Mittwoch der 30. Woche im Jahreskreis

Eph 6,1-9; Ps 145,10-11.12-13b.13c-14; Lk 13,22-30

Eph 6
1 Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern im Herrn, denn das ist recht!

2 Ehre deinen Vater und deine Mutter: Das ist ein Hauptgebot mit einer Verheißung:
3 damit es dir wohl ergehe und du lange lebst auf der Erde.
4 Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern erzieht sie in der Zucht und Weisung des Herrn!
5 Ihr Sklaven, gehorcht den irdischen Herren mit Furcht und Zittern und mit aufrichtigem Herzen, als wäre es Christus,
6 nicht in Augendienerei, als wolltet ihr Menschen gefallen, sondern erfüllt als Sklaven Christi von Herzen den Willen Gottes!
7 Dient mit Hingabe, als dientet ihr dem Herrn und nicht den Menschen!
8 Denn ihr wisst, dass jeder, der etwas Gutes tut, es vom Herrn zurückerhalten wird, ob er ein Sklave ist oder ein Freier.
9 Und ihr Herren, handelt in gleicher Weise ihnen gegenüber, unterlasst das Drohen, denn ihr wisst, dass ihr im Himmel denselben Herrn habt, und bei ihm gibt es kein Ansehen der Person!

Als Lesung hören wir heute eine sogenannte Haustafel, eine hierarchische Aufstellung in der Ordnung Gottes. Paulus bekräftigt zunächst das vierte Gebot des Dekalogs, wenn er die Kinder zum Gehorsam gegenüber ihren Eltern anmahnt. Es gefällt dem Herrn deshalb so sehr, weil die Eltern die wichtigste Autorität und Vertretung Gottes für den Menschen auf Erden darstellen. Deshalb beginnt auch die zweite Tafel des Dekalogs und somit die Serie von Geboten der Nächstenliebe mit eben diesem Gebot. Paulus zitiert den Dekalog, indem er auch die Folgen des Gehorsams aufgreift: Der Mensch erlangt Segen, was durch das Wohlergehen und das lange Leben auf Erden umschrieben wird.
Im nächsten Schritt geht es aber auch um das Verhalten der Eltern gegenüber den Kindern: Die Väter sollen ihre gottgegebene Autorität dafür nutzen, die Kinder zu gottesfürchtigen Menschen zu erziehen. Sie sollen die Kinder nicht zum Zorn reizen, weil zur Sünde in vielen Fällen zwei Seiten gehören: die sündigende Seite und die provozierende Seite.
Wenn Paulus über den Gehorsam von Sklaven spricht, ist das kein Plädoyer für oder gegen Sklaverei und auch nicht mit modernen Augen zu interpretieren. Es geht Paulus um die rechte Ordnung, nicht um grundsätzliche sozialethische Fragen. Die Sklaven sollen ihren irdischen Herren aufrichtig dienen und ihre Aufgabe erfüllen, als würden sie Christus direkt bedienen. Was uns befremdlich erscheint, ist grundsätzlich aber eine Haltung, die bis heute gilt: Wir sollen irdischen Autoritäten folgen, die mehr oder weniger abgeleitet sind von der Autorität Gottes, je nach Fall: Eltern sind die höchste irdische Autorität – nicht im politischen Sinne, sondern im Sinne der Ordnung Gottes und deshalb auch im moralischen Sinne. Sodann heißt es im Katechismus der Katholischen Kirche beispielsweise, dass wir den Verwandten, den Politikern, den Autoritäten im Bildungs- und Erziehungswesen, den Geistlichen etc. Gehorsam zollen sollen. All diese irdischen Autoritäten können nie einen absoluten Gehorsam verlangen, der allein Gott gebührt, weil sie unvollkommene Menschen betrifft. Wir sollen nicht unter jeden Umständen gehorsam sein, sondern sogar ungehorsam, wenn die Autorität etwas Sündhaftes verlangt. Hierarchie und Ordnung sind aber notwendig und gottgewollt. Diese Dinge lassen sich zusammenfassen in der Aufforderung: „Dient mit Hingabe, als dientet ihr dem Herrn und nicht den Menschen!“ Wer so handelt, wird es vom Herrn zurückerlangen.
Das heißt im Umkehrschluss, dass der Vertrauensvorschuss, den die hierarchisch Niedrigen den Mächtigen leisten, diesen nicht missbrauchen dürfen, sondern in einer dienenden Haltung voller Liebe und Demut ihrer Position gerecht werden sollen. Auf dem Teppich bleibt dabei, wer sich vom selben Herrn her definiert, den auch die Niedrigen zum Herrn haben – Gott. So entsteht eine Ordnung, die Gott gefällt: ein Gefälle der dienenden Liebe.

Ps 145
10 Danken sollen dir, HERR, all deine Werke, deine Frommen sollen dich preisen.
11 Von der Herrlichkeit deines Königtums sollen sie reden, von deiner Macht sollen sie sprechen,
13 Treu ist der Herr in seinen Reden und heilig in all seinen Werken.
14 Der HERR stützt alle, die fallen, er richtet alle auf, die gebeugt sind.

Als Antwort beten wir einen Lobpreispsalm, der den Abschluss des fünften Psalmenbuches darstellt.
In Vers 10 erfolgt eine Lobpreisaufforderung, aber nicht an den Beter selbst, sondern an „alle deine Werke, deine Frommen“. Die Schöpfung soll Gott loben und preisen. Dies ist die einzig angemessene Reaktion auf das Geschaffensein von dem liebenden Gott, der uns eigentlich nicht braucht, aber ohne uns nicht sein will. Dass wir existieren, ist bereits den ewigen und unaufhörlichen Lobpreis wert!
David bezeichnet Gott hier als König, wenn er von der „Herrlichkeit“ seines „Königtums“ spricht. Gottes Allmacht wird mit einem mächtigen Herrscher verglichen. David vergleicht Gottes Macht also mit seiner eigenen und steigert sie ins Unendliche. Dieses Königtum soll verkündet werden. Christus wird dies zum Kern seine Botschaft machen und seine Jünger vor seiner Heimkehr zum Vater dazu auffordern, es fortzusetzen. David macht genau das, was auch Paulus den Mächtigen ans Herz legt: sich von Gott Herr definieren, um bescheiden zu bleiben.
Gott ist wirklich treu. Er tut, was er sagt, er hält, was er verspricht. Jesus trägt den Menschen auf: „Euer Ja sei ein Ja und euer Nein ein Nein.“ In erster Linie lebt er dies vor, indem er die Wahrheit immer klar und deutlich artikuliert, selbst wenn es die Menschen nicht hören wollen. Gott hat den Menschen das Heil versprochen und kam auf der Höhe der Zeiten selbst. Wenn das nicht die Treue zu seinem Wort ist, was dann?
Gott bricht das geknickte Rohr nicht. Er tritt nicht nach, wenn jemand am Boden liegt. Vielmehr hilft er dem Menschen auf, indem er alles für dessen Umkehr tut. Wie oft ruft er seine geliebte Braut zurück, die ihm untreu wird. Immer wieder sendet er Propheten zu seinem Volk, um seinen Willen kundzutun. Dann wird er selbst Mensch, um die Menschen zur Umkehr aufzurufen, und stirbt für seine geliebte Braut. Durch diese Erlösungstat richtet er alle auf, die durch die Sünde gebeugt sind. Er schenkt denen, die seine Erlösung annehmen, das ewige Leben. Das ist die wahre Liebe und das unendliche Erbarmen Gottes!

Lk 13
22 Auf seinem Weg nach Jerusalem zog er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte.
23 Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen:
24 Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen.
25 Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt und ihr draußen steht, an die Tür klopft und ruft: Herr, mach uns auf!, dann wird er euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid.
26 Dann werdet ihr anfangen zu sagen: Wir haben doch in deinem Beisein gegessen und getrunken und du hast auf unseren Straßen gelehrt.
27 Er aber wird euch erwidern: Ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan!
28 Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid.
29 Und sie werden von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen.
30 Und siehe, da sind Letzte, die werden Erste sein, und da sind Erste, die werden Letzte sein.

Jesus zieht mit seinen Jüngern nach Jerusalem und macht dabei immer wieder Zwischenstopps in verschiedenen Orten. Dort lehrt er, aber was? Dabei kann es sich nur um das Reich Gottes handeln, zu dem die persönliche Umkehr gehört.
Als Jesus gefragt wird, ob es nur wenige sind, die gerettet werden, antwortet er mit eindrücklichen Worten – und diese müssen wir uns sehr zu Herzen nehmen: „Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen“. Es ist kein einfacher Weg, sondern sehr schwer, ins Reich Gottes zu gelangen. Natürlich wird uns die nötige Kraft von oben geschenkt, aber unsere Bemühungen müssen von ganzem Herzen kommen. Das „er hat sich stets bemüht“ des Arbeitszeugnisses ist bei Gott kein Code für eine gescheiterte Tätigkeit, sondern alles, was er von uns will. Die Tür ist eng. Es ist sehr schwer, sich hindurchzuzwängen, vor allem als aufgeblasener Mensch voller Hochmut und Anhänglichkeiten dieser Welt. Jesus hat schon über den Reichtum gesagt, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr geht als der Reiche ins Reich Gottes. Das Nadelöhr, wie ein Tor in Jerusalem umgangssprachlich genannt wurde, ist so schmal, dass tatsächlich kein Kamel hindurchpasst. Kamele als Lasttiere zeigen uns wirklich, dass wir ins Reich Gottes nur mit leeren Händen hineinkommen. Was heißt das? Wir dürfen alles von Gott erwarten und uns von ihm alles vertrauensvoll schenken lassen. Aus eigener Kraft, mit eigenen Errungenschaften ohne die Gnade Gottes kommen wir nicht ins Reich Gottes. Das ist Hochmut, aber im Himmel ist nur Platz für Demut. Jesus betont, dass viele sich bemühen, es aber nicht schaffen. Das ist sehr drastisch, soll die Zuhörer aber zur Umkehr bewegen.
Es geht Jesus darum, die so ganz anderen Maßstäbe aufzuzeigen, nach denen im Reich Gottes geurteilt wird. Es geht zudem um die Herzenshaltung bei allem, was man getan hat, die beim Gericht Gottes berücksichtigt wird. Beides – die Maßstäbe und die Herzenshaltung – werden am Ende für viele Überraschungen sorgen: Dann werden Menschen, von denen man sicher erwartete, dass sie ins Himmelreich kommen, plötzlich vor verschlossener Tür stehen und fassungslos den Herrn fragen, warum. Dann wird Gott sogar sagen „ich kenne euch nicht“ bzw. „ich weiß nicht, woher ihr seid“. Der Mensch kann nicht einfach nur äußerlich dazugehören. Mitläufer haben im Reich Gottes keinen Platz, denn jeder muss auch aktiv die Entscheidung für Gott getroffen haben und dementsprechend von Herzen um die Gebote Gottes bemüht gewesen sein. Nur weil man Jesus auf der Straße begegnet ist und ihn hat predigen hören, ist man noch nicht automatisch gerechtfertigt. Wenn man ihm nicht nachgefolgt ist bis in die letzte Konsequenz, kann man nicht erwarten, einen Platz im Himmel zu erlangen. Er weiß nicht, woher sie sind, weil sie nicht zur Familie Gottes gehören.
Die Gerechten des Alten Testaments werden im Reich Gottes dabei sein, aber jene, die nicht nach den Geboten gelebt haben, werden ausgeschlossen. Heulen und Zähneknirschen sind gängige Aussagen über die ewige Gottabgeschnittenheit, die wir Hölle nennen. Jene, die vom Himmel ausgeschlossen sind, werden sie erfahren und zwar auf ewig. Das ist so drastisch, dass Jesus es hier so betont. Er möchte, dass alle Menschen gerettet werden. Bevor es zu spät ist, sollen die Menschen umkehren und echte Jünger Jesu Christi werden, nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich.
Die Zusammensetzung der Himmelsgemeinschaft wird bestehen aus Menschen aller Himmelsrichtungen. Es wird ein universales Heil sein, das Christus ermöglichen wird. Er deutet die prophetischen Visionen der sogenannten eschatologischen Völkerwallfahrt an, aber auch das himmlische Festmahl aus Jes 25.
Dass die Maßstäbe Gottes noch für Überraschungen sorgen werden, zeigt sich insbesondere am letzten Vers. Es werden nämlich die Letzten die Ersten sein und umgekehrt. Wer in der Gesellschaft nichts zählt, wird im Himmelreich plötzlich auf Ehrenplätzen sitzen. Die irdischen Prioritäten werden ganz auf den Kopf gestellt, weil Gottes Gerechtigkeit und Liebe das Menschliche übersteigt.

Auch hier schließt sich somit der Kreis. Gottes Ordnung ist grundsätzlich anders als die irdische. Die Gesellschaft im Reiche Gottes wird ganz anders aussehen als in der gefallenen Schöpfung, über die Paulus in seiner Haustafel geschrieben hat. Und doch können wir schon auf Erden üben – insbesondere in Christi geliebter Kirche!

Ihre Magstrauss

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