21. Sonntag im Jahreskreis (C)

Jes 66,18-21; Ps 117,1.2; Hebr 12,5-7.11-13; Lk 13,22-30

Jes 66
18 Ich kenne ihre Taten und ihre Gedanken und komme, um alle Nationen und Sprachen zu versammeln, und sie werden kommen und meine Herrlichkeit sehen.
19 Ich stelle bei ihnen ein Zeichen auf und schicke von ihnen einige, die entronnen sind, zu den Nationen, die noch keine Kunde von mir gehört und meine Herrlichkeit noch nicht gesehen haben. Sie sollen meine Herrlichkeit unter den Nationen verkünden.
20 Sie werden alle eure Brüder aus allen Nationen als Opfergabe für den HERRN herbeibringen auf Rossen und Wagen, in Sänften, auf Maultieren und Kamelen, zu meinem heiligen Berg nach Jerusalem, spricht der HERR, so wie die Söhne Israels ihre Opfergabe in reinen Gefäßen zum Haus des HERRN bringen.
21 Und auch aus ihnen nehme ich einige zu levitischen Priestern, spricht der HERR.

Die erste Lesung aus dem Buch Jesaja thematisiert die Anbetung Gottes durch alle Nationen. Diese sehr verheißungsvolle Schriftstelle kündigt an, dass aus allen Regionen der Welt die Menschen Gott anbeten werden. Gott wird sie sammeln. Das ist ein zutiefst eschatologisches Motiv. Gottes Sammlung ist in der hl. Schrift vor allem ein Ausdruck des Gerichts, aber es ist auch eine Heilsverheißung, denn dadurch wird auch die Sammlung der Gerechten ausgedrückt, die zum himmlischen Zion für den ewigen Lobpreis und das ewige Hochzeitsfest kommen. In diesem Kontext ist der zweite Aspekt gemeint. Die Menschen kommen, um das ewige Heil zu erfahren.
Gott entscheidet diese verheißungsvolle Sammlung ausgehend von den Taten und Gedanken des Menschen. Diese Begriffe erinnern uns an die Kriterien der Gerichtshandlung Gottes. Was hier geschaut wird, wird im Wortsinn oft auf die nachexilische Zeit Israels bezogen und rein immanent und geschichtlich ausgelegt. Man könnte aber durch die vielen Zukunftsformen aus grammatikalischer Sicht eher ein Ereignis in der Zukunft als Wortsinn bei Jesaja vermuten. Das heißt, dass der Wortsinn von Jesaja 66 eigentlich anagogisch ist – das Ende der Zeiten. Wenn es auf das Ende der Zeiten verweist und wir die vorausgegangenen Gerichtsworte berücksichtigen, verstehen wir, dass Gott durch Jesaja hier das endzeitliche Heil und die universale „Völkerwallfahrt“ anspricht, die sich an das Weltgericht Gottes anschließt. Nachdem alle Menschen gerichtet sind, bleiben jene für dieses beschriebene Ereignis übrig, deren Gedanken und Taten Gott gefallen.
Gott stellt bei diesen Menschen ein Zeichen auf. Was ist damit gemeint? Die frühen Christen lasen Jesaja messianisch und erkannten darin eine Ankündigung des Kreuzes Jesu Christi. Das Zeichen des Lammes in der Johannesoffenbarung wurde ebenfalls als Kreuzzeichen interpretiert und somit eine Kontinuität zu den alttestamentlichen Texten hergestellt.
Wer sind die Entronnenen? Wir merken, dass die Sprache absolut exilisch ist. Hier wird auf der Oberfläche immer noch das Exil zum Rahmenereignis gemacht. Einige, die entronnen sind, also der Zwangsherrschaft der Babylonier entronnen sind. Dies können wird geistlich weiterdenken: Was ist das viel schlimmere Exil der gesamten Menschheit? Das ist die Erbsünde und ihre Folgen. So sind einige Entronnene jene, die bereits erlöst sind durch die „Taufe“ am Pfingsttag – die Apostel. Sie haben die Mission erhalten, auf der ganzen Erde das Evangelium zu verkünden, sodass alle Menschen gerettet würden. Sie sind zu den Nationen geschickt worden, um das Evangelium zu verkünden.
Wenn es dann heißt, dass die „Brüder“ auf so eine ehrenvolle Weise zurückgebracht werden, meint das im Wortsinn zunächst die Brüder durch die Beschneidung, die Zugehörigen aus dem Volk Israel, die in der Verbannung zurückgeblieben sind. Sie, die ganz Gedemütigten, werden gleichsam rehabilitiert, indem sie als Entehrte auf Sänften getragen werden. Sie werden vor den Herrn getragen wie Opfergaben. Diese Tempelterminologie ist sehr verheißungsvoll, weil mitgesagt wird, dass es wieder einen Tempel geben wird, in dem man Gott ein Opfer darbringen kann. Interessant ist dabei, dass Menschen dargebracht werden, nicht im Sinne von Menschenopfer, sondern als geistige Gabe. Einige von ihnen werden levitische Priester. Auch dies ist eine Verheißung, denn wenn es einen neuen Tempel geben wird, wird es auch Priester benötigen, die die Opfer darbringen.
Wir verstehen, dass aber noch viel mehr dahintersteckt: Es geht ja auch um die Nationen, die zum Berg kommen. Das ist zutiefst anagogisch zu verstehen. Bereits allegorisch sehen wir hier, dass mit den Nationen auch die Menschen aus dem Judentum zum Glauben an Christus kommen, sich also auf dem Zion Heiden- sowie Judenchristen versammeln, der Kirche! Im anagogischen Sinne wird ausgedrückt, dass am Ende der Zeiten sowohl solche aus der alten Bundesfamilie als auch solche aus den Nationen das ewige Heil geschenkt bekommen werden. Im neuen Bund wird es kein levitisches Priestertum mehr geben, aber genug geweihte Seelen, die auf besondere Weise dem Herrn dargebracht werden. Es gibt ein Priestertum des neuen Bundes, auch wenn dieses auf dem einen wahren Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks, Christus beruht.
Jesaja bekommt zum Ende des Buches hin eine sehr heilvolle Vision geschenkt, die dem Volk nach dem Exil Trost spenden wird, uns durchhalten lässt und die Vorfreude auf das Ende der Zeiten steigert. Schließlich heißt es in den Versen, die wir heute nicht mehr hören, nicht umsonst, dass der Herr einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird.

Ps 117
1 Lobt den HERRN, alle Völker, rühmt ihn, alle Nationen!

2 Denn mächtig waltet über uns seine Huld, die Treue des HERRN währt in Ewigkeit. Halleluja!

Der heutige Psalm ist sehr kurz. Er besteht aus nur zwei Versen. Er ist betitelt mit „Aufruf an alle Völker zum Lob Gottes“. Genau darin knüpft er an die Völkerwallfahrt der Lesung an. Wir, die wir im Grunde zu den sogenannten „Heidenchristen“ gehören, die also nicht zuvor Juden waren, haben allen Grund, Gott zu loben. Auch wir dürfen uns angesprochen fühlen bei der Verheißung Jesajas. Nicht nur die Juden, sondern alle Menschen guten Willens, deren Gedanken und Taten Gott gefallen, haben die Aussicht auf die Herrlichkeit Gottes. Hier lesen wir die Aufforderung zum Lob an die heidnischen Völker, das hebräische Wort גֹּויִם gojim wird verwendet.
Gott ist treu. Er hat schon damals bei Jesaja an unsere Gotteskindschaft gedacht und alles schon so geplant, dass das Evangelium durch die Apostel wirklich allen Geschöpfen verkündet werden konnte. Das ist immer und überall den Hallelujaruf wert!

Hebr 12
5 und ihr habt die Mahnung vergessen, die euch als Söhne anredet: Mein Sohn, verachte nicht die Zucht des Herrn und verzage nicht, wenn er dich zurechtweist!
6 Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt mit der Rute jeden Sohn, den er gern hat.
7 Haltet aus, wenn ihr gezüchtigt werdet! Gott behandelt euch wie Söhne. Denn wo ist ein Sohn, den sein Vater nicht züchtigt?
11 Jede Züchtigung scheint zwar für den Augenblick nicht Freude zu bringen, sondern Leid; später aber gewährt sie denen, die durch sie geschult worden sind, Gerechtigkeit als Frucht des Friedens.

12 Darum macht die erschlafften Hände und die wankenden Knie wieder stark,
13 schafft ebene Wege für eure Füße, damit die lahmen Glieder nicht ausgerenkt, sondern vielmehr geheilt werden!

In der Lesung aus dem Hebräerbrief geht es um die „Zucht des Herrn“. Gott erzieht den Menschen, er beschneidet ihn gleichsam, lässt ihn seine Hörner des Stolzes abstoßen, damit er immer mehr zu einem demütigen Menschen wird, zu einem geschliffenen Diamanten, zu purem Gold, das im Ofen geprüft worden ist. Gott züchtigt nicht wörtlich mit der Rute, den er gern hat, sondern im übertragenen Sinn. Es geht um die Leiden und Unannehmlichkeiten des Alltags, um die Bedrängnisse gegen Christen etc., die man als „Rute Gottes“ bezeichnen muss.
Warum tut Gott das überhaupt? Wir hörten bereits letzte Woche, dass die im Brief angesprochenen Christen noch gar nicht mal mit Martyrium zu tun haben, der intensivsten Form von Bedrängnis, und doch, so beginnt die heutige Lesung, haben sie die παράκλησις paraklesis, den Beistand vergessen, was hier mit „Mahnung“ übersetzt wird. Es gibt mehrere Übersetzungsmöglichkeiten für diesen Begriff, wobei die Einheitsübersetzung sich im paränetischen Kontext der Lesung für „Mahnung, Vorgabe“ entscheidet. Es geht um die Sendung, die mit der Gabe des Hl. Geistes verbunden ist. Die Christen sind ausgestattet mit dem Beistand, den Hl. Geist, damit sie ihn nicht genießen, sondern damit sie mit seiner Hilfe alles Kommende aushalten, Früchte bringen und andere Menschen zum Glauben bringen können. Und doch sollte der Begriff der Paraklesis besser mit dem Beistand übersetzt werden, da dieser die Menschen direkt anspricht als Gotteskinder. Das kann eine Mahnung nicht, der Hl. Geist als Person aber schon. Warum spricht der Beistand aber als Söhne Gottes an? Gemeint ist, dass wir durch die Taufe dasselbe erleben wie Jesus Christus bei seiner Taufe: Wir werden beim Namen gerufen, die wir eingesetzt werden als Erben des Gottesreiches. Wir sind von da an Königskinder der Dynastie Gottes.
Was der Geist Gottes spricht, das ist durchaus eine Mahnung: „Mein Sohn, verachte nicht die Zucht des Herrn und verzage nicht, wenn er dich zurechtweist!“ Sie merken, der Begriff der Paraklesis ist sehr vielschichtig und es ist schwer, sich auf nur eine Bedeutung festzulegen. Wir versprechen mit der Taufe, dass wir unser Leben ganz nach Gott ausrichten und ihm den ersten Platz in unserem Leben geben. Mit dem Bundesversprechen nehmen wir also eine ganz große Verantwortung auf uns, so wie er es für uns tut.
An die Taufe zurückerinnert sollen die Christen, an die der Brief gerichtet ist, ihre gegenwärtigen Leiden richtig einordnen. Gott erzieht den Menschen auf diese Weise. Das ist ein Wort auch an uns: Wenn wir in unserem Leben Negatives erfahren, ist das schmerzhaft und wir sind versucht, Gott schlimme Dinge an den „Kopf“ zu werfen. Doch darauf dürfen wir nicht hereinfallen. Vielmehr müssen wir lernen, danach zu fragen, welche Lektion Gottes sich dahinter verbirgt. Es ist freilich nicht immer eine Lektion Gottes, wenn wir in unserem Leben Leid erfahren. Die schlimmsten Leiden erscheinen am sinnlosesten. Doch das Fragen nach der Lektion Gottes ist ein Weg, wie wir auf Leiden in unserem Leben reagieren sollen. Ob wir in diesen Situationen einen Sinn erkennen oder nicht, überhaupt etwas begreifen oder nicht – es geht um das Durchhalten. Wir sind doch Kinder Gottes geworden, das heißt zugleich, dass wir in seine Schule gehen. Er erzieht seine Kinder zu wahren Diamanten. Und weil er uns so sehr liebt, dass er unsere sündhaften Lebensweisen nicht mitansehen kann, verhilft er uns dazu, diese nach und nach abzubauen. Wie sollen wir denn sonst am Ende in sein Reich kommen und ganz bei ihm wohnen, seine Herrlichkeit schauen, wenn wir ganz in diesen Sünden verstrickt sind? Bei vielen, wenn auch nicht allen Leidenssituationen unseres Lebens erkennen wir in dem Moment überhaupt nicht, was passiert, realisieren aber im Nachhinein, dass es genau so geschehen musste. Im Nachhinein erkennen wir dann die Spuren Gottes im dunkelsten Moment. Rückblickend erkennen wir, in welche Katastrophe wir ohne diesen vermeintlichen „Umweg“ oder leidvollen Umstand geraten wären. Die Überlegungen hier im Hebräerbrief sind weisheitlicher Natur und deshalb verwundert es auch nicht, dass die Rede von der Züchtigung des Geliebten durch Gott ein Schriftwort aus Spr 3,11 nach der Septuagintafassung aufgreift. Diese Gedanken kommen auch im Sendschreiben an die Gemeinde in Laodizea vor (Offb 3,19). Auch dort geht es um die Erkaltung des Glaubenseifers, den die Christen zum Zeitpunkt der Taufe noch besitzen. Wenn man die Lesung insgesamt auf Schriftverweise hin betrachtet, wird man sehr viele Querverweise entdecken. Der Hebräerbrief ist eine einzige Kompilation alttestamentlicher Schriften, angefangen bei den mosaischen Schriften zum Thema Kult bis zu den prophetischen und weisheitlichen Schriften. Auch der Psalter wird reichhaltig zitiert.
So verwundert es auch nicht, dass der Aufruf zur Umkehr mit den Worten des Jesaja geschieht, der in 35,3 sagt: „Stärkt die schlaffen Hände und festigt die wankenden Knie!“ Auch die weiteren Ausführungen einen Vers später sind einer alttestamentlichen Schriftstelle entnommen, nämlich Spr 4,26 nach der Septuagintafassung. Es muss an dieser Stelle daran erinnert werden, dass die Autoren des Neuen Testaments als „Schriften der Juden“ zumeist die griechische Übersetzung des Alten Testaments vorliegen haben und deshalb aus dieser Version zitieren (und diese nennt sich Septuaginta, kurz auch LXX). Die Wege sollen wieder geebnet werden, das ist stets ein Bild für die Ordnung des eigenen Lebenswandels, die Umkehr und Besinnung auf Gott. Schließlich sind die Glieder lahm – aber warum? Weil die Lauheit des ehemals Euphorischen eine Art Lähmung und Steifheit im geistlichen Sinne bewirkt. Der Mensch ist nicht mehr geschmeidig und weich – kein formbarer Ton mehr, sondern verhärtet. So ist es schwerer für den Herrn, damit zu arbeiten.
Es geht hier also darum, was Jesus auch zu der Gemeinde in Ephesus in der Johannesoffenbarung sagt: „Kehre zurück zu deinen ersten Taten“. Es geht darum, wieder Feuer zu fangen, die „Erziehungsmaßnahmen“ Gottes an sich geschehen zu lassen, anstatt zu verbittern und alle Rahmenbedingungen zu schaffen, die der Christ von sich aus vornehmen kann. So werden die lahmen Glieder geheilt und der Mensch neu entzündet. Wo Streit herrscht, soll Versöhnung einkehren.
Die Ermahnungen und Erklärungen der heutigen Lesung sind sehr aktuell und wir können ein Lied davon singen, wie schwer wir es in unserer heutigen Zeit haben. Überwinden auch wir uns, zumindest danach zu fragen, was wir aus der jetzigen Situation lernen können, anstatt zu verbittern und mit Gott zu hadern. Bekehren wir uns und richten wir uns von Neuem auf den Herrn aus, dass er unsere lahmen Glieder wieder stark mache, unsere wankenden Knie wieder fest. Dabei sind wir nicht allein, denn Christus hat uns den Beistand gesandt, den Hl. Geist. Von ihm beseelt können wir durchhalten.

Lk 13
22 Auf seinem Weg nach Jerusalem zog er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte.

23 Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen:
24 Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen.
25 Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt und ihr draußen steht, an die Tür klopft und ruft: Herr, mach uns auf!, dann wird er euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid.
26 Dann werdet ihr anfangen zu sagen: Wir haben doch in deinem Beisein gegessen und getrunken und du hast auf unseren Straßen gelehrt.
27 Er aber wird euch erwidern: Ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan!
28 Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid.
29 Und sie werden von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen.
30 Und siehe, da sind Letzte, die werden Erste sein, und da sind Erste, die werden Letzte sein.

Im Evangelium setzt sich der endzeitliche Duktus der Lesungen fort. Bisher haben wir von Heil und von Gericht/Züchtigung gehört. Beides gehört zusammen. Es ging auch darum, wer die Aussicht auf das Heil hat, um die Nationen und die „Brüder“, also damals die Juden. Nun geht es auch im Evangelium um das Ende der Zeiten und um die bisherigen Fragestellungen.
Jesus zieht mit seinen Jüngern nach Jerusalem und macht dabei immer wieder Zwischenstopps in verschiedenen Orten. Dort lehrt er, aber was? Dabei kann es sich nur um das Reich Gottes handeln, zu dem die persönliche Umkehr gehört.
Als Jesus gefragt wird, ob es nur wenige sind, die gerettet werden, antwortet er mit eindrücklichen Worten – und diese müssen wir uns sehr zu Herzen nehmen: „Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen“. Es ist kein einfacher Weg, sondern sehr schwer, ins Reich Gottes zu gelangen. Natürlich wird uns die nötige Kraft von oben geschenkt, aber unsere Bemühungen müssen von ganzem Herzen sein. Das „er hat sich stets bemüht“ des Arbeitszeugnisses ist bei Gott kein Code für eine gescheiterte Tätigkeit, sondern alles, was er von uns will. Die Tür ist eng. Es ist sehr schwer, sich hindurchzuzwängen, vor allem als aufgeblasener Mensch voller Hochmut und Anhänglichkeiten dieser Welt. Jesus hat schon über den Reichtum gesagt, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr geht als der Reiche ins Reich Gottes. Das Nadelöhr, wie ein Tor in Jerusalem umgangssprachlich genannt wurde, ist so schmal, dass tatsächlich kein Kamel hindurchpasst. Kamele als Lasttiere zeigen uns wirklich, dass wir ins Reich Gottes nur mit leeren Händen hineinkommen. Was heißt das? Wir dürfen alles von Gott erwarten und uns von ihm alles vertrauensvoll schenken lassen. Aus eigener Kraft, mit eigenen Errungenschaften ohne die Gnade Gottes kommen wir nicht ins Reich Gottes. Das ist Hochmut, aber im Himmel ist nur Platz für Demut. Jesus betont, dass viele sich bemühen, es aber nicht schaffen. Das ist sehr drastisch, soll die Zuhörer aber zur Umkehr bewegen.
Es geht Jesus darum, die so ganz anderen Maßstäbe aufzuzeigen, nach denen im Reich Gottes geurteilt wird. Es geht zudem um die Herzenshaltung bei allem, was man getan hat, was beim Gericht Gottes berücksichtigt wird. Beides – die Maßstäbe und die Herzenshaltung – werden am Ende für viele Überraschungen sorgen: Dann werden Menschen, von denen man sicher erwartete, dass sie ins Himmelreich kommen, plötzlich vor verschlossener Tür stehen und fassungslos den Herrn fragen, warum. Dann wird Gott sogar sagen „ich kenne euch nicht“ bzw. „ich weiß nicht, woher ihr seid“. Der Mensch kann nicht einfach nur äußerlich dazugehören. Mitläufer haben im Reich Gottes keinen Platz, denn jeder muss auch aktiv die Entscheidung für Gott getroffen haben und dementsprechend von Herzen um die Gebote Gottes bemüht gewesen sein. Nur weil man Jesus auf der Straße begegnet ist und ihn hat predigen hören, ist man noch nicht automatisch gerechtfertigt. Wenn man ihm nicht nachgefolgt ist bis in die letzte Konsequenz, kann man nicht erwarten, einen Platz im Himmel zu erlangen. Er weiß nicht, woher sie sind, weil sie nicht zur Familie Gottes gehören.
Die Gerechten des Alten Testaments, auf die sich die Juden so gern berufen, werden im Reich Gottes dabei sein, aber jene, die nicht nach den Geboten gelebt haben, werden ausgeschlossen. Heulen und Zähneknirschen sind gängige Aussagen über die ewige Gottabgeschnittenheit, die wir Hölle nennen. Jene, die vom Himmel ausgeschlossen sind, werden sie erfahren und zwar auf ewig. Das ist so drastisch, dass Jesus es hier so betont. Er möchte, dass alle Menschen gerettet werden. Bevor es zu spät ist, sollen die Menschen umkehren und echte Jünger Jesu Christi werden, nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich.
Die Zusammensetzung der Himmelsgemeinschaft wird bestehen aus Menschen aller Himmelsrichtungen. Es wird ein universales Heil sein, das Christus ermöglichen wird. Er deutet die prophetischen Visionen der sogenannten eschatologischen Völkerwallfahrt an, von der wir in der Jesajalesung gehört haben.
Dass die Maßstäbe Gottes noch für Überraschungen sorgen werden, zeigt sich insbesondere am letzten Vers. Es werden nämlich die Letzten die Ersten sein und umgekehrt. Wer in der Gesellschaft nichts zählt, wird im Himmelreich plötzlich auf Ehrenplätzen sitzen. Die irdischen Prioritäten werden ganz auf den Kopf gestellt, weil Gottes Gerechtigkeit und Liebe das Menschliche übersteigt.

Prüfen wir uns heute, ob wir wirklich dazugehören. Sind wir nur äußerlich Teil der Familie Gottes? Ist unser Herz weit weg von Gott oder brennen wir innerlich für sein Evangelium? Halten wir seine Gebote? Halten wir sie aus Liebe? Bemühen wir uns mit aller Kraft oder lehnen wir uns gelassen zurück, weil wir uns auf unsere Taufe verlassen? Keiner von uns kann sagen: Ach, ich bin sicher im Himmel. Wir müssen kämpfen bis zur letzten Sekunde dieses irdischen Daseins, denn der Feind lauert uns ständig auf. Nicht, dass wir am Ende dann die Erfahrung machen, irgendwann vor verschlossener Tür zu stehen und die ewige Party zu verpassen.

Ihre Magstrauss

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