Montag der 25. Woche im Jahreskreis

Spr 3,27-35; Ps 15,2-3.4.5; Lk 8,16-18

Spr 3
27 Versag keine Wohltat dem, der sie braucht, / wenn es in deiner Hand liegt, Gutes zu tun!

28 Wenn du jetzt etwas hast, / sag nicht zu deinem Nächsten: Geh, komm wieder, / morgen will ich dir etwas geben!
29 Sinne nichts Böses gegen deinen Nächsten, / der friedlich neben dir wohnt!
30 Bring niemand ohne Grund vor Gericht, / wenn er dir nichts Böses getan hat!
31 Beneide den Gewalttätigen nicht, / wähle keinen seiner Wege;
32 denn ein Gräuel ist dem HERRN der Ränkeschmied, / die Redlichen sind seine Freunde.
33 Der Fluch des HERRN fällt auf das Haus des Frevlers, / die Wohnung der Gerechten segnet er.
34 Die Zuchtlosen verspottet er, / den Gebeugten erweist er seine Gunst.
35 Die Weisen erlangen Ehre, / die Toren aber häufen Schande auf sich.

In der Lesung hören wir heute einen Ausschnitt aus dem Buch der Sprichwörter. Die Aufforderung, Gutes zu tun, wenn es in unserer Hand liegt, ist der erste Aspekt. Wir dürfen eine Chance nicht verstreichen lassen, es wir sie bekommen, wenn wir die Möglichkeiten und die Mittel, die Macht und den Einfluss haben. Gott wird uns dafür zur Rechenschaft ziehen. Wenn wir das Schuldbekenntnis beten, geht es nicht zuerst darum, was ich Böses getan habe, sondern was ich Gutes unterlassen habe.
Diese Chancen sollen wir auch nicht verschieben, denn erstens gibt uns Gott sein Timing vor, zweitens ist es für den Hilfsbedürftigen dann vielleicht schon zu spät.
Im nächsten Schritt geht es um die bösen Taten: Wir sollen keinen Unfrieden anzetteln und Menschen nicht ohne Grund vor Gericht bringen. Wer es auf krummen Wegen gut hat und weit kommt, soll uns nicht in die Versuchung führen, es ihm gleichzutun. Gott gefällt die Sünde nicht. Wir sehen beim anderen zudem nur eine Momentaufnahme. Ob es ihm wirklich besser geht als uns, obwohl er ohne Gott lebt, können wir gar nicht beurteilen. Deshalb sollen wir beim Herrn und seinen Geboten bleiben. Dann wird auf unserem Leben ein Segen liegen und von diesem hängt alles ab.
Wer demütig ist, erlangt Gottes Gunst. Das wird durch das Gebeugtsein umschrieben. Man könnte auch annehmen, dass damit die Gebeugten im Sinne von „gedemütigt“ gemeint sind, die also Unterdrückung und Ausgrenzung erleiden. Gott ist barmherzig und nimmt sich derer an, die Not leiden.
Wer weise ist, erlangt Ehre, weil die Gottesfurcht der Anfang der Weisheit ist. Es werden am Ende also jene es gut haben, die Gott gefallen möchten. Wer dagegen ein Tor ist und wirklich annahm, dass er ein Leben ohne Gott führen kann, wird nur Schande ernten.
Was wir in dem gehörten Abschnitt sehen, ist ein zwei-Wege-Schema, eine Gegenüberstellung von zwei Verhaltensweisen. Diese beweist uns, dass es sich immer lohnt, beim Herrn zu bleiben und treu seine Gebote zu befolgen. Auf lange Sicht werden wir es eigentlich nur gut haben, auch wenn in der Zwischenzeit Entbehrungen und Demütigungen kommen sollten und der Weg mühsamer erscheint als der Weg der Sünde.

Ps 15
2 Der makellos lebt und das Rechte tut, der von Herzen die Wahrheit sagt,
3 der mit seiner Zunge nicht verleumdet hat,/ der seinem Nächsten nichts Böses tat und keine Schmach auf seinen Nachbarn gehäuft hat.
4 Der Verworfene ist in seinen Augen verachtet, aber die den HERRN fürchten, hält er in Ehren. Er wird nicht ändern, was er zum eigenen Schaden geschworen hat.
5 Sein Geld hat er nicht auf Wucher verliehen und gegen den Schuldlosen nahm er keine Bestechung an. Wer das tut, der wird niemals wanken.

Im Psalm geht es um eine vorbildliche Lebensführung, die ja bereits in der Lesung thematisiert wurde. Es handelt sich also um paränetische Aussagen, die zum eigenen richtigen Handeln aufrufen. Damit ist konkret die Haltung der Gebote gemeint, frei von den Sünden der Welt. Das Rechte zu tun, heißt die Torah zu halten. Die Wahrheit zu sagen, ist ein Kern der Gebote Gottes, denn es heißt im Dekalog „du sollst nicht lügen“. Der Zusatz „von Herzen“ heißt wörtlich eigentlich „in seinem Herzen“ und bezieht sich darauf, dass das Gesagte, mit dem Herzen übereinstimmt. Es geht um die Deckungsgleichheit von dem, was im Inneren ist und was man ausspricht.
Im Psalm wird herausgestellt, dass mit Worten viel angerichtet werden kann und unsere Entscheidungen weitreichende Konsequenzen tragen. Es heißt in Vers 3, dass man mit der Zunge sündigen kann, nämlich Menschen verleumden, den Nächsten in Verruf bringen.
Vers 4 ist etwas schwierig zu verstehen und muss genau gelesen werden: „Der Verworfene“ bezieht sich auf jene Menschen, die Gott ablehnen. Gut ist, wer solche Menschen meidet, was mit „ist in seinen Augen verachtet“ ausgesagt wird. Er hält stattdessen die Gottesfürchtigen in Ehren.
Vorbildlich ist, wer sein Versprechen hält („was er …. geschworen hat“). Es bezieht sich vor allem auf den Bund mit Gott, auf das Gelübde, das er vor Gott abgelegt hat, aber auch gerade was man dem Nächsten versprochen hat. Die Wendung „zum eigenen Schaden“ zeigt, dass das Brechen von Versprechen dem schadet, der das Versprechen gegeben hat. In erster Linie verlieren wir den Segen Gottes, denn das Brechen von Versprechen ist eine Sünde.
So ein treuer und wahrhaftiger Mensch ist nicht skrupellos und habgierig („nicht auf Wucher verliehen“) und auch nicht korrupt („nahm er keine Bestechung an“).
Die Aufzählung vieler guter Verhaltensweisen soll dem Beter vor Augen führen, wie man festen Schrittes den Weg Gottes geht. Denn „wer das tut, der wird niemals wanken“. Die Versuchungen des Bösen werden kommen. Wenn wir jedoch ein reines Gewissen haben und wachsam sind, wird dieser uns nicht so schnell zu Fall bringen. Die guten Verhaltensweisen, von denen wir im Psalm hören, sind auf Abram zu beziehen. Er hat wirklich einen starken Gerechtigkeitssinn, bemüht sich in den Tugenden, auch wenn er nicht perfekt ist, und hat vor allem einen starken Glauben, ein bemerkenswertes Gottvertrauen.

Lk 8
16 Niemand zündet eine Leuchte an und deckt sie mit einem Gefäß zu oder stellt sie unter ein Bett, sondern man stellt sie auf den Leuchter, damit jene, die eintreten, das Licht sehen.

17 Denn es gibt nichts Verborgenes, das nicht offenbar wird, und nichts Geheimes, das nicht bekannt wird und an den Tag kommt.
18 Achtet darauf, genau hinzuhören! Denn wer hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er zu haben meint.

Heute erklärt Jesus im Evangelium anhand eines Bildes, wie das Hören funktioniert, das gehorsame auf ihn Hören.
Eine Leuchte deckt man nicht mit einem Gefäß zu oder stellt es unter das Bett. Ein Licht gehört auf den Leuchter. Ganz logisch. Wie ist das zum Gleichnis vom Sämann in Beziehung zu setzen, das wir neulich gehört haben und das im selben Kapitel des Lukasevangeliums erfolgt? Das Licht, das entzündet wird, ist ein anderes Bild für den Samen. Es ist das Wort Gottes, das dem Menschen verkündet wird. Der Vorgang des Entzündens ist diese Verkündigung. Was nun mit diesem Licht gemacht wird, sind die verschiedenen Böden, auf die der Same fällt. Das abdeckende Gefäß, von dem hier die Rede ist, löscht das Licht. Dieses Bild ist also vergleichbar mit dem Dornengestrüpp oder der sengenden Hitze der Sonne aus dem ersten Gleichnis. Stellt man es dagegen auf den Leuchter, leuchtet es allen im Haus. Mit diesem Gleichnis wird das rechte Hören noch weitergeführt. Es stellt eine Weiterentwicklung dar. Es geht nicht mehr nur darum, dass man das Wort Gottes in sich aufnimmt und es in sein eigenes Denken, Sprechen und Handeln übergeht, sondern dass man es auch weitergibt an andere. Das Licht soll auch anderen leuchten, sie wärmen, ihnen Hoffnung schenken. Gott entzündet uns nicht für uns selbst, sondern damit wir weitergeben. An anderer Stelle sagt Jesus „umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ (Mt 10,8). Das Fließen der Gnade gerät ins Stocken, wo wir sie für uns behalten. Nur wenn wir weitergeben, wird uns noch mehr und noch mehr gegeben ohne Ende.
Jesus begründet in Vers 17, dass nichts verborgen bleibe, dass alles ans Licht komme. Das ist in diesem Kontext weniger als Drohung gemeint, vielmehr als positive Konsequenz des Lichtes. Schließlich geht es um die Gnade Gottes, mit der man beschenkt wird – oder um es mit dem Sämann-Gleichnis zu sagen, das Wort Gottes, das in uns hineingesät wird. Es ist zu vergleichen mit dem Bild der Stadt auf dem Berg. Sie kann nicht verborgen bleiben (Mt 5,14). Wer durch die Gnade Gottes glänzt, die ins Herz eingepflanzt ist, kann nur auffallen. Je dunkler es um einen herum ist, desto heller erscheint das Licht auf dem Leuchter. Wir sollen dieses Licht auf dem Leuchter sein, das anderen Menschen strahlt. Wir sollen also zum Wort Gottes stehen, das heißt wir sollen zu Christus stehen. Nicht nur im Kämmerlein, sondern offen. Wir sollen nicht so feige sein, in einer Gruppe zu schweigen, wenn Jesus gelästert wird. Dann sollen wir mutig sein und für ihn einstehen. Wenn wir sehen, dass alle um uns herum gegen die Gebote verstoßen, die Liebe nicht leben, dann sollen wir nicht mitziehen, sondern dennoch zu Christus stehen. Das wird auffallen und zwar nicht immer nur positiv. Es wird viel gesellschaftlichen Druck geben, Druck von Freunden, von Familie. Aber es wird auch Menschen geben, die es berührt und die dadurch wiederum zum Glauben kommen. Wir entzünden Menschen also nicht nur durchs Predigen – und es gibt wirklich viele, die alle Menschen durch langes Einreden und mit hundert Bibelstellen bekehren wollen, am besten noch heute. Es ist wichtig, das Evangelium zu verkünden, aber das Entscheidende, das Menschen zum Glauben bringt, ist das gelebte Evangelium. Wir sehen es an Christus. Aus ganz Israel reisen die Menschen zu ihm wegen der Dinge, die er GETAN hat. Durch unser Verhalten geben wir das stärkste Zeugnis, das die anderen Menschen „entzündet“ und den „Samen Gottes ausstreut“. Wenn sie dann nachfragen, ist es an der Zeit, darüber zu sprechen.
Dann erfolgt wieder das oft formulierte Wort „Wer Ohren hat, der höre“ oder wie es bei Lukas formuliert wird: Achtet darauf, genau hinzuhören! Es ist ein Hinhören und ein auf ihn Hören, das das gehorsame Befolgen des Willens Gottes mit einschließt. Es bekräftigt den vorherigen Vers. Wir sollen das Gehörte wirklich beachten im Sinne von „befolgen“. Wir sollen es vor Augen haben.
„Wer hat“ meint in diesem Kontext dann „wer den Samen/das Licht hat“. Wer sich entzünden ließ und das Licht auf den Leuchter stellte, wer den Samen in sich aufgenommen hat, wachsen ließ und Früchte trug, bekommt noch mehr. „Wer aber nicht hat“, das heißt kein Licht und keinen Samen, also das Gefäß darüberstülpte, den Samen verdorren/absterben ließ, dem wird auch noch weggenommen was er hat. Was kann er denn noch haben, wenn er beides verstreichen ließ? Den Zugang zum Gnadenstrom. Dieser stoppt, wo man einen Damm baut. Die Seele ist kein reißender Fluss mehr, sondern wird zu einem Stausee, dessen Wasser verfault und stinkt, weil es abgestanden ist. Es fließt keine Gnade mehr – und ich wiederhole, was ich oben gesagt habe: nicht wegen Gottes Begrenztheit, sondern weil man selbst den Staudamm errichtet hat.

Heute geht es um eine richtige Lebensweise in allen drei Texten. Wie ist es bei uns? Welchen Weg wählen wir? Wollen wir allen im Haus leuchten, die Chance zur guten Tat nutzen und das Böse unterlassen, auch wenn wir dafür verlacht werden? Ein reines Herz lohnt sich, denn auf uns wartet am Ende die ewige Gemeinschaft mit Gott.

Ihre Magstrauss

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