Donnerstag der Osteroktav

Apg 3,11-26; Ps 8,2 u. 5.6-7.8-9; Lk 24,35-48

Apg 3
11 Da er sich Petrus und Johannes anschloss, lief das ganze Volk bei ihnen in der sogenannten Halle Salomos zusammen, außer sich vor Staunen.
12 Als Petrus das sah, wandte er sich an das Volk: Israeliten, was wundert ihr euch darüber? Was starrt ihr uns an, als hätten wir aus eigener Kraft oder Frömmigkeit bewirkt, dass dieser gehen kann?
13 Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr ausgeliefert und vor Pilatus verleugnet habt, obwohl dieser entschieden hatte, ihn freizulassen.
14 Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und die Freilassung eines Mörders erbeten.
15 Den Urheber des Lebens habt ihr getötet, aber Gott hat ihn von den Toten auferweckt. Dafür sind wir Zeugen.
16 Und aufgrund des Glaubens an seinen Namen hat dieser Name den Mann hier, den ihr seht und kennt, zu Kräften gebracht; der Glaube, der durch ihn kommt, hat ihm vor euer aller Augen die volle Gesundheit geschenkt.
17 Nun, Brüder, ich weiß, ihr habt aus Unwissenheit gehandelt, ebenso wie eure Anführer.
18 Gott aber hat auf diese Weise erfüllt, was er durch den Mund aller Propheten im Voraus verkündet hat: dass sein Christus leiden werde.

19 Also kehrt um und tut Buße, damit eure Sünden getilgt werden
20 und der Herr Zeiten des Aufatmens kommen lässt und Jesus sendet als den für euch bestimmten Christus!
21 Ihn muss freilich der Himmel aufnehmen bis zu den Zeiten der Wiederherstellung von allem, die Gott von jeher durch den Mund seiner heiligen Propheten verkündet hat.
22 Mose hat gesagt: Einen Propheten wie mich wird euch der Herr, euer Gott, aus euren Brüdern erwecken. Auf ihn sollt ihr hören in allem, was er zu euch sagt.
23 Jeder, der auf jenen Propheten nicht hört, wird aus dem Volk ausgemerzt werden.
24 Und auch alle Propheten von Samuel an und alle, die später auftraten, haben diese Tage angekündet.
25 Ihr seid die Söhne der Propheten und des Bundes, den Gott mit euren Vätern geschlossen hat, als er zu Abraham sagte: Durch deine Nachkommenschaft sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen.
26 Für euch zuerst hat Gott seinen Knecht erweckt und gesandt, damit er euch segnet und jeden von seiner Bosheit abbringt.

Heute hören wir die Fortsetzung der ersten Heilung im Namen Jesu. Diese schlägt hohe Wellen.
Viele Menschen sammeln sich in der Halle Salomos und staunen über das Wunder.
Petrus nutzt diese Gelegenheit und setzt zu einer Bekenntnisrede an:
Er beginnt diese mit einer rhetorischen Frage („Was wundert ihr euch darüber?“). Er bekennt freimütig, dass die Tat nicht aus eigener Kraft geschehen ist, sondern dass durch ihn Christus selbst gehandelt hat.
Er beginnt daraufhin eine Erklärung der Verheißungen des Alten Testaments, die sich mit Christus erfüllt haben. Ausgehend von dem, was die anwesenden Juden kennen, wendet er die Heilsgeschichte auf Christus an.
Dafür benutzt er bekannte Wendungen wie „der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter“ und „sein Knecht Jesus“, den er somit als den leidenden Gottesknecht identifiziert.
Er erklärt, dass Jesus der Messias ist, den Gott verherrlicht hat, der aber von den Menschen verkannt worden ist – und rhetorisch klug bezieht er dies auf eben jene, die in der Halle Salomos anwesend sind. Sie sollen von seinen Worten betroffen sein, damit sie umkehren und die Wahrheit erkennen. Er wirft ihnen vor, den Heiligen und Gerechten durch eine Intrige umgebracht zu haben, den Urheber des Lebens. Diese Titel sind typisch göttlich. Nur dieser ist der Heilige, Gerechte und der Urheber des Lebens. Petrus bekennt, dass Christus Gott ist.
Dieser blieb nicht im Tod. Petrus bekennt, dass Jesus von den Toten auferstanden ist und die Apostel Zeugen dafür sind.
Weil Petrus und Johannes an den Namen Jesu glauben, ist dieses Heilungswunder geschehen. Jesus selbst hat durch sie diese Heilstat begangen und dem Gelähmten die volle Gesundheit geschenkt, wofür nun die Anwesenden in der Halle Salomos Zeugen darstellen.
Petrus sagt dabei auch aus, dass der Glaube durch ihn komme. Das heißt, dass der Glaube ein Geschenk ist und nicht selbst gemacht werden kann. Er ist eine Gabe Gottes.
Im weiteren Verlauf räumt er den Anwesenden ein, dass sie nicht aus Boswillen, sondern Unwissenheit die Hinrichtung des Messias gefordert hätten. Ihm ist klar, dass hinter ihrem „Kreuzige ihn!“ die religiöse Elite steckt, die die Volksmenge manipuliert und aufgehetzt hat. Er räumt sogar ein, dass eben jene religiöse Elite unwissend war, denn sie haben Jesus als den Messias nicht erkannt. Aus demselben Grund hat Jesus ja auch am Kreuz gebetet: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“
Diese tragischen Umstände hat Gott aber wiederum genutzt, um das universale Heil zu erwirken. Gott kann die größte Katastrophe in den größten Segen umwandeln, weil er ein Gott des Heils ist. Dieser Heilsplan stand schon von Anfang an fest und die Propheten haben es schon angekündigt. Es ist aufgeschrieben in den Hl. Schriften der Juden, die die Anwesenden alle kennen. Sie haben vor allem sein Leiden angekündigt (wir denken natürlich besonders an die Gottesknechtslieder des für sie sehr bekannten Propheten Jesaja).
Und dies alles erklärt Petrus, um sie auf das Hauptanliegen seiner Ansprache zu führen – die Umkehr und Sühne der Sünden.
Und wenn sie dies tun, dann wird der Herr Zeiten des Aufatmens schenken (das heißt Segen) verbunden mit der Wiederkunft Christi. Wenn er wiederkommt, wird Gott alles wiederherstellen, wie es ebenfalls die Propheten vorhersagen.
So führt Petrus einige konkrete Beispiele an wie Mose, der von einem künftigen Propheten spricht, oder Samuel, der sehr ähnliche Dinge prophezeit hat.
Er spricht die Menge direkt an, indem er sie als die Nachkommen jener großen Heilsgestalten Mose und Samuel bezeichnet. Es ist verheißen worden, dass durch sie die ganze Welt Segen erlangen werde („das Heil kommt von den Juden“ – Jesus, das Heil in Person, ist selbst als Jude in diese Welt eingegangen!). Und weil die Juden das Volk sind, in das er hineingeboren wurde, das auserwählte Volk Gottes des Alten Bundes, ist Jesus zuerst für sie gekommen, damit sie von ihrem sündigen Weg abrücken.
Er ist für alle gestorben, das weiß Petrus auch. Aber er betont, was Jesus selbst in Anwesenheit der Syrophönizierin gesagt hat, damit die anwesenden Juden das Heil erkennen und annehmen.
Wie es weitergeht, hören wir heute nicht, aber uns ist ja bekannt, dass die Heilstaten bis zu den Hohepriestern und Schriftgelehrten vordringen. Wie diese sich wohl gefühlt haben? Sie dachten, sie hätten den Aufruhr im Volk, die ganze Bewegung um diesen für sie falschen Messias herum durch seine Hinrichtung endlich beendet und nun beginnt alles von vorne! Das Heil Gottes ist nicht mundtot zu kriegen. Das soll auch uns zum Nachdenken bringen!

Ps 8
2 HERR, unser Herr, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde, der du deine Hoheit gebreitet hast über den Himmel.
5 Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
6 Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit.
7 Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über die Werke deiner Hände, alles hast du gelegt unter seine Füße:
8 Schafe und Rinder, sie alle und auch die wilden Tiere,
9 die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, was auf den Pfaden der Meere dahinzieht.

Im Psalm preisen wir nun den Namen Gottes auf der Erde. Es ist eben jener Name, durch den Petrus und Johannes den Gelähmten geheilt haben. Der Name liegt auf der Erde wie der Rauch bzw. die Wolke Gottes auf dem Tempel. Gott ist überall und das ist eine Trostbotschaft für uns. Er ist bei uns, die wir seine Schöpfung sind.
Wir betrachten in dem Psalm vor allem die Schöpfung der Menschheit. Wie kostbar ist diese für den Herrn, dass er sich ihrer annimmt und eine durchgehende Beziehung zu ihr führt! Die ganze Heilsgeschichte, die wir von der Genesis bis zur Johannesoffenbarung vor uns haben, ist eine einzige Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen. Er wendet sich seinen Geschöpfen zu und tut alles, um deren (Gegen)Liebe zu erwerben.
Dabei hat der Mensch im Gesamt der Schöpfung eine besondere Stellung. Er ist wahrlich die Krone der Schöpfung, denn „du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit.“ Dies wird im Schöpfungsbericht ja dadurch deutlich, dass der Mensch als Abbild Gottes geschaffen worden ist. Die ewige Seele ist es, die ihm Herrlichkeit und Pracht verleiht.
„Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über die Werke deiner Hände, alles hast du gelegt unter seine Füße“ – die restliche Schöpfung ist dem Menschen anvertraut, weil dieser befähigt ist, Verantwortung für sie zu übernehmen. Gott legte ihm die Schöpfung aber nicht unter die Füße, damit er sie wie ein Tyrann unterdrücke, sondern wie ein Hirte für sie sorge.
In den letzten zwei Versen werden dann Bereiche der Schöpfung aufgezählt, die dem Menschen anvertraut werden.
All das sind wichtige und gute Ausführungen, werden aber erst dann zur Lesung in Bezug gebracht, wenn der Psalm über den wörtlichen Sinn hinaus in seinem geistlichen Sinn betrachtet wird:
Der Mensch, den Gott nur wenig geringer als sich geschaffen hat, ist auch mit der neuen Schöpfung gegeben – den Anfang dieser neuen Schöpfung kennzeichnet ebenfalls ein Menschenpaar – Jesus und Maria. Jesus hat diese neue Schöpfung begründet und auch ihm legt der Vater die gesamte Schöpfung unter die Füße – ihm, dem Erhöhten am Kreuz!
Und diese gesamte Schöpfung ist zusammengefasst in Maria und Johannes, die unter dem Kreuz stehen. Maria ist der Archetyp der Kirche, sie ist das Vorbild der vollkommenen Jüngerschaft und durch die Zuteilung des Johannes zu Maria als Sohn wird Maria zur Mutter aller Glaubenden – sie ist dadurch die neue Eva, die Mutter der Lebenden, nicht mehr der irdisch Lebenden, sondern ewig Lebenden bei Gott.
Jesus Christus ist wahrlich Herrlichkeit und Pracht verliehen worden in einem Maße, den der alte Mensch nicht erfahren hat – schon allein durch den Sündenfall. Wir sprechen hier von Christus in seiner Menschheit, in seiner Gottheit ist er Gott gleich.
Jesus ist der Herrscher über die Schöpfung – die Neugeschaffenen durch den Hl. Geist in der Taufe. Er ist das Haupt und wir die Glieder. Er ist der König des Reiches Gottes.
Und Christus ist dies alles nicht nur für die Menschen: Durch sein Erlösungswirken erlöst er die ganze Welt, auch die Tierwelt, denn diese ist durch den Sündenfall des ersten Menschenpaares auch ins Chaos gestürzt. Wir lesen bei der Friedensvision des Jesaja davon, wie die Tiere vor dem Sündenfall waren und wie sie mit Neuschöpfung Gottes wieder sein werden.
Es wird eine Versöhnung der gesamten Schöpfung sein!

Lk 24
35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.
36 Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
37 Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen.
38 Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen Zweifel aufkommen?
39 Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht.
40 Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße.
41 Als sie es aber vor Freude immer noch nicht glauben konnten und sich verwunderten, sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier?
42 Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch;
43 er nahm es und aß es vor ihren Augen.
44 Dann sagte er zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesprochen habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben steht.
45 Darauf öffnete er ihren Sinn für das Verständnis der Schriften.
46 Er sagte zu ihnen: So steht es geschrieben: Der Christus wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen
47 und in seinem Namen wird man allen Völkern Umkehr verkünden, damit ihre Sünden vergeben werden. Angefangen in Jerusalem,
48 seid ihr Zeugen dafür.

Im Evangelium hören wir nun die Fortsetzung der Emmauserzählung. Die Emmausjünger sind in Jerusalem eingetroffen und erzählen von ihrer Begegnung mit dem Auferstandenen, nachdem es schon die in Jerusalem gebliebenen Apostel getan haben.
Während sie erzählen, kommt der Auferstandene in ihre Mitte und begrüßt sie mit den Worten „Friede sei mit euch!“
Sie reagieren mit Furcht, denn sie denken, einen Geist zu sehen. Das ist eine allzu menschliche Reaktion, denn dass jemand mit Leib und Seele aufersteht, ist bis dato etwas ganz Neues.
Jesus konfrontiert sie mit ihren Zweifeln, denn eigentlich haben sie ihn ja schon leibhaftig erfahren.
Er geht auf ihre Zweifel ein und zeigt ihnen die Hände und Füße, an denen die Male der Kreuzigung noch zu sehen sind und ihn als denselben ausweisen, den sie vor dem Tod gesehen haben.
Da sie es vor lauter Freude immer noch nicht fassen können, isst er vor ihren Augen sogar ein Stück gebratenen Fisch. Ein Geist kann ja nichts essen, denn er ist ja nicht einmal materiell.
Als Auferstandener erklärt Jesus ihnen ausgehend von der Hl. Schrift und den Verheißungen der Propheten, dass alles, was passiert ist, passieren musste und die Schrift erfüllt hat.
Insbesondere sein Leiden ist von den Propheten angekündigt worden als Voraussetzung für die Erlösung und Sühne aller Sünden. Er ist so weit gegangen, um die ganze Welt zur Umkehr zu bewegen, angefangen in Jerusalem.
Damit die Menschen diese Heilstat gläubig annehmen, sollen die Apostel mit ihrem Zeugnis einstehen. Deshalb erscheint er ihnen nach seiner Auferstehung immer wieder und erklärt ihnen ausgehend von der Schrift den Plan Gottes.
Er muss es immer wieder tun, denn den Aposteln ist der Hl. Geist in umfassender Weise noch nicht geschenkt worden, der ihnen die Augen für diese Zusammenhänge öffnet. Wenn Jesus „die Propheten“ andeutet, sind vor allem die Prophezeiungen der Gottesknechtslieder aus dem Buch Jesaja gemeint. Gerade dort wird der Sühnetod des Gerechten angekündigt, durch den die Sünde der Welt getragen wird.

Alles hat einen Sinn, auch wenn dieser oft erst im Nachhinein erkannt wird. Die schlimmste Katastrophe ist zum größten Heilsakt aller Zeiten geworden und Jesus ist leibhaftig auferstanden. Er verdeutlicht seinen Aposteln den Sinn seines Leidens und deutet es im Licht der Heilsgeschichte, die sie als fromme Juden aus den Hl. Schriften kennen. Dies wird Petrus nicht vergessen, wenn er dann nach dem Pfingstereignis voller Beherztheit vor die Menschenmengen tritt und mutig für Christus und das Osterereignis einsteht. Er setzt das um, was Jesus als Auferstandener in ihrer Mitte gesagt hat: „Ihr seid Zeugen dafür.“

Wie ist es mit uns? Auch wir sind Zeugen seiner Auferstehung, nämlich in jeder Heiligen Eucharistie. Was wir dort schauen und was wir empfangen – tragen wir es in die Welt hinaus und stehen mutig dafür ein? Herr, gib auch uns den Hl. Geist, damit wir so mutig bekennen, dass du ein Gott des Lebens bist und sich auch heute in Zeiten einer Kultur des Todes nichts daran ändert!

Ihre Magstrauss

Mittwoch der Osteroktav

Apg 3,1-10; Ps 105,1-2.3-4.6-7.8-9; Lk 24,13-35

Die Osteroktav greift weiterhin Texte der letzten Tage auf. So hören wir das Evangelium von Ostermontag, das wunderbare Emmaus-Ereignis. In diesen Tagen wird uns als Lesung immer ein Ausschnitt aus der Apostelgeschichte vorgelesen.

Apg 3
1 Petrus und Johannes gingen zur Gebetszeit um die neunte Stunde in den Tempel hinauf.
2 Da wurde ein Mann herbeigetragen, der von Geburt an gelähmt war. Man setzte ihn täglich an das Tor des Tempels, das man die Schöne Pforte nennt; dort sollte er bei denen, die in den Tempel gingen, um Almosen betteln.
3 Als er nun Petrus und Johannes in den Tempel gehen sah, bat er sie um ein Almosen.
4 Petrus und Johannes blickten ihn an und Petrus sagte: Sieh uns an!
5 Da wandte er sich ihnen zu und erwartete, etwas von ihnen zu bekommen.
6 Petrus aber sagte: Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, steh auf und geh umher!
7 Und er fasste ihn an der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich kam Kraft in seine Füße und Gelenke;
8 er sprang auf, konnte stehen und ging umher. Dann ging er mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott.
9 Alle Leute sahen ihn umhergehen und Gott loben.
10 Sie erkannten ihn als den, der gewöhnlich an der Schönen Pforte des Tempels saß und bettelte. Und sie waren voll Verwunderung und Staunen über das, was mit ihm geschehen war.

Die Apostel haben an Pfingsten den Heiligen Geist empfangen. Er hat ihnen die Früchte, Gaben und Charismen geschenkt, die sie für ihre Aufgabe in der Evangelisierung der Welt benötigen. Heute hören wir von einer Episode, in der sich diese Ausstattung mit dem Hl. Geist das erste Mal zeigt (ausgenommen die mutige Pfingstpredigt des Petrus und zuvor die Manifestationen des Geistes in Form von Feuerzungen und Sprachengebet).
Petrus und Johannes gehen zu drei Uhr nachmittags in den Tempel zum Gebet. Sie sind zwar Christen, aber ihre jüdischen Praktiken behalten sie bei. Sie sehen sich gar nicht so, als ob sie nun einer neuen Religion angehören. Es ist vielmehr so, dass Jesus ihrer Ansicht nach das Judentum erfüllt hat. Erst später wird es so viel Uneinigkeit und Spaltung mit den Juden geben, dass sich zwei unterschiedliche Stränge entwickeln – das Judentum, das Jesus als Messias nicht anerkennt und deshalb auch seine Anhänger als Sektierer ablehnt. Die Gemeinschaft der Christgläubigen wird dagegen immer unabhängiger betrachtet und erhält in Antiochien dann das erste Mal die Bezeichnung „Christen“.
Die beiden Apostel gehen also wie üblich in den Tempel und treffen dort auf einen gelähmten Mann am Tor des Tempels, das „die schöne Pforte“ genannt wird. Er verharrt dort, weil viele Menschen an ihm vorübergehen und ihm beim Betreten oder Verlassen des Tempelareals das ein oder andere Almosen spendet. Wir sehen über diese wörtliche Leserichtung hinaus noch viel mehr. Der Mann sitzt an der Schwelle vom Judentum, das auf den Messias wartet, zur Jüngerschaft Jesu Christi. Er ist an der Schwelle und die Heilung wird den Ausschlag geben, dass dieser Mensch Jesus als den Christus erkennen wird. Jesus hat zu seinen Jüngern gesagt: „Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden.“ Für Petrus und Johannes wird das folgende Ereignis zur Bestätigung der Worte Jesu. Ja, die Menschen, die zum Glauben an Jesus Christus kommen, übertreten wahrhaft diese Schwelle vom ewigen Tod zum ewigen Leben. Ihnen ist es schon beim Pfingstereignis aufgegangen, als nach der kraftvollen Pfingstpredigt des Petrus ganze 3000 Menschen die Taufe empfingen und so die existenzielle Schwelle übertraten, gleichsam durch die Tür Christi hindurchgeschritten sind.
Der Mann bittet die vorbeigehenden Apostel um ein Almosen. Petrus, der immer zuerst das Wort ergreift, bittet den Mann, ihn anzusehen. Dieser rechnet damit, dass er nun etwas bekommt.
Doch WAS er bekommt, übersteigt alle seine Erwartungen!
„Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, gebe ich dir.“ So sollen auch wir geben. Wir sollen aus Liebe zu Gott alles geben, was wir haben. Und damit ist nicht einfach nur materieller Besitz gemeint, sondern alles an Ressourcen, die es gibt: Zeit, Energie, Finanzen, ein zuhörendes Ohr, Bereitschaft, den eigenen Willen.
Und Petrus gibt dem Mann nun umsonst die Heilung im Namen Jesu des Nazoräers! Jesus hat seinen Jüngern schon damals gesagt: Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben (Mt 10).
Und so spricht Petrus die Heilungsworte im Namen Jesu, der ja der eigentlich Heilende ist. Petrus tut nichts aus eigener Kraft, sondern in der Vollmacht Jesu Christi. Er ist es, der durch seine Hände heilt, er ist es, der durch seinen Mund spricht.
So tut Petrus genau dasselbe, was Jesus immer getan hat: Er fasst den Mann bei der rechten Hand und richtet ihn auf. Die Kraft des Heiligen Geistes durchströmt seine kranken Glieder und festigt sie. Der Mann kann aufrecht stehen und umhergehen!
Petrus hat ihn geheilt und die Reaktion des Mannes ist ideal. Die erste Tat nach seiner Heilung besteht im Lobpreis an den allmächtigen Gott, dem er dies zu verdanken hat.
Sein Umhergehen, Herumspringen und Lobpreis bleibt nicht unbemerkt. Die Menschen, die ihn noch von früher kennen, wie er an der Schönen Pforte gebettelt hat, staunen darüber, was mit ihm geschehen ist.
Gott wirkt Wunder, damit die jeweiligen Zeugen dadurch zum Glauben an ihn kommen und seine großen Taten loben.
Jesus hat angekündigt, dass in seinem Namen diese Zeichen geschehen werden. Petrus erfüllt vom Heiligen Geist erkennt die Zeit des Handelns und lässt sich von Gott als Werkzeug des Heils verwenden. So sollen auch wir sein. Uns soll es in jeder Lebenslage immer darum gehen, den Menschen die Liebe Gottes zu vermitteln. Und wohin auch immer Gott uns entsendet – wir sollen die Situation erkennen und uns gebrauchen lassen, damit er auch heute seine großen Taten offenbaren kann. Seien wir dabei ein Spiegel oder Fenster dieser Heilstaten Gottes wie Petrus! In Jesu Namen geschehen auch heute noch Zeichen und Wunder!

Ps 105
1 Von David. Preise den HERRN, meine Seele, und alles in mir seinen heiligen Namen!
2 Preise den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!
3 Der dir all deine Schuld vergibt und all deine Gebrechen heilt,

4 fragt nach dem HERRN und seiner Macht, sucht sein Angesicht allezeit!
6 Ihr Nachkommen seines Knechts Abraham, ihr Kinder Jakobs, die er erwählt hat.
7 Er, der HERR, ist unser Gott. Auf der ganzen Erde gelten seine Entscheide.
8 Auf ewig gedachte er seines Bundes, des Wortes, das er gebot für tausend Geschlechter,
9 des Bundes, den er mit Abraham geschlossen, seines Eides, den er Isaak geschworen hat
.

Der heutige Psalm ist eine wunderbare Antwort auf die Lesung. Man könnte sagen, dass diese Psalmworte aus dem Mund des geheilten Gelähmten gekommen sein könnten, als er voller Freude in den Tempel gegangen ist und Gott gedankt hat.
Der Psalm beginnt wie so oft mit einer Selbstaufforderung zum Lob: „Preise den HERRN, meine Seele, und alles in mir seinen heiligen Namen!“ Dieser heilige Name ist es, durch den die Heilung am Gelähmten an der „Schönen Pforte“ erwirkt worden ist.
„Und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!“ Der Geheilte aus der Apostelgeschichte wird sein Leben lang nicht vergessen, was für ein Wunder an ihm geschehen ist. Ihm ist im Grunde ein ganz neues Leben geschenkt worden, weil er nun arbeiten gehen kann. Er kann für sich selbst sorgen und muss nicht mehr betteln. Auch in der Gesellschaft wird er nun mehr Achtung bekommen.
„Der dir all deine Schuld vergibt und deine Gebrechen heilt“ – es ist genau diese Reihenfolge, die wir bemerken müssen. Zuerst vergibt Gott uns die Schuld. Dies ist nämlich die wichtigste Form von Heilung – die seelische. Wenn wir wieder mit Gott versöhnt sind und zurückversetzt sind in den Radius seiner Gnade, kann diese uns auch umfassend heilen. Die psychischen und körperlichen Auswirkungen unserer im Kern seelischen Probleme, können nun auch geheilt werden, weil der seelische Kern wiederhergestellt ist.
„Fragt nach dem HERRN und seiner Macht“ – die hebräische Verbform דִּרְשׁ֣וּ dirschu ist eigentlich mit „suchet, forscht“ zu übersetzen. Es geht also darum, in allem immer den Herrn zu suchen.
„Sucht sein Angesicht allezeit!“- auch בַּקְּשׁ֖וּ baqschu kann mit „suchen“ übersetzt werden, aber auch mit „wollen, begehren, bitten“. Beide Sätze sagen etwas Ähnliches aus und sind ähnlich strukturiert, was wir Parallelismus nennen. Dem Menschen soll es immer nach dem Angesicht Gottes verlangen. Es umschreibt, was mit dem Sch’ma Israel zusammengefasst wird (Dtn 6,4ff.), die absolute Gottesliebe und deshalb das stete Interesse daran, ihn besser zu verstehen. Es geht daran, das Herz an ihn zu hängen. Wenn man dies tut, wird das Herz immer wieder Heilung erfahren.
So wie wir schon oft gebetet haben, ergeht auch hier die Aufforderung an uns, Gottes Heilstaten nie zu vergessen („Gedenkt der Wunder, die er getan hat…“). So werden wir nie undankbar und auch nie etwas für selbstverständlich nehmen, was Gott uns schenkt. Dies macht der geheilte Gelähmte in der Apostelgeschichte uns heute vor. Wir gedenken der großen Taten Gottes mit dankbarem Herzen in jeder Eucharistie. Wir beten jeden Tag die Psalmen und loben Gott darüber hinaus mit Hymnen und anderen Lobliedern.
Gott ist der Herrscher des Alls und deshalb gilt, was er entscheidet. Alles ist seinem universalen Heilswillen unterworfen, was auch für uns sehr tröstlich ist! Das bedeutet nämlich, dass auch der Böse nur so viel anrichten kann, wie Gott zulässt. Sobald das Ende der Zeiten erreicht ist, wird Gott ihm sofort und ganz ohne Mühe Einhalt gebieten. Er wird den Bösen für immer zerstören und wir werden nie wieder leiden müssen.
Gott ist der Treue, der es wirklich ernst meinte, als er den Bund mit Abraham ewig nannte. Die tausend Geschlechter, die hier genannt werden, sind eine symbolische Zahl, sodass wir nicht anfangen müssen, Geschlechter auszurechnen. Es ist ein Code, der eine sehr lange Zeit umschreibt und im poetischen Kontext der Psalmen als Stilmittel fungiert.
Gott hält seine Versprechen und so dürfen wir gläubig ausharren, bis der verherrlichte Menschensohn wiederkommen wird am Ende der Zeiten. Er hat uns ja versprochen, dass er uns reich belohnen werde, wenn wir bis zum Schluss standhaft und wachsam gewesen sind. Und wenn es in unserem Leben schwer wird, trägt er uns hindurch, der vor dem Heimgang zum Vater sagte: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“

Lk 24
13 Und siehe, am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.
14 Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.
15 Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen.
16 Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.
17 Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen
18 und der eine von ihnen – er hieß Kleopas – antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?
19 Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk.

20 Doch unsere Hohepriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen.
21 Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist.
22 Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab,
23 fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe.
24 Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.
25 Da sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.
26 Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen?
27 Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.

28 So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen,
29 aber sie drängten ihn und sagten: Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt! Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.
30 Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen.
31 Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken.
32 Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete?
33 Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren.
34 Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.
35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

Im Evangelium hören wir wieder das Emmausereignis. Kleopas ist unterwegs mit einem weiteren Jünger. Sie reisen nach Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt liegt. Sie planen, über Nacht in einem Haus einzukehren.
Als sie unterwegs über die ganzen Ereignisse reden, stößt der auferstandene Christus zu ihnen. Sie erkennen ihn aber nicht. Das ist nicht ungewöhnlich. Auch Maria Magdalena hat ihn nicht erkannt und sogar gedacht, er sei der Gärtner. Das liegt daran, dass Jesu Leib nach der Auferstehung ein anderer ist als vor seinem Tod. Sein Aussehen müssen wir uns so vorstellen, dass er wie das erste Menschenpaar vor dem Sündenfall ist – nicht ganz, da er noch nicht zum Vater heimgekehrt ist, wo er verherrlicht wird (also in ein so helles Lichtkleid gehüllt ist, wie er es bei der Verklärung auf dem Berg Tabor war).
Er fragt nun nach, worüber sie reden. Er weiß natürlich ganz genau, worum es geht, aber Jesus geht es immer darum, dass die Menschen von sich aus selbst Dinge aussprechen, mit eigenen Worten etwas bekennen (so auch beim Sakrament der Buße).
Die Jünger sind traurig. Das ist aber nicht die richtige Reaktion auf das Osterereignis. Jesus kritisiert ihre mangelnde Erkenntnis und erklärt ihnen ausgehend von den Propheten, von all den messianischen Verheißungen, dass sein Tod und seine Auferstehung notwendig waren, um die Welt von ihren Sünden zu erlösen.
Den Jüngern dämmert es und im Nachhinein werden sie auch sagen: „Brannte uns nicht das Herz, als der Herr unterwegs mit uns redete?“ Das Wort Gottes zu hören, es erklärt zu bekommen – all das entzündet in uns schon das Feuer seiner Liebe. Aber „erkennen“ können wir Christus erst so richtig, wenn er vor unseren Augen das Brot bricht, in der Eucharistie. Dann gehen auch uns die Augen auf und wir erkennen den Auferstandenen.
Doch zunächst noch einmal zurück zum Weg. Gott begleitet auch uns auf unserem Lebensweg, auch wenn wir ihn manchmal gar nicht erkennen. Er spricht durch die Heilige Schrift zu uns, auch gerade durch jene, die sie für uns auslegen. Gott schickt uns auf unserem Lebensweg Menschen, durch die er uns etwas sagen möchte – ob Kritik, Lob, Trost, Ermutigung oder Warnung.
Die Kirche ist ebenfalls unterwegs – zum himmlischen Emmaus am Ende der Zeiten. Sie ist das pilgernde Gottesvolk, das gegürtet und mit dem Stab in der Hand das Passahlamm isst – Jesus Christus, den eucharistischen Herrn. Und unterwegs zur Begegnung mit dem Leib Christi hört auch sie das Wort Gottes, dass auf Christus vorbereitet, den die Christen dann in der Kommunion in sich aufnehmen. Deshalb ist die Liturgie im Emmaus-Stil aufgebaut: Zuerst kommt der Wortgottesdienst, dann der Mahlgottesdienst.
Als sie in Emmaus ankommen, möchte Jesus weitergehen, doch die Jünger bitten ihn, mit ihm im Haus einzukehren. Was sie zu ihm sagen, hat in der Wirkungsgeschichte mehrfache Vertonungen erfahren: „Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt!“ Es ist eine Bitte, die wir auf mehrfache Weise verstehen können. Es ist ein Bittgebet der gesamten Kirche darum, dass Jesus seine Braut nie verlasse. Der Tag, der sich geneigt hat und der Abend, der gekommen ist, sind Bilder für die Endzeit, die mit Christus angebrochen ist. Wir gehen der Ewigkeit entgegen. Diese bricht mit dem neuen Tag an. Im Übergang vom alten Tag der alten Schöpfung zum neuen Tag der neuen Schöpfung möge Christus uns beistehen und bei uns sein. Und auch jeder einzelne Christ bei seinem Lebenswandel bittet den Herrn, bei ihm zu bleiben – Tag für Tag und deshalb ist dieses Schriftwort auch ein Abendgebet. Es bezieht sich aber auch auf das gesamte irdische Dasein und wird so zum Abschiedsgebet des Lebens, wenn der Lebensabend angebrochen ist und die Nacht des Todes unmittelbar bevorsteht.
Als sie dann bei Tisch sind, tut Jesus genau das, was er schon beim letzten Abendmahl getan hat – ein Beweis, dass seine Gesten damals wirklich die Begründung eines neuen Bundes mit festem Ritus darstellt.
Von dem eucharistischen Mahl her haben sie im Nachhinein die Auslegung der Schriften verstanden. Es ist analog zu Petrus zu betrachten, der im Nachhinein erkennt, was Jesus die ganze Zeit über gemeint hat, als er von Leiden, Tod und Auferstehung gesprochen hat. Das ist der wunderbare Verstehensprozess der Menschen, den Gott geduldig mit ihnen geht – er erklärt ihnen vieles und sensibilisiert sie für jeden heilsgeschichtlichen Schritt. Durch seinen Heiligen Geist erinnert er sie dann zu späteren Zeiten an das, was er ihnen zuvor erklärt hat. So realisiert der Mensch nach und nach immer mehr von der Offenbarung Gottes.
Die Jünger bleiben nicht in Emmaus, sondern machen sich sofort auf den Heimweg nach Jerusalem, um den Aposteln und den anderen Jüngern von ihrem Erlebnis zu erzählen. Dort erfahren sie zudem, dass Jesus auch ihnen erschienen ist.
Jesus ist nicht mehr so wie vor seinem Tod. Er kann an mehreren Orten gleichzeitig erscheinen und kann plötzlich verschwinden. Er kann durch geschlossene Türen hindurch in einem Raum erscheinen und ist doch kein Geist. Er kann nämlich essen und ist berührbar, wie wir bald in der Episode des Apostels Thomas explizit erfahren werden. Jesu Auferstehungsleib gibt uns Aufschluss darüber, wie der Mensch vor dem Sündenfall war.

Die österliche Freude, das Heil und die Gegenwart des Auferstandenen setzen sich auch heute fort. Jesus bleibt wirklich bei den Menschen und wirkt auch weiter, obwohl er nicht mehr in Menschengestalt auf Erden wandelt. Das ist wichtig vor allem auch für uns heute! Jesus verlässt auch uns nicht und ist in der Kirche bis heute gegenwärtig, auch wenn er nicht mehr in Menschengestalt, sondern in Gestalt der eucharistischen Gaben da ist.

Schauen wir genau hin. Er tut auch heute viele Wunder. Lassen wir uns wie Petrus gebrauchen als Werkzeuge des Heils, damit die österliche Freude nie versickert, sondern immer mehr Menschen ansteckt!

Ihre Magstrauss

Ostermontag

Apg 2,14.22-33; Ps 89,2-3.4-5; 1 Kor 15,1-8.11; Lk 24,13-35

Apg 2
14 Da trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden: Ihr Juden und alle Bewohner von Jerusalem! Dies sollt ihr wissen, achtet auf meine Worte!
22 Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, einen Mann, den Gott vor euch beglaubigt hat durch Machttaten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst –
23 ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht.
24 Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt; denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde.
25 David nämlich sagt über ihn: Ich hatte den Herrn beständig vor Augen. Denn er steht mir zur Rechten, dass ich nicht wanke.
26 Darum freute sich mein Herz und frohlockte meine Zunge und auch mein Leib wird in Hoffnung wohnen;
27 denn du gibst meine Seele nicht der Unterwelt preis, noch lässt du deinen Frommen die Verwesung schauen.
28 Du hast mir die Wege zum Leben gezeigt, du wirst mich erfüllen mit Freude vor deinem Angesicht.
29 Brüder, ich darf freimütig zu euch über den Patriarchen David reden: Er starb und wurde begraben und sein Grabmal ist bei uns erhalten bis auf den heutigen Tag.
30 Da er ein Prophet war und wusste, dass Gott ihm einen Eid geschworen hatte, einer von seinen Nachkommen werde auf seinem Thron sitzen,
31 sagte er vorausschauend über die Auferstehung des Christus: Er gab ihn nicht der Unterwelt preis und sein Leib schaute die Verwesung nicht.
32 Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen.
33 Zur Rechten Gottes erhöht, hat er vom Vater den verheißenen Heiligen Geist empfangen und ihn ausgegossen, wie ihr seht und hört.

Heute geht die Osterfreude weiter. In der ersten Lesung hören wir einen Ausschnitt aus Petrus‘ Ansprache am Pfingsttag. Erfüllt vom Hl. Geist geht ihm auf, dass die Ankündigungen der Hl. Schriften (zu seiner Zeit meint dies das Alte Testament) sich wirklich mit Jesus erfüllt haben. Er erkennt nun die Verbindungslinien, weil es ihm wie Schuppen von den Augen fällt. Zuvor hat er vieles noch gar nicht verstanden. Der Geist Gottes führt die Apostel aber nun in die Wahrheit, wie Jesus bereits angekündigt hat.
Nun hält Petrus also eine Ansprache und diese ist im Grunde eine Taufkatechese. Im Anschluss an diese kraftvolle Predigt lassen sich nämlich sehr viele Menschen taufen.
Er erinnert die Israeliten an die Heilstaten Jesu Christi, die Gott vor ihren eigenen Augen beglaubigt hat. Jesus hat nie okkult (verborgen, im Geheimen) gehandelt, sondern immer in der Öffentlichkeit gesprochen und gewirkt. Es gab immer sehr viele Zeugen für seine Zeichen.
Nun ist die Zeit gekommen, all die Zeichen im Lichte der Heilsgeschichte als messianisch zu erkennen. Die Menschen sollen vor allem den Tod und die Auferstehung Jesu Christi als Erfüllung der Verheißungen begreifen („der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde“).
Petrus ist klar, dass die Zuhörer seiner Predigt selbst Jesus nicht umgebracht haben, sondern dass dies auf die religiöse Elite Jerusalems zurückzuführen ist. Wenn er in seiner Pfingstrede also nun sagt: „Habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht“, dann möchte er verdeutlichen, dass jeder, der „Kreuzige ihn!“ geschrien hat, mitverantwortlich ist. Wenn er das sagt, dann schließt er sich selbst mit ein. Schließlich hat er in der für ihn nachteiligen Situation Jesus verleugnet und behauptet, ihn nicht zu kennen.
Petrus meint mit „Gesetzlosen“ die Römer, die nicht beschnitten sind und die Torah nicht halten. Diese ist aber mit „Gesetz“ gemeint.
„Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt.“ Durch den Hl. Geist, dem Geist des Lebens, ist die Auferstehung Jesu Christi erwirkt worden. Er konnte nicht ewig im Grab bleiben, denn er ist Gott und dieser ist ein Gott des Lebens. Der Tod hat keine Macht über ihn. Dass er leben werde, sagt schon König David vorher, als er unter dem Einfluss des Hl. Geistes die Worte des Psalm 16 gedichtet hat: „Ich hatte den Herrn beständig vor Augen. Denn er steht mir zur Rechten, dass ich nicht wanke. Darum freute sich mein Herz und frohlockte meine Zunge und auch mein Leib wird in Hoffnung wohnen; denn du gibst meine Seele nicht der Unterwelt preis, noch lässt du deinen Frommen die Verwesung schauen. Du hast mir die Wege zum Leben gezeigt, du wirst mich erfüllen mit Freude vor deinem Angesicht.“ Gott gab seinen Sohn der Unterwelt wirklich nicht preis, obwohl dieser dort hinabgestiegen ist. Er ging zu den Gerechten, die sehnlichst auf ihn warteten, um endlich die Herrlichkeit Gottes schauen zu dürfen. Er führte sie aus dem Exil in die himmlische Heimat. Und er erstand von den Toten, noch bevor die Verwesung einsetzen konnte. Er schaute die Verwesung wirklich nicht, er, der frommste der Frommen.
Und so wie er Jesus die Wege zum Leben gezeigt und mit Freude erfüllt hat (die Freude des Himmels), so wird er es auch mit jenen tun, die ihm nachfolgen – mit uns, die wir auf seinen Tod und seine Auferstehung getauft worden sind.
Petrus erklärt nach der ausführlichen Zitation des Psalms, dass es sich nicht auf David selbst beziehe, der ja gestorben ist. Vielmehr hat David selbst schon auf seinen Nachkommen verwiesen, der Jesus Christus ist. Er ist Sohn Davids.
Petrus selbst und die anderen Apostel haben den Auferstandenen mit eigenen Augen gesehen. Sie sind Zeugen dafür, dass Jesus lebt. Diesen glauben sie nun an der Rechten des Vaters, was wir bis heute im Glaubensbekenntnis beten. Von ihm, dem erhöhten Christus, ging der Heilige Geist aus, den die Apostel am Pfingsttag in umfassendem Maße empfangen haben.
„Wie ihr seht und hört“ bezieht sich auf die Manifestationen des Heiligen Geistes, die die Jerusalempilger an jenem Tag gesehen und gehört haben – das Brausen, die Sprachen etc.
Bis zu jenem Ereignis versteckten die Apostel sich im Obergemach eines Hauses, ohne in die Öffentlichkeit zu treten. Doch der Geist Gottes verlieh ihnen die Früchte (z.B. Mut), Gaben (z.B. Einsicht) und Charismen (z.B. Sprachengebet), sodass sie von da an zu den Menschen gehen und freimütig das Evangelium verkünden können. Er hat ihnen ein neues Leben geschenkt, denn die Gemeinschaft der Gläubigen als Leib Christi, die Kirche, ist an jenem Tag zum Leben erweckt worden! Wir feiern an Pfingsten ihren Geburtstag. Der Geist Gottes ist ein Lebensspender. Dies gilt nicht nur für den auferstandenen Christus, das gilt auch für die ersten Christen damals und für uns Christen heute!

Ps 89
2 Von der Huld des HERRN will ich ewig singen, von Geschlecht zu Geschlecht mit meinem Mund deine Treue verkünden.
3 Denn ich bekenne: Auf ewig ist Huld gegründet, im Himmel deine Treue gefestigt.
4 Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten und David, meinem Knecht, geschworen:
5 Auf ewig gebe ich deinem Haus festen Bestand und von Geschlecht zu Geschlecht gründe ich deinen Thron.

Nun beten wir im Anschluss an die Pfingstrede des Petrus einen Dankespsalm.
„Von der Huld des HERRN will ich ewig singen“ ist ein typischer Psalmenanfang – die Selbstaufforderung zum Lobpreis. Die Huld des HERRN ist so großartig, dass sie zu allen Zeiten besungen werden muss. Wir können gar nicht anders, es ist die einzig angemessene Reaktion von uns Menschen, auf Gottes große Gnade dankend zu antworten. Und so sind die Worte König Davids bis heute absolut aktuell. „Von Geschlecht zu Geschlecht mit meinem Mund deine Treue verkünden“ – dies tun wir in jeder Hl. Messe auf dichteste Art und Weise. Eucharistie heißt „Danksagung“. Wir danken Gott für diese alles entscheidende Heilstat Christi, der durch seinen Tod und seine Auferstehung die Welt mit Gott versöhnt hat.
„Denn ich bekenne: Auf ewig ist Huld gegründet, im Himmel deine Treue gefestigt.“ Die Treue Gottes hat sich am dichtesten erwiesen am Ostertag. Sie ist am intensivsten spürbar geworden am leeren Grab. Gott hat den Menschen gezeigt, dass er seinen einzigen Sohn nicht im Stich lässt, sondern wie versprochen das Leben schenkt. Wir dürfen glauben, dass er auch uns nicht im Stich lassen wird, wenn wir sterben und vor ihn treten, wenn wir ihm zeitlebens unsere Treue gehalten haben.
Ja, auf ewig gibt Gott dem Haus festen Bestand. Damit ist das Haus Davids gemeint. Jesus der Sohn Davids wird auf ewig leben und nicht nur das. Er erhält den Thron, denn er ist König im Reiche Gottes. Wir beten deshalb im Glaubensbekenntnis, dass er zur Rechten Gottes thront.
Mit dem Haus, das heißt dem Geschlecht Davids, ist nun die Kirche gemeint, die die Familie Gottes ist. Sie wird ewig Bestand haben, denn Gott selbst hat sie zum Leben erweckt. Was Gott aber geschaffen hat, wird ewig leben. Das ist die Botschaft von Ostern. Halleluja!

1 Kor 15
1 Ich erinnere euch, Brüder und Schwestern, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht.
2 Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet werden, wenn ihr festhaltet an dem Wort, das ich euch verkündet habe, es sei denn, ihr hättet den Glauben unüberlegt angenommen.
3 Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift,
4 und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift,
5 und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.
6 Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen.
7 Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln.
8 Zuletzt erschien er auch mir, gleichsam der Missgeburt.
11 Ob nun ich verkünde oder die anderen: Das ist unsere Botschaft und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt.

In der zweiten Lesung hören wir aus einem wichtigen Kapitel des ersten Korintherbriefes. Dort erklärt Paulus viele Aspekte zum Thema Auferstehung.
Dabei betont er am Anfang, dass das Fundament des Glaubens, den auch die Korinther angenommen haben, die Osterbotschaft ist. Sie nämlich ist der Kern des gesamten Evangeliums.
Wer an diesem Evangelium festhält, wird gerettet werden. Die Bejahung des Evangeliums wiederum geschieht durch die Taufe als äußeres Zeichen des inneren Glaubens. Und deshalb wiederholt er es noch einmal, falls der ein oder andere diese Botschaft unüberlegt angenommen hat.
Dann hören wir aus der ältesten Osterüberlieferung, die das Neue Testament tradiert. Paulus selbst hat sie schon von woanders empfangen, also ist sie sehr alt, das heißt sehr nah an dem Osterereignis selbst dran.
„Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift“ – ja, das ist der Grund – entgegen aller theologischen Bemühungen heutzutage, den Sühnetod wegzuargumentieren. Jesus ist für unsere Sünden gestorben, für jeden einzelnen Menschen!
Die Wendung „gemäß der Schrift“ verdeutlicht uns, dass es schon das Alte Testament angekündigt hat. Das ist wichtig, weil es den frommen Juden zeigt, dass Jesu Tod und Auferstehung heilsgeschichtlich entscheidend ist und sogar den Höhepunkt der Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen darstellt.
„Jesus ist begraben worden.“ Das heißt, er war wirklich komplett tot, nicht scheintot, nicht ohnmächtig oder gar nicht erst gestorben. Er ist wirklich gestorben, was für unsere Erlösung absolut notwendig war. Er konnte nicht erlösen, was er nicht selbst durchgemacht hat. Deshalb musste er ganz sterben.
Er ist dann aber am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift.“ Petrus hat diese Schriftstellen teilweise zitiert, als er am Pfingsttag vor die Menschen getreten ist. Jesus selbst hat dies angekündigt, indem er immer wieder Leidensankündigungen vorgenommen hat. Die Apostel haben es damals nicht verstanden, doch nun ist ihnen alles klar.
Er erscheint dem Kephas (also Petrus), dann den Zwölf, sogar 500 Brüdern gleichzeitig. Das kann also keine Einbildung sein, keine Fata Morgana oder Halluzination. Viele der Augenzeugen leben noch zur Zeit des Paulus.
Mit Jakobus ist der „Herrenbruder“ Jakobus gemeint, der die Jerusalemer Gemeinde nach der Abreise des Petrus geleitet hat. Er ist Verwandter Jesu, deshalb heißt er auch „Herrenbruder“. Wir wissen von dem biblischen Zeugnis, dass es sich dabei um den Sohn einer anderen Maria und des Kleopas handelt, der übrigens einer der Emmausjünger ist. Diese andere Maria kann kaum die Schwester der Mutter Jesu sein (diese war laut Protevangelium des Jakobus ohnehin Einzelkind). Es wird sich vielleicht um die Cousine der Mutter Jesu gehandelt haben, also ist Jakobus Jesu Cousin zweiten Grades. Und doch ist es im orientalischen Kontext normal, Bruder zu sagen (Es gibt damals auch nur ein Wort für Bruder, Cousin etc.). Mit „Familie“ ist mehr gemeint als die gerade Linie, wie wir es aus unserem Kontext kennen. Damit ist vielmehr die Großfamilie gemeint.
„Zuletzt erschien er auch mir, gleichsam der Missgeburt.“ Das bezieht sich auf Pauli Begegnung mit Christus vor den Toren von Damaskus. Paulus nennt sich einerseits Missgeburt, weil er sich selbst als den geringsten Apostel erachtet. Er hat schließlich die Christen zunächst verfolgt und somit Christus selbst verfolgt. Er nennt sich andererseits so, weil das griechische Wort ἔκτρωμα ektroma „unzeitige Geburt“ heißt. Es bezieht sich aber in seinem Fall nicht auf die biologische Geburt, sondern auf die Wiedergeburt im Hl. Geist. Seine Bekehrung kommt spät, ist also unzeitig im Gegensatz zu den anderen Aposteln.
Zum Schluss sagt Paulus noch ein wichtiges Wort: Es spielt keine Rolle, ob er selbst diese Botschaft verkündet oder ein anderer. Es ist und bleibt dieselbe Botschaft vom Sieg des Lebens über den Tod. Diese Wendung formuliert er deshalb, weil es in Korinth ja die Rivalitäten und Parteien gibt (die einen halten zu Paulus, die anderen zu Apollos, die anderen zu Kephas…).
Dank Paulus haben wir diese uralte Überlieferung erhalten. Sie bestätigt, was wir glauben – dass Jesu Auferstehung eine historische Tatsache ist, die nachträglich nicht symbolisiert werden kann. Jesus ist leibhaftig auferstanden und so werden auch wir es!

Lk 24
13 Und siehe, am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.
14 Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.
15 Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen.
16 Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.
17 Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen
18 und der eine von ihnen – er hieß Kleopas – antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?
19 Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk.
20 Doch unsere Hohepriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen.
21 Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist.
22 Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab,
23 fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe.
24 Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.
25 Da sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.
26 Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen?
27 Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.
28 So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen,
29 aber sie drängten ihn und sagten: Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt! Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.
30 Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen.
31 Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken.
32 Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete?
33 Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren.
34 Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.
35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

Im Evangelium hören wir nun von dem Emmausereignis. Kleopas, von dem wir vorhin schon gehört haben, ist unterwegs mit einem weiteren Jünger. Sie sind unterwegs nach Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt liegt. Sie planen, über Nacht in einem Haus einzukehren.
Als sie unterwegs über die ganzen Ereignisse reden, stößt der auferstandene Christus zu ihnen. Sie erkennen ihn aber nicht. Das ist nicht ungewöhnlich. Auch Maria Magdalena hat ihn nicht erkannt und sogar gedacht, er sei der Gärtner (das bringt mich jedesmal zum Lachen…). Das liegt daran, dass Jesu Leib nach der Auferstehung ein anderer ist als vor seinem Tod. Sein Aussehen müssen wir uns so vorstellen, dass er wie das erste Menschenpaar vor dem Sündenfall ist – nicht ganz, da er noch nicht zum Vater heimgekehrt ist, wo er verherrlicht wird (also in ein so helles Lichtkleid gehüllt ist, wie er es bei der Verklärung auf dem Berg Tabor war).
Er fragt nun nach, worüber sie reden. Er weiß natürlich ganz genau, worum es geht, aber Jesus geht es immer darum, dass die Menschen von sich aus selbst Dinge aussprechen, mit eigenen Worten etwas bekennen (so auch beim Sakrament der Buße).
Die Jünger sind traurig. Das ist aber nicht die richtige Reaktion auf das Osterereignis. Jesus kritisiert ihre mangelnde Erkenntnis und erklärt ihnen ausgehend von den Propheten, von all den messianischen Verheißungen, dass sein Tod und seine Auferstehung notwendig waren, um die Welt von ihren Sünden zu erlösen.
Den Jüngern dämmert es und im Nachhinein werden sie auch sagen: „Brannte uns nicht das Herz, als der Herr unterwegs mit uns redete?“ Das Wort Gottes zu hören, es erklärt zu bekommen – all das entzündet in uns schon das Feuer seiner Liebe. Aber „erkennen“ können wir Christus erst so richtig, wenn er vor unseren Augen das Brot bricht, in der Eucharistie. Dann gehen auch uns die Augen auf und wir erkennen den Auferstandenen.
Doch zunächst noch einmal zurück zum Weg. Gott begleitet auch uns auf unserem Lebensweg, auch wenn wir ihn manchmal gar nicht erkennen. Er spricht durch die Heilige Schrift zu uns, auch gerade durch jene, die sie für uns auslegen. Gott schickt uns auf unserem Lebensweg Menschen, durch die er uns etwas sagen möchte – ob Kritik, Lob, Trost, Ermutigung oder Warnung.
Die Kirche ist ebenfalls unterwegs – zum himmlischen Emmaus am Ende der Zeiten. Sie ist das pilgernde Gottesvolk, das gegürtet und mit dem Stab in der Hand das Passahlamm isst – Jesus Christus, den eucharistischen Herrn. Und unterwegs zur Begegnung mit dem Leib Christi hört auch sie das Wort Gottes, dass auf Christus vorbereitet, den die Christen dann in der Kommunion in sich aufnehmen. Deshalb ist die Liturgie im Emmaus-Stil aufgebaut: Zuerst kommt der Wortgottesdienst, dann der Mahlgottesdienst.
Als sie in Emmaus ankommen, möchte Jesus weitergehen, doch die Jünger bitten ihn, mit ihm im Haus einzukehren. Was sie zu ihm sagen, hat in der Wirkungsgeschichte mehrfache Vertonungen erfahren: „Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt!“ Es ist eine Bitte, die wir auf mehrfache Weise verstehen können. Es ist ein Bittgebet der gesamten Kirche darum, dass Jesus seine Braut nie verlasse. Der Tag, der sich geneigt hat und der Abend, der gekommen ist, sind Bilder für die Endzeit, die mit Christus angebrochen ist. Wir gehen der Ewigkeit entgegen. Diese bricht mit dem neuen Tag an. Im Übergang vom alten Tag der alten Schöpfung zum neuen Tag der neuen Schöpfung möge Christus uns beistehen und bei uns sein. Und auch jeder einzelne Christ bei seinem Lebenswandel bittet den Herrn, bei ihm zu bleiben – Tag für Tag und deshalb ist dieses Schriftwort auch ein Abendgebet. Es bezieht sich aber auch auf das gesamte irdische Dasein und wird so zum Abschiedsgebet des Lebens, wenn der Lebensabend angebrochen ist und die Nacht des Todes unmittelbar bevorsteht.
Als sie dann bei Tisch sind, tut Jesus genau das, was er schon beim letzten Abendmahl getan hat – ein Beweis, dass seine Gesten damals wirklich die Begründung eines neuen Bundes mit festem Ritus darstellt.
Von dem eucharistischen Mahl her haben sie im Nachhinein die Auslegung der Schriften verstanden. Es ist analog zu Petrus zu betrachten, der im Nachhinein erkennt, was Jesus die ganze Zeit über gemeint hat, als er von Leiden, Tod und Auferstehung gesprochen hat. Das ist der wunderbare Verstehensprozess der Menschen, den Gott geduldig mit ihnen geht – er erklärt ihnen vieles und sensibilisiert sie für jeden heilsgeschichtlichen Schritt. Durch seinen Heiligen Geist erinnert er sie dann zu späteren Zeiten an das, was er ihnen zuvor erklärt hat. So realisiert der Mensch nach und nach immer mehr von der Offenbarung Gottes.
Die Jünger bleiben nicht in Emmaus, sondern machen sich sofort auf den Heimweg nach Jerusalem, um den Aposteln und den anderen Jüngern von ihrem Erlebnis zu erzählen. Dort erfahren sie zudem, dass Jesus auch ihnen erschienen ist.
Jesus ist nicht mehr so wie vor seinem Tod. Er kann an mehreren Orten gleichzeitig erscheinen und kann plötzlich verschwinden. Er kann durch geschlossene Türen hindurch in einem Raum erscheinen und ist doch kein Geist. Er kann nämlich essen und ist berührbar, wie wir bald in der Episode des Apostels Thomas explizit erfahren werden. Jesu Auferstehungsleib gibt uns Aufschluss darüber, wie der Mensch vor dem Sündenfall war.

Er erscheint Menschen, um ihnen die Osterbotschaft begreiflich zu machen. Wo, wann und wem er dabei erscheint, ist ganz im Willen des Vaters. Er lebt und deshalb haben wir allen Grund zu feiern!

Ihre Magstrauss