Montag der 24. Woche im Jahreskreis

1 Kor 11,17-26.33; Ps 40,7-8.9-10.17; Lk 7,1-10

1 Kor 11
17 Wenn ich schon Anweisungen gebe: Das kann ich nicht loben, dass ihr nicht zu eurem Nutzen, sondern zu eurem Schaden zusammenkommt.
18 Zunächst höre ich, dass es Spaltungen unter euch gibt, wenn ihr als Gemeinde zusammenkommt; zum Teil glaube ich das auch.
19 Denn es muss Parteiungen geben unter euch, damit die Bewährten unter euch offenkundig werden.
20 Wenn ihr euch versammelt, ist das kein Essen des Herrenmahls;
21 denn jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg und dann hungert der eine, während der andere betrunken ist.
22 Könnt ihr denn nicht zu Hause essen und trinken? Oder verachtet ihr die Kirche Gottes? Wollt ihr jene demütigen, die nichts haben? Was soll ich dazu sagen? Soll ich euch etwa loben? In diesem Fall kann ich euch nicht loben.

23 Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot,
24 sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!
25 Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!
26 Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.
33 Wenn ihr also zum Mahl zusammenkommt, meine Brüder und Schwestern, wartet aufeinander!

In der Lesung hören wir heute die älteste Überlieferung der eucharistischen Einsetzungsworte Jesu, die uns durch das Neue Testament überliefert worden sind. Paulus kritisiert die Missstände in der Korinther Gemeinde bei der Eucharistiefeier. Deshalb ruft er die Worte Jesu wieder in Erinnerung. Er sagt, es gibt da nichts zu loben, weil es Spaltungen unter den Gemeindemitgliedern gibt. Diese Spaltung zeige sich insbesondere beim Herrenmahl, also bei der Eucharistiefeier, was besonders drastisch ist. Sie sollte Ausdruck der Communio der Gemeindemitglieder untereinander und mit Christus darstellen, stattdessen verdichtet sich dort die Spaltung. Worum geht es? Es gibt Mitglieder unterschiedlicher sozialer Schichten. Die Sklaven unter ihnen müssen länger arbeiten und kommen hungrig nach der Arbeit zur Versammlung, während in der Zwischenzeit die reichen Mitglieder sich zu einem Sättigungsmahl getroffen, vollgegessen und betrunken haben. Jeder bringt zu diesen Feiern sein eigenes Essen mit, wobei die Reichen ihren Reichtum durch die Menge und Qualität der Speisen zur Schau stellen, während die Sklaven nichts oder nur wenig haben. Bis zum Zeitpunkt der eigentlichen Eucharistie sind die einen hungrig, die anderen betrunken. In der Forschung wird rege diskutiert, wie genau man die Praxis in Korinth genau rekonstruieren muss. Klar ist: Dass alle Gemeindemitglieder gleich vor Gott sind, muss sich auch in der liturgischen Gestaltung zeigen. Paulus kritisiert diese Art von Mahl und möchte nicht, dass die Eucharistie dadurch untergeht oder unwürdig gefeiert wird. Es ist ein Opfermahl und darf deshalb nicht der Willkür anheimfallen. Deshalb hält er die Korinther dazu an, zuhause zu essen.
Dann erinnert Paulus an die Einsetzungsworte Jesu. Er sagt selbst, dass er diese Worte empfangen hat. Es ist sehr bezeichnend, dass wir dieselbe Lesung hören wie an Gründonnerstag, an dem wir der Einsetzung der Eucharistie sowie des Weihesakraments gedenken.
„Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot“ – diese Formulierung wird auch in das Eucharistische Hochgebet aufgenommen – mit jüdischen Augen sehen wir hier das ungesäuerte Brot im Abendmahlssaal.
„sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Das Dankgebet ist wichtiger Bestandteil schon bei den Juden. Er nimmt Brot und nicht ein geschlachtetes Lamm, weil er selbst dieses Lamm sein wird am nächsten Tag. Er nimmt Brot, weil sich noch eine weitere Typologie erfüllen soll – er ist der Antitypos des Manna in der Wüste, das die Väter gegessen haben, nun aber zum ewigen Leben führen wird. Er ist das Himmelsbrot, von dem er zu Anfang des Johannesevangeliums gesprochen hat. Dies soll sich nun hier im letzten Abendmahl erfüllen. Er ist das tägliche Brot des Vaterunsers, er ist das Grundnahrungsmittel unserer Seele. Er begeht hier das Dankopfer, die todah, das mit Brot und Wein dargebracht wird. An dieser Stelle sehen wir Melchisedek vor uns, aber zugleich übersteigt Christus diesen, wenn er bei der Darbringung spricht: „Das ist mein Leib“ und „Das ist mein Blut“.
„Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!“ Jesus hat mit diesen Worten selbst gekennzeichnet, dass es kein normales Sedermahl zum Auftakt des Pessachfestes (vorweggenommen, weil an den essenischen Termin angepasst) mehr ist, sondern ein Bundesmahl! Hier setzt der neue Bund an, der einen Tag später am Kreuz besiegelt wird, aber nur einer der Apostel wird dabei sein. Das ist der eigentlichste Bund aller Zeiten, denn Bundesschluss heißt „du gehörst mir und ich gehöre dir“. Während die Bundesschlüsse des Alten Testaments lediglich mit einem Tieropfer besiegelt werden, opfert sich Gott selbst. Mit dieser Auslieferung drückt er am eigentlichsten aus, dass er ganz uns gehört. Darum kommen die Märtyrer sofort zu ihm, denn sie haben es ihm am eigentlichsten gleichgetan, indem sie ebenfalls ihr Blut vergossen haben mit der Absicht: Und ich gehöre ganz dir.
Auch ohne dieses Blutvergießen antworten wir bei der Taufe mit diesen Worten des vollkommenen Gottergebenseins. Wenn wir Eucharistie feiern, dann bekräftigen wir diese Antwort immer wieder, die wir bei jeder Wandlung zugleich im Abendmahlssaal und auf dem Kalvarienberg unter dem Kreuz sind. Diese Worte spricht Jesus im Kontext eines Bundesschlusses. Wer auch immer leugnet, dass Jesus hier eine Opferhandlung vornimmt und diese seinen Aposteln aufträgt, hat nicht verstanden, dass Jesus sie zum Gedenkopfer auffordert, hebräisch zikkaron. Es handelt sich dabei um ein ansatzhaftes Verständnis von Realpräsenz bei den Juden, das nun zur Grundlage für die eucharistische Realpräsenz wird!
„Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“ Dies beten wir direkt im Anschluss an die Wandlungsworte, wenn der Priester anstimmt: „Geheimnis des Glaubens“. Die Sakramente sind Antizipation der Ewigkeit. Sie dauern an bis zur Wiederkunft Christi. Dann brauchen wir keine Sakramente mehr, weil die Herrlichkeit Gottes nicht mehr verborgen ist. Dann ist Gott selbst in unserer Mitte und wir dürfen ihn schauen von Angesicht zu Angesicht!
Weil das so großartig und überwältigend ist, was Christus den Christen geschenkt hat, möchte Paulus, dass die Korinther diese Missstände aus ihrer Versammlung ausmerzen und die Spaltungen aufheben. Es muss wahrlich eine Kommunion sein.

Ps 40
7 An Schlacht- und Speiseopfern hattest du kein Gefallen, doch Ohren hast du mir gegraben, Brand- und Sündopfer hast du nicht gefordert.
8 Da habe ich gesagt: Siehe, ich komme. In der Buchrolle steht es über mich geschrieben.
9 Deinen Willen zu tun, mein Gott, war mein Gefallen und deine Weisung ist in meinem Innern.
10 Gerechtigkeit habe ich in großer Versammlung verkündet, meine Lippen verschließe ich nicht; HERR, du weißt es.
17 Frohlocken sollen und deiner sich freuen alle, die dich suchen. Die dein Heil lieben, sollen immer sagen: Groß ist der HERR.

Im heutigen Psalm drückt König David seine Dankbarkeit über die Gebetserhörung Gottes aus.
Die Aussage „an Schlacht- und Speiseopfern hattest du kein Gefallen…“ ist darauf zu beziehen, was dann in Vers 9 geschrieben steht: „deinen Willen zu tun“, also den Willen Gottes zu befolgen, ist das Entscheidende, ohne dass die Opfertätigkeit überflüssig wird. Dies müssen wir als rhetorische Wendung verstehen. Uns geht dies vor allem auf, wenn wir an die Kritik des Paulus denken. Es kommt nicht nur darauf an, das Herrenmahl zu feiern, sondern auch darauf, mit welcher Aufrichtigkeit dies geschieht. Das betrifft bereits den Alten Bund mit dem Kult Israels.
Gott hat uns „Ohren gegraben“ (Vers 7), damit wir nämlich seinen Willen hören und ge-hor-sam sein können. Es geht vor allem um die Ohren unseres Glaubens. Jesus wird immer wieder sagen: „Wer Ohren hat, der höre“. Er meint damit weniger die organischen Ohren, sondern vielmehr die Fähigkeit, gehorsam zu sein. So steht es auch bei den sieben Sendschreiben in der Johannesoffenbarung. Wenn Jesus diese Wendung immer wieder aufgreift, werden die frommen Juden eine Anspielung auf diesen Psalm erkannt haben. Diese Ohren zum Hören hat auch die Gottesmutter Maria vollkommen gelebt. Sie hat auf den Willen Gottes gehört, nicht nur hingehört, sondern auch auf ihn gehört. Das macht sie zur besten Jüngerin Jesu.
„Siehe ich komme“ und „in der Buchrolle steht es über mich geschrieben“ klingt ebenfalls wie die Johannesoffenbarung. Dort sagt der Menschensohn in Offb 22,17 „siehe ich komme bald“. Und die Buchrolle ist ein Leitmotiv gerade in der himmlischen Thronsaalvision der Kapitel 4-5. Das ist eine sehr messianische Aussage. Christus ist es, von dem in der Buchrolle geschrieben ist, nämlich in der gesamten Torah wird er schon bezeugt. Weil die gesamte Torah ein Zeugnis für Christus ist, kann dieser bei seiner „Antrittspredigt“ in Nazaret über die Jesajarolle sagen: „Das Schriftwort, das ihr gerade gehört habt, hat sich heute erfüllt.“ Und Jesus ist es auch, der „in großer Versammlung verkündet.“ Er lehrt in den Synagogen das Reich Gottes und wie der Vater ist. König David hat auch öffentlich gesprochen, auch er ist angekündigt worden als ersehnter König für das gesamte Volk Israel.
Auch wir sollen unseren Mund auftun und den HERRN vor allen bekennen. Auch wir sollen das Wort Gottes in unserem Herzen tragen („in meinem Innern“). Dann werden auch wir Gottes Willen stets erkennen und möchten ihn auch immer erfüllen. Dann haben wir „gegrabene Ohren“, sodass wir im Stand der Gnade bleiben können. Das Wort Gottes haben wir nicht nur in geschriebener Form im Herzen, sondern wir haben das Privileg, das fleischgewordene Wort zu empfangen. Wenn wir die Kommunion empfangen, kommt Jesus in unser Herz. Er bleibt dort, wenn wir es ihm erlauben, wenn wir Gottes Willen tun und nicht den Bösen in unser Herz lassen. Die Kirche hat das Wort Gottes in ihrem Innern, nämlich die Eucharistie. Sie ist ihr Herzschlag, die sie am Leben erhält. Jesus ist das größte und endgültige Opfer, sodass wir jetzt keine Brand- und Schlachtopfer mehr darbringen müssen wie das Alte Israel. Jesu Opfer wird in jeder Messe vergegenwärtigt, er stirbt nicht immer wieder, sondern sein einmaliger Tod wird in die jeweilige Gegenwart geholt. Von diesem Heilsereignis her sollen wir ein entsprechendes Leben führen und Gottes Willen erfüllen. Wir sollen seine Gerechtigkeit auch vor anderen bezeugen. Was David hier betet, sind die drei kirchlichen Grundvollzüge: Wir feiern Gottes Herrlichkeit, was Leiturgia genannt wird („ein neues Lied“, „einen Lobgesang“). Dies hat Jesus schon getan, wenn er gebetet hat, wenn er vor allem die Eucharistie eingesetzt hat am Abend vor seinem Tod und bei seiner Kreuzigung. Wir setzen Gottes Willen um in der tätigen Liebe, was Diakonia heißt („deinen Willen zu tun war mein Gefallen“). Jesus hat immer wieder Menschen seelisch, psychisch und körperlich geheilt. Er hat sie in die Gemeinschaft zurückgeführt, indem er sie wieder kultfähig gemacht hat. Schließlich verkünden wir als Kirche die Weisung Gottes, was Martyria genannt wird („in großer Versammlung verkündet“). Diese große Versammlung ist in erster Linie die Eucharistiefeier, zu der die Gläubigen sich am Sonntag versammeln. Deshalb gibt es gerade dann eine Predigt. Genau dies hat Jesus in den Synagogen getan und überall, wo er das Reich Gottes verkündet hat. Die Kirche tut, was Jesus getan hat, was er von Davids Psalm erfüllt hat. Die Kirche folgt Jesus in den drei Grundvollzügen nach!
Zum Ende hin erfolgt eine Lobpreisaufforderung ganz im Psalmenstil. Alle sollen sich freuen, die Gott suchen. Sie können sich auch nur freuen, weil Jesus uns zugesagt hat: Wer suchet, der findet. Wer aufrichtig nach Gott sucht, wird ihn aber nicht nur finden, sondern sich vielmehr von ihm finden lassen, der uns zuerst geliebt hat.

Lk 7
1 Nachdem Jesus alle seine Worte dem Volk zu Gehör gebracht hatte, ging er nach Kafarnaum.
2 Ein Hauptmann hatte einen Diener, den er sehr schätzte, der war krank und lag im Sterben.
3 Als der Hauptmann aber von Jesus hörte, schickte er jüdische Älteste zu ihm mit der Bitte, zu kommen und seinen Diener zu retten.
4 Sie gingen zu Jesus und baten ihn inständig. Sie sagten: Er verdient es, dass du seine Bitte erfüllst;
5 denn er liebt unser Volk und hat uns die Synagoge gebaut.
6 Da ging Jesus mit ihnen. Als er nicht mehr weit von dem Haus entfernt war, schickte der Hauptmann Freunde und ließ ihm sagen: Herr, bemüh dich nicht! Denn ich bin es nicht wert, dass du unter mein Dach einkehrst.
7 Deshalb habe ich mich selbst auch nicht für würdig gehalten, zu dir zu kommen. Aber sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund.
8 Denn auch ich muss Befehlen gehorchen und ich habe selbst Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es.
9 Jesus war erstaunt über ihn, als er das hörte. Und er wandte sich um und sagte zu den Leuten, die ihm folgten: Ich sage euch: Einen solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden.
10 Und als jene, die der Hauptmann geschickt hatte, in das Haus zurückkehrten, stellten sie fest, dass der Diener gesund war.

Im Evangelium hören wir von einem Hauptmann, einem Centurio, dessen Diener im Sterben liegt. Jesus kommt nach Kafarnaum, wovon dieser Hauptmann auch hört. Er ist ein Heide, aber ein Gottesfürchtiger. Das heißt, dass er zum jüdischen Glauben gefunden hat, jedoch den letzten Schritt der Beschneidung nicht vorgenommen hat. Er lebt dennoch nach den Zehn Geboten und hat eine Synagoge gebaut. Weil er ein gutes Verhältnis zu den Juden hat, lässt er jüdische Älteste zu Jesus kommen, um um Heilung seines Dieners zu bitten. Diese erklären Jesus, was für ein gläubiger Mensch der Centurio ist. Jesus ist bereit, mit ihnen zu gehen, das heißt in ein heidnisches Haus zu gehen, obwohl er Jude ist. Er kann das auch, weil er Gott ist und über den jüdischen Reinheitsvorschriften steht. Er kommt immer wieder mit Unreinheit in Verbindung, ob mit dem Tod, mit Blut, mit Aussatz oder mit Todsündern. So begann schon sein Leben – in einem Stall mit Tieren, die ihren Kot dort hinterließen. Jesus ist auch im moralischen Sinne stets bereit in ein unreines Leben zu kommen, wie sündhaft es auch gewesen ist. Ist nicht jede Seele ein armseliger, dreckiger Stall, der für Gottes Anwesenheit eigentlich immer zu unwürdig sein wird? Gott ist größer als der Dreck und kann aus jedem Sünder einen Heiligen machen, wenn dieser bereit ist. Wir denken auch an das Volk Israel, an die Jerusalemer, die im Exil fern von der Heimat sind und sich die Situation selbst verschuldet haben. Auch hier hinein und auch in die Trümmern des entweihten Tempels hinein kann Gott kommen und alles wieder neu machen. Allegorisch weitergedacht kommt Jesus in der Eucharistie immer wieder zu den Menschen. Sein Kommen macht er nicht davon abhängig, wie sündhaft oder sündlos der Priester ist, der die Messe feiert. Jesus wird sogar dann Leib Christi, wenn der Priester oder die Gläubigen nicht einmal an seine Gegenwart glauben. Er ist bereit, sich zu zeigen in der kleinen Hostie und im Kelch.
Es ist bemerkenswert, wie der Centurio sich verhält. Er weiß, dass Jesus sich als frommer Jude durch das Kommen in sein Haus kultisch verunreinigen würde. Deshalb schickt er Freunde vor, die Jesus entgegen gehen. Dieser Centurio offenbart eine echte Demut, weil er freimütig zugibt, dass er unwürdig ist. Wer von uns ist würdig, dem allmächtigen Gott ein Obdach zu bieten – sei es unser Haus, sei es unser Herz! Wir alle sind nicht vollkommen, aber die absolute Heiligkeit ist gerade gut genug für Gott! Der Centurio erkennt in Jesu Gegenwart seine eigene Armut und dass er es eigentlich nicht verdient hat, Gott bei sich Zuhause aufzunehmen. Er verlangt von Jesus: „Sprich nur ein Wort“. Der Hauptmann zeigt durch seine Worte, dass er großes Vertrauen in Jesus besitzt. Dies wird dadurch deutlich, dass er Jesus eine Fernheilung ohne viele Worte zutraut. Er vertraut auf Gottes Barmherzigkeit, die durch ein einziges Wort alles bewirken kann. Genau diese Einstellung führt die Kirche moralisch weiter, wenn in der Hl. Messe vor dem Kommunionempfang die Gläubigen beten: „Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort und meine Seele wird gesund.“ Jesus geht durch die Kommunion in die eigene Seele ein und in seinem Angesicht erkennt der Mensch ganz realistisch sein eigenes Ich. Dass Jesus dennoch kommt, erkennt man durch diesen Ausspruch als unverdientes Geschenk, als Gnade an. Auch allegorisch-ekklesiologisch hat es diese Leserichtung: Jesus hat seine Kirche auf einem sündigen Menschen wie Petrus gebaut. Das ist ebenfalls Gnade. Denn welcher Mensch hat es verdient, Werkzeug Gottes zu sein? Wer ist wirklich perfekt genug? So ist alles, was von Gott kommt, Gnade. Das betrifft auch die Sakramente und die Kirche als Ganze. Sie ist Gotteswerk und Geschenk. Wir machen Kirche nicht. Wir können nur jedes Mal demütig beten: „Jesus, komm in unsere Mitte, obwohl wir es nicht verdient haben.“ Und jeder kirchliche Vollzug, alles Bestreben, jede Reform kann nur von Gott ausgehen, dem die Kirche gehört. Wir können diese Dinge nie aus uns selbst heraus. Anagogisch gesehen können wir auch nur sagen: Das Kommen des Reiches Gottes, das Ende der Welt, den Himmel können wir nicht herbeiholen. Wir können den Zeitpunkt des Weltendes nicht beeinflussen, beschleunigen oder hinauszögern.
Der Centurio weiß, wie es ist, Macht zu haben. Er selbst muss immer wieder Befehle aufgeben, die erfüllt werden. Wenn er schon Macht hat, umso wie viel mehr gehorchen die Mächte dem Allmächtigen!
Jesus staunt und sagt zu den Menschen, dass er in ganz Israel noch nie so einen großen Glauben gesehen hat. Das ist ein großes Kompliment für den Betroffenen und soll die Juden zum Nachdenken bringen. Ein Heide wird zum Glaubensvorbild, das ist schon sehr provokativ für sie!
Weil der Mann so sehr auf Gott vertraut hat, ist sein Gebet erhört worden. Bis die Freunde zum Haus zurückgekehrt sind, wurde der Diener geheilt.

Heute hören wir in den Lesungen Licht und Schatten, wahre und falsche Frömmigkeit, aufrichtigen und verzerrten Gottesdienst. Gebe uns der Herr, dass unsere kirchlichen Vollzüge im Jahre 2022 wieder neu zurückfinden zum ursprünglichen Auftrag!

Ihre Magstrauss

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s