Karfreitag

Jes 52,13 – 53,12; Ps 31,2 u. 6.12-13.15-16.17 u. 25; Hebr 4,14-16; 5,7-9; Joh 18,1-19,42

Heute ist zugleich der traurigste Tag und der Moment der größten Liebe Gottes gekommen. Eigentlich haben wir jeden Grund zur Freude, denn durch die Ereignisse, derer wir heute gedenken, ist uns das ewige Heil geschenkt worden. Dennoch tut es uns weh, Jesus so leiden zu sehen.

Jes 52-53
13 Siehe, mein Knecht wird Erfolg haben, er wird sich erheben und erhaben und sehr hoch sein.

14 Wie sich viele über dich entsetzt haben – so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch, seine Gestalt war nicht mehr die eines Menschen – ,
15 so wird er viele Nationen entsühnen, Könige schließen vor ihm ihren Mund. Denn was man ihnen noch nie erzählt hat, das sehen sie nun; was sie niemals hörten, das erfahren sie jetzt.
1 Wer hat geglaubt, was wir gehört haben? Der Arm des HERRN – wem wurde er offenbar?
2 Vor seinen Augen wuchs er auf wie ein junger Spross, wie ein Wurzeltrieb aus trockenem Boden. Er hatte keine schöne und edle Gestalt, sodass wir ihn anschauen mochten. Er sah nicht so aus, dass wir Gefallen fanden an ihm.
3 Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut. Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, war er verachtet; wir schätzten ihn nicht.
4 Aber er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt.
5 Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Vergehen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Züchtigung auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt.
6 Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, jeder ging für sich seinen Weg. Doch der HERR ließ auf ihn treffen die Schuld von uns allen.
7 Er wurde bedrängt und misshandelt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf vor seinen Scherern verstummt, so tat auch er seinen Mund nicht auf.
8 Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft, doch wen kümmerte sein Geschick? Er wurde vom Land der Lebenden abgeschnitten und wegen der Vergehen meines Volkes zu Tode getroffen.
9 Bei den Frevlern gab man ihm sein Grab und bei den Reichen seine Ruhestätte, obwohl er kein Unrecht getan hat und kein trügerisches Wort in seinem Mund war.
10 Doch der HERR hat Gefallen an dem von Krankheit Zermalmten. Wenn du, Gott, sein Leben als Schuldopfer einsetzt, wird er Nachkommen sehen und lange leben. Was dem HERRN gefällt, wird durch seine Hand gelingen.
11 Nachdem er vieles ertrug, erblickt er das Licht. Er sättigt sich an Erkenntnis. Mein Knecht, der gerechte, macht die Vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich.
12 Deshalb gebe ich ihm Anteil unter den Großen und mit Mächtigen teilt er die Beute, weil er sein Leben dem Tod preisgab und sich unter die Abtrünnigen rechnen ließ. Er hob die Sünden der Vielen auf und trat für die Abtrünnigen ein.

Wir hören heute als erste Lesung das gesamte vierte Gottesknechtslied. Es handelt vom Leiden und Sterben des Gottesknechtes, den wir mit Jesus identifizieren.
„Siehe, mein Knecht wird Erfolg haben…“ – Dies wird zukünftig verheißen. Ja, Jesus wird Erfolg haben zunächst darin, alles gehorsam auszuhalten bis zum letzten Atemzug. Er wird dadurch aber dann den Tod überwinden und den Satan entmachten. Er wird sich erheben aus dem Grab und er wird sehr hoch sein, nicht nur angenagelt ans Kreuz, sondern vor allem österlich erhaben mit seinem Auferstehungsleib. Er wird vom Vater verherrlicht werden und zu seiner Rechten Platz nehmen.
Demgegenüber steht der leidende Jesus in krassem Gegensatz. Bevor er nämlich verherrlicht werden kann, muss er in den ärgsten Schmutz fallen, Unglaubliches erleiden. Er ist ganz entstellt. Uns steht am ehesten der Anblick Jesu nach Mel Gibsons Passion vor Augen. Ja, wie entstellt er am Ende aussah, nicht mehr wie ein Mensch. Die Geißelhiebe, die Schläge, die Brüche im Gesicht, das viele Blut. Man erkennt ihn nicht mehr wieder vor lauter offenen Wunden und bloßliegenden Knochen.
Und all dies hat er mit sich machen lassen, um die Sünde der Welt zu sühnen. Hier ist die Rede von den gojim, von den heidnischen Völkern. Sein Leiden hat wirklich universal gesühnt!
Was man bisher noch nie gehört hat, sieht man dann an Jesus. Es ist deshalb neu, weil zwar immer wieder messianische Verheißungen in der Hl. Schrift zu lesen sind, aber dass der Sohn Gottes hingerichtet werden würde, das ist so nie begriffen worden. Es ist eher noch so, dass man bis dahin davon überzeugt war, dass ein Gehenkter ein von Gott Verfluchter sei (Dtn 21,23). Nun wendet sich das Blatt. Das Zeichen der größten Schande, das Kreuz, ist zum Zeichen des Triumphes und des Heils geworden.
„Vor seinen Augen wuchs er auf wie ein junger Spross, wie ein Wurzeltrieb aus trockenem Boden“: Der junge Spross und Wurzeltrieb erinnert uns an eine andere messianische Verheißung, die wir bei Jesaja gelesen haben. Dort ist schon die Rede davon, allerdings wird für Spross das Wort nezer gebraucht, während hier יוֹנֵק joneq steht. Es bleibt aber bei demselben Wurzeltrieb שֹּׁ֨רֶש schoresch. Der Bezug ist klar. Dieser angekündigte Messias ist es, der in der Gegenwart Gottes ganz normal aufgewachsen ist wie jeder andere Mensch. Wenn es dann weiterhin heißt, dass er keine edle und schöne Gestalt zum Ansehen hätte, kann man es mehrdeutig verstehen. Es ist wahrscheinlich nicht sein tatsächliches Aussehen gemeint, dass wir daraus schließen, Jesus sei hässlich gewesen. Es geht vielmehr um sein Ansehen in der Gesellschaft, um seinen Beruf und sein Auftreten. Er ist nicht so prunkvoll aufgetreten, dass sich alle nach ihm umdrehen. Im Gegenteil, er lebte ein armes und einfaches Leben in aller Schlichtheit.
Ja, Jesus wurde sehr verachtet, insbesondere in seinen letzten Tagen. Ganz rasant schlug der Hosannaruf des Palmsonntags ins „Kreuzige ihn“ um. Wie viele unzählige Male ist Jesus durch all die Spöttereien das Herz gebrochen worden!
Keiner kann besser sagen, er sei ein Mann voller Schmerzen als Jesus Christus! Was er erlitten hat, hätte kein Mensch so lange durchgehalten. Die Henker haben schon bei der Geißelung so sehr übertrieben, dass ein gewöhnlicher Mensch dies nicht lange überlebt hätte. Und dann trug er noch das Kreuz bzw. dessen Querbalken durch die Stadt und den Golgotahügel hoch, wo es so richtig losging…
Jesus hat das alles aber für uns getragen und ausgehalten. Er hat es als Sühne für unsere Sünden getan, doch die Menschen haben ihn abgeschrieben als Gottverfluchter (wie gesagt Dtn 21).
Wir müssen bedenken, dass diese Prophezeiung 700 Jahre vor Christi Geburt gegeben worden ist. Damals hat Jesaja schon vorhergesagt, dass Jesus durchbohrt werden würde. Die Nägel an Händen und Füßen haben ihn ans Kreuz geheftet. Es ist für unsere Vergehen geschehen. DOch durch seine Wunden sind wir geheilt. Das ist die Botschaft von Karfreitag. Wir danken voller Mitgefühl dem Herrn für diese Heilung.
Es musste sein, denn die Menschheit war wie verirrte Schafe. Jeder ging seinen Weg im Gegensatz zum Weg des Herrn, von dem in den Psalmen immer wieder die Rede ist. Das ist ein Bild für den Lebenswandel des Menschen. Die gesamte Menschheit wandelte wo auch immer, aber nicht auf dem Weg der Gebote Gottes.
Jesus hat nicht nur alles auf sich genommen, er hat seinen Mund nicht aufgemacht. Er hätte sich beschweren können, er hätte Vorwürfe machen können. Nichts davon hat man aus seinem Mund gehört. Selbst im Prozess rechtfertigt er sich nicht. Er schweigt und lässt das Urteil über sich ergehen.
Er ist wirklich das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt, wie Johannes am Jordan schon gesagt hat. Weil er selbst zum Lamm geworden ist, weiß er wie seine Schafe sind. Er weiß um jedes Leiden, weil er es selbst getragen hat. So ein Hirte ist Jesus Christus!
„Bei den Frevlern gab man ihm sein Grab“ – Jesus ist in einem ganz neuen Grab beigesetzt worden, das Josef von Arimatäa bereitgestellt hat. Dieser Vers in Jesaja ist jedoch eher auf das Sterben am Kreuz zu beziehen. Jesus ist inmitten von Verbrechern gestorben und eigentlich wurden die Leichname der Gekreuzigten bei den Römern einfach verscharrt. In Judäa zur Zeit des Pilatus ist den Juden aber so einiges an Privilegien zuteil geworden, sodass man ihnen ein Begräbnis erlaubte. Womöglich können wir den Vers auch so verstehen, dass Jesus in Jerusalem bestattet worden ist, dem Ort der Frevler. Schließlich ist es die jerusalemer Tempelelite, die die Intrige sowie den Tod veranlasst hat. Da Jesus in eine Gruft gelegt worden war, kann man durchaus von einem gewissen Reichtum des Josef von Arimatäa ausgehen.
Jesus ist das Weizenkorn, das in die Erde fällt und dadurch Frucht bringt. Gott hat dieses Opfer nämlich angenommen und so sind bis heute unzählige Menschen als Kinder Gottes gewonnen worden! Das ist eine viel größere Fruchtbarkeit als die biologische. Jesus hat wahrlich viele Nachkommen!
Nicht mal 48 Stunden später erblickt Jesus das Licht. Er liegt nicht lange im Grab, denn der Ostermorgen naht!
Der gerechte Knecht macht die vielen gerecht. Er hat uns alle vor Gott gerecht gemacht und so müssen wir uns jeden Tag aufs Neue fragen: Wird mein Lebenswandel, zu dem ich nun befähigt bin, dem gerecht, dass Jesus für mich gestorben ist?
Der Vater gibt ihm wahrlich den Anteil. Jesus sitzt nun zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten. Am Ende hat er triumphiert!

Ps 31
2 HERR, bei dir habe ich mich geborgen. Lass mich nicht zuschanden werden in Ewigkeit; rette mich in deiner Gerechtigkeit!
6 In deine Hand lege ich voll Vertrauen meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du Gott der Treue.
12 Vor all meinen Bedrängern wurde ich zum Spott, zum Spott sogar für meine Nachbarn. Meinen Freunden wurde ich zum Schrecken, wer mich auf der Straße sieht, der flieht vor mir.
13 Ich bin dem Gedächtnis entschwunden wie ein Toter, bin geworden wie ein zerbrochenes Gefäß.
15 Ich aber, HERR, ich habe dir vertraut, ich habe gesagt: Mein Gott bist du.
16 In deiner Hand steht meine Zeit; entreiß mich der Hand meiner Feinde und Verfolger!
17 Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht, hilf mir in deiner Huld!
25 Euer Herz sei stark und unverzagt, ihr alle, die ihr den HERRN erwartet.

Im Psalm beten wir ganz vertrauensvolle Worte. Wir beten sie zusammen mit Jesus, der am Kreuz nach Luft ringt und dessen Lebenskraft immer mehr schwindet. Wir beten gemeinsam mit dem, der sich dort hängend ganz alleinegelassen fühlt und diese Einsamkeit aushält.
„HERR, bei dir habe ich mich geborgen.“ Jesus hat sich wirklich immer ganz dem Vater anvertraut. Immer wieder hat er Gebetszeiten gehalten, in denen er ganz innigst mit seinem Vater gesprochen hat. Er und der Vater sind eins.
Und so hält er auch daran fest, als er am Kreuz hängt. Er bittet ihn daher: „Lass mich nicht zuschanden werden in Ewigkeit; rette mich in deiner Gerechtigkeit!“ Er hat somit den Menschen ein Beispiel gegeben, wie sie in ihrem Leiden am Vater festhalten, sich gleichsam an ihn klammern sollen. So hat es schon David getan, dem wir diesen Psalm verdanken, und Gott hat ihn nie enttäuscht.
„In deine Hand lege ich voll Vertrauen meinen Geist“ ist ein Schriftwort, das Jesus der lukanischen Überlieferung nach gebetet hat. Er hat Gott wirklich ganz vertraut, selbst in der Stunde seines Todes.
Er hat dort schon diesen Psalm gebetet, ja diesen Vers, bei dem es weiterhin heißt: „Du hast mich erlöst, HERR, du Gott der Treue.“ Es ist auch nichts Anderes zu erwarten, denn nur kurze Zeit zuvor hat Jesus seinen geliebten Freund Lazarus von den Toten erweckt und dabei kein Bittgebet zum Vater formuliert, sondern ein Dank für die Gebetserhörung! Und er hat auch vor allen Anwesenden gesagt: „Ich weiß, dass du mich immer erhörst.“ Und mit dieser Gewissheit ist Jesus auch gestorben.
Gebe Gott, dass auch wir mit so einem festen Vertrauen unseren letzten Atemzug machen!
Jesus wurde wahrlich zum Inbegriff des Spotts – seinen Bedrängern, die ihn loswerden wollten, den Jerusalempilgern, die vorbeizogen, sogar denen, die neben ihm am Kreuz hingen!
Jesus hat sogar seine besten Freunde nicht an seiner Seite. Die meisten von ihnen verstecken sich irgendwo, einer von ihnen hat ihn den „Bedrängern“ ausgeliefert und lebt nicht mehr, der andere hat ihn ganz feige verleugnet. Nur Johannes steht unter dem Kreuz und bleibt bei ihm. Er ruht an seinem Herzen – nicht nur im Abendmahlssaal am Abend zuvor, sondern auch jetzt an dem ganz verwundeten Herzen, das durchbohrt wird!
„Ich bin dem Gedächtnis entschwunden wie ein Toter, bin geworden wie ein zerbrochenes Gefäß.“ Für Israeliten ist diese Art von Tod das Schlimmste, was ihnen passieren kann – das Vergessen ihres Namens, ihrer Identität. Die Erinnerung auch über ihren Tod hinaus ist die höchste Form von „Auferstehungshoffnung“, die die Israeliten zur Zeit König Davids vertreten haben (er komponierte ja den Psalm). Ein Leben nach dem Tod, Jenseitsvorstellungen, all das entwickelte sich erst im Laufe der Zeit, sodass Jesus erst dann Mensch geworden ist, als die Juden schon so weit waren, das zu verstehen. Jesu Gegner haben wirklich dessen Namen auszulöschen versucht, indem sie ihm nicht den kleinsten Funken Ehre gelassen haben. Doch am Ende hat der Vater seinen Sohn über alle anderen erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen. Er hat ihn nicht nur rehabilitiert, sondern in seinem Namen geschehen bis heute Zeichen und Wunder. Er ist der heiligste aller Namen geworden! So gibt Gott auch uns durch den Neuen Bund einen neuen Namen und wir sind getauft auf den allerheiligsten Namen Jesu Christi.
Auch wir dürfen durch dieses heilsame Ereignis am Kreuz beten „in deiner Hand steht meine Zeit“. An Jesu gutem Ausgang können wir wirklich erkennen, dass wir uns ganz auf die Vorsehung Gottes verlassen dürfen.
„Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht, hilf mir in deiner Huld! Euer Herz sei stark und unverzagt, ihr alle, die ihr den HERRN erwartet.“ Jesus hat gebetet: „Hilf mir in deiner Huld!“ Gott hat es getan und so kann Jesus zu uns Menschen heute sagen: „Euer Herz sei stark und unverzagt, ihr alle, die ihr den HERRN erwartet.“ Ja, wir warten auf die Wiederkunft Christi und so ermutigt Christus selbst uns, standhaft zu sein und unser Kreuz zu tragen. Er hat es auch getan.

Hebr 4-5
14 Da wir nun einen erhabenen Hohepriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, lasst uns an dem Bekenntnis festhalten.

15 Wir haben ja nicht einen Hohepriester, der nicht mitfühlen könnte mit unseren Schwächen, sondern einen, der in allem wie wir versucht worden ist, aber nicht gesündigt hat.
16 Lasst uns also voll Zuversicht hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit!
7 Er hat in den Tagen seines irdischen Lebens mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und er ist erhört worden aufgrund seiner Gottesfurcht.
8 Obwohl er der Sohn war, hat er durch das, was er gelitten hat, den Gehorsam gelernt;
9 zur Vollendung gelangt, ist er für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden
10 und wurde von Gott angeredet als Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks.

In der zweiten Lesung hören wir aus dem Hebräerbrief eine Betrachtung der hohepriesterlichen Identität Christi, der zugleich das dargebrachte Opfer ist.
Wir haben einen erhabenen Hohepriester, der nun beim Vater ist, der förmlich „die Himmel durchschritten hat“. Aus dem Grund werden wir durch den Brief dazu ermutigt, standhaft am Bekenntnis Jesu Christi festzuhalten.
Er ist ein mitfühlender Hohepriester, der selbst alle Leiden durchgemacht hat. Er ist den ganzen menschlichen Weg gegangen, ohne dabei zu sündigen. Er ist selbst zum Opfertier geworden, um die Sünde von den Menschen zu nehmen.
Dies erfüllt uns bis heute mit Zuversicht und zeigt, dass Gottes Thron ein Gnadenthron ist. Gott ist Mensch geworden, um die Welt zu retten. Er wird uns heute auch nicht im Stich lassen, sondern wir werden „Hilfe erlangen zur rechten Zeit“.
Jesus hat „mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten“ formuliert. Er hat mit dem letzten Rest an Atem, der ihm im grausamen Erstickungstod noch blieb, zu seinem Vater gebetet. Er hat vor allem die Psalmen gesprochen. Gott hat ihn erhört, weil er wirklich gottesfürchtig war. Er hat Gott nicht verworfen, nicht mit ihm gehadert, nie an seiner absoluten Güte gezweifelt. Er ist der Sohn Gottes, aber er hat den Gehorsam verstanden. Das Wort an der Stelle ist ἔμαθεν emathen. Es kommt von manthano, was meistens mit „lernen, verstehen“ übersetzt wird. Es hat noch weitere Bedeutungen und wir sehen am gesamtbiblischen Zeugnis, dass Jesus nichts Neues lernen musste in Bezug auf den Vater und die Heilsgeschichte. Er wusste ja schon alles. Wir hören im Lukasevangelium ja auch schon davon, dass Jesus schon als Kind seinen Eltern gehorsam ist (bis auf die prophetische Zeichenhandlung im Tempel). So kann man an dieser Stelle mit „verstehen oder wissen“ übersetzen. Jesus verstand oder erkannte, dass er bei allem Leiden doch nur eines konnte – gehorsam sein.
Und damit hat er ein Beispiel gegeben denen, die wiederum ihm gehorsam sein sollen. Dadurch antworten wir nämlich mit einem Ja auf die von Gott erwiesene Liebe. Uns ist alles bereitet worden, aber wir müssen die Erlösung und Vergebung Gottes annehmen. Dies tun wir, indem wir den Weg Jesu nachgehen und zu seinen Jüngern werden.
Jesus ist Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks. Das ist eine tiefe Wahrheit, die eine typologische Verbindung von Jesus und Melchisedek offenbart. Dieser ist König und Priester von Salem, der Bezeichnung Jerusalems in frühen Zeiten (Gen 14)! Er begegnet Abraham und bringt Brot und Wein dar. Man weiß nichts von seinem Ursprung und er segnet Abraham, wodurch er höher steht als dieser. Auf Jesus angewandt lehrt es uns: Jesu hohepriesterliche Identität steht höher als das aaronitische Priestertum. Er bringt im Abendmahlssaal ebenfalls Brot und Wein dar. Er ist dieser wahre König des Höchsten. Er ist aber nicht mehr König der irdischen Stadt Jerusalem, sondern des himmlischen! Er ist König des Reiches Gottes. Was wir hier im Hebräerbrief lesen, wird schon über den Messias in Ps 110 ausgesagt. Das ist ebenfalls Zeichen seines Triumphes über den Tod.

Joh 18-19
1 Nach diesen Worten ging Jesus mit seinen Jüngern hinaus, auf die andere Seite des Baches Kidron. Dort war ein Garten; in den ging er mit seinen Jüngern hinein. 2 Auch Judas, der ihn auslieferte, kannte den Ort, weil Jesus dort oft mit seinen Jüngern zusammengekommen war. 3 Judas holte die Soldaten und die Gerichtsdiener der Hohepriester und der Pharisäer und kam dorthin mit Fackeln, Laternen und Waffen. 4 Jesus, der alles wusste, was mit ihm geschehen sollte, ging hinaus und fragte sie: Wen sucht ihr? 5 Sie antworteten ihm: Jesus von Nazaret. Er sagte zu ihnen: Ich bin es. Auch Judas, der ihn auslieferte, stand bei ihnen. 6 Als er zu ihnen sagte: Ich bin es!, wichen sie zurück und stürzten zu Boden. 7 Er fragte sie noch einmal: Wen sucht ihr? Sie sagten: Jesus von Nazaret. 8 Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, dass ich es bin. Wenn ihr also mich sucht, dann lasst diese gehen! 9 So sollte sich das Wort erfüllen, das er gesagt hatte: Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast. 10 Simon Petrus, der ein Schwert bei sich hatte, zog es, traf damit den Diener des Hohepriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab; der Diener aber hieß Malchus. 11 Da sagte Jesus zu Petrus: Steck das Schwert in die Scheide! Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat – soll ich ihn nicht trinken?
12 Die Soldaten, der Hauptmann und die Gerichtsdiener der Juden nahmen Jesus fest, fesselten ihn 13 und führten ihn zuerst zu Hannas; er war nämlich der Schwiegervater des Kajaphas, der in jenem Jahr Hohepriester war. 14 Kajaphas aber war es, der den Juden den Rat gegeben hatte: Es ist besser, dass ein einziger Mensch für das Volk stirbt. 15 Simon Petrus und ein anderer Jünger folgten Jesus. Dieser Jünger war mit dem Hohepriester bekannt und ging mit Jesus in den Hof des Hohepriesters. 16 Petrus aber blieb draußen am Tor stehen. Da kam der andere Jünger, der Bekannte des Hohepriesters, heraus; er sprach mit der Pförtnerin und führte Petrus hinein. 17 Da sagte die Pförtnerin zu Petrus: Bist nicht auch du einer von den Jüngern dieses Menschen? Er sagte: Ich bin es nicht. 18 Die Knechte und die Diener hatten sich ein Kohlenfeuer angezündet und standen dabei, um sich zu wärmen; denn es war kalt. Auch Petrus stand bei ihnen und wärmte sich. 19 Der Hohepriester befragte Jesus über seine Jünger und über seine Lehre. 20 Jesus antwortete ihm: Ich habe offen vor aller Welt gesprochen. Ich habe immer in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen. Nichts habe ich im Geheimen gesprochen. 21 Warum fragst du mich? Frag doch die, die gehört haben, was ich zu ihnen gesagt habe; siehe, sie wissen, was ich geredet habe. 22 Als er dies sagte, schlug einer von den Dienern, der dabeistand, Jesus ins Gesicht und sagte: Antwortest du so dem Hohepriester? 23 Jesus entgegnete ihm: Wenn es nicht recht war, was ich gesagt habe, dann weise es nach; wenn es aber recht war, warum schlägst du mich? 24 Da schickte ihn Hannas gefesselt zum Hohepriester Kajaphas. 25 Simon Petrus aber stand da und wärmte sich. Da sagten sie zu ihm: Bist nicht auch du einer von seinen Jüngern? Er leugnete und sagte: Ich bin es nicht. 26 Einer von den Knechten des Hohepriesters, ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, sagte: Habe ich dich nicht im Garten bei ihm gesehen? 27 Wieder leugnete Petrus und gleich darauf krähte ein Hahn.

28 Von Kajaphas brachten sie Jesus zum Prätorium; es war früh am Morgen. Sie selbst gingen nicht in das Gebäude hinein, um nicht unrein zu werden, sondern das Paschalamm essen zu können. 29 Deshalb kam Pilatus zu ihnen heraus und fragte: Welche Anklage erhebt ihr gegen diesen Menschen? 30 Sie antworteten ihm: Wenn er kein Übeltäter wäre, hätten wir ihn dir nicht ausgeliefert. 31 Pilatus sagte zu ihnen: Nehmt ihr ihn doch und richtet ihn nach eurem Gesetz! Die Juden antworteten ihm: Uns ist es nicht gestattet, jemanden hinzurichten. 32 So sollte sich das Wort Jesu erfüllen, mit dem er angedeutet hatte, welchen Tod er sterben werde. 33 Da ging Pilatus wieder in das Prätorium hinein, ließ Jesus rufen und fragte ihn: Bist du der König der Juden? 34 Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus oder haben es dir andere über mich gesagt? 35 Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein Volk und die Hohepriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan? 36 Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn mein Königtum von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Nun aber ist mein Königtum nicht von hier. 37 Da sagte Pilatus zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme. 38 Pilatus sagte zu ihm: Was ist Wahrheit? Nachdem er das gesagt hatte, ging er wieder zu den Juden hinaus und sagte zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm. 39 Ihr seid aber gewohnt, dass ich euch zum Paschafest einen freilasse. Wollt ihr also, dass ich euch den König der Juden freilasse? 40 Da schrien sie wieder: Nicht diesen, sondern Barabbas! Barabbas aber war ein Räuber.
1 Darauf nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln. 2 Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf das Haupt und legten ihm einen purpurroten Mantel um. 3 Sie traten an ihn heran und sagten: Sei gegrüßt, König der Juden! Und sie schlugen ihm ins Gesicht. 4 Pilatus ging wieder hinaus und sagte zu ihnen: Seht, ich bringe ihn zu euch heraus; ihr sollt wissen, dass ich keine Schuld an ihm finde. 5 Jesus kam heraus; er trug die Dornenkrone und den purpurroten Mantel. Pilatus sagte zu ihnen: Seht, der Mensch! 6 Als die Hohepriester und die Diener ihn sahen, schrien sie: Kreuzige ihn, kreuzige ihn! Pilatus sagte zu ihnen: Nehmt ihr ihn und kreuzigt ihn! Denn ich finde keine Schuld an ihm. 7 Die Juden entgegneten ihm: Wir haben ein Gesetz und nach dem Gesetz muss er sterben, weil er sich zum Sohn Gottes gemacht hat. 8 Als Pilatus das hörte, fürchtete er sich noch mehr. 9 Er ging wieder in das Prätorium hinein und fragte Jesus: Woher bist du? Jesus aber gab ihm keine Antwort. 10 Da sagte Pilatus zu ihm: Du sprichst nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich freizulassen, und Macht, dich zu kreuzigen?
11 Jesus antwortete ihm: Du hättest keine Macht über mich, wenn es dir nicht von oben gegeben wäre; darum hat auch der eine größere Sünde, der mich dir ausgeliefert hat. 12 Daraufhin wollte Pilatus ihn freilassen, aber die Juden schrien: Wenn du diesen freilässt, bist du kein Freund des Kaisers; jeder, der sich zum König macht, lehnt sich gegen den Kaiser auf. 13 Auf diese Worte hin ließ Pilatus Jesus herausführen und er setzte sich auf den Richterstuhl an dem Platz, der Lithostrotos, auf Hebräisch Gabbata, heißt. 14 Es war Rüsttag des Paschafestes, ungefähr die sechste Stunde. Pilatus sagte zu den Juden: Seht, euer König! 15 Sie aber schrien: Hinweg, hinweg, kreuzige ihn! Pilatus sagte zu ihnen: Euren König soll ich kreuzigen? Die Hohepriester antworteten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser.
16 Da lieferte er ihnen Jesus aus, damit er gekreuzigt würde. Sie übernahmen Jesus. 17 Und er selbst trug das Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelstätte, die auf Hebräisch Golgota heißt. 18 Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte aber Jesus. 19 Pilatus ließ auch eine Tafel anfertigen und oben am Kreuz befestigen; die Inschrift lautete: Jesus von Nazaret, der König der Juden. 20 Diese Tafel lasen viele Juden, weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag. Die Inschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefasst. 21 Da sagten die Hohepriester der Juden zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden. 22 Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben. 23 Nachdem die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen Teil, und dazu das Untergewand. Das Untergewand war aber ohne Naht von oben ganz durchgewoben. 24 Da sagten sie zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies taten die Soldaten. 25 Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. 26 Als Jesus die Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! 27 Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. 28 Danach, da Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte: Mich dürstet. 29 Ein Gefäß voll Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm voll Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund. 30 Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und übergab den Geist. 31 Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten – dieser Sabbat war nämlich ein großer Feiertag – , baten die Juden Pilatus, man möge ihnen die Beine zerschlagen und sie dann abnehmen. 32 Also kamen die Soldaten und zerschlugen dem ersten die Beine, dann dem andern, der mit ihm gekreuzigt worden war. 33 Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, 34 sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite und sogleich floss Blut und Wasser heraus. 35 Und der es gesehen hat, hat es bezeugt und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß, dass er Wahres sagt, damit auch ihr glaubt. 36 Denn das ist geschehen, damit sich das Schriftwort erfüllte: Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen. 37 Und ein anderes Schriftwort sagt: Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben. 38 Josef aus Arimathäa war ein Jünger Jesu, aber aus Furcht vor den Juden nur im Verborgenen. Er bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen, und Pilatus erlaubte es. Also kam er und nahm den Leichnam ab. 39 Es kam auch Nikodemus, der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte. Er brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund. 40 Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist. 41 An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch niemand bestattet worden war. 42 Wegen des Rüsttages der Juden und weil das Grab in der Nähe lag, setzten sie Jesus dort bei.

Als Evangelium wird heute die Passion nach dem Johannesevangelium berichtet. Sie besteht aus zwei ganzen Kapiteln und so werde ich sie an dieser Stelle nicht auslegen. Eventuell mache ich bei Gelegenheit ein Video dazu. Lassen wir heute das Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus auf uns wirken und werden wir davon berührt. Er hat das alles für uns getan!

Ihre Magstrauss

Verkündigung des Herrn

Jes 7,10-14; Ps 40,7-8.9-10.11; Hebr 10,4-10; Lk 1,26-38

Jes 7
10 Der HERR sprach weiter zu Ahas und sagte:
11 Erbitte dir ein Zeichen vom HERRN, deinem Gott, tief zur Unterwelt oder hoch nach oben hin!
12 Ahas antwortete: Ich werde um nichts bitten und den HERRN nicht versuchen.
13 Da sagte er: Hört doch, Haus Davids! Genügt es euch nicht, Menschen zu ermüden, dass ihr auch noch meinen Gott ermüdet?
14 Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau hat empfangen, sie gebiert einen Sohn und wird ihm den Namen Immanuel geben.

Heute ist das Hochfest „Verkündigung des Herrn“. Es ist neun Monate vor der Geburt Jesu Christi, denn heute empfängt Maria nach ihrem Jawort den Messias in ihrem Leib, der vom Hl. Geist gezeugt wird. Es ist ein großes Fest und wir danken heute Maria so sehr, dass sie zugestimmt hat. So konnte der Messias in die Welt kommen und uns alle erlösen! Danke, unsere Mutter Maria!
In der ersten Lesung hören wir von König Ahas und Jesaja, der dem ängstlichen und an Gottvertrauen mangelndem König eine große Verheißung macht.
Lesen wir diese Verheißung zunächst einmal historisch und betrachten auch den Kontext dieses Ausschnitts. König Ahas von Juda sieht sich von seinen Feinden bedroht, die gegen ihn Krieg führen wollen. Jesaja übermittelt ihm die Zusage Gottes, dass er sich nicht fürchten muss. Die geplante Bekämpfung Judas und Ersetzung des Königs durch den Sohn Tabeals wird nicht zustande kommen, so lässt Gott Aram sagen. In der sukzessiven Eroberung des Nordreichs und der wachsenden Bedrohung Judas wendet Gott die Gefahr ab, doch Ahas lässt es kalt. Er glaubt Gott nicht und ist immer noch ängstlich. Gott fordert ihn dann auf, um ein Zeichen zu bitten. Gott ist bereit, dem König von Juda seine Pläne zu offenbaren. Dieser lehnt das Angebot zunächst ab, was Gott dennoch nicht davon abhält, ihm durch Jesaja die Botschaft zu vermitteln. Und nun kommt dieser Vers, den wir absolut messianisch weiterdenken und auf Jesu Menschwerdung beziehen: Die Jungfrau wird ein Kind empfangen, in der neuen Einheitsübersetzung „hat empfangen“ und wird ihm den Namen Immanuel geben. Dieses Kind wird es verstehen, das Böse zu verwerfen und das Gute zu wählen. So heißt es im weiteren Verlauf, den wir heute nicht mehr hören. Historisch gesehen könnten die Juden im Nachhinein die Ankündigung König Hiskijas, den Sohn des Ahas, erkannt haben. Er war ein frommer König, der es wirklich verstand, das Richtige zu tun im Gegensatz zu seinem Vater. Und doch können wir bei dieser Leserichtung nicht stehen bleiben. Schon allein die Prophezeiung einer Jungfrau lässt weiterdenken: Hier steht im Hebräischen das Wort הָעַלְמָ֗ה  ha’alma „die Jungfrau“, was ein junges Mädchen im heiratsfähigen Alter meint. Natürlich ist eine alma biologisch gesehen dann auch eine Jungfrau! Dies wird im griechischen AT deshalb mit ἡ παρθένος übersetzt, was ganz eindeutig „Jungfrau“ heißt. Hier wird ein übernatürlicher Zeugungsvorgang angekündigt, von dem wir bei Hiskija noch nicht lesen. Hier handelt es sich um einen Typos, der in Jesus Christus einen Antitypos erhält! So wie durch die Geburt Hiskijas die davidische Dynastie am Leben erhalten wurde, wird durch Jesus, dem Sohn Davids, die Genealogie der neuen Schöpfung eingeleitet, der wir durch die Taufe angehören! Und das Zeichen der Menschwerdung Christi wird zum größten Zeichen Gottes aller Zeiten. Er wird wahrlich der Immanuel sein, Gott, der mit uns ist. Dies hat er bereits im Dornbusch durch den Namen Jahwe verheißen und nun mit dem Messias noch einmal bestätigt. Jesus wird auch am Ende seines Wirkens vor der Himmelfahrt noch einmal bekräftigen: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ So ist Gott. Dies ist nicht nur eine heilsgeschichtliche Entwicklung für die ganze Menschheit, sondern auch für das alltägliche Leben jedes Einzelnen. Gott ist mit uns, auch da, wo wir von allen Seiten bedrängt werden wie Juda in der heutigen Lesung. Er gibt uns viele Zeichen, die wir im Rausch des Alltags manchmal gar nicht wahrnehmen. Je mehr wir aber aus seinem Geist heraus leben, erkennen wir Gottes Handschrift in allem, was uns widerfährt. Seien wir dankbar und vertrauen wir auf seine wunderbare Vorsehung. Seien wir nicht wie König Ahas und bleiben skeptisch, obwohl Gottes Verheißung so offensichtlich vor uns ist.

Ps 40
7 An Schlacht- und Speiseopfern hattest du kein Gefallen, doch Ohren hast du mir gegraben, Brand- und Sündopfer hast du nicht gefordert.
8 Da habe ich gesagt: Siehe, ich komme. In der Buchrolle steht es über mich geschrieben.
9 Deinen Willen zu tun, mein Gott, war mein Gefallen und deine Weisung ist in meinem Innern.
10 Gerechtigkeit habe ich in großer Versammlung verkündet, meine Lippen verschließe ich nicht; HERR, du weißt es.
11 Deine Gerechtigkeit habe ich nicht in meinem Herzen verborgen. Ich habe gesprochen von deinem Heil und deiner Treue, nicht verschwiegen deine Huld und deine Treue vor großer Versammlung.

Im heutigen Psalm drückt König David seine Dankbarkeit über die Gebetserhörung Gottes aus. Der HERR „neigte sich zu“ und „hörte das Schreien“. So eine Formulierung lesen wir auch bei dem unterdrückten Volk Israel in Ägypten. Gott selbst spricht zu Mose im Dornbusch: „Ich habe das Schreien meines Volkes gehört.“ (Ex 3,7).
Die Aussage „an Schlacht- und Speiseopfern hattest du kein Gefallen…“ ist darauf zu beziehen, was dann in Vers 9 geschrieben steht: „deinen Willen zu tun“, also den Willen Gottes zu befolgen, ist das Entscheidende, ohne dass die Opfertätigkeit überflüssig wird. Dies müssen wir als rhetorische Wendung verstehen. Uns geht dies vor allem auf, wenn wir an das heutige Hochfest und den Gehorsam Mariens denken. Sie ist eine fromme Jüdin und begeht die ganzen Wallfahrten und Opfer. Und doch ist nicht dies entscheidend für den Herrn, sondern ihr Ja, als der Erzengel Gabriel ihr die wunderbare Botschaft überbringt, als geweihte Jungfrau die Mutter des Messias zu werden.
Gott hat uns „Ohren gegraben“ (Vers 7), damit wir nämlich seinen Willen hören und ge-hor-sam sein können. Es geht vor allem um die Ohren unseres Glaubens. Jesus wird immer wieder sagen: „Wer Ohren hat, der höre“. Er meint damit weniger die organischen Ohren, sondern vielmehr die Fähigkeit, gehorsam zu sein. So steht es auch bei den sieben Sendschreiben in der Johannesoffenbarung. Wenn Jesus diese Wendung immer wieder aufgreift, werden die frommen Juden eine Anspielung auf diesen Psalm erkannt haben. Diese Ohren haben zum Hören hat Maria vollkommen gelebt. Sie hat auf den Willen Gottes gehört, nicht nur hingehört, sondern auch auf ihn gehört.
„Siehe ich komme“ und „in der Buchrolle steht es über mich geschrieben“ klingt ebenfalls wie die Johannesoffenbarung. Dort sagt der Menschensohn in Offb 22,17 „siehe ich komme bald“. Und die Buchrolle ist ein Leitmotiv gerade in der himmlischen Thronsaalvision der Kapitel 4-5. So kann es sich auf den Messias beziehen, besonders heute an diesem sehr adventlichen Fest. Denn von jetzt an erwarten wir auf besondere Weise den Messias und tatsächlich haben wir durch Jesaja ein Beispiel dafür erhalten, dass in der Schrift von Jesus geschrieben ist. Er ist es, von dem in der Buchrolle geschrieben ist, nämlich in der gesamten Torah wird er schon bezeugt. Deshalb kann er bei seiner „Antrittspredigt“ in Nazaret über die Jesajarolle sagen: „Das Schriftwort, das ihr gerade gehört habt, hat sich heute erfüllt.“ Und Jesus ist es auch, der „in großer Versammlung verkündet.“ Er lehrt in den Synagogen das Reich Gottes und wie der Vater ist. König David hat auch öffentlich gesprochen, auch er ist angekündigt worden als ersehnter König für das gesamte Volk Israel.
Aber nicht nur Christus wird bei Jesaja angekündigt, sondern auch die Jungfrau. Und so können wir diese Aussage auch auf die Muttergottes beziehen!
Auch wir sollen unseren Mund auftun und den HERRN vor allen bekennen. Auch wir sollen das Wort Gottes in unserem Herzen tragen („in meinem Innern“). Dann werden auch wir Gottes Willen stets erkennen und möchten ihn auch immer erfüllen. Dann haben wir „gegrabene Ohren“, sodass wir im Stand der Gnade bleiben können. Das Wort Gottes haben wir nicht nur in geschriebener Form im Herzen, sondern wir haben das Privileg, das fleischgewordene Wort zu empfangen. Wenn wir die Kommunion empfangen, kommt Jesus in unser Herz. Er bleibt dort, wenn wir es ihm erlauben, wenn wir Gottes Willen tun und nicht den Bösen in unser Herz lassen. Die Kirche hat das Wort Gottes in ihrem Innern, nämlich die Eucharistie. Sie ist ihr Herzschlag, die sie am Leben erhält. Jesus ist das größte und endgültige Opfer, sodass wir jetzt keine Brand- und Schlachtopfer mehr bringen müssen wie das Alte Israel. Jesu Opfer wird in jeder Messe vergegenwärtigt, er stirbt nicht immer wieder, sondern sein einmaliger Tod wird in die jeweilige Gegenwart geholt. Von diesem Heilsereignis her sollen wir ein entsprechendes Leben führen und Gottes Willen erfüllen. Wir sollen von seiner Gerechtigkeit auch vor anderen bezeugen. Was David hier betet, sind die drei kirchlichen Grundvollzüge: Wir feiern Gottes Herrlichkeit, was Leiturgia genannt wird („ein neues Lied“, „einen Lobgesang“). Dies hat Jesus schon getan, wenn er gebetet hat, wenn er vor allem die Eucharistie eingesetzt hat am Abend vor seinem Tod und in seiner Kreuzigung. Wir setzen Gottes Willen um in der tätigen Liebe, was Diakonia heißt („deinen Willen zu tun war mein Gefallen“). Jesus hat immer wieder Menschen seelisch, psychisch und körperlich geheilt. Er hat sie in die Gemeinschaft zurückgeführt und dabei den heiligen Sabbat übergangen. So sehr hatte er Mitleid mit den Menschen. Schließlich verkünden wir als Kirche die Weisung Gottes, was Martyria genannt wird („in großer Versammlung verkündet“). Diese große Versammlung ist in erster Linie die Eucharistiefeier, zu der die Gläubigen sich am Sonntag versammeln. Deshalb gibt es gerade dann eine Predigt. Genau dies hat Jesus in den Synagogen getan und überall, wo er das Reich Gottes verkündet hat. Die Kirche tut, was Jesus getan hat, was er von Davids Psalm erfüllt hat. Die Kirche folgt Jesus in den drei Grundvollzügen nach! Und jetzt kommt der springende Punkt: All das hat Maria schon getan! Sie ist deshalb der Archetyp, das heißt das Urbild der Kirche: Sie hat die Leiturgia gelebt durch ihr intensives Gebetsleben, das bis in ihr Herz hineingeht (denn sie bewahrt alles im Herzen und denkt darüber nach). Sie betet das Magnificat, das eine Kompilation verschiedenster Schritstellen des Alten Testaments ist. Maria vollzieht die tätige Liebe, die Diakonia, weil sie sich um ihre schwangere Verwandte Elisabet kümmert. Sie verkündet auch das Wort Gottes, am Anfang sogar ganz ohne Worte, sondern einfach durch ihr Tragen des fleischgewordenen Wortes in die Welt hinaus! Sie verkündet als lebendiger Tabernakel, was man in Worte gar nicht fassen kann. Und ein ungeborenes Kind, nämlich der kleine Johannes der Täufer, empfängt als erstes diese Botschaft. Er reagiert mit Freude über diese Verkündigung und hüpft im Leib seiner Mutter Elisabet. Maria ist wahrlich das Urbild der Kirche und uns ein großes Vorbild! Insgesamt können wir wirklich sagen: Davids Psalm zeugt mal wieder durch und durch vom Hl. Geist. Danken wir Gott für dieses Gebet!

Hebr 10
4 denn das Blut von Stieren und Böcken kann unmöglich Sünden wegnehmen.
5 Darum spricht er bei seinem Eintritt in die Welt: Schlacht- und Speiseopfer hast du nicht gefordert, doch einen Leib hast du mir bereitet;
6 an Brand- und Sündopfern hast du kein Gefallen.
7 Da sagte ich: Siehe, ich komme – so steht es über mich in der Schriftrolle – , um deinen Willen, Gott, zu tun.
8 Zunächst sagt er: Schlacht- und Speiseopfer, Brand- und Sündopfer forderst du nicht, du hast daran kein Gefallen, obgleich sie doch nach dem Gesetz dargebracht werden;
9 dann aber hat er gesagt: Siehe, ich komme, um deinen Willen zu tun. Er hebt das Erste auf, um das Zweite in Kraft zu setzen.
10 Aufgrund dieses Willens sind wir durch die Hingabe des Leibes Jesu Christi geheiligt – ein für alle Mal.

In der zweiten Lesung hören wir erneut davon, dass nicht das Blut von Opfertieren die Sühnung unserer Sünden erwirkt hat. Für die Juden war es das Maximum an Sühne, die sie erlangen konnten. Das war auch eine lange Zeit die einzige Möglichkeit. Doch dann hat Gott in die Menschheitsgeschichte eingegriffen, indem er seinen einzigen Sohn hingegeben hat. Der Hebräerbrief greift die Worte des Psalms auf, über die wir bereits intensiv nachgedacht haben: „Siehe, ich komme – so steht es über mich in der Schriftrolle – , um deinen Willen, Gott, zu tun.“
Das ist das Entscheidende: den Willen Gottes zu tun.
In diesem Brief wird reflektiert, dass das erste (nämlich die ganze Opfertätigkeit Israels) aufgehoben wird für das zweite (nämlich das Kommen des Messias). Der Messias ist gehorsam gewesen und hat bis zum Schluss den Willen des Vaters umgesetzt. Weil er gehorsam war bis zum Tod am Kreuz, „sind wir (…) geheiligt – ein für alle Mal.“ DAS hat unsere Sühne erwirkt, nicht die Opfer Israels. Dies wird im Hebräerbrief deshalb so reflektiert, weil es auch nach dem Erlösungswirken Jesu Christi, nach der Gründung der Kirche und während des missionarischen Wirkens der ersten Christen Bestrebungen gab, die Opfertätigkeit, die Torah, alles Jüdische weiterzuführen wie bisher. Die ersten Christen sind ja auch noch in den Tempel zum Beten gegangen, haben den Sabbat gehalten und zugleich am ersten Tag der Woche „das Brot gebrochen“. Was der Hebräerbrief aber ausdrücken möchte, ist: Wir können nicht mehr so tun, als ob wir heilsgeschichtlich dort stehen, wo die Juden vor dem Kommen des Messias standen. Das bedeutet die Leugnung des Erlösungswirkens Jesu Christi. Wir Christen sind nun Erlöste und Nachösterliche. Wir können nicht mehr so tun, als ob Brand- und Schlachtopfer heilsnotwendig sind und unsere Sünden hinwegnehmen können. Dann würden wir Gott nicht zutrauen, dass er dies durch den Tod und die Auferstehung Jesu Christi bereits ein für alle Mal erwirkt habe.
All das konnte erst durch Marias Jawort in die Tat umgesetzt werden. Sie war zuerst gehorsam, damit ihr Sohn gehorsam sein konnte bis zum Tod am Kreuz. Herr, wir danken dir für unsere himmlische Mutter!

Lk 1
26 Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret
27 zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.
28 Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.
29 Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.
30 Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
31 Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben.
32 Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
33 Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben. 34 Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
35 Der Engel antwortete ihr: Heiliger Geist wird über dich kommen und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.
36 Siehe, auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar gilt, ist sie schon im sechsten Monat.
37 Denn für Gott ist nichts unmöglich.
38 Da sagte Maria: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.

Im Evangelium hören wir nun von diesem wunderbaren Ereignis, von dieser Weichenstellung der Heilsgeschichte:
Der Engel des Herrn, der Bote Gabriel, kommt zu einer geweihten Jungfrau nach Nazaret. Ihre Eltern haben ihre Tochter aus Dank für die Gebetserhörung Gottes nach langer Kinderlosigkeit dem Tempel geweiht. Sie ist dort aufgewachsen, erhielt eine intensive Ausbildung in der Hl. Schrift und arbeitete an dem Tempelvorhang bis zu ihrem zwölften Lebensjahr. Aus kultischen Gründen musste sie dann ihre Aufgaben von außerhalb weiterführen. Dazu bedurfte es einen Vormund und so wurde das Mädchen einem Mann aus derselben Sippe, einem Sohn Davids namens Josef versprochen. Er wird gemäß Num 30 ihrer Jungfrauenweihe zugestimmt haben, sodass sie eine enthaltsame Ehe führen würden. Womöglich war er selbst ein geweihter Mann.
Der Engel des Herrn kommt zu einer Jungfrau nach Nazaret. Für den schriftkundigen Hörer erklingt schon mit dem ersten Satz ein Signal: Von Jesaja haben hören wir von einem nezer, einer Wurzel, die nun im Namen des Ortes Nazaret wieder auftaucht. Eine Jungfrau – wir dürfen dieses Wort wörtlich nehmen. Das griechische Wort παρθένος, ist mit „Jungfrau“, also auch dem biologischen Zustand der Unberührtheit, zu übersetzen. Es ist schon in der Verheißung aus Jesaja zu lesen („die Jungfrau hat ein Kind empfangen“). Das griechische AT, die Septuaginta verwendet an dieser Stelle bei Jesaja dasselbe Wort παρθένος. Im Hebräischen steht הָעַלְמָ֗ה ha-almah „die Jungfrau“. Interessant auch, dass eine bestimmte Jungfrau gemeint ist. Das zeigt der bestimmte Artikel. Das Wort wird von heutigen Exegeten gerne bagatellisiert und in der Einheitsübersetzung steht bei Jes 7 deshalb auch eine Fußnote, in der behauptet wird, man müsse das hebräische Wort mit „junge Frau“ übersetzen. Ich kritisiere die Fußnote, weil sie irreführend ist. Sie wird nämlich gerne zum Anlass genommen, die biologische Jungfräulichkeit abzulehnen. Eine junges Mädchen im heiratsfähigen Alter (was mit almah gemeint ist), schließt den jungfräulichen Zustand selbstverständlich ein. Alles Andere wäre undenkbar (für heutige Zustände ja leider nicht mehr…).
Dass Maria verlobt ist, wird nicht gesagt, um ihren Zustand der Jungfräulichkeit zu erklären, sondern die Wunderhaftigkeit der Empfängnis. Deshalb war ihre Schwangerschaft so drastisch für die Gesellschaft, nicht in erster Linie, dass es ein uneheliches Kind war (das auch). Es ging darum, dass sie als geweihte Jungfrau überhaupt ein Kind erwartete.
Es ist auch kein Füllsatz, wenn es heißt „der Name der Jungfrau war Maria“. Zwar ist die Herleitung des Namens nicht ganz eindeutig, aber zwei Möglichkeiten sind „die Wohlgenährte“ und „die Geliebte“. Gerade die erste Übersetzungsmöglichkeit stellt einen Bezug zur Mutter der Lebenden her, wie Eva, die erste Frau bezeichnet worden ist. Damit wird schon durch den Namen Mariens ein typologischer Bezug hergestellt.
Der Engel spricht Maria an mit den Worten χαῖρε, κεχαριτωμένη chaire, kecharitomene „freue dich, du Begnadete/die, der Gnade erwiesen worden ist“. Auch Christen haben die Begrüßung χαῖρε von Anfang an verwendet, so auch Paulus in den Briefanfängen. Die Bezeichnung κεχαριτωμένη ist, was uns theoretisch allen geschenkt ist, die volle Ausstattung mit der Gnade Gottes, also die Berufung aller Getauften. Dass der Engel sie jetzt so anspricht (das ist neu), macht für uns deutlich, dass sie nicht nur theoretisch, sondern im vollen, gleichsam paradiesischen Sinne, Begnadete ist. Die Kirche liest diese Anrede als Hinweis auf ihre Bewahrung vor der Erbsünde. Dass es sich um eine unübliche Aussage handelt, sehen wir an Marias Reaktion – sie erschrickt nicht vor dem Engel selbst, sondern vor der Anrede. Man kennt es von anderen Engelserscheinungen, dass die jeweiligen Personen auf ihr Gesicht fallen und eine heftige Reaktion zeigen. Maria dagegen fällt nicht auf ihr Gesicht, sondern fragt sich, was die Anrede zu bedeuten habe. Und dass sie keine Angst vor dem Engel hat, der ja voll der Herrlichkeit Gottes leuchtet, zeigt einen weiteren Hinweis auf ihre paradiesische, sündlose Natur. Wir wissen von Gen 3, dass Angst ein nachsündlicher Zustand ist, der mit dem Sündenfall in den Menschen gekommen ist. In diesem Kontext ist die Aussage „fürchte dich nicht, Maria“ auf die Anrede zu beziehen. Das ist ja eine Aufforderung, die Engel den Menschen für gewöhnlich machen. Hier erhält sie eine neue Dimension.
Der Engel sagt ihr dann: „Der Herr (ist) mit dir.“ Im Griechischen handelt es sich um einen Nominalsatz, bei dem das Verb fehlt und deshalb steht das „ist“ in Klammern. Es ist sinngemäß hinzuzufügen und lässt eine Überzeitlichkeit zu: Es könnte sowohl eine Vergangenheitsform sowie eine Präsens- oder Zukunftsform eingesetzt werden. Gott war schon mit ihr, da er seinen Heilsplan für sie schon von Anbeginn der Zeit bereitet hat und ist jetzt mit ihr – auf so eine intensive Weise, dass er in ihr Fleisch annimmt. Er wird auch mit ihr sein, wenn Jesus dann von ihr geht und vorausgeht zum himmlischen Vater und Gott wird auch mit ihr sein am Ende der Zeiten, wenn sie mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wird. Auch mit uns ist der Herr, in unserem Herzen, in der Eucharistie, sogar physisch beim Kommunionempfang! Und auch wir werden am Ende der Zeiten ganz bei Gott sein. Wir glauben an eine leibliche Auferstehung, die der neuen Schöpfung verheißen wird und deren erste Exemplare Jesus und Maria sind.
Der Engel erklärt ihr, welchen Plan Gott mit ihr hat. Bemerkenswert ist wiederum ihre Reaktion. Sie stellt diese wunderbare Verheißung nicht infrage und zweifelt nicht daran. Im Gegenteil, sie versucht, es zu verstehen (Anselm von Canterbury hätte sich gefreut!) und fragt nach dem Wie. Bei ihrer Nachfrage wird das deutlich, was ich vorhin angeschnitten habe: Maria ist eine geweihte Jungfrau. Deshalb heißt es auch: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann ERKENNE“. Es steht eindeutig ein dauerhaftes Verb in der Gegenwart (οὐ γινώσκω u ginosko „nicht erkenne“). Da steht nicht „noch nicht“. Die außerbiblischen Schriften bezeugen, dass Marias Familie den Essenern nahestand, die den Messias am stärksten erwartet haben und bei denen die Enthaltsamkeit einen hohen Stellenwert hatte. Die Essener lebten eine mönchische Askese und standen der hasmonäischen Tempellobby kritisch gegenüber. Sie hielten fest an dem mosaisch eingesetzten Priestertum. Auch Johannes der Täufer sowie seine Familie, die ja mit Maria verwandt war, stand den Essenern nahe. Selbst wenn wir außerbiblische Quellen nicht berücksichtigen, wird es uns über den Bibeltext verständlich: Warum sollte Maria nach dem Wie fragen, wenn sie in absehbarer Zeit heiraten würde und eine baldige Schwangerschaft erwarten konnte? Das würde ja nichts Wundersames bedeuten, sondern den natürlichen Lauf der Dinge.
Die Erklärung des Engels ist voll von alttestamentlichen Anspielungen. Maria hat als fromme und schriftkundige Jüdin (ich erinnere nochmal an das Magnificat) diese erkannt und verstanden, dass es um den Messias geht.
Dadurch dass der Engel auf Elisabet verweist, wird Maria die übernatürliche Weise des Handelns Gottes verdeutlicht. Dieser kann über die von ihm selbst geschaffenen Naturgesetze hinweggehen und Wunder vollbringen. Für ihn ist alles möglich. Als wiederum fromme Jüdin kennt sie diese Art von Wunder bei heilsgeschichtlich bedeutenden Personen (so wie bei Isaak, Simson oder Samuel). Deshalb gibt sie voller Glauben ihr Ja. Und mit dieser schlichten Zusage „mir geschehe, wie du es gesagt hast“ wird der Vernichtungsplan des Teufels zunichte gemacht. Was der Böse mit dem ersten Menschenpaar erreicht hatte, ist mit einem einzigen Satz zerfallen. Der Ungehorsam und das Nein der ersten Frau, die auf die Schlange gehört hat, ist mit dem Ja dieser neuen Eva wieder gutgemacht worden. Während die erste Frau von der verbotenen Frucht aß und dadurch das ewige Leben verloren hat, empfing die zweite Frau die ewige Frucht, Jesus, der das ewige Leben wiederherstellen sollte.
Es ist so wunderbar, dass dieses große Hochfest, das Marias Ja und die Weichenstellung unserer Erlösung zum Thema hat, ausgerechnet in die Fastenzeit fällt. Gottes Timing ist nie willkürlich und auch die Kirche, die vom Hl. Geist geleitet wird, hat nicht zufällig die liturgischen Feste so gelegt. Jesus wird geboren, um zu sterben. Weihnachten und Ostern liegen so nah beieinander, dass Johann Sebastian Bach in seinem Weihnachtsoratorium die Melodie von „O Haupt voll Blut und Wunden“ eingebaut hat. Ich könnte Ihnen jetzt nochmal einen langen Vortrag über die Verbindungen zwischen Weihnachten und Ostern, zwischen Krippe und Grab, zwischen Windeln und Grabtuch halten. Das wird zu einer anderen Zeit erfolgen.
Wir dürfen diese heilsgeschichtlichen Knotenpunkte miteinander verbinden und so noch einmal bewusster dem Herrn danken für alles, was er uns geschenkt hat. Danken können wir heute auch besonders unserer lieben Mutter Maria, dass sie Ja gesagt hat, die wie eine Braut am Traualtar ihr Jawort gegeben hat – in guten wie in schlechten Zeiten – und gewiss waren ihre schlechten Zeiten die schmerzhaftesten, die eine Mutter unter dem Kreuz ihres Sohnes erleiden musste!

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Hochfest und lade Sie heute besonders dazu ein, den Engel des Herrn ganz aufmerksam zu beten – und lassen wir dabei den Teufel erzittern, der so große Angst vor der Frau hat, vor ihr, die seinen ganzen Plan zerstört hat!

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 6. Woche im Jahreskreis

Jak 2,1-9; Ps 34,2-3.4-5.6-7; Mk 8,27-33

Jak 2
1 Meine Brüder und Schwestern, haltet den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus, den Herrn der Herrlichkeit, frei von jedem Ansehen der Person! 
2 Wenn in eure Versammlung ein Mann mit goldenen Ringen und prächtiger Kleidung kommt und zugleich kommt ein Armer in schmutziger Kleidung 
3 und ihr blickt auf den Mann in der prächtigen Kleidung und sagt: Setz du dich hier auf den guten Platz! und zu dem Armen sagt ihr: Du stell dich oder setz dich dort zu meinen Füßen! – 
4 macht ihr dann nicht untereinander Unterschiede und seid Richter mit bösen Gedanken? 
5 Hört, meine geliebten Brüder und Schwestern! Hat nicht Gott die Armen in der Welt zu Reichen im Glauben und Erben des Reiches erwählt, das er denen verheißen hat, die ihn lieben? 
6 Ihr aber habt den Armen entehrt. Sind es nicht die Reichen, die euch unterdrücken und euch vor die Gerichte schleppen? 
7 Sind nicht sie es, die den guten Namen lästern, der über euch ausgerufen worden ist? 
8 Wenn ihr jedoch das königliche Gesetz gemäß der Schrift erfüllt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!, dann handelt ihr recht. 
9 Wenn ihr aber nach dem Ansehen der Person handelt, begeht ihr eine Sünde und werdet vom Gesetz überführt, dass ihr es übertreten habt.

Im heutigen Abschnitt aus dem Jakobusbrief geht es um den Umgang mit Armen und Reichen. Jeder Mensch soll gleich behandelt werden unabhängig von seinem Ansehen (μὴ ἐν προσωπολημψίαις me en prosopolempsiais). Er bringt ein Beispiel, was auf tatsächliche Standesunterschiede selbst in den Gemeinden hinweist: Wenn ein Reicher in den Gottesdienst kommt, bekommt er einen guten Platz, Arme müssen stehen oder den anderen zu Füßen sitzen. Dadurch handeln jene Gemeindemitglieder aber nicht wie Jesus, der die Armen erhöht und die Reichen erniedrigt hat. Die Wertung ist weltlich, so wie man es von der Welt kennt, nicht vom Reich Gottes.
Jakobus sagt sogar, dass es unlogisch sei, die Reichen so zu bevorzugen, da diese die Christen ja so schlecht behandeln und vor die Gerichte bringen. Sie sind es, die Gottes Namen beschmutzen.
Das Problem ist nicht, dass die Gemeinden die Reichen gut behandeln, sondern dass sie diese bevorzugen. Denn das „königliche Gesetz“, wie es hier heißt, die Nächstenliebe ist. Auch die Reichen sind die Nächsten. Würde Jakobus nun wegen der schlechten Behandlung der Reichen das gleiche Verhalten von den Gemeinden zurück erwarten, dann würde es sich um Rache handeln, die aber nicht im Sinne Jesu ist. Er hat die Feindesliebe gepredigt. Auch die Reichen sollen also laut Jakobus aufgenommen werden, aber keine Sonderbehandlung bekommen.
Wer nämlich nach dem Ansehen der Person handelt, übertritt das Gesetz, denn dieses zusammengefasst im Doppelgebot der Liebe kennt keine Abstriche bei den Armen. Der Nächste ist der Nächste.
Solche Probleme bezeugt uns aus Paulus im ersten Korintherbrief, wo es um die Missstände bei der Liturgie und der Agapefeier geht. Die Reichen sind sogar betrunken, bevor die Sklaven überhaupt zur Hausgemeinde kommen können, da sie länger arbeiten. Dann müssen sie hungern, weil sie nichts mitbringen können, während die Reichen ein Festmahl zu sich nehmen. Die Standesunterschiede der Gesellschaft setzen sich in der Gemeinde fort. So soll es aber nicht sein, denn hier findet ein Stück Himmel statt. Das ist der Ort, wo das Reich Gottes angebrochen ist und die Menschen einander so behandeln sollen, wie Jesus es erklärt hat. Es soll schon nach Himmel „riechen“, die Ewigkeit soll antizipiert werden.
Wie ist es bei uns? Behandeln wir in unseren Kirchengemeinden alle gleich? Achten wir darauf, wie viel Geld die Person auf dem Konto hat, mit welchem Auto sie auf den Parkplatz der Kirche vorgefahren kommt? Wer hat in unserer Kirche Ehrenämter inne? Sind es die Reichen, die mitreden dürfen oder sind wir neutral? Werden die gesellschaftlich Randständigen integriert oder ausgeschlossen? Was tun wir persönlich dafür, damit jeder Mensch in der Gemeinde unabhängig von seinem gesellschaftlichen Status gleich behandelt wird? Schließlich werden wir eines Tages dafür zur Rechenschaft gezogen. Dann wird Jesus für uns hoffentlich das positive Urteil haben: „Was du einem meiner geringsten Brüder getan hast, das hast du mir getan.“

Ps 34
2 Ich will den HERRN allezeit preisen; immer sei sein Lob in meinem Mund. 

3 Meine Seele rühme sich des HERRN; die Armen sollen es hören und sich freuen. 
4 Preist mit mir die Größe des HERRN, lasst uns gemeinsam seinen Namen erheben! 
5 Ich suchte den HERRN und er gab mir Antwort, er hat mich all meinen Ängsten entrissen. 
6 Die auf ihn blickten, werden strahlen, nie soll ihr Angesicht vor Scham erröten. 
7 Da rief ein Armer und der HERR erhörte ihn und half ihm aus all seinen Nöten.

Heute beten wir einen Lobpreispsalm, der unter anderem das Thema der Lesung aufgreift:
„Ich will preisen“ ist ein typischer Psalmenbeginn – die Selbstaufforderung zum Lob. David bekundet sein „Jawort“ gegenüber Gott durch einen andauernden Lobpreis.
Mit „meine Seele“ wird das hebräische Wort נַפְשִׁ֑י nafschi übersetzt, was eigentlich viel mehr als nur die Seele meint. Das biblische Menschenbild ist nicht geteilt, sodass man sagen kann, er hat einen Körper und eine Seele. Vielmehr ist der Mensch ein Körper und eine Seele. Das hebräische Wort ist also umfassender zu übersetzen im Sinne von „mein Leben“. Es meint die gesamte Existenz des Menschen, die sich des HERRN rühmen soll. David möchte Gott in allen Lebenslagen, mit seinem ganzen Sein preisen. Er möchte das tun, was wir Menschen in der Ewigkeit dauerhaft vornehmen werden – den Lobpreis Gottes.
„Die Armen sollen es hören und sich freuen“ erinnert uns an die Lesung. Aber warum haben die Armen einen Grund zur Freude? Wenn ein Mensch Gott mit allem preist, was er ist und hat, dann tut er dies auch durch die gelebte Nächstenliebe. Und deshalb können die Armen aufatmen, das heißt die Randständigen, Rechtlosen, die Witwen und Waisen, die Fremden und Kranken. Hier geht es um das Doppelgebot der Liebe. Je mehr jemand in Gott lebt, desto mehr gibt er sich auch für den Nächsten hin.
Auch die Lobaufforderung in Vers 4 ist typischer Psalmenstil. Oft ist diese auch so formuliert, dass der Psalmist die ganze Schöpfung oder Bereiche der Schöpfung zum Lob auffordert.
„Ich suchte den HERRN und er gab mir Antwort“ ist, was Jesus in seiner Verkündigung aufgreift, wenn er sagt: „Wer sucht, der findet. Wer anklopft, dem wird aufgetan.“ Hier könnte man die Verform דָּרַ֣שְׁתִּי daraschti mit „ich habe aufgesucht“ übersetzen, denn Gott antwortet dem Suchenden. Gott ist es, der auch unsere Ängste von uns nimmt. Angst ist nicht vom Hl. Geist und deshalb ist der Mut/die Tapferkeit auch eine Frucht des Hl. Geistes.
Vers 6 ist eine wunderbare Reflektion dessen, wen man eigentlich anschauen soll – nämlich Gott. Wenn man auf ihn schaut und von ihm aus dann auf die Menschen, dann ist es die richtige Haltung. Dann wird man nicht auf das Ansehen der Person achten und sich vom Strahlen des Reichen beeinflussen lassen. Denn Gottes Licht übertönt alles Andere. Es wird auch auf das eigene Gesicht zurückfallen, sodass das einzige Ansehen der Person, auf die wir bei unseren Mitmenschen beachten sollen, die Reflektion des Lichtes Gottes ist. Und da ist es dann egal, ob es das Gesicht eines Armen oder Reichen ist. Und wenn sie die Ärmsten sind, so werden sie keinen Grund zur Scham haben. Gottes Gnade zeichnet sich in ihrem Gesicht ab, was gibt es Höheres?
So lesen wir in Vers 7, dass Gott die Gebete eines Armen erhört und ihn aus seinen Nöten erlöst.
Bei Gott gibt es kein „Nein“, nur ein „Ja“, „Anders“ oder „Später“.
Wie verhalten wir uns? Achten wir auf das Gesicht eines „Gott-Reflektors“? Erkennen wir seine Spuren auf dem Antlitz unserer Gemeindemitglieder oder achten wir auf das weltliche Strahlen teurer Markenklamotten und dicker Autos? Wie sind wir selbst? Polieren wir uns und unseren Besitz lieber selbst, anstatt uns mit der Gnade Gottes auszustatten, die anderen Menschen als Licht leuchten soll? Wählen wir selbst. Diese Fähigkeit hat uns Gott geschenkt.

Mk 8
27 Jesus ging mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Auf dem Weg fragte er die Jünger: Für wen halten mich die Menschen? 

28 Sie sagten zu ihm: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen von den Propheten. 
29 Da fragte er sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Christus! 
30 Doch er gebot ihnen, niemandem etwas über ihn zu sagen. 
31 Dann begann er, sie darüber zu belehren: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er muss getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. 
32 Und er redete mit Freimut darüber. Da nahm ihn Petrus beiseite und begann, ihn zurechtzuweisen. 
33 Jesus aber wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: Tritt hinter mich, du Satan! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

Heute sind Jesus und seine Jünger im Gebiet von Cäsarea Philippi unterwegs, einem Ort, der zu Ehren des Kaisers Augustus in „Cäsarea“ umbenannt worden ist. Der Ort liegt am Fuße des Hermonberges und weist eine ganz bekannte Grotto zu Ehren des Gottes Pan auf.
Jesus fragt seine Jünger heute, für wen er gehalten wird. Er tut dies, um darauf zu sprechen zu kommen, für wen seine Jünger selbst ihn halten.
Die Menschen haben unterschiedliche Theorien für die Identität Jesu, z.B. Johannes den Täufer oder Elija sowie andere Propheten. Das ist typisch für Gerüchte und Gerede, es ist total unlogisch und ergibt keinen Sinn. Wie kann Jesus Johannes der Täufer sein, wenn beide gleichzeitig gesehen worden sind bei Jesu Taufe? Dass einige Jesus als den wiedergekommenen Elija halten, ist wenigstens ein wenig nachvollziehbar wegen der vielen Heilstaten, die Jesus erwirkt.
Und nun stellt Jesus die entscheidende Frage: „Für wen haltet ihr mich?“
Derjenige spricht zuerst, der immer zuerst das Wort ergreift, Petrus: „Du bist der Christus.“ Er bekennt heute, dass Jesus der Messias ist. Er spricht Jesu wahre Identität aus, die aber noch nicht öffentlich verkündet werden soll. Jesus gebietet den Jüngern deshalb, darüber zu schweigen. Wir erinnern uns daran, was Jesus gestern vor seinen Jüngern erwirkt hat, nämlich eine Blindenheilung. Er tat es im Anschluss an die Kritik an seine Jünger, dass sie blind und taub sind. Bei der Blindenheilung in Betsaida sind Petrus auch die Augen aufgegangen, aber nicht die physischen, sondern die Augen des Glaubens. Deshalb sagt er hier voller Überzeugung „du bist der Christus.“ Dass er das nicht aus eigener Erkenntnisfähigkeit herausgefunden hat, erfahren wir in Mt 16,17. Dort erwidert Jesus Petrus nämlich: „Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“ So ist es mit unserer Gotteserkenntnis. Die Tiefen Gottes können wir erforschen mithilfe der Gnade Gottes. Er öffnet uns den Verstand und den Glauben so, dass wir ein wenig mehr von ihm erkennen können.
Petrus hat Jesu Identität auf den Punkt gebracht, doch was mit dieser Identität als Messias verbunden ist, darüber muss Jesus seine Jünger im Folgenden belehren.
Er offenbart ihnen, dass er leiden und sterben müsse, dass ausgerechnet die religiöse Elite ihn an die Römer ausliefern würde. Das müsse geschehen, aber dann werde er am dritten Tage von den Toten auferstehen. Jesus offenbart ihnen seinen Erlösungsplan, doch sie sind noch nicht soweit, es zu verstehen. Erneut ergreift Petrus als erster das Wort und meint, Jesus unter die Arme greifen zu müssen. Er macht ihm Vorwürfe. Es erinnert uns an Saul, der es auch mehrfach besser wusste als Gott selbst.
Petrus hat Jesu Messianität mithilfe der Gnade Gottes zwar erkannt, sich darunter jedoch etwas Anderes vorgestellt. Eine messianische Erwartung war zu jener Zeit gar nicht mal so selten, wie wir auch an den jüngsten alttestamentlichen Schriften erkennen können. Doch was genau man unter dem Messias verstand, war ganz unterschiedlich. Ganz prominent ist die Vorstellung eines politischen Freiheitskämpfers, der Israel von der Fremdherrschaft der Römer befreien wird.
Ganz egal, wie Petrus sich Jesus auch vorgestellt hat, für ihn ist ein hingerichteter Messias ein Nogo. Und wir können das absolut nachvollziehen aus menschlicher Sicht: Petrus ist ein frommer Jude. Er wird aufgrund von Dtn 21,23 so reagiert haben. Für ihn ist unvorstellbar, dass der Messias hingerichtet wird, denn dann ist er nicht mehr eine Erlösergestalt. Gott wird ihn dann verlassen. Das ist für ihn ein Zeichen der Niederlage. Jesus kündigt sein Leiden mehrfach an, um seine Jünger dafür zu sensibilisieren, dass es eben nicht das Ende sein wird und dass Jesus diese absolute Schande durchmachen muss zur Erlösung der ganzen Menschheit.
Petrus wird von Jesu Hinrichtungsworten so getriggert, dass er auf den Rest gar nicht mehr genau hinhört: Jesus wird von den Toten auferstehen! Stattdessen beginnt er, seinem Rabbi die Leviten zu lesen (oder vielmehr das Deuteronomium…). Jesu Reaktion ist heftig und doch notwendig. Er wendet sich ganz bewusst seinen Jüngern zu, dass sie das mitbekommen. Petrus nahm Jesus ja etwas beiseite, um auf ihn einzureden: „Weg mit dir, Satan!“
Das sagt uns schon alles: Wo Gottes Gnade fließt, da ist der Teufel nicht weit. Nicht nur Gott kann uns Dinge eingeben, auch der Böse kann uns zu Werkzeugen gebrauchen, andere zu verführen. So merken wir an ein und demselben Menschen, wie sehr die menschliche Seele diesem geistigen Kampf ausgesetzt ist. Es ist nicht Petrus, sondern im Kern der Böse, der Jesus versuchen will, damit er die Erlösung nicht erwirkt. Deshalb ist Jesus so streng und befiehlt dem Bösen, zu gehen. Er möchte nicht, was Gott will. Er ist der Kern allen Ungehorsams. Es ist Gottes Plan, dass Jesus leiden und sterben müsse. Doch der Satan widersetzt sich Gott, denn wenn Jesus gehorsam bis zum Kreuz ist, dann wird die Macht des Teufels gebrochen.
Es ist ein Prozess des Lernens. Petrus ist einen Schritt näher zum Messias gekommen und dann wieder zurückgefallen. Es ist wie mit dem Blinden von gestern: Zuerst sieht der Blinde nur ein wenig, erst schrittweise kehrt er zur vollen Sehkraft zurück. So ist es auch mit Petrus‘ innere Blindheit. Er erkennt Jesus ein wenig, aber anhand seiner Reaktion auf die Leidensankündigung erkennen wir, dass er noch nicht vollständig sieht. Wir kennen aber auch den weiteren Verlauf der Geschichte. Petrus wird noch so einiges falsch machen, aber dann wird er Jesus immer besser erkennen, bis er schließlich so vom Hl. Geist erfüllt wird, dass er eine brennende Pfingstpredigt halten wird mit anschließender Massentaufe!
Wie ist es mit uns? Erkennen wir den Messias, wie er wirklich ist? Akzeptieren wir die unattraktive, aber erlösende Botschaft des Gekreuzigten? Akzeptieren wir, dass das Evangelium kein Wohlstandsevangelium ist und dass auch wir in Christi Nachfolge mindestens durch den Dreck gezogen werden? Oder wollen auch wir das Leiden vermeiden, aus welchen Gründen auch immer?
Es geht nicht ohne Kreuz und ohne Schande. Denn Gott hat das Unmündige gewählt, dass Arme. Es ist wie mit dem Ansehen der Person aus Jakobus und dem Psalm. Wie oft schauen wir Menschen ungern auf das Arme und Bescheidene und lassen uns vom Reichen blenden? Und dabei strahlt Gottes Gnade auf dem Antlitz des Armen auf! Gott ist nicht bei dem zu finden, der mit seinem weltlichen Reichtum alle Blicke auf sich zieht, sondern bei dem Unscheinbaren, der für die meisten Menschen uninteressant ist.

Das Evangelium Jesu Christi ist keine spektakuläre Hochzeitstorte, sondern ein Laib Brot. Auf den ersten Blick scheint die Torte attraktiver und alle stellen sich an, ein Stück von ihr zu erhalten. Doch auf lange Sicht wird sie den Menschen nicht sättigen, sondern krank machen. Das Brot ist es, das auf lange Sicht sättigt und kräftigt. Und das Evangelium betrachten wir auf sehr lange Sicht, nämlich auf die Ewigkeit hin. Weiten wir in allem unseren Blick auf die Langfristigkeit hin aus und legen wir unsere Kurzsichtigkeit ab. Dann werden wir fähig, auf kurze Sicht eine Unannehmlichkeit auf uns zu nehmen, um auf lange Sicht selig zu sein.

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 6. Woche im Jahreskreis

Jak 1,19-27; Ps 15,2-3.4.5; Mk 8,22-26

Jak 1
19 Wisset, meine geliebten Brüder und Schwestern: Jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn; 

20 denn der Zorn eines Mannes schafft keine Gerechtigkeit vor Gott. 
21 Darum legt alles Schmutzige und die viele Bosheit ab und nehmt in Sanftmut das Wort an, das in euch eingepflanzt worden ist und die Macht hat, euch zu retten! 
22 Werdet aber Täter des Wortes und nicht nur Hörer, sonst betrügt ihr euch selbst! 
23 Wer nur Hörer des Wortes ist und nicht danach handelt, gleicht einem Menschen, der sein eigenes Gesicht im Spiegel betrachtet: 
24 Er betrachtet sich, geht weg und schon hat er vergessen, wie er aussah. 
25 Wer sich aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit vertieft und an ihm festhält, wer es nicht nur hört und es wieder vergisst, sondern zum Täter des Werkes geworden ist, wird selig sein in seinem Tun. 
26 Wenn einer meint, er diene Gott, aber seine Zunge nicht im Zaum hält, sondern sein Herz betrügt, dessen Gottesdienst ist wertlos. 
27 Ein reiner und makelloser Gottesdienst ist es vor Gott, dem Vater: für Waisen und Witwen in ihrer Not zu sorgen und sich unbefleckt von der Welt zu bewahren.

Die Fortsetzung des ersten Kapitels aus dem Jakobusbrief ist sehr paränetisch, also ethisch vorgebend. Es zeigt verschiedene Verhaltensweisen auf, die die Adressaten des Briefes übernehmen sollen sowie jeder Mensch: Sie sollen „schnell zum Hören“ sein, d.h. gehorsam und aufmerksam für das Gesagte. Sie sollen „langsam zum Reden“ sein, d.h. zurückhaltend im Urteilen, diskret, nicht vorlaut, darauf achtend, was ihre Worte anrichten können. „Langsam zum Zorn“ (ὀργή orge) meint die negative Konnotation von Zorn im Sinne von Gefühlsausbruch, affektive Wut und somit sollen die Angesprochenen langmütig sein, selbstbeherrscht und geduldig und sich nicht direkt aufregen. Wer nämlich zornig ist, „schafft keine Gerechtigkeit vor Gott.“ Wo wir uns aufregen, verlieren wir die Gnade.
Wenn Jakobus die Adressaten auffordert: „Legt alles Schmutzige und die viele Bosheit ab und nehmt in Sanftmut das Wort an, das in euch gepflanzt worden ist“, dann ruft er zur Umkehr auf. Die Angesprochenen sind ja Gemeindemitglieder der Diaspora, also schon getaufte Christen. Womöglich hat er von Wutausbrüchen und Streits gehört, weshalb er hier so großen Wert auf Sanftmut legt. Jedenfalls möchte er, dass die Getauften sich auf ihre Berufung zurückbesinnen, die mit der Taufe entstanden ist – die Berufung zur Heiligkeit. Diese verträgt sich nicht mit dem Schmutzigen und der vielen Bosheit, von der er hier spricht. Das Wort, das in die Menschen gepflanzt ist „und die Macht hat, [sie] zu retten“, ist Jesus Christus, der Logos. Er hat nicht nur die Macht, die Menschen zu retten, er hat sie schon erlöst. An den Menschen liegt es nun, die Erlösung anzunehmen und ein entsprechendes Leben zu führen.
Und dieses entsprechende Leben kann nicht nur von passivem Hören geprägt sein, sondern muss auch Tätigkeit aufweisen: „Werdet aber Täter des Wortes und nicht nur Hörer“. Dies stellt sonst einen Selbstbetrug dar, denn man ist durch die Taufe vom Wesen her so geschaffen, dass man das eingepflanzte Wort Gottes auch tut. Deshalb greift Jakobus den Vergleich mit dem Spiegelbild auf. Man vergisst beim Verzicht auf das Tun des Wortes sein eigenes Aussehen, auf die Taufe bezogen müssten wir sagen „seine Berufung“.
Wenn man sich dagegen in das Gesetz hineinbeugt, so die wörtliche Bedeutung von παρακύπτω parakypto, und zwar dauerhaft (das Hineinbeugen wird als Partizip ausgedrückt, das einen anhaltenden Zustand betont), der wird Segen bei seinem Tun haben. Wer von Herzen alles ihm mögliche unternimmt, um am Gesetz festzuhalten und es umzusetzen, der bekommt von Gott auch die Gnade dafür. Das ist ein wichtiger Aspekt, denn dem Jakobusbrief wird oft eine Werksgerechtigkeit zugeschrieben, die nicht existiert. Der „Täter des Werkes“ wird selig gepriesen, was auch zeigt, dass die Gebote zu halten glücklich macht.
Das Tun des Wortes wird hier gleichgesetzt mit dem „vollkommenen Gesetz der Freiheit“. Das Wort für Gesetz ist νόμος nomos, was im Griechischen unter anderem die Torah meint. Hier befinden wir uns im christlichen Kontext, wo damit nun die erfüllte Torah gemeint ist, die Jesus Christus in Person ist. Deshalb können wir das Gesetz der Freiheit auf das vorhin genannte eingepflanzte Wort beziehen. Jesus führt uns in die Freiheit, denn wenn wir die Gebote halten, sind wir keine Sklaven der Sünde mehr. Dieses Gesetz ist vollkommen, weil Jesus es erfüllt hat, es ist nun das Gesetz, das aus Liebe gehalten wird.
Ab Vers 26 wird eine Haltung beschrieben, von der wir letzten Sonntag und auch in der vergangenen Woche mehrfach gehört haben: Man kann Gott nicht dienen, z.B. im Gottesdienst, wenn man zugleich Böses tut, spricht oder denkt. Hier wird das Beispiel genannt, dass der Gottesdienst desjenigen mit unkontrollierter Zunge wertlos ist. Gemeint ist, dass diese Person böse Dinge sagt und damit das eigene Herz betrügt. Warum? Weil dort das Wort eingepflanzt ist, Jesus dort wohnt. Sein Gesetz ist somit auch in uns eingepflanzt und bestimmt unser Wesen als Neugeschaffene. Wenn wir nun böse sprechen, tun wir etwas „Widernatürliches“, das unserem Wesen nicht entspricht. Deshalb ist es ein Herzensbetrug.
Jesus hat gesagt, dass wenn wir noch eine ausstehende Versöhnung haben, sollen wir diese erst einmal durchführen, bevor wir ein Opfer darbringen können. Und hier heißt es nun im letzten Vers, dass Gott ein Opfer gefällt, bei dem man sich um die Randständigen und Hilflosen der Gesellschaft kümmert (Witwen und Waisen) und heilig lebt („sich unbefleckt von der Welt zu bewahren“). Mit „Welt“ ist die gefallene Schöpfung gemeint, nicht die Welt, wie sie Gott geschaffen hat. Heilig sein heißt, nicht jeden Dreck mitmachen, selbst wenn die Sünde auch in Mode ist und jeder sie tut. Wir sind aber zur Heiligkeit berufen und das heißt, dass wir unbefleckt sein sollen, frei von diesen Sünden. Gott schaut bei unserem Gottesdienst darauf, wie wir leben. Das gilt auch für uns heute: Wir können nicht in der Kirche ganz fromm dastehen, sodass uns die Menschen bewundern, und dann nach Hause kommen und weltlich leben. Wir können Jesus nicht in der Kirche zurücklassen und den Rest der Zeit so tun, als ob es ihn nicht gebe. Er möchte uns ganz und wenn wir es ernst meinen, sind wir in der Liturgie und im alltäglichen Leben gleich. Dann ist unser Innenleben so wie unser äußeres Erscheinungsbild, dann bestimmt Gott unser ganzes Leben, auch wo uns keiner mehr sieht und bewundert. Wir können uns selbst etwas vormachen, aber nicht Gott. Er sieht alles und er möchte, dass unser ganzes Leben ein Gottesdienst ist.

Ps 15
2 Der makellos lebt und das Rechte tut, der von Herzen die Wahrheit sagt, 

3 der mit seiner Zunge nicht verleumdet hat,/ der seinem Nächsten nichts Böses tat und keine Schmach auf seinen Nachbarn gehäuft hat. 
4 Der Verworfene ist in seinen Augen verachtet, aber die den HERRN fürchten, hält er in Ehren. Er wird nicht ändern, was er zum eigenen Schaden geschworen hat. 
5 Sein Geld hat er nicht auf Wucher verliehen und gegen den Schuldlosen nahm er keine Bestechung an. Wer das tut, der wird niemals wanken.

Im Psalm geht es mit den obigen Gedanken weiter. Die Paränetik, das Aufzeigen richtiger Verhaltensweisen, die man übernehmen soll, ist auch im Psalm dominierend: Es geht um die makellose Lebensführung analog zur unbefleckten Bewahrung. Damit ist die Haltung der Gebote gemeint, frei von den Sünden der Welt. Das Rechte zu tun, heißt die Torah zu halten. Die Wahrheit zu sagen, ist ein Kern der Gebote Gottes, denn es heißt im Dekalog „du sollst nicht lügen“. Der Zusatz „von Herzen“ heißt wörtlich eigentlich „in seinem Herzen“ und bezieht sich darauf, dass das Gesagte, mit dem Herzen übereinstimmt. Es geht um die Deckungsgleichheit von dem, was im Inneren ist und was man ausspricht.
Auch hier im Psalm wird herausgestellt, dass mit Worten viel angerichtet werden kann. Auch der Psalm sagt aus, dass man mit der Zunge sündigen kann (Vers 3), nämlich verleumden, den Nächsten in Verruf bringen kann.
Vers 4 ist etwas schwierig zu verstehen und muss genau gelesen werden: „Der Verworfene“ bezieht sich auf jene Menschen, die Gott ablehnen. Gut ist, wer solche Menschen meidet, was mit „ist in seinen Augen verachtet“ ausgesagt wird. Er hält stattdessen die Gottesfürchtigen in Ehren.
Vorbildlich ist, wer sein Versprechen hält („was er …. geschworen hat“). Es bezieht sich vor allem auf den Bund mit Gott, auf das Gelübde, das er vor Gott abgelegt hat.
So ein Mensch ist nicht skrupellos und habgierig („nicht auf WUcher verliehen“) und auch nicht korrupt („nahm er keine Bestechung an“).
Die Aufzählung vieler guter Verhaltensweisen soll dem Beter vor Augen führen, wie man festen Schrittes den Weg Gottes geht. Denn „wer das tut, der wird niemals wanken“.
Der Psalm hat mit dem Jakobusbrief heute diesen Katalog guter Taten gemeinsam. Es geht in beiden Fällen um die Dinge, die wir Menschen von uns aus tun können, um vor Gott gerecht zu sein. Dabei wird aber schon im Jakobusbrief die reine Tugendebene überboten, indem es heißt, dass jener Mensch selig sein wird. Dies ist etwas, das der Mensch sich nicht selbst geben kann. Selig ist, wer von Gott diese Seligkeit geschenkt bekommt.

Mk 8
22 Sie kamen nach Betsaida. Da brachte man einen Blinden zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berühren. 

23 Er nahm den Blinden bei der Hand, führte ihn vor das Dorf hinaus, bestrich seine Augen mit Speichel, legte ihm die Hände auf und fragte ihn: Siehst du etwas? 
24 Der Mann blickte auf und sagte: Ich sehe Menschen; denn ich sehe etwas, das wie Bäume aussieht und umhergeht. 
25 Da legte er ihm nochmals die Hände auf die Augen; nun sah der Mann deutlich. Er war wiederhergestellt und konnte alles ganz genau sehen. 
26 Jesus schickte ihn nach Hause und sagte: Geh aber nicht in das Dorf hinein!

Heute hören wir von einer Blindenheilung. Bisher hat Jesus viele Menschen geheilt und vor allem jede Menge Exorzismen vollzogen. Gestern fuhr Jesus mit seinen Jüngern von Dalmanuta ans andere Ufer des Sees Gennesaret. Heute kommen sie nach Betsaida, wo Jesus dem Blinden begegnet. Er wird von anderen Menschen zu Jesus geführt. Jesus tut, was er immer wieder tut – den zu Heilenden bei der Hand nehmen. Nun führt Jesus den Blinden aber aus der Stadt hinaus. Warum? Und warum darf der Geheilte nachher nicht mehr in die Stadt hinein? Es hat mit dem sogenannten Messiasgeheimnis zu tun. Es ist wie bei vielen anderen Ereignissen, bei denen Jesus den Geheilten untersagt, von der Heilung zu sprechen. Deshalb soll der Geheilte nicht zurück ins Dorf. Seine Heilung ist so offensichtlich, dass es sofort überall bekannt werden würde. Jesus möchte die Menschen etwas lehren. Und vielleicht haben die Juden von Betsaida Jesu Verkündigung abgelehnt. Dann wäre es noch kontraproduktiver, den Menschen die Blindenheilung bekannt zu machen. Jesus führt den Blinden vor die Stadt und heilt ihn mit Speichel. Das ist ein gängiges Mittel, das Jesus benutzt, um den Zeugen zu verdeutlichen, dass er heilt. Gott greift in seiner feinfühligen Art immer wieder Elemente auf, mit denen die Menschen vertraut sind. Er nutzt die Konventionen, um seine Lektion zu erteilen. Jesus hätte dem Blinden auch einfach die Hände auflegen können, doch er kommt den Juden seiner Zeit entgegen.
Wir hören heute von den Schritten der Heilung. Diese beweisen nicht, dass Jesus zu schwach für eine Direktheilung ist, sondern dass Heilung unterschiedlich aussehen kann. Manchmal ist es eine Sache von einer Sekunde auf die andere. Manchmal ist es ein stufenartiger Prozess. Es kommt auf den Menschen an. Der Blinde aus der heutigen Erzählung erlebt eine stufenweise Heilung. Zuerst sieht er unscharf und vergleicht die Menschen mit Bäumen. Das zeigt uns, dass der Mann nicht von Geburt an blind ist, denn er weiß, wie Bäume aussehen. Im nächsten Schritt kann er alles scharf sehen und ist komplett geheilt. Daraufhin schickt Jesus den Mann heim und untersagt ihm den Gang ins Dorf. Das heißt, dass der Mann nicht direkt in Betsaida lebt und was er erlebt hat, nur in seinem Haus bekannt sein darf.
Warum macht Jesus das alles heute? Wir haben gestern von der Verstocktheit der Jünger gehört, die sich lieber damit befassen, dass sie auf dem Boot genug zu essen haben, anstatt Jesu wichtigen Worten über die Pharisäer zu lauschen. Und da sagte Jesus zu ihnen „Habt ihr denn keine Augen zu sehen und keine Ohren zu hören?“ Dadurch dass Jesus den Blinden in Betsaida heute vor ihren Augen heilt, hält er ihnen einen Spiegel vor. Die biologischen Blindenheilungen zielen immer auf die Heilung innerer Augen ab, vor allem jener, die das Wunder bezeugen. Jesus sagt den Jüngern heute, dass er der Messias ist, denn die Blindenheilung ist typisch messianische Heilstat. Ihnen sollen bei diesem Wunder die Augen aufgehen, damit sie erkennen, wer Jesus ist und wozu er fähig ist.

Jesus lehrt seine Jünger heute etwas über Blindheit. Im Jakobusbrief ist erklärt worden, wie diese Blindheit aussehen kann – nämlich wie das Vergessen des eigenen Spiegelbildes. So wie jemand, der die Gebote nicht hält, seine Berufung vergessen hat, so ist es mit den Jüngern Jesu, die ihm nicht zuhören und im Grunde ihre Berufung vergessen haben. Jesus hat ihnen gesagt, er wolle sie zu Menschenfischern machen, stattdessen meckern sie über den mangelnden Proviant auf dem Boot. Doch das Schöne ist: Gott ist so geduldig und barmherzig mit uns Menschen, dass er uns unser Spiegelbild immer wieder zeigt, um uns zu erinnern. Dann liegt es an uns, die Berufung wieder zu leben und neu anzufangen. Wie wir im weiteren Verlauf des Evangeliums sehen werden, hat Jesu Vorhalten des Spiegels gefruchtet. Davon werden wir die nächsten Tage hören.

Ihre Magstrauss

Dienstag der 6. Woche im Jahreskreis

Jak 1,12-18; Ps 94,12-13.14-15.18-19; Mk 8,14-21

Jak 1
12 Selig der Mann, der in der Versuchung standhält. Denn wenn er sich bewährt, wird er den Kranz des Lebens erhalten, der denen verheißen ist, die Gott lieben. 

13 Keiner, der in Versuchung gerät, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt. Denn Gott lässt sich nicht zum Bösen versuchen, er führt aber auch selbst niemanden in Versuchung. 
14 Vielmehr wird jeder von seiner eigenen Begierde in Versuchung geführt, die ihn lockt und fängt. 
15 Wenn die Begierde dann schwanger geworden ist, bringt sie die Sünde zur Welt; ist die Sünde reif geworden, bringt sie den Tod hervor. 
16 Lasst euch nicht irreführen, meine geliebten Brüder und Schwestern: 
17 Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, vom Vater der Gestirne, bei dem es keine Veränderung oder Verfinsterung gibt. 
18 Aus freiem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit geboren, damit wir eine Erstlingsfrucht seiner Schöpfung seien.

Wir haben gestern bereits von der Versuchung als Geduldsprobe gehört. Heute wird die Rede davon fortgesetzt. Die Bewährung in der Versuchungssituation wird letztendlich mit dem Kranz des Lebens“ belohnt. Das ist ein ganz verbreitetes Bild für den Lohn des Himmels. Es kommt aus dem Sport, denn die Sieger bei Wettkämpfen sind mit Kränzen, z.B. aus Lorbeerblättern, bekränzt worden. Diese sportliche Metapher wird auch in der Johannesoffenbarung verwendet und ist in der Paulusliteratur regelmäßig zu lesen.
Jakobus stellt heraus, was wir letzten Sonntag aus dem Buch Jesus Sirach gehört haben: Gott ist nicht der Versucher. Gott ist nicht böse und tut selbst auch nichts Böses. Er ist nur gut und lässt sich nicht verführen. Jakobus muss dies hier klarstellen, weil Menschen schnell dazu verleitet werden, Gott für alles die Schuld zu geben.
Der Ursprung der Versuchungen ist dabei die eigene Begierde (ἐπιθυμία epithymia). Diese ist etwas, das vor dem Sündenfall nicht vorhanden war. Es ist ein Habenwollen, statt sich von Gott beschenken zu lassen. Und so beginnt mit der Begierde der Weg hin zur Sünde. Diesen Weg beschreibt Jakobus von Vers 14 an wie folgt: Die Begierde lockt den Menschen und nimmt ihn gefangen. Wenn er sie zulässt, wird sie „schwanger“ und „gebiert“ die Sünde, die ausgewachsen dann den Tod bringt. In dieser Bildsprache ausgedrückt meint Jakobus, dass die Begierde das Herz voll macht und von dort aus die Sünde in Gedanken, Worte und Werke „hineingeboren“ wird, d.h. als Ergebnis dieser zugelassenen Begierde zu betrachten ist. So wird die Sünde dann auf allen Ebenen tatsächlich ausgeführt, das Habenwollen wird tatsächlich umgesetzt. Dabei kann es sich ja erst einmal um eine lässliche Sünde handeln, doch wird diese nicht ausgemerzt und wächst, so kann aus ihr eine Todsünde werden. Und diese heißt so, weil sie den Tod bringt, den seelischen Tod.
Mit „lasst euch nicht irreführen“ ist dieser Weg von der Begierde zur Todsünde gemeint. Jakobus möchte, dass man sich nicht vom Weg abbringen lassen soll, den Gott aufzeigt, den Weg der Gebote.
Er erklärt, dass alles von Gott geschenkt ist, weshalb man dieses Habenwollen, die Begierde nicht zulassen soll. Gott sorgt schon dafür, dass wir bekommen, was uns guttut.
Gott hat für uns einen besonderen Heilsplan, den man durch die Begierde zerstört. Wir sollen unsere Berufung leben, denn Gott hat uns ja „aus freiem Willen“ geschaffen. Der Sinn unserer Existenz ist, die Erstlingsfrucht seiner Schöpfung zu sein. Es geht um die geistige Schöpfung, der wir durch die Taufe angehören. Wenn Jakobus die Getauften aber als Erstlingsfrucht bezeichnet, betont er, dass wir Gott gehören wie die Erstgeborenen, die im Tempel dargestellt worden sind. Wir gehören Gott und von dort aus sollen wir unsere Berufung leben. Da können wir nicht voller Begierde sein, die das Gegenteil der Gnade Gottes ist. Was ist schließlich mit „Wort der Wahrheit“ gemeint, durch die Gott uns geschaffen hat? Es ist ein und derselbe bei der ersten Schöpfung wie auch bei der zweiten – Jesus Christus. Er ist das Wort und er ist die Wahrheit. Durch ihn hat der Vater alles hervorgebracht, durch ihn hat er auch den Neuen Bund mit den Menschen geschlossen, durch den Gott seine neue Schöpfung jetzt schon begründet. Durch Christus hat der Vater uns freiwillig erlöst und so zu einer neuen Schöpfung wiedergeboren in der Taufe, damit wir ihm gehören als seine geliebten Kinder und Erben in seinem Reich.

Ps 94
12 Selig der Mann, den du, HERR, erziehst, den du mit deiner Weisung belehrst, 

13 um ihm Ruhe zu schaffen vor bösen Tagen, bis dem Frevler die Grube gegraben ist. 
14 Denn der HERR lässt sein Volk nicht im Stich und wird sein Erbe nicht verlassen. 
15 Nun spricht man wieder Recht nach Gerechtigkeit; ihr folgen alle Menschen mit redlichem Herzen.
18 Wenn ich sage: Mein Fuß gleitet aus, dann stützt mich, HERR, deine Huld. 
19 Mehren sich die Sorgen in meinem Innern, so erquicken deine Tröstungen meine Seele.

Im Psalm werden viele Gedanken des Jakobus aufgegriffen sowie die Gedanken der vergangenen zwei Tage: Es kann sich jener glücklich schätzen, der von Gott Lektionen aufgetragen bekommt und dem die Torah, die Weisung vorgelegt wird. Diese wird nicht als Bürde den Menschen gegeben, sondern zur „Ruhe (…) vor bösen Tagen“. Diese sind gezählt und begrenzt. Es muss so kommen, aber dann wird dem „Frevler die Grube gegraben“. Der Böse hat nur eine begrenzte Zeit, in der er die Menschen versucht und von Gott abbringen will. Dann wird Gott den Bösen ganz entmachten und das Leid hat ein Ende. Für diese Zeit der Bedrängnis ist die Torah ein Schutzschild – denn wer mit festen Schritten den Weg der Gebote Gottes geht, fällt auf die Versuchungen des Teufels nicht so schnell herein. Die Torah ist eine Ruhestatt. Das unruhige und leidende Herz kann sich bei Gottes Geboten erholen und stärken. Gott gibt uns seine Gebote, damit wir in schweren Zeiten durchhalten können. Sie sollen uns nicht belasten, sondern entlasten. Ohne seine Gebote würde er uns aber unserem Schicksal überlassen. Aber das Gegenteil ist der Fall, er „lässt sein Volk nicht im Stich und wird sein Erbe nicht verlassen“. Gott ist treu und auch wir, die wir nun im Neuen Bund mit ihm vereint sind, können auf seine Treue vertrauen. Gott lässt uns nicht im Stich und bietet uns unser Erbe an. Wir sind es, die es verspielen können, in dem wir einen anderen Weg einschlagen.
Gott musste sein auserwähltes Volk immer wieder lehren und auch züchtigen, damit es wieder zur Besinnung kommt. Wie oft sind die Israeliten vom Weg abgekommen, indem sie sich anderen Göttern zugewandt und Götzendienst getrieben haben. Gott überlässt seine untreue Braut aber nicht dem Schicksal, sondern rüttelt sie immer wieder wach.
Und wenn sie es verstanden hat, kehrt die Braut um und beginnt von vorne. Das wird in Vers 15 angedeutet: „Nun spricht man wieder Recht nach Gerechtigkeit“. Die Herzen der Menschen sind wieder Gott zugewandt, worum es eigentlich geht. Das Herz ist wieder dort, wo es sein sollte, beim Bundespartner, beim Bräutigam.
Und wenn man den Weg mit Gott geht, stützt und trägt er einen in schweren Zeiten. Wo der Fuß ausgleitet, ist Gott eine Stütze. Wo die Sorgen einen belasten, tröstet Gott den Menschen. Der Weg in Gemeinschaft mit Gott ist viel leichter als der Irrweg von Gott weg, auf dem man alleine unterwegs ist. Dann fehlt nämlich die Gnade. Jesus sagt im Johannesevangelium „getrennt von mir könnt ihr nichts tun.“ Das ist sehr deutlich gesagt, wirklich gar nichts! Man wird nicht weit kommen und das Gefühl haben, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Machen wir es uns nicht unnötig schwer, indem wir unser eigenes Gesetz sein wollen. Gehen wir den Weg, der auf uns abgestimmt ist, weil Gott uns, seine geliebten Geschöpfe, durch und durch kennt.

Mk 8
14 Die Jünger hatten vergessen, Brote mitzunehmen; nur ein einziges hatten sie im Boot dabei. 

15 Und er warnte sie: Gebt Acht, hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und dem Sauerteig des Herodes! 
16 Sie aber machten sich Gedanken, weil sie keine Brote bei sich hatten. 
17 Als er das merkte, sagte er zu ihnen: Was macht ihr euch darüber Gedanken, dass ihr keine Brote habt? Begreift und versteht ihr immer noch nicht? Ist denn euer Herz verstockt? 
18 Habt ihr denn keine Augen, um zu sehen, und keine Ohren, um zu hören? Erinnert ihr euch nicht: 
19 Als ich die fünf Brote für die Fünftausend brach, wie viele Körbe voll Brotstücke habt ihr da aufgehoben? Sie antworteten ihm: Zwölf. 
20 Und als ich die sieben Brote für die Viertausend brach, wie viele Körbe voll habt ihr da aufgehoben? Sie antworteten: Sieben. 
21 Da sagte er zu ihnen: Versteht ihr immer noch nicht?

Gestern hatte Jesus einen kurzen Aufenthalt in Dalmanuta, der vorzeitig abgebrochen wurde aufgrund der verstockten Pharisäer. Jesus stieg zurück ins Boot und fuhr wieder zurück zum anderen Ufer. Vielleicht liegt es an der unerwarteten Rückfahrt, jedenfalls vergessen die Jünger, Proviant mit ins Boot zu nehmen, als sie sich auf den Rückweg machen. Nun haben sie nur ein einziges Brot mit an Bord. Jesus nimmt dies zum Anlass, ihnen etwas zu erklären. Oft greift er Bilder auf, mit denen seine Jünger etwas anfangen können und die gerade aktuell sind. Deshalb spricht er über den Sauerteig der Pharisäer. Jesus warnt die Jünger vor der Selbstgerechtigkeit und der Einstellung der Pharisäer, die sich nichts mehr erklären lassen. Sie denken, sie wüssten schon alles. Das Bild des Sauerteigs ist dabei besonders passend, denn man mischt Sauerteig ungesäuertem Teig unter. Wenn man es so stehen lässt, wird der gesamte Teig durchgesäuert. Ebenso nennt er Herodes als Sauerteig, der ebenfalls falsche Einstellung vertritt. Die Jünger sollen sich davor hüten, weil sie Teil des ungesäuerten Teigs sind. Sie sollen sich nicht beeinflussen lassen von diesen falschen Einstellungen und Lehren, damit sie nicht auch so werden. Jesus kommt ihnen schon so entgegen und wendet dieses Bild an, doch sie verstehen überhaupt, wovon er spricht. Stattdessen machen sie sich Gedanken wegen des fehlenden Proviants.
Deshalb tadelt Jesus sie und fragt: „Was macht ihr euch Gedanken, dass ihr keine Brote habt? Begreift und versteht ihr immer noch nicht? Ist denn euer Herz verstockt?“ Jesus stellt ihnen zwar solche Fragen, kennt die Antwort aber schon. Er tut es, um sie wachzurütteln. Er möchte ihnen damit sagen, dass sie sich gerade genauso verhalten wie die Pharisäer, wegen denen sie wieder zurückfahren müssen. Sie sind verstockt und lassen Jesu entscheidenden Worte an sich abprallen. Die Verbform für die Verstockung ist das Partizip πεπωρωμένην. Das Verb wird ist dasselbe, das für die Pharisäer und Schriftgelehrten immer wieder verwendet wird, um die Herzenshärte auszudrücken. Verstockte sind diejenigen, die das Evangelium Jesu Christi nicht an ihr Herz heranlassen. Das Herz der Jünger hier hängt an dem leiblichen Wohl und nicht am Wesentlichen.
Die nicht verstockte Haltung drückt Jesus hier wieder aus wie an anderer Stelle: Ohren zu hören und Augen zu sehen. Er wirft ihnen vor, gar nicht richtig hinzusehen und hinzuhören auf das, was Jesus ihnen sagen will.
Er wirft ihnen vor, dass sie aus Jesus wunderbaren Speisungen nichts gelernt haben. Vor ihren Augen geschahen solch spektakuläre Wunder und Gott ließ sie ganze zwölf und ganze sieben Körbe voll Reste einsammeln, um ihnen die Fülle seines Überflusses zu verdeutlichen. Und doch lernen sie daraus nichts für ihre eigene Situation. Hätten sie daraus gelernt, würden sie jetzt auf die Vorsehung Gottes vertrauen und dass Jesus auch in ihrer Situation ein Wunder wirken kann.
Deshalb schließt Jesus das Gespräch heute auch mit der Frage: „Versteht ihr immer noch nicht?“ Sie haben dieselbe Lektion schließlich mehrmals erhalten.

Was Jakobus heute erklärt hat, vergessen die Jünger im Boot: Alles Gute kommt von oben und wir werden von Gott so reich beschenkt, dass die Begierde sinnlos ist. Gott gibt alles, was wir brauchen. Er gibt im Falle der Jünger Jesu im Boot auch genügend Proviant, damit sie nicht hungern müssen. Sich dennoch Sorgen zu machen, entspringt derselben Fehlannahme wie die Habgier oder andere Formen von Begierde: dem Misstrauen gegenüber Gott. Er ist es doch, dem die Jünger ganz und gar vertrauen können so auch wir Gott vertrauen können. Wo Misstrauen beginnt, da beginnt der Weg der Sünde. Deshalb ist es auch so wichtig, das mangelnde Gottvertrauen zu beichten. Wo wir nicht an seine Allmacht glauben, entspringen viele weitere Sünden, nicht nur die der Begierde. Am schlimmsten ist es, wenn wir nicht an seine Barmherzigkeit glauben, weil wir uns selbst die Vergebung vorenthalten (Sünde gegen den Hl. Geist). Unterschätzen wir Gottes Großzügigkeit nicht und glauben wir wirklich an seine gute Vorsehung. Lassen wir uns dabei auch nicht von den schmerzhaften Erfahrungen im Leben in die Irre führen.

Ihre Magstrauss