Montag der 5. Osterwoche

Apg 14,5-18; Ps 115,1-2.3-4.15-16; Joh 14,21-26

Apg 14
5 Als die Apostel merkten, dass die Heiden und die Juden zusammen mit ihren Führern entschlossen waren, sie zu misshandeln und zu steinigen,

6 flohen sie in die Städte von Lykaonien, Lystra und Derbe und in deren Umgebung.
7 Auch dort verkündeten sie das Evangelium.
8 In Lystra saß ein Mann, der keine Kraft in den Füßen hatte, von Geburt an lahm, der noch nie hatte gehen können.
9 Er hörte, wie Paulus redete. Dieser blickte ihm fest ins Auge; und da er sah, dass der Mann den Glauben hatte, geheilt zu werden,
10 sprach er mit lauter Stimme: Steh auf! Stell dich aufrecht auf deine Füße! Da sprang der Mann auf und ging umher.
11 Als die Menge sah, was Paulus getan hatte, fing sie an zu schreien und rief auf Lykaonisch: Die Götter sind in Menschengestalt zu uns herabgestiegen.
12 Und sie nannten den Barnabas Zeus, den Paulus aber Hermes, weil er der Wortführer war.
13 Der Priester des vor der Stadt gelegenen Tempels des Zeus brachte Stiere und Kränze an die Tore und wollte zusammen mit der Volksmenge ein Opfer darbringen.
14 Als die Apostel Barnabas und Paulus dies hörten, zerrissen sie ihre Kleider, eilten hinaus unter das Volk und riefen:
15 Männer, was tut ihr? Auch wir sind nur schwache Menschen wie ihr! Wir bringen euch das Evangelium, damit ihr euch von diesen Nichtsen zu dem lebendigen Gott bekehrt, der den Himmel, die Erde und das Meer geschaffen hat und alles, was dazugehört.
16 Er ließ in den vergangenen Zeiten alle Heidenvölker ihre Wege gehen.
17 Und doch hat er sich nicht unbezeugt gelassen: Er tat Gutes, gab euch vom Himmel her Regen und fruchtbare Zeiten; mit Nahrung und mit Freude erfüllte er euer Herz.
18 Mit diesen Worten konnten sie die Volksmenge mit Mühe davon abbringen, ihnen zu opfern.

Letzten Samstag endete die Zeit in Antiochia mit hetzenden und missgünstigen Bewohnern. Die Missionare schüttelten den Staub den Füßen und zogen nach Ikonion. Es ist auch dort ähnlich: Sie predigen bei den Juden und ernten zunächst eine große Offenheit und positive Rückmeldungen. Doch auch dort kommt es bald zu Auseinandersetzungen und so beginnt der heutige Abschnitt mit der Bemerkung, dass sie von Ikonion fliehen müssen. Sowohl Juden als auch Heiden möchten sie nämlich steinigen.
So ziehen sie ins lykaonische Gebiet. Die Menschen dort sprechen zusätzlich zu Griechisch noch ihre lykaonische Sprache. Es handelt sich bei den genannten Städten um heidnisches Gebiet. Dies ist wichtig zu wissen, um das sich im Folgenden zutragende Missverständnis zu verstehen.
Sie predigen in Lystra das Evangelium und da fällt Paulus ein gelähmter Mann auf, der ihm fest in die Augen schaute. Er merkt, dass der Mann ein offenes Herz hat für den Glauben und so befiehlt er ihm, aufzustehen. Sogleich steht er auf und kann umhergehen, obwohl er von Geburt an gelähmt war. Dies ist ein großes Wunder und die anwesenden Menschen reagieren so, wie es für Heiden zu erwarten ist: Sie denken, dass ihre Götter Zeus und Hermes in Menschengestalt vor ihnen stehen und dies erwirkt haben. Dies ist die religiöse Welt, die sie kennen und so versuchen sie es sich zu erklären. Paulus und Barnabas bekommen derweil nichts davon mit, denn sie verstehen die lykaonische Sprache nicht. Erst als sie gemäß des in der Stadt etablierten Zeuskults Opfer darbringen wollen, realisieren die Missionare das fatale Missverständnis und versuchen, die Menschen von den Opfern abzubringen.
Paulus erklärt den Bewohnern, dass sie ja gerade deshalb das Evangelium verkündet haben, damit sie von ihrer paganen Verehrung Abschied nehmen. Er betont dies durch die Bezeichnung „Nichtse“ für die Götter. Das Wort μάταιος mataios heißt „nichtig, eitel, ohne Kraft/Wirkung“. Die Götter der Heiden, z.B. Zeus und Hermes, sind in Wirklichkeit nichts. Es gibt sie nicht. Der Gott, den sie verkünden, ist dagegen der lebendige Gott. Er existiert wirklich und hat vor ihren Augen soeben seine Macht offenbart.
Paulus stellt klar, dass Barnabas und er nur schwache Menschen sind und keine Götter. Deshalb umschreibt er den lebendigen Gott auch als Schöpfer, „der den Himmel, die Erde und das Meer geschaffen hat und alles, was dazugehört.“ Er ist von der Schöpfung strikt zu unterscheiden. Er ist der ganz Andere und deshalb kann auch kein Mensch göttlich sein. Dieser Schöpfergott hat allen Menschen bisher Gutes erwiesen, auch den Heiden. Er hat durch die gute Schöpfung alle Menschen mit reichen Gaben beschenkt.
So schaffen die Missionare es, die Bewohner von Lystra vor dem Götzendienst zu bewahren. So endet die heutige Episode. Für die beiden birgt die erste Missionsreise sehr viele Überraschungen und Ungewissheit. In einem Moment ernten sie reiche Zustimmung, im nächsten Moment trachten die Menschen nach ihrem Leben. Sie gehen wirklich bis an ihre Grenzen, um Jesus Christus zu den Menschen zu bringen.

Ps 115
1 Nicht uns, HERR, nicht uns, nein, deinem Namen gib Herrlichkeit, wegen deiner Huld, wegen deiner Treue!
2 Warum sollen die Völker sagen: Wo ist denn ihr Gott?
3 Unser Gott, er ist im Himmel, alles, was ihm gefällt, vollbringt er.
4 Ihre Götzen sind nur Silber und Gold, Machwerk von Menschenhand.
15 Gesegnet seid ihr vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.
16 Der Himmel ist Himmel des HERRN, die Erde aber gab er den Menschen

Der heutige Antwortpsalm ist in der Einheitsübersetzung betitelt mit dem Thema „Der Gott Israels und die Götzen der Völker“. Er passt also perfekt zum lykaonischen Missverständnis der heutigen Lesung.
Er beginnt mit einer Bitte und zugleich einer Abgrenzung: Nicht die Menschen, sondern Gott allein soll verherrlicht werden. Paulus und Barnabas sind ja als Götter behandelt worden, was Götzendienst darstellt. Es ist ein Verstoß gegen das erste Gebot, denn nur Gott allein gebührt die Anbetung. Nur ihm darf ein Opfer dargebracht werden.
„Wegen deiner Huld, wegen deiner Treue“ deutet an, dass Gott seinem Volk immer wieder die Treue bewiesen hat, die er durch die Bundesschlüsse des Alten Testaments versprochen hat. Gott ist selbst dann seinem Volk treu, wenn es ihm untreu geworden ist.
„Warum sollen die Völker sagen: Wo ist denn ihr Gott?“ Solche Wendungen finden wir häufig bei den Psalmen. Sie drücken aus, dass wenn dem auserwählten Volk etwas Schlimmes widerfährt, die umliegenden Völker mit Schadenfreude und Spott reagieren im Sinne von „wo ist ihr Gott jetzt, wo er sein Volk doch aus dem Leiden herausführen soll!“ Diese Art von Verspottung muss auch Jesus erleiden, wenn er am Kreuz hängt und sowohl die Hohepriester als auch die Jerusalempilger und sogar die Mitgekreuzigten zu ihm sagen: „Wenn du der Sohn Gottes bist, hilf dir doch selbst und steig herab vom Kreuz.“ Hier beten es die Juden, um deutlich zu machen: „Herr, hilf uns, damit die umliegenden Völker deine Macht erkennen und gläubig werden!“
Vers 3 betont Gottes Anderssein. In der Theologie wird dafür der Begriff der Transzendenz verwendet. Gott ist der rein Transzendente. Nichts in der Schöpfung ist Gott. Er ist davon ganz zu unterscheiden. Er ist im Himmel, was nicht das Himmelsgewölbe über uns meint, sondern die Dimension der Ewigkeit. Er ist außerhalb von Raum und Zeit, denn auch diese Kategorien sind von Gott geschaffen.
„Alles, was ihm gefällt, vollbringt er.“ Alles hängt von Gottes Willen ab. Er wirkt ganz nach seinem Willen, der ein Heilswille ist.
„Ihre Götzen sind nur Silber und Gold, Machwerk von Menschenhand.“ Götzen sind aus irdischem Material und auch ihre Gestalt ist geschaffen, nicht mal von Gott, sondern von Menschenhand. Sie sind gar nicht zu vergleichen mit diesem ganz anderen Gott, der über seine Schöpfung steht. Sie sind wirkungsloses Stück Edelmetall, das keine eigene Kraft besitzt, weder einen Willen noch die Macht hat, irgendetwas zu vollbringen. Um mit Paulus zu sprechen: Es sind Nichtse.
Gott ist der Schöpfer von Himmel und Erde – von sichtbarer und unsichtbarer Welt. Die unsichtbare Welt ist jene, in der er selbst ganz gegenwärtig ist. Die sichtbare Welt ist jene, in der wir Menschen leben.
Wir sind gesegnet von diesem Schöpfergott, der alles vermag. Segen kann kein Stück Silber oder Gold verleihen. Gott ist ein persönlicher Gott, zu dem wir eine Beziehung haben können, zu ihm, der der Herrscher des ganzen Universums ist! Wie überwältigend ist das?

Joh 14
21 Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.
22 Judas – nicht der Iskariot – fragte ihn: Herr, wie kommt es, dass du dich nur uns offenbaren willst und nicht der Welt?
23 Jesus antwortete ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen.
24 Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.
25 Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.
26 Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Heute hören wir im Evangelium die Fortsetzung aus der ersten Abschiedsrede.
„Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt.“ Das ist ein wichtiger Grundsatz, der eigentlich das ganze christliche Leben zusammenfasst. Sie zu haben heißt, dass sie einem offenbart worden sind. Mose hat sie den Juden bereits übergeben, aber Jesus hat sie den Menschen einerseits richtig ausgelegt, andererseits mit seinem ganzen Sein erfüllt. Er ist die Personifikation der Gebote. Christus ist uns geoffenbart worden und wir haben ihn gläubig angenommen durch die Taufe. Wir haben ihn in der Taufe gleichsam angezogen und nehmen ihn in der Eucharistie immer wieder in uns auf, sodass wir immer mehr zu seinem Leib werden. Wir haben die Gebote wirklich in unser Herz aufgenommen. Und diese zu halten, und zwar vollständig und mit rechter Absicht, das ist der Erweis unserer Gottesliebe. Wenn wir einen Menschen lieben und ihm am Traualtar lebenslang die Treue versprechen, nehmen wir ihn ganz an mit allen seinen Facetten. Wir erklären uns bereits, alles für ihn zu tun, egal wie schwer es uns in den schlechten Tagen auch schwerfallen sollte. Aus Liebe sind wir bereit, über unsere Komfortzone hinauszugehen. Was wir mit dem Ehebund eingehen, ist Abbild des eigentlichen Bundes mit Gott! Wir nehmen ihn ganz an mit allen seinen Facetten, wie auch er uns ganz annimmt mit unseren Stärken und Schwächen. Bund heißt „ich gehöre ganz dir und du gehörst ganz mir“. So funktioniert Liebe. Es ist also ganz falsch zu fragen, welche Gebote wir halten sollen und welche uns nicht gefallen. Wir halten ALLE Gebote, weil wir Gott GANZ annehmen und ALLES für ihn tun, weil wir ihn LIEBEN. Es ist keine Einbahnstraße, sondern unsere Liebe ist schon Antwort auf die zuerst von ihm ausgegangene Liebe. Der Mensch, der Christus in der Taufe annimmt, wird vom Vater geliebt werden zusammen mit dem Sohn.
Judas Thaddäus fragt Jesus, warum er sich nur den Aposteln offenbaren will, denn Jesus spricht seine Apostel im Abendmahlssaal direkt an.
Jesus antwortet mit einer Umschreibung der Situation, aufgrund dessen er sich einem Menschen offenbart: Es geht darum, auf sein Wort zu hören. Dieses ist ausgestreut in alle Richtungen. Er ist schließlich von Ort zu Ort gezogen und hat überall das Reich Gottes verkündet. Das Wort hat er also allen angeboten – und somit sich selbst, denn er ist dieses Wort Gottes in fleischgewordenener Form! Dieses kam in sein Eigentum, doch die Seinen nahmen ihn nicht an, wie der Johannesprolog ausdrückt. Es gibt also solche, die auf sein Wort hören, und solche, die nicht darauf hören. Wer es aber annimmt, den wird der Vater lieben und zusammen mit dem Sohn bei diesem Menschen Wohnung nehmen. Sie offenbaren sich somit auch jenem Menschen. Die Apostel haben so wie der erweiterte Jüngerkreis Jesus angenommen und so offenbart er sich ihnen auch zusammen mit dem Vater. Gott nimmt den Willen des Menschen ernst. Er offenbart sich eigentlich der ganzen Welt durch sein Wort, doch wer es nicht annimmt, für den bleibt Gott dunkel – nicht weil Gott Bedingungen stellt, sondern der Mensch selbst dafür sorgt.
Jesus sagt auch, dass das von den Aposteln gehörte Wort vom Vater stammt. Jesus sagt nichts, was nicht im Einklang mit dem Vater ist. Sie sind eins.
Er erklärt zum Ende hin auch, dass er ihnen das alles in seiner Zeit auf Erden gesagt hat. Doch durch den Heiligen Geist, der der Beistand ist, werden sie an alles erinnert werden. Das können wir als Leser und Hörer der Apostelgeschichte wirklich unterschreiben. Sie werden dann erst so richtig verstehen, was Jesus mit bestimmten Aussagen meinte. Sie werden das schon längst Vergessene als sehr entscheidende Dinge begreifen und sie voller Begeisterung auch den anderen Menschen verkünden, sodass auch diese zum Glauben an Jesus Christus kommen. Allein die Pfingstpredigt ist ein absolutes Meisterwerk von Schriftenauslegung auf Christus hin. Ein einfacher Fischer ist von einem Moment auf den anderen zum Exegeten Gottes geworden mit so einem Enthusiasmus, dass er 3000 Menschen auf einen Schlag für Christus gewinnt. Das hat der Heilige Geist in ihm bewirkt und das kann der Geist auch mit uns tun, wenn wir ihn nur lassen.
Dieser Geist geht vom Vater aus, aber auf den Namen Jesu Christi, somit auch von diesem.

Wir lernen heute so einiges über Götzendienst und Monotheismus. Allein Gott ist der Schöpfer von Himmel und Erde. Allein ihm gebührt Anbetung. Offenbart hat er sich in Jesus Christus auf der Höhe der Zeit. Diese wunderbare Offenbarung des Heils gilt es, allen Menschen zu verkünden, auf dass sie auf das Wort Gottes hören und es befolgen. Zwingen werden auch die Apostel die Menschen nicht. Wer es ablehnt und ihnen sogar nach dem Leben trachten will, vor denen schütteln sie den Staub von den Füßen als Zeichen gegen sie. Sie machen sich nichts daraus und ziehen zur nächsten Stadt. Und immer mehr Menschen nehmen das Wort an und lassen sich taufen. Gott nimmt auch in ihren Herzen Wohnung und offenbart sich ihnen. Das Christentum wächst immer weiter.

Ist uns bewusst, dass Gott in uns wohnt? Handeln wir so, dass wir uns vor ihm nicht schämen müssen, der uns ja innerlicher ist als wir uns selbst? Er hat sich uns offenbart als Gott des Heils. Er hat so etwas Unglaubliches für uns getan, um uns das ewige Leben zu schenken. Ist unser Leben eine würdige Antwort darauf?

Ihre Magstrauss

Gründonnerstag

Ex 12,1-8.11-14; Ps 116,12-13.15-16.17-18; 1 Kor 11,23-26; Joh 13,1-15

Heute beginnt das große Ostermysterium, das wir an drei Tagen feiern. Die heutige Liturgie wird offen enden, denn sie wird an Karfreitag fortgesetzt und in der Osternacht abgeschlossen. Diese drei Tage werden auch Triduum Sacrum bzw. Triduum Paschale genannt. Es sind die intensivsten drei Tage des gesamten Kirchenjahres und wir gehen mit Jesus mystisch gesehen vom Abendmahlssaal über den Garten Getsemani bis hin zum dunklen Kerker des Gefängnisses und weiter bis zum Golgota. Wir sind Zeugen seiner Kreuzigung und treten in eine Grabesruhe ein bis zum triumphalen Halleluja der Osternachtsliturgie.

Ex 12
1 Der HERR sprach zu Mose und Aaron im Land Ägypten:

2 Dieser Monat soll die Reihe eurer Monate eröffnen, er soll euch als der Erste unter den Monaten des Jahres gelten.
3 Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am Zehnten dieses Monats soll jeder ein Lamm für seine Familie holen, ein Lamm für jedes Haus.
4 Ist die Hausgemeinschaft für ein Lamm zu klein, so nehme er es zusammen mit dem Nachbarn, der seinem Haus am nächsten wohnt, nach der Anzahl der Personen. Bei der Aufteilung des Lammes müsst ihr berücksichtigen, wie viel der Einzelne essen kann.
5 Nur ein fehlerfreies, männliches, einjähriges Lamm darf es sein, das Junge eines Schafes oder einer Ziege müsst ihr nehmen.
6 Ihr sollt es bis zum vierzehnten Tag dieses Monats aufbewahren. In der Abenddämmerung soll die ganze versammelte Gemeinde Israel es schlachten.
7 Man nehme etwas von dem Blut und bestreiche damit die beiden Türpfosten und den Türsturz an den Häusern, in denen man es essen will.
8 Noch in der gleichen Nacht soll man das Fleisch essen. Über dem Feuer gebraten und zusammen mit ungesäuertem Brot und Bitterkräutern soll man es essen.
11 So aber sollt ihr es essen: eure Hüften gegürtet, Schuhe an euren Füßen und euren Stab in eurer Hand. Esst es hastig! Es ist ein Pessach für den HERRN.
12 In dieser Nacht gehe ich durch das Land Ägypten und erschlage im Land Ägypten jede Erstgeburt bei Mensch und Vieh. Über alle Götter Ägyptens halte ich Gericht, ich, der HERR.
13 Das Blut an den Häusern, in denen ihr wohnt, soll für euch ein Zeichen sein. Wenn ich das Blut sehe, werde ich an euch vorübergehen und das vernichtende Unheil wird euch nicht treffen, wenn ich das Land Ägypten schlage.
14 Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag begehen. Feiert ihn als Fest für den HERRN! Für eure kommenden Generationen wird es eine ewige Satzung sein, das Fest zu feiern!

Die Wahl ausgerechnet dieser ersten Lesung markiert schon alles, was wir über das letzte Abendmahl wissen müssen, das wir an Gründonnerstag in besonderer Weise feiern: Jesus setzt mit diesem Mahl die Eucharistie ein, die ein Opfer ist! Und dieses Opfer ist der Antitypos des Paschalamms, von dem wir nun hören:
Gott schreibt Mose und Aaron vor, dass der aktuelle Monat von nun an den Beginn des Jahres markieren soll. Es handelt sich um den Monat Nisan, der umgerechnet den Monaten März/April entspricht. Dies hat auch die Katholische Kirche in gewisser Weise beeinflusst, denn in der Osternacht wird die Osterkerze des seit dem ersten Advent laufenden Kirchenjahres geweiht und von da an verwendet. Ein gewisser Neuanfang wird somit auch in der Kirche vorgenommen. Es hat mit der Befreiung aus der Sklaverei zu tun, an die das Paschafest der Juden und in ihrer typologischen Erfüllung das Osterfest mit der Auferstehung Jesu Christi erinnert (er erlöst uns von der Sklaverei der Sünde und der Knechtschaft des Todes!). Mit dieser Rettung ist ein neues Leben ermöglicht worden, weshalb der Neubeginn gefeiert wird.
Dann schreibt Gott vor, wie das Paschafest zu feiern ist, ein von Gott selbst nun gestiftetes Fest:
Am Zehnten des Nisan soll das Fest gefeiert werden, dessen Zentrum das Paschalamm ist, das pro Haushalt zubereitet werden soll. Dabei darf es „nur ein fehlerfreies, männliches, einjähriges Lamm“ sein, „das Junge eines Schafes oder einer Ziege“.
Ein solches Opfer ist gottgefällig und dessen Blut an den Türpfosten der Häuser bewirkt, dass die Bewohner vor dem Tod verschont werden. Wir schauen vom Pessachlamm weiter auf den, dessen Opfer endgültig für alle Generationen den ewigen Tod abwenden wird – Jesus Christus, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt (Joh 1,29 – die Worte des Täufers beim Anblick Jesu, die Worte des Priesters in der Messe beim Anblick des sakramentalen Leibes Christi). Jesus ist makellos, er ist ohne Sünde. Er ist männlich, was wichtig ist. Es ist kein Zufall, dass Gott als Mensch Mann geworden ist. Nur so hat sich dieser Kreis der Opfer geschlossen.
Dadurch, dass pro Haushalt ein Lamm zubereitet und im Kontext eines Mahls gegessen werden soll, handelt es sich um ein Familienfest.
Es ist wichtig, dass vom Lamm nichts mehr übrig bleibt, sodass die Portionen gut bedacht sein sollen. Das liegt daran, dass es ein Abschiedsmahl darstellt, bevor sich die Israeliten auf den Weg machen. Sie können also keine Reste hinterlassen.
Zum Paschalamm sollen ungesäuerte Brote und Bitterkräuter verzehrt werden. Diese Zutaten werden uns auch im Abendmahlssaal Jesu begegnen, wenn er das Brotstück in die Bitterkräuter taucht und Judas Iskariot reicht. Das Lamm wird fehlen, weil Jesus selbst das Opferlamm ist.
Hier soll das Lamm über dem Feuer gebraten werden. Schauen wir auf Jesus als Opferlamm, dann erahnen wir schon seine gesamte Passion, die er bis zu seinem Tod erleiden muss. Er wird förmlich durchs Feuer gehen, was die Reinigung aller Menschen von der Sünde bewirken wird. Nicht umsonst wird das Feuer auch später zum Symbol der Reinigung und ist es auch schon in der Hl. Schrift, wenn Gold im Feuer geprüft wird (Spr 17,3; Sach 13,9).
Entscheidend zur Abwendung des Übels ist das Blut des Lammes. Die Bestreichung des Hauseingangs mit diesem Blut wendet den Tod des Erstgeborenen jedes Haushalts ab. Beziehen wir es schon auf Jesus Christus, dann wendet auch das Vergießen seines Blutes unseren Tod ab, nämlich den seelischen Tod. Johannes berichtet davon, dass beim Lanzenstich mitten ins Herz Jesu Blut und Wasser herausfließen. Hier erkennen wir, dass dieses herausfließende Blut auf uns herabkommt, um den Eingang unserer Seele zu tränken und unsere Seele zu besiegeln, die so vor dem ewigen Tod gerettet wird. Sein kostbares Blut schützt auch uns, die wir unter dem Kreuz stehen, die wir in jeder Hl. Messe das Kreuzesgeschehen und den Golgota in die Gegenwart holen.
Es ist kein Zufall, dass das Paschalamm kein Brandopfer ist, sondern wirklich gegessen werden muss. So wird die Grundlage geschaffen für die Eucharistie, bei der ebenfalls das Lamm Gottes über den Essvorgang empfangen wird. Es ist auch bemerkenswert, wie es gegessen werden muss: „eure Hüften gegürtet, Schuhe an euren Füßen und euren Stab in eurer Hand. Esst es hastig! Es ist ein Pessach für den HERRN.“ Auch für Jesus und seine Apostel im Abendmahlssaal ist es ein Essen, das vor dem Aufbruch gegessen wird. Jesus wird mit drei seiner Jünger in den zweiten Garten der Versuchung aufbrechen (der erste ist der Garten Eden!). Von dort aus wird Jesus aufbrechen in den schmerzhaften Prozess des Leidens und Sterbens. Und auch wir empfinden dieses Aufbrechen in jeder Eucharistie mystagogisch nach, wenn wir nämlich ziemlich bald nach dem Empfang der Kommunion die Liturgie abschließen und in die Welt zurück gehen. Schließlich ist die Kirche das pilgernde Gottesvolk auf dem Weg in die Ewigkeit. So ist die Eucharistie als Mahl des Opferlammes Christus die Wegzehrung auf dem Weg ins Himmelreich.
Das Gürten ist nicht nur Zeichen für den Aufbruch und die Reise. Es bedeutet auch das Rüsten für den Krieg. Die Eucharistie wird so auch zur Stärkung im Kampf gegen den Bösen. Seine Versuchungen kommen schon nach dem letzten Abendmahl Jesu und seiner Apostel nicht umsonst direkt danach im Garten Getsemani. Die gesamte Passion ist für Jesus ein Kampf gegen den Bösen, den er nach drei Tagen im Grab endgültig gewinnen wird. Deshalb ist es für uns absolut heilsam, ein sakramentales Leben zu führen, regelmäßig zu beichten und die Kommunion zu empfangen. So können auch wir den Kampf gegen den Bösen bestehen und bis zum Ende standhaft bleiben.
„Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag begehen.“ Und damit auch die Apostel Jesu den Bezug zum Pessachmahl erkennen, die fromme Juden sind, sagt Jesus zu ihnen: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“
So ist es auch mit den folgenden Worten: „Feiert ihn als Fest für den HERRN! Für eure kommenden Generationen wird es eine ewige Satzung sein, das Fest zu feiern!“ Deshalb feiern wir die Eucharistie immer wieder als Fest für den HERRN und vor allem am Tag des HERRN, am Ostertag. Die Eucharistie ist unsere ewige Satzung bis zum Ende der Zeiten. Wir feiern dort sakramental, was wir dann mit dem Abbruch der Weltgeschichte und der Durchsetzung der Herrlichkeit Gottes in seiner ewigen Anschauung unverhüllt feiern werden – die Hochzeit des Lammes, das ewige Freudenmahl.
Das hier eingeführte Pessachmahl wird im Abendmahlssaal Jesu den Bogen schließen. Es wird kein Opferlamm geben. Wir werden nur von den Broten und den Bitterkräutern lesen. Das Lamm wird erst einen Tag später geschlachtet werden und nur ein einziger Apostel des Abendmahlssaales wird dieses Schlachten miterleben – Johannes. Er wird all die Erfüllungen der alttestamentlichen Schriftworte erkennen. Er wird voller Schmerz sehen, was Jesus am Abend zuvor meinte mit den Worten: „Nehmet und esset, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird….das ist mein Blut, das für euch und für viele vergossen wird.“ (Mt 26,28 par). Er wird sehen, dass es nicht nur symbolisch gedacht war, sondern ganz wortwörtlich. Jesus ist wirklich zum Opferlamm am Kreuzesstamm geworden und dies hängt aufs Innigste mit dem letzten Abendmahl zusammen.

Ps 116
12 Wie kann ich dem HERRN vergelten all das Gute, das er mir erwiesen?
13 Den Becher des Heils will ich erheben. Ausrufen will ich den Namen des HERRN.
15 Kostbar ist in den Augen des HERRN der Tod seiner Frommen.
16 Ach HERR, ich bin doch dein Knecht, dein Knecht bin ich, der Sohn deiner Magd! Gelöst hast du meine Fesseln.
17 Ich will dir ein Opfer des Dankes bringen, ausrufen will ich den Namen des HERRN.
18 Meine Gelübde will ich dem HERRN erfüllen in Gegenwart seines ganzen Volks.

Heute beten wir einen Dankespsalm, der zum sogenannten Ägyptischen Hallel gehört (ein großes Loblied bestehend aus den Psalmen 113-118). Es wird so genannt, weil es an das erste Pessachfest in Ägypten erinnert, was wir heute ja in der Lesung gebetet haben. Sie merken, dass die Zusammenstellung der Lesungen in der Liturgie wie so oft vom jüdischen Festkalender und von der intertextuellen Beziehung verschiedener alttestamentlicher Bücher inspiriert ist. Das ägyptische Hallel ist zu den großen Wallfahrtsfesten gebetet worden, also haben die Juden zur Zeit Jesu dieses Hallel zum kommenden Pessachfest ebenfalls gebetet. Wir können uns durchaus vorstellen, dass Jesus auch im Abendmahlssaal dieses Hallel angestimmt hat, denn es war Tradition, dieses Loblied am Sederabend mit der Familie zu singen (und der Zwölferkreis war Jesu Familie). Auch für uns, die wir heute der Einsetzung des Danksagungsfestes gedenken (Eucharistia=Danksagung!), ist dieser Dankespsalm absolut passend für die Liturgie:
„Wie kann ich dem HERRN vergelten all das Gute, das er mir erwiesen?“ Mit dieser rhetorischen Frage bringen schon die Israeliten zum Ausdruck, dass der Exodus mit der Befreiung aus dem Sklavenhaus Ägypten absoluter Gnadenerweis Gottes ist. Das Volk hätte es nie zustande gebracht, diese Befreiungsaktion erst einmal zu verdienen durch gute Taten und Opfer. Und auch wir können nur so beten, denn wer von uns hätte das Kreuzesopfer durch eigenes Gutsein zuerst verdienen können? Die übergroße Schuld mit den hohen Wellen ihrer todbringenden Konsequenzen hätte durch menschliche Kraft nie gesühnt werden können. Es war ein einziger Gnadenakt Gottes, seinen geliebten Sohn für uns dahinzugeben, um diese übergroße Schuld zu sühnen!
„Den Becher des Heils will ich erheben. Ausrufen will ich den Namen des HERRN.“ Jesus musste den Becher des Leidens und Todes trinken, von dem er voller Todesangst im Garten Getsemani noch gesagt hat: „Vater, nimm diesen Kelch von mir…doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe“. Weil er ihn bereitwillig getrunken hat, ist er für uns zum Becher des Heils geworden! Wir rufen den Namen des HERRN an, bis er wiederkommt in Herrlichkeit. So geschehen in seinem Namen bis heute Zeichen und Wunder.
„Kostbar ist in den Augen des HERRN der Tod seiner Frommen.“ Das soll nicht heißen, dass Gott es gefällt, wenn Menschen sterben müssen. Es heißt vielmehr, dass der Preis für den Tod sehr hoch ist, weil die Frommen ihm kostbar sind. Und der Frommste ist Jesus Christus, sein eingeborener Sohn. Sein Tod ist so teuer, dass er mit dem Preis die Sünde der ganzen Welt loskaufen konnte!
„Gelöst hast du meine Fesseln.“ Dies bezieht sich zunächst auf die Fesseln des Sklavenhauses Ägypten, deren Lösung der Psalm ja dankend gedenkt. Der Kreis schließt sich aber mit der Befreiung aus der Sklaverei der Sünde durch die Erlösung Jesu Christi, der auf diese Weise noch viel existenziellere Fesseln gelöst hat! Er hat nicht nur unsere Fesseln des ewigen Todes gelöst, sondern wird am Ende der Zeiten dem Bösen endgültig die Fesseln anlegen!
„Ich will dir ein Opfer des Dankes bringen, ausrufen will ich den Namen des HERRN.“ Dies ist eine gelübdeartige Zusage, die liturgisch im Laufe der Wallfahrt ja umgesetzt wird. Es werden Opfer im Tempel von Jerusalem dargebracht. Wir lesen es an diesem heutigen Tag eucharistisch: Ja, wir bringen ein Opfer des Dankes dar, die Eucharistie, die Danksagung, die zwar auf den ersten Blick Mahl (ja, das darf man nicht vergessen), aber zutiefst vom Kern und Wesen her Opfer ist.
„Meine Gelübde will ich dem HERRN erfüllen in Gegenwart seines ganzen Volks.“ Diese Zusage im Kontext der Wallfahrt geschieht vor den Augen der anderen. Danksagung ist ein Opfervorgang, der nicht individuell bleibt, sondern in Versammlung. Deshalb feiern wir bis heute die Eucharistie in der Gemeinschaft der Heiligen – und damit sind nicht nur jene auf Erden gemeint, sondern auch die Heiligen, die bereits am Thron Gottes stehen, auch die Engel, die Gott dienen!

1 Kor 11
23 Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot,

24 sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!
25 Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!
26 Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

In der zweiten Lesung hören wir heute die älteste Überlieferung der eucharistischen Einsetzungsworte Jesu, die uns durch das Neue Testament überliefert worden sind.
Paulus sagt selbst, dass er diese Worte empfangen hat.
„Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot“ – diese Formulierung wird auch in das Eucharistische Hochgebet aufgenommen“ – mit jüdischen Augen lesen wir hier das ungesäuerte Brot im Abendmahlssaal.
„sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Das Dankgebet ist wichtiger Bestandteil schon bei den Juden. Das Gedächtniswort habe ich bereits bei der Exoduslesung als Bogen zwischen erstem Pessachmahl in Ägypten bis zum Abendmahlssaal Jesu herausgestellt, da es in Ex 12,14 heißt „Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag begehen.“ Er nimmt Brot und nicht ein geschlachtetes Lamm, weil er selbst dieses Lamm sein wird am nächsten Tag. Er nimmt Brot, weil sich noch eine weitere Typologie erfüllen soll – er ist der Antitypos des Manna in der Wüste, das die Väter gegessen haben, nun aber zum ewigen Leben führen wird. Er ist das Himmelsbrot, von dem er zu Anfang des Johannesevangeliums gesprochen hat. Dies soll sich nun hier im letzten Abendmahl erfüllen. Er ist das tägliche Brot des Vaterunsers, er ist das Grundnahrungsmittel unserer Seele.
„Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!“ Auch hier ist der Bezug zu Ex 12,14 gegeben. Jesus hat mit diesen Worten selbst gekennzeichnet, dass es kein normales Sedermahl zum Auftakt des Pessachfestes (vorweggenommen, weil an den essenischen Termin angepasst) mehr ist, sondern ein Bundesmahl! Hier setzt der neue Bund an, der einen Tag später am Kreuz besiegelt wird, aber nur einer der Apostel wird dabei sein. Das ist der eigentlichste Bund aller Zeiten, denn Bundesschluss heißt „du gehörst mir und ich gehöre dir“. Während die Bundesschlüsse des Alten Testaments lediglich mit einem Tieropfer besiegelt werden, opfert sich Gott selbst. Mit dieser Auslieferung drückt er am eigentlichsten aus, dass er ganz uns gehört. Darum kommen die Märtyrer sofort zu ihm, denn sie haben es ihm am eigentlichsten gleichgetan, indem sie ebenfalls ihr Blut vergossen haben mit der Absicht: Und ich gehöre ganz dir.
Auch ohne dieses Blutvergießen antworten wir bei der Taufe mit diesen Worten des vollkommenen Gottergebenseins. Wir richten unser ganzes Leben nach ihm aus und er ist die Nummer eins in unserem Leben. Wenn wir Eucharistie feiern, dann bekräftigen wir diese Antwort immer wieder, die wir bei jeder Wandlung zugleich im Abendmahlssaal und auf dem Kalvarienberg unter dem Kreuz sind.
„Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“ Dies beten wir direkt im Anschluss an die Wandlungsworte, wenn der Priester anstimmt: „Geheimnis des Glaubens“. Die Sakramente sind Antizipation der Ewigkeit. Sie dauern an bis zur Wiederkunft Christi. Dann brauchen wir keine Sakramente mehr, weil die Herrlichkeit Gottes nicht mehr verborgen ist. Dann ist Gott selbst in unserer Mitte und wir dürfen ihn schauen von Angesicht zu Angesicht!

Joh 13
1 Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren, liebte er sie bis zur Vollendung.
2 Es fand ein Mahl statt und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn auszuliefern.
3 Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte,
4 stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch.
5 Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.
6 Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen?
7 Jesus sagte zu ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen.
8 Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.
9 Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt.
10 Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle.
11 Er wusste nämlich, wer ihn ausliefern würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.
12 Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe?
13 Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es.
14 Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.
15 Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

Nun hören wir von diesem schon vielbesprochenen Abend aus dem Johannesevangelium. Überraschenderweise berichtet Johannes nicht vom Mahl selbst, sondern davon, was währenddessen geschehen ist – die Fußwaschung! Aus dem Grund wird in der Kirche an diesem Abend die Fußwaschung an Gläubigen durch den Geistlichen vorgenommen. Betrachten wir die Fußwaschung als prophetischen Zeichenakt, wird uns deutlich, dass es absolut kein Zufall ist, dass sie während des letzten Abendmahls geschieht!
Johannes sagt ganz allgemein „ein Mahl fand statt“.
Die Einleitung zu diesem Ausschnitt wird in eines der Eucharistischen Hochgebete aufgenommen: „Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren, liebte er sie bis zur Vollendung.“ Es bringt auf den Punkt, weshalb Jesus alles getan hat, was von da an passiert ist. Weil er uns alle liebt, die in der Welt sind, die es damals waren und die es in Zukunft sein werden. Jesus hat alles ganz im Vertrauen zum Vater getan und auch im Gehorsam zum Vater, der ihm alles in seine Hände gegeben hat.
Es ist ein wichtiger Hinweis, dass zuerst Jesu absolutes Bewusstsein des Gekommenseins und des Gehens zum Vater genannt wird, bevor Jesus die Fußwaschung vornimmt. Er weiß, wer er vor seinem Vater ist und was seine Berufung ist. Er kennt seine Vollmacht und seinen Wert. Das ist die Bedeutung von Demut: Ich weiß, wer ich vor Gott bin. Ich weiß, was ich kann und was ich nicht kann. Ich weiß, wozu ich da bin. Und von dieser demütigen Ausgangshaltung tut Jesus nun einen Sklavendienst, die Fußwaschung. Es handelt sich um eine Praxis, die unumgänglich war in einer Zeit, als die Straßen voller Staub sind und trotz eines Bades die Füße immer wieder dreckig wurden. Wenn man ein Haus betrat, haben die Sklaven des Hauses die Füße dann vom Schmutz der Straße gereinigt.
Jesus wird freiwillig zum Sklaven, nicht weil er sich so wertlos fühlt, sondern eben weil er sich die Freiheit der Entäußerung ganz nimmt! Er weiß um seinen Wert und kann deshalb frei bestimmen, sich zu demütigen. Das ist wichtig. So sollen auch wir einander dienen – nicht als Bespuckte, die das Aschenputtelsyndrom haben („ich bin nichts wert, keiner mag mich, ich armes Würstchen!“), sondern als freie Gottgeliebte, die der Ohnmacht der Liebe und der Entäußerung Jesu nacheifern.
Wir sind als Getaufte Königskinder! Wir sind mit dem kostbarsten Öl Chrisam gesalbt worden! Aber wir dienen und gehen vor dem Anderen freiwillig in die Knie. Wir müssen den Menschen nicht zwanghaft beweisen, dass wir so besonders sind, sondern in der Entäußerung kommt unsere königliche Seele zur Geltung.
Jesus tut einen Sklavendienst und wird am Ende von einem seiner engsten Freunde für den damals aktuellen Sklavenpreis ausgeliefert – für dreißig Silberstücke.
Es ist noch eine weitere Sache anzusprechen, die mit dem Waschen ausgerechnet der Füße zu tun hat. Dass damit pars pro toto gemeint ist, werden wir gleich bei der Reaktion Petri noch thematisieren, hier geht es um ein anderes Zeichen: Wir wissen aus der Schrift, dass das Abschütteln des Staubs von den Füßen ein Zeichen gegen jemanden ist, nämlich als Gerichtsankündigung. Wenn Jesus nun die Füße seiner Apostel wäscht, die gerade das Mahl des Bundes mit ihm gehalten haben, dann erfüllt sich, was Jesus in seiner Himmelsbrotrede in Joh 6,53-54 gesagt hat: „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag.“ Jesus wäscht nach dem Mahl den Aposteln den Staub von den Füßen, das Zeichen des Todes, das Zeichen des ersten Menschen, der aus dem Staub der Erde geschaffen worden ist. Jesus wäscht das Gericht von ihren Füßen, sie werden am Jüngsten Tag nicht verbannt, sondern werden leben! Sie werden den ewigen Tod nicht sterben. So werden sie vom Tod verschont wie die Israeliten in Ägypten.
Als Jesus zu Petrus kommt, um an ihm dieses Zeichen zu tun, weigert er sich. Er sieht nur die Oberfläche und erkennt das Prophetische daran nicht. Jesus erklärt ihm, dass er durch diese Waschung Anteil an Jesus hat. Das Gericht wird an ihm vorübergehen und so wird er auf ewig Teil des Reiches Gottes sein. Dieses Waschen der Füße kann dabei zeichenhaft die Taufe andeuten, die die Einsetzung jedes Christen als Erben im Reich Gottes kennzeichnet, als auch die Beichte, die die Wiederherstellung der Taufgnade erwirkt, wenn man sich auf der Straße bewegt und wieder Staub auf die Füße gelangt. Und gerade die Beichte ist ein Akt der Demütigung, weil wir unsere eigene Erlösungsbedürftigkeit vor Gott bekennen und ihn um Vergebung bitten. Petrus hat dies durch seine Reaktion verdeutlicht. Es passt ihm nicht, dass Jesus vor ihm in die Knie geht. Das auszuhalten, wäre aber ein Akt der Demütigung gewesen. Petrus lernt schnell dazu und so bittet er Jesus, ihn dann auch ganz zu waschen. Jesus erklärt jedoch, dass er schon rein ist, nur die Füße gewaschen werden müssen – die Aposteln sind vor Gott gerecht bis auf Judas Iskariot, der Jesus ausliefern wird, dies schon längst beabsichtigt und deshalb schon voller Sünde ist.
Jesus sagt im Anschluss zu ihnen: „Begreift ihr, was ich an euch getan habe?“ Zuvor haben die Jünger darüber gestritten, wer von ihnen der Größte sei. Jesus hat es ihnen damals schon erklärt, dass das Herrschen in seiner Kirche das Bedienen aller bedeutet. Und heute im Abendmahlssaal zeigt er es ihnen ganz konkret auf durch den klassischen Sklavendienst. Weil Jesus Meister und Herr ist, geht er in die Knie. Und so sollen auch die Aposteln, die eine hohe Stellung in der Kirche haben werden als Augenzeugen und engste Vertraute Jesu vor ihren Gemeindemitgliedern in die Knie gehen. Es geht um das Dienen. Jesus hat ihnen ein Beispiel gegeben und er soll es auch bis heute für uns bleiben. Auch wir sollen stets einander dienen und nicht übereinander herrschen. Es soll nicht um Machtstreitereien gehen, bei denen am Ende jemand über den anderen triumphiert – insbesondere bei kirchenpolitischen Machtkämpfen unserer heutigen Zeit. Es soll darum gehen, sich im gegenseitigen Dienen zu übertreffen, nicht aus Kampfgeist, sondern aus dem Hl. Geist heraus, der die Liebesglut Gottes ist!
Heute wäscht Jesus uns rein vom Staub des alten Menschen. Der Preis, den er dafür aber zahlen muss, ist das dreimalige Fallen in den Staub der Straße mit dem Kreuz auf den Schultern. Dessen werden wir morgen beim Kreuzweg dankbar gedenken. Es ist das Hinabsinken in den Staub des Todes, wie es Psalm 22 ausdrückt, den Jesus am Kreuz beten wird. Er geht in den Tod, damit wir das Leben haben und an uns kein Staubkorn mehr übrig bleibt.
Er wäscht uns, er nährt uns, er tränkt uns. Das ist der Gott des Lebens, der uns liebt. Lassen wir uns von dieser Liebe überschütten und berühren, sodass wir dann voller Dankbarkeit seine Liebe erwidern können mit unserem ganzen Leben.

Die vielen Ansätze heute werden morgen ihre Vollendung finden. Wachen wir heute Nacht mit dem von Todesangst geplagten Jesus. Verstecken wir uns nicht wie die Apostel, sondern gehen den schwierigen Kreuzweg zusammen mit Jesus. Begleiten wir ihn bis unter das Kreuz. Stehen wir mit Johannes und mit Maria dort bei ihm und leisten wir dem sterbenden Jesus am Kreuz unseren Beistand. Nehmen wir alles in unser Herz auf wie seine Mutter, damit wir nie vergessen, was er für uns getan hat.

Ihre Magstrauss

Mittwoch der Karwoche

Jes 50,4-9a; Ps 69,8-9.10 u. 12.21b-22.31 u. 33; Mt 26,14-25

Jes 50
4 GOTT, der Herr, gab mir die Zunge von Schülern, damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort. Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich höre, wie Schüler hören.
5 GOTT, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück.
6 Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und meine Wange denen, die mir den Bart ausrissen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel.
7 Und GOTT, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate.
8 Er, der mich freispricht, ist nahe. Wer will mit mir streiten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer ist mein Gegner im Rechtsstreit? Er trete zu mir heran.
9 Siehe, GOTT, der Herr, wird mir helfen.

Heute hören wir aus dem dritten Gottesknechtslied. Es ist bereits an Palmsonntag verlesen worden und sehr intensiv:
„GOTT, der Herr, gab mir die Zunge von Schülern, damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort.“ Wir müssen es verstehen vor dem Hintergrund der Menschwerdung Gottes. Jesus ist Gott, ist aber durch seine Menschwerdung entäußert worden, das heißt er verzichtete auf seine Gottheit, um die Sünde der Welt zu sühnen. So hat er alles den Menschen vorgelebt und alles so getan, wie die Menschen es tun. Wenn es hier also heißt, „gab mir die Zunge von Schülern“, müssen wir es nicht so verstehen, dass Jesus etwas Neues lernen könnte oder Dinge zuerst nicht weiß und dann zur Erkenntnis kommt. Er weiß schon alles von Anfang an, weil er trotz Entäußerung immer noch Gott ist. Das hebräische Wort für „Zunge“ kann auch mit „Sprache“ übersetzt werden, was vielleicht passender ist: Der Vater hat dem Sohn die Sprache von Schülern gegeben, damit seine Schüler, das heißt seine Jünger, seine Worte verstehen können. Es heißt also, dass Gott die Sprache der Menschen angenommen hat, um sich ihnen zu offenbaren. Er tut es, um die Müden aufzurichten durch ein aufmunterndes Wort. Diese Müdigkeit hat weniger etwas mit physischer Erschöpfung zu tun als vielmehr mit Hoffnungslosigkeit durch Seelenmüdigkeit. Es geht um das Wecken der Menschen, damit sie wachsam werden, damit sie aus der Müdigkeit ihrer langen Warterei auf den Messias erwachen!
Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich höre, wie Schüler hören. Jesus selbst hat gehorsam auf den Vater gehört und nichts gesagt oder getan, was nicht im Einklang mit dem Vater ist.
Er hat auf den Willen des Vaters gehört und es auch durchgehalten selbst in den Angriffen der Menschen: „Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück.“ – So ist es schon den Propheten des Alten Testaments ergangen. Sie haben auf die Stimme Gottes gehört und den Menschen seinen Willen kundgetan, zumeist um den Preis ihres eigenen Lebens. Umso mehr gilt das für den Sohn Gottes selbst, der der Gehorsamste von allen ist.
Jesus hielt wortwörtlich seinen Rücken hin denen, die ihn schlugen. Wie maßlos haben seine Gegner auf ihn eingeschlagen, statt sich an die gebotene Anzahl von Schlägen zu halten, wie sie das Recht vorsieht – sowohl mit Stöcken als auch mit Geißeln! (Wir wissen vom Grabtuch von Turin, dass er über hundert Mal geschlagen worden ist, statt der gebotenen 39 Schläge. Die Römer haben sich nicht daran gehalten).
„Und meine Wange denen, die mir den Bart ausrissen“ – Ja, er wurde ins Gesicht geschlagen durch den Diener der Hohepriesters. Von Privatoffenbarungen wissen wir, wie sehr sie ihm den Bart ausgerissen haben in der Nacht von Donnerstag auf Freitag. Laut diesen Offenbarungen stachen sie ihm sogar Nägel und Spitzen in die Löcher seines ausgerissenen Bartes. Unvorstellbar, was Jesus durchmachen musste! Es geht bei diesem Akt nicht nur um die Schmerzen, sondern auch um die Erniedrigung, die ihm dadurch widerfahren ist.
„Mein Gesicht verbarg ich nicht durch Schmähungen und Speichel.“ Wie oft Jesus wohl auf seinem Kreuzweg zum Golgota von der gaffenden Menge und von den Soldaten angespuckt und beschimpft worden ist? Er ist wirklich behandelt worden wie der schlimmste Verbrecher. Es blieb ihm nicht ein Funken Ehre. Er ist maximal erniedrigt worden, aber dann vom Vater über alle anderen erhöht worden. Stellen Sie sich vor, dass Sie allmächtig wären, über all jenen Peinigern stehen würden, aber alles mit sich machen lassen würden! Sie könnten jederzeit einmal schnipsen und sie alle in die Hölle hinabwerfen, sich vom Kreuz befreien und die ganzen Wunden augenblicklich heilen, weil Sie so allmächtig sind! Für Jesus gilt das alles tatsächlich, weil er Gott ist und doch greift er nicht ein! Er lässt alles mit sich machen, weil er uns so sehr liebt, dass er all das sühnt. So unbegreiflich groß ist seine Liebe!
„Und GOTT, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden.“ Ja, das ist nicht nur ein absolutes Vertrauensbekenntnis, sondern eine regelrechte Ankündigung. Jesus wird nicht in Schande enden, denn am dritten Tag wird er von den Toten auferstehen! Er wird den schandvollsten Tod sterben, aber er wird nicht in ihm bleiben. Der Vater wird ihn auferstehen lassen und über alle anderen erhöhen. Nun hat er ihn wieder zu sich geholt und er sitzt mit Leib und Seele zur Rechten des Vaters.
„Er, der mich freispricht, ist nahe. Wer will mit mir streiten?“ Der Vater spricht seinen Sohn sozusagen frei im Kampf gegen den Bösen, indem er ihn am dritten Tag auferstehen lässt. Der Tod wird überwunden. Er kann im Rechtsstreit nichts mehr unternehmen.
„Siehe, GOTT, der Herr, wird mir helfen.“ Das dürfen auch wir mit Gewissheit beten, denn wie er seinen eigenen Sohn aus den Klauen des Todes gerettet hat, so wird er auch uns retten, die wir nicht nur auf den Tod, sondern auch auf die Auferstehung Jesu Christi hin getauft sind.

Ps 69
8 Denn deinetwegen erleide ich Hohn und Schande bedeckt mein Angesicht.
9 Entfremdet bin ich meinen Brüdern, den Söhnen meiner Mutter wurde ich fremd.
10 Denn der Eifer für dein Haus hat mich verzehrt, die Verhöhnungen derer, die dich verhöhnen, sind auf mich gefallen.
12 Ich legte als Gewand ein Bußkleid an, ich wurde ihnen zum Spottvers.
21 Ich hoffte auf Mitleid, doch vergebens, auf Tröster, doch fand ich keinen.
22 Sie gaben mir Gift als Speise, für den Durst gaben sie mir Essig zu trinken.
31 Ich will im Lied den Namen Gottes loben, ich will ihn mit Dank erheben.
33 Die Gebeugten haben es gesehen und sie freuen sich! Ihr, die ihr Gott sucht, euer Herz lebe auf!

Als Psalm wird heute wieder ein Klagepsalm gebetet, in dem zunächst das Leiden detailliert geklagt wird. Dann kommen mehrere Bittrufe, die in unserem heutigen Abschnitt nicht zu lesen sind, bevor es einen typischen Stimmungsumschwung gibt: Gott wird zum Ende des Psalms gepriesen.
„Denn deinetwegen erleide ich Hohn und Schande bedeckt mein Angesicht.“ Jesus ist dafür ausgeliefert und elendig getötet worden, dass er den Menschen gezeigt hat, wie der Vater ist. Er hat das Reich Gottes verkündigt mit göttlicher Vollmacht. Dafür ist er so schandvoll wie nur möglich gestorben.
„Entfremdet bin ich meinen Brüdern, den Söhnen meiner Mutter wurde ich fremd.“ Wir wissen von den Evangelien her, dass Jesu Großfamilie ihn von der Verkündigung abhalten wollte und sogar sagte: „Er ist von Sinnen.“ Seine biologischen Verwandten haben ihn nicht verstanden. Vielmehr hat Jesus gesagt, dass jene, die den Willen seines Vaters tun, seine wahre Familie sind. Maria, seine biologische Mutter, war die allererste Jüngerin und so lag der Idealfall vor: Biologie und geistige Gesinnung waren eins!
„Denn der Eifer für dein Haus hat mich verzehrt, die Verhöhnungen derer, die dich verhöhnen, sind auf mich gefallen.“ Das ist ein besonderer Vers, denn dies zitiert Johannes für Jesu Tempelreinigung. Es hat sich mit Jesus erfüllt. Aus Eifer für das Haus Gottes hat er die Händler aus dem Tempel vertrieben, die es zur Räuberhöhle gemacht haben. Dieser Eifer ist uns schon durch die Episode verdeutlicht worden, in der Jesus als Zwölfjähriger im Tempel zurückbleibt und mit den Ältesten und Schriftgelehrten debattiert. Als seine Eltern ihn voller Sorge im Tempel wiederfinden und ihn auf diese Aktion ansprechen, antwortet er ihnen: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ Der Eifer für das Haus Gottes ist nicht nur auf einen irdischen Bau beschränkt. Vielmehr geht es ihm schließlich um das Reich Gottes, um das Himmelreich, dass des Vaters eigentliches Haus ist! Und für eben jene Botschaft vom Reich Gottes ist er verhöhnt worden. Damit haben die Spötter auch den Vater im Himmel verspottet, denn Jesus und der Vater sind eins.
„Ich legte als Gewand ein Bußkleid an“ – dies müssen wir bildlich verstehen, denn von Jesu Kleidung ist explizit nicht die Rede (nur am Ende, als es um sein durchgewebtes Untergewand geht). Die Buße ist Jesu „Gewand“ im Sinne der Verpackung. Es gehört zum Programm der Verkündigung und ist deren Kern. Bei seinem Antritt sagt Jesus in Mk 1,15: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe, kehrt um und glaubt an das Evangelium. Doch die wirklich Einflussreichen haben sich nicht bekehrt trotz der vielen vielen Chancen, Signale und Zeichen.
„Ich hoffte auf Mitleid“ – Jesus hat sich selbst dahingegeben, damit die harten Herzen der Menschen erweicht werden. Wie viele sind doch hart geblieben, obwohl er für sie gestorben ist!
„Sie gaben mir Gift als Speise“ – das erinnert uns an die verschiedenen Getränke, die sie Jesus angeboten haben. Das Wein-Myrrhe-Gemisch hat er abgelehnt, weil es ein Betäubungsmittel war und Jesus ganz für uns leiden wollte, das zweite sollte seinen Todesprozess verlängern und war Essig. Man kann durchaus von Gift sprechen, denn gesund war es sicherlich nicht….
„Ich will im Lied den Namen Gottes loben, ich will ihn mit Dank erheben.“ Mit dem Stimmungsumschwung wird auch für uns deutlich: Nach dem Leiden kommt das Heil. Nach Karfreitag kommt Ostern. Nach der Dunkelheit des Todes kommt das Licht des Lebens. Es gibt bei Gott immer ein Happy Ending, auch wenn es noch so weit weg erscheint. Gott wendet alles zum Guten, nur müssen wir ihm ganz vertrauen, egal, wie unwahrscheinlich es zu sein scheint.
„Die Gebeugten haben es gesehen und sie freuen sich! Ihr, die ihr Gott sucht, euer Herz lebe auf!“ Nicht nur Jesus, der am tiefsten Gebeugte, ist Zeuge für dieses Happy Ending. Auch die vielen vielen Märtyrer, die Johannes in der Offenbarung geschaut hat, die Apostel, die Glaubensvorbilder, sie alle sind mit einer unerschütterlichen Hoffnung in den Tod gegangen und wir glauben, dass sie direkt bei Gott sind und in der ewigen Anschauung seiner Herrlichkeit sein dürfen. Dies erwartet auch uns, wenn wir bis zum Schluss standhaft sind.

Mt 26
14 Darauf ging einer der Zwölf namens Judas Iskariot zu den Hohepriestern

15 und sagte: Was wollt ihr mir geben, wenn ich euch Jesus ausliefere? Und sie boten ihm dreißig Silberstücke.
16 Von da an suchte er nach einer Gelegenheit, ihn auszuliefern.
17 Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote gingen die Jünger zu Jesus und fragten: Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten?
18 Er antwortete: Geht in die Stadt zu dem und dem und sagt zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist da; bei dir will ich mit meinen Jüngern das Paschamahl feiern.
19 Die Jünger taten, wie Jesus ihnen aufgetragen hatte, und bereiteten das Paschamahl vor.
20 Als es Abend wurde, begab er sich mit den zwölf Jüngern zu Tisch.
21 Und während sie aßen, sprach er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich ausliefern.
22 Da wurden sie sehr traurig und einer nach dem andern fragte ihn: Bin ich es etwa, Herr?
23 Er antwortete: Der die Hand mit mir in die Schüssel eintunkt, wird mich ausliefern.
24 Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn ausgeliefert wird! Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre.
25 Da fragte Judas, der ihn auslieferte: Bin ich es etwa, Rabbi? Jesus antwortete: Du sagst es.

Im heutigen Evangelium wird uns davon berichtet, wie Judas Iskariot Jesus an die Hohepriester verkauft. Der Deal geht von ihm selbst aus, indem er die Hohepriester aufsucht und als erstes einen Preis aushandelt. Darum geht es ihm vor allem. Er ist geblendet von seiner Habgier. Uns ist von den Evangelien bekannt, dass er ein Dieb ist, weil er als Kassenwart die Einkünfte veruntreut. Sein Herz schlägt für Geld. Und dann? Dann wollen die Hohepriester ihm den damaligen Preis für Sklaven auszahlen! Dreißig Silberstücke für den leidenden Gottesknecht….
Dann ist es soweit, dass das große Wallfahrtsfest gekommen ist und die Vorbereitungen für das Paschamahl getroffen werden.
Die Jünger bereiten alles dafür vor und dann wird uns davon berichtet, wie sie zu Tisch liegen.
Jesus sagt den Jüngern nun, dass einer von ihnen ihn verraten wird. Jesus weiß schon längst, wer es ist. Er könnte noch alles aufhalten, doch er weiß, dass es so geschehen muss. Er spricht es dennoch an, denn er möchte Judas noch eine letzte Chance geben, umzukehren.
Ganz aufgeregt fragen die Apostel Jesus, ob sie es sind. Dann gibt Jesus als Antwort den Code an, über den ich gestern schon gesprochen habe nach der Johannesversion: Er gibt hier einen Code aus Ps 41 wieder, wo es heißt, dass der Verräter vom selben Brot isst wie der Ausgelieferte. So soll den Jüngern nämlich klargemacht werden, dass die Schrift es schon angekündigt hat und dieser Verrat geschehen muss.
Dies erklärt Jesus dann auch, wenn er sagt: „Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt.“ Es muss geschehen, sonst kann Jesus nicht die Welt erlösen. Und als Petrus einige Kapitel zuvor die Leidensankündigung zurückweist (das muss verhütet werden), da vertrieb Jesus sogar den Satan, der hinter solchen Aussagen steckt. Es muss geschehen, nur so kommt das Heil. Das heißt aber nicht, dass es gut ist, der Verräter zu sein. Deshalb spricht Jesus diese sehr harten Worte (es wäre für ihn besser, wenn er nie geboren wäre). Jesus, den Sohn Gottes zu verraten, ist die schlimmste Sünde, die man tun kann. Deshalb spricht Jesus so drastische Worte. Judas soll wachgerüttelt werden und nicht nur er, sondern auch die anderen. Denn Petrus wird Jesus ebenso verraten. Wir sehen ja, dass diesem aber vergeben wird, weil er von Herzen seinen Verrat bereut. Judas wäre auch vergeben worden, wenn er die Vergebung angenommen hätte. Wir sehen also, dass Jesu Worte nicht wirklich bedeuten, dass Judas nie geboren werden sollte.
Judas fühlt sich wohl auch angesprochen und die Worte haben gesessen. Er fragt gerade heraus: „Bin ich es etwa, Rabbi?“ Jesus nimmt kein Blatt vor den Mund und antwortet ihm mit „du sagst es“. Er weiß, was Judas im Schilde führt. Auch Judas weiß nun, dass Jesus alles durchschaut hat. Und doch nutzt Judas diese Chance zur Umkehr nicht. Er zieht seinen Plan durch und so wird Jesus dennoch ausgeliefert.
Es ist eine tragische Geschichte, weil sie tragisch für Judas endet. Hätte er doch so gehandelt wie Petrus! Wie wichtig ist es auch für uns, auf Gottes Barmherzigkeit zu vertrauen und diese anzunehmen! Wie sehr redet der Satan auch uns ein, dass unsere Sünde ja so schlimm ist, dass Gott uns nie verzeihen würde! Egal wie groß die Sünde auch sein mag: Gottes Vergebung ist immer stärker. Sie wird uns zuteil, wenn wir von Herzen unsere Sünde bereuen, sie bekennen, Gott versprechen, sie nie wieder zu tun, sie wiedergutzumachen. Nutzen wir diese Barmherzigkeit wirklich ganz und bereiten wir uns auf eine gute Beichte vor! Gott ist bereit, uns von Herzen zu vergeben, selbst wenn wir ihn verraten haben!

Ihre Magstrauss

Dienstag der Karwoche

Jes 49,1-6; Ps 71,1-2.3.5-6.15 u. 17; Joh 13,21-33.36-38

Jes 49
1 Hört auf mich, ihr Inseln, merkt auf, ihr Völker in der Ferne! Der HERR hat mich schon im Mutterleib berufen; als ich noch im Schoß meiner Mutter war, hat er meinen Namen genannt.
2 Er machte meinen Mund wie ein scharfes Schwert, er verbarg mich im Schatten seiner Hand. Er machte mich zu einem spitzen Pfeil und steckte mich in seinen Köcher.
3 Er sagte zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, an dem ich meine Herrlichkeit zeigen will.
4 Ich aber sagte: Vergeblich habe ich mich bemüht, habe meine Kraft für Nichtiges und Windhauch vertan. Aber mein Recht liegt beim HERRN und mein Lohn bei meinem Gott.
5 Jetzt aber hat der HERR gesprochen, der mich schon im Mutterleib zu seinem Knecht geformt hat, damit ich Jakob zu ihm heimführe und Israel bei ihm versammelt werde. So wurde ich in den Augen des HERRN geehrt und mein Gott war meine Stärke.
6 Und er sagte: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, nur um die Stämme Jakobs wieder aufzurichten und die Verschonten Israels heimzuführen. Ich mache dich zum Licht der Nationen; damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht.

Die heutige Lesung, die wir hören, ist wieder einem der Gottesknechtslieder entnommen, diesmal dem zweiten.
Es beginnt mit einer Aufforderung zum Hören auf den Propheten. Er spricht die „Inseln“ an und erklärt direkt im Anschluss, dass damit die „Völker in der Ferne“ gemeint sind. Das hebräische Wort לְאֻמִּ֖ים l’ummim bezieht sich dabei auf keine bestimmte Art von Volk (gemäß der sonstigen Abgrenzung von jüdisch und nichtjüdisch). Es heißt, dass nun eine universale Botschaft kommt, die allen gilt, auch jenen in der absoluten Peripherie.
„Der HERR hat mich schon im Mutterleib berufen; als ich noch im Schoß meiner Mutter war, hat er meinen Namen genannt.“ Es bezieht sich wörtlich verstanden zunächst auf den Propheten selbst, denn Gott hat so wie für jeden Menschen schon einen Heilsplan bereit, bevor er überhaupt erst geboren wird. Es bezieht sich auch auf Gottes auserwähltes Volk, auf Israel. Das ist eine absolute Vertrauensbekundung und Trostbotschaft des Geborgenseins ganz in Gott. Es ist aber auch auf Jesus zu beziehen, der vor Anfang der Schöpfung schon Sohn Gottes war und schon vor Beginn der Zeit sein Erlösungsplan feststand. Es bezieht sich auf die gesamte Menschheit, deren Erlösungsplan schon vor ihrem Hervorgehen feststand, vor allem der Neue Bund war schon längst geplant, durch den wir alle die Herrlichkeit Gottes schauen dürfen – durch den Taufbund. Deshalb ist sie heilsnotwendig. Und es bezieht sich auf jeden einzelnen Menschen, mit dem Gott seinen ganz besonderen Plan hat.
Gott hat uns schon beim Namen genannt, bevor unsere Eltern es getan haben. Er kennt uns schon, bevor wir beginnen, zu existieren. Das ist so eine tröstliche Botschaft, weil wir uns dann auf seinen absoluten Heilswillen verlassen können. Er wird uns deshalb nichts aufbürden oder geben, was uns nicht passt oder was uns zu viel ist.
„Er machte meinen Mund wie ein scharfes Schwert“ – an dieser Stelle werden verschiedene Waffenbilder verwendet, um zu umschreiben, dass zunächst wörtlich verstanden der Prophet Jesaja zum Werkzeug des Kampfes Gottes wird. Dieser Kampf ist vor allem ein geistiger. Das scharfe Schwert ist dahingehend besonderes auffällig, weil es uns in der gesamten Bibel immer wieder begegnet und eine typologische Entsprechung mit Christus selbst erhält. In der Johannesoffenbarung sieht Johannes sogar, dass aus Jesu Mund dieses Schwert herauskommt und zum Ende hin sieht er Jesus als Feldherrn mit dem Namen „das Wort Gottes“. Das Wort Gottes ist die Waffe, kein echtes Schwert, mit dem man Menschen tötet. Das Wort Gottes spaltet alles bis ins innerste Mark. Damit ist aber die Seele gemeint. Denn es bewirkt einen inneren Kampf. So kämpft Jesaja durch die Hl. Schrift gegen jene, die sich nicht daran halten. Er deckt die Missstände auf, die verdorbenen Herzen und die schweren Sünden des Volkes. Und so wird es auch Jesus tun. Er ist das fleischgewordene Wort Gottes. Seine bloße Anwesenheit provoziert jene, die sich hinter dem Gesetz verstecken und ihre Verdorbenheit bisher gut verbergen konnten. Jesus „seziert“ die Seelen der Menschen und so wird alles offengelegt. Es schmerzt vor allem da, wo entzündetes Gewebe, kranke Organe, ein kranker Organismus ist. Wer die Heilung annimmt, wird gesund, wer es nicht annimmt, stirbt an einer seelischen Sepsis. Mit seinem Heimgang zum Vater hinterlässt Jesus dieses Schwert seiner Kirche in Wort und Sakrament. Sie kämpft bis heute mit dieser Waffe und seziert die Seelen der Menschen. Damit ist sie der Gesellschaft zu jeder Zeit ein Dorn im Auge, denn der Mensch möchte seine Verdorbenheit nicht preisgeben. Er möchte auch nicht geheilt werden, weil die Behandlung schmerzhaft ist und er seine Lebensgewohnheiten umstellen muss. Lieber stirbt er den seelischen Tod, als sich behandeln zu lassen. Wir sehen an den schlimmen Christenverfolgungen unserer heutigen Zeit, dass die Abwehr gegen das Wort-Gottes-Schwert heutzutage besonders stark ist. Tendenz steigend. Am Ende der Zeiten wird es zum ultimativen Kampf kommen, doch es wird eher eine Abrechnung Christi mit den bösen Mächten sein, die blitzschnell überwältigt und besiegt werden. Dann wird es keiner Waffen mehr bedürfen, denn dann wird ewige Triumphfeier sein.
Vers 3 erinnert uns an die Worte, die wir am Fest der Taufe des Herrn gehört haben. Anders ist an dieser Stelle die direkte Adressierung des Gottesknechts („du bist“ statt „das ist“). Es wird auch expliziter gesagt, wer damit gemeint ist: „Du….Israel“. An dieser Stelle wird es auf Jakob bezogen, der den Namen Israel erhalten hat. Man kann darunter auch das Kollektiv Israel verstehen, d.h. die zwölf Stämme Israels. In dieser wörtlichen Leserichtung möchte Gott seinem auserwählten Volk seine Herrlichkeit zeigen. Das ist es, was Gott immer wieder tut und was für ihn bezeichnend ist – die Selbstoffenbarung. Diese gipfelt auf dem Höhepunkt der Heilsgeschichte mit dem Kommen seines Sohnes, der schließlich am Kreuz sterben wird. Nach drei Tagen wird er auferstehen und dadurch Gottes Herrlichkeit offenbaren. Am Ende der Zeiten wird er in Herrlichkeit wiederkommen, um die Lebenden und die Toten zu richten. Dann wird Gott seine Herrlichkeit unverschleiert offenbaren, wie sie ist. Lesen wir den Knecht Israel christologisch, dann ist es Jesus, dem Gott durch die Auferstehung seine Herrlichkeit zeigt.
Im Laufe der Heilsgeschichte wird der Adressat der göttlichen Offenbarung immer weiter ausgeweitet, sodass mit Jesus die ganze Welt zum Zeugen wird. Das auserwählte Volk, „Israel“ meint dann nicht mehr wörtlich die zwölf Stämme, sondern die ganze Welt.
In Vers 4 spricht das Volk Israel nun eine Art Bekenntnis, in dem es heißt: „Vergeblich habe ich mich bemüht, habe meine Kraft für Nichtiges und Windhauch vertan. Aber mein Recht liegt beim HERRN und mein Lohn bei meinem Gott.“ Bezieht man es auf das Volk Israel, kann man es als reumütiges Bekenntnis verstehen, in dem das Volk die Verschwendung der Ressourcen für Unwichtiges zugibt. Es kann aber auch die Klage darüber sein, dass Israel vermeintlich erfolglos für die Sache Gottes gewesen ist. In diesem Sinne kann man es vor allem auf Jesaja beziehen und weitergedacht auf Jesus, den leidenden Gottesknecht, der scheinbar verliert. Mit Ostern wird sich das Blatt aber wenden und wir erkennen, dass garnichts umsonst war! Und so können wir dieses Bekenntnis auch auf die Kirche anwenden, die einerseits ihr Leid über die ausbleibenden Früchte klagt, andererseits vor Gott bekennt, ihre Energie in die falschen Dinge gesteckt zu haben. Zweiteres müsste sie heutzutage besonders laut tun…
Ab Vers 5 wechselt die Perspektive, sodass der Gottesknecht selbst spricht. Der Knecht ist im Mutterleib von Gott geformt worden, d.h. er ist auserwählt von Anfang an. Sein Auftrag besteht dabei in der Heimführung Israels/Jakobs zu Gott. Lesen wir dies wörtlich-historisch, denken wir an einen König oder noch eher an einen Propheten, der zur Umkehr des auserwählten Volkes beiträgt. Seine Berufung steht schon fest, noch bevor er geboren wird. In dieser Hinsicht findet er beim HERRN Ehre und hat seine Stärke in Gott. Während die Ehre bei Gott durch eine Zukunftsform ausgedrückt wird (וְאֶכָּבֵד we’ekaved), stellt das Haben der Stärke in Gott eine Vergangenheitsform dar (הָיָ֥ה hajah). Gott WAR also die Stärke des Knechts, aber er wird ihn noch verherrlichen (es ist im Hebräischen dasselbe Wortfeld, das auch sonst für „Ehre“ gebraucht wird und im Griechischen durch δόξα doxa ausgedrückt wird, lateinisch gloria). Dies alles macht also Sinn, wenn wir mit dem Gottesknecht Jesus Christus identifizieren. Er wird am Ende der Zeiten als verherrlichter Menschensohn wiederkommen. Er ist zum Vater heimgekehrt, um verherrlicht zu werden. Zur Zeit des zweiten Gottesknechtsliedes steht es aber noch aus. Auch uns gelten diese Worte. Wir sind Knechte und Mägde des Herrn, die wir getauft worden sind. Auch uns hat der HERR dadurch schon verherrlicht, was wir aber erstens im Laufe unseres Lebens verlieren können, zweitens wird unsere Herrlichkeit erst am Ende der Zeiten offenbar.
Versuchen wir, die wörtliche Bedeutung des Verses 5 noch weiter zu verstehen, damit wir die Hoffnungsbotschaft für die Juden erkennen: Israel heimzuführen meint wörtlich gelesen zunächst die Heimführung aus dem babylonischen Exil. Die Juden haben also auch an dieser Stelle an eine königliche Figur gedacht, die eine politische Befreiung erzielen soll. Die Heimführung zu Gott bezieht sich dann auf sein gelobtes Land, also auf einen irdischen Ort. Christologisch gesehen gehen wir aber darüber hinaus: Jesus ist gekommen, um das auserwählte Volk zu Gott zurückzuführen. Er hat Sühne geleistet, um das Exil Israels zu beenden – nicht nur aus dem babylonischen Exil, sondern das viel schlimmere und aussichtslosere Exil außerhalb des Paradieses! Er ist gekommen, um die Söhne Israels zu Gott ins Himmelreich heimzuführen! Er macht damit wieder gut, was der erste Mensch verschuldet hat.
In Vers 6 legt das Gottesknechtslied noch einen drauf. Spätestens jetzt merkt man, dass der Gottesknecht nicht einfach ein politischer Herrscher oder ein Prophet sein kann. Denn er wird nicht nur zum Heimführer der „Verschonten“ Israels (die das Exil und die Fremdherrschaft bis dahin überlebt haben), sondern zum „Licht der Nationen“ (לְאֹ֣ור גֹּויִ֔ם le’or gojim). Der Gottesknecht bringt das Heil ALLEN Menschen, auch den Nichtjuden! Jesus ist wirklich das Licht, von dem vor allem das Johannesevangelium immer wieder spricht. Gott hat einen wunderbaren Plan und dieser wird schon 700 Jahre vor der eigentlichen Umsetzung dem Propheten Jesaja eingegeben! Gott will sein Heil יְשׁוּעָתִ֖י jeschuato – seinen Jesus – bis an die Enden der Erde bringen. Dazu möchte er die Menschen miteinbeziehen, die seine Jünger sind. Jesus wird vor seinem Heimgang zum Vater zu den Aposteln sagen: „Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,19). Jesus führte schon zu seinen Lebzeiten die Menschen zum Vater, indem sie umkehrten. Er trug seinen Jüngern auf, die Gemeinschaft der Gläubigen zu sammeln, dass sie zum Vater „heimkommen“ in die Kirche, die das angebrochene Reich Gottes auf Erden darstellt. Durch die Kirche steht ihnen die Heimführung zum Vater nach ihrem Tod bereit und am Ende der Zeiten werden alle Menschen, die den Herrn angenommen haben, auf ewig im himmlischen Jerusalem zuhause sein. Das Heil Gottes ist dann an den Grenzen/Enden der Erde auch im eschatologischen Sinn: das Ende der alten Schöpfung und der Anfang der neuen, die Johannes in der Offenbarung schon gesehen hat.

Ps 71
1 Bei dir, o HERR, habe ich mich geborgen, lass mich nicht zuschanden werden in Ewigkeit!
2 Reiß mich heraus und rette mich in deiner Gerechtigkeit! Neige dein Ohr mir zu und hilf mir!
3 Sei mir ein schützender Fels, zu dem ich allzeit kommen darf! Du hast geboten, mich zu retten, denn du bist mein Fels und meine Festung.
5 Denn du bist meine Hoffnung, Herr und GOTT, meine Zuversicht von Jugend auf.
6 Vom Mutterleib an habe ich mich auf dich gestützt, aus dem Schoß meiner Mutter hast du mich entbunden, dir gilt mein Lobpreis allezeit.
15 Mein Mund soll von deiner Gerechtigkeit künden, den ganzen Tag von deinen rettenden Taten, denn ich kann sie nicht zählen.
17 Gott, du hast mich gelehrt von Jugend auf und bis heute verkünde ich deine Wunder.

Der heutige Psalm ist ein Bittpsalm, bei dem Gott um Schutz und Rettung gebeten wird. Er beginnt jedoch mit einer Vertrauensbekundung („Bei dir, o HERR, habe ich mich geborgen“). Es ist die Zusage König Davids, der wirklich in jeder Lebenslage Gott vertraut hat. Wir können es weiterlesen und auf Jesus Christus beziehen, der mit den Psalmworten zu seinem Vater gebetet hat vor seinem Tod. Er hat während seines gesamten irdischen Daseins immer wieder seine innige Beziehung zum Vater gezeigt, der ihn nun nicht im Stich lassen soll. Dies wird sein Gebet im Garten Getsemani vor seiner Verhaftung gewesen sein. Es wird seine Lippen bis zum letzten Atemzug am Kreuz nicht verlassen haben, selbst als er sich ganz alleingelassen fühlte. Wir lesen im Lukasevangelium, dass Jesus dann sagen wird: „Vater, in deine Hände lege ich mein Leben.“ Es ist ein weiteres Psalmwort, das Jesu absolute Vertrauensbekundung ausdrückt. Und auch wir dürfen so beten, vor allem durch das Gebet, das Jesus uns beigebracht hat – das Vaterunser. Da bitten wir ja zunächst nicht, sondern preisen den Vater. Erst dann kommen die Bitten, die unser Leben betreffen. Dort heißt es ja: Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von den Bösen. Dies ist natürlich nicht nur auf die Erdenzeit beschränkt, sondern es soll eine umfassende Erlösung sein, damit wir auf ewig nicht zuschanden werden.
„Reiß mich heraus“ bezieht sich auf allerlei Nöte. David selbst hat so einige existenzielle Nöte erfahren, von der Verfolgung Sauls bis hin zur Verfolgung seines eigenen Sohnes Abschalom. Jesus Christus wird diese Worte ein wenig anders formulieren und zugleich seinen eigenen Willen dem des Vaters unterstellen: Herr, nimm diesen Kelch von mir, aber nicht mein, sondern dein Wille geschehe. So sollen auch wir beten. Selbstverständlich sollen wir Bittgebete formulieren, immer wieder. Jesus hat uns ermutigt mit den Worten: „Bittet, dann wird euch gegeben.“ Gleichzeitig sollen wir das letzte Wort Gott überlassen, auch das Wann und das Wie. Wir sollen also bitten unter dem Vorbehalt, „wenn du willst“. So hat schon der Aussätzige im Evangelium gebetet, als er Jesus um Heilung bat. „Neige dein Ohr mir zu“ ist bildhaft zu verstehen, da Gott kein Ohr hat. Es meint Gottes Gehör, das keinen Klageschrei überhört – weder damals in Ägypten noch in Babylon, noch in heutiger Zeit! Gottes Zorn und sein gerechtes Gericht sind ein Beweis dafür, dass Gott das Leiden seiner geliebten Menschen nicht ignoriert. Allem wird er in seiner Gerechtigkeit nachgehen und richtigstellen. Gericht ist also nichts Schlechtes, sondern Zeichen der Barmherzigkeit Gottes!
Das Wortfeld „retten“ wird auch hier wiederum mit der hebräischen Wurzel ישׁע ausgedrückt wie der Name Jesu. Dieser Psalm umfasst die Bitte um die Befreiung des Volkes aus der Hand des Feindes. Das Volk schreit um Erlösung und Gott ist so barmherzig, dass er sein Schreien hört. Obwohl die Propheten erklären, dass die Zeiten der Fremdherrschaft Konsequenz ihrer eigenen Sünden, vor allem ihres Götzendienstes sind. Und doch lässt Gott seine untreue Braut nicht im Stich, sondern sendet ihr Menschen wie Simson oder David, die die Feinde besiegen. Letztendlich sind solch heilsgeschichtliche Gestalten Gottes Antwort auf die Bitten des Volkes. Gott selbst vollbringt hier seine göttlichen Heilstaten.
Für Bittpsalmen ist bezeichnend, dass der Beter die Gründe aufzählt, weshalb Gott helfen soll, besonders auch die vergangenen Heilstaten. „Vom Mutterleib an habe ich mich auf dich gestützt“ zeigt, dass der Beter um Gottes Beistand ruft, weil er seine Gebote befolgt. Wir denken an die Worte des Gottesknechtsliedes, wo Gott diese Zusage dem Propheten Jesaja und dem gesamten Volk Israel macht. Wir denken auch an König David, dem wir diesen Psalm zuschreiben und der von Anfang an in der Gunst Gottes stand. Dass wir im Stand der Gnade alles von Gott erbitten dürfen, wird uns später auch Jesus erklären (als Rebe am Weinstock, dem Bild für diesen Stand der Gnade): Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten (Joh 15,7).
Unser Auftrag ist es, Gottes große Taten zu verkünden, wie es der Psalm auch sagt. Er ist es, der uns alles lehrt und dem wir unser Leben lang zurückgeben sollen, nicht aus Zwang, sondern aus Liebe.

Joh 13
21 Nach diesen Worten wurde Jesus im Geiste erschüttert und bezeugte: Amen, amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich ausliefern.
22 Die Jünger blickten sich ratlos an, weil sie nicht wussten, wen er meinte.
23 Einer von den Jüngern lag an der Seite Jesu; es war der, den Jesus liebte.
24 Simon Petrus nickte ihm zu, er solle fragen, von wem Jesus spreche.
25 Da lehnte sich dieser zurück an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist es?
26 Jesus antwortete: Der ist es, dem ich den Bissen Brot, den ich eintauche, geben werde. Dann tauchte er das Brot ein, nahm es und gab es Judas, dem Sohn des Simon Iskariot.
27 Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, fuhr der Satan in ihn. Jesus sagte zu ihm: Was du tun willst, das tue bald!
28 Aber keiner der Anwesenden verstand, warum er ihm das sagte.
29 Weil Judas die Kasse hatte, meinten einige, Jesus wolle ihm sagen: Kaufe, was wir zum Fest brauchen! oder Jesus trage ihm auf, den Armen etwas zu geben.
30 Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, ging er sofort hinaus. Es war aber Nacht.
31 Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht und Gott ist in ihm verherrlicht.
32 Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen und er wird ihn bald verherrlichen.
33 Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ihr werdet mich suchen, und was ich den Juden gesagt habe, sage ich jetzt auch euch: Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht gelangen.
36 Simon Petrus fragte ihn: Herr, wohin gehst du? Jesus antwortete ihm: Wohin ich gehe, dorthin kannst du mir jetzt nicht folgen. Du wirst mir aber später folgen.
37 Petrus sagte zu ihm: Herr, warum kann ich dir jetzt nicht folgen? Mein Leben will ich für dich hingeben.
38 Jesus entgegnete: Du willst für mich dein Leben hingeben? Amen, amen, ich sage dir: Noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.

Das Evangelium führt uns in diesen Tagen immer näher zum Kreuz. Heute hören wir eine Perikope, die sich direkt an die Fußwaschung im Abendmahlssaal anschließt. Jesus spricht Abschiedsworte, die die Apostel noch nicht ganz verstehen, aber sehr bald schmerzlich realisieren werden.
Jesus ist erschüttert. Die grammatikalische Form zeigt, dass er es zuerst nicht ist und dann in Bestürzung gerät. Es bricht ihm das Herz und deshalb bestürzt es ihn, was er nun auch ankündigt: Einer seiner engsten Freunde wird ihn verraten. Wir müssen uns Jesu emotionale Reaktion sehr zu Herzen nehmen. So reagiert Jesus auf jeden Menschen, der sich gegen Gott versündigt. Es ist jedesmal ein Verrat Gottes. Und auch dann ist er bestürzt, weil wir alle durch den Taufbund zu seinen ganz engen Freunden werden, ja zu seinen Familienmitgliedern. Je näher man sich steht, desto mehr trifft der Verrat den Menschen. Jesus weint auch über mich und ist ganz erschüttert über jede einzelne Liebesablehnung.
Die Jünger sind verwirrt und wissen nicht, wer von ihnen so etwas Schreckliches tun sollte. Petrus gibt Johannes ein Zeichen, der sich mit Jesus eine Liege teilt und der auch sonst ganz nah an Jesu Herz weilt im übertragenen Sinn. Er fragt ihn und dieser antwortet mit einem Code, den alle verstehen: „Der ist es, dem ich den Bissen Brot, den ich eintauche, geben werde.“ Jesus tut es und gibt das Stück Judas Iskariot, der es entgegennimmt. Diese Geste muss schriftkundigen Juden bekannt sein, denn es ist eine Anspielung an Ps 41,10: „Auch mein Freund, dem ich vertraute, der mein Brot aß, hat die Ferse gegen mich erhoben.“ Warum antwortet Jesus mit so einem Schriftwort, statt einfach zu sagen: „Judas wird mich verraten“? Schließlich wird er dies am Ende des Evangeliums unverblümt zu Petrus sagen. Er tut es, weil er den Aposteln die Erfüllung der Hl. Schrift verdeutlichen möchte und dass alles, was nun kommt, so geschehen muss.
Jesus gibt Judas eine letzte Chance, als er ihm den Bissen hinhält. Er hat Judas‘ böse Absichten ja freigelegt und dieser könnte in diesem Augenblick bereuen und alles ablegen. Der Satan hat ihn aber schon so sehr bearbeitet, dass dieser die letzte Chance nicht mehr nutzt, sondern den Bissen bereitwillig annimmt. Weil er hartnäckig an der schweren Sünde festhält, fährt der Satan in ihn. Lesen Sie, was Exorzisten über die häufigsten Ursachen von Besessenheit schreiben. Ein ganz großer Faktor besteht in genau diesem verstockten Zustand des Festhaltens an der Todsünde.
Wenn Jesus nun sagt: „Was du tun willst, das tue bald!“, dann kann man es entweder auf Judas selbst beziehen oder auf den Satan in ihm! Jesus kann diesem ja Befehle erteilen und schließlich bewegt sich der Teufel im Heilsradius Gottes. Selbst seine Machenschaften wendet Gott zum Heil. Würde die folgende Auslieferung nicht geschehen, könnte Jesus die Welt nicht erlösen.
Die anderen Aposteln verstehen Jesu Worte nicht und denken, Judas soll sich als Kassenwart mit irgendwelchen Einkäufen beeilen. Haben die Apostel die Geste Jesu nicht verstanden, als er Judas den Bissen überreichte oder wollten sie es nicht wahrhaben, was so unvorstellbar grausam sein musste?
Als Judas hinausgeht, ist es Nacht. Diese Bemerkung ist nicht einfach auf die Tageszeit zu beziehen, denn wir wissen ja, dass es sich um ein Abendmahl handelt. Das heißt, es muss schon dunkel sein, als sie mit dem Mahl fertig sind. Es geht vielmehr um die seelische Nacht des abgefallenen Apostels. Seine Seele gehört dem Satan, der die Nacht ist. Jesus dagegen ist der Messias, der aus dem Osten aufsteigt und somit die Sonne der Gerechtigkeit ist, die Morgenröte.
Als Judas weg ist, spricht Jesus von seiner Verherrlichung durch den Vater. Er spricht davon, weil sie unmittelbar bevorsteht und Jesus ja schon längst verherrlicht ist. Diese Verherrlichung ist nur verborgen und wird an Ostern offenbar – aber selbst da ist es noch nicht die vollkommene Offenbarung seiner Herrlichkeit. Diese wird erst am Ende der Zeiten mit seiner Rückkehr vonstatten gehen.
„Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ihr werdet mich suchen, und was ich den Juden gesagt habe, sage ich jetzt auch euch: Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht gelangen.“ Jesus will seine Apostel schon für seinen Tod sensibilisieren. Mit seinem Tod wird seine Seele von der irdischen Welt gehen und deshalb können seine Jünger ihm dorthin nicht folgen, zumindest noch nicht. Petrus fragt nach (Vers 36) und Jesus wird ihm ankündigen, dass er diesen Weg später auch gehen wird (wenn er nämlich stirbt. Petrus lässt aber nicht locker, denn er ist immer ganz schnell im Sprechen und nimmt auch manchmal den Mund zu voll in seiner Selbstüberschätzung. Er sagt sogar, dass er Jesus sein Leben hingeben will. An sich sind das sehr lobenswerte Worte, doch Jesus sieht, dass es anders kommen wird. So sagt er ihm unverblümt ins Gesicht: „Amen, amen, ich sage dir: Noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“ Jesus tut es, um Petrus aus seiner Selbstüberschätzung herauszuholen. Petrus braucht das, um demütig zu werden und seine eigene Erlösungsbedürftigkeit zu erkennen. Dies fiel ihm schon bei der Fußwaschung schwer, weil sein Hochmut ihn daran hindert. Er braucht einen Fall, um vom hohen Ross herunter zu kommen. So wird passieren, was Jesus ihm vorhergesagt hat. Petrus wird es auch sofort erkennen und bitterlich weinen – nicht nur in dieser Situation, sondern sein ganzes restliches Leben lang. Er wird es von Herzen bereuen und endlich realisieren, wie er wirklich ist. Und dann wird er demütigen Herzens wirklich sein Leben für Jesus hingeben. Er wird sogar wie Jesus gekreuzigt werden, sogar kopfüber.

Jesus ist das Herz so sehr gebrochen worden. Er musste so viele Verrate erleiden und wird sich bis zum Kreuz im Stich gelassen gefühlt haben. Aber auch dies ist Bestandteil seiner Sühne. Jesus sühnt auch für die Sünde des Verrats. Er erlöst uns von den Hinterhalten unserer eigenen Freunde. Er erlöst die Sünde aller Brutusse bis in die heutige Zeit. All das musste geschehen, aber schmerzhaft ist es trotzdem, sowohl für Jesus als auch für uns, die wir es nachempfinden. Jesus hat heute im Abendmahlssaal wirklich mithilfe des Wortes Gottes, das ein scharfes Schwert ist, die verborgenen bösen Pläne des Judas aufgedeckt – nämlich mithilfe von Psalm 41. Er hat allerdings falsch reagiert, nämlich wie die Pharisäer und Schriftgelehrten lieber an dem Bösen festgehalten.

Denken wir heute darüber nach, wo wir zu Judas und wo wir zu Petrus werden in unserem Alltag. Wann verraten wir Jesus? Versuchen wir dann so zu reagieren wie Petrus, der bereut und die Barmherzigkeit Gottes angenommen hat. Werden wir nicht so wie Judas, der die Barmherzigkeit abgelehnt und stur an der Sünde festgehalten hat. Dies schadet unserer Seele auf ewig. Seien wir Petrus und sehen wir unsere Sünde im Nachhinein als Herabsteigen vom hohen Ross zu einem Wachsen in Demut!

Ihre Magstrauss