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Montag der 1. Woche im Jahreskreis

Hebr 1,1-6; Ps 97,1-2.6-7.9 u. 12; Mk 1,14-20

Heute beginnt ein neuer Jahreskreis. Zugleich startet die Bahnlesung des Hebräerbriefes, der hochspannend ist!

Hebr 1
1 Vielfältig und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten;

2 am Ende dieser Tage hat er zu uns gesprochen durch den Sohn, den er zum Erben von allem eingesetzt, durch den er auch die Welt erschaffen hat;
3 er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Abbild seines Wesens; er trägt das All durch sein machtvolles Wort, hat die Reinigung von den Sünden bewirkt und sich dann zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt;
4 er ist umso viel erhabener geworden als die Engel, wie der Name, den er geerbt hat, ihren Namen überragt.
5 Denn zu welchem Engel hat er jemals gesagt: Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt, und weiter: Ich will für ihn Vater sein und er wird für mich Sohn sein?

6 Wenn er aber den Erstgeborenen wieder in die Welt einführt, sagt er: Alle Engel Gottes sollen sich vor ihm niederwerfen.

Wir hören heute den Beginn des Hebräerbriefes, einer interessanten Schrift mit großem Wortschatz, jüdisch-hellenistischem Stil und Auslegungsmethoden, wie sie vor allem in Alexandria gepflegt worden sind – die allegorische Bibelauslegung haben die Alexandriner auf ein ganz hohes Niveau gebracht! Das ist schon ein wichtiges Stichwort, dass wir die Ausführungen richtig verstehen. Es werden nämlich viele alttestamentliche Elemente herangezogen, um sie christologisch auszulegen. Dabei spielt das Prinzip der Typologie eine entscheidende Rolle:
Zunächst wird die bisherige Heilsgeschichte zusammengefasst mit der Aussage: „Vielfältig und auf vielerlei Weise hat Gott zu den Vätern gesprochen durch die Propheten.“ Mit den Vätern sind die Autoritäten des Alten Bundes gemeint. Davon zeugt das Alte Testament. Immer wieder wird der Wille Gottes diesen durch die Propheten kundgetan. Was aber auf der Höhe der Zeit geschehen ist, ist qualitativ auf einem ganz anderen Niveau: Gott selbst ist zum offenbarenden Wort für uns geworden! Er hat nicht mehr durch Propheten gesprochen, sondern durch seinen eigenen Sohn! Er ist das fleischgewordene Wort, das den Mund des Vaters verlassen hat. Es ist die authentischste und bildlichste Vermittlung dessen, was Gott ist. Dieser ist der Erbe – er ist gleichsam der Kronprinz des Reiches Gottes! Er war auch bei der Schöpfung dabei, denn durch ihn ist alles geschaffen worden. Er ist der Schöpfungsmittler als Exekutive des Vaters – er ist ja das gesprochene Wort des Vaters, der Logos, durch den die Schöpfungstaten in Gang gesetzt worden sind. Er ist die Logik hinter den Naturgesetzen, er ist die Systematik hinter allen Abläufen in der Schöpfung. Er ist die Ordnung von Fauna und Flora, von Himmelskörpern und Gravitation, von allem!
Wie bereits gesagt ist der Sohn das Bild des Vaters. An ihm erkennen wir Gott am besten, denn er ist „der Abglanz seiner Herrlichkeit“. Das gesprochene Wort erkennen wir auch an dem irdischen Wirken Jesu, denn auch er vollbringt seine Heilstaten durch das gesprochene Wort. Er ruft „talita kum“ der toten Tochter des Synagogenvorstehers zu. Er sagt: „Ich will es. Werde rein“ zu dem Aussätzigen. Er sagt zu dem Gelähmten, der auf einer Bahre von einem Dach aus hinabgelassen wird: „Steh auf, nimm deine Liege und geh nach Hause!“ Jesus heilt durch sein gesprochenes Wort. Der Gelähmte, der vom Dach hinabgelassen wird, lehrt uns den nächsten Aspekt, der im Hebräerbrief thematisiert wird: Christus vergibt die Sünden. Dies tut er bereits zu Lebzeiten, indem er dem Gelähmten zuerst die Schuld vergibt und ihn erst dann von seiner Lähmung heilt. Sünden kann nur Gott vergeben, weshalb viele Anstoß an ihm nehmen, nämlich jene, die nicht an seine Gottheit glauben. Hier wird im Hebräerbrief mit der Reinigung der Sünden aber noch etwas Anderes herausgestellt und an der gesamten Aussage erkennen wir eine Zusammenfassung der Heilstaten Christi: Es geht um die Erlösung, die er durch Leiden, Tod und Auferstehung erwirkt hat. Er ist für uns am Kreuz gestorben, um die Sühnung der Sünden aller Menschen in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu erlangen! Der Hebräerbrief erklärt den Sühnetod Jesu Christi sehr ausführlich.
Jesus hat diese Sühne erwirkt und alle, die seine Erlösung annehmen und sich als Zeichen des Glaubens an ihn taufen lassen, werden neugeschaffen zu einer neuen Schöpfung. Jesus Christus weilte noch einige Zeit auf Erden nach seiner Auferstehung, bevor er zum Vater heimkehrte. Wir beten deshalb auch im Glaubensbekenntnis: „Er sitzet zur Rechten Gottes, des Vaters.“ Seine Entäußerung ist weggenommen, seine „Nichtinanspruchnahme“ der Göttlichkeit ist zuende. Er hat das Werk der Erlösung vollbracht und ist nun wieder voll der Herrlichkeit. In dieser wird er wiederkommen am Ende der Zeiten und alle werden es sehen.
Seine Herrlichkeit ist unvergleichlich größer als die der Engel. Diese sind zwar stark und ebenfalls verklärt, doch sie sind Geschöpfe. Er ist Gott. Sein Name ist heilig, heiliger als die Namen der Engel.
Kein Engel ist Sohn Gottes wie er. Er ist der einzige Sohn des Vaters und eins mit diesem. Da kann kein Engel, auch nicht der hellste, schönste und mächtigste unter ihnen, mithalten.
Und wenn Gott seinen Sohn wieder in den Erdkreis einführt – gemeint ist am Ende der Zeiten, wenn Christus wiederkommt – dann sollen die Engel ihn anbeten. Dies meint die Geste des Niederwerfens. Diese letzte Aussage ist zwei alttestamentlichen Bibelstellen entnommen, Dtn 32,43 und Ps 97,7 nach der Septuagintaversion (dem griechischen Alten Testament). In der hebräischen Bibel steht in Dtn an der Stelle nicht die Anbetung der Himmel (deshalb hier im Hebräerbrief die Engel, denn diese sind die Lebewesen des Himmels), sondern die Völker. Der Hebräerbrief greift die Verheißungen des Alten Testaments auf, die besagen (ob Himmelswesen oder Lebewesen auf der Erde), dass alle die Ehre dem einen wahren Gott geben werden. Dann werden alle erkennen, dass es nur diesen einen wahren Gott gibt und er der Herrscher des ganzen Universums ist, Herr des Himmels und der Erde, der sichtbaren und der unsichtbaren Welt. Psalm 97 wird uns nun auch als Antwortpsalm begegnen, der die Grundlage des Schlussaspekts im Hebräerbrief bildet.

Ps 97
1 Der HERR ist König. Es juble die Erde! Freuen sollen sich die vielen Inseln.

2 Rings um ihn her sind Wolken und Dunkel, Gerechtigkeit und Recht sind die Stützen seines Thrones.
6 Seine Gerechtigkeit verkünden die Himmel, seine Herrlichkeit schauen alle Völker.
7 Alle, die Bildern dienen, werden zuschanden, die sich der Götzen rühmen. Vor ihm werfen sich alle Götter nieder.
9 Denn du, HERR, bist der Höchste über der ganzen Erde, hoch erhaben bist du über alle Götter.
12 Freut euch am HERRN, ihr Gerechten, dankt seinem heiligen Namen!

Als Antwort betet die Kirche einen Lobpsalm. Gott ist König und ist als Mensch gewordener Messias zu uns gekommen. Gottes Königsherrschaft, so wird Jesus als Erwachsener erklären, ist nicht von dieser Welt, wie gesagt ist er der Herr des ganzen Universums, vor allem aber ist er König des Gottesreiches, doch fühlen sich mit Jesu Geburt die irdischen Herrscher bedroht. Herodes lässt sogar alle erstgeborenen Söhne bis zum zweiten Lebensjahr umbringen, damit der Messias ihm den Königsthron nicht streitig macht. Wir glauben, dass Gott über allen Königen steht und der Weltenherrscher ist. Dies bejubeln wir heute als gesamte Menschheit („es juble die Erde“). Auch „die vielen Inseln“ sollen sich freuen. Weltweit soll das Lob Gottes erschallen.
Gottes Thron wird von „Gerechtigkeit und Recht“ gestützt. Das ist sehr bildhaft geschrieben und ist auf Gottes Herrschaft zu beziehen: Diese gründet auf Gerechtigkeit und Recht. Wenn Gott richtet, ist es immer gerecht und berücksichtigt jene, die auf Erden Ungerechtigkeit erfahren haben. Deshalb ist Gottes Gericht auch eine Erlösung für die Menschen. „Wolken“ sind uns als Theophaniezeichen bekannt. Immer dort, wo Gottes Herrlichkeit im AT sowie NT sich auf etwas hinabsenkt, kommt eine Wolke oder Wolkensäule. Manchmal wird es als Rauch beschrieben. Die Nennung von Dunkelheit ist nicht ganz wörtlich. Eigentlich heißt das hebräische Wort עֲרָפֶל arafel nicht Dunkelheit, sondern Nebel. Beides – „Wolke“ und „Nebel“ stellen Theophaniezeichen Gottes dar, also Phänomene, die seine Gegenwart anzeigen.
Gottes Herrlichkeit schauen die Völker. Dabei sind allgemein alle Völker gemeint, nicht nur die Stämme Israels. Das hebr. הָעַמִּ֣ים ha’ammim „die Völker“ ist ein allgemein gehaltenes Wort.
Gott ist der Höchste und der einzige, den die Menschen anbeten dürfen. Alle, die dagegen Kultbilder anbeten, werden schwer bestraft. Götzendienst ist die schlimmste Sünde, die es für Gott gibt, der ein eifersüchtiger Gott ist. Nicht umsonst ist es das erste Gebot des Dekalogs. „Vor ihm werfen sich alle Götter nieder.“ Wir können es rhetorisch oder als poetisches Stilmittel sehen (die Nichtigkeiten, die es gar nicht gibt, verbeugen sich vor dem einzig wahren Gott) oder es ist wirklich wörtlich gemeint. Denn zu einer bestimmten Zeit verstanden die Menschen schon, dass Gott der Höchste ist, doch schlossen die Existenz anderer Götter nicht aus. Erst nach dem Exil kommt die Erkenntnis, dass es eigentlich nur einen einzigen Gott gibt und die Götter der anderen Völker nur Illusionen sind. Je nachdem, was man hier für einen Erkenntnisstand voraussetzt, muss man es verstehen. Für uns Christen ist klar, dass dies sinnbildlich zu verstehen ist: Es gibt nur einen einzigen Gott und alles andere ist Götze. Diese Aussage ist gleichsam als Steigerung zu verstehen, denn Gott ist nicht nur anzubeten von allen Lebewesen auf Erden, sondern sogar von den Göttern des Himmels. Das zeigt, dass er wirklich Herr ist über das ganze Universum, über die sichtbare und die unsichtbare Welt. Dieser siebte Vers liegt der Passage aus dem Hebräerbrief zugrunde. Die „Götter“ beten Gott an, also die Himmelsbewohner. Er ist wahrlich der Höchste.
Zum Schluss erfolgt ein Lobpreisaufruf Gottes. Das ist typisch für Psalmen und auch wir dürfen uns angesprochen fühlen. Der Herr wird seinem Namen immerzu gerecht, er rettet und heilt. Er ist zugleich heilig, weil er der ganz Andere ist.

Mk 1
14 Nachdem Johannes ausgeliefert worden war, ging Jesus nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes 
15 und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!
16 Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihre Netze auswarfen; sie waren nämlich Fischer. 
17 Da sagte er zu ihnen: Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. 
18 Und sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm nach. 
19 Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren im Boot und richteten ihre Netze her. 
20 Sogleich rief er sie und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach.

Im Evangelium hören wir von den Anfängen der Reich-Gottes-Verkündigung Jesu. Er beginnt damit, als Johannes ins Gefängnis geworfen wird. Der Kern seiner Verkündigung von Anfang an besteht aus Umkehr und Glaube, weil das Reich Gottes nahe ist (Vers 15). Ohne beide Elemente können wir nicht Teil des Gottesreiches werden. Es ist zugleich so einfach und doch so schwer in der Umsetzung. Die Umkehr ist so ziemlich das Unattraktivste, das man verkündigen kann. Umkehr ist anstrengend und unbequem. Man muss sein Leben ändern, um die Beziehung zu Gott zu retten.
Warum ist „die Zeit (…) erfüllt“ und „das Reich Gottes (…) nahe“? Es hängt mit der Person Jesu Christi ganz eng zusammen. Er ist nun mitten unter den Menschen, wodurch das Reich Gottes selbst angebrochen ist.
Jesu Existenz führt die Menschen immer zur Entscheidung. So appelliert er an sie „kehrt um und glaubt“. Nun liegt es an ihnen, dies zu befolgen und das Reich Gottes zu gewinnen oder ihn abzulehnen und mit ihm das Himmelreich.
Wie Simeon im Tempel angekündigt hat, wird Jesus zum Maßstab, an dem sich die Geister scheiden. Dies hat sich bis heute nicht geändert. Tag für Tag müssen wir dem Herrn aufs Neue unser Ja schenken, indem wir umkehren und an ihn glauben. Die tägliche Umkehr heißt, den gestrigen Menschen abzulegen und heute alles daran zu setzen, einen weiteren Schritt zur Heiligkeit zu machen: heute die Sünde zu vermeiden, die ich gestern noch getan habe, und die Liebe zu Gott und zu dem Nächsten besser umzusetzen.
In der Kirche geschieht die Umsetzung dessen, was Jesus hier sagt, durch die Taufe, die das sichtbare Zeichen des inneren Glaubens ist. Im Taufritus widersagt man dem Bösen mit seinen Versuchungen und wird daraufhin nach dem Glaubensbekenntnis gefragt. Durch diese Elemente wird die Umkehr (in Form von Abkehr vom Bösen) sowie der Glaube (an den dreifaltigen Gott) umgesetzt. Das angebrochene Reich Gottes wird sakramental durch die Gemeinschaft der Gläubigen (der Kirche) vorweggenommen. Erfüllen wird es sich am Ende der Zeiten, weil es dann für alle offenbar wird.
Gott braucht uns Menschen theoretisch nicht, um Gott zu sein und Liebe zu sein. Er ist ja in sich schon Gemeinschaft. Er möchte uns aber bei sich haben und hat uns zur Liebe geschaffen. Aus dem Grund möchte Jesus auch die Mithilfe von Menschen bei der Verkündigung seiner Reich-Gottes-Botschaft. Deshalb geht er am See entlang (der hier angedeutete See ist der See Gennesaret). Er sieht Simon (den späteren Petrus) und seinen Bruder Andreas sowie die Zebedäusbrüder Johannes und Jakobus bei ihrer Arbeit als Fischer. Es ist kein Zufall, dass er ausgerechnet solche als Jünger auswählt. Fischer sind wie Hirten sehr einfache Berufe, die von Menschen mit geringem Bildungsgrad ausgeübt worden sind. Das schließt jedoch nicht die religiöse Bildung ein, welche in der Regel sorgfältig vonstatten geht. So wie einfache Hirten die ersten Zeugen der Geburt Christi darstellten, so sind es jetzt einfache Fischer, die zur Nachfolge Christi berufen werden. Gottes Pädagogik ist so überragend, dass er auch hier eine ganz bestimmte Berufsgruppe auserwählt hat: In Ezechiel wird der Tempel mit dem lebendigen Wasser verheißen, welches viele Fische und gesundes Meer zur Folge haben wird und die Fischer von „En-Gedi bis En-Eglajim“ viele Fische fangen werden (Ez 47,9-10). Ebenso sollen Simon, Andreas, Johannes und Jakobus sich nun bereit machen, aufgrund des lebendigen Wassers, dem Heiligen Geist, viele „Fische“ zu fangen. Jesus erklärt aber nun, dass er damit Menschen meint. Die auserwählten Jünger sollen von nun an Menschen „fangen“, also gewinnen, die durch das lebendige Wasser in die Fischernetze der Fischer kommen werden.
Womöglich ist den Gerufenen das auch aufgegangen, weil sie sofort alles stehen und liegen lassen (sogar den eigenen Vater Zebedäus), um Jesus nachzufolgen. Es heißt hier im Griechischen εὐθύς euthys, was „sofort“ heißt. Sie zögern nicht. Jesus ruft sie und sagt „kommt und folgt mir nach“. Bis heute beruft er Menschen mit diesen Worten. Er möchte bis heute Menschenfischer für sein Reich haben, denn die „Arbeit“ ist nie abgeschlossen. Das meint zu allererst besondere Einzelpersonen wie Petrus usw. Wir sprechen hier von geistlicher Berufung, in besonderer Weise das übliche Leben zurückzulassen, sogar die biologische Familie zu verlassen, um einer größeren Berufung nachzugehen. Es meint in erster Linie diejenigen, die sich für das Weltpriestertum oder für ein Ordensleben entscheiden.
Darüber hinaus ruft Gott jeden einzelnen Menschen bei seinem Namen. Er ruft nach uns, damit wir zu ihm kommen und ihn zurücklieben, ihn, der uns zuerst geliebt hat. Jeder Mensch, ob er will oder nicht, wird von Gott angezogen und ersehnt ihn in der Tiefe seines Herzens, weil er Abbild Gottes ist. Diese Sehnsucht treibt ihn so lange, bis er das ewige Heil in Christus gefunden hat und sich taufen lässt. Der Geist, das lebendige Wasser, führt die Menschen zu Jesus. Und auch uns ruft der Herr mitten ins Leben hinein, damit wir uns im Hier und Jetzt ändern.

Heute lernen wir etwas darüber, wie Berufung aussieht und wie man auf sie reagieren soll. Diese Berufung erklärt sich mit der heilsgeschichtlichen Zusammenfassung und Besonderheit der Menschwerdung Gottes in Christus, wie es der Hebräerbrief belegt. Die Jünger Jesu sind uns ein großes Vorbild: Könnten wir auch alles stehen- und liegenlassen? Beten wir um geistliche Berufungen in unserer heutigen Zeit! Beten wir auch darum, dass alle Menschen, besonders die Mächtigen dieser Welt, erkennen, wer wirklich das Sagen hat. Beten wir, dass alle Menschen zur Umkehr gelangen und sich niederwerfen vor den Herrn, noch bevor er wiederkommt und die ganze Welt richten wird.

Ihre Magstrauss

9. Januar in der Weihnachtszeit

1 Joh 4,11-18; Ps 72,1-2.10-13; Mk 6,45-52

1 Joh 4
11 Geliebte, wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben. 
12 Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns und seine Liebe ist in uns vollendet. 
13 Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns bleibt: Er hat uns von seinem Geist gegeben. 
14 Wir haben geschaut und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Retter der Welt. 
15 Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott und er bleibt in Gott.
16 Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm. 
17 Darin ist unter uns die Liebe vollendet, dass wir am Tag des Gerichts Zuversicht haben. Denn wie er, so sind auch wir in dieser Welt.
18 Furcht gibt es in der Liebe nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht. Denn die Furcht rechnet mit Strafe, wer sich aber fürchtet, ist nicht vollendet in der Liebe
.

Heute hören wir die Fortsetzung des ersten Johannesbriefes. Es geht heute weiterhin um die Konsequenz des Geliebtseins von Gott. Gestern fassten wir als Kern der Lesung zusammen: Unser ganzes Leben soll Antwort darauf sein, dass Gott uns zuerst geliebt hat.
Heute geht es noch weiter: Die Nächstenliebe leitet sich von der Gottesliebe ab.
Es wird sogar noch mehr zugespitzt: Gottes Liebe wird in uns vollendet, wenn wir unseren Nächsten lieben. Das heißt, dass Gott seiner Liebe Ausdruck verleiht durch die Mitmenschen. Dies ist komplementär und ergänzend zu betrachten zu dem, was Jesus z.B. im Matthäusevangelium sagt: Wir tun durch die barmherzigen Taten am Mitmenschen eigentlich Gott einen Dienst (Mt 25, „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“). Hier lesen wir jetzt die andere Seite der Medaille: Wenn uns jemand liebt, wenn er uns etwas Gutes tut, ist es eigentlich Gott, der durch diese Person handelt. Das heißt nicht, dass der Mensch keinen Anteil daran hat. Es ist vielmehr ein Teamwork der Liebe, denn Gottes- und Nächstenliebe hängen untrennbar miteinander zusammen. Wir Menschen geben durch die Liebe, die wir unserem Nächsten schenken, unser Ja. Wir entscheiden uns für den anderen, das heißt wir wirken aktiv mit als freiwillige Werkzeuge der Liebe Gottes.
Wenn wir das so tun, sind wir im Stand der Gnade. Dies wird durch diese Wendung ausgesagt, dass Gott in uns ist und wir in ihm. Das macht auch Sinn. Leben wir nach den zehn Geboten, leben wir die Gottes- und Nächstenliebe. Während die ersten drei Gebote die Gottesliebe betreffen, sind die anderen sieben Gebote auf die Nächstenliebe zu beziehen. Gehen Sie mal in Ruhe die zehn Gebote durch…
Ab Vers 13 erfahren wir, woran wir den Stand der Gnade erkennen: Der Geist Gottes wirkt in uns. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass wir im Stand der Sünde den Geist nicht in uns haben. Dabei liegt das nicht daran, dass Gott uns seinen Geist verweigert, sondern dass wir selbst ihn von uns wegschieben.
Ab Vers 14 werden noch einmal die Glaubenswahrheiten angedeutet, die die Kirche bekennt und die von bestimmten häretischen Gruppierungen geleugnet werden: Der Vater hat den Sohn als Retter der Welt gesandt und dieser ist tatsächlich Mensch geworden. Und Jesus ist dieser Sohn, den Gott zur Erlösung hat Mensch werden lassen. Diese Inhalte sind so grundlegend und entscheidend, dass ihre Leugnung zum Verlust des Stands der Gnade führen kann! Das müssen wir wirklich verinnerlichen. Wenn wir die Lehre der Kirche nicht annehmen, die ja nicht einfach gesetzt ist so nach dem Motto „glaub das oder tritt aus!“, sondern die schon geglaubt worden ist vor ihrer verbindlichen Verkündigung als Dogma – geführt durch den Hl. Geist. Jesus ist der Sohn Gottes. Er ist nicht einfach nur ein gewöhnlicher Mensch, wie Arius im 4. Jh. behauptete (das wird hier weniger angedeutet), er ist auch nicht eine „Fata Morgana“ ohne Materie (darum geht es hier vor allem, das ist Doketismus). Die Aposteln und die ganzen Jünger, die seine Augenzeugen waren, haben seinen echten Körper gesehen, sie haben ihn berührt, sie haben ihn essen gesehen. Er ist echt.
Wenn in Vers 16 steht, dass wir die Liebe erkannt und gläubig angenommen haben, deutet das die Taufe an. Wir sind zu seinen Kindern und Erben geworden. Wir haben Gott selbst angenommen und angefangen, ihn zurückzulieben. Gott ist nämlich selbst die Liebe und in der Liebesgemeinschaft mit ihm haben wir den Stand der Gnade geschenkt bekommen.
Das hat Auswirkungen auf unseren Lebensausgang und dadurch auch auf unseren jetzigen Lebensstil: Durch den uns geschenkten Stand der Gnade ist uns die Angst genommen worden (φόβος  fobos). Wir müssen vor dem Gericht Gottes, vor dem Tod und vor dem Ende der Welt keine Angst haben, wenn wir im Stand der Gnade sind. Angst kommt nicht vom Hl. Geist, sondern hängt mit Schuldgefühlen zusammen. Wir haben Angst vor der Strafe, weil wir wissen, dass wir etwas Böses getan haben. Wenn wir uns aber stets um den Stand der Gnade bemühen, haben wir nichts zu befürchten. Dann haben wir Zuversicht, wie es hier in der Einheitsübersetzung heißt. Das griechische Wort ist παρρησία parresia, was eigentlich „Offenheit, Redefreiheit“ bedeutet. Wir werden uns vor Gericht offen und frei rechtfertigen, weil wir auf seine Liebe vertrauen. Das alles ist auch der Grund, warum im Alten Testament das göttliche Gericht so positiv und erleichternd dargestellt wird. Es ist nichts Bedrohliches, sondern eine Erlösung für die ungerecht Behandelten, die aber gerecht vor Gott sind.
Man kann die heutige Lesung mit einem Satz zusammenfassen: Das höchste Ziel im Leben und darüber hinaus ist die Liebesgemeinschaft mit Gott.

Ps 72
1 Für Salomo. Verleih dein Richteramt, o Gott, dem König, dem Königssohn gib dein gerechtes Walten. 
2 Er regiere dein Volk in Gerechtigkeit und deine Elenden durch rechtes Urteil.   
10 Die Könige von Tarschisch und von den Inseln bringen Gaben, mit Tribut nahen die Könige von Scheba und Saba. 
11 Alle Könige werfen sich vor ihm nieder, es dienen ihm alle Völker. 
12 Ja, er befreie den Armen, der um Hilfe schreit, den Elenden und den, der keinen Helfer hat. 
13 Er habe Mitleid mit dem Geringen und Armen, er rette das Leben der Armen
.

Diesen Psalm beten wir die Tage besonders oft, weil wir uns erstens noch in der Weihnachtszeit befinden, zweitens weil wir zwischen Epiphanie und Taufe des Herrn stehen.
Gott wird um die Gabe gerechten Richtens gebeten (Vers 1). David bittet auch um die Gabe gerechten Herrschens für Salomo. Es geht aber über seinen Sohn hinaus, wenn wir lesen, dass die Herrschaft von „Meer zu Meer“ und „an die Enden der Erde“ gehen soll. Dies ist für einen israelitischen Herrscher natürlich unrealistisch. Man könnte solche Wendungen hier als rhetorisches Stilmittel erklären, was auch nicht falsch ist. Dennoch lesen wir über den Text hinaus: Hier wird ein übermenschlicher Herrscher erbeten. König David wird sich dessen noch nicht bewusst gewesen sein, was der Hl. Geist ihm im Gebet eingegeben hat, aber hier wird um Jesus Christus gebeten: Nur er ist wirklich ganz gerecht. Das kann ein gewöhnlicher Mensch nicht sein. Er ist wahrlich der Befreier der Armen – und nicht nur materiell, sondern umfassend. Er wird die Randständigen wieder in die Mitte der Gesellschaft setzen wie die blutflüssige Frau oder die Aussätzigen und die Besessenen, die nicht mehr in der Stadt leben durften. Er wird aber vor allem uns alle, die wir durch die Sünde arm sind, befreien von der Knechtschaft der Erbsünde, die uns das Paradies verschlossen hat. Was in den Versen 10 und 11 beschrieben wird, hat sich teilweise bei Salomo erfüllt. Wie oben erwähnt kam die Königin von Saba und bewunderte den Reichtum und die Herrlichkeit des salomonischen Reiches. Sie kam auch mit Gaben. Aber es hat sich mit Salomo nicht erfüllt, dass alle Könige sich ihm unterstellt haben. Das steht auch noch aus, wie wir an der hebräischen Verbform וְיִשְׁתַּחֲווּ w’jischtachavu erkennen. Sie „werden niederfallen“ – und zwar vor dem kleinen Jesuskind in der Grotte von Bethlehem, vor dem Kreuz (der heidnische Hauptmann, der Jesu Gottessohnschaft erkennt), vor dem Leib Christi in der Eucharistie (wir sind aus allen Völkern, Sprachen, Nationen). Die Sterndeuter repräsentieren alle Herrscher dieser Welt sowie die Völker, von denen hier die Rede ist (übrigens wiederum ausgedrückt durch das hebräische Wort gojim).

Mk 6
45 Gleich darauf drängte er seine Jünger, ins Boot zu steigen und ans andere Ufer nach Betsaida vorauszufahren. Er selbst wollte inzwischen die Leute nach Hause schicken. 

46 Nachdem er sich von ihnen verabschiedet hatte, ging er auf einen Berg, um zu beten. 
47 Als es Abend wurde, war das Boot mitten auf dem See, er aber war allein an Land. 
48 Und er sah, wie sie sich beim Rudern abmühten, denn sie hatten Gegenwind. In der vierten Nachtwache kam er zu ihnen; er ging auf dem See, wollte aber an ihnen vorübergehen.
49 Als sie ihn über den See gehen sahen, meinten sie, es sei ein Gespenst, und schrien auf. 
50 Alle sahen ihn und erschraken. Doch er begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! 
51 Dann stieg er zu ihnen ins Boot und der Wind legte sich. Sie aber waren bestürzt und fassungslos. 
52 Denn sie waren nicht zur Einsicht gekommen, als das mit den Broten geschah; ihr Herz war verstockt.

Der heutige Abschnitt aus dem Markusevangelium schließt sich an die wunderbare Speisung von gestern an. Direkt nach diesem Wunder „drängt“ Jesus seine Jünger, mit einem Boot ans andere Ufer nach Betsaida zu fahren. Das Verb ἀναγκάζω anangkazo heißt „zwingen, überzeugen, beweisen“ und muss hier so verstanden werden, dass Jesus sich durchsetzt, obwohl die Jünger davon nicht so begeistert sind. Entweder klingt noch nach, dass Jesus zuvor etwas Absurdes von ihnen verlangt hat („gebt ihr ihnen zu essen“), sodass sie immer noch verwirrt vom Wunder sind, oder es ist etwas ganz anderes, was sehr an das Taborereignis erinnert: Sie wollen nicht weg, weil es so schön ist. Sie haben mit dem Wunder der Speisung von 5000 Männern Gottes Herrlichkeit erahnt und wollen diesen wunderbaren Moment nicht direkt wieder verlassen. Sie sind Augenzeugen geworden, wie wir heute im ersten Johannesbrief gelesen haben.
Die zweite Erklärung macht mehr Sinn. Warum? Jesus tat die ganzen Wunder im Laufe seines irdischen Lebens ja in erster Linie, damit die Menschen zum Glauben an ihn kommen bzw. gestärkt werden. Seine Jünger werden da keine Ausnahme gebildet haben!
Und nun lesen wir auch die Bestätigung dessen, was wir gestern schon vermutet haben: Jesus schickt die Leute nun selbst nach Hause, was die Jünger zuvor ja schon tun wollten. Jesus will von Anfang an niemanden quälen oder das leibliche Wohl vernachlässigen. Das Wunder ist ja nun vollbracht und die Lektion Gottes erteilt worden (die Vorbereitung der Anwesenden auf die Eucharistie und das himmlische Hochzeitsmahl). Jesus wollte die Menschen ja nicht überstrapazieren, indem er sie mitten in die Pampa lockt. Er hat sie genährt – körperlich, aber vor allem seelisch! Nun sollen sie „darüber schlafen“, also alles verarbeiten, was passiert ist.
Dann tut Jesus wieder etwas, das auf den ersten Blick absurd erscheint: Er schickt seine Jünger auf den See, geht selbst aber auf einen Berg. Das muss man richtig verstehen. Jesus zieht sich immer wieder auf einen Berg zurück, um mit seinem Vater zu sein. Jesus könnte es auch anders machen, denn egal, wo er ist, ist er eins mit seinem Vater. Er tut es aber um der Menschen willen. Sie sollen immer wieder die göttlichen Lektionen erteilt bekommen und nach und nach tiefer in das Geheimnis Gottes eintauchen. Seine Jünger sind Juden. Sie wissen aus der Hl. Schrift, dass der Berg der Ort einer besonderen Nähe zu Gott ist. Die wichtigen heilsgeschichtlichen Stationen haben auf einem Berg stattgefunden: Mose erhielt die zehn Gebote auf dem Berg Sinai, Abraham opferte seinen Sohn fast auf einem der Berge im Gebirge Morija. Die Arche Noahs ging auf einem Berg an Land. Elijah hatte ebenfalls eine Gottesbegegnung am Horeb. Man könnte noch ewig so weiter aufzählen. Die Jünger Jesu werden verstanden haben, warum Jesus ausgerechnet nach so spektakulären Wundertaten die Nähe zu seinem Vater sucht. Für uns ist das heute besonders erkenntnisreich: Wir lasen im ersten Johannesbrief davon, dass unser Sinn im Leben genau jene Liebesgemeinschaft mit Gott ist. Wir sehen an Jesu Verhalten heute, wie das konkret aussehen soll. Wir sollen uns im Gebet mit Gott von seiner Liebe umarmen lassen und dabei unseren „Tank“ auffüllen, mit dem wir dann unseren Mitmenschen barmherzig sein sollen. Gestern lasen wir davon, dass Jesus mit den Menschen Mitleid hatte. Er hat diesen Tausenden seine ganze Liebe geschenkt. Und danach geht er wieder zum Vater und tankt neu auf. So sollen auch wir die Liebe, die wir dem Nächsten schenken, immer wieder vom Herrn holen. Sind wir ganz in seiner Gemeinschaft, werden wir selbst zu einer unerschöpflichen Quelle der Liebe. Andernfalls geraten wir sehr schnell an unsere Grenzen.
Jesus schickt seine Jünger alleine auf den See. Auch das ist eine Lektion für die Jünger. Sie sind ja eigentlich gesättigt von der wunderbaren Speise – nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Das war jedenfalls das Ziel der Speisung. Und dann kommt der Gegenwind. Sie nehmen ihre ganze Kraft zusammen, haben aber Probleme, voranzukommen. Gott lässt das zu, nicht weil er sadistisch ist, sondern weil er sie lehren will. Der Unterricht des Tages ist noch nicht zuende. In der vierten Nachtwache, also im Morgengrauen, kommt Jesus auf dem Wasser ihnen entgegen. Ihre Reaktion ist Angst, da sie ihn für ein Gespenst halten. Heute haben wir bereits gelernt, dass Angst nicht vom Hl. Geist ist. Wir brauchen keine Angst zu haben, wenn wir in der Liebe Gottes leben. Deshalb sagt Jesus diesen wichtigen und so oft in der Bibel kommenden Satz „Fürchtet euch nicht!“ Mit Jesu Kommen legt sich der Wind. Das sagt etwas über seine Göttlichkeit aus. Die Schöpfung ist ihm untertan.

Die Jünger haben ihre Lektion nicht gelernt. Es heißt, dass sie verstockt waren. Das griechische Wort πεπωρωμένη peporomene heißt wörtlich „versteinert“ im Sinne von verhärtet. Sie ließen sich nicht formen wie der Töpfer aus Ton etwas Schönes formt. Sie waren nicht bereit, die Lektion Jesu an sich heranzulassen. Die Herzensbildung, um die es Jesus an dem Tag ging, ist gescheitert. Was war denn die Lektion, die Jesus sowohl mit der wunderbaren Speisung und der Bootsepisode erteilen wollte?
Wir fassen noch einmal zusammen: Jesus tut das Speisungswunder, was an die Eucharistie erinnert. Er bereitet seine Jünger auf den Neuen Bund vor, den er beim letzten Abendmahl beginnen und am Kreuz vollenden würde. Dass er dann direkt zum Berg geht und die Jünger alleinlässt, ist demnach die Vorbereitung der Jünger auf die Zeit nach seinem Tod. Er will sie dafür sensibilisieren, dass er sie durch den Kreuzestod für eine kurze Zeit alleine lassen würde, nur um in der „vierten Nachtwache“ von den Toten aufzuerstehen! Er geht auf dem Wasser, um sie darauf vorzubereiten, wie er als Auferstandener die Naturgesetze überwinden und in verschlossenen Räumen erscheinen wird. Er kommt zu ihnen zurück und mit seiner Gegenwart verschwinden ihre Probleme schlagartig. All das hätte sie zur Einsicht oder zumindest zur Erahnung führen sollen, wer Jesus ist.
Jesus will ihnen durch die Lektion noch etwas anderes lehren: Er will sie darauf vorbereiten, was die Eucharistie bedeuten wird. Sie ist seine Gegenwart, auch wenn sie ihn in jetziger Gestalt nicht mehr sehen. Durch diese Gegenwart soll sich ihr Verhalten auch ändern. Sie sollen verstehen, dass er da ist und dass sie ihm genauso vertrauen können, wie als er in Menschengestalt bei ihnen war. Als Jesus zu ihnen ins Boot steigt, vertrauen sie ihm immer noch nicht, sondern sind immer noch bestürzt und fassungslos. Noch sind sie nicht bereit, den Kern der Eucharistie zu verstehen.
Wir lesen die Lektion mehrdimensional. Die Speisung und die sich anschließende Episode erinnert auch an die Fortsetzung: Jesus hinterlässt der Kirche ein Testament, nämlich seinen eigenen Leib. Dann geht er heim zum Vater und beauftragt seine Kirche, in seinem Namen die Verkündigung der frohen Botschaft fortzusetzen. Das Boot/Schiff ist nicht umsonst eine gängige Metapher für die Kirche. Die Gemeinschaft der Gläubigen auf dem Boot müht sich ab in den Stürmen und Gegenwinden der Welt. Sie ist ohne Christus ganz verloren. Vielleicht deutet diese Episode schon die ängstliche Verbarrikadierung der Jünger Jesu an, die erst mit dem Kommen des Hl. Geistes den Mut erhalten, hinauszugehen und das Wort Gottes zu verkündigen. Es lehrt uns heute als Kirche jedenfalls eine deutliche Lektion. Wo wir versuchen, das Boot der Kirche zu steuern, ohne dass Jesus mit im Boot ist, ist unser Schiffbruch vorprogrammiert. Die Gegenwinde sind zu stark, als dass wir aus unserer eigenen Kraft dagegen anrudern könnten. Das betrifft jede Zeit. So war es bei den ersten Christen, so ist es auch gerade heute in den Wirren der Gegenwart. Überlassen wir auch heute als Kirche dem Herrn das Ruder, damit er uns sicher ans andere Ufer bringt, nämlich in das himmlische Jerusalem zum Vater. Die Bootsfahrt der Jünger von einem Ufer ans andere versinnbildlicht somit unsere jetzige Epoche der Kirche von Jesu Bundesschluss bis hin zum Ende der Zeiten. Wir sind in dieser Endzeit und steuern in ganz schlimmen Stürmen auf das andere Ufer zu. Ohne Jesu Gegenwart, das heißt ohne die Eucharistie, sind wir verloren. Falls wir nicht Schiffbruch erleiden, landen wir irgendwo anders, aber nicht im Himmel…Das ist so auch mit jedem einzelnen Menschen, der von einem Ufer ans andere segelt auf dem See seines Lebens. Wir erleiden im Laufe unserer Lebenszeit so viele Stürme und ganz viel Widerstand auf dem Weg zum Himmelreich. Der Böse will uns dort nicht sehen, sondern tut alles daran, dass wir Schiffbruch erleiden. Deshalb versucht er uns immer wieder, damit wir in Sünde fallen. Selbst die „Kleinigkeiten“ bohren winzige Löcher ins Boot, die mit der Zeit immer mehr aufbrechen, Wasser ins Boot laufen lassen und das Schiff zum Sinken bringen können, umso mehr die schweren Sünden. Rudern wir dann aus eigener Kraft wie wild dagegen an, werden wir höchstens aufgerieben und erschöpft. Irgendwann hören wir dann vielleicht sogar auf zu rudern und werden in die entgegengesetzte Richtung getrieben. Sind wir aber in Gemeinschaft mit Gott, wie heute im ersten Johannesbrief beschrieben, steigt Jesus also zu uns ins Boot, dann muss er nur ein Wort sagen und die Stürme legen sich. Laden wir stets Jesus in unser Boot, dann werden wir keinen Schiffbruch erleiden!
Schließlich lesen wir die Bootsepisode anagogisch. Jesus kommt am Ende der Zeiten, also in der letzten Nachtwache, unserem Boot der Kirche bzw. der gesamten Menschheit entgegen. Seine Herrlichkeit wird viele Menschen in Furcht bringen. Wir sollen aber keine Angst haben, sondern unsere Häupter erheben, denn „die Erlösung ist nahe“. Der verherrlichte Menschensohn ist unsere Erlösung, nicht unser Untergang. Wir haben nichts zu befürchten, wenn wir in einer Liebesgemeinschaft sind. Das mussten die Jünger damals noch lernen, das müssen auch wir heutzutage noch lernen. Deshalb steht der schon genannte Satz so oft in der Bibel, nämlich 365 Mal: Hab keine Angst. Er steht für jeden Tag in der Hl. Schrift, damit wir das nie vergessen.

Heute hören wir sehr viel von Gemeinschaft mit Gott. Sie ist das A und O im eigenen Glaubensleben, sie ist es aber auch im Leben der Kirche. Getrennt von Gott können wir nichts tun. Manchmal lässt er uns seine Abwesenheit spüren, damit wir genau daran erinnert werden und ihn wieder ins Boot holen. Er verlässt uns in solchen Phasen aber nicht wirklich, sondern fiebert mit uns mit, dass wir die Lektion verstehen. Sorgen wir dafür, dass unser Herz nicht versteinert ist, sondern sich durch die Lektionen Gottes formen lässt. Dann schwindet unsere Angst und wächst unsere Liebe.
Vertrauen wir Gott, der uns seine ganze Liebe schenkt und unser Boot zum richtigen Ufer bringt.

Ihre Magstrauss

Taufe des Herrn (B)

Jes 42,5a.1-4.6-7 oder Jes 55,1-11; Ps 29,1-2.3ac-4.3bu. 9b-10 oder Jes 12,2.3 u. 4bcd.5-6; Apg 10,34-38 oder 1 Joh 5,1-9; Mk 1,7-11

Jes 55
1 Auf, alle Durstigen, kommt zum Wasser! Die ihr kein Geld habt, kommt, kauft Getreide und esst, kommt und kauft ohne Geld und ohne Bezahlung Wein und Milch!
2 Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht? Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch laben an fetten Speisen!
3 Neigt euer Ohr und kommt zu mir, hört und ihr werdet aufleben! Ich schließe mit euch einen ewigen Bund: Die Erweise der Huld für David sind beständig.
4 Siehe, ich habe ihn zum Zeugen für die Völker gemacht, zum Fürsten und Gebieter der Nationen.
5 Siehe, eine Nation, die du nicht kennst, wirst du rufen und eine Nation, die dich nicht kannte, eilt zu dir, um des HERRN, deines Gottes, des Heiligen Israels willen, weil er dich herrlich gemacht hat.
6 Sucht den HERRN, er lässt sich finden, ruft ihn an, er ist nah!
7 Der Frevler soll seinen Weg verlassen, der Übeltäter seine Pläne. Er kehre um zum HERRN, damit er Erbarmen hat mit ihm, und zu unserem Gott; denn er ist groß im Verzeihen.
8 Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des HERRN.
9 So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken.

10 Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, ohne die Erde zu tränken und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen, dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, 
11 so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, ohne zu bewirken, was ich will, und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.

Am Sonntag nach Epiphanie feiern wir das Fest der Taufe des Herrn. Ganz bewusst wenden wir uns in diesem Jahr den alternativen Lesungen zu, die vorgeschlagen werden. Auch das Evangelium ist in diesem Lesejahr ein anderes: In der ersten Lesung dieses Sonntags geht es um die Einladung Gottes an die Durstigen, bei ihm Erquickung zu finden. Hier geht es um das Leben, nämlich um das ewige Leben. Die Durstigen, die zum Wasser kommen, sind die Menschen, die nach Gott dürsten. Es geht nicht um herkömmliches Wasser, das man zur Durstlöschung des Körpers verwendet, sondern um das lebendige Wasser für die Seele. Jeder Mensch sehnt sich als Gottes Abbild nach ihm, ob bewusst oder unbewusst. Und diese Sehnsucht kann nur Gott wirklich stillen. Wenn wir sie versuchen, woanders zu erfüllen, werden wir sehr unglücklich, denn die irdischen Güter können uns nicht glücklich machen. Die Seele schreit dabei nach Nahrung, denn heutzutage vergisst der Mensch, dass auch diese etwas zu essen braucht. Die Quelle der Seele, die ihren Hunger und ihren Durst stillen kann, ist allein Gott.
Wir verstehen aus christlicher Sicht, was damit gemeint ist: Der Heilige Geist! Dieser ist es, der bei der Schöpfung über der Urflut schwebt. Dieser ist es, der dem Menschen die ewige Seele einhaucht. Dieser ist es, der auch den ersten Menschen der neuen Schöpfung zum Leben erweckt! Das Leben kommt von Gott – nicht nur das biologische Leben, sondern auch das ewige! Auch gerade das Leben in Fülle, das heißt ein gesegnetes Dasein, kann nur Gott garantieren. Was der Mensch alleine versucht, wird ihn nicht glücklich machen. Auf das Volk Israel bezogen ist es die Anbetung irgendwelcher Götzen, die es in die Babylonische Gefangenschaft gebracht hat. Was versucht der Mensch nicht alles, um glücklich zu werden! Wie viel investieren auch wir bis heute in irdische Güter, damit wir uns selbst ein Leben in Fülle beschaffen? Und doch sind die Herzen der Menschen leerer als sonst, weil sie Gott nicht darin haben. Gottes Gnade, die uns glücklich machen kann, die uns das Leben in Fülle schenkt, kostet nichts! Der einzige Preis ist das Hören auf Gott.
„Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch laben an fetten Speisen! Neigt euer Ohr und kommt zu mir, hört und ihr werdet aufleben!“ Leben wir in Gemeinschaft und Einklang mit dem Willen Gottes, dann werden auch wir ein Leben in Fülle haben! Gott ist ein Gott des Lebens. Jesus hat ihm bis ans Kreuz vertraut. Er hat in allem den Willen seines Vaters getan und so hat dieser ihn von den Toten auferweckt! Dies sei uns ein Beispiel, damit auch wir am Ende leben, auch wenn wir sterben!
Gott ist bereit, einen ewigen Bund zu schließen. Er ist treu und hält, was er verspricht. Dieser Bund, der hier aber angekündigt wird, ist ein universaler Bund, also der neue Bund, der über die zwölf Stämme Israels hinausgeht. Dafür wird er einen Zeugen senden für alle Völker, nämlich seinen eigenen und einzigen Sohn! Dieser wird den neuen Bund besiegeln mit seinem eigenen Bund. Ein neues Gottesvolk wird entstehen, das nicht mehr nur die zwölf Stämme Israels umfassen wird. Dies zeigt uns das hebräische Wort an dieser Stelle: גֹּוי goj, das immer die nichtjüdischen Völker meint. Das Eilen der Nation zu Gott führt uns zurück zum Hochfest Epiphanie, das wir am 6. Januar gefeiert haben. Die Sterndeuter als Repräsentanten der heidnischen Völker eilen zum Jesuskind, um es anzubeten. Am Ende der Zeiten werden alle Völker zum himmlischen Zion kommen, um ihn anzubeten.
Gott ist Geheimnis, teilt sich aber den Menschen mit. Er ist ein sich offenbarender Gott. Das ist es, was Jesaja aussagen möchte, wenn er sagt: „Sucht den HERRN, er lässt sich finden, ruft ihn an, er ist nah!“ Es ist schon zusammengefasst in dem Sch’ma Israel in Dtn 6,4-9. Auch Jesus sagt: Wer sucht, der findet. Gott möchte, dass wir zu ihm kommen, weil er schon längst bei uns ist. Zugleich ist er für die Israeliten jener Zeit auf dem Weg zu ihnen. Der Messias kommt bald und so ist Gott auch von seiner Menschwerdung her nah! Es ist aber auch sakramental und moralisch zu verstehen, die wir nun als Kirche der Ewigkeit entgegen gehen. Auch da ruft uns der Herr dazu auf, ihn von Herzen zu suchen – es meint nicht einfach die Suche nach etwas Verlorenem oder noch nicht Existentem. Es ist vielmehr ein Aufsuchen, eine Sehnsucht und ein Wunsch nach ihm. Es ist das, was Augustinus sein Leben lang getan hat, bis er in der Kirche angekommen ist mit den Worten: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, oh Gott.“ Auch wir Christen sollen Gott in allem suchen und unser Verhalten danach ausrichten, ihm den ersten Platz in unserem Leben zu geben. Die Gottesliebe sowie die Nächstenliebe sollen den Antrieb des Menschen darstellen. Und wenn wir in die Kirche kommen, wo Christus im Allerheiligsten auf uns wartet, sind wir ihm sehr nahe, sogar so nahe, dass wir ihn in uns aufnehmen dürfen in der Kommunion! Dann nimmt er Wohnung im Tempel unseres Herzens, das ist die nächste Nähe, die er einnehmen kann.
Dass Jesajas Worte auch eine moralische Tragweite besitzen, erkennen wir an der Aufforderung: „Der Frevler soll seinen Weg verlassen, der Übeltäter seine Pläne.“ Das Bild des Weges ist eine gängige Metapher für den Lebenswandel des Menschen. Sünder sollen also den Weg der Sünde verlassen und die Gebote Gottes halten. Sie sollen eine Umkehr durchlaufen, damit sie Gottes Barmherzigkeit erfahren können. Dabei lehrt uns Jesaja: Reue und Umkehr sind Voraussetzungen für das Wirken der Barmherzigkeit Gottes in unserem Leben! Wir können nicht davon ausgehen, dass Gott uns schon die Sünden vergibt und beide Augen zudrückt, weil er ja die unendliche Liebe ist. Das wäre ein Missbrauch der Barmherzigkeit Gottes. Gottes Vergebungsbereitschaft ist unendlich, aber wenn wir ihr Schranken setzen, kann er nichts tun. Zu sehr ist ihm unser freier Wille heilig. Und die Barmherzigkeit Gottes muss aktiv angenommen werden durch das Bitten um Vergebung, durch Reue und Umkehr.
Auch wenn Gott sich den Menschen mitteilt und ihnen nahe sein will, wird er nicht zum durchschaubaren Objekt. Er bleibt Geheimnis, der ganz Andere, die absolute Transzendenz. Und seine Vorsehung übersteigt unseren menschlichen Verstand bei weitem. So sagt Jesaja ganz deutlich: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des HERRN.“ Das meint nicht nur die bösen Wege der Sünde, die ganz wesentlich von Gott zu unterscheiden sind. Das meint seinen göttlichen Willen, der autonom ist. Deshalb schließt sich auch der poetische Ausdruck über Himmel und Erde an: Gottes Wege überragen die menschlichen Wege wie der Himmel die Erde. Es heißt auch: Der Mensch denkt, Gott lenkt. Am deutlichsten wird es in unserer eigenen Biographie: Wie viel planen wir und wie oft haben wir unser Leben nicht unter Kontrolle! Dann durchkreuzt eine Krankheit unser Vorhaben, dann stellt sich nicht der erhoffte und erarbeitete Erfolg ein. Vieles läuft anders, als wir es möchten. Und doch wird alles vom universalen Heilswillen Gottes umschlossen.
Das Wirken Gottes wird mit einem meteorologischen Bild verglichen: So wie Regen und Schnee auf die Erde kommen, diese tränken und die Früchte zum Keimen und Wachsen bringen und erst dann wieder in den Himmel zurückkehren, so ist das Wort Gottes ebenso fruchtbar, bringt die gesamte Schöpfung zum Keimen und Wachsen. Durch das gesprochene Wort Gottes geht in der Genesis überhaupt erst alles hervor. Und als das Wort dann Fleisch geworden ist, hat es so viel Frucht gebracht, dass es unzählige Seelen zum Keimen und Wachsen gebracht hat. Erst nachdem er, Jesus Christus, das fleischgewordene Wort, endgültig Frucht gebracht hat am Kreuz und bei der Auferstehung, ist er zum Vater zurückgekehrt. Auch die Kirche ist wie dieses fruchtbringende Wasser, denn sie ist durchtränkt vom Hl. Geist. Sie sendet ihr lebendiges Wasser in alle Himmelsrichtungen hinaus und durchtränkt die ganze Erde. Bis sie zum Vater zurückkehrt am Ende der Zeiten wird sie viele Seelen für ihn gewinnen. Und am Ende der Zeiten wird das lebendige Wasser, der Hl. Geist die ganze zertrümmerte Schöpfung so durchtränken, dass er einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird!
Jesus, das fleischgewordene Wort Gottes, hat wahrlich dem Sämann Brot zu essen gegeben. Er hat die Eucharistie gestiftet und nährt seine Sämänner, jeden einzelnen Getauften, aber auf besondere Weise die Geweihten, dadurch dauerhaft. Gott ist so groß, danken wir ihm für sein Wort!

Jes 12
2 Siehe, Gott ist mein Heil; ich vertraue und erschrecke nicht. Denn meine Stärke und mein Lied ist Gott, der HERR. Er wurde mir zum Heil.

3 Ihr werdet Wasser freudig schöpfen aus den Quellen des Heils.
4 Dankt dem HERRN! Ruft seinen Namen an! Macht unter den Völkern seine Taten bekannt, verkündet: Sein Name ist erhaben!
5 Singt dem HERRN, denn Überragendes hat er vollbracht; bekannt gemacht sei dies auf der ganzen Erde.
6 Jauchzt und jubelt, ihr Bewohner Zions; denn groß ist in eurer Mitte der Heilige Israels.

Als Antwort beten wir diesmal keinen Psalm, sondern ein Danklied aus dem Buch Jesaja. Es geht um den Dank der Geretteten vom Zion aus. Es ist kein Danklied, das bereits von jemandem gesungen worden ist, sondern das zukünftig gesungen wird (Vers 1: „An jenem Tag wirst du sagen“). Es hängt zusammen mit der messianischen Verheißung von Jes 11, die vom Spross aus der Wurzel Isais spricht. Was zur Zeit des Jesaja noch aussteht, erfüllt sich mit dem kommenden Messias.
„Siehe, Gott ist mein Heil“. Das kann man wortwörtlich sagen, weil יְשׁוּעָתִי jeschuati „mein Heil“ den Namen Jesu umfasst. Er wird Mensch, um unter uns zu leben! Und weil er so weit geht, nur um uns zu retten, können wir ganz vertrauen. Wir brauchen keine Angst zu haben, so wie Maria ohne Angst alles Gott anvertraut hat. Auch das Volk Israel kann aus Erfahrung sagen, dass Gott es aus der Misere herausgeholt hat, schon aus dem Exil, dann aber auch durch den Messias. Gott war stets Stärke und Lied seiner Braut Israel. Er hat ihr den Rücken gestärkt im Krieg und in der Versuchung. Die Lieder, die David gedichtet hat, sind vom Hl. Geist selbst inspiriert und dadurch eine gesalbte Musik.
Das freudige Schöpfen von Wasser aus den Quellen des Heils wird demnach schon im Buch Jesaja nicht nur wörtlich verstanden. Es handelt sich um das lebendige Wasser, das von Gott kommt und Totes wiederbelebt. Es handelt sich um ein Bild für den Heiligen Geist. Allegorisch verstanden handelt es sich dabei um das Wasser der Taufe, durch das der Mensch zum ewigen Leben wiedergeboren wird. Es ist derselbe Geist, der die Auferstehung Jesu Christi bewirkt hat. Es ist derselbe Geist, durch den wir die Vergebung der Sünden auch nach unserer Taufe erhalten, wenn wir beichten. Und es ist der Geist, der die neue Schöpfung am Ende der Zeiten bewirken wird. Mit ihm ist die Freude verbunden. Sie ist eine Frucht des Heiligen Geistes und deshalb wird die Ewigkeit ein einziges Freudenmahl sein.
Gott hat an den Israeliten schon so viel Gutes bewirkt. Es ist schon jeden Lobpreis wert. In Vers 4 lesen wir einen regelrechten Missionsauftrag. Was Gott an uns Gutes getan hat, muss weitererzählt werden bei den umliegenden Völkern. Freude muss geteilt werden! Und durch die Verkündigung des Namens Gottes werden auch die anderen Völker zum Glauben an diesen Gott des Heils kommen.
Auch Vers 5 ist in dieser Linie zu lesen. Gottes Heilstaten ziehen als einzig angemessene Reaktion den Gesang für Gott nach sich. Die ganze Erde möge von diesem Gott erfahren! Es erinnert uns sehr an die Worte Jesu vor seiner Himmelfahrt. Die Apostel sollen in die ganze Welt hinausgehen und alle Menschen zu seinen Jüngern machen. Dieser Sendungsauftrag hat somit eine lange Vorgeschichte!
Zum Schluss erfolgt ein weiterer Lobpreisaufruf, denn Gott in ihrer Mitte ist groß. Die „Bewohner Zions“ können unterschiedlich ausgelegt werden. Es meint wörtlich zunächst die Bewohner Jerusalems zur Zeit dieser Prophezeiung. Es sind die Verschleppten im Exil, die aus ihrer Misere befreit werden. Zugleich betrachten wir es tiefer und erkennen die Bewohner Zions zur Zeit Jesu. Er ist wahrlich Gott in ihrer Mitte. Wenn er real bei ihnen ist, ist der Bräutigam zur Braut gekommen. Das kann keine Trauerzeit sein, sondern ist Grund zur Freude! Der Tempel ist noch da, aber bald ist er zerstört. Gott ist dann aber in eucharistischer Form in ihrer Mitte – bis heute! „Zion“ ist dann nicht mehr das in Trümmern liegende Jerusalem, das durch die Römer zerstört worden ist, sondern die Kirche. Sie ist der Bau, der aus lebendigen Steinen besteht – die Gemeinschaft der Gläubigen. In ihrer Mitte ist Christus real gegenwärtig in den eucharistischen Gestalten. Wir sehen ihn nicht mehr als Menschen, doch er ist genauso präsent wie damals. Wenn uns dies einmal bewusst wird, können wir nicht mehr anders als in der Heiligen Messe voller Lobpreis im Herzen und auf den Lippen zu verweilen. Eucharistie ist Danksagung. Wir preisen in der Messe Gott für seine Heilstaten auf intensivste Weise. Und wenn wir im Stand der Gnade sind, wohnt Gott mitten in uns. Er nimmt Wohnung in unserer Seele, wenn wir getauft werden. Bemühen wir uns, diesen inneren Tempel nicht zu verunreinigen, und preisen wir den Herrn Tag für Tag! Tun wir dies nicht nur mit unseren Lippen, sondern führen wir ein entsprechendes Leben! Dann sind wir wirklich eine treue und makellose Braut, als die er uns durch den Bundesschluss angenommen hat.

1 Joh 5
1 Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, ist aus Gott gezeugt und jeder, der den Vater liebt, liebt auch den, der aus ihm gezeugt ist.

2 Daran erkennen wir, dass wir die Kinder Gottes lieben: wenn wir Gott lieben und seine Gebote erfüllen.
3 Denn darin besteht die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer.
4 Denn alles, was aus Gott gezeugt ist, besiegt die Welt. Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube.
5 Wer sonst besiegt die Welt, außer dem, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist?
6 Dieser ist es, der durch Wasser und Blut gekommen ist: Jesus Christus. Er ist nicht nur im Wasser gekommen, sondern im Wasser und im Blut. Und der Geist ist es, der Zeugnis ablegt; denn der Geist ist die Wahrheit.
7 Denn drei sind es, die Zeugnis ablegen:
8 der Geist, das Wasser und das Blut; und diese drei sind eins.
9 Wenn wir von Menschen ein Zeugnis annehmen, so ist das Zeugnis Gottes größer; denn das ist das Zeugnis Gottes: Er hat Zeugnis abgelegt von seinem Sohn.

Die zweite Lesung aus dem ersten Johannesbrief reflektiert die Zugehörigkeit zu Gott. Was Christen ausmacht, ist ihr Glaube an Jesus Christus, der eben nicht nur Geist ist und einen Scheinleib hatte (so die Doketisten, gegen die Johannes in diesem Brief die christliche Lehre, vor allem die Christologie klarstellt). Alle falschen christologischen Vorstellungen disqualifizieren den Christen, denn hier heißt es, dass wer an Jesus als den Christus glaubt, aus Gott gezeugt ist. Was heißt aber „aus Gott gezeugt“? In der Taufe sind wir eine neue Schöpfung geworden, neugeboren im Hl. Geist. In diesem Sinne sind wir von Gott gezeugt. Wir hängen nicht mehr der gefallenen Schöpfung an, sondern sind zu Kindern Gottes geworden. Die Liebe zu Christus schließt zugleich die Liebe zum Vater ein, weil Vater und Sohn eins sind. Es gibt viele Irrlehren, die einen Keil zwischen den Vater und den Sohn treiben. Christus sei gemäß Arianern ein Geschöpf, aber nicht selbst Gott. So entfremdet man den Vater und den Sohn voneinander.
Johannes bleibt in der heutigen Lesung aber nicht bei der Gottesliebe stehen, sondern spricht auch die Nächstenliebe an. Beides ist ja miteinander verbunden als Doppelgebot der Liebe. „Wenn wir Gott lieben und seine Gebote erfüllen“, lieben wir die Kinder Gottes, also die Mitchristen. Denn aus der Liebe zu Gott schöpfend, gleichsam trinkend aus der unerschöpflichen Liebesquelle Gottes, können wir auch den Nächsten vollkommen lieben – so sehr, dass wir wie Christus unser Leben für sie hingeben. Die Gebote Gottes halten wir aus Liebe, nicht aus Pflichtgefühl. Das macht die Vollkommenheit und Gerechtigkeit aus, die größer ist als die der Pharisäer und Schriftgelehrten.
Weil Christus selbst die Welt besiegt hat, können wir die Welt besiegen. Dies wird mit einer rhetorischen Frage („Wer sonst…“) formuliert. Die „Welt“ meint in diesem Zusammenhang immer die gefallene Schöpfung, nicht die Welt, wie sie Gott geschaffen hat. Das ist wichtig zu betonen, weil wir Johannes sonst unberechtigterweise einen Welthass oder eine Weltangst unterstellen. Es geht ihm um die gefallene Welt, die vom Bösen infiltriert ist. Diese ist besiegt durch den Glauben an Jesus Christus. Es wird spezifiziert, was mit Glaube gemeint ist: der Glaube an Jesus Christus als Sohn Gottes, also wie er wirklich ist und nicht, wie häretische Bewegungen ihn verzerren. Dieser Glaube ist geknüpft an die Taufe und diese ist heilsnotwendig. Sie ist Zeichen des inneren Glaubens des Menschen. Vers 6 weist dann ein Bild auf, das für uns am Fest der Taufe des Herrn besonders auffällig ist: Jesus kam durch Wasser und Blut. Was ist damit gemeint? Die beiden Stoffe umschreiben die beiden Naturen Jesu. Das Wasser steht für seine Göttlichkeit, da es oft das Bild für den Hl. Geist ist, das Blut für seine Menschlichkeit, weil es für die Genealogie von Menschen steht. Wir können diese Interpretation vor allem dadurch erkennen, dass Johannes das Kommen durch Wasser UND Blut betont und extra sagt, dass Jesus nicht nur durch Wasser gekommen ist. Das behaupten nämlich die Doketisten (Jesus hat keine Materie angenommen). Der Geist Gottes bezeugt diese Wahrheit, weil er selbst Wahrheit ist. Uns ist es vom Geist eingegeben worden, dass Jesu Identität so ist. Und diese Aussage spielt auf die Taufe Jesu an, wo der Geist sich in Gestalt einer Taube auf Jesus hinabsenkt . Damit bezeugt der Geist selbst die Identität Christi.
Alle drei Elemente werden nun ab Vers 7 zu Zeugen: Wasser, Blut und Geist. Das ist interessant, weil wir hier etwas über das Verhältnis Christi zum Hl. Geist erfahren. Sie sind nämlich eins (ἕν εἰσιν). Dies ist analog zu Joh 10,30 zu lesen, wo Jesus die Einheit mit dem Vater ausdrückt (ἕν ἐσμεν).
Johannes möchte zum Ende des Briefes die Adressaten versichern, dass die von der Kirche geglaubte Lehre über Jesu Identität zuverlässig sei, eben weil der Geist Gottes selbst sie bezeugt hat. Stünde es gegen ein menschliches Zeugnis (wie im Fall der Doketisten!), überwiegt das Zeugnis Gottes bei weitem. Gott hat selbst Zeugnis von Jesus abgelegt und wir tragen dieses Zeugnis im Herzen – durch die Taufe. Wir sind ja auf den Vater, den Sohn und den Hl. Geist getauft. Leugnen wir also Jesu wahre Identität, machen wir Gott selbst zum Lügner, der genau diese Identität ja bezeugt hat.
Das Zeugnis besteht im ewigen Leben, das Gott durch seinen Sohn geschenkt hat – die Aussicht auf ein Leben im himmlischen Jerusalem.
„Wer den Sohn hat, hat das ewige Leben“ bedeutet, dass wenn wir Jesus annehmen, wie er ist, in das Reich Gottes eingehen können.
Johannes schließt den Brief also mit der Heilsnotwendigkeit ab, Jesu Identität anzunehmen, die uns Gott selbst offenbart hat: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Schon in den Kapiteln zuvor schreibt Johannes ja, dass wir nur dann im Stand der Gnade sind, wenn wir Jesu Identität annehmen, wie sie die Kirche lehrt. Und diesen Glauben bezeugen wir bei der Taufe!

Mk 1
7 Er verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. 8 Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
9 Und es geschah in jenen Tagen, da kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.
10 Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel aufriss und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.
11 Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.

Im Evangelium hören wir nun von der Taufe Jesu. Oft fragt man sich: Warum muss Jesus sich denn taufen lassen, wenn er selbst doch ohne Sünde ist? Er tut es aus demselben Grund, weshalb er am Kreuz stirbt: Für uns zur Sühne. Dieser Sühneweg beginnt schon mit der Geburt, ja schon mit der Empfängnis im Leib Mariens. Er muss geradestehen für Dinge, die er nicht selbst verschuldet hat, er, der nie etwas verschuldet hat!
Mit der Taufe Jesu werden sein Tod und seine Auferstehung erahnt, denn er taucht unter als alter Mensch – als Leichnam ins Grab gelegt. Er taucht wieder auf als neuer Mensch – als Auferstandener vom Grab erstanden! Nicht umsonst sagt Paulus, dass wir auf Jesu Tod getauft sind. Jesu Taufe ist auch eine Grundlegung dessen, was uns erwartet: die Salbung und die uns zugesagte Gotteskindschaft durch den Vater.
Alles der Reihe nach: Johannes kündigt Jesus an als den Stärkeren. Er ist nicht nur wahrer Mensch, sondern auch und zuallerst wahrer Gott. Das macht ihn unendlich stärker als jeden sterblichen Menschen! Johannes ist ganz und gar in einer demütigen Haltung. Er definiert sich selbst von Christus aus, weshalb er sich nicht einmal würdig findet, einen Sklavendienst an ihm auszuführen: Die Sandalen zu öffnen und auszuziehen. So viel niedriger sieht er sich im Gegensatz zum Messias, den er in seiner Bußpredigt ankündigt!
Jesus kommt von Galiläa an den Jordan zu Johannes. Wir hören davon auch im Johannesevangelium. Johannes weiß, wer Jesus ist und das dieser ohne Sünde ist. Deshalb wundert er sich in der ausführlicheren Version des Matthäusevangeliums auch, als Jesus sich zu den anderen Menschen stellt, um getauft zu werden. Aber es gehört zum Erlösungsplan Gottes, dass dieser sich stellvertretend der Johannestaufe stellt. Warum? Es handelt sich noch nicht um das Sakrament zur Vergebung der Sünden. Das wird es erst mit dem von Jesus gestifteten Sakrament. Hier handelt es sich um einen Bußakt als Vorbereitung auf das Kommen des Messias. Wenn Jesus sich hier also taufen lässt, ist das ein Bußakt stellvertretend für die Menschheit. Jesus entgegnet seinem Verwandten, dem Täufer: „Lass es nur zu.“ Er möchte ihm zu verstehen geben, dass es alles im Plan Gottes ist, auch wenn er es nicht versteht. Johannes lässt es daraufhin zu und tauft Jesus. Bei Markus wird es knapper gefasst. Dort wird einfach berichtet, dass Jesus sich taufen lässt.
Gott offenbart sich nun in dem Moment, als Jesus wieder auftaucht: „Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel aufriss und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.“ Das ist kein Zufall, ebenso wenig wie die Stimme aus dem Himmel, die Jesaja 42 zitiert: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.“ (das haben wir heute nicht gehört, sondern eine andere erste Lesung. Diese ist aber an Taufe des Herrn auch zur Wahl gestellt). Ein entscheidender Unterschied besteht in dem Wort „Sohn“ statt „Knecht“. Er ist wahrlich der Sohn Gottes. Das Verb für „Wohlgefallen finden“ ist εὐδοκέω eudokeo. Es bedeutet wortwörtlich „zufrieden sein, genehmigen, zustimmen“. Es wird das erste Gottesknechtslied zitiert, wodurch Jesu Messianität begriffen werden sollte. Gott ist wirklich so ein toller Pädagoge, dass er alttestamentliche Verheißungen in den Mund nimmt und so die anwesenden Juden es verstehen können. In Jes 42 wird gesagt, dass Gott seinen Geist auf den Knecht legt. Dies erfüllt sich mit dem Herabsinken des Geistes in Gestalt einer Taufe.
Zugleich passiert etwas Interessantes: Dadurch, dass statt Knecht Sohn gesagt und dann das Verb εὐδοκέω verwendet wird, erinnert das an die Praxis der Beschneidung eines Kindes am achten Tag. Das ist nämlich der Moment, wo der Vater den Namen des Kindes sagt und somit offiziell das Kind als seines annimmt. Der gläubige Jude wird die Taufe Jesu vielleicht schon analog dazu verstanden haben. Durch die Beschneidung wird der Mensch in den Alten Bund hineingenommen, den Gott mit seinem auserwählten Volk geschlossen hat. Was hier passiert, ist analog dazu zu sehen, aber nicht mehr die Beschneidung, sondern die Taufe besiegelt den Bund. Dieser wird erst am Kreuz geschlossen, hier aber schon werden die Menschen darauf vorbereitet, dass es einen neuen Bundesschluss geben wird (dann deutet Jesus mit dem stellvertretenden Bußakt der Johannestaufe schon die sakramentale Taufe an, die seine Apostel später spenden werden).
Exegeten ziehen leider allzu oft den Fehlschluss, dass die Autoren der Evangelien tatsächlich glaubten, dass Jesus erst bei der Taufe zum Sohn Gottes geworden sei. Das ist deshalb falsch, weil sie nicht berücksichtigen, wie Gott pädagogisch vorgeht. Jesus ist schon längst Gottes Sohn, das war er bereits vor der Zeit. Wir müssen den synoptischen Evangelisten den Glauben daran nicht absprechen. Gott offenbart diese heutigen Worte vom Himmel aus um der Menschen willen, um Johannes des Täufers willen. Bei ihnen soll es einen Aha-Effekt geben, indem sie diese Indizien zu einem ganzen Bild zusammenstecken. Hier erfüllt sich die gesamte messianische Verheißung!
Wir haben noch weitere Teilchen, die das Bild vervollständigen. Ich deutete schon vorhin an, dass es kein Zufall sei, dass der Hl. Geist ausgerechnet als Taube auf Jesus hinabsteigt. Hier kommt der Antitypos zu den Wasserfluten in Genesis zum Vorschein: Das Wasser der Taufe Jesu. Jesus taucht stellvertretend für unsere Sünden als Bußakt in den Jordan unter, nicht nur für uns, sondern auch für die Menschen, die bereits in der Sintflut untergetaucht sind. Er ist für alle Menschen gestorben, die jemals geboren wurden, die jetzt leben und die noch kommen werden. Er ist „der Mensch“, der neue Adam, der Stellvertreter der gesamten Menschheit.
Wie die Taube Noah einen Zweig im Schnabel bringt zum Zeichen dafür, dass ein neues Leben möglich ist, so kommt der Geist Gottes als Zeichen des ewigen Lebens auf Jesus hinab. Dieser ist als Aufgetauchter nun gesühnt und bereit für das ewige Leben im Reich Gottes. Das tut er exemplarisch für uns alle. So ist es nämlich mit uns, wenn wir getauft werden in seinem Namen: Unser alter Mensch, der von der Erbsünde belastet ist, stirbt im Wasser und wir tauchen als neue Menschen wieder auf – als Erben im Reiche Gottes. Der Geist kommt auch auf uns herab und auch wir werden mit seinen Gaben gesalbt. Gott nimmt uns offiziell als seine Erben an, an denen er „Wohlgefallen gefunden hat“. Diese Gotteskindschaft ist gewiss eine andere als die Jesu, denn wir bleiben ja Menschen. Es ist eine Kindschaft durch die Gnade Gottes, der uns in seine Liebesgemeinschaft mit hineinziehen möchte.
Auch zum Wasser des Schöpfungsberichts ist eine typologische Brücke zu ziehen: Mit der Taufe werden wir neugeschaffen. Es ist der Beginn der neuen Schöpfung, die am Ende der Zeiten mit dem neuen Himmel und der neuen Erde vollendet wird. Deshalb ist auch bei unserer Taufe der Hl. Geist gegenwärtig, der das neue Leben schafft. Auch bei der Taufe „schwebt er über dem Wasser“ und schafft uns neu.

Erinnern wir uns heute am Fest der Taufe des Herrn an unsere eigene Taufe und danken wir dem Herrn, der er uns bereits neugeschaffen hat im Hl. Geist. So sind wir zu Kindern in seinem Reich geworden, zu Erben, die am Ende dieses irdischen Lebens das Erbe antreten werden, das ewige Leben bei ihm.

Ihre Magstrauss

8. Januar in der Weihnachtszeit

1 Joh 4, 7-10; Ps 72,1-2.3-4b.7-8; Mk 6, 34-44

1 Joh 4
7 Geliebte, wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott. 
8 Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist Liebe. 
9 Darin offenbarte sich die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben. 
10 Darin besteht die Liebe: Nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat.

Gleich der erste Begriff der heutigen Lesung hat es in sich. Ἀγαπητοί agapetoi bezieht sich im Griechischen immer auf die göttliche Liebe. Es impliziert für uns also die „von Gott Geliebten“ und nichts Romantisches. Dafür wird im Griechischen der Begriff des Eros verwendet. Die Konsequenz des Geliebtseins von Gott ist die Nächstenliebe (ἀγαπῶμεν ἀλλήλους agapomen allelous „lasst uns einander lieben“). Wenn wir dies nämlich tun, zeigen wir wiederum die Früchte unserer Herkunft aus Gott. Wir haben gestern schon davon gehört, dass Jesus und sein Evangelium der Maßstab dafür sind, ob jemand von Gott stammt oder vom Bösen/von der „Welt“. Heute fassen wir diesen Maßstab in einem einzigen Wort zusammen: als Liebe. Johannes erklärt uns heute, dass Gott die Liebe ist (ὁ θεὸς ἀγάπη ἐστίν). Die Agape ist also eine übernatürliche Form von Liebe, die wir am Kreuz von Golgota konkret gesehen haben: eine Liebe, die sich ganz verschenkt und verzehrt, eine Liebe, die grenzenlos vergibt. Das hat nichts mehr mit schönen Gefühlen zu tun, sondern ist das lauteste und ewig anhaltende JA Gottes. Wenn wir auch so lieben, dann zeigen wir, dass wir Gott erkannt haben. Das heißt konkret, dass wir auch Ja-Sager sein sollen. Auch wir sollen grenzenlos vergeben („Nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal“) und uns ganz hingeben für unsere Freunde. Wir sollen aber vor allem unsere Feinde lieben und für die beten, die uns hassen (Stephanus: „Vater, rechne ihnen diese Sünde nicht an“, Jesus: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Joh 15,13). Das ist Liebe, die von Gott kommt, die Agape.
Johannes erklärt dann, was mit dieser Liebe gemeint ist: Der Vater hat für uns so einen tollen Heilsplan vorbereitet, dass er uns sogar sein Liebstes hingegeben hat, seinen einzigen Sohn. Dass Jesus Mensch geworden ist, vor allem aber, dass er uns erlöst hat, ist der ultimative Liebesbeweis Gottes. Liebe bedeutet also v.a. die Entscheidung für den Anderen, damit dieser leben kann – ich schenke dem Anderen Freiheit durch meine Liebe. Für uns kann das ganz konkret bedeuten, dass wir den Anderen nicht an uns binden und ihn einschränken, sondern dass wir ihm eine freie Entfaltung ermöglichen ohne irgendeinen Eigennutz. Das betrifft die Eltern in der Familie, aber auch die Geistlichen in einer Gemeinde. Als Eltern tut man alles für die Kinder, um ihnen ein gutes Leben zu ermöglichen. Dafür soll man aber nichts im Gegenzug erwarten. Eltern können Kinder mit dieser Hingabe nicht erpressen, indem sie sagen: „Ich habe so viel für dich getan, also sollst du dein Leben so gestalten, wie ich es gerne möchte.“ Als Geistlicher opfert man seine Zeit und seine Kraft ganz auf, damit Menschen zum Glauben kommen oder im Glauben gestärkt werden. Wenn sie zu Jesus gefunden haben, sollen die Geistlichen sie „loslassen“. Sie können jene jetzt nicht an sich binden, als wenn sie ihnen gehören, nur weil sie durch die Geistlichen zum Glauben gekommen sind. Wie sie sich weiterentwickeln, liegt nun nicht mehr in ihrer Hand.
In beiden Beispielen geht es um die echte Liebe gegenüber einer egoistischen Scheinliebe, bei der man um sich selbst kreist.
Jeder Akt der Nächstenliebe, der sich von der echten, göttlichen Liebe ableitet, ist immer nur Antwort oder Echo. Gottes Liebe zu uns ist nämlich zuerst. Er hat uns aus Liebe überhaupt erst geschaffen. Dass wir einander so lieben können, wie er uns zuerst geliebt hat, wurde durch unsere Erlösung erst ermöglicht. Das dürfen wir nie vergessen. Unser ganzes Leben ist Antwort auf die erste Liebe, die Gott uns geschenkt hat. So bleiben wir auch dankbar dafür, dass er uns überhaupt liebesfähig gemacht hat. Wir werden die Liebestaten, die wir in unserem Leben vollbringen, dann nicht voller Stolz auf uns zurückführen, sondern dankbar auf Gott zurück verweisen.

Ps 72
1 Für Salomo. Verleih dein Richteramt, o Gott, dem König, dem Königssohn gib dein gerechtes Walten. 
2 Er regiere dein Volk in Gerechtigkeit und deine Elenden durch rechtes Urteil. 
3 Dann tragen die Berge Frieden für das Volk und die Hügel Gerechtigkeit. 
4 Er schaffe Recht den Elenden des Volks, er rette die Kinder der Armen, 
7 In seinen Tagen sprosse der Gerechte und Fülle des Friedens, bis der Mond nicht mehr da ist. 
8 Er herrsche von Meer zu Meer, vom Strom bis an die Enden der Erde.

Den heutigen Psalm haben wir schon mehrmals gebetet, insbesondere in der Weihnachtszeit. Es geht immer noch um den königlichen Messias.
In Ps 72 bittet David für Salomo, den Königssohn, um Gottes Gerechtigkeit und Rechtssprüche. Dabei formuliert er zunächst konkrete irdische Bitten: gerechtes Walten durch rechtes Urteil, die Kinder der Armen retten, die Unterdrücker zermalmen. Darüber hinaus kann man diese aber auch messianisch deuten: „Rechtssprüche“, was die Einheitsübersetzung hier mit“rechtes Urteil“ übersetzt, werden im NT z.B. in Offb (dikaiomata) für Gott verwendet. Es geht also um göttliches Gericht. Dieses ist immer gerecht und verschafft denen Gerechtigkeit, die sonst keine erfahren: Armen, Fremden, Witwen, Waisen. Die Gerechtigkeit ist dann bezüglich des Königssohns typologisch auf Jesus als den neuen Salomo bezogen. Jesus verschafft in seiner Verkündigungszeit unzähligen „Armen“ Gerechtigkeit und erntet dafür viel Unzufriedenheit derer, die ihr bequemes egoistisches Leben gefährdet sehen. Wenn Jesus an den Rand gedrängte Menschen wieder in die Mitte der Gesellschaft holt wie die blutflüssige Frau, die Aussätzigen, die Blinden, Verkrüppelten etc., dann sind das Zeichen seiner bereits jetzt bestehenden Herrschaft als Königssohn. Und dies ist ekklesiologisch weitergedacht schon jetzt mit der Kirche gegeben. Wo die Kirche in Christi Nachfolge handelt, herrscht Christus auch jetzt in der Welt. Dies betrifft auch jeden einzelnen Christen. Wo ich ihm mein Ruder über mein Leben, meine Entscheidungen und mein Handeln überlasse, herrscht er in meinem Leben. Dies alles wird sich aber erst in der Ewigkeit vollenden. Dann werden alle Feinde besiegt sein und zusammen mit Gott wird es einen ewigen Sabbat, ein ewiges zur Ruhe Setzen geben.
Der Wunsch nach einem langen Leben deutet stark auf den Messias, da ein König ja nicht mehrere Generationen leben kann. Falls hier schon messianische Elemente zu sehen sind, wird der Mensch auf den Messias als ewig lebend vorbereitet.
Wenn die Bitte formuliert wird, dass der Gerechte sprossen soll, ist das eine Entsprechung zu Jesaja, wo aus dem Baumstumpf Isais ein Reis hervorgeht. Jesus ist aus dem Stamm Juda und der Sippe Davids. Er ist nicht nur davididisch, sondern königlich. Mit dem Messias, dem Gesalbten, wird die Fülle des Heils, also der Schalom verbunden. Der ewige Sabbat wird ein Zustand des ewigen Schalom sein. So verheißt es Vers 7. Das Herrschen von Meer zu Meer meint die Universalherrschaft des Königs. Auch das ist natürlich zuerst der Wunsch, dass der König ein großes Reich erhält, aber wörtlich ist dies für Israel ja unrealistisch. Das wird erst mit Gottes Königsherrschaft realisierbar.
Alles, was Jesus getan hat, sind Liebestaten Gottes an uns. Sein ganzes Leben war die gelebte Agape, von der wir im ersten Johannesbrief gelesen haben. An ihm sehen wir, wie wir die Liebe leben können. Zugleich ist alles, was wir in dieser Richtung tun, eine Antwort auf Jesu Liebestaten an uns. Hier im Psalm lesen wir einige Beispiele, die sich mit dem Kommen des Messias erfüllt haben: gerechtes Walten, rechtes Urteil, den Elenden und Armen Recht verschaffen und die Fülle des Friedens. Diese Dinge hat Jesus nicht politisch erfüllt, sondern auf die Ewigkeit hin. Das ist noch viel wertvoller und wesentlicher. Politik vergeht, weil die Welt vergeht. Das ewige Leben vergeht aber nicht.

Mk 6
34 Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange. 
35 Gegen Abend kamen seine Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät. 
36 Schick sie weg, damit sie in die umliegenden Gehöfte und Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können! 
37 Er erwiderte: Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Sollen wir weggehen, für zweihundert Denare Brot kaufen und es ihnen zu essen geben? 
38 Er sagte zu ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Geht und seht nach! Sie sahen nach und berichteten: Fünf Brote und außerdem zwei Fische. 
39 Dann befahl er ihnen, sie sollten sich in Mahlgemeinschaften im grünen Gras lagern. 
40 Und sie ließen sich in Gruppen zu hundert und zu fünfzig nieder. 
41 Darauf nahm er die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern, damit sie diese an die Leute austeilten. Auch die zwei Fische ließ er unter allen verteilen. 
42 Und alle aßen und wurden satt. 
43 Und sie hoben Brocken auf, zwölf Körbe voll, und Reste von den Fischen. 
44 Es waren fünftausend Männer, die von den Broten gegessen hatten.

Im Evangelium lesen wir heute noch weitere Liebestaten Jesu, die uns zeigen, wie wir aus der Liebe Gottes leben können:
Jesus hat Mitleid. Das ist ein typisches Kennzeichen der göttlichen Agape. Er leidet mit uns Menschen mit. Das Verb, das hier verwendet wird, ist σπλαγχνίζομαι splangchnizomai, was „sich erbarmen, Mitleid haben“ bedeutet. Gott ist barmherzig. Das bedeutet sein Mitleid. Jesus tut es nicht in erster Linie leid, dass die Menschen Hunger haben oder sonstiges. Sein Mitleid bezieht sich auf ihren seelischen Zustand: Sie sind wie Schafe ohne Hirten, d.h. sie leben ohne Perspektive oder Anleitung zum ewigen Leben. Deshalb heißt es dann: „Und er lehrte sie lange.“ Was hier in Vers 34 zitiert wird, ist Num 27,17. Da heißt es, dass die Gemeinde des Herrn nicht wie Schafe sein soll, die keinen Hirten haben. Daraufhin wird Josua von Gott ausgewählt. Dort ist es vor allem noch ein kriegerischer Kontext. Jesus wird nun hier zum „Anführer“, nämlich ihrer Seelen. Er lehrt ihnen das Himmelreich, das ewige Leben. Es ist ein Ausrüsten für den geistigen Kampf, den die Menschen für die Erlangung des ewigen Lebens austragen müssen. Bisher haben sie nicht einmal gekämpft (wie gesagt, Schafe ohne Hirten – das heißt sie gehen zugrunde).
Er lehrt sie so lange, dass der Tag sich neigt und die Menschen ohne Versorgung mitten in der Pampa ein Problem bekommen. Diese „irdischen“ Sorgen erkennen die Jünger Jesu und sprechen ihn darauf an. Jesus könnte ganz leicht ihren Vorschlag annehmen, die Menschen in die umliegenden Dörfer zu schicken, doch er hat noch eine wichtige Lektion zu erteilen. Deshalb sagt er diesen bedeutungsvollen Satz „Gebt ihr ihnen zu essen.“ Das heißt natürlich zuerst wörtlich „versorgt die Hungrigen“. Das ist aber für die Jünger gar nicht machbar, da sie weder die nötige Nahrung noch das Geld haben. Wenn die Jünger Jesus nämlich entgegnen: „Sollen wir (…) für 200 Denare Brot einkaufen“, dann ist das eine rhetorische Frage. Sie antworten ihm mit dieser ironischen Aussage, weil sie Jesu Aufforderung wörtlich aufgefasst haben und ihm zu verstehen geben wollen, dass es unmöglich umsetzbar ist.
Er fragt sie daraufhin nach den Essensvorräten. Es kommen fünf Brote und zwei Fische zusammen. Jesus bittet die Menschen, sich in kleineren Gruppen auf den Boden zu legen. Das Verb ἀνακλίνω anaklino wird dabei verwendet, was u.a. „sich zu Tisch legen“ bedeutet. Hier wird parallel zu Matthäus 15 ein eucharistisches Mahl bereitet. Dass Jesus die Menschenmasse in Kleingruppen zusammenfassen lässt und hier die Rede von „Mahlgemeinschaften“ ist, ist seinen Jüngern eine wichtige Lektion. Das griechische Wort ist hier der Plural συμπόσια symposia. Was hier geschieht ist also ein Symposion. Es ist ein Freudenmahl, das hier stattfinden wird. Jesus führt in seiner göttlichen Pädagogik die Jünger an ekklesiologische Grundlagen heran, die sich mit der Kirche etablieren werden. Dort wird es auch Mahlgemeinschaften als kleinere Einheiten geben – bis heute jede Pfarrei. Diese summiert ergeben ein Bistum und die Summe der Bistümer ergeben die gesamte Kirche. Er führt die Anwesenden auch an das ewige Leben heran, das er sie lange gelehrt hat: Das Freudenmahl, das sie nach dem Tod erwartet – die Hochzeit des Lammes!
Dann geht Jesus so vor, wie er es immer wieder tut, auch gerade beim letzten Abendmahl: Er nimmt das Essen, schaut zum Himmel (Ausrichtung auf den Vater) und dankt ihm dafür. Er sieht das Essen als Gabe Gottes. Er bricht das Brot und gibt es den Jüngern. Das Dankgebet über das Essen ist im Judentum normale Praxis. Was Jesus nun aber tut, ist absolut eucharistisch. Er bereitet die Menschen auf die Eucharistie vor, indem er das Brot seinen Jüngern gibt und diese den Mahlgemeinschaften. Das ist wichtig: Jesus lehrt die Jünger und so wird es mit der Kirche auch sein: Die Jünger sind es, die die Kommunion, den Leib Christi austeilen. Auch das Einsammeln der übriggebliebenen Stücke wird sich in der Kirche etablieren. Was Jesus hier tut und an anderer Stelle wiederholt (Mt 15), ist eine Vorbereitung auf das letzte Abendmahl vor seinem Tod.
Es ist bemerkenswert, dass die Menschen nicht nur irgendwie gesättigt werden, sondern regelrecht gemästet werden. Hier wird nämlich im Griechischen das Verb χορτάζω  chortazo verwendet, was „mästen“ bedeutet. Wenn Gott gibt, dann immer im Überfluss! Diese Episode beweist erneut, dass wir vom Vater „Gnade über Gnade“ bekommen.
Jesus hat diese wunderbare Speise nicht in erster Linie vorgenommen, weil die Menschen Hunger hatten, sondern weil er auf die geistige Speise, auf die Eucharistie vorbereiten will.
Jesus geht es natürlich auch um das leibliche Wohl, aber er möchte die Menschen in erster Linie innerlich stärken. Er möchte, dass wir alle in Ewigkeit leben können. Deshalb lehrt er die Menschen im heutigen Evangelium auch zuerst sehr lange. Die Speisung erfolgt ja erst zum Ende des Tages. Die Menschen sind zu einem abgelegenen Ort gekommen, um Jesus zu hören. Ihnen geht es heute wirklich zuerst um das Reich Gottes. Und ihnen wird auch alles andere dazu gegeben – mehr als genug! So soll es auch bei uns sein. Uns muss es zunächst um das ewige Leben gehen, auch wenn wir das leibliche Wohl nicht vernachlässigen sollen. Gott wird sich darum kümmern, dass dies nicht passiert. Wir sollen auch unsere Kinder so erziehen. Dann sind auch wir gute Hirten: Es geht nicht nur darum, ihnen ein gutes materielles Leben zu bescheren, nicht nur darum, ihre körperliche Gesundheit zu garantieren, eine gute Bildung und ein luxuriöses Leben. Wir sollen uns in erster Linie darum kümmern, dass sie das ewige Leben haben. Bringen wir ihnen bei, wie das gelingen kann, indem wir ihnen das Evangelium vorleben, indem wir ihnen die Liebe vorleben, die Gott uns geschenkt hat. Alles andere ist auch wichtig und Gott wird immer dafür sorgen, dass wir und unsere Familien genug haben, wenn wir uns aufrichtig um sein Reich bemühen.
So muss es auch in der Pastoral sein: Es muss zuerst um Jesus gehen. Es muss um sein Reich und um seine Liebe gehen. Es muss das höchste Ziel sein, die Menschen zu Jesus zu führen und ihnen das ewige Leben zu ermöglichen. Wie? Durch die Ermöglichung der Heilsmittel, der Sakramente und Sakramentalien. Dafür brauchen die Menschen unbedingt die Geistlichen. Sie ermöglichen den Menschen das ewige Leben auch durch die Verkündigung des Evangeliums. Die Menschen müssen schließlich wissen, was die Gebote Gottes sind. Die Menschen müssen die Nächstenliebe aus der Gottesliebe auch vorgelebt bekommen, um eine Ahnung davon zu bekommen, wie das konkret aussieht. Daraus ergeben sich die drei kirchlichen Vollzüge der Leiturgia, Martyria und Diakonia.

Wenn wir als Eltern unsere Kinder wirklich lieben, werden wir alles daran setzen, ihnen gerade das ewige Leben zu ermöglichen. Wenn wir als Gemeinde unsere Mitglieder wirklich lieben, werden wir alles dafür tun, dass sie das ewige Leben haben können. Was ist das irdische Leben im Gegensatz zur Ewigkeit!

Liebe heißt also – den Menschen die ewige Glückseligkeit zu ermöglichen.

Ihre Magstrauss

7. Januar in der Weihnachtszeit

1 Joh 3, 22-4,6; Ps 2, 7-8.10-11; Mt 4,12-17.23-25

1 Joh 3
22 und alles, was wir erbitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und tun, was ihm gefällt. 

23 Und das ist sein Gebot: Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben gemäß dem Gebot, das er uns gegeben hat. 
24 Wer seine Gebote hält, bleibt in Gott und Gott in ihm. Und daran erkennen wir, dass er in uns bleibt: an dem Geist, den er uns gegeben hat.
1 Geliebte, traut nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt hinausgezogen. 
2 Daran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder Geist, der Jesus Christus bekennt als im Fleisch gekommen, ist aus Gott 
3 und jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, ist nicht aus Gott. Das ist der Geist des Antichrists, über den ihr gehört habt, dass er kommt. Jetzt ist er schon in der Welt. 
4 Ihr aber, meine Kinder, seid aus Gott und habt die falschen Propheten besiegt; denn Er, der in euch ist, ist größer als jener, der in der Welt ist. 
5 Sie sind aus der Welt; deshalb sprechen sie, wie die Welt spricht, und die Welt hört auf sie. 
6 Wir aber sind aus Gott. Wer Gott erkennt, hört auf uns; wer nicht aus Gott ist, hört nicht auf uns. Daran erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums.

Heute hören wir wieder einen Ausschnitt aus dem ersten Johannesbrief. Im ersten Teil geht es darum, dass wenn wir im Stand der Gnade sind, alles von Gott erbitten können. Es wird uns gegeben. Der Stand der Gnade wird daran deutlich, dass es um das Halten der Gebote geht. Wenn wir Gottes Gebote halten, und tun, „was ihm gefällt“, wird er unsere Gebete erhören. Das Halten der Gebote lässt sich dabei zusammenfassen als Glaube an Jesus Christus und als Nächstenliebe. Im ersten Johannesbrief wird diese auch „Bruderliebe“ genannt. Diese wird in dem Abschnitt vor dem heute vorgesehenen thematisiert.
Der Stand der Gnade wird johanneisch oft mit der heute auch verwendeten Formulierung „in Gott sein/bleiben und umgekehrt“ ausgedrückt. Dass dieser Zustand in dem Brief immer wieder aufgegriffen wird, zeigt uns die Wichtigkeit für die ersten Adressaten, aber auch für uns selbst. Das Sein in Gott und die Präsenz Gottes in uns ist entscheidend, wenn wir „Frucht bringen“ wollen. Jesus sagt im Johannesevangelium: „Getrennt von mir könnt ihr NICHTS tun.“ ALLES vermögen wir aber in Verbindung mit ihm.
Dass wir im Stand der Gnade sind, erkennen wir an dem Hl. Geist. Was heißt das konkret? Der Hl. Geist wirkt in uns, um uns, in den Menschen, denen wir begegnen. Unsere Lebenswelt wird fruchtbar, d.h. der Geist wirkt durch uns kreativ im wahrsten Sinne – schöpferisch. Menschen werden durch unsere „Bruderliebe“ verwandelt. Sie werden zu Jesus geführt. Wenn wir für sie beten, wird es erhört. Wir sehen den Hl. Geist durch die Früchte und Gaben, die er uns schenkt. Es wird vor allem Frieden spürbar, der übernatürlich ist. In erster Linie werden die Menschen um uns im Herzen Frieden bekommen, der sich auf ihr ganzes Leben auswirken wird. Gott schenkt den Gemeindemitgliedern viele Charismen, mit denen sie ihren Mitmenschen dienen können.
Das ist nicht nur damals so. Das ist auch heutzutage so. Wenn wir im Stand der Gnade sind und um die Früchte, Gaben und Charismen bitten, werden wir sie bekommen. Durch uns werden so viele Menschen zu Jesus geführt. Dann werden wir wirklich zu Werkzeugen Gottes, zu Arbeitern in seinem Weinberg. Wir werden die Früchte dieser Arbeit nicht immer sehen, aber hier und da lässt Gott sie uns dennoch schauen. Dann werden wir ermutigt und motiviert, weil wir sehen, dass unsere Bemühungen Früchte zeigen.
Ich könnte Ihnen so viele Beispiele aufzählen, was sich in meinem Umfeld getan hat dadurch, dass ich im Stillen für die Menschen gebetet habe. Gott lässt einen die Ergebnisse immer wieder schauen, damit man wirklich glaubt, dass Gott einen erhört.
Im zweiten Teil der heutigen Lesung wird das Hauptproblem des Briefes wieder aufgegriffen: die Auseinandersetzung mit Häresien ihrer Zeit. Es geht vor allem um die sogenannten Doketisten, die die Menschwerdung Gottes leugnen. Für sie kann Gott keinen menschlichen Körper angenommen haben, gelitten haben und gestorben sein. Das muss ein Scheinleib gewesen sein. Auch heutzutage fällt es so manchem schwer, diese grundlegende christliche Lehre von der Inkarnation zu glauben. Aber das ist die Wahrheit. Entsprechend des Themas geht es also im zweiten Teil des Briefes um die Unterscheidung der Geister. Das ist hier nicht als Charisma gemeint, das man erhalten kann wie die Zungenrede oder die Prophetie. Es geht hier um eine systematische Unterscheidungsgabe in Gemeinden, weil sich schnell irgendwelche Häresien einschleichen können. Das Unterscheidungsmerkmal für die Adressaten des ersten Johannesbriefes ist die Frage nach der Menschwerdung Jesu: „Jeder Geist, der Jesus Christus bekennt als im Fleisch gekommen“ (ἐν σαρκὶ ἐληλυθότα en sarki elelythota) ist das A und O. Nimmt das jemand an, ist er aus dem gleichen Geist, also dem Hl. Geist und somit rechtgläubig. Jesus ist nicht einfach als Fata Morgana erschienen, sondern war ganz Mensch, also auch mit einem Körper, mit einem Stammbaum, mit einer Familie. Das wird durch „im Fleisch“ verdeutlicht.
Das Wort „Bekenntnis“ deutet an, wie die ersten Christen in der Entstehung der christlichen Lehre die Wahrheit von der Häresie erkannt haben: Durch Glaubensbekenntnisse bzw. Symbola. Wer das Bekenntnis nicht so gesprochen hat, wie es die Großkirche vorgab, outete sich als Häretiker. Glaubensbekenntnisse wurden also als Maßstab für die Rechtgläubigkeit verfasst.
Jesus nicht zu bekennen, v.a. nicht auf die vorgegebene Art zu bekennen, stammt vom Antichristen, der schon längst in der Welt ist. Er ist der Widersacher Christi und versucht alles, um die Menschen von Gott wegzubringen. Auch gerade die Christen werden versucht, die es besonders ernst meinen. Dann wird ganz schnell ein kleines Fünkchen Lüge mit ganz viel Wahrheit vermischt, sodass man es gar nicht bemerkt. Und schon ist man dem Antichristen aufgesessen. Bis heute gibt es in den sozialen Netzwerken die Diskussion über die „Warnung“, die schon längst als Täuschungsaktion entlarvt worden ist. Es gibt immer noch praktizierende Katholiken, die sie für wahr halten. So geschickt ist der Antichrist in der Verwirrung derjenigen, die ihr Leben ganz dem Herrn widmen.
Wenn Johannes hier in Vers 4 schreibt „ihr (…) seid aus Gott und habt die falschen Propheten besiegt“ (νενικήκατε αὐτούς, Perfektform), bezieht er sich auf vergangene Ereignisse. Wir können uns das so erklären, dass bis die Adressaten den Glauben an Jesus Christus angenommen haben, von allen möglichen, vor allem aber von Doketisten beworben worden sind. Sie sind aber letztendlich dem christlichen Glauben gefolgt und haben sich taufen lassen. Gott ist stärker als der Antichrist. So begründet Johannes die Taufe seiner Adressaten (“ denn Er, der in euch ist, ist größer als jener, der in der Welt ist.“)
Die Häretiker sind „aus der Welt“ und sprechen „wie die Welt“. „Die Welt“ hört auf sie, weil sie aus demselben Geist ist. Es geht hier nicht darum, Gottes gute Schöpfung schlecht zu machen. Johannes meint mit „Welt“ die vom Bösen infiltrierte Welt, nicht Gottes gute Schöpfung. Wer also „von der Welt“ ist und „wie die Welt“ spricht, meint eigentlich den Bösen. Es geht um eine antichristliche Gesellschaft, die nur auf „die Seinen“ hört.
Wer aber auf die Getauften hört, die eine ganz andere Botschaft und ein ganz anderes Lebensziel haben, ist aus Gott. Das Hören auf die Botschaft, die das Evangelium Jesu Christi ist, wird so zum Unterscheidungsmerkmal. Es ist wirklich so, wie Simeon Maria im Tempel angekündigt hat: An Jesus (und sein Evangelium ist von ihm untrennbar) scheiden sich die Geister. Wer ihn annimmt, ist aus Gott, d.h. in ihm wirkt der Hl. Geist, der der „Geist der Wahrheit“ und nicht der „Geist des Irrtums“ ist.

Ps 2
7 Den Beschluss des HERRN will ich kundtun./ Er sprach zu mir: Mein Sohn bist du. Ich selber habe dich heute gezeugt. 
8 Fordere von mir und ich gebe dir die Völker zum Erbe und zum Eigentum die Enden der Erde.  
10 Nun denn, ihr Könige, kommt zur Einsicht, lasst euch warnen, ihr Richter der Erde! 
11 Mit Furcht dient dem HERRN, jubelt ihm zu mit Beben.

Der heutige Psalm ist absolut passend zur Lesung und gibt uns weiteren Aufschluss über die Identität Jesu. Das Thema des Psalms ist das Verhältnis von Gott und seinem Gesalbten. Die Juden haben darunter zunächst den irdischen König verstanden und so wird es auch König David vorausgesetzt haben, als er dieses Gebet verfasst hat. Und doch hat der Geist ihm Worte eingegeben, die auf den göttlichen Gesalbten hinauslaufen, auf Jesus.
Wir sehen es vor allem an der Aussage „Mein Sohn bist du. Ich selber habe dich heute gezeugt.“ Das Verb יְלִדְתִּֽיךָ jelidticha ist eine Vergangenheitsform und heißt „zeugen, gebären“. Durch הַיֹּ֥ום  hajjom wird wirklich betont, dass die Zeugung „heute“ stattfand. Liest man den gesamten Psalm, also den näheren Kontext der heutigen Verse, kann man die Aussage in Vers 7 durchaus auf den israelitischen König beziehen, also auf David. Er ist von Gott eingesetzt als König auf dem Zion. Was er erbittet, wird Gott ihm gewähren (z.B. politische Dinge). Gott muss nur einen kleinen Finger krümmen und die nichtigen Pläne der Großen dieser Welt werden zunichte gemacht (Wir lesen darüber am Anfang des Psalms).
Gott wird ihm, König David, die Völker (Gojim, die heidnischen Völker) zum Erbe geben. Er meint nicht die Stämme Israels. Die sind dem König schon untertan.
Möchte man den Psalm in seiner Tiefe verstehen, muss man über diesen wörtlich-historischen Sinn hinausgehen: Der Gesalbte, von dem hier die Rede ist, ist mehr als nur ein irdischer König. Es geht um Jesus, den Gesalbten Gottes. Er ist es, den Gott selbst wirklich gezeugt hat. Bei König David ergibt diese Aussage sonst keinen Sinn. Dieser ist ja weder „heute“ gezeugt noch wirklich von Gott geboren worden. Er ist wie jeder andere Mensch durch eine Mutter auf die Welt gekommen und war ein normaler Mensch. Vielleicht ist die Zeugung im übertragenen Sinne zu verstehen als Umschreibung der Salbung. Dann ist die Königssalbung die „Zeugung“ Gottes. Durch sie ist eine besondere Gottesbeziehung entstanden, die im ersten Johannesbrief durch das in Gott Sein ausgedrückt worden ist. Durch diese Gemeinschaft kann von Gott alles erbeten werden. Er wird es gewähren.
Jesus dagegen ist wirklich gezeugt worden. Er ist auch „heute“ gezeugt worden. Der Begriff des „Heute“ ist nämlich Ausdruck der Ewigkeit, genauso wie der Begriff „jetzt“ in den johanneischen Schriften (jetzt ist die Stunde gekommen). In der Ewigkeit gibt es keine Zeit. Dort gibt es nur ein Heute, nur ein Jetzt. Gott hat Jesus also in der Ewigkeit gezeugt vor aller Zeit. Deshalb steht auch die Vergangenheitsform. König David konnte sich gar nicht vorstellen, was ihm der Hl. Geist mit diesem Psalm eingegeben hat! Die Tragweite dieses Psalms wird erst tausend Jahre später mit der Menschwerdung Gottes ersichtlich.
Jesus ist wirklich ganz im Vater und der Vater ganz in ihm. Die beiden haben wirklich eine unvergleichliche Einheit, durch die alles, was Jesus erbittet, vom Vater gewährt wird.
„Die Völker“, die Jesus „zum Erbe“ gegeben werden, sind die Menschen im Neuen Bund. Es sind jetzt nicht mehr nur die Juden, mit denen Gott einen Bund schließt, sondern gleichermaßen Juden und Heiden. „Gojim“ erhält nun eine ganz andere Dimension. Zu Erben im Reich Gottes werden wir dabei durch die Taufe.
Jesus wird zum König der Welt, der über allen Herrschern dieser Welt steht. Diese sollen mit Gottesfurcht ihre Herrschaft ausüben, denn Jesus muss nur einmal eingreifen und ihre Herrschaft ist dahin.
All diese Worte sind uns zum Heil aufgeschrieben. Jeder von uns ist insofern „heute gezeugt“, als Gott uns durch die Taufe zu seinen Kindern gemacht hat. Er hat uns „Gnade über Gnade“ geschenkt, indem wir nun diese besondere Einheit zum Vater haben können. Wie Jesus können wir im Stand der Gnade alles erbitten und Gott wird es uns gewähren. Wir müssen uns aber darum bemühen, diesen Stand der Gnade aufrecht zu erhalten. Durch die Sünde treten wir nämlich aus diesem Stand heraus.
Am Ende unseres Lebens und am Ende der Zeiten werden wir dann als Teil dieses Erbes der Völker bzw. jenes endzeitlichen Volkes das Erbe antreten im himmlischen Jerusalem. Jesus wird dann der einzige König sein. Die irdischen Herrscher wird es dann nicht mehr geben, weil es „die Welt“ nicht mehr geben wird. Es wird ein neuer Himmel und eine neue Erde geschaffen werden. Jesus wird dann auf dem himmlischen Zion eingesetzt, von dem hier im Psalm die Rede ist.

Mt 4
12 Als Jesus hörte, dass Johannes ausgeliefert worden war, kehrte er nach Galiläa zurück. 
13 Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. 
14 Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: 
15 Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: 
16 Das Volk, das im Dunkel saß, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.
23 Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.
24 Und sein Ruf verbreitete sich in ganz Syrien. Man brachte alle Kranken mit den verschiedensten Gebrechen und Leiden zu ihm, Besessene, Mondsüchtige und Gelähmte, und er heilte sie. 
25 Scharen von Menschen aus Galiläa, der Dekapolis, aus Jerusalem und Judäa und aus dem Gebiet jenseits des Jordan folgten ihm nach.

Heute hören wir von dem öffentlichen Wirken Jesu. Nachdem Johannes ins Gefängnis geworfen wurde, geht Jesus zurück in seine Heimat. Man könnte es menschlich erklären als klugen Schachzug, da Jesus der akuten Gefahr entgeht- er hat schließlich noch einen Verkündigungsauftrag und kann nicht direkt ins Gefängnis gehen. Aber es geht um etwas Anderes: Er macht sich auf in die Gebiete, die vorwiegend heidnisch besetzt sind. Er tut dabei nichts, was er selbst will, sondern ganz, was der Vater ihm aufträgt. Sein Aufenthalt im Land Sebulon und Naftali ist wiederum nicht nur für die Heiden wichtig, sondern auch für die Juden. Er erfüllt nämlich wiederum eine Verheißung des Alten Testaments, was die Juden erkennen mussten. Er tut es also wiederum für die Juden, damit sie zum Glauben an ihn kommen! Es geht um die Verheißung in Jesaja 8-9. Er ist das Licht, das zu dem Volk geht, das im Dunkeln lebt. Er bringt jenen Hoffnung, die keine haben. Er lehrt dabei in den Synagogen, was wiederum eine Verkündigung für die Juden kennzeichnet.
Jesu Verkündigung ist von Anfang an eine Kombination von Predigt und Heilsdienst. Er erklärt das Reich Gottes und heilt viele Menschen von verschiedenen Leiden.
Die Menschen kommen vor allem wegen der Heilungsaussichten, aber zugleich hören sie vom Reich Gottes. Dadurch, dass aus dem ganzen Hl. Land Menschen zu seinen Jüngern werden, erkennen wir, warum Jesus die Menschen heilt: damit sie zum Glauben an ihn kommen. Sie sollen die Herrlichkeit Gottes erkennen. So ist Gott. Er zeigt den Menschen konkret am Beispiel der Heilung, was er mit seiner frohen Botschaft meint. Das ist göttliche Pädagogik.
Jesus erbittet die Heilung für all jene Menschen, die zu ihm kommen. Er betet laut mit ihnen und sie sehen, dass die Gebete erhört werden. Das ist wichtig für die Juden. Sie erkennen die Salbung Gottes in Jesus, wie der Psalm 2 es ausdrückt. Was auch immer Jesus beabsichtigt, der Geist Gottes wirkt durch ihn und heilt Scharen von Menschen. In Jesus ist die Fülle der Charismen Gottes.
An Jesus können wir heute gut erkennen, was auch uns geschenkt wird, wenn wir es zulassen. Unsere Aufgabe ist es, eins mit Gott zu sein. Dann wird er uns ganz durchtränken durch den Hl. Geist. Dann werden wir auch die Charismen erhalten, durch die andere Menschen die Existenz Gottes in der Welt erkennen. Dann werden wir brennen von der Liebe Gottes. Dann werden auch wir viele Menschen zu Jüngern Gottes machen, indem das Feuer der Liebe, das in uns brennt, auf sie übergehen wird.

Werden wir zu Werkzeugen Gottes, denn auch wir sind gesalbt – durch die Taufe und durch die Firmung! Tun wir alles, was in unserer Macht steht, um die Gemeinschaft mit Gott zu haben. Dann werden auch wir Früchte bringen für Gott. Es wird immer nur unvollkommen sein, weil wir Menschen Sünder sind. Aber mit der helfenden Gnade Gottes können auch wir Frucht bringen. Beten wir aber auch besonders um geistliche Berufungen! Denn Priester sind auf besondere Weise gesalbt und auf besonders intensive Weise Arbeiter im Weinberg des Herrn. Sie konzentrieren sich ganz darauf, die Menschen zu Gott zu führen. Ohne sie haben wir die Eucharistie und die anderen Sakramente nicht!

Ihre Magstrauss

Erscheinung des Herrn (Epiphanie)

Jes 60,1-6; Ps 72,1-2.7-8.10-13; Eph 3,2-3a.5-6; Mt 2,1-12

Jes 60
1 Steh auf, werde licht, denn es kommt dein Licht und die Herrlichkeit des HERRN geht strahlend auf über dir. 
2 Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, doch über dir geht strahlend der HERR auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir. 
3 Nationen wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Glanz. 
4 Erhebe deine Augen ringsum und sieh: Sie alle versammeln sich, kommen zu dir. Deine Söhne kommen von fern, deine Töchter werden auf der Hüfte sicher getragen. 
5 Da wirst du schauen und strahlen, dein Herz wird erbeben und sich weiten. Denn die Fülle des Meeres wendet sich dir zu, der Reichtum der Nationen kommt zu dir. 
6 Eine Menge von Kamelen bedeckt dich, Hengste aus Midian und Efa. Aus Saba kommen sie alle, Gold und Weihrauch bringen sie und verkünden die Ruhmestaten des HERRN.

Wir lesen in der heutigen Lesung aus dem Alten Testament einen Ausschnitt aus Jesaja, der an Zion gerichtet ist. Der historische Kontext dieser Worte ist zunächst die Ankündigung der Sammlung der Kinder Israels aus der Zerstreuung, d.h. die Rückkehr der Israeliten aus dem Exil. Die Nichtjuden werden diese Rettungsaktion Gottes anerkennen, was schon beim Auszug aus Ägypten vorgekommen ist. Insbesondere Juda, der Stamm der Herrschaft, wird zu seiner alten Größe zurückkehren, was die Andeutung von Personen aus Saba ausdrückt. Unter König Salomo kam nämlich die Königin von Saba und besah sich dessen Reichtum und Weisheit. Sie verlieh ihm für all das Anerkennung und lobte seine Herrschaft.
Jesaja ist eine Prophetie und kein Geschichtsbuch. Deshalb hat dieser Ausschnitt nicht einfach nur rein historische Bedeutung, sondern ist überzeitlich zu sehen. Was wir hier lesen, ist eine Prophezeiung auch für die weitere Zukunft: Juda soll licht werden, da sein Licht kommt. Dieses Licht ist Jesus, das Wort Gottes. Mit diesem Licht, wohnt Gottes Herrlichkeit wieder in Juda und das meint nicht nur den Tempel, in dem Gottes Herrlichkeit wohnte. Gottes Gegenwart kommt mit Jesu Geburt in Juda hinein! Gottes Herrlichkeit erscheint wahrhaft. Das führt uns näher zum heutigen Fest „Erscheinung des Herrn“.
„Finsternis bedeckt die Erde“, weil die Zeit, in der Gott sich ausgesucht hat, unter den Menschen zu wohnen, besonders sündhaft und kriegerisch ist. Das ist eine moralische Leserichtung. Während die Völker um Israel herum aber keine Hoffnungsperspektive haben, geht das Licht in Juda auf, der Hoffnungsfunke. Wir lesen dies auch heilsgeschichtlich-eschatologisch: Während die Aussicht auf das Paradies durch den Sündenfall des ersten Menschenpaares und von da an für alle nachkommenden Menschen verloren worden ist, erscheint hier die Hoffnung, endlich wieder ins Paradies eingehen zu können!
Besonders deutlich messianisch-christologisch erfüllt sich die Aussage in Vers 3: Nationen wandern zum Licht. Das Wort für Nationen ist גֹויִ֖ם  gojim, das immer die heidnischen Völker meint. Nichtjuden werden zum Licht kommen. Es ist bemerkenswert, wie die Lichtmetapher sich zur Zeit der Geburt Jesu in einem aufgehenden Stern erfüllen wird. Jesus selbst ist nicht dieser aufgehende Stern oder nur im übertragenen Sinne, denn der Stern deutet auf ihn hin (einige Kirchenväter identifizieren den Stern mit dem Sohn Gottes selbst, der die Sterndeuter zu sich führt, so z.B. der Hl. Ambrosius). Es ist, als wollte Gott mit dem Stern eine weitere Lektion seiner überragenden Pädagogik erteilen: Durch den Stern haben nicht nur die Weisen aus dem Morgenland, sondern vor allem zuerst die Eltern Jesu verstanden, dass Jesus das Licht ist, das die Menschen führt, ihnen Orientierung gibt und vor allem Hoffnung gibt. Und zu dieser Hoffnung sind wir berufen durch die Taufe, so lasen wir gestern im Epheserbrief! Maria bewahrt alles in ihrem Herzen auf, was passiert. Sie wird all diese Lektionen Gottes wie eine Musterschülerin in sich aufgesogen haben wie ein Schwamm, begierig, Gottes Vorsehung immer mehr zu verstehen.
In der Verheißung hier in Jesaja ist die Rede von Königen, die kommen. Dies wird in die Tradition hineingespielt haben, dass die Magoi, wie die Sterndeuter dann in Mt 2 bezeichnet werden, als Könige verstanden worden sind. Dies hat sich vor allem dadurch entwickelt, dass man die Psalmworte und weiteren alttestamentlichen Andeutungen auf diese Magoi bezogen hat, die von Königen sprechen (z.B. Ps 72 „die Könige von Tarschisch und von den Inseln bringen Geschenke…“). Tertullian hat dies dann so erklärt, dass die persischen Sterndeuter wie Könige aufgetreten seien. Magoi waren zoroastrische Priester, die sich mit Astrologie und Philosophie beschäftigt haben. Vielleicht sind sie sogar in königlichem Auftrag gekommen. Es ist bekannt, dass Magoi auch am königlichen Hof gedient haben.
„Sie alle versammeln sich“ und „deine Söhne/deine Töchter“ erinnert zunächst an die eigenen israelitischen „Kinder“, die sich wieder sammeln. Doch in diesem Kontext ist auch die Interpretation möglich, die sich dann in Offb 15 erfüllen wird – die Völkerwallfahrt zum Zion gerade durch die Heiden! Der Zion wird eine zentrale Rolle in der Heilsgeschichte spielen. Das ist auf vielerlei Weise zu verstehen: Einerseits wird sich das erfüllen, wenn die Magoi aus dem Osten zum Kind in die Grotte von Betlehem kommen, um es anzubeten. Hier ist es dann zwar das Bergland von Judäa, aber eben nicht der Zion. Andererseits wird es die vielen Nationen meinen, die zum Zion pilgern, nämlich nach Jerusalem zum Passahfest, während Jesus gekreuzigt wird. Es wird auch die Pilgerströme meinen, die zum Pfingsttag in Jerusalem anwesend sein werden! Damit haben wir einen Übergang zum Zion als Kirche! Alle Völker werden kommen und Jesus annehmen, indem sie sich in Massen taufen lassen! Gott hat sich bei all den Ereignissen immer den ganz besonderen Zeitpunkt erwählt. Er hat immer dafür gesorgt, dass gerade viele verschiedene Nationen in die Hl. Stadt kommen, wenn heilsgeschichtliche Knotenpunkte gesetzt werden. Und eines Tages, am Ende der Zeiten, werden all die Menschen, die ihn angenommen haben, zum himmlischen Jerusalem pilgern, aus allen Himmelsrichtungen. Sie werden kommen, um Gott nicht mehr im Tempel, nicht mehr in der Eucharistie, sondern Gott ganz unverhüllt zu schauen, wie er ist.
Zum Schluss der Lesung lesen wir mehrere Indizien, die uns zurück zum heutigen Festtag führen, zu den Sterndeutern aus dem Osten: Kamele und Hengste lassen auf die Karawane schließen, die die Sterndeuter mit ihrem Gefolge gebildet haben. Selbst die Geschenke werden hier genannt, wenn auch die Myrrhe an dieser Stelle fehlt: Gold und Weihrauch.

Ps 72
1 Für Salomo. Verleih dein Richteramt, o Gott, dem König, dem Königssohn gib dein gerechtes Walten. 
2 Er regiere dein Volk in Gerechtigkeit und deine Elenden durch rechtes Urteil. 
7 In seinen Tagen sprosse der Gerechte und Fülle des Friedens, bis der Mond nicht mehr da ist. 
8 Er herrsche von Meer zu Meer, vom Strom bis an die Enden der Erde.
10 Die Könige von Tarschisch und von den Inseln bringen Gaben, mit Tribut nahen die Könige von Scheba und Saba. 
11 Alle Könige werfen sich vor ihm nieder, es dienen ihm alle Völker. 
12 Ja, er befreie den Armen, der um Hilfe schreit, den Elenden und den, der keinen Helfer hat. 
13 Er habe Mitleid mit dem Geringen und Armen, er rette das Leben der Armen
.

Dieser Psalm ist uns schon im Advent begegnet. Er ist ein Bittpsalm Davids für seinen Königssohn Salomo. Gott wird um die Gabe gerechten Richtens gebeten (Vers 1). David bittet auch um die Gabe gerechten Herrschens für Salomo. Es geht aber über seinen Sohn hinaus, wenn wir lesen, dass die Herrschaft von „Meer zu Meer“ und „an die Enden der Erde“ gehen soll. Dies ist für einen israelitischen Herrscher natürlich unrealistisch. Man könnte solche Wendungen hier als rhetorisches Stilmittel erklären, was auch nicht falsch ist. Dennoch lesen wir über den Text hinaus: Hier wird ein übermenschlicher Herrscher erbeten. König David wird sich dessen noch nicht bewusst gewesen sein, was der Hl. Geist ihm im Gebet eingegeben hat, aber hier wird um Jesus Christus gebeten: Nur er kann wirklich „Fülle des Friedens“ bringen, „bis der Mond nicht mehr da ist“. Das kann ein gewöhnlicher Mensch nicht vollbringen. Er ist wahrlich der Befreier der Armen – und nicht nur materiell, sondern umfassend. Er wird die Randständigen wieder in die Mitte der Gesellschaft setzen wie die blutflüssige Frau oder die Aussätzigen und die Besessenen, die nicht mehr in der Stadt leben durften. Er wird aber vor allem uns alle, die wir durch die Sünde arm sind, befreien von der Knechtschaft der Erbsünde, die uns das Paradies verschlossen hat. Was in den Versen 10 und 11 beschrieben wird, hat sich teilweise bei Salomo erfüllt. Wie oben erwähnt kam die Königin von Saba und bewunderte den Reichtum und die Herrlichkeit des salomonischen Reiches. Sie kam auch mit Gaben. Aber es hat sich mit Salomo nicht erfüllt, dass alle Könige sich ihm unterstellt haben. Das steht auch noch aus, wie wir an der hebräischen Verbform וְיִשְׁתַּחֲווּ w’jischtachavu erkennen. Sie „werden niederfallen“ – und zwar vor dem kleinen Jesuskind in der Grotte von Betlehem, vor dem Kreuz (der heidnische Hauptmann, der Jesu Gottessohnschaft erkennt), vor dem Leib Christi in der Eucharistie (wir sind aus allen Völkern, Sprachen, Nationen). Die Sterndeuter repräsentieren alle Herrscher dieser Welt sowie die Völker, von denen hier die Rede ist (übrigens wiederum ausgedrückt durch das hebräische Wort gojim).

Eph 3
2 Ihr habt doch gehört, welches Amt die Gnade Gottes mir für euch verliehen hat. 
3 Durch eine Offenbarung wurde mir das Geheimnis kundgetan
5 Den Menschen früherer Generationen wurde es nicht kundgetan, jetzt aber ist es seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist offenbart worden: 
6 dass nämlich die Heiden Miterben sind, zu demselben Leib gehören und mit teilhaben an der Verheißung in Christus Jesus durch das Evangelium.

Heute erklärt Paulus die Bedeutung der Heiden im Heilsplan Gottes. Die nichtjüdischen Völker, die kommen, um den Herrn anzubeten, sind genauso Volk Gottes wie die Auserwählten im Alten Bund. „Den Menschen früherer Generationen“ betrifft die Israeliten des Alten Israel, aus denen vereinzelte Personen zu Propheten berufen worden sind. Diese haben den Heilsratschluss Gottes den Juden immer wieder vermittelt. Gott ist ein guter Pädagoge, der seinen Schülern immer nur so viel zumutet, wie sie es in der gegebenen Zeit verstehen können. Früher ist es ihnen also noch nicht erklärt worden, dass es einen Neuen Bund geben würde, in dem alle Menschen mit Gott einen Bund schließen würden. Paulus mag hier recht haben – explizit ist das so noch nicht gesagt worden. Zugleich lesen wir im AT immer wieder Wendungen und Prophezeiungen, die implizit eine Integrierung der Heiden in den Heilsplan Gottes schon erahnen lassen. Dies wird aber erst später durch die Aposteln und Propheten des NT erkannt, wenn sie mit christologischen Augen das AT lesen werden. Dies drückt Paulus hier aus, wenn er sagt, dass es ihnen „jetzt“ durch den Geist geoffenbat worden sei.
Die Heiden sind „Miterben“ συγκληρονόμος  syngkleronomos. Sie erben gleichermaßen das Reich Gottes, den Himmel, wie die Juden des Alten Bundes. Dieses verheißene eschatologische Land, das himmlische Jerusalem, birgt Raum für alle Menschen. Alter und Neuer Bund laufen nebeneinander.
Juden und Heiden bilden gleichermaßen den Leib. Das ist auch schon ekklesiologisch zu verstehen: Sowohl Juden- als auch Heidenchristen bilden die Kirche in den ersten Jahrhunderten. Judenchristen sterben mit der Zeit aus, sodass die Heidenchristen übrig bleiben. Aber heutzutage gibt es wiederum messianische Juden, also solche, die Jesus als Messias anerkennen. Man könnte sie als Neo-Judenchristen bezeichnen, wobei es eine lange Zeit gab, in der Judenchristen nicht existiert haben. Es gibt keine Kontinuität der heutigen messianischen Juden bis zurück in die Anfänge der Kirche.
Entscheidend ist nicht mehr, ob man beschnitten ist oder sich vom Heidentum aus direkt taufen lässt. Entscheidend ist, dass man das Evangelium Jesu Christi annimmt, egal mit welcher Identität. Das ist eine wichtige Grundaussage, die uns wieder zum heutigen Fest führt. Die Magoi waren Priester des Zoroastrismus, einer persischen Religion. Und doch erwarteten sie den Messias, was sie von den Juden während des babylonischen Exils gelernt haben. Sie haben Gottes Führung gehorsam angenommen und kamen, um ihn anzubeten. Das hat sie vor Gott gerecht gemacht – so gerecht, dass wir sie heute als Heilige verehren!

Mt 2
1 Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, siehe, da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem 
2 und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. 
3 Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. 
4 Er ließ alle Hohepriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Christus geboren werden solle. 
5 Sie antworteten ihm: in Betlehem in Judäa; denn so steht es geschrieben bei dem Propheten: 
6 Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel. 
7 Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. 
8 Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach dem Kind; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige! 
9 Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. 
10 Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. 
11 Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. 
12 Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.

Nun denken wir über das Evangelium nach, auf das die bisher besprochenen Texte hinauslaufen: König Herodes bekommt den Schreck seines Lebens. Er war ein sehr paranoider Mensch, der zum Ende seines Lebens immer mehr unter Verfolgungswahn litt. Er verdächtigte alles und jeden und hatte Angst, umgebracht oder gestürzt zu werden. Und nun kommen diese prunkvollen Gelehrten aus dem Osten und reden von einem König der Juden. Er sah seine ganze königliche Existenz gefährdet. Mit den Hohepriestern und Schriftgelehrten wird er in den Hl. Schriften geforscht haben, um welchen König es sich handeln könnte. Würde man dort nämlich etwas lesen, wäre es aus mit ihm. Die Hl. Schrift stellt die höchste Autorität dar. Und es bestätigt sich, wovor er sich am meisten fürchtet: Es geht um den Messias, der in Betlehem erwartet wird. Sein Kommen wird in Micha 5 angekündigt, was hier auch zitiert wird.
Herodes zieht aus dieser Sache den falschen Schluss: Er will den Messias beseitigen, um seine eigene Herrschaft zu retten. Dies zeigt uns, dass er die Herrschaft des Messias als eine politische/irdische verstanden hat. Deshalb hat er eine Rivalität befürchtet. Judäa, in dem Betlehem sich befindet, gehört nämlich zu seinem Herrschaftsbereich. Er als Hasmonäer wird zudem genau gewusst haben, dass seine Herrschaft eigentlich unberechtigt ist. Er war Idumäer, also ein zum Judentum Konvertierter, aber aus keinem der Stämme Israels. Wenn nun also ein König aus dem Stamm Juda geboren worden ist, ist dieser der wahre Herrscher im Gegensatz zu ihm! Die Juden würden diesen Herodes gegenüber bevorzugen.
Sein Plan ist, die aus der Ferne angereisten Magoi zu instrumentalisieren. Er will sich ihr astrologisches Wissen zu eigen machen und sie vorschicken. Er verrät ihnen seine wahren Absichten natürlich nicht, sondern erklärt als Vorwand, dass er selbst gehen und den Messias anbeten wolle. Sie werden dies vielleicht geglaubt haben, da dieser König ja in den jüdischen Schriften lange Zeit erwartet worden war.
Der Stern, dem sie folgten, bewegte sich natürlich nicht. Sterne stehen fest, aber die Erde bewegt sich. Auf diese Weise wird die Position des Sterns sich mit den Tagen und Wochen in eine bestimmte Richtung verschoben haben. Womöglich stand der Stern erst über Jerusalem, weshalb die Sterndeuter zuerst dort vorstellig geworden sind. Die Bewegung ging aber weiter, sodass sie weiter Richtung Betlehem geführt worden sind.
Dort finden sie nun das Kind und seine Mutter. Josef wird nicht erwähnt. Die Sterndeuter beten das Kind an (προσεκύνησαν  prosekynesan), was auch durch die Geste des Niederfallens verdeutlicht wird (πεσόντες  pesontes „sie fielen nieder“). Diese Geste ist im orientalischen Kontext nicht nur eine Anbetungsgeste gegenüber Gott, sondern auch die Huldigungsgeste gegenüber einem König. Sie erkennen somit Jesus als König an. Dass er aber eine größere Bedeutung als ein König hat, erkennen wir an den Geschenken der Drei: Das Gold ist königliches Zeichen. Dem König gebührt das kostbarste Material, das die antike Welt kannte – Gold. Diese erste Goldgabe wird sich in der Endzeit erfüllen. Wir lesen in der Offb, dass Gold in den Visionen des Johannes ein Material des Himmels ist. Alle, die zum Himmel gehören, tragen diese Farbe auf eine Weise – so z.B. die Sieger, die mit Goldkränzen ausgestattet werden, ebenso die 24 Ältesten.
Der Weihrauch ist ein kultisches Element. Er verweist schon am Anfang des Lebens Jesu, dass er Hohepriester ist. Er wird das größte Opfer aller Zeiten bringen, das die bisherige jüdische Opferpraxis beenden wird – die Darbringung des eigenen Lebens am Kreuz für alle Menschen. Auch diese Identität Christi wird der Visionär Johannes in der Offb sehen, wenn er den Menschensohn in priesterlicher Kleidung erblicken wird (langes weißes Gewand bis zu den Füßen, goldener Brustgürtel).
Neben der königlichen und priesterlichen Identität Christi kommt mit der Gabe der Myrrhe eine zweidimensionale Identität hinzu: Jesus als Heiland und als Auferstandener von den Toten. Myrrhe war in der Antike eine Medizin, die uns am Ende des Lebens Jesu noch einmal begegnen wird – sie wird als Betäubungsmittel vermischt mit Wein Jesus am Kreuz angeboten, doch dieser lehnt es ab. Er leidet ganz, ohne ein bisschen Linderung zu beanspruchen. Die Myrrhe, die dem Kind hier dargebracht wird, kündigt an, dass Jesus viele Menschen heilen wird – seelisch durch die Exorzismen und Sündenvergebungen, körperlich und psychisch durch die teilweise spektakulären Heilungen. Jesus wird ganz so heilen, wie es die Propheten des AT verheißen haben – er wird die vielen messianischen Heilstaten vollziehen. Die Myrrhe hat noch einen anderen Zweck in der Antike: Sie ist zur Einbalsamierung von Leichnamen verwendet worden. In dieser Grotte von Betlehem erhaschen wir auch durch dieses kleine Indiz einen Blick auf den Tod Christi. Jesus ist geboren, um zu sterben. Er wird mit Myrrhe einbalsamiert werden.
Die Sterndeuter erhalten im Traum die Warnung, nicht zu Herodes zurückzukehren. Sie umgehen Jerusalem und ziehen heim in ihr Land. Jesus wird so vor der Intrige des paranoiden Herrschers bewahrt. Der Hl. Geist wirkte in den Heiden, indem er ihnen im Traum Anweisungen gab. Das ist zugleich tröstlich und unerhört für jüdische Ohren! Wir befinden uns hier im Matthäusevangelium, das vor allem jüdische Aspekte berücksichtigt. Umso erstaunlicher sind diese kleinen aber wichtigen Details. Mit den Sterndeutern aus dem Osten erfüllen sich die Verheißungen von Jesaja 60, Ps 72 und die Erklärung des Paulus: Die Heiden sind Miterben im Reich Gottes. Diese Heiden aus den Osten beten Jesus an und werden so zum Archetypen aller Völker, Stämme, Sprachen und Nationen, die am Ende der Zeiten zum Zion kommen werden (Offb 15). In der Grotte von Betlehem erleben wir heute also einen Moment des Himmels und den Beginn der messianischen Heilszeit.

Ihre Magstrauss

5. Januar in der Weihnachtszeit

1 Joh 3,11-21; Ps 100,2-3.4-5; Joh 1,43-51

1 Joh 3
11 Denn das ist die Botschaft, die ihr von Anfang an gehört habt: Wir sollen einander lieben

12 und nicht wie Kain handeln, der von dem Bösen stammte und seinen Bruder erschlug. Warum hat er ihn erschlagen? Weil seine Taten böse waren, die Taten seines Bruders aber gerecht.
13 Wundert euch nicht, Brüder und Schwestern, wenn die Welt euch hasst!
14 Wir wissen, dass wir aus dem Tod in das Leben hinübergegangen sind, weil wir die Brüder lieben. Wer nicht liebt, bleibt im Tod.
15 Jeder, der seinen Bruder hasst, ist ein Menschenmörder und ihr wisst: Kein Menschenmörder hat ewiges Leben, das in ihm bleibt.
16 Daran haben wir die Liebe erkannt, dass er sein Leben für uns hingegeben hat. So müssen auch wir für die Brüder das Leben hingeben.
17 Wenn jemand die Güter dieser Welt hat und sein Herz vor dem Bruder verschließt, den er in Not sieht, wie kann die Liebe Gottes in ihm bleiben?
18 Meine Kinder, wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit.
19 Und daran werden wir erkennen, dass wir aus der Wahrheit sind. Und wir werden vor ihm unser Herz überzeugen,
20 dass, wenn unser Herz uns verurteilt, Gott größer ist als unser Herz und alles weiß.
21 Geliebte, wenn das Herz uns aber nicht verurteilt, haben wir gegenüber Gott Zuversicht.

Die heutige Lesung aus dem ersten Johannesbrief beginnt mit dem Gebot, das von Anfang an bestand: der Nächstenliebe. Wenn es heißt „von Anfang an“, meint es nicht nur den Anfang des Neuen Bundes. Vielmehr besteht dieses Gebot ja schon im Alten Bund und Jesus greift es in seiner Verkündigung aus Lev 19,18 auf. Er radikalisiert es in dem Sinne, dass er auch die Feindesliebe und ein vollkommenes Racheverbot fordert. Weil es also ein uraltes Gebot ist, passt auch das uralte Beispiel von Kain und Abel, der ersten schweren Sünde gegen die Nächstenliebe nach dem Sündenfall. Kain hat Abel erschlagen aus Eifersucht. Die „Taten“, von denen hier die Rede ist, meint die Opfer. Das Opfer Kains ist unrein bzw. unvollkommen, während Abels Opfer rein ist. Gott bevorzugt deshalb das Opfer Abels. Kain wird bezeichnet als stammend vom Bösen. Er ist Gottes Geschöpf wie jeder andere Mensch auch. Was hier also gemeint ist, ist vielmehr seine Entscheidung zum Bösen. Dies greift Johannes ja auf als Analogie für jene Christen in den angesprochenen Gemeinden, die ebenfalls „vom Bösen stammen“ und sich deshalb entscheiden, den Irrlehren der Doketisten u.a. zu folgen. Was Johannes mit dem Beispiel Kains und Abels verdeutlichen möchte, ist die uralte Versuchung und der Urkonflikt, den schon die ersten Menschen der gefallenen Natur auszutragen hatten. So wie Abel gehasst worden ist dafür, dass er „aus Gott stammte“, wir würden für einen heutigen Christen sagen „im Stand der Gnade sein“, so werden auch die Christen von der Welt gehasst werden, die es sehr ernst mit Gott meinen. Wir werden angefeindet wie Abel, dessen Herz rein war und deshalb ein gottgefälliges Opfer dargebracht hat.
Durch die Taufe geht der Mensch „aus dem Tod in das Leben“, denn ihm wird das ewige Leben geschenkt, die Chance auf das Himmelreich. Das ist aber kein Automatismus, denn er ist dazu berufen, heilig zu sein. Diese Heiligkeit zeigt sich in dem Maß an Liebe, die wir Gott und dem Nächsten entgegenbringen. Wer also nach der Taufe den Bruder nicht liebt (Nächstenliebe), der bleibt im Tod. Das heißt theologisch, dass die Person aus dem Stand der Gnade fällt. Die Nächstenliebe zu leben, ist eine Zusammenfassung der Gebote, die die Nächstenliebe betreffen – im Dekalog entspricht das der Gebote 4-10. Wir lasen ja bereits in den letzten Tagen, dass Gott zu lieben, heißt, seine Gebote zu halten.
Den Nächsten zu hassen, ist bereits Mord. Jesus hat in der Bergpredigt erklärt, dass wer seinem Bruder zürnt, bereits gegen das fünfte Gebot verstößt. Die Sünde beginnt bereits im Herzen und in den Gedanken. Es ist nicht erst eine Sünde, wenn man den Bruder erschlägt wie im Falle Kains. Jemanden zu hassen, bedeutet, ihm Böses zu wünschen. Jemanden zu lieben, heißt, ihm Gutes zu wünschen, ja nur das Beste. Die schlimmste Form von Hass ist das Umbringen eines Menschen. Die größte Liebe besteht darin, für einen anderen Menschen zu sterben. Christus selbst hat diese größte Liebe erwiesen, indem er sich für alle Menschen hingegeben hat. Er wählte den grausamsten und schandvollsten Tod. Das Kreuz ist dadurch zum dichtesten Ort der Liebe geworden. Er verlangt von seinen Jüngern, dass sie ihm bis zum Kreuz nachfolgen. Das heißt konkret, dass sie bereit sein sollen, sich in Liebe zu verzehren wie er. Das kann aber nicht gegeben sein, wenn ein Mensch allen Reichtum hat und sein Herz vor der Not des Nächsten verschließt. Das wäre ja eine Form von Nächstenliebe, finanziell zu unterstützen. Wer nicht einmal dies tun kann, wie soll er sein Leben für den Mitmenschen hingeben?
Liebe ist konkret und praktisch. Es darf nicht beim „Ich liebe dich“ bleiben, sonst wird es zu einer hohlen Floskel. Es muss durch Taten bewiesen werden. Wir sollen die Liebe einander geben, nicht nur darüber sprechen.
Das sind die Früchte, an denen man unser Herz erkennen wird. Und wenn unser Herz uns verurteilt, das heißt wenn wir ein schlechtes Gewissen haben aufgrund unserer Sünde, dann wissen wir, dass Gottes Barmherzigkeit größer ist als unsere Sünde. Wenn wir von Herzen bereuen, wird er uns alles vergeben. Wenn wir uns wirklich von Herzen bemühen, wird er unsere Bemühungen sehen und danach urteilen.

Ps 100
2 Dient dem HERRN mit Freude! Kommt vor sein Angesicht mit Jubel!

3 Erkennt: Der HERR allein ist Gott. Er hat uns gemacht, wir sind sein Eigentum, sein Volk und die Herde seiner Weide.
4 Kommt mit Dank durch seine Tore, mit Lobgesang in seine Höfe! Dankt ihm, preist seinen Namen!
5 Denn der HERR ist gut, ewig währt seine Huld und von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue.

Als Antwort auf die Lesung beten wir Psalm 100, der betitelt wird als „Lobgesang der Völker beim Einzug ins Heiligtum“.
„Dient dem HERRN mit Freude! Kommt vor sein Angesicht mit Jubel!“ Diese Worte beziehen sich auf die Heiden, die zum Glauben an den Gott Israels kommen. Vor dem Hintergrund der Lesung gehen wir über die Heiden zur Zeit König Davids hinaus und betrachten die johanneischen Christen, die vom Tod ins Leben übergegangen sind. Sie sind es, die zu einem freudigen Dienst aufgefordert werden, nämlich zur Liebe. Der Wortsinn dieses Psalms ist zunächst auf die Heiden in alttestamentlicher Zeit zu beziehen, die zum Tempel kommen sollen („vor sein Angesicht“). Dort gibt es einen eigens für sie bestimmten Tempelhof. Mit Blick auf die frühen Christen müssen wir uns fragen, was dann mit „Angesicht Gottes“ gemeint sein könnte. Jesus hat der samaritanischen Frau am Jakobsbrunnen schon angekündigt, dass in Zukunft weder der Tempel in Jerusalem noch die Kulthöhe auf dem Garizim die Anbetungsorte Gottes darstellen werden. Er hat angekündigt, dass er selbst den Ort der Anbetung darstellen wird und die rechte Weise der Anbetung im Geist und in der Wahrheit sein werde. Es wird keine örtliche Gebundenheit mehr geben, weil Jesus in jeder Heiligen Messe eucharistisch anwesend sein wird! Die Christen der Lesung treten also nun durch die Liturgie zum Angesicht Gottes, egal wo sie sich befinden!
„Erkennt: Der HERR allein ist Gott. Er hat uns gemacht, wir sind sein Eigentum, sein Volk und die Herde seiner Weide.“ Dass es nur diesen einen Gott gibt, wird den Heiden gegenüber natürlich deshalb betont, weil sie den Monotheismus erst einmal lernen müssen. Sie kommen aus einem polytheistischen Kontext (Vielgötterei). Dagegen hat der eine wahre Gott die Welt geschaffen, auch die Menschen. Deshalb gehören alle Menschen ihm. Auch die Heiden gehören zum auserwählten Volk. Das Hebräische gibt dies wieder mit dem Wort עַ֝מֹּ֗ו ammo. Es geht wirklich um das auserwählte Volk. Dies ist bemerkenswert im Kontext des Alten Testaments! Nicht nur das Volk Israel gehört zum Volk Gottes, sondern nun auch die Heiden! Hier wird etwas deutlich, was mit dem Neuen Bund wahr wird: Gottes Volk setzt sich nicht mehr durch biologische Abstammung zusammen, sondern durch Menschen aller Nationen, Völker, Stämme und Sprachen, die durch die Taufe zur neuen Schöpfung werden, eine geistliche Familie. Als solche ist das neue Volk Gottes Herde des guten Hirten. Dieses Bild greift Jesus dann auf, wenn er sich selbst als diesen guten Hirten offenbart und seine Jünger als seine Herde.
„Kommt mit Dank durch seine Tore“ ist wörtlich zunächst auf die Stadttore Jerusalems und des Tempelareals gemeint, durch die die Heiden in die Höfe des Tempels gelangen. Im weiteren Sinn meint es auch die Christen des Neuen Bundes. Diese treten durch das Tor der Taufe hindurch in den Hof des Heiligtums Gottes, der in ihren Herzen Wohnung nimmt. Sie treten durch das Tor, wenn sie sich zur Eucharistie versammeln. So ist es mit allen Menschen, die bis heute die Liturgie feiern. Die ganze Menschheit tritt schließlich durch das Tor des Todes ein in die Ewigkeit.
„Dankt ihm, preist seinen Namen!“ Dazu haben vor allem die Getauften Anlass. Sie sind gerettet worden auf das ewige Leben hin. Dies veranlasst sie zu Lob und Dank.
Gott ist gut. Er hat das Heil jedes Menschen im Sinn. Er ist wirklich treu und verlässt seine Schäfchen nie. Deshalb können wir Menschen nicht anders, als zu jubeln über seine guten Taten an uns. Wir erkennen sie nicht immer und manchmal verdunkeln die Krisen unseres Lebens den dankbaren Blick auf das, was wir haben und was uns gelingt. Doch Gott ist immer der gleiche gute Gott, dem Ehre gebührt – gestern, heute und in Ewigkeit.

Joh 1
43 Am Tag darauf wollte Jesus nach Galiläa aufbrechen; da traf er Philippus. Und Jesus sagte zu ihm: Folge mir nach!

44 Philippus war aus Betsaida, der Stadt des Andreas und Petrus.
45 Philippus traf Natanaël und sagte zu ihm: Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus, den Sohn Josefs, aus Nazaret.
46 Da sagte Natanaël zu ihm: Kann aus Nazaret etwas Gutes kommen? Philippus sagte zu ihm: Komm und sieh!
47 Jesus sah Natanaël auf sich zukommen und sagte über ihn: Sieh, ein echter Israelit, an dem kein Falsch ist.
48 Natanaël sagte zu ihm: Woher kennst du mich? Jesus antwortete ihm: Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen.
49 Natanaël antwortete ihm: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel!
50 Jesus antwortete ihm: Du glaubst, weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah; du wirst noch Größeres als dieses sehen.
51 Und er sprach zu ihm: Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn.

Im Evangelium wird uns heute wieder davon berichtet, wie Jesus seine Jünger beruft. Diesmal geht es um Philippus und Bartholomäus, der im Johannesevangelium Natanael genannt wird. Woran liegt das eigentlich?
„Bartholomäus“ ist die latinisierte Form des hebräischen „Bar-Tolmay“, was „Sohn des Tolmay“ heißt. Es meint also nicht seinen Namen, sondern den Beinamen, den man als Zuschreibung der Person verwendet hat, so wie „Barjona“ für Petrus oder „Sohn des Zebedäus“ für die Donnersöhne. Natanael ist dagegen ein typischer Vorname (hier in der griechischen Fassung), der im Hebräischen die Form נתנאל netan’el hat. Der Name bedeutet „Gott hat gegeben“. Der volle Name der heutigen gefeierten Person lautet also Natanael Bar-Tolmai. Johannes nennt also einfach seinen Vornamen, während die Synoptiker und Apg sich für den Beinamen entscheiden.
Zunächst wird Philippus berufen. Dieser kommt aus Betsaida, das zugleich als Ort des Petrus und Andreas bezeichnet wird. Philippus geht als Neuberufener zu Natanael und spricht ihn an. Das heißt, er kennt ihn schon, als Jesus die Apostel beruft. Zu ihm sagt Philippus nun: „Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus den Sohn Josefs, aus Nazaret.“ Diese Aussage zeigt uns schon, dass Natanael ein schriftkundiger Jude sein muss, denn er weiß um die messianischen Verheißungen des Alten Testaments und legt offensichtlich Wert darauf. Man nimmt heutzutage auch an, dass Natanael ein Schriftgelehrter gewesen sei. Vor allem irritiert ihn ja die Aussage, dass Jesus aus Nazaret kommt. Gemäß den Hl. Schriften erwartet man einen davidischen Messias, der also aus Betlehem stammt. Was die Apostel zu jener Zeit vielleicht noch nicht wissen, ist, dass Jesus ja Davidide aus Betlehem ist, der aber in Nazaret aufgewachsen ist. Die Verheißung erfüllt sich also schon, doch der erste Eindruck täuscht. Nazaret liegt in Galiläa und deshalb kommt von Natanael die skeptische Bemerkung „Kann aus Nazaret etwas Gutes kommen?“ Es gibt zwar Juden in diesem Dorf, doch ist die Gegend für starke pagane Einflüsse bekannt. Galiläa wird von den Judäern grundsätzlich verachtet und Nazaret hat zu jener Zeit von allen Städten den schlechtesten Ruf. Es gilt als zweifelhafter Ort voller Sünder. Doch die Vorsehung Gottes hat offensichtlich genau dies so gefügt, dass Jesus in so einer Region aufwächst und nachher auch wirkt. Gott sucht sich das Kleine und Schwache aus, denn er ist die Demut schlechthin. Er sucht sich auch bewusst einen Ort aus, der von Juden und Heiden besiedelt wird. Schließlich ist er gekommen, den Neuen Bund Gottes mit Juden UND Heiden zu besiegeln. Wir müssen über die Frage Natanaels ein wenig genauer nachdenken. Ist es eine komplette Ablehnung? Nein, es ist vielmehr eine Unsicherheit oder Unschlüssigkeit angesichts der fehlenden Aussagen in der Hl. Schrift. Wäre es eine Frage kompletter Ablehnung, würde Natanael Philippus nicht zu Jesus folgen. Er würde dort bleiben, wo er aufgesucht worden ist.
Wie auch gestern im Evangelium Jesus geantwortet hat, antwortet Philippus mit den Worten: „Komm und sieh!“ Und Natanael wird sich selbst von der Messianität Jesu überzeugen, als dieser nämlich zu ihm sagt, während er auf ihn zukommt: „Sieh, ein echter Israelit, an dem kein Falsch ist.“ Jesus lehnt sich mit seinen Worten an Psalm 32,2 an, was eine ganz logische und passende Bemerkung für einen Schriftgelehrten ist. Jesus zeigt ihm somit, dass er die Hl. Schrift gut kennt, und macht ihm ein Kompliment. Dies tut er, weil er die Aufrichtigkeit erkennt, mit der der Schriftgelehrte den Messias sucht. Natanael fragt Jesus, woher er ihn kennt – denn die Aussage, dass er ohne Falschheit sei, kann er ja nur tätigen, wenn er dessen Lebenswandel kennt. Und so antwortet Jesus mit einer Sache, die er gar nicht wissen kann: „Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen.“ Das heißt nicht, dass Philippus ihn von einem Feigenbaum weggeholt hat, den Jesus von weitem gesehen hat. Das hat eine viel tiefere Bedeutung: Unter dem Feigenbaum sitzen die Menschen unter anderem in der Bibel, um sich zu erholen. Das ist ein Bild auch für den salomonischen Frieden. Es bezieht sich aber auch auf die frommen Juden, die aufrichtig nach Gott nachsinnen und die Hl. Schrift betrachten. Unter Rabbinern hat sich die Redewendung „unter dem Feigenbaum sitzen“ für die Betrachtung der Hl. Schrift eingebürgert. Jesus sagt Natanael also, was er zuvor getan hat. Er wird sich ganz ertappt gefühlt haben, denn als Johannesjünger hat dieser Mann stets über den Messias nachgedacht. Und nun sagt der Messias selbst ihm gleichsam zu: „Ich habe dich gesehen, wie du aufrichtig nach mir gesucht hast.“ Das ist die Antwort, auf die Natanael gewartet hat, und so antwortet er Jesus mit einem emotionalen Messiasbekenntnis.
Jesus nimmt dies zum Anlass, eine wichtige Lektion zu erteilen: Natanael kam zum Glauben an ihn, weil Jesus prophetische Worte zu ihm gesprochen hat. Doch er verdeutlicht, dass sowohl Natanael als auch die anderen Apostel noch größere Dinge sehen werden: die vielen Heilungen, Exorzismen, die Totenheilung des eigenen Freundes, die Auferstehung Jesu Christi. Sie werden durch die ganzen Wundertaten seine Herrlichkeit sehen. Dies umschreibt Jesus mithilfe eines biblischen Bildes, das er ganz bewusst für den Schriftgelehrten Natanael aufgreift: Die geöffnete Himmelstür mit auf- und absteigenden Engeln über dem Menschensohn. Die Himmelsleiter ist ein Motiv, das schon in der Jakobserzählung erscheint. Dort sieht der Patriarch im Traum die Himmelsleiter mit den sich bewegenden Engeln und Gott selbst am oberen Ende der Leiter. Jesus erklärt mithilfe dieses Motivs, dass Gott ans andere Ende der Leiter gekommen ist – er ist Mensch geworden in Jesus Christus, um bei den Menschen zu wohnen und die ganze Welt zu retten. Das ist, was wir an Weihnachten gefeiert haben und das wir auch in der bestehenden Weihnachtszeit immer noch betrachten.

Heute hören wir viel von aufrichtiger Herzenshaltung, Liebe und Berufung. Wir alle sind durch die Taufe zur Heiligkeit berufen, auch wenn die Apostel nochmal auf besondere Weise berufen sind. Sowohl die Getauften als auch die Geweihten werden beim Namen gerufen. Entscheidend ist, was wir daraus machen: Werden wir unserer Berufung gerecht und bemühen uns von Herzen um die Liebe im Kleinen wie im Großen? Gott sieht unseren ganzen Einsatz, nicht nur die Taten selbst. Erneuern wir unser Taufversprechen immer wieder und bitten wir Gott um Verzeihung, wo wir ihm untreu geworden sind. Er vergibt uns alles, wenn wir aufrichtig umkehren.

Ihre Magstrauss

4. Januar in der Weihnachtszeit

1 Joh 3,7-10; Ps 98,1.7-9; Joh 1,35-42

1 Joh 3
7 Meine Kinder, lasst euch von niemandem in die Irre führen! Wer die Gerechtigkeit tut, ist gerecht, wie er gerecht ist. 

8 Wer die Sünde tut, stammt vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Der Sohn Gottes aber ist erschienen, um die Werke des Teufels zu zerstören. 
9 Jeder, der von Gott stammt, tut keine Sünde, weil Gottes Same in ihm bleibt, und er kann nicht sündigen, weil er von Gott stammt. 
10 Daran kann man die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels erkennen: Jeder, der die Gerechtigkeit nicht tut und seinen Bruder nicht liebt, ist nicht aus Gott.

Heute geht es im ersten Johannesbrief weiter mit der Konsequenz der Taufe – dem gerechten Lebenswandel. Darauf kommt es an und an diesem wird man erkennen, wer gerecht ist. In den Evangelien sagt Jesus „an den Früchten wird man sie erkennen“. Das ist damit gemeint. Mit „gerecht sein“ ist hier nicht nur die Gerechtigkeit vor den Menschen, sondern vor allem die Rechtfertigung vor Gott gemeint.
Die „Frucht“ des Teufels bzw. das Stammen von ihm ist dann nicht die Gerechtigkeit, sondern die Sünde. Die Bemerkung, dass der Teufel von Anfang an sündigt, deutet seinen Abfall von Gott an. Teufel sind von ihrer geschaffenen Natur her wie die Engel Geistwesen mit eigenem Charakter, mit einem freien Willen und mit Kraft. Sie waren ja zuerst Engel von ihrer Aufgabe und Berufung her. Vor Erschaffung der Welt kam es zu einem Abfall Luzifers („Lichtträger“, er war der hellste aller Engel) und vieler weiterer Engel. Sie sind, wie Jesus in Lk 10,18 sagt, wie ein Blitz vom Himmel gefallen. In Offb 12 heißt es „er wurde gestürzt“ und „sie verloren ihren Platz im Himmel“. Der Satan hat also schon einen sündhaften Anfang und so die Heilsgeschichte von Beginn an versucht, zu beeinträchtigen. Jesus ist aber gekommen, um seine Pläne zunichte zu machen.
Jeder, der von Gott stammt (γεγεννημένος  gegennemenos „geworden“ im Sinne von „geboren sein aus“), bezieht sich auf die Taufe. Genealogisch sind wir mit Gott ja nicht biologisch verbunden, sondern sakramental. Wer also getauft ist, sündigt nicht. Der Same Gottes ist im Getauften, sodass er nicht mehr sündigt. Gemeint ist die Taufgnade, die einem die Kraft gibt, ein christliches Leben zu führen. Die Diskussion darum, dass der Mensch aber auch nach der Taufe weitersündigen kann, ist damals schon geführt worden und es gab dann auch erste Konsequenzen in der kirchlichen Praxis in Richtung Bußsakrament.
Der Abschnitt aus der heutigen Lesung schließt ab mit der wiederholten Unterscheidung von Kindern Gottes und des Teufels anhand ihrer „Früchte“. Wer die Gebote hält, ist aus Gott. Wer sie nicht hält, ist vom Teufel. Dass Johannes dieses Thema hier so ausführlich behandelt, hängt mit den aktuellen Problemen in der Gemeinde zusammen: Es gibt häretische Strömungen, die die Gemeindemitglieder in Verwirrung bringen mit neuen Lehren und Behauptungen bezüglich Christi Identität. [Es ist vor allem der Doketismus zu nennen, demzufolge Jesus nicht wirklich Mensch war und nicht gelitten habe. Jesus habe einen Scheinleib gehabt und war eigentlich nur Geist. Alles, was irdisch und materiell ist, ist nämlich schlecht und der gute Gott kann dann ja keine Materie annehmen.]

Ps 98
1 Ein Psalm. Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er hat wunderbare Taten vollbracht! Geholfen hat ihm seine Rechte und sein heiliger Arm.

7 Es brause das Meer und seine Fülle, der Erdkreis und seine Bewohner. 
8 In die Hände klatschen sollen die Ströme, die Berge sollen jubeln im Chor 
9 vor dem HERRN, denn er kommt, um die Erde zu richten. Er richtet den Erdkreis in Gerechtigkeit, die Völker so, wie es recht ist.

Heute beten wir die Fortsetzung von Psalm 98, von dem wir die letzten Tage den Anfang gebetet haben. Es geht immer noch um den Lobpreis der wunderbaren Taten Gottes. Ich habe zuvor schon auf die Rechte und seinen heiligen Arm hingewiesen und dessen messianische Dimension hervorgehoben: Jesus ist Gottes Rechte und sein heiliger Arm, er ist sozusagen die „Exekutionsgewalt“ seines Vaters. Der Hl. Ignatius hat den Sohn und den Geist als die Hände Gottes bezeichnet.
Heute kommt als neuer Aspekt das Gerichtshandeln Gottes hinzu. Die ganze Schöpfung wird zum Lobpreis aufgefordert (das Meer, der Erdkreis, die Ströme, die Berge). Als Begründung dafür wird das Kommen Gottes genannt, mit dem er das Gericht in Gerechtigkeit vollzieht. Interessant ist, dass das Verb בָּא ba entweder als Vergangenheit oder als Gegenwart übersetzt werden kann. Gott hat schon zuvor Gericht gebracht (nämlich immer dann, wenn das Volk ihm untreu geworden und Götzen nachgelaufen ist). Dann wurde Israel von Fremdherrschern unterdrückt oder erlitt schlimme Plagen. Das wird im Nachhinein auch immer erkannt und als Gerichtshandeln Gottes gedeutet.
Gott ist aber auch gegenwärtig im Kommen. Es hat jedoch eine neue Dimension – er kommt als Messias, um Gericht zu halten und die Menschen, die unter Ungerechtigkeit leiden, zu befreien. Zuvor hat Gott von der Ewigkeit aus gewirkt, ohne selbst in die Welt einzugehen. Wir Christen erwarten das zweite Kommen des Messias am Ende der Zeiten. Im Glaubensbekenntnis beten wir „von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.“ Das ist auch für uns nicht bedrohlich, die die Gerechtigkeit und den Frieden Gottes in einer Welt der absoluten Bedrängnis und Dunkelheit ersehnen.
Insgesamt wird auch hier im Psalm das Gericht Gottes positiv dargestellt und sogar ersehnt. Oft hören wir Vorurteile gegenüber dem Alten Testament, die ein strenges und furchteinflößendes Gottesbild behaupten. Das können wir am heutigen Beispiel getrost ablehnen.

Joh 1
35 Am Tag darauf stand Johannes wieder dort und zwei seiner Jünger standen bei ihm. 

36 Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes! 
37 Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. 
38 Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, sagte er zu ihnen: Was sucht ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi – das heißt übersetzt: Meister – , wo wohnst du? 
39 Er sagte zu ihnen: Kommt und seht! Da kamen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde. 
40 Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren. 
41 Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden – das heißt übersetzt: Christus. 
42 Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas heißen, das bedeutet: Petrus, Fels.

Was wir heute im Evangelium lesen, geschieht einen Tag nach der Taufe Jesu durch Johannes den Täufer. Und wir lesen zugleich von den „Früchten“, an denen man den Menschen erkennt:
Johannes der Täufer tauft wie gewohnt im Jordan und zwei seiner Jünger sind bei ihm. Als Jesus vorübergeht, hören die Jünger des Johannes ihren Meister sagen: „Seht das Lamm Gottes!“. Dass sie daraufhin Jesus ansprechen und generell auf ihn aufmerksam werden, könnte man damit erklären, dass Johannes tags zuvor über Jesus heilsgeschichtlich entscheidende Dinge erklärt hat. Da hat er Jesus bereits als Lamm Gottes bezeichnet, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Jetzt, wo dieser besondere Mann wieder auftaucht, wollen sie die Chance nutzen, ihn besser kennenzulernen. Sie werden als Jünger des Johannes in einer intensiven Messiaserwartung gelebt haben und erkennen nun die Gunst der Stunde.
Sie folgen Jesus kurzerhand, ohne zunächst etwas zu sagen. Als dieser merkt, dass er verfolgt wird, wendet er sich um und fragt: „Was sucht ihr?“ Das Verb ζητέω zeteo macht an dieser Stelle weniger Sinn, wenn man es wörtlich übersetzt. Sie suchen ja nichts, sondern folgen Jesus. Man muss die übertragenen Bedeutungen berücksichtigen („untersuchen“ , „vermissen“ und „nach etwas verlangen“). Es kann also heißen, dass Jesus sie danach fragt, was sie möchten. Er ist Gott und weiß die Antwort ja schon. Er wird also auch wissen, dass sie mehr über Jesus herausfinden möchten, also „untersuchen“ wollen.
Diese Situation dürfen wir noch eingehender betrachten und mehrfach auslegen: Jesus fragt auch später, wenn Menschen mit Krankheiten und anderen Anliegen zu ihm kommen, was sie möchten – was sie ersehnen. Er kennt die Antwort immer schon, aber es geht um den freien Willensentschluss, den er den Menschen lässt. Sie sollen von sich aus laut aussprechen, was sie möchten (z.B. der Blinde in Lk 18). Auch ekklesiologisch wird dies weitergeführt. Keinem werden die sakramentalen Handlungen aufgezwungen. Wenn Eltern ihr Kind zur Taufe bringen oder wenn ein Erwachsener sich auf die Taufe vorbereitet, gehört es zum Ritus, dass die betroffenen Personen von sich aus den Wunsch äußern „ich bitte um die Taufe“ oder auch bei der Firmung. Da ist es meist ein Firmling stellvertretend für alle anderen, der dann nach vorne kommt und den Bischof um das Sakrament bittet. Ebenso ist es mit den anderen Sakramenten, auch mit dem Bußsakrament, das im ersten Johannesbrief angeklungen ist. Gott weiß schon längst, was wir wollen, wenn wir zur Kirche kommen, aber er möchte uns die Chance geben, es frei zu äußern. Er kennt unsere Sünden bereits, aber er möchte, dass wir sie mit eigenen Worten aussprechen.
Das betrifft auch den einzelnen Christen, wenn er ins Gebet geht. Der Herr weiß schon, um was wir bitten möchten, aber er lässt uns dennoch ausreden, damit wir unserer Sehnsucht Worte verleihen. Und wenn wir vor Gott stehen nach dem Tod, dann wird er schon längst alles wissen und uns doch anhören, was wir zu sagen haben.
Interessant ist übrigens auch die Analogie zu Exodus 33. Auch dort geht Gott vorüber, aber Mose darf sein Angesicht nicht sehen. Gott erlaubt ihm, seinen Rücken zu erhaschen. Hier im Evangelium erkennen wir, dass Gott heilsgeschichtlich nun eine neue Phase einleitet. Er wendet sich um und zeigt den Menschen sein Gesicht!
Warum stellen die Johannesjünger Jesus aber ausgerechnet die Frage: „Wo wohnst du?“ Natürlich kann man dies darauf zurückführen, dass man von der Art des Wohnens, des Zusammenlebens, der familiären Umstände auf den Menschen schließen kann. Hier steckt aber noch eine tiefere Wahrheit dahinter. Im selben Kapitel heißt es im Prolog ja: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ Wörtlich heißt es sogar „es hat unter uns gezeltet“. Gott hat sein Zelt aufgeschlagen mitten unter den Menschen. Dies hat etwas Vorübergehendes an sich, denn es meint keinen dauerhaften Wohnsitz. Der Sohn Gottes hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann: Er wird in einem Stall geboren, der ihm nicht gehört, er muss nach Ägypten fliehen, weil die Heimat seiner Eltern eine tödliche Bedrohung darstellt, er wird vom Moment seines öffentlichen Wirkens an keinen festen Wohnsitz mehr haben. Nach dem Tod wird er nicht mal in ein eigenes Grab gelegt, sondern in ein geliehenes. Auch wenn hier nicht gesagt wird, wo Jesus wohnt, können wir davon ausgehen, dass er bei Freunden untergekommen ist. Es spielt sich ja bei Betanien ab, wo Maria, Martha und Lazarus wohnten, Freunde Jesu.
Jesus antwortet den Johannesjüngern mit der Aufforderung „Kommt und seht!“ Von Anfang an lebt Jesus sein Evangelium vor und überzeugt so die Menschen. Es ist um die zehnte Stunde, also vier Uhr nachmittags, als sie mit Jesus gehen und sich selbst überzeugen, wo er lebt. Hier müssen wir auch ins Griechische schauen. Sie fragen wortwörtlich nämlich nicht: „Wo wohnst du“, sondern „Wo bleibst du?“ (μένω meno „bleiben“). Im Johannesevangelium ist das Wort „bleiben“ entscheidend. Es ist also mehr als nur eine banale Frage und daraufhin eine informative Aussage, wenn es heißt, dass die beiden Jünger an dem Tag bei Jesus bleiben. Jesus wird in seiner Verkündigung immer davon sprechen, dass wir in Gottes Liebe bleiben sollen. Der Begriff hat etwas mit Gemeinschaft mit Gott zu tun. Wenn die Jünger also mit Jesus gehen und sehen, wo er bleibt, dann werden sie nicht nur Zeuge der Unterkunft Jesu. Sie werden vielmehr Zeugen der Gemeinschaft zwischen Vater und Sohn. Jesus wird ihnen diese Beziehung gezeigt haben, sodass ihnen aufgegangen ist, wer er ist. Was die beiden mit Jesus an dem Tag erlebt haben, überzeugt sie so sehr, dass sie am nächsten Tag sogar sagen: „Wir haben den Messias gefunden“. Sie haben „gesucht“ und „gefunden“. Dazu lädt Jesus später in der Bergpredigt ein: Suchet und ihr werdet finden (Mt 7,7). Das ist eine Einladung an jeden Menschen. Wer wirklich von Herzen auf der Suche ist – und das ist jeder Mensch, weil er als Abbild Gottes unbewusst immer nach Gott sucht – wird Gott auch finden. Dieser zieht jeden Menschen nämlich zu sich.
Die Ereignisse des Tages schließen sich an den ersten Johannesbrief an, wo wir heute gelesen haben, dass man den Gerechten am Verhalten erkennt. Jesus erzählt ihnen nicht einfach, wer er ist, obwohl er weiß, dass sie das wissen wollen. Er zeigt ihnen vielmehr an seinem Verhalten, wer er ist. Denn das überzeugt Menschen mehr als Worte.
Einer der beiden Johannesjünger ist der Bruder des Petrus, Andreas. Dieser bringt am nächsten Tag seinen Bruder zu Jesus, der den Beinamen Petrus erhält und eigentlich Simon heißt.
Andreas führt seinen Bruder zu Jesus. Das ist ein Kernsatz für jeden Seelsorger. Das ist die Aufgabe, zu der jeder Diakon, Priester und Bischof, jeder Ordensmensch, aber auch jeder Laie berufen ist – Menschen zu Jesus zu führen. Man erkennt den guten Geistlichen daran, dass dieser die Menschen nicht um sich scharrt wie eine Fanbase und diese von sich abhängig macht. Stattdessen führt er Menschen immer Christus zu und zeigt von sich weg. Es geht um Gott, nicht um die Person des Geistlichen.
Petrus begegnet Jesus heute zum ersten Mal und dieser beruft ihn sofort zum Felsen. In Mt 16 wird Jesus ihm sogar sagen, dass er auf ihm seine Kirche bauen wird! So eine große Berufung hat Jesus für ihn bereit. Dass Jesus ihm einen neuen Namen verleiht, muss für ihn etwas Besonderes gewesen sein. Er sagt ihm sogar, wie er heißt, bevor er das wissen kann. Simon bar Jona, „Sohn des Johannes“ wird somit klar, dass Jesus mehr ist als ein gewöhnlicher Mensch.

Wir erkennen den Gerechten an den Taten. Wie oft erfahren wir in unserem Leben, dass die beste Predigt einen ungläubigen Menschen nicht erweichen kann, aber dann eine Liebestat an ihm oder generell das Verhalten, die Umsetzung der Predigt den Ungläubigen überzeugt. Das heißt nicht, dass die Predigt überflüssig ist. Das Gesagte muss mit dem Gelebten aber übereinstimmen, damit es authentisch ist. Dann wird das eigene Leben zum missionarischen Wirken für die anderen, die bewusst oder unbewusst Gott suchen. Denken wir heute über unser eigenes Leben nach. Verhalten wir uns so, wie wir anderen „predigen“? Lieben wir die Liebe, die wir von anderen erwarten? Mit anderen Worten: Leben wir unsere Berufung, die wir durch Taufe und Firmung erhalten haben? Leben wir diese Gemeinschaft mit dem Vater, zu der wir berufen sind und die andere Menschen berühren kann?

Ihre Magstrauss

2. Januar in der Weihnachtszeit

1 Joh 2,22-28; Ps 98,1-4; Joh 1,19-28

1 Joh 2
22 Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der leugnet, dass Jesus der Christus ist? Das ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet.
23 Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, hat auch den Vater. 
24 Für euch gilt: Was ihr von Anfang an gehört habt, soll in euch bleiben; wenn in euch bleibt, was ihr von Anfang an gehört habt, dann werdet auch ihr im Sohn und im Vater bleiben. 
25 Und das ist die Verheißung, die er uns verheißen hat: das ewige Leben. 
26 Dies habe ich euch über die geschrieben, die euch in die Irre führen. 
27 Was euch betrifft, so bleibt die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, in euch und ihr braucht euch von niemandem belehren zu lassen; wie euch vielmehr seine Salbung über alles belehrt, so ist es auch wahr und keine Lüge. Und wie er euch belehrt hat, so bleibt ihr in ihm.
28 Und jetzt, meine Kinder, bleibt in ihm, damit wir, wenn er erscheint, Zuversicht haben und bei seinem Kommen von ihm nicht beschämt werden!

Heute hören wir die Fortsetzung des ersten Johannesbriefes. Es geht dabei um die Identität Jesu als Messias (hebr.) bzw. Christus (griech.). Ganz drastisch formuliert Johannes hier, dass Jesu messianische Identität zu leugnen vom Antichristen kommt. Es gab innerhalb der Kirche von Anfang an häretische Tendenzen, die von innen die christliche Lehre zerstören wollten. So musste die Kirche bezüglich der Identität Christi gegen Arianismus („Jesus war nur ein Geschöpf, aber nicht Gott gleich“), Monophysitismus („Jesus hatte nur eine Natur, nämlich die Göttliche“), Adoptianismus („Jesus war Mensch und ist dann von Gott adoptiert worden“), Modalismus („Gott ist nur eine Person, die sich im Laufe der Geschichte auf verschiedene Weise gezeigt hat“), Nestorianismus („Jesus bestand aus zwei getrennten Persönlichkeiten, von denen Maria nur die Mutter der menschlichen war“) etc. kämpfen. Gerade der Monophysitismus unter der Bezeichnung „Doketismus“ (eine Art Frühgnosis) war für Johannes eine große Herausforderung. Deshalb betont er in seinen Schriften immer wieder, dass Jesus „im Fleisch“ gekommen ist und eben keinen Scheinleib hatte.
Johannes erklärt, dass Vater und Sohn gleichermaßen bekannt werden müssen. Man kann sie nicht gegeneinander ausspielen (, was die Arianer ja versuchten und was heute noch die Zeugen Jehovas übrigens auch tun!).
„Was ihr von Anfang an gehört habt“, ist ein Hinweis darauf, dass die Lehre der Kirche, wie sie bis heute besteht, apostolisch ist bzw. ihren Ursprung in Jesus selbst hat. Alle anderen Versuche, die ich hier z.B. aufgezählt habe, bestanden eben nicht „von Anfang an“. Es sind Fälschungen, die im Nachhinein eingefädelt worden sind, Verfälschungen des Originals.
Die Wendung „von Anfang an“ bezieht sich darüber hinaus auf die Verkündigung in der angesprochenen Gemeinde. Was dort seit der Gemeindegründung verkündet worden ist, gilt. Was sich später durch Irrlehrer verbreitet hat, gilt nicht.
„Im Vater und im Sohn bleiben“ ist bei Johannes immer die Formulierung für den Stand der Gnade. In diesem befinden wir uns, wenn wir der ursprünglichen Lehre treu bleiben, weil sie wirklich Gott beschreibt, wie er ist und ihn nicht leugnet. Wenn wir dabei bleiben, wird uns das ewige Leben in Aussicht gestellt. Johannes schreibt dies vor allem deshalb, um vor denen zu warnen, die solche Irrlehren verbreiten.
Auch heute noch haben wir mit dieser Versuchung zu kämpfen. Unter dem katholischen Deckmantel werden allerlei falsche Lehren vom Ambo verkündet, die im Grunde dieselben Irrlehren der ersten Jahrhunderte wiederholen (als ob es irgendetwas Neues geben könnte….). Das Problem ist dabei, dass es nicht nur vereinzelte Priester betrifft, sondern eben auch ihre Bischöfe. Wenn wir aber „im Vater und im Sohn bleiben“, wenn wir das ewige Leben haben wollen, müssen wir an dem festhalten, „was von Anfang an verkündet worden ist.“ Wir müssen auch heute (oder gerade heute!) wachsam sein und um die Unterscheidung der Geister bitten, damit wir die Irrlehren der heutigen Zeit erkennen.
Johannes erklärt, dass wir das Potenzial dazu auch wirklich haben: Wir haben die Salbung erhalten – die Firmung. Gott hat uns seinen Geist geschenkt und uns mit dessen Gnadengaben ausgestattet. Wir sind ausgerüstet, um in diesen geistigen Kampf treten zu können. Und der Geist wird in uns wirken, sodass er uns Alarmsignale geben wird. Je mehr wir aus diesem Geist leben, desto mehr werden wir ein Gespür dafür bekommen, was Wahrheit und was Irrlehre ist.
In Vers 27 haben wir KEINE Bestätigung dafür, dass wir als Christen Individualisten sein sollen ohne ein Lehramt oder allgemein eine äußere Instanz, die uns etwas vorschreiben soll. Man muss erstens den Kontext berücksichtigen (Salbung) und zweitens den griechischen Urtext (da steht nicht „belehren“ im Sinne von „besserwissen“, sondern „unterrichten“): Wenn hier erklärt wird, dass die Christen die Salbung des Hl. Geistes erhalten haben, bezieht sich das auf die Firmung. Am Anfang waren Taufe und Firmung ein Sakrament, das gleichzeitig gespendet worden ist (, weil es am Anfang mehr Erwachsenentaufen gab als Kindertaufen. Heutzutage wird bei Erwachsenentaufen auch beides zusammen gespendet). Zuvor musste man einen Katechumenat durchlaufen, bei dem einem die Grundlagen des Glaubens beigebracht wurden und man nach und nach in das kirchliche Leben eingeführt worden ist. Nach jahrelanger gründlicher Vorbereitung wurde man in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen. Man hat schon alles beigebracht bekommen, also muss man sich im Nachhinein nicht von Irrlehrern in eine ganz andere Lehre einführen lassen. Mit der Taufe und Firmung erhalten sie dann den Unterweiser schlechthin, den Hl. Geist. Dieser führt sie in die ganze Wahrheit ein und hilft ihnen auch, die Irrlehre zu erkennen. Es ist an dieser Stelle zu überlegen, ob Johannes mit dieser Salbungsbetonung nicht auf Praktiken der Doketisten anspielt, eine neue Salbung zu vollziehen, die „echter“ sein soll als die Firmung.
Zum Schluss macht Johannes deutlich, dass Jesu Wiederkunft bevorsteht, weshalb die Christen sich umso mehr darum bemühen müssen, in ihm zu bleiben. Sonst werden sie „beschämt“. Das Wort αἰσχύνω aischyno steht hier in einer reflexiven Form und muss also mit „sich schämen“ übersetzt werden. Die Christen werden in diesem Sinne „beschämt“. Dann werden sie nämlich die Wahrheit erkennen und die Verirrung bereuen.

Ps 98
1 Ein Psalm. Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er hat wunderbare Taten vollbracht! Geholfen hat ihm seine Rechte und sein heiliger Arm. 
2 Der HERR hat sein Heil bekannt gemacht und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker. 
3 Er gedachte seiner Huld und seiner Treue zum Haus Israel. Alle Enden der Erde sahen das Heil unsres Gottes. 
4 Jauchzet dem HERRN, alle Lande, freut euch, jubelt und singt!

Der heutige Psalm ist die Begründung für die Lesung, über die wir gerade nachgedacht haben. „Alle Enden der Erde sahen das Heil“. Die ganze Welt sah die Heilstaten Gottes. Das betrifft die Israeliten, die aus Ägypten herausgeführt worden sind und bei den nichtjüdischen Völkern für Anerkennung gesorgt hat. Das betrifft umso mehr das ganze Erlösungsgeschehen Jesu Christi, das für eine weltweite Evangelisierung und flächendeckende Gemeindegründungen gesorgt hat. Es begann mit dem Hauptmann am Kreuz („wahrlich, dieser war Gottes Sohn“) und ging weiter bis an die damaligen „Enden der Erde“.
Deshalb ist auch der Anfang des Psalms so signalhaft für christliche Ohren. Es ist ein „neues Lied“, das auf den Messias hinweist und über die Rettungsaktionen Gottes an seinem auserwählten Volk hinausgeht. Ganz konkret können wir hier an das babylonische Exil denken, das neben dem Exodusgeschehen bei den Nichtjuden für Anerkennung gesorgt hat.
Gott hat sein Heil zu allen Zeiten bekannt gemacht – er ist ein sich offenbarender Gott. Immer wieder hat er sich preisgegeben durch die Propheten. Sein Heilsplan war nie ganz verborgen. Mit Jesus Christus hat diese Offenbarung, das heißt seine Selbstmitteilung, einen Höhepunkt erreicht. So kann man wortwörtlich sagen: Gott hat sein Heil (יְשׁוּעָתֹ֑ו  jeschuato), seinen Jesus, der Welt bekannt gemacht. Dieser ist „seine Rechte“ und „sein heiliger Arm“. Der Hl. Ignatius von Lyon hat den Sohn und den Geist als die Hände Gottes bezeichnet. Durch Christus hat Gott die Heilstaten vollbracht – sowohl die Schöpfung (deshalb nennen wir Jesus auch den Schöpfungsmittler) als auch die Erlösung.
Vor den Augen der Völker ( הַ֝גֹּויִ֗ם  hagojim, die nichtjüdischen Völker!) hat Gott schon Gericht gewirkt, indem er das unterdrückte Volk aus der Knechtschaft der Babylonier befreit hat. Er hat auch vor den Heiden die Erlösung erwirkt (die Römer staunten nicht schlecht, als das Grab leer war, und der Hauptmann kam unter dem Kreuz zum Glauben). Gott wirkt Wunder auch heute noch vor den Augen der Nichtgläubigen und benutzt uns dafür. Wir sind heute seine Hände in dieser Welt, die anderen Menschen zum Glauben an Christus verhelfen. Am Ende der Zeiten, wenn Jesus als verherrlichter Menschensohn zurückkehrt, wird Gottes Gericht universal und für alle offenbar durchgesetzt werden. Dann wird es aber zu spät für die Umkehr sein.
Gott bleibt seinem Volk treu, auch jetzt noch. Unsere jüdischen Geschwister sind bis heute in einem bleibenden Bund mit dem Herrn und diesen können wir, die wir im neuen Bund mit Gott versöhnt sind, nicht antasten. Vergessen wir das nie, damit es nie wieder zu einem Holocaust kommt!
Gott bleibt auch uns treu, die wir ihm durch jede Sünde immer wieder untreu werden. So ist Gott. Er starb für uns, ohne sein Opfer davon abhängig zu machen, ob wir seine Liebe zurückgeben oder nicht.
Das ist ein Grund zur Freude. Unsere Existenz, vor allem auf die Ewigkeit hin, haben wir allein Gott zu verdanken. Das ist jeden Tag den Lobpreis Gottes wert, auch schon hier auf Erden! Im Himmel wird es unsere ewige Beschäftigung sein.

Joh 1
19 Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden von Jerusalem aus Priester und Leviten zu ihm sandten mit der Frage: Wer bist du? 
20 Er bekannte und leugnete nicht; er bekannte: Ich bin nicht der Christus. 
21 Sie fragten ihn: Was dann? Bist du Elija? Und er sagte: Ich bin es nicht. Bist du der Prophet? Er antwortete: Nein. 
22 Da sagten sie zu ihm: Wer bist du? Wir müssen denen, die uns gesandt haben, Antwort geben. Was sagst du über dich selbst? 
23 Er sagte: Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste: Ebnet den Weg für den Herrn!, wie der Prophet Jesaja gesagt hat. 
24 Die Abgesandten gehörten zu den Pharisäern.  
25 Sie fragten Johannes und sagten zu ihm: Warum taufst du dann, wenn du nicht der Christus bist, nicht Elija und nicht der Prophet? 
26 Johannes antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt, 
27 der nach mir kommt; ich bin nicht würdig, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. 
28 Dies geschah in Betanien, jenseits des Jordan, wo Johannes taufte.

Das heutige Evangelium stellt die Fortsetzung des Johannes-Prologs dar. Es geht um Johannes den Täufer und seine Taufe.
Sein gesamtes Wirken bezeichnet Johannes der Evangelist als „Zeugnis“, was die Übersetzung des Wortes μαρτυρία martyria ist. Er ist wirklich zum Blutzeugen geworden, der für den Glauben enthauptet worden ist.
Priester und Leviten sind zu ihm gekommen, um nach seiner Identität zu fragen. Das ist ja auch das Thema der Lesung und des Psalms – die Identität Christi. Johannes verdeutlicht, dass er NICHT der Messias, der Christus sei.
Dies ist ein Bekenntnis, da er durch seine Antwort Platz für den wahren Messias macht. Das Verb ὁμολογέω  homologeo ist nicht nur mit „bekennen“ übersetzbar, sondern auch mit „zustimmen“. Er stimmt dahingehend mit denen überein, die ebenfalls der Meinung sind, dass er nicht der Messias sei.
Die Priester und Leviten haken weiter nach, denn sie haben den Auftrag vom Tempel erhalten, seine Identität zu klären. Er verneint auch die Fragen, ob er Elija oder „der Prophet“ sei. Er wird ja sonst mit dem wiedergekommenen Elija gleichgesetzt. Jesus hat dies selbst ausgesagt. Aber er ist nicht Elija selbst. Er tritt nur mit derselben Kraft auf. Jesus und der Täufer widersprechen sich also nicht (, was hier wieder gerne behauptet wird, um zwischen beide einen Keil zu treiben). Johannes ist auch nicht „der Prophet“. Wer ist denn damit gemeint? Die meisten Forscher vermuten damit Jesaja, weil er der bedeutendste Prophet des AT ist. Johannes ist keine Reinkarnation von irgendwem, den es schon vorher gab. Deshalb sagt er zu allem nein. Er ist Johannes der Täufer, jemand mit eigener Identität. Und doch ist er angekündigt worden. So wie Jesus nachher als Antwort auf die Frage „bist du es, der kommen soll?“ mit einem Schriftwort antwortet, so tut es Johannes im heutigen Evangelium: Er zitiert Jesaja und verdeutlicht dadurch, dass er der Vorläufer des Messias ist! Er ist die Stimme des Rufers in der Wüste.
Es waren aber auch Pharisäer unter den Abgesandten. Wörtlich steht da nicht „die Abgesandten gehörten zu den Pharisäern“, sonst wäre ein Widerspruch gegeben. Die Pharisäer waren keine Priester, sondern Laien. Wörtlich heißt es „Auch/und waren Abgesandte aus den Pharisäern“. Diese fragen den Täufer nach seiner Berechtigung zur Taufe, so als ob nur die messianische Identität dazu befuge. Sie fragen das nicht wegen der Tätigkeit selbst, sondern wegen der Botschaft dahinter.
Er erklärt, dass er nur mit Wasser taufe. Das ist für uns die Erklärung, dass seine Taufe kein Sakrament ist. Es ist nur Wasser – also ein sichtbares Zeichen, das an sich noch keine übernatürliche Gnade nach sich zieht (zumindest nicht in dem Maße, wie es die von Christus gestifteten Sakramente tun!). Es ist ein vorbereitender Akt auf den Messias, der die innere Buße nach außen hin sichtbar macht.
Er definiert seine Identität dann vom Messias aus: Seine Würde ist nicht mal so groß wie die eines Sklaven im Vergleich zum Messias! Sklaven dürfen ihrem Meister wenigstens die Sandalen lösen. So demütig ist der Täufer! Das hat nichts mit „ich fühle mich so wertlos!“ zu tun, sondern er sieht sich im Lichte Gottes, wie er wirklich ist – arm und erlösungsbedürftig.
Wenn Johannes sagt „mitten unter euch steht einer“, kann das entweder darauf hinweisen, dass Jesus in dieser Szene tatsächlich gegenwärtig ist. Er geht ja auch zum Jordan, um sich von Johannes taufen zu lassen. Es kann in dieser Szene aber auch heißen, dass Jesus mitten unter den Menschen im Leben „steht“. Dann ist die Aussage im übertragenen Sinne zu verstehen. Jesu öffentliches Wirken wird jedenfalls „nach Johannes“ beginnen, wenn dieser nämlich im Gefängnis sitzt.
Zum Ende hin erfahren wir noch den Ort, wo diese Szene stattfindet: in Betanien, dem Ort, wo Jesus auch wirken wird. Dort leben die Geschwister und Freunde Jesu Maria, Marta und Lazarus, den Jesus sogar von den Toten erwecken wird. Diese Bemerkung ist also mehr als eine Floskel. Wir werden auf Jesu späteres Wirken vorbereitet.

Heute erfahren wir in den Lesungen vieles darüber, wer Jesus ist und wer Jesus nicht ist. Von seiner Identität hängt aber alles ab. Er ist Gott und Mensch, unvermischt (Monophysitismus) und ungetrennt (Nestorianismus, Arianismus). Er ist wirklich das Heil Gottes und war schon bei der Schöpfung dabei (siehe Psalm 98). Er ist auch nicht Johannes der Täufer (siehe Evangelium). Unser Heil kommt von Gott, das heißt Jesus kommt vom Vater und wir sind auf diesen Jesus und auf sein Evangelium getauft worden. Bleiben wir ihm und seiner Lehre treu, damit wir in ihm bleiben und am Ende der Zeiten nicht beschämt werden. All das begann mit seinem Erscheinen als kleines Kind in der Krippe. All das wird sich vollenden bei seinem zweiten Erscheinen als verherrlichter Menschensohn!

Ihre Magstrauss

Zweiter Sonntag nach Weihnachten

Sir 24,1-2.8-12 oder 1-4.12-16; Ps 147,12-15.19-20; Eph 1,3-6.15-18; Joh 1,1-18

Sir 24
1 Der Weisheit Lobpreis Die Weisheit lobt sich selbst und inmitten ihres Volkes rühmt sie sich. 
2 In der Versammlung des Höchsten öffnet sie ihren Mund und in Gegenwart seiner Macht rühmt sie sich: 
3 Ich ging aus dem Mund des Höchsten hervor und wie Nebel umhüllte ich die Erde. 
4 Ich schlug in den Höhen mein Zelt auf und mein Thron stand auf einer Wolkensäule. 8 Da gebot mir der Schöpfer des Alls, der mich schuf, ließ mein Zelt einen Ruheplatz finden. Er sagte: In Jakob schlag dein Zelt auf und in Israel sei dein Erbteil!
9 Vor der Ewigkeit, von Anfang an, hat er mich erschaffen und bis in Ewigkeit vergehe ich nicht. 
10 Im heiligen Zelt diente ich vor ihm, so wurde ich auf dem Zion fest eingesetzt. 
11 In der Stadt, die er ebenso geliebt hat, ließ er mich Ruhe finden, in Jerusalem ist mein Machtbereich, 
12 ich schlug Wurzeln in einem ruhmreichen Volk, im Anteil des Herrn, seines Erbteils. 
13 Wie eine Zeder auf dem Libanon wuchs ich empor und wie eine Zypresse auf dem Hermongebirge, 
14 wie eine Palme in En-Gedi wuchs ich empor und wie Rosensträucher in Jericho, wie ein stattlicher Olivenbaum in einer Ebene, ich wuchs empor wie eine Platane. 
15 Wie Zimtstrauch und duftender Stechdorn, wie erlesene Myrrhe verströmte ich Wohlgeruch; wie Galbanum, Onyx und Stakte und wie Weihrauchduft im Zelt. 
16 Ich breitete wie eine Terebinthe meine Zweige aus und meine Zweige sind Zweige von Herrlichkeit und Anmut.

In der heutigen alttestamentlichen Lesung wird die Weisheit Gottes gepriesen.
Wenn es heißt, die Weisheit rühme sich selbst, ist damit nicht das Selbstlob als Prahlerei gemeint, sondern dass ihr Ruhm durch sich selbst offenbar wird. Sehen wir über die wörtliche Bedeutung hinaus, wird es uns besser aufgehen:
Es gehen zwei Linien von der Weisheitsrede hier aus. Einerseits erahnen wir schon Aspekte, die auf das Wort Gottes, auf Jesus hindeuten („Ich ging aus dem Mund des Höchsten hervor“). Andererseits sehen wir auch Aspekte, die auf den Archetypen des Volkes Israel zu beziehen sind und wir wissen, dass die jüdische Tradition die Weisheit weiblich gedacht hat („inmitten ihres Volkes rühmt sie sich“). Wir denken an Maria, in der all diese jüdischen Traditionsstränge zusammenlaufen und die mit dem Magnificat die prominenteste „Selbstrühmung“ formuliert. Lesen wir von diesen beiden Linien her die Lesung weiter:
Vers 4 wirkt wie eine Selbstaussage des präexistenten Wortes Gottes, also Jesu, der noch nicht Mensch geworden war. „In den Höhen“ und „Wolkensäule“ sind Indikatoren für seine Existenz in der Ewigkeit.
Dann sieht die Leseordnung einen Sprung in den Vers 8 vor, der nun weniger nach Jesus klingt, als vielmehr nach einem Menschen. Hier geht es um eine geschaffene Person („der mich geschaffen hat“, griechisch ὁ κτίσας με, Jesus Sirach ist auf Griechisch verfasst, nicht auf Hebräisch). Die Person erhält einen Erbteil in Israel, ist also selbst israelitisch.
Vers 9 ist wiederum eher auf das göttliche Wort zu beziehen, da es von Anfang an und bis in Ewigkeit besteht. Da ist allerdings zu fragen, warum das Verb für „schaffen“ verwendet wird. Das klingt sehr nach Jesus, dem präexistenten Wort Gottes, das von Anfang an war und nicht sterben wird bis in Ewigkeit.
Vers 10 liegt wieder auf der Linie der geschaffenen Weisheit: Die Person dient im heiligen Zelt, also im Tempel Gottes in Jerusalem. Deshalb ist auch die Rede von der Einsetzung auf dem Zion. Jerusalem gehört zum Stamm Juda, der Tempel(dienst) wiederum zu den Leviten. Gerade Vers 11 deutet auf Juda hin, dessen „Machtbereich“ Jerusalem war. Die Kombination der Stämme Juda und Levi führen uns wiederum zu einer konkreten Person, die beides in sich vereint – Maria. Über ihren Vater ist sie judäisch, über die Mutter kommt levitischer Einfluss hinein.
Die beiden Linien verbinden sich in der Formulierung des „Wurzelnschlagens“ in einem „ruhmreichen Volk“. Einerseits ist das Wort Gottes im Volk verankert durch die Torah, die Mose vermittelt hat. Andererseits ist es auf eine konkrete menschliche Person zu beziehen, die Wurzeln im Volk schlägt – vielleicht eine Familie, dessen Linie weitergetragen wird bis zu einem bestimmten Zeitpunkt. Diese Interpretation ergibt sehr viel Sinn, wenn man die folgenden Verse betrachtet, die allesamt das Baummotiv aufgreifen. Ein Baum mit Wurzeln, der wächst und immer mehr Zweige von ihm ausgehen, ist ein Sinnbild für eine Genealogie, für einen Stamm-„Baum“. Dieser wird von Generation zu Generation weitergeführt bis zu Maria und Jesus – die beide die Weisheit verkörpern, von der heute die Rede ist!

Ps 147
12 Jerusalem, rühme den HERRN! Lobe deinen Gott, Zion! 

13 Denn er hat die Riegel deiner Tore festgemacht, die Kinder in deiner Mitte gesegnet. 
14 Er verschafft deinen Grenzen Frieden, er sättigt dich mit bestem Weizen. 
15 Er sendet seinen Spruch zur Erde, in Eile läuft sein Wort dahin.
19 Er verkündet Jakob sein Wort, Israel seine Gesetze und seine Entscheide. 
20 An keinem anderen Volk hat er so gehandelt, sie kennen sein Recht nicht. Halleluja!

Heute beten wir einen Lobpreispsalm, der wirklich tröstlich ist. Jerusalem wird zum Lobpreis Gottes aufgefordert aufgrund der Gnade, die Gott ihm erwiesen hat („er hat die Riegel deiner Tore festgemacht“, „er verschafft deinen Grenzen Frieden“, „er sättigt dich mit bestem Weizen“). Zugleich ist nicht nur die Stadt selbst gemeint, sondern ganz Israel damit eingeschlossen. Dies sehen wir spätestens an dem Vers 19, wo Jakob bzw. Israel thematisiert werden und auch im darauffolgenden Vers der Vergleichswert eines anderen Volkes genannt wird.
Gott hat somit nicht nur die Kinder der Jerusalemer gesegnet, sondern alle Kinder. Er verschafft den Grenzen des ganzen Landes Frieden, sättigt das ganze auserwählte Volk.
Wir lesen diese Worte noch weiter bis zu Jesus und dem neuen Volk, das dieser im neuen Bund erwählt hat – uns, die Kirche, die Gemeinschaft der Gläubigen. Auch unsere Grenzen sichert er (wenn wir ihn lassen und nicht für alles und jeden offen sind, bis wir nicht mehr ganz dicht sind…). Auch uns sättigt er mit dem besten Weizen – mit der Eucharistie. Er segnet unsere Kinder, indem er sie zu Kindern seines Reiches macht in der Taufe. Er verschafft uns einen umfassenden inneren Frieden, den die Welt nicht geben kann, den wahren Schalom, den der auferstandene Christus seinen Aposteln verheißen hat.
Wenn die Rede davon ist, dass Gott „seinen Spruch zur Erde“ sendet, meint es zunächst die Offenbarung Gottes an einzelne Propheten. Es meint aber auch weitergedacht Jesus selbst, das fleischgewordene Wort Gottes, das Gesprochene Gottes. In dieser Leserichtung ist Vers 15 höchst messianisch! In Eile läuft das Wort Richtung Erde, bald, sehr bald kommt der Messias! Wir dürfen diese Aussage neben dem ersten Kommen des Wortes Gottes auch auf das zweite Kommen beziehen, das kurz bevor steht!
In dieser Linie können wir auch Vers 19 verstehen: Das Wort, das Gott Jakob verkündet, ist nicht nur die Torah (, was hier wörtlich gemeint ist), die Gesetze und Entscheide, sondern eben auch das Wort Gottes, das fleischgeworden ist, Jesus Christus! Und da dürfen wir „Jakob“ nicht überlesen. Zuerst wird Jesus, der Messias den Juden verkündet! An sie ist die Verkündigung zuerst gerichtet. Sie waren es, zu denen Jesus als erstes gekommen ist, bevor er zu den Heiden ging. Sie sind das auserwählte Volk Gottes, zu dem das Wort Gottes gesandt worden ist und zu denen das Wort Gottes selbst gehört! Jesus hat ihre DNA!
Dies ist so ein Privileg, wie man es nie zuvor und nie danach sehen wird. Gott hat die DNA der Juden angenommen, denen die Biologie ja so wichtig ist. Als Jude wird man geboren. Gott hat sein Wort Fleisch werden lassen, damit es sein Zelt aufschlage unter den Juden. Dieses Privileg hat kein anderes Volk gesehen. Das müssen wir erstmal so für sich stehen lassen und wir dürfen das nie vergessen.

Eph 1
3 Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel. 
4 Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Grundlegung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor ihm. 
5 Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen, 
6 zum Lob seiner herrlichen Gnade. Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn.
15-16 Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken, wenn ich in meinen Gebeten an euch denke; denn ich habe von eurem Glauben an Jesus, den Herrn, und von eurer Liebe zu allen Heiligen gehört. 
17 Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt. 
18 Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt.

Auch die neutestamentliche Lesung aus dem Epheserbrief stellt einen Lobpreis dar, in dem die Heilstaten Gottes gepriesen werden. Paulus drückt es so aus, dass wir „mit allem Segen seines Geistes gesegnet“ sind. Paulus spielt hier mit einem Wort, das mehrere Bedeutungen hat: εὐλογία und das Verb εὐλογέω. Es heißt sowohl „Segen/segnen“ als auch „Lobpreis/preisen“. Deshalb verwendet er das eine Wort sowohl für „Gepriesen sei der Gott…“ als auch für „mit allem Segen seines Geistes gesegnet“. Im Griechischen wird also sprachlich das deutlich, was inhaltlich mit dem Lobpreis gemeint ist: Wir sollen Gott das zurückgeben, was er uns Gutes getan hat.
Paulus erklärt dann die Erwählung aller Menschen im heilsgeschichtlichen Plan Gottes von Anfang an („vor der Grundlegung der Welt“). Bevor Gott also die Erde geschaffen hat, wusste er schon, dass er durch seinen einzigen Sohn die Welt erlösen würde und uns zur Gemeinschaft mit ihm berufen würde. Was Paulus hier an die Epheser schreibt, vorwiegend Heidenchristen, ergänzt die Aussagen des Psalms. Es gibt eine Erwählung des Volkes Israel (der Alte Bund) und es gibt darüber hinaus (nicht stattdessen!) die Erwählung der ganzen Welt (der Neue Bund), also auch der Heiden.
Paulus betet und freut sich über den Glauben der Epheser, die diese Berufung wirklich auch leben. Er wünscht den Ephesern den Geist der Weisheit und der Offenbarung. Damit schließt sich der Kreis, der mit dem Buch Jesus Sirach heute gezeichnet worden ist. Die Weisheit macht den Anfang. Der Hl. Geist ist es, der uns den Heilsplan Gottes eröffnet und das ewige Heil verdeutlicht, das uns in Aussicht gestellt wird. Das ist wichtig. Gerade die Epheser werden mit der Zeit nämlich „die erste Liebe“ verlassen und nur noch aus Pflicht und Verantwortung handeln. Das lesen wir einige Jahrzehnte später dann in der Offenbarung des Johannes. Die Epheser werden an Begeisterung abnehmen und die anfängliche Euphorie verlieren. Dann wird Jesus über den Visionär Johannes den Ephesern vermitteln „Kehr zurück zu deinen ersten Taten!“ Die Wortes des Paulus sind hier also sehr prophetisch zu verstehen, wenn er an die Hoffnung auf das ewige Heil erinnert und den Hl. Geist dafür auf die Gemeinde herabruft.
Dies ist aktuell wie nie. Auch heute sehen wir ermüdete Gemeinden, die gezeichnet sind von den Missständen in der Kirche. Die, die noch nicht resigniert sind, halten sich mit Mühe über Wasser und vergessen manchmal, wofür sie sich überhaupt so abmühen. Dann brauchen auch sie den Hl. Geist, der sie daran erinnert, zu welcher Hoffnung sie berufen sind. Dann ist es auch an ihnen, zu den ersten Taten zurückzukehren. Wir sind schon vor der Zeit zur Liebesgemeinschaft mit Gott berufen. Dafür hat er seine Weisheit auf die Erde gesandt, wie wir in Jesus Sirach gelesen haben. Er hat es so mühevoll über mehrere Generationen hinweg vorbereitet. Alles nur für uns! Für jeden Einzelnen! Das Erbe, das uns bevorsteht, ist so wunderbar und herrlich, das die jetzigen Mühen nichts dagegen sind. Wenn wir das Erbe antreten dürfen, wird das jetzige Leid und die Enttäuschung in den Gemeinden ganz vergessen sein. Wir dürfen nur kurz vor Schluss nicht alles hinwerfen.

Joh 1
1 Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.
2 Dieses war im Anfang bei Gott. 
3 Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist. 
4 In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. 
5 Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst. 
6 Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt; sein Name war Johannes. 
7 Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. 
8 Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. 
9 Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. 
10 Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. 
11 Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. 
12 Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, 
13 die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
14 Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. 
15 Johannes legt Zeugnis für ihn ab und ruft: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. 
16 Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. 
17 Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. 
18 Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.

Heute hören wir erneut den Johannes-Prolog. Er erinnert uns daran, dass wir immer noch in der Weihnachtszeit stehen. Der Prolog beinhaltet einen Abriss der Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen. In dieser Hinsicht ist er analog und komplementär zum Lobpreis der Weisheit in Jesus Sirach zu lesen. Auch dort geht die Weisheit aus dem Mund Gottes hervor. Beide Bilder gehen Hand in Hand.
Wir hören von der „Vorgeschichte“ des menschgewordenen Wortes Gottes, nämlich seine Präexistenz bei Gott.
Nicht umsonst beginnt das Evangelium auf dieselbe Weise wie der Schöpfungsbericht in Genesis. Jesus, das ewige Wort des Vaters, war „im Anfang“, das heißt in Gott, der der Anfang ist.
Es wird auch gesagt, dass Jesus als Schöpfungsmittler an der Schöpfung mitgewirkt hat („alles ist durch das Wort geworden“).
Wenn über das Wort ausgesagt wird, dass in ihm Leben ist, dann bestätigt sich, dass Jesus Gott ist. Dieser ist nämlich ein Gott des Lebens. Als dieser ist er den Menschen Licht, nämlich Hoffnung.
Auf dieses Hoffnung spendende Licht bezieht sich auch Jesaja, wenn er prophezeit: „Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein helles Licht.“ Gottes wunderbare Vorsehung hat Jesus zu einer ganz bestimmten Zeit Mensch werden lassen, in der die Menschen in besonders großer Dunkelheit waren. Über diese Vorsehung, die nichts als das Heil für alle Menschen vorsieht, thematisiert Paulus auch im Epheserbrief. Es ist eine Vorsehung, die noch vor Erschaffung der Welt feststand. Jesus, das Licht schien den Menschen sein Leben hindurch, doch sie nahmen ihn nicht an. Jesus ist gekreuzigt worden. Das ist überhaupt erst der Grund, weshalb er Mensch geworden ist. Und doch konnte die Finsternis das Licht nicht auslöschen. Jesus ist von den Toten auferstanden und hat somit den Tod überwunden!
Wir, die wir Jesu Erlösung angenommen haben und getauft worden sind, sind zu Kindern Gottes geworden, zu Erben in seinem Reich. Diese Taufe ist eine Geburt aus dem Geist, nicht aus dem Fleisch, wie Johannes es hier formuliert.
Und das Wort ist Fleisch geworden – das ist Weihnachten. Es hat unter uns gewohnt – 33 Jahre lang in Gestalt des Menschen und bis heute in Gestalt der eucharistischen Gaben. Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, insbesondere die drei Apostel, die mit ihm auf dem Berg Tabor waren. Seine Herrlichkeit ist auch all denen offenbart worden, die Zeugen seiner Auferstehung geworden sind. Wir alle sehen seine Herrlichkeit in jeder Hl. Messe, in jeder guten Tat und am Ende der Zeiten die Fülle des verherrlichten Menschensohnes.
Johannes der Täufer ist der größte Zeuge seiner Herrlichkeit geworden, sogar noch vor seiner Geburt im Mutterleib Elisabets. Johannes der Evangelist schreibt hier, dass auch wenn Johannes der Täufer irdisch gesehen vor Jesus „war“, also geboren wurde, ist Jesus ihm Voraus. Dieser hat nämlich keinen Anfang, sondern war im Anfang, der Gott ist. Jesus wird seine Präexistenz immer wieder aussagen. Z.B. sagt er einmal: „Ehe Abraham war, bin ich“ (Joh 8,58). Jesus IST, gestern, heute und in Ewigkeit.
Jesus bringt uns Gnade über Gnade. Alles haben wir dem Herrn zu verdanken. Er steht auch höher als Mose, der zwar das Gesetz gebracht hat, Jesus aber dieses mit Leben gefüllt hat, mit Gnade und Wahrheit, die er selbst ist. Er als Gnadenbringer ist auch der Kern der Worte des Paulus heute. Wir sind mit allem Segen gesegnet worden – weil er zu uns gekommen ist!
Jesus ist dabei aus dem Himmel zu uns gekommen. Deshalb ist er auch der einzige Mensch, der Gott je gesehen hat. Gott ist Geist und wir alle werden ihn erst sehen, wie er ist, wenn wir sterben. Der Kern der ganzen Verkündigung Jesu ist, uns den Vater zu zeigen. Dafür wird er an Weihnachten Mensch. Gott liebt uns so sehr und will uns sein „Herz“ zeigen, seinen „Augapfel“, sein ein und alles, seinen Sohn.
Gott sandte seinen eigenen Sohn und unsereins hat ihn nicht überall angenommen. Im Gegenteil. Er ist gekreuzigt worden, obwohl er wirklich unschuldig war.

Bei dem überreichen Segen kann es aber nicht bleiben. Nun sind wir dran, ihm zu antworten durch unser ganzes Leben. Ob wir arbeiten, ruhen, beten oder schlafen – alles, was wir tun, soll ein einziger Lobpreis sein, ein Zurückgeben dessen, was Gott uns Gutes getan hat. Er hat uns befähigt, als freie Kinder uns immer für das Gute zu entscheiden und das Böse zu unterlassen. Er wird uns deshalb auch zur Rechenschaft ziehen, wenn wir eines Tages vor ihm stehen. Leben wir so, dass wir uns vor diesem Moment nicht zu fürchten brauchen!

Ihre Magstrauss