Osternacht

Gen 1,1-2,2; Ps 104,1-2.5-6.10 u. 12.13-14b.24 u. 1ab; Gen 22,1-18; Ps 16,5 u. 8.9-10.2 u. 11; Ex 14,15-15,1; Ex 15,1b-2b.2c-3.4-5.6 u. 13.17-18; Jes 54,5-14; Ps 30,2 u. 4.5-6b.6cd u. 12a u. 13b; Jes 55,1 -11; Jes 12,2.3 u. 4bcd.5-6; Bar 3,9-15.32-4,4; Ps 19,8.9.10.11-12; Ez 36,16-17a.18-28; Ps 42,3.5 u. 10a; 43,3-4; Röm 6,3 – 11; Ps 118,1-2.16-17.22-23; Mt 28,1-10

Heute feiern wir den Höhepunkt des ganzen Kirchenjahres. Wir hören aus diesem Anlass einen umfangreichen Abriss der gesamten Heilsgeschichte angefangen von der Schöpfung. Ich werde aus Umfanggründen die Lesungen mit ihren jeweiligen Antwortgesängen nicht so detailliert analysieren wie sonst, da der Stoff für Sie sonst zu viel wird.

Gen 1-2
1 Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde. 2 Die Erde war wüst und wirr und Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser. 3 Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. 4 Gott sah, dass das Licht gut war. Und Gott schied das Licht von der Finsternis. 5 Und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend und es wurde Morgen: erster Tag. 6 Dann sprach Gott: Es werde ein Gewölbe mitten im Wasser und scheide Wasser von Wasser. 7 Gott machte das Gewölbe und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes vom Wasser oberhalb des Gewölbes. Und so geschah es. 8 Und Gott nannte das Gewölbe Himmel. Es wurde Abend und es wurde Morgen: zweiter Tag. 9 Dann sprach Gott: Es sammle sich das Wasser unterhalb des Himmels an einem Ort und das Trockene werde sichtbar. Und so geschah es. 10 Und Gott nannte das Trockene Land und die Ansammlung des Wassers nannte er Meer. Gott sah, dass es gut war. 11 Dann sprach Gott: Die Erde lasse junges Grün sprießen, Gewächs, das Samen bildet, Fruchtbäume, die nach ihrer Art Früchte tragen mit Samen darin auf der Erde. Und so geschah es. 12 Die Erde brachte junges Grün hervor, Gewächs, das Samen nach seiner Art bildet, und Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war. 13 Es wurde Abend und es wurde Morgen: dritter Tag. 14 Dann sprach Gott: Lichter sollen am Himmelsgewölbe sein, um Tag und Nacht zu scheiden. Sie sollen als Zeichen für Festzeiten, für Tage und Jahre dienen. 15 Sie sollen Lichter am Himmelsgewölbe sein, um über die Erde hin zu leuchten. Und so geschah es. 16 Gott machte die beiden großen Lichter, das große zur Herrschaft über den Tag, das kleine zur Herrschaft über die Nacht, und die Sterne. 17 Gott setzte sie an das Himmelsgewölbe, damit sie über die Erde leuchten, 18 über Tag und Nacht herrschen und das Licht von der Finsternis scheiden. Gott sah, dass es gut war. 19 Es wurde Abend und es wurde Morgen: vierter Tag. 20 Dann sprach Gott: Das Wasser wimmle von Schwärmen lebendiger Wesen und Vögel sollen über der Erde am Himmelsgewölbe fliegen. 21 Und Gott erschuf die großen Wassertiere und alle Lebewesen, die sich fortbewegen nach ihrer Art, von denen das Wasser wimmelt, und alle gefiederten Vögel nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war. 22 Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehrt euch! Füllt das Wasser im Meer und die Vögel sollen sich auf Erden vermehren. 23 Es wurde Abend und es wurde Morgen: fünfter Tag. 24 Dann sprach Gott: Die Erde bringe Lebewesen aller Art hervor, von Vieh, von Kriechtieren und von Wildtieren der Erde nach ihrer Art. Und so geschah es. 25 Gott machte die Wildtiere der Erde nach ihrer Art, das Vieh nach seiner Art und alle Kriechtiere auf dem Erdboden nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war. 26 Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich! Sie sollen walten über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen. 27 Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie. 28 Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie und waltet über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen! 29 Dann sprach Gott: Siehe, ich gebe euch alles Gewächs, das Samen bildet auf der ganzen Erde, und alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin. Euch sollen sie zur Nahrung dienen. 30 Allen Tieren der Erde, allen Vögeln des Himmels und allem, was auf der Erde kriecht, das Lebensatem in sich hat, gebe ich alles grüne Gewächs zur Nahrung. Und so geschah es. 31 Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut. Es wurde Abend und es wurde Morgen: der sechste Tag.1 So wurden Himmel und Erde und ihr ganzes Heer vollendet. 2 Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er gemacht hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk gemacht hatte.

Es geht zurück an den Anfang. Gott ist dieser Anfang, von dem aus das ganze Dasein geschaffen worden ist. Deshalb heißt es auch nicht „am Anfang“, sondern „im“. Gott hat keinen Anfang, er steht außerhalb von Zeitkategorien. Vielmehr IST er der Anfang.
Wenn Gott auf etwas einwirkt, kommt Ordnung hinein. Das heißt im Umkehrschluss, dass alles Gottlose Chaos ist. Unordnung kommt nicht von Gott. Die Ordnung des gesamten Daseins und das Schaffen aus dem Nichts wird durch Gottes gesprochenes Wort ausgelöst. Es heißt immer wieder „und Gott sprach“ und „Gott nannte“. Das Benennen des Geschaffenen ist die Systematisierung aller Dinge. Das erste, was Gott auf diese Weise schafft, ist das Licht. Das ist ein wichtiger Punkt, denn dieses wird im Johannesevangelium mit dem Begriff des Lebens gekoppelt. Licht bedeutet Leben.
Wir hören im Verlauf der ersten Lesung das sogenannte Sieben-Tage-Werk. An jedem Tag schafft Gott etwas Anderes, benennt es, betrachtet es und sagt, dass es gut ist. Gott ist ein Gott des Lebens. Er schafft aus dem Nichts die ganze Welt. Alles, was er macht, ist gut. Im Kontext der Osternacht ist dies der entscheidende Punkt. Gott kann aus dem Nichts alles schaffen. Gott kann also auch einen toten Menschen zum Leben erwecken und er kann dem Auferstandenen einen neuen verklärten Leib schenken. Was er einmal geschafft hat (eine Schöpfung hervorgehen zu lassen), kann er auch ein zweites Mal tun (eine neue Schöpfung erstehen zu lassen!).
Ganz wichtig ist auch, wie er den Menschen geschaffen hat. Dieser ist als sein Abbild gemacht, das heißt mit einer ewigen Seele, in der Zweigeschlechtlichkeit die Trinität abbildend. Der Mensch ist fruchtbar geschaffen und mit einem freien Willen. Dies entspricht dem Wesen Gottes, der die Liebe ist, die nur freiwillig geht. Diese Liebe ist so überströmend, dass sie immer über sich hinaus verweist. Gottes Gemeinschaft in sich strömt über, sodass Gott aus Liebe die Welt geschaffen hat, vor allem die Menschen, die mit ihm in Liebesgemeinschaft leben. So kann Gott gar nicht anders, als den Menschen fruchtbar zu schaffen. Auch dessen Liebe weist über sich selbst hinaus, sodass aus dieser Liebe ein neuer Mensch hervorgeht. Das ist in der ersten Schöpfung biologisch gemeint. Mit der neuen Schöpfung, in der es auch ein erstes Menschenpaar gibt, geht es nicht mehr um biologische Fruchtbarkeit, sondern um geistliche! Jesus und Maria bringen mehr Frucht, als biologisch möglich ist. Der siebte Tag ist ein Ruhetag. Wir gehen alle auf den ewigen Sabbat zu, der das Ruhen in Gott ist.

Ps 104
1 Preise den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, überaus groß bist du! Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet. 2 Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel, du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt. 5 Du hast die Erde auf Pfeiler gegründet, in alle Ewigkeit wird sie nicht wanken. 6 Einst hat die Urflut sie bedeckt wie ein Kleid, die Wasser standen über den Bergen. 10 Du lässt Quellen sprudeln in Bäche, sie eilen zwischen den Bergen dahin. 12 Darüber wohnen die Vögel des Himmels, aus den Zweigen erklingt ihr Gesang. 13 Du tränkst die Berge aus deinen Kammern, von der Frucht deiner Werke wird die Erde satt. 14 Du lässt Gras wachsen für das Vieh und Pflanzen für den Ackerbau des Menschen, damit er Brot gewinnt von der Erde. 24 Wie zahlreich sind deine Werke, HERR, sie alle hast du mit Weisheit gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen. 1 Preise den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, überaus groß bist du!

Das wunderbare Schöpfungswerk Gottes ist großes Lob wert. Deshalb beten wir im Anschluss daran einen Lobpreispsalm, der sehr bekannt ist. In diesem wird Gottes Größe gepriesen. Gott wird mit Licht ausgestattet. Das ist ein wichtiger Aspekt, denn auch in der Lesung hat das Licht einen besonderen Stellenwert. Licht ist die Eigenschaft der Herrlichkeit Gottes. Diese hüllt Gott ein wie einen Mantel. Bei der Verklärung Jesu werden die Apostel ihn auch so sehen – ganz in Licht gehüllt.
Im Psalm wird die Schöpfung Gottes betrachtet als ein Haus bzw. als eine Architektur. Sie besteht aus einem Zelt als Überdachung (der Himmel), aus Pfeilern, die der Erde Stabilität verleihen, Wasser, das wie ein Kleid die Erde bedeckt. Es gibt Kammern, von wo aus Gott die Berge tränkt.
Ganz besonders wichtig ist Vers 24: Die Werke Gottes sind mit Weisheit gemacht. Diese Weisheit wird um die Zeitenwende herum immer mehr mit dem Logos gleichgesetzt, der wiederum das Wort Gottes ist – Jesus Christus. Er ist der Schöpfungsmittler und das gesprochene Wort, durch das im Schöpfungsbericht alles hervorgeht. Er ist schon von Anfang an dabei und ist ganz eins mit dem Vater. Auch er ist somit schon Gott des Lebens.

Gen 22
1 Nach diesen Ereignissen stellte Gott Abraham auf die Probe. Er sprach zu ihm: Abraham! Er sagte: Hier bin ich. 2 Er sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar! 3 Frühmorgens stand Abraham auf, sattelte seinen Esel, nahm zwei seiner Jungknechte mit sich und seinen Sohn Isaak, spaltete Holz zum Brandopfer und machte sich auf den Weg zu dem Ort, den ihm Gott genannt hatte. 4 Als Abraham am dritten Tag seine Augen erhob, sah er den Ort von Weitem. 5 Da sagte Abraham zu seinen Jungknechten: Bleibt mit dem Esel hier! Ich aber und der Knabe, wir wollen dorthin gehen und uns niederwerfen; dann wollen wir zu euch zurückkehren. 6 Abraham nahm das Holz für das Brandopfer und lud es seinem Sohn Isaak auf. Er selbst nahm das Feuer und das Messer in die Hand. So gingen beide miteinander. 7 Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham. Er sagte: Mein Vater! Er antwortete: Hier bin ich, mein Sohn! Dann sagte Isaak: Hier ist Feuer und Holz. Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer? 8 Abraham sagte: Gott wird sich das Lamm für das Brandopfer ausersehen, mein Sohn. Und beide gingen miteinander weiter. 9 Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte, baute Abraham dort den Altar, schichtete das Holz auf, band seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz. 10 Abraham streckte seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. 11 Da rief ihm der Engel des HERRN vom Himmel her zu und sagte: Abraham, Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. 12 Er sprach: Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus und tu ihm nichts zuleide! Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest; du hast mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten. 13 Abraham erhob seine Augen, sah hin und siehe, ein Widder hatte sich hinter ihm mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen. Abraham ging hin, nahm den Widder und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar. 14 Abraham gab jenem Ort den Namen: Der HERR sieht, wie man noch heute sagt: Auf dem Berg lässt sich der HERR sehen. 15 Der Engel des HERRN rief Abraham zum zweiten Mal vom Himmel her zu 16 und sprach: Ich habe bei mir geschworen – Spruch des HERRN: Weil du das getan hast und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast, 17 will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen überaus zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand. Deine Nachkommen werden das Tor ihrer Feinde einnehmen. 18 Segnen werden sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde, weil du auf meine Stimme gehört hast.

In der zweiten Lesung hören wir die dramatische Glaubensprobe, durch die Gott Abrahams Glauben prüft. Auch hier ist das Thema das Leben. Wie viele Jahre hat Abraham sehnlichst auf einen Sohn gewartet! So viele Jahre konnten seine Frau und er keine Kinder haben und dann schenkte Gott ihm endlich einen Sohn, den er Isaak genannt hat. Abraham ist dadurch die Botschaft zuteil geworden, dass Gott wirklich ein Gott des Lebens ist. Er kann aus Unfruchtbarkeit Fruchtbarkeit entstehen lassen.
Doch dann der Schock. Der Gott des Lebens fordert von Abraham, dass er seinen Sohn auf einem der Berge im Land Morija als Brandopfer darbringe! Abraham wird es nicht verstanden haben. Wie sehr hat er sich doch nach all den Jahren gefreut, einen Sohn in seinen Armen halten zu dürfen, den er als direktes Geschenk von Gott verstanden hat. Und nun soll er seinen Sohn töten. Er wird es nicht begriffen haben, doch zugleich hat er Gott vertraut. Ohne Widerrede macht er sich also auf den Weg.
Ich sage es Ihnen offen. Das ist eine der berührendsten Lesungen für mich. Ich kann sie kaum hören, ohne Tränen in den Augen zu haben. Diese Episode ni typologisch das vorweg, was wir in diesen Tagen gefeiert haben:
Der Vater gibt seinen Sohn dahin. Abraham ist bereit, Isaak zu opfern, doch im letzten Moment gebietet ihm ein Engel des Herrn Einhalt. Gott Vater selbst hat seinen Sohn aber nicht verschont, sondern dieser ist auf die grausamste Weise geopfert worden, die es gab.
Abraham und Isaak gehen in das Land Morija und besteigen einen der Berge. Das ist die Gegend, die wir zur Zeit Jesu Jerusalem und mit der umliegenden Hügellandschaft nennen! Es ist derselbe Ort.
Der junge Isaak trägt das Holz für das Opfer den Berg hinauf. So trägt Jesus sein Opferholz selbst den Golgota hinauf.
Auf die Frage des ahnungslosen Sohnes hin, wo das Opferlamm sei, antwortet Abraham: Gott wird sich das Lamm für das Brandopfer ausersehen, mein Sohn.“ Ja, er hat sich für das Kreuzesopfer seinen eigenen Sohn ausersehen, das wahre Opferlamm!
Abraham hat die Prüfung bestanden. Kurz bevor er die Tat begehen kann, wird er von einem Engel gestoppt und erhält die Zusage, seinen Glauben wirklich bewiesen zu haben. Gott wird ihn reichlich segnen und sehr fruchtbar machen, weil er ganz auf seine Güte vertraut hat. So wird Gott am Ende wieder zum Gott des Lebens – und das alles auf besonders intensive Weise!

Ps 16
5 Der HERR ist mein Erbanteil, er reicht mir den Becher, du bist es, der mein Los hält. 8 Ich habe mir den HERRN beständig vor Augen gestellt, weil er zu meiner Rechten ist, wanke ich nicht. 9 Darum freut sich mein Herz und jubelt meine Ehre, auch mein Fleisch wird wohnen in Sicherheit. 10 Denn du überlässt mein Leben nicht der Totenwelt; du lässt deinen Frommen die Grube nicht schauen. 2 Ich sagte zum HERRN: Mein Herr bist du, mein ganzes Glück bist du allein.11 Du lässt mich den Weg des Lebens erkennen. Freude in Fülle vor deinem Angesicht, Wonnen in deiner Rechten für alle Zeit.

Als Antwort auf diese Lesung beten wir Ps 16. Gott schenkt Freude. Das wird durch das Bild des Bechers ausgedrückt. Der Psalmist drückt sein Vertrauen auf Gott aus, das er die ganze Zeit nicht verloren hat. Der Psalm ist von König David, von dem wir sehr viele Situationen kennenlernen. So oft stand sein Leben auf der Kippe, doch weil er sich dann ganz an Gott geklammert hat, hat dieser ihn auch aus den Nöten herausgeführt.
Hätte es die Psalmen schon damals zu Zeiten des Abraham gegeben – er hätte diese Worte absolut auf sich beziehen können! Er hat den HERRN beständig vor Augen, dieser ist zu seiner Rechten. Er war es ganz besonders in der Stunde seiner Glaubensprobe und so kann Abraham sich jetzt über die wunderbare Zusage freuen. Abrahams verheißenes Kind bleibt am Leben. Das bedeutet, Abrahams Gene werden weitergegeben. Das klingt vielleicht banal, ist aber Ausdruck einer ersten Auferstehungshoffnung. Das Weiterleben in den Nachkommen ist ein ewiges Leben. So übergibt Gott Abraham nicht der Totenwelt durch den Tod seines Sohnes Isaak.
Er kann wirklich sagen nach allem, was er erlebt hat: „Mein Herr bist du, mein ganzes Glück bist du allein. Du lässt mich den Weg des Lebens erkennen.“ Gott schenkt Freude in Fülle und Wonnen. Er ist der Garant dafür, dass auch wir in unserem Leben glücklich werden.

Ex 14
15 Der HERR sprach zu Mose: Was schreist du zu mir? Sag den Israeliten, sie sollen aufbrechen. 16 Und du heb deinen Stab hoch, streck deine Hand über das Meer und spalte es, damit die Israeliten auf trockenem Boden in das Meer hineinziehen können! 17 Ich aber will das Herz der Ägypter verhärten, damit sie hinter ihnen hineinziehen. So will ich am Pharao und an seiner ganzen Streitmacht, an seinen Streitwagen und Reitern meine Herrlichkeit erweisen. 18 Die Ägypter sollen erkennen, dass ich der HERR bin, wenn ich am Pharao, an seinen Streitwagen und Reitern meine Herrlichkeit erweise. 19 Der Engel Gottes, der den Zug der Israeliten anführte, brach auf und ging nach hinten und die Wolkensäule brach auf und stellte sich hinter sie. 20 Sie kam zwischen das Lager der Ägypter und das Lager der Israeliten. Die Wolke war da und Finsternis und Blitze erhellten die Nacht. So kamen sie die ganze Nacht einander nicht näher. 21 Mose streckte seine Hand über das Meer aus und der HERR trieb die ganze Nacht das Meer durch einen starken Ostwind fort. Er ließ das Meer austrocknen und das Wasser spaltete sich. 22 Die Israeliten zogen auf trockenem Boden ins Meer hinein, während rechts und links von ihnen das Wasser wie eine Mauer stand. 23 Die Ägypter setzten ihnen nach; alle Pferde des Pharao, seine Streitwagen und Reiter zogen hinter ihnen ins Meer hinein. 24 Um die Zeit der Morgenwache blickte der HERR aus der Feuer- und Wolkensäule auf das Lager der Ägypter und brachte es in Verwirrung. 25 Er hemmte die Räder an ihren Wagen und ließ sie nur schwer vorankommen. Da sagte der Ägypter: Ich muss vor Israel fliehen; denn der HERR kämpft auf ihrer Seite gegen Ägypten. 26 Darauf sprach der HERR zu Mose: Streck deine Hand über das Meer, damit das Wasser zurückflutet und den Ägypter, seine Wagen und Reiter zudeckt! 27 Mose streckte seine Hand über das Meer und gegen Morgen flutete das Meer an seinen alten Platz zurück, während die Ägypter auf der Flucht ihm entgegenliefen. So trieb der HERR die Ägypter mitten ins Meer. 28 Das Wasser kehrte zurück und bedeckte Wagen und Reiter, die ganze Streitmacht des Pharao, die den Israeliten ins Meer nachgezogen war. Nicht ein Einziger von ihnen blieb übrig. 29 Die Israeliten aber waren auf trockenem Boden mitten durch das Meer gezogen, während rechts und links von ihnen das Wasser wie eine Mauer stand. 30 So rettete der HERR an jenem Tag Israel aus der Hand der Ägypter. Israel sah die Ägypter tot am Strand liegen. 31 Als Israel sah, dass der HERR mit mächtiger Hand an den Ägyptern gehandelt hatte, fürchtete das Volk den HERRN. Sie glaubten an den HERRN und an Mose, seinen Knecht. 1 Damals sang Mose mit den Israeliten dem HERRN dieses Lied; sie sagten: Ich singe dem HERRN ein Lied, denn er ist hoch und erhaben. Ross und Reiter warf er ins Meer.

Die nächste Lesung aus dem Buch Exodus ist wieder sehr dramatisch, denn auch hier geht es um Leben und Tod. Das Volk Israel ist nach vielen Plagen, vielen Leiden und Umwegen endlich aus Ägypten herausgekommen. Doch nun sieht es sich in der Situation einer Sackgasse am Roten Meer. Auch jetzt steht Gott seinem auserwählten Volk bei und befiehlt Mose, durch seinen Stab das Meer zu spalten, sodass das Volk hindurchschreiten kann. Gott tut dies nicht nur, um das Volk zu retten, sondern auch, um den Ägyptern seine Herrlichkeit zu erweisen – jene Herrlichkeit, die so hell strahlt wie ein Lichtmantel.
Gott ist bei seinem Volk in Form der Feuersäule und der Wolke. Er lässt seine Kinder nicht im Stich.
Der Pharao bereut indes, das Volk ziehen gelassen zu haben. So macht er sich mit seinem Heer auf den Weg, das Volk wieder zurückzuholen. Doch Gott rettet Israel, indem er es durch das Meer ziehen lässt. Schon sind die Ägypter ihnen auf den Fersen, doch die Wasserfluten decken sie zu. Gott hat dem Pharao so viele Chancen der Umkehr geschenkt. Er hat ihn immer wieder zur Umkehr aufgerufen, doch er wollte nicht hören. Dies ist ihm nun zum Verhängnis geworden. Nicht umsonst kommen die Ägypter in den Wasserfluten um. Die Geschichte wiederholt sich. Das sture Verharren in der Sünde ist es, das schon die Sintflut hervorgebracht hat. Gott ist Herr über Leben und Tod. Das wird in der heutigen Erzählung wieder besonders deutlich. Die Wahl hat der Mensch selbst, indem er sich für oder gegen den Gott des Lebens entscheidet. Gott tut alles, um die Menschen zu retten, aber irgendwann ist es zu spät. Kehren wir JETZT um! Das Wasser des Roten Meeres ist nicht nur Wiederholung der Sintflut, sondern auch die Antizipation des Taufwassers! Wir werden durch das Wasser hindurch gerettet, wenn wir uns taufen lassen! Die Taufe ist heilsnotwendig. Dies erklärt auch, warum diese Lesung von allen alttestamentlichen Lesungen, die in der Osternacht vorgesehen sind, nicht ausgelassen werden darf. Sie ist für uns so entscheidend und im Kontext des heilsgeschichtlichen Rückblicks ein Höhepunkt, dass wir sie in der Osternacht unbedingt hören müssen. Jesu Tod und Auferstehung ist nämlich ein neuer Exodus, die Befreiung des Volkes Gottes aus der Knechtschaft der Sünde. Dies wird sakramental durch die Taufe verdeutlicht!

Ex 15
Ich singe dem HERRN ein Lied, denn er ist hoch und erhaben. Ross und Reiter warf er ins Meer. 2 Meine Stärke und mein Lied ist der HERR, er ist mir zur Rettung geworden. Er ist mein Gott, ihn will ich preisen; den Gott meines Vaters will ich rühmen. 3 Der HERR ist ein Krieger, HERR ist sein Name. 4 Pharaos Wagen und seine Streitmacht warf er ins Meer. Seine besten Vorkämpfer versanken im Roten Meer. 5 Fluten deckten sie zu, sie sanken in die Tiefe wie Steine. 6 Deine Rechte, HERR, ist herrlich an Stärke; deine Rechte, HERR, zerschmettert den Feind. 13 Du lenktest in deiner Güte das Volk, das du erlöst hast, du führtest sie machtvoll zu deiner heiligen Wohnung. 17 Du wirst sie hinbringen und auf den Berg deines Erbes einpflanzen, den du, HERR, zu deiner Wohnstätte gemacht hast, um dich niederzulassen, zu einem Heiligtum, HERR, von deinen Händen gegründet. 18 Der HERR ist König für immer und ewig.

Als Antwort auf die dramatische Rettung eines ganzen Volkes durch Gottes wunderbare Vorsehung hören wir den Lobgesang des Mose, den er im Anschluss an die Rettung des Volkes gesungen hat:
Wer mit Gott lebt, ist unbezwingbar. Denn Gott ist seine Stärke und sein Lied. Er ist der Retter aus allen Gefahren und er ist es, der für seine geliebten Kinder kämpft. Gott ist stärker als die besten Kämpfer. Gott ist nicht böse, er ist nur gut. Seine Güte ist es, die das Volk durch das Rote Meer getragen hat. Er hat einen wunderbaren Heilsplan mit seinem Volk und deshalb lässt er es nicht schon vorher umkommen. Er möchte das Volk in das verheißene Land führen und auf dem Berg seines Berges einpflanzen. Das ist der Zionsberg, Jerusalem, wo er seine Wohnstätte im Tempel einnimmt. Das Ziel ist damit aber nicht erreicht. Er wird selbst Mensch werden, um die Menschen aus einem ganz anderen Sklavenhaus zu befreien – der Sünde! Er wird einen neuen Tempel errichten, der sein eigener Leib ist und den wir als Kirche bezeichnen. Er wird am Ende der Zeiten sein Volk in seine himmlische Wohnstatt, das himmlische Jerusalem führen, wo das ewige Leben und die ewige Freude warten!

Jes 54
5 Denn dein Schöpfer ist dein Gemahl, HERR der Heerscharen ist sein Name. Der Heilige Israels ist dein Erlöser, Gott der ganzen Erde wird er genannt. 6 Ja, der HERR hat dich gerufen als verlassene, bekümmerte Frau. Kann man denn die Frau seiner Jugend verstoßen?, spricht dein Gott. 7 Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen, doch mit großem Erbarmen werde ich dich sammeln. 8 Einen Augenblick nur verbarg ich vor dir mein Gesicht in aufwallendem Zorn; aber in ewiger Huld habe ich mich deiner erbarmt, spricht dein Erlöser, der HERR. 9 Wie bei der Flut Noachs soll es für mich sein: So wie ich damals schwor, dass die Flut Noachs die Erde nie mehr überschwemmen wird, so schwöre ich jetzt, dir nie mehr zu zürnen und dich nie mehr zu schelten. 10 Mögen auch die Berge weichen und die Hügel wanken – meine Huld wird nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens nicht wanken, spricht der HERR, der Erbarmen hat mit dir.
11 Ärmste, vom Sturm Gepeitschte, die ohne Trost ist: Siehe, ich selbst lege dir ein Fundament aus Malachit und Grundmauern aus Saphir. 12 Aus Rubinen mache ich deine Zinnen, aus Beryll deine Tore und alle deine Mauern aus kostbaren Steinen. 13 Alle deine Kinder sind Schüler des HERRN und groß ist der Friede deiner Kinder. 14 Du wirst auf Gerechtigkeit gegründet sein. Du bist fern von Bedrängnis, denn du brauchst dich nicht mehr zu fürchten und bist fern von Schrecken; er kommt an dich nicht heran.

Im Folgenden verlassen wir die fünf Bücher Mose und hören nun einige prophetische Lesungen.
Der Ausschnitt aus dem Buch Jesaja ist ein verheißungsvoller Text, der an die Braut Gottes, an Israel gerichtet ist. Der historische Kontext dieses Kapitels ist das Babylonische Exil. Es ist wieder so, dass das Volk Gottes in einem Sklavenhaus gefangen ist und Gott keine Opfer frei darbringen kann. Der Tempel ist zerstört und die Heimat weit weg.
Das Kapitel beginnt mit „Freu dich, du Unfruchtbare, die nie gebar“. Das hören wir im heutigen Abschnitt nicht, aber es ist im Hinterkopf zu behalten, damit man die Begründung von Vers 5 überhaupt richtig versteht. Ganz dominant ist die Hauptmetapher in diesem und dem anschließenden Kapitel, das wir gleich noch hören werden: Gott ist Israels Bräutigam und Israel ist seine Braut, die ihm untreu geworden ist. Gott ist aber bereit, sich wieder mit ihr zu versöhnen.
„Denn dein Schöpfer ist dein Gemahl.“ Gott möchte Gemeinschaft mit seinem Volk, eine Einheit wie bei Mann und Frau. Gott wird hier nicht nur als Schöpfer betrachtet, sondern auch als Erlöser. Diese Erlösung besteht für die Israeliten zur Zeit des Babylonischen Exils in der Befreiung von der Fremdherrschaft und die Rückführung in die Heimat. Deshalb wird der Perserkönig Kyros, der ihnen sogar den Bau eines neuen Tempels gewährt, gewissermaßen als eine messianische Gestalt betrachtet. Und doch ist die Erlösung mehr als nur eine politische: Gott ist Erlöser aus einem ganz anderen Exil, das noch viel schlimmer ist – aus dem Exil der Sünde, denn durch die Ursünde war jeder Mensch aus dem Paradies verbannt! Die ultimative Erlösung besteht also in der Rückführung der Gerechten in die himmlische Heimat, zum himmlischen Tempel.
Gott ist ein treuer Gott, der seine Frau nicht verlässt, obwohl sie Ehebruch begangen hat. Er hat mit Israel einen Bund geschlossen, gleichsam einen Ehebund am Berg Sinai. Israel ist untreu geworden, doch Gott verlässt sie dennoch nicht.
Gott hat seine Braut nur kurz verlassen, nur kurz sein Gesicht vor ihr verborgen. Sie musste zu spüren bekommen, dass ihr Verhalten nicht richtig war. Gott hat die Konsequenzen der Sünde Israels zugelassen, damit es sich besinnt und umkehrt.
Gott ist barmherzig und verschont das reumütige Volk. Er hat Noah damals versprochen, nie wieder eine globale Vernichtung über seine geliebten Kinder zu bringen. Und so hält er sein Versprechen auch jetzt, wo Israel fern von seiner Heimat leben muss.
Gott verheißt Israel Stadtmauern und architektonische Elemente aus Edelsteinen. Das ist nicht die Andeutung der Errichtung eines neuen irdischen Jerusalems, sondern schon die Andeutung der himmlischen Stadt! Die Propheten des Alten Testaments, aber auch Johannes im Neuen Testament sehen die himmlische Stadt Jerusalem und auch Gott selbst so, dass sie es nur mit dem Leuchten von Edelsteinen vergleichen können. Gott verheißt dem Volk das Himmelreich!
Fern von Bedrängnis ist Jerusalem erst mit dem Abbruch der Zeiten bzw. jeder Einzelne nach dem Tod. Bis dahin wird es immer Kämpfe geben und die Gefahren bestehen weiter fort. Hier werden übernatürliche Dinge verheißen und keine irdischen Zustände.
Als Christen dürfen wir jedoch einen Einwand nennen: Sakramental wird jene verheißene Wirklichkeit schon vorweggenommen! So wird dies schon ansatzweise erfahrbar in der Kirche Jesu Christi, die eine übernatürliche Größe in der Welt ist, aber schon auf die Ewigkeit verweist. Ihre Heilsmittel, der Atem des Hl. Geistes, all diese Dinge leuchten voll der Gnade, die man mit Edelsteinen umschreiben könnte, die man nicht sieht.
All dies wird mit Jesus Christus bereits hier auf Erden beginnen, der das Reich Gottes in mitten in die Welt hineingebracht hat. Es wird sich am Ende der Zeiten vollenden und offenbar werden für die ganze Welt! Gott lässt sein auserwähltes Volk nicht im Stich, sondern verheißt mitten in der Krise das Leben in Fülle!

Ps 30
2 Ich will dich erheben, HERR denn du zogst mich herauf und ließest nicht zu, dass meine Feinde sich über mich freuen.4 HERR, du hast meine Seele heraufsteigen lassen aus der Totenwelt, hast
mich am Leben erhalten, sodass ich nicht in die Grube hinabstieg. 5 Singt und spielt dem HERRN, ihr seine Frommen, dankt im Gedenken seiner Heiligkeit! 6 Denn sein Zorn dauert nur einen Augenblick, doch seine Güte ein Leben lang. Wenn man am Abend auch weint, am Morgen herrscht wieder Jubel. 12 Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt, mein Trauergewand hast du gelöst und mich umgürtet mit Freude, 13 damit man dir Herrlichkeit singt und nicht verstummt. HERR, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.

Die Antwort auf so eine wunderbare Verheißung kann nur der Lobpreis sein. Der Psalm beginnt ganz typisch mit einer Selbstaufforderung zum Lob. König David dankt in eigener Sache, aber auch das ganze Volk Israel für die Rettung Gottes für den Sieg über die Feinde. Gott hat weder David noch das Volk sterben lassen. Gott hat jene, die vor allem moralisch auf der Kippe standen, vor der ewigen Verdammnis bewahrt. David hat sich schwer versündigt, indem er Ehebruch und Auftragsmord begangen hat. Auch das Volk Israel hat sich immer wieder durch den Götzendienst von Gott abgewandt. Doch Gott hat nicht zugelassen, dass weder sein auserwählter König noch sein auserwähltes Volk in die Irre geht. Er hat auf das Unrecht reagiert, was wir Gottes Zorn nennen. Es ist keine affektive, unkontrollierte Emotion, in der er alles zerstört, sondern eine bewusste und kontrollierte Reaktion Gottes.
Gott musste so reagieren, damit sein Volk sich auf den Bund zurückbesinnt, auf das Treueversprechen, das es ihm gegeben hat. Gott darf aufgrund dieses Bundes die Treue von Israel verlangen. Er ist eifersüchtig, aber seine Eifersucht ist eine andere als die der Menschen: Es ist nicht patholischer Ausdruck seiner Unsicherheit, sondern das Verlangen nach der ganzen Liebe seiner Braut.
Und nachdem Israel sich besinnt hat und umgekehrt ist, ist das Heil wieder eingekehrt. So ist nun das Trauergewand in ein Freudenkleid gewandelt worden. Es ist nun eine Zeit des Freude und der Feststimmung. So ist es jedesmal, wenn ein Kind im Hl. Geist wiedergeboren wird bei der Taufe. Der Neue Bund ist ebenso ein Grund zur Freude, denn ein weiterer Mensch ist zur Braut Christi geworden und zum Erben im Reich Gottes eingesetzt worden! So ist es mit jedem Menschen, der von seiner Sünde umkehrt! Dann ist das Fest im Himmel groß! Und am Ende der Zeiten wird das ewige Hochzeitsmahl des Lammes gefeiert. Dann werden die Menschen ewig Gott loben und preisen, wie es am Ende des Psalms heißt. Das wird die ewige Tätigkeit in der Anschauung Gottes sein!

Jes 55
1 Auf, alle Durstigen, kommt zum Wasser! Die ihr kein Geld habt, kommt, kauft Getreide und esst, kommt und kauft ohne Geld und ohne Bezahlung Wein und Milch! 2 Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht? Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch laben an fetten Speisen! 3 Neigt euer Ohr und kommt zu mir, hört und ihr werdet aufleben! Ich schließe mit euch einen ewigen Bund: Die Erweise der Huld für David sind beständig. 4 Siehe, ich habe ihn zum Zeugen für die Völker gemacht, zum Fürsten und Gebieter der Nationen. 5 Siehe, eine Nation, die du nicht kennst, wirst du rufen und eine Nation, die dich nicht kannte, eilt zu dir, um des HERRN, deines Gottes, des Heiligen Israels willen, weil er dich herrlich gemacht hat.6 Sucht den HERRN, er lässt sich finden, ruft ihn an, er ist nah! 7 Der Frevler soll seinen Weg verlassen, der Übeltäter seine Pläne. Er kehre um zum HERRN, damit er Erbarmen hat mit ihm, und zu unserem Gott; denn er ist groß im Verzeihen.
8 Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des HERRN. 9 So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken. 10 Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, ohne die Erde zu tränken und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen, dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, 11 so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, ohne zu bewirken, was ich will, und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.

Als nächstes hören wir einen Ausschnitt aus dem Buch Jesaja, der ein Kapitel später erscheint. Auch hier geht es wieder um das Leben, nämlich um das ewige Leben. Die Durstigen, die zum Wasser kommen, sind die Menschen, die nach Gott dürsten. Es geht nicht um herkömmliches Wasser, das man zur Durstlöschung des Körpers verwendet, sondern um das lebendige Wasser für die Seele. Wir verstehen aus christlicher Sicht, was damit gemeint ist: Der Heilige Geist! Dieser ist es, der bei der Schöpfung über der Urflut schwebt. Dieser ist es, der dem Menschen die ewige Seele einhaucht. Dieser ist es, der auch den ersten Menschen der neuen Schöpfung zum Leben erweckt! Das Leben kommt von Gott – nicht nur das biologische Leben, sondern auch das ewige! Auch gerade das Leben in Fülle, das heißt ein gesegnetes Dasein, kann nur Gott garantieren. Was der Mensch alleine versucht, wird ihn nicht glücklich machen. Auf das Volk Israel bezogen ist es die Anbetung irgendwelcher Götzen, die es in die Babylonische Gefangenschaft gebracht hat. Was versucht der Mensch nicht alles, um glücklich zu werden! Wie viel investieren auch wir bis heute in irdische Güter, damit wir uns selbst ein Leben in Fülle beschaffen? Und doch sind die Herzen der Menschen leerer als sonst, weil sie Gott nicht darin haben. Gottes Gnade, die uns glücklich machen kann, die uns das Leben in Fülle schenkt, kostet nichts! Der einzige Preis ist das Hören auf Gott.
„Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch laben an fetten Speisen! Neigt euer Ohr und kommt zu mir, hört und ihr werdet aufleben!“ Leben wir in Gemeinschaft und Einklang mit dem Willen Gottes, dann werden auch wir ein Leben in Fülle haben! Gott ist ein Gott des Lebens. Jesus hat ihm bis ans Kreuz vertraut. Er hat in allem den Willen seines Vaters getan und so hat dieser ihn von den Toten auferweckt! Dies sei uns ein Beispiel, damit auch wir am Ende leben, auch wenn wir sterben!
„Ich schließe mit euch einen ewigen Bund.“ Dies hat Gott im Laufe der Heilsgeschichte immer wieder erneuert. Dann auf der Höhe der Zeit ist er selbst Mensch geworden, um am Kreuz einen Neuen Bund zu besiegeln, aber nicht mehr nur mit dem Volk Israel, sondern mit der ganzen Welt!
Er hat diesen Bund geschlossen durch den neuen David, den Sohn Davids, den Messias. Schon Jesaja kündigt an, dass es ein Bund mit den Völkern sein wird, also mit den Heiden! Es wird eine übernatürliche Nation sein, keine an irdische Nationalität gebundene. Es wird ein Volk sein aus allen Nationen der Erde! Deshalb wird es eine Nation sein, die Israel zur Zeit Jesajas noch nicht kennt.
Israel wird dazu ermutigt, Gott anzurufen, denn Gott erhört die Bitten seines Volkes!
Jetzt ist die Zeit der Umkehr gekommen! Gott hat Pläne, die das Volk zu jener Zeit noch gar nicht erahnen kann. Sein wunderbarer Heilsplan erreicht ein neues Level. Bald kommt der Messias und dieser ist Gott selbst. Es ist Gottes gesprochenes Wort, das auf die Erde kommt, dort Frucht bringt und so die Erde nicht ohne seine Spuren verlässt. Wir haben schon in der ersten Lesung gehört, dass alles durch das gesprochene Wort Gottes geschaffen worden ist. Und dieses Wort wird wieder auf die Erde kommen, um eine neue Schöpfung zu begründen! Jesus Christus wird alles vollbringen, was der Vater ihm aufträgt. Er wird bis zum letzten Atemzug seinen Willen tun und dann sagen: „Es ist vollbracht!“ Er wird nicht leer zum Vater zurückkehren, sondern gefüllt mit den Seelen der vielen Geretteten! Er kommt zum Vater Hand in Hand mit den Gerechten des Alten Testaments, die sehnsüchtig auf die Öffnung der Himmelstür gewartet haben. Das ist der Ausdruck des wahren Lebens, weil es das ewige Leben bei Gott ist! Und dies passiert heute, ja jetzt in dem Moment, als Jesus im Reich des Todes jenen Gerechten das Evangelium verkündet! Und mit der Auferstehung kehren jene Heim in die himmlische Heimat aus dem Exil der Sünde! Das ist der ultimative Beweis, dass Gott ein Gott des Lebens ist!

Jes 12
2 Siehe, Gott ist mein Heil; ich vertraue und erschrecke nicht. Denn meine Stärke und mein Lied ist Gott, der HERR. Er wurde mir zum Heil. 3 Ihr werdet Wasser freudig schöpfen aus den Quellen des Heils. 4 An jenem Tag werdet ihr sagen: Dankt dem HERRN! Ruft seinen Namen an! Macht unter den Völkern seine Taten bekannt, verkündet: Sein Name ist erhaben! 5 Singt dem HERRN, denn Überragendes hat er vollbracht; bekannt gemacht sei dies auf der ganzen Erde. 6 Jauchzt und jubelt, ihr Bewohner Zions; denn groß ist in eurer Mitte der Heilige Israels.

Als Antwort auf diese Heilsbotschaft hören wir eine Art Psalm im Buch Jesaja. Es handelt sich um das Danklied der Erlösten. Die Erlösung Gottes kann nur eine Reaktion hervorrufen, nämlich den Dank und das Lob.
Gott ist mein Heil. Er ist Stärke und Lied. Das Volk Israel kann nicht anders, als auf die Verheißung von Jesaja 11 mit Lobpreis zu antworten. Dort wird der Reis aus dem Baumstumpf Isais verheißen, der Sohn Davids, der das Volk erlösen wird. Die Israeliten verstanden darunter noch eine königliche Heilsgestalt, die das Volk vor der Fremherrschaft Assurs befreien wird. Als sie in der Babylonischen Gefangenschaft waren, werden sie darunter eine irdische und politische Erlösergestalt verstanden haben, die sie aus dem Exil befreit. Und doch verheißt Jesaja viel mehr: Denn hier geht es um das Heil Gottes, der sein Volk aus den Quellen des Heils schöpfen lassen wird! Es geht um das lebendige Wasser, um den Hl. Geist! Und dieser Geist ist es, der Leben verleiht. Hier geht es schon um übernatürliche Dinge. Der Heilige Israels ist Gott und dieser ist Mensch geworden in Jesus Christus! Wir beten diesen Lobpreis schon als Dank für die Erlösung durch den Kreuzestod Jesu Christi! Gott schenkt das ewige Leben, was noch viel existenzieller ist als das irdische Leben! Je näher wir der Zeitenwende kommen, desto mehr lernen und begreifen die Israeliten das.

Bar 3
9 Höre, Israel, die Gebote des Lebens; merkt auf, um Einsicht zu erlangen! 10 Warum, Israel, warum lebst du im Gebiet der Feinde, wirst alt in einem fremden Land, 11 bist unrein geworden, den Toten gleich, wurdest gezählt zu denen, die in die Unterwelt hinabsteigen? 12 Du hast den Quell der Weisheit verlassen. 13 Wärest du auf Gottes Weg gegangen, du wohntest in Frieden für immer. 14 Nun lerne, wo die Einsicht ist, wo Kraft und wo Klugheit, dann erkennst du zugleich, wo langes Leben und Lebensglück, wo Licht für die Augen und Frieden zu finden sind! 15 Wer hat je ihren Ort gefunden? Wer ist zu ihren Schatzkammern vorgedrungen?32 Doch der Allwissende kennt sie; er hat sie in seiner Einsicht entdeckt. Er hat ja die Erde für immer gegründet, er hat sie mit vierfüßigen Tieren bevölkert. 33 Er entsendet das Licht und es eilt dahin; er ruft es zurück und zitternd gehorcht es ihm. 34 Froh leuchten die Sterne auf ihren Posten. 35 Ruft er sie, so antworten sie: Hier sind wir. Sie leuchten mit Freude für ihren Schöpfer. 36 Das ist unser Gott; kein anderer gilt neben ihm. 37 Er hat den Weg der Erkenntnis ganz erkundet und hat sie Jakob, seinem Diener, verliehen, Israel, seinem Liebling. 38 Dann erschien sie auf der Erde und lebte mit den Menschen.1 Sie ist das Buch der Gebote Gottes, das Gesetz, das ewig besteht. Alle, die an ihr festhalten, finden das Leben; doch alle, die sie verlassen, verfallen dem Tod. 2 Kehr um, Jakob, ergreif sie! Geh in ihrem Glanz den Weg zum Licht! 3 Überlass deinen Ruhm keinem andern und deinen Vorzug keinem fremden Volk! 4 Glücklich sind wir, das Volk Israel; denn wir wissen, was Gott gefällt.

Als nächsten prophetischen Text hören wir einen Ausschnitt aus dem Propheten Baruch (zu Deutsch „der Gesegnete“). Auch hier geht es wieder um das Leben, das den roten Faden der gesamten Osternachtsliturgie darstellt.
Der Gott des Lebens erwartet vom Menschen nichts weiter, als die Gebote des Lebens zu halten, um ein Leben in Fülle zu haben.
Israel hat sich die Fremherrschaft selbst eingebrockt, weil es die Gebote Gottes nicht gehalten hat. Israel ist durch die Sünde „den Toten gleich“ geworden. Das Abgeschnittensein von Gott ist die schlimmste Form von Tod, weil sie ewig und endgültig ist.
„Du hast den Quell der Weisheit verlassen“ – Das Volk hat sich diesen endgültigen Tod selbst gewählt. Das ist der Kern. Auch wir Menschen heute können frei wählen zwischen Leben und Tod, indem wir uns entweder für oder gegen Gott und seine Gebote entscheiden.
Lernen wir aus den Worten Baruchs an Israel „Wärest du auf Gottes Weg gegangen, du wohntest in Frieden für immer.“
Alles liegt in Gottes Hand, der die Welt geschaffen hat. Er ist es, der das Licht entsendet, das ihm zitternd gehorcht. Das ist Jesus Christus, wie wir schon zuvor bedacht und erkannt haben! Er ist dieses Licht, das auf die Erde gekommen ist. Hier die dunkle Welt erleuchtet hat und dann zum Vater zurückgekehrt ist. Dieses Licht ist den Menschen zuteil geworden und ist zugleich das Gesetz, die Torah! Jesus hat das Gesetz erfüllt, indem er erklärt hat, wie es zu verstehen ist. Und dieses Licht, das das Gesetz ist, ist zugleich das Leben.
Licht und Leben sind auch im Johannesevangelium ganz und gar eins. Und diese beiden werden dort auf das Wort, auf den Logos bezogen.
Baruch sagt ganz deutlich, dass es für das Volk noch nicht zu spät ist. Es kehre jetzt um, damit es die Chance „auf dem Weg zum Licht“ hat.
„Glücklich sind wir, das Volk Israel; denn wir wissen, was Gott gefällt.“ Ja, das Volk Israel hat die Gebote Gottes empfangen und kennt den Willen Gottes. Doch es hat trotz Wissen darum gegen die Gebote gehandelt. Dabei kann es sich glücklich schätzen, denn es weiß, welcher Weg zum ewigen Leben bei Gott führt.
Das können wir Christen umso mehr sagen. Jesus hat die Gebote ganz konkret vorgelebt, sodass wir genau wissen, wie wir leben müssen, um zum Vater zu gelangen. Wie glücklich können wir uns über die Offenbarung Gottes schätzen! Seien wir dankbar, dass er uns die Chance auf das ewige Leben schenkt!

Ps 19
8 Die Weisung des HERRN ist vollkommen, sie erquickt den Menschen. Das Zeugnis des HERRN ist verlässlich, den Unwissenden macht es weise. 9 Die Befehle des HERRN sind gerade, sie erfüllen das Herz mit Freude. Das Gebot des HERRN ist rein, es erleuchtet die Augen. 10 Die Furcht des HERRN ist lauter, sie besteht für immer. Die Urteile des HERRN sind wahrhaftig, gerecht sind sie alle. 11 Sie sind kostbarer als Gold, als Feingold in Menge. Sie sind süßer als Honig, als Honig aus Waben. 12 Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen; reichen Lohn hat, wer sie beachtet.

Mit Psalm 19 betrachten wir die Weisung des HERRN. Das ist die Torah, die in Jesus Christus Fleisch geworden ist. „Sie erquickt den Menschen.“ Ja, die Gebote zu leben bedeutet das Leben in Fülle und so muss die Seele des Menschen nicht mehr dürsten. Das können wir auch ganz und gar auf Christus beziehen, der nicht umsonst gesagt hat: „Wer Durst hat, komme zu mir und trinke (Joh 7).“
Gottes Zeugnis ist verlässlich und lehrt die Unwissenden. Jesus sagt, dass Gott sich den Unmündigen offenbart hat. Diese Weisheit ist höher als die Weisheit der Welt, so Paulus z.B. im ersten Korintherbrief.
Gott verlangt nicht, dass wir uns verbiegen und uns kaputt machen müssen. Er verlangt, dass wir gerade leben, das heißt einen Lebenswandel nach den Geboten führen sollen. Das ist nichts, was uns überfordert, sondern für den Menschen möglich! Es macht den Menschen glücklich, denn Gottes Gebote sind gerecht und viel kostbarer als alle irdischen Güter wie Gold oder Honig.
„Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen“ – das ist zunächst auf König David zu beziehen, der diesen Psalm gedichtet und selbst gebetet hat. Dies betrifft aber auch Jesus Christus, der die Gebote selbst ganz gehalten hat. Die Weisung des Herrn bringt das ewige Leben – in Buchstaben, aber vor allem als Person Jesu Christi! Deshalb sagt Jesus, dass er die Auferstehung und das Leben ist. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Keiner kommt zum Vater, außer durch ihn! Wir merken, dass mit jeder Lesung sich alles immer mehr auf Jesus Christus verdichtet! Die ganze Schrift läuft wie ein Fluchtpunkt auf ihn zusammen! Sie ist ein einziges Zeugnis für ihn.

Ez 36
16 Das Wort des HERRN erging an mich: 17 Menschensohn, als die vom Haus Israel in ihrem Land wohnten, machten sie es durch ihre Wege und ihre Taten unrein. Wie die monatliche Unreinheit der Frau waren ihre Wege in meinen Augen. 18 Da goss ich meinen Zorn über sie aus, weil sie Blut vergossen im Land und es mit ihren Götzen befleckten. 19 Ich zerstreute sie unter die Nationen; in die Länder wurden sie vertrieben. Nach ihren Wegen und nach ihren Taten habe ich sie gerichtet. 20 Als sie aber zu den Nationen kamen, entweihten sie überall, wohin sie kamen, meinen heiligen Namen; denn man sagte von ihnen: Das ist das Volk des HERRN und doch mussten sie sein Land verlassen. 21 Da tat mir mein heiliger Name leid, den das Haus Israel bei den Nationen entweihte, wohin es auch kam. 22 Darum sag zum Haus Israel: So spricht GOTT, der Herr: Nicht euretwegen handle ich, Haus Israel, sondern um meines heiligen Namens willen, den ihr bei den Nationen entweiht habt, wohin ihr auch gekommen seid. 23 Meinen großen, bei den Nationen entweihten Namen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt, werde ich wieder heiligen. Und die Nationen – Spruch GOTTES, des Herrn – werden erkennen, dass ich der HERR bin, wenn ich mich an euch vor ihren Augen als heilig erweise. 24 Ich nehme euch heraus aus den Nationen, ich sammle euch aus allen Ländern und ich bringe euch zu eurem Ackerboden. 25 Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein. Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen. 26 Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist gebe ich in euer Inneres. Ich beseitige das Herz von Stein aus eurem Fleisch und gebe euch ein Herz von Fleisch. 27 Ich gebe meinen Geist in euer Inneres und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Rechtsentscheide achtet und sie erfüllt. 28 Dann werdet ihr in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gegeben habe. Ihr werdet mir Volk sein und ich, ich werde euch Gott sein.

Als nächstes hören wir noch eine wunderbare Verheißung aus dem Buch Ezechiel. Auch hier wird der Tod als Entfernung von Gott charakterisiert („machten sie es durch ihre Wege und ihre Taten unrein“). Ezechiel bekommt eine Deutung der schlechten Zeiten Israels in der Babylonischen Gefangenschaft. Israel hat es sich selbst zuzuschreiben, „weil sie Blut vergossen im Land und es mit ihren Götzen befleckten.“ Die Zerstreuung und das Verlassen des verheißenen Landes sind Ausdruck des Zornes Gottes. Auch hier muss wieder betont werden, dass es kein Zorn ist wie bei Menschen, sondern eine angemessene und kontrollierte Reaktion Gottes auf Unrecht. Diese rettet Israel, denn dadurch kommt es zur Besinnung und kehrt um zum Leben!
Gott lässt seinen Zorn nur so lange walten, bis Israel es endlich versteht. Dann wird er sein Heil über Israel ausgießen: „Meinen großen, bei den Nationen entweihten Namen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt, werde ich wieder heiligen.“ Das klingt schon sehr christologisch für uns, die wir gestern noch die Entweihung des Namens Gottes durch die vielen Spöttereien an Jesus Christus gehört haben. Der Name Jesu, der so durch den Dreck gezogen worden ist, wird am Ende der heiligste Namen, in dem so viele Zeichen und Wunder geschehen werden, der das Heil ist für alle Menschen!
„Ich nehme euch heraus aus den Nationen, ich sammle euch aus allen Ländern und ich bringe euch zu eurem Ackerboden.“ Das ist für die Israeliten die höchste Heilsbotschaft! Sie dürfen zurück in ihrer Heimat und müssen nicht mehr in der Zerstreuung leben. Das ist aber auch christologisch zu verstehen: Jesus sammelt sich durch seine Erlösungstat Menschen aus allen Nationen und sie werden zu der neuen übernatürlichen Nation Gottes, dem neuen Volk, von dem wir in den vergangenen Lesungen schon gehört haben! Jesus wird sich seine Kirche sammeln, die auf den Ackerboden seines Leibes Fuß fassen wird. Sie wird schon auf Erden das Reich Gottes begründen und dann am Ende der Zeiten das verheißene Land, das himmlische Jerusalem betreten!
„Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein. Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen.“ Jesus wird vom Vater seinen Hl. Geist auf sein Volk ausgießen und dadurch die Kirche zum Leben erwecken! Es ist der Geist, der Jesus selbst zum Leben erweckt hat am Ostermorgen! Auch hier haben wir wieder ein Zeugnis für den Gott des Lebens, der immerfort aus dem Nichts Leben schafft! Er ist wahrhaft Creator, immerfort, nicht nur am Anfang der Schöpfung! Diese Geistgabe verleiht Gott jedem seiner geliebten Kinder auf besondere Weise, wenn sie getauft werden. Dann werden sie wiedergeboren im Hl. Geist. Ihnen wird das ewige Leben geschenkt als Erben im Reiche Gottes.
„Ich gebe meinen Geist in euer Inneres und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Rechtsentscheide achtet und sie erfüllt.“ Gott kann dem Menschen auch wieder neues Leben schenken, wenn er umkehrt. Dies gilt für Israel, das durch die Götzendienste von Gott abgerückt war. Dies gilt für uns, die wir getauft sind, aber durch die Sünde von Gott weggegangen sind. Auch dann ist es nicht zu spät! Auch dann möchte Gott an uns ein kleines Ostern erwirken, bei dem wir durch das Sakrament der Buße wieder leben! Und das bewirkt der Geist Gottes, der das Leben ist.
Und wenn wir in diesem versöhnten Zustand sterben, werden wir im Land der Lebenden wohnen zusammen mit der Heiligsten Dreifaltigkeit, mit allen Engeln und Heiligen. Dann werden wir Gottes Volk sein und er unser Gott für immer. Das ist schon mehr als nur das verheißene Land Israel. Es geht um das ewige Leben.

Ps 42-43
3 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht? 5 Ich denke daran und schütte vor mir meine Seele aus: Ich will in einer Schar einherziehn. Ich will in ihr zum Haus Gottes schreiten, im Schall von Jubel und Dank in festlich wogender Menge. 10 Sagen will ich zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mich vergessen? Warum muss ich trauernd einhergehn, von meinem Feind unterdrückt? 3 Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen mich leiten; sie sollen mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen. 4 So will ich kommen zu Gottes Altar, zum Gott meiner Freude und meines Jubels. Ich will dir danken zur Leier, Gott, du mein Gott.

Auf diese wunderbare Verheißung antworten wir mit Sehnsucht. Ja, wir können es kaum erwarten, dass dies geschieht. Wir warten darauf, dass Jesus von den Toten aufersteht, damit wir das ewige Leben haben können. Wir sind schon erlöst, aber doch fiebern wir in der Liturgie heilsgeschichtlich mit. Wir sehnen uns darüber hinaus nach dem zweiten Kommen Jesu Christi, nach der Erlösung von dem Leiden dieser Welt, das immer größer wird. Wir sehnen uns nach der ewigen Gemeinschaft mit Gott, von der aus dem Ezechielbuch gehört haben.
„Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“ Der Mensch hat Durst, bis er nicht von Gott trinkt. Und Jesus hat es schon der Samariterin am Jakobsbrunnen erklärt: Wer von diesem Wasser trinkt, wird nie mehr dürsten.
Wir klagen Gott unser Leid, die wir trauernd einhergehn. Der Feind unterdrückt uns sehr und die Tendenz ist steigend. Doch auch wenn wir klagen: „Warum hast du mich vergessen?“ Ist dem nicht so. Gott vergisst uns nie. Er hat seinen eigenen Sohn dahingegeben, damit wir das ewige Leben haben und die Rettung unseres Lebens erfahren.
„Sende dein Licht und deine Wahrheit.“ Dies ist eine tiefgründige Bitte, die unsere Sehnsucht nach dem Messias ausdrückt. So oft haben wir jetzt gehört, dass er das Licht ist, das Gott in diese Welt gesandt hat. Er ist die Wahrheit, wie er selbst im Johannesevangelium erklärt hat. Die Menschen, die den Psalm beten, ersehnen den Messias, der noch nicht gekommen ist. Wir ersehnen die Wiederkunft Christi am Ende der Zeiten.
Und dieser Christus, der die Wahrheit ist, hat schon gesagt, dass wir nur durch ihn zum Vater gelangen. Und hier im Psalm wird das schon deutlich, wenn es heißt: „Sie sollen mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen. So will ich kommen zu Gottes Altar, zum Gott meiner Freude und meines Jubels.“ Der heilige Berg ist Zion. Gemeint ist für die Juden zunächst das Kommen zum Tempel in Jerusalem auf dem Zionsberg. Wir verstehen es aber schon christologisch: Wir kommen durch Christus zum himmlischen Zion. Dieses wird sakramental schon vorweggenommen in jeder Heiligen Eucharistie. Da berühren sich Himmel und Erde. Dort ist nicht nur der irdische und sichtbare Altar, sondern zugleich der himmlische Altar Gottes, den wir nicht sehen. Die Wohnungen, von denen der Psalm spricht, greift Jesus in seiner Abschiedsrede am Abend vor seinem Leiden auf, wenn er seinen Aposteln sagt: „Bei meinem Vater gibt es viele Wohnungen.“ Es ist der Lebensraum des Himmels, der mit diesem Bild ausgedrückt wird.
Dort werden alle Seelen Gott ewige danken zu der Leier (ein Instrument). Da wird ewiger himmlischer Lobpreis stattfinden.

Röm 6
3 Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? 4 Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln. 5 Wenn wir nämlich mit der Gestalt seines Todes verbunden wurden, dann werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein. 6 Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde, sodass wir nicht mehr Sklaven der Sünde sind. 7 Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. 8 Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden. 9 Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn. 10 Denn durch sein Sterben ist er ein für alle Mal gestorben für die Sünde, sein Leben aber lebt er für Gott. 11 So begreift auch ihr euch als Menschen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus.

Tod und Leben. Die ganze Heilsgeschichte läuft hinaus auf den Tod Jesu Christi am Kreuz, der am dritten Tage von den Toten auferstanden ist! Und dies geschieht just in dieser Liturgie! Jesus ist auferstanden und unser Gloria weist darauf hin. Nun hören wir aus dem Neuen Testament aus der Perspektive des bereits auferstandenen Jesus Christus. Paulus reflektiert darin, dass unsere Taufe, der Bundesschluss mit Gott, auf diesem Osterereignis gründet:
„Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?“ Das fasst unsere Taufe zusammen. Dass wir diesen Neuen Bund mit Gott überhaupt eingehen können und zu seinen Kinder, zu Erben des Reiches Gottes werden können, verdanken wir dem Tod Jesu Christi!
Unser alter Mensch ist mit Christus zusammen begraben worden. Unsere alte, sündige Natur, die dem ewigen Verderben geweiht war, ist zusammen mit Jesus Christus gestorben. Wir sind durch die Taufe zum neuen ewigen Leben auferweckt! Dadurch sind wir Christen österliche Menschen geworden! Und so wie Jesus jetzt ewig beim Vater lebt, so werden auch wir das ewige Leben beim Vater haben, auch wenn wir biologisch sterben.
Jesus hat unser altes Menschsein mit ans Kreuz genommen, damit wir für die Sünde mitsterben. Er hat uns dadurch aus der ewigen Sklaverei, aus dem ewigen Exil befreit, damit auch wir mit ihm leben würden. So wie Christus durch die Auferstehung den Tod endgültig besiegt hat, kann dieser auch uns nicht mehr schaden.
Wir sind für die Sünde tot, aber leben für Gott. Das ist Grund für eine unerschütterliche Hoffnung bis zum letzten Atemzug! Wir sehen, wie so viele der ersten Christen mit einem Lobpreis und Jubel auf den Lippen in den Tod gegangen sind für diese Osterbotschaft! Nur ein einziger Apostel ist eines natürlichen Todes gestorben. Alle anderen wurden für diese Botschaft umgebracht. Und sie haben bis zum Schluss daran festgehalten. Das zeigt, dass es wahr ist, dass Jesus lebt! Auch wir dürfen diese unerschütterliche Hoffnung haben und unser Leben auf dieser österlichen Botschaft aufbauen, die wir auf dieses Ereignis hin getauft sind.

Ps 118
1 Dankt dem HERRN, denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig! 2 So soll Israel sagen: Denn seine Huld währt ewig. 16 die Rechte des HERRN, sie erhöht, die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie. 17 Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des HERRN zu verkünden. 22 Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden. 23 Vom HERRN her ist dies gewirkt, ein Wunder in unseren Augen.

Aufgrund dieses Ereignisses und der überwältigenden Gnade Gottes können wir nicht anders, als unser ganzes Leben als Dankesopfer für den Herrn darzubringen. So wird Psalm 118 zu unserem Lebensprogramm. Ja, Gottes Huld währt ewig, denn er ist gut. Kein anderer Gott hat sich jemals von seinen geliebten Kindern umbringen lassen, um ebenjene von allen Sünden zu erlösen!
Gott hat durch die Auferstehung seines Sohnes wirklich seine Macht bewiesen. Das war die größte Heilstat aller Zeiten, die die Menschen gestern, heute und morgen erlöst hat!
Und deshalb darf der Mensch voller Freude sagen: „Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des HERRN zu verkünden.“ Ja, das ist die einzig angemessene Antwort auf die Erlösung, die uns zuteilgeworden ist – ihn zu verkünden und immerfort Zeugnis für ihn abzulegen.
Jesus Christus ist wirklich zum Eckstein geworden, nachdem die Bauleute ihn verworfen haben. Dies greifen die Autoren des Neuen Testaments auf wie Petrus im ersten Petrusbrief oder Paulus im Römerbrief. Ja, Jesus selbst hat dieses Schriftwort aufgegriffen und auf sich bezogen, wie wir in allen synoptischen Evangelien lesen. Die Menschen haben ihn nicht angenommen, aber Gott hat diese Ablehnung wiederum ins Heil umgekehrt. Gott ist ein Gott des Heils und hat somit der gesamten Menschheit die Rettung gebracht.

Mt 28
1 Nach dem Sabbat, beim Anbruch des ersten Tages der Woche, kamen Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. 2 Und siehe, es geschah ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 3 Sein Aussehen war wie ein Blitz und sein Gewand weiß wie Schnee. 4 Aus Furcht vor ihm erbebten die Wächter und waren wie tot. 5 Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. 6 Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch den Ort an, wo er lag! 7 Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden und siehe, er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. 8 Sogleich verließen sie das Grab voll Furcht und großer Freude und sie eilten zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.
9 Und siehe, Jesus kam ihnen entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. 10 Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen.

Und nun, meine Lieben, hören wir die wunderbare Osterbotschaft:
Am ersten Tag der Woche, als der Sabbat vorbei ist, das zugleich das Wochenende des Pessachfestes war, kommen die Frauen zum Grab, um nach dem Leichnam zu sehen. Es hat eine tiefe Bedeutung, dass Jesus am ersten Tag der Woche auferstanden ist. Es gibt zu jener Zeit schon länger jüdische Traditionen (Qumran etc.), denen nach die messianische Heilszeit an Tag 8 anbricht. Somit treten wir Christen als österliche Menschen in eine neue heilsgeschichtliche Epoche ein im Gegensatz zu den Juden, die den Sabbat am siebten Tag feiern! Jesus als Messias lebt wieder am achten Tag. Für die essenischen Kreise ein absolutes Signal und eine Bestätigung ihrer Schriften!
Bei Matthäus hören wir von einem kosmischen Zeichen bei der Auferstehung – einem Erdbeben. Das ist ganz typisch, weil es ein Zeichen der Theophanie Gottes ist. Wo Gott anwesend ist, gibt es immer wieder meteorologische Phänomene wie Gewitter, Wolken oder wie jetzt das Erdbeben. Ein Engel des Herrn wälzt laut Matthäus den Stein weg. Er leuchtet hell und deshalb vergleicht Matthäus sein Aussehen mit einem Blitz und mit Schnee. Das ist die Gnade und Herrlichkeit des Himmels, die so hell leuchtet. Wir haben die Lichtmetapher jetzt schon sehr oft gehört.
Die Wächter der Römer, die das Grab bewachen mussten (man hatte Angst, dass die Jünger Jesu den Leichnam stehlen würden), waren überwältigt und konnten nichts tun. Sie erstarren vor der Herrlichkeit Gottes!
Und dann kommt die Botschaft, die uns die gesamte Bibel hindurch immer wieder begegnet: „Fürchtet euch nicht!“
Der Engel erklärt den Frauen, dass der Gekreuzigte, den sie suchen, nicht mehr da ist, weil er auferstanden ist!
Die Frauen schauen mit eigenen Augen, dass das Grab leer ist. Sie sollen zu den Aposteln gehen und ihnen die frohe Botschaft bringen. Aus dem Grund wird Maria Magdalena in der Kirche als Apostolin der Apostel verehrt. Sie hat ihnen die frohe Botschaft als erste verkündet. Weil sie Jesus immer mit einer besonders innigen Liebe geliebt hat, ist ihr diese Ehre zuteil geworden.
Der Engel kündigt den Frauen an, dass Jesus den Jüngern nach Galiläa vorausgehe.
Und dann sehen sie Jesus, den sie so sehr betrauert haben! Er lebt! Jesus lebt! Er ist echt, denn sie umfassen seine Füße. Er ist keine Fata Morgana, er ist leibhaftig bei ihnen. Auch er spricht zu ihnen und sagt ihnen, dass sie den Aposteln den Aufbruch nach Galiläa verkünden sollen, wohin er ihnen vorausgehe.
Jesus lebt – nicht nur geistig, sondern mit Leib und Seele! Er ist wahrhaftig mitten unter den Menschen. Bei den anderen Evangelisten hören wir sogar, dass Jesus etwas isst. Er ist leibhaftig auferstanden und diese Botschaft kann uns keiner nehmen! So wie er leiblich auferstanden ist, so werden auch wir am Ende der Zeiten mit Leib und Seele auferstehen. Das ist die Eigenschaft der neuen Schöpfung, zu der Jesus und Maria schon gehören.

Gott ist ein Gott des Lebens. Das ist die Hauptbotschaft von Ostern. Die ganze heilsgeschichtliche Zusammenfassung atmet diese Botschaft mit jedem Buchstaben. Gott ist ein Gott des Lebens und wenn wir zu ihm kommen, dann leben auch wir.

Halleluja, Jesus lebt!

Ihre Magstrauss


Samstag der 5. Woche der Fastenzeit

Ez 37,21-28; Ps 31,10.11-12b.13; Joh 11,45-57

Ez 37
21 Dann sag zu ihnen: So spricht GOTT, der Herr: Siehe, ich, ja ich nehme die Söhne Israels aus den Nationen heraus, wohin sie gegangen sind; ich sammle sie von allen Seiten und bringe sie auf ihren Ackerboden.

22 Ich mache sie im Land, auf den Bergen Israels, zu einer einzigen Nation. Und ein einziger König soll König für sie alle sein. Sie werden nicht länger zwei Nationen sein und sich nie mehr in zwei Königreiche teilen.
23 Sie werden sich nicht mehr unrein machen durch ihre Götzen und Gräuel und durch all ihre Untaten. Ich befreie sie von aller Sünde, die sie in ihrer Untreue begangen haben, und ich mache sie rein. Dann werden sie mir Volk sein und ich, ich werde ihnen Gott sein.
24 Mein Knecht David wird König über sie sein und sie werden alle einen einzigen Hirten haben. Sie werden meinen Rechtsentscheiden folgen und auf meine Satzungen achten und nach ihnen handeln.
25 Sie werden in dem Land wohnen, das ich meinem Knecht Jakob gegeben habe und in dem eure Väter gewohnt haben. Sie und ihre Kinder und Kindeskinder werden auf ewig darin wohnen und mein Knecht David wird auf ewig ihr Fürst sein.
26 Ich schließe mit ihnen einen Friedensbund; es soll ein ewiger Bund mit ihnen sein. Ich werde sie aufrichten und zahlreich machen. Ich werde mitten unter ihnen auf ewig mein Heiligtum errichten
27 und über ihnen wird meine Wohnung sein. Ich werde ihnen Gott sein und sie, sie werden mir Volk sein.
28 Und die Nationen werden erkennen, dass ich der HERR es bin, der Israel heiligt, wenn mein Heiligtum auf ewig in ihrer Mitte ist.

Heute hören wir aus dem Buch Ezechiel. Der Prophet bekommt wunderbare Visionen geschenkt in einer Zeit absoluten Traumas. Er wirkt zur Zeit des Babylonischen Exils und bekommt in diesem heutigen Kapitel, aus dem wir hören, die Verheißung, dass Gott alle Zerstreuten Israels wieder versammeln wird. Das Exil wird ein Ende haben!
„Siehe, ja ich nehme die Söhne Israels aus den Nationen heraus, wohin sie gegangen sind.“ Gott nimmt die Israeliten heraus, die bei den Nationen sind, hier steht das Hebräische הַגֹּויִ֖ם haggojim, die heidnischen Völker. Er holt sie weg von dort, „wohin sie gegangen sind“, das heißt aus dem babylonischen Reich. Das Verb dieses Satzes, das Wegholen, steht in einer Partizipialform. Diese verursacht eine Zeitlosigkeit oder Ungebundenheit und so können wir über das historisch Einmalige hinaus noch weiter betrachten! Gott tut das immer wieder mit seinem Volk die ganze Heilsgeschichte hindurch. Er tat es schon damals, als er durch Mose das gesamte Volk aus Ägypten herausführte. Er hat es vor allem aber dann getan, als er seinen einzigen Sohn für die Menschheit dahingegeben hat. Durch das Leiden, Sterben und die Auferstehung Jesu Christi ist der ganzen Menschheit die Aussicht auf die Rückkehr aus dem Exil geschenkt worden – aus dem Exil des Paradieses, das mit Adam und Eva begonnen hat! Diese Art von Wegholen und Heimführung ist eine viel existenziellere als die Rückführung in die irdische Heimat. Bis heute ist es jedesmal so, dass Gott uns heimholt in die Heimat, wenn wir von unseren Sünden umkehren und das Sakrament der Beichte in Anspruch nehmen. Dann wird uns diese Heimat auf moralischer Ebene wieder geschenkt, der Stand der Gnade. Und am Ende unseres Lebens sowie am Ende der Zeiten wird uns die ewige Heimholung in die himmlische Heimat geschenkt.
Ja, Gott sammelt sie von allen Seiten und bringt sie auf ihren Ackerboden. Das ist das Ideal und der größte Wunsch, den die Israeliten zur Zeit dieser Exilszeit ersehnt haben! Sie werden wieder als eine einzige Nation zusammenwachsen. Das ist eine politische Verheißung, die wir nicht unterschätzen dürfen. Vor der Babylonischen Gefangenschaft war Israel zweigeteilt, nämlich in das Nord- und Südreich. Dies war schon eine Art traumatische Erfahrung, die Gott als Folge der Sünde Salomos angekündigt hat. Das Nordreich bestand aus zehn der Zwölf Stämme. Dem Südreich blieben nur noch die Stämme Juda und Benjamin. Bevor die Babylonier in Israel einfielen, wurde das Nordreich ein Vasallenstaat der Assyrer.
Es ist also eine ganz große Verheißung, wenn Gott nur noch eine einzige Nation mit nur einem König verheißt. Wir wissen ja, dass die Israeliten dir Rückkehr nach Israel dem Perserkönig Kyros II verdanken werden, der die Fremdherrschaft der Babylonier durch eine Fremdherrschaft Israels durch die Perser ablösen wird. Dennoch wird er sehr positiv dargestellt, ja sogar als messianische Gestalt von Jesaja charakterisiert, weil er sogar den Bau eines neuen Tempels erlaubte. Die Verheißung einer einzigen Nation, die frei ist, wird sich also nicht sofort erfüllen. Wir denken da schon längst weiter und lesen somit die Verheißung nicht als politische: Es geht um den König des Weltalls, Jesus Christus, der neue Salomo, der eine einzige Nation um sich sammeln wird, die gemeinsam mit ihm das Reich Gottes bewohnen wird. Hier geht es nicht um ein irdisches Königreich, sondern um ein geistiges! Der König ist kein gewöhnlicher Mensch, sondern der Messias!
Gott verheißt Israel über Ezechiel, dass die Gräuel und Götzendienste ein Ende haben werden. Und dann sagt Gott den entscheidenden Satz, weshalb wir wissen, dass die christologische Auslegung überhaupt nicht aus den Fingern gesogen ist: „Ich befreie sie von aller Sünde, die sie in ihrer Untreue begangen haben, und ich mache sie rein. Dann werden sie mir Volk sein und ich, ich werde ihnen Gott sein.“ Die Befreiung von aller Sünde geschieht durch die Erlösung, die Jesus am Kreuz erwirken wird. Durch seinen Tod wird Gott mit allen Menschen den Neuen Bund schließen. Alle, die die Erlösung annehmen, werden so zu seinem Volk werden, nicht mehr nur bestehend aus Juden, sondern aus Juden und Heiden. Diesen Bundesschluss gehen wir ein, wenn wir getauft werden. Dann werden wir wirklich ganz rein, wofür auch das weiße Taufkleid steht. Nach der Taufe sündigen wir weiter, weil die Folgen der Erbsünde uns weiterhin beeinflussen. Doch auch da möchte Gott uns immer wieder rein machen im Sakrament der Beichte, durch die wir zurück zur Taufgnade gelangen.
Gott sagt Ezechiel zu: „Mein Knecht David wird König über sie sein und sie werden alle einen einzigen Hirten haben. Sie werden meinen Rechtsentscheiden folgen und auf meine Satzungen achten und nach ihnen handeln.“ Wie sollen wir das denn verstehen, wenn David schon seit 300 Jahren tot ist? Gott meint jemanden, der ein Nachkomme Davids ist, der aus seiner Sippe stammt. Der Messias wird als Sohn Davids erwartet und so wird auch hier wieder eine Ankündigung Jesu Christi ausgesagt. Er ist nicht nur genetisch gesehen der neue König David, sondern auch durch seine Identität als Hirte! In den letzten Wochen vor der Fastenzeit haben wir so viel von David gehört und auch da schon festgestellt, wie eng die typologische Verbindung zwischen ihm und Jesus ist. Nicht umsonst hat Gott alles so gefügt, dass der König über ganz Israel zuvor ein Hirte war! Er sollte in seiner Herrschermentalität schon vorbereitet werden. Er sollte ein Pastor sein, ein Hirte. Und so wird auch der neue David ein Pastor – er wird im Johannesevangelium selbst erklären: Ich bin der gute Hirte. Ich kenne die meinen und die meinen kennen mich. Er wird sich wirklich hingeben für seine Schafe, die auf seine Stimme hören, das heißt die Rechtsentscheide und Satzungen, wie es hier in Ezechiel heißt – die nach dem Evangelium Jesu Christi leben werden.
Ezechiel erhält weiterhin die Botschaft: „Sie werden in dem Land wohnen, das ich meinem Knecht Jakob gegeben habe und in dem eure Väter gewohnt haben. Sie und ihre Kinder und Kindeskinder werden auf ewig darin wohnen und mein Knecht David wird auf ewig ihr Fürst sein.“
Es ist zunächst die wunderbare Verheißung, dass Israel im eigenen Land wieder wohnhaft sein wird, in dem verheißenen Land. Das ewige Wohnen in jenem Land verspricht Gott an dieser Stelle so wie zuvor schon bei den Bundesschlüssen und Versprechen immer unter der Bedingung, dass Israel den Bund hält und Gott treu ist.
Wir lesen es aber auch schon weiter, denn ein ewiges Wohnen in einem Land ist ja selbst für das jüdische Denken ausgeschlossen. Das Leben in dieser Welt ist nicht unendlich und gerade im Judentum gibt es apokalyptische Vorstellungen, welchen nach Gott irgendwann die ganze Weltzeit abbrechen wird. Hier ist also schon das Wohnen in einem anderen verheißenen Land gemeint – in dem Reich Gottes! Auf ewig wird Christus ihr Fürst sein. Es ist ein geistiges Königreich, das mit seiner Menschwerdung schon anbrechen wird und sich dann bis zum Ende der Zeiten immer mehr durchsetzen wird. Dieses Reich Gottes ist schon gegenwärtig in der Kirche, in der Christus in der Eucharistie der Herr ist. Die Kirche, die er als seinen sakramentalen Leib gestiftet hat, bestimmt er. Wie sie auszusehen hat von ihrer Struktur und ihrem Inhalt entscheidet er. Dieses Reich ist auch wohnhaft in den Seelen der Menschen, die mit Gott den Taufbund eingegangen sind. Die Heiligste Dreifaltigkeit nimmt Wohnung in ihrer Seele, die der Tempel des Hl. Geistes ist. So ist der Christus auch schon Herr ihres ganz persönlichen Lebens. Er bestimmt ihr Handeln, er bestimmt die Gebote und zeigt den Weg auf, den der Mensch einschlagen soll. So führt er ihn am Ende seines Lebens vom Glauben zum Schauen. Dann wird er ganz dem Reich Gottes angehören, in dem Gott der König ist.
Ezechiel wird verheißen: „Ich schließe mit ihnen einen Friedensbund; es soll ein ewiger Bund mit ihnen sein. Ich werde sie aufrichten und zahlreich machen. Ich werde mitten unter ihnen auf ewig mein Heiligtum errichten.“ Ja, die Israeliten können nur dann politischen Frieden haben, wenn sie die Sünden ablegen und Gottes Bund treu leben. Weil sie immer wieder in schwere Sünde fallen, vor allem Götzendienst begehen, werden sie immer wieder Opfer von Fremdherrschern. Selbst zur Zeit Jesu wird es so sein, wenn Israel zum Vasallenstaat der Römer wird. Hier geht es um mehr als nur um politischen Frieden. Es geht um den Frieden Gottes, der eine übernatürliche Gabe ist. Dieser Friede hängt zusammen mit dem Hl. Geist, der nicht umsonst die Gestalt einer Taube eingenommen hat. Die Taube ist nämlich ein Symbol des Friedens. Jesus haucht als Auferstandener seine Apostel an mit den Worten „Friede sei mit euch!“ Und sodann: „Empfangt den Heiligen Geist!“ Und schon in der ersten Abschiedsrede in Joh 14 kündigt er ihnen an: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch.“ Gott verheißt den Menschen den eschatologischen Frieden, den himmlischen Frieden der Ewigkeit. Gott wird nicht nur die Israeliten als zwölf-Stämme-Bund zahlreich machen, sondern er spricht hier schon vom Volk Gottes des Neuen Bundes. Dieses wird er zahlreich machen, wie wir ja heute sehen können trotz Rückgang in Europa.
Wenn Gott auf ewig mitten unter ihnen sein Heiligtum errichten wird, ist es für die Israeliten zunächst einmal die tröstliche Verheißung, dass es einen neuen Tempel geben wird (der salomonische Tempel wurde von den Babyloniern ja zerstört). Doch wir lesen dies noch weiter: Es ist die Errichtung des Tempels Jesu Christi, seines Leibes, der die Kirche ist! Es handelt sich um die Gemeinschaft der Gläubigen, die durch die Eucharistie als Herzschlag ewig leben wird. Und es handelt sich um das Heiligtum der Seele jedes Getauften. Dort wohnt auf ewig die Herrlichkeit Gottes. Schließlich können wir von der Verheißung hier in Ezechiel einen Bogen schließen bis zur Johannesoffenbarung, in der die Verheißung dann eintreffen wird: Er sieht das himmlische Jerusalem von oben auf die Erde herabkommen. Gott wohnt in der Mitte der Menschen, so wird es keinen Tempel mehr brauchen. Er selbst wird das Heiligtum der Menschen sein.
Und dann werden es alle sehen, dass er der Herr ist. Dann wird alles offenbar werden am Ende der Zeiten!

Ps 31
10 HERR, sei mir gnädig, denn mir ist angst; vor Gram sind mir Auge, Seele und Leib zerfallen.

11 In Kummer schwand mein Leben dahin, meine Jahre vor Seufzen. Meine Kraft ist ermattet wegen meiner Sünde, meine Glieder sind zerfallen.
12 Vor all meinen Bedrängern wurde ich zum Spott, zum Spott sogar für meine Nachbarn. Meinen Freunden wurde ich zum Schrecken, wer mich auf der Straße sieht, der flieht vor mir.
13 Ich bin dem Gedächtnis entschwunden wie ein Toter, bin geworden wie ein zerbrochenes Gefäß.

Der heutige Psalm ist ein Klagepsalm, den wir uns sehr gut als Gebet der deportierten Juden in Babylon vorstellen können. Es ist das Gebet um Rettung aus der Verfolgung durch die babylonischen Feinde, noch bevor Gott die wunderbare Verheißung an den Propheten Ezechiel richtet.
„HERR, sei mir gnädig, denn mir ist angst“ – diese Emotion wird hier als Leiden vor Gott getragen. Wir stellen uns richtig vor, wie die Israeliten diese Angst vor Tod, Heimatlosigkeit und Bedrängnis beten. Auch Jesus wird im Garten Getsemani zum Vater so gebetet haben, denn seine Todesangst ist sehr groß. Er sieht sein gesamtes kommendes Leiden und die Sünden dieser Welt. Die Angst ist sogar so groß, dass sein Schweiß sich mit dem Blut geplatzter Kapillare vermischen wird. Wie sehr haben auch wir mit Ängsten in unserem Leben zu kämpfen. Doch auch da müssen wir sie nicht alleine austragen. Gerade dann dürfen auch wir mit diesen Emotionen zu Gott kommen.
„Vor Gram sind mir Auge, Seele und Leib zerfallen“ – Auge, Seele und Leib sind partes pro toto. Sie sind Beispiele für die gesamte menschliche Existenz, die hier zerfällt. Die Israeliten werden wirklich ihr ganzes Leben den Bach untergehen sehen. Alles ist ihnen entglitten und sie haben überhaupt keine Kontrolle mehr über ihr Leben. Diese Erfahrung hat schon König David gemacht, der vor der Eifersucht Sauls fliehen musste, der aufgrund seiner eigenen Vergehen vor seinem eigenen Sohn fliehen musste, dessen Leben mit einer einzigen Sünde aus dem Ruder geraten ist. Und so entgleitet auch dem Christus das gesamte Leben zum Ende hin. Er nimmt es bereitwillig an und in seinem Fall können wir wirklich sagen, dass er dies nicht selbst verschuldet hat. Auch wir machen die Erfahrung, dass wir in unserem Leben nicht die letzte Kontrolle haben. Es passieren schlimme Dinge, von denen auch wir ehrlich sagen müssen, dass so manches selbstverschuldet ist.
„In Kummer schwand mein Leben dahin, meine Jahre vor Seufzen. Meine Kraft ist ermattet wegen meiner Sünde, meine Glieder sind zerfallen.“ Diese Worte kamen wohl auch den Israeliten über die Lippen, die erkannt haben, dass ihr Leben deshalb in Kummer dahinschwindet, weil sie gesündigt haben. Das Zerfallen der Glieder ist das Gegenteil eines erfüllten und gesegneten Lebens. Der Mensch ist eine Einheit. Wenn er in Einzelteile zerfällt, dann ist es ein Sterben, ein absoluter Untergang. Wir können diese Worte auch auf den Messias beziehen, der diese Beobachtung in der geballtesten Form gemacht hat – aber nicht wegen seiner eigenen Sünden, sondern wegen der Sünden der ganzen Welt! Den Menschen zuliebe ließ er zu, dass seine Glieder nicht einfach zerfallen sind, sondern auseinander gerissen wurden, zerschunden von Stöcken und Geißeln, ausgemergelt durch die Last des Kreuzes und ausgerenkt durch das Hängen am Kreuz.
Jesus hat die Erlösung erwirkt, doch die Menschen sündigen weiter. Selbst wir, die wir den Bund der Taufe eingegangen sind, werden diesem Bund noch untreu. Und dann müssen auch wir die Konsequenzen unserer Sünde tragen. Dann erfahren auch wir dieses Auseinanderfallen unserer Glieder – dann fällt auch in unserem Leben alles auseinander.
„Vor all meinen Bedrängern wurde ich zum Spott, zum Spott sogar für meine Nachbarn. Meinen Freunden wurde ich zum Schrecken, wer mich auf der Straße sieht, der flieht vor mir.“ Diese Worte sind für die Israeliten besonders drastisch. Ja, sie wohnten mit den Babyloniern zusammen und werden sehr angefeindet worden sein. Auch die Nachbarvölker werden über Israel gespottet haben mit den Worten: „Ha, wer ist dein Gott, Israel! Von wegen der Große und Mächtige, der euch aus Ägypten heraufgeführt hat! Was sagt ihr jetzt?“ Und noch viel schlimmer war der Spott, der Jesus erleiden musste als Gott. Er, der Herrscher über das ganze Weltall, wurde behandelt wie der schlimmste Verbrecher, ausgelacht und provoziert mit den Worten: „Wenn du der Sohn Gottes bist, dann hilf dir selbst und steig herab vom Kreuz!“ Und doch hat er nicht eingegriffen – nicht weil er es nicht konnte, sondern weil er es nicht wollte. Er wollte unsere Erlösung und dafür musste er bis zum Schluss durchhalten. In unserer heutigen Zeit müssen Christen besonders viel Spott aushalten. Es gab noch nie so schlimme Christenverfolgungen wie heutzutage. Der Spott und die Anfeindungen sind so scharf wie noch nie. Wir können auch heute diese Worte des Klagepsalms ganz aktuell beten.
„Ich bin dem Gedächtnis entschwunden wie ein Toter, bin geworden wie ein zerbrochenes Gefäß.“ Für Israeliten ist diese Art von Tod das Schlimmste, was ihnen passieren kann – das Vergessen ihres Namens, ihrer Identität. Die Erinnerung auch über ihren Tod hinaus ist die höchste Form von „Auferstehungshoffnung“, die die Israeliten zur Zeit König Davids vertreten haben (er komponierte ja den Psalm). Ein Leben nach dem Tod, Jenseitsvorstellungen, all das entwickelte sich erst im Laufe der Zeit, sodass Jesus erst dann Mensch geworden ist, als die Juden schon so weit waren, das zu verstehen. Auch zu Ezechiels Zeiten ist das Gedächtnis der Toten das Höchste und Erstrebenswerte. Das Vergessen des Toten ist somit ein ewige Fluch für die Israeliten. Auch den Namen Jesu haben seine Gegner auszulöschen versucht, indem sie ihm nicht den kleinsten Funken Ehre gelassen haben. Doch am Ende hat der Vater seinen Sohn über alle anderen erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen. Er hat ihn nicht nur rehabilitiert, sondern in seinem Namen geschehen bis heute Zeichen und Wunder. Er ist der heiligste aller Namen geworden! So gibt Gott auch uns durch den Neuen Bund einen neuen Namen und wir sind getauft auf den allerheiligsten Namen Jesu Christi.
Ein Klagepsalm besitzt zumeist einen Stimmungsumschwung zum Ende hin. Er endet in einem Lobpreis und so steht auch für uns in der tiefsten Hoffnungslosigkeit das Licht des Ostermorgens. Und so lesen wir am Ende des Psalms Worte wie: „Gepriesen sei der HERR, denn er hat seine Huld wunderbar an mir erwiesen in einer befestigten Stadt. Ich aber sagte in meiner Angst: Ich bin verstoßen aus deinen Augen. Doch du hast mein lautes Flehen gehört, als ich zu dir um Hilfe rief.“ Gott erhört jeden Menschen und die Hoffnung, dass alles am Ende gut wird, ist uns als Christen durch das Ostergeheimnis geschenkt worden!

Joh 11
45 Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn.

46 Aber einige von ihnen gingen zu den Pharisäern und sagten ihnen, was er getan hatte.
47 Da beriefen die Hohepriester und die Pharisäer eine Versammlung des Hohen Rates ein. Sie sagten: Was sollen wir tun? Dieser Mensch tut viele Zeichen.
48 Wenn wir ihn gewähren lassen, werden alle an ihn glauben. Dann werden die Römer kommen und uns die heilige Stätte und das Volk nehmen.
49 Einer von ihnen, Kajaphas, der Hohepriester jenes Jahres, sagte zu ihnen: Ihr versteht nichts.
50 Ihr bedenkt nicht, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht.
51 Das sagte er nicht aus sich selbst; sondern weil er der Hohepriester jenes Jahres war, sagte er aus prophetischer Eingebung, dass Jesus für das Volk sterben werde.
52 Aber er sollte nicht nur für das Volk sterben, sondern auch, um die versprengten Kinder Gottes wieder zu sammeln.
53 Von diesem Tag an waren sie entschlossen, ihn zu töten.
54 Jesus ging von nun an nicht mehr öffentlich unter den Juden umher, sondern zog sich von dort in die Gegend nahe der Wüste zurück, zu einer Stadt namens Efraim. Dort blieb er mit seinen Jüngern.
55 Das Paschafest der Juden war nahe und viele zogen schon vor dem Paschafest aus dem ganzen Land nach Jerusalem hinauf, um sich zu heiligen.
56 Sie suchten Jesus und sagten zueinander, während sie im Tempel zusammenstanden: Was meint ihr? Er wird wohl kaum zum Fest kommen.
57 Die Hohepriester und die Pharisäer hatten nämlich angeordnet, wenn jemand wisse, wo er sich aufhält, solle er es melden, damit sie ihn festnehmen könnten.

Heute hören wir im Evangelium die Nachgeschichte der spektakulären Totenerweckung des Lazarus durch Jesus. Diese Episode ist uns am letzten Fastensonntag begegnet.
Viele der Juden, die zu Maria kamen (es geht um die Schwester des Lazarus, die mit ihren Geschwistern in Betanien lebt), sind durch dieses Ereignis gläubig geworden, aber einige haben es den Pharisäern erzählt.
So berufen sie den Hohen Rat ein, der sich aus Sadduzäern und Pharisäern zusammensetzt. Sie überlegen, was sie mit Jesus tun sollen, dessen großes Zeichenwirken sie durchaus anerkennen.
Ihre Denkweise ist verdorben und korrupt. Sie freuen sich nicht darüber, dass alle Menschen gläubig werden könnten, sondern machen sie politische Sorgen. Die Römer könnten aufgrund dieser Massenbewegung den Tempelkult verbieten. Ihnen geht es bei dieser Befürchtung vielleicht gar nicht darum, dass sie den Tempel als Wohnstatt Gottes verlieren könnten, sondern darum, dass sie als Tempellobby an Bedeutung verlieren könnten. Sie sagen ja sogar, dass die Römer ihnen das Volk nehmen könnten. Vielleicht spricht aber auch aufrichtige Sorge aus ihnen heraus, denn es würden viele Juden getötet werden. Und so spricht Kajaphas, der Hohepriester jenes Jahres, unter dem Einfluss des Hl. Geistes, dass es besser wäre, einen einzigen auszuliefern, damit der Rest am Leben bleiben würde. Dies ist zunächst als strategische Aussage zu werten, doch Johannes kommentiert dies im Nachhinein als prophetische Aussage. Auch die Gegenspieler Gottes sind letztendlich nur Werkzeuge des Heils. Gott steht über allen und so kann er selbst die Katastrophe seiner Gegner ins Positive wenden!
Was der Hohe Rat hier bespricht und was die Befürchtungen anbelangt, sehen wir als Widerholung der Geschichte. Den Juden ist schon einmal der Tempel durch die Fremdherrscher genommen worden. Es sind schon damals genug Landsleute umgekommen, als die Babylonier über Israel hergefallen ist. Was diese Männer aber nicht bedenken, ist der eigentliche dramatische Tod – die ewige Abgeschnittenheit von Gott. Sie haben all die Streitgespräche mit Jesus geführt, aber immer noch nicht verstanden, dass er der Hirte ist, den Ezechiel angekündigt hat, der neue König David des Reiches Gottes, der die Versprengten Israels heimholen will. Sie haben nicht verstanden, dass er seinen Leib stiften will als Kirche, als die Gemeinschaft der Gläubigen.
Und doch ist all dies Plan Gottes. Denn ihre Absicht, Jesus zu töten, wird zur Erlösung der ganzen Menschheit führen. Von diesem Tag der Versammlung an suchen sie nun nach einer Gelegenheit, Jesus umzubringen.
Weil Jesus Gott ist und weiß, was die Menschen denken, zieht er sich in die Wüstengegend zurück. Als dann wieder Wallfahrtssaison ist und die frommen Juden zum Pessachfest nach Jerusalem hinaufziehen, warten sie voller Spannung darauf, ob Jesus auch kommen würde. Schließlich ist ihnen ja schon klar, dass er sich mit der religiösen Elite Jerusalems angelegt hat. Sie sind bereit, Jesus auf der Stelle zu melden, weil es die Hohepriester und Schriftgelehrten angeordnet haben. So endet das Evangelium und wir erfahren es heute nicht. Was wir aber wissen und deshalb macht es auch Sinn, dass wir heute einen Tag vor Palmsonntag dieses Evangelium hören: Jesus geht nach Betanien zu den drei Geschwistern, wo Maria ihn prophetischer Weise salben wird, als ob sie sein Begräbnis vorwegnimmt. Dann wird Jesus den Einzug nach Jerusalem als königlicher Messias inszenieren, damit die schriftkundigen Juden die Erfüllung aller prophetischen Verheißungen erkennen. All dies hören wir morgen, aber nicht aus dem Johannesevangelium, sondern nach Matthäus.

Die Lage spitzt sich zu und wir spüren immer mehr, wie die Passion immer näher kommt. Es ist schmerzhaft, Jesus leiden zu sehen, aber es kann ohne die Passion und den Tod keine Auferstehung geben, kein Ostern ohne Karfreitag. Das Weizenkorn muss sterben, damit es reiche Frucht bringt. Wir müssen in unserem Leben zuerst vieles erleiden, bevor uns große Gnaden geschenkt werden. Wir müssen selbst erst einmal unser eigenes Karfreitag des irdischen Todes durchmachen, bevor wir wie Jesus in den Ostermorgen der himmlischen Herrlichkeit hinübergehen können. Bereiten wir uns auf die heilige Woche vor und bitten wir Gott darum, dass er uns für alles Kommende das Herz öffne.

Ihre Magstrauss

Dienstag der 4. Woche der Fastenzeit

Ez 47,1-9.12; Ps 46,2-3.5-6.8-9; Joh 5,1-16

Ez 47
1 Dann führte er mich zum Eingang des Tempels zurück und siehe, Wasser strömte unter der Tempelschwelle hervor nach Osten hin; denn die vordere Seite des Tempels schaute nach Osten. Das Wasser floss unterhalb der rechten Seite des Tempels herab, südlich vom Altar.
2 Dann führte er mich durch das Nordtor hinaus und ließ mich außen herum zum äußeren Osttor gehen. Und siehe, das Wasser rieselte an der Südseite hervor.
3 Der Mann ging nach Osten hinaus, mit der Messschnur in der Hand, maß tausend Ellen ab und ließ mich durch das Wasser gehen; das Wasser reichte mir bis an die Knöchel.
4 Dann maß er wieder tausend Ellen ab und ließ mich durch das Wasser gehen; das Wasser reichte mir bis zu den Knien. Darauf maß er wieder tausend Ellen ab und ließ mich hindurchgehen; das Wasser ging mir bis an die Hüften.

5 Und er maß noch einmal tausend Ellen ab. Da war es ein Fluss, den ich nicht mehr durchschreiten konnte; denn das Wasser war tief, ein Wasser, durch das man schwimmen musste, ein Fluss, den man nicht mehr durchschreiten konnte.
6 Dann fragte er mich: Hast du es gesehen, Menschensohn? Darauf führte er mich zurück, am Ufer des Flusses entlang.
7 Als ich zurückging, siehe, da waren an beiden Ufern des Flusses sehr viele Bäume.
8 Er sagte zu mir: Diese Wasser fließen hinaus in den östlichen Bezirk, sie strömen in die Araba hinab und münden in das Meer. Sobald sie aber in das Meer gelangt sind, werden die Wasser gesund.
9 Wohin der Fluss gelangt, da werden alle Lebewesen, alles, was sich regt, leben können und sehr viele Fische wird es geben. Weil dieses Wasser dort hinkommt, werden sie gesund; wohin der Fluss kommt, dort bleibt alles am Leben.
12 An beiden Ufern des Flusses wachsen alle Arten von Obstbäumen. Ihr Laub wird nicht welken und sie werden nie ohne Frucht sein. Jeden Monat tragen sie frische Früchte; denn ihre Wasser kommen aus dem Heiligtum. Die Früchte werden als Speise und die Blätter als Heilmittel dienen.

Heute hören wir in der Lesung eine wunderbare Vision des Propheten Ezechiel. Historisch ist das Ganze in die Zeit des babylonischen Exils einzuordnen. Umso verheißungsvoller erscheint folgende Vision:
Ezechiel sieht nämlich den Tempel, der ja zuvor zerstört worden ist. Und von diesem Tempel geht Wasser aus, das Richtung Osten fließt. Es kommt vom Altar und fließt sehr weit, sodass Ezechiel zum Nordtor und dann zum Osttor geführt wird, wo er es rieseln sieht. Das heißt aber nicht, dass es sich lediglich um ein kleines Rinnsal handelt, sondern es reicht dem Propheten bis zum Knöchel.
Je mehr Ellen (das ist eine Maßeinheit) der Prophet abmisst bzw. abgeht, desto tiefer wird der Fluss, sodass er am Ende sogar hindurchschwimmen muss.
Das Wasser mündet schließlich ins Meer. Wichtig an dem Strom ist, dass alles gesundet, was damit in Berührung kommt. Es wird viele Fische geben und der Prophet sieht viele Bäume, die an ihm wachsen. Das Laub dieser Gewächse verwelkt nicht und sie bringen viele Früchte.
All das soll für Ezechiel zunächst verdeutlichen, dass was vom Tempel ausgeht, dem Menschen Heil und Leben bringt. Gott versorgt von seinem Tempel aus die ganze Welt. Für den Propheten wird auf diese Weise klar, dass es einen neuen Tempel geben muss, damit Gottes Gegenwart die Welt auf besondere Weise fruchtbar werden lassen kann.
Wir sehen es aber noch weitreichender, nämlich allegorisch: Das Wasser, das vom Altar ausgeht, ist der Hl. Geist. Er war es, der in der Genesis über der Urflut schwebte. Es ist eine typologische Verbindung zur Schöpfungsgeschichte und eine Antizipation dessen, was Gott in unserer heutigen Zeit sakramental durch die Taufe, am Ende der Zeiten auf umfassende Weise bewirkt: Der Hl. Geist bringt eine neue Schöpfung hervor. Er erneuert die Welt. Und dieser Geist geht von Jesus aus, der ihn vom Vater sendet. Deshalb kommt der Geist vom Altar aus. Wir verstehen es schon sehr eucharistisch, denn auf dem Altar jeder Hl. Messe wird das Kreuzesopfer Jesu Christi immer wieder in die Gegenwart geholt. Dann ist seine Gegenwart in der Welt so intensiv wie sonst nie. Sie ist so dabei so real wie damals, als er Mensch geworden ist und unter den Menschen gelebt hat. Deshalb fließt das lebendige Wasser so stark bei jeder Hl. Messe.
Der Geist Gottes geht von der Kirche aus. Ohne sie gibt es keine Realpräsenz Gottes in der Welt. Sie atmet den Hl. Geist, der an Pfingsten wie ihr Lebensodem hineingekommen ist, analog zum Lebensodem in der Genesis, der in Adams Nase geblasen worden ist. Dieser Geist belebt und tränkt alle Lebewesen, auch gerade uns bei der Taufe. Dann kommt der Geist Gottes in uns und nimmt Wohnung auf eine umfassende Weise. So werden wir neugeschaffen zu einer unvergänglichen Schöpfung. Und dieser Geist hält uns am Leben, damit wir das ewige Leben haben. Sowohl die Blätter der Kirche verwelken nicht (Jesus hat uns versprochen, dass die Mächte der Finsternis die Kirche nicht überwältigen werden) als auch die Blätter jedes einzelnen Christen (denn wir sind mit einer unsterblichen Seele geschaffen und durch die Taufe zu Erben in Gottes Reich eingesetzt). Und diese neue Schöpfung, zu der wir gehören, wird ebenfalls ewig sein, da sie schon das Reich Gottes ist, wenn auch noch verborgen. Am Ende der Zeiten wird sie offenbar werden.
Gottes Geist schenkt uns Heil, in erster Linie seelisches, aber als Bonus oft auch physisches. Schließlich ist der Mensch nicht geteilt, sondern eine Leib-Seele-Einheit. Wir dürfen auch heutzutage glauben, dass Jesus die Menschen noch genauso heilen kann wie damals. Seine Realpräsenz ist ja dieselbe. Wichtig ist, dass wir uns zunächst mit Gott versöhnen, damit dieser an uns wirken kann. Die Früchte des Hl. Geistes an den Obstbäumen machen auch uns heute die Hoffnung, dass wenn wir den Geist Gottes in unserem Leben immer wieder an uns wirken lassen, Frucht bringen. Es ist absolut kein Zufall, dass hier die Rede von Obstbäumen und Früchten ist. Es ist eine typologische Analogie zum Garten Eden, in dem ebenfalls köstliche Früchte wachsen. Während im Garten die Früchte dazu dienen, die Menschen physisch zu nähren, und auch dort die Rede von Flüssen ist, die das Paradies tränken, haben wir es hier mit dem lebendigen Wasser zu tun. Es geht hier um den Hl. Geist, der neue Früchte bringt. Während im Garten Eden durch das Verspeisen verbotener Früchte das Unheil gekommen ist, möchte Gott durch die Früchte am Gnadenstrom des Hl. Geistes, die Menschen wieder heil machen. Und diese Früchte verstehen wir sakramental als die Heilsmittel der Kirche, allen voran die Hl. Eucharistie! Was Ezechiel hier sieht, hat also so weitreichende Volken, dass es nur siebenhundert Jahre später in das letzte Abendmahl, in den Kreuzestod Christi und in das Pfingstereignis mündet. Dort findet all das Geschaute seine sakramentale Erfüllung, die am Ende der Zeiten ihre endgültige Vollendung finden wird.

Ps 46
2 Gott ist uns Zuflucht und Stärke, als mächtig erfahren, als Helfer in allen Nöten.
3 Darum fürchten wir uns nicht, wenn die Erde auch wankt, wenn Berge stürzen in die Tiefe des Meeres;
5 Eines Stromes Arme erfreuen die Gottesstadt, des Höchsten heilige Wohnung.
6 Gott ist in ihrer Mitte, sie wird nicht wanken. Gott hilft ihr, wenn der Morgen anbricht.
8 Mit uns ist der HERR der Heerscharen, der Gott Jakobs ist unsre Burg.
9 Kommt und schaut die Taten des HERRN, der Schauder erregt auf der Erde.

Wir beten heute wieder einen Vertrauenspsalm. Begeben wir uns in die Situation des Gottesvolkes. Es befindet sich in babylonischer Gefangenschaft. Der Tempel ist zerstört. Gottes Gegenwart ist auf Erden getilgt worden. Die Hoffnung auf eine Rückkehr schwindet von Tag zu Tag. Doch in dieser Zeit lässt Gott sein Volk nicht im Stich. Er sendet Propheten wie Ezechiel, die den Menschen Mut und Hoffnung zusprechen. Und dann werden sie sich an die wunderbaren Psalmen ihres Vaters David erinnert haben und sie vertrauensvoll gebetet haben.
In einer absolut trostlosen Situation beten sie dennoch „Gott ist uns Zuflucht und Stärke“. Ja, in einem Zustand, wo das Volk die irdische Heimat verloren hat, ist Gott der Ort, an dem sie ihr Haupt ablegen können. Gott ist wirklich „Helfer in allen Nöten“. Wenn er sogar ein ganzes Volk aus dem Sklavenhaus Ägyptens herausführen konnte, ist es für ihn auch keine Schwierigkeit, das Volk aus Babylon herauszuführen.
Gott ist größer als seine Schöpfung, deshalb gibt es nichts zu fürchten, selbst wenn „die Erde auch wankt, wenn Berge stürzen in die Tiefe des Meeres“. Er hat alles gemacht. Er erhält auch alles am Leben, vor allem das Volk, mit dem er einen Bund eingegangen ist.
Das Volk wird voller Erinnerung an Jerusalem im Exil gebetet haben: „Eines Stromes Arme erfreuen die Gottesstadt, des Höchsten heilige Wohnung“. So erkennen wir, dass Ezechiel seine Vision vom Tempel Gottes und vom Wasser zunächst wörtlich genommen und womöglich mit konkreten Begebenheiten in Verbindung gebracht haben wird. Wichtig ist, dass wir dabei nicht stehenbleiben, sondern das neue Jerusalem mit dem neuen Tempel erkennen.
Die Heilige Wohnung, die Davidsstadt mit den Flüssen, all dies dürfen wir weiterdenken und so ist es nicht an die reale Stadt Jerusalem gebunden. So können auch die Juden im Exil Hoffnung haben und auch wir, die wir getauft sind: So wird der Tempel allegorisch mit Jesus Christus in Verbindung gebracht (oben habe ich es schon ausführlich beschrieben), aber auch moralisch weitergedacht als seelische „Geographie“, denn der Geist Gottes ist durch die Taufe in unsere Herzen ausgegossen und reicht darüber hinaus zu allen Menschen um uns herum. Von diesem inneren Tempel aus können wir leben und überleben, selbst in Dürrezeiten unserer Welt, unserer Geschichte, unserer Gesellschaft. Wir denken es auch anagogisch weiter und erkennen den Tempel Gottes im Himmel, das Himmelreich, in dem wir selbst Gott loben und preisen werden, wenn wir dort Wohnung nehmen. Von diesem himmlischen Tempel aus geht der Hl. Geist aus und wird einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen. Dieser Tempel wird von oben auf die Erde herabkommen und Gott wird unter den Menschen wohnen, wie es Johannes in der Offenbarung geschaut hat.
So betet auch David und mit ihm die Juden im Exil: „Gott ist in ihrer Mitte.“ Ja, er ist es schon jetzt, auch wenn sie es nicht immer so verspüren und auch wir nicht immer merken, dass er da ist.
Anhand des nächsten Verses wird uns noch eine weitere Erkenntnis zum Tempel Gottes geschenkt: „Gott hilft ihr, wenn der Morgen anbricht.“ Ja, der Tempel Gottes ist uns auch in der Episode der Tempelreinigung gelehrt worden als Tempel des Leibes Christi! Sein Leib ist ja der Tempel, der niedergerissen und nach drei Tagen wieder aufgebaut werden sollte. Ohne es schon in der Tiefe zu verstehen, hat König David vom Hl. Geist erfüllt diese Verse komponiert, die schon verheißen: Gott wird diesen leiblichen Tempel Christi bei Anbruch des Morgens wieder errichten! Es ist eine österliche Verheißung!
„Mit uns ist der Herr der Heerscharen“, Jahwe Zebaot. Er ist auf intensivste Weise mit den Menschen geworden, indem er Mensch geworden ist und als Immanuel unter den Menschen gelebt hat!
Gott wirkt Zeichen und Wunder zu allen Zeiten. Er hat das Meer geteilt und die Menschen hindurch geführt. Er wird auch das Exil beenden und das Volk zurückkehren lassen. Er wird ihnen einen gütigen Perserkönig senden, Kyros, der ihnen vieles erleichtern wird. Sie werden einen neuen Tempel errichten. Sie werden zwar immer wieder in Fremdherrschaft geraten, weil sie ihm untreu werden, aber er lässt sie nie im Stich. So sendet er am Ende der Zeiten seinen einzigen Sohn, der von den Toten auferstehen wird! Zuvor hat er so viele Zeichen und Wunder getan und tut es auch bis heute durch die Heilsmittel der Kirche. Die Eucharistie ist das größte Zeichen unserer Zeit.
So können wir diesen Vertrauenspsalm bis heute beten, denn er ist in seiner Tiefe absolut zutreffend auch für die Christen von heute. Wir, die wir uns jetzt in einer schwierigen Situation befinden, können auch heute auf Gottes große Taten vertrauen. Er lässt uns auch heute nicht im Stich und es wird alles gut werden.

Joh 5
1 Danach war ein Fest der Juden und Jesus ging hinauf nach Jerusalem.

2 In Jerusalem gibt es beim Schaftor einen Teich, zu dem fünf Säulenhallen gehören; dieser Teich heißt auf Hebräisch Betesda.
3 In diesen Hallen lagen viele Kranke, darunter Blinde, Lahme und Verkrüppelte, die auf die Bewegung des Wassers warteten.
4 Ein Engel des Herrn aber stieg zu bestimmter Zeit in den Teich hinab und brachte das Wasser zum Aufwallen. Wer dann als Erster hineinstieg, wurde gesund, an welcher Krankheit er auch litt.

5 Dort lag auch ein Mann, der schon achtunddreißig Jahre krank war.
6 Als Jesus ihn dort liegen sah und erkannte, dass er schon lange krank war, fragte er ihn: Willst du gesund werden?
7 Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich, sobald das Wasser aufwallt, in den Teich trägt. Während ich mich hinschleppe, steigt schon ein anderer vor mir hinein.
8 Da sagte Jesus zu ihm: Steh auf, nimm deine Liege und geh!
9 Sofort wurde der Mann gesund, nahm seine Liege und ging. Dieser Tag war aber ein Sabbat.
10 Da sagten die Juden zu dem Geheilten: Es ist Sabbat, du darfst deine Liege nicht tragen.
11 Er erwiderte ihnen: Der mich gesund gemacht hat, sagte zu mir: Nimm deine Liege und geh!
12 Sie fragten ihn: Wer ist denn der Mensch, der zu dir gesagt hat: Nimm deine Liege und geh?
13 Der Geheilte wusste aber nicht, wer es war. Jesus war nämlich weggegangen, weil dort eine große Menschenmenge zugegen war.
14 Danach traf ihn Jesus im Tempel und sagte zu ihm: Sieh, du bist gesund geworden; sündige nicht mehr, damit dir nicht noch Schlimmeres zustößt!
15 Der Mann ging fort und teilte den Juden mit, dass es Jesus war, der ihn gesund gemacht hatte.
16 Daraufhin verfolgten die Juden Jesus, weil er das an einem Sabbat getan hatte.

Im heutigen Evangelium schließt sich wie so oft der Kreis der heutigen Tageslesungen: Auch hier geht es um Wasser, das den Menschen Heilung bringen soll.
Es ist Wallfahrtssaison und wie jeder fromme Jude macht sich auch Jesus mit seinen Jüngern auf den Weg nach Jerusalem. Dort gibt es am Schaftor einen Teich namens Betesda mit fünf Säulenhallen. In diesen liegen viele Kranke, die darauf hoffen, bei Bewegung des Wassers hineingetragen zu werden, um vom Wasser geheilt zu werden. Man glaubte, dass die Wasserbewegung auf einen Engel Gottes hindeutete und so heilsam wurde (die Rede von einem hinabfahrenden Engel ist sekundär eingeschoben worden und deutet auf einen damaligen Aberglauben hin). Und dort liegt nun auch ein Gelähmter, der nichts von dem aufwallenden Wasser hat, denn keiner trägt ihn hinein. Diesem Mann begegnet Jesus nun und er fragt ihn, ob er gesund werden möchte. Jesus fragt ihn nicht einfach so, sondern möchte damit verdeutlichen, dass Heilung vom Willen des Menschen abhängt. Er möchte, dass der Gelähmte von sich aus den Willen zur Heilung kundtut.
Jesus hat Mitleid mit ihm und fordert ihn deshalb auf: „Steh auf, nimm deine Liege und geht!“ Sofort wird der Mann geheilt.
Bis hierhin haben wir schon viele wichtige Dinge, die wir erst einmal verdauen müssen: Dieser Teich heißt Betesda. Das heißt auf Deutsch „Haus der Gnade“. Es fasst schon alles zusammen, was der Prophet Ezechiel heute schaut. Gottes Haus ist die Quelle der Gnade. Diese ist das lebendige Wasser, das vom Altar ausgeht und bis zum Meer fließt.
Das Schaftor ist identisch mit dem Nordosttor Jerusalems. Gott lässt Ezechiel mit der Messschnur erst durchs Nordtor gehen, dann zum äußeren Osttor. Die ganze Episode ist eine Lektion Gottes für alle schriftkundigen Juden: Hier geht es um einen Teich, dessen Wasser lebendig ist. Das liegt an unterirdischen Leitungen, die das Wasser in Bewegung hielten (der Teich war in herodianischer Zeit zu einer großen Mikwe umfunktioniert worden, also zum kultischen Reinigungsbad!). So hat Gottes Vorsehung alles so gefügt, dass Jesus die Lektion ausgerechnet an „lebendigem“ Wasser erteilen kann. Er möchte den Menschen das Wesen des Hl. Geistes erläutern. Er möchte, dass die Menschen einen Bezug zu Ezechiel herstellen. Er nutzt dafür auch einen Zeitpunkt, zu dem viele Pilger nach Jerusalem strömen und die Mikwe auch sehr stark in Anspruch nehmen. Die Heilung findet vor möglichst vielen Zeugen statt, die die Lektion Gottes verstehen sollen. Stattdessen sehen sie nur eines: eine Heilung am Sabbat. Vor einigen Tagen habe ich darüber geschrieben, warum die Juden es so streng mit dem Sabbatgebot halten, dass sie sogar über das Ziel hinausschießen. Es hat unter anderem damit zu tun, dass sie in genau jene babylonische Gefangenschaft geraten sind, weil sie den Sabbat nicht gehalten haben, diese Gefangenschaft, in der Ezechiel wirkt und Visionen hat.
Jesus ist zu dem Zeitpunkt, als der Geheilt befragt wird, nicht mehr anwesend. Der Geheilte kennt Jesus auch nicht, weil er den Anklägern keine Auskunft geben kann. Später trifft er diesen aber im Tempel (das ist ein gutes Zeichen. Der Geheilte geht wohl zum Tempel, um Gott für die Heilung zu danken). Dort sagt Jesus etwas Wichtiges, was auch uns zu denken gibt: „Sieh, du bist gesund geworden; sündige nicht mehr, damit dir nicht noch Schlimmeres zustößt!“ Jesus sagt hier selbst, dass es einen Zusammenhang zwischen Krankheit/Leiden und Sünde gibt. Es ist nicht immer so, erst vor einigen Tagen hörten wir von einem Unschuldigen, der aber blind ist. Hier ist es aber wohl so, dass der Gelähmte gesündigt hat. Jesus möchte mit dieser Ermahnung dem Geheilten verdeutlichen: Dir ist Gottes Barmherzigkeit zuteil geworden. Sündige von nun an nicht mehr, damit du keinen Rückfall bekommst.“ Und die Rückfälle sind bekanntlich immer drastischer als die Krankheit zuvor. Der Mann hat die Heilung erfahren, weil er zur Heiligkeit berufen ist. Gott möchte, dass er ein gutes Leben führt und Zeuge des Heils Gottes ist. Er soll die Chance nutzen, ein besserer Mensch zu werden. So heilt Gott auch uns, nicht damit wir in Luxus und Bequemlichkeit leben können, sondern damit wir etwas aus dieser gewonnenen Gesundheit machen. So ist es auch mit der geheilten Schwiegermutter des Petrus, die dann die Gäste bedienen kann.
Die Heilung, die dem Gelähmten in erster Linie zuteil geworden ist, ist die seelische Heilung. Seine von Sünde krank gewordene Seele hat in der Begegnung mit Jesus Heilung und Versöhnung erfahren. Als weiterführende Heilung ist dem Mann die Lähmung genommen worden. So möchte Jesus auch uns heilen, er möchte auch uns, die wir uns nach dem lebendigen Wasser sehnen, aber gelähmt sind, Gesundheit an Leib und Seele schenken.
Dies möchte er in besonderer Weise auch jetzt in der Fastenzeit. Nichts kann uns wirklich Heil und Leben schenken (vor allem das ewige Leben!), außer der Gnadenstrom Gottes, der von Christus kommt. Nehmen wir diesen in Anspruch. Tun auch wir Jesus unseren Willen kund, dass er uns heilen möge. Er stellt ja auch jedem von uns tagtäglich die Frage: „Willst du gesund werden?“

Ihre Magstrauss

Freitag der 1. Woche der Fastenzeit

Ez 18,21-28; Ps 130,1-2.3-4.5-6b.6c-7a u. 8; Mt 5,20-26

Ez 18
21 Wenn der Schuldige sich von allen Sünden, die er getan hat, abwendet, alle meine Satzungen bewahrt und nach Recht und Gerechtigkeit handelt, wird er bestimmt am Leben bleiben, er wird nicht sterben. 

22 Keines seiner Vergehen, die er begangen hat, wird ihm angerechnet. Wegen seiner Gerechtigkeit, die er geübt hat, wird er am Leben bleiben. 
23 Habe ich etwa Gefallen am Tod des Schuldigen – Spruch GOTTES, des Herrn – und nicht vielmehr daran, dass er umkehrt von seinen Wegen und am Leben bleibt? 
24 Wenn jedoch ein Gerechter sich abkehrt von seiner Gerechtigkeit und Unrecht tut, all die Gräueltat, die auch der Schuldige verübt, sollte er dann etwa am Leben bleiben? Keine seiner gerechten Taten wird ihm angerechnet. Wegen seiner Treulosigkeit, die er verübt, und wegen der Sünde, die er begangen hat, ihretwegen muss er sterben. 
25 Ihr aber sagt: Der Weg des Herrn ist nicht richtig. Hört doch, ihr vom Haus Israel: Mein Weg soll nicht richtig sein? Sind es nicht eure Wege, die nicht richtig sind? 
26 Wenn ein Gerechter sich abkehrt von seiner Gerechtigkeit und Unrecht tut, muss er dafür sterben. Wegen des Unrechts, das er getan hat, wird er sterben. 
27 Wenn ein Schuldiger von dem Unrecht umkehrt, das er begangen hat, und nach Recht und Gerechtigkeit handelt, wird er sein Leben bewahren. 
28 Wenn er alle seine Vergehen, die er verübt hat, einsieht und umkehrt, wird er bestimmt am Leben bleiben. Er wird nicht sterben.

Heute hören wir aus dem Buch Ezechiel, einer prophetischen Schrift, die durch viele Bilder und Visionen all die Dinge aufgreift, die schon in den fünf Büchern Mose thematisiert worden sind. In diesen Fastentagen hören wir immer wieder Texte, die sich mit dem Thema Umkehr befassen, so auch hier:
„Wenn der Schuldige sich von allen Sünden, (…) abwendet, (…) wird er bestimmt am Leben bleiben, er wird nicht sterben.“ Das Wort „bestimmt“ ist nicht im Sinne einer unsicheren Aussage wie „wahrscheinlich“ oder „womöglich“ zu verstehen, sondern im Hebräischen wird das Verb für „leben“ gedoppelt durch eine sogenannte Absolutusform. Deshalb übersetzen wir im Deutschen mit einem Wort der Betonung wie „bestimmt“ oder „auf jeden Fall“ oder „sicherlich“.
Diese Aussage greift auf, was schon Mose z.B. in seiner Abschlussrede in Deuteronomium mit Segen und Fluch, Leben und Tod gemeint hat. Wenn wir von unseren Sünden umkehren, werden wir nicht sterben. Das ist eine tiefe Wahrheit, die uns Hoffnung schenkt. Der hier angesprochene Tod ist sowohl moralisch als auch anagogisch zu verstehen: Wir werden wieder zurück in den Stand der Gnade versetzt und erleiden nicht den totalen seelischen Tod in unserem irdischen Leben. Zugleich werden wir nach unserem Tod nicht die ewige Gottferne erfahren, sondern haben eine Aussicht auf das ewige Leben bei Gott (Himmel statt Hölle).
„Keines seiner Vergehen, die er begangen hat, wird ihm angerechnet.“ So ist es auch mit uns heute, die wir das Sakrament der Versöhnung in Anspruch nehmen dürfen. Was wir vor Gott bekannt haben und was er uns vergeben hat, wird er nach unserem Tod nicht mehr thematisieren. Es ist wie aus dem Gedächtnis gestrichen. Die „Gerechtigkeit, die er geübt hat“, bleibt dagegen immer präsent vor Gottes Augen.
Gott wünscht sich von Herzen, dass jeder Mensch gerettet wird. Es hängt vom Willen des einzelnen Menschen ab, zu ihm umzukehren oder nicht. Es ist Gottes Wille, dass dies passiert, aber die Entscheidung kann Gott den Menschen nicht abnehmen.
Wenn dagegen ein Gerechter abfällt und dieselben Sünden begeht wie ein Ungläubiger, wird dagegen sehr streng gerichtet. Schließlich saß er an der Quelle und ist von ganz oben hinabgefallen. Er hat alles gewusst und handelt nun doch so, als hätte er das alles nicht gewusst. Wer aber viel verstanden hat, wird auch für viele Dinge zur Rechenschaft gezogen. Dann nützen ihm die guten Taten von früher auch nichts, denn die Gnade ist abgeschnitten. Es ist ein Judasmoment, denn man war an der Seite Gottes und hat ihm dann einen Dolch in den Rücken gestoßen, ihn verraten.
Wir müssen aber auch bedenken, dass der Verrat nicht das Ende vom Lied sein muss. Denn auch Petrus hat Jesus verraten, doch ist umgekehrt. Auch dann dürfen wir also umkehren. Was hier angesprochen wird, ist jedoch das Verharren in der Situation, die ausbleibende Umkehr.
Die Worte Ezechiels sind für uns heute sehr wichtig: Möge die Sünde noch so groß sein – Gott vergibt uns alles, einfach alles, wenn wir in uns gehen, es von Herzen bereuen, bekennen, uns vornehmen, es nicht mehr zu tun und es büßen. Dann werden wir den seelischen Tod nicht schauen, sondern bei Gott im Himmel sein (auch wenn vielleicht nach einer Zeit der Läuterung).
Diese Worte sollten wir uns in dieser Fastenzeit besonders zu Herzen nehmen. In dieser Gnadenzeit sollten wir in uns gehen und schauen, wo noch unversöhnte Sünden in uns schlummern. Eine echte Versöhnung mit Gott, eine wirklich innige Beziehung ohne Vorbehalte können wir erst dann haben, wenn diese Konfliktpunkte vollständig ausgeräumt sind. Dieser Grundsatz gilt zu allen Zeiten. Das merken wir daran, dass Ezechiel im 6. Jh. v. Chr. für uns heute so aktuell ist.

Ps 130
1 Ein Wallfahrtslied. Aus den Tiefen rufe ich, HERR, zu dir: 

2 Mein Herr, höre doch meine Stimme! Lass deine Ohren achten auf mein Flehen um Gnade. 
3 Würdest du, HERR, die Sünden beachten, mein Herr, wer könnte bestehn? 
4 Doch bei dir ist Vergebung, damit man in Ehrfurcht dir dient. 
5 Ich hoffe auf den HERRN, es hofft meine Seele, ich warte auf sein Wort. 
6 Meine Seele wartet auf meinen Herrn mehr als Wächter auf den Morgen, ja, mehr als Wächter auf den Morgen. 
7 Israel, warte auf den HERRN, denn beim HERRN ist die Huld, bei ihm ist Erlösung in Fülle. 
8 Ja, er wird Israel erlösen aus all seinen Sünden.

Wir beten einen Bittpsalm an diesem heutigen Tag, der zu Wallfahrten nach Jerusalem gebetet worden ist. Wir beten diesen Psalm heute unter anderem bei Beerdigungen, also wo es um den Tod geht. Und auch für uns ist er stets angemessen, die wir tagtäglich Gefahren des moralischen Todes ausgesetzt sind.
„Aus den Tiefen rufe ich, HERR, zu dir“ entspricht der Tiefe des Falls in moralischer Hinsicht, also wenn wir gesündigt haben. Es bezieht sich auf die gesamte Menschheit nach dem Sündenfall, die in die Tiefe gerissen worden ist. Es bezieht sich auf die Menschheit, die nach Erlösung schreit und die Jesus dann gebracht hat. Aus der Tiefe rufen auch wir Menschen nach der Erlösungstat Christi, die weiterhin sündigen und die im Namen Jesu vieles erleiden müssen und das Ende der Zeiten ersehnen.
„Mein Herr, höre doch meine Stimme! Lass dein Ohren achten auf mein Flehen um Gnade.“ Gott hat natürlich keine Ohren, aber es ist bildhaft gemeint für Gottes Gehör. Nichts verklingt vor Gott unerhört. Er hilft allen Menschen aus ihrer Not, aber auf seine Weise und in seinem Timing.
„Würdest du, HERR, die Sünden beachten, mein Herr, wer könnte bestehn?“ – bringt es auf den Punkt. Kein Mensch hätte in den Himmel kommen können, wenn Jesus nicht alle Sünden der Welt auf sich genommen hätte. Wäre es ein reiner Kausalzusammenhang ohne diese barmherzige Intervention Gottes, wären alle Menschen ewig von Gott abgeschnitten gewesen. So ist es bei Gott aber nicht, sondern von Anfang an wollte er uns erlösen, weil sein Plan mit uns ist, dass wir alle gerettet werden. Er hat dafür alles vorbereitet, uns alles auf einem edlen Tablett serviert – nun liegt es an uns, die Erlösung, die Barmherzigkeit, die Vergebung Gottes anzunehmen und aufzustehen von unserem Fall.
„Doch bei dir ist Vergebung, damit man in Ehrfurcht dir dient“ – beschreibt den Grund unserer Erlösung: Wir sollen alle die Chance auf den Himmel haben, wo wir in ewiger Ehrfurcht Gott dienen. Aber auch jetzt schon in unserem irdischen Dasein vergibt uns Gott durch das Sakrament der Versöhnung immer wieder unsere Schuld, damit wir ihm mit versöhntem Herzen dienen können und er uns mit seinen Gnaden beschenken kann.
„Ich hoffe auf den HERRN, es hofft meine Seele, ich warte auf sein Wort.“ Es ist total messianisch zu lesen: Die Menschen, die sich auf den Weg nach Jerusalem zu den Wallfahrtsfesten im jüdischen Festkalender machen, sind zugleich in einer umfassenden Notsituation, denn sie warten auf den Messias, der sie aus ihrer jeweiligen Fremdherrschaft und politischen Spannung herausholt. Vor allem ist es zurzeit Ezechiels akut, wo das Volk Israel in babylonischer Gefangenschaft ist und der erste Tempel ja zerstört ist. So warten die Juden auf den Messias, der dann aber ganz anders kam und ganz anders erlöste, als sie es erwartet haben. Jesus ist das fleischgewordene Wort Gottes, auf das der Psalmenbeter heute wartet. Auch wir warten auf den Messias, allerdings auf seine Wiederkehr am Ende der Zeiten.
Wir warten wie das Volk Israel dabei mehr als die Wächter auf den Morgen. Es ist ein schönes Bild, denn mit dem Morgen geht die Sonne auf und Christus ist die Sonne der Gerechtigkeit. Es ist auch kein Zufall, dass der Herr im Morgengrauen auferstanden ist – zusammen mit der Sonne.
Israel soll geduldig sein und warten, denn die Erlösung kommt. Ja, das Warten hat mit dem Kommen Christi ein Ende gehabt und der Welt ist wirklich die Erlösung in Fülle geschenkt worden – sie reicht bis in unsere heutige Zeit hinein und wird auch für die kommenden Generationen gelten!
Das Warten auf Gott zahlt sich immer aus. Die Geduld und die Standhaftigkeit bis dahin wird Gott sehen, er wird auch unser Rufen hören und so werden wir am Ende für das Warten überreich entschädigt. Gott wird uns in seine Arme schließen, sodass wir auf ewig mit ihm sein werden.

Mt 5
20 Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.
21 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemanden tötet, soll dem Gericht verfallen sein. 
22 Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein. 
23 Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, 
24 so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe! 
25 Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist! Sonst wird dich dein Gegner vor den Richter bringen und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener übergeben und du wirst ins Gefängnis geworfen. 
26 Amen, ich sage dir: Du kommst von dort nicht heraus, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast.

Im Evangelium hören wir erneut aus der Bergpredigt einen wichtigen Ausschnitt. Es geht um Gerechtigkeit, die mit Beziehung zu tun hat und nicht (nur) mit Buchstabentreue.
Wer vor Gott gerecht sein möchte, muss eine weitaus größere Gerechtigkeit als die der Pharisäer und Schriftgelehrten aufweisen. Denn diese halten erstens gar nicht die vollständige Lehre im ursprünglichen Sinne, zweitens bauen sie ein menschliches Konstrukt darum, das sie statt der göttlichen Gebote halten. Das größte Problem aber besteht in der fehlenden Beziehung. Sie halten die Gebote nicht aus Liebe zu Gott, sondern um der Gebote willen. Dies führt zu einer Äußerlichkeit ohne entsprechende innere Herzenshaltung.
Und dann konkretisiert Jesus, was er damit meint, indem er die Gebote so auslegt, wie Gott sie eigentlich gemeint hat:
Er nimmt als erstes Beispiel das fünfte Gebot „du sollst nicht töten“. „Die Alten“ haben es so ausgelegt, dass man niemanden töten soll. Jesus radikalisiert es jetzt aber nach innen und stellt heraus, dass schon die Wut auf den Anderen, der Groll, die Rache, die bösen Wünsche gegenüber dem Anderen ein Verstoß gegen das Gebot sind. Ebenso ist es mit Beleidigungen. Er erklärt sie zum verbalen Mord. Nicht nur auf der Ebene des Handelns sündigt man gegen das fünfte Gebot, sondern auch auf den Ebenen der Gedanken und der Worte. Und diese Dinge reichen schon aus, kultisch unrein zu sein. Bevor man ein Opfer im Tempel darbringt, soll man zuerst Frieden schließen. Dabei soll man Friedensstifter sein selbst da, wo der Andere eigentlich die bösen Gedanken gegen einen selbst hegt.
Wenn Jesus dann das Bild des Wegs zum Gericht erwähnt, meint er damit nicht nur, dass man sich so schnell wie möglich versöhnen soll und es möglichst untereinander regeln soll, sondern auch die anagogische Ebene: Versöhne dich jetzt mit Gott und dem Nächsten, solange du noch lebst. Wenn du es bis zum Gericht Gottes nicht getan hast, wird es eine schmerzhafte Sache. Es ist selbst für die Angehörigen schmerzhaft, die einen unversöhnten Streit ihrer Familienmitglieder bis in den Tod begleiten müssen. So wie es besser ist, untereinander den Streit zu klären, bevor man im Gericht ankommt und dann ins Gefängnis muss, so ist es mit der Sühne eigener Sünden. Besser man sühnt sie noch in diesem Leben, denn danach wird es viel schmerzhafter es im „Gefängnis“ des Fegefeuers abzubezahlen.

Die Dinge, die Jesus hier vor allem konkret als Beispiele anführt, sind für uns wichtig, die wir in der Fastenzeit wirklich in uns gehen und nach ganz vergessenen Leichen im Keller suchen. Er gibt in der Bergpredigt im Grunde Anleitungen, wie eine gründliche Gewissenserforschung aussehen muss. Sie muss dabei vom Grundsatz ausgehen, dass der Mensch eine Beziehung zu Gott hat und jede Sünde ein Streit, ein Konflikt, eine Beleidigung Gottes ist. Er hilft uns, auf unseren moralischen Lebenswandel zu schauen wie Gott. Auch wenn es schmerzhaft ist, sich dann in einem realistischen Bild zu sehen, auch wenn es Überwindung kostet, umzukehren – nur so können wir in eine wirklich innere Beziehung zu Gott kommen, der ja schon an der Schwelle steht und Ausschau nach uns hält – bereit, uns in die Arme zu nehmen, wenn wir zu ihm zurückkehren. Nur so wird es eine echte Versöhnung geben und ein großes Fest wie bei der Rückkehr des verlorenen Sohns.

Ihre Magstrauss