2. Sonntag der Osterzeit (C)

Apg 5,12-16; Ps 118,2 u. 4.22-23.24 u. 26-27a; Offb 1,9-11a.12-13.17-19; Joh 20,19-31

Apg 5
12 Durch die Hände der Apostel geschahen viele Zeichen und Wunder im Volk. Alle kamen einmütig in der Halle Salomos zusammen.

13 Von den Übrigen wagte niemand, sich ihnen anzuschließen; aber das Volk schätzte sie hoch.
14 Immer mehr wurden im Glauben zum Herrn geführt, Scharen von Männern und Frauen.
15 Selbst die Kranken trug man auf die Straßen hinaus und legte sie auf Betten und Liegen, damit, wenn Petrus vorüberkam, wenigstens sein Schatten auf einen von ihnen fiel.
16 Auch aus den Städten rings um Jerusalem strömten die Leute zusammen und brachten Kranke und von unreinen Geistern Geplagte mit. Und alle wurden geheilt.

Heute am zweiten Sonntag der Osterzeit betrachten wir den Auferstandenen in seiner ganzen Plastizität. Mit dem „ungläubigen“ Thomas bekennen wir: Mein Herr und mein Gott! In der Osterzeit hören wir als erste Lesung viele Ausschnitte aus der Apostelgeschichte. Sie berichtet uns von den ersten Christen und ihren Herausforderungen. Im heutigen Kapitel geht es um die vielen Zeichen und Wunder, die im Namen Jesu geschehen. Er ist wirklich bei ihnen, wie er ihnen versprochen hat. Wie damals nach ihrer ersten Heilung des Gelähmten an der Schönen Pforte versammelt sich im heutigen Abschnitt eine Menschenmenge in der Halle Salomos, ein überhaupt nicht willkürlich genannter Ort. Diese Halle für den König der Weisheit und der Pracht schlechthin, für den König, der den ersten Tempelbau realisiert hat, ist zur Halle des neuen Salomo geworden, der Weisheit selbst, die Fleisch angenommen hat und mit jedem Atemzug die Weisheit offenbart hat, Jesus Christus. So wie zu Jesu Zeiten kommen die Menschen von weither, um Heil und Heilung zu erfahren. Die Menschen bekehren sich scharenweise und es werden viele Menschen allein durch den Schatten Petri geheilt. Das sagt aus, welche Vollmacht ihm geschenkt ist. Es heißt an einer anderen Stelle, dass die Schweißtücher des Paulus den Kranken aufgelegt wurden und sie dadurch geheilt wurden, ein biblischer Beleg für Reliquien! In beiden Fällen geht es darum, dass der Herr nicht nur durch die Apostel wirkt, sondern auch durch ihre Gebrauchsgegenstände oder eben durch ihren Schatten. Sie haben auch die Vollmacht der Befreiung, weshalb auch Exorzismen geschehen.
All dies geschieht nicht aus ihrer eigenen Kraft heraus, sondern Christus selbst ist das Subjekt dieser Heilstaten. Er wirkt auch nach seinem Heimgang zum Vater, weshalb es so unerlässlich ist, jene zu haben, die aufs Innigste mit ihm vereint sind durch ihre Weihe. Wie sehr brauchen wir Priester! Wer schenkt uns sonst die Sakramente und Sakramentalien? Sie tun schließlich alles in persona Christi. Das ist das Maximum an Vollmacht, die der Mensch von Gott empfangen kann.

Ps 118
2 So soll Israel sagen: Denn seine Huld währt ewig.
4 So sollen sagen, die den HERRN fürchten: Denn seine Huld währt ewig.
22 Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.
23 Vom HERRN her ist dies gewirkt, ein Wunder in unseren Augen.
24 Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat; wir wollen jubeln und uns über ihn freuen.
26 Gesegnet sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch vom Haus des HERRN her.
27 Gott ist der HERR. Er ließ Licht für uns leuchten.

Wir beten als Antwort auf die Lesung den sehr bekannten Psalm 118, der uns unter anderem schon in der Osternacht begegnet ist. Er ist ein Dank für Gottes Hilfe und gehört zu den Psalmen, die am Pessachfest gebetet worden sind. Diese sind zusammengefasst in einer Psalmengruppe, die als Pessach-Hallel bezeichnet wird. Der Dank über die Hilfe Gottes bezieht sich demnach vor allem auf den Auszug des Volkes aus Ägypten, auf die Befreiung seines auserwählten Volkes aus der Sklaverei. Kein anderer Psalm passt so hervorragend in die Osterzeit wie dieser. Christus ist das neue geopferte Opferlamm, durch dessen Blut der ewige Tod an denen vorbeigeht, die sich mit diesem kostbaren Blut „bestreichen“ – jene, die laut Apostelgeschichte „gerettet werden wollten“. Dieses Opferlamm hat sein Blut für alle Menschen vergossen, das heißt, jeder hat die Chance vor dem ewigen Tod verschont zu werden. Das ist eine so große Liebe, die Gott seinem neuen Volk, dem Volk des Neuen Bundes, erwiesen hat, dass man dafür nur ewig danken kann.
„Israel“ ist nun nicht mehr nur das irdische Volk der zwölf Stämme, sondern meint nun alle, die an Christus glauben. Wir alle sollen und dürfen nun sagen: „Seine Huld währt ewig.“ Wir sind es, die Gott fürchten. Diese Haltung ist der Anfang der Weisheit, jene Weisheit, die Salomo geschenkt worden ist und die uns durch den Pfingstgeist geschenkt wird.
„Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.“ Dieser Satz ist im Neuen Testament mehrfach rezipiert worden. Jesus selbst sagt es in Bezug auf sich und sein Evangelium, die Apostelgeschichte greift es auf, ebenso die verschiedenen Briefe des NT.
Es ist eine tiefe Wahrheit: Gott wendet alles zum Guten hin. Die Katastrophe des Karfreitags musste sein, damit die Erlösung des Ostermorgens kommen konnte. Gott hat die größte Schande zum Zeichen des Heils gemacht. Der Eckstein ist einerseits ein entscheidender Stein beim Bau eines Gebäudes, zugleich wird dieser Stein in manchen Kontexten als Stein gedeutet, an dem die Gegner Jesu zerschellen. Es ist ein Stellen vor die Entscheidung. Bei Jesus scheiden sich die Geister. Wer ihn annimmt, baut sein Haus auf Felsen, wer ihn ablehnt, wird von ihm zermalmt. Das bezieht sich auf das ewige Leben.
Das ganze Osterereignis ist ein Wunder vor den Augen der Jünger Jesu und aller, denen er erschienen ist. Es ist ebenso ein Wunder, das mit eigenen Augen geschaut worden ist (nicht nur das, auch mit anderen Sinnen wahrgenommen) wie das Wunder der Spaltung des Roten Meeres.
So wie die Israeliten den Tag der Rettung zum Tag des Jubelns erklären, so können die Christen nun sagen: Der Tag, den der Herr gemacht hat und der am meisten Anlass zum Jubel bietet, ist der Ostertag. Deshalb kommen die Christen auch zusammen am ersten Tag der Woche (was wir heute Sonntag nennen).
„Gesegnet sei, der da kommt im Namen des HERRN“ beten oder singen wir liturgisch durch das sogenannte Benedictus, das musikalisch mittlerweile an das Sanctus gekoppelt ist. Die Zusage des Segens vom Haus des Herrn, also vom Tempel, ist die maximale Segensform für die Juden. Es ist der Segen, der von der Gegenwart Gottes in der Bundeslade kommt. Wir Katholiken haben nun mehr als die Bundeslade mit Steintafeln: Wir haben das fleischgewordene Wort Gottes, die Gegenwart Gottes höchstpersönlich in Leib und Blut, Seele und Gottheit. Die höchste Form des Segens ist für uns deshalb der eucharistische Segen.
Der Herr ließ auch uns Licht leuchten, insbesondere in der Osternacht. Wie schön ist doch der Moment der absoluten Dunkelheit der Kirche, in die hinein der Priester mit der Osterkerze kommt und singt: „Lumen Christi!“ Ja, der Herr bringt Licht in die Dunkelheit der Welt, indem er sie von ihrem Verderben erlöst!

Offb 1
9 Ich, Johannes, euer Bruder und Gefährte in der Bedrängnis, in der Königsherrschaft und im standhaften Ausharren in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses für Jesus.
10 Am Tag des Herrn wurde ich vom Geist ergriffen und hörte hinter mir eine Stimme, laut wie eine Posaune.
11 Sie sprach: Schreib das, was du siehst, in ein Buch und schick es an die sieben Gemeinden
.
12 Da wandte ich mich um, weil ich die Stimme erblicken wollte, die zu mir sprach. Als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter
13 und mitten unter den Leuchtern einen gleich einem Menschensohn; er war bekleidet mit einem Gewand bis auf die Füße und um die Brust trug er einen Gürtel aus Gold.
17 Als ich ihn sah, fiel ich wie tot vor seinen Füßen nieder. Er aber legte seine rechte Hand auf mich und sagte: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte
18 und der Lebendige. Ich war tot, doch siehe, ich lebe in alle Ewigkeit und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt.
19 Schreib auf, was du gesehen hast: was ist und was danach geschehen wird.

Als zweite Lesung hören wir einen Ausschnitt aus der Johannesoffenbarung. Es handelt sich um die Berufungsvision des Johannes. Er befindet sich auf der Insel Patmos in Verbannung, obwohl dies in der heutigen Forschung stark bestritten wird. Am Tag des Herrn gerät er in Ekstase. Das ist ein Signal, denn es ist der Sonntag, der Tag der Auferstehung und der Tag, an dem bereits die ersten Christen des Neuen Bundes gedachten. Er hört eine Stimme, die so laut ertönt wie eine Posaune. Diese Stimme beauftragt ihn damit, was er sieht, aufzuschreiben und den sieben Gemeinden an der Westküste Kleinasiens zu schicken – Metropolen, in denen es Christengemeinden gibt. Sie werden in der Reihenfolge aufgezählt, wie man sie von Patmos aus gesehen in einer Rundreise besuchen würde: Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadeslphia und Laodizea.
Johannes wendet sich um und erblickt Christus in priesterlicher Gestalt. Es heißt „einer gleich einem Menschensohn“. Dies betont er, damit die Hörer der Offenbarung sofort an die alttestamentlichen Propheten denken. Es ist aber noch mehr: Der Sohn des Menschen, der Nachkomme Adams steht vor ihm, wie sich Christus selbst immer bezeichnet hat. Viele Elemente erinnern an das Danielbuch mit der Vision des Hochbetagten. Das ist für uns sehr interessant, weil es uns zeigt: Wie Daniel Gott Vater sieht, so sieht Johannes Christus. Vater und Sohn sind eins. Es ist kennzeichnend für die Offenbarung, dass Visionen der alttestamentlichen Propheten in abgewandelter Form geschaut und miteinander kombiniert werden. Insgesamt ist es eine furchterregende Vision, in der Johannes Christus sieht, die wir aber nicht vollständig hören: zunächst die laute und überwältigende Stimme wie Wassermassen und Posaunen, dann dieses glühenden Augen und glänzenden Beine, das zweischneidige Schwert, das seinen Mund verlässt, das hellstrahlende Gesicht. Es ist die gängige Reaktion, bei so einer übernatürlichen Schau und bei der Begegnung mit dem Göttlichen niederzufallen.
Jesus sagt, was immer wieder in der hl. Schrift zu den Menschen gesagt wird, die eine solche Reaktion zeigen: Fürchte dich nicht! Ganz im Sinne Jesajas („Ich ergreife dich bei deiner rechten Hand“ 41,13) und schließlich wie in den Evangelien berichtet, legt Jesus seine rechte Hand auf den Verängstigten, um ihn aufzurichten.
Jesus stellt sich vor als der Erste und Letzte sowie als der Lebendige. Er ist derselbe, der von den Toten auferstanden ist. Er ist Ursprung und Ziel der Schöpfung. Er ist im Anfang, deshalb der Erste, aber auch der Erste der neuen Schöpfung. Er ist der Letzte in der Hinsicht, dass alles auf ihn hin geschaffen ist. Er ist der Zielpunkt des ganzen Universums, wie überwältigend! Kein Wunder, dass Johannes also niederfällt bei so einer überwältigenden Vision…
Christus lebt in alle Ewigkeit und er schenkt durch seine Erlösungstat allen Menschen ebenfalls dieses ewige Leben. Dies wird ausgedrückt durch die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt. Wir beten im Glaubensbekenntnis, dass er hinabgestiegen ist in dieses Reich des Todes, um die Gerechten des Alten Testaments ins Himmelreich zu führen.
Johannes erhält zum Schluss nochmal den Auftrag, seine Visionen aufzuschreiben. Dabei sagt Jesus die entscheidenden Worte: „was ist und was danach geschehen wird.“ Es ist nicht nur, was geschehen wird, sondern wörtlicher zu sagen – geschehen muss. Die Ereignisse sind unumgänglich, aber nach dem apokalyptischen Chaos kommt das ewige Heil Gottes. Die Offenbarung ist also nicht nur ein rein futurischer Text, der also Dinge schildert, die ganz in der Zukunft liegen, sondern auch das, was bereits geschieht.

Joh 20
19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.

21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
23 Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.
24 Thomas, der Didymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.
25 Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.
26 Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!
27 Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
28 Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott!
29 Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
30 Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind.
31 Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.

Heute hören wir aus dem Evangelium nach Johannes von zwei Erscheinungen des Auferstandenen. Bei der ersten am Abend des Auferstehungstags selbst fehlt der Apostel Thomas. Wo genau er zu dem Zeitpunkt ist, bleibt uns unbekannt.
Bei dieser Erscheinung tritt Jesus in den Raum, obwohl die Türen verriegelt sind. Er spricht die Apostel wieder an mit den Worten „Friede sei mit euch!“
Er zeigt ihnen seine Wundmale, sodass die Apostel erkennen, dass er wirklich Jesus ist. Sie freuen sich über ihn. Das ist eine nicht zu unterschätzende Aussage. Freude ist ein Geschenk des hl. Geistes.
Jesus wiederholt den Gruß „Friede sei mit euch!“ Das ist ein wichtiger Gruß, denn die Apostel sind zum wahren Frieden berufen – der von Christus kommt und den die Welt nicht geben kann. Friede hängt mit Ostern ganz eng zusammen. Durch das Osterereignis hat Christus die Erlösung und das Heil erwirkt. Das hebräische Wort ist Schalom. Dieser ist mehr als nur ein politischer Friede, sondern meint eben jenes umfassende Heil, das von Gott kommt.
Und dann sagt Jesus etwas, das die Apostel erst nach dem Pfingstereignis so richtig verstehen werden: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Er wird sie in die ganze Welt hinausschicken, damit sie seine Botschaft überall verkünden und die Menschen zu seinen Jüngern machen. Zuerst müssen sie aber den Hl. Geist empfangen. Deshalb haucht Jesus sie auch an als Geste, die sie aus der Genesis kennen. Dort ist es der Geist Gottes, durch den die ewige Seele in die Nase des ersten Menschen geblasen wird.
Es ist eine entscheidende Analogie! So wie der Geist Gottes dem ersten Menschen das Leben geschenkt hat, wird auch der zweite Mensch durch den Geist Gottes zum Leben erweckt, Jesus Christus im Osterereignis! Und ihm werden die Apostel gleichgestaltet, indem sie am Pfingsttag ebenfalls zum ewigen Leben erweckt werden! Erst als „Lebendige“ werden sie zu seinem Leib, der die Kirche ist.
Mit der Gabe des Hl. Geistes ist ganz eng die Vergebung der Sünden gekoppelt. Deshalb heißt es auch „Sünde gegen den Hl. Geist“, die in Ewigkeit nicht vergeben wird – weil sie nicht kann. Wer den Geist Gottes leugnet, der leugnet die Vergebung.
Wenn die Apostel den Hl. Geist empfangen haben, dann wird die Vollmacht, Sünden zu vergeben, die Christus ihnen hier überträgt, aktiviert. Sie erhalten die Vollmacht, nicht einfach automatisch die Sünde zu vergeben, sondern auch nach eigenem Ermessen zu entscheiden.
So endet die erste Erscheinung und Thomas wird im Nachhinein von dem freudigen Erlebnis informiert.
Doch er reagiert mit Unwillen. Weil er Jesus nicht selbst gesehen hat, will er es nicht glauben. Er sagt, dass er erst dann glaubt, wenn er ihn mit eigenen Augen gesehen und die Spuren der Kreuzigung mit seinen eigenen Händen berührt hat.
Jesus möchte, dass alle seine Apostel an ihn glauben. Deshalb kommt er diesen Zweifeln des Thomas entgegen. Eine Woche später erscheint er den Aposteln noch einmal, als Thomas dabei ist.
Jesus antwortet mit dem üblichen „Friede sei mit euch!“ Doch dann richtet er seine Aufmerksamkeit ganz auf Thomas, indem er ihm sagt: „Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ So ist Gott. Er geht uns entgegen, wenn es uns schwerfällt, an ihn zu glauben. Wo auch nur das kleinste Bisschen Wille zum Glauben da ist, verhilft er dem Menschen zu einem brennenden Glauben an ihn. Es ist ganz nach dem Motto: „Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben“ (Mk 9,24).
Thomas realisiert in diesem Moment wirklich, dass Jesus leibhaftig auferstanden ist. Und so bleibt ihm nichts anderes zu sagen, als „mein Herr und mein Gott!“ Ja, er hat die Gottheit Jesu explizit bekannt. Er ist kein Ungläubiger, wie er im Volksmund gerne genannt wird. Er hatte seine Zweifel, aber er wollte wirklich aufrichtig glauben. So hat Gott ihm geholfen, denn wo der Wille da ist, da kann Gott auch ihm die Gabe schenken.
Jesus greift die ganze Sache auf, um zu erklären: Selig, die nicht sehen und doch glauben. Auch wenn wir Jesus nicht in Menschengestalt vor uns haben, ist er in seiner ganzen Herrlichkeit bei uns in der Eucharistie. Wir haben gehört von der Jerusalemer Urgemeinde. Nun haben sie den zum Vater Zurückgekehrten nicht mehr vor Augen, aber dennoch setzen sie ihre ganze Hoffnung auf ihn, durch den sie erlöst sind. So sollen auch wir glauben.
Das Kapitel endet mit dem Verweis, dass Jesus noch viele weitere Zeichen getan hat. Das ist wichtig und wird schnell überlesen. Es konnte gar nicht alles aufgeschrieben werden, was Jesus gesagt und getan hat, weil er die Auslegung Gottes in Person ist, die Gott mit jedem Atemzug verkündet. Das lässt sich gar nicht alles einfangen. Das spricht wiederum deutlich gegen das unbiblische sola-scriptura-Prinzip der Reformation. Es sind so viele Dinge von den Aposteln nur mündlich überliefert worden.
Im allerletzten Vers richtet Johannes seine Worte nun direkt an uns, die wir heute das Evangelium hören: „Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.“
Gott möchte auch für uns das ewige Leben und Johannes ist sein Zeuge dafür. Er schreibt auf, was er liegend an der Brust Jesu ganz verinnerlicht hat – Jesu Herz für uns.

Wir sollen gleichsam wie Thomas in dem verkündeten Jesus Christus erkennen, dass er der Sohn Gottes ist, der uns das ewige Leben gibt. Er ist Gott und in seinem Namen sind auch wir Teil der Familie Gottes. Dies ist auch die Botschaft an alle Erstkommunionkinder, die heute zur Erstkommunion gehen. Auch wenn sie mit ihren Kinderaugen den Herrn nicht in Menschengestalt sehen, dürfen sie dennoch glauben, dass er in der Gestalt der eucharistischen Gaben anwesend ist – Leib und Blut, Seele und Gottheit.

Ihre Magstrauss

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