Donnerstag der 2. Woche der Fastenzeit

Jer 17,5-10; Ps 1,1-2.3.4 u. 6; Lk 16,19-31

Jer 17
5 So spricht der HERR: Verflucht der Mensch, der auf Menschen vertraut, auf schwaches Fleisch sich stützt und dessen Herz sich abwendet vom HERRN. 

6 Er ist wie ein Strauch in der Steppe, der nie Regen kommen sieht; er wohnt auf heißem Wüstenboden, im Salzland, das unbewohnbar ist. 
7 Gesegnet der Mensch, der auf den HERRN vertraut und dessen Hoffnung der HERR ist. 
8 Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und zum Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, er hört nicht auf, Frucht zu tragen. 
9 Arglistig ohnegleichen ist das Herz und unverbesserlich. Wer kann es ergründen? 
10 Ich, der HERR, erforsche das Herz und prüfe die Nieren, um jedem zu geben nach seinen Wegen, entsprechend der Frucht seiner Taten.

Die heutigen Lesungen sind sehr paränetisch, geben also ein bestimmtes moralisches Verhalten vor und verwerfen einen unmoralischen Lebenswandel. Das Stichwort ist dabei das Vertrauen. Im Buch Jeremia überbringt der Prophet den Menschen folgende Botschaft Gottes: Auf Menschen zu vertrauen, ist verwerflich. Gott sagt sogar „verflucht“. Das hebräische Wort אָר֤וּר arur ist dabei mit „verflucht“ oder „verdammt“ zu übersetzen und meint nicht die Verfluchung Gottes, sondern die Konsequenz des Vertrauens auf Menschen: Wenn man so lebt, wird man in die ewige Verdammnis kommen und auch schon in diesem Leben die Verdammnis zu spüren bekommen – wenn dieses Vertrauen früher oder später missbraucht wird. Und das ist vorprogrammiert, weil kein Mensch perfekt ist. Gewiss soll das nicht heißen, dass man keinem Menschen mehr vertrauen darf, aber wenn das Vertrauen auf Menschen größer ist als das Gottvertrauen, ist es eine Vergötzung. Deshalb wendet sich das Herz von Gott ab, wie es in Vers 5 heißt.
Wer auf Menschen vertraut und Gott hinter sich lässt, wird keinen Segen haben. Erstens ist das Vertrauen auf Menschen begrenzt und unvollkommen, es ist fahrlässig, denn die Menschen sind nicht Gott. Zweitens haben sie keinen Segen, deshalb sind sie wie „ein Strauch in der Steppe“ ohne Wasser und leben auf Wüstenboden und Salzlandschaft.
Dagegen hat der Mensch, der auf Gott vertraut, überreichen Segen. Er ist wie ein Baum direkt an der Quelle. Wenn die Hitze kommt, also Probleme, Leiden und Prüfungen, hat er nichts zu fürchten, denn das Wasser der Quelle ist genug auch in trockenen Jahren. Der Mensch bringt weiterhin Frucht, auch in schweren Zeiten. Wir kennen es aus unserer heutigen Zeit: Vertrauen wir auf Menschen, geht das nur so lange gut, bis der Andere es sich anders überlegt, seine Grenzen erreicht und irgendwelche Dinge passieren. Dann ist er schneller weg, als wir denken und wir stehen alleine da. Das betrifft viele Bereiche, so zum Beispiel auch die Berühmtheit. Solange wir unseren Erfolg nur von Menschen abhängig machen, wird dieser nur so lange anhalten, wie die eigene Leistung, Kreativität etc. anhalten. Sobald man nicht mehr interessant ist, wenden sich die Menschen anderen Stars, Sportlern etc. zu und die eigene Karriere ist dahin. Überlässt man aber Gott die eigene Karriere und vertraut darauf, dass wenn es einem zuerst um sein Reich geht, dass er dann für alles Andere sorgt, so wird der Mensch sein Leben lang versorgt werden und muss nicht in Verzweiflung geraten.
Das Herz des Menschen ist arglistig. Das ist eine allzu verbreitete Beobachtung, die wir machen können. Da muss Gott wirklich daran wirken, dass es zu einem geradlinigen Herz wird, ohne krumme Wege und Hinterhältigkeiten. Wie oft ist der Mensch stur und verstockt?
Gott durchschaut jeden Hinterhalt und verleiht jedem Mensch, was er verdient bzw. gibt je nach „Frucht seiner Taten“. Wer Gottes Willen tut, wer dabei ein gutes Herz hat, der wird reichlich gesegnet. Jesus wird später sagen: „An den Früchten erkennt man den Baum“. Zwar ist das Entscheidende das Herz mit den Absichten hinter den Handlungen, aber es kann nicht das Gegenteil in der Handlung bestehen. Ein Kausalzusammenhang zwischen Herz und Tat ist schon erkennbar.

Ps 1
1 Selig der Mann, der nicht nach dem Rat der Frevler geht, nicht auf dem Weg der Sünder steht, nicht im Kreis der Spötter sitzt, 
2 sondern sein Gefallen hat an der Weisung des HERRN, bei Tag und bei Nacht über seine Weisung nachsinnt. 
3 Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Bächen voll Wasser, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen Blätter nicht welken. Alles, was er tut, es wird ihm gelingen. 
4 Nicht so die Frevler: Sie sind wie Spreu, die der Wind verweht. 
6 Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten, der Weg der Frevler aber verliert sich.

Auch der Psalm zeigt beide Wege auf, die der Mensch einschlagen kann. Das zwei-Wege-Schema ist typisch für paränetische Texte. Sie dienen der Ermahnung des Menschen zu einem gottgefälligen Lebenswandel. Selig ist dabei jener Mensch, der nicht auf das hört, was die Menschen vorgeben, der nicht nach der Meinung der Gesellschaft lebt. Wir würden heute sagen: Selig, wer kein Mitläufer ist, wer nicht mit der Masse geht, wenn die Masse aus „Spöttern“ besteht. Gemeint ist damit der Gotteslästerer, der keine Gottesfurcht oder zumindest Achtung vor Gott hat, wer sich über den Glauben lustig macht.
Selig ist, wer dagegen am Wort Gottes festhält, auch wenn er alleine dasteht. „Bei Tag und bei Nacht über seine Weisung nachsinnt“ deutet das „Sch’ma Israel“ an, das wichtigste Gebot, das in Dtn 6,4-9 belegt ist und jeder fromme Jude täglich beten sollte. Es geht um die Gottesliebe, darum, die Tora Gottes im Herzen zu tragen und stets darüber nachzudenken, so wie man ständig an den geliebten Menschen denkt.
Wenn das Herz des Menschen so an Gott hängt, ist er wie ein Baum an den Wasserbächen. Es ist wie bei Jeremia beschrieben ein Weg des Segens. Man wird alles von Gott erhalten, was man zum Leben braucht. Man wird nicht welken, denn dieses Vertrauen auf Gott ist ein Schöpfen aus der unvergänglichen Quelle. Menschen haben eine Grenze und sie missbrauchen das Vertrauen. Gott dagegen ist immer treu und unendlich großzügig im Geben. Wenn man auf seinem Weg geht, wird einem alles gelingen. Das ist der Ausdruck überreichen Segens.
Wer sich auf Irdisches stützt, vor allem auf sündige Menschen, wird wie Spreu vom Winde verweht. Es hat überhaupt keinen Bestand und bringt keine Frucht.
Wir müssen den letzten Vers richtig verstehen: Gott ist allwissend und kennt natürlich nicht nur den Weg des Gerechten, sondern auch dessen, der von ihm abgekehrt ist. Dieser Vers drückt aber aus, dass Gott jenem all den Segen gibt, der auf seinem Weg wandelt. Es ist wie mit der Endzeitrede Jesu in Mt 25, wo der Menschensohn zu den Böcken auf der linken Seite sagt: „Weg von mir, ich kenne euch nicht.“ Natürlich kennt Gott jeden Menschen, doch das ist ein Ausdruck des Absagens. Entscheidend ist dabei, warum Gott den Menschen von sich absagt: Weil dieser es sich so ausgesucht hat. So ist es auch hier im Psalm. Gott akzeptiert, dass der Mensch von Gottes Weg abkehrt und von der Quelle weggeht. Er trägt also die Konsequenzen des ausbleibenden Segens. So verliert sich der Frevler, der auf Abwege gerät. Diese führen nämlich in die Gottesferne und ins ewige Leiden.

Lk 16
19 Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag glanzvolle Feste feierte. 

20 Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. 
21 Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. 
22 Es geschah aber: Der Arme starb und wurde von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. 
23 In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von Weitem Abraham und Lazarus in seinem Schoß. 
24 Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir und schick Lazarus; er soll die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer. 
25 Abraham erwiderte: Mein Kind, erinnere dich daran, dass du schon zu Lebzeiten deine Wohltaten erhalten hast, Lazarus dagegen nur Schlechtes. Jetzt wird er hier getröstet, du aber leidest große Qual. 
26 Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, sodass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte. 
27 Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters! 
28 Denn ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen. 
29 Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören. 
30 Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, aber wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren. 
31 Darauf sagte Abraham zu ihm: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.

Auch im Evangelium hören wir eine zwei-Wege-Geschichte. Es handelt sich dabei um ein Gleichnis, das Jesus erzählt: Ein armer Mann namens Lazarus lag vor der Tür eines reichen Mannes, der ein Leben voller Saus und Braus führte. Lazarus bekam von ihm nicht mal die Reste der übertriebenen Festmähler und litt unter schlimmen Geschwüren. Es kommt nun dazu, dass beide sterben. Während der reiche Prasser schlimme Qualen erleiden muss, ist Lazarus in Abrahams Schoß. Dies kann der reiche Mann von weitem sehen, aber zwischen ihnen befindet sich ein unüberwindlicher Abgrund. Er kann immerhin mit Abraham und Lazarus kommunizieren. Was Jesus hier beschreibt, können wir vielleicht besser erahnen, wenn wir den größeren heilsgeschichtlichen Kontext bedenken: Zu jener Zeit ist das Paradies für alle Menschen unzugänglich. Also ist auch Abraham mit den anderen Gerechten des Alten Testaments an einem Ort, an dem er zwar nicht leidet, aber an dem er voller Sehnsucht warten muss. Die Kirche hat diesen Ort Limbus oder Vorhölle genannt. Er war für die Gerechten bestimmt, die nach der Erlösungstat Jesu Christi aber in den Himmel durften. Dieser „Ort“ ist nun also „leer“. Der arme Lazarus wird also in diese Vorhölle gekommen sein, wo Abraham ihn getröstet hat. Dieser Trost ist als Abrahams Schoß bezeichnet worden. Jesus greift hier jüdische Vorstellungen auf, mit denen seine Zuhörer etwas anfangen können. So wählt Jesus immer Gleichnisse, die die Lebensbereiche der Zuhörer aufgreifen.
Der reiche Prasser leidet schwere Qualen und es ist die Rede von Feuer. Er kann nicht von dort weg und er erhält seine Straße für sein Verhalten im Leben. Es handelt sich wohl um die Hölle (das griechische Wort ist ἅιδης haides). Mit Hades ist nicht automatisch die Hölle gemeint, sondern das gesamte Totenreich. Wie es hier beschrieben wird, können wir dennoch davon ausgehen, dass Lazarus in die Hölle gekommen ist. Da er aber mit denen in der Vorhölle kommunizieren kann, bleibt die Unsicherheit, ob er nicht doch im Fegefeuer ist.
Er bittet um ein wenig Wasser für die Zunge, um die Feuerqualen für einen Moment zu erleichtern. Wir Christen glauben, dass wir dies für die Seelen im Fegefeuer wirklich tun können, für die Seelen in der Hölle aber nicht. Wir glauben, dass mit dem Besprengen von Weihwasser für die Armen Seelen im Fegefeuer diese kleine Erleichterung erwirkt wird. Deshalb spritzen wir auf dem Friedhof am Grab vermehrt das Weihwasser im Gebet für die Toten. Das können wir zuhause aber immer wieder tun. Unterschätzen wir nicht die Kraft des Weihwassers, auch jetzt in der Corona-Pandemie…
Der reiche Prasser bittet Abraham darum, Lazarus zu seinen noch lebenden Brüdern als Warnung zu schicken. Das erzählt Jesus, um seinen Zuhörern klarzumachen: Mit dem Tod ist es zu spät, umzukehren. Und Spiritismus ist eine Sünde. Wir können keine Geister beschwören, um Gottes Willen zu erfragen. Was wir tun können, ist die Umkehr zu Lebzeiten. Und Abraham trifft es auf den Punkt, wenn er entgegnet: Sie sollen auf die Propheten hören. Wenn sie das nicht getan haben, werden sie auf einen Auferstandenen ebenfalls nicht hören. Wir denken alle an Jesus Christus, der von den Toten auferstanden ist. Wer die Torah schon missachtet hat – auch gerade jene, die ihre Bedeutung umgekehrt hat oder ein menschliches Konstrukt darum gebaut haben – glauben auch nicht an den auferstandenen Messias. Wer nicht glauben will, glaubt auch bei spektakulären Wundern nicht. Das Herz ist verhärtet. Nichts reicht an das Herz heran.
Jesus erzählt dieses Gleichnis, nicht um zu sagen: Alle Reichen kommen in die Hölle und alle Armen in den Schoß Abrahams (für uns ist das Höchste nun der Himmel). Der reiche Prasser kam nicht wegen seinem Reichtum in die Hölle, sondern weil er davon nichts dem armen Lazarus gegeben hat. Dieser lag direkt an seiner Haustür und er hat nichts für ihn getan, sodass dieser arme Mann in absoluter Schande verreckt ist (Hunde sind hier sehr negativ konnotiert und betonen die Schändlichkeit und Ohnmacht). Der reiche Mann verprasste alles und lebte ein unmoralisches Leben. Er hat die große Verantwortung, die mit einem großen Vermögen einhergeht, nicht übernommen, sondern sich selbst sein Grab geschaufelt. Wir müssen auch umkehrt sagen, dass ein armer Mensch nicht gleich arm im Geiste ist. Wer wenig Geld hat, kommt nicht automatisch in den Himmel. Auch finanziell Mittellose können wie Reiche denken und habgierig sein, nach Macht streben und ihr Herz kann an weltlichen Dingen hängen, die sie nicht besitzen. Dann ist das ebenfalls ein unmoralisches Verhalten. Lazarus kam nicht wegen seiner Armut in Abrahams Schoß, sondern wegen seiner Haltung. Er war offensichtlich nicht neidisch oder böse auf den reichen Prasser, sondern er vertraute sein Leben ganz Gott an. So hat dieser ihn nach dem Tod getröstet.
Jesus möchte uns heute mit dem Evangelium nicht Angst einjagen, sondern sagen: Kehr noch heute um, bevor es zu spät ist. In welchem Lebensstand du auch stehst – entscheide dich dafür, dein Herz mir ganz anzuhängen, sodass dein Reichtum sowie deine Armut dich nicht vom Weg Gottes abbringen. Bist du reich, setze dein Vermögen für das Reich Gottes ein und nicht für ein Leben in Saus und Braus. Hast du weniger, strebe nicht danach, reich zu werden, sondern bringe dich anders in das Reich Gottes ein. Hadere nicht mit Gott, denn er wird schon wissen, warum er dich nicht zum Millionär macht. Das Geld, das Gott uns schenkt, ist nicht für uns allein. Ebenso die Talente. Wer viel bekommt, soll viel geben, denn Gott hat immer einen Plan mit uns, wenn er uns Gaben schenkt. Gehen wir verantwortungslos damit um, nimmt er es uns ganz schnell weg, nicht weil er so gemein ist, sondern damit wir zur Besinnung kommen und nicht wie der reiche Prasser in der Hölle landen.

Heute werden uns die beiden Wege noch einmal vor Augen geführt, die wir nun in der Fastenzeit bewusster eine Entscheidung zwischen beiden Wegen treffen sollen: Gehen wir auf dem Weg Gottes oder machen wir uns auf dem Weg in die Gottesferne? Der Umgang mit Finanzen ist nur ein einziges Beispiel von vielen, die die Früchte unserer Entscheidung darstellen. Jesus führt uns immer vor die Entscheidung. Wir können uns nicht einbilden, dass wir einen Zwischenzustand ohne Entscheidung leben können.

Ihre Magstrauss

Donnerstag nach Aschermittwoch

Dtn 30,15-20; Ps 1,1-2.3.4 u. 6; Lk 9,22-25

Dtn 30
15 Siehe, hiermit lege ich dir heute das Leben und das Glück, den Tod und das Unglück vor, nämlich so: 

16 Ich selbst verpflichte dich heute, den HERRN, deinen Gott, zu lieben, auf seinen Wegen zu gehen und seine Gebote, Satzungen und Rechtsentscheide zu bewahren, du aber lebst und wirst zahlreich und der HERR, dein Gott, segnet dich in dem Land, in das du hineinziehst, um es in Besitz zu nehmen. 
17 Wenn sich aber dein Herz abwendet und nicht hört, wenn du dich verführen lässt, dich vor anderen Göttern niederwirfst und ihnen dienst – 
18 heute erkläre ich euch: Dann werdet ihr ausgetilgt werden; ihr werdet nicht lange in dem Land leben, in das du jetzt über den Jordan hinüberziehst, um hineinzuziehen und es in Besitz zu nehmen. 
19 Den Himmel und die Erde rufe ich heute als Zeugen gegen euch an. Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch. Wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen. 
20 Liebe den HERRN, deinen Gott, hör auf seine Stimme und halte dich an ihm fest; denn er ist dein Leben. Er ist die Länge deines Lebens, das du in dem Land verbringen darfst, von dem du weißt: Der HERR hat deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen, es ihnen zu geben.

Heute ist der erste Donnerstag der Fastenzeit. Die Bahnlesung aus dem Jakobusbrief wird nun nicht mehr weitergeführt, sondern wir hören ganz andere Texte in dieser besonderen Gnadenzeit. Heute hören wir einen Text, dessen Thema vor ein paar Tagen bereits thematisiert worden ist. Es handelte sich um einen Ausschnitt aus dem Buch Jesus Sirach. In beiden Texten geht es darum, dass Gott uns vor die Wahl stellt und für eine richtige Entscheidung die Gnade verleiht. Deuteronomium nennt die beiden Dinge, zwischen denen man wählen kann, Segen und Fluch, aber auch Leben und Tod wie im Buch Jesus Sirach.
Es wird ferner erklärt, was mit Leben und Glück (hebr. הַטֹּ֑וב hatov „das Gute“), Tod und Unglück gemeint ist: In Vers 16 heißt es, dass man das Leben und das Glück wählt, wenn man Gott von ganzem Herzen liebt und „auf seinen Wegen“ geht, das heißt seine Gebote hält. Dies wird auch im Folgenden näher ausgedrückt, wenn es heißt: „und seine Gebote, Satzungen und Rechtsentscheide zu bewahren.“ Wenn wir Gottes Willen tun, wird es uns gut gehen und wir werden den Segen Gottes in allem haben. Gott wird die Israeliten in dem Land segnen, das er ihnen verheißen hat. Dieses „Land“ bezieht sich aber nicht nur auf die Israeliten damals, sondern auch auf den Hl. Boden der Kirche, die das neue Volk Gottes ist. Es bezieht sich vor allem aber auf das verheißene Land der Ewigkeit, auf das Himmelreich! Dies erwartet uns, wenn wir Gottes Willen in diesem Leben gelebt haben. In dieser Richtung verstehen wir die Verheißung des Lebens und der Fruchtbarkeit ebenfalls nicht nur wörtlich (für die Juden ist Nachkommenschaft und Weiterleben in den Nachkommen ein Zeichen des göttlichen Segens), sondern eben auch eschatologisch: Wenn wir Gottes Willen tun, werden wir auf geistiger Ebene fruchtbar, denn unsere Frucht, die wir bringen und die bleibt, sind Seelen, die wir für Christus gewinnen. Und das Leben bezieht sich dann auf das ewige Leben bei Gott.
In Vers 17 beginnt dann die Kehrseite mit Erklärungen dessen, was der Tod und das Unglück sind: Das Herz wendet sich von Gott ab und hört nicht – hier ist es, was Jesus immer wieder meint! Ohren zum Hören haben, aber nicht hören (mit dem Herzen!). Wenn das Herz nicht an Gott hängt, verliert man es an anderen Göttern und lässt sich zur Sünde verführen. Dies führt dazu, dass man ausgetilgt wird und aus dem verheißenen Land vertrieben wird. Das klingt für uns nach einem Déjà vu! So kam es schon mit dem ersten Menschenpaar, das aus dem Paradies vertrieben wurde aufgrund des Sündenfalls. Und so ist es nun mit dem ganzen Volk Israel, das in Sünde verfällt. Das betrifft auch uns heute: Wenn wir uns als Kirche von Gott absagen, werden wir ganz schnell den Bach hinuntergehen, denn wir entfernen uns dann aus dem verheißenen Land, aus dem Segensradius Gottes, aus der Gnade und dem Geist Gottes. Dies sehen wir an den vielen Schismatikern unserer heutigen Zeit. Sie haben ihre eigene Lehre entwickelt und so nicht mehr den Felsen Christi zur Grundlage. Mit einem einzigen Sturm bricht das ganze menschlich konstruierte Haus in sich zusammen oder erfährt weitere Spaltung. Dies ist auch auf den moralischen Zustand des Menschen zu beziehen: Wenn wir Gottes Willen nicht tun, werden wir ausgetilgt, nämlich verlieren wir den Stand der Gnade. Das Reich Gottes, zu dem wir eigentlich schon hier auf Erden gehören, kann also abhanden kommen. Und schließlich ist es anagogisch auszulegen: Wir verlieren das Himmelreich, wenn wir in unserer Lebenszeit den Stand der Gnade verlassen.
Beides steht einem offen und es liegt nun am Volk Israel, heute an uns, die richtige Entscheidung zu treffen. Gott hat uns dabei einen freien Willen geschenkt, damit wird uns für ihn entscheiden, nämlich aus Liebe, die nicht ohne freien Willen geht.
Wir müssen an dieser Stelle betonen, dass nicht Gott Bedingungen setzt im Sinne einer Erpressung: „Du hast zwar die freie Wahl, aber ich gebe dir nur dann Gutes, wenn du dich für mich entscheidest. Also hast du doch keine freie Wahl.“ Es ist vielmehr so, dass jede Entscheidung ihre Konsequenz hat und wenn wir uns gegen Gott entscheiden, uns von ihm entfernen. Wir selbst schneiden uns vom Segen ab, den Gott bereitwillig schenken würde, aber er schätzt unseren freien Willen und muss die Ablehnung akzeptieren. Er macht also keine Bedingungen, sondern wir selbst schneiden uns vom Segen ab.
Nochmals fordert Mose das Volk in dieser letzten Ansprache vor seinem Tod auf (dies ist nämlich das Buch Deuteronomium), das Leben zu wählen, denn Gott ist die Länge des Lebens. Von ihm hängt ab, ob und wie lange man im verheißenen Land leben darf. Wir beziehen dies absolut auf das Himmelreich, denn Gott ist die Länge unseres ewigen Lebens, also die Ewigkeit!
Entscheiden wir uns für Gott, damit wir auf ewig sein Heil schauen dürfen!

Ps 1
1 Selig der Mann, der nicht nach dem Rat der Frevler geht, nicht auf dem Weg der Sünder steht, nicht im Kreis der Spötter sitzt, 

2 sondern sein Gefallen hat an der Weisung des HERRN, bei Tag und bei Nacht über seine Weisung nachsinnt. 
3 Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Bächen voll Wasser, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen Blätter nicht welken. Alles, was er tut, es wird ihm gelingen. 
4 Nicht so die Frevler: Sie sind wie Spreu, die der Wind verweht. 
6 Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten, der Weg der Frevler aber verliert sich.

Heute beten wir den allerersten Psalm des Psalters. David schreibt hier eine Seligpreisung an den, der sich für Gott entschieden hat. Da hören wir eine wunderbare Betrachtung dessen, wie gut es einem geht, wenn man Gott gewählt hat. Wer „Gefallen an der Weisung des HERRN“ hat und Gottes Gebote nicht nur hält, sondern darüber auch nachdenkt, dann ist dieser Mensch wie ein Baum am Wasser. Er wächst und gedeiht direkt an der Quelle und ist absolut fruchtbar. Diese Fruchtbarkeit wird biologisch gesehen von den Juden als Zeichen des Segens betrachtet, aber wir gehen über das Wörtliche hinaus und denken an Jesu Worte: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt (Joh 15,16).“ Es ist eine geistige Fruchtbarkeit, die andere Menschen zu Kindern Gottes macht und so das Volk Gottes immer größer werden lässt. Jesus sagt sogar, dass die Entscheidung für Gott nicht der erste Schritt ist, sondern die Reaktion auf die Erwählung Gottes.
Gottes Segen zeigt sich bei dem, der Gott gewählt hat, daran, dass ihm alles gelingt und die Gebete erhört werden. Die nie verwelkenden Blätter werden zum eschatologischen Zeichen, zum Symbol für das ewige Leben für Gott, das auch beim nie verwelkenden Siegeskranz aufgegriffen wird, einer Metapher des NT.
Dagegen sind die Frevler, die Gott ablehnen, wie vom Wind verwehte Spreu. Sie sind nicht unvergänglich, sondern absolut kurzlebig. Kommt ein Windstoß, sind sie dahin. Versucht man einen Weg ohne Gott, verläuft man sich in eine ganz böse Sackgasse. Es ist ein Holzweg, der ins Nirgendwo führt – beziehungsweise in die ewige Gottesferne, in die Hölle!
Dies stellt dann den ewigen Tod dar, nicht mehr das ewige Leben.

Lk 9
22 Und er sagte: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er muss getötet und am dritten Tage auferweckt werden.

23 Zu allen sagte er: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
24 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten. 
25 Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt?

Heute macht Jesus eine Leidensankündigung, die uns schon auf das Ende der Fastenzeit hinweist – auf die Passion Christi, die sich vom Donnerstagabend bis zum Freitagmittag hinziehen wird: „Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden.“ Was Jesus dadurch den Aposteln erklärt, ist die Notwendigkeit der Ereignisse. Es muss so passieren, weil sonst die ganze Menschheit nicht erlöst werden kann. Er kündigt aber auch gleichzeitig an, dass er von den Toten auferstehen wird.
Dies alles bezieht er aber nicht nur auf sein eigenes Lebensende, sondern auch auf die, die ihm nachfolgen. Auch sie müssen leiden, wenn sie seine Jünger sein wollen. Auch sie werden ihr Leben gering achten oder sogar verlieren, aber dafür ihr ewiges Leben retten. Was hier durch die Leidensankündigung Jesu deutlich wird, ist noch etwas Anderes: Der Mensch, der durch die Sünde Gott ablehnt, zieht auch Unschuldige mit in seinen Sumpf. Jesus kann wirklich von sich behaupten, dass er ohne Sünde war. Und doch musste er sterben aufgrund der Ablehnung Gottes durch die Hohenpriester, Ältesten und Schriftgelehrten. Wenn wir als seine Jünger in dieser Welt leben, werden auch wir leiden müssen, weil die Menschen Gott nicht nur annehmen, sondern auch ablehnen. Durch die Sünde des Anderen werden auch wir in das Leiden hineingezogen. Davor bleibt auch der Unschuldige nicht bewahrt.
Und wenn wir versuchen, uns vor dem Leiden zu drücken, verlieren wir dafür das ewige Leben. Das ist ja unvernünftig, denn was ist dieses zeitlich begrenzte Leben im Gegensatz zum ewigen Leben?

Jesu Jünger zu werden entspricht der Entscheidung für Gott laut Deuteronomium und Psalm 1. Es zeigt uns zugleich, dass wir nicht nur ein schönes Leben haben werden, nur weil wir uns für Gott entschieden haben. Im Gegenteil. Uns wird sogar sehr viel Leiden erwarten, obwohl wir im Stand der Gnade sind! Jesus rüttelt sehr stark an dem Tun-Ergehen-Zusammenhang, aber nicht deshalb, weil Gott ein Sadist ist, der seine Kinder leiden lassen will. Es liegt an der Ablehnung der Anderen, die hohe Wellen bis zu uns schlägt. Auch wir müssen deshalb unschuldig leiden. Das ist die Ungerechtigkeit der Sünde und der gefallenen Schöpfung. Und doch muss es so kommen, weil nur so diese Menschen gerettet werden können. Wir sühnen für sie mit, die in Sünde sind. Wir sind wie Simon von Cyrene, der das Kreuz Jesu mitgetragen hat. Wir tragen die anderen mit, auf dass sie sich bekehren und gerettet werden. Warum aber werden wir im Namen Jesu so viel leiden müssen? Weil Jesus ein zweischneidiges Schwert ist, an dem sich die Geister scheiden. Bei Jesus wird jeder vor eine Entscheidung gestellt. Und so entscheiden sich bei ihm sehr viele dagegen.

Was wir in dieser Fastenzeit nun tun müssen, ist wieder neu eine Entscheidung zu treffen. Für Gott. Erneuern wir unser Liebesbündnis mit ihm, der uns das Leben geschenkt hat (das irdische Leben, aber vielmehr auch das ewige Leben!). Sagen wir ihm aufs Neue unser Ja und kehren wir neu um, ändern wir unser Leben, sodass wir mit einem neuen Herzen auf Ostern zugehen können. Die Beichte ist deshalb ein ganz wichtiger Schritt dahin.

Ihre Magstrauss