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Freitag der Osteroktav

Apg 4,1-12; Ps 118,1 u. 4.22-23.24 u. 26-27a; Joh 21,1-14

Apg 4
1 Während sie zum Volk redeten, traten die Priester, der Tempelhauptmann und die Sadduzäer zu ihnen.

2 Sie waren aufgebracht, weil die Apostel das Volk lehrten und in Jesus die Auferstehung von den Toten verkündeten.
3 Und sie legten Hand an sie und hielten sie bis zum nächsten Morgen in Haft. Es war nämlich schon Abend.
4 Viele aber von denen, die das Wort gehört hatten, wurden gläubig; und die Zahl der Männer stieg auf etwa fünftausend.
5 Es geschah: Am anderen Morgen versammelten sich ihre Oberen sowie die Ältesten und die Schriftgelehrten in Jerusalem,
6 dazu Hannas, der Hohepriester, Kajaphas, Johannes, Alexander und alle, die aus dem Geschlecht der Hohepriester stammten.
7 Sie stellten die beiden in die Mitte und forschten sie aus: Mit welcher Kraft oder in wessen Namen habt ihr das getan?
8 Da sagte Petrus, erfüllt vom Heiligen Geist, zu ihnen: Ihr Führer des Volkes und ihr Ältesten!
9 Wenn wir heute wegen einer guten Tat an einem kranken Menschen darüber vernommen werden, durch wen er geheilt worden ist,
10 so sollt ihr alle und das ganze Volk Israel wissen: im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, den ihr gekreuzigt habt und den Gott von den Toten auferweckt hat. Durch ihn steht dieser Mann gesund vor euch.
11 Dieser Jesus ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist.
12 Und in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.

Heute hören wir die nachfolgenden Ereignisse, nachdem Petrus seine Bekenntnisrede in der Halle Salomos gehalten hat.
Die religiöse Elite bestehend aus dem Tempelhauptmann, den Sadduzäern und Hohepriestern tritt herzu und regt sich über die ganze Aktion auf.
Es passt ihnen überhaupt nicht, dass Petrus und Johannes die Auferstehung Jesu predigen, den sie nach umfassender Intrige endlich ans Kreuz bekommen haben.
So werden die beiden festgenommen und über Nacht gefangen gehalten. Das ist ihre erste Erfahrung mit Anfeindungen, weil sie im Namen Jesu gepredigt haben. Auch wenn sie festgehalten werden, kann die Tempellobby nichts dagegen tun, dass eine riesige Menge sich dem Glauben anschließt und die Zahl der Jerusalemer Urgemeinde auf 5000 ansteigt.
Am nächsten Tag werden die Apostel ähnlich wie Jesus damals verhört.
Es sind dieselben Hohepriester versammelt, die ähnliche Fragen stellen wie damals bei Jesus. Ihnen geht es um die Kraft, mit der die Apostel das Wunder vollbracht haben.
Auch jetzt ist Petrus nicht eingeschüchtert, sondern erfüllt vom Hl. Geist, der ihm den Mut verleiht, bekennt er Christus: In seinem Namen ist diese gute Tat an einem kranken Menschen vollzogen worden, den eben jene Hohepriester ans Kreuz gebracht haben, den der Tod aber nicht festhalten konnte. Jesus ist von den Toten auferstanden, so hat er den Tod und die Intrige der Hohepriester besiegt.
Genau diese Aussage untermauert Petrus mit dem sehr bekannten und viel verwendeten Zitat aus Ps 118: „Dieser Jesus ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist.“ Er zitiert die Hl. Schrift, weil er in der Sprache der Gelehrten sprechen möchte und die Erfüllung der Verheißungen unterstreichen möchte. Er versucht, ihnen den Wald begreiflich zu machen, von dem sie bisher nur die einzelnen Bäume betrachtet haben.
Petrus ist wie ausgewechselt. Er spricht freimütig, er zitiert dabei die Schrift und bezieht sie auf Christus. All dies verstand er zuvor nicht und er fürchtete sich davor, irgendeinen Nachteil zu erleiden dafür, dass er Jünger Jesu ist. Doch der Geist Gottes ist auf die Apostel hinabgestiegen und wirkt nun auch durch ihn. Er nimmt es sehr ernst, dass Christus ihn zum Felsen seiner Kirche gemacht hat. Wahrlich, er ist wirklich ein Fels in der Brandung, der die aufkommende Kirche mit allen Mitteln verteidigt! An ihm sehen wir, was möglich ist, wenn wir uns ganz und gar dem Wirken Gottes hingeben. Wenn wir uns ihm anbieten und ihm wirklich sagen: „Tue mit mir, was du willst! Nimm mein Leben hin!“, dann wird er aus uns glänzende Diamanten machen. Er wird uns schleifen, sodass wir unvorstellbar über uns selbst hinauswachsen. Wir werden selbst erstaunt sein, zu was Gott fähig ist mit uns!
Gott liebt auch die Hohepriester, die Sadduzäer, die Schriftgelehrten, alle, die ihn ablehnen. Er möchte, dass alle Menschen gerettet werden. Und so ist die ganze Situation für sie eine einzige Lektion. Sie sollen die Chance bekommen, die Ablehnung Jesu wieder gut zu machen. Stattdessen geht ihre Sturheit mit seinen Jüngern weiter.
So ist Gott. Er gibt uns immer wieder Chancen zur Umkehr. Er versucht einfach alles, um unsere Liebe zu erhalten. Er hat aus Liebe alle Menschen ins Dasein gerufen und möchte, dass jeder ihn zurückliebt. Deshalb wirbt er um jeden, deshalb versucht er, sich begreiflich zu machen. Bis zur letzten Sekunde unseres Lebens versucht er alles, damit wir nicht verloren gehen!

Ps 118
1 Dankt dem HERRN, denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig!
4 So sollen sagen, die den HERRN fürchten: Denn seine Huld währt ewig.
22 Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.

23 Vom HERRN her ist dies gewirkt, ein Wunder in unseren Augen.
24 Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat; wir wollen jubeln und uns über ihn freuen.
26 Gesegnet sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch vom Haus des HERRN her.

27 Gott ist der HERR. Er ließ Licht für uns leuchten.

Im Kontext der Osteroktav beten wir wiederholt Psalm 118. Er wird uns die nächsten Tage immer wieder begleiten – wir haben ihn schon in der Osternacht gebetet. Es gibt kaum einen Psalm, der besser in die Osterzeit passt.
Gottes große Heilstaten verdienen stets unser Lob und unseren Dank. Wir können gar nicht genug danken für alles, was Gott uns Gutes tut! Und im Anschluss an den Mut des Petrus, der zur Heilung des Gelähmten steht, der die Chance für eine Bekenntnisrede nutzt und weitere 2000 Männer zum Glauben an Christus führt, können wir wirklich nur in einen Lobpreis verfallen!
Ganz im Psalmenstil beginnt das Danklied mit einer Aufforderung zum Dank, denn Gottes „Huld währt ewig!“
Alle Gottesfürchtigen sollen dies gläubig bekennen. Heute sind ganze 2000 Männer hinzugekommen, die gottesfürchtig geworden sind – sie waren es schon vorher, nun aber sind sie zugleich christusfürchtig geworden!
Dann beten wir Vers 22, den Petrus vor der Tempelelite auf Christus bezieht, auf ihn, dessen Verwerfung und Hinrichtung am Kreuz die Erlösung aller Menschen gebracht hat!
Gott hat diese Erlösung erwirkt, indem er selbst am Kreuz gestorben und auferstanden ist. Kein anderer Gott hat auf diese Weise die Menschheit erlöst und so können wir nicht anders, als zu jubeln und uns über ihn zu freuen. Diese Freude ist mehr als nur eine situative Emotion. Es handelt sich um eine innere Gewissheit, dass am Ende der Zeiten das Heil Gottes steht. Diese Gewissheit trägt den österlichen Menschen durch alles Leid hindurch, sodass er nicht anders kann, als optimistisch zu sein. Das hat nichts mit billiger Jenseitsvertröstung zu tun, sondern ist vielmehr ein gewandeltes irdisches Dasein mit einem österlichen Blick.
„Gesegnet sei, der kommt im Namen des HERRN!“ Diesen Ausruf haben die Jünger Jesu bei seinem Einzug in Jerusalem gesungen, als er auf einer Eselin hineingeritten kam und so als Messias die Hl. Schrift erfüllt hat. Wir beten diesen Ausruf in der Messe im sogenannten Benedictus, das heutzutage mit dem Sanctus gekoppelt ist.
„Wir segnen euch vom Haus des HERRN her“ ist für die Juden die höchste Form von Segen. Im Haus des HERRN, das heißt im Jerusalemer Tempel, ist Gott gegenwärtig. Der Tempel existiert heute nicht mehr. Dieser Vers ist für uns Christen nun auf den eucharistischen Segen zu beziehen, der die höchste Form von Segen darstellt. Gott wohnt im Haus des HERRN, das heißt jetzt in jedem Tabernakel der Kirche. Von dort aus geht ein Segen aus, der gleichzusetzen ist mit dem Segen Christi, den er den Menschen durch seine Heilstaten erwiesen hat. Er ist genauso leibhaftig anwesend wie vor seinem Tod und seiner Auferstehung, als er in Menschengestalt auf Erden wandelte.
Gott ist der HERR und er hat uns Licht geleuchtet – Christus, das Licht der Welt. Er ist der Messias, der die Finsternis erleuchtet hat, wie Jesaja schon 700 Jahre vor Christi Geburt angekündigt hat und wie Christus selbst über sich gesagt hat.

Joh 21
1 Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.

2 Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.
3 Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
4 Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
5 Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
6 Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.
7 Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.
8 Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot – sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
9 Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot liegen.
10 Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt!
11 Da stieg Simon Petrus ans Ufer und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.
12 Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu befragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.
13 Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.
14 Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.

Im Evangelium hören wir nun von einer dritten Erscheinung Christi vor seinen Aposteln.
Die Apostel sind am See von Tiberias, womit der See Gennesaret gemeint ist. Bevor der Hl. Geist auf sie herabkommt, sind sie unschlüssig, wie sie ihr Leben fortsetzen sollen. Zwar hat Jesus ihnen gesagt: „Wie mich der Vater sendet, so sende ich euch!“ Doch sie verstehen das alles noch nicht. Deshalb tun sie das, was sie kennen und was sie vor ihrer Berufung als Jünger Jesu getan haben – fischen.
Petrus ist es ausgerechnet, der wieder als erstes das Wort ergreift und die anderen mitzieht. Er sagt kurzerhand „ich gehe fischen“. Die anderen anwesenden Apostel sagen daraufhin: „Wir kommen auch mit!“ Sie tun, worin sie am besten sind. In einer Situation der Ungewissheit bringt es einem Sicherheit, wenn man alte Gewohnheiten aufleben lässt.
Gott nutzt diese Situation, um ihnen wieder etwas Wichtiges beizubringen. Er lässt zu, dass sie in der gesamten Nacht nichts fangen.
Gegen Morgen erscheint ihnen Jesus am Ufer und fragt sie nach Fisch. Er weiß ganz genau, dass sie nichts gefangen haben, doch er möchte, dass sie dies von sich aus selbst sagen.
Währenddessen erkennen sie Jesus noch nicht. Man könnte annehmen, dass sie es langsam verstanden haben sollten, dass es der Auferstandene sein muss. Seine Wundmale an Händen und Füßen sind ja mehr als eindeutig. Man kann es vielleicht auf die Tageszeit beziehen. Die Sonne geht gerade erst auf und so ist es noch zu dunkel, Jesus zu erkennen. Wir können es auch auf das besorgte Kreisen der Apostel um sich selbst beziehen, die so von ihren Zukunftsängsten geplagt sind, dass sie gar nicht darauf achten, wer hier mit ihnen spricht.
Eines ist eindeutig: Es ist kein Zufall, dass Jesus ausgerechnet im Morgengrauen zu ihnen tritt. Für die Juden ist es verbreitet, den Messias vom Osten kommend zu erwarten. Im Osten geht die Sonne auf. Christus ist die Sonne der Gerechtigkeit. Er kommt im Morgengrauen. Dies haben wir auch schon beim Osterereignis selbst gemerkt! Er ist im Morgengrauen auferstanden und hat somit die Schrift erfüllt! Und nun kommt er wieder im Morgengrauen zu jenen, für die Nacht ist – die in ihrer Hoffnungslosigkeit und Orientierungslosigkeit dahinleben, die nicht wissen, wie es weitergeht. Er ist ihre Sonne, ihre Hoffnung, ihre Orientierung, ihr Segen. Und deshalb gibt er ihnen dann den Rat, nochmal die Netze auszuwerfen.
Er gibt ihnen Anweisungen, obwohl sie die Profis sind. Womöglich merken sie schon, dass hier etwas passiert, und werfen deshalb nochmal die Netze auf der rechten Seite des Bootes aus.
Als sie es wieder einholen wollen, ist es so brechend voll, dass die Netze zu reißen drohen!
So ist Gottes Gnade. Wenn er gibt, dann im Überfluss!
Wir können diese ganze Szene bis hierhin absolut auf unser eigenes Leben beziehen: Wenn Christus mit uns ist und wir alles tun, was er uns aufträgt, dann gelingt unser Leben. Wenn wir nach Gottes Willen leben und Hand in Hand mit ihm unser Leben leben, wird er uns überreich segnen. Dann werden wir große Zeichen in unserem Leben erkennen und die Größe Gottes mit eigenen Augen erfahren.
Johannes, der Jesu Herz am besten verstanden hat, der an diesem Herzen geruht hat im Abendmahlssaal und unter dem Kreuz bei der Durchbohrung, er ist der erste, der Jesus erkennt.
Als Petrus das erfährt, zieht er sich das Obergewand an, weil er nackt ist, und springt in den See. Was soll diese seltsame Reaktion? „Nackt sein“ bedeutet in diesem Fall nicht das Splitternacktsein, sondern die fehlende Oberbekleidung. Petrus fühlt sich bloßgestellt. Die eigentliche Nacktheit, die er verspürt, ist das Offenliegen seiner Ohnmacht vor dem Herrn. Er vermag nichts ohne ihn. Die ganze Nacht hat er versucht, das zu tun, was er am besten kann. Und selbst das hat nicht funktioniert. Seine ganze Armut liegt hier vor dem Auferstandenen bloß. Er springt in den See vor lauter Beschämung. Was ist denn daran so schlimm, sich vor Gott so hilflos zu fühlen, wenn dieser einem alles schenken kann? Für Petrus ist das ein Prozess der Demütigung. Er hat noch vor dem Leiden, dem Tod und der Auferstehung Jesu große Töne gespuckt. Er hat sich ganz weit aus dem Fenster gelehnt und sich grenzenlos überschätzt, als er zu Jesus sagte: „Mein Leben will ich für dich geben!“ Das hier ist nun der echte Petrus. Ein einfacher Fischer, der selbst bei seinem Beruf nicht große Töne spucken kann. Der Mensch ist selbst bei den kleinsten Dingen auf Gott angewiesen. Petrus lernt endlich seine eigene Armut und Erlösungsbedürftigkeit kennen. Er lernt, endlich echt zu werden, authentisch. So lässt Gott auch in unserem Leben zu, dass wir lernen, uns im Angesicht Gottes so zu sehen, wie wir wirklich sind – mit allen Ecken und Kanten, mit allen Begrenzungen, mit Stärken und Schwächen. Erst wenn wir uns richtig erkannt haben, was Demut heißt, können wir Arbeiter in seinem Weinberg sein oder mit dem Bild dieses Evangeliums – Menschenfischer sein.
Petrus schämt sich vor Jesus, weil er ihn dreimal verleugnet hat. Im weiteren Verlauf, den wir heute nicht mehr hören, wird Christus ihn dreimal fragen, ob er ihn liebt. Er wird ihn konfrontieren und eine tiefe Versöhnung herbeiführen.
Es hat übrigens eine tiefe Bedeutung, dass sie am Ende die Fische zählen und es sich um 153 Exemplare handelt. So viele Länder sind zu jenem Zeitpunkt bekannt. Es zählt die Weltkarte, was für die Jünger ein Hinweis darauf sein soll, dass sie bald zu Menschenfischern in der ganzen Welt werden!
Jesus nimmt von den Fischen und bereitet den Jüngern ein Mahl. Ja, Jesus ist der Gastgeber auch der Eucharistie, zu der er uns immer wieder einlädt. Er ist es, der die Gaben wandelt und sich darin selbst opfert. Er ist es, der uns in unserem Leben nährt und Kraft schenkt. Er wird uns am Ende der Zeiten alle der Reihe nach bedienen bei der Hochzeit des Lammes. Es wird ein einziges Festmahl sein!
Das ist also die dritte Erscheinung des Auferstandenen. Petrus wird all dies in sich aufgenommen und nach der Spendung des Hl. Geistes begriffen haben. Von seiner Beschämung, von seinem gekränkten Ego, von seiner Furcht wird nichts mehr bleiben. Er wird voll von Erkenntnis und Weisheit freimütig für Christus einstehen und wahrlich ein vorbildlicher Menschenfischer werden. Das alles haben wir in der Lesung ja bereits gehört. Wir sehen, dass dieser Petrus und der spätere Petrus das großartige Werk Gottes ist. So kann es auch mit uns gehen. Der Hl. Ignatius von Loyola hat es ganz trefflich ausgedrückt, als er sagte: „Die meisten Menschen ahnen nicht, was Gott aus ihnen machen könnte, wenn sie sich ihm nur zur Verfügung stellen würden.“ Genau so ist es. Petrus hat es gewagt und Gott sein Ja gegeben. So hat er eine unglaubliche Entwicklung durchlaufen mithilfe der Gnade Gottes. Und so können auch wir zu ganz neuen Menschen werden, die Tag für Tag über sich hinauswachsen, wenn wir ihm nur täglich unser Ja geben.

Das ist eine österliche Freudenbotschaft für alle Getauften und die, die es werden wollen! Es ist nicht zu spät, selbst wenn wir sehr große Sünder sind. Wenn wir den Mut aufbringen, umzukehren und auch den Demütigungsprozess zu durchlaufen, dann kann Gott auch uns ein neues Leben schenken.

Ihre Magstrauss

Donnerstag der Osteroktav

Apg 3,11-26; Ps 8,2 u. 5.6-7.8-9; Lk 24,35-48

Apg 3
11 Da er sich Petrus und Johannes anschloss, lief das ganze Volk bei ihnen in der sogenannten Halle Salomos zusammen, außer sich vor Staunen.
12 Als Petrus das sah, wandte er sich an das Volk: Israeliten, was wundert ihr euch darüber? Was starrt ihr uns an, als hätten wir aus eigener Kraft oder Frömmigkeit bewirkt, dass dieser gehen kann?
13 Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr ausgeliefert und vor Pilatus verleugnet habt, obwohl dieser entschieden hatte, ihn freizulassen.
14 Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und die Freilassung eines Mörders erbeten.
15 Den Urheber des Lebens habt ihr getötet, aber Gott hat ihn von den Toten auferweckt. Dafür sind wir Zeugen.
16 Und aufgrund des Glaubens an seinen Namen hat dieser Name den Mann hier, den ihr seht und kennt, zu Kräften gebracht; der Glaube, der durch ihn kommt, hat ihm vor euer aller Augen die volle Gesundheit geschenkt.
17 Nun, Brüder, ich weiß, ihr habt aus Unwissenheit gehandelt, ebenso wie eure Anführer.
18 Gott aber hat auf diese Weise erfüllt, was er durch den Mund aller Propheten im Voraus verkündet hat: dass sein Christus leiden werde.

19 Also kehrt um und tut Buße, damit eure Sünden getilgt werden
20 und der Herr Zeiten des Aufatmens kommen lässt und Jesus sendet als den für euch bestimmten Christus!
21 Ihn muss freilich der Himmel aufnehmen bis zu den Zeiten der Wiederherstellung von allem, die Gott von jeher durch den Mund seiner heiligen Propheten verkündet hat.
22 Mose hat gesagt: Einen Propheten wie mich wird euch der Herr, euer Gott, aus euren Brüdern erwecken. Auf ihn sollt ihr hören in allem, was er zu euch sagt.
23 Jeder, der auf jenen Propheten nicht hört, wird aus dem Volk ausgemerzt werden.
24 Und auch alle Propheten von Samuel an und alle, die später auftraten, haben diese Tage angekündet.
25 Ihr seid die Söhne der Propheten und des Bundes, den Gott mit euren Vätern geschlossen hat, als er zu Abraham sagte: Durch deine Nachkommenschaft sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen.
26 Für euch zuerst hat Gott seinen Knecht erweckt und gesandt, damit er euch segnet und jeden von seiner Bosheit abbringt.

Heute hören wir die Fortsetzung der ersten Heilung im Namen Jesu. Diese schlägt hohe Wellen. Viele Menschen sammeln sich in der Halle Salomos und staunen über das Wunder. Petrus nutzt diese Gelegenheit und setzt zu einer Bekenntnisrede an:
Er beginnt diese mit einer rhetorischen Frage („Was wundert ihr euch darüber?“). Er bekennt freimütig, dass die Tat nicht aus eigener Kraft geschehen ist, sondern dass durch ihn Christus selbst gehandelt hat.
Er beginnt daraufhin eine Erklärung der Verheißungen des Alten Testaments, die sich mit Christus erfüllt haben. Ausgehend von dem, was die anwesenden Juden kennen, wendet er die Heilsgeschichte auf Christus an.
Dafür benutzt er bekannte Wendungen wie „der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter“ und „sein Knecht Jesus“, den er somit als den leidenden Gottesknecht identifiziert.
Er erklärt, dass Jesus der Messias ist, den Gott verherrlicht hat, der aber von den Menschen verkannt worden ist – und rhetorisch klug bezieht er dies auf eben jene, die in der Halle Salomos anwesend sind. Sie sollen von seinen Worten betroffen sein, damit sie umkehren und die Wahrheit erkennen. Er wirft ihnen vor, den Heiligen und Gerechten durch eine Intrige umgebracht zu haben, den Urheber des Lebens. Diese Titel sind typisch göttlich. Nur dieser ist der Heilige, Gerechte und der Urheber des Lebens. Petrus bekennt, dass Christus Gott ist.
Dieser blieb nicht im Tod. Petrus bekennt, dass Jesus von den Toten auferstanden ist und die Apostel Zeugen dafür sind.
Weil Petrus und Johannes an den Namen Jesu glauben, ist dieses Heilungswunder geschehen. Jesus selbst hat durch sie diese Heilstat begangen und dem Gelähmten die volle Gesundheit geschenkt, wofür nun die Anwesenden in der Halle Salomos Zeugen darstellen.
Petrus sagt dabei auch aus, dass der Glaube durch ihn komme. Das heißt, dass der Glaube ein Geschenk ist und nicht selbst gemacht werden kann. Er ist eine Gabe Gottes.
Im weiteren Verlauf räumt er den Anwesenden ein, dass sie nicht aus Boswillen, sondern Unwissenheit die Hinrichtung des Messias gefordert hätten. Ihm ist klar, dass hinter ihrem „Kreuzige ihn!“ die religiöse Elite steckt, die die Volksmenge manipuliert und aufgehetzt hat. Er räumt sogar ein, dass eben jene religiöse Elite unwissend war, denn sie haben Jesus als den Messias nicht erkannt. Aus demselben Grund hat Jesus ja auch am Kreuz gebetet: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“
Diese tragischen Umstände hat Gott aber wiederum genutzt, um das universale Heil zu erwirken. Gott kann die größte Katastrophe in den größten Segen umwandeln, weil er ein Gott des Heils ist. Dieser Heilsplan stand schon von Anfang an fest und die Propheten haben es schon angekündigt. Es ist aufgeschrieben in den Hl. Schriften der Juden, die die Anwesenden alle kennen. Sie haben vor allem sein Leiden angekündigt (wir denken natürlich besonders an die Gottesknechtslieder des für sie sehr bekannten Propheten Jesaja).
Und dies alles erklärt Petrus, um sie auf das Hauptanliegen seiner Ansprache zu führen – die Umkehr und Sühne der Sünden.
Und wenn sie dies tun, dann wird der Herr Zeiten des Aufatmens schenken (das heißt Segen) verbunden mit der Wiederkunft Christi. Wenn er wiederkommt, wird Gott alles wiederherstellen, wie es ebenfalls die Propheten vorhersagen.
So führt Petrus einige konkrete Beispiele an wie Mose, der von einem künftigen Propheten spricht, oder Samuel, der sehr ähnliche Dinge prophezeit hat.
Er spricht die Menge direkt an, indem er sie als die Nachkommen jener großen Heilsgestalten Mose und Samuel bezeichnet. Es ist verheißen worden, dass durch sie die ganze Welt Segen erlangen werde („das Heil kommt von den Juden“ – Jesus, das Heil in Person, ist selbst als Jude in diese Welt eingegangen!). Und weil die Juden das Volk sind, in das er hineingeboren wurde, das auserwählte Volk Gottes des Alten Bundes, ist Jesus zuerst für sie gekommen, damit sie von ihrem sündigen Weg abrücken.
Er ist für alle gestorben, das weiß Petrus auch. Aber er betont, was Jesus selbst in Anwesenheit der Syrophönizierin gesagt hat, damit die anwesenden Juden das Heil erkennen und annehmen.
Wie es weitergeht, hören wir heute nicht, aber uns ist ja bekannt, dass die Heilstaten bis zu den Hohepriestern und Schriftgelehrten vordringen. Wie diese sich wohl gefühlt haben? Sie dachten, sie hätten den Aufruhr im Volk, die ganze Bewegung um diesen für sie falschen Messias herum durch seine Hinrichtung endlich beendet und nun beginnt alles von vorne! Das Heil Gottes ist nicht mundtot zu kriegen. Das soll auch uns zum Nachdenken bringen!

Ps 8
2 HERR, unser Herr, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde, der du deine Hoheit gebreitet hast über den Himmel.
5 Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
6 Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit.
7 Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über die Werke deiner Hände, alles hast du gelegt unter seine Füße:
8 Schafe und Rinder, sie alle und auch die wilden Tiere,
9 die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, was auf den Pfaden der Meere dahinzieht.

Im Psalm preisen wir nun den Namen Gottes auf der Erde. Es ist eben jener Name, durch den Petrus und Johannes den Gelähmten geheilt haben. Der Name liegt auf der Erde wie der Rauch bzw. die Wolke Gottes auf dem Tempel. Gott ist überall und das ist eine Trostbotschaft für uns. Er ist bei uns, die wir seine Schöpfung sind.
Wir betrachten in dem Psalm vor allem die Schöpfung der Menschheit. Wie kostbar ist diese für den Herrn, dass er sich ihrer annimmt und eine durchgehende Beziehung zu ihr führt! Die ganze Heilsgeschichte, die wir von der Genesis bis zur Johannesoffenbarung vor uns haben, ist eine einzige Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen. Er wendet sich seinen Geschöpfen zu und tut alles, um deren (Gegen)Liebe zu erwerben.
Dabei hat der Mensch im Gesamt der Schöpfung eine besondere Stellung. Er ist wahrlich die Krone der Schöpfung, denn „du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit.“ Dies wird im Schöpfungsbericht ja dadurch deutlich, dass der Mensch als Abbild Gottes geschaffen worden ist. Die ewige Seele ist es, die ihm Herrlichkeit und Pracht verleiht.
„Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über die Werke deiner Hände, alles hast du gelegt unter seine Füße“ – die restliche Schöpfung ist dem Menschen anvertraut, weil dieser befähigt ist, Verantwortung für sie zu übernehmen. Gott legte ihm die Schöpfung aber nicht unter die Füße, damit er sie wie ein Tyrann unterdrücke, sondern wie ein Hirte für sie sorge.
In den letzten zwei Versen werden dann Bereiche der Schöpfung aufgezählt, die dem Menschen anvertraut werden.
All das sind wichtige und gute Ausführungen, werden aber erst dann zur Lesung in Bezug gebracht, wenn der Psalm über den wörtlichen Sinn hinaus in seinem geistlichen Sinn betrachtet wird:
Der Mensch, den Gott nur wenig geringer als sich geschaffen hat, ist auch mit der neuen Schöpfung gegeben – den Anfang dieser neuen Schöpfung kennzeichnet ebenfalls ein Menschenpaar – Jesus und Maria. Jesus hat diese neue Schöpfung begründet und auch ihm legt der Vater die gesamte Schöpfung unter die Füße – ihm, dem Erhöhten am Kreuz!
Und diese gesamte Schöpfung ist zusammengefasst in Maria und Johannes, die unter dem Kreuz stehen. Maria ist der Archetyp der Kirche, sie ist das Vorbild der vollkommenen Jüngerschaft und durch die Zuteilung des Johannes zu Maria als Sohn wird Maria zur Mutter aller Glaubenden – sie ist dadurch die neue Eva, die Mutter der Lebenden, nicht mehr der irdisch Lebenden, sondern ewig Lebenden bei Gott.
Jesus Christus ist wahrlich Herrlichkeit und Pracht verliehen worden in einem Maße, den der alte Mensch nicht erfahren hat – schon allein durch den Sündenfall. Wir sprechen hier von Christus in seiner Menschheit, in seiner Gottheit ist er Gott gleich.
Jesus ist der Herrscher über die Schöpfung – die Neugeschaffenen durch den Hl. Geist in der Taufe. Er ist das Haupt und wir die Glieder. Er ist der König des Reiches Gottes.
Und Christus ist dies alles nicht nur für die Menschen: Durch sein Erlösungswirken erlöst er die ganze Welt, auch die Tierwelt, denn diese ist durch den Sündenfall des ersten Menschenpaares auch ins Chaos gestürzt. Wir lesen bei der Friedensvision des Jesaja davon, wie die Tiere vor dem Sündenfall waren und wie sie mit Neuschöpfung Gottes wieder sein werden.
Es wird eine Versöhnung der gesamten Schöpfung sein!

Lk 24
35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.
36 Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
37 Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen.
38 Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen Zweifel aufkommen?
39 Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht.
40 Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße.
41 Als sie es aber vor Freude immer noch nicht glauben konnten und sich verwunderten, sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier?
42 Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch;
43 er nahm es und aß es vor ihren Augen.
44 Dann sagte er zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesprochen habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben steht.
45 Darauf öffnete er ihren Sinn für das Verständnis der Schriften.
46 Er sagte zu ihnen: So steht es geschrieben: Der Christus wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen
47 und in seinem Namen wird man allen Völkern Umkehr verkünden, damit ihre Sünden vergeben werden. Angefangen in Jerusalem,
48 seid ihr Zeugen dafür.

Im Evangelium hören wir nun die Fortsetzung der Emmauserzählung. Die Emmausjünger sind in Jerusalem eingetroffen und erzählen von ihrer Begegnung mit dem Auferstandenen, nachdem es schon die in Jerusalem gebliebenen Apostel getan haben.
Während sie erzählen, kommt der Auferstandene in ihre Mitte und begrüßt sie mit den Worten „Friede sei mit euch!“
Sie reagieren mit Furcht, denn sie denken, einen Geist zu sehen. Das ist eine allzu menschliche Reaktion, denn dass jemand mit Leib und Seele aufersteht, ist bis dato etwas ganz Neues.
Jesus konfrontiert sie mit ihren Zweifeln, denn eigentlich haben sie ihn ja schon leibhaftig erfahren.
Er geht auf ihre Zweifel ein und zeigt ihnen die Hände und Füße, an denen die Male der Kreuzigung noch zu sehen sind und ihn als denselben ausweisen, den sie vor dem Tod gesehen haben.
Da sie es vor lauter Freude immer noch nicht fassen können, isst er vor ihren Augen sogar ein Stück gebratenen Fisch. Ein Geist kann ja nichts essen, denn er ist ja nicht einmal materiell.
Als Auferstandener erklärt Jesus ihnen ausgehend von der Hl. Schrift und den Verheißungen der Propheten, dass alles, was passiert ist, passieren musste und die Schrift erfüllt hat.
Insbesondere sein Leiden ist von den Propheten angekündigt worden als Voraussetzung für die Erlösung und Sühne aller Sünden. Er ist so weit gegangen, um die ganze Welt zur Umkehr zu bewegen, angefangen in Jerusalem.
Damit die Menschen diese Heilstat gläubig annehmen, sollen die Apostel mit ihrem Zeugnis einstehen. Deshalb erscheint er ihnen nach seiner Auferstehung immer wieder und erklärt ihnen ausgehend von der Schrift den Plan Gottes.
Er muss es immer wieder tun, denn den Aposteln ist der Hl. Geist in umfassender Weise noch nicht geschenkt worden, der ihnen die Augen für diese Zusammenhänge öffnet. Wenn Jesus „die Propheten“ andeutet, sind vor allem die Prophezeiungen der Gottesknechtslieder aus dem Buch Jesaja gemeint. Gerade dort wird der Sühnetod des Gerechten angekündigt, durch den die Sünde der Welt getragen wird.

Alles hat einen Sinn, auch wenn dieser oft erst im Nachhinein erkannt wird. Die schlimmste Katastrophe ist zum größten Heilsakt aller Zeiten geworden und Jesus ist leibhaftig auferstanden. Er verdeutlicht seinen Aposteln den Sinn seines Leidens und deutet es im Licht der Heilsgeschichte, die sie als fromme Juden aus den Hl. Schriften kennen. Dies wird Petrus nicht vergessen, wenn er dann nach dem Pfingstereignis voller Beherztheit vor die Menschenmengen tritt und mutig für Christus und das Osterereignis einsteht. Er setzt das um, was Jesus als Auferstandener in ihrer Mitte gesagt hat: „Ihr seid Zeugen dafür.“

Wie ist es mit uns? Auch wir sind Zeugen seiner Auferstehung, nämlich in jeder Heiligen Eucharistie. Was wir dort schauen und was wir empfangen – tragen wir es in die Welt hinaus und stehen mutig dafür ein? Herr, gib auch uns den Hl. Geist, damit wir so mutig bekennen, dass du ein Gott des Lebens bist und sich auch heute in Zeiten einer Kultur des Todes nichts daran ändert!

Ihre Magstrauss

Mittwoch der Osteroktav

Apg 3,1-10; Ps 105,1-2.3-4.6-7.8-9; Lk 24,13-35

Die Osteroktav greift weiterhin Texte der letzten Tage auf. So hören wir das Evangelium von Ostermontag, das wunderbare Emmaus-Ereignis. In diesen Tagen wird uns als Lesung immer ein Ausschnitt aus der Apostelgeschichte vorgelesen.

Apg 3
1 Petrus und Johannes gingen zur Gebetszeit um die neunte Stunde in den Tempel hinauf.
2 Da wurde ein Mann herbeigetragen, der von Geburt an gelähmt war. Man setzte ihn täglich an das Tor des Tempels, das man die Schöne Pforte nennt; dort sollte er bei denen, die in den Tempel gingen, um Almosen betteln.
3 Als er nun Petrus und Johannes in den Tempel gehen sah, bat er sie um ein Almosen.
4 Petrus und Johannes blickten ihn an und Petrus sagte: Sieh uns an!
5 Da wandte er sich ihnen zu und erwartete, etwas von ihnen zu bekommen.
6 Petrus aber sagte: Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, steh auf und geh umher!
7 Und er fasste ihn an der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich kam Kraft in seine Füße und Gelenke;
8 er sprang auf, konnte stehen und ging umher. Dann ging er mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott.
9 Alle Leute sahen ihn umhergehen und Gott loben.
10 Sie erkannten ihn als den, der gewöhnlich an der Schönen Pforte des Tempels saß und bettelte. Und sie waren voll Verwunderung und Staunen über das, was mit ihm geschehen war.

Die Apostel haben an Pfingsten den Heiligen Geist empfangen. Er hat ihnen die Früchte, Gaben und Charismen geschenkt, die sie für ihre Aufgabe in der Evangelisierung der Welt benötigen. Heute hören wir von einer Episode, in der sich diese Ausstattung mit dem Hl. Geist das erste Mal zeigt (ausgenommen die mutige Pfingstpredigt des Petrus und zuvor die Manifestationen des Geistes in Form von Feuerzungen und Sprachengebet).
Petrus und Johannes gehen zu drei Uhr nachmittags in den Tempel zum Gebet. Sie sind zwar Christen, aber ihre jüdischen Praktiken behalten sie bei. Sie sehen sich gar nicht so, als ob sie nun einer neuen Religion angehören. Es ist vielmehr so, dass Jesus ihrer Ansicht nach das Judentum erfüllt hat. Erst später wird es so viel Uneinigkeit und Spaltung mit den Juden geben, dass sich zwei unterschiedliche Stränge entwickeln – das Judentum, das Jesus als Messias nicht anerkennt und deshalb auch seine Anhänger als Sektierer ablehnt. Die Gemeinschaft der Christgläubigen wird dagegen immer unabhängiger betrachtet und erhält in Antiochien dann das erste Mal die Bezeichnung „Christen“.
Die beiden Apostel gehen also wie üblich in den Tempel und treffen dort auf einen gelähmten Mann am Tor des Tempels, das „die schöne Pforte“ genannt wird. Er verharrt dort, weil viele Menschen an ihm vorübergehen und ihm beim Betreten oder Verlassen des Tempelareals das ein oder andere Almosen spendet. Wir sehen über diese wörtliche Leserichtung hinaus noch viel mehr. Der Mann sitzt an der Schwelle vom Judentum, das auf den Messias wartet, zur Jüngerschaft Jesu Christi. Er ist an der Schwelle und die Heilung wird den Ausschlag geben, dass dieser Mensch Jesus als den Christus erkennen wird. Jesus hat zu seinen Jüngern gesagt: „Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden.“ Für Petrus und Johannes wird das folgende Ereignis zur Bestätigung der Worte Jesu. Ja, die Menschen, die zum Glauben an Jesus Christus kommen, übertreten wahrhaft diese Schwelle vom ewigen Tod zum ewigen Leben. Ihnen ist es schon beim Pfingstereignis aufgegangen, als nach der kraftvollen Pfingstpredigt des Petrus ganze 3000 Menschen die Taufe empfingen und so die existenzielle Schwelle übertraten, gleichsam durch die Tür Christi hindurchgeschritten sind.
Der Mann bittet die vorbeigehenden Apostel um ein Almosen. Petrus, der immer zuerst das Wort ergreift, bittet den Mann, ihn anzusehen. Dieser rechnet damit, dass er nun etwas bekommt.
Doch WAS er bekommt, übersteigt alle seine Erwartungen!
„Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, gebe ich dir.“ So sollen auch wir geben. Wir sollen aus Liebe zu Gott alles geben, was wir haben. Und damit ist nicht einfach nur materieller Besitz gemeint, sondern alles an Ressourcen, die es gibt: Zeit, Energie, Finanzen, ein zuhörendes Ohr, Bereitschaft, den eigenen Willen.
Und Petrus gibt dem Mann nun umsonst die Heilung im Namen Jesu des Nazoräers! Jesus hat seinen Jüngern schon damals gesagt: Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben (Mt 10).
Und so spricht Petrus die Heilungsworte im Namen Jesu, der ja der eigentlich Heilende ist. Petrus tut nichts aus eigener Kraft, sondern in der Vollmacht Jesu Christi. Er ist es, der durch seine Hände heilt, er ist es, der durch seinen Mund spricht.
So tut Petrus genau dasselbe, was Jesus immer getan hat: Er fasst den Mann bei der rechten Hand und richtet ihn auf. Die Kraft des Heiligen Geistes durchströmt seine kranken Glieder und festigt sie. Der Mann kann aufrecht stehen und umhergehen!
Petrus hat ihn geheilt und die Reaktion des Mannes ist ideal. Die erste Tat nach seiner Heilung besteht im Lobpreis an den allmächtigen Gott, dem er dies zu verdanken hat.
Sein Umhergehen, Herumspringen und Lobpreis bleibt nicht unbemerkt. Die Menschen, die ihn noch von früher kennen, wie er an der Schönen Pforte gebettelt hat, staunen darüber, was mit ihm geschehen ist.
Gott wirkt Wunder, damit die jeweiligen Zeugen dadurch zum Glauben an ihn kommen und seine großen Taten loben.
Jesus hat angekündigt, dass in seinem Namen diese Zeichen geschehen werden. Petrus erfüllt vom Heiligen Geist erkennt die Zeit des Handelns und lässt sich von Gott als Werkzeug des Heils verwenden. So sollen auch wir sein. Uns soll es in jeder Lebenslage immer darum gehen, den Menschen die Liebe Gottes zu vermitteln. Und wohin auch immer Gott uns entsendet – wir sollen die Situation erkennen und uns gebrauchen lassen, damit er auch heute seine großen Taten offenbaren kann. Seien wir dabei ein Spiegel oder Fenster dieser Heilstaten Gottes wie Petrus! In Jesu Namen geschehen auch heute noch Zeichen und Wunder!

Ps 105
1 Von David. Preise den HERRN, meine Seele, und alles in mir seinen heiligen Namen!
2 Preise den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!
3 Der dir all deine Schuld vergibt und all deine Gebrechen heilt,

4 fragt nach dem HERRN und seiner Macht, sucht sein Angesicht allezeit!
6 Ihr Nachkommen seines Knechts Abraham, ihr Kinder Jakobs, die er erwählt hat.
7 Er, der HERR, ist unser Gott. Auf der ganzen Erde gelten seine Entscheide.
8 Auf ewig gedachte er seines Bundes, des Wortes, das er gebot für tausend Geschlechter,
9 des Bundes, den er mit Abraham geschlossen, seines Eides, den er Isaak geschworen hat
.

Der heutige Psalm ist eine wunderbare Antwort auf die Lesung. Man könnte sagen, dass diese Psalmworte aus dem Mund des geheilten Gelähmten gekommen sein könnten, als er voller Freude in den Tempel gegangen ist und Gott gedankt hat.
Der Psalm beginnt wie so oft mit einer Selbstaufforderung zum Lob: „Preise den HERRN, meine Seele, und alles in mir seinen heiligen Namen!“ Dieser heilige Name ist es, durch den die Heilung am Gelähmten an der „Schönen Pforte“ erwirkt worden ist.
„Und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!“ Der Geheilte aus der Apostelgeschichte wird sein Leben lang nicht vergessen, was für ein Wunder an ihm geschehen ist. Ihm ist im Grunde ein ganz neues Leben geschenkt worden, weil er nun arbeiten gehen kann. Er kann für sich selbst sorgen und muss nicht mehr betteln. Auch in der Gesellschaft wird er nun mehr Achtung bekommen.
„Der dir all deine Schuld vergibt und deine Gebrechen heilt“ – es ist genau diese Reihenfolge, die wir bemerken müssen. Zuerst vergibt Gott uns die Schuld. Dies ist nämlich die wichtigste Form von Heilung – die seelische. Wenn wir wieder mit Gott versöhnt sind und zurückversetzt sind in den Radius seiner Gnade, kann diese uns auch umfassend heilen. Die psychischen und körperlichen Auswirkungen unserer im Kern seelischen Probleme, können nun auch geheilt werden, weil der seelische Kern wiederhergestellt ist.
„Fragt nach dem HERRN und seiner Macht“ – die hebräische Verbform דִּרְשׁ֣וּ dirschu ist eigentlich mit „suchet, forscht“ zu übersetzen. Es geht also darum, in allem immer den Herrn zu suchen.
„Sucht sein Angesicht allezeit!“- auch בַּקְּשׁ֖וּ baqschu kann mit „suchen“ übersetzt werden, aber auch mit „wollen, begehren, bitten“. Beide Sätze sagen etwas Ähnliches aus und sind ähnlich strukturiert, was wir Parallelismus nennen. Der Mensch soll immer nach dem Angesicht Gottes verlangen. Es umschreibt, was mit dem Sch’ma Israel zusammengefasst wird (Dtn 6,4ff.), die absolute Gottesliebe und deshalb das stete Interesse daran, ihn besser zu verstehen. Es geht daran, das Herz an ihn zu hängen. Wenn man dies tut, wird das Herz immer wieder Heilung erfahren.
So wie wir schon oft gebetet haben, ergeht auch hier die Aufforderung an uns, Gottes Heilstaten nie zu vergessen („Gedenkt der Wunder, die er getan hat…“). So werden wir nie undankbar und auch nie etwas für selbstverständlich nehmen, was Gott uns schenkt. Dies macht der geheilte Gelähmte in der Apostelgeschichte uns heute vor. Wir gedenken der großen Taten Gottes mit dankbarem Herzen in jeder Eucharistie. Wir beten jeden Tag die Psalmen und loben Gott darüber hinaus mit Hymnen und anderen Lobliedern.
Gott ist der Herrscher des Alls und deshalb gilt, was er entscheidet. Alles ist seinem universalen Heilswillen unterworfen, was auch für uns sehr tröstlich ist! Das bedeutet nämlich, dass auch der Böse nur so viel anrichten kann, wie Gott zulässt. Sobald das Ende der Zeiten erreicht ist, wird Gott ihm sofort und ganz ohne Mühe Einhalt gebieten. Er wird den Bösen für immer zerstören und wir werden nie wieder leiden müssen.
Gott ist der Treue, der es wirklich ernst meinte, als er den Bund mit Abraham ewig nannte. Die tausend Geschlechter, die hier genannt werden, sind eine symbolische Zahl, sodass wir nicht anfangen müssen, Geschlechter auszurechnen. Es ist ein Code, der eine sehr lange Zeit umschreibt und im poetischen Kontext der Psalmen als Stilmittel fungiert.
Gott hält seine Versprechen und so dürfen wir gläubig ausharren, bis der verherrlichte Menschensohn wiederkommen wird am Ende der Zeiten. Er hat uns ja versprochen, dass er uns reich belohnen werde, wenn wir bis zum Schluss standhaft und wachsam gewesen sind. Und wenn es in unserem Leben schwer wird, trägt er uns hindurch, der vor dem Heimgang zum Vater sagte: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“

Lk 24
13 Und siehe, am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.
14 Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.
15 Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen.
16 Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.
17 Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen
18 und der eine von ihnen – er hieß Kleopas – antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?
19 Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk.

20 Doch unsere Hohepriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen.
21 Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist.
22 Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab,
23 fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe.
24 Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.
25 Da sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.
26 Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen?
27 Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.

28 So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen,
29 aber sie drängten ihn und sagten: Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt! Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.
30 Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen.
31 Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken.
32 Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete?
33 Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren.
34 Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.
35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

Im Evangelium hören wir wieder das Emmausereignis. Kleopas ist unterwegs mit einem weiteren Jünger. Sie reisen nach Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt liegt. Sie planen, über Nacht in einem Haus einzukehren.
Als sie unterwegs über die ganzen Ereignisse reden, stößt der auferstandene Christus zu ihnen. Sie erkennen ihn aber nicht. Das ist nicht ungewöhnlich. Auch Maria Magdalena hat ihn nicht erkannt und sogar gedacht, er sei der Gärtner. Das liegt daran, dass Jesu Leib nach der Auferstehung ein anderer ist als vor seinem Tod. Sein Aussehen müssen wir uns so vorstellen, dass er wie das erste Menschenpaar vor dem Sündenfall ist – nicht ganz, da er noch nicht zum Vater heimgekehrt ist, wo er verherrlicht wird (also in ein so helles Lichtkleid gehüllt ist, wie er es bei der Verklärung auf dem Berg Tabor war).
Er fragt nun nach, worüber sie reden. Er weiß natürlich ganz genau, worum es geht, aber Jesus geht es immer darum, dass die Menschen von sich aus selbst Dinge aussprechen, mit eigenen Worten etwas bekennen (so auch beim Sakrament der Buße).
Die Jünger sind traurig. Das ist aber nicht die richtige Reaktion auf das Osterereignis. Jesus kritisiert ihre mangelnde Erkenntnis und erklärt ihnen ausgehend von den Propheten, von all den messianischen Verheißungen, dass sein Tod und seine Auferstehung notwendig waren, um die Welt von ihren Sünden zu erlösen.
Den Jüngern dämmert es und im Nachhinein werden sie auch sagen: „Brannte uns nicht das Herz, als der Herr unterwegs mit uns redete?“ Das Wort Gottes zu hören, es erklärt zu bekommen – all das entzündet in uns schon das Feuer seiner Liebe. Aber „erkennen“ können wir Christus erst so richtig, wenn er vor unseren Augen das Brot bricht, in der Eucharistie. Dann gehen auch uns die Augen auf und wir erkennen den Auferstandenen.
Doch zunächst noch einmal zurück zum Weg. Gott begleitet auch uns auf unserem Lebensweg, auch wenn wir ihn manchmal gar nicht erkennen. Er spricht durch die Heilige Schrift zu uns, auch gerade durch jene, die sie für uns auslegen. Gott schickt uns auf unserem Lebensweg Menschen, durch die er uns etwas sagen möchte – ob Kritik, Lob, Trost, Ermutigung oder Warnung.
Die Kirche ist ebenfalls unterwegs – zum himmlischen Emmaus am Ende der Zeiten. Sie ist das pilgernde Gottesvolk, das gegürtet und mit dem Stab in der Hand das Passahlamm isst – Jesus Christus, den eucharistischen Herrn. Und unterwegs zur Begegnung mit dem Leib Christi hört auch sie das Wort Gottes, dass auf Christus vorbereitet, den die Christen dann in der Kommunion in sich aufnehmen. Deshalb ist die Liturgie im Emmaus-Stil aufgebaut: Zuerst kommt der Wortgottesdienst, dann der Mahlgottesdienst.
Als sie in Emmaus ankommen, möchte Jesus weitergehen, doch die Jünger bitten ihn, mit ihm im Haus einzukehren. Was sie zu ihm sagen, hat in der Wirkungsgeschichte mehrfache Vertonungen erfahren: „Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt!“ Es ist eine Bitte, die wir auf mehrfache Weise verstehen können. Es ist ein Bittgebet der gesamten Kirche darum, dass Jesus seine Braut nie verlasse. Der Tag, der sich geneigt hat und der Abend, der gekommen ist, sind Bilder für die Endzeit, die mit Christus angebrochen ist. Wir gehen der Ewigkeit entgegen. Diese bricht mit dem neuen Tag an. Im Übergang vom alten Tag der alten Schöpfung zum neuen Tag der neuen Schöpfung möge Christus uns beistehen und bei uns sein. Und auch jeder einzelne Christ bei seinem Lebenswandel bittet den Herrn, bei ihm zu bleiben – Tag für Tag und deshalb ist dieses Schriftwort auch ein Abendgebet. Es bezieht sich aber auch auf das gesamte irdische Dasein und wird so zum Abschiedsgebet des Lebens, wenn der Lebensabend angebrochen ist und die Nacht des Todes unmittelbar bevorsteht.
Als sie dann bei Tisch sind, tut Jesus genau das, was er schon beim letzten Abendmahl getan hat – ein Beweis, dass seine Gesten damals wirklich die Begründung eines neuen Bundes mit festem Ritus darstellt.
Von dem eucharistischen Mahl her haben sie im Nachhinein die Auslegung der Schriften verstanden. Es ist analog zu Petrus zu betrachten, der im Nachhinein erkennt, was Jesus die ganze Zeit über gemeint hat, als er von Leiden, Tod und Auferstehung gesprochen hat. Das ist der wunderbare Verstehensprozess der Menschen, den Gott geduldig mit ihnen geht – er erklärt ihnen vieles und sensibilisiert sie für jeden heilsgeschichtlichen Schritt. Durch seinen Heiligen Geist erinnert er sie dann zu späteren Zeiten an das, was er ihnen zuvor erklärt hat. So realisiert der Mensch nach und nach immer mehr von der Offenbarung Gottes.
Die Jünger bleiben nicht in Emmaus, sondern machen sich sofort auf den Heimweg nach Jerusalem, um den Aposteln und den anderen Jüngern von ihrem Erlebnis zu erzählen. Dort erfahren sie zudem, dass Jesus auch ihnen erschienen ist.
Jesus ist nicht mehr so wie vor seinem Tod. Er kann an mehreren Orten gleichzeitig erscheinen und kann plötzlich verschwinden. Er kann durch geschlossene Türen hindurch in einem Raum erscheinen und ist doch kein Geist. Er kann nämlich essen und ist berührbar, wie wir bald in der Episode des Apostels Thomas explizit erfahren werden. Jesu Auferstehungsleib gibt uns Aufschluss darüber, wie der Mensch vor dem Sündenfall war.

Die österliche Freude, das Heil und die Gegenwart des Auferstandenen setzen sich auch heute fort. Jesus bleibt wirklich bei den Menschen und wirkt auch weiter, obwohl er nicht mehr in Menschengestalt auf Erden wandelt. Das ist wichtig vor allem auch für uns heute! Jesus verlässt auch uns nicht und ist in der Kirche bis heute gegenwärtig, auch wenn er nicht mehr in Menschengestalt, sondern in Gestalt der eucharistischen Gaben da ist. Das ist noch viel mehr, denn er ist mit seiner ganzen Herrlichkeit unter uns! Es ist schon eine sakramental antizipierte Parusie, die wir erfahren dürfen, wenn auch vor unseren Augen verborgen.

Schauen wir genau hin. Er tut auch heute viele Wunder. Lassen wir uns wie Petrus gebrauchen als Werkzeuge des Heils, damit die österliche Freude nie versickert, sondern immer mehr Menschen ansteckt!

Ihre Magstrauss

Dienstag der Osteroktav

Apg 2,14a.36-41; Ps 33,4-5.18-19.20 u. 22; Joh 20,11-18

Apg 2
14 Da trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden:
36 Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.
37 Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?
38 Petrus antwortete ihnen: Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.
39 Denn euch und euren Kindern gilt die Verheißung und all denen in der Ferne, die der Herr, unser Gott, herbeirufen wird.
40 Mit noch vielen anderen Worten beschwor und ermahnte er sie: Lasst euch retten aus diesem verdorbenen Geschlecht!
41 Die nun, die sein Wort annahmen, ließen sich taufen. An diesem Tag wurden ihrer Gemeinschaft etwa dreitausend Menschen hinzugefügt.

Ostern ist das größte Fest der Christenheit. Deshalb feiern wir es acht Tage lang. Heute am Dienstag der Osteroktav hören wir die Fortsetzung der Pfingstpredigt des Petrus. Gestern hat er bereits eine heilsgeschichtliche Rückschau der Osterereignisse vorgenommen.
Heute beendet er seine Rede, indem er erklärt:
„Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.“ Ich erklärte schon gestern, was Petrus damit meint, wenn er die Zuhörer als Henker Jesu bezeichnet. Sie haben sich durch ihr „Kreuzige ihn“, durch das Manipuliertwerden und das Mitläufertum, durch die Verspottung des Ohnmächtigen am Kreuz verschuldet.
Es geht ihm nicht darum, jemanden dadurch fertig zu machen. Er tut es vielmehr, damit die Menschen erkennen, wo sie gefehlt haben, und dadurch umkehren.
Und was er sagt, trifft sie mitten ins Herz. Sie erkennen vor dem Hintergrund der Heiligen Schrift, dass Jesus der angekündigte Messias ist. Sie realisieren, dass sie nicht mehr so leben können wie zuvor. Und deshalb fragen sie Petrus und die anderen Apostel:
„Was sollen wir tun, Brüder?“
Die Antwort ist klar: „Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“
Mit „Umkehr“ ist die gläubige Hinkehr zu Jesus Christus gemeint. Als äußeres Zeichen dieses Gekommenseins zum Glauben an ihn sollen sie sich taufen lassen. Jesus hat seinen Aposteln vor seiner Heimkehr zum Vater aufgetragen, alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen und diese zu taufen. Petrus setzt also mit seiner Antwort gehorsam das um, was Jesus ihnen vorgegeben hat.
Die Taufe ist kein Zeichen der vorbereitenden Buße mehr wie bei Johannes dem Täufer. Es ist eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wer getauft wird, wird reingewaschen von seinen Sünden! Warum? Weil der Mensch auf den Tod Jesu Christi getauft wird und durch seinen Kreuzestod ist ja die Sühne für die Sünden aller Menschen erwirkt worden!
In diesem versöhnten Zustand sind sie dann empfängnisbereit für den Heiligen Geist, der ihnen in dem Sakrament geschenkt wird (man muss dazu sagen, dass Taufe und Firmung zunächst eins waren, aber natürlich wird der Hl. Geist einem schon allein bei der Taufe gespendet!). Dieser erwirkt die geistliche Wiedergeburt, denn die Getauften werden zum ewigen Leben bei Gott neugeboren.
Alle Menschen sind dazu berufen, dieses Heil zu empfangen, denn Jesus ist für sie alle gestorben.
So ermutigt Petrus die Zuhörerschaft, diesen Schritt zu unternehmen, unter anderem mit den Worten „Lasst euch retten aus diesem verdorbenen Geschlecht.“ Er meint damit die Menschheit der alten, gefallenen Natur. Diese hat nun die Chance, von diesem Zustand des ewigen Todes in das ewige Leben hinüberzugehen. Die Schwelle ist Jesus Christus, der Auferstandene von den Toten.
Petrus‘ Worte sind überzeugend. Dreitausend Menschen lassen sich an diesem einen Tag taufen! Der Geist Gottes hat am Pfingsttag vielen Menschen die Augen geöffnet!

Ps 33
4 Denn das Wort des HERRN ist redlich, all sein Tun ist verlässlich.
5 Er liebt Gerechtigkeit und Recht, erfüllt von der Huld des HERRN ist die Erde.
18 Siehe, das Auge des HERRN ruht auf denen, die ihn fürchten, die seine Huld erwarten,
19 dass er ihre Seele dem Tod entreiße und, wenn sie hungern, sie am Leben erhalte.
20 Unsre Seele hofft auf den HERRN; er ist unsere Hilfe und unser Schild.
22 Lass deine Huld über uns walten, HERR, wie wir auf dich hofften!

Der Psalm reflektiert Gottes Heilsplan und Gottes verlässliche Taten. Er ist treu und hält sich an seine Versprechen, auch wenn wir ihm untreu werden.
Gott liebt die Gerechtigkeit und das Recht. Das ist für uns keine Drohbotschaft im Sinne eines strengen Richterbildes. Gott sorgt schon für Gerechtigkeit, wo wir Unrecht erleiden. Sein Recht setzt sich durch, auch wenn es in unserem Leben aktuell nicht so erscheinen mag. Das ist eine totale Trostbotschaft.
Auch die Rede vom „Auge des HERRN“ muss als Geborgenheitsausdruck verstanden werden. Gott sieht auf die Gottesfürchtigen, die sich um den Stand der Gnade bemühen. Die anderen verstecken sich wie Adam und Eva im Garten Eden oder meinen, Gott sehe sie nicht. Er sieht alles und jeden. Gemeint ist aber, dass die Gottesfürchtigen eine Beziehung zu Gott haben und er in ihrem Leben Gutes wirkt, denn sie heißen ihn willkommen. Gott entreißt ihre Seele dem Tod (נַפְשָׁ֑ם nafscham, also eigentlich „ihr Leben“, denn nefesch meint immer das gesamte Leben, nicht nur einen Teil). Gott entreißt auch unser Leben dem Tod – sowohl dem moralischen Tod durch die regelmäßige Sündenvergebung im Beichtsakrament als auch vom ewigen Tod am Ende des Lebens. Wenn wir uns nämlich voller Glauben immer um den Stand der Gnade, um eine gute Beziehung zu Gott bemühen und mit einem umkehrbereiten Herzen durchs Leben gehen, dann wird seine Barmherzigkeit uns auffangen, sodass wir den ewigen Tod nicht schauen müssen.
Gott erhält die Gottesfürchtigen am Leben, wenn sie hungern. Dies ist wörtlich zu verstehen im Sinne von Segen im Leben. Gott sorgt dafür, dass man genug zu essen hat, wenn man seinen Willen tut. Jesus wird es später aufgreifen, wenn er sagt: „Zuerst muss es euch um das Reich Gottes gehen. Alles Andere wird euch dazugegeben.“ Und auch wir Christen werden am Leben erhalten, denn Gott nährt uns nicht nur leiblich, sondern auch mit seinem Wort Gottes in Schrift und Sakrament, in der Eucharistie! Beides nährt uns auf unserem Lebensweg seelisch, sodass die Seele nicht stirbt, ebenso wenig die Hoffnung! In erster Linie schenkt er uns das ewige Leben durch die Taufe, von der wir in der Apostelgeschichte gehört haben!
Und die hier im Psalm thematisierte Hoffnung ist eine Hoffnung auf Gott, der „Hilfe und Schild“ ist. Gott leitet nicht nur den Weg, er beschützt auch auf diesem Weg, er unterstützt uns mit seiner helfenden Gnade, damit wir trotz unserer Schwächen den Willen Gottes in unserem Leben umsetzen können.
Wie König David beten auch wir um Gottes Huld, möge er uns die Gnade schenken, die wir unsere ganze Hoffnung auf ihn setzen! Er kann uns nicht enttäuschen, denn er ist Gott. Er hat seinen einzigen Sohn nicht im Tod gelassen, er wird auch uns, die wir durch die Taufe zu seinen Kindern geworden sind, nicht im Tod lassen.

Joh 20
11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein.
12 Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten.
13 Diese sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben.
14 Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war.
15 Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen.
16 Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister.
17 Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.
18 Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.

Heute hören wir noch einmal einen Ausschnitt aus dem Osterevangelium. Maria Magdalena bleibt am Grab. Sie hat Jesus sehr geliebt und so weint sie an seinem offenen Grab. Sie hat offensichtlich noch nicht verstanden, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Als sie hineinsieht, erblickt sie zwei Engel, die sie nach ihren Tränen fragen. Sie erklärt daraufhin, dass sie ratlos ist, weil der Leichnam Jesu irgendwo hingebracht worden ist.
Nun tritt Jesus selbst an sie heran. Sie hat die Ehre, ihm zuerst zu begegnen. Ihr wird diese große Gnade zuteil, weil sie ihn mit so inniger Liebe geliebt hat.
Auch er fragt sie, warum sie weint. Sie erkennt den Auferstandenen zunächst nicht, denn sein Auferstehungsleib ist anders als vor seinem Tod. Sie denkt, es sei der Gärtner. Deshalb fragt sie ihn, wohin er den Leichnam Jesu gelegt habe. Immer wieder habe ich mich gefragt, warum Jesus ausgerechnet für den Gärtner gehalten wird. Da ist mir aufgegangen, dass diese Verwechslung einen tieferen Sinn hat: Jesus ist der neue Adam. So wie der erste Adam erfährt er die Versuchungen im Garten, nicht mehr im Garten Eden, sondern in Getsemani. Als er aufersteht, geschieht es wiederum in einem Garten! Der erste Garten führte in den Tod, der zweite Garten ins ewige Leben! Und so wie Adam von Gott die Aufgabe erhielt, den Garten zu hegen und zu pflegen, wird Jesus als Auferstandener zum Gärtner!
Erst als Jesus sie beim Namen nennt (ein unbekannter Gärtner wird schwerlich ihren Namen gekannt haben!), erkennt sie den auferstandenen Jesus.
Wir lesen zwar nicht davon, aber offensichtlich möchte sie Jesus voller Freude festhalten. Er ist aber noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Das heißt, dass sie Jesus ganz festhalten darf und soll, wenn er zum Vater in den Himmel aufgefahren ist. Jetzt ist er mal hier und da und vor allem: Er ist noch nicht verherrlicht.
Jesus hat eine wichtige Aufgabe für sie. Sie soll seinen Aposteln, dem engsten Jüngerkreis die Osterbotschaft bringen, dass er lebt und vor allem, dass er heimgehen muss „zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott“. Das ist ein wichtiger Hinweis. Als Jesus vor den Aposteln das Mahl des Neuen Bundes etabliert hat, hat er schon angedeutet, dass dadurch ein neuer Bund geschlossen werde. Sie sind nun Erlöste, sie sind zu Kindern Gottes geworden. Jesus hat ihnen das Vaterunser beigebracht und somit schon sensibilisiert, was durch seine Erlösungstat nun Realität geworden ist: Sie sind Kinder Gottes und dürfen Gott ihren Vater nennen! Sie gehören nun zur Familie Gottes, sodass nicht mehr nur Jesus Gott seinen Vater nennt, sondern auch die Apostel es tun dürfen. Das betrifft alle, die den Glauben an Jesus Christus angenommen haben und sich haben taufen lassen. Wir sind nun Teil der Familie Gottes und wir dürfen Gott unseren Vater nennen. Jesus ist nicht nur unser Herr und König, er ist auch unser Bruder.
Maria von Magdala eilt nun zu den Jüngern und berichtet, dass sie den Herrn gesehen habe. Sie übergibt den Aposteln die Botschaft und wird so zur Apostolin der Apostel.

Ostern bedeutet Freiheit und Leben, aber durch die geschenkte Fähigkeit zum Gutsein auch Verantwortung. Weil Jesus diese unfassbar große Liebe allen Menschen erwiesen hat, konnten wir bzw. unsere Eltern stellvertretend für uns diese Liebe bejahen und als Antwort darauf die Taufe empfangen. Jesus lässt uns wirklich nicht als Waisen zurück, wie er schon angekündigt hat!

Sie merken – diese ganzen Ostertage stehen unter dem Motto des Lebens und deshalb immer auch unter dem Motto der Taufe. Das ist absolut entscheidend. Beides gehört zusammen und deshalb finden gerade in der Osternacht immer Taufen statt, vor allem die Erwachsenentaufen. Wir, die wir bereits getauft sind, können gerade in diesen Tagen dankbar auf den Bundesschluss zurückschauen, der in unserer eigenen Taufe geschehen ist:

Danke, Herr, dass ich leben darf in Ewigkeit als dein Kind!

Ihre Magstrauss

Ostermontag

Apg 2
14 Da trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden: Ihr Juden und alle Bewohner von Jerusalem! Dies sollt ihr wissen, achtet auf meine Worte!
22 Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, einen Mann, den Gott vor euch beglaubigt hat durch Machttaten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst –
23 ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht.
24 Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt; denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde.
25 David nämlich sagt über ihn: Ich hatte den Herrn beständig vor Augen. Denn er steht mir zur Rechten, dass ich nicht wanke.
26 Darum freute sich mein Herz und frohlockte meine Zunge und auch mein Leib wird in Hoffnung wohnen;
27 denn du gibst meine Seele nicht der Unterwelt preis, noch lässt du deinen Frommen die Verwesung schauen.
28 Du hast mir die Wege zum Leben gezeigt, du wirst mich erfüllen mit Freude vor deinem Angesicht.
29 Brüder, ich darf freimütig zu euch über den Patriarchen David reden: Er starb und wurde begraben und sein Grabmal ist bei uns erhalten bis auf den heutigen Tag.
30 Da er ein Prophet war und wusste, dass Gott ihm einen Eid geschworen hatte, einer von seinen Nachkommen werde auf seinem Thron sitzen,
31 sagte er vorausschauend über die Auferstehung des Christus: Er gab ihn nicht der Unterwelt preis und sein Leib schaute die Verwesung nicht.
32 Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen.
33 Zur Rechten Gottes erhöht, hat er vom Vater den verheißenen Heiligen Geist empfangen und ihn ausgegossen, wie ihr seht und hört.

Heute geht die Osterfreude weiter. In der ersten Lesung hören wir einen Ausschnitt aus Petrus‘ Ansprache am Pfingsttag. Erfüllt vom Hl. Geist geht ihm auf, dass die Ankündigungen der Hl. Schriften (zu seiner Zeit meint dies das Alte Testament) sich wirklich mit Jesus erfüllt haben. Er erkennt nun die Verbindungslinien, weil es ihm wie Schuppen von den Augen fällt. Zuvor hat er vieles noch gar nicht verstanden. Der Geist Gottes führt die Apostel aber nun in die Wahrheit, wie Jesus bereits angekündigt hat.
Nun hält Petrus also eine Ansprache und diese ist im Grunde eine Taufkatechese. Im Anschluss an diese kraftvolle Predigt lassen sich nämlich sehr viele Menschen taufen.
Er erinnert die Anwesenden an die Heilstaten Jesu Christi, die Gott vor ihren eigenen Augen beglaubigt hat. Jesus hat nie okkult (verborgen, im Geheimen) gehandelt, sondern immer in der Öffentlichkeit gesprochen und gewirkt. Es gab immer sehr viele Zeugen für seine Zeichen.
Nun ist die Zeit gekommen, all die Zeichen im Lichte der Heilsgeschichte als messianisch zu erkennen. Die Menschen sollen vor allem den Tod und die Auferstehung Jesu Christi als Erfüllung der Verheißungen begreifen („der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde“).
Petrus ist klar, dass die Zuhörer seiner Predigt selbst Jesus nicht umgebracht haben, sondern dass dies auf die religiöse Elite Jerusalems zurückzuführen ist. Wenn er in seiner Pfingstrede nun sagt: „Habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht“, dann möchte er verdeutlichen, dass jeder, der „Kreuzige ihn!“ geschrien hat, mitverantwortlich ist. Wenn er das sagt, dann schließt er sich selbst mit ein. Schließlich hat er in der für ihn nachteiligen Situation Jesus verleugnet und behauptet, ihn nicht zu kennen.
Petrus meint mit „Gesetzlosen“ die Römer, die nicht beschnitten sind und die Torah nicht halten. Diese ist aber mit „Gesetz“ gemeint.
„Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt.“ Durch den Hl. Geist, dem Geist des Lebens, ist die Auferstehung Jesu Christi erwirkt worden. Er konnte nicht ewig im Grab bleiben, denn er ist Gott und dieser ist ein Gott des Lebens. Der Tod hat keine Macht über ihn. Dass er leben werde, sagt schon König David vorher, als er unter dem Einfluss des Hl. Geistes die Worte des Psalm 16 gedichtet hat: „Ich hatte den Herrn beständig vor Augen. Denn er steht mir zur Rechten, dass ich nicht wanke. Darum freute sich mein Herz und frohlockte meine Zunge und auch mein Leib wird in Hoffnung wohnen; denn du gibst meine Seele nicht der Unterwelt preis, noch lässt du deinen Frommen die Verwesung schauen. Du hast mir die Wege zum Leben gezeigt, du wirst mich erfüllen mit Freude vor deinem Angesicht.“ Gott gab seinen Sohn der Unterwelt wirklich nicht preis, obwohl dieser dort hinabgestiegen ist. Er ging zu den Gerechten, die sehnlichst auf ihn warteten, um endlich die Herrlichkeit Gottes schauen zu dürfen. Er führte sie aus dem Exil in die himmlische Heimat. Und er erstand von den Toten, noch bevor die Verwesung einsetzen konnte. Er schaute die Verwesung wirklich nicht, er, der frommste der Frommen.
Und so wie er Jesus die Wege zum Leben gezeigt und mit Freude erfüllt hat (die Freude des Himmels), so wird er es auch mit jenen tun, die ihm nachfolgen – mit uns, die wir auf seinen Tod und seine Auferstehung getauft worden sind.
Petrus erklärt nach der ausführlichen Zitation des Psalms, dass es sich nicht auf David selbst beziehe, der ja gestorben ist. Vielmehr hat David selbst schon auf seinen Nachkommen verwiesen, der Jesus Christus ist. Er ist Sohn Davids.
Petrus selbst und die anderen Apostel haben den Auferstandenen mit eigenen Augen gesehen. Sie sind Zeugen dafür, dass Jesus lebt. Diesen glauben sie nun an der Rechten des Vaters, was wir bis heute im Glaubensbekenntnis beten. Von ihm, dem erhöhten Christus, ging der Heilige Geist aus, den die Apostel am Pfingsttag in umfassendem Maße empfangen haben.
„Wie ihr seht und hört“ bezieht sich auf die Manifestationen des Heiligen Geistes, die die Jerusalempilger an jenem Tag gesehen und gehört haben – das Brausen, die Sprachen etc.
Bis zu jenem Ereignis versteckten die Apostel sich im Obergemach eines Hauses, ohne in die Öffentlichkeit zu treten. Doch der Geist Gottes verlieh ihnen die Früchte (z.B. Mut), Gaben (z.B. Einsicht) und Charismen (z.B. Sprachengebet), sodass sie von da an zu den Menschen gehen und freimütig das Evangelium verkünden können. Er hat ihnen ein neues Leben geschenkt, denn die Gemeinschaft der Gläubigen als Leib Christi, die Kirche, ist an jenem Tag zum Leben erweckt worden! Wir feiern an Pfingsten ihren Geburtstag. Der Geist Gottes ist ein Lebensspender. Dies gilt nicht nur für den auferstandenen Christus, das gilt auch für die ersten Christen damals und für uns Christen heute!

Ps 89
2 Von der Huld des HERRN will ich ewig singen, von Geschlecht zu Geschlecht mit meinem Mund deine Treue verkünden.
3 Denn ich bekenne: Auf ewig ist Huld gegründet, im Himmel deine Treue gefestigt.
4 Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten und David, meinem Knecht, geschworen:
5 Auf ewig gebe ich deinem Haus festen Bestand und von Geschlecht zu Geschlecht gründe ich deinen Thron.

Nun beten wir im Anschluss an die Pfingstrede des Petrus einen Dankespsalm.
„Von der Huld des HERRN will ich ewig singen“ ist ein typischer Psalmenanfang – die Selbstaufforderung zum Lobpreis. Die Huld des HERRN ist so großartig, dass sie zu allen Zeiten besungen werden muss. Wir können gar nicht anders, es ist die einzig angemessene Reaktion von uns Menschen, auf Gottes große Gnade dankend zu antworten. Und so sind die Worte König Davids bis heute absolut aktuell. „Von Geschlecht zu Geschlecht mit meinem Mund deine Treue verkünden“ – dies tun wir in jeder Hl. Messe auf dichteste Art und Weise. Eucharistie heißt „Danksagung“. Wir danken Gott für diese alles entscheidende Heilstat Christi, der durch seinen Tod und seine Auferstehung die Welt mit Gott versöhnt hat.
„Denn ich bekenne: Auf ewig ist Huld gegründet, im Himmel deine Treue gefestigt.“ Die Treue Gottes hat sich am dichtesten erwiesen am Ostertag. Sie ist am intensivsten spürbar geworden am leeren Grab. Gott hat den Menschen gezeigt, dass er seinen einzigen Sohn nicht im Stich lässt, sondern wie versprochen das Leben schenkt. Wir dürfen glauben, dass er auch uns nicht im Stich lassen wird, wenn wir sterben und vor ihn treten, wenn wir ihm zeitlebens unsere Treue gehalten haben.
Ja, auf ewig gibt Gott dem Haus festen Bestand. Damit ist das Haus Davids gemeint. Jesus der Sohn Davids wird auf ewig leben und nicht nur das. Er erhält den Thron, denn er ist König im Reiche Gottes. Wir beten deshalb im Glaubensbekenntnis, dass er zur Rechten Gottes thront.
Mit dem Haus, das heißt dem Geschlecht Davids, ist nun die Kirche gemeint, die die Familie Gottes ist. Sie wird ewig Bestand haben, denn Gott selbst hat sie zum Leben erweckt. Was Gott aber geschaffen hat, wird ewig leben. Das ist die Botschaft von Ostern. Halleluja!

1 Kor 15
1 Ich erinnere euch, Brüder und Schwestern, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht.
2 Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet werden, wenn ihr festhaltet an dem Wort, das ich euch verkündet habe, es sei denn, ihr hättet den Glauben unüberlegt angenommen.
3 Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift,
4 und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift,
5 und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.
6 Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen.
7 Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln.
8 Zuletzt erschien er auch mir, gleichsam der Missgeburt.
11 Ob nun ich verkünde oder die anderen: Das ist unsere Botschaft und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt.

In der zweiten Lesung hören wir aus einem wichtigen Kapitel des ersten Korintherbriefes. Dort erklärt Paulus viele Aspekte zum Thema Auferstehung.
Dabei betont er am Anfang, dass das Fundament des Glaubens, den auch die Korinther angenommen haben, die Osterbotschaft ist. Sie nämlich ist der Kern des gesamten Evangeliums.
Wer an diesem Evangelium festhält, wird gerettet werden. Die Bejahung des Evangeliums wiederum geschieht durch die Taufe als äußeres Zeichen des inneren Glaubens. Und deshalb wiederholt er es noch einmal, falls der ein oder andere diese Botschaft unüberlegt angenommen hat.
Dann hören wir aus der ältesten Osterüberlieferung, die das Neue Testament tradiert. Paulus selbst hat sie schon von woanders empfangen, also ist sie sehr alt, das heißt sehr nah an dem Osterereignis dran.
„Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift“ – ja, das ist der Grund – entgegen aller theologischen Bemühungen heutzutage, den Sühnetod wegzuargumentieren. Jesus ist für unsere Sünden gestorben, für jeden einzelnen Menschen!
Die Wendung „gemäß der Schrift“ verdeutlicht uns, dass es schon das Alte Testament angekündigt hat. Das ist wichtig, weil es den frommen Juden zeigt, dass Jesu Tod und Auferstehung heilsgeschichtlich entscheidend ist und sogar den Höhepunkt der Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen darstellt.
„Jesus ist begraben worden.“ Das heißt, er war wirklich komplett tot, nicht scheintot, nicht ohnmächtig oder gar nicht erst gestorben. Er ist wirklich gestorben, was für unsere Erlösung absolut notwendig war. Er konnte nicht erlösen, was er nicht selbst durchgemacht hat. Deshalb musste er ganz sterben.
Er ist dann aber am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift.“ Petrus hat diese Schriftstellen teilweise zitiert, als er am Pfingsttag vor die Menschen getreten ist. Jesus selbst hat dies angekündigt, indem er immer wieder Leidensankündigungen vorgenommen hat. Die Apostel haben es damals nicht verstanden, doch nun ist ihnen alles klar.
Er erscheint dem Kephas (also Petrus), dann den Zwölf, sogar 500 Brüdern gleichzeitig. Das kann also keine Einbildung sein, keine Fata Morgana oder Halluzination. Viele der Augenzeugen leben noch zur Zeit des Paulus.
Mit Jakobus ist der „Herrenbruder“ Jakobus gemeint, der die Jerusalemer Gemeinde nach der Abreise des Petrus geleitet hat. Er ist Verwandter Jesu, deshalb heißt er auch „Herrenbruder“. Wir wissen von dem biblischen Zeugnis, dass es sich dabei um den Sohn einer anderen Maria und des Kleopas handelt, der übrigens einer der Emmausjünger ist. Diese andere Maria kann kaum die Schwester der Mutter Jesu sein (diese war laut Protevangelium des Jakobus ohnehin Einzelkind). Es wird sich vielleicht um die Cousine der Mutter Jesu gehandelt haben, also ist Jakobus Jesu Cousin zweiten Grades. Und doch ist es im orientalischen Kontext normal, Bruder zu sagen (Es gibt damals auch nur ein Wort für Bruder, Cousin etc.). Mit „Familie“ ist mehr gemeint als die gerade Linie, wie wir es aus unserem Kontext kennen. Damit ist vielmehr die Großfamilie gemeint.
„Zuletzt erschien er auch mir, gleichsam der Missgeburt.“ Das bezieht sich auf Pauli Begegnung mit Christus vor den Toren von Damaskus. Paulus nennt sich einerseits Missgeburt, weil er sich selbst als den geringsten Apostel erachtet. Er hat schließlich die Christen zunächst verfolgt und somit Christus selbst verfolgt. Er nennt sich andererseits so, weil das griechische Wort ἔκτρωμα ektroma „unzeitige Geburt“ heißt. Es bezieht sich aber in seinem Fall nicht auf die biologische Geburt, sondern auf die Wiedergeburt im Hl. Geist. Seine Bekehrung kommt spät, ist also unzeitig im Gegensatz zu den anderen Aposteln.
Zum Schluss sagt Paulus noch ein wichtiges Wort: Es spielt keine Rolle, ob er selbst diese Botschaft verkündet oder ein anderer. Es ist und bleibt dieselbe Botschaft vom Sieg des Lebens über den Tod. Diese Wendung formuliert er deshalb, weil es in Korinth ja die Rivalitäten und Parteien gibt (die einen halten zu Paulus, die anderen zu Apollos, die anderen zu Kephas…).
Dank Paulus haben wir diese uralte Überlieferung erhalten. Sie bestätigt, was wir glauben – dass Jesu Auferstehung eine historische Tatsache ist, die nachträglich nicht symbolisiert werden kann. Jesus ist leibhaftig auferstanden und so werden auch wir es!

Lk 24
13 Und siehe, am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.
14 Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.
15 Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen.
16 Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.
17 Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen
18 und der eine von ihnen – er hieß Kleopas – antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?
19 Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk.
20 Doch unsere Hohepriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen.
21 Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist.
22 Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab,
23 fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe.
24 Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.
25 Da sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.
26 Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen?
27 Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.
28 So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen,
29 aber sie drängten ihn und sagten: Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt! Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.
30 Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen.
31 Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken.
32 Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete?
33 Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren.
34 Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.
35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

Im Evangelium hören wir nun von dem Emmausereignis. Kleopas, von dem wir vorhin schon gehört haben, ist unterwegs mit einem weiteren Jünger. Sie sind unterwegs nach Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt liegt. Sie planen, über Nacht in einem Haus einzukehren.
Als sie unterwegs über die ganzen Ereignisse reden, stößt der auferstandene Christus zu ihnen. Sie erkennen ihn aber nicht. Das ist nicht ungewöhnlich. Auch Maria Magdalena hat ihn nicht erkannt und sogar gedacht, er sei der Gärtner. Das liegt daran, dass Jesu Leib nach der Auferstehung ein anderer ist als vor seinem Tod. Sein Aussehen müssen wir uns so vorstellen, dass er wie das erste Menschenpaar vor dem Sündenfall ist – nicht ganz, da er noch nicht zum Vater heimgekehrt ist, wo er verherrlicht wird (also in ein so helles Lichtkleid gehüllt ist, wie er es bei der Verklärung auf dem Berg Tabor war).
Er fragt nun nach, worüber sie reden. Er weiß natürlich ganz genau, worum es geht, aber Jesus geht es immer darum, dass die Menschen von sich aus selbst Dinge aussprechen, mit eigenen Worten etwas bekennen (so auch beim Sakrament der Buße).
Die Jünger sind traurig. Das ist aber nicht die richtige Reaktion auf das Osterereignis. Jesus kritisiert ihre mangelnde Erkenntnis und erklärt ihnen ausgehend von den Propheten, von all den messianischen Verheißungen, dass sein Tod und seine Auferstehung notwendig waren, um die Welt von ihren Sünden zu erlösen.
Den Jüngern dämmert es und im Nachhinein werden sie auch sagen: „Brannte uns nicht das Herz, als der Herr unterwegs mit uns redete?“ Das Wort Gottes zu hören, es erklärt zu bekommen – all das entzündet in uns schon das Feuer seiner Liebe. Aber „erkennen“ können wir Christus erst so richtig, wenn er vor unseren Augen das Brot bricht, in der Eucharistie. Dann gehen auch uns die Augen auf und wir erkennen den Auferstandenen.
Doch zunächst noch einmal zurück zum Weg. Gott begleitet auch uns auf unserem Lebensweg, auch wenn wir ihn manchmal gar nicht erkennen. Er spricht durch die Heilige Schrift zu uns, auch gerade durch jene, die sie für uns auslegen. Gott schickt uns auf unserem Lebensweg Menschen, durch die er uns etwas sagen möchte – ob Kritik, Lob, Trost, Ermutigung oder Warnung.
Die Kirche ist ebenfalls unterwegs – zum himmlischen Emmaus am Ende der Zeiten. Sie ist das pilgernde Gottesvolk, das gegürtet und mit dem Stab in der Hand das Passahlamm isst – Jesus Christus, den eucharistischen Herrn. Und unterwegs zur Begegnung mit dem Leib Christi hört auch sie das Wort Gottes, dass auf Christus vorbereitet, den die Christen dann in der Kommunion in sich aufnehmen. Deshalb ist die Liturgie im Emmaus-Stil aufgebaut: Zuerst kommt der Wortgottesdienst, dann der Mahlgottesdienst.
Als sie in Emmaus ankommen, möchte Jesus weitergehen, doch die Jünger bitten ihn, mit ihm im Haus einzukehren. Was sie zu ihm sagen, hat in der Wirkungsgeschichte mehrfache Vertonungen erfahren: „Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt!“ Es ist eine Bitte, die wir auf mehrfache Weise verstehen können. Es ist ein Bittgebet der gesamten Kirche darum, dass Jesus seine Braut nie verlasse. Der Tag, der sich geneigt hat und der Abend, der gekommen ist, sind Bilder für die Endzeit, die mit Christus angebrochen ist. Wir gehen der Ewigkeit entgegen. Diese bricht mit dem neuen Tag an. Im Übergang vom alten Tag der alten Schöpfung zum neuen Tag der neuen Schöpfung möge Christus uns beistehen und bei uns sein. Und auch jeder einzelne Christ bei seinem Lebenswandel bittet den Herrn, bei ihm zu bleiben – Tag für Tag und deshalb ist dieses Schriftwort auch ein Abendgebet. Es bezieht sich aber auch auf das gesamte irdische Dasein und wird so zum Abschiedsgebet des Lebens, wenn der Lebensabend angebrochen ist und die Nacht des Todes unmittelbar bevorsteht.
Als sie dann bei Tisch sind, tut Jesus genau das, was er schon beim letzten Abendmahl getan hat – ein Beweis, dass seine Gesten damals wirklich die Begründung eines neuen Bundes mit festem Ritus darstellt.
Von dem eucharistischen Mahl her haben sie im Nachhinein die Auslegung der Schriften verstanden. Es ist analog zu Petrus zu betrachten, der im Nachhinein erkennt, was Jesus die ganze Zeit über gemeint hat, als er von Leiden, Tod und Auferstehung gesprochen hat. Das ist der wunderbare Verstehensprozess der Menschen, den Gott geduldig mit ihnen geht – er erklärt ihnen vieles und sensibilisiert sie für jeden heilsgeschichtlichen Schritt. Durch seinen Heiligen Geist erinnert er sie dann zu späteren Zeiten an das, was er ihnen zuvor erklärt hat. So realisiert der Mensch nach und nach immer mehr von der Offenbarung Gottes.
Die Jünger bleiben nicht in Emmaus, sondern machen sich sofort auf den Heimweg nach Jerusalem, um den Aposteln und den anderen Jüngern von ihrem Erlebnis zu erzählen. Dort erfahren sie zudem, dass Jesus auch ihnen erschienen ist.
Jesus ist nicht mehr so wie vor seinem Tod. Er kann an mehreren Orten gleichzeitig erscheinen und kann plötzlich verschwinden. Er kann durch geschlossene Türen hindurch in einem Raum erscheinen und ist doch kein Geist. Er kann nämlich essen und ist berührbar, wie wir bald in der Episode des Apostels Thomas explizit erfahren werden. Jesu Auferstehungsleib gibt uns Aufschluss darüber, wie der Mensch vor dem Sündenfall war.

Er erscheint Menschen, um ihnen die Osterbotschaft begreiflich zu machen. Wo, wann und wem er dabei erscheint, ist ganz im Willen des Vaters. Er lebt und deshalb haben wir allen Grund zu feiern!

Ihre Magstrauss

Ostersonntag

Apg 10,34a.37-43; Ps 118,1-2.16-17.22-23; Kol 3,1-4 oder 1 Kor 5,6b-8; Joh 20,1-9 oder Joh 20,1-18

Christus ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden, Halleluja! Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Osterfest!

Apg 10
34 Da begann Petrus zu reden und sagte:

37 Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat:
38 wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm.
39 Und wir sind Zeugen für alles, was er im Land der Juden und in Jerusalem getan hat. Ihn haben sie an den Pfahl gehängt und getötet.
40 Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen,
41 zwar nicht dem ganzen Volk, wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen: uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten gegessen und getrunken haben.
42 Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkünden und zu bezeugen: Dieser ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten.
43 Von ihm bezeugen alle Propheten, dass jeder, der an ihn glaubt, durch seinen Namen die Vergebung der Sünden empfängt.

Als erste Lesung hören wir eine Ansprache des Apostels Petrus, wie sie die Apostelgeschichte überliefert. Er nimmt dabei eine Rückschau der Osterereignisse vor:
„Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist…“ Er bezieht sich auf Jesu ganze Verkündigung in ganz Israel, die in Galiläa begonnen hat nach der Johannestaufe. Jesus hat mit seiner Verkündigung ja begonnen, nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hat. Dieser war der unmittelbare Vorläufer, der die Umkehr als Vorbereitung auf den Messias gepredigt hat.
Dann spielt Petrus auf die Taufe Jesu im Jordan an und erklärt dabei auch, dass die eigentliche Tat nicht in der Taufe durch Johannes, sondern in der Salbung Gottes mit dem Hl. Geist besteht.
Er blickt dann darauf zurück, wie Jesus umherzog und Gutes tat – das bezieht sich auf seine ganzen Heilstaten. Er thematisiert auch die Exorzismen („die in der Gewalt des Teufels waren“).
Wenn Petrus sagt: „Wir sind Zeugen für alles, was er im Land der Juden und in Jerusalem getan hat“, dann bezieht es sich auf die ganze Jüngerschaft, die Augenzeugen Jesu darstellen.
„Ihn haben sie an den Pfahl gehängt und getötet.“ Dies lässt offen, wer damit gemeint ist, aber für die Zuhörerschaft ist klar, dass damit die Tempelelite gemeint ist, denen Jesus ein Dorn im Auge war. Das heißt nicht, dass er antisemitische Dinge hier andeutet. Es bezieht sich ja nicht auf das gesamte jüdische Volk. Dies wäre ja auch sinnlos, da er selbst dazugehört.
Dann kommt die österliche Aussage: „Gott aber hat ihn am dritten Tag von den Toten auferweckt und hat ihn erscheinen lassen, zwar nicht dem ganzen Volk, wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen: uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten gegessen und getrunken haben.“ Jesus ist am dritten Tage auferweckt worden und seine Gestalt, die nicht nur ein Geist war, sondern mit Leib, haben die Aposteln bezeugt. Wir hören bei Paulus, der noch ältere Augenzeugnisse der Ostererscheinungen überliefert, dass Jesus sogar 500 Menschen zugleich erschienen ist. Dass Jesus lebt, ist kein Märchen, sondern eine historische Tatsache!
Die Jünger haben mit ihm gegessen und getrunken, was beweist, dass er mehr ist als nur eine Vision, ein Geist oder eine Halluzination trauernder Männer.
Bevor Jesus zu seinem Vater heimgegangen ist, hat er seinen Aposteln aufgetragen, sein Evangelium zu verkündigen und zu bezeugen: „Dieser ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten.“ So beten wir bis heute im Glaubensbekenntnis: „Von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.“
Zum Schluss sagt Petrus noch etwas Wichtiges: Was Jesus anbelangt, haben die Propheten schon vorhergesagt. Ihn haben sie angekündigt. In Jesu Namen werden die Menschen die Vergebung der Sünden empfangen. Dies geschieht in erster Linie durch die Taufe auf den Namen Jesu Christi. Diese wäscht nämlich den alten Menschen ab. Sie ist der Bundesschluss mit Gott, den Jesus durch seinen Tod und seine Auferstehung besiegelt hat.

Ps 118
1 Dankt dem HERRN, denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig!
2 So soll Israel sagen: Denn seine Huld währt ewig.
16 die Rechte des HERRN, sie erhöht, die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie.
17 Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des HERRN zu verkünden.
22 Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.
23 Vom HERRN her ist dies gewirkt, ein Wunder in unseren Augen.

Heute beten wir wie gestern in der Osternacht den so wunderbaren Psalm 118, der durch die Auferstehung Jesu Christi zu unserem Lebensprogramm geworden ist. Ja, Gottes Huld währt ewig, denn er ist gut. Kein anderer Gott hat sich jemals von seinen geliebten Kindern umbringen lassen, um ebenjene von allen Sünden zu erlösen!
Gott hat durch die Auferstehung seines Sohnes wirklich seine Macht bewiesen. Das war die größte Heilstat aller Zeiten, die die Menschen gestern, heute und morgen erlöst hat!
Und deshalb darf der Mensch voller Freude sagen: „Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des HERRN zu verkünden.“ Ja, das ist die einzig angemessene Antwort auf die Erlösung, die uns zuteilgeworden ist – ihn zu verkünden und immerfort Zeugnis für ihn abzulegen.
Jesus Christus ist wirklich zum Eckstein geworden, nachdem die Bauleute ihn verworfen haben. Dies greifen die Autoren des Neuen Testaments auf wie Petrus im ersten Petrusbrief oder Paulus im Römerbrief. Ja, Jesus selbst hat dieses Schriftwort aufgegriffen und auf sich bezogen, wie wir in allen synoptischen Evangelien lesen. Die Menschen haben ihn nicht angenommen, aber Gott hat diese Ablehnung wiederum ins Heil umgekehrt. Gott ist ein Gott des Heils und hat somit der gesamten Menschheit die Rettung gebracht.

Kol 3
1 Seid ihr nun mit Christus auferweckt, so strebt nach dem, was oben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt!
2 Richtet euren Sinn auf das, was oben ist, nicht auf das Irdische!
3 Denn ihr seid gestorben und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott.
4 Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.

Als zweite Lesung gibt es eine Auswahl, entweder einen Aussschnitt aus dem Kolosserbrief oder aus dem ersten Korintherbrief. Ich schreibe gerne einige Gedanken zu beiden Texten:
Die Taufe, mit der die Ansprache des Petrus endet, wird hier weiter fortgesetzt: Durch dieses heilsnotwendige Sakrament sind wir Getaufte mit Christus auferweckt. Deshalb sage ich so gern, dass wir Christen österliche Menschen sind. Mit dem Sakrament ist es aber nicht getan. Wir müssen nun auch entsprechend leben als Antwort auf diese unfassbar große Liebestat Jesu Christi. Als Österliche sollen wir unseren Blick schon auf die Ewigkeit richten, die das wahre Leben ist. Das Irdische soll nicht unsere Aufmerksamkeit erhalten – zumindest nicht in dem Ausmaß, dass es unserem ewigen Leben im Weg steht. Es geht um die richtigen Prioritäten. Ganz oben steht das Bestreben „nach dem, was oben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt“.
Unser alter Mensch ist gestorben und mit Christus in Gott verborgen. Da können wir nicht mehr so leben, als wären wir immer noch dieser alte Mensch.
Christus ist unser Leben, denn durch ihn sind wir im Hl. Geist wiedergeboren. Und wenn Christus offenbar wird – gemeint ist am Ende der Zeiten bei seiner Wiederkunft -, dann wird diese neue Identität durch die Taufe an uns für alle offenbar. Man wird das unlöschbare Siegel in unserer Seele erkennen. Dann werden alle sehen, dass wir Erben des Reiches Gottes sind.

1 Kor 5
6 Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert?
7 Schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr neuer Teig seid! Ihr seid ja schon ungesäuertes Brot; denn als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden.
8 Lasst uns also das Fest nicht mit dem alten Sauerteig feiern, nicht mit dem Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit den ungesäuerten Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit!

Der erste Korintherbrief vermittelt im Grunde dieselbe Botschaft wie der Ausschnitt aus dem Kolosserbrief. Jetzt, wo wir getauft sind, können wir nicht mehr so leben wie zuvor. Wir müssen konsequent und radikal den alten Menschen hinter uns lassen. Schließlich ist unser alter Mensch gestorben. Wenn wir nicht radikal den alten Menschen von uns abschneiden, dann wird dessen Bosheit uns irgendwann wieder ganz befallen so wie ein bisschen Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert. Dabei sind wir ja durch den Neuen Bund zu ungesäuerten Broten geworden, denn Christus ist das Passahlamm (dazu gehören ja die Mazzen, die man in Kräuter eintaucht). Und dieses Bild ist als Gegenbild zu dem gesäuerten Brot zu betrachten als Sinnbild für die Aufrichtigkeit und Wahrheit des christlichen Lebenswandels. Ostern hat seine Konsequenzen – nicht nur sakramental in Form der Taufe, sondern auch im moralischen Sinne.

Joh 20
1 Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.
2 Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben.
3 Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab;
4 sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab.
5 Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging jedoch nicht hinein.
6 Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen
7 und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.
8 Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte.
9 Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse.
10 Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück.
11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein.

12 Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten.
13 Diese sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben.
14 Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war.
15 Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen.
16 Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister.
17 Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.
18 Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.

Das Evangelium vom Ostertag berichtet von Maria Magdalena, die voller Liebe zu Christus um ihren verstorbenen Herrn trauert. Sie kommt frühmorgens noch vor Sonnenaufgang zum Grab, doch da sieht sie, dass der Stein weggerollt worden ist! Sie denkt, dass man den Leichnam woanders hingelegt hat, und rennt ganz entsetzt zu den Aposteln. Petrus und Johannes machen sich sofort auf den Weg zum Grab, wobei Johannes schneller dort ankommt als Petrus. Man könnte es auf den Altersunterschied schieben (Johannes ist jünger als Petrus), doch daran liegt es nicht. Es drückt vielmehr aus, wie sehr Johannes Jesus geliebt hat – er ist wie die männliche Version von Maria Magdalena…Johannes kommt früher an, geht jedoch nicht hinein. Er weiß, dass Petrus eine Vorrangstellung hat. Jesus hat ihm die Schlüssel des Himmelreiches übergeben, er hat ihn den Fels genannt, auf dem er seine Kirche bauen will. Deshalb lässt er Petrus den Vortritt, der hineingeht und die Leinenbinden dort liegen sieht. Sie sehen auch das Schweißtuch (das Wort an dieser Stelle ist σουδάριον Soudarion). Es liegt an einer besonderen Stelle und wir erfahren, dass es zusammengebunden dort liegt. Das kann nur eines heißen: Der Leichnam ist nicht einfach weggenommen worden, sondern Jesus ist von den Toten auferstanden! Er hat dieses besondere Tuch sorgsam präpariert und dort hingelegt, damit die Jünger den Code verstehen: „Ich komme wieder!“ Ein Rabbi hat bei einem Mahl seine Serviette auf eine bestimmte Weise hinterlassen, wenn er sich vom Tisch erhob. War er mit dem Essen fertig, warf er die Serviette ganz ungeordnet auf den Tisch. Wollte er nach einer Weile das Mahl fortsetzen, legte er sie sorgsam zusammen, was dem Schüler signalisierte: „Ich komme gleich zurück und esse weiter.“ Jesus hat seinen Jüngern den Code gegeben und deshalb heißt es, dass Johannes sah und glaubte. Er kommt wieder und wird mehrfach mit seinen Jüngern Mahl halten, aber dieses wird nur die Antizipation dessen sein, was im Himmel geschehen wird: Das Hochzeitsmahl des Lammes!
Nun geht ihnen also auf, was Jesus meinte, als er sagte, er müsse von den Toten auferstehen.
Danach gehen sie zurück, denn ihnen bleibt nichts weiter zu tun, als abzuwarten.
Maria Magdalena bleibt am Grab. Sie hat Jesus sehr geliebt und so weint sie an seinem offenen Grab. Sie hat offensichtlich noch nicht verstanden, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Als sie hineinsieht, erblickt sie zwei Engel, die sie nach ihren Tränen fragen. Sie erklärt daraufhin, dass sie ratlos ist, weil der Leichnam Jesu irgendwo hingebracht worden ist.
Nun tritt Jesus selbst an sie heran. Sie hat die Ehre, ihm zuerst zu begegnen. Ihr wird diese große Gnade zuteil, weil sie ihn mit so inniger Liebe geliebt hat.
Auch er fragt sie, warum sie weint. Sie erkennt den Auferstandenen zunächst nicht, denn sein Auferstehungsleib ist anders als vor seinem Tod. Sie denkt, es sei der Gärtner. Deshalb fragt sie ihn, wohin er den Leichnam Jesu gelegt habe. Erst als Jesus sie beim Namen nennt (ein unbekannter Gärtner wird schwerlich ihren Namen gekannt haben!), erkennt sie den auferstandenen Jesus.
Wir lesen zwar nicht davon, aber offensichtlich möchte sie Jesus voller Freude festhalten. Er ist aber noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Das heißt, dass sie Jesus ganz festhalten darf und soll, wenn er zum Vater in den Himmel aufgefahren ist. Jetzt ist er mal hier und da und vor allem: Er ist noch nicht verherrlicht.
Jesus hat eine wichtige Aufgabe für sie. Sie soll seinen Aposteln, dem engsten Jüngerkreis die Osterbotschaft bringen, dass er lebt und vor allem, dass er heimgehen muss „zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott“. Das ist ein wichtiger Hinweis. Als Jesus vor den Aposteln das Mahl des Neuen Bundes etabliert hat, hat er schon angedeutet, dass dadurch ein neuer Bund geschlossen werde. Sie sind nun Erlöste, sie sind zu Kindern Gottes geworden. Jesus hat ihnen das Vaterunser beigebracht und somit schon sensibilisiert, was durch seine Erlösungstat nun Realität geworden ist: Sie sind Kinder Gottes und dürfen Gott ihren Vater nennen! Sie gehören nun zur Familie Gottes, sodass nicht mehr nur Jesus Gott seinen Vater nennt, sondern auch die Apostel es nun dürfen. Das betrifft alle, die den Glauben an Jesus Christus angenommen haben und sich haben taufen lassen. Wir sind nun Teil der Familie Gottes und wir dürfen Gott unseren Vater nennen. Jesus ist nicht nur unser Herr und König, er ist auch unser Bruder.
Maria von Magdala eilt nun zu den Jüngern und berichtet, dass sie den Herrn gesehen habe. Sie übergibt den Aposteln die Botschaft und wird so zur Apostolin der Apostel.

Ostern bedeutet Freiheit und Leben, aber durch die geschenkte Fähigkeit zum Gutsein auch Verantwortung. Weil Jesus diese unfassbar große Liebe allen Menschen erwiesen hat, konnten wir bzw. unsere Eltern stellvertretend für uns diese Liebe bejahen und als Antwort darauf die Taufe empfangen. Jesus lässt uns wirklich nicht als Waisen zurück, wie er schon angekündigt hat!

Halleluja!

Ihre Magstrauss

Osternacht

Gen 1,1-2,2; Ps 104,1-2.5-6.10 u. 12.13-14b.24 u. 1ab; Gen 22,1-18; Ps 16,5 u. 8.9-10.2 u. 11; Ex 14,15-15,1; Ex 15,1b-2b.2c-3.4-5.6 u. 13.17-18; Jes 54,5-14; Ps 30,2 u. 4.5-6b.6cd u. 12a u. 13b; Jes 55,1 -11; Jes 12,2.3 u. 4bcd.5-6; Bar 3,9-15.32-4,4; Ps 19,8.9.10.11-12; Ez 36,16-17a.18-28; Ps 42,3.5 u. 10a; 43,3-4; Röm 6,3 – 11; Ps 118,1-2.16-17.22-23; Mt 28,1-10

Heute feiern wir den Höhepunkt des ganzen Kirchenjahres. Wir hören aus diesem Anlass einen umfangreichen Abriss der gesamten Heilsgeschichte angefangen von der Schöpfung. Ich werde aus Umfanggründen die Lesungen mit ihren jeweiligen Antwortgesängen nicht so detailliert analysieren wie sonst, da es sonst zu lang wird.

Gen 1-2
1 Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde. 2 Die Erde war wüst und wirr und Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser. 3 Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. 4 Gott sah, dass das Licht gut war. Und Gott schied das Licht von der Finsternis. 5 Und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend und es wurde Morgen: erster Tag. 6 Dann sprach Gott: Es werde ein Gewölbe mitten im Wasser und scheide Wasser von Wasser. 7 Gott machte das Gewölbe und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes vom Wasser oberhalb des Gewölbes. Und so geschah es. 8 Und Gott nannte das Gewölbe Himmel. Es wurde Abend und es wurde Morgen: zweiter Tag. 9 Dann sprach Gott: Es sammle sich das Wasser unterhalb des Himmels an einem Ort und das Trockene werde sichtbar. Und so geschah es. 10 Und Gott nannte das Trockene Land und die Ansammlung des Wassers nannte er Meer. Gott sah, dass es gut war. 11 Dann sprach Gott: Die Erde lasse junges Grün sprießen, Gewächs, das Samen bildet, Fruchtbäume, die nach ihrer Art Früchte tragen mit Samen darin auf der Erde. Und so geschah es. 12 Die Erde brachte junges Grün hervor, Gewächs, das Samen nach seiner Art bildet, und Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war. 13 Es wurde Abend und es wurde Morgen: dritter Tag. 14 Dann sprach Gott: Lichter sollen am Himmelsgewölbe sein, um Tag und Nacht zu scheiden. Sie sollen als Zeichen für Festzeiten, für Tage und Jahre dienen. 15 Sie sollen Lichter am Himmelsgewölbe sein, um über die Erde hin zu leuchten. Und so geschah es. 16 Gott machte die beiden großen Lichter, das große zur Herrschaft über den Tag, das kleine zur Herrschaft über die Nacht, und die Sterne. 17 Gott setzte sie an das Himmelsgewölbe, damit sie über die Erde leuchten, 18 über Tag und Nacht herrschen und das Licht von der Finsternis scheiden. Gott sah, dass es gut war. 19 Es wurde Abend und es wurde Morgen: vierter Tag. 20 Dann sprach Gott: Das Wasser wimmle von Schwärmen lebendiger Wesen und Vögel sollen über der Erde am Himmelsgewölbe fliegen. 21 Und Gott erschuf die großen Wassertiere und alle Lebewesen, die sich fortbewegen nach ihrer Art, von denen das Wasser wimmelt, und alle gefiederten Vögel nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war. 22 Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehrt euch! Füllt das Wasser im Meer und die Vögel sollen sich auf Erden vermehren. 23 Es wurde Abend und es wurde Morgen: fünfter Tag. 24 Dann sprach Gott: Die Erde bringe Lebewesen aller Art hervor, von Vieh, von Kriechtieren und von Wildtieren der Erde nach ihrer Art. Und so geschah es. 25 Gott machte die Wildtiere der Erde nach ihrer Art, das Vieh nach seiner Art und alle Kriechtiere auf dem Erdboden nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war. 26 Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich! Sie sollen walten über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen. 27 Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie. 28 Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie und waltet über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen! 29 Dann sprach Gott: Siehe, ich gebe euch alles Gewächs, das Samen bildet auf der ganzen Erde, und alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin. Euch sollen sie zur Nahrung dienen. 30 Allen Tieren der Erde, allen Vögeln des Himmels und allem, was auf der Erde kriecht, das Lebensatem in sich hat, gebe ich alles grüne Gewächs zur Nahrung. Und so geschah es. 31 Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut. Es wurde Abend und es wurde Morgen: der sechste Tag.1 So wurden Himmel und Erde und ihr ganzes Heer vollendet. 2 Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er gemacht hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk gemacht hatte.

Es geht zurück an den Anfang. Gott ist dieser Anfang, von dem aus das ganze Dasein geschaffen worden ist. Deshalb heißt es auch nicht „am Anfang“, sondern „im“. Gott hat keinen Anfang, er steht außerhalb von Zeitkategorien. Vielmehr IST er der Anfang.
Wenn Gott auf etwas einwirkt, kommt Ordnung hinein. Das heißt im Umkehrschluss, dass alles Gottlose Chaos ist. Unordnung kommt nicht von Gott. Die Ordnung des gesamten Daseins und das Schaffen aus dem Nichts wird durch Gottes gesprochenes Wort ausgelöst. Es heißt immer wieder „und Gott sprach“ und „Gott nannte“. Das Benennen des Geschaffenen ist die Systematisierung aller Dinge. Das erste, was Gott auf diese Weise schafft, ist das Licht. Das ist ein wichtiger Punkt, denn dieses wird im Johannesevangelium mit dem Begriff des Lebens gekoppelt. Licht bedeutet Leben.
Wir hören im Verlauf der ersten Lesung das sogenannte Sieben-Tage-Werk. An jedem Tag schafft Gott etwas Anderes, benennt es, betrachtet es und sagt, dass es gut ist. Gott ist ein Gott des Lebens. Er schafft aus dem Nichts die ganze Welt. Alles, was er macht, ist gut. Im Kontext der Osternacht ist dies der entscheidende Punkt. Gott kann aus dem Nichts alles schaffen. Gott kann also auch einen toten Menschen zum Leben erwecken und er kann dem Auferstandenen einen neuen verklärten Leib schenken. Was er einmal geschafft hat (eine Schöpfung hervorgehen zu lassen), kann er auch ein zweites Mal tun (eine neue Schöpfung erstehen zu lassen!).
Ganz wichtig ist auch, wie er den Menschen geschaffen hat. Dieser ist als sein Abbild gemacht, das heißt mit einer ewigen Seele, in der Zweigeschlechtlichkeit die Trinität abbildend. Der Mensch ist fruchtbar geschaffen und mit einem freien Willen. Dies entspricht dem Wesen Gottes, der die Liebe ist, die nur freiwillig geht. Diese Liebe ist so überströmend, dass sie immer über sich hinaus verweist. Gottes Gemeinschaft in sich strömt über, sodass Gott aus Liebe die Welt geschaffen hat, vor allem die Menschen, die mit ihm in Liebesgemeinschaft leben. So kann Gott gar nicht anders, als den Menschen fruchtbar zu schaffen. Auch dessen Liebe weist über sich selbst hinaus, sodass aus dieser Liebe ein neuer Mensch hervorgeht. Das ist in der ersten Schöpfung biologisch gemeint. Mit der neuen Schöpfung, in der es auch ein erstes Menschenpaar gibt, geht es nicht mehr um biologische Fruchtbarkeit, sondern um geistliche! Jesus und Maria bringen mehr Frucht, als biologisch möglich ist. Der siebte Tag ist ein Ruhetag. Wir gehen alle auf den ewigen Sabbat zu, der das Ruhen in Gott ist.

Ps 104
1 Preise den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, überaus groß bist du! Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet. 2 Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel, du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt. 5 Du hast die Erde auf Pfeiler gegründet, in alle Ewigkeit wird sie nicht wanken. 6 Einst hat die Urflut sie bedeckt wie ein Kleid, die Wasser standen über den Bergen. 10 Du lässt Quellen sprudeln in Bäche, sie eilen zwischen den Bergen dahin. 12 Darüber wohnen die Vögel des Himmels, aus den Zweigen erklingt ihr Gesang. 13 Du tränkst die Berge aus deinen Kammern, von der Frucht deiner Werke wird die Erde satt. 14 Du lässt Gras wachsen für das Vieh und Pflanzen für den Ackerbau des Menschen, damit er Brot gewinnt von der Erde. 24 Wie zahlreich sind deine Werke, HERR, sie alle hast du mit Weisheit gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen. 1 Preise den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, überaus groß bist du!

Das wunderbare Schöpfungswerk Gottes ist großes Lob wert. Deshalb beten wir im Anschluss daran einen Lobpreispsalm, der sehr bekannt ist. In diesem wird Gottes Größe gepriesen. Gott wird mit Licht ausgestattet. Das ist ein wichtiger Aspekt, denn auch in der Lesung hat das Licht einen besonderen Stellenwert. Licht ist die Eigenschaft der Herrlichkeit Gottes. Diese hüllt Gott ein wie einen Mantel. Bei der Verklärung Jesu sehen die Apostel ihn auch so – ganz in Licht gehüllt.
Im Psalm wird die Schöpfung Gottes betrachtet als ein Haus bzw. als eine Architektur. Sie besteht aus einem Zelt als Überdachung (der Himmel), aus Pfeilern, die der Erde Stabilität verleihen, Wasser, das wie ein Kleid die Erde bedeckt. Es gibt Kammern, von wo aus Gott die Berge tränkt.
Ganz besonders wichtig ist Vers 24: Die Werke Gottes sind mit Weisheit gemacht. Diese Weisheit wird um die Zeitenwende herum immer mehr mit dem Logos gleichgesetzt, der wiederum das Wort Gottes ist – Jesus Christus. Er ist der Schöpfungsmittler und das gesprochene Wort, durch das im Schöpfungsbericht alles hervorgeht. Er ist schon von Anfang an dabei und ist ganz eins mit dem Vater. Auch er ist somit schon Gott des Lebens.

Gen 22
1 Nach diesen Ereignissen stellte Gott Abraham auf die Probe. Er sprach zu ihm: Abraham! Er sagte: Hier bin ich. 2 Er sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar! 3 Frühmorgens stand Abraham auf, sattelte seinen Esel, nahm zwei seiner Jungknechte mit sich und seinen Sohn Isaak, spaltete Holz zum Brandopfer und machte sich auf den Weg zu dem Ort, den ihm Gott genannt hatte. 4 Als Abraham am dritten Tag seine Augen erhob, sah er den Ort von Weitem. 5 Da sagte Abraham zu seinen Jungknechten: Bleibt mit dem Esel hier! Ich aber und der Knabe, wir wollen dorthin gehen und uns niederwerfen; dann wollen wir zu euch zurückkehren. 6 Abraham nahm das Holz für das Brandopfer und lud es seinem Sohn Isaak auf. Er selbst nahm das Feuer und das Messer in die Hand. So gingen beide miteinander. 7 Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham. Er sagte: Mein Vater! Er antwortete: Hier bin ich, mein Sohn! Dann sagte Isaak: Hier ist Feuer und Holz. Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer? 8 Abraham sagte: Gott wird sich das Lamm für das Brandopfer ausersehen, mein Sohn. Und beide gingen miteinander weiter. 9 Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte, baute Abraham dort den Altar, schichtete das Holz auf, band seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz. 10 Abraham streckte seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. 11 Da rief ihm der Engel des HERRN vom Himmel her zu und sagte: Abraham, Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. 12 Er sprach: Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus und tu ihm nichts zuleide! Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest; du hast mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten. 13 Abraham erhob seine Augen, sah hin und siehe, ein Widder hatte sich hinter ihm mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen. Abraham ging hin, nahm den Widder und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar. 14 Abraham gab jenem Ort den Namen: Der HERR sieht, wie man noch heute sagt: Auf dem Berg lässt sich der HERR sehen. 15 Der Engel des HERRN rief Abraham zum zweiten Mal vom Himmel her zu 16 und sprach: Ich habe bei mir geschworen – Spruch des HERRN: Weil du das getan hast und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast, 17 will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen überaus zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand. Deine Nachkommen werden das Tor ihrer Feinde einnehmen. 18 Segnen werden sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde, weil du auf meine Stimme gehört hast.

In der zweiten Lesung hören wir die dramatische Glaubensprobe, durch die Gott Abrahams Glauben prüft. Auch hier ist das Thema das Leben. Wie viele Jahre hat Abraham sehnlichst auf einen Sohn gewartet! So viele Jahre konnten seine Frau und er keine Kinder haben und dann schenkte Gott ihm endlich einen Sohn, den er Isaak genannt hat. Abraham ist dadurch die Botschaft zuteil geworden, dass Gott wirklich ein Gott des Lebens ist. Er kann aus Unfruchtbarkeit Fruchtbarkeit entstehen lassen.
Doch dann der Schock. Der Gott des Lebens fordert von Abraham, dass er seinen Sohn auf einem der Berge im Land Morija als Brandopfer darbringt! Abraham wird es nicht verstanden haben. Wie sehr hat er sich doch nach all den Jahren gefreut, einen Sohn in seinen Armen halten zu dürfen, den er als direktes Geschenk von Gott verstanden hat. Und nun soll er seinen Sohn töten. Er wird es nicht begriffen haben, doch zugleich hat er Gott vertraut. Er hat vertraut, dass Gott sogar Tote zum Leben erwecken kann. Ohne Widerrede macht er sich also auf den Weg.
Diese Episode nimmt typologisch das vorweg, was wir in diesen Tagen gefeiert haben:
Der Vater gibt seinen Sohn dahin. Abraham ist bereit, Isaak zu opfern, doch im letzten Moment gebietet ihm ein Engel des Herrn Einhalt. Gott Vater selbst hat seinen Sohn aber nicht verschont, sondern dieser ist auf die grausamste Weise geopfert worden, die es gab.
Abraham und Isaak gehen in das Land Morija und besteigen einen der Berge. Das ist die Gegend, die wir zur Zeit Jesu Jerusalem und mit der umliegenden Hügellandschaft nennen! Es ist derselbe Ort.
Der junge Isaak trägt das Holz für das Opfer den Berg hinauf. So trägt Jesus sein Opferholz selbst den Golgota hinauf.
Auf die Frage des ahnungslosen Sohnes hin, wo das Opferlamm sei, antwortet Abraham: Gott wird sich das Lamm für das Brandopfer ausersehen, mein Sohn.“ Ja, er hat sich für das Kreuzesopfer seinen eigenen Sohn ausersehen, das wahre Opferlamm!
Abraham hat die Prüfung bestanden. Kurz bevor er die Tat begehen kann, wird er von einem Engel gestoppt und erhält die Zusage, seinen Glauben wirklich bewiesen zu haben. Gott wird ihn reichlich segnen und sehr fruchtbar machen, weil er ganz auf seine Güte vertraut hat. So wird Gott am Ende wieder zum Gott des Lebens – und das alles auf besonders intensive Weise!

Ps 16
5 Der HERR ist mein Erbanteil, er reicht mir den Becher, du bist es, der mein Los hält. 8 Ich habe mir den HERRN beständig vor Augen gestellt, weil er zu meiner Rechten ist, wanke ich nicht. 9 Darum freut sich mein Herz und jubelt meine Ehre, auch mein Fleisch wird wohnen in Sicherheit. 10 Denn du überlässt mein Leben nicht der Totenwelt; du lässt deinen Frommen die Grube nicht schauen. 2 Ich sagte zum HERRN: Mein Herr bist du, mein ganzes Glück bist du allein.11 Du lässt mich den Weg des Lebens erkennen. Freude in Fülle vor deinem Angesicht, Wonnen in deiner Rechten für alle Zeit.

Als Antwort auf diese Lesung beten wir Ps 16. Gott schenkt Freude. Das wird durch das Bild des Bechers ausgedrückt. Der Psalmist drückt sein Vertrauen auf Gott aus, das er die ganze Zeit nicht verloren hat. Der Psalm ist von König David, von dem wir sehr viele Situationen kennenlernen. So oft stand sein Leben auf der Kippe, doch weil er sich dann ganz an Gott geklammert hat, hat dieser ihn auch aus den Nöten herausgeführt.
Hätte es die Psalmen schon damals zu Zeiten des Abraham gegeben – er hätte diese Worte absolut auf sich beziehen können! Er hat den HERRN beständig vor Augen, dieser ist zu seiner Rechten. Er war es ganz besonders in der Stunde seiner Glaubensprobe und so kann Abraham sich jetzt über die wunderbare Zusage freuen. Abrahams verheißenes Kind bleibt am Leben. Das bedeutet, Abrahams Gene werden weitergegeben. Das klingt vielleicht banal, ist aber Ausdruck einer ersten Auferstehungshoffnung. Das Weiterleben in den Nachkommen ist ein ewiges Leben. So übergibt Gott Abraham nicht der Totenwelt durch den Tod seines Sohnes Isaak.
Er kann wirklich sagen nach allem, was er erlebt hat: „Mein Herr bist du, mein ganzes Glück bist du allein. Du lässt mich den Weg des Lebens erkennen.“ Gott schenkt Freude in Fülle und Wonnen. Er ist der Garant dafür, dass auch wir in unserem Leben glücklich werden.

Ex 14
15 Der HERR sprach zu Mose: Was schreist du zu mir? Sag den Israeliten, sie sollen aufbrechen. 16 Und du heb deinen Stab hoch, streck deine Hand über das Meer und spalte es, damit die Israeliten auf trockenem Boden in das Meer hineinziehen können! 17 Ich aber will das Herz der Ägypter verhärten, damit sie hinter ihnen hineinziehen. So will ich am Pharao und an seiner ganzen Streitmacht, an seinen Streitwagen und Reitern meine Herrlichkeit erweisen. 18 Die Ägypter sollen erkennen, dass ich der HERR bin, wenn ich am Pharao, an seinen Streitwagen und Reitern meine Herrlichkeit erweise. 19 Der Engel Gottes, der den Zug der Israeliten anführte, brach auf und ging nach hinten und die Wolkensäule brach auf und stellte sich hinter sie. 20 Sie kam zwischen das Lager der Ägypter und das Lager der Israeliten. Die Wolke war da und Finsternis und Blitze erhellten die Nacht. So kamen sie die ganze Nacht einander nicht näher. 21 Mose streckte seine Hand über das Meer aus und der HERR trieb die ganze Nacht das Meer durch einen starken Ostwind fort. Er ließ das Meer austrocknen und das Wasser spaltete sich. 22 Die Israeliten zogen auf trockenem Boden ins Meer hinein, während rechts und links von ihnen das Wasser wie eine Mauer stand. 23 Die Ägypter setzten ihnen nach; alle Pferde des Pharao, seine Streitwagen und Reiter zogen hinter ihnen ins Meer hinein. 24 Um die Zeit der Morgenwache blickte der HERR aus der Feuer- und Wolkensäule auf das Lager der Ägypter und brachte es in Verwirrung. 25 Er hemmte die Räder an ihren Wagen und ließ sie nur schwer vorankommen. Da sagte der Ägypter: Ich muss vor Israel fliehen; denn der HERR kämpft auf ihrer Seite gegen Ägypten. 26 Darauf sprach der HERR zu Mose: Streck deine Hand über das Meer, damit das Wasser zurückflutet und den Ägypter, seine Wagen und Reiter zudeckt! 27 Mose streckte seine Hand über das Meer und gegen Morgen flutete das Meer an seinen alten Platz zurück, während die Ägypter auf der Flucht ihm entgegenliefen. So trieb der HERR die Ägypter mitten ins Meer. 28 Das Wasser kehrte zurück und bedeckte Wagen und Reiter, die ganze Streitmacht des Pharao, die den Israeliten ins Meer nachgezogen war. Nicht ein Einziger von ihnen blieb übrig. 29 Die Israeliten aber waren auf trockenem Boden mitten durch das Meer gezogen, während rechts und links von ihnen das Wasser wie eine Mauer stand. 30 So rettete der HERR an jenem Tag Israel aus der Hand der Ägypter. Israel sah die Ägypter tot am Strand liegen. 31 Als Israel sah, dass der HERR mit mächtiger Hand an den Ägyptern gehandelt hatte, fürchtete das Volk den HERRN. Sie glaubten an den HERRN und an Mose, seinen Knecht. 1 Damals sang Mose mit den Israeliten dem HERRN dieses Lied; sie sagten: Ich singe dem HERRN ein Lied, denn er ist hoch und erhaben. Ross und Reiter warf er ins Meer.

Die nächste Lesung aus dem Buch Exodus ist wieder sehr dramatisch, denn auch hier geht es um Leben und Tod. Das Volk Israel ist nach vielen Plagen, vielen Leiden und Umwegen endlich aus Ägypten herausgekommen. Doch nun sieht es sich in der Situation einer Sackgasse am Roten Meer. Auch jetzt steht Gott seinem auserwählten Volk bei und befiehlt Mose, durch seinen Stab das Meer zu spalten, sodass das Volk hindurchschreiten kann. Gott tut dies nicht nur, um das Volk zu retten, sondern auch, um den Ägyptern seine Herrlichkeit zu erweisen – jene Herrlichkeit, die so hell strahlt wie ein Lichtmantel.
Gott ist bei seinem Volk in Form der Feuersäule und der Wolke. Er lässt seine Kinder nicht im Stich.
Der Pharao bereut indes, das Volk ziehen gelassen zu haben. So macht er sich mit seinem Heer auf den Weg, das Volk wieder zurückzuholen. Doch Gott rettet Israel, indem er es durch das Meer ziehen lässt. Schon sind die Ägypter ihnen auf den Fersen, doch die Wasserfluten decken sie zu. Gott hat dem Pharao so viele Chancen der Umkehr geschenkt. Er hat ihn immer wieder zur Umkehr aufgerufen, doch er wollte nicht hören. Dies ist ihm nun zum Verhängnis geworden. Nicht umsonst kommen die Ägypter in den Wasserfluten um. Die Geschichte wiederholt sich. Das sture Verharren in der Sünde ist es, das schon die Sintflut hervorgebracht hat. Gott ist Herr über Leben und Tod. Das wird in der heutigen Erzählung wieder besonders deutlich. Die Wahl hat der Mensch selbst, indem er sich für oder gegen den Gott des Lebens entscheidet. Gott tut alles, um die Menschen zu retten, aber irgendwann ist es zu spät. Kehren wir noch heute um! Das Wasser des Roten Meeres ist nicht nur Wiederholung der Sintflut, sondern auch die Antizipation des Taufwassers! Wir werden durch das Wasser hindurch gerettet, wenn wir uns taufen lassen! Die Taufe ist heilsnotwendig. Dies erklärt auch, warum diese Lesung von allen alttestamentlichen Lesungen, die in der Osternacht vorgesehen sind, nicht ausgelassen werden darf. Sie ist für uns so entscheidend und im Kontext des heilsgeschichtlichen Rückblicks ein Höhepunkt, dass wir sie in der Osternacht unbedingt hören müssen. Jesu Tod und Auferstehung ist nämlich ein neuer Exodus, die Befreiung des Volkes Gottes aus der Knechtschaft der Sünde. Dies wird sakramental durch die Taufe verdeutlicht!

Ex 15
Ich singe dem HERRN ein Lied, denn er ist hoch und erhaben. Ross und Reiter warf er ins Meer. 2 Meine Stärke und mein Lied ist der HERR, er ist mir zur Rettung geworden. Er ist mein Gott, ihn will ich preisen; den Gott meines Vaters will ich rühmen. 3 Der HERR ist ein Krieger, HERR ist sein Name. 4 Pharaos Wagen und seine Streitmacht warf er ins Meer. Seine besten Vorkämpfer versanken im Roten Meer. 5 Fluten deckten sie zu, sie sanken in die Tiefe wie Steine. 6 Deine Rechte, HERR, ist herrlich an Stärke; deine Rechte, HERR, zerschmettert den Feind. 13 Du lenktest in deiner Güte das Volk, das du erlöst hast, du führtest sie machtvoll zu deiner heiligen Wohnung. 17 Du wirst sie hinbringen und auf den Berg deines Erbes einpflanzen, den du, HERR, zu deiner Wohnstätte gemacht hast, um dich niederzulassen, zu einem Heiligtum, HERR, von deinen Händen gegründet. 18 Der HERR ist König für immer und ewig.

Als Antwort auf die dramatische Rettung eines ganzen Volkes durch Gottes wunderbare Vorsehung hören wir den Lobgesang des Mose, den er im Anschluss an die Rettung des Volkes gesungen hat:
Wer mit Gott lebt, ist unbezwingbar. Denn Gott ist seine Stärke und sein Lied. Er ist der Retter aus allen Gefahren und er ist es, der für seine geliebten Kinder kämpft. Gott ist stärker als die besten Kämpfer. Gott ist nicht böse, er ist nur gut. Seine Güte ist es, die das Volk durch das Rote Meer getragen hat. Er hat einen wunderbaren Heilsplan mit seinem Volk und deshalb lässt er es nicht schon vorher umkommen. Er möchte das Volk in das verheißene Land führen und auf dem Berg seines Erbes einpflanzen. Das ist der Zionsberg, Jerusalem, wo er seine Wohnstätte im Tempel einnimmt. Das Ziel ist damit aber nicht erreicht. Er wird selbst Mensch werden, um die Menschen aus einem ganz anderen Sklavenhaus zu befreien – der Sünde! Er wird einen neuen Tempel errichten, der sein eigener Leib ist und den wir als Kirche bezeichnen. Er wird am Ende der Zeiten sein Volk in seine himmlische Wohnstatt, das himmlische Jerusalem führen, wo das ewige Leben und die ewige Freude warten!

Jes 54
5 Denn dein Schöpfer ist dein Gemahl, HERR der Heerscharen ist sein Name. Der Heilige Israels ist dein Erlöser, Gott der ganzen Erde wird er genannt. 6 Ja, der HERR hat dich gerufen als verlassene, bekümmerte Frau. Kann man denn die Frau seiner Jugend verstoßen?, spricht dein Gott. 7 Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen, doch mit großem Erbarmen werde ich dich sammeln. 8 Einen Augenblick nur verbarg ich vor dir mein Gesicht in aufwallendem Zorn; aber in ewiger Huld habe ich mich deiner erbarmt, spricht dein Erlöser, der HERR. 9 Wie bei der Flut Noachs soll es für mich sein: So wie ich damals schwor, dass die Flut Noachs die Erde nie mehr überschwemmen wird, so schwöre ich jetzt, dir nie mehr zu zürnen und dich nie mehr zu schelten. 10 Mögen auch die Berge weichen und die Hügel wanken – meine Huld wird nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens nicht wanken, spricht der HERR, der Erbarmen hat mit dir.
11 Ärmste, vom Sturm Gepeitschte, die ohne Trost ist: Siehe, ich selbst lege dir ein Fundament aus Malachit und Grundmauern aus Saphir. 12 Aus Rubinen mache ich deine Zinnen, aus Beryll deine Tore und alle deine Mauern aus kostbaren Steinen. 13 Alle deine Kinder sind Schüler des HERRN und groß ist der Friede deiner Kinder. 14 Du wirst auf Gerechtigkeit gegründet sein. Du bist fern von Bedrängnis, denn du brauchst dich nicht mehr zu fürchten und bist fern von Schrecken; er kommt an dich nicht heran.

Im Folgenden verlassen wir die fünf Bücher Mose und hören nun einige prophetische Lesungen.
Der Ausschnitt aus dem Buch Jesaja ist ein verheißungsvoller Text, der an die Braut Gottes, an Israel gerichtet ist. Der historische Kontext dieses Kapitels ist das Babylonische Exil. Es ist wieder so, dass das Volk Gottes in einem Sklavenhaus gefangen ist und Gott keine Opfer frei darbringen kann. Der Tempel ist zerstört und die Heimat weit weg.
Das Kapitel beginnt mit „Freu dich, du Unfruchtbare, die nie gebar“. Das hören wir im heutigen Abschnitt nicht, aber es ist im Hinterkopf zu behalten, damit man die Begründung von Vers 5 überhaupt richtig versteht. Ganz dominant ist die Hauptmetapher in diesem und dem anschließenden Kapitel, das wir gleich noch hören werden: Gott ist Israels Bräutigam und Israel ist seine Braut, die ihm untreu geworden ist. Gott ist aber bereit, sich wieder mit ihr zu versöhnen.
„Denn dein Schöpfer ist dein Gemahl.“ Gott möchte Gemeinschaft mit seinem Volk, eine Einheit wie bei Mann und Frau. Gott wird hier nicht nur als Schöpfer betrachtet, sondern auch als Erlöser. Diese Erlösung besteht für die Israeliten zur Zeit des Babylonischen Exils in der Befreiung von der Fremdherrschaft und der Rückführung in die Heimat. Deshalb wird der Perserkönig Kyros, der ihnen sogar den Bau eines neuen Tempels gewährt, gewissermaßen als eine messianische Gestalt betrachtet. Und doch ist die Erlösung mehr als nur eine politische: Gott ist Erlöser aus einem ganz anderen Exil, das noch viel schlimmer ist – aus dem Exil der Sünde, denn durch die Ursünde war jeder Mensch aus dem Paradies verbannt! Die ultimative Erlösung besteht also in der Rückführung der Gerechten in die himmlische Heimat, zum himmlischen Tempel.
Gott ist ein treuer Gott, der seine Frau nicht verlässt, obwohl sie Ehebruch begangen hat. Er hat mit Israel einen Bund geschlossen, gleichsam einen Ehebund am Berg Sinai. Israel ist untreu geworden, doch Gott verlässt sie dennoch nicht.
Gott hat seine Braut nur kurz verlassen, nur kurz sein Gesicht vor ihr verborgen. Sie musste zu spüren bekommen, dass ihr Verhalten nicht richtig war. Gott hat die Konsequenzen der Sünde Israels zugelassen, damit es sich besinnt und umkehrt.
Gott ist barmherzig und verschont das reumütige Volk. Er hat Noah damals versprochen, nie wieder eine globale Vernichtung über seine geliebten Kinder zu bringen. Und so hält er sein Versprechen auch jetzt, wo Israel fern von seiner Heimat leben muss.
Gott verheißt Israel Stadtmauern und architektonische Elemente aus Edelsteinen. Das ist nicht die Andeutung der Errichtung eines neuen irdischen Jerusalems, sondern schon die Andeutung der himmlischen Stadt! Die Propheten des Alten Testaments, aber auch Johannes im Neuen Testament sehen die himmlische Stadt Jerusalem und auch Gott selbst so, dass sie es nur mit dem Leuchten von Edelsteinen vergleichen können. Gott verheißt dem Volk das Himmelreich!
Fern von Bedrängnis ist Jerusalem erst mit dem Abbruch der Zeiten bzw. jeder Einzelne nach dem Tod. Bis dahin wird es immer Kämpfe geben und die Gefahren bestehen weiter fort. Hier werden übernatürliche Dinge verheißen und keine irdischen Zustände.
Als Christen dürfen wir jedoch einen Einwand nennen: Sakramental wird jene verheißene Wirklichkeit schon vorweggenommen! So wird dies schon ansatzweise erfahrbar in der Kirche Jesu Christi, die eine übernatürliche Größe in der Welt ist, aber schon auf die Ewigkeit verweist. Ihre Heilsmittel, der Atem des Hl. Geistes, all diese Dinge leuchten voll der Gnade, die man mit Edelsteinen umschreiben könnte, die man nicht sieht.
All dies wird mit Jesus Christus bereits hier auf Erden beginnen, der das Reich Gottes mitten in die Welt hineingebracht hat. Es wird sich am Ende der Zeiten vollenden und offenbar werden für die ganze Welt! Gott lässt sein auserwähltes Volk nicht im Stich, sondern verheißt mitten in der Krise das Leben in Fülle!

Ps 30
2 Ich will dich erheben, HERR denn du zogst mich herauf und ließest nicht zu, dass meine Feinde sich über mich freuen.4 HERR, du hast meine Seele heraufsteigen lassen aus der Totenwelt, hast
 mich am Leben erhalten, sodass ich nicht in die Grube hinabstieg. 5 Singt und spielt dem HERRN, ihr seine Frommen, dankt im Gedenken seiner Heiligkeit! 6 Denn sein Zorn dauert nur einen Augenblick, doch seine Güte ein Leben lang. Wenn man am Abend auch weint, am Morgen herrscht wieder Jubel. 12 Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt, mein Trauergewand hast du gelöst und mich umgürtet mit Freude, 13 damit man dir Herrlichkeit singt und nicht verstummt. HERR, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.

Die Antwort auf so eine wunderbare Verheißung kann nur der Lobpreis sein. Der Psalm beginnt ganz typisch mit einer Selbstaufforderung zum Lob. König David dankt in eigener Sache, aber auch das ganze Volk Israel für die Rettung Gottes für den Sieg über die Feinde. Gott hat weder David noch das Volk sterben lassen. Gott hat jene, die vor allem moralisch auf der Kippe standen, vor der ewigen Verdammnis bewahrt. David hat sich schwer versündigt, indem er Ehebruch und Auftragsmord begangen hat. Auch das Volk Israel hat sich immer wieder durch den Götzendienst von Gott abgewandt. Doch Gott hat nicht zugelassen, dass weder sein auserwählter König noch sein auserwähltes Volk in die Irre geht. Er hat auf das Unrecht reagiert, was wir Gottes Zorn nennen. Es ist keine affektive, unkontrollierte Emotion, in der er alles zerstört, sondern eine bewusste und kontrollierte Reaktion Gottes.
Gott musste so reagieren, damit sein Volk sich auf den Bund zurückbesinnt, auf das Treueversprechen, das es ihm gegeben hat. Gott darf aufgrund dieses Bundes die Treue von Israel verlangen. Er ist eifersüchtig, aber seine Eifersucht ist eine andere als die der Menschen: Es ist nicht pathologischer Ausdruck seiner Unsicherheit, sondern das Verlangen nach der ganzen Liebe seiner Braut.
Und nachdem Israel sich besinnt hat und umgekehrt ist, ist das Heil wieder eingekehrt. So ist nun das Trauergewand in ein Freudenkleid gewandelt worden. Es ist nun eine Zeit des Freude und der Feststimmung. So ist es jedesmal, wenn ein Kind im Hl. Geist wiedergeboren wird bei der Taufe. Der Neue Bund ist ebenso ein Grund zur Freude, denn ein weiterer Mensch ist zur Braut Christi geworden und zum Erben im Reich Gottes eingesetzt worden! So ist es mit jedem Menschen, der von seiner Sünde umkehrt! Dann ist das Fest im Himmel groß! Und am Ende der Zeiten wird das ewige Hochzeitsmahl des Lammes gefeiert. Dann werden die Menschen ewig Gott loben und preisen, wie es am Ende des Psalms heißt. Das wird die ewige Tätigkeit in der Anschauung Gottes sein!

Jes 55
1 Auf, alle Durstigen, kommt zum Wasser! Die ihr kein Geld habt, kommt, kauft Getreide und esst, kommt und kauft ohne Geld und ohne Bezahlung Wein und Milch! 2 Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht? Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch laben an fetten Speisen! 3 Neigt euer Ohr und kommt zu mir, hört und ihr werdet aufleben! Ich schließe mit euch einen ewigen Bund: Die Erweise der Huld für David sind beständig. 4 Siehe, ich habe ihn zum Zeugen für die Völker gemacht, zum Fürsten und Gebieter der Nationen. 5 Siehe, eine Nation, die du nicht kennst, wirst du rufen und eine Nation, die dich nicht kannte, eilt zu dir, um des HERRN, deines Gottes, des Heiligen Israels willen, weil er dich herrlich gemacht hat.6 Sucht den HERRN, er lässt sich finden, ruft ihn an, er ist nah! 7 Der Frevler soll seinen Weg verlassen, der Übeltäter seine Pläne. Er kehre um zum HERRN, damit er Erbarmen hat mit ihm, und zu unserem Gott; denn er ist groß im Verzeihen.
8 Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des HERRN. 9 So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken. 10 Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, ohne die Erde zu tränken und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen, dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, 11 so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, ohne zu bewirken, was ich will, und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.

Als nächstes hören wir einen Ausschnitt aus dem Buch Jesaja, der ein Kapitel später erscheint. Auch hier geht es wieder um das Leben, nämlich um das ewige Leben. Die Durstigen, die zum Wasser kommen, sind die Menschen, die nach Gott dürsten. Es geht nicht um herkömmliches Wasser, das man zur Durstlöschung des Körpers verwendet, sondern um das lebendige Wasser für die Seele. Wir verstehen aus christlicher Sicht, was damit gemeint ist: Der Heilige Geist! Dieser ist es, der bei der Schöpfung über der Urflut schwebt. Dieser ist es, der dem Menschen die ewige Seele einhaucht. Dieser ist es, der auch den ersten Menschen der neuen Schöpfung zum Leben erweckt! Das Leben kommt von Gott – nicht nur das biologische Leben, sondern auch das ewige! Auch gerade das Leben in Fülle, das heißt ein gesegnetes Dasein, kann nur Gott garantieren. Was der Mensch alleine versucht, wird ihn nicht glücklich machen. Auf das Volk Israel bezogen ist es die Anbetung irgendwelcher Götzen, die es in die Babylonische Gefangenschaft gebracht hat. Was versucht der Mensch nicht alles, um glücklich zu werden! Wie viel investieren auch wir bis heute in irdische Güter, damit wir uns selbst ein Leben in Fülle beschaffen? Und doch sind die Herzen der Menschen leerer als sonst, weil sie Gott nicht darin haben. Gottes Gnade, die uns glücklich machen kann, die uns das Leben in Fülle schenkt, kostet nichts! Der einzige Preis ist das Hören auf Gott.
„Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch laben an fetten Speisen! Neigt euer Ohr und kommt zu mir, hört und ihr werdet aufleben!“ Leben wir in Gemeinschaft und Einklang mit dem Willen Gottes, dann werden auch wir ein Leben in Fülle haben! Gott ist ein Gott des Lebens. Jesus hat ihm bis ans Kreuz vertraut. Er hat in allem den Willen seines Vaters getan und so hat dieser ihn von den Toten auferweckt! Dies sei uns ein Beispiel, damit auch wir am Ende leben, auch wenn wir sterben!
„Ich schließe mit euch einen ewigen Bund.“ Dies hat Gott im Laufe der Heilsgeschichte immer wieder erneuert. Dann auf der Höhe der Zeit ist er selbst Mensch geworden, um am Kreuz einen Neuen Bund zu besiegeln, aber nicht mehr nur mit dem Volk Israel, sondern mit der ganzen Welt!
Er hat diesen Bund geschlossen durch den neuen David, den Sohn Davids, den Messias. Schon Jesaja kündigt an, dass es ein Bund mit den Völkern sein wird, also mit den Heiden! Es wird eine übernatürliche Nation sein, keine an irdische Nationalität gebundene. Es wird ein Volk sein aus allen Nationen der Erde! Deshalb wird es eine Nation sein, die Israel zur Zeit Jesajas noch nicht kennt.
Israel wird dazu ermutigt, Gott anzurufen, denn Gott erhört die Bitten seines Volkes!
Jetzt ist die Zeit der Umkehr gekommen! Gott hat Pläne, die das Volk zu jener Zeit noch gar nicht erahnen kann. Sein wunderbarer Heilsplan erreicht ein neues Level. Bald kommt der Messias und dieser ist Gott selbst. Es ist Gottes gesprochenes Wort, das auf die Erde kommt, dort Frucht bringt und so die Erde nicht ohne seine Spuren verlässt. Wir haben schon in der ersten Lesung gehört, dass alles durch das gesprochene Wort Gottes geschaffen worden ist. Und dieses Wort wird wieder auf die Erde kommen, um eine neue Schöpfung zu begründen! Jesus Christus wird alles vollbringen, was der Vater ihm aufträgt. Er wird bis zum letzten Atemzug seinen Willen tun und dann sagen: „Es ist vollbracht!“ Er wird nicht leer zum Vater zurückkehren, sondern gefüllt mit den Seelen der vielen Geretteten! Er kommt zum Vater Hand in Hand mit den Gerechten des Alten Testaments, die sehnsüchtig auf die Öffnung der Himmelstür gewartet haben. Das ist der Ausdruck des wahren Lebens, weil es das ewige Leben bei Gott ist! Und dies passiert heute, ja jetzt in dem Moment, als Jesus im Reich des Todes jenen Gerechten das Evangelium verkündet! Und mit der Auferstehung kehren jene Heim in die himmlische Heimat aus dem Exil der Sünde! Das ist der ultimative Beweis, dass Gott ein Gott des Lebens ist!

Jes 12
2 Siehe, Gott ist mein Heil; ich vertraue und erschrecke nicht. Denn meine Stärke und mein Lied ist Gott, der HERR. Er wurde mir zum Heil. 3 Ihr werdet Wasser freudig schöpfen aus den Quellen des Heils. 4 An jenem Tag werdet ihr sagen: Dankt dem HERRN! Ruft seinen Namen an! Macht unter den Völkern seine Taten bekannt, verkündet: Sein Name ist erhaben! 5 Singt dem HERRN, denn Überragendes hat er vollbracht; bekannt gemacht sei dies auf der ganzen Erde. 6 Jauchzt und jubelt, ihr Bewohner Zions; denn groß ist in eurer Mitte der Heilige Israels.

Als Antwort auf diese Heilsbotschaft hören wir eine Art Psalm im Buch Jesaja. Es handelt sich um das Danklied der Erlösten. Die Erlösung Gottes kann nur eine Reaktion hervorrufen, nämlich den Dank und das Lob.
Gott ist mein Heil. Er ist Stärke und Lied. Das Volk Israel kann nicht anders, als auf die Verheißung von Jesaja 11 mit Lobpreis zu antworten. Dort wird der Reis aus dem Baumstumpf Isais verheißen, der Sohn Davids, der das Volk erlösen wird. Die Israeliten verstanden darunter noch eine königliche Heilsgestalt, die das Volk vor der Fremdherrschaft Assurs befreien wird. Als sie in der Babylonischen Gefangenschaft waren, werden sie darunter eine irdische und politische Erlösergestalt verstanden haben, die sie aus dem Exil befreit. Und doch verheißt Jesaja viel mehr: Denn hier geht es um das Heil Gottes, der sein Volk aus den Quellen des Heils schöpfen lassen wird! Es geht um das lebendige Wasser, um den Hl. Geist! Und dieser Geist ist es, der Leben verleiht. Hier geht es schon um übernatürliche Dinge. Der Heilige Israels ist Gott und dieser ist Mensch geworden in Jesus Christus! Wir beten diesen Lobpreis schon als Dank für die Erlösung durch den Kreuzestod Jesu Christi! Gott schenkt das ewige Leben, was noch viel existenzieller ist als das irdische Leben! Je näher wir der Zeitenwende kommen, desto mehr lernen und begreifen die Israeliten das.

Bar 3
9 Höre, Israel, die Gebote des Lebens; merkt auf, um Einsicht zu erlangen! 10 Warum, Israel, warum lebst du im Gebiet der Feinde, wirst alt in einem fremden Land, 11 bist unrein geworden, den Toten gleich, wurdest gezählt zu denen, die in die Unterwelt hinabsteigen? 12 Du hast den Quell der Weisheit verlassen. 13 Wärest du auf Gottes Weg gegangen, du wohntest in Frieden für immer. 14 Nun lerne, wo die Einsicht ist, wo Kraft und wo Klugheit, dann erkennst du zugleich, wo langes Leben und Lebensglück, wo Licht für die Augen und Frieden zu finden sind! 15 Wer hat je ihren Ort gefunden? Wer ist zu ihren Schatzkammern vorgedrungen?32 Doch der Allwissende kennt sie; er hat sie in seiner Einsicht entdeckt. Er hat ja die Erde für immer gegründet, er hat sie mit vierfüßigen Tieren bevölkert. 33 Er entsendet das Licht und es eilt dahin; er ruft es zurück und zitternd gehorcht es ihm. 34 Froh leuchten die Sterne auf ihren Posten. 35 Ruft er sie, so antworten sie: Hier sind wir. Sie leuchten mit Freude für ihren Schöpfer. 36 Das ist unser Gott; kein anderer gilt neben ihm. 37 Er hat den Weg der Erkenntnis ganz erkundet und hat sie Jakob, seinem Diener, verliehen, Israel, seinem Liebling. 38 Dann erschien sie auf der Erde und lebte mit den Menschen.1 Sie ist das Buch der Gebote Gottes, das Gesetz, das ewig besteht. Alle, die an ihr festhalten, finden das Leben; doch alle, die sie verlassen, verfallen dem Tod. 2 Kehr um, Jakob, ergreif sie! Geh in ihrem Glanz den Weg zum Licht! 3 Überlass deinen Ruhm keinem andern und deinen Vorzug keinem fremden Volk! 4 Glücklich sind wir, das Volk Israel; denn wir wissen, was Gott gefällt.

Als nächsten prophetischen Text hören wir einen Ausschnitt aus dem Propheten Baruch (zu Deutsch „der Gesegnete“). Auch hier geht es wieder um das Leben, das den roten Faden der gesamten Osternachtsliturgie darstellt.
Der Gott des Lebens erwartet vom Menschen nichts weiter, als die Gebote des Lebens zu halten, um ein Leben in Fülle zu haben.
Israel hat sich die Fremdherrschaft selbst eingebrockt, weil es die Gebote Gottes nicht gehalten hat. Israel ist durch die Sünde „den Toten gleich“ geworden. Das Abgeschnittensein von Gott ist die schlimmste Form von Tod, weil sie ewig und endgültig ist.
„Du hast den Quell der Weisheit verlassen“ – Das Volk hat sich diesen endgültigen Tod selbst gewählt. Das ist der Kern. Auch wir Menschen heute können frei wählen zwischen Leben und Tod, indem wir uns entweder für oder gegen Gott und seine Gebote entscheiden.
Lernen wir aus den Worten Baruchs an Israel „Wärest du auf Gottes Weg gegangen, du wohntest in Frieden für immer.“
Alles liegt in Gottes Hand, der die Welt geschaffen hat. Er ist es, der das Licht entsendet, das ihm zitternd gehorcht. Das ist Jesus Christus, wie wir schon zuvor bedacht und erkannt haben! Er ist dieses Licht, das auf die Erde gekommen ist. Hier die dunkle Welt erleuchtet hat und dann zum Vater zurückgekehrt ist. Dieses Licht ist den Menschen zuteil geworden und ist zugleich das Gesetz, die Torah! Jesus hat das Gesetz erfüllt, indem er erklärt hat, wie es zu verstehen ist. Und dieses Licht, das das Gesetz ist, ist zugleich das Leben.
Licht und Leben sind auch im Johannesevangelium ganz und gar eins. Und diese beiden werden dort auf das Wort, auf den Logos bezogen.
Baruch sagt ganz deutlich, dass es für das Volk noch nicht zu spät ist. Es kehre jetzt um, damit es die Chance „auf dem Weg zum Licht“ hat.
„Glücklich sind wir, das Volk Israel; denn wir wissen, was Gott gefällt.“ Ja, das Volk Israel hat die Gebote Gottes empfangen und kennt den Willen Gottes. Doch es hat trotz Wissen darum gegen die Gebote gehandelt. Dabei kann es sich glücklich schätzen, denn es weiß, welcher Weg zum ewigen Leben bei Gott führt.
Das können wir Christen umso mehr sagen. Jesus hat die Gebote ganz konkret vorgelebt, sodass wir genau wissen, wie wir leben müssen, um zum Vater zu gelangen. Wie glücklich können wir uns über die Offenbarung Gottes schätzen! Seien wir dankbar, dass er uns die Chance auf das ewige Leben schenkt!

Ps 19
8 Die Weisung des HERRN ist vollkommen, sie erquickt den Menschen. Das Zeugnis des HERRN ist verlässlich, den Unwissenden macht es weise. 9 Die Befehle des HERRN sind gerade, sie erfüllen das Herz mit Freude. Das Gebot des HERRN ist rein, es erleuchtet die Augen. 10 Die Furcht des HERRN ist lauter, sie besteht für immer. Die Urteile des HERRN sind wahrhaftig, gerecht sind sie alle. 11 Sie sind kostbarer als Gold, als Feingold in Menge. Sie sind süßer als Honig, als Honig aus Waben. 12 Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen; reichen Lohn hat, wer sie beachtet.

Mit Psalm 19 betrachten wir die Weisung des HERRN. Das ist die Torah, die in Jesus Christus Fleisch geworden ist. „Sie erquickt den Menschen.“ Ja, die Gebote zu leben bedeutet das Leben in Fülle und so muss die Seele des Menschen nicht mehr dürsten. Das können wir auch ganz und gar auf Christus beziehen, der nicht umsonst gesagt hat: „Wer Durst hat, komme zu mir und trinke (Joh 7).“
Gottes Zeugnis ist verlässlich und lehrt die Unwissenden. Jesus sagt, dass Gott sich den Unmündigen offenbart hat. Diese Weisheit ist höher als die Weisheit der Welt, so Paulus z.B. im ersten Korintherbrief.
Gott verlangt nicht, dass wir uns verbiegen und uns kaputt machen müssen. Er verlangt, dass wir gerade leben, das heißt einen Lebenswandel nach den Geboten führen sollen. Das ist nichts, was uns überfordert, sondern für den Menschen möglich! Es macht den Menschen glücklich, denn Gottes Gebote sind gerecht und viel kostbarer als alle irdischen Güter wie Gold oder Honig.
„Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen“ – das ist zunächst auf König David zu beziehen, der diesen Psalm gedichtet und selbst gebetet hat. Dies betrifft aber auch Jesus Christus, der die Gebote selbst ganz gehalten hat. Die Weisung des Herrn bringt das ewige Leben – in Buchstaben, aber vor allem als Person Jesu Christi! Deshalb sagt Jesus, dass er die Auferstehung und das Leben ist. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Keiner kommt zum Vater, außer durch ihn! Wir merken, dass mit jeder Lesung sich alles immer mehr auf Jesus Christus verdichtet! Die ganze Schrift läuft wie ein Fluchtpunkt auf ihn zusammen! Sie ist ein einziges Zeugnis für ihn.

Ez 36
16 Das Wort des HERRN erging an mich: 17 Menschensohn, als die vom Haus Israel in ihrem Land wohnten, machten sie es durch ihre Wege und ihre Taten unrein. Wie die monatliche Unreinheit der Frau waren ihre Wege in meinen Augen. 18 Da goss ich meinen Zorn über sie aus, weil sie Blut vergossen im Land und es mit ihren Götzen befleckten. 19 Ich zerstreute sie unter die Nationen; in die Länder wurden sie vertrieben. Nach ihren Wegen und nach ihren Taten habe ich sie gerichtet. 20 Als sie aber zu den Nationen kamen, entweihten sie überall, wohin sie kamen, meinen heiligen Namen; denn man sagte von ihnen: Das ist das Volk des HERRN und doch mussten sie sein Land verlassen. 21 Da tat mir mein heiliger Name leid, den das Haus Israel bei den Nationen entweihte, wohin es auch kam. 22 Darum sag zum Haus Israel: So spricht GOTT, der Herr: Nicht euretwegen handle ich, Haus Israel, sondern um meines heiligen Namens willen, den ihr bei den Nationen entweiht habt, wohin ihr auch gekommen seid. 23 Meinen großen, bei den Nationen entweihten Namen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt, werde ich wieder heiligen. Und die Nationen – Spruch GOTTES, des Herrn – werden erkennen, dass ich der HERR bin, wenn ich mich an euch vor ihren Augen als heilig erweise. 24 Ich nehme euch heraus aus den Nationen, ich sammle euch aus allen Ländern und ich bringe euch zu eurem Ackerboden. 25 Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein. Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen. 26 Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist gebe ich in euer Inneres. Ich beseitige das Herz von Stein aus eurem Fleisch und gebe euch ein Herz von Fleisch. 27 Ich gebe meinen Geist in euer Inneres und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Rechtsentscheide achtet und sie erfüllt. 28 Dann werdet ihr in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gegeben habe. Ihr werdet mir Volk sein und ich, ich werde euch Gott sein.

Als nächstes hören wir noch eine wunderbare Verheißung aus dem Buch Ezechiel. Auch hier wird der Tod als Entfernung von Gott charakterisiert („machten sie es durch ihre Wege und ihre Taten unrein“). Ezechiel bekommt eine Deutung der schlechten Zeiten Israels in der Babylonischen Gefangenschaft. Israel hat es sich selbst zuzuschreiben, „weil sie Blut vergossen im Land und es mit ihren Götzen befleckten.“ Die Zerstreuung und das Verlassen des verheißenen Landes sind Ausdruck des Zornes Gottes. Auch hier muss wieder betont werden, dass es kein Zorn ist wie bei Menschen, sondern eine angemessene und kontrollierte Reaktion Gottes auf Unrecht. Diese rettet Israel, denn dadurch kommt es zur Besinnung und kehrt um zum Leben!
Gott lässt seinen Zorn nur so lange walten, bis Israel es endlich versteht. Dann wird er sein Heil über Israel ausgießen: „Meinen großen, bei den Nationen entweihten Namen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt, werde ich wieder heiligen.“ Das klingt schon sehr christologisch für uns, die wir gestern noch die Entweihung des Namens Gottes durch die vielen Spöttereien an Jesus Christus gehört haben. Der Name Jesu, der so durch den Dreck gezogen worden ist, wird am Ende der heiligste Name, in dem so viele Zeichen und Wunder geschehen werden, der das Heil ist für alle Menschen!
„Ich nehme euch heraus aus den Nationen, ich sammle euch aus allen Ländern und ich bringe euch zu eurem Ackerboden.“ Das ist für die Israeliten die höchste Heilsbotschaft! Sie dürfen zurück in ihre Heimat und müssen nicht mehr in der Zerstreuung leben. Das ist aber auch christologisch zu verstehen: Jesus sammelt sich durch seine Erlösungstat Menschen aus allen Nationen und sie werden zu der neuen übernatürlichen Nation Gottes, dem neuen Volk, von dem wir in den vergangenen Lesungen schon gehört haben! Jesus wird sich seine Kirche sammeln, die auf den Ackerboden seines Leibes Fuß fassen wird. Sie wird schon auf Erden das Reich Gottes begründen und dann am Ende der Zeiten das verheißene Land, das himmlische Jerusalem betreten!
„Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein. Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen.“ Jesus wird vom Vater seinen Hl. Geist auf sein Volk ausgießen und dadurch die Kirche zum Leben erwecken! Es ist der Geist, der Jesus selbst zum Leben erweckt hat am Ostermorgen! Auch hier haben wir wieder ein Zeugnis für den Gott des Lebens, der immerfort aus dem Nichts Leben schafft! Er ist wahrhaft Creator, immerfort, nicht nur am Anfang der Schöpfung! Diese Geistgabe verleiht Gott jedem seiner geliebten Kinder auf besondere Weise, wenn sie getauft werden. Dann werden sie wiedergeboren im Hl. Geist. Ihnen wird das ewige Leben geschenkt als Erben im Reiche Gottes.
„Ich gebe meinen Geist in euer Inneres und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Rechtsentscheide achtet und sie erfüllt.“ Gott kann dem Menschen auch wieder neues Leben schenken, wenn er umkehrt. Dies gilt für Israel, das durch die Götzendienste von Gott abgerückt war. Dies gilt für uns, die wir getauft sind, aber durch die Sünde von Gott weggegangen sind. Auch dann ist es nicht zu spät! Auch dann möchte Gott an uns ein kleines Ostern erwirken, bei dem wir durch das Sakrament der Buße wieder leben! Und das bewirkt der Geist Gottes, der das Leben ist.
Und wenn wir in diesem versöhnten Zustand sterben, werden wir im Land der Lebenden wohnen zusammen mit der Heiligsten Dreifaltigkeit, mit allen Engeln und Heiligen. Dann werden wir Gottes Volk sein und er unser Gott für immer. Das ist schon mehr als nur das verheißene Land Israel. Es geht um das ewige Leben.

Ps 42-43
3 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht? 5 Ich denke daran und schütte vor mir meine Seele aus: Ich will in einer Schar einherziehn. Ich will in ihr zum Haus Gottes schreiten, im Schall von Jubel und Dank in festlich wogender Menge. 10 Sagen will ich zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mich vergessen? Warum muss ich trauernd einhergehn, von meinem Feind unterdrückt? 3 Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen mich leiten; sie sollen mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen. 4 So will ich kommen zu Gottes Altar, zum Gott meiner Freude und meines Jubels. Ich will dir danken zur Leier, Gott, du mein Gott.

Auf diese wunderbare Verheißung antworten wir mit Sehnsucht. Ja, wir können es kaum erwarten, dass dies geschieht. Wir warten darauf, dass Jesus von den Toten aufersteht, damit wir das ewige Leben haben können. Wir sind schon erlöst, aber doch fiebern wir in der Liturgie heilsgeschichtlich mit. Wir sehnen uns darüber hinaus nach dem zweiten Kommen Jesu Christi, nach der Erlösung von dem Leiden dieser Welt, das immer größer wird. Wir sehnen uns nach der ewigen Gemeinschaft mit Gott, von der wir aus dem Ezechielbuch gehört haben.
„Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“ Der Mensch hat Durst, bis er nicht von Gott trinkt. Und Jesus hat es schon der Samariterin am Jakobsbrunnen erklärt: Wer von diesem Wasser trinkt, wird nie mehr dürsten.
Wir klagen Gott unser Leid, die wir trauernd einhergehen. Der Feind unterdrückt uns sehr und die Tendenz ist steigend. Doch auch wenn wir klagen: „Warum hast du mich vergessen?“ Ist dem nicht so. Gott vergisst uns nie. Er hat seinen eigenen Sohn dahingegeben, damit wir das ewige Leben haben und die Rettung unseres Lebens erfahren.
„Sende dein Licht und deine Wahrheit.“ Dies ist eine tiefgründige Bitte, die unsere Sehnsucht nach dem Messias ausdrückt. So oft haben wir jetzt gehört, dass er das Licht ist, das Gott in diese Welt gesandt hat. Er ist die Wahrheit, wie er selbst im Johannesevangelium erklärt hat. Die Menschen, die den Psalm beten, ersehnen den Messias, der noch nicht gekommen ist. Wir ersehnen die Wiederkunft Christi am Ende der Zeiten.
Und dieser Christus, der die Wahrheit ist, hat schon gesagt, dass wir nur durch ihn zum Vater gelangen. Und hier im Psalm wird das schon deutlich, wenn es heißt: „Sie sollen mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen. So will ich kommen zu Gottes Altar, zum Gott meiner Freude und meines Jubels.“ Der heilige Berg ist Zion. Gemeint ist für die Juden zunächst das Kommen zum Tempel in Jerusalem auf dem Zionsberg. Wir verstehen es aber schon christologisch: Wir kommen durch Christus zum himmlischen Zion. Dieses wird sakramental schon vorweggenommen in jeder Heiligen Eucharistie. Da berühren sich Himmel und Erde. Dort ist nicht nur der irdische und sichtbare Altar, sondern zugleich der himmlische Altar Gottes, den wir nicht sehen. Die Wohnungen, von denen der Psalm spricht, greift Jesus in seiner Abschiedsrede am Abend vor seinem Leiden auf, wenn er seinen Aposteln sagt: „Bei meinem Vater gibt es viele Wohnungen.“ Es ist der Lebensraum des Himmels, der mit diesem Bild ausgedrückt wird.
Dort werden alle Seelen Gott ewig danken zu der Leier (ein Instrument). Da wird ewiger himmlischer Lobpreis stattfinden.

Röm 6
3 Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? 4 Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln. 5 Wenn wir nämlich mit der Gestalt seines Todes verbunden wurden, dann werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein. 6 Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde, sodass wir nicht mehr Sklaven der Sünde sind. 7 Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. 8 Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden. 9 Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn. 10 Denn durch sein Sterben ist er ein für alle Mal gestorben für die Sünde, sein Leben aber lebt er für Gott. 11 So begreift auch ihr euch als Menschen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus.

Tod und Leben. Die ganze Heilsgeschichte läuft hinaus auf den Tod Jesu Christi am Kreuz, der am dritten Tage von den Toten auferstanden ist! Und dies geschieht just in dieser Liturgie! Jesus ist auferstanden und unser Gloria weist darauf hin. Nun hören wir aus dem Neuen Testament aus der Perspektive des bereits auferstandenen Jesus Christus. Paulus reflektiert darin, dass unsere Taufe, der Bundesschluss mit Gott, auf diesem Osterereignis gründet:
„Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?“ Das fasst unsere Taufe zusammen. Dass wir diesen Neuen Bund mit Gott überhaupt eingehen können und zu seinen Kindern, zu Erben des Reiches Gottes werden können, verdanken wir dem Tod Jesu Christi!
Unser alter Mensch ist mit Christus zusammen begraben worden. Unsere alte, sündige Natur, die dem ewigen Verderben geweiht war, ist zusammen mit Jesus Christus gestorben. Wir sind durch die Taufe zum neuen ewigen Leben auferweckt! Dadurch sind wir Christen österliche Menschen geworden! Und so wie Jesus jetzt ewig beim Vater lebt, so werden auch wir das ewige Leben beim Vater haben, auch wenn wir biologisch sterben.
Jesus hat unser altes Menschsein mit ans Kreuz genommen, damit wir für die Sünde mitsterben. Er hat uns dadurch aus der ewigen Sklaverei, aus dem ewigen Exil befreit, damit auch wir mit ihm leben würden. So wie Christus durch die Auferstehung den Tod endgültig besiegt hat, kann dieser auch uns nicht mehr schaden.
Wir sind für die Sünde tot, aber leben für Gott. Das ist der Grund für eine unerschütterliche Hoffnung bis zum letzten Atemzug! Wir sehen, wie so viele der ersten Christen mit einem Lobpreis und Jubel auf den Lippen in den Tod gegangen sind für diese Osterbotschaft! Nur ein einziger Apostel ist eines natürlichen Todes gestorben. Alle anderen wurden für diese Botschaft umgebracht. Und sie haben bis zum Schluss daran festgehalten. Das zeigt, dass es wahr ist, dass Jesus lebt! Auch wir dürfen diese unerschütterliche Hoffnung haben und unser Leben auf dieser österlichen Botschaft aufbauen, die wir auf dieses Ereignis hin getauft sind.

Ps 118
1 Dankt dem HERRN, denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig! 2 So soll Israel sagen: Denn seine Huld währt ewig. 16 die Rechte des HERRN, sie erhöht, die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie. 17 Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des HERRN zu verkünden. 22 Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden. 23 Vom HERRN her ist dies gewirkt, ein Wunder in unseren Augen.

Aufgrund dieses Ereignisses und der überwältigenden Gnade Gottes können wir nicht anders, als unser ganzes Leben als Dankesopfer für den Herrn darzubringen. So wird Psalm 118 zu unserem Lebensprogramm. Ja, Gottes Huld währt ewig, denn er ist gut. Kein anderer Gott hat sich jemals von seinen geliebten Kindern umbringen lassen, um ebenjene von allen Sünden zu erlösen!
Gott hat durch die Auferstehung seines Sohnes wirklich seine Macht bewiesen. Das war die größte Heilstat aller Zeiten, die die Menschen gestern, heute und morgen erlöst hat!
Und deshalb darf der Mensch voller Freude sagen: „Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des HERRN zu verkünden.“ Ja, das ist die einzig angemessene Antwort auf die Erlösung, die uns zuteilgeworden ist – ihn zu verkünden und immerfort Zeugnis für ihn abzulegen.
Jesus Christus ist wirklich zum Eckstein geworden, nachdem die Bauleute ihn verworfen haben. Dies greifen die Autoren des Neuen Testaments auf wie Petrus im ersten Petrusbrief oder Paulus im Römerbrief. Ja, Jesus selbst hat dieses Schriftwort aufgegriffen und auf sich bezogen, wie wir in allen synoptischen Evangelien lesen. Die Menschen haben ihn nicht angenommen, aber Gott hat diese Ablehnung wiederum ins Heil umgekehrt. Gott ist ein Gott des Heils und hat somit der gesamten Menschheit die Rettung gebracht.

Mt 28
1 Nach dem Sabbat, beim Anbruch des ersten Tages der Woche, kamen Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. 2 Und siehe, es geschah ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 3 Sein Aussehen war wie ein Blitz und sein Gewand weiß wie Schnee. 4 Aus Furcht vor ihm erbebten die Wächter und waren wie tot. 5 Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. 6 Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch den Ort an, wo er lag! 7 Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden und siehe, er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. 8 Sogleich verließen sie das Grab voll Furcht und großer Freude und sie eilten zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.
9 Und siehe, Jesus kam ihnen entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. 10 Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen.

Und nun, meine Lieben, hören wir die wunderbare Osterbotschaft:
Am ersten Tag der Woche, als der Sabbat vorbei ist, das zugleich das Wochenende des Pessachfestes war, kommen die Frauen zum Grab, um nach dem Leichnam zu sehen. Es hat eine tiefe Bedeutung, dass Jesus am ersten Tag der Woche auferstanden ist. Es gibt zu jener Zeit schon länger jüdische Traditionen (Qumran etc.), denen nach die messianische Heilszeit an Tag 8 anbricht. Somit treten wir Christen als österliche Menschen in eine neue heilsgeschichtliche Epoche ein im Gegensatz zu den Juden, die den Sabbat am siebten Tag feiern! Jesus als Messias lebt wieder am achten Tag. Für die essenischen Kreise ein absolutes Signal und eine Bestätigung ihrer Schriften! Aus Sicht der neuen Schöpfung ist es wirklich der erste Tag, analog zum ersten Tag der alten Schöpfung, an dem Gott das Licht geschaffen hat. Der Kreis schließt sich – Jesus, das Licht der Welt, lebt!
Bei Matthäus hören wir von einem kosmischen Zeichen bei der Auferstehung – einem Erdbeben. Das ist ganz typisch, weil es ein Zeichen der Theophanie Gottes ist. Wo Gott anwesend ist, gibt es immer wieder meteorologische Phänomene wie Gewitter, Wolken oder wie jetzt das Erdbeben. Ein Engel des Herrn wälzt laut Matthäus den Stein weg. Er leuchtet hell und deshalb vergleicht Matthäus sein Aussehen mit einem Blitz und mit Schnee. Das ist die Gnade und Herrlichkeit des Himmels, die so hell leuchtet. Wir haben die Lichtmetapher jetzt schon sehr oft gehört.
Die Wächter der Römer, die das Grab bewachen mussten (man hatte Angst, dass die Jünger Jesu den Leichnam stehlen würden), waren überwältigt und konnten nichts tun. Sie erstarren vor der Herrlichkeit Gottes!
Und dann kommt die Botschaft, die uns die gesamte Bibel hindurch immer wieder begegnet: „Fürchtet euch nicht!“
Der Engel erklärt den Frauen, dass der Gekreuzigte, den sie suchen, nicht mehr da ist, weil er auferstanden ist!
Die Frauen schauen mit eigenen Augen, dass das Grab leer ist. Sie sollen zu den Aposteln gehen und ihnen die frohe Botschaft bringen. Aus dem Grund wird Maria Magdalena in der Kirche als Apostolin der Apostel verehrt. Sie hat ihnen die frohe Botschaft als erste verkündet. Weil sie Jesus immer mit einer besonders innigen Liebe geliebt hat, ist ihr diese Ehre zuteil geworden.
Der Engel kündigt den Frauen an, dass Jesus den Jüngern nach Galiläa vorausgehe.
Und dann sehen sie Jesus, den sie so sehr betrauert haben! Er lebt! Jesus lebt! Er ist echt, denn sie umfassen seine Füße. Er ist keine Fata Morgana, er ist leibhaftig bei ihnen. Auch er spricht zu ihnen und sagt ihnen, dass sie den Aposteln den Aufbruch nach Galiläa verkünden sollen, wohin er ihnen vorausgehe.
Jesus lebt – nicht nur geistig, sondern mit Leib und Seele! Er ist wahrhaftig mitten unter den Menschen. Bei den anderen Evangelisten hören wir sogar, dass Jesus etwas isst. Er ist leibhaftig auferstanden und diese Botschaft kann uns keiner nehmen! So wie er leiblich auferstanden ist, so werden auch wir am Ende der Zeiten mit Leib und Seele auferstehen. Das ist die Eigenschaft der neuen Schöpfung, zu der Jesus und Maria schon gehören.

Gott ist ein Gott des Lebens. Das ist die Hauptbotschaft von Ostern. Die ganze heilsgeschichtliche Zusammenfassung atmet diese Botschaft mit jedem Buchstaben. Gott ist ein Gott des Lebens und wenn wir zu ihm kommen, dann leben auch wir.

Halleluja, Jesus lebt!

Ihre Magstrauss

Karfreitag

Jes 52,13 – 53,12; Ps 31,2 u. 6.12-13.15-16.17 u. 25; Hebr 4,14-16; 5,7-9; Joh 18,1-19,42

Heute ist zugleich der traurigste Tag und der Moment der größten Liebe Gottes gekommen. Eigentlich haben wir jeden Grund zur Freude, denn durch die Ereignisse, derer wir heute gedenken, ist uns das ewige Heil geschenkt worden. Dennoch tut es uns weh, Jesus so leiden zu sehen.

Jes 52-53
13 Siehe, mein Knecht wird Erfolg haben, er wird sich erheben und erhaben und sehr hoch sein.

14 Wie sich viele über dich entsetzt haben – so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch, seine Gestalt war nicht mehr die eines Menschen – ,
15 so wird er viele Nationen entsühnen, Könige schließen vor ihm ihren Mund. Denn was man ihnen noch nie erzählt hat, das sehen sie nun; was sie niemals hörten, das erfahren sie jetzt.
1 Wer hat geglaubt, was wir gehört haben? Der Arm des HERRN – wem wurde er offenbar?
2 Vor seinen Augen wuchs er auf wie ein junger Spross, wie ein Wurzeltrieb aus trockenem Boden. Er hatte keine schöne und edle Gestalt, sodass wir ihn anschauen mochten. Er sah nicht so aus, dass wir Gefallen fanden an ihm.
3 Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut. Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, war er verachtet; wir schätzten ihn nicht.
4 Aber er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt.
5 Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Vergehen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Züchtigung auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt.
6 Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, jeder ging für sich seinen Weg. Doch der HERR ließ auf ihn treffen die Schuld von uns allen.
7 Er wurde bedrängt und misshandelt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf vor seinen Scherern verstummt, so tat auch er seinen Mund nicht auf.
8 Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft, doch wen kümmerte sein Geschick? Er wurde vom Land der Lebenden abgeschnitten und wegen der Vergehen meines Volkes zu Tode getroffen.
9 Bei den Frevlern gab man ihm sein Grab und bei den Reichen seine Ruhestätte, obwohl er kein Unrecht getan hat und kein trügerisches Wort in seinem Mund war.
10 Doch der HERR hat Gefallen an dem von Krankheit Zermalmten. Wenn du, Gott, sein Leben als Schuldopfer einsetzt, wird er Nachkommen sehen und lange leben. Was dem HERRN gefällt, wird durch seine Hand gelingen.
11 Nachdem er vieles ertrug, erblickt er das Licht. Er sättigt sich an Erkenntnis. Mein Knecht, der gerechte, macht die Vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich.
12 Deshalb gebe ich ihm Anteil unter den Großen und mit Mächtigen teilt er die Beute, weil er sein Leben dem Tod preisgab und sich unter die Abtrünnigen rechnen ließ. Er hob die Sünden der Vielen auf und trat für die Abtrünnigen ein.

Wir hören heute als erste Lesung das gesamte vierte Gottesknechtslied. Es handelt vom Leiden und Sterben des Gottesknechtes, den wir mit Jesus identifizieren. So findet die Serie der Gottesknechtslieder ihren Abschluss mit dem Höhepunkt des Leidens Jesu Christi.
„Siehe, mein Knecht wird Erfolg haben…“ – Dies wird zukünftig verheißen. Ja, Jesus wird Erfolg haben zunächst darin, alles gehorsam auszuhalten bis zum letzten Atemzug. Er wird dadurch aber dann den Tod überwinden und den Satan entmachten. Er wird sich erheben aus dem Grab und er wird sehr hoch sein, nicht nur angenagelt ans Kreuz, sondern vor allem österlich erhaben mit seinem Auferstehungsleib. Er wird vom Vater verherrlicht werden und zu seiner Rechten Platz nehmen.
Demgegenüber steht der leidende Jesus in krassem Gegensatz. Bevor er nämlich verherrlicht werden kann, muss er in den ärgsten Schmutz fallen, Unglaubliches erleiden. Er ist ganz entstellt. Uns steht am ehesten der Anblick Jesu nach Mel Gibsons Passion vor Augen. Ja, wie entstellt er am Ende aussah, nicht mehr wie ein Mensch. Die Geißelhiebe, die Schläge, die Brüche im Gesicht, das viele Blut. Man erkennt ihn nicht mehr wieder vor lauter offenen Wunden und bloßliegenden Knochen.
Und all dies hat er mit sich machen lassen, um die Sünde der Welt zu sühnen. Hier ist die Rede von den gojim, von den heidnischen Völkern. Sein Leiden hat wirklich universal gesühnt!
Was man bisher noch nie gehört hat, sieht man dann an Jesus. Es ist deshalb neu, weil zwar immer wieder messianische Verheißungen in der Hl. Schrift zu lesen sind, aber dass der Sohn Gottes hingerichtet werden würde, das ist so nie begriffen worden. Es ist eher noch so, dass man bis dahin davon überzeugt war, dass ein Gehenkter ein von Gott Verfluchter sei (Dtn 21,23). Nun wendet sich das Blatt. Das Zeichen der größten Schande, das Kreuz, ist zum Zeichen des Triumphes und des Heils geworden.
„Vor seinen Augen wuchs er auf wie ein junger Spross, wie ein Wurzeltrieb aus trockenem Boden“: Der junge Spross und Wurzeltrieb erinnert uns an eine andere messianische Verheißung, die wir von Jesaja kennen. In Jes 11 ist schon die Rede davon, allerdings wird für Spross das Wort nezer gebraucht, während hier יוֹנֵק joneq steht. Es bleibt aber bei demselben Wurzeltrieb שֹּׁ֨רֶש schoresch. Der Bezug ist klar. Dieser angekündigte Messias ist es, der in der Gegenwart Gottes ganz normal aufgewachsen ist wie jeder andere Mensch. Wenn es dann weiterhin heißt, dass er keine edle und schöne Gestalt zum Ansehen hätte, kann man es mehrdeutig verstehen. Es ist wahrscheinlich nicht sein tatsächliches Aussehen gemeint, dass wir daraus schließen, Jesus sei hässlich gewesen. Es geht vielmehr um sein Ansehen in der Gesellschaft, um seinen Beruf und sein Auftreten. Er ist nicht so prunkvoll aufgetreten, dass sich alle nach ihm umdrehen. Im Gegenteil, er lebte ein armes und einfaches Leben in aller Schlichtheit.
Ja, Jesus wurde sehr verachtet, insbesondere in seinen letzten Tagen. Ganz rasant schlug der Hosannaruf des Palmsonntags ins „Kreuzige ihn“ um. Wie viele unzählige Male ist Jesus durch all die Spöttereien das Herz gebrochen worden!
Keiner kann besser sagen, er sei ein Mann voller Schmerzen als Jesus Christus! Was er erlitten hat, hätte kein Mensch so lange durchgehalten. Die Henker haben schon bei der Geißelung so sehr übertrieben, dass ein gewöhnlicher Mensch dies nicht lange überlebt hätte. Und dann trug er noch das Kreuz bzw. dessen Querbalken durch die Stadt und den Golgotahügel hoch.
Jesus hat das alles aber für uns getragen und ausgehalten. Er hat es als Sühne für unsere Sünden getan, doch die Menschen haben ihn abgeschrieben als Gottverfluchten (Dtn 21).
Wir müssen bedenken, dass diese Prophezeiung 700 Jahre vor Christi Geburt gegeben worden ist. Damals hat Jesaja schon vorhergesagt, dass Jesus durchbohrt werden würde. Die Nägel an Händen und Füßen haben ihn ans Kreuz geheftet. Es ist für unsere Vergehen geschehen. Doch durch seine Wunden sind wir geheilt. Das ist die Botschaft von Karfreitag. Wir danken voller Mitgefühl dem Herrn für diese Heilung.
Es musste sein, denn die Menschheit war wie verirrte Schafe. Jeder ging seinen Weg im Gegensatz zum Weg des Herrn, von dem in den Psalmen immer wieder die Rede ist. Das ist ein Bild für den Lebenswandel des Menschen. Die gesamte Menschheit wandelte wo auch immer, aber nicht auf dem Weg der Gebote Gottes.
Jesus hat nicht nur alles auf sich genommen, er hat seinen Mund nicht aufgemacht. Er hätte sich beschweren können, er hätte Vorwürfe machen können. Nichts davon hat man aus seinem Mund gehört. Selbst im Prozess rechtfertigt er sich nicht. Er schweigt und lässt das Urteil über sich ergehen.
Er ist wirklich das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt, wie Johannes am Jordan schon gesagt hat. Weil er selbst zum Lamm geworden ist, weiß er wie seine Schafe sind. Er weiß um jedes Leiden, weil er es selbst getragen hat. So ein Hirte ist Jesus Christus!
„Bei den Frevlern gab man ihm sein Grab“ – Jesus ist in einem ganz neuen Grab beigesetzt worden, das Josef von Arimatäa bereitgestellt hat. Dieser Vers in Jesaja ist jedoch eher auf das Sterben am Kreuz zu beziehen. Jesus ist inmitten von Verbrechern gestorben und eigentlich wurden die Leichname der Gekreuzigten bei den Römern einfach verscharrt. In Judäa zur Zeit des Pilatus ist den Juden aber so einiges an Privilegien zuteil geworden, sodass man ihnen ein Begräbnis erlaubte. Womöglich können wir den Vers auch so verstehen, dass Jesus in Jerusalem bestattet worden ist, dem Ort der Frevler. Schließlich ist es die jerusalemer Tempelelite, die die Intrige sowie den Tod veranlasst hat. Da Jesus in eine Gruft gelegt worden war, kann man durchaus von einem gewissen Reichtum des Josef von Arimatäa ausgehen.
Jesus ist das Weizenkorn, das in die Erde fällt und dadurch Frucht bringt. Gott hat dieses Opfer nämlich angenommen und so sind bis heute unzählige Menschen als Kinder Gottes gewonnen worden! Das ist eine viel größere Fruchtbarkeit als die biologische. Jesus hat wahrlich viele Nachkommen!
Nicht mal 48 Stunden später erblickt Jesus das Licht. Er liegt nicht lange im Grab, denn der Ostermorgen naht!
Der gerechte Knecht macht die vielen gerecht. Er hat uns alle vor Gott gerecht gemacht und so müssen wir uns jeden Tag aufs Neue fragen: Wird mein Lebenswandel, zu dem ich nun befähigt bin, dem gerecht, dass Jesus für mich gestorben ist?
Der Vater gibt ihm wahrlich den Anteil. Jesus sitzt nun zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten. Am Ende hat er triumphiert!

Ps 31
2 HERR, bei dir habe ich mich geborgen. Lass mich nicht zuschanden werden in Ewigkeit; rette mich in deiner Gerechtigkeit!
6 In deine Hand lege ich voll Vertrauen meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du Gott der Treue.
12 Vor all meinen Bedrängern wurde ich zum Spott, zum Spott sogar für meine Nachbarn. Meinen Freunden wurde ich zum Schrecken, wer mich auf der Straße sieht, der flieht vor mir.
13 Ich bin dem Gedächtnis entschwunden wie ein Toter, bin geworden wie ein zerbrochenes Gefäß.
15 Ich aber, HERR, ich habe dir vertraut, ich habe gesagt: Mein Gott bist du.
16 In deiner Hand steht meine Zeit; entreiß mich der Hand meiner Feinde und Verfolger!
17 Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht, hilf mir in deiner Huld!
25 Euer Herz sei stark und unverzagt, ihr alle, die ihr den HERRN erwartet.

Im Psalm beten wir ganz vertrauensvolle Worte. Wir beten sie zusammen mit Jesus, der am Kreuz nach Luft ringt und dessen Lebenskraft immer mehr schwindet. Wir beten gemeinsam mit dem, der sich dort hängend ganz alleinegelassen fühlt und diese Einsamkeit aushält.
„HERR, bei dir habe ich mich geborgen.“ Jesus hat sich wirklich immer ganz dem Vater anvertraut. Immer wieder hat er Gebetszeiten gehalten, in denen er ganz innigst mit seinem Vater gesprochen hat. Er und der Vater sind eins.
Und so hält er auch daran fest, als er am Kreuz hängt. Er bittet ihn daher: „Lass mich nicht zuschanden werden in Ewigkeit; rette mich in deiner Gerechtigkeit!“ Er hat somit den Menschen ein Beispiel gegeben, wie sie in ihrem Leiden am Vater festhalten, sich gleichsam an ihn klammern sollen. So hat es schon David getan, dem wir diesen Psalm verdanken, und Gott hat ihn nie enttäuscht.
„In deine Hand lege ich voll Vertrauen meinen Geist“ ist ein Schriftwort, das Jesus der lukanischen Überlieferung nach gebetet hat. Er hat Gott wirklich ganz vertraut, selbst in der Stunde seines Todes.
Er hat dort schon diesen Psalm gebetet, ja diesen Vers, bei dem es weiterhin heißt: „Du hast mich erlöst, HERR, du Gott der Treue.“ Es ist auch nichts Anderes zu erwarten, denn nur kurze Zeit zuvor hat Jesus seinen geliebten Freund Lazarus von den Toten erweckt und dabei kein Bittgebet zum Vater formuliert, sondern einen Dank für die Gebetserhörung! Und er hat auch vor allen Anwesenden gesagt: „Ich weiß, dass du mich immer erhörst.“ Und mit dieser Gewissheit ist Jesus auch gestorben.
Gebe Gott, dass auch wir mit so einem festen Vertrauen unseren letzten Atemzug machen!
Jesus wurde wahrlich zum Inbegriff des Spotts – seinen Bedrängern, die ihn loswerden wollten, den Jerusalempilgern, die vorbeizogen, sogar denen, die neben ihm am Kreuz hingen!
Jesus hat sogar seine besten Freunde nicht an seiner Seite. Die meisten von ihnen verstecken sich irgendwo, einer von ihnen hat ihn den „Bedrängern“ ausgeliefert und lebt nicht mehr, der andere hat ihn ganz feige verleugnet. Nur Johannes steht unter dem Kreuz und bleibt bei ihm. Er ruht an seinem Herzen – nicht nur im Abendmahlssaal am Abend zuvor, sondern auch jetzt an dem ganz verwundeten Herzen, das durchbohrt wird!
„Ich bin dem Gedächtnis entschwunden wie ein Toter, bin geworden wie ein zerbrochenes Gefäß.“ Für Israeliten ist diese Art von Tod das Schlimmste, was ihnen passieren kann – das Vergessen ihres Namens, ihrer Identität. Die Erinnerung auch über ihren Tod hinaus ist die höchste Form von „Auferstehungshoffnung“, die die Israeliten zur Zeit König Davids vertreten haben (er komponierte ja den Psalm). Ein Leben nach dem Tod, Jenseitsvorstellungen, all das entwickelte sich erst im Laufe der Zeit, sodass Jesus erst dann Mensch geworden ist, als die Juden schon so weit waren, das zu verstehen. Jesu Gegner haben wirklich dessen Namen auszulöschen versucht, indem sie ihm nicht den kleinsten Funken Ehre gelassen haben. Doch am Ende hat der Vater seinen Sohn über alle anderen erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen. Er hat ihn nicht nur rehabilitiert, sondern in seinem Namen geschehen bis heute Zeichen und Wunder. Er ist der heiligste aller Namen geworden! So gibt Gott auch uns durch den Neuen Bund einen neuen Namen und wir sind getauft auf den allerheiligsten Namen Jesu Christi.
Auch wir dürfen durch dieses heilsame Ereignis am Kreuz beten „in deiner Hand steht meine Zeit“. An Jesu gutem Ausgang können wir wirklich erkennen, dass wir uns ganz auf die Vorsehung Gottes verlassen dürfen.
„Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht, hilf mir in deiner Huld! Euer Herz sei stark und unverzagt, ihr alle, die ihr den HERRN erwartet.“ Jesus hat gebetet: „Hilf mir in deiner Huld!“ Gott hat es getan und so kann Jesus zu uns Menschen heute sagen: „Euer Herz sei stark und unverzagt, ihr alle, die ihr den HERRN erwartet.“ Ja, wir warten auf die Wiederkunft Christi und so ermutigt Christus selbst uns, standhaft zu sein und unser Kreuz zu tragen. Er hat es auch getan.

Hebr 4-5
14 Da wir nun einen erhabenen Hohepriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, lasst uns an dem Bekenntnis festhalten.

15 Wir haben ja nicht einen Hohepriester, der nicht mitfühlen könnte mit unseren Schwächen, sondern einen, der in allem wie wir versucht worden ist, aber nicht gesündigt hat.
16 Lasst uns also voll Zuversicht hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit!
7 Er hat in den Tagen seines irdischen Lebens mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und er ist erhört worden aufgrund seiner Gottesfurcht.
8 Obwohl er der Sohn war, hat er durch das, was er gelitten hat, den Gehorsam gelernt;
9 zur Vollendung gelangt, ist er für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden
10 und wurde von Gott angeredet als Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks.

In der zweiten Lesung hören wir aus dem Hebräerbrief eine Betrachtung der hohepriesterlichen Identität Christi, der zugleich das dargebrachte Opfer ist.
Wir haben einen erhabenen Hohepriester, der nun beim Vater ist, der förmlich „die Himmel durchschritten hat“. Aus dem Grund werden wir durch den Brief dazu ermutigt, standhaft am Bekenntnis Jesu Christi festzuhalten.
Er ist ein mitfühlender Hohepriester, der selbst alle Leiden durchgemacht hat. Er ist den ganzen menschlichen Weg gegangen, ohne dabei zu sündigen. Er ist selbst zum Opfertier geworden, um die Sünde von den Menschen zu nehmen.
Dies erfüllt uns bis heute mit Zuversicht und zeigt, dass Gottes Thron ein Gnadenthron ist. Gott ist Mensch geworden, um die Welt zu retten. Er wird uns heute auch nicht im Stich lassen, sondern wir werden „Hilfe erlangen zur rechten Zeit“.
Jesus hat „mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten“ formuliert. Er hat mit dem letzten Rest an Atem, der ihm im grausamen Erstickungstod noch blieb, zu seinem Vater gebetet. Er hat vor allem die Psalmen gesprochen. Gott hat ihn erhört, weil er wirklich gottesfürchtig war. Er hat Gott nicht verworfen, nicht mit ihm gehadert, nie an seiner absoluten Güte gezweifelt. Er ist der Sohn Gottes, aber er hat den Gehorsam verstanden. Das Wort an der Stelle ist ἔμαθεν emathen. Es kommt von manthano, was meistens mit „lernen, verstehen“ übersetzt wird. Es hat noch weitere Bedeutungen und wir sehen am gesamtbiblischen Zeugnis, dass Jesus nichts Neues lernen musste in Bezug auf den Vater und die Heilsgeschichte. Er wusste ja schon alles. Wir hören im Lukasevangelium ja auch schon davon, dass Jesus schon als Kind seinen Eltern gehorsam ist (bis auf die prophetische Zeichenhandlung im Tempel). So kann man an dieser Stelle mit „verstehen oder wissen“ übersetzen. Jesus verstand oder erkannte, dass er bei allem Leiden doch nur eines konnte – gehorsam sein.
Und damit hat er ein Beispiel gegeben denen, die wiederum ihm gehorsam sein sollen. Dadurch antworten wir nämlich mit einem Ja auf die von Gott erwiesene Liebe. Uns ist alles bereitet worden, aber wir müssen die Erlösung und Vergebung Gottes annehmen. Dies tun wir, indem wir den Weg Jesu nachgehen und zu seinen Jüngern werden.
Jesus ist Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks. Das ist eine tiefe Wahrheit, die eine typologische Verbindung von Jesus und Melchisedek offenbart. Dieser ist König und Priester von Salem, der Bezeichnung Jerusalems in frühen Zeiten (Gen 14)! Er begegnet Abraham und bringt Brot und Wein dar. Man weiß nichts von seinem Ursprung und er segnet Abraham, wodurch er höher steht als dieser. Auf Jesus angewandt lehrt es uns: Jesu hohepriesterliche Identität steht höher als das aaronitische Priestertum. Er bringt im Abendmahlssaal ebenfalls Brot und Wein dar. Er ist dieser wahre König des Höchsten. Er ist aber nicht mehr König der irdischen Stadt Jerusalem, sondern des himmlischen! Er ist König des Reiches Gottes. Was wir hier im Hebräerbrief lesen, wird schon über den Messias in Ps 110 ausgesagt. Das ist ebenfalls Zeichen seines Triumphes über den Tod.

Joh 18-19
1 Nach diesen Worten ging Jesus mit seinen Jüngern hinaus, auf die andere Seite des Baches Kidron. Dort war ein Garten; in den ging er mit seinen Jüngern hinein. 2 Auch Judas, der ihn auslieferte, kannte den Ort, weil Jesus dort oft mit seinen Jüngern zusammengekommen war. 3 Judas holte die Soldaten und die Gerichtsdiener der Hohepriester und der Pharisäer und kam dorthin mit Fackeln, Laternen und Waffen. 4 Jesus, der alles wusste, was mit ihm geschehen sollte, ging hinaus und fragte sie: Wen sucht ihr? 5 Sie antworteten ihm: Jesus von Nazaret. Er sagte zu ihnen: Ich bin es. Auch Judas, der ihn auslieferte, stand bei ihnen. 6 Als er zu ihnen sagte: Ich bin es!, wichen sie zurück und stürzten zu Boden. 7 Er fragte sie noch einmal: Wen sucht ihr? Sie sagten: Jesus von Nazaret. 8 Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, dass ich es bin. Wenn ihr also mich sucht, dann lasst diese gehen! 9 So sollte sich das Wort erfüllen, das er gesagt hatte: Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast. 10 Simon Petrus, der ein Schwert bei sich hatte, zog es, traf damit den Diener des Hohepriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab; der Diener aber hieß Malchus. 11 Da sagte Jesus zu Petrus: Steck das Schwert in die Scheide! Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat – soll ich ihn nicht trinken?
12 Die Soldaten, der Hauptmann und die Gerichtsdiener der Juden nahmen Jesus fest, fesselten ihn 13 und führten ihn zuerst zu Hannas; er war nämlich der Schwiegervater des Kajaphas, der in jenem Jahr Hohepriester war. 14 Kajaphas aber war es, der den Juden den Rat gegeben hatte: Es ist besser, dass ein einziger Mensch für das Volk stirbt. 15 Simon Petrus und ein anderer Jünger folgten Jesus. Dieser Jünger war mit dem Hohepriester bekannt und ging mit Jesus in den Hof des Hohepriesters. 16 Petrus aber blieb draußen am Tor stehen. Da kam der andere Jünger, der Bekannte des Hohepriesters, heraus; er sprach mit der Pförtnerin und führte Petrus hinein. 17 Da sagte die Pförtnerin zu Petrus: Bist nicht auch du einer von den Jüngern dieses Menschen? Er sagte: Ich bin es nicht. 18 Die Knechte und die Diener hatten sich ein Kohlenfeuer angezündet und standen dabei, um sich zu wärmen; denn es war kalt. Auch Petrus stand bei ihnen und wärmte sich. 19 Der Hohepriester befragte Jesus über seine Jünger und über seine Lehre. 20 Jesus antwortete ihm: Ich habe offen vor aller Welt gesprochen. Ich habe immer in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen. Nichts habe ich im Geheimen gesprochen. 21 Warum fragst du mich? Frag doch die, die gehört haben, was ich zu ihnen gesagt habe; siehe, sie wissen, was ich geredet habe. 22 Als er dies sagte, schlug einer von den Dienern, der dabeistand, Jesus ins Gesicht und sagte: Antwortest du so dem Hohepriester? 23 Jesus entgegnete ihm: Wenn es nicht recht war, was ich gesagt habe, dann weise es nach; wenn es aber recht war, warum schlägst du mich? 24 Da schickte ihn Hannas gefesselt zum Hohepriester Kajaphas. 25 Simon Petrus aber stand da und wärmte sich. Da sagten sie zu ihm: Bist nicht auch du einer von seinen Jüngern? Er leugnete und sagte: Ich bin es nicht. 26 Einer von den Knechten des Hohepriesters, ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, sagte: Habe ich dich nicht im Garten bei ihm gesehen? 27 Wieder leugnete Petrus und gleich darauf krähte ein Hahn.

28 Von Kajaphas brachten sie Jesus zum Prätorium; es war früh am Morgen. Sie selbst gingen nicht in das Gebäude hinein, um nicht unrein zu werden, sondern das Paschalamm essen zu können. 29 Deshalb kam Pilatus zu ihnen heraus und fragte: Welche Anklage erhebt ihr gegen diesen Menschen? 30 Sie antworteten ihm: Wenn er kein Übeltäter wäre, hätten wir ihn dir nicht ausgeliefert. 31 Pilatus sagte zu ihnen: Nehmt ihr ihn doch und richtet ihn nach eurem Gesetz! Die Juden antworteten ihm: Uns ist es nicht gestattet, jemanden hinzurichten. 32 So sollte sich das Wort Jesu erfüllen, mit dem er angedeutet hatte, welchen Tod er sterben werde. 33 Da ging Pilatus wieder in das Prätorium hinein, ließ Jesus rufen und fragte ihn: Bist du der König der Juden? 34 Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus oder haben es dir andere über mich gesagt? 35 Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein Volk und die Hohepriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan? 36 Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn mein Königtum von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Nun aber ist mein Königtum nicht von hier. 37 Da sagte Pilatus zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme. 38 Pilatus sagte zu ihm: Was ist Wahrheit? Nachdem er das gesagt hatte, ging er wieder zu den Juden hinaus und sagte zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm. 39 Ihr seid aber gewohnt, dass ich euch zum Paschafest einen freilasse. Wollt ihr also, dass ich euch den König der Juden freilasse? 40 Da schrien sie wieder: Nicht diesen, sondern Barabbas! Barabbas aber war ein Räuber.
1 Darauf nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln. 2 Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf das Haupt und legten ihm einen purpurroten Mantel um. 3 Sie traten an ihn heran und sagten: Sei gegrüßt, König der Juden! Und sie schlugen ihm ins Gesicht. 4 Pilatus ging wieder hinaus und sagte zu ihnen: Seht, ich bringe ihn zu euch heraus; ihr sollt wissen, dass ich keine Schuld an ihm finde. 5 Jesus kam heraus; er trug die Dornenkrone und den purpurroten Mantel. Pilatus sagte zu ihnen: Seht, der Mensch! 6 Als die Hohepriester und die Diener ihn sahen, schrien sie: Kreuzige ihn, kreuzige ihn! Pilatus sagte zu ihnen: Nehmt ihr ihn und kreuzigt ihn! Denn ich finde keine Schuld an ihm. 7 Die Juden entgegneten ihm: Wir haben ein Gesetz und nach dem Gesetz muss er sterben, weil er sich zum Sohn Gottes gemacht hat. 8 Als Pilatus das hörte, fürchtete er sich noch mehr. 9 Er ging wieder in das Prätorium hinein und fragte Jesus: Woher bist du? Jesus aber gab ihm keine Antwort. 10 Da sagte Pilatus zu ihm: Du sprichst nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich freizulassen, und Macht, dich zu kreuzigen?
 11 Jesus antwortete ihm: Du hättest keine Macht über mich, wenn es dir nicht von oben gegeben wäre; darum hat auch der eine größere Sünde, der mich dir ausgeliefert hat. 12 Daraufhin wollte Pilatus ihn freilassen, aber die Juden schrien: Wenn du diesen freilässt, bist du kein Freund des Kaisers; jeder, der sich zum König macht, lehnt sich gegen den Kaiser auf. 13 Auf diese Worte hin ließ Pilatus Jesus herausführen und er setzte sich auf den Richterstuhl an dem Platz, der Lithostrotos, auf Hebräisch Gabbata, heißt. 14 Es war Rüsttag des Paschafestes, ungefähr die sechste Stunde. Pilatus sagte zu den Juden: Seht, euer König! 15 Sie aber schrien: Hinweg, hinweg, kreuzige ihn! Pilatus sagte zu ihnen: Euren König soll ich kreuzigen? Die Hohepriester antworteten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser.
16 Da lieferte er ihnen Jesus aus, damit er gekreuzigt würde. Sie übernahmen Jesus. 17 Und er selbst trug das Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelstätte, die auf Hebräisch Golgota heißt. 18 Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte aber Jesus. 19 Pilatus ließ auch eine Tafel anfertigen und oben am Kreuz befestigen; die Inschrift lautete: Jesus von Nazaret, der König der Juden. 20 Diese Tafel lasen viele Juden, weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag. Die Inschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefasst. 21 Da sagten die Hohepriester der Juden zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden. 22 Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben. 23 Nachdem die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen Teil, und dazu das Untergewand. Das Untergewand war aber ohne Naht von oben ganz durchgewoben. 24 Da sagten sie zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies taten die Soldaten. 25 Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. 26 Als Jesus die Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! 27 Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. 28 Danach, da Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte: Mich dürstet. 29 Ein Gefäß voll Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm voll Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund. 30 Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und übergab den Geist. 31 Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten – dieser Sabbat war nämlich ein großer Feiertag – , baten die Juden Pilatus, man möge ihnen die Beine zerschlagen und sie dann abnehmen. 32 Also kamen die Soldaten und zerschlugen dem ersten die Beine, dann dem andern, der mit ihm gekreuzigt worden war. 33 Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, 34 sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite und sogleich floss Blut und Wasser heraus. 35 Und der es gesehen hat, hat es bezeugt und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß, dass er Wahres sagt, damit auch ihr glaubt. 36 Denn das ist geschehen, damit sich das Schriftwort erfüllte: Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen. 37 Und ein anderes Schriftwort sagt: Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben. 38 Josef aus Arimathäa war ein Jünger Jesu, aber aus Furcht vor den Juden nur im Verborgenen. Er bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen, und Pilatus erlaubte es. Also kam er und nahm den Leichnam ab. 39 Es kam auch Nikodemus, der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte. Er brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund. 40 Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist. 41 An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch niemand bestattet worden war. 42 Wegen des Rüsttages der Juden und weil das Grab in der Nähe lag, setzten sie Jesus dort bei.

Als Evangelium wird heute die Passion nach dem Johannesevangelium berichtet. Sie besteht aus zwei ganzen Kapiteln und so werde ich es für sich stehen lassen. Lassen Sie die Passion auf sich wirken!

Ihre Magstrauss

Gründonnerstag

Ex 12,1-8.11-14; Ps 116,12-13.15-16.17-18; 1 Kor 11,23-26; Joh 13,1-15

Heute beginnt das große Ostermysterium, das wir drei Tage lang feiern. Die heutige Liturgie wird offen enden, denn sie wird an Karfreitag fortgesetzt und in der Osternacht abgeschlossen. Diese drei Tage werden auch Triduum Sacrum bzw. Triduum Paschale genannt. Es sind die intensivsten drei Tage des gesamten Kirchenjahres und wir gehen mit Jesus mystisch gesehen vom Abendmahlssaal über den Garten Getsemani bis hin zum dunklen Kerker des Gefängnisses und weiter bis zum Golgota. Wir sind Zeugen seiner Kreuzigung und treten in eine Grabesruhe ein bis zum triumphalen Halleluja der Osternachtsliturgie.

Ex 12
1 Der HERR sprach zu Mose und Aaron im Land Ägypten:

2 Dieser Monat soll die Reihe eurer Monate eröffnen, er soll euch als der Erste unter den Monaten des Jahres gelten.
3 Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am Zehnten dieses Monats soll jeder ein Lamm für seine Familie holen, ein Lamm für jedes Haus.
4 Ist die Hausgemeinschaft für ein Lamm zu klein, so nehme er es zusammen mit dem Nachbarn, der seinem Haus am nächsten wohnt, nach der Anzahl der Personen. Bei der Aufteilung des Lammes müsst ihr berücksichtigen, wie viel der Einzelne essen kann.
5 Nur ein fehlerfreies, männliches, einjähriges Lamm darf es sein, das Junge eines Schafes oder einer Ziege müsst ihr nehmen.
6 Ihr sollt es bis zum vierzehnten Tag dieses Monats aufbewahren. In der Abenddämmerung soll die ganze versammelte Gemeinde Israel es schlachten.
7 Man nehme etwas von dem Blut und bestreiche damit die beiden Türpfosten und den Türsturz an den Häusern, in denen man es essen will.
8 Noch in der gleichen Nacht soll man das Fleisch essen. Über dem Feuer gebraten und zusammen mit ungesäuertem Brot und Bitterkräutern soll man es essen.
11 So aber sollt ihr es essen: eure Hüften gegürtet, Schuhe an euren Füßen und euren Stab in eurer Hand. Esst es hastig! Es ist ein Pessach für den HERRN.
12 In dieser Nacht gehe ich durch das Land Ägypten und erschlage im Land Ägypten jede Erstgeburt bei Mensch und Vieh. Über alle Götter Ägyptens halte ich Gericht, ich, der HERR.
13 Das Blut an den Häusern, in denen ihr wohnt, soll für euch ein Zeichen sein. Wenn ich das Blut sehe, werde ich an euch vorübergehen und das vernichtende Unheil wird euch nicht treffen, wenn ich das Land Ägypten schlage.
14 Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag begehen. Feiert ihn als Fest für den HERRN! Für eure kommenden Generationen wird es eine ewige Satzung sein, das Fest zu feiern!

Die Wahl ausgerechnet dieser ersten Lesung markiert schon alles, was wir über das letzte Abendmahl wissen müssen, das wir an Gründonnerstag in besonderer Weise feiern: Jesus setzt mit diesem Mahl die Eucharistie ein, die ein Opfer ist! Und dieses Opfer ist der Antitypos des Paschalamms, von dem wir nun hören:
Gott schreibt Mose und Aaron vor, dass der aktuelle Monat von nun an den Beginn des Jahres markieren soll. Es handelt sich um den Monat Nisan, der umgerechnet den Monaten März/April entspricht. Dies hat auch die Katholische Kirche in gewisser Weise beeinflusst, denn in der Osternacht wird die Osterkerze des seit dem ersten Advent laufenden Kirchenjahres geweiht und von da an verwendet. Ein gewisser Neuanfang wird somit auch in der Kirche vorgenommen. Es hat mit der Befreiung aus der Sklaverei zu tun, an die das Paschafest der Juden und in ihrer typologischen Erfüllung das Osterfest mit der Auferstehung Jesu Christi erinnert (er erlöst uns von der Sklaverei der Sünde und der Knechtschaft des Todes!). Mit dieser Rettung ist ein neues Leben ermöglicht worden, weshalb der Neubeginn gefeiert wird.
Dann schreibt Gott vor, wie das Paschafest zu feiern ist, ein von Gott selbst nun gestiftetes Fest:
Am Zehnten des Nisan soll das Fest gefeiert werden, dessen Zentrum das Paschalamm ist, das pro Haushalt zubereitet werden soll. Dabei darf es „nur ein fehlerfreies, männliches, einjähriges Lamm“ sein, „das Junge eines Schafes oder einer Ziege“.
Ein solches Opfer ist gottgefällig und dessen Blut an den Türpfosten der Häuser bewirkt, dass die Bewohner vor dem Tod verschont werden. Wir schauen vom Pessachlamm weiter auf den, dessen Opfer endgültig für alle Generationen den ewigen Tod abwenden wird – Jesus Christus, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt (Joh 1,29 – die Worte des Täufers beim Anblick Jesu, die Worte des Priesters in der Messe beim Anblick des sakramentalen Leibes Christi). Jesus ist makellos, er ist ohne Sünde. Er ist männlich, was wichtig ist. Es ist kein Zufall, dass Gott als Mensch Mann geworden ist. Nur so hat sich dieser Kreis der Opfer geschlossen.
Dadurch, dass pro Haushalt ein Lamm zubereitet und im Kontext eines Mahls gegessen werden soll, handelt es sich um ein Familienfest.
Es ist wichtig, dass vom Lamm nichts mehr übrig bleibt, sodass die Portionen gut bedacht sein sollen. Das liegt daran, dass es ein Abschiedsmahl darstellt, bevor sich die Israeliten auf den Weg machen. Sie können also keine Reste hinterlassen.
Zum Paschalamm sollen ungesäuerte Brote und Bitterkräuter verzehrt werden. Diese Zutaten werden uns auch im Abendmahlssaal Jesu begegnen, wenn er das Brotstück in die Bitterkräuter taucht und Judas Iskariot reicht. Das Lamm wird fehlen, weil Jesus selbst das Opferlamm ist.
Hier soll das Lamm über dem Feuer gebraten werden. Schauen wir auf Jesus als Opferlamm, dann erahnen wir schon seine gesamte Passion, die er bis zu seinem Tod erleiden muss. Er wird förmlich durchs Feuer gehen, was die Reinigung aller Menschen von der Sünde bewirken wird. Nicht umsonst wird das Feuer auch später zum Symbol der Reinigung und ist es auch schon in der Hl. Schrift, wenn Gold im Feuer geprüft wird (Spr 17,3; Sach 13,9).
Entscheidend zur Abwendung des Übels ist das Blut des Lammes. Die Bestreichung des Hauseingangs mit diesem Blut wendet den Tod des Erstgeborenen jedes Haushalts ab. Beziehen wir es schon auf Jesus Christus, dann wendet auch das Vergießen seines Blutes unseren Tod ab, nämlich den seelischen Tod. Johannes berichtet davon, dass beim Lanzenstich mitten ins Herz Jesu Blut und Wasser herausfließen. Hier erkennen wir, dass dieses herausfließende Blut auf uns herabkommt, um den Eingang unserer Seele zu tränken und unsere Seele zu besiegeln, die so vor dem ewigen Tod gerettet wird. Sein kostbares Blut schützt auch uns, die wir unter dem Kreuz stehen, die wir in jeder Hl. Messe das Kreuzesgeschehen und den Golgota in die Gegenwart holen.
Es ist kein Zufall, dass das Paschalamm kein Brandopfer ist, sondern wirklich gegessen werden muss. So wird die Grundlage geschaffen für die Eucharistie, bei der ebenfalls das Lamm Gottes über den Essvorgang empfangen wird. Es ist auch bemerkenswert, wie es gegessen werden muss: „eure Hüften gegürtet, Schuhe an euren Füßen und euren Stab in eurer Hand. Esst es hastig! Es ist ein Pessach für den HERRN.“ Auch für Jesus und seine Apostel im Abendmahlssaal ist es ein Essen, das vor dem Aufbruch gegessen wird. Jesus wird mit drei seiner Jünger in den zweiten Garten der Versuchung aufbrechen (der erste ist der Garten Eden!). Von dort aus wird Jesus aufbrechen in den schmerzhaften Prozess des Leidens und Sterbens. Und auch wir empfinden dieses Aufbrechen in jeder Eucharistie nach, wenn wir nämlich bald nach dem Empfang der Kommunion die Liturgie abschließen und in die Welt zurück gehen. Schließlich ist die Kirche das pilgernde Gottesvolk auf dem Weg in die Ewigkeit. So ist die Eucharistie als Mahl des Opferlammes Christus die Wegzehrung auf dem Weg ins Himmelreich.
Das Gürten ist nicht nur Zeichen für den Aufbruch und die Reise. Es bedeutet auch das Rüsten für den Krieg. Die Eucharistie wird so auch zur Stärkung im Kampf gegen den Bösen. Seine Versuchungen kommen nicht umsonst direkt nach dem letzten Abendmahl Jesu und seiner Apostel im Garten Getsemani. Die gesamte Passion ist für Jesus ein Kampf gegen den Bösen, den er nach drei Tagen im Grab endgültig gewinnen wird. Deshalb ist es für uns absolut heilsam, ein sakramentales Leben zu führen, regelmäßig zu beichten und die Kommunion zu empfangen. So können auch wir den Kampf gegen den Bösen bestehen und bis zum Ende standhaft bleiben.
„Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag begehen.“ Und damit auch die Apostel Jesu den Bezug zum Pessachmahl erkennen, die fromme Juden sind, sagt Jesus zu ihnen: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Diese Aussage ist zudem eine Opferaussage, denn in der Torah begegnen uns sogenannte Gedenkopfer (Lev 2,16).
So ist es auch mit den folgenden Worten: „Feiert ihn als Fest für den HERRN! Für eure kommenden Generationen wird es eine ewige Satzung sein, das Fest zu feiern!“ Deshalb feiern wir die Eucharistie immer wieder als Fest für den HERRN und vor allem am Tag des HERRN, am Ostertag. Die Eucharistie ist unsere ewige Satzung bis zum Ende der Zeiten. Wir feiern dort sakramental, was wir dann mit dem Abbruch der Weltgeschichte und der Durchsetzung der Herrlichkeit Gottes in seiner ewigen Anschauung unverhüllt feiern werden – die Hochzeit des Lammes, das ewige Freudenmahl.
Das hier eingeführte Pessachmahl wird im Abendmahlssaal Jesu den Bogen schließen. Es wird kein Opferlamm geben. Wir werden nur von den Broten und den Bitterkräutern lesen. Das Lamm wird erst einen Tag später geschlachtet werden und nur ein einziger Apostel des Abendmahlssaales wird dieses Schlachten miterleben – Johannes. Er wird all die Erfüllungen der alttestamentlichen Schriftworte erkennen. Er wird voller Schmerz sehen, was Jesus am Abend zuvor meinte mit den Worten: „Nehmet und esset, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird….das ist mein Blut, das für euch und für viele vergossen wird.“ (Mt 26,28 par). Er wird sehen, dass es nicht nur symbolisch gedacht war, sondern ganz wortwörtlich. Jesus ist wirklich zum Opferlamm am Kreuzesstamm geworden und dies hängt aufs Innigste mit dem letzten Abendmahl zusammen.

Ps 116
12 Wie kann ich dem HERRN vergelten all das Gute, das er mir erwiesen?
13 Den Becher des Heils will ich erheben. Ausrufen will ich den Namen des HERRN.
15 Kostbar ist in den Augen des HERRN der Tod seiner Frommen.
16 Ach HERR, ich bin doch dein Knecht, dein Knecht bin ich, der Sohn deiner Magd! Gelöst hast du meine Fesseln.
17 Ich will dir ein Opfer des Dankes bringen, ausrufen will ich den Namen des HERRN.
18 Meine Gelübde will ich dem HERRN erfüllen in Gegenwart seines ganzen Volks.

Heute beten wir einen Dankespsalm, der zum sogenannten Ägyptischen Hallel gehört (ein großes Loblied bestehend aus den Psalmen 113-118). Es wird so genannt, weil es an das erste Pessachfest in Ägypten erinnert, was wir heute ja in der Lesung gebetet haben. Sie merken, dass die Zusammenstellung der Lesungen in der Liturgie wie so oft vom jüdischen Festkalender und von der intertextuellen Beziehung verschiedener alttestamentlicher Bücher inspiriert ist. Das ägyptische Hallel ist zu den großen Wallfahrtsfesten gebetet worden, also haben die Juden zur Zeit Jesu dieses Hallel zum kommenden Pessachfest ebenfalls gebetet. Wir können uns durchaus vorstellen, dass Jesus auch im Abendmahlssaal dieses Hallel angestimmt hat, denn es war Tradition, dieses Loblied am Sederabend mit der Familie zu singen (und der Zwölferkreis war Jesu Familie). Auch für uns, die wir heute der Einsetzung des Danksagungsfestes gedenken (Eucharistia=Danksagung!), ist dieser Dankespsalm absolut passend für die Liturgie:
„Wie kann ich dem HERRN vergelten all das Gute, das er mir erwiesen?“ Mit dieser rhetorischen Frage bringen schon die Israeliten zum Ausdruck, dass der Exodus mit der Befreiung aus dem Sklavenhaus Ägypten absoluter Gnadenerweis Gottes ist. Das Volk hätte es nie zustande gebracht, diese Befreiungsaktion erst einmal zu verdienen durch gute Taten und Opfer. Und auch wir können nur so beten, denn wer von uns hätte das Kreuzesopfer durch eigenes Gutsein zuerst verdienen können? Die übergroße Schuld mit den hohen Wellen ihrer todbringenden Konsequenzen hätte durch menschliche Kraft nie gesühnt werden können. Es war ein einziger Gnadenakt Gottes, seinen geliebten Sohn für uns dahinzugeben, um diese übergroße Schuld zu sühnen!
„Den Becher des Heils will ich erheben. Ausrufen will ich den Namen des HERRN.“ Jesus musste den Becher des Leidens und Todes trinken, von dem er voller Todesangst im Garten Getsemani noch gesagt hat: „Vater, nimm diesen Kelch von mir…doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe“. Weil er ihn bereitwillig getrunken hat, ist er für uns zum Becher des Heils geworden! Wir rufen den Namen des HERRN an, bis er wiederkommt in Herrlichkeit. So geschehen in seinem Namen bis heute Zeichen und Wunder.
„Kostbar ist in den Augen des HERRN der Tod seiner Frommen.“ Das soll nicht heißen, dass Gott es gefällt, wenn Menschen sterben müssen. Es heißt vielmehr, dass der Preis für den Tod sehr hoch ist, weil die Frommen ihm kostbar sind. Und der Frommste ist Jesus Christus, sein eingeborener Sohn. Sein Tod ist so teuer, dass er mit dem Preis die Sünde der ganzen Welt loskaufen konnte!
„Gelöst hast du meine Fesseln.“ Dies bezieht sich zunächst auf die Fesseln des Sklavenhauses Ägypten, deren Lösung der Psalm ja dankend gedenkt. Der Kreis schließt sich aber mit der Befreiung aus der Sklaverei der Sünde durch die Erlösung Jesu Christi, der auf diese Weise noch viel existenziellere Fesseln gelöst hat! Er hat nicht nur unsere Fesseln des ewigen Todes gelöst, sondern wird am Ende der Zeiten dem Bösen endgültig die Fesseln anlegen!
„Ich will dir ein Opfer des Dankes bringen, ausrufen will ich den Namen des HERRN.“ Dies ist eine gelübdeartige Zusage, die liturgisch im Laufe der Wallfahrt ja umgesetzt wird. Es werden Opfer im Tempel von Jerusalem dargebracht. Wir lesen es an diesem heutigen Tag eucharistisch: Ja, wir bringen ein Opfer des Dankes dar, die Eucharistie, die Danksagung, die zwar auf den ersten Blick Mahl (ja, das darf man nicht vergessen), aber zutiefst vom Kern und Wesen her Opfer ist. Bis zur Zeit König Davids waren als Opfer ola und hattat, Brand- und Sündopfer vorherrschend. In seiner Regierungszeit rückt allerdings die todah, das Dankopfer, das mit Brot und Wein dargebracht wird, immer mehr in den Mittelpunkt. Danksagung ist ein Opferakt! Psalm 116, den wir hier betrachten, ist ein Lied, das man zur todah gebetet hat!
„Meine Gelübde will ich dem HERRN erfüllen in Gegenwart seines ganzen Volks.“ Diese Zusage im Kontext der Wallfahrt geschieht vor den Augen der anderen. Danksagung ist ein Opfervorgang, der nicht individuell bleibt, sondern in Versammlung. Deshalb feiern wir bis heute die Eucharistie in der Gemeinschaft der Heiligen – und damit sind nicht nur jene auf Erden gemeint, sondern auch die Heiligen, die bereits am Thron Gottes stehen, auch die Engel, die Gott dienen!

1 Kor 11
23 Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot,

24 sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!
25 Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!
26 Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

In der zweiten Lesung hören wir heute die älteste Überlieferung der eucharistischen Einsetzungsworte Jesu, die uns durch das Neue Testament überliefert worden sind.
Paulus sagt selbst, dass er diese Worte empfangen hat.
„Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot“ – diese Formulierung wird auch in das Eucharistische Hochgebet aufgenommen – mit jüdischen Augen lesen wir hier das ungesäuerte Brot im Abendmahlssaal.
„sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Das Dankgebet ist wichtiger Bestandteil schon bei den Juden. Das Gedächtniswort habe ich bereits bei der Exoduslesung als Bogen zwischen erstem Pessachmahl in Ägypten bis zum Abendmahlssaal Jesu herausgestellt, da es in Ex 12,14 heißt „Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag begehen.“ Er nimmt Brot und nicht ein geschlachtetes Lamm, weil er selbst dieses Lamm sein wird am nächsten Tag. Er nimmt Brot, weil sich noch eine weitere Typologie erfüllen soll – er ist der Antitypos des Manna in der Wüste, das die Väter gegessen haben, nun aber zum ewigen Leben führen wird. Er ist das Himmelsbrot, von dem er zu Anfang des Johannesevangeliums gesprochen hat. Dies soll sich nun hier im letzten Abendmahl erfüllen. Er ist das tägliche Brot des Vaterunsers, er ist das Grundnahrungsmittel unserer Seele. Er begeht hier das Dankopfer, die todah, das mit Brot und Wein dargebracht wird.
„Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!“ Auch hier ist der Bezug zu Ex 12,14 gegeben. Jesus hat mit diesen Worten selbst gekennzeichnet, dass es kein normales Sedermahl zum Auftakt des Pessachfestes (vorweggenommen, weil an den essenischen Termin angepasst) mehr ist, sondern ein Bundesmahl! Hier setzt der neue Bund an, der einen Tag später am Kreuz besiegelt wird, aber nur einer der Apostel wird dabei sein. Das ist der eigentlichste Bund aller Zeiten, denn Bundesschluss heißt „du gehörst mir und ich gehöre dir“. Während die Bundesschlüsse des Alten Testaments lediglich mit einem Tieropfer besiegelt werden, opfert sich Gott selbst. Mit dieser Auslieferung drückt er am eigentlichsten aus, dass er ganz uns gehört. Darum kommen die Märtyrer sofort zu ihm, denn sie haben es ihm am eigentlichsten gleichgetan, indem sie ebenfalls ihr Blut vergossen haben mit der Absicht: Und ich gehöre ganz dir.
Auch ohne dieses Blutvergießen antworten wir bei der Taufe mit diesen Worten des vollkommenen Gottergebenseins. Wir richten unser ganzes Leben nach ihm aus und er ist die Nummer eins in unserem Leben. Erzbischof Fulton Sheen unterscheidet zwischen trockenen und nassen Märtyrern. Die nassen Märtyrer sind jene, die ihr Blut vergießen für den Glauben. Trockene Märtyrer geben sich auf andere Weise in ihrem Leben für Gott hin. Sie sind die Gruppe von Heiligen, die die Kirche Bekenner nennt. Wenn wir Eucharistie feiern, dann bekräftigen wir diese Antwort immer wieder, die wir bei jeder Wandlung zugleich im Abendmahlssaal und auf dem Kalvarienberg unter dem Kreuz sind.
„Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“ Dies beten wir direkt im Anschluss an die Wandlungsworte, wenn der Priester anstimmt: „Geheimnis des Glaubens“. Die Sakramente sind Antizipation der Ewigkeit. Sie dauern an bis zur Wiederkunft Christi. Dann brauchen wir keine Sakramente mehr, weil die Herrlichkeit Gottes nicht mehr verborgen ist. Dann ist Gott selbst in unserer Mitte und wir dürfen ihn schauen von Angesicht zu Angesicht!

Joh 13
1 Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren, liebte er sie bis zur Vollendung.
2 Es fand ein Mahl statt und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn auszuliefern.
3 Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte,
4 stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch.
5 Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.
6 Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen?
7 Jesus sagte zu ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen.
8 Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.
9 Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt.
10 Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle.
11 Er wusste nämlich, wer ihn ausliefern würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.
12 Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe?
13 Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es.
14 Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.
15 Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

Nun hören wir von diesem schon vielbesprochenen Abend aus dem Johannesevangelium. Überraschenderweise berichtet Johannes nicht vom Mahl selbst, sondern davon, was währenddessen geschehen ist – die Fußwaschung! Aus dem Grund wird in der Kirche an diesem Abend die Fußwaschung an Gläubigen durch den Geistlichen vorgenommen. Betrachten wir die Fußwaschung als prophetischen Zeichenakt, wird uns deutlich, dass es absolut kein Zufall ist, dass sie während des letzten Abendmahls geschieht!
Johannes sagt ganz allgemein „ein Mahl fand statt“.
Die Einleitung zu diesem Ausschnitt wird in eines der Eucharistischen Hochgebete aufgenommen: „Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren, liebte er sie bis zur Vollendung.“ Es bringt auf den Punkt, weshalb Jesus alles getan hat, was von da an passiert ist. Weil er uns alle liebt, die in der Welt sind, die es damals waren und die es in Zukunft sein werden. Jesus hat alles ganz im Vertrauen zum Vater getan und auch im Gehorsam zum Vater, der ihm alles in seine Hände gegeben hat.
Es ist ein wichtiger Hinweis, dass zuerst Jesu absolutes Bewusstsein des Gekommenseins und des Gehens zum Vater genannt wird, bevor Jesus die Fußwaschung vornimmt. Er weiß, wer er vor seinem Vater ist und was seine Berufung ist. Er kennt seine Vollmacht und seinen Wert. Das ist die Bedeutung von Demut: Ich weiß, wer ich vor Gott bin. Ich weiß, was ich kann und was ich nicht kann. Ich weiß, wozu ich da bin. Und von dieser demütigen Ausgangshaltung tut Jesus nun einen Sklavendienst, die Fußwaschung. Es handelt sich um eine Praxis, die unumgänglich war in einer Zeit, als die Straßen voller Staub waren und trotz eines Bades die Füße immer wieder dreckig wurden. Wenn man ein Haus betrat, haben die Sklaven des Hauses die Füße dann vom Schmutz der Straße gereinigt.
Jesus wird freiwillig zum Sklaven, nicht weil er sich so wertlos fühlt, sondern eben weil er sich die Freiheit der Entäußerung ganz nimmt! Er weiß um seinen Wert und kann deshalb frei bestimmen, sich zu demütigen. Das ist wichtig. So sollen auch wir einander dienen – nicht als Bespuckte, die das Aschenputtelsyndrom haben („ich bin nichts wert, keiner mag mich, ich armes Würstchen!“), sondern als freie Gottgeliebte, die der Ohnmacht der Liebe und der Entäußerung Jesu nacheifern.
Wir sind als Getaufte Königskinder! Wir sind mit dem kostbarsten Öl Chrisam gesalbt worden! Aber wir dienen und gehen vor dem Anderen freiwillig in die Knie. Wir müssen den Menschen nicht zwanghaft beweisen, dass wir so besonders sind, sondern in der Entäußerung kommt unsere königliche Seele zur Geltung.
Jesus tut einen Sklavendienst und wird am Ende von einem seiner engsten Freunde für den damals aktuellen Sklavenpreis ausgeliefert – für dreißig Silberstücke.
Es ist noch eine weitere Sache anzusprechen, die mit dem Waschen ausgerechnet der Füße zu tun hat. Dass damit pars pro toto gemeint ist, werden wir gleich bei der Reaktion Petri noch thematisieren, hier geht es um ein anderes Zeichen: Wir wissen aus der Schrift, dass das Abschütteln des Staubs von den Füßen ein Zeichen gegen jemanden ist, nämlich als Gerichtsankündigung. Wenn Jesus nun die Füße seiner Apostel wäscht, die gerade das Mahl des Bundes mit ihm gehalten haben, dann erfüllt sich, was Jesus in seiner Himmelsbrotrede in Joh 6,53-54 gesagt hat: „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag.“ Jesus wäscht nach dem Mahl den Aposteln den Staub von den Füßen, das Zeichen des Todes, das Zeichen des ersten Menschen, der aus dem Staub der Erde geschaffen worden ist. Jesus wäscht das Gericht von ihren Füßen, sie werden am Jüngsten Tag nicht verbannt, sondern werden leben! Sie werden den ewigen Tod nicht sterben. So werden sie vom Tod verschont wie die Israeliten in Ägypten.
Als Jesus zu Petrus kommt, um an ihm dieses Zeichen zu tun, weigert er sich. Er sieht nur die Oberfläche und erkennt das Prophetische daran nicht. Jesus erklärt ihm, dass er durch diese Waschung Anteil an Jesus hat. Das Gericht wird an ihm vorübergehen und so wird er auf ewig Teil des Reiches Gottes sein. Dieses Waschen der Füße kann dabei zeichenhaft die Taufe andeuten, die die Einsetzung jedes Christen als Erben im Reich Gottes kennzeichnet, als auch die Beichte, die die Wiederherstellung der Taufgnade erwirkt, wenn man sich auf der Straße bewegt und wieder Staub auf die Füße gelangt. Und gerade die Beichte ist ein Akt der Demütigung, weil wir unsere eigene Erlösungsbedürftigkeit vor Gott bekennen und ihn um Vergebung bitten. Petrus hat dies durch seine Reaktion verdeutlicht. Es passt ihm nicht, dass Jesus vor ihm in die Knie geht. Das auszuhalten, wäre aber ein Akt der Demütigung gewesen. Petrus lernt schnell dazu und so bittet er Jesus, ihn dann auch ganz zu waschen. Jesus erklärt jedoch, dass er schon rein ist, nur die Füße gewaschen werden müssen – die Aposteln sind vor Gott gerecht bis auf Judas Iskariot, der Jesus ausliefern wird, dies schon längst beabsichtigt und deshalb schon voller Sünde ist.
Jesus sagt im Anschluss zu ihnen: „Begreift ihr, was ich an euch getan habe?“ Zuvor haben die Jünger darüber gestritten, wer von ihnen der Größte sei. Jesus hat es ihnen damals schon erklärt, dass das Herrschen in seiner Kirche das Bedienen aller bedeutet. Und heute im Abendmahlssaal zeigt er es ihnen ganz konkret auf durch den klassischen Sklavendienst. Weil Jesus Meister und Herr ist, geht er in die Knie. Und so sollen auch die Apostel, die eine hohe Stellung in der Kirche haben werden als Augenzeugen und engste Vertraute Jesu, vor ihren Gemeindemitgliedern in die Knie gehen. Es geht um das Dienen. Jesus hat ihnen ein Beispiel gegeben und er soll es auch bis heute für uns bleiben. Auch wir sollen stets einander dienen und nicht übereinander herrschen. Es soll nicht um Machtstreitereien gehen, bei denen am Ende jemand über den anderen triumphiert – insbesondere bei kirchenpolitischen Machtkämpfen unserer heutigen Zeit. Es soll darum gehen, sich im gegenseitigen Dienen zu übertreffen, nicht aus Kampfgeist, sondern aus dem Hl. Geist heraus, der die Liebesglut Gottes ist!
Auch das Timing ist entscheidend: Jesus wäscht ihnen die Füße am selben Abend, an dem er die Eucharistie und auch das Weiheamt eingesetzt hat. So sollen die ersten „Geistlichen“ verstehen, das die von Christus empfangenen Vollmachten nicht das Herrschen, sondern das Dienen zur Folge haben. Dies sei ein Appell auch an die Geistlichen unserer heutigen Zeit. Sie haben nicht das Privileg erhalten, die Sakramente zu spenden, vor allem die Eucharistie, um sich über andere zu erheben. Vielmehr gilt der Grundsatz: Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.
Heute wäscht Jesus uns rein vom Staub des alten Menschen. Der Preis, den er dafür aber zahlen muss, ist das dreimalige Fallen in den Staub der Straße mit dem Kreuz auf den Schultern. Dessen werden wir morgen beim Kreuzweg dankbar gedenken. Es ist das Hinabsinken in den Staub des Todes, wie es Psalm 22 ausdrückt, den Jesus am Kreuz beten wird. Er geht in den Tod, damit wir das Leben haben und an uns kein Staubkorn mehr übrig bleibt.
Er wäscht uns, er nährt uns, er tränkt uns. Das ist der Gott des Lebens, der uns liebt. Lassen wir uns von dieser Liebe überschütten und berühren, sodass wir dann voller Dankbarkeit seine Liebe erwidern können mit unserem ganzen Leben.

Die vielen Ansätze heute werden morgen ihre Vollendung finden. Wachen wir heute Nacht mit dem von Todesangst geplagten Jesus. Verstecken wir uns nicht wie die Apostel, sondern gehen den schwierigen Kreuzweg zusammen mit Jesus. Begleiten wir ihn bis unter das Kreuz. Stehen wir mit Johannes und mit Maria dort bei ihm und leisten wir dem sterbenden Jesus am Kreuz unseren Beistand. Nehmen wir alles in unser Herz auf wie seine Mutter, damit wir nie vergessen, was er für uns getan hat.

Ihre Magstrauss

Mittwoch der Karwoche

Jes 50,4-9a; Ps 69,8-9.10 u. 12.21b-22.31 u. 33; Mt 26,14-25

Jes 50
4 GOTT, der Herr, gab mir die Zunge von Schülern, damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort. Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich höre, wie Schüler hören.
5 GOTT, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück.
6 Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und meine Wange denen, die mir den Bart ausrissen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel.
7 Und GOTT, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate.
8 Er, der mich freispricht, ist nahe. Wer will mit mir streiten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer ist mein Gegner im Rechtsstreit? Er trete zu mir heran.
9 Siehe, GOTT, der Herr, wird mir helfen.

Heute hören wir das dritte Gottesknechtslied. Es ist bereits an Palmsonntag verlesen worden und sehr intensiv:
„GOTT, der Herr, gab mir die Zunge von Schülern, damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort.“ Wir müssen es verstehen vor dem Hintergrund der Menschwerdung Gottes. Jesus ist Gott, ist aber durch seine Menschwerdung entäußert worden, das heißt er verzichtete auf seine Gottheit, um die Sünde der Welt zu sühnen. So hat er alles den Menschen vorgelebt und alles so getan, wie die Menschen es tun. Wenn es hier also heißt, „gab mir die Zunge von Schülern“, müssen wir es nicht so verstehen, dass Jesus etwas Neues lernen könnte oder Dinge zuerst nicht weiß und dann zur Erkenntnis kommt. Er weiß schon alles von Anfang an, weil er trotz Entäußerung immer noch Gott ist. Das hebräische Wort für „Zunge“ kann auch mit „Sprache“ übersetzt werden, was vielleicht passender ist: Der Vater hat dem Sohn die Sprache von Schülern gegeben, damit seine Schüler, das heißt seine Jünger, seine Worte verstehen können. Es heißt also, dass Gott die Sprache der Menschen angenommen hat, um sich ihnen zu offenbaren. Er tut es, um die Müden aufzurichten durch ein aufmunterndes Wort. Diese Müdigkeit hat weniger etwas mit physischer Erschöpfung zu tun als vielmehr mit Hoffnungslosigkeit durch Seelenmüdigkeit. Es geht um das Wecken der Menschen, damit sie wachsam werden, damit sie aus der Müdigkeit ihrer langen Warterei auf den Messias erwachen!
Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich höre, wie Schüler hören. Jesus selbst hat gehorsam auf den Vater gehört und nichts gesagt oder getan, was nicht im Einklang mit dem Vater ist.
Er hat auf den Willen des Vaters gehört und es auch durchgehalten selbst in den Angriffen der Menschen: „Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück.“ – So ist es schon den Propheten des Alten Testaments ergangen. Sie haben auf die Stimme Gottes gehört und den Menschen seinen Willen kundgetan, zumeist um den Preis ihres eigenen Lebens. Umso mehr gilt das für den Sohn Gottes selbst, der der Gehorsamste von allen ist.
Jesus hielt wortwörtlich seinen Rücken hin denen, die ihn schlugen. Wie maßlos haben seine Gegner auf ihn eingeschlagen, statt sich an die gebotene Anzahl von Schlägen zu halten, wie sie das Recht vorsieht – sowohl mit Stöcken als auch mit Geißeln! (Wir wissen vom Grabtuch von Turin, dass er über hundert Mal geschlagen worden ist, statt der gebotenen 39 Schläge. Die Römer haben sich nicht daran gehalten).
„Und meine Wange denen, die mir den Bart ausrissen“ – Ja, er wurde ins Gesicht geschlagen durch den Diener der Hohepriesters. Von Privatoffenbarungen wissen wir, wie sehr sie ihm den Bart ausgerissen haben in der Nacht von Donnerstag auf Freitag. Laut diesen Offenbarungen stachen sie ihm sogar Nägel und Spitzen in die Löcher seines ausgerissenen Bartes. Unvorstellbar, was Jesus durchmachen musste! Es geht bei diesem Akt nicht nur um die Schmerzen, sondern auch um die Erniedrigung, die ihm dadurch widerfahren ist.
„Mein Gesicht verbarg ich nicht durch Schmähungen und Speichel.“ Wie oft Jesus wohl auf seinem Kreuzweg zum Golgota von der gaffenden Menge und von den Soldaten angespuckt und beschimpft worden ist? Er ist wirklich behandelt worden wie der schlimmste Verbrecher. Es blieb ihm nicht ein Funken Ehre. Er ist maximal erniedrigt worden, aber dann vom Vater über alle anderen erhöht worden. Stellen Sie sich vor, dass Sie allmächtig wären, über all jenen Peinigern stehen würden, aber alles mit sich machen lassen würden! Sie könnten jederzeit eingreifen und sie alle in die Hölle hinabwerfen, sich vom Kreuz befreien und die ganzen Wunden augenblicklich heilen, weil Sie so allmächtig sind! Für Jesus gilt das alles tatsächlich, weil er Gott ist und doch greift er nicht ein! Er lässt alles mit sich machen, weil er uns so sehr liebt, dass er all das sühnt. So unbegreiflich groß ist seine Liebe!
„Und GOTT, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden.“ Ja, das ist nicht nur ein absolutes Vertrauensbekenntnis, sondern eine regelrechte Ankündigung. Jesus wird nicht in Schande enden, denn am dritten Tag wird er von den Toten auferstehen! Er wird den schandvollsten Tod sterben, aber er wird nicht in ihm bleiben. Der Vater wird ihn auferstehen lassen und über alle anderen erhöhen. Nun hat er ihn wieder zu sich geholt und er sitzt mit Leib und Seele zur Rechten des Vaters.
„Er, der mich freispricht, ist nahe. Wer will mit mir streiten?“ Der Vater spricht seinen Sohn sozusagen frei im Kampf gegen den Bösen, indem er ihn am dritten Tag auferstehen lässt. Der Tod wird überwunden. Er kann im Rechtsstreit nichts mehr unternehmen.
„Siehe, GOTT, der Herr, wird mir helfen.“ Das dürfen auch wir mit Gewissheit beten, denn wie er seinen eigenen Sohn aus den Klauen des Todes gerettet hat, so wird er auch uns retten, die wir nicht nur auf den Tod, sondern auch auf die Auferstehung Jesu Christi hin getauft sind.

Ps 69
8 Denn deinetwegen erleide ich Hohn und Schande bedeckt mein Angesicht.
9 Entfremdet bin ich meinen Brüdern, den Söhnen meiner Mutter wurde ich fremd.
10 Denn der Eifer für dein Haus hat mich verzehrt, die Verhöhnungen derer, die dich verhöhnen, sind auf mich gefallen.
12 Ich legte als Gewand ein Bußkleid an, ich wurde ihnen zum Spottvers.
21 Ich hoffte auf Mitleid, doch vergebens, auf Tröster, doch fand ich keinen.
22 Sie gaben mir Gift als Speise, für den Durst gaben sie mir Essig zu trinken.
31 Ich will im Lied den Namen Gottes loben, ich will ihn mit Dank erheben.
33 Die Gebeugten haben es gesehen und sie freuen sich! Ihr, die ihr Gott sucht, euer Herz lebe auf!

Als Psalm wird heute wieder ein Klagepsalm gebetet, in dem zunächst das Leiden detailliert geklagt wird. Dann kommen mehrere Bittrufe, die in unserem heutigen Abschnitt nicht zu lesen sind, bevor es einen typischen Stimmungsumschwung gibt: Gott wird zum Ende des Psalms gepriesen.
„Denn deinetwegen erleide ich Hohn und Schande bedeckt mein Angesicht.“ Jesus ist dafür ausgeliefert und elendig getötet worden, dass er den Menschen gezeigt hat, wie der Vater ist. Er hat das Reich Gottes verkündigt mit göttlicher Vollmacht. Dafür ist er so schandvoll wie nur möglich gestorben.
„Entfremdet bin ich meinen Brüdern, den Söhnen meiner Mutter wurde ich fremd.“ Wir wissen von den Evangelien her, dass Jesu Großfamilie ihn von der Verkündigung abhalten wollte und sogar sagte: „Er ist von Sinnen.“ Seine biologischen Verwandten haben ihn nicht verstanden. Vielmehr hat Jesus gesagt, dass jene, die den Willen seines Vaters tun, seine wahre Familie sind. Maria, seine biologische Mutter, war die allererste Jüngerin und so lag der Idealfall vor: Biologie und geistige Gesinnung waren eins!
„Denn der Eifer für dein Haus hat mich verzehrt, die Verhöhnungen derer, die dich verhöhnen, sind auf mich gefallen.“ Das ist ein besonderer Vers, denn dies zitiert Johannes für Jesu Tempelreinigung. Es hat sich mit Jesus erfüllt. Aus Eifer für das Haus Gottes hat er die Händler aus dem Tempel vertrieben, die es zur Räuberhöhle gemacht haben. Dieser Eifer ist uns schon durch die Episode verdeutlicht worden, in der Jesus als Zwölfjähriger im Tempel zurückbleibt und mit den Ältesten und Schriftgelehrten debattiert. Als seine Eltern ihn voller Sorge im Tempel wiederfinden und ihn auf diese Aktion ansprechen, antwortet er ihnen: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ Der Eifer für das Haus Gottes ist nicht nur auf einen irdischen Bau beschränkt. Vielmehr geht es ihm schließlich um das Reich Gottes, um das Himmelreich, dass des Vaters eigentliches Haus ist! Und für eben jene Botschaft vom Reich Gottes ist er verhöhnt worden. Damit haben die Spötter auch den Vater im Himmel verspottet, denn Jesus und der Vater sind eins.
„Ich legte als Gewand ein Bußkleid an“ – dies müssen wir bildlich verstehen, denn von Jesu Kleidung ist explizit nicht die Rede (nur am Ende, als es um sein durchgewebtes Untergewand geht). Die Buße ist Jesu „Gewand“ im Sinne der Verpackung. Es gehört zum Programm der Verkündigung und ist deren Kern. Bei seinem Antritt sagt Jesus in Mk 1,15: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe, kehrt um und glaubt an das Evangelium. Doch die wirklich Einflussreichen haben sich nicht bekehrt trotz der vielen vielen Chancen, Signale und Zeichen.
„Ich hoffte auf Mitleid“ – Jesus hat sich selbst dahingegeben, damit die harten Herzen der Menschen erweicht werden. Wie viele sind doch hart geblieben, obwohl er für sie gestorben ist!
„Sie gaben mir Gift als Speise“ – das erinnert uns an die verschiedenen Getränke, die sie Jesus angeboten haben. Das Wein-Myrrhe-Gemisch hat er abgelehnt, weil es ein Betäubungsmittel war und Jesus ganz für uns leiden wollte, das zweite sollte seinen Todesprozess verlängern und war Essig. Man kann durchaus von Gift sprechen, denn gesund war es sicherlich nicht….
„Ich will im Lied den Namen Gottes loben, ich will ihn mit Dank erheben.“ Mit dem Stimmungsumschwung wird auch für uns deutlich: Nach dem Leiden kommt das Heil. Nach Karfreitag kommt Ostern. Nach der Dunkelheit des Todes kommt das Licht des Lebens. Es gibt bei Gott immer ein Happy Ending, auch wenn es noch so weit weg erscheint. Gott wendet alles zum Guten, nur müssen wir ihm ganz vertrauen, egal, wie unwahrscheinlich es zu sein scheint.
„Die Gebeugten haben es gesehen und sie freuen sich! Ihr, die ihr Gott sucht, euer Herz lebe auf!“ Nicht nur Jesus, der am tiefsten Gebeugte, ist Zeuge für dieses Happy Ending. Auch die vielen Märtyrer, die Johannes in der Offenbarung geschaut hat, die Apostel, die Glaubensvorbilder, sie alle sind mit einer unerschütterlichen Hoffnung in den Tod gegangen und wir glauben, dass sie direkt bei Gott sind und in der ewigen Anschauung seiner Herrlichkeit sein dürfen. Dies erwartet auch uns, wenn wir bis zum Schluss standhaft sind.

Mt 26
14 Darauf ging einer der Zwölf namens Judas Iskariot zu den Hohepriestern

15 und sagte: Was wollt ihr mir geben, wenn ich euch Jesus ausliefere? Und sie boten ihm dreißig Silberstücke.
16 Von da an suchte er nach einer Gelegenheit, ihn auszuliefern.
17 Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote gingen die Jünger zu Jesus und fragten: Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten?
18 Er antwortete: Geht in die Stadt zu dem und dem und sagt zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist da; bei dir will ich mit meinen Jüngern das Paschamahl feiern.
19 Die Jünger taten, wie Jesus ihnen aufgetragen hatte, und bereiteten das Paschamahl vor.
20 Als es Abend wurde, begab er sich mit den zwölf Jüngern zu Tisch.
21 Und während sie aßen, sprach er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich ausliefern.
22 Da wurden sie sehr traurig und einer nach dem andern fragte ihn: Bin ich es etwa, Herr?
23 Er antwortete: Der die Hand mit mir in die Schüssel eintunkt, wird mich ausliefern.
24 Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn ausgeliefert wird! Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre.
25 Da fragte Judas, der ihn auslieferte: Bin ich es etwa, Rabbi? Jesus antwortete: Du sagst es.

Im heutigen Evangelium wird uns davon berichtet, wie Judas Iskariot Jesus an die Hohepriester verkauft. Der Deal geht von ihm selbst aus, indem er die Hohepriester aufsucht und als erstes einen Preis aushandelt. Darum geht es ihm vor allem. Er ist geblendet von seiner Habgier. Uns ist von den Evangelien bekannt, dass er ein Dieb ist, weil er als Kassenwart die Einkünfte veruntreut. Sein Herz schlägt für Geld. Und dann? Dann wollen die Hohepriester ihm den damaligen Preis für Sklaven auszahlen! Dreißig Silberstücke für den leidenden Gottesknecht….
Dann ist es soweit, dass das große Wallfahrtsfest gekommen ist und die Vorbereitungen für das Paschamahl getroffen werden.
Die Jünger bereiten alles dafür vor und dann wird uns davon berichtet, wie sie zu Tisch liegen.
Jesus sagt den Jüngern nun, dass einer von ihnen ihn verraten wird. Jesus weiß schon längst, wer es ist. Er könnte noch alles aufhalten, doch er weiß, dass es so geschehen muss. Er spricht es dennoch an, denn er möchte Judas noch eine letzte Chance geben, umzukehren.
Ganz aufgeregt fragen die Apostel Jesus, ob sie es sind. Dann gibt Jesus als Antwort den Code an, über den ich gestern schon gesprochen habe nach der Johannesversion: Er gibt hier einen Code aus Ps 41 wieder, wo es heißt, dass der Verräter vom selben Brot isst wie der Ausgelieferte. So soll den Jüngern nämlich klargemacht werden, dass die Schrift es schon angekündigt hat und dieser Verrat geschehen muss.
Dies erklärt Jesus dann auch, wenn er sagt: „Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt.“ Es muss geschehen, sonst kann Jesus nicht die Welt erlösen. Und als Petrus einige Kapitel zuvor die Leidensankündigung zurückweist (das muss verhütet werden), da vertrieb Jesus sogar den Satan, der hinter solchen Aussagen steckt. Es muss geschehen, nur so kommt das Heil. Das heißt aber nicht, dass es gut ist, der Verräter zu sein. Deshalb spricht Jesus diese sehr harten Worte (es wäre für ihn besser, wenn er nie geboren wäre). Jesus, den Sohn Gottes zu verraten, ist die schlimmste Sünde, die man tun kann. Deshalb spricht Jesus so drastische Worte. Judas soll wachgerüttelt werden und nicht nur er, sondern auch die anderen. Denn Petrus wird Jesus ebenso verraten. Wir sehen ja, dass diesem aber vergeben wird, weil er von Herzen seinen Verrat bereut. Judas wäre auch vergeben worden, wenn er die Vergebung angenommen hätte. Wir sehen also, dass Jesu Worte nicht wirklich bedeuten, dass Judas nie geboren werden sollte.
Judas fühlt sich wohl auch angesprochen und die Worte haben gesessen. Er fragt gerade heraus: „Bin ich es etwa, Rabbi?“ Jesus nimmt kein Blatt vor den Mund und antwortet ihm mit „du sagst es“. Er weiß, was Judas im Schilde führt. Auch Judas weiß nun, dass Jesus alles durchschaut hat. Und doch nutzt Judas diese Chance zur Umkehr nicht. Er zieht seinen Plan durch und so wird Jesus dennoch ausgeliefert.
Es ist eine tragische Geschichte, weil sie tragisch für Judas endet. Hätte er doch so gehandelt wie Petrus! Wie wichtig ist es auch für uns, auf Gottes Barmherzigkeit zu vertrauen und diese anzunehmen! Wie sehr redet der Satan auch uns ein, dass unsere Sünde ja so schlimm ist, dass Gott uns nie verzeihen würde! Egal wie groß die Sünde auch sein mag: Gottes Vergebung ist immer stärker. Sie wird uns zuteil, wenn wir von Herzen unsere Sünde bereuen, sie bekennen, Gott versprechen, sie nie wieder zu tun, sie wiedergutzumachen. Nutzen wir diese Barmherzigkeit wirklich ganz und bereiten wir uns auf eine gute Beichte vor! Gott ist bereit, uns von Herzen zu vergeben, selbst wenn wir ihn verraten haben!

Ihre Magstrauss