Markus Evangelist (Fest)

1 Petr 5,5b-14; Ps 89,2-3.6-7.16-17; Mk 16,15-20

1 Petr 5
5 Ordnet euch den Ältesten unter! Alle aber begegnet einander in Demut! Denn Gott tritt Stolzen entgegen, Demütigen aber schenkt er seine Gnade.
6 Beugt euch also in Demut unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöht, wenn die Zeit gekommen ist!
7 Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch!
8 Seid nüchtern, seid wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann.
9 Leistet ihm Widerstand in der Kraft des Glaubens! Wisst, dass eure Brüder und Schwestern in der Welt die gleichen Leiden ertragen.
10 Der Gott aller Gnade aber, der euch in Christus zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen hat, wird euch, die ihr kurze Zeit leiden müsst, wieder aufrichten, stärken, kräftigen und auf festen Grund stellen.
11 Sein ist die Macht in Ewigkeit. Amen.
12 Durch Silvanus, den ich für einen treuen Bruder halte, habe ich euch kurz geschrieben: Ich habe euch ermahnt und habe bezeugt, dass dies die wahre Gnade Gottes ist, in der ihr stehen sollt.
13 Es grüßt euch die mitauserwählte Gemeinde in Babylon und Markus, mein Sohn.
14 Grüßt einander mit dem Kuss der Liebe! Friede sei mit euch allen, die ihr in Christus seid!

Heute feiern wir das Fest des Evangelisten Markus. Der Überlieferung nach handelt es sich bei Markus um den Petrus- und Paulusbegleiter Johannes Markus, der die Informationen für sein Evangelium von Petrus selbst hat. Deshalb hören wir heute sowohl aus eben jenem Evangelium als auch aus dem ersten Petrusbrief. Am Ende des Briefes wird unter anderem Markus erwähnt, den Petrus als seinen Sohn bezeichnet.
Der Brief behandelt unter anderem das Thema Hierarchie, vor allem die Einordnung der Getauften in das staatliche System. Sie gehören als Getaufte schon der Ewigkeit an, müssen aber in der Welt leben, in der Fremde, wie Petrus gerne zur Welt sagt.
Es geht um verschiedene Ebenen von Unterordnung. So behandelt er auch das Leben in der Familie oder wie hier zu Anfang des Abschnitts in der Gemeinde.
Er betont zunächst, dass die Christen sich ihren Ältesten unterordnen sollen (das griechische Wort ist presbyteros, wovon das Wort „Priester“ sich ableitet). Zugleich sollen die Gemeindemitglieder einander in Demut begegnen, das heißt unabhängig von ihrem Amt oder ihrer Weihe, ihrem Status einander dienen. Die dienende Hingabe ist gottgefällig und „Gott tritt Stolzen entgegen.“ Die Gnade fließt, wo der Mensch demütig ist. Das kann Petrus absolut von sich selbst sagen. Als er hochmütig und in totaler Selbstüberschätzung lebte, konnte Gott ihn noch nicht zum Felsen seiner Kirche machen. Erst als er gedemütigt wurde, seine eigene Armut sah und voller Reue über seine Verleugnung Christi diesem seine Liebe zusagte (Herr, du weißt, dass ich dich liebe), konnte Christus zu ihm sagen: „Weide meine Schafe“.
Wenn wir uns beugen unter die Hand Gottes, die die einzig wahre Macht ist, werden wir erhöht. Das ist mit Christus geschehen, den der Vater erhöht hat über alle anderen, weil er freiwillig in die tiefste Schande gegangen ist. Dies ist der Fall bei allen Aposteln, die ihr Leben hingegeben haben für Christus und für ihn den Märtyrertod gestorben sind (außer Johannes). All die Christen, die verspottet worden sind aufgrund ihres Glaubens, die gesellschaftliche Nachteile erlitten haben und erleiden, die verfolgt werden. Aber auch jene, die ihren Glauben frei leben können und sich ganz aufgeopfert haben für den Nächsten, die sich ganz klein gemacht haben, obwohl sie vor der Welt ganz groß waren (Franziskus, Ignatius von Loyola, Edit Stein, Mutter Teresa etc.). Sie haben sich ganz unter die Hand Gottes begeben und nun wähnt die Kirche sie bei Gott.
„Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch!“ Das ist ein tröstliches Wort, das auf Jesus zurückverweist, der den Menschen gesagt hat: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich werde euch Ruhe verschaffen!“ Gott kümmert sich wirklich um jedes seiner Kinder – und zwar so, als ob es das einzige Kind wäre. Er richtet seine ganze Aufmerksamkeit auf jeden Einzelnen. Keines seiner Kinder wird vernachlässigt. Wir müssen seine Aufmerksamkeit, seine Fürsorge, seine Hilfe aber auch von uns aus suchen und beanspruchen. Das fällt vielen Menschen schwer. Menschen möchten gerne alles selbst machen und sind zu stolz, die Hilfe Gottes in Anspruch zu nehmen. Es wird dann Autonomie genannt, Mündigkeit und Reife. Dabei ist es Torheit, weil die menschliche Natur von Schwäche geprägt ist und eben nicht alles unter Kontrolle haben kann.
„Seid nüchtern, seid wachsam!“ Wir leben in der Endzeit und die Zustände werden immer schlimmer und gottloser. Es ist wichtig, aufmerksam zu beobachten, was um uns geschieht. Wir müssen die Entwicklungen zur Kenntnis nehmen, damit wir ihnen nicht anheimfallen. Wenn wir im Rausch der Welt verbleiben, merken wir nicht, wie wir mit der Masse von Gott weggezogen werden und der Taktik des Bösen auf den Leim gehen. Wachsamkeit und Nüchternheit haben beide nichts mit Angst und Panik zu tun. Wir müssen alles beobachten und richtig einordnen, aber wir brauchen uns nicht zu fürchten. Was kann uns schon passieren? Selbst wenn unser Leben genommen wird, ist es doch nur das irdische Dasein. Unseren Glauben kann man uns nicht nehmen, auch nicht das ewige Leben bei Gott!
Der Böse ist sehr aggressiv in dieser Zeit – das heißt in der angebrochenen Endzeit. Ihm bleibt nicht mehr viel Zeit und er versucht alles, um uns Menschen von Gott wegzuführen. Das wird hier bildhaft mit dem Verschlingen ausgedrückt. Der Satan ist wie ein brüllender Löwe, er ist angsteinflößend und kommt majestätisch daher. Dabei ist er im Vergleich zu Gott nicht mehr als ein jaulendes Kätzchen. Sobald der Mensch die Angst vor ihm verliert, ist er schon größtenteils entmachtet. Geben wir ihm keine Chance!
Alle kämpfen den gleichen Kampf. Alle müssen leiden wegen dem Bösen, der die Menschen von Gott wegzieht. Und alle müssen denselben Widerstand leisten. Die Absage gegen den Bösen und die Waffen gegen ihn sind mächtig. Sie bestehen im Wesentlichen in den Heilsmitteln der Kirche, die ausrüsten gegen den Satan.
Das Leiden wegen der satanischen Angriffe ist zeitlich streng umrissen. Das tröstet, weil der Leidende Licht am Ende der Tunnels erhoffen darf. Und in dieser Zeit rüstet Gott mit allen Gnadenmitteln aus, mit den Sakramenten und Sakramentalien, die der Christ benötigt. („Der Gott aller Gnade aber, der euch in Christus zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen hat, wird euch (…) wieder aufrichten, stärken, kräftigen und auf festen Grund stellen.“).
Diese Zusage schließt er ab mit einer Gebetsformel („Sein ist die Macht in Ewigkeit. Amen“).
Zum Ende hin erwähnt Petrus, dass Silvanus (das ist ein anderer Name für Silas, den wir auch von Paulus kennen) den Brief für ihn abgefasst hat. Durch ihn hat Petrus sich an die Adressaten gerichtet.
Er fasst nochmal zusammen, wozu er die Gemeinden ermahnt hat („dass dies die wahre Gnade ist, in der ihr stehen sollt“).
Dann kommen noch abschließende Grüße und hier kommt nun der Name des Markus ins Spiel.
„Es grüßt euch die mitauserwählte Gemeinde in Babylon und Markus, mein Sohn.“ Die „mitauserwählte Gemeinde“ sagt aus, dass auch die Gemeinde des Petrus zu den Erwählten zählt (für ihn ein Begriff der Berufenen durch die Taufe, ein Begriff für die Erben im Reich Gottes). Mit Babylon wird eine Chiffre ausgesagt, die in der Bibel oft für Rom verwendet wird. So ist es auch in der Johannesoffenbarung. Petrus ist in Rom, er leitet dort die Gemeinde. Es grüßt auch Markus, der wohl bei Petrus in Rom ist. Wenn Petrus ihn seinen Sohn nennt, ist das nicht biologisch gemeint, sondern geistlich. Die Kirche ist Familie Gottes und die Jünger, die die Apostel begleiten, neu zum Glauben kommen oder einfach jünger sind als ihre Mentoren, werden oft als Kinder bezeichnet. Es ist eine liebenswürdige Bezeichnung, schon fast ein Kosename.
Es endet mit einer üblichen Formel: „Grüßt einander mit dem Kuss der Liebe!“ bezieht sich dabei auf ein gutes Verhältnis der Gemeindemitglieder zueinander. Sie sollen friedlich miteinander reden und keinen Streit haben. Der Kuss der Liebe, der auch oft als heiliger Kuss bezeichnet wird (so bei Paulus), meint die Geste des Friedensgrußes in der Liturgie. Die Mitglieder sollen sich gut vertragen. Dazu passt dann auch der letzte Satz „Friede sei mit euch allen, die ihr in Christus seid!“ Es soll Friede bei den Christen sein, der Friede Gottes, die übernatürliche Gabe, die der Heilige Geist spendet. Er schenkt einen Frieden, den die Welt nicht geben kann und der durch die Versöhnung wirksam wird.

Ps 89
2 Von der Huld des HERRN will ich ewig singen, von Geschlecht zu Geschlecht mit meinem Mund deine Treue verkünden.
3 Denn ich bekenne: Auf ewig ist Huld gegründet, im Himmel deine Treue gefestigt.
6 Die Himmel preisen deine Wunder, HERR, und die Versammlung der Heiligen deine Treue.
7 Denn wer im Gewölk gleicht dem HERRN, ist dem HERRN ähnlich unter den Söhnen der Götter?
16 Selig das Volk, das den Jubelruf kennt, HERR, sie gehen im Licht deines Angesichts.
17 Sie freuen sich allezeit über deinen Namen und sie jubeln über deine Gerechtigkeit.

Der Psalm des heutigen Festtags ist ein Lobpreis Gottes. Er beginnt wie üblich mit einer Selbstaufforderung zum Lob, das in dem ewigen Gesang von der Huld Gottes besteht. „Von Geschlecht zu Geschlecht“ zeigt, dass es über den Psalmisten hinausgeht. Er lebt ja nur ein Leben und bekommt ja nicht mehrere Geschlechter, also Generationen, mit.
Es ist ein Gebet des Volkes Israel zu jeder Zeit, in jeder Etappe der Heilsgeschichte. Gott hat zu jeder Zeit Pläne des Heils und hilft seinem Volk aus allem heraus.
Seine Huld ist Anlass zu dem Bekenntnis, dass Gott der ewig Treue ist.
Die ganze Schöpfung preist Gott, auch die Natur. „Die Himmel“ bezieht sich überdies auf die unsichtbare Welt, die ebenfalls Schöpfung Gottes ist, bestehend aus den Engeln. Auch die Heiligen preisen ihn. Es ist ein einziger Lobpreis im Himmel und auf der Erde, ein gemeinsames Besingen der Güte Gottes.
Keiner kann sich mit Gott messen, auch die mächtigen Engel sind viel niedriger als Gott. Keiner kann sich mit ihm vergleichen, sondern kann ihn nur lobpreisen.
Wir beten, dass das auserwählte Volk (הָ֭עָם ha’am) sich freuen kann, das den Jubelruf kennt (תְרוּעָה teru’ah heißt auch „Kriegsgeschrei“). „Im Licht deines Angesichts“ ist eine Umschreibung für den Stand der Gnade. Das auserwählte Volk hat den Segen Gottes, wenn es ihn stets lobt und preist, in seinem Namen jauchzt und Gottes Gerechtigkeit anerkennt. Dann geht es im „Licht seines Angesichts“. Dann ist es im Stand der Gnade und auch wir.
Verbunden mit Gottes Namen ist die Freude und der Jubel. Gott kann nur glücklich machen. Wir können nur jubeln, wenn wir erkannt haben, was Gott auch bis heute Gutes tut. Seine Pläne sind wirklich stets Heilspläne.

Mk 16
15 Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!
16 Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden.
17 Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden;
18 wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.
19 Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.
20 Sie aber zogen aus und verkündeten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte das Wort durch die Zeichen, die es begleiteten.

Im Evangelium hören wir den Abschluss des Markusevangeliums. Er lässt sich einbetten in die Osterzeit, denn wir hören von Jesu letzten Worten, bevor er in den Himmel auffährt.
Es ist der Auftrag an die Jünger, in die ganze Welt hinauszugehen und das Evangelium zu verkünden. Das meint nicht nur die Apostel, sondern auch den weiteren Jüngerkreis. Es wird so kommen, dass jeder Christusgläubige von seiner Liebe sprechen wird und das Christentum sich durch die römische Infrastruktur rasch verbreiten wird.
„Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet“ – die Taufe ist das äußere Zeichen des Glaubens an Christus. Deshalb wird beides getrennt an dieser Stelle genannt. Es ist logisch, dass wer zum Glauben gekommen ist, sich auch taufen lassen will. Die Rettung besteht in einem Leben in Ewigkeit, im Himmelreich. „Wer nicht glaubt, wird verurteilt werden.“ Das bedeutet, dass die Ungläubigen das ewige Leben nicht haben werden. Sie bleiben ewig von Gott abgeschnitten, was wir Hölle nennen. Jesus spricht hier eindeutige Worte. Die Taufe ist heilsnotwendig, weil der Glaube an Gott es ist. Deshalb sollen alle mit der Botschaft des Evangeliums in Kontakt kommen, damit sie dieses ewige Leben haben. Alle sollen gerettet werden, denn Christus ist für alle Menschen gestorben. Der Neue Bund ist besiegelt worden für jeden einzelnen Menschen.
Die Getauften werden folgende Zeichen im Namen Gottes tun: Exorzismus, Zungenrede, Unversehrtheit in Gefahr, Krankenheilung. Diese Dinge sind nicht an eine sakramentale Weihe gebunden, sondern hängen mit der Taufe zusammen (Taufe und Firmung, denn in der ersten Zeit werden beide Sakramente als ein gemeinsames angesehen). Wer den Heiligen Geist empfängt, der wird mit seinen Charismen beschenkt. Zu diesen gehören die aufgezählten Zeichen. Der Befreiungsdienst erfährt in heutiger Zeit eine immer größere Dimension und wird zunehmend professionalisiert. Befreiungsgebete darf jeder sprechen, aber für die Aposteln hat Jesus an anderer Stelle den expliziten Auftrag, Exorzismen durchzuführen. Solche dürfen dann nur von Bischöfen oder bischöflich Beauftragten Priestern durchgeführt werden. Das ist ein Unterschied (diese Exorzismen müssen nach einem festgelegten Ritus geschehen, einfache Befreiungsgebete darf jeder Getaufte beten und gestalten, wie er möchte).
Dann geht Jesus heim zum Vater, um sich zu dessen Rechten niederzulassen. So beten wir es im Glaubensbekenntnis.
Die Jünger setzen gehorsam um, was Jesus ihnen aufgetragen hat. Sie verkünden überall (gewiss geschieht das erst nach dem Pfingstereignis, das hier nicht erwähnt wird).
Und so wie Jesus seine Verkündigung durch Heilstaten unterstrich, wodurch die meisten Menschen überhaupt erst gläubig geworden sind, so ist es mit der Verkündigung seiner Jünger, die von Heilstaten im Namen Jesu begleitet werden. Der Herr steht ihnen bei allem bei, weil er ihnen versprochen hat, immer bei ihnen zu sein. Dies wird uns im Matthäusevangelium zum Schluss explizit gesagt.

Petrus und Markus, sein „Sohn“ haben diesen Auftrag Jesu Christi gewissenhaft umgesetzt. Sie sind bis nach Rom gegangen, um dort das Evangelium Jesu Christi zu predigen und die Gemeinde aufzubauen. Markus hat die Augenzeugenberichte des Petrus aufmerksam gehört und in sein Evangelium geschrieben, um die vielen Heilstaten und Worte Jesu Christi schriftlich festzuhalten. Es musste für die Nachwelt gesichert werden. Man merkt am Evangelium, dass Markus unsortiert mitgeschrieben hat – ganz so, wie Petrus mündlich erzählt und dabei natürlich von Thema zu Thema springt, je nach Situation. Man spürt förmlich, wie der Evangelist es so ungeändert wie möglich belässt, damit dieser Stil beibehalten wird.

Danken wir Gott für diesen Menschen, der Petrus und Paulus zugleich nahestand, der vieles von der frühchristlichen Mission mitbekommen hat und für uns so wichtige Worte schriftlich festgehalten hat. Danken wir Gott dafür, dass die Jünger Jesu Christi dessen Auftrag so ernst genommen und weltweit das Evangelium verkündet haben. Sonst wäre das Christentum nicht zu uns gekommen.

Ihre Magstrauss

Samstag der Osteroktav

Apg 4,13-21; Ps 118,1-2.14-15.16-17.18-19.20-21; Mk 16,9-15

Apg 4
13 Als sie den Freimut des Petrus und des Johannes sahen und merkten, dass es ungebildete und einfache Leute waren, wunderten sie sich. Sie erkannten sie als Jünger Jesu,

14 sahen aber auch, dass der Geheilte bei ihnen stand; so konnten sie nichts dagegen sagen.
15 Sie befahlen ihnen, den Hohen Rat zu verlassen; dann berieten sie miteinander
16 und sagten: Was sollen wir mit diesen Leuten anfangen? Dass ein offenkundiges Zeichen durch sie geschehen ist, das ist allen Einwohnern von Jerusalem bekannt; wir können es nicht abstreiten.
17 Damit aber die Sache nicht weiter im Volk verbreitet wird, wollen wir ihnen unter Drohungen verbieten, je wieder in diesem Namen zu irgendeinem Menschen zu sprechen.
18 Und sie riefen sie herein und verboten ihnen, jemals wieder im Namen Jesu zu verkünden und zu lehren.
19 Doch Petrus und Johannes antworteten ihnen: Ob es vor Gott recht ist, mehr auf euch zu hören als auf Gott, das entscheidet selbst.
20 Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben.
21 Jene aber drohten ihnen noch mehr und ließen sie dann gehen; denn sie sahen keine Möglichkeit, sie zu bestrafen, mit Rücksicht auf das Volk, da alle Gott wegen des Geschehenen priesen.

Gestern hörten wir bereits das freimütige Bekenntnis des Petrus vor dem Hohen Rat, als Johannes und er vernommen werden. Er hat ganz offen erklärt, dass die Heilung im Namen dessen geschehen ist, den die Hohepriester haben umbringen lassen, Jesus der Christus.
Heute hören wir nun die Reaktion derer, die sie verhören.
Sie wundern sich über den Freimut, mit dem die Apostel vor ihnen stehen. Normalerweise würde man erwarten, dass ein Menschen ganz eingeschüchtert und kleinlaut vor der religiösen Elite Israels ist. Doch diese ganz einfachen Männer, die keinerlei Bildung genossen haben, sprechen total tiefgründig und legen die Heilige Schrift aus. Die Hohepriester merken, dass hier etwas passiert, denn auf solch tiefe Gedanken, die selbst die der Schriftgelehrten übersteigt, kann ihrer Meinung nach ein einfacher Jude nicht kommen. Für uns Hörer des Wortes Gottes heute ist das ein ganz klares Zeichen für den Hl. Geist, der den Menschen am besten unterweist in der Weisheit Gottes. Er ist es, der die Linien der gesamten Schrift auf Christus zusammenführt. Er deckt den Menschen auf, wie die messianischen Verheißungen sich erfüllt haben.
Die Hohepriester sind verwirrt, müssen aber glauben, dass die Heilung tatsächlich stattgefunden hat. Schließlich steht der Geheilte neben den Aposteln vor ihnen.
Interessant ist auch, dass die Hohepriester die Apostel wiedererkennen. Die Ereignisse um Jesus herum sind jetzt noch nicht allzu lange her, aber dennoch sehen sie ja viele Menschen im Laufe der Zeit. Der Tempel wird von Gläubigen ja immerzu aufgesucht.
Die Situation ist etwas verzwickt für den Hohen Rat. Sie möchten keinen öffentlichen Aufruhr, indem sie die Apostel bestrafen, denn alle preisen Gott dafür und halten es wirklich für eine gute Tat. Sie können aber auch nicht so tun, als sei nie etwas geschehen. Das ganze Volk hat den Geheilten gesehen und die Bekenntnisrede des Petrus gehört.
Also schärfen sie den Aposteln unter Drohungen ein, nicht mehr im Namen Jesu aufzutreten und zu verkündigen.
Die Apostel nehmen kein Blatt vor den Mund und sagen auf geschickte Weise (entscheidet selbst), dass sie Gott mehr gehorchen werden als den Hohepriestern.
Was sie erlebt haben, hat ihr Leben dermaßen verändert und sie so begeistert, dass sie es einfach gar nicht für sich behalten können.
Das ist für uns ein wichtiges Stichwort. Hier geht es nicht einfach nur um die Osterfreude, die geteilt werden will. Sie sind durch den Hl. Geist neugeboren worden. Der Hl. Geist ist die Liebesglut Gottes, die immer über den Menschen hinausgeht. Sie ist so groß, dass sie über die Liebe, die Gott in sich ist, hinausgeht und die Welt schafft. Menschen als Gottes Abbild sind mit dieser Liebesglut geschaffen worden, dass ihre Liebe ebenfalls über sich selbst hinausgeht und neues Leben schafft. Und so ist es auch mit der geistlichen Natur der neuen Schöpfung, zu der die Apostel nun gehören. Die in ihre Herzen ausgegossene Liebe strömt über sie hinaus zu den Menschen, mit denen sie diese Liebesglut teilen müssen. Sie können nicht anders, denn es drängt sie, dies weiterzugeben.
Der Hohe Rat droht ihnen noch mehr, weil sie nicht wieder dasselbe Procedere durchmachen will wie mit Jesus, der eine ganze Volksbewegung verursacht hat. Die Hohepriester mögen sich noch so bemühen wie sie wollen. Gott ist stärker und auch wenn sie Jesus umgebracht haben, kann das Reich Gottes nicht gestoppt werden. Im Gegenteil. Dadurch haben sie es erst so richtig in Gang gebracht.

Ps 118
1 Dankt dem HERRN, denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig!
2 So soll Israel sagen: Denn seine Huld währt ewig.
14 Meine Stärke und mein Lied ist der HERR; er ist für mich zur Rettung geworden.
15 Schall von Jubel und Rettung in den Zelten der Gerechten: Die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie,
16 die Rechte des HERRN, sie erhöht, die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie.
17 Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des HERRN zu verkünden.
18 Der HERR hat mich gezüchtigt, ja, gezüchtigt, doch mich dem Tod nicht übergeben.
19 Öffnet mir die Tore der Gerechtigkeit, ich will durch sie hineingehn, um dem HERRN zu danken!
20 Dies ist das Tor zum HERRN, Gerechte dürfen hineingehn.
21 Ich will dir danken, dass du mir Antwort gabst, du bist mir zur Rettung geworden.

Heute beten wir den so wunderbaren Psalm 118, der durch die Auferstehung Jesu Christi zu unserem Lebensprogramm geworden ist. Ja, Gottes Huld währt ewig, denn er ist gut. Kein anderer Gott hat sich jemals von seinen geliebten Kindern umbringen lassen, um ebenjene von allen Sünden zu erlösen!
„Israel“ ist nun nicht mehr nur das irdische Volk der zwölf Stämme, sondern meint nun alle, die an Christus glauben. Wir alle sollen nun sagen: „Seine Huld währt ewig.“ Wir sind es, die Gott fürchten.
Gott ist wirklich die Stärke und das Lied aller, die gerettet worden sind. Er selbst ist zur Rettung geworden, indem er Mensch wurde, unter den Menschen lebte und sich für sie hingegeben hat.
Die „Zelte der Gerechte“ erkennen wir jetzt nicht mehr nur als Häuser jener Israeliten, die in der Wüste ihr Zelt aufschlugen, sondern es meint vor dem Hintergrund der Apostelgeschichte auch jene, in deren Häusern die Eucharistie gefeiert worden ist.
Die Rechte des Herrn hat wirklich große Taten vollbracht. Damals schon beim Auszug aus Ägypten hat er heftige Wunder getan, sogar das Meer gespalten! Doch was er nun an Christus getan hat, ist unvergleichlich höher! Er hat nämlich seinen einzigen Sohn hingegeben. Dieser ist gestorben und von den Toten auferstanden, um das ewige Leben aller Menschen gestern, heute und morgen zu erwirken!
Gott hat durch die Auferstehung seines Sohnes wirklich seine Macht bewiesen. Das war die größte Heilstat aller Zeiten, die die Menschen gestern, heute und morgen erlöst hat!
Und deshalb darf der Mensch voller Freude sagen: „Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des HERRN zu verkünden.“ Ja, das ist die einzig angemessene Antwort auf die Erlösung, die uns zuteilgeworden ist – ihn zu verkünden und immerfort Zeugnis für ihn abzulegen.
Gott züchtigt seine Kinder, das heißt, er erzieht uns und gibt uns Lektionen auf, damit wir unser eigenes Ego immer mehr abbauen, demütiger werden und ihm immer besser nachfolgen. Dies ist uns gestern sehr eindrücklich an Petrus deutlich geworden. Und das allnächtliche Fischen ohne Erfolg, das uns im gestrigen Evangelium berichtet worden ist, ist genau so eine Züchtigung. Gott lässt es zu, damit die Apostel lernen, dass sie ganz auf ihn angewiesen sind, der ihnen Segen und Erfolg schenkt, selbst in dem Beruf, den sie professionell ausüben können.
Und auch wenn Gott manchmal wartet, bis wir in die Knie gezwungen werden, lässt er uns doch nicht in die Irre gehen oder sogar sterben. Er rettet uns und wir können nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.
Bemerkenswert ist das hier verwendete Tor-Motiv. Der Psalm ist ja ein Wallfahrtspsalm, weshalb in diesem Kontext zunächst auch wieder die Stadttore Jerusalems und des Tempels gemeint sind. Dass v.a. das zweite zu verstehen ist, sieht man an der Bemerkung, dass nur Gerechte hineingehen dürfen. Dem HERRN zu danken, meint nicht nur mit Worten, sondern auch mit Dankopfern. Umso mehr ist also der Tempel in Jerusalem gemeint. Wir Christen beten auch diesen Psalm, also müssen wir ihn auch allegorisch betrachten. Die Tore sind dann die Kirchentore, durch die wir zum Allerheiligsten gelangen, das die Eucharistie im Tabernakel/in der Monstranz oder in der Hl. Messe ist. Der entscheidende und berührende Unterschied: Jeder darf zum Allerheiligsten kommen, auch die Ungetauften. Bei den Juden gab es verschiedene Bereiche auf dem Tempelgelände, die, je näher man dem Allerheiligsten (der Bundeslade) kam, von immer weniger Befugten betreten werden durften. Hier dürfen nun alle kommen. Jesus hat es schon grundgelegt, indem er gesagt hat: „Ich bin die Tür. Wer durch mich hindurchgeht, wird gerettet werden (Joh 10). Das Allerheiligste in sich aufnehmen durch den Empfang der Kommunion dürfen aber auch heute nur die Gerechten, wir sagen theologisch die im Stand der Gnade Seienden. In dieser moralischen Auslegung versteht man die Aussage „Tore der Gerechtigkeit“. Durch die Taufe und danach durch die Beichte öffnen sich diese Tore der Gerechtigkeit, sodass man in Gemeinschaft mit Gott sein kann.
Wir sind in der Osteroktav und danken dem Herrn jeden Tag für seine große Rettung, mit der er uns Antwort auf die Sehnsucht nach Erlösung gegeben hat. Wir danken dem Herrn in besonderer Weise durch das Gloria.

Mk 16
9 Als Jesus am frühen Morgen des ersten Wochentages auferstanden war, erschien er zuerst Maria aus Magdala, aus der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte.
10 Sie ging und berichtete es denen, die mit ihm zusammengewesen waren und die nun klagten und weinten.
11 Als sie hörten, er lebe und sei von ihr gesehen worden, glaubten sie es nicht.
12 Darauf erschien er in einer anderen Gestalt zweien von ihnen, als sie unterwegs waren und aufs Land gehen wollten.
13 Auch sie gingen und berichteten es den anderen und auch ihnen glaubte man nicht.
14 Später erschien Jesus den Elf selbst, als sie bei Tisch waren; er tadelte ihren Unglauben und ihre Verstocktheit, weil sie denen nicht glaubten, die ihn nach seiner Auferstehung gesehen hatten.
15 Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!

Als Evangelium wird uns heute wieder ein österlicher Text vorgelesen. Die Erscheinungen des Auferstandenen werden im Markusevangelium etwas knapper erzählt als in anderen Evangelien, weil das gesamte Evangelium etwas kürzer ausfällt.
Wir erfahren noch einmal, dass Jesus am ersten Tag der Woche auferstanden ist und dies im Morgengrauen. Die tiefe Bedeutung der Auferstehung mit dem Aufgehen der Sonne habe ich mehrfach schon thematisiert. Nach jüdischem Verständnis kommt der Messias aus dem Osten – das Wort für den Osten ist dasselbe Wort für den Sonnenaufgang! Es ist also absolut logisch, dass Christus also mit dem Aufgang der Sonne von den Toten auferstanden ist, er ist die Sonne der Gerechtigkeit!
Wir erfahren auch nochmal, dass Maria Magdalena die erste Zeugin der Auferstehung ist. Hier wird auch angemerkt, dass Jesus sieben Dämonen aus ihr ausgetrieben hat. Dies ist unterschiedlich gedeutet worden: Entweder waren es wirklich sieben Dämonen oder die Siebenzahl ist ein Zahlencode für die Fülle. Dann wären es einfach viele unterschiedliche Dämonen. Oder es ist angenommen worden, dass damit die sieben Todsünden/Hauptsünden gemeint sind, worauf die Siebenzahl geschlossen worden ist. Eines ist auf jeden Fall klar: Maria Magdalena war ganz tief verstrickt in die Sünde. Durch Jesus hat sie eine tiefe Bekehrung erlebt. Von da an hat die reiche Witwe Jesus und seine Jünger mit ihrem Vermögen unterstützt und ist selbst Jüngerin Jesu geworden mit einer brennenden Liebe zu ihm.
Wir hören davon, dass Maria Magdalena den Aposteln von ihrer Begegnung mit dem Auferstandenen berichtet und diese es zunächst nicht glauben.
Es wird sogar das Emmaus-Ereignis angesprochen, auch wenn die Details nicht ausgefaltet werden.
Jesus erscheint schließlich den Aposteln und spricht sie auf ihren Kleinglauben an. Diese Apostel vor dem Pfingstereignis sind noch ganz anders als nach der Gabe des Hl. Geistes. Dann haben sie keine Angst mehr, stehen mutig ein für Christus und haben einen brennenden Glauben.
Gottes Geist kann Menschen wirklich ganz verwandeln!
Wir hören auch davon, dass Christus seine Apostel in die ganze Welt aussendet, um das Evangelium zu verkünden. In der Apostelgeschichte lesen wir einen ersten Anfang dieser Evangelisierung. Sie beginnt im Kern, in Jerusalem und dann auch noch im Tempel. Das ist wichtig, denn dort wohnt die Herrlichkeit Gottes.
Das zeigt uns, dass auch wir, die wir Österliche sind, die wir getauft sind auf den Tod und die Auferstehung Jesu Christi, die wir den Hl. Geist empfangen haben, ebenfalls das Evangelium verkünden müssen mit unserem eigenen Leben, aber auch mit unserem freimütigen Bekenntnis. Dieser missionarische Kerngedanke ist heutzutage so sehr abhanden gekommen und eingeschlafen. Wir alle haben diese Berufung durch die Taufe. Jeder von uns hat die Verantwortung von Gott bekommen. Dabei denken viele: „Ach, ich bin doch nur ein normaler Mensch. Was kann ich schon ausrichten?“ Manche denken sogar: „Was andere tun, ist nicht meine Sache. Hauptsache ich halte mich an die Gebote Gottes. Religion ist Privatsache.“ Dabei verkennen sie, dass ihr ganzer Lebensstil ein einziger missionarischer Akt sein soll. Wir können gar nicht anders, als aufzufallen in einer Welt zunehmender Säkularisierung. Wenn wir dann auf unser Anderssein angesprochen werden, sollen wir mutig einstehen für den Glauben und erklären, was unsere Motivation für ein solches Leben ist. Das ist dann die Gelegenheit, wie Petrus in den Hallen Salomos den Tod und die Auferstehung Jesu Christi zu verkünden, sodass die Menschen innerlich davon ergriffen werden und sich ebenfalls für Christus begeistern lassen.

Ostern und Pfingsten führen hinein in ein missionarisches Leben und Gott wird uns am Ende unseres Lebens die verpassten Gelegenheiten aufzeigen. Dann wird er von uns Rechenschaft verlangen. Er hat uns den Geist gegeben, damit er übersprudelt und übergeht auf andere. Haben wir dann genug davon weitergegeben oder es für uns selbst behalten?

Ihre Magstrauss

Samstag der 3. Woche im Jahreskreis

2 Sam 12,1-7a.10-17; Ps 51 (50), 12-13.14-15.16-17; Mk 4,35-41

2 Sam 12
1 Darum schickte der HERR den Natan zu David; dieser ging zu David und sagte zu ihm: In einer Stadt lebten einst zwei Männer; der eine war reich, der andere arm. 

2 Der Reiche besaß sehr viele Schafe und Rinder, 
3 der Arme aber besaß nichts außer einem einzigen kleinen Lamm, das er gekauft hatte. Er zog es auf und es wurde bei ihm zusammen mit seinen Kindern groß. Es aß von seinem Stück Brot und es trank aus seinem Becher, in seinem Schoß lag es und war für ihn wie eine Tochter. 
4 Da kam ein Besucher zu dem reichen Mann und er brachte es nicht über sich, eines von seinen Schafen oder Rindern zu nehmen, um es für den zuzubereiten, der zu ihm gekommen war. Darum nahm er dem Armen das Lamm weg und bereitete es für den Mann zu, der zu ihm gekommen war. 
5 Da geriet David in heftigen Zorn über den Mann und sagte zu Natan: So wahr der HERR lebt: Der Mann, der das getan hat, verdient den Tod. 
6 Das Lamm soll er vierfach ersetzen, weil er das getan und kein Mitleid gehabt hat. 
7 Da sagte Natan zu David: Du selbst bist der Mann. 
10 Darum soll jetzt das Schwert auf ewig nicht mehr von deinem Haus weichen; denn du hast mich verachtet und dir die Frau des Hetiters genommen, damit sie deine Frau werde. 
11 So spricht der HERR: Ich werde dafür sorgen, dass sich aus deinem eigenen Haus das Unheil gegen dich erhebt, und ich werde dir vor deinen Augen deine Frauen wegnehmen und sie einem andern geben; er wird am hellen Tag bei deinen Frauen liegen. 
12 Ja, du hast es heimlich getan, ich aber werde es vor ganz Israel und am hellen Tag tun. 
13 Darauf sagte David zu Natan: Ich habe gegen den HERRN gesündigt. Natan antwortete David: Der HERR hat dir deine Sünde vergeben; du wirst nicht sterben. 
14 Weil du aber durch diese Tat den HERRN verworfen hast, muss der Sohn, der dir geboren wird, sterben.
15 Dann ging Natan nach Hause. Der HERR aber schlug das Kind, das die Frau des Urija dem David geboren hatte, und es wurde schwer krank. 
16 David suchte Gott wegen des Knaben auf und fastete streng; und wenn er heimkam, legte er sich bei Nacht auf die bloße Erde. 
17 Die Ältesten seines Hauses kamen zu ihm, um ihn dazu zu bewegen, von der Erde aufzustehen. Er aber wollte nicht und aß auch nicht mit ihnen.

Heute hören wir davon, dass David Gott nicht egal ist. König David ist auf Abwege geraten, weil er der Begierde nachgegeben hatte. Dadurch hat er die Gnade verloren, doch Gott möchte ihn konfrontieren. Es ist wie in einem zwischenmenschlichen Konflikt: Einer der Beteiligten sucht das Gespräch, um den Streitpunkt auszuräumen und Versöhnung zu ermöglichen. So teilt Gott über den Propheten Natan David ein Gleichnis mit. Das ist sehr schlau, denn so betrachtet David die ganze Situation aus einem distanzierteren Blickwinkel. Er fühlt sich nämlich weder angesprochen noch angegriffen.
Das Gleichnis ist insofern passend, weil es die Begierde des David umschreibt: Ein reicher Mann, der unzählige Schafe und Rinder besitzt, nimmt einem Armen, der nur ein einziges Lamm hat, dieses eine Tier weg. David, der reich ist, der mit Gottes Gnade ausgestattet ist und mehrere Frauen hat, nimmt Urija die eine Frau weg, die er hat – und die vor allem nicht seine Frau ist!
Als David das Gleichnis hört, ist er empört und zornig über das Verhalten des reichen Mannes. Er verlangt die Todesstrafe für ihn. Da löst Natan auf, wer mit diesem verabscheuungswürdigen Mann gemeint ist. Was Gott durch Natan David also vorwirft, ist dass er des Nächsten Frau begehrt hat (neuntes der zehn Gebote). Diese Sünde hat zunächst den Ausschlag gegeben, erst mit der Umsetzung des Ehebruchs kommt es zum Verstoß des sechsten Gebots.
David muss von nun an die Konsequenz seiner Sünde tragen. Ihm werden die Frauen weggenommen werden. Was er heimlich getan hat, wird nun in ganz Israel über seine Frauen bekannt werden. Aus seiner eigenen Familie wird sich das Schwert gegen ihn erheben. Das Kind, das beim Ehebruch entstanden ist, wird sterben. David tut es von Herzen leid, was er getan hat, nicht weil er jetzt bestraft wird, sondern weil er Gott wirklich liebt und er es bereut, ihn beleidigt zu haben. Er bekennt vor Natan, dass er sich vor Gott schwer versündigt hat. Natan sagt ihm zu, dass Gott ihm vergeben hat und er deshalb nicht sterben werde. Diese unscheinbaren Verse sind für uns Christen besonders interessant, weil sie uns typologisch auf die Sündenvergebung Christi und auf das Sakrament der Beichte vorbereiten: David bereut von Herzen, sagt Natan, aber eigentlich Gott selbst, dass er sich vor ihm schwer versündigt hat, bekommt von Gott über den Propheten Natan zugesagt, dass ihm vergeben wird. Er wird nicht sterben – das lesen wir dann seelisch. Gott vergibt die Sünde und deshalb ist man nicht mehr im Stand der Todsünde, die Seele stirbt nicht, man kommt also nicht mehr in die Hölle. Aber wegen der Schwere der Sünde ist die Sühne Davids besonders schwerwiegend und lang. Er muss mehrere Dinge dafür erleiden, was er getan hat. David tut Buße und fastet, um das Unheil noch abwenden zu können, aber es muss geschehen. Nur so werden seine Vergehen wieder gut gemacht. Das Kind wird dennoch sterben. Auch nach der Beichte müssen wir unsere Sünden wieder gut machen. Was wir zeitlebens aber noch nicht gesühnt haben, sühnen wir nach dem Tod, bevor wir ganz bei Gott sein können. Dass nennen wir Fegefeuer.
David hat seine Lektion gelernt, aber die Folgen seiner Missetaten werden auf ihn zurückfallen. Sein eigener Sohn wird eine Meuterei anzetteln, sein anderer Sohn stirbt, die Fremdherrschaften haben kein Ende.
Dieser König, der uns so ein großes Vorbild ist, hat gestern seine dunklen Seiten gezeigt. Das hat ihn echt gemacht, denn kein Mensch ist ohne Sünde. Er hat aber auch gezeigt, wie man sich verhalten muss, wenn man gefallen ist: Man muss wieder aufstehen. Konkret heißt das, dass man Gott aufrichtig um Verzeihung bitten, die Sünde klar bekennen, voller Reue und Vorsatz es in Zukunft nicht wieder tun soll und die Konsequenzen ausbadet. Davids Innenleben in dieser ganzen Situation ist uns gestern vor allem durch Psalm 51 deutlich geworden. Heute beten wir den zweiten Teil des Psalms, der auch heute die Sehnsucht nach Versöhnung mit Gott verdeutlicht.

Ps 51
12 Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz und einen festen Geist erneuere in meinem Innern! 
13 Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, deinen heiligen Geist nimm nicht von mir! 
14 Gib mir wieder die Freude deines Heils, rüste mich aus mit dem Geist der Großmut! 
15 Ich will die Frevler deine Wege lehren und die Sünder kehren um zu dir. 
16 Befreie mich von Blutschuld, Gott, du Gott meines Heils, dann wird meine Zunge jubeln über deine Gerechtigkeit! 
17 Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund dein Lob verkünde!

„Erschaffe mir Gott ein reines Herz“ ist die Erkenntnis, dass der Mensch sich selbst nicht gut machen kann. Vor allem wenn man sich schuldig gemacht hat, kann man nicht selbstständig wieder den Zustand der Schuldlosigkeit zurückerlangen. Gott ist es, der uns wieder in den Stand der Gnade zurückversetzen kann, indem er uns die Schuld vergibt, uns reinigt, uns erneuert durch den Hl. Geist. Er kann unser Herz wieder rein machen und uns einen „neuen beständigen Geist“ schenken.
David bittet Gott darum, die Freundschaft mit ihm nicht zu kündigen („verwirf mich nicht von deinem Angesicht“). Er bittet ihn darum, die Salbung nicht zurückzunehmen, seinen gesamten Heilsplan mit David („nimm deinen Hl. Geist nicht von mir“, denn Salbung bedeutet Geistgabe). Er bittet Gott insgesamt darum, den Bund mit ihm nicht zu kündigen wegen dem, was er ihm angetan hat. Gott hat ihm aber zugesagt, dass er treu ist und einen Bund nicht zurücknimmt.
Davids Sünde hat ihn unglücklich gemacht. Das wird uns deutlich aufgrund der Bitte hier im Psalm „mach mich wieder froh mit deinem Heil“. Die Sünde macht uns immer unglücklich, weil sie uns in einen Streit mit Gott bringt. Wenn wir uns aber von Gott entfernen, entfernen wir uns von der Lebensquelle. Dann kann es uns seelisch nur schlecht gehen. Wir werden innerlich einsam und unzufrieden. Wir werden traurig, weil Freude eine Frucht des Hl. Geistes ist. Diesen verlieren wir aber durch die Sünde. David möchte wieder zur glücklichen Beziehung zu Gott, zu seiner ersten Liebe zurückkehren. Er bittet Gott um die Frucht der Freude, die nur der Hl. Geist wieder verleihen kann. Er kann sich nicht selbst glücklich machen. Es ist ein Geschenk, das von Gott kommt. Das hat David verstanden.
David verspricht, Gott auch vor den Abtrünnigen zu bekennen und anderen Sündern auf den Weg zurück zu Gott zu führen. Gott möge ihn von der Blutschuld befreien, die er durch den Mord Urijas auf sich geladen hat, dann wird David Gott loben und preisen. Gott möge ihm die Lippen öffnen, damit er wieder Lobpreis machen kann. Dies kann er zurzeit nicht, denn sein Herz ist nicht bereit dafür. Dieses muss Gott erst verwandeln. Für David kommt kein oberflächliches Loben in Frage. Schließlich möchte er mit dem Herzen immer dabei sein und es ist für David ein Ausdruck der innigen Beziehung zu Gott. Diese ist jetzt aber gestört. Auch wir Menschen können Gott wieder loben und preisen, wenn alles Störende ausgeräumt ist. Wenn wir wieder im Stand der Gnade sind, können wir wieder feiern. Dann ist die Gemeinschaft mit Gott wiederhergestellt. Wir denken da besonders an die Eucharistie. Bei dieser antizipierten Hochzeit des Lammes können wir den Leib Christi erst empfangen, wenn die Gemeinschaft intakt ist. Wie traurig man sich fühlt, wenn man nicht nach vorne gehen kann, weil man sich schwer versündigt hat! Dann beten auch wir „verschaffe mir Gott ein reines Herz! Mach mich wieder froh mit deinem Heil, mit deinem Jesus!“ Auch uns möchte Gott die Schuld vergeben und hat deshalb das Sakrament der Versöhnung gestiftet. Wie wohltuend ist es für die Seele, dieses Heilmittel in Anspruch zu nehmen! Umso trauriger ist es, dass so wenige Menschen diese Chance in Anspruch nehmen möchten. So werden sie aber auch zeitlebens unglücklich sein.

Mk 4
35 Am Abend dieses Tages sagte er zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. 

36 Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; und andere Boote begleiteten ihn. 
37 Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann. 
38 Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? 
39 Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein. 
40 Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? 
41 Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen?

Nachdem Jesus jetzt mehrere Gleichnisse erzählt hat (wir hörten davon die letzten Tage), fährt er nun mit seinen Jüngern in einem Boot zum anderen Ufer des Sees Genesaret. Vor einigen Wochen haben wir über diese Fahrt von einem Ufer zum anderen vierfach nachgedacht. Dann war dieses Boot als die Kirche zu betrachten, die auf dem See der Endzeit durch allerlei Stürme hindurch auf die Ewigkeit zusteuert. Es ist auch das Boot unseres Lebens, in dem wir durch die Stürme unseres Alltags hindurch auf das ewige Leben zusteuern, ebenso die gesamte Menschheitsgeschichte, die sich auf die Endzeit zubewegt, auf den Tag des Jüngsten Gerichts zu.
Entscheidend ist, dass Jesus mit im Boot ist. So kann das Boot nicht kentern, weder als Kirche Christi betrachtet, die die Mächte der Finsternis nicht überwältigen werden, noch als unser eigenes Leben betrachtet, in denen die Versuchungen des Teufels uns mit Jesu Beistand nichts anhaben können. Auch mit Blick auf das Ende der Zeiten und dem Gericht Gottes wird uns ein gutes Gerichtsurteil erwarten, wenn Jesus im Boot ist.
Und wenn die schweren Stürme kommen, vergessen wir manchmal, dass er da ist. Dann werden wir panisch, weil Wasser ins Boot läuft. Dann schreien wir zu Gott, dass er uns helfe und rütteln am schlafenden Jesus. Wir verstehen dann nicht, warum Gott so gelassen bleibt, obwohl die Situation so dramatisch erscheint. Das ist sowohl im kirchlichen Leben als auch im alltäglichen Leben des Einzelnen so. Wir haben den Eindruck, dass wenn ein Schisma droht, wenn Angriffe von innen und außen kommen, die Kirche untergehen wird. Dabei vergessen wir, dass dies nicht passieren kann. Jesus hat es uns versprochen und er wird uns auch helfen. Das ist auch so, wenn wir schlimmen Versuchungen ausgesetzt sind oder schwierige Probleme im Leben bekommen. Dann haben wir schnell den Eindruck, dass alles den Bach hinuntergeht. Wir schöpfen wie wild eimerweise das hineinlaufende Wasser aus und reagieren hektisch, unüberlegt. Genau dies möchte der Teufel auch, er will uns verrückt machen, dass wir die Orientierung verlieren. Dabei müssen wir dann erst recht ruhig bleiben, uns besinnen und uns an Christus wenden. Wenn wir Versuchungen ausgesetzt sind, sollen wir beten, Kontakt zu Gott suchen. Er wird sie vertreiben. Er muss nur ein Wort sagen und alles wird verwandelt werden. Wir sollen auf Gott vertrauen und seinen Worten glauben, wenn er sagt: Es wird euch nichts passieren. Wie oft machen wir die Erfahrung, dass wir uns vornehmen, unsere Beziehung zu Gott zu vertiefen und ihn besser kennen lernen zu wollen. Dann kommen tausend Ablenkungsmanöver durch die alltäglichen Sorgen, Probleme und Zwischenfälle. Wir werden davon so abgelenkt, dass wir weder die Zeit noch die Kraft, noch den Gedanken übrig haben, unser ursprüngliches Vorhaben in die Tat umzusetzen. Es sind die typischen Schachzüge des Teufels, uns von Gott wegzuziehen. Wenn im Alltag so viele Probleme auftauchen und uns wieder aufzuzehren versuchen, seien wir uns dann bewusst, wer eigentlich dahintersteckt. Zeigen wir es ihm dann so richtig, indem wir uns dann gerade an Gott klammern, uns dann gerade mehr Zeit zum beten nehmen und vor allem noch mehr die Sakramente in Anspruch nehmen, häufiger beichten, häufiger die Kommunion empfangen. Dann tun wir dadurch genau das, was die Jünger Jesu auch tun – mit dem Wasserschöpfen aufhören und Jesus wecken. Mit seiner Hilfe wird uns alles gelingen.

Und wenn wir dies nun zurückbeziehen auf König David, erkennen wir, dass die Zuhilfenahme Gottes und das absolute Vertrauen auf ihn gerade auch in Schuldsituationen zu suchen ist. Was mit David passiert ist, ist ein großes Loch in seinem Boot durch einen besonders starken Sturm. Er hat den Versuchungen des Teufels nachgegeben, die man mit diesem Bild hier als Sturmböen beschreiben kann. Er hat nicht wie wild angefangen, das Loch selbst zu stopfen und das Wasser selbst auszuschöpfen, sondern er hat den Herrn sofort geweckt. Er bat ihn um Verzeihung und betete – so haben wir im Psalm gehört- erschaffe mir Gott ein reines Herz und gebe mir einen beständigen Geist! Er hat Gott geweckt, weil er verstanden hat, dass er dieses angerichtete Chaos nicht selbst wieder in Ordnung bringen kann. Er vertraute dabei darauf, dass Gott das Boot nicht verlassen wird, sondern sein Versprechen des Bundes hält. Gott hat ihm vergeben und sein Boot ging nicht unter. Natan hat David ja zugesagt „du wirst nicht sterben“. Aber er musste für den entstandenen Schaden aufkommen.

Beide Geschichten sind für uns ganz hilfreiche Hinweise, wie wir uns in den Stürmen des eigenen Lebens und der Kirche verhalten sollen, selbst da, wo wir den Stürmen nachgegeben haben. Schließlich bleibt kein einziger Mensch von den Versuchungen verschont. Jeder muss im Sturm kämpfen. Wenden wir uns dabei an Christus, der mit im Boot ist, und bleiben wir gelassen: Wir werden nicht sterben, solange wir den Herrn bei uns haben. Er ist bereit, jedes Loch zu stopfen und die Versuchungen zu vertreiben, wenn wir nur zu ihm kommen im Sakrament der Versöhnung.

Ihre Magstrauss