Montag der 11. Woche im Jahreskreis

1 Kön 21,1-16; Ps 5,3 u. 5.6-7; Mt 5,38-42

1 Kön 21
1 Danach trug sich Folgendes zu. Nabot aus Jesreel hatte einen Weinberg in Jesreel neben dem Palast Ahabs, des Königs von Samarien.

2 Ahab verhandelte mit Nabot und schlug ihm vor: Gib mir deinen Weinberg! Er soll mir als Gemüsegarten dienen; denn er liegt nahe bei meinem Haus. Ich will dir dafür einen besseren Weinberg geben. Wenn es dir aber lieber ist, bezahle ich dir den Kaufpreis in Geld.
3 Doch Nabot erwiderte: Der HERR bewahre mich davor, dass ich dir das Erbe meiner Väter überlasse.
4 Darauf kehrte Ahab in sein Haus zurück. Er war missmutig und verdrossen, weil Nabot aus Jesreel zu ihm gesagt hatte: Ich werde dir das Erbe meiner Väter nicht überlassen. Er legte sich auf sein Bett, wandte das Gesicht ab und aß nichts.
5 Seine Frau Isebel kam zu ihm herein und fragte: Warum bist du missmutig und isst nichts?
6 Er erzählte ihr: Ich habe mit Nabot aus Jesreel verhandelt und ihm gesagt: Verkauf mir deinen Weinberg für Geld, oder wenn es dir lieber ist, gebe ich dir einen anderen dafür. Doch er hat geantwortet: Ich werde dir meinen Weinberg nicht geben.
7 Da sagte seine Frau Isebel zu ihm: Du bist doch jetzt König in Israel. Steh auf, iss und sei guter Dinge! Ich werde dir den Weinberg Nabots aus Jesreel verschaffen.
8 Sie schrieb Briefe im Namen Ahabs, versah sie mit seinem Siegel und schickte sie an die Ältesten und Vornehmen, die mit Nabot zusammen in der Stadt wohnten.
9 In den Briefen schrieb sie: Ruft ein Fasten aus und lasst Nabot oben vor allem Volk Platz nehmen!
10 Setzt ihm aber zwei nichtswürdige Männer gegenüber! Sie sollen gegen ihn als Zeugen auftreten und sagen: Du hast Gott und den König gelästert. Führt ihn dann hinaus und steinigt ihn zu Tode!
11 Die Männer der Stadt, die Ältesten und Vornehmen, die mit ihm zusammen in der Stadt wohnten, taten, was Isebel ihnen geboten hatte, was in den Briefen stand, die sie ihnen gesandt hatte.
12 Sie riefen ein Fasten aus und ließen Nabot oben vor allem Volk Platz nehmen.
13 Es kamen aber auch die beiden nichtswürdigen Männer und setzten sich ihm gegenüber. Sie standen vor dem Volk als Zeugen gegen Nabot auf und sagten: Nabot hat Gott und den König gelästert. Sogleich führte man ihn aus der Stadt hinaus und steinigte ihn zu Tode.
14 Darauf ließen sie Isebel melden: Nabot wurde gesteinigt und ist tot.
15 Sobald sie hörte, dass Nabot gesteinigt wurde und tot war, sagte sie zu Ahab: Auf, nimm den Weinberg Nabots aus Jesreel in Besitz, den er dir für Geld nicht verkaufen wollte; denn Nabot lebt nicht mehr; er ist tot.
16 Als Ahab hörte, dass Nabot tot war, stand er auf und ging zum Weinberg Nabots aus Jesreel hinab, um von ihm Besitz zu ergreifen.

In der heutigen Lesung hören wir von einer Begebenheit, die sich in der Regierungszeit des Königs Ahab abgespielt hat. Wir hörten die Tage schon davon, dass der König Samariens schwere Sünden begeht und dabei stark unter dem Einfluss seiner Frau Isebel steht. Dies zeigt sich auch in der heutigen Episode:
Es gibt neben dem Palast einen schönen Weinberg, auf den es der König abgesehen hat. Dieser gehört einem Mann namens Nabot, dem er den Weinberg abkaufen möchte. Dieser weigert sich aber strikt, denn das Stück Land steht ihm als Anteil des verheißenen Landes zu. Wir müssen bedenken, dass Gott seinem auserwählten Volk das verheißene Land gegeben hat und jeder, der zu den zwölf Stämmen gehört, Anspruch auf ein Stück Land besitzt. Deshalb sind im Laufe der Geschichte so einige Gesetze in Kraft getreten, die z.B. bei Verlust des Landes aus Schuldgründen einen Zurückkauf vereinfachen sollen. So wichtig ist dem Volk Israel das Stück Land. Es signalisiert die Gabe Gottes, die jedem gleichermaßen geschenkt wird. Deshalb schlägt Nabot auch das Angebot des Königs ab, denn kein Geld der Welt kann diese Gottesgabe ersetzen. Wenn er ein anderes Stück Land bekommt, ist es nicht mehr das, was ihm ursprünglich zusteht und was das Erbe seiner Väter ist.
Ahab reagiert beleidigt auf die Absage des Mannes. Er geht sogar in einen Hungerstreik. Isebel entgeht diese Sache nicht und sie verspricht ihrem Mann, auf ihre Weise den Weinberg zu beschaffen.
Ihre Weise ist es, durch eine Intrige an den Weinberg zu kommen: Sie verbreitet Lügen über Nabot und lässt dabei zwei korrupte Zeugen gegen ihn auftreten. Diese klagen ihn öffentlich vor den Ältesten der Stadt an, damit Nabot zu Tode gesteinigt werde.
So wie sie es eingefädelt hat, kommt es auch: Man glaubt den zwei falschen Zeugen und steinigt Nabot. So steht dieser nicht mehr im Wege und Ahab kann den Weinberg an sich reißen. Isebel glaubt nicht an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Sie hat keine Angst vor seinem Eingreifen und geht über Leichen. Diese Tat wird Gott nicht ungesühnt lassen, denn hier ist nicht nur Habgier und Enteignung der Gottesgabe am Werk, sondern auch kaltblütiger Mord.
Wir Menschen haben auch heute oft keine Gottesfurcht. Wir denken gar nicht über die Konsequenzen unserer Tat nach und vergessen sehr schnell, was wir eigentlich getan haben. Und wenn es uns dann trifft, hadern wir noch mit Gott, weil uns der Zusammenhang nicht mehr klar ist. Gott liebt alle Menschen und möchte deshalb, dass Gerechtigkeit einkehrt. Er tut alles, um auch solche wie Ahab und Isebel sich zu ihm bekehren. Und genau deshalb schickt er seine Propheten zu ihnen, um eine Dürre anzukündigen. Gebe Gott uns, dass wir im Gegensatz zu dem samaritischen Königspaar seine Lektionen erkennen und die Chance zur Umkehr nutzen!

Ps 5
3 Vernimm mein lautes Schreien, mein König und mein Gott, denn zu dir flehe ich.
5 Denn du bist kein Gott, dem das Unrecht gefällt; ein Böser darf nicht bei dir weilen.
6 Nicht bestehen die Stolzen vor deinen Augen; du hassest alle, die Unrecht tun.
7 Du lässt die Lügner zugrunde gehn, Mörder und Betrüger sind dem HERRN ein Gräuel.

Als Antwort auf die Lesung beten wir heute einen Klagepsalm Davids. Zu Beginn erfolgt die Bitte an Gott, das Schreien des Beters zu hören. Es ist bemerkenswert, dass David Gott seinen König nennt, der ja selbst ein König ist. Dieses Verhalten begleitet seine Biographie durchgehend. Er definiert seine Talente, seine Macht, seinen Erfolg, sein ganzes Dasein von Gott her. So bleibt er auf dem Teppich, weil er seine Macht der Allmacht Gottes unterordnet. Er erkennt, dass all sein Können und Erfolg von Gott geschenkt sind. Er weiß, dass er ohne Gottes Beistand und Segen nichts vermag. Und so orientiert er seine eigene Herrschaft an Gottes Wesen: Er regiert nicht tyrannisch, sondern pastoral. Er ahmt Gott in dessen Gerechtigkeit nach. Gott ist sein König, deshalb kann auch er ein guter König sein.
Davids Gottesbild ist das eines absolut gerechten Gottes. „Denn du bist kein Gott, dem das Unrecht gefällt.“ Gott lässt das Unrecht nicht zu und greift ein, damit die Menschen umkehren. Im Himmelreich ist zudem kein Platz für Böse. Die Stolzen können vor Gott nicht bestehen, weil ihr Stolz in seiner Gegenwart wie Staub zerfällt. Das ist schließlich alles Illusion. Der Mensch überhöht sich maßlos, doch fällt in sich zusammen, sobald er sich in Gottes Herrlichkeit verschwindend gering erkennt. „Du hassest alle, die Unrecht tun.“ Bei solchen Aussagen – und derlei gibt es viele im Psalter – müssen wir uns bewusst sein, dass es das Gottesbild Davids ist. Zu seiner Zeit ist das schon eine sehr fortschrittliche Gotteserkenntnis. Wir müssen an die vielen launischen Gottheiten der umliegenden Völker denken, deren Entscheidungen und Wirkungen der Mensch nicht durchschauen kann. Das Volk Israel ist aber davon überzeugt, dass Gott absolut gerecht handelt, nicht nach Laune. Gott hat sich seinem Volk als solch ein Gott offenbart. Was David hier schildert, ist der sogenannte Tun-Ergehen-Zusammenhang: Böses verdient Strafe, Gutes verdient Belohnung. Gott liebt das Recht und verachtet das Unrecht. Das hängt auch mit der Torah zusammen, die das Recht gewährleistet. David unterscheidet hier aber eine wichtige Sache nicht, die zur Zeit Jesu dann schon anders betrachtet wird: Gott hasst jene, die Unrecht tun. Die Israeliten werden noch einen langen Weg gehen, bis sie erkennen: Gott hasst nicht die, die Unrecht tun, sondern das getane Unrecht. Die Menschen selbst liebt er bedingungslos. Er tut alles, damit die Menschen von ihren Sünden umkehren. Er lässt sie nicht ins offene Messer laufen, aber wenn sie bis zum Schluss an ihren Sünden festhalten, wird er ihre letzte Entscheidung würdigen.
Davids Gottesvorstellung gemäß lässt Gott die Lügner aber zugrunde gehen und Mörder und Betrüger sind Gott ein Gräuel. Gott lässt die Sünde wirklich nicht auf sich beruhen. Sünde hat immer eine Konsequenz und diese ist je nach Sünde besonders gravierend.
Wie gesagt ist David seiner Zeit stets voraus, weil er eine solch intime Gottesbeziehung besitzt, dass er darin fast zum Typos Christi wird (ganz so analog wagen wir es nicht zu sehen, da Christus Gottes Sohn ist!). In vielen Dingen greift er der Botschaft Jesu Christi voraus. Doch in seinem konsequenten Tun-Ergehen-Zusammenhang ist er ganz Kind seiner Zeit. Es ist anzuknüpfen an die Lesung und wir sollten es mit Blick auf Jesu Gottesbild nicht zu schnell bagatellisieren. Gott ist und bleibt ein gerechter Gott, der die Sünde nicht einfach stehenlässt. Er reagiert auf das Unrecht, weil er die unschuldig mit Hineingezogenen entschädigen will und die in Sünde Gefallenen zur Umkehr bewegen will. Was Ahab und Isebel sich geleistet haben, wird nicht ohne Konsequenzen bleiben. Und diese Wesenseigenschaften Gottes stehen dem Gottesbild Jesu Christi keinesfalls entgegen. Es sind zwei Seiten der einen Medaille: Gott sorgt für Gerechtigkeit, weil er seine Kinder liebt und sie am Ende bei sich haben will. Er ist barmherzig mit jenen, die von Herzen bereuen, weil er ein barmherziger Vater ist.

Mt 5
38 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn.

39 Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin!
40 Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel!
41 Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm!
42 Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab!

Letzte Woche hörten wir als Evangelium immer wieder aus Bergpredigt. Jesus nimmt in diesen Abschnitten verschiedene Gebote aus dem Dekalog und beginnt immer mit „Ihr habt gehört“. Dies ist auch heute der Fall, wo Jesus die Torah anhand von weiteren Beispielen erfüllt: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn.“ Jesus zitiert hier einen Vers aus dem Bundesbuch (Ex 21,23-25). Für seine Zeit war dieses Gesetz damals sehr fortschrittlich. Es war nämlich verbreitet, für ein einziges verletztes Schaf gleich die ganze Herde des anderen zu töten, wenn nicht sogar die Familie des anderen. Mit dem Gesetz aus dem Bundesbuch „Auge für Auge“ wurde diese maßlose Rache auf genau dasselbe Maß an Schuld eingedämmt, das man dem anderen angetan hat. Es war also eine gute Sache zu jener Zeit. Aber Jesus verdeutlicht nun auf der Höhe der Zeit, als die Juden nun schon mehr verstehen, dass es nicht die Endstation ist. Man soll nicht nur nicht maßlos Rache ausüben, sondern überhaupt keine Rache.
Das verlangt Jesus jetzt nicht einfach als übertriebene und unzumutbare Forderung, sondern er tut uns Menschen damit einen Gefallen. Wir können endlich frei sein von dieser ständigen Sorge um Gerechtigkeit. Dabei sollen wir keinen Widerstand leisten und alles mit uns machen lassen. Das hat nichts damit zu tun, dass wir nichts wert sind und deshalb mit Füßen zertreten werden sollen. Das heißt, dass wir aus der Spirale der Rache und der Gewalt heraustreten. Menschen, die merken, dass wir sie nicht zurückschlagen, sondern ihnen noch unsere andere Wange hinhalten, werden überrascht sein. Sie werden sich schämen, weil sie sich dann ihrer eigenen Schlechtigkeit bewusst werden.
Dasselbe gilt auch für die Situation, in der man von jemandem angeklagt und ausgebeutet wird. Wenn man dem anderen dann noch den Rest gibt, wird er merken, was er eigentlich tut. Das alles gilt natürlich nur, wenn der Mensch auch nur das kleinste Bisschen Gewissen hat.
Jesus nennt noch weitere Bilder, um diese entlarvende Ohnmacht der Liebe herauszustellen (nicht nur eine Meile mitgehen, sondern noch eine weitere; dem anderen borgen und geben). Aber auch bei dieser Haltung muss man genau hinschauen und diese vor dem Hintergrund des Nächstenliebegebots betrachten. Das Maß an Nächstenliebe wird davon bestimmt, was ich mir selbst Gutes tun würde. Das ist nichts Anderes als die goldene Regel. Das bedeutet, dass wir bereitwillig die andere Wange hinhalten sollen, wenn es so weit kommt. Und wenn jemand uns für unseren Glauben töten will, sollen wir es zulassen. Das heißt nicht, dass wir das Martyrium suchen sollen, sondern auf zuerst an uns geschehenes Unrecht reagieren sollen. Wenn wir nicht alleine sind, sondern für andere Menschen Sorge tragen, ist das auch ein Faktor, der zu berücksichtigen ist: Dann können wir vielleicht unsere Wange hinhalten, aber nicht die der uns Anvertrauten. Wen jemand also unsere eigenen Kinder oder Familienangehörigen angreift, dürfen und sollen wir sie beschützen. Denn auch Jesus sagt im Johannesevangelium: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ Umso mehr gilt dies für die eigene Familie.
Jesu Worte dringen direkt ins Herz und sind eine Herausforderung. Man wird dazu aufgefordert, zu lieben, wo es einem gegen den eigenen Strich geht, gegen das eigene Ego. Aber genau diese Art von Liebe, von Ohnmacht, von Gewaltlosigkeit entspricht dem Wesen Gottes. Die Menschen verhöhnen einen noch in der heroischen Tat des Wangehinhaltens. Wir werden dann nichts Anderes erwarten können, denn Jesus selbst ist noch am Kreuz ausgelacht worden, weil er als Messias sich nicht vom Kreuz herabgeholt hat. Und jene, die ein bisschen Wärme in ihren Herzen haben, werden von dieser entlarvenden Liebe berührt. Und wenn sie nach außen hin auch noch nichts zeigen werden, beginnt schon ein Prozess der Verwandlung in ihnen. Gott ist barmherzig und wir sollen durch unsere Hingabe und Vergebungsbereitschaft zu den verlängerten Armen der göttlichen Barmherzigkeit werden. Unser Lohn im Himmel wird groß sein, denn so wie der Vater den Sohn über alle anderen erhöht hat (Phil 2), so wird er auch uns erhöhen.
Die Dinge, die Jesus hier erklärt, gehen über das Gottesbild Davids aus dem Psalm hinaus. Hier wird Barmherzigkeit und liebende Ohnmacht gefordert, weil sie dem Wesen Gottes ganz entsprechen. Hier wird nicht einfach ein starrer Tun-Ergehen-Zusammenhang gefordert, wie „Auge für Auge“ geregelt hat. Hier soll die Gewaltspirale ganz durchbrochen werden. Diese Radikalität ergibt sich aus der unendlichen Liebe Gottes.

Beten wir, dass wir diese Haltung immer mehr verinnerlichen und so zu seinem Bild werden!

Ihre Magstrauss

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