Bedingungen, sondern wir selbst schneiden uns vom Segen ab.
Nochmals fordert Mose das Volk in dieser letzten Ansprache vor seinem Tod auf (dies ist nämlich das Buch Deuteronomium), das Leben zu wählen, denn Gott ist die Länge des Lebens. Von ihm hängt ab, ob und wie lange man im verheißenen Land leben darf. Wir beziehen dies absolut auf das Himmelreich, denn Gott ist die Länge unseres ewigen Lebens, also die Ewigkeit!
Entscheiden wir uns für Gott, damit wir auf ewig sein Heil schauen dürfen!

Ps 1
1 Selig der Mann, der nicht nach dem Rat der Frevler geht, nicht auf dem Weg der Sünder steht, nicht im Kreis der Spötter sitzt, 

2 sondern sein Gefallen hat an der Weisung des HERRN, bei Tag und bei Nacht über seine Weisung nachsinnt. 
3 Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Bächen voll Wasser, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen Blätter nicht welken. Alles, was er tut, es wird ihm gelingen. 
4 Nicht so die Frevler: Sie sind wie Spreu, die der Wind verweht. 
6 Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten, der Weg der Frevler aber verliert sich.

Heute beten wir den allerersten Psalm des Psalters. David schreibt hier eine Seligpreisung an den, der sich für Gott entschieden hat. Da hören wir eine wunderbare Betrachtung dessen, wie gut es einem geht, wenn man Gott gewählt hat. Wer „Gefallen an der Weisung des HERRN“ hat und Gottes Gebote nicht nur hält, sondern darüber auch nachdenkt, dann ist dieser Mensch wie ein Baum am Wasser. Er wächst und gedeiht direkt an der Quelle und ist absolut fruchtbar. Diese Fruchtbarkeit wird biologisch gesehen von den Juden als Zeichen des Segens betrachtet, aber wir gehen über das Wörtliche hinaus und denken an Jesu Worte: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt (Joh 15,16).“ Es ist eine geistige Fruchtbarkeit, die andere Menschen zu Kindern Gottes macht und so das Volk Gottes immer größer werden lässt. Jesus sagt sogar, dass die Entscheidung für Gott nicht der erste Schritt ist, sondern die Reaktion auf die Erwählung Gottes.
Gottes Segen zeigt sich bei dem, der Gott gewählt hat, daran, dass ihm alles gelingt und die Gebete erhört werden. Die nie verwelkenden Blätter werden zum eschatologischen Zeichen, zum Symbol für das ewige Leben für Gott, das auch beim nie verwelkenden Siegeskranz aufgegriffen wird, einer Metapher des NT.
Dagegen sind die Frevler, die Gott ablehnen, wie vom Wind verwehte Spreu. Sie sind nicht unvergänglich, sondern absolut kurzlebig. Kommt ein Windstoß, sind sie dahin. Versucht man einen Weg ohne Gott, verläuft man sich in eine ganz böse Sackgasse. Es ist ein Holzweg, der ins Nirgendwo führt – beziehungsweise in die ewige Gottesferne, in die Hölle!
Dies stellt dann den ewigen Tod dar, nicht mehr das ewige Leben.

Lk 9
22 Und er sagte: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er muss getötet und am dritten Tage auferweckt werden.

23 Zu allen sagte er: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
24 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten. 
25 Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt?

Heute macht Jesus eine Leidensankündigung, die uns schon auf das Ende der Fastenzeit hinweist – auf die Passion Christi, die sich vom Donnerstagabend bis zum Freitagmittag hinziehen wird: „Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden.“ Was Jesus dadurch den Aposteln erklärt, ist die Notwendigkeit der Ereignisse. Es muss so passieren, weil sonst die ganze Menschheit nicht erlöst werden kann. Er kündigt aber auch gleichzeitig an, dass er von den Toten auferstehen wird.
Dies alles bezieht er aber nicht nur auf sein eigenes Lebensende, sondern auch auf die, die ihm nachfolgen. Auch sie müssen leiden, wenn sie seine Jünger sein wollen. Auch sie werden ihr Leben gering achten oder sogar verlieren, aber dafür ihr ewiges Leben retten. Was hier durch die Leidensankündigung Jesu deutlich wird, ist noch etwas Anderes: Der Mensch, der durch die Sünde Gott ablehnt, zieht auch Unschuldige mit in seinen Sumpf. Jesus kann wirklich von sich behaupten, dass er ohne Sünde war. Und doch musste er sterben aufgrund der Ablehnung Gottes durch die Hohenpriester, Ältesten und Schriftgelehrten. Wenn wir als seine Jünger in dieser Welt leben, werden auch wir leiden müssen, weil die Menschen Gott nicht nur annehmen, sondern auch ablehnen. Durch die Sünde des Anderen werden auch wir in das Leiden hineingezogen. Davor bleibt auch der Unschuldige nicht bewahrt.
Und wenn wir versuchen, uns vor dem Leiden zu drücken, verlieren wir dafür das ewige Leben. Das ist ja unvernünftig, denn was ist dieses zeitlich begrenzte Leben im Gegensatz zum ewigen Leben?

Jesu Jünger zu werden entspricht der Entscheidung für Gott laut Deuteronomium und Psalm 1. Es zeigt uns zugleich, dass wir nicht nur ein schönes Leben haben werden, nur weil wir uns für Gott entschieden haben. Im Gegenteil. Uns wird sogar sehr viel Leiden erwarten, obwohl wir im Stand der Gnade sind! Jesus rüttelt sehr stark an dem Tun-Ergehen-Zusammenhang, aber nicht deshalb, weil Gott ein Sadist ist, der seine Kinder leiden lassen will. Es liegt an der Ablehnung der Anderen, die hohe Wellen bis zu uns schlägt. Auch wir müssen deshalb unschuldig leiden. Das ist die Ungerechtigkeit der Sünde und der gefallenen Schöpfung. Und doch muss es so kommen, weil nur so diese Menschen gerettet werden können. Wir sühnen für sie mit, die in Sünde sind. Wir sind wie Simon von Cyrene, der das Kreuz Jesu mitgetragen hat. Wir tragen die anderen mit, auf dass sie sich bekehren und gerettet werden. Warum aber werden wir im Namen Jesu so viel leiden müssen? Weil Jesus ein zweischneidiges Schwert ist, an dem sich die Geister scheiden. Bei Jesus wird jeder vor eine Entscheidung gestellt. Und so entscheiden sich bei ihm sehr viele dagegen.

Was wir in dieser Fastenzeit nun tun müssen, ist wieder neu eine Entscheidung zu treffen. Für Gott. Erneuern wir unser Liebesbündnis mit ihm, der uns das Leben geschenkt hat (das irdische Leben, aber vielmehr auch das ewige Leben!). Sagen wir ihm aufs Neue unser Ja und kehren wir neu um, ändern wir unser Leben, sodass wir mit einem neuen Herzen auf Ostern zugehen können. Die Beichte ist deshalb ein ganz wichtiger Schritt dahin.

Ihre Magstrauss

Montag der 2. Woche im Jahreskreis

1 Sam 15,16-23; Ps 50,8-9.16b-17.21 u. 23; Mk 2,18-22

1 Sam 15
16 Da sagte Samuel zu Saul: Hör auf! Ich will dir verkünden, was der HERR mir heute Nacht gesagt hat. Saul antwortete: Sprich! 
17 Samuel sagte: Bist du nicht, obwohl du dir gering vorkommst, das Haupt der Stämme Israels? Der HERR hat dich zum König von Israel gesalbt. 
18 Dann hat dich der HERR auf den Weg geschickt und gesagt: Geh und vollziehe an den Übeltätern, an den Amalekitern, den Bann; kämpfe gegen sie, bis du sie vernichtet hast! 
19 Warum hast du nicht auf die Stimme des HERRN gehört, sondern hast dich auf die Beute gestürzt und getan, was dem HERRN missfällt? 
20 Saul erwiderte Samuel: Ich habe doch auf die Stimme des HERRN gehört; ich bin den Weg gegangen, auf den der HERR mich geschickt hat; ich habe Agag, den König von Amalek, hergebracht und an den Amalekitern den Bann vollzogen. 
21 Aber das Volk hat von der Beute einige Schafe und Rinder genommen, das Beste vom Banngut, um es dem HERRN, deinem Gott, in Gilgal zu opfern. 
22 Samuel aber sagte: Hat der HERR an Brandopfern und Schlachtopfern das gleiche Gefallen wie am Gehorsam gegenüber der Stimme des HERRN? Wahrhaftig, Gehorsam ist besser als Opfer, Hinhören besser als das Fett von Widdern. 
23 Denn wie Sünde der Wahrsagerei ist Widerspenstigkeit, wie Frevel mit Götzenbildern ist Auflehnung. Weil du das Wort des HERRN verworfen hast, verwirft er dich als König.

Der heutige Abschnitt aus dem ersten Samuelbuch schließt sich an einige in der Leseordnung ausgelassene Kapitel an. In diesen verwandelt Gott Sauls Herz und erfüllt ihn mit dem Hl. Geist, dass er ausgerüstet ist mit allen Gaben, die er als König braucht. Nicht alle Israeliten akzeptieren ihn als König und erst nach einer Bewährungsprobe (Saul beweist seine Führungsqualitäten, sein Kriegstalent und seine Autorität) wird seine Salbung in Gilgal erneuert. Samuel warnt sowohl den König als auch das Volk eindringlich, von nun an Gottes Willen zu halten, um nicht endgültig dahingerafft zu werden. Gott ist geduldig und ging sogar dem Wunsch des Volkes nach einem König nach. Dann kommt es, wie es nicht kommen sollte – Saul verspielt seine Chance, indem er Gott wiederum unter die Arme greift und auf eigene Faust ein Brandopfer darbringt. Er befolgt nicht gehorsam, was Samuel ihm aufträgt, und dieser warnt ihn vor, dass seine Tage als König gezählt sind. Dennoch hat Saul zunächst viel Erfolg bei den Kriegen, die er gegen die umliegenden Völker führt. Die Philister besiegt er allerdings noch nicht. Heute hören wir nun, dass Saul zum zweiten Mal seine Chance als König verspielt hat.
Ihm wird aufgetragen, die Amalekiter zu schlagen, weil sie sich damals beim Auszug aus Ägypten den Israeliten in den Weg gestellt haben. Saul befolgt Gottes Anweisung nicht ganz, sondern nimmt sich aus Habgier die beste Kriegsbeute. Er ist noch so unaufrichtig und behauptet, er habe das beste Vieh als Opfertiere verschont. Selbst wenn er dies ehrlich meinen würde, hätte er zum wiederholten Mal Gott unter die Arme gegriffen. Er tut nicht, was Gott ihm aufträgt, sondern weiß es immer wieder besser. Und dann erklärt Samuel Saul die Prioritäten Gottes durch die rhetorische Frage: „Hat der HERR an Brandopfern und Schlachtopfern das gleiche Gefallen wie am Gehorsam gegenüber der Stimme des HERRN?“ Wir lesen es immer wieder in den Psalmen: Gott hasst die Opfer nicht, sonst hätte er sie Mose ja nicht so detailliert aufgetragen. Aber den Willen Gottes zu tun steht über der Opfertätigkeit. Und Saul ist mehrfach dadurch aufgefallen, dass er den Willen Gottes gerade nicht befolgt.
Er hat sich durch sein Verhalten damit selbst ins Aus geschossen. Moralisch gesehen hat er den Stand der Gnade verlassen. Auch in der Kirche sind wir versucht, Gott unter die Arme zu greifen, indem wir uns nicht an die Gebote halten und durch die Feier der Sakramente die Gnade mehren, sondern indem wir die gesamte kirchliche Tätigkeit in einen semipolitischen Aktivismus verwandeln. Wir werden selbst tätig, ohne Gott einzubeziehen. Wir bilden uns ein, dass wir tatsächlich weit kommen können, indem wir menschliche Aktionen starten, die Menschen vielleicht kurzzeitig anziehen, aber ohne dass sie eine innere Bekehrung erleben. Auch im alltäglichen Leben meinen wir, unser Glück selbst in die Hand nehmen zu müssen, und geraten ganz schnell an unsere Grenzen. Mit dem Kopf durch die Wand kommen wir aber nicht voran. Wir reiben uns auf und sind ganz schnell ausgebrannt. Würden wir doch aus der Quelle der göttlichen Gnade schöpfen, würden wir viel mehr erreichen!
So hat Saul sein Königtum verspielt und Gott wird seinen Heilsplan weiterführen – mit einem neuen Kandidaten. Von diesem werden wir die Tage noch hören.

Ps 50
8 Nicht wegen deiner Opfer rüge ich dich, deine Brandopfer sind mir immer vor Augen. 
9 Aus deinem Haus nehme ich keinen Stier an, keine Böcke aus deinen Hürden. Was zählst du meine Gebote auf und führst meinen Bund in deinem Mund?
17 Dabei war Zucht dir verhasst, meine Worte warfst du hinter dich.
21 Das hast du getan und ich soll schweigen? Meinst du, ich bin wie du? Ich halte es dir vor Augen und rüge dich.
23 Wer Opfer des Dankes bringt, ehrt mich; wer den rechten Weg beachtet, den lasse ich das Heil Gottes schauen.

Der Psalm trifft den Nagel auf den Kopf, den wir schon in der Lesung betrachtet haben: Gott hat nichts gegen die Opfer der Israeliten, er hat sie ja eingesetzt. Das Problem ist, dasselbe wie wir bis heute beobachten: Man macht es sich leicht, indem man paar Opfer bringt, ohne an der Beziehung zu Gott zu arbeiten, sprich ohne seinen Willen zu befolgen und dadurch in seiner Liebe zu bleiben. Das wäre ja auch anstrengender und unattraktiver. Gott selbst spricht hier „aus deinem Haus nehme ich keinen Stier an…“. Denn Gott sieht unser Herz. Er sieht die Aufrichtigkeit und die Unaufrichtigkeit. Er sieht, dass die Menschen sich vor ihm gerecht machen möchten, ohne das wirklich dafür Notwendige zu tun – ihm zu gehorchen. Das Volk tut Gottes Willen nicht („meine Worte warfst du hinter dich“). Und dieser Vers ist prophetisch, denn Jesus, das fleischgewordene Wort werden sie auch verwerfen.
Gott ist es aber nicht egal, wie unsere Beziehung zu ihm ist. Er konfrontiert uns damit und versucht immer wieder, uns zurückzuholen. Er möchte die Beziehung retten, weil er uns liebt. Deshalb hält er es den Menschen vor Augen und rügt sie. Das zeigt uns, dass er uns nie aufgibt. Das ist bei den Israeliten so, das ist in der Kirche so, das ist bei jedem Menschen so. Gott gibt uns jeden Tag so viele Chancen, umzukehren und von Neuem zu beginnen. Nutzen wir diese Gnade, damit er uns am Ende unseres Lebens nicht genau diese Unbußfertigkeit vorhalten kann. Dann ist es nämlich zu spät.
Das „Heil Gottes“ schauen wir, wenn wir im Stand der Gnade sind („wer den rechten Weg beachtet“). Das gilt für die Israeliten, die jedesmal in Fremdherrschaft oder andere Probleme geraten, wenn sie Gott nicht gehorchen. Das gilt auch für die Kirche, deren heutige Krise eben kein Strukturproblem, Machtproblem oder was auch immer ist, sondern einzig und allein ein Glaubensproblem. Wo das Evangelium nicht mehr begeistert gefeiert wird, wo keine brennenden Zeugen den Glauben mehr vorleben, wo die Liturgie nicht mehr als etwas Sakrales betrachtet wird, wo Gott den Mittelpunkt darstellt, da entfernen wir uns von der Quelle der Gnade, von Gott. Dann müssen wir uns nicht wundern, dass die Menschen in Scharen die Kirche verlassen. Das alles gilt auch für uns alltägliches Leben. Gott hat einen wunderbaren Plan mit jedem Menschen. Wenn wir all unsere Potenziale ausschöpfen würden, die Gott zur Umsetzung seines Plans in uns gelegt hat, würden wir ein erfülltes, glückliches Leben führen. Stattdessen sind wir unglücklich und leer, weil wir unser Glück selbst in die Hand nehmen wollen. Dabei sagt Jesus ganz deutlich: „Getrennt von mir könnt ihr nichts tun.“ So ist es. Das wird sich am Ende unseres Lebens rächen. Dann werden wir nämlich den ewig vermissen, den wir unser Leben lang abgelehnt haben. Wenn wir dagegen unser Leben lang die „Ohren gespitzt“ und nach dem Willen Gottes gesucht haben, werden wir am Ende unseres Lebens „das Heil schauen“, die hebräische Formulierung אַ֝רְאֶ֗נּוּ בְּיֵ֣שַׁע ar’enu bejescha sagt es wortwörtlich: Wir werden Jesus sehen.
Die Rechtfertigung vor Gott ohne große Umstände ist in unserer heutigen Zeit so aktuell wie nie. Wir sehen den Esoterikboom ohne gleichen, wo sehr häufig Konzepte angeboten werden, die uns ein erfülltes, leidloses und glückliches Leben ohne innere Umkehr versprechen. Dann muss man seine Möbel in bestimmter Weise aufstellen, da muss man regelmäßig Meditieren oder eine bestimmte Ernährung einhalten, dann wird das Leid einen verlassen. So einfach ist es aber nicht. Wenn man sich innerlich nicht ändert, wird auch das Äußere nichts ausrichten.

Mk 2
18 Da die Jünger des Johannes und die Pharisäer zu fasten pflegten, kamen Leute zu Jesus und sagten: Warum fasten deine Jünger nicht, während die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer fasten? 
19 Jesus antwortete ihnen: Können denn die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Solange der Bräutigam bei ihnen ist, können sie nicht fasten. 
20 Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam weggenommen sein; dann werden sie fasten, an jenem Tag. 
21 Niemand näht ein Stück neuen Stoff auf ein altes Gewand; denn der neue Stoff reißt vom alten Gewand ab und es entsteht ein noch größerer Riss. 
22 Auch füllt niemand jungen Wein in alte Schläuche. Sonst zerreißt der Wein die Schläuche; der Wein ist verloren und die Schläuche sind unbrauchbar. Junger Wein gehört in neue Schläuche.

Das heutige Evangelium greift den Kern der Lesung und des Psalms auf: Gerecht vor Gott machen uns keine äußeren Handlungen, wenn sie ohne eine entsprechende innere Haltung begleitet werden. Die Hauptversuchten in dieser Richtung sind zur Zeit Jesu die Pharisäer.
Der Streitpunkt ist dabei das Fasten, eine Sache, die man nach außen hin durchaus zur Schau stellen konnte. Jesus erklärt an anderer Stelle die richtige Haltung beim Fasten, wo die pharisäische Haltung uns vermittelt wird: „Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten“ (Mt 6,16).
Die Johannesjünger und die Pharisäer fasten zusätzlich zu den gebotenen Fastentagen für die Juden. Bei den Johannesjüngern geht es dabei um die Buße für den kommenden Messias. Das ist ihre Berufung. Die Pharisäer sühnen ursprünglich für das Volk, aber leider sind sie versucht, dies den anderen vorzuhalten oder sich höher zu stellen als der Rest. Sie verkennen dabei, dass nicht der Unterschied in der Fastenpraxis sie vor Gott gerechter machen kann als die anderen. Die eigene Reue und Umkehr, das Tun des Willens Gottes, der Gehorsam macht Gerecht vor Gott.
Jesus ist der Messias. Er muss nicht wie die Johannesjünger fasten, weil er ja das Ziel ihrer Vorbereitung ist. Er ist der Bräutigam, der um seine Braut Israel wirbt. Jetzt ist der Bräutigam da und er möchte durch seine Feiermentalität herausstellen, wer er ist. Im gesamten AT lesen wir diese Metapher der Braut Israel und des Bräutigams Gott. Dieser greift die Hauptmetapher der heiligen Schrift auf, die die Juden eigentlich erkennen sollten. Nun ist er so weit gegangen, Mensch zu werden, um ganz bei seiner Braut zu sein. Kann man da fasten? Natürlich nicht! Diejenigen, die sich an Jesu fehlendem Fasten stören, haben ihn als Messias nicht erkannt. Sie erkennen nicht, dass die Vorbereitungszeit vor dem Kommen des Messias schon abgeschlossen ist, weil die neue, messianische Heilszeit angebrochen ist!
Jesus deutet auch an, dass er sterben werde, weshalb der Bräutigam der Braut weggenommen werde. Für alles gibt es eine Zeit, so das Buch Kohelet. Jetzt ist die Zeit zum Feiern und mit Jesu Tod kommt das Fasten.
Ab Vers 21 versucht Jesus durch zwei Bilder die ganz neu angebrochene Epoche zu verdeutlichen. Mann kann keine zwei unterschiedlichen Stoffe aufeinandernähen, weil sie sonst reißen. Man kann keinen neuen Wein in alte Schläuche gießen, weil diese zerbersten. Was Jesus durch die Bilder konkret sagen möchte: Ihr könnt nicht bei der angebrochenen messianischen Heilszeit weiterhin so tun, als sei er noch nicht da. Ihr könnt nicht jetzt, wo ich direkt vor euch stehe, weiterhin auf den Messias warten. Dann fährt der Zug ohne euch ab. Mit dem gekommenen Messias müsst ihr eine vollkommen neue Verhaltensweise an den Tag legen.
Auch für uns sind das zwei wichtige Bilder, die an uns appellieren: Wir können nicht Jesus nachfolgen und dabei noch ein bisschen an dem alten sündigen Leben hängen. Wenn wir als Neugetaufte in die Gemeinschaft der Kirche eingegliedert worden sind, sind wir neugeboren im Heiligen Geist. Dann können wir nicht mehr so leben, als wären wir nicht getauft. Wenn wir gebeichtet haben und zurück in den Stand der Gnade gekommen sind, können wir nicht die alten sündhaften Verhaltensweisen fortsetzen. Wir haben in der Beichte Jesus versprochen, uns zu ändern. Wenn wir trotzdem das alte Leben weiterführen, wird ein großer Schaden entstehen wie die zerbersteten Schläuche und der größere Riss im Stoff. Jetzt wo wir die Gnade der Vergebung erhalten haben und vor allem zur Erkenntnis unserer Sünde gelangt sind, werden wir viel größere Verantwortung für dieselben Vergehen tragen müssen. Jetzt tun wir die bösen Dinge ja, obwohl wir ihre Bosheit erkannt haben.

Wir erfahren nicht davon, wie die Fragesteller reagiert haben, aber es wäre schon interessant, ob der ein oder andere Jesu Worte verstanden hat und ihm nachgefolgt ist.
Gott hat in seinem Heilsplan den Höhepunkt erreicht. Er hat seinen einzigen Sohn dem auserwählten Volk an die Seite gestellt. Und auch hier ist es nicht ge-hor-sam – es hört nicht zu, was Gott ihm erklärt. Stattdessen will es die eigenen Dinge tun, um vor Gott gerecht zu werden (also lieber fasten, obwohl Gott ihnen in dieser Zeit signalisiert: „Jetzt nicht, meine Kinder! Ich bin gekommen, also lasst uns feiern!“). Die Selbstgerechten verpassen die Chance, die Gott ihnen bietet, so wie Saul und das Volk Israel in der Lesung.

Beten wir darum, dass Gott uns Ohren grabe, wie wir gestern im Psalm gebetet haben. Möge Gott uns ein hörendes Herz schenken und bemühen wir uns aufrichtig, seinen Willen für unser Leben zu erkennen. Er weiß es immer am besten und wenn wir tun, was er sagt, werden wir wirklich glücklich. Dann fließen die Gnadenströme in unserem Leben über und über. Dann werden wir Frucht bringen und erfüllt sein.

Ihre Magstrauss