Zweiter Fastensonntag (C)

Gen 15,5-12.17-18; Ps 27,1.7-8.9.13-14; Phil 3,17 – 4,1; Lk 9,28b-36

Gen 15
5 Er führte ihn hinaus und sprach: Sieh doch zum Himmel hinauf und zähl die Sterne, wenn du sie zählen kannst! Und er sprach zu ihm: So zahlreich werden deine Nachkommen sein.
6 Und er glaubte dem HERRN und das rechnete er ihm als Gerechtigkeit an.
7 Er sprach zu ihm: Ich bin der HERR, der dich aus Ur in Chaldäa herausgeführt hat, um dir dieses Land zu eigen zu geben.
8 Da sagte Abram: Herr und GOTT, woran soll ich erkennen, dass ich es zu eigen bekomme?
9 Der HERR antwortete ihm: Hol mir ein dreijähriges Rind, eine dreijährige Ziege, einen dreijährigen Widder, eine Turteltaube und eine junge Taube!
10 Abram brachte ihm alle diese Tiere, schnitt sie in der Mitte durch und legte je einen Teil dem andern gegenüber; die Vögel aber zerschnitt er nicht.
11 Da stießen Raubvögel auf die toten Tiere herab, doch Abram verscheuchte sie.

12 Bei Sonnenuntergang fiel auf Abram ein tiefer Schlaf. Und siehe, Angst und großes Dunkel fielen auf ihn.
17 Die Sonne war untergegangen und es war dunkel geworden. Und siehe, ein rauchender Ofen und eine lodernde Fackel waren da; sie fuhren zwischen jenen Fleischstücken hindurch.
18 An diesem Tag schloss der HERR mit Abram folgenden Bund: Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land vom Strom Ägyptens bis zum großen Strom, dem Eufrat-Strom.

In der ersten Lesung hören wir einen Abschnitt aus der Abrahamsgeschichte. Vor unserem Abschnitt hören wir davon, dass Abram Krieg gegen die Könige der umliegenden Orte führte, die Sodom und Gomorrha ausgeraubt und Lots Familie sowie Besitz als Kriegsbeute mitgeführt hatten. Abram hat also eine Rettungsaktion durchgeführt, bei der er den gesamten Besitz und alle Familienmitglieder aus den Klauen der Feinde gerettet hat. Daraufhin begegnete Abram Melchisedek, dem König von Salem und Priester des höchsten Gottes. Dieser segnet Abram und bringt Brot und Wein dar. Diese sehr symbolträchtige Begegnung geht dem heutigen Abschnitt unmittelbar voraus.
Abram ist weiterhin kinderlos geblieben und so wendet er Gott gegenüber ein, als dieser ihm große Verheißungen macht, dass er ja nicht einmal einen leiblichen Erben hat und sich so gar nicht belohnt fühlen kann. Er deutet in dem Zuge an, dass sein Haussklave alles erben wird. Gott versichert ihm aber zum dritten Mal, dass er so viele Nachkommen haben wird, dass man sie gar nicht alle zählen kann. Damit beginnt unsere Lesung. Diesmal zeigt Gott ihm nicht den Sand am Meer oder den Staub auf der Straße, sondern die Sterne am Himmel. Immer wieder ermutigt Gott Abram, damit er geduldig aushält und seiner Verheißung glaubt. Dies tut er auch an dieser Stelle. Es heißt, dass Gott Abrams Glauben ihm als Gerechtigkeit anrechnet. Es geht dabei nicht einfach nur darum, dass Abram Gottes Worte für wahr hält, sondern auch darum, dass er sich entsprechend verhält. Er befolgt Gottes Willen immer wieder, weshalb sein Glaube als Glaubensgehorsam zu verstehen ist.
Gott setzt an zu Offenbarungsworten, was typisch ist im Kontext von Bundesschlüssen. Später wird Gott sich vorstellen mit den Worten: Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus Ägypten heraufgeführt hat. Dies wird der Beginn der Zehn Gebote sein, die Mose auf dem Sinai empfangen wird. Auch hier beginnt ein Bundesschluss mit der Selbstvorstellung Gottes, bei der die Beschreibung der Heilstaten Gottes mit einem Relativsatz ausgedrückt wird. Gott hat Abram aus Chaldäa nach Kanaan geführt.
Abram fragt Gott, woran er erkennen kann, dass Gott es mit ihm ernstmeint. So hören wir nun die Vorgaben Gottes zu einer Opfergabe: Abram soll ein dreijähriges Rind, eine dreijährige Ziege, einen dreijährigen Widder, eine Turteltaube oder junge Taube hernehmen, sie schlachten und in der Mitte zerteilen außer die Vögel. Durch das Fleisch werden Raubvögel angezogen, die Abram verscheuchen muss. Die Auswahl der Opfertiere sowie ihr Alter sind unterschiedlich ausgelegt worden. Die Kirchenväter sehen darin sinnbildliche Andeutungen und Präfigurationen des einen endgültigen Opfers. Wiederum andere meinen, dass die Dreizahl die Trinität andeutet. Dass die Tiere drei Jahre alt sind, wird unter anderem damit erklärt, dass es das perfekte Alter für jene Tiere darstellt. So kommt Gott nur das beste zu. Manche legen die Tiere so aus, dass sie bestimmte Phasen in der kommenden Heilsgeschichte des Volkes Israel symbolisieren.
Warum muss Abram überhaupt etwas opfern? Gott ist in Begriff, einen Bund mit Abram zu schließen. Bundesschlüsse gehen stets ein mit einem Zeichen, einem Opfer und einer Gesetzgebung einher. Das Opfer bereitet Abram vor, das Zeichen dieses Bundesschlusses wird uns heute nicht mehr verlesen: Es geht um die Beschneidung. Als Gesetz haben wir noch nicht die Torah, aber den Glaubensgehorsam. Abram soll auf Gottes Worte hören und seinen Willen befolgen. Er soll zudem nur auf ihn hören und keinen anderen Göttern nachfolgen. Schließlich ist Gott der einzige Gott, der ihm so viele Heilstaten erwiesen hat und Verheißungen für ihn bereithält.
Abram fällt bei Einbruch der Dunkelheit in einen tiefen Schlaf und bekommt es mit der Angst zu tun. Warum eigentlich? Was ist los? Man kann dies zweierlei auslegen: Entweder handelt es sich bei dieser aufkommenden Angst um Gottesfurcht, weil Abram nun zur Ruhe kommt und alles verarbeitet. Was Gott alles in seinem Leben bewirkt hat, kann den kleinen schwachen Menschen nur in Staunen versetzen! Oder Abram ist geistlichen Anfechtungen und Versuchungen ausgesetzt. Es heißt ja auch, dass die Dunkelheit eingesetzt hat. Er kommt gleichsam in einen Zustand, in dem er auf sich selbst zurückgeworfen ist.
Doch Abram ist nicht allein. Inmitten der Dunkelheit kommt Gottes Herrlichkeit auf die Opfertiere hinab. Er manifestiert sich als rauchender Ofen und lodernde Fackel und fährt durch die Fleischstücke hindurch. Für uns ist diese Szene bei genauerem Nachdenken eine Präfiguration, ein Typos für die Eucharistie. Was wir hier sehen, ist wie nach der Epiklese in jedem Hochgebet: Der Geist Gottes kommt auf die Gaben herab und heiligt sie. Wie Gott mit Abram einen Bund schließt und somit sein Versprechen bestärkt, wird in jeder Hl. Messe der Bund zwischen Gott und Mensch erneuert.
Gott verspricht Abram ganz offiziell, was er ihm schon mehrfach gesagt hat: Abrams Nachkommen werden das Land Kanaan erben.
Als Bundeszeichen wird Gott Abram die Beschneidung auftragen, aber erst später. So werden alle, die zum Volk Israel gehören, mit der Beschneidung zur Bundesfamilie Gottes.

Ps 27
1 Von David. Der HERR ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen?
7 Höre, HERR, meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und gib mir Antwort!
8 Mein Herz denkt an dich: Suchet mein Angesicht! Dein Angesicht, HERR, will ich suchen.
9 Verbirg nicht dein Angesicht vor mir; weise deinen Knecht im Zorn nicht ab! Du wurdest meine Hilfe. Verstoß mich nicht, verlass mich nicht, du Gott meines Heils!

13 Ich aber bin gewiss, zu schauen die Güte des HERRN im Land der Lebenden.
14 Hoffe auf den HERRN, sei stark und fest sei dein Herz! Und hoffe auf den HERRN!

Wir beten heute einen ganz bekannten Psalm, der das Vertrauensverhältnis Davids zu Gott offenbart. Es gibt hier messianische Hinweise bzw. erkennen wir Christus im Psalm: Der HERR, Jahwe, ist mein Heil. Das hebräische Wort weist denselben Stamm auf wie der Name Jesu. Das ist kein Zufall. Der Psalm ist ganz und gar von Vertrauen geprägt („vor wem sollte mir bangen“, „Zuflucht“, „Hoffe auf den HERRN“). Es ist eben jenes unerschütterliche Vertrauen, das wir Christen alle haben dürfen. Denn Christus hat uns ja erlöst, damit wir mit ihm in Ewigkeit zusammenleben können, mit ihm, der versprochen hat: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.
„Höre, HERR, meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und gib mir Antwort!“ Das passt auch sehr gut zur Situation Abrams, der voller Sehnsucht darauf wartet, dass Gott seine Verheißung wahrmacht und ihm einen Sohn schenkt. Wir rufen auch tagtäglich nach Gottes Erhörung und doch hören wir manchmal gar nicht genau hin. Wir denken allzu schnell, dass Gott unsere Bitten nicht erhört, doch dabei sind sie nur anders, als wir es erwarten. Bei Gott gibt es nämlich kein Nein. Es gibt neben dem Ja nur noch das „Später“ und das „Anders“.
„Mein Herz denkt an dich: Suchet mein Angesicht.“ Es klingt wie eine wörtliche Rede Gottes, auf die der Psalmenbeter mit „Dein Angesicht, HERR, will ich suchen“ antwortet. Das ist, was Abram immer wieder tut und deshalb als gerecht gilt. Er sucht Gottes Angesicht, seine Beziehung, seinen Willen. Er möchte Gott in schweren Zeiten so nahe wie möglich sein. Das ist die richtige Haltung, von der wir uns etwas abgucken können: Suchen wir auch vermehrt Gottes Gegenwart, wenn es uns schlecht geht? Oder sind wir eher so, dass wir in Leidenssituationen Gott abschreiben? Wir wissen nicht, welchen Sinn unser Leiden haben soll, aber eines ist klar: Gott trägt uns durch das Leiden hindurch, doch wir müssen das auch zulassen. Kommen wir auf den Schoß des Vaters und lassen ihn an unseren Problemen teilhaben so wie Abram! Dann wird er auch uns eine Perspektive aufzeigen, uns ermutigen und stärken. Und im Nachhinein werden wir erkennen, dass es das einzig Richtige war, dem Vater zu gehorchen.
Gott soll sein Angesicht nicht verbergen. Das tut er wahrlich nicht im Fall von Abram. Beim Bundesschluss manifestiert sich der Herr in Fackel und Ofen. Auch uns wendet Gott sich zu, wenn wir ganz vertrauensvoll zu ihm kommen wie zu einem Vater. Wichtig ist, dass wir alles dafür tun, damit wir seine Worte, seine Warnungen, Ermutigungen, seine aufgezeigten Wege überhaupt erkennen können. Das geht aber nur, wenn wir uns durch unsere Sünden nicht davon abgeschnitten haben. Vielleicht könnten wir ja darüber nachdenken, ob nicht genau dies der Grund für die ausgebliebenen Gebetserhörungen sein könnte…Gott jedenfalls verstößt nicht einfach leichtfertig seine geliebten Kinder. Er versucht bis zur letzten Sekunde alles, damit SIE sich IHM wieder zuwenden. Doch wenn es zu spät ist, wird er ihre in freier Entscheidung getroffene Ablehnung akzeptieren. Er wird die Konsequenzen zulassen, konkret: die ewige Gottesferne, die Hölle. Aber bis dahin wird er alles versuchen, um sie zu retten. Denn er ist ein Gott des Heils.
„Das Land der Lebenden“ ist durch und durch ein Zeugnis für die Auferstehungshoffnung von Christen. Dies zeigt, dass David mal wieder geisterfüllt diesen Psalm formuliert. Wie kann ein israelitischer König 1000 Jahre vor Christi Geburt so etwas Österliches sonst sagen? Lob sei Gott, dass er schon damals diesen König mit seinen wunderbaren Verheißungen erfüllt hat! Das Land der Lebenden ist das Himmelreich. Wir werden leben, auch wenn wir sterben. Das wird Jesus immer wieder erklären. Denn Gott ist ein Gott der Lebenden, nicht der Toten. Wer sich Gott zuwendet, wird dieses Land der Lebenden erfahren.
Wenn der Mensch auch schwere Grenzerfahrungen machen muss: Gott trägt ihn hindurch. Das ist die Botschaft des Psalms. Und deshalb darf der Mensch nie die Hoffnung aufgeben. Bei Abram ist es immer wieder so, dass sein Geduldsfaden fast reißt. Doch Gott wiederholt immer wieder seine Verheißung.

Phil 3
17 Ahmt auch ihr mich nach, Brüder und Schwestern, und achtet auf jene, die nach dem Vorbild leben, das ihr an uns habt!
18 Denn viele – von denen ich oft zu euch gesprochen habe, doch jetzt unter Tränen spreche – leben als Feinde des Kreuzes Christi.
19 Ihr Ende ist Verderben, ihr Gott der Bauch und ihre Ehre besteht in ihrer Schande; Irdisches haben sie im Sinn.
20 Denn unsere Heimat ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter,
21 der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich auch alles unterwerfen kann.
1 Darum, meine geliebten Brüder und Schwestern, nach denen ich mich sehne, meine Freude und mein Ehrenkranz, steht fest im Herrn, Geliebte!

In der zweiten Lesung spricht Paulus von der himmlischen Heimat der Christen. „Ahmt auch ihr mich nach“ ist kein arroganter Ausdruck des Apostels, sondern bezieht sich auf Paulus absolute Bemühungen. Einige Verse zuvor sagte er: „Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.“ Diesen Ehrgeiz müssen auch die Philipper an den Tag legen. Sie sollen so laufen, dass sie gewinnen. Sie sollen sich nicht mit dem Durchschnitt zufrieden geben. 100% Bemühung, 100% Gnade Gottes. Sie sollen jedesmal vollständig umkehren und nicht mehr auf ihr altes Ich zurückblicken, damit sie die Ewigkeit vor Augen haben. Das ist es, was die Philipper nachahmen sollen.
„Achtet auf jene, die nach dem Vorbild leben, das ihr an uns habt!“ ist ein Zusatz, der auch für uns heute sehr wichtig ist: Wenn wir ein so anspruchsvolles Ziel wie die Ewigkeit vor uns haben, dann hilft es sehr, gute Vorbilder zu beachten, die dasselbe Ziel verfolgen. Ihr Vorbild motiviert und ermutigt. Das sind die Heiligen, die uns entweder vorausgegangen sind oder die mit uns leben! Ihre Heiligkeit spornt an. Es ist also wichtig, mit wem man sich abgibt. Unsere Bezugspersonen sollten jene sein, die zur Heiligkeit berufen sind. Haben wir einen schlechten Einfluss, wird uns das Ziel der Ewigkeit sonst erschwert. Es wird sogar unmöglich gemacht, wenn die Bezugspersonen „Feinde des Kreuzes Christi“ sind. Das ist eine Sache, die Paulus sehr schmerzt, weshalb er „unter Tränen“ über sie spricht. Er bemüht sich schließlich mit seinem ganzen Leben, das Evangelium allen Menschen zu verkünden, damit sie alle gerettet werden. Wer es dennoch ablehnt, wählt den Tod. Das tut ihm offensichtlich weh. Er sagt, wie es ist: „Ihr Ende ist Verderben, ihr Gott der Bauch und ihre Ehre besteht in ihrer Schande; Irdisches haben sie im Sinn.“ Auf ewig werden sie zu Exilierten. Denn die Heimkehr aus dem Exil in die ursprüngliche Heimat ist das Eingehen in das Himmelreich. Dieses ist die wahre Heimat. Von dorther kommt auch das Heil, denn es ist der Ort, an dem Christus jetzt ist.
Jesus wird am Ende der Zeiten den „armseligen Leib“ der Menschen verwandeln „in die Gestalt seines verherrlichten Leibes“. Das geschieht durch die leibliche Auferstehung. Es wird nicht die Wiederbelebung des alten Leibes sein, sondern wie Paulus es hier formuliert, ein verherrlichter Leib. Das haben wir an dem Leib des auferstandenen Christus bereits gesehen, der anders geworden ist. So konnten ihn viele zunächst gar nicht erkennen, wenn er ihnen erschienen ist. Diese Herrlichkeit wird jenen zuteil, die ins Himmelreich eingehen dürfen. Aber auch jene, die auf ewig von Gott abgeschnitten sein werden, erhalten ihren Leib zurück.
Mit diesem Endziel vor Augen sollen die Philipper fest im Glauben stehen, standhaft sein und aushalten. Paulus lässt durchblicken, dass er sie vermisst und dass die Philipper ihm sehr viel Freude bereiten. Sie sind sein Ehrenkranz, weil er sich von Christus die Belohnung für seine ganzen Bemühungen und Strapazen erhofft.
Die Philipper sind Geliebte – nicht einfach Geliebte des Paulus, dem sie am Herzen liegen, sondern vor allem Geliebte Gottes.
Was Paulus über den verherrlichten Leib schreibt, begegnet uns nun im Evangelium. Dort zeigt Gott drei Aposteln, wie diese Verherrlichung sein wird.

Lk 9
28 Es geschah aber: Etwa acht Tage nach diesen Worten nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus mit sich und stieg auf einen Berg, um zu beten.

29 Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes und sein Gewand wurde leuchtend weiß.
30 Und siehe, es redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elija;
31 sie erschienen in Herrlichkeit und sprachen von seinem Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte.
32 Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen.
33 Und es geschah, als diese sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste aber nicht, was er sagte.
34 Während er noch redete, kam eine Wolke und überschattete sie. Sie aber fürchteten sich, als sie in die Wolke hineingerieten.
35 Da erscholl eine Stimme aus der Wolke: Dieser ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.
36 Während die Stimme erscholl, fanden sie Jesus allein. Und sie schwiegen und erzählten in jenen Tagen niemandem von dem, was sie gesehen hatten.

Im Evangelium hören wir nun von der Verklärung Jesu. Sie trägt sich acht Tage nach m Messiasbekenntnis des Petrus zu. Das wird mit „acht Tage nach diesen Worten“ ausgedrückt. Dabei nimmt Jesus die drei Apostel Jakobus, Johannes und Petrus mit. Dieses Trio begleitet Jesus immer zu Ereignissen, bei denen nur wenige Menschen Zutritt haben (z.B. ins Haus des Jairus, als seine Tochter gestorben war).
Den Dreien wird heute ein unvergleichliches Privileg geschenkt: Sie erhaschen einen Blick nicht „nur“ auf den Auferstandenen, sondern sogar mehr – auf den Jesus, wie er nach der Himmelfahrt ist und den der Rest der Menschheit erst am Ende der Zeiten sehen wird. Dann wird er in seiner Herrlichkeit auf einer Wolke zu uns herabfahren. Bereits alttestamentliche Schriftstellen kündigen es an, was die Apostel als schriftkundige Juden bei dem Ereignis wiedererkennen werden.
Was dort auf dem Tabor geschehen ist, schließt einen Kreis, den Gott im Laufe der Heilsgeschichte zu zeichnen begonnen hat: Bereits im AT hat er sich in seiner Herrlichkeit gezeigt. Damals stieg Mose zusammen mit Aaron, Nadab, Abihu und den siebzig von den Ältesten Israels auf den Berg Sinai (Ex 24), um die Herrlichkeit zu schauen. Bis ganz nach oben durften sie aber nicht, sondern hielten einen Abstand ein. Nur Mose durfte ganz zu Gott vordringen, um die Gesetze des HERRN zu erhalten. Und doch konnte er Gottes Herrlichkeit nicht ganz schauen. Etwas später erfahren wir von der Gunst, die Gott dem Mose zuteil werden ließ: Er zeigte Mose beim Vorbeiziehen seinen Rücken (Ex 33).
Auch im ersten Buch der Könige war der Sinai Ort der Gottesbegegnung. Elija flüchtete dort hin, als man ihm nach dem Leben trachten wollte – zum Dank für sein Bemühen um das Gesetz Gottes. Und auch hier forderte Gott auf: „Komm heraus und stell dich auf den Berg vor den Herrn!“ Als Elija sich nach dem Vorüberziehen von Sturm, Erdbeben und Feuer beim leisen Säuseln bereit machte, verhüllte er sein Gesicht. Auch er sah Gottes Herrlichkeit nicht ganz.
Was diesen beiden Großen verwehrt blieb, dürfen nun die Apostel schauen: die Herrlichkeit Gottes. Sie sind eingeschlafen, so wie sie dann im Garten Getsemani einschlafen werden. Als sie aufwachen, sehen sie plötzlich zwei Gestalten bei Jesus. Und es sind ausgerechnet Mose und Elija! Die zwei, die das Gesetz und die Propheten repräsentieren, die den Messias so sehnlichst angekündigt haben, deren Lebensende so besonders war. Ausgerechnet sie beide stehen bei Jesus und unterhalten sich mit ihm. Die drei Apostel kannten die Hl. Schrift. Sie haben den Code verstanden. Der Kreis hat sich geschlossen. Oder er wird weiter gezeichnet:
Jesus zeigt jenen drei Aposteln seine Herrlichkeit, die wenig später mit ihm im Garten Getsemani ausharren würden. Er zeigt sich jenen drei Aposteln, die feste Säulen der Jerusalemer Urgemeinde und darüber hinaus werden würden. Es ist eine Stärkung vor der großen Versuchung – und ein Vorgeschmack auf das Ostergeheimnis. Das Licht des Gesichts und der Kleider Jesu sind die Beschreibung der Gnade Gottes. Diese haftet so an ihm, dass man davon ganz geblendet wird.
Warum möchte Petrus drei Hütten bauen? Ist er so durcheinander, dass er nicht weiß, was er da von sich gibt? Es heißt ja, dass er nicht weiß, was er sagt. Im Griechischen heißt es eigentlich nicht „Hütten“, sondern „Zelte“ (σκηνάς skenas). Petrus möchte drei Zelte aufschlagen, was uns sehr an den Tempel in der Zeit der Wüstenwanderung erinnert. Petrus hat mit dieser Frage also eigentlich den Nagel auf den Kopf getroffen! Er hat den Bogen zum Sinai, zur Offenbarung Gottes und zum Offenbarungszelt geschlossen. Er hat die Typologie hergestellt, die vom Wort Gottes aus Steintafeln bis zum fleischgewordenen und verklärten Wort Gottes führt. Er möchte Zelte aufschlagen, um diese Herrlichkeit festzuhalten, wie das Allerheiligste in der Bundeslade einen Zeltort bekommen hat. Er weiß womöglich wirklich nicht, was er da sagt, weil es nicht von ihm selbst, sondern vom hl. Geist kommt!
Auch wir haben unsere Tabormomente in unserem Leben. Auch wir möchten diese Hoch-Zeiten festhalten und am liebsten nicht zurück in den grauen Alltag. Und auch die Kirche hält diese Herrlichkeit fest, indem sie den eucharistischen Herrn im Tabernakel aufbewahrt.
Im Grunde ist jede Heilige Messe ein einziger Tabormoment, denn auch dort wird Christus in Gestalt von Brot und Wein verherrlicht.
Dann passiert etwas, das die Jünger in Angst versetzt. Eine Wolke legt sich auf sie nieder. Das ist ein weiteres typologisches Signal! Auch auf dem Sinai stieg die Wolke Gottes nieder, als seine Gegenwart den Ort aufsuchte. So ist es auch auf dem Tabor, wo eine Stimme Jesus Christus als seinen geliebten Sohn proklamiert. Auch die Israeliten hatten mächtigen Respekt, als Gottes Gegenwart den Sinai erfüllte. Im Gegensatz zu ihnen dürfen die drei Apostel mit Jesus oben sein und seine Herrlichkeit schauen!
Die drei Apostel erzählen niemandem davon, was sie erlebt haben. Bei den anderen Evangelisten heißt es, dass Jesus ihnen untersagt, davon zu sprechen, bis er von den Toten auferstanden ist.
Warum aber hat Jesus die Apostel mitgenommen und warum passierte dies zu so einem scheinbar willkürlichen Moment?
Nichts bei Gott ist zufällig und es hat sein perfektes Timing. Gott stärkt die drei zentralen Apostel vor dem Leiden, vor der großen Herausforderung. Ausgerüstet mit dieser Glaubensstärkung sollen sie in die große Katastrophe gehen, die uns im Nachhinein aber zur größten Erlösung geworden ist. So möchte Gott auch uns immer wieder mit ganz besonderen Gnaden und Hoch-Zeiten beschenken, damit wir beschwingt von diesen Dingen dann in der großen Bedrängnis, in der Versuchung, in dem schweren Leiden durchhalten.
Und wenn wir diese große Bedrängnis dann durchgehalten haben, werden wir das ewige und vollkommene Taborerlebnis haben, wenn wir auf ewig in der Anschauung Gottes sein werden. Dann wird es keine Zelte mehr brauchen und vom Berg werden wir auch nicht mehr hinuntersteigen. Denn dann werden wir für immer bei Gott sein.

Die Verklärung wird immer in der Fastenzeit verlesen, weil es schon einen Vorausblick auf Ostern, auf die Auferstehung Christi, darstellt, aber auch auf unser zukünftiges Ostern, bei dem auch unser „armseliger Leib verwandelt wird“. Es geschieht mystisch bereits in der Gemeinschaft der Gläubigen, denn wir empfangen, was wir werden. Der Leib Christi. Begreifen wir, dass uns diese besondere Gnadenzeit geschenkt wird, damit wir noch enger zusammenwachsen mit dem Herrn und immer mehr seinem verherrlichten Leib gleichgestaltet wird. Und je enger wir mit ihm verbunden sind, desto mehr werden wir das Leiden dieser so zerrütteten Welt bewältigen.

Ihre Magstrauss


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