Freitag der Osteroktav

Apg 4,1-12; Ps 118,1 u. 4.22-23.24 u. 26-27a; Joh 21,1-14

Apg 4
1 Während sie zum Volk redeten, traten die Priester, der Tempelhauptmann und die Sadduzäer zu ihnen.

2 Sie waren aufgebracht, weil die Apostel das Volk lehrten und in Jesus die Auferstehung von den Toten verkündeten.
3 Und sie legten Hand an sie und hielten sie bis zum nächsten Morgen in Haft. Es war nämlich schon Abend.
4 Viele aber von denen, die das Wort gehört hatten, wurden gläubig; und die Zahl der Männer stieg auf etwa fünftausend.
5 Es geschah: Am anderen Morgen versammelten sich ihre Oberen sowie die Ältesten und die Schriftgelehrten in Jerusalem,
6 dazu Hannas, der Hohepriester, Kajaphas, Johannes, Alexander und alle, die aus dem Geschlecht der Hohepriester stammten.
7 Sie stellten die beiden in die Mitte und forschten sie aus: Mit welcher Kraft oder in wessen Namen habt ihr das getan?
8 Da sagte Petrus, erfüllt vom Heiligen Geist, zu ihnen: Ihr Führer des Volkes und ihr Ältesten!
9 Wenn wir heute wegen einer guten Tat an einem kranken Menschen darüber vernommen werden, durch wen er geheilt worden ist,
10 so sollt ihr alle und das ganze Volk Israel wissen: im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, den ihr gekreuzigt habt und den Gott von den Toten auferweckt hat. Durch ihn steht dieser Mann gesund vor euch.
11 Dieser Jesus ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist.
12 Und in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.

Heute hören wir die nachfolgenden Ereignisse, nachdem Petrus seine Bekenntnisrede in der Halle Salomos gehalten hat.
Die religiöse Elite bestehend aus dem Tempelhauptmann, den Sadduzäern und Hohepriestern tritt herzu und regt sich über die ganze Aktion auf.
Es passt ihnen überhaupt nicht, dass Petrus und Johannes die Auferstehung Jesu predigen, den sie nach umfassender Intrige endlich ans Kreuz bekommen haben.
So werden die beiden festgenommen und über Nacht gefangen gehalten. Das ist ihre erste Erfahrung mit Anfeindungen, weil sie im Namen Jesu gepredigt haben. Auch wenn sie festgehalten werden, kann die Tempellobby nichts dagegen tun, dass eine riesige Menge sich dem Glauben anschließt und die Zahl der Jerusalemer Urgemeinde auf 5000 ansteigt.
Am nächsten Tag werden die Apostel ähnlich wie Jesus damals verhört.
Es sind dieselben Hohepriester versammelt, die ähnliche Fragen stellen wie damals bei Jesus. Ihnen geht es um die Kraft, mit der die Apostel das Wunder vollbracht haben.
Auch jetzt ist Petrus nicht eingeschüchtert, sondern erfüllt vom Hl. Geist, der ihm den Mut verleiht, bekennt er Christus: In seinem Namen ist diese gute Tat an einem kranken Menschen vollzogen worden, den eben jene Hohepriester ans Kreuz gebracht haben, den der Tod aber nicht festhalten konnte. Jesus ist von den Toten auferstanden, so hat er den Tod und die Intrige der Hohepriester besiegt.
Genau diese Aussage untermauert Petrus mit dem sehr bekannten und viel verwendeten Zitat aus Ps 118: „Dieser Jesus ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist.“ Er zitiert die Hl. Schrift, weil er in der Sprache der Gelehrten sprechen möchte und die Erfüllung der Verheißungen unterstreichen möchte. Er versucht, ihnen den Wald begreiflich zu machen, von dem sie bisher nur die einzelnen Bäume betrachtet haben.
Petrus ist wie ausgewechselt. Er spricht freimütig, er zitiert dabei die Schrift und bezieht sie auf Christus. All dies verstand er zuvor nicht und er fürchtete sich davor, irgendeinen Nachteil zu erleiden dafür, dass er Jünger Jesu ist. Doch der Geist Gottes ist auf die Apostel hinabgestiegen und wirkt nun auch durch ihn. Er nimmt es sehr ernst, dass Christus ihn zum Felsen seiner Kirche gemacht hat. Wahrlich, er ist wirklich ein Fels in der Brandung, der die aufkommende Kirche mit allen Mitteln verteidigt! An ihm sehen wir, was möglich ist, wenn wir uns ganz und gar dem Wirken Gottes hingeben. Wenn wir uns ihm anbieten und ihm wirklich sagen: „Tue mit mir, was du willst! Nimm mein Leben hin!“, dann wird er aus uns glänzende Diamanten machen. Er wird uns schleifen, sodass wir unvorstellbar über uns selbst hinauswachsen. Wir werden selbst erstaunt sein, zu was Gott fähig ist mit uns!
Gott liebt auch die Hohepriester, die Sadduzäer, die Schriftgelehrten, alle, die ihn ablehnen. Er möchte, dass alle Menschen gerettet werden. Und so ist die ganze Situation für sie eine einzige Lektion. Sie sollen die Chance bekommen, die Ablehnung Jesu wieder gut zu machen. Stattdessen geht ihre Sturheit mit seinen Jüngern weiter.
So ist Gott. Er gibt uns immer wieder Chancen zur Umkehr. Er versucht einfach alles, um unsere Liebe zu erhalten. Er hat aus Liebe alle Menschen ins Dasein gerufen und möchte, dass jeder ihn zurückliebt. Deshalb wirbt er um jeden, deshalb versucht er, sich begreiflich zu machen. Bis zur letzten Sekunde unseres Lebens versucht er alles, damit wir nicht verloren gehen!

Ps 118
1 Dankt dem HERRN, denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig!
4 So sollen sagen, die den HERRN fürchten: Denn seine Huld währt ewig.
22 Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.

23 Vom HERRN her ist dies gewirkt, ein Wunder in unseren Augen.
24 Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat; wir wollen jubeln und uns über ihn freuen.
26 Gesegnet sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch vom Haus des HERRN her.

27 Gott ist der HERR. Er ließ Licht für uns leuchten.

Im Kontext der Osteroktav beten wir wiederholt Psalm 118. Er wird uns die nächsten Tage immer wieder begleiten – wir haben ihn schon in der Osternacht gebetet. Es gibt kaum einen Psalm, der besser in die Osterzeit passt.
Gottes große Heilstaten verdienen stets unser Lob und unseren Dank. Wir können gar nicht genug danken für alles, was Gott uns Gutes tut! Und im Anschluss an den Mut des Petrus, der zur Heilung des Gelähmten steht, der die Chance für eine Bekenntnisrede nutzt und weitere 2000 Männer zum Glauben an Christus führt, können wir wirklich nur in einen Lobpreis verfallen!
Ganz im Psalmenstil beginnt das Danklied mit einer Aufforderung zum Dank, denn Gottes „Huld währt ewig!“
Alle Gottesfürchtigen sollen dies gläubig bekennen. Heute sind ganze 2000 Männer hinzugekommen, die gottesfürchtig geworden sind – sie waren es schon vorher, nun aber sind sie zugleich christusfürchtig geworden!
Dann beten wir Vers 22, den Petrus vor der Tempelelite auf Christus bezieht, auf ihn, dessen Verwerfung und Hinrichtung am Kreuz die Erlösung aller Menschen gebracht hat!
Gott hat diese Erlösung erwirkt, indem er selbst am Kreuz gestorben und auferstanden ist. Kein anderer Gott hat auf diese Weise die Menschheit erlöst und so können wir nicht anders, als zu jubeln und uns über ihn zu freuen. Diese Freude ist mehr als nur eine situative Emotion. Es handelt sich um eine innere Gewissheit, dass am Ende der Zeiten das Heil Gottes steht. Diese Gewissheit trägt den österlichen Menschen durch alles Leid hindurch, sodass er nicht anders kann, als optimistisch zu sein. Das hat nichts mit billiger Jenseitsvertröstung zu tun, sondern ist vielmehr ein gewandeltes irdisches Dasein mit einem österlichen Blick.
„Gesegnet sei, der kommt im Namen des HERRN!“ Diesen Ausruf haben die Jünger Jesu bei seinem Einzug in Jerusalem gesungen, als er auf einer Eselin hineingeritten kam und so als Messias die Hl. Schrift erfüllt hat. Wir beten diesen Ausruf in der Messe im sogenannten Benedictus, das heutzutage mit dem Sanctus gekoppelt ist.
„Wir segnen euch vom Haus des HERRN her“ ist für die Juden die höchste Form von Segen. Im Haus des HERRN, das heißt im Jerusalemer Tempel, ist Gott gegenwärtig. Der Tempel existiert heute nicht mehr. Dieser Vers ist für uns Christen nun auf den eucharistischen Segen zu beziehen, der die höchste Form von Segen darstellt. Gott wohnt im Haus des HERRN, das heißt jetzt in jedem Tabernakel der Kirche. Von dort aus geht ein Segen aus, der gleichzusetzen ist mit dem Segen Christi, den er den Menschen durch seine Heilstaten erwiesen hat. Er ist genauso leibhaftig anwesend wie vor seinem Tod und seiner Auferstehung, als er in Menschengestalt auf Erde wandelte.
Gott ist der HERR und er hat uns Licht geleuchtet – Christus, das Licht der Welt. Er ist der Messias, der die Finsternis erleuchtet hat, wie Jesaja schon 700 Jahre vor Christi Geburt angekündigt hat und wie Christus selbst über sich gesagt hat.

Joh 21
1 Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.

2 Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.
3 Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
4 Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
5 Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
6 Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.
7 Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.
8 Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot – sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
9 Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot liegen.
10 Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt!
11 Da stieg Simon Petrus ans Ufer und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.
12 Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu befragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.
13 Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.
14 Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.

Im Evangelium hören wir nun von einer dritten Erscheinung Christi vor seinen Aposteln.
Die Apostel sind am See von Tiberias, womit der See Gennesaret gemeint ist. Bevor der Hl. Geist auf sie herabkommt, sind sie unschlüssig, wie sie ihr Leben fortsetzen sollen. Zwar hat Jesus ihnen gesagt: „Wie mich der Vater sendet, so sende ich euch!“ Doch sie verstehen das alles noch nicht. Deshalb tun sie das, was sie kennen und was sie vor ihrer Berufung als Jünger Jesu getan haben – fischen.
Petrus ist es ausgerechnet, der wieder als erstes das Wort ergreift und die anderen mitzieht. Er sagt kurzerhand „ich gehe fischen“. Die anderen anwesenden Apostel sagen daraufhin: „Wir kommen auch mit!“ Sie tun, worin sie am besten sind. In einer Situation der Ungewissheit bringt es einem Sicherheit, wenn man alte Gewohnheiten aufleben lässt.
Gott nutzt diese Situation, um ihnen wieder etwas Wichtiges beizubringen. Er lässt zu, dass sie in der gesamten Nacht nichts fangen.
Gegen Morgen erscheint ihnen Jesus am Ufer und fragt sie nach Fisch. Er weiß ganz genau, dass sie nichts gefangen haben, doch er möchte, dass sie dies von sich aus selbst sagen.
Währenddessen erkennen sie Jesus noch nicht. Man könnte annehmen, dass sie es langsam verstanden haben sollten, dass es der Auferstandene sein muss. Seine Wundmale an Händen und Füßen sind ja mehr als eindeutig. Man kann es vielleicht auf die Tageszeit beziehen. Die Sonne geht gerade erst auf und so ist es noch zu dunkel, Jesus zu erkennen. Wir können es auch auf das besorgte Kreisen der Apostel um sich selbst beziehen, die so von ihren Zukunftsängsten geplagt sind, dass sie gar nicht darauf achten, wer hier mit ihnen spricht.
Eines ist eindeutig: Es ist kein Zufall, dass Jesus ausgerechnet im Morgengrauen zu ihnen tritt. Für die Juden ist es verbreitet, den Messias vom Osten kommend zu erwarten. Im Osten geht die Sonne auf. Christus ist die Sonne der Gerechtigkeit. Er kommt im Morgengrauen. Dies haben wir auch schon beim Osterereignis selbst gemerkt! Er ist im Morgengrauen auferstanden und hat somit die Schrift erfüllt! Und nun kommt er wieder im Morgengrauen zu jenen, für die Nacht ist – die in ihrer Hoffnungslosigkeit und Orientierungslosigkeit dahinleben, die nicht wissen, wie es weitergeht. Er ist ihre Sonne, ihre Hoffnung, ihre Orientierung, ihr Segen. Und deshalb gibt er ihnen dann den Rat, nochmal die Netze auszuwerfen.
Er gibt ihnen Anweisungen, obwohl sie die Profis sind. Womöglich merken sie schon, dass hier etwas passiert, und werfen deshalb nochmal die Netze auf der rechten Seite des Bootes aus.
Als sie es wieder einholen wollen, ist es so brechend voll, dass die Netze zu reißen drohen!
So ist Gottes Gnade. Wenn er gibt, dann im Überfluss!
Wir können diese ganze Szene bis hierhin absolut auf unser eigenes Leben beziehen: Wenn Christus mit uns ist und wir alles tun, was er uns aufträgt, dann gelingt unser Leben. Wenn wir nach Gottes Willen leben und Hand in Hand mit ihm unser Leben leben, wird er uns überreich segnen. Dann werden wir große Zeichen in unserem Leben erkennen und die Größe Gottes mit eigenen Augen erfahren.
Johannes, der Jesu Herz am besten verstanden hat, der an diesem Herzen geruht hat im Abendmahlssaal und unter dem Kreuz bei der Durchbohrung, er ist der erste, der Jesus erkennt.
Als Petrus das erfährt, zieht er sich das Obergewand an, weil er nackt ist, und springt in den See. Was soll diese seltsame Reaktion? „Nackt sein“ bedeutet in diesem Fall nicht das Splitternacktsein, sondern die fehlende Oberbekleidung. Petrus fühlt sich bloßgestellt. Die eigentliche Nacktheit, die er verspürt, ist das Offenliegen seiner Ohnmacht vor dem Herrn. Er vermag nichts ohne ihn. Die ganze Nacht hat er versucht, das zu tun, was er am besten kann. Und selbst das hat nicht funktioniert. Seine ganze Armut liegt hier vor dem Auferstandenen bloß. Er springt in den See vor lauter Beschämung. Was ist denn daran so schlimm, sich vor Gott so hilflos zu fühlen, wenn dieser einem alles schenken kann? Für Petrus ist das ein Prozess der Demütigung. Er hat noch vor dem Leiden, dem Tod und der Auferstehung Jesu große Töne gespuckt. Er hat sich ganz weit aus dem Fenster gelehnt und sich grenzenlos überschätzt, als er zu Jesus sagte: „Mein Leben will ich für dich geben!“ DAS hier ist nun der echte Petrus. Ein einfacher Fischer, der selbst bei seinem Beruf nicht große Töne spucken kann. Der Mensch ist selbst bei den kleinsten Dingen auf Gott angewiesen. Petrus lernt endlich seine eigene Armut und Erlösungsbedürftigkeit kennen. Er lernt, endlich echt zu werden, authentisch. So lässt Gott auch in unserem Leben zu, dass wir lernen, uns im Angesicht Gottes so zu sehen, wie wir wirklich sind – mit allen Ecken und Kanten, mit allen Begrenzungen, mit Stärken und Schwächen. Erst wenn wir uns richtig erkannt haben, was Demut heißt, können wir Arbeiter in seinem Weinberg sein oder mit dem Bild dieses Evangeliums – Menschenfischer sein.
Petrus schämt sich vor Jesus, weil er ihn dreimal verleugnet hat. Im weiteren Verlauf, den wir heute nicht mehr hören, wird Christus ihn dreimal fragen, ob er ihn liebt. Er wird ihn konfrontieren und eine tiefe Versöhnung herbeibringen.
Es hat übrigens eine tiefe Bedeutung, dass sie am Ende die Fische zählen und es sich um 153 Exemplare handelt. So viele Länder sind zu jenem Zeitpunkt bekannt. Es zählt die Weltkarte, was für die Jünger ein Hinweis darauf sein soll, dass sie bald zu Menschenfischern in der ganzen Welt werden!
Jesus nimmt von den Fischen und bereiten den Jüngern ein Mahl. Ja, Jesus ist der Gastgeber auch der Eucharistie, zu der er uns immer wieder einlädt. Er ist es, der die Gaben wandelt und sich darin selbst opfert. Er ist es, der uns in unserem Leben nährt und Kraft schenkt. Er wird uns am Ende der Zeiten alle der Reihe nach bedienen bei der Hochzeit des Lammes. Es wird ein einziges Festmahl sein!
Das ist also die dritte Erscheinung des Auferstandenen. Petrus wird all dies in sich aufgenommen und nach der Spendung des Hl. Geistes begriffen haben. Von seiner Beschämung, von seinem gekränkten Ego, von seiner Furcht wird nichts mehr bleiben. Er wird voll von Erkenntnis und Weisheit freimütig für Christus einstehen und wahrlich ein vorbildlicher Menschenfischer werden. Wir sehen, dass dieser Petrus und der spätere Petrus das großartige Werk Gottes ist. So kann es auch mit uns gehen. Der Hl. Ignatius von Loyola hat es ganz trefflich ausgedrückt, als er sagte: „Die meisten Menschen ahnen nicht, was Gott aus ihnen machen könnte, wenn sie sich ihm nur zur Verfügung stellen würden.“ Genau so ist es. Petrus hat es gewagt und Gott sein Ja gegeben. So hat er eine unglaubliche Entwicklung durchlaufen mithilfe der Gnade Gottes. Und so können auch wir zu ganz neuen Menschen werden, die Tag für Tag über sich hinauswachsen, wenn wir ihm nur täglich unser Ja geben.

Das ist eine österliche Freudenbotschaft für alle Getauften und die, die es werden wollen! Es ist nicht zu spät, selbst wenn wir sehr große Sünder sind. Wenn wir den Mut aufbringen, umzukehren und auch den Demütigungsprozess zu durchlaufen, dann kann Gott auch uns ein neues Leben schenken.

Ihre Magstrauss

Dienstag der 6. Woche im Jahreskreis

Jak 1,12-18; Ps 94,12-13.14-15.18-19; Mk 8,14-21

Jak 1
12 Selig der Mann, der in der Versuchung standhält. Denn wenn er sich bewährt, wird er den Kranz des Lebens erhalten, der denen verheißen ist, die Gott lieben. 

13 Keiner, der in Versuchung gerät, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt. Denn Gott lässt sich nicht zum Bösen versuchen, er führt aber auch selbst niemanden in Versuchung. 
14 Vielmehr wird jeder von seiner eigenen Begierde in Versuchung geführt, die ihn lockt und fängt. 
15 Wenn die Begierde dann schwanger geworden ist, bringt sie die Sünde zur Welt; ist die Sünde reif geworden, bringt sie den Tod hervor. 
16 Lasst euch nicht irreführen, meine geliebten Brüder und Schwestern: 
17 Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, vom Vater der Gestirne, bei dem es keine Veränderung oder Verfinsterung gibt. 
18 Aus freiem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit geboren, damit wir eine Erstlingsfrucht seiner Schöpfung seien.

Wir haben gestern bereits von der Versuchung als Geduldsprobe gehört. Heute wird die Rede davon fortgesetzt. Die Bewährung in der Versuchungssituation wird letztendlich mit dem Kranz des Lebens“ belohnt. Das ist ein ganz verbreitetes Bild für den Lohn des Himmels. Es kommt aus dem Sport, denn die Sieger bei Wettkämpfen sind mit Kränzen, z.B. aus Lorbeerblättern, bekränzt worden. Diese sportliche Metapher wird auch in der Johannesoffenbarung verwendet und ist in der Paulusliteratur regelmäßig zu lesen.
Jakobus stellt heraus, was wir letzten Sonntag aus dem Buch Jesus Sirach gehört haben: Gott ist nicht der Versucher. Gott ist nicht böse und tut selbst auch nichts Böses. Er ist nur gut und lässt sich nicht verführen. Jakobus muss dies hier klarstellen, weil Menschen schnell dazu verleitet werden, Gott für alles die Schuld zu geben.
Der Ursprung der Versuchungen ist dabei die eigene Begierde (ἐπιθυμία epithymia). Diese ist etwas, das vor dem Sündenfall nicht vorhanden war. Es ist ein Habenwollen, statt sich von Gott beschenken zu lassen. Und so beginnt mit der Begierde der Weg hin zur Sünde. Diesen Weg beschreibt Jakobus von Vers 14 an wie folgt: Die Begierde lockt den Menschen und nimmt ihn gefangen. Wenn er sie zulässt, wird sie „schwanger“ und „gebiert“ die Sünde, die ausgewachsen dann den Tod bringt. In dieser Bildsprache ausgedrückt meint Jakobus, dass die Begierde das Herz voll macht und von dort aus die Sünde in Gedanken, Worte und Werke „hineingeboren“ wird, d.h. als Ergebnis dieser zugelassenen Begierde zu betrachten ist. So wird die Sünde dann auf allen Ebenen tatsächlich ausgeführt, das Habenwollen wird tatsächlich umgesetzt. Dabei kann es sich ja erst einmal um eine lässliche Sünde handeln, doch wird diese nicht ausgemerzt und wächst, so kann aus ihr eine Todsünde werden. Und diese heißt so, weil sie den Tod bringt, den seelischen Tod.
Mit „lasst euch nicht irreführen“ ist dieser Weg von der Begierde zur Todsünde gemeint. Jakobus möchte, dass man sich nicht vom Weg abbringen lassen soll, den Gott aufzeigt, den Weg der Gebote.
Er erklärt, dass alles von Gott geschenkt ist, weshalb man dieses Habenwollen, die Begierde nicht zulassen soll. Gott sorgt schon dafür, dass wir bekommen, was uns guttut.
Gott hat für uns einen besonderen Heilsplan, den man durch die Begierde zerstört. Wir sollen unsere Berufung leben, denn Gott hat uns ja „aus freiem Willen“ geschaffen. Der Sinn unserer Existenz ist, die Erstlingsfrucht seiner Schöpfung zu sein. Es geht um die geistige Schöpfung, der wir durch die Taufe angehören. Wenn Jakobus die Getauften aber als Erstlingsfrucht bezeichnet, betont er, dass wir Gott gehören wie die Erstgeborenen, die im Tempel dargestellt worden sind. Wir gehören Gott und von dort aus sollen wir unsere Berufung leben. Da können wir nicht voller Begierde sein, die das Gegenteil der Gnade Gottes ist. Was ist schließlich mit „Wort der Wahrheit“ gemeint, durch die Gott uns geschaffen hat? Es ist ein und derselbe bei der ersten Schöpfung wie auch bei der zweiten – Jesus Christus. Er ist das Wort und er ist die Wahrheit. Durch ihn hat der Vater alles hervorgebracht, durch ihn hat er auch den Neuen Bund mit den Menschen geschlossen, durch den Gott seine neue Schöpfung jetzt schon begründet. Durch Christus hat der Vater uns freiwillig erlöst und so zu einer neuen Schöpfung wiedergeboren in der Taufe, damit wir ihm gehören als seine geliebten Kinder und Erben in seinem Reich.

Ps 94
12 Selig der Mann, den du, HERR, erziehst, den du mit deiner Weisung belehrst, 

13 um ihm Ruhe zu schaffen vor bösen Tagen, bis dem Frevler die Grube gegraben ist. 
14 Denn der HERR lässt sein Volk nicht im Stich und wird sein Erbe nicht verlassen. 
15 Nun spricht man wieder Recht nach Gerechtigkeit; ihr folgen alle Menschen mit redlichem Herzen.
18 Wenn ich sage: Mein Fuß gleitet aus, dann stützt mich, HERR, deine Huld. 
19 Mehren sich die Sorgen in meinem Innern, so erquicken deine Tröstungen meine Seele.

Im Psalm werden viele Gedanken des Jakobus aufgegriffen sowie die Gedanken der vergangenen zwei Tage: Es kann sich jener glücklich schätzen, der von Gott Lektionen aufgetragen bekommt und dem die Torah, die Weisung vorgelegt wird. Diese wird nicht als Bürde den Menschen gegeben, sondern zur „Ruhe (…) vor bösen Tagen“. Diese sind gezählt und begrenzt. Es muss so kommen, aber dann wird dem „Frevler die Grube gegraben“. Der Böse hat nur eine begrenzte Zeit, in der er die Menschen versucht und von Gott abbringen will. Dann wird Gott den Bösen ganz entmachten und das Leid hat ein Ende. Für diese Zeit der Bedrängnis ist die Torah ein Schutzschild – denn wer mit festen Schritten den Weg der Gebote Gottes geht, fällt auf die Versuchungen des Teufels nicht so schnell herein. Die Torah ist eine Ruhestatt. Das unruhige und leidende Herz kann sich bei Gottes Geboten erholen und stärken. Gott gibt uns seine Gebote, damit wir in schweren Zeiten durchhalten können. Sie sollen uns nicht belasten, sondern entlasten. Ohne seine Gebote würde er uns aber unserem Schicksal überlassen. Aber das Gegenteil ist der Fall, er „lässt sein Volk nicht im Stich und wird sein Erbe nicht verlassen“. Gott ist treu und auch wir, die wir nun im Neuen Bund mit ihm vereint sind, können auf seine Treue vertrauen. Gott lässt uns nicht im Stich und bietet uns unser Erbe an. Wir sind es, die es verspielen können, in dem wir einen anderen Weg einschlagen.
Gott musste sein auserwähltes Volk immer wieder lehren und auch züchtigen, damit es wieder zur Besinnung kommt. Wie oft sind die Israeliten vom Weg abgekommen, indem sie sich anderen Göttern zugewandt und Götzendienst getrieben haben. Gott überlässt seine untreue Braut aber nicht dem Schicksal, sondern rüttelt sie immer wieder wach.
Und wenn sie es verstanden hat, kehrt die Braut um und beginnt von vorne. Das wird in Vers 15 angedeutet: „Nun spricht man wieder Recht nach Gerechtigkeit“. Die Herzen der Menschen sind wieder Gott zugewandt, worum es eigentlich geht. Das Herz ist wieder dort, wo es sein sollte, beim Bundespartner, beim Bräutigam.
Und wenn man den Weg mit Gott geht, stützt und trägt er einen in schweren Zeiten. Wo der Fuß ausgleitet, ist Gott eine Stütze. Wo die Sorgen einen belasten, tröstet Gott den Menschen. Der Weg in Gemeinschaft mit Gott ist viel leichter als der Irrweg von Gott weg, auf dem man alleine unterwegs ist. Dann fehlt nämlich die Gnade. Jesus sagt im Johannesevangelium „getrennt von mir könnt ihr nichts tun.“ Das ist sehr deutlich gesagt, wirklich gar nichts! Man wird nicht weit kommen und das Gefühl haben, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Machen wir es uns nicht unnötig schwer, indem wir unser eigenes Gesetz sein wollen. Gehen wir den Weg, der auf uns abgestimmt ist, weil Gott uns, seine geliebten Geschöpfe, durch und durch kennt.

Mk 8
14 Die Jünger hatten vergessen, Brote mitzunehmen; nur ein einziges hatten sie im Boot dabei. 

15 Und er warnte sie: Gebt Acht, hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und dem Sauerteig des Herodes! 
16 Sie aber machten sich Gedanken, weil sie keine Brote bei sich hatten. 
17 Als er das merkte, sagte er zu ihnen: Was macht ihr euch darüber Gedanken, dass ihr keine Brote habt? Begreift und versteht ihr immer noch nicht? Ist denn euer Herz verstockt? 
18 Habt ihr denn keine Augen, um zu sehen, und keine Ohren, um zu hören? Erinnert ihr euch nicht: 
19 Als ich die fünf Brote für die Fünftausend brach, wie viele Körbe voll Brotstücke habt ihr da aufgehoben? Sie antworteten ihm: Zwölf. 
20 Und als ich die sieben Brote für die Viertausend brach, wie viele Körbe voll habt ihr da aufgehoben? Sie antworteten: Sieben. 
21 Da sagte er zu ihnen: Versteht ihr immer noch nicht?

Gestern hatte Jesus einen kurzen Aufenthalt in Dalmanuta, der vorzeitig abgebrochen wurde aufgrund der verstockten Pharisäer. Jesus stieg zurück ins Boot und fuhr wieder zurück zum anderen Ufer. Vielleicht liegt es an der unerwarteten Rückfahrt, jedenfalls vergessen die Jünger, Proviant mit ins Boot zu nehmen, als sie sich auf den Rückweg machen. Nun haben sie nur ein einziges Brot mit an Bord. Jesus nimmt dies zum Anlass, ihnen etwas zu erklären. Oft greift er Bilder auf, mit denen seine Jünger etwas anfangen können und die gerade aktuell sind. Deshalb spricht er über den Sauerteig der Pharisäer. Jesus warnt die Jünger vor der Selbstgerechtigkeit und der Einstellung der Pharisäer, die sich nichts mehr erklären lassen. Sie denken, sie wüssten schon alles. Das Bild des Sauerteigs ist dabei besonders passend, denn man mischt Sauerteig ungesäuertem Teig unter. Wenn man es so stehen lässt, wird der gesamte Teig durchgesäuert. Ebenso nennt er Herodes als Sauerteig, der ebenfalls falsche Einstellung vertritt. Die Jünger sollen sich davor hüten, weil sie Teil des ungesäuerten Teigs sind. Sie sollen sich nicht beeinflussen lassen von diesen falschen Einstellungen und Lehren, damit sie nicht auch so werden. Jesus kommt ihnen schon so entgegen und wendet dieses Bild an, doch sie verstehen überhaupt, wovon er spricht. Stattdessen machen sie sich Gedanken wegen des fehlenden Proviants.
Deshalb tadelt Jesus sie und fragt: „Was macht ihr euch Gedanken, dass ihr keine Brote habt? Begreift und versteht ihr immer noch nicht? Ist denn euer Herz verstockt?“ Jesus stellt ihnen zwar solche Fragen, kennt die Antwort aber schon. Er tut es, um sie wachzurütteln. Er möchte ihnen damit sagen, dass sie sich gerade genauso verhalten wie die Pharisäer, wegen denen sie wieder zurückfahren müssen. Sie sind verstockt und lassen Jesu entscheidenden Worte an sich abprallen. Die Verbform für die Verstockung ist das Partizip πεπωρωμένην. Das Verb wird ist dasselbe, das für die Pharisäer und Schriftgelehrten immer wieder verwendet wird, um die Herzenshärte auszudrücken. Verstockte sind diejenigen, die das Evangelium Jesu Christi nicht an ihr Herz heranlassen. Das Herz der Jünger hier hängt an dem leiblichen Wohl und nicht am Wesentlichen.
Die nicht verstockte Haltung drückt Jesus hier wieder aus wie an anderer Stelle: Ohren zu hören und Augen zu sehen. Er wirft ihnen vor, gar nicht richtig hinzusehen und hinzuhören auf das, was Jesus ihnen sagen will.
Er wirft ihnen vor, dass sie aus Jesus wunderbaren Speisungen nichts gelernt haben. Vor ihren Augen geschahen solch spektakuläre Wunder und Gott ließ sie ganze zwölf und ganze sieben Körbe voll Reste einsammeln, um ihnen die Fülle seines Überflusses zu verdeutlichen. Und doch lernen sie daraus nichts für ihre eigene Situation. Hätten sie daraus gelernt, würden sie jetzt auf die Vorsehung Gottes vertrauen und dass Jesus auch in ihrer Situation ein Wunder wirken kann.
Deshalb schließt Jesus das Gespräch heute auch mit der Frage: „Versteht ihr immer noch nicht?“ Sie haben dieselbe Lektion schließlich mehrmals erhalten.

Was Jakobus heute erklärt hat, vergessen die Jünger im Boot: Alles Gute kommt von oben und wir werden von Gott so reich beschenkt, dass die Begierde sinnlos ist. Gott gibt alles, was wir brauchen. Er gibt im Falle der Jünger Jesu im Boot auch genügend Proviant, damit sie nicht hungern müssen. Sich dennoch Sorgen zu machen, entspringt derselben Fehlannahme wie die Habgier oder andere Formen von Begierde: dem Misstrauen gegenüber Gott. Er ist es doch, dem die Jünger ganz und gar vertrauen können so auch wir Gott vertrauen können. Wo Misstrauen beginnt, da beginnt der Weg der Sünde. Deshalb ist es auch so wichtig, das mangelnde Gottvertrauen zu beichten. Wo wir nicht an seine Allmacht glauben, entspringen viele weitere Sünden, nicht nur die der Begierde. Am schlimmsten ist es, wenn wir nicht an seine Barmherzigkeit glauben, weil wir uns selbst die Vergebung vorenthalten (Sünde gegen den Hl. Geist). Unterschätzen wir Gottes Großzügigkeit nicht und glauben wir wirklich an seine gute Vorsehung. Lassen wir uns dabei auch nicht von den schmerzhaften Erfahrungen im Leben in die Irre führen.

Ihre Magstrauss

Montag der 5. Woche im Jahreskreis

1 Kön 8,1-7.9-13; Ps 132,6-7.8-9.10 u. 13; Mk 6,53-56

1 Kön 8
1 Damals versammelte Salomo die Ältesten Israels, alle Stammesführer und die Häupter der israelitischen Großfamilien bei sich in Jerusalem, um die Bundeslade des HERRN aus der Stadt Davids, das ist Zion, heraufzuholen. 

2 Am Fest im Monat Etanim, das ist der siebte Monat, kamen alle Männer Israels bei König Salomo zusammen. 
3 Alle Ältesten Israels kamen und die Priester nahmen die Lade 
4 und brachten sie zugleich mit dem Offenbarungszelt und den heiligen Geräten, die im Zelt waren, hinauf. Die Priester und die Leviten übernahmen den Trägerdienst. 
5 König Salomo aber und die ganze Gemeinde Israels, die bei ihm vor der Lade versammelt war, schlachteten Schafe und Rinder, die man wegen ihrer Menge nicht zählen und nicht berechnen konnte. 
6 Darauf stellten die Priester die Bundeslade des HERRN an ihren Platz, an den hochheiligen Ort des Hauses, in das Allerheiligste, unter die Flügel der Kerubim. 
7 Denn die Kerubim breiteten ihre Flügel über den Ort, wo die Lade stand, und bedeckten sie und ihre Stangen von oben her. 
9 In der Lade befanden sich nur die zwei steinernen Tafeln, die Mose am Horeb hineingelegt hatte, die Tafeln des Bundes, den der HERR mit den Israeliten beim Auszug aus Ägypten geschlossen hatte. 
10 Als dann die Priester aus dem Heiligtum traten, erfüllte die Wolke das Haus des HERRN. 
11 Sie konnten wegen der Wolke ihren Dienst nicht verrichten; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus des HERRN. 
12 Damals sagte Salomo: Der HERR hat gesagt, er werde im Wolkendunkel wohnen. 
13 Erbaut habe ich ein fürstliches Haus für dich, eine Wohnstätte für ewige Zeiten.

Seit der Bitte um Weisheit in 1 Kön 3 sind viele Kapitel vergangen. Wir hören heute erst wieder aus Kapitel 8. In der Zwischenzeit hat sich z.B. die Weisheit Salomos in der berühmten Situation der zwei Frauen gezeigt, die beide behaupteten, die Mutter desselben Kindes zu sein. Es wird von seiner Innenpolitik und dem dauerhaften Frieden berichtet, von dem Reichtum des gesamten Reiches und der Herrschaft über alle Könige. Wir lesen auch davon, dass Salomos Weisheit die der Weisen Ägyptens und des Ostens übertrifft und er viele Sprüche und Lieder verfasst hat. Dann schließlich werden die Vorbereitungen zum Tempelbau geschildert, z.B. die Beschaffung von Holz aus Sidon. Daraufhin wird der Tempel innerhalb von sieben Jahren errichtet. Im Anschluss baut Salomo 13 Jahre lang an seinem Palast. Als alles fertiggestellt ist, bringt er die Weihegaben seines Vaters David in den Tempel und füllt die Schatzkammern mit den heiligen Geräten. Die Bauarbeiten werden sehr ausführlich geschildert, weshalb die Auslassung dieser Kapitel nachvollziehbar ist.
Heute hören wir nun davon, wie die Bundeslade, das heißt das Allerheiligste zum Tempel gebracht wird. Der Tempel wird erst durch sie zur Wohnstatt Gottes.
Es versammeln sich zu diesem Anlass die Ältesten Israels, die Stammesführer und die Häupter der Großfamilien. Es wird hier so geschildert wie ein liturgischer Rahmen, in den dieses Ereignis eingebettet ist. Das sehen wir daran, dass sich die Repräsentanten des Volkes versammeln und viele Opfer darbringen.
Die Priester und Leviten sind dabei die Träger der Bundeslade und stellen sie ihm Allerheiligsten des Tempels ab. In der Lade befinden sich „nur“ die Steintafeln mit den Geboten Gottes. Dieses „nur“ deutet an, dass später noch Manna und auch der Aaronstab dort hineingelegt werden.
Dann passiert etwas, das auch uns heute zu denken gibt: Gottes Herrlichkeit legt sich in Form einer Wolke auf den Tempel nieder. Die Priester und Leviten können nicht einmal mehr hinein, um ihre kultischen Dienste zu vollziehen.
Die Heiligkeit des Gottesortes wird nicht dadurch erzielt, dass Menschen ihn heiligen. Gott selbst ist es, der einen Ort heilig macht. Zuerst kommt Gottes Herrlichkeit, dann erst unser menschliches Bemühen, dieser Herrlichkeit liturgisch gerecht zu werden. Wann zudem Kult ausgeübt werden soll, hängt von Gott ab, der dies vorgibt. Wenn er mit seiner dunklen Wolke den Ort erfüllt, sodass keiner ihn betreten kann, signalisiert es dies zum Beispiel.
Für die Kirche ist es eine wichtige Lektion. Heutzutage gibt es viel Aktivismus in der Kirche und insgesamt denken viele Gemeinden sehr menschlich. Nicht sie bestimmen Liturgie, sondern Gott. Er ist es, der die Vorgaben macht und die Menschen können nur ihr bestes geben, seiner Heiligkeit gerecht zu werden durch eine angemessene Liturgie. Die Heiligkeit des Ortes hängt aber nicht von den Menschen ab, sondern von Gott, dessen Gegenwart die Kirche erfüllt – im Allerheiligsten, das nun eucharistisch ist.

Ps 132
 6 Siehe, wir hörten von seiner Lade in Efrata, fanden sie im Gefilde von Jáar. 

7 Lasst uns hingehen zu seiner Wohnung, uns niederwerfen am Schemel seiner Füße! 
8 Steh auf, HERR, zum Ort deiner Ruhe, du und deine machtvolle Lade! 
9 Deine Priester sollen sich in Gerechtigkeit kleiden und deine Frommen sollen jubeln. 
10 Um Davids willen, deines Knechts, weise nicht ab das Angesicht deines Gesalbten! 
13 Denn der HERR hat den Zion erwählt, ihn begehrt zu seinem Wohnsitz:

Heute beten wir im Anschluss an die Lesung einen Wallfahrtspsalm, der auf die Gegenwart Gottes im Tempel Bezug nimmt.
Die beiden Stichpunkte „Efrata“ und „Jaar“ deuten auf den Ort Kirjat-Jearim bzw. Baala hin, wo die Bundeslade vor der Überführung nach Jerusalem stand. König David hat sie laut 2 Sam 6 damals nach Jerusalem gebracht, wobei es einen Zwischenstopp geben musste. Ihre Heiligkeit ist so groß, dass als einer der Träger sie aus Versehen berührte, gestorben ist. Und diese Bundeslade ist auch der Grund, warum sich in der Lesung die Herrlichkeit Gottes als Wolke auf den Tempel gelegt hat. Es ist nicht die Lade selbst, sondern ihr Inhalt – das Wort Gottes, das Gott selbst in die Steintafeln vom Sinai geschrieben hat.
Der Wallfahrtscharakter des Psalms entsteht durch die Aufforderung zum Gehen „zu seiner Wohnung“. Die Wohnung Gottes ist dabei eine gängige Bezeichnung für den Tempel in Jerusalem. Dass Gott wirklich in diese Wohnung eingezogen ist, wurde ja durch diese den Israeliten bereits bekannte Theophanie der Wolke signalisiert.
Das Niederwerfen zeigt, dass das Ziehen zum Tempel auf die Anbetung Gottes abzielt. Der „Schemel seiner Füße“ ist dabei natürlich metaphorisch zu verstehen, denn Gott hat keine Füße. Was dadurch aber ausgedrückt wird, ist nicht einmal die Spitze des Eisbergs. Gottes Herrlichkeit kann kein Tempel der Welt vollständig fassen, sondern es ist lediglich ein Funke, den wir in seiner Wohnung sehen. All die noch so sakrale und würdige, angemessene Liturgie bringt die Anbeter höchstens an den Fußschemel des göttlichen Throns. Die Kirchenväter haben es für die Kirche so ausgedrückt, dass der Kult des Alten Israel ein Schatten der himmlischen Liturgie sei, die Liturgie der Kirche dagegen ein Bild. So kann selbst im Neuen Bund, der das Fleisch und das Blut des menschgewordenen Gottes umfasst, nicht mehr nur zwei Steintafeln, der himmlische Kult allenfalls erahnt werden.
Im Folgenden fordert der Beter Gott auf, Wohnung im Tempel zu nehmen. Dabei setzt der Psalm voraus, dass seine Herrlichkeit mit der Bundeslade zusammenhängt („du und deine machtvolle Lade“). Dies ist geschehen, als die Bundeslade von Kirjat-Jearim letztendlich nach Jerusalem ins Offenbarungszelt gekommen ist. Dies geschieht heute auch, als Salomo für Gott schließlich einen festen Tempel gebaut hat.
Die „Priester“ und „Frommen“ deuten an, wer den Tempel frequentiert: Die Diener des Kultes und die Gläubigen, die zu den großen Festen und sonstigen Anlässen in den Tempel zum Opfern kommen. Das Gewand der Priester soll dabei die Gerechtigkeit sein. An ihnen soll man die Heiligkeit Gottes erkennen. Sie sollen mit ihrem ganzen Dasein Gott gehorchen und seinen Willen tun. Diese Gedanken können wir durchaus auf unsere heutigen Priester übertragen, auch wenn sich ihr Weihepriestertum nicht vom Priestertum Aarons, sondern Melchisedeks ableitet. Wer wenn nicht sie soll in die Gerechtigkeit Gottes gekleidet sein!
Das „Angesicht des Gesalbten“ kann man unterschiedlich deuten. Wörtlich-historisch kann man es auf den aktuellen König Salomo beziehen, dem Gott aufgrund seines Vaters David wohlgesinnt sein soll. Wir lesen es aber auch schon messianisch, sodass das Antlitz des Gesalbten auf Jesus zu beziehen ist. Wir lesen den Vers dann so: „Um Davids willen, deines Knechts, weise nicht ab das Angesicht Christi.“ Jesus ist der Sohn Davids und so ist eine heilsgeschichtliche Verbindung zwischen beiden geschaffen. Wir beten auch für jeden von uns, die wir durch Taufe und Firmung gesalbt sind.
Auch der nächste Vers ist dahingehend mehrfach zu deuten: Denn Gott hat sich den Zion als Wohnstätte ausgesucht. Das ist wörtlich auf den Zionsberg zu beziehen, auf dem die Stadt Jerusalem erbaut ist. Es meint aber darüber hinaus die Person, in der Gott als Mensch Wohnung beziehen wird – Maria. Sie ist das Zion, die heilige Stadt, und sie ist der Tempel, auf den sich die Herrlichkeit Gottes legt. Der Geist Gottes zeugt in ihr den Sohn Gottes und so nimmt Gott selbst Wohnung in ihr wie im Tempel. Sie ist die Bundeslade, in der das Wort Gottes nun nicht mehr durch zwei Steintafeln in sie hineingelegt wird, sondern als das fleischgewordene Wort Gottes! Und damit legt sie archetypisch den Grund für die Kirche, die all das ist. Die Kirche hat Gott sich ausgesucht, gebaut, gestiftet. Er hat sie sich erwählt und sie deshalb zu seiner Wohnung gemacht. In jeder katholischen Kirche, die Sie betreten, sehen Sie das ewige Licht und den Tabernakel. In ihm wird der Leib Christi aufbewahrt. Es ist Gott selbst, der in jeder Kirche wohnt und deshalb ist es ein heiliger Ort. Gott hat auch jeden einzelnen Menschen erwählt zu seiner Wohnstatt. Er möchte in der Seele jedes Menschen wohnen. Dabei zieht er nur dann ein, wenn wir ihm den Tempel unserer Seele auch zur Verfügung stellen so wie Salomo, der sieben Jahre daran gebaut hat. Wenn wir in Gerechtigkeit gekleidet durch dieses Leben gegangen sind und ihm die Ehre gegeben haben, werden wir am Ende die letzte und endgültige Wallfahrt unternehmen zum himmlischen Zion.

Mk 6
53 Sie fuhren auf das Ufer zu, kamen nach Gennesaret und legten dort an. 

54 Als sie aus dem Boot stiegen, erkannte man ihn sogleich. 
55 Die Menschen eilten durch die ganze Gegend und brachten die Kranken auf Liegen zu ihm, sobald sie hörten, wo er war. 
56 Und immer, wenn er in ein Dorf oder eine Stadt oder zu einem Gehöft kam, trug man die Kranken auf die Straße hinaus und bat ihn, er möge sie wenigstens den Saum seines Gewandes berühren lassen. Und alle, die ihn berührten, wurden geheilt.

Heute hören wir von weiteren Heilungen Jesu. Wo auch immer er hinkommt, bleibt die Gnade Gottes nicht tatenlos. Die Menschen strömen in Scharen zu ihm und bringen voller Glauben die Kranken zu ihm. Dieser große Glaube wird z.B. daran deutlich, dass die Kranken wenigstens den Saum seines Gewandes berühren möchten und sich schon davon Heilung versprechen. Weil Gott diesen großen Glauben bei den Menschen sieht, werden sie geheilt.
Diese Geheilten und ihre Begleiter sind von ihrer Einstellung her mit dem Gelähmten zu vergleichen, der durch ein abgedecktes Dach zu Jesus hinabgelassen wird. Die Menschen unternehmen alles ihnen Mögliche, um Jesus zu begegnen. Sie tun es nicht aus Sensationsgier, Neugier oder sonstigen unreinen Absichten, sondern weil sie ganz darauf vertrauen, dass Gott sie heilen kann.
Diese Episode des Evangeliums erinnert uns an den Transport der Bundeslade durch die Straßen hindurch zum Tempel in Jerusalem. Auch sie ist durch die Straßen getragen worden. Während ihre Begleiter die Priester und Leviten darstellen, sind es in Jesu Fall seines Jünger. Während in der Bundeslade das Wort Gottes in Buchstabenform durch die Straßen getragen wird, ist es hier das Wort Gottes in Menschenform, das durch die Straßen geht. Wir lesen dieses Evangelium eucharistisch und fühlen uns an Fronleichnam erinnert. Dort wird das Wort Gottes in Form des Leibes Christi durch die Straßen getragen. Und auch heutzutage möchte Jesus die Menschen heilen, die ihm so einen großen Glauben entgegenbringen wie die Kranken im Evangelium. Er möchte so wie damals zuerst unsere Seele heilen und reinigen. Und unseren großen Glauben bekunden wir dadurch, dass wir sagen: Nicht den Saum des Gewandes zu berühren reicht aus, sondern die Hostie in uns aufzunehmen, in der Jesu Gegenwart verborgen ist. Wir sehen ihn nicht mit unseren Augen (in Ausnahmefällen dann doch, siehe die eucharistischen Wunder…) und doch glauben wir, dass er genauso durch die Straßen zieht wie damals, als er in Menschengestalt unter uns gelebt hat.
Und wenn Jesus auf dem Weg zu unserem inneren Tempel ist, halten auch wir ihm die kranken Seiten unseres Lebens hin, damit er sie heile, ob es die Verwundungen unserer Seele sind, unsere Schwächen, durch die wir ständig in dieselben Sünden fallen oder ober es die Bereiche unseres Lebens sind, in denen wir Gott noch nicht den ersten Platz geben, in denen wir ihn vielleicht gar nicht erst hineinlassen. So werden auch wir ganz heil und ganz zu seiner Wohnung.

Ihre Magstrauss

Samstag der 3. Woche im Jahreskreis

2 Sam 12,1-7a.10-17; Ps 51 (50), 12-13.14-15.16-17; Mk 4,35-41

2 Sam 12
1 Darum schickte der HERR den Natan zu David; dieser ging zu David und sagte zu ihm: In einer Stadt lebten einst zwei Männer; der eine war reich, der andere arm. 

2 Der Reiche besaß sehr viele Schafe und Rinder, 
3 der Arme aber besaß nichts außer einem einzigen kleinen Lamm, das er gekauft hatte. Er zog es auf und es wurde bei ihm zusammen mit seinen Kindern groß. Es aß von seinem Stück Brot und es trank aus seinem Becher, in seinem Schoß lag es und war für ihn wie eine Tochter. 
4 Da kam ein Besucher zu dem reichen Mann und er brachte es nicht über sich, eines von seinen Schafen oder Rindern zu nehmen, um es für den zuzubereiten, der zu ihm gekommen war. Darum nahm er dem Armen das Lamm weg und bereitete es für den Mann zu, der zu ihm gekommen war. 
5 Da geriet David in heftigen Zorn über den Mann und sagte zu Natan: So wahr der HERR lebt: Der Mann, der das getan hat, verdient den Tod. 
6 Das Lamm soll er vierfach ersetzen, weil er das getan und kein Mitleid gehabt hat. 
7 Da sagte Natan zu David: Du selbst bist der Mann. 
10 Darum soll jetzt das Schwert auf ewig nicht mehr von deinem Haus weichen; denn du hast mich verachtet und dir die Frau des Hetiters genommen, damit sie deine Frau werde. 
11 So spricht der HERR: Ich werde dafür sorgen, dass sich aus deinem eigenen Haus das Unheil gegen dich erhebt, und ich werde dir vor deinen Augen deine Frauen wegnehmen und sie einem andern geben; er wird am hellen Tag bei deinen Frauen liegen. 
12 Ja, du hast es heimlich getan, ich aber werde es vor ganz Israel und am hellen Tag tun. 
13 Darauf sagte David zu Natan: Ich habe gegen den HERRN gesündigt. Natan antwortete David: Der HERR hat dir deine Sünde vergeben; du wirst nicht sterben. 
14 Weil du aber durch diese Tat den HERRN verworfen hast, muss der Sohn, der dir geboren wird, sterben.
15 Dann ging Natan nach Hause. Der HERR aber schlug das Kind, das die Frau des Urija dem David geboren hatte, und es wurde schwer krank. 
16 David suchte Gott wegen des Knaben auf und fastete streng; und wenn er heimkam, legte er sich bei Nacht auf die bloße Erde. 
17 Die Ältesten seines Hauses kamen zu ihm, um ihn dazu zu bewegen, von der Erde aufzustehen. Er aber wollte nicht und aß auch nicht mit ihnen.

Heute hören wir davon, dass David Gott nicht egal ist. König David ist auf Abwege geraten, weil er der Begierde nachgegeben hatte. Dadurch hat er die Gnade verloren, doch Gott möchte ihn konfrontieren. Es ist wie in einem zwischenmenschlichen Konflikt: Einer der Beteiligten sucht das Gespräch, um den Streitpunkt auszuräumen und Versöhnung zu ermöglichen. So teilt Gott über den Propheten Natan David ein Gleichnis mit. Das ist sehr schlau, denn so betrachtet David die ganze Situation aus einem distanzierteren Blickwinkel. Er fühlt sich nämlich weder angesprochen noch angegriffen.
Das Gleichnis ist insofern passend, weil es die Begierde des David umschreibt: Ein reicher Mann, der unzählige Schafe und Rinder besitzt, nimmt einem Armen, der nur ein einziges Lamm hat, dieses eine Tier weg. David, der reich ist, der mit Gottes Gnade ausgestattet ist und mehrere Frauen hat, nimmt Urija die eine Frau weg, die er hat – und die vor allem nicht seine Frau ist!
Als David das Gleichnis hört, ist er empört und zornig über das Verhalten des reichen Mannes. Er verlangt die Todesstrafe für ihn. Da löst Natan auf, wer mit diesem verabscheuungswürdigen Mann gemeint ist. Was Gott durch Natan David also vorwirft, ist dass er des Nächsten Frau begehrt hat (neuntes der zehn Gebote). Diese Sünde hat zunächst den Ausschlag gegeben, erst mit der Umsetzung des Ehebruchs kommt es zum Verstoß des sechsten Gebots.
David muss von nun an die Konsequenz seiner Sünde tragen. Ihm werden die Frauen weggenommen werden. Was er heimlich getan hat, wird nun in ganz Israel über seine Frauen bekannt werden. Aus seiner eigenen Familie wird sich das Schwert gegen ihn erheben. Das Kind, das beim Ehebruch entstanden ist, wird sterben. David tut es von Herzen leid, was er getan hat, nicht weil er jetzt bestraft wird, sondern weil er Gott wirklich liebt und er es bereut, ihn beleidigt zu haben. Er bekennt vor Natan, dass er sich vor Gott schwer versündigt hat. Natan sagt ihm zu, dass Gott ihm vergeben hat und er deshalb nicht sterben werde. Diese unscheinbaren Verse sind für uns Christen besonders interessant, weil sie uns typologisch auf die Sündenvergebung Christi und auf das Sakrament der Beichte vorbereiten: David bereut von Herzen, sagt Natan, aber eigentlich Gott selbst, dass er sich vor ihm schwer versündigt hat, bekommt von Gott über den Propheten Natan zugesagt, dass ihm vergeben wird. Er wird nicht sterben – das lesen wir dann seelisch. Gott vergibt die Sünde und deshalb ist man nicht mehr im Stand der Todsünde, die Seele stirbt nicht, man kommt also nicht mehr in die Hölle. Aber wegen der Schwere der Sünde ist die Sühne Davids besonders schwerwiegend und lang. Er muss mehrere Dinge dafür erleiden, was er getan hat. David tut Buße und fastet, um das Unheil noch abwenden zu können, aber es muss geschehen. Nur so werden seine Vergehen wieder gut gemacht. Das Kind wird dennoch sterben. Auch nach der Beichte müssen wir unsere Sünden wieder gut machen. Was wir zeitlebens aber noch nicht gesühnt haben, sühnen wir nach dem Tod, bevor wir ganz bei Gott sein können. Dass nennen wir Fegefeuer.
David hat seine Lektion gelernt, aber die Folgen seiner Missetaten werden auf ihn zurückfallen. Sein eigener Sohn wird eine Meuterei anzetteln, sein anderer Sohn stirbt, die Fremdherrschaften haben kein Ende.
Dieser König, der uns so ein großes Vorbild ist, hat gestern seine dunklen Seiten gezeigt. Das hat ihn echt gemacht, denn kein Mensch ist ohne Sünde. Er hat aber auch gezeigt, wie man sich verhalten muss, wenn man gefallen ist: Man muss wieder aufstehen. Konkret heißt das, dass man Gott aufrichtig um Verzeihung bitten, die Sünde klar bekennen, voller Reue und Vorsatz es in Zukunft nicht wieder tun soll und die Konsequenzen ausbadet. Davids Innenleben in dieser ganzen Situation ist uns gestern vor allem durch Psalm 51 deutlich geworden. Heute beten wir den zweiten Teil des Psalms, der auch heute die Sehnsucht nach Versöhnung mit Gott verdeutlicht.

Ps 51
12 Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz und einen festen Geist erneuere in meinem Innern! 
13 Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, deinen heiligen Geist nimm nicht von mir! 
14 Gib mir wieder die Freude deines Heils, rüste mich aus mit dem Geist der Großmut! 
15 Ich will die Frevler deine Wege lehren und die Sünder kehren um zu dir. 
16 Befreie mich von Blutschuld, Gott, du Gott meines Heils, dann wird meine Zunge jubeln über deine Gerechtigkeit! 
17 Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund dein Lob verkünde!

„Erschaffe mir Gott ein reines Herz“ ist die Erkenntnis, dass der Mensch sich selbst nicht gut machen kann. Vor allem wenn man sich schuldig gemacht hat, kann man nicht selbstständig wieder den Zustand der Schuldlosigkeit zurückerlangen. Gott ist es, der uns wieder in den Stand der Gnade zurückversetzen kann, indem er uns die Schuld vergibt, uns reinigt, uns erneuert durch den Hl. Geist. Er kann unser Herz wieder rein machen und uns einen „neuen beständigen Geist“ schenken.
David bittet Gott darum, die Freundschaft mit ihm nicht zu kündigen („verwirf mich nicht von deinem Angesicht“). Er bittet ihn darum, die Salbung nicht zurückzunehmen, seinen gesamten Heilsplan mit David („nimm deinen Hl. Geist nicht von mir“, denn Salbung bedeutet Geistgabe). Er bittet Gott insgesamt darum, den Bund mit ihm nicht zu kündigen wegen dem, was er ihm angetan hat. Gott hat ihm aber zugesagt, dass er treu ist und einen Bund nicht zurücknimmt.
Davids Sünde hat ihn unglücklich gemacht. Das wird uns deutlich aufgrund der Bitte hier im Psalm „mach mich wieder froh mit deinem Heil“. Die Sünde macht uns immer unglücklich, weil sie uns in einen Streit mit Gott bringt. Wenn wir uns aber von Gott entfernen, entfernen wir uns von der Lebensquelle. Dann kann es uns seelisch nur schlecht gehen. Wir werden innerlich einsam und unzufrieden. Wir werden traurig, weil Freude eine Frucht des Hl. Geistes ist. Diesen verlieren wir aber durch die Sünde. David möchte wieder zur glücklichen Beziehung zu Gott, zu seiner ersten Liebe zurückkehren. Er bittet Gott um die Frucht der Freude, die nur der Hl. Geist wieder verleihen kann. Er kann sich nicht selbst glücklich machen. Es ist ein Geschenk, das von Gott kommt. Das hat David verstanden.
David verspricht, Gott auch vor den Abtrünnigen zu bekennen und anderen Sündern auf den Weg zurück zu Gott zu führen. Gott möge ihn von der Blutschuld befreien, die er durch den Mord Urijas auf sich geladen hat, dann wird David Gott loben und preisen. Gott möge ihm die Lippen öffnen, damit er wieder Lobpreis machen kann. Dies kann er zurzeit nicht, denn sein Herz ist nicht bereit dafür. Dieses muss Gott erst verwandeln. Für David kommt kein oberflächliches Loben in Frage. Schließlich möchte er mit dem Herzen immer dabei sein und es ist für David ein Ausdruck der innigen Beziehung zu Gott. Diese ist jetzt aber gestört. Auch wir Menschen können Gott wieder loben und preisen, wenn alles Störende ausgeräumt ist. Wenn wir wieder im Stand der Gnade sind, können wir wieder feiern. Dann ist die Gemeinschaft mit Gott wiederhergestellt. Wir denken da besonders an die Eucharistie. Bei dieser antizipierten Hochzeit des Lammes können wir den Leib Christi erst empfangen, wenn die Gemeinschaft intakt ist. Wie traurig man sich fühlt, wenn man nicht nach vorne gehen kann, weil man sich schwer versündigt hat! Dann beten auch wir „verschaffe mir Gott ein reines Herz! Mach mich wieder froh mit deinem Heil, mit deinem Jesus!“ Auch uns möchte Gott die Schuld vergeben und hat deshalb das Sakrament der Versöhnung gestiftet. Wie wohltuend ist es für die Seele, dieses Heilmittel in Anspruch zu nehmen! Umso trauriger ist es, dass so wenige Menschen diese Chance in Anspruch nehmen möchten. So werden sie aber auch zeitlebens unglücklich sein.

Mk 4
35 Am Abend dieses Tages sagte er zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. 

36 Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; und andere Boote begleiteten ihn. 
37 Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann. 
38 Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? 
39 Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein. 
40 Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? 
41 Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen?

Nachdem Jesus jetzt mehrere Gleichnisse erzählt hat (wir hörten davon die letzten Tage), fährt er nun mit seinen Jüngern in einem Boot zum anderen Ufer des Sees Genesaret. Vor einigen Wochen haben wir über diese Fahrt von einem Ufer zum anderen vierfach nachgedacht. Dann war dieses Boot als die Kirche zu betrachten, die auf dem See der Endzeit durch allerlei Stürme hindurch auf die Ewigkeit zusteuert. Es ist auch das Boot unseres Lebens, in dem wir durch die Stürme unseres Alltags hindurch auf das ewige Leben zusteuern, ebenso die gesamte Menschheitsgeschichte, die sich auf die Endzeit zubewegt, auf den Tag des Jüngsten Gerichts zu.
Entscheidend ist, dass Jesus mit im Boot ist. So kann das Boot nicht kentern, weder als Kirche Christi betrachtet, die die Mächte der Finsternis nicht überwältigen werden, noch als unser eigenes Leben betrachtet, in denen die Versuchungen des Teufels uns mit Jesu Beistand nichts anhaben können. Auch mit Blick auf das Ende der Zeiten und dem Gericht Gottes wird uns ein gutes Gerichtsurteil erwarten, wenn Jesus im Boot ist.
Und wenn die schweren Stürme kommen, vergessen wir manchmal, dass er da ist. Dann werden wir panisch, weil Wasser ins Boot läuft. Dann schreien wir zu Gott, dass er uns helfe und rütteln am schlafenden Jesus. Wir verstehen dann nicht, warum Gott so gelassen bleibt, obwohl die Situation so dramatisch erscheint. Das ist sowohl im kirchlichen Leben als auch im alltäglichen Leben des Einzelnen so. Wir haben den Eindruck, dass wenn ein Schisma droht, wenn Angriffe von innen und außen kommen, die Kirche untergehen wird. Dabei vergessen wir, dass dies nicht passieren kann. Jesus hat es uns versprochen und er wird uns auch helfen. Das ist auch so, wenn wir schlimmen Versuchungen ausgesetzt sind oder schwierige Probleme im Leben bekommen. Dann haben wir schnell den Eindruck, dass alles den Bach hinuntergeht. Wir schöpfen wie wild eimerweise das hineinlaufende Wasser aus und reagieren hektisch, unüberlegt. Genau dies möchte der Teufel auch, er will uns verrückt machen, dass wir die Orientierung verlieren. Dabei müssen wir dann erst recht ruhig bleiben, uns besinnen und uns an Christus wenden. Wenn wir Versuchungen ausgesetzt sind, sollen wir beten, Kontakt zu Gott suchen. Er wird sie vertreiben. Er muss nur ein Wort sagen und alles wird verwandelt werden. Wir sollen auf Gott vertrauen und seinen Worten glauben, wenn er sagt: Es wird euch nichts passieren. Wie oft machen wir die Erfahrung, dass wir uns vornehmen, unsere Beziehung zu Gott zu vertiefen und ihn besser kennen lernen zu wollen. Dann kommen tausend Ablenkungsmanöver durch die alltäglichen Sorgen, Probleme und Zwischenfälle. Wir werden davon so abgelenkt, dass wir weder die Zeit noch die Kraft, noch den Gedanken übrig haben, unser ursprüngliches Vorhaben in die Tat umzusetzen. Es sind die typischen Schachzüge des Teufels, uns von Gott wegzuziehen. Wenn im Alltag so viele Probleme auftauchen und uns wieder aufzuzehren versuchen, seien wir uns dann bewusst, wer eigentlich dahintersteckt. Zeigen wir es ihm dann so richtig, indem wir uns dann gerade an Gott klammern, uns dann gerade mehr Zeit zum beten nehmen und vor allem noch mehr die Sakramente in Anspruch nehmen, häufiger beichten, häufiger die Kommunion empfangen. Dann tun wir dadurch genau das, was die Jünger Jesu auch tun – mit dem Wasserschöpfen aufhören und Jesus wecken. Mit seiner Hilfe wird uns alles gelingen.

Und wenn wir dies nun zurückbeziehen auf König David, erkennen wir, dass die Zuhilfenahme Gottes und das absolute Vertrauen auf ihn gerade auch in Schuldsituationen zu suchen ist. Was mit David passiert ist, ist ein großes Loch in seinem Boot durch einen besonders starken Sturm. Er hat den Versuchungen des Teufels nachgegeben, die man mit diesem Bild hier als Sturmböen beschreiben kann. Er hat nicht wie wild angefangen, das Loch selbst zu stopfen und das Wasser selbst auszuschöpfen, sondern er hat den Herrn sofort geweckt. Er bat ihn um Verzeihung und betete – so haben wir im Psalm gehört- erschaffe mir Gott ein reines Herz und gebe mir einen beständigen Geist! Er hat Gott geweckt, weil er verstanden hat, dass er dieses angerichtete Chaos nicht selbst wieder in Ordnung bringen kann. Er vertraute dabei darauf, dass Gott das Boot nicht verlassen wird, sondern sein Versprechen des Bundes hält. Gott hat ihm vergeben und sein Boot ging nicht unter. Natan hat David ja zugesagt „du wirst nicht sterben“. Aber er musste für den entstandenen Schaden aufkommen.

Beide Geschichten sind für uns ganz hilfreiche Hinweise, wie wir uns in den Stürmen des eigenen Lebens und der Kirche verhalten sollen, selbst da, wo wir den Stürmen nachgegeben haben. Schließlich bleibt kein einziger Mensch von den Versuchungen verschont. Jeder muss im Sturm kämpfen. Wenden wir uns dabei an Christus, der mit im Boot ist, und bleiben wir gelassen: Wir werden nicht sterben, solange wir den Herrn bei uns haben. Er ist bereit, jedes Loch zu stopfen und die Versuchungen zu vertreiben, wenn wir nur zu ihm kommen im Sakrament der Versöhnung.

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 3. Woche im Jahreskreis

2 Sam 7,4-17; Ps 89,4-5.27-28.29-30; Mk 4, 1-20

Liebe Freunde, die heutigen Textabschnitte sind etwas umfassend. Dies kommt einem aber nicht so vor, denn die Lesungen haben es in sich.

2 Sam 7
4 Aber in jener Nacht erging das Wort des HERRN an Natan: 
5 Geh zu meinem Knecht David und sag zu ihm: So spricht der HERR: Du willst mir ein Haus bauen, damit ich darin wohne?
6 Seit dem Tag, als ich die Israeliten aus Ägypten heraufgeführt habe, habe ich bis heute nie in einem Haus gewohnt, sondern bin in einer Zeltwohnung umhergezogen. 
7 Habe ich in der Zeit, als ich bei den Israeliten von Ort zu Ort zog, jemals zu einem der Stämme Israels, die ich als Hirten über mein Volk Israel eingesetzt hatte, ein Wort gesagt und sie gefragt: Warum habt ihr mir kein Haus aus Zedernholz gebaut? 
8 Sag also jetzt meinem Knecht David: So spricht der HERR der Heerscharen: Ich habe dich von der Weide und von der Herde weggeholt, damit du Fürst über mein Volk Israel wirst,
9 und ich bin überall mit dir gewesen, wohin du auch gegangen bist. Ich habe alle deine Feinde vor deinen Augen vernichtet und ich werde dir einen großen Namen machen, der dem Namen der Großen auf der Erde gleich ist.
10 Ich werde meinem Volk Israel einen Platz zuweisen und es einpflanzen, damit es an seinem Ort wohnen kann und sich nicht mehr ängstigen muss und schlechte Menschen es nicht mehr unterdrücken wie früher 
11 und auch von dem Tag an, an dem ich Richter in meinem Volk Israel eingesetzt habe. Ich verschaffe dir Ruhe vor allen deinen Feinden. Nun verkündet dir der HERR, dass der HERR dir ein Haus bauen wird. 
12 Wenn deine Tage erfüllt sind und du dich zu deinen Vätern legst, werde ich deinen leiblichen Sohn als deinen Nachfolger einsetzen und seinem Königtum Bestand verleihen. 
13 Er wird für meinen Namen ein Haus bauen und ich werde seinem Königsthron ewigen Bestand verleihen. 
14 Ich werde für ihn Vater sein und er wird für mich Sohn sein. Wenn er sich verfehlt, werde ich ihn nach Menschenart mit Ruten und mit Schlägen züchtigen. 
15 Nie wird sich meine Huld von ihm entfernen, wie ich sie von Saul entfernt habe, den ich vor dir entfernt habe.
16 Dein Haus und dein Königtum werden vor dir auf ewig bestehen bleiben; dein Thron wird auf ewig Bestand haben. 
17 Natan sprach zu David genauso, wie es gesagt und offenbart worden war.

Der Anlass für die Eingebung Natans des Propheten hier in der Lesung ist Davids schlechtes Gewissen. Er lebt in einem festen Palast aus Zedernholz, einem Material, das in Israel eher seltener anzutreffen ist. Generell wird wenig mit Holz gearbeitet. Die Bundeslade dagegen befindet sich immer noch im Offenbarungszelt, also keinem festen Tempel. David liebt Gott sehr und erkennt deshalb selbst dieses Unverhältnis. Natan erhält im Anschluss an diese Gedanken Davids, die er ihm eröffnet hat, die heutige Eingebung durch Gott. Es ist eine Verheißung für die Zukunft. Zunächst spricht Gott etwas, das sich mit den Worten des Menschensohnes wiederholen wird: Gott hat keinen festen Wohnsitz in dieser Welt. Auch Jesus Christus wird nichts Eigenes besitzen. Vom Moment seiner Geburt an ist für ihn alles nur geliehen. Er kommt in einem Stall zur Welt, der seiner Familie nicht gehört. Er muss nach Ägypten fliehen, wo er vorübergehend einen Wohnsitz hat. Er zieht als Erwachsener umher und kommt bei Freunden unter. Nach seinem Tod bekommt er nicht einmal ein eigenes Grab, sondern es wird ihm geliehen durch Josef von Arimathäa. Jesus sagt selbst: „Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“ (Mt 8,20). Und wir Christen leben auch mit einer Mentalität, dass dieses Dasein hier nur vorübergehend ist. Wir singen gerade bei Beerdigungen das Kirchenlied „Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh‘ mit mancherlei Beschwerde der ewigen Heimat zu.“ Und ein Lied der Emmanuel-Gemeinschaft heißt „Unsere wahre Heimat ist im Himmel“. Dort werden wir uns wirklich etablieren, weshalb wir uns nicht so sehr an die irdischen Güter binden sollen. Mit dem Tod müssen wir sie ohnehin zurücklassen. Meine Oma pflegte immer zu sagen: „Das Totenhemd hat keine Taschen.“
Dann stellt Gott sinngemäß die Frage: „Habe ich jemals von den Israeliten verlangt, dass sie mir einen Tempel bauen?“ So ist Gott. Er gibt im Übermaß und verlangt von uns nichts außer die Gegenliebe. Seine Liebe ist nie berechnend so nach dem Motto: „Ich gebe ihnen nun dies und das. Dann werden sie so dankbar sein und in meiner Schuld stehen, dass ich jenes dafür verlangen kann.“ Die Gottesliebe ist eine maximal selbstlose Liebe.
Gott gibt David zu verstehen, dass er ihn deshalb von der Herde weggeholt hat und ihn zum König berufen hat, um Israel anhaltende Ruhe vor den Feinden zu verschaffen und ISRAEL einen festen Wohnsitz zu schaffen, nicht Gott. Die Berufung zum Tempelbau wird an seinen Sohn ergehen, dessen Namen Gott hier noch nicht preisgibt (es wird Salomo sein, wir kennen den weiteren Verlauf).
Wenn wir die Verheißung Gottes für das auserwählte Volk so lesen, kommen wir nicht umhin, über den wörtlich-historischen Sinn hinauszugehen. Dann handelt es sich beim festen Wohnsitz nicht nur um das verheißene Land für das Volk Israel, das endlich frei ist von Fremdherrschaft – denn genau diese geht ja noch weiter. Es wird sogar noch schlimmer, sodass die Assyrer und die Babylonier den Israeliten das Leben zur Hölle machen werden. Es handelt sich um den festen Wohnsitz in der Ewigkeit, und zwar für das Volk des Neuen Bundes, gleichermaßen Juden und Heiden. Sie werden frei sein von allen Angriffen, Fremdherrschaften und Leiden. Dies betrifft die neue Schöpfung am Ende der Zeiten, aber auch schon die Ewigkeit für jeden Menschen nach dem Tod. Sakramental wird dies schon mit der Kirche vorweggenommen. Sie ist auf Felsen gebaut, den man nicht einfach wegwälzen kann. Jesus verheißt im NT, dass die Mächte der Finsternis sie nicht überwältigen werden. Ihr Sitz kann nicht einfach ausgelöscht werden. Die Rede von der Errichtung eines Wohnsitzes für Israel wird im Hebräischen mit Zukunftsformen ausgedrückt. Sie steht also noch aus. Umso deutlicher werden hier die Errichtung der Kirche durch Christus und das Reich Gottes angekündigt. Dieser feste Wohnsitz ist auch moralisch zu verstehen: Gott errichtet ein Haus aus Stein im Herzen jedes Menschen durch die biologische Schöpfung. Wir nennen dieses Haus die ewige Seele, die den Menschen zum Abbild Gottes macht. Bei der Taufe bezieht Gott selbst Wohnung im Herzen und stattet es aus mit seinem Geist. Er errichtet das Reich Gottes schon in der Seele des Getauften, der von da an zum Erben dieses Reiches eingesetzt wird.
Das Königtum Salomos wird Bestand haben. Diese göttliche Verheißung ist die Zusage, dass Gott Salomo segnen wird. Dieser wird einen festen Tempel für Gott errichten.
Dann sagt Gott etwas, das wir wiederum absolut typologisch lesen müssen. „Ich werde für ihn Vater sein und er wird für mich Sohn sein.“ Zunächst meint es wörtlich-historisch gelesen die innige Beziehung zwischen Gott und Salomo, der Davids Frömmigkeit ähnelt. Zugleich müssen wir es schon weiterlesen. Salomo ist ein Typos Christi, das heißt ein Vor-Bild dessen, was Jesus dann erfüllen und sogar überbieten wird. Jesus ist nämlich nicht nur sinnbildlich „wie ein Sohn“, sondern wortwörtlich. Er ist der Einziggeborene Gottes. Alle Geschöpfe sind geschaffen, er ist aber vor aller Zeit gezeugt worden. Er ist eines Wesens mit dem Vater. Er ist dann wirklich in einer Vater-Sohn-Beziehung mit Gott Vater. Wir können es mit der Kirche weiterführen: Durch die Taufe sind wir alle „von Knechten zu Freunden“ geworden (vgl. Joh 15,15). Wir sind Kinder Gottes durch die Neuschöpfung im Hl. Geist, die die Taufe ist. Wir sind aber von der Natur her trotzdem Geschöpfe und bleiben es. Wir werden nie göttlich. Wir sind durch die Gnade zu geistigen Kindern Gottes geworden, als wir getauft wurden. So wie der Vater bei der Taufe Jesu vom Himmel spricht „dies ist mein Geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe (d.h. den ich offiziell als meinen Sohn und Erben annehme)“, so sagt er auch jedem Täufling zu „dies ist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter“. Und wie Salomo sind die Getauften Königskinder. Bei der Taufe wird der Täufling mit Chrisam gesalbt, dem Öl, das früher Königen und Propheten vorbehalten war. Wir gehören zur Royal Family Gottes.
Wenn in Vers 13 angekündigt wird, dass Salomo Gott einen Tempel bauen wird, müssen wir das auch typologisch weiterlesen: Denn der neue Salomo Christus wird sagen: „Reißt diesen Tempel nieder und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten“ (Joh 2,19). Er meint damit zunächst sich selbst, den „Tempel seines Leibes“ (Joh 2,21), aber auch die gesamte Tempelpraxis. Denn wie der Hebräerbrief ausführlich erklärt, ist Jesus für uns einmalig gestorben zur Sühne der Sünden aller Menschen damals, heute und in Zukunft. Die gesamte Tempelpraxis entfällt somit. Die Hohepriester sind dann überflüssig. Er besiegelt den neuen Bund zwischen Gott und allen Menschen, sodass der neue Tempel die Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen ist. Sie ist der „Tempel seines Leibes“. Nicht umsonst wird die Kirche immer wieder bei Paulus als sein Leib beschrieben, dessen Haupt Christus ist. Und moralisch weitergelesen sind wir alle mit dem Tempel des Hl. Geistes ausgestattet, mit unserer ewigen Seele. Mit der Neuschöpfung der Taufe baut Christus diesen inneren Tempel neu auf, sodass der Geist Gottes Einzug halten kann. Und wie Christus in den Evangelien die Händler aus dem Tempel gejagt hat, eine regelrechte Tempelreinigung vorgenommen hat, so reinigt er im Sakrament der Beichte unseren inneren Tempel von allen „Händlern“ etc. die sie zu einer „Räuberhöhle“ haben verkommen lassen.
Gott wird Salomo nie seine Gnade versagen, er wird ihn nie verwerfen. Gottes ewige Treue sagt er auch Jesus Christus zu, den er am Ende von den Toten auferweckt hat. Er hat seinen Sohn wirklich nicht verlassen, sondern „ihn über alle erhöht“ (Phil 2,9). Seine ewige Treue verspricht Gott jedem Menschen. Er ruft ihn immer und immer wieder bis zum Ende seines Lebens, damit er die Chance der Umkehr nutzen kann. Er wird ihn immer wieder an sich ziehen und ihn auch züchtigen, wie es hier heißt. Er wird zulassen, dass der Mensch die Konsequenzen seiner Verfehlungen tragen muss, dass er dadurch nachdenklich und reumütig wird, dass er sich endlich Gott zuwendet und ihn zurückliebt. Gottes ewige Treue wird auf besondere Weise jedem Getauften zugesagt, der zum Erben im Reich Gottes wird. Das Versprechen, am Ende des Lebens bei Gott wohnen zu dürfen, meint Gott ernst. Er züchtigt gerade seine eingesetzten Erben, damit sie bereit gemacht werden, im Reich Gottes bestehen zu können.
Der ewige Thron, der Bestand haben wird, ist zunächst auf Salomos Herrschaft zu beziehen, aber es wird nicht ewig sein. Die oben schon erwähnten Assyrer und Babylonier, die Perser und die Römer, sie werden abwechselnd auf dem Thron sitzen und die Israeliten unterdrücken. Der Thron ist über Salomo hinaus auf den neuen Salomo zu beziehen: Christus, der zur Rechten Gottes auf dem Thron Platz genommen hat. So glauben und beten wir im Glaubensbekenntnis. Ein Thron im Himmel steht aber nicht nur für Christus bereit, sondern auch für uns Menschen. Allen voran ist Maria ein Ehrensitz bereitet worden – parallel zur Typologie Salomo-Christus wird sie zum Antitypos der salomonischen Königsmutter, für die neben ihrem Sohn ein Thron aufgestellt worden ist (1 Kön 2,19). In der Offb lesen wir auch, dass die Aposteln und die Heilsgestalten des AT bei Gottes Thron auf eigenen Thronen sitzen. Jedem von uns wird ein „Thron“ bereitet, die wir seine königlichen Kinder sind. Das ist natürlich metaphorisch zu verstehen und wir dürfen uns auf keinen Fall einbilden, im Himmel vergöttlicht zu werden.
Die heutige Verheißung Gottes an David ist sehr dicht. In jedem Vers steckt so viel drin, dass man zu jedem einzelnen Vers ein eigenes Buch schreiben könnte.

Ps 89
4 Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten und David, meinem Knecht, geschworen: 
5 Auf ewig gebe ich deinem Haus festen Bestand und von Geschlecht zu Geschlecht gründe ich deinen Thron.
27 Er wird zu mir rufen: Mein Vater bist du, mein Gott, der Fels meiner Rettung. 
28 Ja, zum Erstgeborenen mache ich ihn, zum Höchsten unter den Königen der Erde. 
29 Auf ewig werde ich ihm meine Huld bewahren, mein Bund mit ihm ist verlässlich. 
30 Sein Haus lasse ich dauern für immer und seinen Thron wie die Tage des Himmels.

Wir beten aus gegebenem Anlass wieder den sogenannten Königspsalm 89. Die Psalmen reflektieren ja immer die Lesung aus dem AT. Gott ist es, aus dessen Sicht hier beschrieben wird: „Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten und David“. Wörtlich steht hier „Ich schnitt einen Bund (im Hebräischen schneidet man, כָּרַ֣תִּֽי karati „ich schnitt“) mit meinem Erwählten, ich schwor meinem Knecht David.“ Es handelt sich also nicht um zwei Personen, sondern bezieht sich beides auf ein und dieselbe Person. Gott hat einen Bund mit diesem besonderen König geschlossen. Es handelt sich um die Bekräftigung und Ausweitung des Alten Bundes zu einer gesamtstämmischen Einheit. Das ganze ist aber auch typologisch zu betrachten – der Erwählte (hier ist wieder das Wort בָּחִיר bachir enthalten, der Jüngling im heiratsfähigen Alter) ist nun auf Jesus zu beziehen, der sich freiwillig zum bachir macht um des Himmelreiches willen. Er bezeichnet sich sogar als Eunuchen, meint dies aber natürlich nicht wörtlich, sondern sinnbildlich. Dieser Bund, den Gott geschlossen hat durch Christus, ist der Neue Bund mit allen Menschen. Im griechischen AT wird sogar mit Plural übersetzt, was linguistisch gesehen auch möglich ist. Dadurch wird nicht Christus in den Blick genommen, DURCH den der Neue Bund besiegelt worden ist, sondern die „Erwählten“, wir Menschen, MIT denen er ja den Bund geschlossen hat. Der griechische Begriff an dieser Stelle ist ἐκλεκτοῖς eklektois und wird auch im NT sowohl für Christus als auch für die Getauften verwendet (Lk 23,35; 1 Petr 1,1).
Auch hier wird die Zusage Gottes aufgegriffen, dem davidischen Königshaus Bestand zu verleihen. Dies wird der Fall sein, aber anders als die Menschen denken: Es wird ewig bestehen durch Christus, den Sohn Davids, der tatsächlich leiblicher „Sohn“ Davids ist. Wir lesen dies ja im Stammbaum nach Matthäus. Er trägt Davids Gene in sich. Und doch ist dies ein anderes Königtum als das des David. Es geht hier um den König des Reiches Gottes. Sein Reich ist nicht von dieser Welt, wie er selbst vor Pilatus erklärt hat (vgl. Joh 18,36). „Von Geschlecht zu Geschlecht“, d.h. in diesem Fall dann zu allen Zeiten, wird Christus der König derer sein, die an ihn glauben und sich auf seinen Namen taufen lassen. Das „Haus“, das hier erwähnt wird, ist wörtlich gesehen zunächst das Königshaus. Wir müssen es aber tiefer verstehen als Kirche. Sie ist als Gemeinschaft der Gläubigen das Königreich Christi auf Erden, die sakramentale Antizipation der Ewigkeit. Sie wird auf ewig nicht untergehen – solange die Welt besteht, wird der Satan sie nicht überwältigen, das hat der treue Christus uns versprochen – und am Ende der Zeiten wird sie sich durchsetzen und ihren Wohnsitz einnehmen in der neuen Schöpfung Gottes.

Mk 4
1 Und wieder begann er, am Ufer des Sees zu lehren, und sehr viele Menschen versammelten sich um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot auf dem See und setzte sich; die Leute aber standen am Ufer. 
2 Und er sprach lange zu ihnen und lehrte sie in Gleichnissen. Bei dieser Belehrung sagte er zu ihnen: 
3 Hört! Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen. 
4 Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es. 
5 Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; 
6 als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. 
7 Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat und sie brachte keine Frucht. 
8 Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht; die Saat ging auf und wuchs empor und trug dreißigfach, sechzigfach und hundertfach. 
9 Und Jesus sprach: Wer Ohren hat zum Hören, der höre!

10 Als er mit seinen Begleitern und den Zwölf allein war, fragten sie ihn nach dem Sinn seiner Gleichnisse. 
11 Da sagte er zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben; für die aber, die draußen sind, geschieht alles in Gleichnissen; 
12 denn sehen sollen sie, sehen, aber nicht erkennen; hören sollen sie, hören, aber nicht verstehen, damit sie sich nicht bekehren und ihnen nicht vergeben wird.
13 Und er sagte zu ihnen: Wenn ihr schon dieses Gleichnis nicht versteht, wie wollt ihr dann all die anderen Gleichnisse verstehen? 
14 Der Sämann sät das Wort. 
15 Auf den Weg fällt das Wort bei denen, die es zwar hören, aber sofort kommt der Satan und nimmt das Wort weg, das in sie gesät wurde. 
16 Ähnlich ist es bei den Menschen, bei denen das Wort auf felsigen Boden fällt: Sobald sie es hören, nehmen sie es freudig auf; 
17 aber sie haben keine Wurzeln, sondern sind unbeständig, und wenn sie dann um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt werden, kommen sie sofort zu Fall. 
18 Bei anderen fällt das Wort in die Dornen: Sie hören es zwar, 
19 aber die Sorgen der Welt, der trügerische Reichtum und die Gier nach all den anderen Dingen machen sich breit und ersticken es und es bleibt ohne Frucht. 
20 Auf guten Boden ist das Wort bei denen gesät, die es hören und aufnehmen und Frucht bringen, dreißigfach, sechzigfach und hundertfach.

Auch das Evangelium ist sehr dicht. Wir hören heute ein Gleichnis Jesu. Es beginnt mit Mk 4 eine Reihe von Gleichnissen, die Jesus für das Reich Gottes anbringt, dem Reich, das Gott David durch Natan schon verheißen hat und das „Bestand haben wird“.
Die Umstände der Lehre Jesu stellen ein Déjà vu dar. Er muss wieder in ein Boot steigen, um von dort aus die Menschenmassen zu lehren. Es ist einerseits voll, andererseits lehrt er dadurch seine Jünger. Eigentlich hätte er auch auf einen Felsen oder ein Podest steigen können, aber er möchte seinen berufenen Menschenfischern noch einmal demonstrieren, wie das geht. Der Köder, durch den die Fische anbeißen sollen, ist das Wort Gottes. Das Bild muss dabei richtig verstanden werden. Im Gegensatz zu den Fischen, die durch das erfolgreiche Fangen sterben, erhalten die Menschenfische durch das Gefangenwerden das ewige Leben, die Freiheit des Reiches Gottes. Und doch ist dieses Bild das Geeignetste für die „Fischer-Jünger“. Jesus wirft vor ihren Augen die Netze aus. Er beginnt zu lehren. Er erklärt dabei das Reich Gottes. Seine Worte sind der köstlichste Köder, denn die Menschenmassen nehmen dafür lange Reisen auf sich (naja, vor allem natürlich wegen der darauffolgenden Heilungen, aber dennoch…). Was Jesus heute erklärt, ist ein anderes Bild für das Menschenfischen – das Säen von Samen.
So ist der Hl. Geist. Wenn Gott uns Menschen etwas Entscheidendes eingeben möchte, wenn er uns seinen Willen kundtun will, dann tut er das nicht einmalig. Er möchte, dass wir das ja auch sicher begreifen, deshalb wiederholt er Eingebungen. Der Hl. Geist wiederholt sich. Er macht sich sogar noch mehr Mühe und gibt es einem mit unterschiedlichen Worten, auf unterschiedlichen Wegen, mit unterschiedlichen Bildern ein. Gott geht immer auf Nummer sicher, dass wir seinen Willen wirklich begreifen. Deshalb erklärt Jesus den Menschen das Reich Gottes mit vielen unterschiedlichen Metaphern und Gleichnissen. Deshalb erklärt er seinen Jüngern auch das Menschenfischen mit unterschiedlichen Bildern.
Das Gleichnis selbst deutet er nicht vor den Menschenmassen, sondern nur für den Zwölferkreis. Der Säman ist Christus, der Same das Wort Gottes. Jesus hat mit dem Gleichnis das umschrieben, was er in dem Moment auch tat: vom Boot aus den Menschenmassen, die die unterschiedliche Böden darstellen, das Wort Gottes predigen, also aussäen. Die Jünger haben seine Pointe nicht verstanden, obwohl es Jesus immer darum geht, Dinge nicht zu sagen, sondern zu zeigen. Er konfrontiert sie, um sie wach zu rütteln: „Wenn ihr das schon nicht verstanden habt, wie wollt ihr dann die künftigen Gleichnisse verstehen?“ Er möchte sie dadurch nicht niedermachen, sondern tut, was Gott David verheißen hat – züchtigen, tadeln, kritisieren, mit anderen Worten schleifen, dass sie zu schönen Diamanten werden. Sie sollen lernen, alles so zu sehen wie er selbst.
Jesus erklärt auch die verschiedenen Beschaffenheiten des Bodens, auf den das Wort Gottes fällt. Es sind die unterschiedlichen Herzenshaltungen der Menschen, mit denen sie Jesu Predigt in sich aufnehmen: Der Same auf dem Weg wird vom Satan direkt geraubt, bevor es Wurzeln schlagen kann. Warum ausgerechnet auf dem Weg? Es sind die Menschen, die im Prozess der Umkehr sind, die noch auf dem Weg zu Gott sind. Der Satan gerät in Panik und tut alles, damit die Seele nicht für Christus gewonnen wird. Er will die Seele für sich behalten. Deshalb müssen wir sehr viel für jene beten, die Gott suchen und vielleicht sogar schon auf dem Weg zur Taufe sind. Sie erleiden starke Anfechtungen und Versuchungen, denn Satan will unsere Königskindschaft mit allen Mitteln verhindern.
Der felsige Boden ist die Haltung der Menschen, die einen oberflächlichen Glauben haben, ohne Wurzeln und unbeständig. Beim ersten Widerstand geben sie auf, weil es zu unangenehm wird und es ihnen aufgrund der fehlenden Wurzeln den Boden unter den Füßen wegzieht. Solche „christlichen Sanguiniker“ sind diejenigen, die sich das Angenehme gern herauspicken und das Unangenehme ausblenden. Sie sind felsig, das heißt, sie wollen sich nicht ganz formen lassen von Gott, der auch mal züchtigen muss, der uns nicht immer nur Feierlaune, sondern auch mal den grauen Alltag bereithält. Die Felsen der eigenen Voreingenommenheit, die Patchwork-Mentalität zerstören aber die Samen des Wortes Gottes. So wächst es nicht in jenen Menschen, so werden jene Menschen also nicht zum Leib Christi, dem fleischgewordenen Wort Gottes.
Die Herzenshaltung des dornigen Gestrüpps ist besonders tödlich. Gottes ewiges Wort, seine Weisheit, die nicht von dieser Welt ist, gerade auch vom Denken her, ist ganz anders als die Sichtweise der Welt mit ihren Verlockungen und ihrer Sünde. Doch in Menschen, die so weltlich eingestellt sind, auch gerade Menschen, die sich übertriebene Sorgen machen, also zu wenig Gottvertrauen besitzen, kann das Wort Gottes nicht keimen, Wurzeln schlagen, wachsen, Früchte tragen. Es stirbt sofort ab, weil das Herz voll von anderem ist. Jesus, das Wort Gottes, findet keinen Platz im Herzen solcher Menschen. Und er ist ein Gentleman. Wer ihn nicht hineinlässt, den lässt er auch in Ruhe. Dieses Dornengestrüpp breitet sich in unserer Kirche heutzutage rasant aus. Immer weniger Geistliche sind noch geistlich eingestellt. Wie viele unserer deutschen Bischöfe bestimmen ihr gesamtes Wirken noch von Christus her, dessen Reich nicht von dieser Welt ist? Es dominiert immer mehr die menschliche und weltliche Denkweise. Das Humanistische erfüllt die ganzen kirchlichen Grundvollzüge – so stark, dass für den Hl. Geist kein Platz mehr übrig bleibt.
Schließlich beschreibt Jesus die Fruchtbaren – die, die hören, aufnehmen und Frucht tragen. „Hören“ meint mehr als nur das physische Hören. Es meint den Ge-hor-sam, das Hören mit dem Glauben, das „auf ihn Hören“. In sich aufnehmen tun jene das Wort Gottes, die es an sich heranlassen. Die es akzeptieren und be-herzigen im wortwörtlichen Sinn: die es in sich verarbeiten, es betrachten, darüber nachdenken, es immer tiefer zu verstehen versuchen, die es nicht nur oberflächlich und rein informativ registrieren. Maria ist ein perfektes Beispiel für das „in sich Aufnehmen“. Sie bewahrt alle Geschehnisse in ihrem Herzen und denkt darüber nach. Das macht sie zur perfekten Jüngerin und dem fruchtbarsten Boden – auf dem das Wort Gottes deshalb auch Fleisch geworden ist! Früchte trägt das Wort Gottes dann, wenn die Menschen es in ihr eigenes Denken aufgenommen haben, wenn es von da an ihre eigenen Gedanken, Worte und Taten bestimmt, wenn es konkrete Auswirkungen hat im Verhalten.

Am Ende wird Jesus noch einen drauflegen. Er wird nicht nur das Wort Gottes säen in Form von gesprochenem Wort und Heilsdienst. Er wird sich selbst hingeben für die vielen Menschen am Kreuz. Er wird sein Fleisch und Blut austeilen und auch dann wird es auf unterschiedlichen Boden fallen. Der neue Bund wird allen Menschen angeboten, doch annehmen werden ihn nicht alle. Viele wird es kalt lassen, was Jesus für sie getan hat. Viele werden es zunächst annehmen und dann beim ersten Problem von ihm weglaufen. Nicht alle werden fruchtbar. Einige werden nicht glauben, dass Jesu Tat sie wirklich gerettet hat. Sie werden an ihrem fehlenden Vertrauen an Gott ersticken.
Jesus sät seinen „Samen“, d.h. sein Fleisch und Blut, in jeder Hl. Messe in das Herz der Kirche. Er sät sein Fleisch in unsere Herzen, die wir ihn in der Kommunion empfangen! Wird sein Same dort auf fruchtbaren Boden fallen? „Du bist, was du isst.“ Das ist nicht nur der Slogan von Wasa, das ist zuerst das Motto der Eucharistie. Wir werden immer mehr zum Leib Christi, indem wir ihn empfangen. Dies wird sich in unseren Gedanken, Worten und Werken immer mehr zeigen. Auch gerade im Alltag, da wo uns keiner sieht, da wo wir dann umsetzen sollen, was wir gelernt haben.
Das alles drückt Jesus heute im Evangelium aus.
Noch eine Sache ist hier zu erklären: Was meint Jesus mit diesen drastischen Versen 11 und 12? Will Jesus nicht, dass alle Menschen gerettet werden? Warum sagt er dann so etwas? Jesus zitiert hier Jesaja 6,9-10. Bei Jesaja wird dieses rätselhafte Wort im Anschluss an dessen Berufung genannt. Seine Berufung besteht darin, die Menschen vor die Wahl zu stellen: Er soll nicht so auftreten, dass weniger Menschen zu Gott umkehren, sondern damit sie sich die Mühe machen, seine Botschaft zu verstehen. Sie sollen „gezüchtigt“ werden, wie es Gott König David prophezeit hat. Diese „Hürde“ ist ein wichtiger Reifeprozess, damit jene, die ihn vollständig durchlaufen, sich wirklich ganz für Gott entscheiden können. Gott ist also kein Sadist, sondern er tut es, damit unsere Herzen für den Empfang des ewigen Heils bereitgemacht werden. So tut es auch Jesus mit den Gleichnissen. Er „verschleiert“ seine Verkündigung, damit die Menschen nicht einfach nur alles registrieren und fertig, sondern sich wirklich die Mühe machen, darüber nachzudenken. So kann er indessen ihre Herzen formen. Das Wort Gottes ist ein zweischneidiges Schwert. An ihm scheiden sich die Geister. Jene, die nur aus Sensationsgier da sind, die an dem Inhalt der Verkündigung Jesu kein Interesse haben, kehren sich davon ab, weil es zu viel Mühe bereitet, es zu verstehen. Jene, die wirklich mit offenem Herzen gekommen sind, werden sich diese Mühe aber machen und so wird die Verschleierung Jesu zu einer großen Chance für alle Anwesenden. Es hängt also nicht von Gott ab, der irgendwelche Vorbehalte macht, sondern vom Menschen selbst, ob er sich bekehrt. Und die, die noch nicht umgekehrt sind, sind jene, die „draußen sind“.
Jesus zitiert Jesaja noch wegen einer weiteren Sache, die wir heute weniger verstehen, weil wir mit dem AT nicht so vertraut sind wie seine Jünger: Liest man Jesaja 6 weiter, aus dem Jesus ja zitiert, heißt es am Ende des Kapitels: „12 Der HERR wird die Menschen entfernen, sodass die Verlassenheit groß ist inmitten des Landes. 13 Bleibt darin noch ein Zehntel, so soll es erneut abgeweidet werden, wie bei einer Eiche oder Terebinthe, von denen beim Fällen nur ein Stumpf bleibt. Heiliger Same ist sein Stumpf.“ Bei Jesaja wird die Samen-Metapher schon gebraucht! Das ist hier zwar noch genealogisch gemeint – es bleibt ein Stumpf übrig. Jesus deutet sich aber auch selbst an mit dem Jesajazitat und so verbinden die Jünger es dann auch mit Jesu Gleichnisrede.

Heute streut Jesus durch die Tageslesungen sehr viel Samen auf unseren Boden. Wir haben wirklich viel Arbeit damit, es zu hören, es in uns aufzunehmen und in uns wachsen zu lassen.
Schon im zweiten Samuelbuch wird sehr vieles verheißen, das Jesus dann erfüllt. Anhand der Gleichnisrede heute können wir dies beobachten: Er baut den Tempel Gottes auf – in den Herzen der Menschen, indem er ihnen die Tüftel-Aufgabe gibt. Er baut den Tempel durch die Sammlung der Jünger um sich, die Gemeinschaft der Gläubigen. Er sät den Samen, den „heiligen Samen des Stumpfes“, der auf ewig nicht verdorrt, sobald er wirklich gekeimt hat, Wurzeln getrieben hat, gewachsen ist und Früchte trägt.

Durch die ganzen zahlreichen Bilder hindurch zeigt uns heute der Hl. Geist, was all dies für unser Leben bedeutet: Nehmen wir das Wort Gottes in Wort und Sakrament in uns auf. Verdauen wir es im wahrsten Sinne des Wortes, betrachten wir es, verinnerlichen wir es, damit es in unser Denken, in unser Sprechen, in unser Handeln übergeht. So wachsen wir heran zu Menschen, die das Erbe Gottes antreten können in seinem Reich.

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 2. Woche im Jahreskreis

1 Sam 18,6-9; 19, 1-7; Ps 56,2-3.9-10a.10b-11.12-13; Mk 3,7-12

1 Sam 18
6 Als sie nach Davids Sieg über den Philister heimkehrten, zogen die Frauen aus allen Städten Israels König Saul singend und tanzend mit Handpauken, Freudenrufen und Zimbeln entgegen.
7 Die Frauen spielten und riefen voll Freude: Saul hat Tausend erschlagen, David aber Zehntausend. 
8 Saul wurde darüber sehr zornig. Das Lied missfiel ihm und er sagte: David geben sie Zehntausend, mir aber geben sie nur Tausend. Jetzt fehlt ihm nur noch die Königswürde. 
9 Von diesem Tag an war Saul gegen David voll Argwohn.

Heute hören wir von der Nachgeschichte des Siegs Davids über Goliat. Dabei wird langsam deutlich, in welche Richtung die Ereignisse sich entwickeln. Die Passage, die wir weder gestern noch heute hören, ist die Schilderung des weiterführenden Kriegsdienstes Davids. Er wird aufgrund seines Erfolgs in allen möglichen anderen Schlachten eingesetzt und kehrt nicht mehr ins Haus seines Vaters zurück. Zudem wird erwähnt, dass Sauls Sohn Jonathan David in sein Herz schließt und ihm alles Mögliche schenkt. Sie werden nicht nur beste Freunde, sondern Seelenverwandte.
Wir lesen heute nun über die Rückkehr von der Schlacht gegen die Philister. Der Sieg bereitet den Israeliten besonders große Freude, weil sie den Erzfeind Israels dargestellt haben. Bis zum Sieg sind viele Israeliten gefallen und beängstigende Dinge wie der Raub der Bundeslade passiert.
Wie die Philister letztendlich besiegt worden sind, hat sich schon herumgesprochen. Nicht der von den Israeliten bei Samuel erbetene König Saul, dessen Hauptfunktion das Anführen von Kriegen ist, hat den Erzfeind entmachtet, sondern der junge Hirte aus Bethlehem. Das trifft den König sehr, der offensichtlich in seinem Stolz verletzt ist.
Warum berührt es ihn denn so, dass die Frauen als Freudengesang die Zahl der erschlagenen Feinde Davids mit seinen vergleicht? Wie oben erwähnt war das Hauptanliegen der Israeliten bei dem Wunsch nach einem König der Kriegsdienst. Sie wollten einen gemeinsamen Feldherrn, der erfolgreiche Schlachten anführt. Nun merken die Israeliten, dass David genau das erfüllt. Saul ist zwar auch erfolgreich (Tausend), aber nicht so erfolgreich wie David (Zehntausend). Gott hat beide Männer gesalbt, sodass sie mit den königlichen Gaben ausgestattet worden sind. Doch Saul hat den Segen Gottes einige Kapitel zuvor verspielt, David dagegen ist voll des Segens. Das fällt auch dem Volk Israel auf. Saul scheint also nicht nur in seinem Stolz verletzt, sondern scheint eine aufsteigende Beunruhigung zu verspüren. Ihm ist mehrfach von Samuel angekündigt worden, dass seine Tage als König gezählt seien.
Das wird auch der Grund sein, warum er bei sich denkt: „Jetzt fehlt ihm nur noch die Königswürde.“ Denn damit trifft er den Nagel auf den Kopf. Tief in seinem Innern ahnt er schon längst, was passiert.
Die hebräische Verbform וָהָֽלְאָה wahale’ah, die hier mit „voll Argwohn sein“ übersetzt wird, heißt wörtlich eigentlich „müde sein, nachlassen, sich vergeblich bemühen“ und kann in dieser grammatikalischen Form mit „belästigen, ermüden“ übersetzt werden. Wenn wir die Erzählung fortsetzen, verstehen wir, was das heißt: Saul wird alles tun, um David zu erschöpfen, damit er nicht mehr so siegreich ist. Er wird es darauf ankommen lassen, ihn in die gefährlichsten Schlachten zu schicken, damit dieser stirbt, doch er wird dennoch erfolgreich zurückkehren.
Was wir heute alles hören, ist allzu menschlich. Wie oft vernachlässigen wir unseren Blick auf uns selbst vor Gott, indem wir dem Herrn für alles Gute danken, das er durch uns gewirkt hat. Stattdessen sehen wir, was er durch andere tut. Wir vergleichen uns mit anderen, was irreführend ist. Jeder bekommt den Auftrag und die dazu notwendigen Gaben, die perfekt auf einen abgestimmt sind. Warum sollte man das können und unternehmen, wozu man nicht geeignet ist? Saul hat zudem seine Chance verspielt, den Segen Gottes verloren. Das ist an sich drastisch, aber nicht endgültig. Wir Menschen können IMMER zu Gott zurückkehren. Das bedeutet aber, dass wir von dem umkehren müssen, das zum Verlust des Segens Gottes geführt hat. Wir wollen aber oft unsere eigenen Sünden nicht eingestehen, sondern einen Umweg einschlagen, um Segen ohne Umkehr zu erhalten. Das ist aber unmöglich, eine Illusion. Saul macht den Fehler, seine Sünden nicht zu bereuen. Stattdessen begeht er neue Sünden (Eifersucht und Neid sind Sünden gegen das neunte und zehnte Gebot; jemanden in eine Schlacht schicken, damit er stirbt, also versuchter Mord ist gegen das fünfte Gebot). Er verspielt sein ewiges Heil noch mehr. Tun wir es ihm nicht gleich. Bereuen wir unsere Sünden und lassen wir die negativen Gefühle wie Eifersucht und Neid nicht zu. Bitten wir dem Herrn um einen dankbaren Blick auf unser Leben. Bitten wir ihn um Verzeihung und nehmen wir uns vor, von jetzt an ein neues Leben zu führen. Wenn wir dem Herrn auch unsere negativen Gefühle übergeben und ihn bitten, die Wurzel dieser Gefühle (die Minderwertigkeitskomplexe) zu heilen, dann können wir von Grund auf erneuert Gottes Gnade in unser Leben lassen.

Ps 56
2 Sei mir gnädig, Gott, denn Menschen stellten mir nach, Tag für Tag bedrängen mich meine Feinde. 
3 Den ganzen Tag stellten meine Gegner mir nach, ja, es sind viele, die mich voll Hochmut bekämpften.
9 Die Wege meines Elends hast du gezählt. In deinem Schlauch sammle meine Tränen! Steht nicht alles in deinem Buche? 
10 Dann weichen die Feinde zurück, am Tag, da ich rufe. Ich habe erkannt: Mir steht Gott zur Seite. 
11 Auf Gott, dessen Wort ich lobe, auf den HERRN, dessen Wort ich lobe, 
12 auf Gott setzte ich mein Vertrauen, ich fürchte mich nicht. Was kann ein Mensch mir antun? 
13 Ich schulde dir, Gott, was ich gelobte, Dankopfer will ich dir weihen. 

Heute beten wir einen Bittpsalm, der in Notlage gebetet wird. David greift dabei seine eigene Notlage auf, in die er wegen König Saul gerät.
David bittet um Gottes Beistand, „denn Menschen stellten mir nach, Tag für Tag bedrängen mich meine Feinde“. Dies ist wörtlich-historisch zunächst auf die Kriegsfeinde zu beziehen, gegen die er kämpfen muss. Es meint auch König Saul, der zum Feind Davids wird, weil er ihn loswerden möchte. Er ist es vor allem, den David mit „die mich voll Hochmut bekämpften“ meint. Saul rächt sich an David aufgrund seines verletzten Stolzes. Wir müssen es noch darüber hinaus weiterlesen, denn „es sind viele, die mich voll Hochmut bekämpften“. Von allen Seiten muss man mit Neidern rechnen, sobald man positiv auffällt. So ist die Menschheit. Was wir oben schon bedacht haben, gilt auch hier im Psalm: Der Mensch vergleicht sich ständig mit anderen und wird sofort eifersüchtig und neidisch. Das liegt an einer allen Menschen gemeinsamen Wurzel – dem Minderwertigkeitskomplex. Er ist ein Giftstachel, aus dem alles Leid der Welt entspringt. Wie viele endlose Kriege sind aufgrund dieses Komplexes überhaupt geführt worden! Ich denke da z.B. an die Millionen Opfer aufgrund von Stalins Problemen mit sich selbst, ich denke an Hitlers Taten, der so innerlich verletzt war. Wenn wir diesem Giftstachel eine Chance geben, sein Gift in uns auszubreiten, wird es alles um uns herum vergiften. Wir dürfen ihm aber keine Chance geben! Bitten wir den Herrn darum, uns von unseren Komplexen zu befreien und unsere Wunden zu heilen! Dann werden wir selbst gesund sein und unser Umfeld auch.
Gott zählt die Wege des Elends Davids. Er weiß genau um das Leiden seines Auserwählten und dieses ist streng begrenzt. David zeigt durch sein Gebet hier, dass sein Leiden notwendig ist, aber dass Gott ihn nicht unnötig mehr zappeln lässt. Er vertraut auf Gottes Willen. Er versteht auch, dass Gott jedes Leiden, jede Träne sieht. Er gebraucht dafür das poetische Bild des Tränenschlauchs. In Schläuchen wird z.B. Wein aufbewahrt, das Zeichen der Freude. Hier wird das Freudenbild ins Negative gewendet, um auszudrücken, dass Gott nichts verschwenden lässt. Keine Träne ist umsonst geweint und Gott bewahrt sie sorgsam auf, um sie später in Freude zu verwandeln. Gott entgeht nichts, denn er schreibt alles ins Buch des Lebens. David vertraut Gott sein ganzes Leben an. Anstatt sich in Selbstmitleid zu suhlen und sich resigniert von Gott abzuwenden, geht er mit seinen Sorgen gerade jetzt zu Gott und breitet alles vor ihm aus. Er versteht, dass nur Gott ihn versteht.
„Dann weichen meine Feinde zurück, am Tag, da ich rufe“ zeigt, dass David die Leiden als vorübergehend versteht. Er glaubt fest daran, dass Gott seine Gebete erhört („mir steht Gott zur Seite“). Er hat keine Angst, sondern Vertrauen. Weil Gott bei ihm ist, braucht er keinen Menschen mehr zu fürchten. Darin ist David uns wieder mal ein großes Vorbild. In schwierigen Zeiten hadert er nicht mit Gott, sondern klammert sich mit ganzer Kraft an ihn. Er zeigt ihm alles, er sagt ihm alles, er vertraut ihm alles an. Gott gibt ihm dann die Sicherheit und den Trost ins Herz, damit er versteht, dass er nie allein ist. So sollen auch wir beten. Fangen wir erst gar nicht an, Gott gegenüber unzufriedene Gefühle zu entwickeln, sondern laufen wir sofort zum Herrn mit all unseren Sorgen. Setzen wir uns regelrecht auf den Schoß des Vaters und erzählen wir ihm einfach alles. Er wird uns den väterlichen Trost ins Herz schenken und uns Ruhe verleihen, er wird uns innerlich aufrichten und neue Kraft geben. Dann werden wir mit neuem Mut und mit neuer Perspektive auf die Probleme schauen. Dann werden wir alles meistern, weil Gott mit uns ist.
Und letztendlich können wir Gott nur danken, selbst in Notsituationen gilt ihm unser Lob. Wir können nicht irriger Weise annehmen, dass er unser Lob und Dank erstens irgendwie verdienen muss, zweitens dieses davon abhängt, wie gut es uns geht (Lobpreis hat doch nichts mit uns zu tun, sondern wir schauen ganz auf IHN). Es gibt IMMER Dinge, für die wir danken können, schon allein, dass wir leben. Wer sind wir, dass wir ihm das Lob versagen, wenn es uns schlecht geht?
Vor allem gilt ihm unser Lob, wenn er unsere Bitte erfüllt hat, wenn er uns mit Kraft und Trost gestärkt hat, sodass wir unser Problem überwinden konnten. Seien wir dann nicht wie die neun geheilten Aussätzigen, die direkt weggehen, ohne Gott zu danken. Seien wir der eine Aussätzige, der zurückkommt, um Jesus zu danken! Setzen wir uns auch auf Gottes Schoß, wenn es uns wieder gut geht. Lassen wir in unserem inbrünstigen Gebet nicht nach, wo jetzt alles wieder gut ist.

Mk 3
7 Jesus zog sich mit seinen Jüngern an den See zurück. Viele Menschen aus Galiläa aber folgten ihm nach. Auch aus Judäa, 

8 aus Jerusalem und Idumäa, aus dem Gebiet jenseits des Jordan und aus der Gegend von Tyrus und Sidon kamen Scharen von Menschen zu ihm, als sie hörten, was er tat. 
9 Da sagte er zu seinen Jüngern, sie sollten ein Boot für ihn bereithalten, damit er von der Menge nicht erdrückt werde. 
10 Denn er heilte viele, sodass alle, die ein Leiden hatten, sich an ihn herandrängten, um ihn zu berühren. 
11 Wenn die von unreinen Geistern Besessenen ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder und schrien: Du bist der Sohn Gottes! 
12 Er aber gebot ihnen, dass sie ihn nicht bekannt machen sollten.

Bisher hörten wir davon, dass sich Jesu Heilstaten in ganz Galiläa herumgesprochen haben. Nun weitet sich seine Reichweite auf das gesamte Heilige Land aus. Dabei werden mehrheitlich jüdische Gebiete wie Judäa aufgezählt sowie mehrheitlich heidnische wie Tyros und Sidon oder die Dekapolis.
Bemerkenswert ist dabei, dass die meisten nicht von seinen Worten angezogen werden und sich auf die Reise zu ihm begeben, sondern weil sie „hörten, was er TAT.“ So ist der Mensch. Was wirklich ausschlaggebend ist, ist das Verhalten, nicht die vielen Worte. Das heißt nicht, dass seine Verkündigung umsonst ist, sondern dass seine Heilstaten das Gesagte überzeugend untermauern. So soll es auch in der Verkündigung der Kirche sein. Einerseits sind die Predigten sehr wichtig, damit die Menschen überhaupt noch einen Input über die kirchliche Lehre erhalten. Andererseits muss das Gepredigte aber auch vorgelebt werden, damit die Menschen verstehen, dass der Prediger wirklich hinter dem Gesagten steht. Da dies oft nicht mehr gegeben ist, hören die Menschen auch nicht mehr hin. Erstens ist die Predigt oft keine Predigt mehr, sondern eher wie eine politische Ansprache, in der das Wort Jesus oder Glaube nicht mehr vorkommt (neulich sagte eine Religionslehrerin in einer Sakristei zum Priester vor dem Schulgottesdienst „bitte nichts Frommes sagen“…). Zweitens merkt man als Gläubiger einfach total, wenn ein Priester irgendetwas predigt, von dem er selbst nicht überzeugt ist. Diese fehlende Authentizität vertreibt Scharen von Menschen, ganz im Gegensatz zum heutigen Evangelium, wo die Scharen Jesus schon zu erdrücken scheinen.
Es ist natürlich kein Zufall, dass Jesus ausgerechnet in ein Boot steigt, um von den Massen nicht erdrückt zu werden. Man hätte ihn auch auf einen Felsen stellen können oder auf ein selbstgebasteltes Podest. Es ist wieder mal eine geniale pädagogische Maßnahme Gottes. Jesus hat zu Beginn des Evangeliums die ersten vier Jünger berufen, die allesamt von Beruf Fischer sind. Er sagte zu ihnen „ich werde euch zu Menschenfischern machen“. Heute bringt er es ihnen bei: das Menschenfischen. Er ist im Boot und richtet seine Verkündigung auf die Menschenmassen, er wirft gleichsam seine Angel oder sein Fischernetz aus, um nach und nach die Menschen für Gott zu gewinnen. Aber es wird nicht wirklich von seinen Worten berichtet – das Ausschlaggebende sind auch hier wieder seine Heilstaten. Besonders fällt auch hier wieder der Exorzismus auf. Die Dämonen werfen die Menschen, die sie besetzen, zu Boden und bekennen die Identität Christi. Auch die Dämonen gehorchen Gott, denn sie sind seine Geschöpfe, wenn auch gefallene. Auch heute gebietet er ihnen, seine messianische Identität nicht zu verraten. Dies hat wie immer zunächst einen pragmatischen Grund. Er wird im Heiligen Land immer bekannter, sodass das Risiko, von der religiösen Elite festgenommen zu werden, immer höher wird. Davor fürchtet er sich aber nicht. Dann würde er nämlich gar nicht erst öffentlich verkünden und heilen. Er möchte, dass die Menschen seine Identität nicht durch Bekenntnisformeln realisieren, sondern durch seine Taten. Es ist ein einziger Lernprozess, da Jesus alles Messianische tut, was die Heilige Schrift angekündigt hat. Dass die Menschen von dem ausgehend lernen, sehen wir ja an ihrem Kommen aufgrund seiner Wunder.
Jesus „fängt“ Scharen von Menschen, was wir analog zu Davids kriegerischem Erfolg heute betrachten können. Beide sind in ihrer Tätigkeit „fruchtbar“, weil sie mit den Gaben Gottes ausgestattet sind. Sie sind voll der Gnade Gottes, da sie beide gesalbt worden sind. Beide tun ganz und gar, was der Vater von ihnen möchte. Aus dieser ganz intimen Beziehung zum Herrn wird ihr ganzes Leben so effektiv wie nur möglich.
Bei beiden geht es heute zudem darum, dass Außenstehende den Segen Gottes an ihnen aufgrund ihres fruchtbaren Handelns erkennen: Während Saul den Erfolg Davids und dadurch den Beistand Gottes mit „Argwohn“ beäugt, legen die Menschen zur Zeit Jesu lange Strecken zurück, um dessen Heilstaten mit eigenen Augen sehen zu können. Sie werden nicht neidisch, sondern möchten selbst das Heil in ihrem Leben erfahren. Darin tun sie das, was David im Psalm betet: Ganz und gar zum Herrn kommen mit ihrem Leiden. Voller Vertrauen suchen sie Jesus auf, damit er ihr Leben heile. Und er heilt etliche vor allem seelisch. Er befreit viele Menschen von Dämonen, die sie von der Gottesbeziehung abgehalten haben. Jesus möchte, dass alle Menschen die Möglichkeit erhalten, dieselbe innige Beziehung zum Vater aufbauen zu können – wie er selbst, aber auch David. Dann kann auch ihr Leben voller Segen gelingen. DAS ist immer das Hauptanliegen Jesu, nicht ein bequemes leidloses Leben ohne Krankheiten oder anderen Unannehmlichkeiten zu erzielen. Schließlich geht es um das ewige Leben und die Gemeinschaft mit Gott in der Ewigkeit. Damals und heute.

Ihre Magstrauss

9. Januar in der Weihnachtszeit

1 Joh 4,11-18; Ps 72,1-2.10-13; Mk 6,45-52

1 Joh 4
11 Geliebte, wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben. 
12 Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns und seine Liebe ist in uns vollendet. 
13 Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns bleibt: Er hat uns von seinem Geist gegeben. 
14 Wir haben geschaut und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Retter der Welt. 
15 Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott und er bleibt in Gott.
16 Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm. 
17 Darin ist unter uns die Liebe vollendet, dass wir am Tag des Gerichts Zuversicht haben. Denn wie er, so sind auch wir in dieser Welt.
18 Furcht gibt es in der Liebe nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht. Denn die Furcht rechnet mit Strafe, wer sich aber fürchtet, ist nicht vollendet in der Liebe
.

Heute hören wir die Fortsetzung des ersten Johannesbriefes. Es geht heute weiterhin um die Konsequenz des Geliebtseins von Gott. Gestern fassten wir als Kern der Lesung zusammen: Unser ganzes Leben soll Antwort darauf sein, dass Gott uns zuerst geliebt hat.
Heute geht es noch weiter: Die Nächstenliebe leitet sich von der Gottesliebe ab.
Es wird sogar noch mehr zugespitzt: Gottes Liebe wird in uns vollendet, wenn wir unseren Nächsten lieben. Das heißt, dass Gott seiner Liebe Ausdruck verleiht durch die Mitmenschen. Dies ist komplementär und ergänzend zu betrachten zu dem, was Jesus z.B. im Matthäusevangelium sagt: Wir tun durch die barmherzigen Taten am Mitmenschen eigentlich Gott einen Dienst (Mt 25, „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“). Hier lesen wir jetzt die andere Seite der Medaille: Wenn uns jemand liebt, wenn er uns etwas Gutes tut, ist es eigentlich Gott, der durch diese Person handelt. Das heißt nicht, dass der Mensch keinen Anteil daran hat. Es ist vielmehr ein Teamwork der Liebe, denn Gottes- und Nächstenliebe hängen untrennbar miteinander zusammen. Wir Menschen geben durch die Liebe, die wir unserem Nächsten schenken, unser Ja. Wir entscheiden uns für den anderen, das heißt wir wirken aktiv mit als freiwillige Werkzeuge der Liebe Gottes.
Wenn wir das so tun, sind wir im Stand der Gnade. Dies wird durch diese Wendung ausgesagt, dass Gott in uns ist und wir in ihm. Das macht auch Sinn. Leben wir nach den zehn Geboten, leben wir die Gottes- und Nächstenliebe. Während die ersten drei Gebote die Gottesliebe betreffen, sind die anderen sieben Gebote auf die Nächstenliebe zu beziehen. Gehen Sie mal in Ruhe die zehn Gebote durch…
Ab Vers 13 erfahren wir, woran wir den Stand der Gnade erkennen: Der Geist Gottes wirkt in uns. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass wir im Stand der Sünde den Geist nicht in uns haben. Dabei liegt das nicht daran, dass Gott uns seinen Geist verweigert, sondern dass wir selbst ihn von uns wegschieben.
Ab Vers 14 werden noch einmal die Glaubenswahrheiten angedeutet, die die Kirche bekennt und die von bestimmten häretischen Gruppierungen geleugnet werden: Der Vater hat den Sohn als Retter der Welt gesandt und dieser ist tatsächlich Mensch geworden. Und Jesus ist dieser Sohn, den Gott zur Erlösung hat Mensch werden lassen. Diese Inhalte sind so grundlegend und entscheidend, dass ihre Leugnung zum Verlust des Stands der Gnade führen kann! Das müssen wir wirklich verinnerlichen. Wenn wir die Lehre der Kirche nicht annehmen, die ja nicht einfach gesetzt ist so nach dem Motto „glaub das oder tritt aus!“, sondern die schon geglaubt worden ist vor ihrer verbindlichen Verkündigung als Dogma – geführt durch den Hl. Geist. Jesus ist der Sohn Gottes. Er ist nicht einfach nur ein gewöhnlicher Mensch, wie Arius im 4. Jh. behauptete (das wird hier weniger angedeutet), er ist auch nicht eine „Fata Morgana“ ohne Materie (darum geht es hier vor allem, das ist Doketismus). Die Aposteln und die ganzen Jünger, die seine Augenzeugen waren, haben seinen echten Körper gesehen, sie haben ihn berührt, sie haben ihn essen gesehen. Er ist echt.
Wenn in Vers 16 steht, dass wir die Liebe erkannt und gläubig angenommen haben, deutet das die Taufe an. Wir sind zu seinen Kindern und Erben geworden. Wir haben Gott selbst angenommen und angefangen, ihn zurückzulieben. Gott ist nämlich selbst die Liebe und in der Liebesgemeinschaft mit ihm haben wir den Stand der Gnade geschenkt bekommen.
Das hat Auswirkungen auf unseren Lebensausgang und dadurch auch auf unseren jetzigen Lebensstil: Durch den uns geschenkten Stand der Gnade ist uns die Angst genommen worden (φόβος  fobos). Wir müssen vor dem Gericht Gottes, vor dem Tod und vor dem Ende der Welt keine Angst haben, wenn wir im Stand der Gnade sind. Angst kommt nicht vom Hl. Geist, sondern hängt mit Schuldgefühlen zusammen. Wir haben Angst vor der Strafe, weil wir wissen, dass wir etwas Böses getan haben. Wenn wir uns aber stets um den Stand der Gnade bemühen, haben wir nichts zu befürchten. Dann haben wir Zuversicht, wie es hier in der Einheitsübersetzung heißt. Das griechische Wort ist παρρησία parresia, was eigentlich „Offenheit, Redefreiheit“ bedeutet. Wir werden uns vor Gericht offen und frei rechtfertigen, weil wir auf seine Liebe vertrauen. Das alles ist auch der Grund, warum im Alten Testament das göttliche Gericht so positiv und erleichternd dargestellt wird. Es ist nichts Bedrohliches, sondern eine Erlösung für die ungerecht Behandelten, die aber gerecht vor Gott sind.
Man kann die heutige Lesung mit einem Satz zusammenfassen: Das höchste Ziel im Leben und darüber hinaus ist die Liebesgemeinschaft mit Gott.

Ps 72
1 Für Salomo. Verleih dein Richteramt, o Gott, dem König, dem Königssohn gib dein gerechtes Walten. 
2 Er regiere dein Volk in Gerechtigkeit und deine Elenden durch rechtes Urteil.   
10 Die Könige von Tarschisch und von den Inseln bringen Gaben, mit Tribut nahen die Könige von Scheba und Saba. 
11 Alle Könige werfen sich vor ihm nieder, es dienen ihm alle Völker. 
12 Ja, er befreie den Armen, der um Hilfe schreit, den Elenden und den, der keinen Helfer hat. 
13 Er habe Mitleid mit dem Geringen und Armen, er rette das Leben der Armen
.

Diesen Psalm beten wir die Tage besonders oft, weil wir uns erstens noch in der Weihnachtszeit befinden, zweitens weil wir zwischen Epiphanie und Taufe des Herrn stehen.
Gott wird um die Gabe gerechten Richtens gebeten (Vers 1). David bittet auch um die Gabe gerechten Herrschens für Salomo. Es geht aber über seinen Sohn hinaus, wenn wir lesen, dass die Herrschaft von „Meer zu Meer“ und „an die Enden der Erde“ gehen soll. Dies ist für einen israelitischen Herrscher natürlich unrealistisch. Man könnte solche Wendungen hier als rhetorisches Stilmittel erklären, was auch nicht falsch ist. Dennoch lesen wir über den Text hinaus: Hier wird ein übermenschlicher Herrscher erbeten. König David wird sich dessen noch nicht bewusst gewesen sein, was der Hl. Geist ihm im Gebet eingegeben hat, aber hier wird um Jesus Christus gebeten: Nur er ist wirklich ganz gerecht. Das kann ein gewöhnlicher Mensch nicht sein. Er ist wahrlich der Befreier der Armen – und nicht nur materiell, sondern umfassend. Er wird die Randständigen wieder in die Mitte der Gesellschaft setzen wie die blutflüssige Frau oder die Aussätzigen und die Besessenen, die nicht mehr in der Stadt leben durften. Er wird aber vor allem uns alle, die wir durch die Sünde arm sind, befreien von der Knechtschaft der Erbsünde, die uns das Paradies verschlossen hat. Was in den Versen 10 und 11 beschrieben wird, hat sich teilweise bei Salomo erfüllt. Wie oben erwähnt kam die Königin von Saba und bewunderte den Reichtum und die Herrlichkeit des salomonischen Reiches. Sie kam auch mit Gaben. Aber es hat sich mit Salomo nicht erfüllt, dass alle Könige sich ihm unterstellt haben. Das steht auch noch aus, wie wir an der hebräischen Verbform וְיִשְׁתַּחֲווּ w’jischtachavu erkennen. Sie „werden niederfallen“ – und zwar vor dem kleinen Jesuskind in der Grotte von Bethlehem, vor dem Kreuz (der heidnische Hauptmann, der Jesu Gottessohnschaft erkennt), vor dem Leib Christi in der Eucharistie (wir sind aus allen Völkern, Sprachen, Nationen). Die Sterndeuter repräsentieren alle Herrscher dieser Welt sowie die Völker, von denen hier die Rede ist (übrigens wiederum ausgedrückt durch das hebräische Wort gojim).

Mk 6
45 Gleich darauf drängte er seine Jünger, ins Boot zu steigen und ans andere Ufer nach Betsaida vorauszufahren. Er selbst wollte inzwischen die Leute nach Hause schicken. 

46 Nachdem er sich von ihnen verabschiedet hatte, ging er auf einen Berg, um zu beten. 
47 Als es Abend wurde, war das Boot mitten auf dem See, er aber war allein an Land. 
48 Und er sah, wie sie sich beim Rudern abmühten, denn sie hatten Gegenwind. In der vierten Nachtwache kam er zu ihnen; er ging auf dem See, wollte aber an ihnen vorübergehen.
49 Als sie ihn über den See gehen sahen, meinten sie, es sei ein Gespenst, und schrien auf. 
50 Alle sahen ihn und erschraken. Doch er begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! 
51 Dann stieg er zu ihnen ins Boot und der Wind legte sich. Sie aber waren bestürzt und fassungslos. 
52 Denn sie waren nicht zur Einsicht gekommen, als das mit den Broten geschah; ihr Herz war verstockt.

Der heutige Abschnitt aus dem Markusevangelium schließt sich an die wunderbare Speisung von gestern an. Direkt nach diesem Wunder „drängt“ Jesus seine Jünger, mit einem Boot ans andere Ufer nach Betsaida zu fahren. Das Verb ἀναγκάζω anangkazo heißt „zwingen, überzeugen, beweisen“ und muss hier so verstanden werden, dass Jesus sich durchsetzt, obwohl die Jünger davon nicht so begeistert sind. Entweder klingt noch nach, dass Jesus zuvor etwas Absurdes von ihnen verlangt hat („gebt ihr ihnen zu essen“), sodass sie immer noch verwirrt vom Wunder sind, oder es ist etwas ganz anderes, was sehr an das Taborereignis erinnert: Sie wollen nicht weg, weil es so schön ist. Sie haben mit dem Wunder der Speisung von 5000 Männern Gottes Herrlichkeit erahnt und wollen diesen wunderbaren Moment nicht direkt wieder verlassen. Sie sind Augenzeugen geworden, wie wir heute im ersten Johannesbrief gelesen haben.
Die zweite Erklärung macht mehr Sinn. Warum? Jesus tat die ganzen Wunder im Laufe seines irdischen Lebens ja in erster Linie, damit die Menschen zum Glauben an ihn kommen bzw. gestärkt werden. Seine Jünger werden da keine Ausnahme gebildet haben!
Und nun lesen wir auch die Bestätigung dessen, was wir gestern schon vermutet haben: Jesus schickt die Leute nun selbst nach Hause, was die Jünger zuvor ja schon tun wollten. Jesus will von Anfang an niemanden quälen oder das leibliche Wohl vernachlässigen. Das Wunder ist ja nun vollbracht und die Lektion Gottes erteilt worden (die Vorbereitung der Anwesenden auf die Eucharistie und das himmlische Hochzeitsmahl). Jesus wollte die Menschen ja nicht überstrapazieren, indem er sie mitten in die Pampa lockt. Er hat sie genährt – körperlich, aber vor allem seelisch! Nun sollen sie „darüber schlafen“, also alles verarbeiten, was passiert ist.
Dann tut Jesus etwas, das auf den ersten Blick absurd erscheint: Er schickt seine Jünger auf den See, geht selbst aber auf einen Berg. Das muss man richtig verstehen. Jesus zieht sich immer wieder auf einen Berg zurück, um mit seinem Vater zu sein. Jesus könnte es auch anders machen, denn egal, wo er ist, ist er eins mit seinem Vater. Er tut es aber um der Menschen willen. Sie sollen immer wieder die göttlichen Lektionen erteilt bekommen und nach und nach tiefer in das Geheimnis Gottes eintauchen. Seine Jünger sind Juden. Sie wissen aus der Hl. Schrift, dass der Berg der Ort einer besonderen Nähe zu Gott ist. Die wichtigen heilsgeschichtlichen Stationen haben auf einem Berg stattgefunden: Mose erhielt die zehn Gebote auf dem Berg Sinai, Abraham opferte seinen Sohn fast auf einem der Berge im Gebirge Morijah. Die Arche Noahs ging auf einem Berg an Land. Elijah hatte ebenfalls eine Gottesbegegnung am Horeb. Man könnte noch ewig so weiter aufzählen. Die Jünger Jesu werden verstanden haben, warum Jesus ausgerechnet nach so spektakulären Wundertaten die Nähe zu seinem Vater sucht. Für uns ist das heute besonders erkenntnisreich: Wir lasen im ersten Johannesbrief davon, dass unser Sinn im Leben genau jene Liebesgemeinschaft mit Gott ist. Wir sehen an Jesu Verhalten heute, wie das konkret aussehen soll. Wir sollen uns im Gebet mit Gott von seiner Liebe umarmen lassen und dabei unseren „Tank“ auffüllen, mit dem wir dann unseren Mitmenschen barmherzig sein sollen. Gestern lasen wir davon, dass Jesus mit den Menschen Mitleid hatte. Er hat diesen Tausenden seine ganze Liebe geschenkt. Und danach geht er wieder zum Vater und tankt neu auf. So sollen auch wir die Liebe, die wir dem Nächsten schenken, immer wieder vom Herrn holen. Sind wir ganz in seiner Gemeinschaft, werden wir selbst zu einer unerschöpflichen Quelle der Liebe. Andernfalls geraten wir sehr schnell an unsere Grenzen.
Jesus schickt seine Jünger alleine auf den See. Auch das ist eine Lektion für die Jünger. Sie sind ja eigentlich gesättigt von der wunderbaren Speise – nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Das war jedenfalls das Ziel der Speisung. Und dann kommt der Gegenwind. Sie nehmen ihre ganze Kraft zusammen, haben aber Probleme, voranzukommen. Gott lässt das zu, nicht weil er sadistisch ist, sondern weil er sie lehren will. Der Unterricht des Tages ist noch nicht zuende. In der vierten Nachtwache, also im Morgengrauen, kommt Jesus auf dem Wasser ihnen entgegen. Ihre Reaktion ist Angst, da sie ihn für ein Gespenst halten. Heute haben wir bereits gelernt, dass Angst nicht vom Hl. Geist ist. Wir brauchen keine Angst zu haben, wenn wir in der Liebe Gottes leben. Deshalb sagt Jesus diesen wichtigen und so oft in der Bibel kommenden Satz „Fürchtet euch nicht!“ Mit Jesu Kommen legt sich der Wind. Das sagt etwas über seine Göttlichkeit aus. Die Schöpfung ist ihm untertan.

Die Jünger haben ihre Lektion nicht gelernt. Es heißt, dass sie verstockt waren. Das griechische Wort πεπωρωμένη peporomene heißt wörtlich „versteinert“ im Sinne von verhärtet. Sie ließen sich nicht formen wie der Töpfer aus Ton etwas Schönes formt. Sie waren nicht bereit, die Lektion Jesu an sich heranzulassen. Die Herzensbildung, um die es Jesus an dem Tag ging, ist gescheitert. Was war denn die Lektion, die Jesus sowohl mit der wunderbaren Speisung und der Bootsepisode erteilen wollte?
Wir fassen noch einmal zusammen: Jesus tut das Speisungswunder, was an die Eucharistie erinnert. Er bereitet seine Jünger auf den Neuen Bund vor, den er beim letzten Abendmahl beginnen und am Kreuz vollenden würde. Dass er dann direkt zum Berg geht und die Jünger alleinlässt, ist demnach die Vorbereitung der Jünger auf die Zeit nach seinem Tod. Er will sie dafür sensibilisieren, dass er sie durch den Kreuzestod für eine kurze Zeit alleine lassen würde, nur um in der „vierten Nachtwache“ von den Toten aufzuerstehen! Er geht auf dem Wasser, um sie darauf vorzubereiten, wie er als Auferstandener die Naturgesetze überwinden und in verschlossenen Räumen erscheinen wird. Er kommt zu ihnen zurück und mit seiner Gegenwart verschwinden ihre Probleme schlagartig. All das hätte sie zur Einsicht oder zumindest zur Erahnung führen sollen, wer Jesus und wer Gott ist.
Jesus will ihnen durch die Lektion noch etwas anderes lehren: Er will sie darauf vorbereiten, was die Eucharistie bedeuten wird. Sie ist seine Gegenwart, auch wenn sie ihn in jetziger Gestalt nicht mehr sehen. Durch diese Gegenwart soll sich ihr Verhalten auch ändern. Sie sollen verstehen, dass er da ist und dass sie ihm genauso vertrauen können, wie als er in Menschengestalt bei ihnen war. Als Jesus zu ihnen ins Boot steigt, vertrauen sie ihm immer noch nicht, sondern sind immer noch bestürzt und fassungslos. Noch sind sie nicht bereit, den Kern der Eucharistie zu verstehen.
Wir lesen die Lektion mehrdimensional. Die Speisung und die sich anschließende Episode erinnert auch an die Fortsetzung: Jesus hinterlässt der Kirche ein Testament, nämlich seinen eigenen Leib. Dann geht er heim zum Vater und beauftragt seine Kirche, in seinem Namen die Verkündigung der frohen Botschaft fortzusetzen. Das Boot/Schiff ist nicht umsonst eine gängige Metapher für die Kirche. Die Gemeinschaft der Gläubigen auf dem Boot müht sich ab in den Stürmen und Gegenwinden der Welt. Sie ist ohne Christus ganz verloren. Vielleicht deutet diese Episode schon die ängstliche Verbarrikadierung der Jünger Jesu an, die erst mit dem Kommen des Hl. Geistes den Mut erhalten, hinauszugehen und das Wort Gottes zu verkündigen. Es lehrt uns heute als Kirche jedenfalls eine deutliche Lektion. Wo wir versuchen, das Boot der Kirche zu steuern, ohne dass Jesus mit im Boot ist, ist unser Schiffbruch vorprogrammiert. Die Gegenwinde sind zu stark, als dass wir aus unserer eigenen Kraft dagegen anrudern könnten. Das betrifft jede Zeit. So war es bei den ersten Christen, so ist es auch gerade heute in den Wirren der Gegenwart. Überlassen wir auch heute als Kirche dem Herrn das Ruder, damit er uns sicher ans andere Ufer bringt, nämlich in das himmlische Jerusalem zum Vater. Die Bootsfahrt der Jünger von einem Ufer ans andere versinnbildlicht somit unsere jetzige Epoche der Kirche von Jesu Bundesschluss bis hin zum Ende der Zeiten. Wir sind in dieser Endzeit und steuern in ganz schlimmen Stürmen auf das andere Ufer zu. Ohne Jesu Gegenwart, das heißt ohne die Eucharistie, sind wir verloren. Falls wir nicht Schiffbruch erleiden, landen wir irgendwo anders, aber nicht im Himmel…Das ist so auch mit jedem einzelnen Menschen, der von einem Ufer ans andere segelt auf dem See seines Lebens. Wir erleiden im Laufe unserer Lebenszeit so viele Stürme und ganz viel Widerstand auf dem Weg zum Himmelreich. Der Böse will uns dort nicht sehen, sondern tut alles daran, dass wir Schiffbruch erleiden. Deshalb versucht er uns immer wieder, damit wir in Sünde fallen. Selbst die „Kleinigkeiten“ bohren winzige Löcher ins Boot, die mit der Zeit immer mehr aufbrechen, Wasser ins Boot laufen lassen und das Schiff zum Sinken bringen können. Rudern wir dann aus eigener Kraft wie wild dagegen an, werden wir höchstens aufgerieben und erschöpft. Irgendwann hören wir dann vielleicht sogar auf zu rudern und werden in die entgegengesetzte Richtung getrieben. Sind wir aber in Gemeinschaft mit Gott, wie heute im ersten Johannesbrief beschrieben, steigt Jesus also zu uns ins Boot, dann muss er nur einmal schnippen und die Stürme legen sich. Laden wir stets Jesus in unser Boot, dann werden wir keinen Schiffbruch erleiden!
Schließlich lesen wir die Bootsepisode anagogisch. Jesus kommt am Ende der Zeiten, also in der letzten Nachtwache, unserem Boot der Kirche bzw. der gesamten Menschheit entgegen. Seine Herrlichkeit wird viele Menschen in Furcht bringen. Wir sollen aber keine Angst haben, sondern unsere Häupter erheben, denn „die Erlösung ist nahe“. Der verherrlichte Menschensohn ist unsere Erlösung, nicht unser Untergang. Wir haben nichts zu befürchten, wenn wir in einer Liebesgemeinschaft sind. Das mussten die Jünger damals noch lernen, das müssen auch wir heutzutage noch lernen. Deshalb steht der schon genannte Satz so oft in der Bibel, nämlich 365 Mal: Hab keine Angst. Er steht für jeden Tag in der Hl. Schrift, damit wir das nie vergessen.

Heute hören wir sehr viel von Gemeinschaft mit Gott. Sie ist das A und O im eigenen Glaubensleben, sie ist es aber auch im Leben der Kirche. Getrennt von Gott können wir nichts tun. Manchmal lässt er uns seine Abwesenheit spüren, damit wir genau daran erinnert werden und ihn wieder ins Boot holen. Er verlässt uns in solchen Phasen aber nicht wirklich, sondern fiebert mit uns mit, dass wir die Lektion verstehen. Sorgen wir dafür, dass unser Herz nicht versteinert ist, sondern sich durch die Lektionen Gottes formen lässt. Dann schwindet unsere Angst und wächst unsere Liebe.
Vertrauen wir Gott, der uns seine ganze Liebe schenkt und unser Boot zum richtigen Ufer bringt.

Ihre Magstrauss