Christi Himmelfahrt

Apg 1,1-11; Ps 47,2-3.6-7.8-9; Eph 1,17-23; Mt 28,16-20

Apg 1
1 Im ersten Buch, lieber Theophilus, habe ich über alles berichtet, was Jesus von Anfang an getan und gelehrt hat,
2 bis zu dem Tag, an dem er in den Himmel aufgenommen wurde. Vorher hat er den Aposteln, die er sich durch den Heiligen Geist erwählt hatte, Weisung gegeben.
3 Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen.
4 Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt!
5 Denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft werden.
6 Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?
7 Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat.
8 Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.
9 Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.
10 Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, siehe, da standen zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen
11 und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch fort in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.

Heute am Hochfest Christi Himmelfahrt hören wir den Beginn der Apostelgeschichte, die ja ähnlich beginnt wie das Lukasevangelium. Es wird in beiden Schriften Theophilus als Adressat der Schrift direkt angesprochen. In Rückbezug auf das „erste Buch“, das heißt auf das Lukasevangelium, fasst Lukas für Theophilus noch einmal den Inhalt zusammen und rekurriert auf das Himmelfahrtsereignis. Aus Anlass des Festes hören wir heute diese Lesung.
„Vorher hat er den Aposteln, die er sich durch den Heiligen Geist erwählt hatte, Weisung gegeben.“ Lukas schreibt diese Worte nach dem Pfingstereignis nieder. Er ist selbst mit diesem Geist beschenkt worden in der Taufe und so weiß er, wovon er spricht. Jesus hat nie etwas Zufälliges gesagt oder getan. All sein irdisches Wirken ist geistgewirkt und bedacht.
Jesus hat den Aposteln und Jüngern nach seiner Auferstehung mehrfach bewiesen, dass er lebt und nicht einfach eine Vision oder Wunschvorstellung ist. So hat er zum Beispiel vor ihren Augen gegessen und sich von Thomas berühren lassen. In dieser Zeitspanne, die Lukas explizit mit vierzig Tagen ausweist, hat Jesus auch über das Reich Gottes gesprochen. Weil die Heilige Schrift das Himmelfahrtsereignis auf vierzig Tage nach der Auferstehung datiert, feiert die Kirche bis heute vierzig Tage nach Ostern Christi Himmelfahrt.
Lukas rekurriert auch auf das letzte Abendmahl, bei dem Jesus seinen Aposteln gebot, in Jerusalem zu bleiben, bis er vom Vater den Heiligen Geist sendet. Dass dieser mit der „Verheißung des Vaters“ meint ist, sehen wir an dem folgenden Vers, der von Johannes‘ Wassertaufe im Gegensatz zur Geisttaufe mit dem Heiligen Geist an Pfingsten spricht.
Die Apostel haben Jesus damals gefragt, ob er dann auch das Reich für Israel wiederherstellen würde. Die Frage ist falsch gestellt. Jesus ist nicht gekommen, das Reich für das irdische Volk Gottes wiederherzustellen im Sinne einer politischen Befreiung aus der Fremdherrschaft. Er ist gekommen, um das Reich Gottes zu etablieren, das nicht von dieser Welt ist. Und da geht es nicht mehr nur um das Volk Israel, sondern um das neue geistige Volk Gottes. Aber nicht dies kritisiert Jesus, sondern die Tatsache, dass die Apostel das Kommen des Gottesreiches zeitlich erfragen. Das ist nämlich eine Sache, die kein Mensch wissen kann, nur Gott. Er sagt dies mit aller Deutlichkeit, weil es zu allen Zeiten Spekulationen und Berechnungen des Weltendes gibt. Dabei ist es ein unerwarteter Zeitpunkt, den Gott sich auswählen kann. Nicht umsonst hat Jesus so oft zur Wachsamkeit aufgerufen: Weil die Menschen den Zeitpunkt nicht errechnen können, müssen sie jederzeit damit rechnen.
Für diese Zeit bis dahin verheißt Jesus den Jüngern aber den Geist Gottes, der auf sie herabkommen wird. Dieser wird ihnen dabei helfen, Zeugnis für Christus abzulegen in Jerusalem und von dort ausgebreitet in der ganzen Welt. Dieser wird die Menschen bis zum Ende der Zeiten führen und leiten, erfüllen und beleben, damit der Weg in die Ewigkeit erträglich ist.
Und dann ist Jesus laut Lukas in den Himmel aufgefahren. In diesem Moment ist eine Wolke zu sehen, die Jesus aufnimmt. Das ist ein Theophaniezeichen – Zeichen der Gegenwart Gottes. Schon im Alten Testament lesen wir immer wieder von dieser Wolke, die sich auf den Gottesberg Sinai, auf die Stiftshütte und dann auf den fertigen Tempel legt. Es ist zugleich die Wolkensäule, die das Volk Israel beim Exodus anführt. Es ist auch die Wolke, die bei Jesu Taufe und Verklärung zu sehen ist. Gott ist gegenwärtig. Die Jünger Jesu, die allesamt fromme Juden sind, können dieses Phänomen zuordnen. Sie verstehen, dass sich hier ein Kreis schließt.
Während sie noch wie gebannt nach oben schauen, stehen Engel bei ihnen, die ihnen erklären, dass Jesus auf dieselbe Weise wiederkommen wird, also auf der Wolke und vom Himmel her. Ihre Frage „Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“ Ist mehrfach zu betrachten: Die Jünger sollen nicht dort stehen bleiben, sondern Jesu Auftrag erfüllen. Sie sind gesandt – apostolos. Sie können nicht Jesus hinterher schauen, der seinen Heimweg in die Ewigkeit antritt. Vielmehr sollen sie nach vorne schauen, wo eine große Mission auf sie wartet. Dies ist auch im übertragenen Sinne zu verstehen: Jesus ist nun von ihnen gegangen und durch die Abschiedsreden im Johannesevangelium wissen wir ja, dass der Abschied sie mit Trauer erfüllt hat. Es meint also auch ihr inneres Hängen an Christus, der in die Ewigkeit gegangen ist. Die Engel helfen ihnen dabei, nicht an dem irdischen Christus zu hängen, weil er auf geistliche sowie eucharistische Weise bei ihnen sein wird. In dieser Lesart verstehen wir auch die Verheißung des nächsten Verses: Er wird wiederkommen – nicht nur am Ende der Zeiten, sondern schon in eucharistischer Gestalt! Dann werden sie ihn durch den Schleier der Wolke – also durch die Herrlichkeit Gottes hindurch wiedersehen. Visuell wird es in der katholischen Liturgie besonders deutlich, wenn Weihrauch eingesetzt wird. Dann kommt er tatsächlich durch „die Wolke“ hindurch zu uns! Seine Herrlichkeit wird dann noch verborgen sein (ausgenommen bei den eucharistischen Wundern!), doch wir erahnen sie mit gläubigem Herzen hinter dem Verborgenen.

Ps 47
2 Ihr Völker alle, klatscht in die Hände; jauchzt Gott zu mit lautem Jubel!
3 Denn Furcht gebietend ist der HERR, der Höchste, ein großer König über die ganze Erde.
6 Gott stieg empor unter Jubel, der HERR beim Schall der Hörner.
7 Singt unserm Gott, ja singt ihm! Singt unserm König, singt ihm!
8 Denn König der ganzen Erde ist Gott. Singt ihm ein Weisheitslied!
9 Gott wurde König über die Völker, Gott hat sich auf seinen heiligen Thron gesetzt.

Heute ist ein Tag der Freude, auch wenn er einen kurzen Abschied von Christus bedeutet. Jesus verspricht uns unglaubliche Gnade. Durch seine Apostel soll der ganzen Welt das Heil verkündet werden, das er bereits erwirkt hat.
Gott ist furchtgebietend. Das ist nicht dasselbe wie angsteinflößend. Es meint, dass sein Wirken in uns nur eine Reaktion von Ehrfurcht hervorrufen kann. Auch seine Erscheinung ist furchteinflößend, auch wenn wir ihn unverhüllt gar nicht sehen können, ohne zu sterben. Seine Manifestationen wie die Wolke oder der Rauch sind schon furchteinflößend, sodass zum Beispiel bei der Verklärung die drei anwesenden Jünger es mit der Angst zu tun bekommen, als sie von der Wolke Gottes umhüllt werden. Erst recht werden alle Menschen überwältigt werden, wenn Jesus am Jüngsten Tag mit dieser göttlichen Herrlichkeit wiederkehren wird…
„Gott stieg empor unter Jubel, der HERR beim Schall der Hörner.“ Dies ist heute ganz aktuell mit Christus gegeben, der in den Himmel aufgestiegen ist. Hörner und Jubel sind vielleicht nicht von den Jüngern betätigt worden, dafür aber können wir uns vorstellen, von welcher Freudenmusik begleitet der Menschensohn in die himmlische Heimat zurückgekehrt ist, aufgenommen in das Herz des Vaters!
„Singt unserm Gott, ja singt ihm! Singt unserm König, singt ihm!“ Auch hier wie in Vers 2 erklingt ein Lobpreisaufruf dessen, der der Allherrscher ist.
Psalm 47 beinhaltet Thronbesteigungsmotive, Elemente für die Krönungsfeier eines Herrschers. Mithilfe von Bildern des irdischen Königszeremoniells wird die kommende Herrschaft Gottes ausgedrückt. Es ist also absolut sinnvoll, diesen Psalm an Christi Himmelfahrt zu beten. Christus kommt wie bei einem Triumphzug der römischen Kaiser zurück in die Ewigkeit, als siegreicher Messias, der die Welt erlöst hat. Er wird begrüßt von den himmlischen Heerscharen und besteigt den Thron zur Rechten des Vaters. So können wir gut nachvollziehen, was Stephanus vor seinem Tod schauen durfte (Apg 7,56) und auch was Paulus meint, wenn er im Philipperhymnus betet: „Darum hat ihn Gott über alle anderen erhöht.“ (Phil 2,9).
Von dort wird er am Jüngsten Tag wiederkommen zu richten die Lebenden und die Toten, wie wir im Glaubensbekenntnis beten. Gott ist schon der „König der ganzen Erde“, doch seine Herrschaft wird erst am Ende der Zeiten offenbar werden. Das Reich Gottes wird sich dann endgültig durchsetzen.
„Gott wurde König über die Völker, Gott hat sich auf seinen heiligen Thron gesetzt.“ Ja, Christus, der Auffahrende in den Himmel, ist nicht nur Mensch, sondern auch wahrer Gott. Er ist gegangen, um sich auf seinen Thron zu setzen. Was mit Jesus passiert, als er in den Himmel eingeht, durften drei seiner Apostel schon auf dem Tabor schauen – die Verklärung. Jesus streift den Schleier der verborgenen Gottheit ab und seine Herrlichkeit erstrahlt. So wird er zurückkommen und alle werden es sehen.

Eph 1
17 Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt.
18 Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt
19 und wie überragend groß seine Macht sich an uns, den Gläubigen, erweist durch das Wirken seiner Kraft und Stärke.
20 Er ließ sie wirksam werden in Christus, den er von den Toten auferweckt und im Himmel auf den Platz zu seiner Rechten erhoben hat,
21 hoch über jegliche Hoheit und Gewalt, Macht und Herrschaft und über jeden Namen, der nicht nur in dieser Weltzeit, sondern auch in der künftigen genannt wird.
22 Alles hat er ihm zu Füßen gelegt und ihn, der als Haupt alles überragt, über die Kirche gesetzt.
23 Sie ist sein Leib, die Fülle dessen, der das All in allem erfüllt.

Als zweite Lesung hören wir heute aus dem Epheserbrief. Paulus reflektiert dort nicht nur das Ereignis der Himmelfahrt, sondern stellt auch die Bedeutung für die Christen heraus.
„Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit“ – Gott Vater ist wirklich Vater der Herrlichkeit, weil diese von ihm ausgeht. Er ist die Arche, der Anfang und so geht alles von ihm aus. Er „gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt.“ Vom Vater gehen der Sohn und der Geist aus. Dieser Geist verleiht dem Menschen viele Geistesgaben, so auch die Weisheit. Der Geist ist es auch, der den Menschen den Schleier der Verborgenheit nimmt, auf dass sie einen Einblick in das Wesen Gottes erhalten. Er ist es, der Offenbarung erwirkt hat durch die ganze Heilsgeschichte hindurch. Er öffnet die Augen des Glaubens, nicht nur des Verstandes. Gott sendet seinen Geist, damit die Menschen ihn, den ganz Anderen, der alles Denken übersteigt, erkennen können. Das ist Zeichen der Güte Gottes, der aus Liebe die Menschen an sich zieht wie ein Magnet.
Dass der Geist die Augen des Glaubens öffnen soll, sagt Paulus dann explizit in Vers 18. Mit „Herz“ ist nicht das Organ gemeint und im biblischen Kontext meint „Herz“ auch nicht den Ort der Gefühle. Vielmehr ist damit der Ort der Entscheidungen gemeint – zur Liebe sowie zum Glauben. Es wird hier sehr bildlich ausgedrückt, denn ein Herz hat ja auch keine Augen. Es geht um Herzenserkenntnis. Der Mensch soll erkennen, was ihm durch das Erlösungswirken Christi überhaupt geschenkt worden ist – die Hoffnung auf das ewige Leben! Es ist kein Freifahrtschein, so als ob jeder Mensch nun automatisch in den Himmel kommt. Es ist eine geöffnete Paradiestür, doch hindurchgehen müssen wir schon selbst. Und auf sie bewegen wir uns nur dann zu, wenn wir Gottes Gebote aus Liebe halten. Jede Sünde führt uns vom Eingang zum Himmel weg. Wie so oft geht es in dem Brief um die paränetischen Folgen dessen, was Jesus für uns getan hat: Was bedeutet das für mein jetziges Verhalten als Christ? Ich denke sehr gerne an den englischen Impuls: “Are the things you are living for worth Christ dying for?“ Das fasst es sehr gut zusammen.
Durch das Geschenk des Ostermorgens ist die Macht des Bösen gebannt und durch die Taufe uns das Erbe des Himmelreiches geschenkt. Wir sind durch die Taufe geheiligt und dazu berufen, Heilige zu werden.
Gottes Macht zeigt sich uns durch das Wirken des Heiligen Geistes bis heute. Dieser ist es, der die Kraft und Stärke Gottes zu allen Zeiten manifestiert. Sie werden mal mehr, mal weniger spektakulär sichtbar. Es ist nicht immer eine Wolke oder ein Sturm, auch manchmal ein sanftes Säuseln. Und doch erweist sich darin die Herrlichkeit Gottes.
Diese Macht hat er an uns schon dadurch erwiesen, dass er die Sünde der Welt mit ans Kreuz nahm, um als Sühne für alle Menschen zu sterben und wieder aufzuerstehen. Das ist der Höhepunkt des Machterweises Gottes für alle Zeiten. Und in der Taufe nehmen wir diese Erlösung an! In ihr manifestiert sich dieser Akt sakramental. Der getaufte Mensch wird reiner als das reinste Quellwasser, abgewaschen vom Fluch der Sünde mitsamt ihrer verheerenden Folgen.
Mit jeder Sündenvergebung im Sakrament der Beichte offenbart der Geist Gottes die Kraft und Stärke Gottes. Das „Geh hin und sündige nicht mehr“ Christi zu den Sündern wie der Ehebrecherin hallt nach bis in die Gegenwart.
Als erstes ist Christus selbst diese Kraft und Stärke Gottes zuteil geworden, als er von den Toten auferweckt worden, in den Himmel aufgenommen und inthronisiert worden ist. Paulus schreibt es hier so, dass der Vater dies durch die Gabe des Heiligen Geistes getan hat. Das heißt nicht, dass Paulus nicht an die Gottheit Jesu Christi geglaubt hat, sondern dahinter steht die Konsequenz der Kenosis: Wenn Christus sich entäußert und seine Gottheit verborgen hat, ist dies auch der Fall bei der Auferstehung und Himmelfahrt – bis er verherrlicht wird. Das ist der Moment, wo er diesen freiwilligen Verzicht abstreift. Dies hat aber nun zur Folge, dass Vater und Geist an ihm wirken. Schauen wir auf ihn, der der Anfang der neuen Schöpfung ist, erkennen wir, wie es bei uns sein wird. Jesus ist diesen Weg gegangen, damit wir ihn eines Tages gehen können!
Der Name Jesu wird über alle anderen Namen erhöht. Dies wird uns konkret deutlich an den vielen Wundern, die in seinem Namen geschehen, angefangen schon zu seinen Lebzeiten, als er seine Jünger in die Städte schickt, um die Heilstaten zu tun und das Evangelium dort zu verkünden, wo er nicht selbst hingehen kann. Dort tun sie diese Dinge schon in seinem Namen und sind überwältigt von dem, was durch sie geschieht. Dies wird auf umfassende Weise aber erst nach dem Pfingstereignis geschehen, bei dem sie mit allen Früchten, Gaben und Charismen des Geistes ausgestattet werden. Das Wirken im Namen Jesu birgt in sich eine gewisse Vorläufigkeit, denn diese „Weltzeit“ (das griechische Wort ist Äon), wie es Paulus ausdrückt, ist zeitlich umgrenzt. Wenn sein Name auch im kommenden Äon angerufen wird, dann meint das die Ewigkeit!
Der Vater hat dem Sohn alles zu Füßen gelegt, vor allem die Kirche, dessen Haupt er darstellt und die Christi Leib darstellt.
Blicken wir zurück auf die Abschiedsreden, die wir in den letzten Wochen immer wieder gehört haben, wird uns hier deutlich, warum es also gut ist, dass Jesus gehen muss. Wenn er nicht geht, kann er nicht verherrlicht werden, kann er nicht das Haupt der Kirche sein, die es nicht ohne das Pfingstereignis geben kann! Und ohne Kirche in ihrer sakramentalen Identität kann Christus in der Eucharistie nicht mitten unter den Menschen sein.

Mt 28
16 Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte.
17 Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder, einige aber hatten Zweifel.

18 Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde.
19 Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
20 und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Nun hören wir das Evangelium nach Matthäus. Dort wird das heutige Ereignis folgendermaßen beschrieben:
Der Kreis der Apostel (ohne Judas Iskariot, dieser ist tot) gehen auf einen von Christus vorgegebenen Berg in Galiäa. Jesus erscheint daraufhin, aber einige zweifeln, dass er es ist. Jesus geht auf sie zu und sagt nun das, was wir bei Paulus in sehr festlichen Worten gehört haben: „Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde.“ Er erklärt, was bei seiner Verherrlichung geschehen wird. Die universale Bevollmächtigung wird durch das Bild der Inthronisation ausgedrückt, die wir schon in der Apostelgeschichte und im Psalm bedacht und nun bei Paulus gelesen haben. Weil Christus die Vollmacht bekommt, trägt er den Aposteln auf: „Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern.“ Das ist ein expliziter Aufruf zur Mission. Wir sollen die Menschen aber nicht unter Druck oder mit gewalttätigen Mitteln zu Jüngern machen. Die Menschheit soll aus freien Stücken, Überzeugung und Liebe ja sagen zu Christus. Und wenn diese zum Glauben kommen, sagt Jesus „tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Die Taufe ist das Zeichen des zum Glauben gekommenen Menschen. Wenn wir getauft werden, drückt uns Gott ein unauslöschbares Siegel in die Seele ein. Dadurch werden wir zu seinem Eigentum, zu Kindern der Familie Gottes und dies wiederum bedeutet, dass wir zu Erben werden.
Jesus möchte, dass seine Apostel den Menschen alles lehren, was er gesagt und getan hat. Gerne empfehle ich Ihnen meinen kath.net-Videoblog im Mai: https://www.youtube.com/watch?v=6-1c0f6Olqk Dort fasse ich zusammen, was es mit dem letzten Satz auf sich hat: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt!“ Es schließt sich ein Kreis, der am brennenden Dornbusch begann mit der Offenbarung Gottes als „ich bin“. Es ragte hinein in die Verkündigung des Erzengels Gabriels vor der Jungfrau Maria, den Immanuel zu empfangen („Gott mit uns“). Und nun spricht der scheidende Jesus diese Worte noch einmal „ich bin bei euch“. Und dies bezieht sich nicht mehr auf sein irdisches Wirken – er ist ja im Begriff, seine Apostel zu verlassen -, sondern auf sein Wirken von der Ewigkeit her. Nur so kann er in der Eucharistie real gegenwärtig sein und nur so können wir ihn in uns aufnehmen. Das ist so eine neue Dimension von Nähe, die bisher keinem Menschen außer Maria zuteil werden durfte (denn Gott selbst weilte unter ihrem Herzen ganze neun Monate lang!). In der Eucharistie kommt Christus in unser Herz – wenn das seine Abschiedsworte nicht erfüllt, was dann! Wenn es dann heißt „bis zum Ende der Welt“, verstehen wir das nicht so, dass er ausschließlich die Phase der Kirche meint und er ab dem Ende der Zeiten nicht mehr bei uns ist. Wenn wir in die Ewigkeit des Himmels eingehen, dürfen wir ihn nämlich unverhüllt und ewig schauen. Wir werden dann gemeinsam mit ihm Gemeinschaft haben bei der Hochzeit des Lammes. Dann werden wir Gott sehen, wie er ist und niemals mehr von ihm getrennt sein. Mit diesen wunderbaren Aussichten motiviert können wir Menschen eigentlich gar nicht die Hoffnung verlieren und werden alles unternehmen, um in dieses Himmelreich eingehen zu dürfen. Dafür brauchen wir den Heiligen Geist und der kündigt sich schon sehr bald an.

Ihre Magstrauss