Freitag der Osteroktav

Apg 4,1-12; Ps 118,1 u. 4.22-23.24 u. 26-27a; Joh 21,1-14

Apg 4
1 Während sie zum Volk redeten, traten die Priester, der Tempelhauptmann und die Sadduzäer zu ihnen.

2 Sie waren aufgebracht, weil die Apostel das Volk lehrten und in Jesus die Auferstehung von den Toten verkündeten.
3 Und sie legten Hand an sie und hielten sie bis zum nächsten Morgen in Haft. Es war nämlich schon Abend.
4 Viele aber von denen, die das Wort gehört hatten, wurden gläubig; und die Zahl der Männer stieg auf etwa fünftausend.
5 Es geschah: Am anderen Morgen versammelten sich ihre Oberen sowie die Ältesten und die Schriftgelehrten in Jerusalem,
6 dazu Hannas, der Hohepriester, Kajaphas, Johannes, Alexander und alle, die aus dem Geschlecht der Hohepriester stammten.
7 Sie stellten die beiden in die Mitte und forschten sie aus: Mit welcher Kraft oder in wessen Namen habt ihr das getan?
8 Da sagte Petrus, erfüllt vom Heiligen Geist, zu ihnen: Ihr Führer des Volkes und ihr Ältesten!
9 Wenn wir heute wegen einer guten Tat an einem kranken Menschen darüber vernommen werden, durch wen er geheilt worden ist,
10 so sollt ihr alle und das ganze Volk Israel wissen: im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, den ihr gekreuzigt habt und den Gott von den Toten auferweckt hat. Durch ihn steht dieser Mann gesund vor euch.
11 Dieser Jesus ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist.
12 Und in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.

Heute hören wir die nachfolgenden Ereignisse, nachdem Petrus seine Bekenntnisrede in der Halle Salomos gehalten hat.
Die religiöse Elite bestehend aus dem Tempelhauptmann, den Sadduzäern und Hohepriestern tritt herzu und regt sich über die ganze Aktion auf.
Es passt ihnen überhaupt nicht, dass Petrus und Johannes die Auferstehung Jesu predigen, den sie nach umfassender Intrige endlich ans Kreuz bekommen haben.
So werden die beiden festgenommen und über Nacht gefangen gehalten. Das ist ihre erste Erfahrung mit Anfeindungen, weil sie im Namen Jesu gepredigt haben. Auch wenn sie festgehalten werden, kann die Tempellobby nichts dagegen tun, dass eine riesige Menge sich dem Glauben anschließt und die Zahl der Jerusalemer Urgemeinde auf 5000 ansteigt.
Am nächsten Tag werden die Apostel ähnlich wie Jesus damals verhört.
Es sind dieselben Hohepriester versammelt, die ähnliche Fragen stellen wie damals bei Jesus. Ihnen geht es um die Kraft, mit der die Apostel das Wunder vollbracht haben.
Auch jetzt ist Petrus nicht eingeschüchtert, sondern erfüllt vom Hl. Geist, der ihm den Mut verleiht, bekennt er Christus: In seinem Namen ist diese gute Tat an einem kranken Menschen vollzogen worden, den eben jene Hohepriester ans Kreuz gebracht haben, den der Tod aber nicht festhalten konnte. Jesus ist von den Toten auferstanden, so hat er den Tod und die Intrige der Hohepriester besiegt.
Genau diese Aussage untermauert Petrus mit dem sehr bekannten und viel verwendeten Zitat aus Ps 118: „Dieser Jesus ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist.“ Er zitiert die Hl. Schrift, weil er in der Sprache der Gelehrten sprechen möchte und die Erfüllung der Verheißungen unterstreichen möchte. Er versucht, ihnen den Wald begreiflich zu machen, von dem sie bisher nur die einzelnen Bäume betrachtet haben.
Petrus ist wie ausgewechselt. Er spricht freimütig, er zitiert dabei die Schrift und bezieht sie auf Christus. All dies verstand er zuvor nicht und er fürchtete sich davor, irgendeinen Nachteil zu erleiden dafür, dass er Jünger Jesu ist. Doch der Geist Gottes ist auf die Apostel hinabgestiegen und wirkt nun auch durch ihn. Er nimmt es sehr ernst, dass Christus ihn zum Felsen seiner Kirche gemacht hat. Wahrlich, er ist wirklich ein Fels in der Brandung, der die aufkommende Kirche mit allen Mitteln verteidigt! An ihm sehen wir, was möglich ist, wenn wir uns ganz und gar dem Wirken Gottes hingeben. Wenn wir uns ihm anbieten und ihm wirklich sagen: „Tue mit mir, was du willst! Nimm mein Leben hin!“, dann wird er aus uns glänzende Diamanten machen. Er wird uns schleifen, sodass wir unvorstellbar über uns selbst hinauswachsen. Wir werden selbst erstaunt sein, zu was Gott fähig ist mit uns!
Gott liebt auch die Hohepriester, die Sadduzäer, die Schriftgelehrten, alle, die ihn ablehnen. Er möchte, dass alle Menschen gerettet werden. Und so ist die ganze Situation für sie eine einzige Lektion. Sie sollen die Chance bekommen, die Ablehnung Jesu wieder gut zu machen. Stattdessen geht ihre Sturheit mit seinen Jüngern weiter.
So ist Gott. Er gibt uns immer wieder Chancen zur Umkehr. Er versucht einfach alles, um unsere Liebe zu erhalten. Er hat aus Liebe alle Menschen ins Dasein gerufen und möchte, dass jeder ihn zurückliebt. Deshalb wirbt er um jeden, deshalb versucht er, sich begreiflich zu machen. Bis zur letzten Sekunde unseres Lebens versucht er alles, damit wir nicht verloren gehen!

Ps 118
1 Dankt dem HERRN, denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig!
4 So sollen sagen, die den HERRN fürchten: Denn seine Huld währt ewig.
22 Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.

23 Vom HERRN her ist dies gewirkt, ein Wunder in unseren Augen.
24 Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat; wir wollen jubeln und uns über ihn freuen.
26 Gesegnet sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch vom Haus des HERRN her.

27 Gott ist der HERR. Er ließ Licht für uns leuchten.

Im Kontext der Osteroktav beten wir wiederholt Psalm 118. Er wird uns die nächsten Tage immer wieder begleiten – wir haben ihn schon in der Osternacht gebetet. Es gibt kaum einen Psalm, der besser in die Osterzeit passt.
Gottes große Heilstaten verdienen stets unser Lob und unseren Dank. Wir können gar nicht genug danken für alles, was Gott uns Gutes tut! Und im Anschluss an den Mut des Petrus, der zur Heilung des Gelähmten steht, der die Chance für eine Bekenntnisrede nutzt und weitere 2000 Männer zum Glauben an Christus führt, können wir wirklich nur in einen Lobpreis verfallen!
Ganz im Psalmenstil beginnt das Danklied mit einer Aufforderung zum Dank, denn Gottes „Huld währt ewig!“
Alle Gottesfürchtigen sollen dies gläubig bekennen. Heute sind ganze 2000 Männer hinzugekommen, die gottesfürchtig geworden sind – sie waren es schon vorher, nun aber sind sie zugleich christusfürchtig geworden!
Dann beten wir Vers 22, den Petrus vor der Tempelelite auf Christus bezieht, auf ihn, dessen Verwerfung und Hinrichtung am Kreuz die Erlösung aller Menschen gebracht hat!
Gott hat diese Erlösung erwirkt, indem er selbst am Kreuz gestorben und auferstanden ist. Kein anderer Gott hat auf diese Weise die Menschheit erlöst und so können wir nicht anders, als zu jubeln und uns über ihn zu freuen. Diese Freude ist mehr als nur eine situative Emotion. Es handelt sich um eine innere Gewissheit, dass am Ende der Zeiten das Heil Gottes steht. Diese Gewissheit trägt den österlichen Menschen durch alles Leid hindurch, sodass er nicht anders kann, als optimistisch zu sein. Das hat nichts mit billiger Jenseitsvertröstung zu tun, sondern ist vielmehr ein gewandeltes irdisches Dasein mit einem österlichen Blick.
„Gesegnet sei, der kommt im Namen des HERRN!“ Diesen Ausruf haben die Jünger Jesu bei seinem Einzug in Jerusalem gesungen, als er auf einer Eselin hineingeritten kam und so als Messias die Hl. Schrift erfüllt hat. Wir beten diesen Ausruf in der Messe im sogenannten Benedictus, das heutzutage mit dem Sanctus gekoppelt ist.
„Wir segnen euch vom Haus des HERRN her“ ist für die Juden die höchste Form von Segen. Im Haus des HERRN, das heißt im Jerusalemer Tempel, ist Gott gegenwärtig. Der Tempel existiert heute nicht mehr. Dieser Vers ist für uns Christen nun auf den eucharistischen Segen zu beziehen, der die höchste Form von Segen darstellt. Gott wohnt im Haus des HERRN, das heißt jetzt in jedem Tabernakel der Kirche. Von dort aus geht ein Segen aus, der gleichzusetzen ist mit dem Segen Christi, den er den Menschen durch seine Heilstaten erwiesen hat. Er ist genauso leibhaftig anwesend wie vor seinem Tod und seiner Auferstehung, als er in Menschengestalt auf Erde wandelte.
Gott ist der HERR und er hat uns Licht geleuchtet – Christus, das Licht der Welt. Er ist der Messias, der die Finsternis erleuchtet hat, wie Jesaja schon 700 Jahre vor Christi Geburt angekündigt hat und wie Christus selbst über sich gesagt hat.

Joh 21
1 Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.

2 Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.
3 Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
4 Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
5 Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
6 Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.
7 Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.
8 Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot – sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
9 Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot liegen.
10 Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt!
11 Da stieg Simon Petrus ans Ufer und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.
12 Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu befragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.
13 Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.
14 Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.

Im Evangelium hören wir nun von einer dritten Erscheinung Christi vor seinen Aposteln.
Die Apostel sind am See von Tiberias, womit der See Gennesaret gemeint ist. Bevor der Hl. Geist auf sie herabkommt, sind sie unschlüssig, wie sie ihr Leben fortsetzen sollen. Zwar hat Jesus ihnen gesagt: „Wie mich der Vater sendet, so sende ich euch!“ Doch sie verstehen das alles noch nicht. Deshalb tun sie das, was sie kennen und was sie vor ihrer Berufung als Jünger Jesu getan haben – fischen.
Petrus ist es ausgerechnet, der wieder als erstes das Wort ergreift und die anderen mitzieht. Er sagt kurzerhand „ich gehe fischen“. Die anderen anwesenden Apostel sagen daraufhin: „Wir kommen auch mit!“ Sie tun, worin sie am besten sind. In einer Situation der Ungewissheit bringt es einem Sicherheit, wenn man alte Gewohnheiten aufleben lässt.
Gott nutzt diese Situation, um ihnen wieder etwas Wichtiges beizubringen. Er lässt zu, dass sie in der gesamten Nacht nichts fangen.
Gegen Morgen erscheint ihnen Jesus am Ufer und fragt sie nach Fisch. Er weiß ganz genau, dass sie nichts gefangen haben, doch er möchte, dass sie dies von sich aus selbst sagen.
Währenddessen erkennen sie Jesus noch nicht. Man könnte annehmen, dass sie es langsam verstanden haben sollten, dass es der Auferstandene sein muss. Seine Wundmale an Händen und Füßen sind ja mehr als eindeutig. Man kann es vielleicht auf die Tageszeit beziehen. Die Sonne geht gerade erst auf und so ist es noch zu dunkel, Jesus zu erkennen. Wir können es auch auf das besorgte Kreisen der Apostel um sich selbst beziehen, die so von ihren Zukunftsängsten geplagt sind, dass sie gar nicht darauf achten, wer hier mit ihnen spricht.
Eines ist eindeutig: Es ist kein Zufall, dass Jesus ausgerechnet im Morgengrauen zu ihnen tritt. Für die Juden ist es verbreitet, den Messias vom Osten kommend zu erwarten. Im Osten geht die Sonne auf. Christus ist die Sonne der Gerechtigkeit. Er kommt im Morgengrauen. Dies haben wir auch schon beim Osterereignis selbst gemerkt! Er ist im Morgengrauen auferstanden und hat somit die Schrift erfüllt! Und nun kommt er wieder im Morgengrauen zu jenen, für die Nacht ist – die in ihrer Hoffnungslosigkeit und Orientierungslosigkeit dahinleben, die nicht wissen, wie es weitergeht. Er ist ihre Sonne, ihre Hoffnung, ihre Orientierung, ihr Segen. Und deshalb gibt er ihnen dann den Rat, nochmal die Netze auszuwerfen.
Er gibt ihnen Anweisungen, obwohl sie die Profis sind. Womöglich merken sie schon, dass hier etwas passiert, und werfen deshalb nochmal die Netze auf der rechten Seite des Bootes aus.
Als sie es wieder einholen wollen, ist es so brechend voll, dass die Netze zu reißen drohen!
So ist Gottes Gnade. Wenn er gibt, dann im Überfluss!
Wir können diese ganze Szene bis hierhin absolut auf unser eigenes Leben beziehen: Wenn Christus mit uns ist und wir alles tun, was er uns aufträgt, dann gelingt unser Leben. Wenn wir nach Gottes Willen leben und Hand in Hand mit ihm unser Leben leben, wird er uns überreich segnen. Dann werden wir große Zeichen in unserem Leben erkennen und die Größe Gottes mit eigenen Augen erfahren.
Johannes, der Jesu Herz am besten verstanden hat, der an diesem Herzen geruht hat im Abendmahlssaal und unter dem Kreuz bei der Durchbohrung, er ist der erste, der Jesus erkennt.
Als Petrus das erfährt, zieht er sich das Obergewand an, weil er nackt ist, und springt in den See. Was soll diese seltsame Reaktion? „Nackt sein“ bedeutet in diesem Fall nicht das Splitternacktsein, sondern die fehlende Oberbekleidung. Petrus fühlt sich bloßgestellt. Die eigentliche Nacktheit, die er verspürt, ist das Offenliegen seiner Ohnmacht vor dem Herrn. Er vermag nichts ohne ihn. Die ganze Nacht hat er versucht, das zu tun, was er am besten kann. Und selbst das hat nicht funktioniert. Seine ganze Armut liegt hier vor dem Auferstandenen bloß. Er springt in den See vor lauter Beschämung. Was ist denn daran so schlimm, sich vor Gott so hilflos zu fühlen, wenn dieser einem alles schenken kann? Für Petrus ist das ein Prozess der Demütigung. Er hat noch vor dem Leiden, dem Tod und der Auferstehung Jesu große Töne gespuckt. Er hat sich ganz weit aus dem Fenster gelehnt und sich grenzenlos überschätzt, als er zu Jesus sagte: „Mein Leben will ich für dich geben!“ DAS hier ist nun der echte Petrus. Ein einfacher Fischer, der selbst bei seinem Beruf nicht große Töne spucken kann. Der Mensch ist selbst bei den kleinsten Dingen auf Gott angewiesen. Petrus lernt endlich seine eigene Armut und Erlösungsbedürftigkeit kennen. Er lernt, endlich echt zu werden, authentisch. So lässt Gott auch in unserem Leben zu, dass wir lernen, uns im Angesicht Gottes so zu sehen, wie wir wirklich sind – mit allen Ecken und Kanten, mit allen Begrenzungen, mit Stärken und Schwächen. Erst wenn wir uns richtig erkannt haben, was Demut heißt, können wir Arbeiter in seinem Weinberg sein oder mit dem Bild dieses Evangeliums – Menschenfischer sein.
Petrus schämt sich vor Jesus, weil er ihn dreimal verleugnet hat. Im weiteren Verlauf, den wir heute nicht mehr hören, wird Christus ihn dreimal fragen, ob er ihn liebt. Er wird ihn konfrontieren und eine tiefe Versöhnung herbeibringen.
Es hat übrigens eine tiefe Bedeutung, dass sie am Ende die Fische zählen und es sich um 153 Exemplare handelt. So viele Länder sind zu jenem Zeitpunkt bekannt. Es zählt die Weltkarte, was für die Jünger ein Hinweis darauf sein soll, dass sie bald zu Menschenfischern in der ganzen Welt werden!
Jesus nimmt von den Fischen und bereiten den Jüngern ein Mahl. Ja, Jesus ist der Gastgeber auch der Eucharistie, zu der er uns immer wieder einlädt. Er ist es, der die Gaben wandelt und sich darin selbst opfert. Er ist es, der uns in unserem Leben nährt und Kraft schenkt. Er wird uns am Ende der Zeiten alle der Reihe nach bedienen bei der Hochzeit des Lammes. Es wird ein einziges Festmahl sein!
Das ist also die dritte Erscheinung des Auferstandenen. Petrus wird all dies in sich aufgenommen und nach der Spendung des Hl. Geistes begriffen haben. Von seiner Beschämung, von seinem gekränkten Ego, von seiner Furcht wird nichts mehr bleiben. Er wird voll von Erkenntnis und Weisheit freimütig für Christus einstehen und wahrlich ein vorbildlicher Menschenfischer werden. Wir sehen, dass dieser Petrus und der spätere Petrus das großartige Werk Gottes ist. So kann es auch mit uns gehen. Der Hl. Ignatius von Loyola hat es ganz trefflich ausgedrückt, als er sagte: „Die meisten Menschen ahnen nicht, was Gott aus ihnen machen könnte, wenn sie sich ihm nur zur Verfügung stellen würden.“ Genau so ist es. Petrus hat es gewagt und Gott sein Ja gegeben. So hat er eine unglaubliche Entwicklung durchlaufen mithilfe der Gnade Gottes. Und so können auch wir zu ganz neuen Menschen werden, die Tag für Tag über sich hinauswachsen, wenn wir ihm nur täglich unser Ja geben.

Das ist eine österliche Freudenbotschaft für alle Getauften und die, die es werden wollen! Es ist nicht zu spät, selbst wenn wir sehr große Sünder sind. Wenn wir den Mut aufbringen, umzukehren und auch den Demütigungsprozess zu durchlaufen, dann kann Gott auch uns ein neues Leben schenken.

Ihre Magstrauss

Ostermontag

Apg 2,14.22-33; Ps 89,2-3.4-5; 1 Kor 15,1-8.11; Lk 24,13-35

Apg 2
14 Da trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden: Ihr Juden und alle Bewohner von Jerusalem! Dies sollt ihr wissen, achtet auf meine Worte!
22 Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, einen Mann, den Gott vor euch beglaubigt hat durch Machttaten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst –
23 ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht.
24 Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt; denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde.
25 David nämlich sagt über ihn: Ich hatte den Herrn beständig vor Augen. Denn er steht mir zur Rechten, dass ich nicht wanke.
26 Darum freute sich mein Herz und frohlockte meine Zunge und auch mein Leib wird in Hoffnung wohnen;
27 denn du gibst meine Seele nicht der Unterwelt preis, noch lässt du deinen Frommen die Verwesung schauen.
28 Du hast mir die Wege zum Leben gezeigt, du wirst mich erfüllen mit Freude vor deinem Angesicht.
29 Brüder, ich darf freimütig zu euch über den Patriarchen David reden: Er starb und wurde begraben und sein Grabmal ist bei uns erhalten bis auf den heutigen Tag.
30 Da er ein Prophet war und wusste, dass Gott ihm einen Eid geschworen hatte, einer von seinen Nachkommen werde auf seinem Thron sitzen,
31 sagte er vorausschauend über die Auferstehung des Christus: Er gab ihn nicht der Unterwelt preis und sein Leib schaute die Verwesung nicht.
32 Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen.
33 Zur Rechten Gottes erhöht, hat er vom Vater den verheißenen Heiligen Geist empfangen und ihn ausgegossen, wie ihr seht und hört.

Heute geht die Osterfreude weiter. In der ersten Lesung hören wir einen Ausschnitt aus Petrus‘ Ansprache am Pfingsttag. Erfüllt vom Hl. Geist geht ihm auf, dass die Ankündigungen der Hl. Schriften (zu seiner Zeit meint dies das Alte Testament) sich wirklich mit Jesus erfüllt haben. Er erkennt nun die Verbindungslinien, weil es ihm wie Schuppen von den Augen fällt. Zuvor hat er vieles noch gar nicht verstanden. Der Geist Gottes führt die Apostel aber nun in die Wahrheit, wie Jesus bereits angekündigt hat.
Nun hält Petrus also eine Ansprache und diese ist im Grunde eine Taufkatechese. Im Anschluss an diese kraftvolle Predigt lassen sich nämlich sehr viele Menschen taufen.
Er erinnert die Israeliten an die Heilstaten Jesu Christi, die Gott vor ihren eigenen Augen beglaubigt hat. Jesus hat nie okkult (verborgen, im Geheimen) gehandelt, sondern immer in der Öffentlichkeit gesprochen und gewirkt. Es gab immer sehr viele Zeugen für seine Zeichen.
Nun ist die Zeit gekommen, all die Zeichen im Lichte der Heilsgeschichte als messianisch zu erkennen. Die Menschen sollen vor allem den Tod und die Auferstehung Jesu Christi als Erfüllung der Verheißungen begreifen („der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde“).
Petrus ist klar, dass die Zuhörer seiner Predigt selbst Jesus nicht umgebracht haben, sondern dass dies auf die religiöse Elite Jerusalems zurückzuführen ist. Wenn er in seiner Pfingstrede also nun sagt: „Habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht“, dann möchte er verdeutlichen, dass jeder, der „Kreuzige ihn!“ geschrien hat, mitverantwortlich ist. Wenn er das sagt, dann schließt er sich selbst mit ein. Schließlich hat er in der für ihn nachteiligen Situation Jesus verleugnet und behauptet, ihn nicht zu kennen.
Petrus meint mit „Gesetzlosen“ die Römer, die nicht beschnitten sind und die Torah nicht halten. Diese ist aber mit „Gesetz“ gemeint.
„Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt.“ Durch den Hl. Geist, dem Geist des Lebens, ist die Auferstehung Jesu Christi erwirkt worden. Er konnte nicht ewig im Grab bleiben, denn er ist Gott und dieser ist ein Gott des Lebens. Der Tod hat keine Macht über ihn. Dass er leben werde, sagt schon König David vorher, als er unter dem Einfluss des Hl. Geistes die Worte des Psalm 16 gedichtet hat: „Ich hatte den Herrn beständig vor Augen. Denn er steht mir zur Rechten, dass ich nicht wanke. Darum freute sich mein Herz und frohlockte meine Zunge und auch mein Leib wird in Hoffnung wohnen; denn du gibst meine Seele nicht der Unterwelt preis, noch lässt du deinen Frommen die Verwesung schauen. Du hast mir die Wege zum Leben gezeigt, du wirst mich erfüllen mit Freude vor deinem Angesicht.“ Gott gab seinen Sohn der Unterwelt wirklich nicht preis, obwohl dieser dort hinabgestiegen ist. Er ging zu den Gerechten, die sehnlichst auf ihn warteten, um endlich die Herrlichkeit Gottes schauen zu dürfen. Er führte sie aus dem Exil in die himmlische Heimat. Und er erstand von den Toten, noch bevor die Verwesung einsetzen konnte. Er schaute die Verwesung wirklich nicht, er, der frommste der Frommen.
Und so wie er Jesus die Wege zum Leben gezeigt und mit Freude erfüllt hat (die Freude des Himmels), so wird er es auch mit jenen tun, die ihm nachfolgen – mit uns, die wir auf seinen Tod und seine Auferstehung getauft worden sind.
Petrus erklärt nach der ausführlichen Zitation des Psalms, dass es sich nicht auf David selbst beziehe, der ja gestorben ist. Vielmehr hat David selbst schon auf seinen Nachkommen verwiesen, der Jesus Christus ist. Er ist Sohn Davids.
Petrus selbst und die anderen Apostel haben den Auferstandenen mit eigenen Augen gesehen. Sie sind Zeugen dafür, dass Jesus lebt. Diesen glauben sie nun an der Rechten des Vaters, was wir bis heute im Glaubensbekenntnis beten. Von ihm, dem erhöhten Christus, ging der Heilige Geist aus, den die Apostel am Pfingsttag in umfassendem Maße empfangen haben.
„Wie ihr seht und hört“ bezieht sich auf die Manifestationen des Heiligen Geistes, die die Jerusalempilger an jenem Tag gesehen und gehört haben – das Brausen, die Sprachen etc.
Bis zu jenem Ereignis versteckten die Apostel sich im Obergemach eines Hauses, ohne in die Öffentlichkeit zu treten. Doch der Geist Gottes verlieh ihnen die Früchte (z.B. Mut), Gaben (z.B. Einsicht) und Charismen (z.B. Sprachengebet), sodass sie von da an zu den Menschen gehen und freimütig das Evangelium verkünden können. Er hat ihnen ein neues Leben geschenkt, denn die Gemeinschaft der Gläubigen als Leib Christi, die Kirche, ist an jenem Tag zum Leben erweckt worden! Wir feiern an Pfingsten ihren Geburtstag. Der Geist Gottes ist ein Lebensspender. Dies gilt nicht nur für den auferstandenen Christus, das gilt auch für die ersten Christen damals und für uns Christen heute!

Ps 89
2 Von der Huld des HERRN will ich ewig singen, von Geschlecht zu Geschlecht mit meinem Mund deine Treue verkünden.
3 Denn ich bekenne: Auf ewig ist Huld gegründet, im Himmel deine Treue gefestigt.
4 Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten und David, meinem Knecht, geschworen:
5 Auf ewig gebe ich deinem Haus festen Bestand und von Geschlecht zu Geschlecht gründe ich deinen Thron.

Nun beten wir im Anschluss an die Pfingstrede des Petrus einen Dankespsalm.
„Von der Huld des HERRN will ich ewig singen“ ist ein typischer Psalmenanfang – die Selbstaufforderung zum Lobpreis. Die Huld des HERRN ist so großartig, dass sie zu allen Zeiten besungen werden muss. Wir können gar nicht anders, es ist die einzig angemessene Reaktion von uns Menschen, auf Gottes große Gnade dankend zu antworten. Und so sind die Worte König Davids bis heute absolut aktuell. „Von Geschlecht zu Geschlecht mit meinem Mund deine Treue verkünden“ – dies tun wir in jeder Hl. Messe auf dichteste Art und Weise. Eucharistie heißt „Danksagung“. Wir danken Gott für diese alles entscheidende Heilstat Christi, der durch seinen Tod und seine Auferstehung die Welt mit Gott versöhnt hat.
„Denn ich bekenne: Auf ewig ist Huld gegründet, im Himmel deine Treue gefestigt.“ Die Treue Gottes hat sich am dichtesten erwiesen am Ostertag. Sie ist am intensivsten spürbar geworden am leeren Grab. Gott hat den Menschen gezeigt, dass er seinen einzigen Sohn nicht im Stich lässt, sondern wie versprochen das Leben schenkt. Wir dürfen glauben, dass er auch uns nicht im Stich lassen wird, wenn wir sterben und vor ihn treten, wenn wir ihm zeitlebens unsere Treue gehalten haben.
Ja, auf ewig gibt Gott dem Haus festen Bestand. Damit ist das Haus Davids gemeint. Jesus der Sohn Davids wird auf ewig leben und nicht nur das. Er erhält den Thron, denn er ist König im Reiche Gottes. Wir beten deshalb im Glaubensbekenntnis, dass er zur Rechten Gottes thront.
Mit dem Haus, das heißt dem Geschlecht Davids, ist nun die Kirche gemeint, die die Familie Gottes ist. Sie wird ewig Bestand haben, denn Gott selbst hat sie zum Leben erweckt. Was Gott aber geschaffen hat, wird ewig leben. Das ist die Botschaft von Ostern. Halleluja!

1 Kor 15
1 Ich erinnere euch, Brüder und Schwestern, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht.
2 Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet werden, wenn ihr festhaltet an dem Wort, das ich euch verkündet habe, es sei denn, ihr hättet den Glauben unüberlegt angenommen.
3 Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift,
4 und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift,
5 und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.
6 Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen.
7 Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln.
8 Zuletzt erschien er auch mir, gleichsam der Missgeburt.
11 Ob nun ich verkünde oder die anderen: Das ist unsere Botschaft und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt.

In der zweiten Lesung hören wir aus einem wichtigen Kapitel des ersten Korintherbriefes. Dort erklärt Paulus viele Aspekte zum Thema Auferstehung.
Dabei betont er am Anfang, dass das Fundament des Glaubens, den auch die Korinther angenommen haben, die Osterbotschaft ist. Sie nämlich ist der Kern des gesamten Evangeliums.
Wer an diesem Evangelium festhält, wird gerettet werden. Die Bejahung des Evangeliums wiederum geschieht durch die Taufe als äußeres Zeichen des inneren Glaubens. Und deshalb wiederholt er es noch einmal, falls der ein oder andere diese Botschaft unüberlegt angenommen hat.
Dann hören wir aus der ältesten Osterüberlieferung, die das Neue Testament tradiert. Paulus selbst hat sie schon von woanders empfangen, also ist sie sehr alt, das heißt sehr nah an dem Osterereignis selbst dran.
„Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift“ – ja, das ist der Grund – entgegen aller theologischen Bemühungen heutzutage, den Sühnetod wegzuargumentieren. Jesus ist für unsere Sünden gestorben, für jeden einzelnen Menschen!
Die Wendung „gemäß der Schrift“ verdeutlicht uns, dass es schon das Alte Testament angekündigt hat. Das ist wichtig, weil es den frommen Juden zeigt, dass Jesu Tod und Auferstehung heilsgeschichtlich entscheidend ist und sogar den Höhepunkt der Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen darstellt.
„Jesus ist begraben worden.“ Das heißt, er war wirklich komplett tot, nicht scheintot, nicht ohnmächtig oder gar nicht erst gestorben. Er ist wirklich gestorben, was für unsere Erlösung absolut notwendig war. Er konnte nicht erlösen, was er nicht selbst durchgemacht hat. Deshalb musste er ganz sterben.
Er ist dann aber am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift.“ Petrus hat diese Schriftstellen teilweise zitiert, als er am Pfingsttag vor die Menschen getreten ist. Jesus selbst hat dies angekündigt, indem er immer wieder Leidensankündigungen vorgenommen hat. Die Apostel haben es damals nicht verstanden, doch nun ist ihnen alles klar.
Er erscheint dem Kephas (also Petrus), dann den Zwölf, sogar 500 Brüdern gleichzeitig. Das kann also keine Einbildung sein, keine Fata Morgana oder Halluzination. Viele der Augenzeugen leben noch zur Zeit des Paulus.
Mit Jakobus ist der „Herrenbruder“ Jakobus gemeint, der die Jerusalemer Gemeinde nach der Abreise des Petrus geleitet hat. Er ist Verwandter Jesu, deshalb heißt er auch „Herrenbruder“. Wir wissen von dem biblischen Zeugnis, dass es sich dabei um den Sohn einer anderen Maria und des Kleopas handelt, der übrigens einer der Emmausjünger ist. Diese andere Maria kann kaum die Schwester der Mutter Jesu sein (diese war laut Protevangelium des Jakobus ohnehin Einzelkind). Es wird sich vielleicht um die Cousine der Mutter Jesu gehandelt haben, also ist Jakobus Jesu Cousin zweiten Grades. Und doch ist es im orientalischen Kontext normal, Bruder zu sagen (Es gibt damals auch nur ein Wort für Bruder, Cousin etc.). Mit „Familie“ ist mehr gemeint als die gerade Linie, wie wir es aus unserem Kontext kennen. Damit ist vielmehr die Großfamilie gemeint.
„Zuletzt erschien er auch mir, gleichsam der Missgeburt.“ Das bezieht sich auf Pauli Begegnung mit Christus vor den Toren von Damaskus. Paulus nennt sich einerseits Missgeburt, weil er sich selbst als den geringsten Apostel erachtet. Er hat schließlich die Christen zunächst verfolgt und somit Christus selbst verfolgt. Er nennt sich andererseits so, weil das griechische Wort ἔκτρωμα ektroma „unzeitige Geburt“ heißt. Es bezieht sich aber in seinem Fall nicht auf die biologische Geburt, sondern auf die Wiedergeburt im Hl. Geist. Seine Bekehrung kommt spät, ist also unzeitig im Gegensatz zu den anderen Aposteln.
Zum Schluss sagt Paulus noch ein wichtiges Wort: Es spielt keine Rolle, ob er selbst diese Botschaft verkündet oder ein anderer. Es ist und bleibt dieselbe Botschaft vom Sieg des Lebens über den Tod. Diese Wendung formuliert er deshalb, weil es in Korinth ja die Rivalitäten und Parteien gibt (die einen halten zu Paulus, die anderen zu Apollos, die anderen zu Kephas…).
Dank Paulus haben wir diese uralte Überlieferung erhalten. Sie bestätigt, was wir glauben – dass Jesu Auferstehung eine historische Tatsache ist, die nachträglich nicht symbolisiert werden kann. Jesus ist leibhaftig auferstanden und so werden auch wir es!

Lk 24
13 Und siehe, am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.
14 Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.
15 Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen.
16 Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.
17 Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen
18 und der eine von ihnen – er hieß Kleopas – antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?
19 Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk.
20 Doch unsere Hohepriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen.
21 Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist.
22 Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab,
23 fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe.
24 Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.
25 Da sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.
26 Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen?
27 Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.
28 So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen,
29 aber sie drängten ihn und sagten: Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt! Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.
30 Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen.
31 Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken.
32 Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete?
33 Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren.
34 Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.
35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

Im Evangelium hören wir nun von dem Emmausereignis. Kleopas, von dem wir vorhin schon gehört haben, ist unterwegs mit einem weiteren Jünger. Sie sind unterwegs nach Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt liegt. Sie planen, über Nacht in einem Haus einzukehren.
Als sie unterwegs über die ganzen Ereignisse reden, stößt der auferstandene Christus zu ihnen. Sie erkennen ihn aber nicht. Das ist nicht ungewöhnlich. Auch Maria Magdalena hat ihn nicht erkannt und sogar gedacht, er sei der Gärtner (das bringt mich jedesmal zum Lachen…). Das liegt daran, dass Jesu Leib nach der Auferstehung ein anderer ist als vor seinem Tod. Sein Aussehen müssen wir uns so vorstellen, dass er wie das erste Menschenpaar vor dem Sündenfall ist – nicht ganz, da er noch nicht zum Vater heimgekehrt ist, wo er verherrlicht wird (also in ein so helles Lichtkleid gehüllt ist, wie er es bei der Verklärung auf dem Berg Tabor war).
Er fragt nun nach, worüber sie reden. Er weiß natürlich ganz genau, worum es geht, aber Jesus geht es immer darum, dass die Menschen von sich aus selbst Dinge aussprechen, mit eigenen Worten etwas bekennen (so auch beim Sakrament der Buße).
Die Jünger sind traurig. Das ist aber nicht die richtige Reaktion auf das Osterereignis. Jesus kritisiert ihre mangelnde Erkenntnis und erklärt ihnen ausgehend von den Propheten, von all den messianischen Verheißungen, dass sein Tod und seine Auferstehung notwendig waren, um die Welt von ihren Sünden zu erlösen.
Den Jüngern dämmert es und im Nachhinein werden sie auch sagen: „Brannte uns nicht das Herz, als der Herr unterwegs mit uns redete?“ Das Wort Gottes zu hören, es erklärt zu bekommen – all das entzündet in uns schon das Feuer seiner Liebe. Aber „erkennen“ können wir Christus erst so richtig, wenn er vor unseren Augen das Brot bricht, in der Eucharistie. Dann gehen auch uns die Augen auf und wir erkennen den Auferstandenen.
Doch zunächst noch einmal zurück zum Weg. Gott begleitet auch uns auf unserem Lebensweg, auch wenn wir ihn manchmal gar nicht erkennen. Er spricht durch die Heilige Schrift zu uns, auch gerade durch jene, die sie für uns auslegen. Gott schickt uns auf unserem Lebensweg Menschen, durch die er uns etwas sagen möchte – ob Kritik, Lob, Trost, Ermutigung oder Warnung.
Die Kirche ist ebenfalls unterwegs – zum himmlischen Emmaus am Ende der Zeiten. Sie ist das pilgernde Gottesvolk, das gegürtet und mit dem Stab in der Hand das Passahlamm isst – Jesus Christus, den eucharistischen Herrn. Und unterwegs zur Begegnung mit dem Leib Christi hört auch sie das Wort Gottes, dass auf Christus vorbereitet, den die Christen dann in der Kommunion in sich aufnehmen. Deshalb ist die Liturgie im Emmaus-Stil aufgebaut: Zuerst kommt der Wortgottesdienst, dann der Mahlgottesdienst.
Als sie in Emmaus ankommen, möchte Jesus weitergehen, doch die Jünger bitten ihn, mit ihm im Haus einzukehren. Was sie zu ihm sagen, hat in der Wirkungsgeschichte mehrfache Vertonungen erfahren: „Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt!“ Es ist eine Bitte, die wir auf mehrfache Weise verstehen können. Es ist ein Bittgebet der gesamten Kirche darum, dass Jesus seine Braut nie verlasse. Der Tag, der sich geneigt hat und der Abend, der gekommen ist, sind Bilder für die Endzeit, die mit Christus angebrochen ist. Wir gehen der Ewigkeit entgegen. Diese bricht mit dem neuen Tag an. Im Übergang vom alten Tag der alten Schöpfung zum neuen Tag der neuen Schöpfung möge Christus uns beistehen und bei uns sein. Und auch jeder einzelne Christ bei seinem Lebenswandel bittet den Herrn, bei ihm zu bleiben – Tag für Tag und deshalb ist dieses Schriftwort auch ein Abendgebet. Es bezieht sich aber auch auf das gesamte irdische Dasein und wird so zum Abschiedsgebet des Lebens, wenn der Lebensabend angebrochen ist und die Nacht des Todes unmittelbar bevorsteht.
Als sie dann bei Tisch sind, tut Jesus genau das, was er schon beim letzten Abendmahl getan hat – ein Beweis, dass seine Gesten damals wirklich die Begründung eines neuen Bundes mit festem Ritus darstellt.
Von dem eucharistischen Mahl her haben sie im Nachhinein die Auslegung der Schriften verstanden. Es ist analog zu Petrus zu betrachten, der im Nachhinein erkennt, was Jesus die ganze Zeit über gemeint hat, als er von Leiden, Tod und Auferstehung gesprochen hat. Das ist der wunderbare Verstehensprozess der Menschen, den Gott geduldig mit ihnen geht – er erklärt ihnen vieles und sensibilisiert sie für jeden heilsgeschichtlichen Schritt. Durch seinen Heiligen Geist erinnert er sie dann zu späteren Zeiten an das, was er ihnen zuvor erklärt hat. So realisiert der Mensch nach und nach immer mehr von der Offenbarung Gottes.
Die Jünger bleiben nicht in Emmaus, sondern machen sich sofort auf den Heimweg nach Jerusalem, um den Aposteln und den anderen Jüngern von ihrem Erlebnis zu erzählen. Dort erfahren sie zudem, dass Jesus auch ihnen erschienen ist.
Jesus ist nicht mehr so wie vor seinem Tod. Er kann an mehreren Orten gleichzeitig erscheinen und kann plötzlich verschwinden. Er kann durch geschlossene Türen hindurch in einem Raum erscheinen und ist doch kein Geist. Er kann nämlich essen und ist berührbar, wie wir bald in der Episode des Apostels Thomas explizit erfahren werden. Jesu Auferstehungsleib gibt uns Aufschluss darüber, wie der Mensch vor dem Sündenfall war.

Er erscheint Menschen, um ihnen die Osterbotschaft begreiflich zu machen. Wo, wann und wem er dabei erscheint, ist ganz im Willen des Vaters. Er lebt und deshalb haben wir allen Grund zu feiern!

Ihre Magstrauss

Erscheinung des Herrn (Epiphanie)

Jes 60,1-6; Ps 72,1-2.7-8.10-13; Eph 3,2-3a.5-6; Mt 2,1-12

Jes 60
1 Steh auf, werde licht, denn es kommt dein Licht und die Herrlichkeit des HERRN geht strahlend auf über dir. 
2 Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, doch über dir geht strahlend der HERR auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir. 
3 Nationen wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Glanz. 
4 Erhebe deine Augen ringsum und sieh: Sie alle versammeln sich, kommen zu dir. Deine Söhne kommen von fern, deine Töchter werden auf der Hüfte sicher getragen. 
5 Da wirst du schauen und strahlen, dein Herz wird erbeben und sich weiten. Denn die Fülle des Meeres wendet sich dir zu, der Reichtum der Nationen kommt zu dir. 
6 Eine Menge von Kamelen bedeckt dich, Hengste aus Midian und Efa. Aus Saba kommen sie alle, Gold und Weihrauch bringen sie und verkünden die Ruhmestaten des HERRN.

Wir lesen in der heutigen Lesung aus dem Alten Testament einen Ausschnitt aus Jesaja, der an Zion gerichtet ist. Der historische Kontext dieser Worte ist zunächst die Ankündigung der Sammlung der Kinder Israels aus der Zerstreuung, d.h. die Rückkehr der Israeliten aus dem Exil. Die Nichtjuden werden diese Rettungsaktion Gottes anerkennen, was schon beim Auszug aus Ägypten vorgekommen ist. Insbesondere Juda, der Stamm der Herrschaft, wird zu seiner alten Größe zurückkehren, was die Andeutung von Personen aus Saba ausdrückt. Unter König Salomo kam nämlich die Königin von Saba und besah sich dessen Reichtum und Weisheit. Sie verlieh ihm für all das Anerkennung und lobte seine Herrschaft.
Jesaja ist eine Prophetie und kein Geschichtsbuch. Deshalb hat dieser Ausschnitt nicht einfach nur rein historische Bedeutung, sondern ist überzeitlich zu sehen. Was wir hier lesen, ist eine Prophezeiung auch für die weitere Zukunft: Juda soll licht werden, da sein Licht kommt. Dieses Licht, so haben wir gestern erst gehört, ist Jesus, das Wort Gottes. Mit diesem Licht, wohnt Gottes Herrlichkeit wieder in Juda und das meint nicht nur den Tempel, in dem Gottes Herrlichkeit wohnte. Gottes Gegenwart kommt mit Jesu Geburt in Juda hinein! Gottes Herrlichkeit erscheint wahrhaft. Das führt uns näher zum heutigen Fest „Erscheinung des Herrn“.
„Finsternis bedeckt die Erde“, weil die Zeit, in der Gott sich ausgesucht hat, unter den Menschen zu wohnen, besonders sündhaft und kriegerisch ist. Das ist eine moralische Leserichtung Während die Völker um Israel herum aber keine Hoffnungsperspektive haben, geht das Licht in Juda auf, der Hoffnungsfunke. Wir lesen dies auch heilsgeschichtlich-eschatologisch: Während die Aussicht auf das Paradies durch den Sündenfall des ersten Menschenpaares und von da an für alle nachkommenden Menschen verloren worden ist, erscheint hier die Hoffnung, endlich wieder ins Paradies eingehen zu können!
Besonders deutlich messianisch-christologisch erfüllt sich die Aussage in Vers 3: Nationen wandern zum Licht. Das Wort für Nationen ist גֹויִ֖ם  gojim, das immer die heidnischen Völker meint. Nichtjuden werden zum Licht kommen. Es ist bemerkenswert, wie die Lichtmetapher sich zur Zeit der Geburt Jesu in einem aufgehenden Stern erfüllen wird. Jesus selbst ist nicht dieser aufgehende Stern oder nur im übertragenen Sinne, denn der Stern deutet auf ihn hin. Es ist, als wollte Gott mit dem Stern eine weitere Lektion seiner überragenden Pädagogik erteilen: Durch den Stern haben nicht nur die Weisen aus dem Morgenland, sondern vor allem zuerst die Eltern Jesu verstanden, dass Jesus das Licht ist, das die Menschen führt, ihnen Orientierung gibt und vor allem Hoffnung gibt. Und zu dieser Hoffnung sind wir berufen durch die Taufe, so lasen wir gestern im Epheserbrief! Maria bewahrt alles in ihrem Herzen auf, was passiert. Sie wird all diese Lektionen Gottes wie eine Musterschülerin in sich aufgesogen haben wie ein Schwamm, begierig, Gottes Vorsehung immer mehr zu verstehen.
In der Verheißung hier in Jesaja ist die Rede von Königen, die kommen. Dies wird in die Tradition hineingespielt haben, dass die Magoi, wie die Sterndeuter dann in Mt 2 bezeichnet werden, als Könige verstanden worden sind. Dies hat sich vor allem dadurch entwickelt, dass man die Psalmworte und weiteren alttestamentlichen Andeutungen auf diese Magoi bezogen hat, die von Königen sprechen (z.B. Ps 72 „die Könige von Tarschisch und von den Inseln bringen Geschenke…“). Tertullian hat dies dann so erklärt, dass die persischen Sterndeuter wie Könige aufgetreten seien. Magoi waren zoroastrische Priester, die sich mit Astrologie und Philosophie beschäftigt haben. Vielleicht sind sie sogar in königlichem Auftrag gekommen. Es ist bekannt, dass Magoi auch am königlichen Hof gedient haben.
„Sie alle versammeln sich“ und „deine Söhne/deine Töchter“ erinnert zunächst an die eigenen israelitischen „Kinder“, die sich wieder sammeln. Doch in diesem Kontext ist auch die Interpretation möglich, die sich dann in Offb 15 erfüllen wird – die Völkerwallfahrt zum Zion gerade durch die Heiden! Der Zion wird eine zentrale Rolle in der Heilsgeschichte spielen. Das ist auf vielerlei Weise zu verstehen: Einerseits wird sich das erfüllen, wenn die Magoi aus dem Osten zum Kind in die Grotte von Bethlehem kommen, um es anzubeten. Hier ist es dann zwar das Bergland von Judäa, aber eben nicht der Zion. Andererseits wird es die vielen Nationen meinen, die zum Zion pilgern, nämlich nach Jerusalem zum Passahfest, während Jesus gekreuzigt wird. Es wird auch die Pilgerströme meinen, die zum Pfingsttag in Jerusalem anwesend sein werden! Damit haben wir einen Übergang zum Zion als Kirche! Alle Völker werden kommen und Jesus annehmen, indem sie sich in Massen taufen lassen! Gott hat sich bei all den Ereignissen immer den ganz besonderen Zeitpunkt erwählt. Er hat immer dafür gesorgt, dass gerade viele verschiedene Nationen in die Hl. Stadt kommen, wenn heilsgeschichtliche Knotenpunkte gesetzt werden. Und eines Tages, am Ende der Zeiten, werden all die Menschen, die ihn angenommen haben, zum himmlischen Jerusalem pilgern, aus allen Himmelsrichtungen. Sie werden kommen, um Gott nicht mehr im Tempel, nicht mehr in der Eucharistie, sondern Gott ganz unverhüllt zu schauen, wie er ist.
Zum Schluss der Lesung lesen wir mehrere Indizien, die uns zurück zum heutigen Festtag führen, zu den Sterndeutern aus dem Osten: Kamele und Hengste lassen auf die Karawane schließen, die die Sterndeuter mit ihrem Gefolge gebildet haben. Selbst die Geschenke werden hier genannt, wenn auch die Myrrhe an dieser Stelle fehlt: Gold und Weihrauch.

Ps 72
1 Für Salomo. Verleih dein Richteramt, o Gott, dem König, dem Königssohn gib dein gerechtes Walten. 
2 Er regiere dein Volk in Gerechtigkeit und deine Elenden durch rechtes Urteil. 
7 In seinen Tagen sprosse der Gerechte und Fülle des Friedens, bis der Mond nicht mehr da ist. 
8 Er herrsche von Meer zu Meer, vom Strom bis an die Enden der Erde.
10 Die Könige von Tarschisch und von den Inseln bringen Gaben, mit Tribut nahen die Könige von Scheba und Saba. 
11 Alle Könige werfen sich vor ihm nieder, es dienen ihm alle Völker. 
12 Ja, er befreie den Armen, der um Hilfe schreit, den Elenden und den, der keinen Helfer hat. 
13 Er habe Mitleid mit dem Geringen und Armen, er rette das Leben der Armen
.

Dieser Psalm ist uns schon im Advent begegnet. Er ist ein Bittpsalm Davids für seinen Königssohn Salomo. Gott wird um die Gabe gerechten Richtens gebeten (Vers 1). David bittet auch um die Gabe gerechten Herrschens für Salomo. Es geht aber über seinen Sohn hinaus, wenn wir lesen, dass die Herrschaft von „Meer zu Meer“ und „an die Enden der Erde“ gehen soll. Dies ist für einen israelitischen Herrscher natürlich unrealistisch. Man könnte solche Wendungen hier als rhetorisches Stilmittel erklären, was auch nicht falsch ist. Dennoch lesen wir über den Text hinaus: Hier wird ein übermenschlicher Herrscher erbeten. König David wird sich dessen noch nicht bewusst gewesen sein, was der Hl. Geist ihm im Gebet eingegeben hat, aber hier wird um Jesus Christus gebeten: Nur er kann wirklich „Fülle des Friedens“ bringen, „bis der Mond nicht mehr da ist“. Das kann ein gewöhnlicher Mensch nicht vollbringen. Er ist wahrlich der Befreier der Armen – und nicht nur materiell, sondern umfassend. Er wird die Randständigen wieder in die Mitte der Gesellschaft setzen wie die blutflüssige Frau oder die Aussätzigen und die Besessenen, die nicht mehr in der Stadt leben durften. Er wird aber vor allem uns alle, die wir durch die Sünde arm sind, befreien von der Knechtschaft der Erbsünde, die uns das Paradies verschlossen hat. Was in den Versen 10 und 11 beschrieben wird, hat sich teilweise bei Salomo erfüllt. Wie oben erwähnt kam die Königin von Saba und bewunderte den Reichtum und die Herrlichkeit des salomonischen Reiches. Sie kam auch mit Gaben. Aber es hat sich mit Salomo nicht erfüllt, dass alle Könige sich ihm unterstellt haben. Das steht auch noch aus, wie wir an der hebräischen Verbform וְיִשְׁתַּחֲווּ w’jischtachavu erkennen. Sie „werden niederfallen“ – und zwar vor dem kleinen Jesuskind in der Grotte von Bethlehem, vor dem Kreuz (der heidnische Hauptmann, der Jesu Gottessohnschaft erkennt), vor dem Leib Christi in der Eucharistie (wir sind aus allen Völkern, Sprachen, Nationen). Die Sterndeuter repräsentieren alle Herrscher dieser Welt sowie die Völker, von denen hier die Rede ist (übrigens wiederum ausgedrückt durch das hebräische Wort gojim).

Eph 3
2 Ihr habt doch gehört, welches Amt die Gnade Gottes mir für euch verliehen hat. 
3 Durch eine Offenbarung wurde mir das Geheimnis kundgetan
5 Den Menschen früherer Generationen wurde es nicht kundgetan, jetzt aber ist es seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist offenbart worden: 
6 dass nämlich die Heiden Miterben sind, zu demselben Leib gehören und mit teilhaben an der Verheißung in Christus Jesus durch das Evangelium.

Heute erklärt Paulus die Bedeutung der Heiden im Heilsplan Gottes. Die nichtjüdischen Völker, die kommen, um den Herrn anzubeten, sind genauso Volk Gottes wie die Auserwählten im Alten Bund. „Den Menschen früherer Generationen“ betrifft die Israeliten des Alten Israel, aus denen vereinzelte Personen zu Propheten berufen worden sind. Diese haben den Heilsratschluss Gottes den Juden immer wieder vermittelt. Gott ist ein guter Pädagoge, der seinen Schülern immer nur so viel zumutet, wie sie es in der gegebenen Zeit verstehen können. Früher ist es ihnen also noch nicht erklärt worden, dass es einen Neuen Bund geben würde, in dem alle Menschen mit Gott einen Bund schließen würden. Paulus mag hier recht haben – explizit ist das so noch nicht gesagt worden. Zugleich lesen wir im AT immer wieder Wendungen und Prophezeiungen, die implizit eine Integrierung der Heiden in den Heilsplan Gottes schon erahnen lassen. Dies wird aber erst später durch die Aposteln und Propheten des NT erkannt, wenn sie mit christologischen Augen das AT lesen werden. Dies drückt Paulus hier aus, wenn er sagt, dass es ihnen „jetzt“ durch den Geist geoffenbat worden sei.
Die Heiden sind „Miterben“ συγκληρονόμος  syngkleronomos. Sie erben gleichermaßen das Reich Gottes, den Himmel, wie die Juden des Alten Bundes. Dieses verheißene eschatologische Land, das himmlische Jerusalem, birgt Raum für alle Menschen. Alter und Neuer Bund laufen nebeneinander. Wir Christen müssen die Juden also schützen, so gut wir können.
Juden und Heiden bilden gleichermaßen den Leib. Das ist auch schon ekklesiologisch zu verstehen: Sowohl Juden- als auch Heidenchristen bilden die Kirche in den ersten Jahrhunderten. Judenchristen sterben mit der Zeit aus, sodass die Heidenchristen übrig bleiben. Aber heutzutage gibt es wiederum messianische Juden, also solche, die Jesus als Messias anerkennen. Man könnte sie als Neo-Judenchristen bezeichnen, wobei es eine lange Zeit gab, in der Judenchristen nicht existiert haben. Es gibt keine Kontinuität der heutigen messianischen Juden bis zurück in die Anfänge der Kirche.
Entscheidend ist nicht mehr, ob man beschnitten ist oder sich vom Heidentum aus direkt taufen lässt. Entscheidend ist, dass man das Evangelium Jesu Christi annimmt, egal mit welcher Identität. Das ist eine wichtige Grundaussage, die uns wieder zum heutigen Fest führt. Die Magoi waren Priester des Zoroastrismus, einer persischen Religion. Und doch erwarteten sie den Messias, was sie von den Juden während des babylonischen Exils gelernt haben. Sie haben Gottes Führung gehorsam angenommen und kamen, um ihn anzubeten. Das hat sie vor Gott gerecht gemacht – so gerecht, dass wir sie heute als Heilige verehren!

Mt 2
1 Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, siehe, da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem 
2 und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. 
3 Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. 
4 Er ließ alle Hohepriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Christus geboren werden solle. 
5 Sie antworteten ihm: in Betlehem in Judäa; denn so steht es geschrieben bei dem Propheten: 
6 Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel. 
7 Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. 
8 Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach dem Kind; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige! 
9 Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. 
10 Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. 
11 Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. 
12 Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.

Nun denken wir über das Evangelium nach, auf das die bisher besprochenen Texte hinauslaufen: König Herodes bekommt den Schreck seines Lebens. Er war ein sehr paranoider Mensch, der zum Ende seines Lebens immer mehr unter Verfolgungswahn litt. Er verdächtigte alles und jeden und hatte Angst, umgebracht oder gestürzt zu werden. Und nun kommen diese prunkvollen Gelehrten aus dem Osten und reden von einem König der Juden. Er sah seine ganze königliche Existenz gefährdet. Mit den Hohepriestern und Schriftgelehrten wird er in den Hl. Schriften geforscht haben, um welchen König es sich handeln könnte. Würde man dort nämlich etwas lesen, wäre es aus mit ihm. Die Hl. Schrift stellt die höchste Autorität dar. Und es bestätigt sich, wovor er sich am meisten fürchtet: Es geht um den Messias, der in Betlehem erwartet wird. Sein Kommen wird in Micha 5 angekündigt, was hier auch zitiert wird.
Herodes zieht aus dieser Sache den falschen Entschluss: Er will den Messias beseitigen, um seine eigene Herrschaft zu retten. Dies zeigt uns, dass er die Herrschaft des Messias als eine politische/irdische verstanden hat. Deshalb hat er eine Rivalität befürchtet. Judäa, in dem Betlehem sich befindet, gehört nämlich zu seinem Herrschaftsbereich. Er als Hasmonäer wird zudem genau gewusst haben, dass seine Herrschaft eigentlich unberechtigt ist. Er war Idumäer, also ein zum Judentum Konvertierter, aber aus keinem der Stämme Israels. Wenn nun also ein König aus dem Stamm Juda geboren worden ist, wäre dieser der wahre Herrscher im Gegensatz zu ihm! Die Juden würden diesen Herodes gegenüber bevorzugen.
Sein Plan ist, die aus der Ferne angereisten Magoi zu instrumentalisieren. Er will sich ihr astrologisches Wissen zu eigen machen und sie vorschicken. Er verrät ihnen seine wahren Absichten natürlich nicht, sondern erklärt als Vorwand, dass er selbst gehen und den Messias anbeten wolle. Sie werden dies vielleicht geglaubt haben, da dieser König ja in den jüdischen Schriften lange Zeit erwartet worden war.
Der Stern, dem sie folgten, bewegte sich natürlich nicht. Sterne stehen fest, aber die Erde bewegt sich. Auf diese Weise wird die Position des Sterns sich mit den Tagen und Wochen in eine bestimmte Richtung verschoben haben. Womöglich stand der Stern erst über Jerusalem, weshalb die Sterndeuter zuerst dort vorstellig geworden sind. Die Bewegung ging aber weiter, sodass sie weiter Richtung Betlehem geführt worden sind.
Dort finden sie nun das Kind und seine Mutter. Josef wird nicht erwähnt. Die Sterndeuter beten das Kind an (προσεκύνησαν  prosekynesan), was auch durch die Geste des Niederfallens verdeutlicht wird (πεσόντες  pesontes „sie fielen nieder“). Diese Geste ist im orientalischen Kontext nicht nur eine Anbetungsgeste gegenüber Gott, sondern auch die Huldigungsgeste gegenüber einem König. Sie erkennen somit Jesus als König an. Dass er aber eine größere Bedeutung als ein König hat, erkennen wir an den Geschenken der Drei: Das Gold ist königliches Zeichen. Dem König gebührt das kostbarste Material, das die antike Welt kannte – Gold. Diese erste Goldgabe wird sich in der Endzeit erfüllen. Wir lesen in der Offb, dass Gold in den Visionen des Johannes ein Material des Himmels ist. Alle, die zum Himmel gehören, tragen diese Farbe auf eine Weise – so z.B. die Sieger, die mit Goldkränzen ausgestattet werden, ebenso die 24 Ältesten.
Der Weihrauch ist ein kultisches Element. Er verweist schon am Anfang des Lebens Jesu, dass er Hohepriester ist. Er wird das größte Opfer aller Zeiten bringen, das die bisherige jüdische Opferpraxis beenden wird – die Darbringung des eigenen Lebens am Kreuz für alle Menschen. Auch diese Identität Christi wird der Visionär Johannes in der Offb sehen, wenn er den Menschensohn in priesterlicher Kleidung erblicken wird (langes weißes Gewand bis zu den Füßen, goldener Brustgürtel).
Neben der königlichen und priesterlichen Identität Christi kommt mit der Gabe der Myrrhe eine zweidimensionale Identität hinzu: Jesus als Heiland und als Auferstandener von den Toten. Myrrhe war in der Antike eine Medizin, die uns am Ende des Lebens Jesu noch einmal begegnen wird – sie wird als Betäubungsmittel vermischt mit Wein Jesus am Kreuz angeboten, doch dieser lehnt es ab. Er leidet ganz, ohne ein bisschen Linderung zu beanspruchen. Die Myrrhe, die dem Kind hier dargebracht wird, kündigt an, dass Jesus viele Menschen heilen wird – seelisch durch die Exorzismen und Sündenvergebungen, körperlich und psychisch durch die teilweise spektakulären Heilungen. Jesus wird ganz so heilen, wie es die Propheten des AT verheißen haben – er wird die vielen messianischen Heilstaten vollziehen. Die Myrrhe hat noch einen anderen Zweck in der Antike: Sie ist zur Einbalsamierung von Leichnamen verwendet worden. In dieser Grotte von Betlehem erhaschen wir auch durch dieses kleine Indiz einen Blick auf den Tod Christi. Vor einigen Tagen habe ich auf die Typologie zwischen den „Windeln“ und der Grabtücher, zwischen der Krippe und dem Troggrab im Grab von Jerusalem hingewiesen. Nun tritt mit der Myrrhe ein weiterer Aspekt hinzu, der uns zu verstehen gibt: Jesus ist geboren, um zu sterben. Er wird mit Myrrhe einbalsamiert werden. Die Myrrhe seines Körpers wird zusammen mit Aloe dafür sorgen, dass seine DNA auf dem Turiner Grabtuch konserviert wird und wir heute diese DNA untersuchen können! So weitreichend ist also dieses heutige Evangelium.
Die Sterndeuter erhalten im Traum die Warnung, nicht zu Herodes zurückzukehren. Sie umgehen Jerusalem und ziehen heim in ihr Land. Jesus wird so vor der Intrige des paranoiden Herrschers bewahrt. Der Hl. Geist wirkte in den Heiden, indem er ihnen im Traum Anweisungen gab. Das ist zugleich tröstlich und unerhört für jüdische Ohren! Wir befinden uns hier im Matthäusevangelium, das vor allem jüdische Aspekte berücksichtigt. Umso erstaunlicher sind diese kleinen aber wichtigen Details. Mit den Sterndeutern aus dem Osten erfüllen sich die Verheißungen von Jesaja 60, Ps 72 und die Erklärung des Paulus: Die Heiden sind Miterben im Reich Gottes. Diese Heiden aus den Osten beten Jesus an und werden so zum Archetypen aller Völker, Stämme, Sprachen und Regionen, die am Ende der Zeiten zum Zion kommen werden (Offb 15). In der Grotte von Betlehem erleben wir heute also einen Moment des Himmels und den Beginn der messianischen Heilszeit.

Ihre Magstrauss