Taufe des Herrn (B)

Jes 42,5a.1-4.6-7 oder Jes 55,1-11; Ps 29,1-2.3ac-4.3bu. 9b-10 oder Jes 12,2.3 u. 4bcd.5-6; Apg 10,34-38 oder 1 Joh 5,1-9; Mk 1,7-11

Jes 55
1 Auf, alle Durstigen, kommt zum Wasser! Die ihr kein Geld habt, kommt, kauft Getreide und esst, kommt und kauft ohne Geld und ohne Bezahlung Wein und Milch!
2 Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht? Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch laben an fetten Speisen!
3 Neigt euer Ohr und kommt zu mir, hört und ihr werdet aufleben! Ich schließe mit euch einen ewigen Bund: Die Erweise der Huld für David sind beständig.
4 Siehe, ich habe ihn zum Zeugen für die Völker gemacht, zum Fürsten und Gebieter der Nationen.
5 Siehe, eine Nation, die du nicht kennst, wirst du rufen und eine Nation, die dich nicht kannte, eilt zu dir, um des HERRN, deines Gottes, des Heiligen Israels willen, weil er dich herrlich gemacht hat.
6 Sucht den HERRN, er lässt sich finden, ruft ihn an, er ist nah!
7 Der Frevler soll seinen Weg verlassen, der Übeltäter seine Pläne. Er kehre um zum HERRN, damit er Erbarmen hat mit ihm, und zu unserem Gott; denn er ist groß im Verzeihen.
8 Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des HERRN.
9 So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken.

10 Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, ohne die Erde zu tränken und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen, dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, 
11 so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, ohne zu bewirken, was ich will, und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.

Am Sonntag nach Epiphanie feiern wir das Fest der Taufe des Herrn. Ganz bewusst wenden wir uns in diesem Jahr den alternativen Lesungen zu, die vorgeschlagen werden. Auch das Evangelium ist in diesem Lesejahr ein anderes: In der ersten Lesung dieses Sonntags geht es um die Einladung Gottes an die Durstigen, bei ihm Erquickung zu finden. Hier geht es um das Leben, nämlich um das ewige Leben. Die Durstigen, die zum Wasser kommen, sind die Menschen, die nach Gott dürsten. Es geht nicht um herkömmliches Wasser, das man zur Durstlöschung des Körpers verwendet, sondern um das lebendige Wasser für die Seele. Jeder Mensch sehnt sich als Gottes Abbild nach ihm, ob bewusst oder unbewusst. Und diese Sehnsucht kann nur Gott wirklich stillen. Wenn wir sie versuchen, woanders zu erfüllen, werden wir sehr unglücklich, denn die irdischen Güter können uns nicht glücklich machen. Die Seele schreit dabei nach Nahrung, denn heutzutage vergisst der Mensch, dass auch diese etwas zu essen braucht. Die Quelle der Seele, die ihren Hunger und ihren Durst stillen kann, ist allein Gott.
Wir verstehen aus christlicher Sicht, was damit gemeint ist: Der Heilige Geist! Dieser ist es, der bei der Schöpfung über der Urflut schwebt. Dieser ist es, der dem Menschen die ewige Seele einhaucht. Dieser ist es, der auch den ersten Menschen der neuen Schöpfung zum Leben erweckt! Das Leben kommt von Gott – nicht nur das biologische Leben, sondern auch das ewige! Auch gerade das Leben in Fülle, das heißt ein gesegnetes Dasein, kann nur Gott garantieren. Was der Mensch alleine versucht, wird ihn nicht glücklich machen. Auf das Volk Israel bezogen ist es die Anbetung irgendwelcher Götzen, die es in die Babylonische Gefangenschaft gebracht hat. Was versucht der Mensch nicht alles, um glücklich zu werden! Wie viel investieren auch wir bis heute in irdische Güter, damit wir uns selbst ein Leben in Fülle beschaffen? Und doch sind die Herzen der Menschen leerer als sonst, weil sie Gott nicht darin haben. Gottes Gnade, die uns glücklich machen kann, die uns das Leben in Fülle schenkt, kostet nichts! Der einzige Preis ist das Hören auf Gott.
„Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch laben an fetten Speisen! Neigt euer Ohr und kommt zu mir, hört und ihr werdet aufleben!“ Leben wir in Gemeinschaft und Einklang mit dem Willen Gottes, dann werden auch wir ein Leben in Fülle haben! Gott ist ein Gott des Lebens. Jesus hat ihm bis ans Kreuz vertraut. Er hat in allem den Willen seines Vaters getan und so hat dieser ihn von den Toten auferweckt! Dies sei uns ein Beispiel, damit auch wir am Ende leben, auch wenn wir sterben!
Gott ist bereit, einen ewigen Bund zu schließen. Er ist treu und hält, was er verspricht. Dieser Bund, der hier aber angekündigt wird, ist ein universaler Bund, also der neue Bund, der über die zwölf Stämme Israels hinausgeht. Dafür wird er einen Zeugen senden für alle Völker, nämlich seinen eigenen und einzigen Sohn! Dieser wird den neuen Bund besiegeln mit seinem eigenen Bund. Ein neues Gottesvolk wird entstehen, das nicht mehr nur die zwölf Stämme Israels umfassen wird. Dies zeigt uns das hebräische Wort an dieser Stelle: גֹּוי goj, das immer die nichtjüdischen Völker meint. Das Eilen der Nation zu Gott führt uns zurück zum Hochfest Epiphanie, das wir am 6. Januar gefeiert haben. Die Sterndeuter als Repräsentanten der heidnischen Völker eilen zum Jesuskind, um es anzubeten. Am Ende der Zeiten werden alle Völker zum himmlischen Zion kommen, um ihn anzubeten.
Gott ist Geheimnis, teilt sich aber den Menschen mit. Er ist ein sich offenbarender Gott. Das ist es, was Jesaja aussagen möchte, wenn er sagt: „Sucht den HERRN, er lässt sich finden, ruft ihn an, er ist nah!“ Es ist schon zusammengefasst in dem Sch’ma Israel in Dtn 6,4-9. Auch Jesus sagt: Wer sucht, der findet. Gott möchte, dass wir zu ihm kommen, weil er schon längst bei uns ist. Zugleich ist er für die Israeliten jener Zeit auf dem Weg zu ihnen. Der Messias kommt bald und so ist Gott auch von seiner Menschwerdung her nah! Es ist aber auch sakramental und moralisch zu verstehen, die wir nun als Kirche der Ewigkeit entgegen gehen. Auch da ruft uns der Herr dazu auf, ihn von Herzen zu suchen – es meint nicht einfach die Suche nach etwas Verlorenem oder noch nicht Existentem. Es ist vielmehr ein Aufsuchen, eine Sehnsucht und ein Wunsch nach ihm. Es ist das, was Augustinus sein Leben lang getan hat, bis er in der Kirche angekommen ist mit den Worten: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, oh Gott.“ Auch wir Christen sollen Gott in allem suchen und unser Verhalten danach ausrichten, ihm den ersten Platz in unserem Leben zu geben. Die Gottesliebe sowie die Nächstenliebe sollen den Antrieb des Menschen darstellen. Und wenn wir in die Kirche kommen, wo Christus im Allerheiligsten auf uns wartet, sind wir ihm sehr nahe, sogar so nahe, dass wir ihn in uns aufnehmen dürfen in der Kommunion! Dann nimmt er Wohnung im Tempel unseres Herzens, das ist die nächste Nähe, die er einnehmen kann.
Dass Jesajas Worte auch eine moralische Tragweite besitzen, erkennen wir an der Aufforderung: „Der Frevler soll seinen Weg verlassen, der Übeltäter seine Pläne.“ Das Bild des Weges ist eine gängige Metapher für den Lebenswandel des Menschen. Sünder sollen also den Weg der Sünde verlassen und die Gebote Gottes halten. Sie sollen eine Umkehr durchlaufen, damit sie Gottes Barmherzigkeit erfahren können. Dabei lehrt uns Jesaja: Reue und Umkehr sind Voraussetzungen für das Wirken der Barmherzigkeit Gottes in unserem Leben! Wir können nicht davon ausgehen, dass Gott uns schon die Sünden vergibt und beide Augen zudrückt, weil er ja die unendliche Liebe ist. Das wäre ein Missbrauch der Barmherzigkeit Gottes. Gottes Vergebungsbereitschaft ist unendlich, aber wenn wir ihr Schranken setzen, kann er nichts tun. Zu sehr ist ihm unser freier Wille heilig. Und die Barmherzigkeit Gottes muss aktiv angenommen werden durch das Bitten um Vergebung, durch Reue und Umkehr.
Auch wenn Gott sich den Menschen mitteilt und ihnen nahe sein will, wird er nicht zum durchschaubaren Objekt. Er bleibt Geheimnis, der ganz Andere, die absolute Transzendenz. Und seine Vorsehung übersteigt unseren menschlichen Verstand bei weitem. So sagt Jesaja ganz deutlich: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des HERRN.“ Das meint nicht nur die bösen Wege der Sünde, die ganz wesentlich von Gott zu unterscheiden sind. Das meint seinen göttlichen Willen, der autonom ist. Deshalb schließt sich auch der poetische Ausdruck über Himmel und Erde an: Gottes Wege überragen die menschlichen Wege wie der Himmel die Erde. Es heißt auch: Der Mensch denkt, Gott lenkt. Am deutlichsten wird es in unserer eigenen Biographie: Wie viel planen wir und wie oft haben wir unser Leben nicht unter Kontrolle! Dann durchkreuzt eine Krankheit unser Vorhaben, dann stellt sich nicht der erhoffte und erarbeitete Erfolg ein. Vieles läuft anders, als wir es möchten. Und doch wird alles vom universalen Heilswillen Gottes umschlossen.
Das Wirken Gottes wird mit einem meteorologischen Bild verglichen: So wie Regen und Schnee auf die Erde kommen, diese tränken und die Früchte zum Keimen und Wachsen bringen und erst dann wieder in den Himmel zurückkehren, so ist das Wort Gottes ebenso fruchtbar, bringt die gesamte Schöpfung zum Keimen und Wachsen. Durch das gesprochene Wort Gottes geht in der Genesis überhaupt erst alles hervor. Und als das Wort dann Fleisch geworden ist, hat es so viel Frucht gebracht, dass es unzählige Seelen zum Keimen und Wachsen gebracht hat. Erst nachdem er, Jesus Christus, das fleischgewordene Wort, endgültig Frucht gebracht hat am Kreuz und bei der Auferstehung, ist er zum Vater zurückgekehrt. Auch die Kirche ist wie dieses fruchtbringende Wasser, denn sie ist durchtränkt vom Hl. Geist. Sie sendet ihr lebendiges Wasser in alle Himmelsrichtungen hinaus und durchtränkt die ganze Erde. Bis sie zum Vater zurückkehrt am Ende der Zeiten wird sie viele Seelen für ihn gewinnen. Und am Ende der Zeiten wird das lebendige Wasser, der Hl. Geist die ganze zertrümmerte Schöpfung so durchtränken, dass er einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird!
Jesus, das fleischgewordene Wort Gottes, hat wahrlich dem Sämann Brot zu essen gegeben. Er hat die Eucharistie gestiftet und nährt seine Sämänner, jeden einzelnen Getauften, aber auf besondere Weise die Geweihten, dadurch dauerhaft. Gott ist so groß, danken wir ihm für sein Wort!

Jes 12
2 Siehe, Gott ist mein Heil; ich vertraue und erschrecke nicht. Denn meine Stärke und mein Lied ist Gott, der HERR. Er wurde mir zum Heil.

3 Ihr werdet Wasser freudig schöpfen aus den Quellen des Heils.
4 Dankt dem HERRN! Ruft seinen Namen an! Macht unter den Völkern seine Taten bekannt, verkündet: Sein Name ist erhaben!
5 Singt dem HERRN, denn Überragendes hat er vollbracht; bekannt gemacht sei dies auf der ganzen Erde.
6 Jauchzt und jubelt, ihr Bewohner Zions; denn groß ist in eurer Mitte der Heilige Israels.

Als Antwort beten wir diesmal keinen Psalm, sondern ein Danklied aus dem Buch Jesaja. Es geht um den Dank der Geretteten vom Zion aus. Es ist kein Danklied, das bereits von jemandem gesungen worden ist, sondern das zukünftig gesungen wird (Vers 1: „An jenem Tag wirst du sagen“). Es hängt zusammen mit der messianischen Verheißung von Jes 11, die vom Spross aus der Wurzel Isais spricht. Was zur Zeit des Jesaja noch aussteht, erfüllt sich mit dem kommenden Messias.
„Siehe, Gott ist mein Heil“. Das kann man wortwörtlich sagen, weil יְשׁוּעָתִי jeschuati „mein Heil“ den Namen Jesu umfasst. Er wird Mensch, um unter uns zu leben! Und weil er so weit geht, nur um uns zu retten, können wir ganz vertrauen. Wir brauchen keine Angst zu haben, so wie Maria ohne Angst alles Gott anvertraut hat. Auch das Volk Israel kann aus Erfahrung sagen, dass Gott es aus der Misere herausgeholt hat, schon aus dem Exil, dann aber auch durch den Messias. Gott war stets Stärke und Lied seiner Braut Israel. Er hat ihr den Rücken gestärkt im Krieg und in der Versuchung. Die Lieder, die David gedichtet hat, sind vom Hl. Geist selbst inspiriert und dadurch eine gesalbte Musik.
Das freudige Schöpfen von Wasser aus den Quellen des Heils wird demnach schon im Buch Jesaja nicht nur wörtlich verstanden. Es handelt sich um das lebendige Wasser, das von Gott kommt und Totes wiederbelebt. Es handelt sich um ein Bild für den Heiligen Geist. Allegorisch verstanden handelt es sich dabei um das Wasser der Taufe, durch das der Mensch zum ewigen Leben wiedergeboren wird. Es ist derselbe Geist, der die Auferstehung Jesu Christi bewirkt hat. Es ist derselbe Geist, durch den wir die Vergebung der Sünden auch nach unserer Taufe erhalten, wenn wir beichten. Und es ist der Geist, der die neue Schöpfung am Ende der Zeiten bewirken wird. Mit ihm ist die Freude verbunden. Sie ist eine Frucht des Heiligen Geistes und deshalb wird die Ewigkeit ein einziges Freudenmahl sein.
Gott hat an den Israeliten schon so viel Gutes bewirkt. Es ist schon jeden Lobpreis wert. In Vers 4 lesen wir einen regelrechten Missionsauftrag. Was Gott an uns Gutes getan hat, muss weitererzählt werden bei den umliegenden Völkern. Freude muss geteilt werden! Und durch die Verkündigung des Namens Gottes werden auch die anderen Völker zum Glauben an diesen Gott des Heils kommen.
Auch Vers 5 ist in dieser Linie zu lesen. Gottes Heilstaten ziehen als einzig angemessene Reaktion den Gesang für Gott nach sich. Die ganze Erde möge von diesem Gott erfahren! Es erinnert uns sehr an die Worte Jesu vor seiner Himmelfahrt. Die Apostel sollen in die ganze Welt hinausgehen und alle Menschen zu seinen Jüngern machen. Dieser Sendungsauftrag hat somit eine lange Vorgeschichte!
Zum Schluss erfolgt ein weiterer Lobpreisaufruf, denn Gott in ihrer Mitte ist groß. Die „Bewohner Zions“ können unterschiedlich ausgelegt werden. Es meint wörtlich zunächst die Bewohner Jerusalems zur Zeit dieser Prophezeiung. Es sind die Verschleppten im Exil, die aus ihrer Misere befreit werden. Zugleich betrachten wir es tiefer und erkennen die Bewohner Zions zur Zeit Jesu. Er ist wahrlich Gott in ihrer Mitte. Wenn er real bei ihnen ist, ist der Bräutigam zur Braut gekommen. Das kann keine Trauerzeit sein, sondern ist Grund zur Freude! Der Tempel ist noch da, aber bald ist er zerstört. Gott ist dann aber in eucharistischer Form in ihrer Mitte – bis heute! „Zion“ ist dann nicht mehr das in Trümmern liegende Jerusalem, das durch die Römer zerstört worden ist, sondern die Kirche. Sie ist der Bau, der aus lebendigen Steinen besteht – die Gemeinschaft der Gläubigen. In ihrer Mitte ist Christus real gegenwärtig in den eucharistischen Gestalten. Wir sehen ihn nicht mehr als Menschen, doch er ist genauso präsent wie damals. Wenn uns dies einmal bewusst wird, können wir nicht mehr anders als in der Heiligen Messe voller Lobpreis im Herzen und auf den Lippen zu verweilen. Eucharistie ist Danksagung. Wir preisen in der Messe Gott für seine Heilstaten auf intensivste Weise. Und wenn wir im Stand der Gnade sind, wohnt Gott mitten in uns. Er nimmt Wohnung in unserer Seele, wenn wir getauft werden. Bemühen wir uns, diesen inneren Tempel nicht zu verunreinigen, und preisen wir den Herrn Tag für Tag! Tun wir dies nicht nur mit unseren Lippen, sondern führen wir ein entsprechendes Leben! Dann sind wir wirklich eine treue und makellose Braut, als die er uns durch den Bundesschluss angenommen hat.

1 Joh 5
1 Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, ist aus Gott gezeugt und jeder, der den Vater liebt, liebt auch den, der aus ihm gezeugt ist.

2 Daran erkennen wir, dass wir die Kinder Gottes lieben: wenn wir Gott lieben und seine Gebote erfüllen.
3 Denn darin besteht die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer.
4 Denn alles, was aus Gott gezeugt ist, besiegt die Welt. Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube.
5 Wer sonst besiegt die Welt, außer dem, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist?
6 Dieser ist es, der durch Wasser und Blut gekommen ist: Jesus Christus. Er ist nicht nur im Wasser gekommen, sondern im Wasser und im Blut. Und der Geist ist es, der Zeugnis ablegt; denn der Geist ist die Wahrheit.
7 Denn drei sind es, die Zeugnis ablegen:
8 der Geist, das Wasser und das Blut; und diese drei sind eins.
9 Wenn wir von Menschen ein Zeugnis annehmen, so ist das Zeugnis Gottes größer; denn das ist das Zeugnis Gottes: Er hat Zeugnis abgelegt von seinem Sohn.

Die zweite Lesung aus dem ersten Johannesbrief reflektiert die Zugehörigkeit zu Gott. Was Christen ausmacht, ist ihr Glaube an Jesus Christus, der eben nicht nur Geist ist und einen Scheinleib hatte (so die Doketisten, gegen die Johannes in diesem Brief die christliche Lehre, vor allem die Christologie klarstellt). Alle falschen christologischen Vorstellungen disqualifizieren den Christen, denn hier heißt es, dass wer an Jesus als den Christus glaubt, aus Gott gezeugt ist. Was heißt aber „aus Gott gezeugt“? In der Taufe sind wir eine neue Schöpfung geworden, neugeboren im Hl. Geist. In diesem Sinne sind wir von Gott gezeugt. Wir hängen nicht mehr der gefallenen Schöpfung an, sondern sind zu Kindern Gottes geworden. Die Liebe zu Christus schließt zugleich die Liebe zum Vater ein, weil Vater und Sohn eins sind. Es gibt viele Irrlehren, die einen Keil zwischen den Vater und den Sohn treiben. Christus sei gemäß Arianern ein Geschöpf, aber nicht selbst Gott. So entfremdet man den Vater und den Sohn voneinander.
Johannes bleibt in der heutigen Lesung aber nicht bei der Gottesliebe stehen, sondern spricht auch die Nächstenliebe an. Beides ist ja miteinander verbunden als Doppelgebot der Liebe. „Wenn wir Gott lieben und seine Gebote erfüllen“, lieben wir die Kinder Gottes, also die Mitchristen. Denn aus der Liebe zu Gott schöpfend, gleichsam trinkend aus der unerschöpflichen Liebesquelle Gottes, können wir auch den Nächsten vollkommen lieben – so sehr, dass wir wie Christus unser Leben für sie hingeben. Die Gebote Gottes halten wir aus Liebe, nicht aus Pflichtgefühl. Das macht die Vollkommenheit und Gerechtigkeit aus, die größer ist als die der Pharisäer und Schriftgelehrten.
Weil Christus selbst die Welt besiegt hat, können wir die Welt besiegen. Dies wird mit einer rhetorischen Frage („Wer sonst…“) formuliert. Die „Welt“ meint in diesem Zusammenhang immer die gefallene Schöpfung, nicht die Welt, wie sie Gott geschaffen hat. Das ist wichtig zu betonen, weil wir Johannes sonst unberechtigterweise einen Welthass oder eine Weltangst unterstellen. Es geht ihm um die gefallene Welt, die vom Bösen infiltriert ist. Diese ist besiegt durch den Glauben an Jesus Christus. Es wird spezifiziert, was mit Glaube gemeint ist: der Glaube an Jesus Christus als Sohn Gottes, also wie er wirklich ist und nicht, wie häretische Bewegungen ihn verzerren. Dieser Glaube ist geknüpft an die Taufe und diese ist heilsnotwendig. Sie ist Zeichen des inneren Glaubens des Menschen. Vers 6 weist dann ein Bild auf, das für uns am Fest der Taufe des Herrn besonders auffällig ist: Jesus kam durch Wasser und Blut. Was ist damit gemeint? Die beiden Stoffe umschreiben die beiden Naturen Jesu. Das Wasser steht für seine Göttlichkeit, da es oft das Bild für den Hl. Geist ist, das Blut für seine Menschlichkeit, weil es für die Genealogie von Menschen steht. Wir können diese Interpretation vor allem dadurch erkennen, dass Johannes das Kommen durch Wasser UND Blut betont und extra sagt, dass Jesus nicht nur durch Wasser gekommen ist. Das behaupten nämlich die Doketisten (Jesus hat keine Materie angenommen). Der Geist Gottes bezeugt diese Wahrheit, weil er selbst Wahrheit ist. Uns ist es vom Geist eingegeben worden, dass Jesu Identität so ist. Und diese Aussage spielt auf die Taufe Jesu an, wo der Geist sich in Gestalt einer Taube auf Jesus hinabsenkt . Damit bezeugt der Geist selbst die Identität Christi.
Alle drei Elemente werden nun ab Vers 7 zu Zeugen: Wasser, Blut und Geist. Das ist interessant, weil wir hier etwas über das Verhältnis Christi zum Hl. Geist erfahren. Sie sind nämlich eins (ἕν εἰσιν). Dies ist analog zu Joh 10,30 zu lesen, wo Jesus die Einheit mit dem Vater ausdrückt (ἕν ἐσμεν).
Johannes möchte zum Ende des Briefes die Adressaten versichern, dass die von der Kirche geglaubte Lehre über Jesu Identität zuverlässig sei, eben weil der Geist Gottes selbst sie bezeugt hat. Stünde es gegen ein menschliches Zeugnis (wie im Fall der Doketisten!), überwiegt das Zeugnis Gottes bei weitem. Gott hat selbst Zeugnis von Jesus abgelegt und wir tragen dieses Zeugnis im Herzen – durch die Taufe. Wir sind ja auf den Vater, den Sohn und den Hl. Geist getauft. Leugnen wir also Jesu wahre Identität, machen wir Gott selbst zum Lügner, der genau diese Identität ja bezeugt hat.
Das Zeugnis besteht im ewigen Leben, das Gott durch seinen Sohn geschenkt hat – die Aussicht auf ein Leben im himmlischen Jerusalem.
„Wer den Sohn hat, hat das ewige Leben“ bedeutet, dass wenn wir Jesus annehmen, wie er ist, in das Reich Gottes eingehen können.
Johannes schließt den Brief also mit der Heilsnotwendigkeit ab, Jesu Identität anzunehmen, die uns Gott selbst offenbart hat: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Schon in den Kapiteln zuvor schreibt Johannes ja, dass wir nur dann im Stand der Gnade sind, wenn wir Jesu Identität annehmen, wie sie die Kirche lehrt. Und diesen Glauben bezeugen wir bei der Taufe!

Mk 1
7 Er verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. 8 Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
9 Und es geschah in jenen Tagen, da kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.
10 Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel aufriss und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.
11 Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.

Im Evangelium hören wir nun von der Taufe Jesu. Oft fragt man sich: Warum muss Jesus sich denn taufen lassen, wenn er selbst doch ohne Sünde ist? Er tut es aus demselben Grund, weshalb er am Kreuz stirbt: Für uns zur Sühne. Dieser Sühneweg beginnt schon mit der Geburt, ja schon mit der Empfängnis im Leib Mariens. Er muss geradestehen für Dinge, die er nicht selbst verschuldet hat, er, der nie etwas verschuldet hat!
Mit der Taufe Jesu werden sein Tod und seine Auferstehung erahnt, denn er taucht unter als alter Mensch – als Leichnam ins Grab gelegt. Er taucht wieder auf als neuer Mensch – als Auferstandener vom Grab erstanden! Nicht umsonst sagt Paulus, dass wir auf Jesu Tod getauft sind. Jesu Taufe ist auch eine Grundlegung dessen, was uns erwartet: die Salbung und die uns zugesagte Gotteskindschaft durch den Vater.
Alles der Reihe nach: Johannes kündigt Jesus an als den Stärkeren. Er ist nicht nur wahrer Mensch, sondern auch und zuallerst wahrer Gott. Das macht ihn unendlich stärker als jeden sterblichen Menschen! Johannes ist ganz und gar in einer demütigen Haltung. Er definiert sich selbst von Christus aus, weshalb er sich nicht einmal würdig findet, einen Sklavendienst an ihm auszuführen: Die Sandalen zu öffnen und auszuziehen. So viel niedriger sieht er sich im Gegensatz zum Messias, den er in seiner Bußpredigt ankündigt!
Jesus kommt von Galiläa an den Jordan zu Johannes. Wir hören davon auch im Johannesevangelium. Johannes weiß, wer Jesus ist und das dieser ohne Sünde ist. Deshalb wundert er sich in der ausführlicheren Version des Matthäusevangeliums auch, als Jesus sich zu den anderen Menschen stellt, um getauft zu werden. Aber es gehört zum Erlösungsplan Gottes, dass dieser sich stellvertretend der Johannestaufe stellt. Warum? Es handelt sich noch nicht um das Sakrament zur Vergebung der Sünden. Das wird es erst mit dem von Jesus gestifteten Sakrament. Hier handelt es sich um einen Bußakt als Vorbereitung auf das Kommen des Messias. Wenn Jesus sich hier also taufen lässt, ist das ein Bußakt stellvertretend für die Menschheit. Jesus entgegnet seinem Verwandten, dem Täufer: „Lass es nur zu.“ Er möchte ihm zu verstehen geben, dass es alles im Plan Gottes ist, auch wenn er es nicht versteht. Johannes lässt es daraufhin zu und tauft Jesus. Bei Markus wird es knapper gefasst. Dort wird einfach berichtet, dass Jesus sich taufen lässt.
Gott offenbart sich nun in dem Moment, als Jesus wieder auftaucht: „Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel aufriss und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.“ Das ist kein Zufall, ebenso wenig wie die Stimme aus dem Himmel, die Jesaja 42 zitiert: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.“ (das haben wir heute nicht gehört, sondern eine andere erste Lesung. Diese ist aber an Taufe des Herrn auch zur Wahl gestellt). Ein entscheidender Unterschied besteht in dem Wort „Sohn“ statt „Knecht“. Er ist wahrlich der Sohn Gottes. Das Verb für „Wohlgefallen finden“ ist εὐδοκέω eudokeo. Es bedeutet wortwörtlich „zufrieden sein, genehmigen, zustimmen“. Es wird das erste Gottesknechtslied zitiert, wodurch Jesu Messianität begriffen werden sollte. Gott ist wirklich so ein toller Pädagoge, dass er alttestamentliche Verheißungen in den Mund nimmt und so die anwesenden Juden es verstehen können. In Jes 42 wird gesagt, dass Gott seinen Geist auf den Knecht legt. Dies erfüllt sich mit dem Herabsinken des Geistes in Gestalt einer Taufe.
Zugleich passiert etwas Interessantes: Dadurch, dass statt Knecht Sohn gesagt und dann das Verb εὐδοκέω verwendet wird, erinnert das an die Praxis der Beschneidung eines Kindes am achten Tag. Das ist nämlich der Moment, wo der Vater den Namen des Kindes sagt und somit offiziell das Kind als seines annimmt. Der gläubige Jude wird die Taufe Jesu vielleicht schon analog dazu verstanden haben. Durch die Beschneidung wird der Mensch in den Alten Bund hineingenommen, den Gott mit seinem auserwählten Volk geschlossen hat. Was hier passiert, ist analog dazu zu sehen, aber nicht mehr die Beschneidung, sondern die Taufe besiegelt den Bund. Dieser wird erst am Kreuz geschlossen, hier aber schon werden die Menschen darauf vorbereitet, dass es einen neuen Bundesschluss geben wird (dann deutet Jesus mit dem stellvertretenden Bußakt der Johannestaufe schon die sakramentale Taufe an, die seine Apostel später spenden werden).
Exegeten ziehen leider allzu oft den Fehlschluss, dass die Autoren der Evangelien tatsächlich glaubten, dass Jesus erst bei der Taufe zum Sohn Gottes geworden sei. Das ist deshalb falsch, weil sie nicht berücksichtigen, wie Gott pädagogisch vorgeht. Jesus ist schon längst Gottes Sohn, das war er bereits vor der Zeit. Wir müssen den synoptischen Evangelisten den Glauben daran nicht absprechen. Gott offenbart diese heutigen Worte vom Himmel aus um der Menschen willen, um Johannes des Täufers willen. Bei ihnen soll es einen Aha-Effekt geben, indem sie diese Indizien zu einem ganzen Bild zusammenstecken. Hier erfüllt sich die gesamte messianische Verheißung!
Wir haben noch weitere Teilchen, die das Bild vervollständigen. Ich deutete schon vorhin an, dass es kein Zufall sei, dass der Hl. Geist ausgerechnet als Taube auf Jesus hinabsteigt. Hier kommt der Antitypos zu den Wasserfluten in Genesis zum Vorschein: Das Wasser der Taufe Jesu. Jesus taucht stellvertretend für unsere Sünden als Bußakt in den Jordan unter, nicht nur für uns, sondern auch für die Menschen, die bereits in der Sintflut untergetaucht sind. Er ist für alle Menschen gestorben, die jemals geboren wurden, die jetzt leben und die noch kommen werden. Er ist „der Mensch“, der neue Adam, der Stellvertreter der gesamten Menschheit.
Wie die Taube Noah einen Zweig im Schnabel bringt zum Zeichen dafür, dass ein neues Leben möglich ist, so kommt der Geist Gottes als Zeichen des ewigen Lebens auf Jesus hinab. Dieser ist als Aufgetauchter nun gesühnt und bereit für das ewige Leben im Reich Gottes. Das tut er exemplarisch für uns alle. So ist es nämlich mit uns, wenn wir getauft werden in seinem Namen: Unser alter Mensch, der von der Erbsünde belastet ist, stirbt im Wasser und wir tauchen als neue Menschen wieder auf – als Erben im Reiche Gottes. Der Geist kommt auch auf uns herab und auch wir werden mit seinen Gaben gesalbt. Gott nimmt uns offiziell als seine Erben an, an denen er „Wohlgefallen gefunden hat“. Diese Gotteskindschaft ist gewiss eine andere als die Jesu, denn wir bleiben ja Menschen. Es ist eine Kindschaft durch die Gnade Gottes, der uns in seine Liebesgemeinschaft mit hineinziehen möchte.
Auch zum Wasser des Schöpfungsberichts ist eine typologische Brücke zu ziehen: Mit der Taufe werden wir neugeschaffen. Es ist der Beginn der neuen Schöpfung, die am Ende der Zeiten mit dem neuen Himmel und der neuen Erde vollendet wird. Deshalb ist auch bei unserer Taufe der Hl. Geist gegenwärtig, der das neue Leben schafft. Auch bei der Taufe „schwebt er über dem Wasser“ und schafft uns neu.

Erinnern wir uns heute am Fest der Taufe des Herrn an unsere eigene Taufe und danken wir dem Herrn, der er uns bereits neugeschaffen hat im Hl. Geist. So sind wir zu Kindern in seinem Reich geworden, zu Erben, die am Ende dieses irdischen Lebens das Erbe antreten werden, das ewige Leben bei ihm.

Ihre Magstrauss

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