Dienstag der 11. Woche im Jahreskreis

1 Kön 21,17-29; Ps 51,3-4.5-6b.11 u. 16; Mt 5,43-48

1 Kön 21
17 Da erging das Wort des HERRN an Elija aus Tischbe:

18 Mach dich auf und geh Ahab, dem König von Israel, entgegen, der in Samaria seinen Wohnsitz hat! Er ist zum Weinberg Nabots hinabgegangen, um von ihm Besitz zu ergreifen.
19 Sag ihm: So spricht der HERR: Hast du gemordet und auch in Besitz genommen? Weiter sag ihm: So spricht der HERR: An der Stelle, wo die Hunde das Blut Nabots geleckt haben, werden Hunde auch dein Blut lecken.
20 Ahab sagte zu Elija: Hast du mich gefunden, mein Feind? Er erwiderte: Ich habe dich gefunden. Weil du dich hergabst, das zu tun, was dem HERRN missfällt,
21 werde ich Unheil über dich bringen. Ich werde dich entfernen und von Ahabs Geschlecht alles, was männlich ist, ob unmündig oder mündig, in Israel ausrotten.
22 Weil du mich zum Zorn gereizt und Israel zur Sünde verführt hast, werde ich mit deinem Haus verfahren wie mit dem Haus Jerobeams, des Sohnes Nebats, und mit dem Haus Baschas, des Sohnes Ahijas.
23 Und über Isebel verkündet der HERR: Die Hunde werden Isebel an der Mauer von Jesreel auffressen.
24 Wer von der Familie Ahabs in der Stadt stirbt, den werden die Hunde fressen, und wer auf dem freien Feld stirbt, den werden die Vögel des Himmels fressen.
25 Es gab in der Tat niemand, der sich wie Ahab hergab zu tun, was böse war in den Augen des HERRN, da seine Frau Isebel ihn verführte.
26 Sein Tun war überaus verwerflich; er lief den Götzen nach, ganz so, wie es die Amoriter getan hatten, die der HERR vor den Israeliten vertrieben hatte.
27 Als Ahab diese Drohungen hörte, zerriss er seine Kleider, trug ein Bußgewand auf dem bloßen Leib, fastete, schlief im Bußgewand und ging bedrückt umher.
28 Da erging das Wort des HERRN an Elija aus Tischbe:
29 Hast du gesehen, wie Ahab sich vor mir gedemütigt hat? Weil er sich vor mir gedemütigt hat, will ich das Unglück nicht schon in seinen Tagen kommen lassen. Erst in den Tagen seines Sohnes werde ich das Unheil über sein Haus bringen.

Gestern gingen Isebel und Ahab über Leichen, um an ein begehrtes Stück Land zu kommen. Durch eine Intrige starb Nabot, der Besitzer eines Weinbergs nahe des Palastgeländes. So riss Ahab das Land an sich. Doch Gott ist gerecht. Er lässt so eine schändliche Tat nicht ungesühnt. Und weil er alle Menschen zur Umkehr führen will, schickt er nun seinen Propheten Elija zum König.
Die Intrige selbst ist ja eigentlich nur wenigen Menschen bekannt geworden. Isebel hat zwei Zeugen dazu beauftragt, gegen Nabot Falschaussagen zu machen. Umso entlarvender ist, dass Elija dem König vorwerfen soll: „Hast du gemordet und auch in Besitz genommen? (…) So spricht der HERR: An der Stelle, wo die Hunde das Blut Nabots geleckt haben, werden Hunde auch dein Blut lecken.“ Elija soll den König direkt damit konfrontieren, dass er einen Unschuldigen aus Habgier umgebracht hat (nicht selbst, sondern über eine Intrige, doch letztendlich ging alles von seinem Hungerstreik aus). Er hätte mit Entsetzen und Reue reagieren können, als Isebel diese Tat für ihn vollstrecken ließ. Doch stattdessen riss er den freigewordenen Weinberg gierig an sich.
Elija geht zu Ahab und dieser begrüßt ihn mit: „Hast du mich gefunden, mein Feind?“ Sie sind bereits in Vergangenheit aneinander geraten, als Elija ihm aufgrund seiner götzendienerischen Tätigkeit eine Dürreperiode vorhersagte.
Anscheinend hat Ahab damals schon nicht aus seiner Lektion gelernt. Immer noch fehlt es ihm an Gottesfurcht, obwohl der Herr seine große Macht offenbart hat.
Und so sagt Elija zu ihm, dass er ausgerottet werden würde. Ihn werde dasselbe Schicksal ereilen wie anderen gottlosen Königen („wie mit dem Haus Jerobeams (…) und mit dem Haus Baschas“). Er werde einen schändlichen Tod sterben, ebenso seine Frau Isebel. Das Gefressen werden von Hunden ist ein besonders ehrenloses Ende. Schließlich sind Hunde aus jüdischer Sicht unreine Tiere, die den Menschen kultisch verunreinigen. Die Heiden werden später als Hunde beschimpft. So ist für Isebel, die ja selbst Heidin ist, an ihrer Unreinheit zugrunde gehen. Ahabs Familienmitglieder werden von Vögeln oder Hunden zerfressen werden. Das sind drastische Aussichten, denn nicht nur die Verunehrung durch unreine Tiere ist eine Katastrophe, sondern auch das Fressen der Leichname an sich. Für Juden ist es wichtig, eine Bestattung bei den Vätern zu erhalten. Wenn von dem Leichnam aber nichts mehr übrig bleibt, wird dem Juden diese letzte Ehre versagt.
Gott lässt diese harten Worte durch den Mund des Propheten Elija verkünden, um die Angesprochenen wachzurütteln. Auch jetzt noch hat Ahab die Chance, umzukehren. Es ist kurz vor zwölf und der König muss auf der Stelle seine Sünden bereuen.
Dass der König so abgrundtief böse ist, liegt an der Manipulation durch seine Frau. Sie verleitet ihn zu diesen bösen Taten. Ahab reagiert auf Elijas Worte. Sie treffen sein Herz und er nimmt eine aufrichtige Bußhaltung an. Er trägt ein entsprechendes Gewand, was einen gewissen öffentlichen Charakter hat. So ist nämlich allen Umstehenden klar, dass Ahab sich versündigt hat. Er fastet auch zur Buße und ist bedrückt. Doch seine Buße ist nicht genug, die Wucht seiner Sünde wieder gut zu machen. Dennoch würdigt Gott seine Bemühungen und gewährt ihm die Begnadigung, das Unheil auf die nächste Generation zu verschieben. Was Gott hier tut, ist nicht einfach das Verschieben des Problems. Er schenkt noch einmal Zeit, um weiterhin Buße zu tun, die Sünden wiedergutzumachen und z.B. den Weinberg an die Familie Nabots zurückzugeben, die Baalsheiligtümer zu zerstören und von nun an nur den einen wahren Gott anzubeten.
Es wird leider anders kommen. Ahab wird seine Lektion nicht lernen und sich erneut gegen Gott versündigen. So wird ihn das Unheil treffen, das Gott angekündigt hat. Was passiert, hat sich der König somit selbst gewählt.
Gott schenkt auch uns immer wieder neue Chancen, doch wir verspielen sie so oft. Er möchte unser Heil, doch wir lehnen es ab, indem wir an der Sünde festhalten.

Ps 51
3 Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen! 
4 Wasch meine Schuld von mir ab und mach mich rein von meiner Sünde! 
5 Denn ich erkenne meine bösen Taten, meine Sünde steht mir immer vor Augen. 
6 Gegen dich allein habe ich gesündigt, ich habe getan, was böse ist in deinen Augen. 
11 Verbirg dein Angesicht vor meinen Sünden, tilge alle Schuld, mit der ich beladen bin!
16 Befreie mich von Blutschuld, Gott, du Gott meines Heils, dann wird meine Zunge jubeln über deine Gerechtigkeit!

Im heutigen Psalm bittet König David um Gottes Barmherzigkeit. Dieser Psalm ist eine Selbstanklage des Königs David, der sich vor Gott versündigt hat. Er könnte genauso gut eine Vergebungsbitte König Ahabs darstellen, der aufrichtig Buße tut.
Es ist auch ein passender Psalm für jeden Einzelnen von uns, die wir uns immer wieder vor Gott verschulden.
„Wasch meine Schuld von mir ab und mach mich rein von meiner Sünde“, ist ein Vers, den die Priester bei der Gabenbereitung zum Schluss beten, während der Messdiener ihnen Wasser über die Hände gießt. Auch Ahab wird die Sehnsucht gehabt haben, von der Verunreinigung der Sünde reingewaschen zu werden. Zwar ist er von der Manipulation seiner Frau so vereinnahmt und durch die vielen Sünden so abgestumpft, dass diese Sehnsüchte tief in seinem Herzen geblieben sind, aber dennoch ist er Teil des auserwählten Volkes, das mit Gott in einem Bund steht.
Aber auch wir beten diesen Vers, jedesmal wenn wir uns versündigt haben und umkehren. König David bittet Gott um sein Erbarmen und um die Vergebung der Schuld, wobei er gleichzeitig seine Sünden bekennt. Er hat schwere Sünden begangen, vom Ehebruch bis hin zu einem Mord. Und doch glaubt er, dass Gottes Liebe größer ist als seine größte Sünde. So tut es auch der verlorene Sohn im Gleichnis vom barmherzigen Vater, so möchte Jesus auch, dass wir tun. Gott kennt unsere Sünden schon längst, aber er möchte uns sprechen lassen, er gibt uns Gelegenheit, die eigene Schuld laut auszusprechen und somit einzugestehen. So gibt Gott auch Ahab die Chance, neu anzufangen, doch dieser wird nicht lange im Bußmodus verharren. Er wird seine Chance nicht richtig nutzen und so die Konsequenzen seiner Sünden am eigenen Leib erfahren.
„Verbirg dein Angesicht vor meinen Sünden“ drückt die Bitte nach Gottes Barmherzigkeit aus. Es ist die Bitte, den strengen Tun-Ergehen-Zusammenhang zu durchbrechen, demnach Ahab eigentlich mehrfache Todesstrafe verdient hätte. König David hat schon darum gebeten, dass Gott nicht gemäß seiner Sünden räche. Wir dürfen zum Herrn kommen und ihn um sein Erbarmen bitten. Er ist bereit, uns alles zu verzeihen. Die Konsequenzen unserer Sünden bleiben und müssen wiedergutgemacht werden. Doch selbst da unterstützt uns Gott durch Ablässe und am Ende unseres Lebens durch das Fegefeuer. Er tut alles, damit wir nicht die ewige Abgeschnittenheit von ihm erleiden müssen.
„Befreie mich von Blutschuld, Gott, du Gott meines Heils, dann wird meine Zunge jubeln über deine Gerechtigkeit!“ Die Blutschuld ist eine besonders schwerwiegende Konsequenz der Sünde. Das Blut eines anderen Menschen klebt an den eigenen Händen. Und Gott lässt dies nicht ungesühnt, weil ihm das Leben des Getöteten ihm so unendlich viel wert ist. Wir könnten also sagen, dass König David sich mit so einer Bitte sehr weit aus dem Fenster lehnt. Doch wir müssen uns bewusst sein: Gott will uns alles verzeihen, auch einen Mord. Er will uns einfach alles vergeben, wenn wir von ganzem Herzen bereuen und den Rest unseres Lebens dafür sühnen. Das übersteigt unser menschliches Gerechtigkeitsempfinden, aber so unendlich ist Gottes Liebe.
Ahab hätte genauso handeln können und das tut er anfangs auch. Doch er wird sich wieder auf Abwege begeben, sodass er seine letzte Chance total verspielen wird. Er wird also nicht über Gottes Gerechtigkeit jubeln können wie David.

Mt 5
43 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. 
44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, 
45 damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 
46 Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? 
47 Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? 
48 Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist!

Heute hören wir wieder einen Abschnitt aus der Bergpredigt. Bereits gestern ging es dabei um den Verzicht auf Rache (die andere Wange hinhalten etc.). Heute spitzt Jesus dies weiter zu.
Er greift dabei das mosaische Gesetz und die Nächstenliebe aus Levitikus auf: Wir sollen unsere Feinde lieben und für jene beten, die uns hassen. Es ist nicht nur so, dass wir unseren Nächsten lieben sollen, wie uns selbst und damit ist nicht mehr nur der Israelit gemeint. Es betrifft jetzt alle Menschen, egal welcher Nationalität oder Religiosität. Es ist sogar noch so – egal ob gutgesinnt oder feindlich.
Jeden Menschen zu lieben, ist Ausdruck für Barmherzigkeit (Gott „lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten“).
Den zurückzulieben, der mich auch liebt, ist keine große Leistung. Das ist, was alle tun. Dann ist es aber keine Liebe mehr, sondern eine Win-Win-Situation. Die Liebe als Gabe Gottes, die Agape, ist dagegen dann wirksam, wenn man gehasst wird, wenn es schwierig wird, wenn man liebt, obwohl man keine Gegenliebe erwarten kann.
Wer gibt, weil er weiß, dass ihm zurückgegeben wird, hat seinen Lohn schon bekommen. Er braucht vom Vater im Himmel nichts mehr erwarten.
Gestern beteten wir im Psalm, dass Gott die Sünder hasst. Da sehen wir noch ein anderes Verständnis der Gerechtigkeit Gottes. Jesus stellt dagegen heraus, dass Gott nicht den Sünder hasst, sondern die Sünde. Und wenn die Menschen ihre Feinde lieben und für die Verfolger beten sollen, dann sollen die Christen dies als Abbilder Gottes tun, der dies in vollkommener Weise tut. Schauen wir auf Jesus, erkennen wir eine absolute Umsetzung der Bergpredigt am Kreuz. Er betet mit dem Atem ringend noch die Worte: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Er lässt sich von ihnen umbringen, weil er sie so sehr liebt und die Sünde der Welt hinweg nehmen möchte. Den Feind zu lieben, ist wahrer Ausdruck der Liebe Gottes.

Es ist interessant, den Lernprozess des Volkes Gottes zu beobachten und zugleich die verschiedenen Facetten der Liebe Gottes zu erkennen. Er ist barmherzig und brennt vor Liebe für seine Menschen. Doch wenn der Mensch seine Liebe abweist, nimmt er das auch ernst und dann zieht das auch drastische Konsequenzen nach sich. So werden auch wir heute vor die Entscheidung gestellt: Lieben wir Gott? Und wie reagieren wir, wenn wir an ihm schuldig geworden sind? Zeigen wir Reue und Umkehrbereitschaft? Nehmen wir seine vergebende Liebe und Barmherzigkeit an, damit wir gerettet werden?

Ihre Magstrauss

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