12. Sonntag im Jahreskreis

Jer 20,10-13; Ps 69,8 u .10.14.33-34; Röm 5,12 -15; Mt 10,26-33

Jer 20
10 Ich hörte die Verleumdung der Vielen: Grauen ringsum! Zeigt ihn an! Wir wollen ihn anzeigen. Meine nächsten Bekannten warten alle darauf, dass ich stürze: Vielleicht lässt er sich betören, dass wir ihn überwältigen und an ihm Rache nehmen können.
11 Doch der HERR steht mir bei wie ein gewaltiger Held. Darum straucheln meine Verfolger und können nicht überwältigen. Sie werden schmählich zuschanden, da sie nichts erreichen, in ewiger, unvergesslicher Schmach.
12 Aber der HERR der Heerscharen prüft den Gerechten, er sieht Nieren und Herz. Ich werde deine Vergeltung an ihnen sehen; denn dir habe ich meinen Rechtsstreit anvertraut.
13 Singt dem HERRN, rühmt den HERRN; denn er rettet das Leben des Armen aus der Hand der Übeltäter.

In der ersten Lesung hören wir heute aus dem Buch Jeremia einen Abschnitt aus der fünften Konfession. Dort beschreibt er die bösen Absichten seiner Gegner, die darauf warten, dass er stürzt. Sie sind es, die ihn verleumden und somit auch Gott. Sie wollen ihn anzeigen und sich an ihm rächen, weil er immer wieder eine Botschaft verkündet, die sie nicht hören wollen. Jeremia muss wirklich viel für das Wort Gottes leiden und wird somit zum Typos Christi.
Gott lässt ihn nicht allein, genauso wenig wie er seinen eigenen Sohn am Kreuz allein gelassen hat. Er ist „wie ein gewaltiger Held.“ Zwar erweckt er Jeremia nicht zum Leben, doch er sorgt für Gerechtigkeit. Er wird Jeremias Gegnern keinen Segen verleihen und ihre Missetaten auf sie zurücklenken.
Gott prüft den Gerechten, er schaut auf sein Inneres, was mit „Nieren und Herz“ immer gemeint ist. Gott schaut die innersten Regungen des Menschen. Jeremia versteht sein Leiden somit als Prüfung Gottes.
Er vertraut darauf, dass Gott das Unrecht vergelten wird, das dem Propheten widerfährt. Er begründet es damit dass er Gott seinen „Rechtsstreit anvertraut“. Gott ist ein gerechter Richter. Wenn man das Gericht ihm überlässt, erhält jeder Beteiligte ein absolut angemessenes Urteil. Menschliche Gerichte sind dagegen ungerecht, wie Jeremia am Anfang der Lesung ja herausgestellt hat. Er steht für eine gute Sache ein, nämlich für Gottes Botschaft, doch die Menschen möchten ihn anzeigen, vor die Gerichte bringen.
Er vertraut Gott ganz und fordert sogar zum Lobpreis auf: „Singt dem HERRN, rühmt den HERRN; denn er rettet das Leben des Armen aus der Hand der Übeltäter.“ Ja, er wird auch Jesus aus der Hand seiner Übeltäter befreien und ihn über alle anderen erhöhen. Er wird auch uns immer wieder aus den Klauen des Bösen retten, der unsere Seele von Gott wegführen will. Er rettet uns vom seelischen Tod durch die Heilsmittel und schließt dafür den Taufbund mit uns. Er wird uns schließlich auch am Ende der Zeiten retten, wenn alles zusammenbrechen wird. Dann werden wir ein für allemal aus den Fängen des Bösen befreit. Dann werden wir erst recht Gott loben und preisen in Ewigkeit.

Ps 69
8 Denn deinetwegen erleide ich Hohn und Schande bedeckt mein Angesicht.
10 Denn der Eifer für dein Haus hat mich verzehrt, die Verhöhnungen derer, die dich verhöhnen, sind auf mich gefallen.
14 Ich aber komme zu dir mit meinem Bittgebet, HERR, zur Zeit der Gnade. Gott, in deiner großen Huld erhöre mich, mit deiner rettenden Treue!
33 Die Gebeugten haben es gesehen und sie freuen sich! Ihr, die ihr Gott sucht, euer Herz lebe auf!
34 Denn der HERR hört auf die Armen, seine Gefangenen verachtet er nicht.

Als Antwort auf die Bedrängnisse des Propheten beten wir heute einen Klagepsalm. Der entnommene Ausschnitt beginnt mit einer Begründung. Diese schließt an die Bitte um Beistand und Hilfe sowie an die vielen Klagen des Notstands an, die der Beter erleiden muss. Diese Worte passen gut zu der Situation des Jeremia. Er musste als Prophet Gottes für die Botschaft vieles erleiden. Auch er wurde verhöhnt und mit Schande bedeckt, wie es hier in Vers 8 heißt.
Der Eifer für das Haus Gottes ist zunächst auf den Jerusalemer Tempel zu beziehen, da er oft mit diesem Bild umschrieben wird. König David hat sich ereifert für den Tempelbau, der dann aber erst in der Regierungszeit seines Sohnes gebaut worden ist.
Es meint auf den Propheten Jeremia bezogen die Beauftragung Gottes, in seinem Namen zu sprechen. Der Eifer für den Willen Gottes ist auf ihn zurückgefallen in dem Sinne, dass er für die verkündete Botschaft leiden muss. In den letzten Wochen haben wir öfter aus dem ersten Petrusbrief den Leidensgedanken betrachtet. Er sagt, dass das Leiden für Christus fruchtbar ehrenvoll ist. Hier beklagt sich der Beter für dieses Leiden, jedoch ist das nicht das Ende: Vielmehr vertraut er Gott alles an, der ihn in seiner großen Huld und Treue erhören soll. Der Klagepsalm hat wie gewohnt einen Stimmungsumschwung, das heißt dass ab einem Vers die klagende Stimmung in einen vertrauensvollen oder lobpreisenden Duktus übergeht. In diesem Psalm erfolgt der Umschwung mit Vers 31, den wir aber heute nicht beten. Ab Vers 33 bemerken wir diese Veränderung aber: Die Gebeugten können sich jetzt nämlich freuen. Es ist der Dank für die Gebetserhörung. Das Herz der Gottsuchenden kann nun aufleben.
Sie können erleichtert sein, weil Gott ihre Bitten erhört. Arme und Gefangene sind alle, die in irgendeiner Form leiden müssen. „Armut“ ist nie einfach nur der finanzielle/materielle Mangel, sondern stets ein ganzheitlicher Mangel. Die soziale Komponente ist im Psalmenkontext z.B. sehr wichtig, sodass Einsamkeit und Ausschluss aus der Gesellschaft eine besonders drastische Form von Armut darstellt. Die Armen und Gefangenen sind in diesem Kontext jene, die politische Not erfahren. Jeremia ist arm, weil er für die Verkündigung des Wortes Gottes bedrängt und verfolgt wird.
Gott ist kein gleichgültiger Gott. Er hört das Schreien seiner Kinder und reagiert auf das widerfahrene Unrecht der Menschen. Er hörte es z.B. aus Ägypten, er hörte es auch aus dem Babylonischen Exil. Er hörte es auch aus der Vorhölle, als die Gerechten des Alten Testaments seine Herrlichkeit nicht schauen durften. Und er hört auch das Schreien unserer heutigen Zeit. Wir sind ihm nicht egal. Deshalb ist er Mensch geworden und hat die universale Erlösung erwirkt.

Röm 5
12 Deshalb: Wie durch einen einzigen Menschen die Sünde in die Welt kam und durch die Sünde der Tod und auf diese Weise der Tod zu allen Menschen gelangte, weil alle sündigten –
13 Sünde war nämlich schon vor dem Gesetz in der Welt, aber Sünde wird nicht angerechnet, wo es kein Gesetz gibt;
14 dennoch herrschte der Tod von Adam bis Mose auch über die, welche nicht durch Übertreten eines Gebots gesündigt hatten wie Adam, der ein Urbild des Kommenden ist.
15 Doch anders als mit der Übertretung verhält es sich mit der Gnade; sind durch die Übertretung des einen die vielen dem Tod anheimgefallen, so ist erst recht die Gnade Gottes und die Gabe, die durch die Gnadentat des einen Menschen Jesus Christus bewirkt worden ist, den vielen reichlich zuteilgeworden.

In der zweiten Lesung aus dem Römerbrief hören wir nun von der Verbindung zwischen dem ersten und dem zweiten Menschen. Der erste Mensch – Adam – hat uns alle ins Verderben gestürzt. Aber Gott hat uns so sehr lieb, dass er uns einen zweiten Menschen gegeben hat, den ersten Menschen der NEUEN Schöpfung! Und das ist Jesus. Und so wie durch einen einzigen Menschen das Unheil über alle gekommen ist, so ist durch die gerechte Tat eines anderen – nämlich Jesus! – Heil über alle Menschen gekommen!
Paulus erklärt, dass auch bevor es die Torah zur Zeit des Mose gab, schon gesündigt worden ist. Die Vergehen gegen die Torah können aber außerhalb des Wissens der Torah, also in der Zeit davor, nicht angerechnet werden. Das wäre auch sehr ungerecht, denn man kann nicht für etwas verantwortlich gemacht werden, von dem man nicht wusste, dass es Sünde ist. So ist es ja auch bis heute: Wir nennen eine Sache Todsünde, also wirklich schwere Sünde, die den seelischen Tod zurfolge hat, was wir unter anderem wissentlich tun.
Adam hat also schon gesündigt, auch wenn es kein Vergehen gegen die Torah war. Diese Sache, die er gesündigt hat, wusste er ja auch ohne Torah, ohne das mosaische Gesetz: Gott hat etwas verboten und er hat es dennoch getan. Das nennen wir Ungehorsam.
An dieser Stelle sagt Paulus, dass Adam ein Urbild des Kommenden ist. Das ist ein wichtiges Stichwort, weil Jesus und Adam in einer typologischen Beziehung zu betrachten sind. Deshalb wird Adam im Griechischen auch als τύπος typos bezeichnet!
Man muss an der Stelle bemerken, dass das Anliegen des Paulus im Römerbrief ist, die Gemeinden vor einer Rejudaisierung zu bewahren in dem Sinne, dass man die gesamte Torah auch als Christ halten müsse. Alles, was Paulus in diesem theologischen Traktat also schreibt, ist argumentativ darauf abgezielt, den Glaubensgehorsam gegenüber dieser Torah-Gesetzestreue zu verteidigen.
Paulus stellt die Sünde des einen Menschen und die Gnade des einen Menschen nebeneinander und zeigt die gegenteilige Wirkung: Während durch Adam eine Verurteilung aller Menschen ohne ihr eigentliches Zutun geschehen ist (die Menschen konnten nicht in den Himmel, egal wie gerecht sie waren. Alle Gerechten des AT sind in die sogenannte Vorhölle gekommen, der einzige Trost war der „Schoß Abrahams“), sind durch die Gnade der Erlösung Christi die Menschen vor Gott gerecht geworden, haben also den Zutritt zum Himmel ohne ihr eigentliches Zutun erhalten! Die Gnade ist dabei unendlich größer als die Sünde. Denn während eine Übertretung alles zerstört hat, kann die Gnade alle Übertretungen wiedergutmachen, alle Sünden, die jemals begangen worden sind und noch begangen werden!

Mt 10
26 Darum fürchtet euch nicht vor ihnen! Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird.

27 Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet im Licht, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet auf den Dächern!
28 Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann!
29 Verkauft man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters.
30 Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt.
31 Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.
32 Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen.
33 Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.

Im Evangelium hören wir heute so wie in den bisherigen Texten von der Geborgenheit in Gott. Er weiß um alles und es ist ihm nicht egal, was mit uns passiert. Der Kontext der Worte Jesu im Evangelium spricht er bei der Aussendung der zwölf Apostel in die umliegenden Städte. Er sendet sie dabei wie Schafe unter die Wölfe. Er sensibilisiert seine Jünger dafür, dass sie in seinem Namen vieles erleiden werden – nicht nur bei der „Generalprobe“, zu der er sie hier aussendet, sondern vor allem später nach seinem Tod, seiner Auferstehung und Himmelfahrt sowie seiner Geistsendung. Hier schließt sich der Kreis zu Jeremia, der all das bereits durchgemacht hat, was auf die Apostel zukommt.
Und so versichert Jesus sie: „Darum fürchtet euch nicht vor ihnen!“ Die Aussage „Fürchte dich nicht!“ oder „Hab keine Angst!“ steht 365 Mal in der Bibel, für jeden Tag einmal. Wir brauchen vor gar nichts Angst zu haben, weil Gott mit uns ist. Wir können nicht tiefer fallen als in Gottes Hand und so sollen wir beherzt einen Schritt vor den nächsten tun.
Jesus sagt, dass alles ans Tageslicht kommt. Kein Geheimnis bleibt für immer geheim. Er verdeutlicht das in diesem Zusammenhang mit der Verborgenheit des Reiches Gottes, das irgendwann offenbart wird. Er erklärt dann später, dass es spätestens am Jüngsten Tag für alle sichtbar sein wird.
Jesus hat seinen Aposteln so vieles erklärt, insbesondere auch im Privaten, sodass nur sie es gehört haben. Er hat es so gehalten, um sie auf ihre große Aufgabe vorzubereiten, die sie aber erst nach der Gabe des Hl. Geistes umsetzen konnten. Und dann gingen sie wirklich in die Öffentlichkeit und verkündeten all dies. Wir denken besonders an die Pfingstrede des Petrus, in der er eine wunderbare heilsgeschichtliche Zusammenfassung vorgenommen hat mit allen messianischen Erfüllungen und Erklärungen Jesu selbst. Er konnte dies endlich tun, weil er selbst dazu bereit war und die anwesenden Menschen ebenfalls.
Dies sollte auf regen Widerstand treffen, doch Jesus erklärt hier, dass sie keine Angst vor dem biologischen Tod haben müssen. Ihre Beziehung zu Gott und das ewige Leben bei ihm können die Menschen den Jüngern nicht nehmen. Die größere Gefahr geht vom Bösen aus, dem Widersacher, der die Menschen von Gott wegreißen will.
Jesus wendet mehrere Beispiele an, um den Aposteln zu verdeutlichen, dass Gott ganz mit ihnen ist. Sie brauchen keine Angst zu haben, weil er alles in seiner wunderbaren Vorsehung regelt. Er hat alles nach seinem Willen gemacht und erhält auch alles durch seinen Willen. Nicht mal die Spatzen fallen herunter ohne seine Einwilligung, obwohl sie so kleine und vermeintlich wertlose Vögel sind. Um wie viel mehr kümmert sich Gott um die Jünger, die mehr wert sind als Spatzen! Jedes einzelne Haar auf ihren Köpfen ist gezählt. Das ist eine absolute Vertrauenszusage. Und ausgehend von diesem Verhältnis absoluter Geborgenheit können sich die Jünger dann freimütig zum Herrn bekennen. Sie wissen tief in ihren Herzen, dass sie nichts verlieren können. Und so werden sie dann nach ihrem Tod dieses innige Verhältnis fortführen, nun aber nicht mehr im Verborgenen, sondern ganz unverhüllt von Angesicht zu Angesicht mit Gott. Wer aber in diesem Leben in absolutem Misstrauen gegenüber Gott gelebt hat und ängstlich um sich selbst gekreist ist, der wird am Ende kein positives Gerichtsurteil von Gott erhalten. Jesus sagt sogar, dass er ihn vor seinem Vater verleugnen wird. Wir müssen bedenken, dass Jesus das mit aller Dramatik betont, weil es endgültig ist. Er tut das nicht, weil er seinen Jüngern Angst einjagen will, sondern weil er ihnen die drastischen Konsequenzen ihrer endgültigen Ablehnung Gottes aufzeigt. Gott bietet jedem Menschen seine bedingungslose Liebe und Geborgenheit an. Doch wer sie stets ablehnt, muss am Ende mit den entsprechenden Konsequenzen rechnen. Schließlich haben sie einen freien Willen geschenkt bekommen, um sich frei zu entscheiden.

Ihre Magstrauss

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